LadyK's Kurzgeschichtensammlung

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    • LadyK schrieb:

      Wegen des Inhalts?
      Jein. Wenn ich so eine Selbsthilfe-Kurzgeschichte schreibe, wie ich sie nenne, dann geht es meistens um meine Gedanken und Gefühle und nicht um Sachen, die ich 1:1 nacherzählen könnte. Deswegen verwurschtelt sich das alles, die Figuren haben meistens keine Ähnlichkeit mit mir, sondern nur das Problem hat Ähnlichkeit mit meinem aktuellen Problem ;)

      Bei deiner Geschichte kann man sich zwar auch einbilden, dass du das bist, aber zumindest wenn man deinen Hund kennt, könnte man vermuten, dass es hier um dich, bzw. deine Mama geht.
    • Ich poste hier mal meine Geschichte aus dem aktuell verstrichenen Schreibwettbewerb :)
      Vielleicht habt ihr ja Lust noch was zu kommentieren. Wenn nicht, dann nicht :)


      Auf dem Pfad des Lebens
      Schreibwettbewerb Oktober/ November 2018


      Atemlos stieg Adam die letzte Stufe hinauf zum Tempel, der ihm die Antwort auf seine Fragen liefern sollte. Niemand sonst konnte ihm jetzt noch helfen und er hoffte, dass er hier Gewissheit finden würde. Schon als kleiner Junge hatte er sich gefragt, was es war, das das Leben wirklich erhält.
      Keuchend stützte er sich auf seinen Wanderstab und drehte sich herum, um an den Stufen hinab zu blicken. Anfangs hatte diese Treppe ihn ausgelacht, ihn für sein Vorhaben verhöhnt und ihn förmlich angegrinst, dass er es nicht schaffen würde, diese mehrere tausend Stufen zu erklimmen.
      Doch hier stand Adam nun, lächelte und streckte den moosbefleckten Steinen die Zunge heraus.
      Ratlos legte er seinen Stab auf den Boden und setzte den Reiserucksack ab, nahm die Karte heraus, die ihn hierhergeführt hatte und faltete sie auseinander. Das vergilbte Papier zeigte trotz der Jahre, die es in den verstaubten Regalen seines Elternhauses gelegen hatte, deutlich den Weg, den er bisher gehen musste. Jetzt, da er am Ziel angekommen war, fühlte er sich befreit. Aber noch hatte er seine Antwort nicht erhalten. Der Tempel war seit Jahrhunderten eine Anlaufstelle für all jene, die unzufrieden mit sich und der Welt waren. Genau wie er selber. Seine Eltern waren bei einem Unglück gestorben, seine Frau hatte ihn eines Tages einfach verlassen und die Kinder allesamt mitgenommen. Danach hatten Trauer, Zerrissenheit und Wut über seine Gedanken geherrscht.
      Er steckte die Karte wieder weg, schulterte seinen Rucksack, nahm den Wanderstab in die Hand und setzte seinen Weg fort.
      Vor ihm lag der Tempel. Ein riesiges, imposantes Gebäude, an dem bereits die Krallen der Zeit gerissen hatten. Trotzdem war der Glanz erhalten geblieben. Von den schwungvollen Dächern hingen die verschlungenen Ranken wie ein Tränenschleier herab. Die bunte Farbe der vielen Statuen war an einigen Stellen abgebröselt und auch viele der hellen Steine, aus denen nahezu alles hier bestand, wurden von Moos und Farnen verdeckt. Einzig die riesige Tür war davon verschont verblieben.
      Adam näherte sich dem Tempel mit langsamen Schritten und blieb vor dem Ehrfurcht gebietenden Gebäude stehen. Vorsichtig legte er seine Hand auf das dunkle Holz und fühlte die Wärme, die davon ausging. Er spürte das Leben, welches noch immer hinter diesen Mauern verborgen lag und nach ihm schrie. Es wirkte fast, als würde der Tempel ihn einladen und entschlossen drückte er die Tür mit aller Kraft auf. Das Holz knarzte rebellisch, doch er achtete nicht darauf und schob sie immer weiter nach innen, bis er ungehindert hindurchgehen konnte.
      Staunend ging er einige Meter hinein und blieb dann mit offenem Mund stehen, drehte sich einmal im Kreis und ließ diesen atemberaubenden Anblick auf sich wirken.
      Der Raum, der Platz für mehrere hundert Menschen bot, war noch völlig intakt. Trotzdem gab es nur noch wenige, die dieses Gemäuer bewohnten und das alte Geheimnis hüteten.
      Über die ganze Länge hinweg hingen an den Wänden rechts und links entzündete Fackeln, die alles in einen warmen Farbton tauchten. Durch den Luftzug flackerten die Flammen unruhig, als würden sie vor Adam weglaufen wollen. Am Ende der Halle befand sich ein überdachtes Podest, eingesäumt von vier Säulen, und dort saß der Meister des Lebens auf einem riesigen, roten Kissen. Nur wenn man das Geheimnis dessen verstanden hatte, was dieser Tempel behütete, konnte man sich Meister des Lebens nennen.
      Ruhigen Schrittes ging Adam den langen roten Teppich entlang, bis er kaum mehr einen Schritt vor dem Podest stand. Zögerlich ließ er sich auf die Knie nieder und legte den Stab neben sich. Dann beugte er sich weit nach vorne, bis seine Stirn den Boden berührte. Die Hände legte er flach neben seinen Kopf und wartete.
      Irgendwann, als für ihn eine gefühlte Ewigkeit vergangen war, hörte er die Stimme des Meisters.
      „Erhebe dich, Kind des Lebens“, sagte er zu Adam und benutzte dabei die Bezeichnung für diejenigen, die im Tempel nach Antworten suchten.
      Adam tat, wie geheißen und betrachtete sein Gegenüber. Der Meister hatte die Augen geschlossen und die weißen Haare fielen ihm wie ein Wasserfall über die Schultern bis zur Hüfte. Er trug eine rubinrote Kutte mit weiten Ärmeln, worin er seine Hände verborgen hielt. Im Schneidersitz sitzend, strahlte er eine Art ewige Ruhe aus. Dann öffnete er die Augen und bedachte Adam mit einem herzlichen Ausdruck auf seinen alt gewordenen Zügen.
      „Meister …“, begann Adam, doch der Alte hob eine Hand und sofort verstummte seine Stimme.
      „Ich weiß, weshalb du hier bist, Adam“, meinte er mit einem fast beschwörenden Unterton. Absatz? Verwundert sah Adam ihn an, doch er traute sich nicht, zu fragen.
      „Du bist auf der Suche nach dem Leben“, erklärte der Meister und ein kleines Lächeln huschte über sein faltiges Gesicht. „Das, was du zu finden glaubst, ist nicht hier.“
      „Was?“, rief Adam bestürzt und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Das heißt, ich habe den weiten Weg umsonst gemacht?“
      Kopfschüttelnd kicherte der alte Meister vor sich hin und deutete auf Adams Rucksack.
      „Was hast du dort drin?“, fragte er neugierig.
      Adam runzelte verunsichert die Stirn und zog sich den Beutel etwas näher heran.
      „Es ist einfach nur unwichtiges Zeug. Dinge, die ich für die Reise benötige, werter Meister …“, begann Adam und wurde erneut vom Alten unterbrochen.
      „Für mich ist es nicht wichtig, aber für dich“, sagte dieser überzeugt und wischte Adams Einwand mit einer Handbewegung hinweg.
      Flink kramte Adam den Inhalt des Rucksacks heraus und Proviant, ein paar Wechselsachen, ein Messer und sein Wasserbeutel kamen zum Vorschein.
      „Was siehst du?“, wollte der Meister wissen, doch Adam schüttelte enttäuscht den Kopf.
      „Ich fürchte, ich weiß nicht, was Ihr meint“, flüsterte er ratlos und ließ die Schultern sinken. Stille folgte seinen Worten, bis der Meister aufstand, die zwei Stufen herabstieg und Adam eine Hand auf den Kopf legte.
      „Ich zeige es dir.“
      Und dann verschwamm das Bild vor Adams Augen. Die Halle verschwand, der alte Mann löste sich auf und die Steine der Mauern schienen einzustürzen. Doch Adam blieb ruhig sitzen und betrachtete die mittlerweile kalte und kahle Weite um sich. Lange blieb es nicht so, denn seine Umgebung verwandelte sich zu einer wunderschönen Landschaft. Plötzlich am Ufer eines Sees stehend, sah er über die Wasseroberfläche hinweg, wo sich Bäume wie mattgrüne und rotgoldene Soldaten aufreihten. Ganz weit hinten schrammten Bergspitzen den hellblauen Himmel und sahen bedrohlich, aber auch beschützend auf ihn herab.
      Dann, als er glaubte, die Ruhe würde ihn übermannen, raschelte es aus allen Winkeln des Waldes. Vögel zwitscherten, flogen aufgeregt über Adam hinweg. Nacheinander tauchten rings um den See herum zahlreiche Tiere auf und verteilten sich an den Ufern.
      Neben Adam zeigte sich das Geweih eines prächtigen Hirsches, der stolz an ihm vorbeischritt, um ebenfalls an den See heranzutreten.
      Wie in Trance stand Adam auf und ging so weit, bis er mit den Füßen im Wasser stand. Auf die Knie sinkend, tauchte er die Hände ins kühle Nass. Er spürte, wie das Wasser durch seine Finger glitt, an seinen Händen entlang floss und seine Handgelenke umspielte. Die Hose durchnässt, genoss er die Erfrischung. Mit geschlossenen Augen lauschte er den Geräuschen des Waldes, dem sanften Wind, der seine Haut kitzelte. Er spürte die Sonne, die sein Gesicht wärmte und ihm neue Kraft gab.
      Mit einem Lächeln auf den Lippen öffnete er die Augen und der Anblick verschaffte ihm ein Gefühl von tiefster Zufriedenheit. Ein Gefühl, welches er lange gesucht hatte und ihm niemand geben konnte.
      Das Wasser glitzerte im Schein der Sonnenstrahlen und bei jeder noch so kleinen Wellenbewegung veränderte sich das klitzekleine Lichtspiel auf der Wasseroberfläche. Er wischte sich mit der nassen Hand durch das Gesicht und betrachtete weiter die Umgebung, die in ihren prächtigen Farben leuchtete. Selten hatte er solch ein sattgrün gesehen oder dieses stechende Rot der Bäume. Wieder tauchte Adam die Hände ins Wasser, schöpfte sich welches heraus und trank es. Es schmeckte leicht salzig und erdig, aber trotzdem fühlte er sich frischer.
      „So viele Menschen reisen jahrelang suchend umher, um dann zu erfahren, dass sie alles bereits hatten, was ihnen Leben gab.“
      Adam erschrak angesichts der plötzlichen Worte und sah hinter sich.
      Dort stand der alte Meister am Ufer, den Blick gen Horizont gerichtet. Langsam kam er näher, griff dabei an seinen Gürtel und holte einen Gegenstand hervor.
      Noch immer über die Schulter linsend, beobachtete Adam den Meister dabei, stand auf und wandte sich ihm gänzlich zu. Der alte Mann warf ihm diesen Gegenstand zu. Verwirrt stellte er fest, dass es sich um seinen Wasserbeutel handelte, den er kurz vor der Ankunft beim Tempel geleert hatte.
      „Du solltest ihn füllen“, bemerkte der Meister trocken.
      Nickend ging er erneut in die Hocke, schraubte den Deckel von der Flasche und tauchte sie in das Wasser ein.
      Da schossen ihm seltsame Bilder durch seinen Kopf, die er klar vor seinem inneren Auge sah.
      Frauen, die Wassereimer zu ihren Häusern trugen und damit kochten, Wäsche wuschen und die Pflanzen im Garten gossen. Er konnte sich gut daran erinnern, dass er immer vergessen hatte, den Kürbissen Wasser zu geben und diese dadurch immer verwelkt waren.
      Das Bild verwandelte sich und zeigte ihm einen Ausschnitt, wo er selber schwer krank war und seine Frau darauf geachtet hatte, dass er wegen seines hohen Fiebers viel trank. Auch hatte sie immer kühle Umschläge gemacht, um seine Temperatur zu senken.
      Adam sah dann Bauern, die während ihrer Arbeit immer wieder Wasser tranken und sich damit abkühlten. Kinder, die am Ufer eines Sees badeten und Fischer, die mit ihren Booten auf dem Meer hinausgerudert waren, um zu fischen.
      Die Bilder verschwanden und Adam fand sich wieder im Nassen hockend vor. In der einen Hand hielt er den geöffneten Behälter und in der anderen den Deckel. Während er den Beutel füllte und hochhob, um ihn zu schließen, betrachtete er das Wasser, welches in kleinen Rinnsalen am Flaschenhals entlang floss und hinuntertropfte.
      „Wasser“, murmelte Adam, als ihm dämmerte, worauf der Meister hinauswollte.
      „Jeder Mensch will alles haben, giert nach Macht und Reichtum“, begann der Alte, „dabei vergisst er aber, was er benötigt, um wirklich leben zu können.“
      Adam stand auf und ging aus dem Wasser, gesellte sich neben den älteren Mann und starrte mit ihm zusammen auf den Horizont.
      „Wasser“, sagte Adam wieder, diesmal mit fester Stimme, und nickte dabei.
      Die Welt war voller Wunder - Man musste sie nur sehen wollen...
      -Im Tal des Falken-
    • Eine gute Botschaft, die du uns hier rübergebracht hast, @LadyK. Man kann alles mögliche zusammenraffen im Leben und von allem nur das Beste haben wollen - wenn es an Wasser fehlt, ist alles andere zweitrangig. Toll umgesetztes Thema und man merkt, dass du viel Arbeit reingesteckt hast! Deine Geschichte war mein Favorit. :D
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • LadyK schrieb:

      Keuchend stützte er sich auf seinen Wanderstab und drehte sich herum, um an den Stufen hinab zu blicken. Anfangs hatte diese Treppe ihn ausgelacht, ihn für sein Vorhaben verhöhnt und ihn förmlich angegrinst, dass er es nicht schaffen würde, diese mehrere tausend Stufen zu erklimmen.
      Hier musste ich kurz an Kung Fu Panda denken XD

      LadyK schrieb:

      „Ich weiß, weshalb du hier bist, Adam“, meinte er mit einem fast beschwörenden Unterton. Absatz? Verwundert sah Adam ihn an, doch er traute sich nicht, zu fragen.
      ist das Absicht oder eine Notiz an dich selbst gewesen? XD

      Ansonsten hab ich nichts gefunden, was mich "stören" würde :D
      Eine kleine Geschichte, mit tiefem Inhalt :thumbsup:
      Manchmal, wenn Leute eine lückenlose Erklärung verlangen, ist völlig klar, dass sie genau das nicht wollen. Was sie wollen, ist eine Bestätigung dessen, was sie längst zu wissen glauben ...
      Gavin Extence
    • Miri schrieb:

      ist das Absicht oder eine Notiz an dich selbst gewesen? XD
      :rofl: das war / ist für mich...

      Gott. Wie peinlich :sack:
      Aber ich habe den Text X mal gelesen, sodass so etwas ganz locker durchrutscht :dash:

      Naja, passiert. Nobody is perfect :pardon:

      Danke dir für dein Feedback :)

      LG
      Die Welt war voller Wunder - Man musste sie nur sehen wollen...
      -Im Tal des Falken-
    • Ach, mach dir deswegen doch keine Gedanken XD
      Ich kenne das. Wenn ich Texte schreibe, kann ich sie 100 Mal gelesen haben, in 60% der Fälle kommt mein Chef bei mir rein, und fragt, was genau ich mir mit "ist eingerichtet worden ist" o.ä. gedacht hab :rofl:
      Man wird einfach Textblind und so wie ich das sehe ist das Tariq und Rainbow auch nicht wirklich aufgefallen :D

      Falls du das nicht schon machst, hilft es, solche Kommentare in rot oder so zu schreiben ^^
      Dann geht dir am Ende keiner mehr durch die Lappen :D
      Manchmal, wenn Leute eine lückenlose Erklärung verlangen, ist völlig klar, dass sie genau das nicht wollen. Was sie wollen, ist eine Bestätigung dessen, was sie längst zu wissen glauben ...
      Gavin Extence