Meine Tankstelle

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    • Meine Tankstelle

      Meine Tankstelle

      Was ich will,
      hältst du bereit:
      Mein Ohr tankt Stille.

      Was ich mag,
      gibt’s allezeit:
      Mein Auge tankt Grün.

      Was ich suche,
      find ich hier:
      Mein Kopf tankt Ruhe.

      Was ich brauche,
      Gibst du mir:
      Mein Herz tankt Friede.

      Einen Preis? Eine Miete?
      Hast du nicht.
      Nur tankbare Geschenke.


      Dankbar nehme ich sie an
      von dir, Wald,
      meiner Tankstelle.

      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • @LadyK, @Cory Thain, @Asni

      :danke: für euer nettes Feedback. Tja, das ist so das Ergebnis, wenn man Kilometer um Kilometer zurücklegt und der Kopf nichts zu tun hat außer Eindrücke zu sammeln mit Auge, Nase und Ohr. Dann am Waldteich auf der Bank sitzen mit dem Megasuperlecker-Lunchpaket vom Hotel und auf dem Handy die ersten Gedankensplitter festhalten, die man dann am Abend zu irgendwas halbwegs Sinnvollem verbastelt. Alles in allem war's ein perfekter Tag heute. :sun:
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • Ein typisches Beispiel dafür, dass man manchmal neigt, in Gedichten (bitte nicht persönlich nehmen!) zu "schwafeln" statt wirklich zu verdichten.
      Ich unterstreiche mal alles, was sich in Schritt eins inhaltlich doppelt. Die Aussage all dieser Zeile ist, dass da etwas gewünscht/gebraucht (und zugleich angeboten) wird. Das aber steckt auch im Wort "tanken" drin. Würde man etwas nicht wollen, würde es einen überfluten, in einen eindringen oder sowas. Man kann das Unterstrichene also locker streichen.



      Tariq schrieb:

      Meine Tankstelle

      Was ich will,
      hältst du bereit:
      Mein Ohr tankt Stille.


      Was ich mag,
      gibt’s allezeit:
      Mein Auge tankt Grün.


      Was ich suche,
      find ich hier:
      Mein Kopf tankt Ruhe.


      Was ich brauche,
      Gibst du mir:
      Mein Herz tankt Friede.


      Einen Preis? Eine Miete?
      Hast du nicht.
      Nur tankbare Geschenke.



      Dankbar nehme ich sie an
      von dir, Wald, meiner Tankstelle.

      Verdichtung Schritt zwei:
      Das mit dem Preis ergibt mit Blick auf "Tankstelle" einen Sinn, gemietet wird an der Tankstelle aber nichts. "Kein Preis" und "Geschenke" ist doppelt gemoppelt. Dass die Geschenke tankbar sind, steht schon oben, denn sie werden ja alle getankt. Das alles kann zu "Geschenke" zusammengedampft werden.
      Dass diese Geschenke angenommen werden, steht in allen Zeilen davon (Ohr, Auge etc. tanken ja, nehmen also auf). Auch Tankstelle ist nur die erneute Wiederholung aller anderen Aussagen. Neu sind hier nur "Dankbar" und "Wald".

      Man bekäme also sowas:


      Meine Tankstelle

      Mein Ohr tankt Stille.
      Mein Auge tankt Grün.
      Mein Kopf tankt Ruhe.
      Mein Herz tankt Friede.

      Dankbar nehme ich
      deine Geschenke,
      Wald.


      Das ist nur unwesentlich weniger weich als deine Version, die ja auch nicht gerade breit fließt.
      Jedweder Kommentar, den ich zu einem Text abgebe, ist kein Eingriff in die Gestaltungsfreiheit des Autors. Ich bin weder willens noch in der Lage, dem Autor irgendwas vorzuschreiben.
    • @Tariq
      Ich finde das Gedicht wirklich schön. Es strahlt so viel Sehnsuch, aber auch Ruhe und Freude aus, das man am liebsten direkt selbst in den Wald gehen möchte :)
      Das Foto hättest du gar nicht posten, ich hatte so ein Bild schon im Kopf :)

      @jon
      Ehrlich gesagt finde ich deine Variante zu starr. Mit deiner analytischen herangehensweise nimmst du dem Gedicht komplett die Tiefe und die Gefühle werden auch mal gleich mit wegradiert. Zumal die "tanken" wiederholung bei Tariq sehr gut gesetzt und beim Lesen nicht nervt. Es unterstützt eher den Text. In deiner Variante stehe ich wirklich in Gedanken an der Zapfsäule, aber bei weitem nicht im Wald.

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • :huh:

      "Was ich mag"
      "Was ich suche"
      "was ich brauche"

      drückt meines Erachtens durchaus die Gefühlswelt wieder, die einen beim Waldspaziergang überkommen können...

      Dein verkürztes "Ich tanke" bedeutet nur seelenlose Aufnahme. Tatsächlich wie an der Zapfsäule. Aber dieses mögen/brauchen/suchen zeigt mir als Leser, dass da mehr ist...
      Aus aktuellem Anlass:

      Ich möchte bitte keine LIKEs mehr haben! ^^
      Wenn Dir mein Beitrag hier und anderswo gefällt, schreibs mir einfach. :danke:
    • jon schrieb:

      @real: Wo genau sind da Gefühle, die wegradiert werden?
      Ich heiße Rael, aber mittlerweile höre ich auch auf die Supermarktkette^^ Da biste nicht die erste, die das falsch schreibt. :)

      Wenn du Gefühle in dem Gedicht nicht siehst/erkennst, dann liest du es falsch.
      Allein das hier.

      Tariq schrieb:

      Was ich brauche,
      Gibst du mir:
      Mein Herz tankt Friede.
      Das strahlt so viel Sehnsucht aus und ich finde mich da wieder, ich liebe den Wald, gerade im Sommer.

      Deswegen sage ich, dass deine Variante eine analytische Abhandlung ist, aber den Leser nicht mehr auf der Gefühlsebene anspricht.

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • @Rael
      Sorry. Ich schiebe es mal auf die vorgerückte Stunde.

      Okay, dass der Leser falsch liest, gehört zu meinen Lieblingsargumenten. Damit kann man alles totschlagen.
      "Mein Herz tankt Friede" ist analytisch, aber "Was ich brauche, gibst du mir" emotional? Na wenn du meinst.
      Jedweder Kommentar, den ich zu einem Text abgebe, ist kein Eingriff in die Gestaltungsfreiheit des Autors. Ich bin weder willens noch in der Lage, dem Autor irgendwas vorzuschreiben.
    • Also rein technisch gesehen sind Worte ja nie emotional und lösen, wenn überhaupt, nur Emotionen aus. Das macht es ja so schwer zu greifen. o:
      Ich sehe hier gerade zwei Philosophien kollidieren, die eigentlich voneinander profitieren könnten.
      [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

      Nachdem ich jetzt schon einige Jahre hier bin, kann ich ja auch mal meine Geschichte in die Signatur setzen, oder? :D Mit Geschichten bin ich dann doch geschickter als mit Signaturen.
      Himmelsjäger [Neufassung]
    • jon schrieb:

      "Mein Herz tankt Friede" ist analytisch, aber "Was ich brauche, gibst du mir" emotional? Na wenn du meinst.
      Nein, so pauschal kann man das nicht sagen. Es kommt ja immer auf den Kontext an, aber der geht in deiner Variante leider verloren, denn hier gehts ja um die Gefühle und den Wald. Denn, "Was ich brauche" ist ein unglaublich starker Ausdruck - sehr viel stärker als "Ich tanke Frieden" zumindest wenn beides so alleine steht. - Das ist nur meine Meinung. :)

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Ich verstehe völlig, dass man bei Gedichten eher an blumige Umschreibungen denkt als an Verdichtung. Sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Dass "Mein Herz tankt Friede" (um mal bei einer Zeile zu bleiben) emotionsfrei, rein technisch sein soll, halte ich aber für eine reflexhafte Verteidungshaltung der Blumig-Freunde.

      Ohne die weiche Version des Gedichtes für schlecht und meine zum "muss man so!" erklären zu wollen (ich weiß, dass das völlig verschiedene Stile sind), bitte ich, über Folgendes nachzudenken:
      Gedichte leben von Bildern (mehr noch als Prosa). Und "Ich suche" ist eher eine Information über eine Emotion. "Das Herz tankt" hingegen ist ein Bild - wenn man es sich vor das geistige Auge holt, dann steckt da alles drin. Denn man stellt sich ja in Wirklichkeit nicht ein Herz an einer Zapfsäule vor, sondern einen Menschen, der (vielleicht mit geschlossenen Augen) sich ganz diesem Frieden hingibt, ihn aufsaugt. Das Wort "Herz" steht ja für die Gefühlsebene des Menschen und nicht für das Organ, das Wort "tanken" steht ja dafür, dass man etwas gezielt und in großen Mengen aufnimmt, und das Wort "Frieden" steht für einen bestimmten seelischen Zustand und eben nicht für die sozusagen "politische Situaton des Nicht-Krieges".

      Die Technik des Verdichtens ist nicht nur in der Lyrik interessant, auch wenn sie dort gewissermaßen zu Hause ist, sie kann auch Prosa wirkmächtiger machen.
      Und: Es ist eine Technik, an diesem Beispiel wollte ich zeigen, wie sie funktionieren kann.

      Um nochmal auf das Gedicht selbst zurück zu kommen: Meine Suche nach Verdichtungsmöglichkeiten ist von den jeweils zweiten Zeilen ausgelöst worden, die nun wirklich sehr redundant sind, dabei aber spürbar bemüht diesen Eindruck der Wiederholung vermeiden sollen. Gäbe es eine Möglichkeit, nur diese rauszunehmen, würde das Gedicht bereits sehr viel gewinnen. Meiner Meinung nach, natürlich.
      Jedweder Kommentar, den ich zu einem Text abgebe, ist kein Eingriff in die Gestaltungsfreiheit des Autors. Ich bin weder willens noch in der Lage, dem Autor irgendwas vorzuschreiben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von jon ()

    • @jon
      Ich muss sagen, das ist vielleicht der konstruktivste Kommentar, den ich bisher von dir gelesen habe. Diese Technik klingt verdammt spannend, ich werde die auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Zu sowas haben wir hier wohl noch recht wenige Beiträge. :hmm: Dabei könnte ich ganze Threads davon verschlingen.
      Deine Erklärung leuchtet mir ein. Ich muss aber auch sagen, dass die verdichtete Version deutlich schwieriger zugänglich ist, was bei Gedichten ja gern passieren darf.
      [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

      Nachdem ich jetzt schon einige Jahre hier bin, kann ich ja auch mal meine Geschichte in die Signatur setzen, oder? :D Mit Geschichten bin ich dann doch geschickter als mit Signaturen.
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