Anne (vorläufiger Titel)

    • [Kurzgeschichte]

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    • Anne (vorläufiger Titel)

      Im Folgenden poste ich euch mal den Anfang einer Kurzgeschichte, an der ich grade arbeite. Ich würde mich sehr über Meinungen, Kritik sowie Verbesserungsvorschläge freuen.

      Viel Spaß!
      Liebe Grüße
      Fabian
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      Dicke Perlen rinnen an dem Glas des alten Fachwerkhauses hinab und der silbrige Vollmond, welcher sich den Weg durch die brüchigen Wolken gekämpft hat, spiegelt sich im Wasserfilm. Ihr ist kalt. Sie zieht die Bettdecke an ihr Kinn und presst die Fersen an ihre dürren Oberschenkel. Das harte Prasseln des Regens zeugt zusammen mit dem steten Ticken der alten verblichenen Wanduhr ein monotones Trauerspiel. Tick-tack-tock. Tick-tack-tock. Sie wälzt sich unermüdlich in ihrem Bett, auf der Suche nach einer Haltung, welche ihr endlich den ersehnten Schlaf schenkt. Ihre Haut kocht und ein dünner Schweißfilm benetzt ihre hohe Stirn. Unter den geschlossenen Lidern rotieren ihre Augen unruhig. Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, driften ihre Gedanken von Sorge zu Sorge. Ihr ist heiß. Wie etliche Male zuvor reißt sie sich die Bettdecke vom Leib, in dem Wissen, dass in einigen Minuten sie die Kälte erneut übermannen wird. Mit einem Ruck öffnet sie ihre Augen und blickt in das Halbdunkel.
      Ihr flacher Atem hinterlässt einen weißen Dunst in der vom Mondlicht erhellten kahlen Kammer. Bis auf dem Bett und einem altertümlichen Schaukelstuhl, über dem unordentlich ihre Kleider liegen, ließe nichts darauf schließen, dass es sich bei diesem Zimmer um ein Schlafgemach gehandelt hatte.
      Die alten Dielen am Boden sind überdeckt mit einer dünnen Schicht von Ruß, welches unweigerlich bezeugt, dass der alte Ofen im gegenüberliegenden Eck einst diese trostlose, kalte Kammer belebt haben muss. Vor ihrem geistigen Auge flackern Bilder vom Ofenfeuer auf, welches einst durch die knackende Glut und den wärmenden Flammen, wilde Reigen an die kahlen Wände geworfen haben mag. Eine einsame Träne rinnt über ihre aschfahle Wange. Sie denkt zurück an schönere Tage, in denen sie behütet mit ihrer Mutter den Küchendienst geleistet hatte. Überfordert und gebrechlich bricht sie in bitterlichen Tränen aus. Ein Meer der Verzweiflung, bedingt durch die unwirklichen, schrecklichen Ereignisse der vergangenen Tage, lässt ihren Körper erbeben. Sie übergibt sich, als sie erschöpft dem Fieber nachgibt und sich anschließend zurück in ihre nassen Laken fallen lässt. Ihr Leib verkrampft sich und mit einem Mal schließen sich ihre Augen wieder. Während sie das Ticken des Uhrwerks vernimmt, gibt sie sich den Fieberträumen hin und gleitet langsam in ein dunkles Nichts.

      Stille. Kein Vogelgezwitscher, kein prasselnder Regen, kein Ticken des Uhrwerks. Nur Stille. So liegt sie halb besinnungslos in dem Bett, ungewiss, ob sie dies seit einigen Stunden oder gar Tagen tut. Die erbarmungslose Hitze, welche sie beinahe an den Rand des Wahnsinns geführt hatte, ist verflogen, wurde jedoch durch ein noch weniger erbarmenden Hunger ersetzt. Sie muss aufstehen, so schwer es ihr auch fallen mag, sonst würde sie verhungern. Durch ihre geschlossenen Lider erkennt sie, dass es mittlerweile hell ist. Langsam öffnet sie ihre verklebten Augen und nimmt schemenhaft ihre Außenwelt wahr. In dem Moment, in dem sie dies tut, wünscht sie sich sogleich, dass sie dies nie getan hätte. Ihre blauen Augen schielen direkt auf ihr ins Laken gesickertes Erbrochenes. Ein beißender Geruch steigt in ihre Nase und ihr Körper erschaudert. Reflexartig schießt sie nach hinten und fällt mit dem Rücken vor raus aus dem Bett. Ein donnernder Schmerz fährt durch ihr Rückgrat und sie jault keuchend auf. Wie ein auf dem Rücken liegender Käfer liegt sie da, unfähig ihre starren Glieder zu bewegen. Erst nach einiger Zeit ist sie in der Lage sich aufzuraffen. Mit ihren nackten Füßen tappt sie unsicher in Richtung des Schaukelstuhls und greift nach ihren verdreckten Kleidern. Sie zieht schwermütig das verschlissene braune Bauernkleid über ihre verschmutzte Bluse und stellt erschreckend fest, dass die beiden obersten Schlaufen gerissen waren. So hängt das Kleid wie ein nasser Sack auf ihrem Busen und sie empfindet sich als noch elender, als sie es nicht ohne hin schon war. Ihr Blick sucht den Boden nach ihren Schuhen ab und wird neben der Bettkante fündig. Als sie näher tritt, muss sie jedoch feststellen, dass nicht nur ihr Bettlaken von ihrem Mageninhalt bedeckt ist, sondern auch ihr Schuhwerk. Die Nase rümpfend dreht sie sich um und geht in Richtung des Fensters. Dicker Schimmel zerfrisst den Holzrahmen und einzelne Spinnenweben leuchten in der trüben Sonne. Zwischen ihren feinen Augenbrauen zeichnet sich eine Falte der Verwunderung ab. Tausende dünne Risse und ein grün schimmernder Frost überziehen das Glas. Sie tritt näher, guckt aus dem Fenster und lässt die Eindrücke auf ihre aufgeregten Augen einprasseln. Durch den kristallinen Film offenbart sich ein groteskes Bild der Außenwelt.
      Der Vorhof, welcher sich vor dem verlassenen Gehöft befunden hatte, ist verschwunden. Der Weg, welcher Anne die letzten Tage über Stock und Stein begleitet hatte, ist weg. Ja sogar dieser trostlose Nadelwald, welcher bislang die Landschaft bis zu dem Horizont regiert hatte und ihr die letzte Hoffnung auf einen Ausweg genommen hatte, ist einfach nicht mehr da. All diese einsame Schönheit, all diese abscheuliche Umgebung, einfach nicht mehr an dem Ort, an dem es sich noch befunden hatte, als sie das Gehöft betreten hatte.
      Unfähig sich abzuwenden, starren Annes Augen aus dem Fenster und ihr Körper beginnt zu zittern. Sie sieht etwas, doch jenes was sie sieht, versteht sie nicht. Ein großes schwarzes Etwas, welches wie ein wildes Meer gegen die Hauswand knallt und wieder abebbt, ist genau dort, wo doch bisher etwas ganz anderes gewesen war. Während sie das obskure Schauspiel beobachtet, bemerkt sie, dass dieses schwarze Etwas nicht Wasser gleicht und zudem auch nicht, wie anfangs vermutet, fließt. Vielmehr ist es so, als würde es unabhängig voneinander ruckartig nach vorne huschen, um dann, einige Sekunden versetzt voneinander, wieder zu treiben. Auch die Oberfläche ist nicht eben oder gar wässrig. Desto länger Anne hineinblickt, um so fedriger und organischer scheint die Substanz zu werden.

      Die Sonne wandert am Horizont, doch jeder Gedanke sich abzuwenden und zu gehen erlischt noch, bevor sie ihn ertasten kann. Alles was Anne tut, ist weiterhin auf dieses bizarre Etwas zu blicken. Und so steht sie dort, barfuß, mit zerrissenem Kleid und starrt aus dem Fenster.
      Und die Jugend fühlt sich vom Leben verraten
      weil sie von Allem und Jedem das Eden erwarten
      Fühlen sich wie Tränen im Regen und versuchen vergebens
      das Geben und Nehmen im Leben noch irgendwie zu verstehen
    • Ach und außerdem würde ich mich sehr freuen, falls ihr mir Vorschläge gebt, wie ich Wasserfilm oder ähnliches umformulieren kann. ^^
      Und die Jugend fühlt sich vom Leben verraten
      weil sie von Allem und Jedem das Eden erwarten
      Fühlen sich wie Tränen im Regen und versuchen vergebens
      das Geben und Nehmen im Leben noch irgendwie zu verstehen
    • Ich finde, ein sehr spannender Anfang, und ich möchte wissen, was diese schwarze Flüssigkeit? ist und was es damit auf sich hat.

      Ein paar Kritikpunkte:

      ahras schrieb:


      Dicke Perlen rinnen an dem Glas des alten Fachwerkhauses hinab und der silbrige Vollmond, welcher sich den Weg durch die brüchigen Wolken gekämpft hat, spiegelt sich im Wasserfilm.


      zeugt zusammen
      Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, driften ihre Gedanken von Sorge zu Sorge.


      Ihr ist heiß. Wie etliche Male zuvor reißt sie sich die Bettdecke vom Leib, in dem Wissen, dass in einigen Minuten sie die Kälte erneut übermannen wird.


      Bis auf dem Bett und einem altertümlichen Schaukelstuhl, über dem unordentlich ihre Kleider liegen, ließe nichts darauf schließen, dass es sich bei diesem Zimmer um ein Schlafgemach gehandelt hatte.


      Die alten Dielen am Boden sind überdeckt mit einer dünnen Schicht von Ruß, welches unweigerlich bezeugt, dass der alte Ofen im gegenüberliegenden Eck einst diese trostlose, kalte Kammer belebt haben muss.


      den wärmenden Flammen, wilde Reigen an die kahlen Wände geworfen haben mag.


      Überfordert und gebrechlich bricht sie in bitterlichen Tränen aus.

      wurde jedoch durch ein noch weniger erbarmenden Hunger ersetzt.


      Sie muss aufstehen, so schwer es ihr auch fallen mag, sonst würde sie verhungern.


      vor raus


      Sie zieht schwermütig das verschlissene braune Bauernkleid über ihre verschmutzte Bluse und stellt erschreckend fest, dass die beiden obersten Schlaufen gerissen waren.


      Und so steht sie dort, barfuß, mit zerrissenem Kleid und starrt aus dem Fenster.

      1. statt Wasserfilm vielleicht Pfütze?
      2. erzeugt?
      3. Vielleicht "Egal, wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, ihre Gedanken driften zu/ in Sorgen ab."? Klingt irgendwie komisch, wie du es schreibst, finde ich.
      4. "Ihr ist heiß" -> Den Satz finde ich irgendwie überflüssig. Und: "Wie etliche Male zuvor reißt sie sich die Bettdecke vom Leib, in dem Wissen, dass sie die Kälte in einigen Minuten erneut übermannen wird." (Satzstellung)
      5. "lässt nichts darauf schließen"
      6. "welche unweigerlich bezeugt"
      7. kein Komma
      8. in bitterliche Tränen
      9. einen noch weniger erbarmenden Hunger/ erbarmungslosen Hunger?
      10. sonst wird sie verhungern (du schreibst schließlich im Präsens)
      11. voraus
      12. gerissen sind (Präsens!)
      13. mit zerrissenem Kleid (,)


      Ansonsten hat es mir echt gut gefallen, das zu lesen. Weiter so :)

      LG
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Hallo @ahras

      ich hab deine Geschichte auch mal angefangen. Gefällt mir gut bis jetzt. Du beschreibst den Zustand der Frau schön, und gleichzeitig lässt du auch viele Informationen über die Örtlicheit einfließen, ohne dabei plakativ zu wirken. Ein so langer Text ohne wörtliche Rede ist in meinen Augen eine Herausforderung, zumindest tue ich mich mit sowas schwer. Nun bin ich mal gespannt, was diese schwarze Etwas ist und wieso die vorherige Umgebung verschwunden ist. Hast mich neugierig gemacht! :thumbup:

      Ein paar Sachen habe ich dir mal angemerkt.
      Spoiler anzeigen

      ahras schrieb:

      Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, driften ihre Gedanken von Sorge zu Sorge.
      Vorschlag: Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert - ihre Gedanken driften von Sorge zu Sorge.

      Wie etliche Male zuvor reißt sie sich die Bettdecke vom Leib, Kein Komma in dem Wissen, dass in einigen Minuten sie die Kälte erneut übermannen wird.
      Vorschlag: ... dass die Kälte sie in einigen Minuten erneut übermannen wird.

      Bis auf dem das Bett und einem einen altertümlichen Schaukelstuhl, über dem unordentlich ihre Kleider liegen, ließe lässt nichts darauf schließen, dass es sich bei diesem Zimmer um ein Schlafgemach gehandelt hatte handelt (du schreibst in der Gegenwart).
      Die alten Dielen am Boden sind überdeckt mit einer dünnen Schicht von Ruß, welches welche (weil "die Schicht")unweigerlich bezeugt, dass der alte Ofen im gegenüberliegenden Eck einst diese trostlose, kalte Kammer belebt haben muss. Vor ihrem geistigen Auge flackern Bilder vom Ofenfeuer auf, welches einst durch die knackende Glut und den wärmenden Flammen, kein Komma wilde Reigen (tanzender Schatten) an die kahlen Wände geworfen haben mag.

      Überfordert und gebrechlich bricht sie in bitterlichen bitterliche Tränen aus.

      Die erbarmungslose Hitze, welche sie beinahe an den Rand des Wahnsinns geführt hatte hat (falsche Zeit), ist verflogen, wurde wird (falsche Zeit) jedoch durch ein noch weniger erbarmenden einen bohrenden? Hunger ersetzt. Sie muss aufstehen, so schwer es ihr auch fallen mag, sonst würde wird sie verhungern.

      Ihre blauen Augen schielen schauen direkt auf ihr ins Laken gesickertes Erbrochenes.

      Reflexartig schießt sie nach hinten und fällt mit dem Rücken vor raus aus dem Bett.
      Der Satz klingt für mich völlig sperrig, und ich kann mir hier nicht vorstellen, was passiert, also ihre Bewegungen. Vielleicht kannst du es irgendwie umbasteln?

      Ein donnernder (unglückliche Wortwahl in meinen Augen) Schmerz fährt durch ihr Rückgrat und sie jault (unglückliche Wortwahl in meinen Augen) keuchend auf.
      Vorschlag: Ein stechender Schmerz fährt durch ihr Rückgrat und sie schnappt keuchend nach Luft.

      Sie zieht schwermütig das verschlissene braune Bauernkleid über ihre verschmutzte Bluse und stellt erschreckend erschrocken fest, dass die beiden obersten Schlaufen gerissen waren sind (falsche Zeit). So hängt das Kleid wie ein nasser Sack auf ihrem Busen und sie empfindet sich als noch elender, als sie es nicht ohne hin ohnehin schon war ist.

      Als sie näher tritt nähertritt, muss sie jedoch feststellen, dass nicht nur ihr Bettlaken von ihrem Mageninhalt bedeckt ist, sondern auch ihr Schuhwerk.

      Der Vorhof, welcher sich vor dem verlassenen Gehöft befunden hatte hat (falsche Zeit), ist verschwunden. Der Weg, welcher Anne die letzten Tage über Stock und Stein begleitet hatte hat (falsche Zeit), ist weg. Ja sogar dieser trostlose Nadelwald, welcher bislang die Landschaft bis zu dem Horizont regiert hatte und ihr die letzte Hoffnung auf einen Ausweg genommen hatte hat (falsche Zeit), ist einfach nicht mehr da. All diese einsame Schönheit, all diese abscheuliche Umgebung, einfach nicht mehr an dem Ort, an dem es sich noch befunden hatte hat (falsche Zeit), als sie das Gehöft betreten hatte hat (falsche Zeit).
      Unfähig sich abzuwenden, starren Annes Augen aus dem Fenster und ihr Körper beginnt zu zittern. Sie sieht etwas, doch jenes (eher "das") Komma was sie sieht, versteht sie nicht. Ein großes schwarzes Etwas, welches wie ein wildes Meer gegen die Hauswand knallt und wieder abebbt, ist genau dort, wo doch bisher etwas ganz anderes gewesen war ist (falsche Zeit).

      Desto Je länger Anne hineinblickt, um so fedriger und organischer scheint die Substanz zu werden.

      Die Sonne wandert am Horizont, doch jeder Gedanke sich abzuwenden und zu gehen erlischt Komma noch, kein Komma bevor sie ihn ertasten kann.
      rot = Interpunktionsfehler
      blau = Rechtschreib- oder Grammatikfehler
      grün = Vorschlag für andere Formulierung

      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Mir gefällt die Beschreibung wie elend es dieser Frau geht. Das ist hier gut rübergebracht. Ich bin mal sehr gespannt wo das ganze hinführt. Momentan kann man ja noch nicht allzu viel dazu sagen (zu den Geschehnissen). Es klingt aber sehr mysteriös. Bin gespannt. Der erste Eindruck hat mich auf jeden Fall gecatched.
    • Hallo @ahras,

      anbei ein paar Anmerkungen und Überlegungen.

      Spoiler anzeigen

      ahras schrieb:

      Dicke Perlen rinnen an dem Glas des alten Fachwerkhauses hinab und der silbrige Vollmond, welcher sich den Weg durch die brüchigen Wolken gekämpft hat, spiegelt sich im Wasserfilm. Ihr ist kalt. Sie zieht die Bettdecke an ihr Kinn und presst die Fersen an ihre dürren Oberschenkel. Das harte Prasseln des Regens zeugt zusammen mit dem steten Ticken der alten verblichenen Wanduhr ein monotones Trauerspiel. [Evtl. könntest du hier Zeilenumbrüche machen, das verstärkt die Wirkung der Langsamkeit und der Monotonie.]
      Tick-tack-tock.
      Tick-tack-tock.
      Sie wälzt sich unermüdlich in ihrem Bett, auf der Suche nach einer Haltung, welche ihr endlich den ersehnten Schlaf schenkt. Ihre Haut kocht und ein dünner Schweißfilm benetzt ihre hohe Stirn. Unter den geschlossenen Lidern rotieren ihre Augen unruhig. Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, driften ihre Gedanken von Sorge zu Sorge. Ihr ist heiß. Wie etliche Male zuvor reißt sie sich die Bettdecke vom Leib, in dem Wissen, dass in einigen Minuten sie die Kälte erneut übermannen wird. Mit einem Ruck öffnet sie ihre Augen und blickt in das Halbdunkel.
      Hier sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die du ändern könntest.
      1) Der erste Satz ist sehr lang und komplex, während die folgenden Sätze eher kurz und abgehackt sind. Auf mich wirkt der erste Satz eher ruhig und für mich legt er (eigentlich) auch fest, wie das Erzähltempo im folgenden Abschnitt ist. Dazu passen dann die folgenden, kurzen Sätze nicht mehr.
      2) Bei "Glas" könntest du evtl. spezifizieren und "Fensterglas" draus machen. Das "welcher" würde ich durch "der" ersetzen.
      3) Die Beschreibung mit den Fersen und den Oberschenkeln war etwas schwierig vorzustellen.
      4) Ich kann es leider nicht genau beschreiben, aber für mich verwendest du hier "Trauerspiel" etwas unpassend. Für mich bezeichnet man eher das Verhalten zweier (oder mehr) Menschen zueinander als Trauerspiel, wenn es besonders tragisch und / oder Unwürdig ist :hmm: Aber das ist nur so meine Inuition, die natürlich falsch sein kann ^^ .
      5) "unermüdlich" würde ich auch eher verwenden, um dazustellen, dass jemand besonders viel Energie hat und auch motiviert ist, etwas zu tun. Hier erzeugt das mMn eine komische Vorstellung. Treffender wäre doch in so einer Situation, dass man sich unruhig hin und her wälzt (oder wirft).
      6) "Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert...": Meiner Erfahrung nach verhindert das Konzentrieren aufs Einschlafen dieses, daher würde auch "Je mehr sie sich auf das Einschlafen konzentrierte, desto..." gut passen.
      7) Ich kenne den Ausdruck, dass einen der Schlaf oder die Müdigkeit übermannt. Zusammen mit Kälte habe ich das, glaube ich, noch nie gehört. Keine Ahnung, ob es das nicht trotzdem gibt, ich wollte dich nur darauf hin weißen. ^^

      ahras schrieb:

      wurde jedoch durch ein noch weniger erbarmenden Hunger ersetzt
      Eine sehr schöne Formulierung! Allerdings fände ich es eher aktiv noch schöner, also "die Hitze war einem nicht weniger erbarmenden Hunger gewichen". Gerade bei "wurde ersetzt" frage ich mich unweigerlich: Von wem? Alternativ ginge auch "wurde von... Hunger verdrängt", auch wenn da eine andere Bedeutung mitschwingt. Oder wie wäre es mit: "Der Platz der Hitze wurde von einem noch weniger erbarmenden Hunger eingenommen"?

      Gibt es einen Grund, warum Anne erst ziemlich am Schluss namentlich genannt wird? Habe ich etwas falsch / nicht verstanden oder es einfach überlesen?

      Insgesamt ein stimmungsvoller, leicht düsterer Anfang. Irgendwie musste ich an Dornröschen in ihrem Dornröschenschlaf denken :hmm:
      „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]
    • Nachdem ich mich ja schon von deinen Dichtkünsten überzeugt habe, wollte ich jetzt natürlich etwas mehr schnuppern.... und bin beeindruckt! Auch wenn man überhaupt keine Ahnung hat, worum es in der Geschicht geht, bin ich sofort von der Stimmung und den Bildern, die du erschaffst, eingesogen worden! Also will auf jeden Fall wissen, wie es weitergeht :)

      Ein paar kleine Anmerkungen:
      Ich werde jetzt nicht mit Grammatik, Zeichensetzung etc. anfangen, es sei denn, du bittest drum ;) Aber eine Sache zur Sprache ist mir aufgefallen: Manche Sätze wirken etwas gestelzt, z.B.:

      ahras schrieb:

      Die erbarmungslose Hitze, welche sie beinahe an den Rand des Wahnsinns geführt hatte, ist verflogen, wurde jedoch durch ein noch weniger erbarmenden Hunger ersetzt
      "ein noch weniger erbarmender Hunger" erscheint mir eine etwas umständliche Formulierung für Kohldampf :)

      Außerdem benutzt du oft welcher, welche, welches nach einem Komma. Ich weiß nicht, ob das im strengen Sinn falsch ist, aber es klingt in meinen Ohren sehr künstlich. Eigentlich verwendet man welche/r/s nach Kommata nur, wenn der bestimmte Artikel (den man ja ansonsten benutzen würde) direkt vor dem Komma benutzt wurde, um Wortwiederholungen zu vermeiden. Also "DAS Mädchen, WELCHES..." aber "Ich stand an EINEM Tischchen, DAS..." Aber wie gesagt, die gaaaanz genauen Regeln kenne ich nicht. Ich benutze immer die bestimmten Artikel, also vielleicht bin ich auch etwas voreingenommen :)

      Kleiner Verbesserungsvorschlag auch für das Ende:

      ahras schrieb:

      Unfähig sich abzuwenden, starren Annes Augen aus dem Fenster und ihr Körper beginnt zu zittern. Sie sieht etwas, doch jenes was sie sieht, versteht sie nicht. Ein großes schwarzes Etwas, welches wie ein wildes Meer gegen die Hauswand knallt und wieder abebbt, ist genau dort, wo doch bisher etwas ganz anderes gewesen war. Während sie das obskure Schauspiel beobachtet, bemerkt sie, dass dieses schwarze Etwas nicht Wasser gleicht und zudem auch nicht, wie anfangs vermutet, fließt. Vielmehr ist es so, als würde es unabhängig voneinander ruckartig nach vorne huschen, um dann, einige Sekunden versetzt voneinander, wieder zu treiben

      Ich glaube, ich kann mir vorstellen, was das sein soll... aber nur, weil ich Fantasyfilme gucke! Ich musste die Stelle zweimal lesen, um dieses "Etwas" zu verstehen. 1. wie groß ist dieses Etwas? Bedeckt es den Boden, die ganze Welt bis zum Himmel/unter ihrem Fenster/Kniehöhe? Kann sie ein Ende sehen? Wäre vllt. etwas klarer, wenn du statt 'etwas ganz anderes' der Hof/das Gehöft/der Wald/die ganze Welt gewesen war (Am Anfang dachte ich nämlich, dass es auch ihr Fenster bedeckt... wahrscheinlich mein Fehler) "Sie sieht etwas, doch jenes, was sie sieht, versteht sie nicht." ist auch so ein gestelzter Satz, der den Lesefluss stört... Aber wahrscheinlich ist so ein Phänomen nicht einfach zu beschreiben, also halte ich jetzt lieber meine Klappe :D

      Eine letzte Sache noch: Adjektive sind zwar eine klasse Sache, aber am Anfang waren es ein bisschen zu viele. Wenn fast jedes Nomen mit einem Adjektiv versehen wird, klingt es so, als hättest du versucht, krampfhaft Beschreibungen in den Text einzubauen. Also vielleicht ein paar rausnehmen, die nicht wirklich wichtig für das Verständnis der Geschichte/die Stimmung sind :)


      Oh, das klingt ganz schön kritisch, dabei gefällt mir die Geschichte wirklich gut! Will auf jeden Fall wissen, was das schwarze Etwas ist und warum Anne so ein elendes Leben führt... Freu mich auf die Fortsetzung!

      Liebe Grüße,
      Cinnamon
    • Hi :D

      Unnützes Zeug

      Uh eine Kurzgeschichte!
      Infos am Rande: Ich LIEBE Kurzgeschichten! Von mir aus kannst du das das nächste Mal gerne im Titel vermerken :D
      (Wir haben hier auch Labels zum Kennzeichnen, aber da ich selbst lange nichts mehr gepostet hab, hab ich keine Ahnung, wie man die benutzt XD)
      ... ich sehe gerade, du HAST ein Label gesetzt :rofl:
      Vergiss, was ich gesagt hab ^^


      zur Geschichte

      ahras schrieb:

      Unter den geschlossenen Lidern rotieren ihre Augen unruhig
      Lässt mich an einen Propeller/Karussell denken XD
      Ich würde rollen oder bewegen schreiben

      ahras schrieb:

      Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, driften ihre Gedanken von Sorge zu Sorge.
      Satzstellung: ihre Gedanken driften von Sorge zu Sorge

      ahras schrieb:

      Ihr ist kalt. Sie zieht die Bettdecke an ihr Kinn und presst die Fersen an ihre dürren Oberschenkel. Das harte Prasseln des Regens zeugt zusammen mit dem steten Ticken der alten verblichenen Wanduhr ein monotones Trauerspiel. Tick-tack-tock. Tick-tack-tock. Sie wälzt sich unermüdlich in ihrem Bett, auf der Suche nach einer Haltung, welche ihr endlich den ersehnten Schlaf schenkt. Ihre Haut kocht und ein dünner Schweißfilm benetzt ihre hohe Stirn. Unter den geschlossenen Lidern rotieren ihre Augen unruhig. Wie sehr sie sich auch auf das Einschlafen fokussiert, driften ihre Gedanken von Sorge zu Sorge. Ihr ist heiß.
      Das gefällt mir gut ^^

      ahras schrieb:

      Überfordert und gebrechlich bricht sie in bitterlichen Tränen aus.
      beides von "brechen"
      Ich würde gebrechlich einfach weglassen oder durch erschöpft ersetzen :)

      ahras schrieb:

      Die erbarmungslose Hitze, welche sie beinahe an den Rand des Wahnsinns geführt hatte, ist verflogen, wurde jedoch durch ein noch weniger erbarmenden Hunger ersetzt.
      Ich weiß, was du mit dem Wortspiel bezwecken willst.
      Ich würde hier aber zu grausam oder Ähnlichem tendieren.
      weniger erbarmenden habe ich so noch nie gehört ... :hmm:
      (Ah, siehe Cinnamon ^^ War schneller als ich)

      ahras schrieb:

      Bauernkleid über ihre verschmutzte Bluse und stellt erschreckend fest, dass die beiden obersten Schlaufen gerissen waren.
      erschreckt

      ahras schrieb:

      All diese einsame Schönheit, all diese abscheuliche Umgebung, einfach nicht mehr an dem Ort, an dem es sich noch befunden hatte, als sie das Gehöft betreten hatte.
      Der Satz ist so: Whaaaat? 8|
      Erst einsame Schönheit (die für mich Positiv behaftet ist), dann ist es aber eine abscheuliche Umgebung und irgendwie fehlt mir ein Verb XD Außer du würdest nach Umgebung ein Doppelpunkt setzen ... das könnte wieder gehen :hmm:

      Zu deinem Stil:
      Ich muss sagen, dass ich ihn etwas umständlich finde.
      Mir fällt es schwer deinen Sätzen zu folgen.
      Ich glaube, es liegt daran, dass du grundsätzlich sehr lange Sätze schreibst und teilweise auch so, wie man nie reden würde.
      Ich meine damit nicht, dass du jetzt umgangssprachlich a la RTL II Schreiben sollst XD
      Aber nimm das mit dem "noch weniger erbarmenden Hunger". Würde ich so niemals sagen ...
      Verstehst du was ich meine?

      Allerdings hast du auch ein paar Spielereien im Text, die mir gut gefallen haben.
      Zum Beispiel das mit dem Ihr ist kalt/Ihr ist heiß :thumbsup:

      Zum Inhalt:
      Die Geschichte erinnerte mich ein wenig an den Zauberer von Oz :D
      Als Dorothy mit dem Haus wegfliegt und auch in einer völlig anderen Umgebung aufwacht ^^
      Das hat mir sehr gut gefallen (und außerdem mag ich den Film XD)
      Und ich bin ebenfalls gespannt, wie es wohl weiter geht.
      Was genau diese schwarze Masse sein soll, die gegen das Haus anrennt ...

      So, das war's erstmal :D

      Menschen, die von sich behaupten, sie seien "positiv bekloppt", sind meistens einfach nur negativ grenzdebil.
      Patrick Salmen

      Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber nicht jeder ist Schmied.
      Till Reiners