Schreibwettbewerb April/Mai 2018 - Voting & Siegerehrung

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    • Schreibwettbewerb April/Mai 2018 - Voting & Siegerehrung

      Welche Geschichte hat euch am Besten gefallen? 17
      1.  
        Isadoras Laute (6) 35%
      2.  
        Die letzte Sekunde (2) 12%
      3.  
        Im letzten Augenblick (9) 53%
      Hallo, liebe Leser!

      Erneut ist die Frist zum Schreibwettbewerb abgelaufen und wir freuen uns sehr darüber, euch wieder einige tollen Fantasy-Kurzgeschichten präsentieren zu dürfen! Diesmal waren es zwar "nur" 3 Einsendungen, doch diese haben sich mit allen Wassern gewaschen! Also seid bereit für die volle Dosis Fantasy und vergesst nicht eure Stimme abzugeben!

      Und somit geht der Schreibwettbewerb April/Mai 2018 ins entscheidende Uservoting.

      Folgendes Thema wurde von unserer letzten Gewinnerin Tariq vorgegeben:

      In letzter Sekunde

      Die Geschichten werden gemessen am Datum ihres Einreichens willkürlich gepostet. So steht ihr im Bezug auf deren Autoren völlig im Dunkeln. ;)

      ACHTUNG: Beim Voten ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte bei eurer Stimmenabgabe!

      ACHTUNG *NEU*: Das Ergebnis der Umfrage wird jetzt neu erst nach Abgabe der eigenen Stimme sichtbar. Somit wird "Pushen" ausgeschlossen.

      Danke für euer Verständnis.

      Das Voting dauert bis 31. Mai 2018 um 23:59:59 Uhr.

      Viel Spass beim Lesen und Voten! :)

      Euer Fantasy-Geschichten Forum

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    • Isadoras Laute
      von bigbadwolf

      „…doch die Fürstin, sie gab seinem Drängen nicht nach,
      den kleinen Tod hielt sie fern vom Schlafgemach.
      So kam es, dass alsbald der Herr sich gar grämte
      und sich einer List zu bedienen bequemte.
      Zur Ankleidedame gar zog es ihn hin…“

      Beinahe hätte sie sich verspielt. »Ich darf mich nicht zu sehr von Ellaras Gesang ablenken lassen!«, schalt Isadora sich lautlos. Konzentriert ließ sie ihre Finger über die kalten Bünde ihrer Laute gleiten, spielte abwechselnd begleitende Akkorde und untermalende Kontrastmelodien, während Ellara die Besucher des kleinen Wirtshauses mit keckem Charme in ihren Bann schlug. Eine neue Passage mit größeren Tonsprüngen, etwa Quinten und Sexten, folgte und unterstrich tonmalerisch die Seitensprünge des geschmähten Herren mit seiner Ankleidedame. Das Publikum, vornehmlich junge Männer des Holzfällerdorfes, trank Ellaras Worte, während sich ihre Augen an den weiblichen Reizen der verführerisch tänzelnden Bardin sattsahen. In absteigenden Terzsprüngen und Sekunden begab sich Isadora zurück zur akkordischen Begleitung, woraufhin sie unbewusst das Gesicht verzog. »Diese Saite macht mich wahnsinnig!«, dachte die Lautistin. Seit ihrem gestrigen Auftritt hatte sie es nicht geschafft, die tiefste Saite ihrer besonderen Laute wieder richtig zu stimmen. Einige Klänge würden ihr Gehör vermutlich dauerhaft schädigen. Doch dem abgelenkten Pöbel war es wie immer egal und was viel wichtiger war: Es hatte keinerlei Einfluss auf die Magie des Instruments.
      Ellaras Gesang wurde intensiver, während sie in eingefrorener Pose direkt vor der Lautistin verharrte. Gemäß dieses abgesprochenen Signals startete Isadora in ihr musikalisches Finale, entlockte ihrem Instrument rasante Arpeggien und trieb die Melodie zu den aktivierenden Tönen. Als sie die erste Note der auslösenden Tonabfolge erreichte, verlagerte Ellara erkennbar ihr Gewicht. Sie war bereit.
      Die Melodie war kurz und simpel, nicht viel mehr als der Refrain eines Kinderlieds. In froher Erwartung spielte Isadora die vier letzten abwärtsführenden Tonsprünge. Quarte, Terz, Sekunde –
      In plötzlicher Hektik hechtete Ellara aus dem Weg, als ihre Komplizin die letzte Sekunde spielte. Ein Fächer eisiger Luft schoss an der Sängerin vorbei, brandete über das verblüffte Publikum hinweg und erfüllte das gesamte Wirtshaus mit seiner lähmenden Magie. Eilig stiegen die beiden jungen Frauen von der Bühne. Während Ellara rasch ihre Gürteltaschen füllte, steckte Isadora Münzen und Schmuck in das Schallloch ihrer Laute. Kein Zuschauer wurde zweimal durchsucht.

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    • Die letzte Sekunde
      von Tika444

      Bartholomeus trat aus dem Hauseingang hinaus auf die belebte Straße. Sofort blendete ihn die Sonne, die bereits beinahe die Silhouette der Hochhäuser erreicht hatte, die ihm die Sicht auf den Horizont nahmen. Dabei hatte sie jedoch offensichtlich nichts an Kraft eingebüßt. Dutzende drängten sich vor ihm auf dem Bürgersteig, der viel zu schmal erschien für die Menschenmassen, sodass es ein Wunder war, dass niemand vor eines der vorbeirasenden Autos stolperte. Alles wurde übertönt von dem Straßenlärm und dem Rattern einer nahen Baustelle. Beim Blick auf seine Begleiterin runzelte Bartholomeus die Stirn. Mit ihrer weißen Robe und den Armreifen, die ihre Handgelenke zierten, würde sie gewiss auffallen wie eine Eiche zwischen Nadelbäumen. Aber es war zu spät um daran etwas zu ändern. Sie hatten ohnehin nur einen kurzen Weg vor sich. Einen Moment dachte er daran ein Taxi anzuhalten, doch er hatte kein Geld und sah auch nach nichts anderem aus. Stattdessen packte er sie am Arm und zog sie hinter sich hinein in das Gedränge. Einige der Passanten, an denen sie vorbeihasteten, warf ihnen einen verwunderten Blick hinterher, doch keiner sprach sie an oder machte gar Anstalten sie aufzuhalten.

      Sie kamen einige Blocks weit, bis Bartholomeus einen Mann in graublauen Anzug und mit nervösem Blick entdeckte, der ihm bekannt vorkam. Alarmiert reihte er sich in eine Gruppe ein, die auf die Fußgängerampel wartete, um auf die andere Straßenseite zu gelangen, und prägte sich die Gesichter eines jeden ein, der sich nach ihm zu der Gruppe gesellte. Als die Ampel jedoch grün wurde, drehte er sich um und blieb auf dem Bordstein, statt den anderen über die Straße zu folgen. Die fragenden Blicke seiner Begleiterin ignorierend, sah er sich aufmerksam um. Da. Eine Frau gekleidet in ein weißes Businesskostüm, die lebhaft in ihr Handy sprach. Sie hatte eben noch neben ihm an der Ampel gestanden. Sie wurden verfolgt und das nicht nur von einer Person. Als sie seinen bohrenden Blick bemerkte, verstummte sie abrupt, ließ ihr Handy sinken und schenkte ihm ein kaltes Lächeln. Sofort wandte Bartholomeus sich ab und bugsierte seine Begleiterin in eine Gasse zwischen zwei hochstöckigen Häusern. Er würde sich jedem, den man ihm schickte, stellen, doch es war besser, wenn er es abseits von Menschenmassen tat. Er spürte die hungrigen Blicke in seinem Rücken noch ehe er sich umsah und sie erwiderte. Aus seinen mutmaßlichen zwei Verfolgern waren vier geworden. Neben der Frau in weiß und dem Mann in grau waren noch zwei Schwarzträger hinzugekommen. Schnell verschaffte er sich einen Überblick. Die Gasse mündete hinter ihnen in einen kleinen Innenhof, der wie erhofft verlassen war. Bis auf ein paar Wäscheleinen, die zwischen den schmutzigen Wänden gespannt waren und einem platten Fußball, der achtlos in einer Ecke zurückgelassen worden war, gab es nichts außer Beton und das Eisen einer Feuertreppe.

      Bartholomeus schob seine Begleiterin hinter sich und wandte sich den Verfolgern ganz zu. Sie hatten sich vor ihm aufgestellt und starrten ihn alle unverwandt an.

      „Wisst ihr worauf ihr euch hier einlasst Meister“, sprach der graue ihn an. Den Titel betonte er wie eine Beleidigung. Das Gesicht abfällig verzogen. Bartholomeus spürte wie sich in ihm Zorn regte. Zu lange hatte er dafür gearbeitet sich diese Anrede zu verdienen, als dass er nun eine solche Geringschätzung ertragen wollte. Doch er behielt seine Wut für sich und ließ sich nur zu einem tadelnden Blick herab.

      „Seid ihr euch sicher, dass ihr das wirklich wollt“, fragte er einfach und ließ eine blau brennende Flamme auf seiner nach oben gewandten Handinnenseite erscheinen. Die letzte Hoffnung, dass er es trotz ihrer ungewöhnlichen Aufmachung mit gewöhnlichen Dieben zu tun hatte, verblasste, als keiner der vier zusammenzuckte.

      „Ihr wisst gar nicht auf was ihr euch eingelassen habt“, behauptete die Frau und ließ ein wahres Inferno auf ihn los. Bartholomeus hielt die Hände vor sich, als wolle er sich schützen, und zerteilte die Flammenbrunst in zwei Hälften, die an ihm und seiner Begleiterin vorbeirasten. Hinter ihnen fingen die Kleidungsstücke an der Wäscheleine Feuer und der Fußball wäre bestimmt geplatzt, wäre noch überschüssige Luft in ihm. So zog sich das Kunststoffgewebe lediglich zusammen und verschrumpelte wie eine Rosine. Lediglich die Hitze trieben ihnen die Schweißperlen auf die Stirn. Schließlich verebbte die Feuerquelle und die vier Verfolger tauchten wieder vor ihnen auf. Falls sie beeindruckt waren, dass ihre Gegenspieler unversehrt vor ihnen standen, zeigten sie es nicht. Stattdessen ließen sie in schneller Folge zuckende Blitze, glühende Flammenbälle und Windstöße, die den Stein der Mauern um sie herum splittern ließen, auf sie herabregnen. Bartholomeus löschte die Flammen, leitete die Blitze ab und lenkte den Wind in den Himmel, wo er einen unachtsamen Vogel erfasste und zur Seite schleuderte. Doch an einen Gegenstoß war nicht zu denken. Die schlanken Finger seiner Begleiterin berührten ihn an seiner Schulter.

      „Wir sollten hier weg“, sagte sie sanft. Es war das erste Mal, dass er sie sprechen hörte und zeitgleich kam ihm die Gewissheit, dass sie recht hatte. Er konnte hier allein und ohne Unterstützung kaum bestehen, doch er musste sie an ihr Ziel bringen. Dieser Auftrag war wichtiger als sein Ego, wichtiger als sein Leben, sogar wichtiger als der Schutz Unbeteiligter. Mit einer schnellen Handbewegung zerriss er die Grundmauern des Gebäudes links vor ihm. Mit einem unnachgiebigen Mahlen neigte es sich zur Seite und donnerte auf das Gebäude daneben. Die Gasse wurde von Stein und Schutt begraben und Staub stob auf. Das würde ihre Angreifer zwar nicht umbringen aber aufhalten. Bartholomeus hoffte - vermutlich vergebens -, dass das Gebäude verlassen gewesen war, riss sich jedoch von dem Anblick los und rannte, seine Begleiterin dicht auf den Fersen über den Hof und in eine weitere Gasse, die wieder auf eine belebte Straße führte. Am Ende der Gasse bog ein schwarzer SUV auf den Bürgersteig und kam mit quietschenden Reifen zum Stehen. Ein paar Fußgänger mussten fluchend zur Seite springen, doch noch war keiner zu Schaden gekommen. Die Türen öffneten sich und zwei Männer und Frauen sprangen auf die Pflastersteine. Bartholomeus quetschte einen mit einem Luftstoß in der Tür ein und verpassten dem anderem auf ihrer Seite, dem Beifahrer, einen guten alten Fausthieb, der ihn zu Boden schickte. Ohne abzubremsen sprang er auf die Motorhaube, auf der anderen Seite wieder herab und versicherte sich kurz, dass seine Begleiterin ihm gefolgt war. Dann preschte er wieder los. Ein Schaufenster auf der anderen Straßenseite zerbarst in tausend Stücke und vor ihm wurde eine rote Limousine von einem Feuerball getroffen. Sie raste mit einem fürchterlichen Scheppern in einen Laternenmast, der sich zur Seite bog. Die Schreie waren allgegenwärtig. Irgendwo weinte ein Kind. Bartholomeus wich einem Auto aus und schleuderte ein weiteres in die Luft, da es sonst seine Begleiterin erfasst hätte. Irgendetwas hinter ihm explodierte und weitere Autos knallten gegen Hauswände und Laternenmasten. Bartholomeus erlaubte sich einen winzigen Moment der Orientierung und hetzte dann auf eine Baustelle, die ein kostbares Stück übrig gebliebene Natur in ein weiteres Hochhaus in tristem Grau verwandeln sollte. Ein Mann mit einem gelben Schutzhelm rief ihnen zu, als sie auf das frisch gegossene Fundament sprangen. In dem feuchten Beton blieben ihre Fußabdrücke zurück, doch das war nun die geringste Sorge, der Bauarbeiter, denn in diesem Moment wurde das Gerüst eines Krans von einem weiteren Feuerball getroffen. Der Stahl bog sich mit einem Kreischen, dass bis ins Mark fuhr und aus über dreißig Metern Höhe ertönte ein verzweifelter Schrei, als sich das Fahrerhaus dem Boden zu neigte. Bartholomeus hastete an dem fallenden Ungetüm vorbei und sprang auf einen weiteren Bordstein, auf dem erstarrte Menschen standen, die angstvoll auf den Tumult starrten, der ihnen nun immer näherkam. Die ersten Sirenen halten in der Ferne auf. Ohne sich umzudrehen, überquerten sie unter Hupen, quietschenden Reifen und zornigen Rufen eine weitere Straße und standen dann vor dem Haus, dass ihnen endlich Schutz versprach. Mit zitternden Händen schob Bartholomeus den Schlüssel in das Schloss und öffnete die schwere Holztür. Sie stolperten in das Treppenhaus und rannten dann, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, herunter in den Keller. Ein Knall ertönte und das Fundament unter ihnen erzitterte, doch sie waren ihrer Zuflucht so nahe. Von einer plötzlichen Ruhe erfasst griff Bartholomeus in seine Tasche und zog einen glänzenden Stein heraus, mit der er Linien in die Luft zeichnete, die silbrig grau glühten. Ein Tor, eine Pforte in eine andere Welt zeichnete sich vor ihnen ab. Mit einem Ruck öffnete sie sich und gab den Blick auf einen nächtlichen Hain frei. Sie verschwendeten keine weitere Zeit und begleitet von einer weiteren Erschütterung des Gebäudes gingen sie hindurch und traten in raschelndes Laub. Erleichtert wandte sich Bartholomeus zu seiner Begleiterin um. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln, das ganz im Kontrast mit dem kalten Stahl stand, der sich plötzlich zwischen seine Rippen bohrte. Bartholomeus ächzte und taumelte zurück den fassungslosen Blick zwischen der Frau vor ihm und dem Griff des Dolches, der im Mondschein glänzend aus seiner Brust ragte. Er öffnete den Mund und wollte fragen, wieso sie das tat, doch heraus kam nur ein Gurgeln, als Blut seine Kehle füllte.

      „Du warst nützlich“, antwortete die Frau ihm trotzdem. Freundlich, jedoch ohne jeden Hauch von Reue oder Mitgefühl. „Wie eine scharfe Axt, die mit jedem Baum, den sie schlägt, scharten bekommt. In deiner Welt warst du eine Hilfe, doch hier bist du nur ein Risiko.“ Sie drehte sich um und ging ohne ihn auch nur noch einen Blick zu schenken. Er versuchte ihr zu folgen, stolperte und fiel auf die Knie. Stattdessen starrte er auf ihren Rücken, der langsam zwischen den Bäumen verschwand. Der Mond schien hell in dieser Nacht und die Sterne taten ihr übriges. In seinem letzten Augenblick, in der letzten Sekunde, konnte er alles sehen. Die hoch aufragenden Bäume, die sich sanft wiegenden Gräser, die im Wind wippenden Äste voller Blätter. Dann fiel er nach vorn, wobei der Boden den Dolch noch ein wenig tiefer in seinen Körper trieb. Dieses letzte Aufflackern des Schmerzes ließ ihn in der Ohnmacht versinken, die ihre schützenden Arme aufhielt wie eine tröstende Mutter.

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    • Im letzten Augenblick
      von Cory Thain

      Der Mann fuchtelt wie wild mit Händen und Füßen. Doch ich lasse nicht los, drücke sein Gesicht unter Wasser, bis er kurz vor dem Verrecken ist. Dann lasse ich lockerer, lasse ihn Luft holen, atmen, hoffen... und drücke ihn erneut nach unten.

      Ich fühle nichts. Unbeteiligt beobachte ich die Blasen, die aufsteigen, von seiner Qual künden. Ich fühle nichts. Ich will ihn nur töten. Ich habe es ihr versprochen. Ich werde diesen Drecksack leiden lassen, so wie Du gelitten hast, mein Herz, habe ich gesagt. Und dann werde ich ihn töten...

      Der Mann wird schwächer, sein Gezappel wird weniger. Ich zerre ihn vom Brunnen hoch, ohne ihn aus meinem Griff zu lassen. Noch ist es nicht soweit. Noch hat er nicht genug gelitten.
      Ich ziehe den Wehrlosen an einen der Eisenpfeiler, die die Absperrketten halten und binde ihn dort mit seinem eigenen Gürtel fest. Seine Hände fixiere ich mit seinem klatschnassen Hemd, dass ich ihm vom Leib reisse.

      „Na? Wie fühlt sich das an?“ frage ich und will doch gar keine Antwort haben. Der Mann röchelt und hustet, spuckt Wasser: „Bitte...“ fleht er weinerlich und hustet weiter. „Was? Worum bittest Du?“ Ich finde Gefallen an dem Anblick und hoffe, sie kann mich jetzt sehen. „Was willst Du, Drecksack?“
      „Gnade...!“ wimmert der Kerl kraftlos.
      „Hast Du Gnade verdient?“ frage ich, obwohl ich die Antwort bereits kenne.
      Tatsächlich schüttelt der Mann den Kopf: „Nein...“ kommt es leise.

      Und plötzlich verläßt mich all meine Kraft. Ich sehe auf den wimmernden Mann hinunter und fühle mich unsagbar müde. Selber fast kraftlos, krame ich in seiner Jackentasche, hole sein Handy hervor. „Entsperren!“ sage ich und er nennt mir den Code. Ich wähle eine Nummer: „Ist dort die Polizei? Hier hockt ein Mann am Brunnen und sagt, er hätte kleine Mädchen umgebracht... „
      Ich lege das Handy neben den Mann, damit sie es orten können.

      „Du solltest Dir wünschen, dass sie Dich für lange Zeit einbuchten... denn wenn sie es nicht tun... komme ich und bringe das hier zu Ende! Das schwöre ich Dir!“
      Er kann nicht wissen, dass ich eben einen anderen Schwur gebrochen habe.

      Ich drehe mich um und gehe. In der Ferne sind bereits Sirenen zu hören? Sind sie das schon? Ich ziehe meine Handschuhe aus und stecke sie in meine Jackentasche.

      Auf dem Friedhof ist es still. Nur wenige Menschen stehen hier an Gräbern, gießen die Pflanzungen oder unterhalten sich.

      Auf der Bank im Schatten sitzt sie, erwartungsvoll sieht sie mir entgegen. Ich setze mich neben sie und kann ihr nicht ins Gesicht blicken. „Ich konnte es nicht tun!“ sage ich leise. „Im letzten Augenblick war ich... feige!“

      Ich spüre ihre kleine Hand auf meinem Arm und höre ihre zarte Stimme: „Nein. Im letzten Augenblick warst Du ein Mensch, Papa!“

      Sie löst sich von mir und erhebt sich. Als sie auf ihr Grab zuschreitet, wird sie immer zarter, blasser, durchsichtiger. Ein letzter Nebelhauch schenkt mir ein Lächeln...

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    • Liebe Leser,

      der Votingzeitraum zum Schreibwettbewerb April/Mai 2018 ist abgelaufen und wir haben einen Gewinner/eine Gewinnerin!

      Zu allererst hoffe ich, euch hat die Idee mit der Umfrage gefallen - dass das Ergebnis erst nach Abgabe der eigenen Stimme sichtbar wird. Zumindest mir kam es so vor, als hätten diesmal mehr Leute ihre Stimme abgegeben. Eure Meinung dazu würde uns sehr freuen und könnte dabei helfen, den Schreibwettbewerb noch weiter zu verbessern. Also nur keine falsche Scheu und her mit euren Feedbacks! ;)

      Und hier kommt auch schon die Auflösung:

      ...Gewonnen hat mit 9 von insgesamt 17 Stimmen (53%)...

      *trommelwirbel* :mamba2:

      Herzlichen Glückwunsch zum Sieg! Du kannst nun das Thema für den nächsten Wettbewerb vorgeben. Ausserdem wurdest du in die Rangliste eingetragen und bekommst für zwei Monate 5 goldene Sterne, sowie einen eigenen Benutzertitel. Schon jetzt viel Spass damit!

      Ein herzliches Dankeschön auch an alle anderen Teilnehmer! Wir hoffen, dass ihr beim nächsten Schreibwettbewerb auch wieder fleißig mitmacht und so zahlreich abstimmt. Wir sind schon sehr auf das neue Thema gespannt, das unser aktueller Gewinner hoffentlich schon bald vorgeben wird. 8)

      Übrigens könnt ihr nun auch nachschauen, wer die Autoren sind. Diese wurden den Geschichten beigefügt.

      Das war der Schreibwettbewerb April/Mai 2018. Vergesst nicht, euer Feedback zu den Geschichten zu hinterlassen! ;)

      Euer Fantasy-Geschichten-Forum

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    • Vielen lieben Dank Euch allen für die Glückerwünsche! :danke:

      Ich schreib ja sonst nie "sowas" (und dachte, ich glucker (deshalb) gnadenlos ab). :pardon:
      Du willst noch leben, irgendwann.
      Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
      ... und irgendwann ist auch ein Traum zu lange her...
      (*Kein zurück* - Wolfsheim)

      Es ist ein Gerücht, dass Zeit ein Geschenk sei. Man muss sie sich nehmen! (Ania Vitale)

      Wer immer nur tut, was er schon kann, wird auch immer nur bleiben, was er schon ist. (Henry Ford)
    • Herzlichen Glückwunsch @Cory Thain. Deine Geschichte ist ein würdiger Sieger.
      Den anderen Beteiligten auch meinen Glückwunsch für ihre gelungenen Beiträge!
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz