Ignotus

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    • Gut, dann versuch ich's auch mal :D

      Ich arbeite jetzt schon seit ..... keine Ahnung, wie lange, weil ich immer wieder lange Pausen eingelegt habe, Details vergessen habe, oder einfach die Zeit fehlt, an einer Geschichte, die ich auch ständig wieder von Anfang an überarbeite...

      Ich möchte jetzt noch nicht allzu viel zur Handlung verraten, nur so viel, dass die Geschichte auf einer Insel spielt, auf der vieles fantastisch und seltsam erscheint, zumindest für die Menschen, die auf dieser landen.

      Ich stelle erstmal den Prolog herein und warte auf gnadenlose Kritik :D


      unten ist der Link zur bearbeiteten (hoffentlich besseren) Version

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      In einemfernen Land...

      ...lebten Völker, von deren Existenz
      kein Mensch je zuvor gehört hatte...

      ...bis jetzt...


      Prolog



      Mit dem allmählichen Verstummen der Vogelgesänge zog sich die Sonne langsam hinter den Spitzen der Berge zurück. Kurz blitzte es noch ein letztes Mal auf, ehe sie hinter dem Horizont verschwunden war und der Himmel ihr in warmen Rottönen nachtrauerte.
      Tief im Wald von West-Kalatos in einem Tal, das aufgrund seiner Lage selbst bei helllichtem Tage von direktem Sonnenlicht unberührt blieb, befand sich ein Sklavenlager, das vor langer Zeit vom Stamm der Kemai errichtet worden war.
      Weil die Kemai die Sonne verabscheuten und es vorzogen, sich in der Dunkelheit zu verbergen, lebten sie in Wäldern oder anderen schattigen Orten.
      Das Lager war wie eine Festung von einer massiven Wand aus Palisaden umgeben. Direkt neben dem Haupttor befand sich ein Wachturm, von dem aus man einen guten Ausblick auf das Tor und den Platz davor hatte.
      Die Kemai, die ein solches Lager kontrollierten, waren im Gegensatz zu ihren Artgenossen nicht nachtaktiv, um den menschlichen Sklaven eine Flucht so aussichtslos wie möglich zu gestalten. Die Augen dieser waren schwach und in der Dunkelheit kaum in der Lage, etwas zu sehen. So konnten sie sich getrost in ihre Erdlöcher verkriechen, in welchen sie zu schlafen pflegten.
      Die Wacheinheiten, die sicherstellen sollten, dass niemand das Lager verlässt, waren dabei, ihre Waffen zu inspizieren oder dösten vor sich hin. Wie die meisten Kemai nahmen sie an, dass es gerade nachts niemand wagen würde, einen Fluchtversuch zu unternehmen.
      So entging ihnen, dass sich einige Sklaven bei den Quartieren versammelten, welche sich inmitten des großen Lagers befanden. Es waren an die fünfzig Menschen, von denen es keiner wagte, zu sprechen oder laut zu atmen. Obwohl sie bemüht waren, sich möglichst unauffällig zu verhalten, fiel es ihnen schwer, ihre Aufregung zu verbergen.
      Im Wald ringsum war es inzwischen stockdunkel geworden und bis auf das dezente Schimmern der umherschwirrenden Feuer­libellen, konnte man nichts erkennen.
      Eine kleine Gruppe von Sklaven schlich entlang der Palisaden auf das Haupttor zu. Sie waren mit Werkzeugen und Messern bewaffnet, welche sie während der Arbeit in den Minen heimlich entwendet hatten.
      Unter dem Wachturm angelangt, kletterten drei Männer achtsam die Leiter nach oben und tasteten sich von hinten an die Turmwache heran.
      In dem Moment, als sie sich dem Kemai näherten, fuhr dieser herum und erblickte sie mit seinen glasigen, farblosen Augen. Ohne lange zu zögern, stürzten sich die drei auf ihn. Obwohl ihnen der Über­raschungs­moment einen kleinen Vorteil verschafft hatte, konnten sie die Bestie, deren Klauen mit langen, scharfen Krallen versehen waren, nur mit großer Anstrengung außer Gefecht setzen.
      Indessen versuchte eine andere Gruppe, bestehend aus acht Sklaven, die beiden am Tor patrouillierenden Wachen zu überwältigen. Auch zu acht hatten sie kein leichtes Spiel, da ein Kemai, wenngleich dessen Gestalt nicht viel größer als die der Menschen war, weitaus mehr Kraft hatte. Sie attackierten sie mit ihren Messern, welche nur mit großem Kraftaufwand die schuppige dunkelgrüne Haut der Kreaturen durchdrangen.
      Nachdem sie die beiden Wachen bezwungen hatten, stießen die Männer, die den Turmwächter beseitigt hatten, zu ihnen.
      »Alles okay?«, flüsterte einer der drei, während sie sich gegenseitig Blicke zuwarfen.
      »Ja, die Wachen sind erledigt«, berichtete ein anderer. »Gib Arija Bescheid«, forderte er einen jungen Burschen links von sich auf.
      Dieser spähte über den Platz, bevor er den Ruf eines Nachtvogels imitierte, um zu signalisieren, dass soweit alles nach Plan verlaufen war.
      Die anderen Sklaven hatten hinter den Vorratslagern gewartet und auch Frauen und Kinder hielten sich nahe den Quartieren bereit. Als sie das zuvor ausgemachte Zeichen hörten, huschten sie auf das Haupttor zu.
      Vier Männer versuchten unterdessen, den Riegel aufzustemmen, der das schwere Tor blockierte. Mit vereinten Kräften schafften sie es schließlich, diesen zur Seite zu hieven und öffneten, mit einem unvermeid­lichen Knarren das Tor.
      Auf einmal kam eine der Wachen wieder zu sich. Sie riss ihr Maul auf, was ihre scharfen, spitzen Zähne zum Vorschein brachte und stieß einen schrillen Schrei aus, um die schlafenden Kemai im westlichen Teil des Lagers zu alarmieren.
      Diese stürmten umgehend aus ihren Erdlöchern. Laut brüllten sie auf und wüteten mit ihren Keulen und Speeren. Ihr schauderhaftes Getöse konnte man vermutlich sogar noch aus der Ferne vernehmen.
      Panisch strömten die Sklaven durch das halb geöffnete Tor nach draußen und stürzten in die Dunkelheit der Nacht.
      Die Kemai jagten ihnen hinterher und hatten die Langsameren von ihnen bald schon eingeholt.
      Einige Sklaven schafften es, weiter in den Wald hinein zu flüchten, doch die meisten nicht. Sofern sie sich den wilden Kreaturen ergaben, wurden sie von diesen wieder zurückgetrieben, beim kleinsten Anzeichen von Widerstand jedoch sofort getötet.
      Die Menschen, die vorerst entkommen waren, rannten, so schnell sie konnten, durch den düsteren Wald, wurden aber von einer Patrouille der Kemai hartnäckig verfolgt. Nach und nach wurden sie eingeholt und wenn sie nicht augenblicklich aufgaben und um ihr Leben bettelten, streckten die Biester sie erbarmungslos nieder.



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      Prolog überarbeitet

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von kijkou ()

    • Hey :)
      Ich mach dann mal ein bisschen den Anfang ^^

      Die vier Punkte sind mit aufgefallen:

      kijkou schrieb:

      zog sich die Sonne langsam hinter den Spitzen der Berge zurück.


      Die Kemai, die ein solches Lager kontrollierten,


      Die Wacheinheiten, die sicherstellen sollten, dass niemand das Lager verlässt,


      Nach und nach wurden sie eingeholt und wenn sie nicht augenblicklich aufgaben und um ihr Leben bettelten, streckten die Biester sie erbarmungslos nieder.
      1. hinter die Spitzen der Berge
      2. Die dieses Lager kontrollierten? Wie du schreibst, klingt es, als gäbe es an diesem Ort nur eines.
      3. die sicherstellen sollten, dass niemand das Lager verließ,
      4. und wenn sie nicht augenblicklich aufgeben und um ihr Leben betteln würden, würden die Biester sie erbarmungslos niederstrecken. (Klingt stimmiger)


      Ansonsten doch ein guter Text, du hast Beschreibungen drin (obgleich man manches doch etwas detaillierter beschreiben könnte, aber das ist nur meine Meinung), man fragt sich, wieso die Menschen dort gefangen sind und was das alles soll und man erfährt auch schon von einer scheinbar wichtigen Hauptperson in der Geschichte, "Arija".
      Auf mich wirkt dieser Textabschnitt aber eher so, als wäre er aus einem Kapitel irgendwo inmitten deiner Geschichte entnommen worden- nicht falsch verstehen, aber dieser Text erzählt etwas, das einem doch so manche Rätsel aufgibt, aber mir fehlt irgendwas- so ein Anhaltspunkt, wo ich mich drauf aufhängen kann als Leser und sagen kann: "Ja, ich bin gespannt, wie sie dieses Problem lösen." oder "Wie geht es mit den handelnden Personen weiter?"

      Ich stelle mir vor, dass du zum Beispiel am Ende deines Prologs noch etwas mit Arija schreiben könntest, so etwa:
      "Arija lief an der Spitze der Flüchtenden. Doch als sie sah, dass die Monster ihre Freunde schon fast erreicht hatten, blieb sie sofort stehen und drängte sich ans Ende der Karawane der fliehenden Menschen. Sie stellte sich ihren Feinden, um ihre Freunde vielleicht zu retten. Die Keule eines ihres Verfolgers schlug sie zu Boden und raubte ihr beinahe das Bewusstsein. Sie hob verteidigend die Arme, als die Waffe erneut durch die Luft sauste."
      Das ist natürlich nur ein Vorschlag, musst du nicht so machen/ übernehmen. (ich weiß ja auch gar nicht, wie deine Geschichte weitergeht)
      Aber wenn ich sowas lesen würde, würde ich denke ich weiterlesen wollen, weil ich wissen wollen würde, was mit der Frau passiert.
      Aber irgendein kleiner Hint fehlt, wo ich sage, ich möchte so richtig gerne weiterlesen und wissen, wie es weitergeht. :)

      Hoffe, du hast dir diese Art der Kritik vorgestellt und kannst damit was anfangen :)

      Liebe Grüße,
      Blue
      I will do what QUEENS do. I will RULE.
















      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BlueRosesInMyHeart ()

    • Hallo @kijkou,

      Spoiler anzeigen

      ich hab deinen Prolog auch gelesen und will dir ein Feedback dazu dalassen.

      Als Erstes ist mir aufgefallen, dass du kaum Rechtschreibefehler in deinem Text hast. Das ermöglicht ein flüssiges und entspanntes Lesen!!
      Dann muss ich dir für einige Formulierungen ein Lob aussprechen, zum Beispiel die hier:

      kijkou schrieb:

      und der Himmel ihr in warmen Rottönen nachtrauerte.
      Das gefällt mir total gut.

      kijkou schrieb:

      »Alles okay?«, flüsterte einer der drei, während sie sich gegenseitig Blicke zuwarfen.
      Mit dieser Formulierung hab ich hingegen ein Problem. Warum tun sie das? Um festzustellen, ob jemand bei der Ausschaltung der Wachen verletzt wurde? Dann könnten sie einander kritisch oder sorgfältig mustern. Aber sich Blicke zuwerfen klingt für mich irgendwie, als würden ein paar von ihnen "falsch spielen". Weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine. So verstohlene Blicke anstelle von Wörtern. :S Hat mich irritiert.

      In vielen Dingen stimme ich mit Blue überein (außer bei ihrem Punkt 4. ;) ), deshalb führ ich die jetzt nicht nochmal an. Aber auch mich würde interessieren, wieso es die Kemai schaffen konnten, Menschen zu versklaven. Das Lager ist schön beschrieben, aber zu den Hintergründen fehlen mit ein paar Infos. Die Waffen zum Beispiel, die die Kemai verwenden - wie sind die beschaffen, wenn diese Wesen doch lange Klauen an den Fingern haben?

      Tja, und dann lässt du deine armen Leser zurück mit - nichts. Alle eingeholt und erschlagen oder zurückgebracht. Alles umsonst? Wo ist der Punkt, der den Leser ungeduldig nach einer Fortsetzung gieren lässt?? :rofl:
      Und Arija - hat er (oder sie) überlebt? Ist es einer kleinen Gruppe um ihn/sie gelungen, den Verfolgern zu entkommen? Oder hat nur ein Kind überlebt? Oder was jetzt??? :D
      So, wie es dasteht, könnte es eine Kurzgeschichte mit "ohne Happy End" sein. Aufstand - Ausbruch - Einfangen - Erschlagen - Aus die Maus.
      Gib uns was, kijkou, was uns neugierig auf die Fortsetzung macht. ^^

      So, ich hoffe, ich war nicht zu gemein. Dein Schreibstil ist toll und gefällt mir gut. Manchmal wirkt er etwas zu gehetzt. Zum Beispiel, als die Kemai erwachen. Das könnte man etwas mehr ausschmücken. Du gönnst uns nur drei relativ nüchterne Sätze.

      kijkou schrieb:

      Diese stürmten umgehend aus ihren Erdlöchern. Laut brüllten sie auf und wüteten mit ihren Keulen und Speeren. Ihr schauderhaftes Getöse konnte man vermutlich sogar noch aus der Ferne vernehmen.
      Da kommt bei mir kein Grauen auf. Ich kann das Entsetzen der Sklaven nicht mitfühlen. Da erstarrt bei mir keine Hand mit Popcorn unterwegs zum Mund, der offen stehenbleibt. Lass doch da ein bisschen Action aufkommen. Beschreib uns doch, was die Sklaven sehen bzw. hören (weil Nacht) und dabei fühlen. Da sind Mütter und Kinder dabei...

      Ich werd den Abo-Haken auf jeden Fall setzen. ich will wissen, was du hier draus machst. Denn die Story ist vielversprechend. Also - ich bin dabei! :thumbsup:
      LG Tariq
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

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    • IHallöchen @kijkou :) ich hab auch mal deinen Prolog gelesen.



      Zuerst : ich mag deinen Schreibstil. Er wirkt "bewusst gewählt" und ziemlich sicher. Dann hat du hier und da auch ein paar schöne Beschreibungen deinen, die mir gut gefallen ^^

      Spoiler anzeigen

      kijkou schrieb:

      Weil die Kemai die Sonne verabscheuten und es vorzogen, sich in der Dunkelheit zu verbergen, lebten sie in Wäldern oder anderen schattigen Orten.
      Das ist doch ein bisschen unspezifisch. Nicht, weil es keinen Sinn ergibt oder weil es falsch ist, sondern, weil du das viel besser erklären könntest. Ich hätte aus dem Text jetzt heraus gelesen, dass es mehrere solcher Orte gibt. Da fällt dir bestimmt was anderes ein als "anderen schattigen Orte" (was für andere Orte, in Höhlen oder sowas? Kommt darauf an, was du dir vorgestellt hast) ;) bitte nicht falsch verstehen. Es ist nicht falsch oder schlecht, aber zu deinem sonst so toll beschriebenen Text ist das doch ein Dorn... Ein kleiner, aber er ist da ^^



      Ansonsten kann ich mich nur @BlueRosesInMyHeart und @Tariq anschließen. Was anderes ist mir nicht mehr aufgefallen ... Halt... Doch...

      kijkou schrieb:

      In einemLeerzeichenfernen Land...

      :D das war schon alles

      Besonders stimme ich dem Einwand zu, dass das Ende (die Flucht und das wieder einfangen) schöner ausgeschrieben werden könnte. Das wirkt eher danach, als ob dein Prolog nicht so lang werden sollte. Da spricht aber nichts gegen ^^

      Ähm... Ich setzte mal den Abohaken, weil ich unheimlich gerne wissen möchte, in welche Richtung das geht... Es kann ja nicht ewig im Lager weiter gehen :huh:

      LG
    • Prolog überarbeitet

      Hallo :)

      Erstmal danke für eure tollen Feedbacks :)

      Hab mich jetzt noch ein wenig gespielt und versucht, eure Ratschläge, so gut es geht, umzusetzen...
      Mit den Infos habe ich mich dennoch zurückgehalten, weil die Flucht ja weitergeht ^^

      Was haltet ihr von den Änderungen?


      Liebe Grüße
      Kij




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      In einem fernen Land...

      ...lebten Völker, von deren Existenz
      kein Mensch je zuvor gehört hatte...

      ...bis jetzt...


      Prolog

      Mit dem allmählichen Verstummen der Vogelgesänge zog sich die Sonne langsam hinter die Spitzen der Berge zurück. Kurz blitzte es noch ein letztes Mal auf, ehe sie hinter dem Horizont verschwunden war und der Himmel ihr in warmen Rottönen nachtrauerte.
      Tief im Wald von West-Kalatos in einem Tal, das aufgrund seiner Lage selbst bei helllichtem Tage von direktem Sonnenlicht unberührt blieb, befand sich ein Sklavenlager, das vor langer Zeit vom Stamm der Kemai errichtet worden war.
      Weil die Kemai die Sonne verabscheuten und es vorzogen, sich in der Dunkelheit zu verbergen, lebten sie in Höhlen oder Wäldern.
      Das Lager war wie eine Festung von einer massiven Wand aus Palisaden umgeben. Direkt neben dem großen Haupttor befand sich ein Wachturm, von dem aus man einen guten Ausblick auf das Tor und den weitläufigen Platz davor hatte.
      Die Kemai, die das Lager kontrollierten, waren im Gegensatz zu ihren Artgenossen nicht nachtaktiv, um den menschlichen Sklaven eine Flucht so aussichtslos wie möglich zu gestalten. Die Augen dieser waren schwach und in der Dunkelheit kaum in der Lage, etwas zu sehen. So konnten sie sich getrost in ihre Erdlöcher verkriechen, in welchen sie zu schlafen pflegten.
      Die Wacheinheiten, die das Lager im Auge behalten sollten, waren dabei, ihre Waffen mit ihren scharfen Zähnen anzuspitzen oder dösten vor sich hin. Wie die meisten Kemai nahmen sie an, dass es gerade nachts niemand wagen würde, einen Fluchtversuch zu unternehmen.
      So entging ihnen, dass sich einige Sklaven bei einem der Quartiere versammelten, welche sich inmitten des großen Lagers befanden. Es waren an die fünfzig Menschen, von denen es keiner wagte, zu sprechen oder laut zu atmen. Obwohl sie bemüht waren, sich möglichst unauffällig zu verhalten, fiel es ihnen schwer, ihre Aufregung zu verbergen.
      Im Wald ringsum war es inzwischen stockdunkel geworden und bis auf das dezente Schimmern der umherschwirrenden Feuer­libellen, konnte man nichts erkennen.
      Eine kleine Gruppe von Sklaven schlich entlang der Palisaden auf das Haupttor zu. Sie waren mit Werkzeugen und Messern bewaffnet, welche sie während der Arbeit in den Minen heimlich entwendet hatten.
      Unter dem Wachturm angelangt, kletterten drei Männer achtsam die Leiter nach oben und tasteten sich von hinten an die Turmwache heran.
      In dem Moment, als sie sich dem Kemai näherten, fuhr dieser herum und erblickte sie mit seinen glasigen, farblosen Augen. Ohne lange zu zögern, stürzten sich die drei auf ihn und obwohl ihnen der Über­raschungs­moment einen kleinen Vorteil verschafft hatte, konnten sie die Bestie, deren Klauen mit langen, scharfen Krallen versehen waren, nur mit großer Anstrengung außer Gefecht setzen.
      Indessen versuchte eine andere Gruppe, bestehend aus acht Sklaven, die beiden am Tor patrouillierenden Wachen zu überwältigen. Auch zu acht hatten sie kein leichtes Spiel, da ein Kemai, wenngleich dessen Gestalt nicht viel größer als die der Menschen war, weitaus mehr Kraft hatte. Sie attackierten sie mit ihren Messern, welche nur mit großem Kraftaufwand die schuppige dunkelgrüne Haut der Kreaturen durchdrangen.
      Nachdem sie die beiden Wachen bezwungen hatten, stießen die Männer, die den Turmwächter beseitigt hatten, zu ihnen.
      »Alles okay?«, flüsterte einer der drei, während sie sich gegenseitig besorgte Blicke zuwarfen.
      »Ja, nur ein paar Kratzer – wir hatten Glück, aber die Wachen sind erledigt«, berichtete ein anderer. »Gib Arija Bescheid«, forderte er einen jungen Burschen links von sich auf.
      Dieser spähte über den Platz, bevor er den Ruf eines Nachtvogels imitierte, um zu signalisieren, dass soweit alles nach Plan verlaufen war.
      Die anderen Sklaven hatten hinter den Vorratslagern gewartet und auch Frauen und Kinder hielten sich nahe den Quartieren bereit. Als sie das zuvor ausgemachte Zeichen hörten, huschten sie auf das Haupttor zu.
      Vier Männer versuchten unterdessen, den Riegel aufzustemmen, der das schwere Tor blockierte. Mit vereinten Kräften schafften sie es schließlich, diesen zur Seite zu hieven und öffneten, mit einem unvermeid­lichen Knarren das Tor.
      Auf einmal kam eine der Wachen wieder zu sich. Sie riss ihr Maul auf, was ihre scharfen, spitzen Zähne zum Vorschein brachte und stieß einen schrillen Schrei aus, um die ruhenden Kemai im westlichen Teil des Lagers zu alarmieren.
      Diese stürmten umgehend aus ihren Erdlöchern. Erbost darüber, dass man sie aus dem Schlaf gerissen hatte, brüllten sie sich gegenseitig an. Nachdem sie realisiert hatten, was geschehen war, griffen sie zu ihren Holzspeeren und Keulen und stampften wütend auf das Haupttor zu. Das schauderhafte Getöse der Kreaturen konnte man vermutlich sogar noch aus der Ferne vernehmen.
      Panisch strömten die Sklaven durch das halb geöffnete Tor nach draußen und stürzten in die Dunkelheit der Nacht.
      Viele der Frauen entschieden sich, mit ihren Kindern zurückzubleiben, als sie die herannahenden Bestien erblickt hatten. Es war ihnen zu riskant, jetzt noch einen Fluchtversuch zu starten und sie zogen sich freiwillig zurück.
      »Nutzlose Wurmfresser!«, fauchte einer der Kemai, die Wachen vor dem Tor an und wandte sich dann seinen Artgenossen zu. »Das wird ein Spaß!«, brüllte er und marschierte durch das Haupttor nach draußen.
      Voller Vorfreude machten sie sich auf, die entkommenen Sklaven zu jagen.
      Es dauerte nicht lange, da hatten sie die Langsameren der Menschen eingeholt. Sofern diese sich ergaben, trieben die wilden Kreaturen sie wieder zurück ins Lager. Jedoch beim kleinsten Anzeichen von Widerstand, töteten sie sie umgehend.
      Die Menschen, die vorerst entkommen waren, rannten, so schnell sie konnten, durch den düsteren Wald, wurden aber von einem Trupp der Kemai hartnäckig verfolgt.
      Nach und nach wurden sie eingeholt und wenn sie nicht augenblicklich aufgaben und um ihr Leben bettelten, streckten die Biester sie erbarmungslos nieder.
      Etwa die Hälfte der Sklaven hatte es geschafft, sich so weit vom Lager zu entfernen, dass die Kemai vorerst ihre Spur verloren hatten.
      »Ich kann nicht mehr«, keuchte eine junge Frau verzweifelt und hielt an.
      »Du musst dich zusammenreißen, Sinora! Komm weiter!«, drängte sie ihr Mann.
      Plötzlich hörten sie schnelle Schritte auf sie zukommen und erschraken.
      Es war einer von ihnen, der sie eingeholt hatte. »Sie – sie haben sie alle erwischt!«, rief er aufgebracht. »Wir müssen schnell weiter!«
      »Verammt, Jiyuu – wo warst du?«, stellte ihn Sinora zur Rede. »Belkan wollte schon umkehren…«
      »Wo ist Arija!?«, unterbrach Jiyuu sie.
      »Sie ist bei den anderen. Los – sonst holen wir sie nicht mehr ein!«, meinte Belkan aufgeregt.
      Kaum waren seine Worte verstummt, vernahmen sie das Gebrüll der Kemai, die ihre Fährte wieder aufgenommen hatten. Augenblicklich rannten sie weiter und bahnten sich ihren Weg durch die Finsternis.

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      Kapitel 1 (Teil 1)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von kijkou ()

    • :super: @kijkou!

      Spoiler anzeigen

      Ich hab nichts mehr zu bemängeln außer dem Wort "Patrouille". Das hat mir schon in der ersten Version nicht so recht gefallen, habe es aber dann vergessen zu erwähnen. Es hat ja eher die Bedeutung von einem Trupp von Soldaten (oder Polizisten), die regelmäßig ein bestimmtes Gebiet kontrollieren und überwachen! Vielleicht findest du eine andere Bezeichnung dafür?

      Wenn du wiedermal einen Text austauschen möchtest, kannst du das auch im eigentlichen Thread einfach ändern (oder ersetzen) und weist dann im Kommentar einfach auf den jeweiligen Post hin, den du geändert hast (in dem Fall wäre das dann Post 1 gewesen). Sonst ziehst du deinen Thread unnötig in die Länge.

      Ansonsten - weiter so!
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • Danke dir für die schnelle Rückmeldung ^^

      Das muss ich gleich mal ausprobieren. Also einfach auf "Bearbeiten"?
      Muss mir die ganzen Funktionen noch anschauen (^^;

      Tariq schrieb:


      Ich hab nichts mehr zu bemängeln außer dem Wort "Patrouille". Das hat mir schon in deriner ersten version nicht so recht gefallen, habe es aber dann vergessen zu erwähnen. Es hat ja eher die Bedeutung von einem Trupp von Soldaten (oder Polizisten), die regelmäßig ein bestimmtes Gebiet kontrollieren und überwachen!. Vielleicht findest du eine andere Bezeichnung dafür?
      Ja, stimmt, eigentlich... Die sind viel zu unszivilisiert, als dass man sie so nenen könnte... Wie würde "Meute" passen? "Horde" klingt vielleicht zu groß und "Gruppe" will ich nicht wieder verwenden :D


      Wenn das jetzt so halbwegs passt, dann würde ich dann den ersten Abschnitt von Kapitel 1 posten.
      Muss/soll ich das dann irgendwie verlinken, dass man einfacher von Prolog zu Kapitel 1 springen kann? Oder gibt es da eine andere Funktion?
      I'm a bloody beginner :panik:
    • Hi @kijkou

      zu den Funktionen:
      - wenn du möchtest, dass jemand über deinen Post eine Benachrichtigung erhält, dann benenne ihn im Post mit dem "@" davor. Dann gibts für ihn oben im Bildrand neben der Glocke eine "1", die ihm die Benachrichtigung anzeigt.
      - wenn du einen Beitrag bearbeiten, ergänzen, ersetzen oder sonstwas möchtest - einfach auf "bearbeiten" klicken und wenn du fertig bist auf "Absenden"
      Dein Kapitel 1 stellst du in den nächsten Post, indem du auf "Antworten" klickst.

      In den Post vom Prolog kannst du einen Link von dem Post mit dem ersten Kapitel einfügen. Das ist in der Menüzeile oben das kleine Symbol mit der schrägen Kette.

      Und für "Patrouille" würde ich "Trupp" oder "Spurensucher" oder "Häscher" nehmen. Hör da einfach auf deinen Bauch. :D
      Wenn du noch irgendwelche Fragen hast, kannst du mich auch gern in einer Konversation mal kontaktieren, ist kein Problem. ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Super erklärt, danke @Tariq !

      Muss ich gleich mal testen, dann merk ich mir das vielleicht auch :D

      Also, jetzt geht es darum, Menschen aus unserer "Welt" auf diese Insel zu schaffen, wo die Kemai ihr Unwesen treiben :D
      Das erste Kapitel begimmt also erstmal mit einem ganz anderen Handlungsstrang:

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      1
      Memoria

      Die Stadt der Goldadler

      Eine große Segeljacht steuerte weit draußen inmitten des pazifischen Ozeans in Richtung Westen. Sie trug den Namen „Trust In Fate“, welcher in einem protzigen blauen Schriftzug das Heck und den Bug zierte. Das riesige weiße Segel, das dem Schiff eine gewisse Macht verlieh, war zur Hälfte eingeholt.
      Die Jacht befand sich auf einer Abenteuer-Segeltour mit dem Vorhaben, Meerestiere zu sichten und zu beobachten. Das Geschäft lief gut, da in diesem Jahr vermehrt Walschulen gesichtet worden waren. Vor knapp einer Woche hatte die „Trust In Fate“ in San Diego abgelegt und bisher waren Wal-Sichtungen leider ausgeblieben.
      In einer der sechs Kajüten, die sich unter Deck befanden, unterhielten sich drei junge Frauen. May, Susan und Kate waren beste Freundinnen. Sie hatten vergangenen Winter beschlossen, aufs Meer zu fahren, um Wale einmal aus nächster Nähe zu sehen und bis zum Sommer dafür gespart.
      May war gerade einundzwanzig Jahre alt geworden. Mit ihren grünen Augen blickte sie nachdenklich zum Fenster hinaus und seufzte. »Der Nachthimmel auf hoher See ist einfach wunderschön. Vom Land aus sieht man nie so viele Sterne. Glaubt ihr, wir werden morgen endlich ein paar Wale sehen?«, fragte sie die beiden anderen, während sie eine Strähne ihres gewellten, langen dunkelbraunen Haars um ihren Zeigefinger wickelte.
      »Ich hoffe es! Jetzt sind wir schon seit Ewigkeiten hier draußen und haben noch gar nichts Aufregendes gesehen – nur diese Quallen gestern Mittag. Morgen ist es hoffentlich endlich soweit!«, entgegnete Kate aufgeweckt und drehte sich im Kreis, wodurch ihre zwei brünetten Zöpfe herumgewirbelt wurden. Sie war achtzehn Jahre alt und die Jüngste der drei. Etwas schwindelig setzte sie sich und rieb sich ihre blauen Augen. »Sonst wären wir ja völlig umsonst hier raus gefahren«, meinte sie dann etwas betrübt und zog ihr bauchfreies T-Shirt bis zu ihrem Minirock hinunter, da sie etwas fröstelte. Schon als kleines Kind hatte Kate davon geträumt, eines Tages Wale zu beobachten und ihre Schwärmerei hatte ihre Freundinnen letztendlich dazu gebracht, diese Reise zu planen.
      Susan wippte in ihrer Hängematte hin und her. Sie war zwei Jahre älter als May und hatte die Segeltour bisher sehr genossen. Grinsend richtete sie sich auf und öffnete die rote Spange, die ihr schulterlanges, glattes blondes Haar zusammen­gehalten hatte. »Sollten wir keine sehen, macht es mir auch nichts aus. War doch bis jetzt ganz schön, oder nicht? Ich meine, einmal so lange auf einem Segelschiff zu relaxen – also, das allein schon ist doch ein schön entspannender Urlaub. Die frische Luft, das weite Meer und die Wellen…« Susan streckte sich und gähnte, sodass Tränen in ihre dunkelbraunen Augen stiegen. »Na ja, bis auf diese unbequemen Hänge­matten hier. Aber das ist wohl so, wenn man sich für die Zwei-Sterne-Jacht entscheidet. Ich glaube, ich werde jetzt bald schlafen gehen, ich will mich morgen Früh gleich in die Sonne legen«, meinte sie voller Vorfreude, stieg aus der Hängematte und betrachtete sich im Spiegel, der an der Wand neben der Türe der Kabine ange­bracht war. Sie wollte nicht wieder nach Hause, bevor sie nicht wenigstens ein bisschen Farbe bekommen hatte. In ihrem engen roten Top und der knielangen Stretch-Jeans hatte sie eine tolle Figur, war aber ihrer Ansicht nach viel zu blass.
      »Für Susan ist es nichts weiter als eine Kreuzfahrt«, murmelte Kate mit finsterem Blick und Schmollmund.
      May kicherte amüsiert und sah wieder zum Fenster hinaus. Sie beobachtete die Lichter der Sterne, die sich im Wasser spiegelten.
      Die Oberflächen­bewegung, die durch die Wellen entstand, erzeugte einen wunderschönen Glitzereffekt.
      »Ja, es ist wirklich großartig«, stimmte sie Susan zu. »Man kann hier komplett abschalten und dem Alltag entkommen. Zwei Sterne waren auch nicht gerade günstig. Wenn solche Touren nicht allgemein so teuer wären, würde ich so ein Abenteuer öfter in Erwägung…«
      Plötzlich wurde die Unterhaltung durch das Läuten der Schiffsglocke unter­brochen. Die Intensität der Wellen schien zuzunehmen, denn die vorerst leicht schwankenden Bewegungen des Schiffes wandelten sich zu einem unruhigen Schaukeln.
      Susan verlor fast das Gleichgewicht. Sie begab sich zu einem der Fenster. »Was – was ist denn los!? Hast du irgendetwas gesehen, May!?«, fragte sie nervös, doch diese schüttelte den Kopf.
      Draußen zog dichter Nebel auf und es war kein einziger Stern mehr zu sehen.
      »Gerade eben war der Himmel noch völlig klar, aber jetzt – jetzt sieht man gar nichts mehr…«, wunderte diese sich und warf ihren Freundinnen einen ratlosen Blick zu.
      »Vielleicht ein Sturm? Wir sollten besser nach oben gehen und bei der Crew nachfragen«, meinte Susan beunruhigt, woraufhin Kate und May zustimmend nickten.
      Die drei Freundinnen verließen die Kajüte und bahnten sich mühsam ihren Weg durch den Gang der heftig schwankenden Jacht. Als sie die Tür zum Deck öffneten, wurde diese vom starken Wind erfasst und aufgerissen, sodass sich sogar eines der Scharniere löste.
      Jetzt bemerkten sie, dass sie geradewegs in ein Unwetter hineinsteuerten. Auch Blitze und Donner ließen nicht mehr lange auf sich warten und der Himmel hatte sich von nachtblauen Tönen in ein tiefes Dunkelgrau gefärbt. Weder das Funkeln der Sterne noch das helle Licht des Mondes schaffte es, diese dichte Wolkendecke zu durchdringen.
      Mittlerweile waren auch die anderen Passagiere an Deck gekommen, um zu sehen, was los war. Sie alle blickten sich besorgt um und warteten auf einen Lagebericht des Kapitäns.
      »Los! Steht nicht tatenlos herum – verteilt die Schwimmwesten!«, wies dieser die Crewmitglieder mit ernstem Ton an. Daraufhin wandte er sich an die Passagiere: »Bitte legen Sie alle Ihre Rettungswesten an und halten Sie sich, so gut es geht, irgendwo fest!«
      Ein älterer Herr nahm missmutig die Weste entgegen und wollte sich damit sogleich in seine Kajüte zurückziehen, doch eines der Besatzungsmitglieder hielt ihn zurück.
      »Hey, was soll das!?«, fragte der Mann ungehalten.
      »Das geht nicht – Sie können jetzt nicht unter Deck gehen«, versuchte der junge Seemann zu erklären.
      »Bleiben Sie bitte alle hier an Deck! Sollte das Schlimmste eintreffen und wir kentern, ist es viel zu gefährlich im Inneren des Schiffes!«, mahnte der Kapitän die Passagiere, drängte dann den Steuermann zur Seite und übernahm selbst die Kontrolle.
      »Die Motoren sind ausgefallen, Captain! Wir können bei diesem Wind nicht abdrehen, Sir!«, berichtete der Steuermann.
      »Verstanden! Gut, lassen Sie die Crew die Segel einholen!«, ordnete der Kapitän an und griff zum Funkgerät. »Mayday – Mayday – Mayday! Hier ist die „Trust in Fate“ – die „Trust In Fate“ – XV738 – Heimathafen San Diego. Unsere Position: 33 Grad 14 Minuten 4,2 Sekunden Nord, 166 Grad 19 Minuten 40 Sekunden West – nein – 32 Grad 54 Minuten – Moment mal!
      Nein, 28 Grad und – was soll das!? Die Geräte spielen verrückt! Uhrzeit 22:03 UTC. Wir befinden uns in einem Unwetter – manövrierunfähig und Motoren defekt. Wir erbitten dringend Hilfe! An Bord befinden sich vierzehn Personen inklusive Crew! Over!«
      »Was ist denn passiert?! Haben Sie uns etwa direkt in dieses Unwetter hinein­gesteuert?!«, schrie ein junger Mann empört, und zog die Schwimmweste über, die ihm gerade gereicht worden war.
      »Nein, das ist wie aus dem Nichts aufgetaucht! Es gab nicht das geringste Anzeichen für schlechtes Wetter! Ich kann mir das auch nicht erklären!«, erwiderte der Kapitän.
      »Na, hoffentlich können Sie uns hier wieder…!« Der junge Mann erschrak, als mit einem lauten Krachen ein Blitz in den Hauptmast einschlug und diesen der Länge nach spaltete.
      Sogleich fing das Hauptsegel Feuer und wurde durch den umstürzenden Mast schließlich entzwei gerissen.
      »Das Schiff geht unter – wir werden alle ertrinken!«, kreischte Kate und fing an zu weinen.
      »Halt’s Maul, blöde Kuh! Hier verreckt keiner!«, fauchte sie der ältere Herr, der einen Meter hinter ihr stand, aggressiv an.
      »Bitte, bewahren Sie Ruhe!«, rief der Kapitän mit heiserer Stimme, während er verzweifelt versuchte, das Ruder mit Hilfe des Steuerrades unter Kontrolle zu bringen. »Sehen Sie!? Der Regen hat das Feuer schon wieder gelöscht! Wir müssen nur durchhalten und warten, bis sich das Unwetter wieder beruhigt hat!«, rief er den Passagieren zu, die ihn bei diesem Getöse jedoch kaum verstehen konnten.
      »Susan! Komm hier `rüber!«, rief der junge Mann ihr zu. Es handelte sich um ihren älteren Bruder, der aufgeregt mit seiner freien Hand gestikulierte und versuchte, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. »Hier kannst du dich gut festhalten!« Er deutete auf eine Seilwinde neben sich.
      »Schon okay – ich bleib’ hier bei Kate!«, entgegnete sie, während sie versuchte, ihre Freundin zu beruhigen.
      »Verdammt, halt’ dich bloß gut fest! Ich komm’ zu dir rüber!«, brüllte er in der Hoffnung, so das tobende Unwetter zu übertönen.
      Das ungleichmäßige Schaukeln der Segeljacht machte es nahezu unmöglich, sich auf den Beinen zu halten.
      Dennoch versuchte er, zu seiner Schwester zu gelangen, die sich auf der Backbordseite mit ihren Freundinnen an die Reling klammerte.
      Der Wind wurde immer kräftiger und die Höhe der Wellen nahm rasch zu. Es war kaum noch möglich, die Jacht in eine gewollte Richtung zu steuern. Wie eine Nussschale in einem reißenden Fluss war sie den Gewalten des Ozeans ausgeliefert.
      Die Passagiere hielten sich an der Reling oder anderen stabilen Gegenständen fest und konnten nur hoffen, dass sich das Unwetter bald legen würde, während die Besatzung bemüht war, den umge­stürzten Mast zu sichern.
      Auf einmal wurde die Jacht von einer großen Welle erfasst und nur wenige Momente später gegen ein Riff geschmettert. Durch die Wucht der Kollision wurden die Menschen, die sich an Bord befanden, in die Luft und ins Meer geschleudert. Sie klammerten sich an allen möglichen Teilen des Segelschiffs fest, die sich bei dem Aufprall gelöst hatten, was jedoch bei diesem heftigen Wellengang eine Herausforderung darstellte.
      »Susan!? Kate!?«, rief May nach ihren Freundinnen. Sie versuchte, sich über Wasser zu halten, doch trotz Schwimmweste wurde sie durch die starke Strömung des Wassers immer wieder hinuntergezogen. Verzweifelt schrie sie immer wieder nach den anderen, aber das Rauschen des Meeres war viel zu laut, um je eine Antwort vernehmen zu können. In der Dunkelheit ringsum war kaum etwas zu erkennen. Sie konnte absolut nichts unternehmen – sie war machtlos. Sich den Launen des Ozeans ausgeliefert treiben zu lassen, war alles, das May tun konnte. Sie musste durchhalten, in der Hoffnung, dass sie aus diesem Albtraum endlich erwachen würde.

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      Kapitel 1 (Teil 2)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kijkou ()

    • Wow, @kijkou, das nenn ich mal Action! :thumbup:

      Du hast von Beginn an deine drei Protagonistinnen sehr systematisch vorgestellt, mit Augen und Haaren. ^^ Das Muster war sehr leicht erkennbar, dass ich bei der Dritten schon drauf gespannt war, was sie für Augen hat, und blonde Haare hab ich schon fast erwartet.
      Nein, nicht böse sein, war Spaß.
      Aber so haben wir nun ein Bild für die Mädchen im Kopf, und ein bisschen über ihre Art und ihr Wesen hast du uns auch schon erfahren lassen. Das ist natürlich heftig, dass der chillige Segeltörn nun auf so abrupte Art beendet wird. Wie und woher das Unwetter so plötzlich kam, verrätst du uns nicht, nur dass der Kapitän es sich nicht erklären konnte. :hmm: mysteriös...
      Die Beschreibung der Panik an Bord finde ich sehr gelungen, obwohl ich mit nicht vorstellen kann, dass vier Besatzungsmitglieder ausreichen für ein Segelschiff. Aber da kenn ich mich nicht aus, von daher halt ich mich lieber zurück. Klingt, als wüsstest du, wovon du schreibst. :)
      Toller Cliffhanger am Schluss. Bin gespannt,ob die Drei (oder besser Vier mit dem Bruder) sich wiederbegegnen, und wenn ja, ob es unter glücklichen Umständen geschieht. Lass uns nicht so lange warten, ja?

      Nach Fehlern hab ich jetzt überhaupt nicht geschaut. Falls du Wert drauf legst, gib einfach Bescheid. ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Hi Tariq!
      Danke für das Lob ^^


      Tariq schrieb:

      Die Beschreibung der Panik an Bord finde ich sehr gelungen, obwohl ich mit nicht vorstellen kann, dass vier Besatzungsmitglieder ausreichen für ein Segelschiff. Aber da kenn ich mich nicht aus, von daher halt ich mich lieber zurück. Klingt, als wüsstest du, wovon du schreibst. :)



      Nach Fehlern hab ich jetzt überhaupt nicht geschaut. Falls du Wert drauf legst, gib einfach Bescheid. ^^
      Na ja, ist ja nur eine "Jacht" mit 14 Leuten (Inkl. Crew - also Kapitän, Steuermann, sagen wir Schiffskoch gibt es auch noch, plus diese vier, dann sind es sieben Crewmitglieder und sieben Passagiere :D
      Also wirklich auskennen tu ich mich nicht, muss ich gestehen und hab daher jetzt Google gefragt. Habe eine Luxus-Segeljacht (60m lang) mit sechs Doppelbettkabinen gefunden, die haben 12 Crewmitglieder.

      Wenn dir keine gröberen Fehler aufgefallen sind, bin ich beruhigt :D

      Werde dann abends (meine Zeitzone) den nächsten Teil posten.

      Bis dann und LG
      kij
    • Guten Morgen @kijkou mir hat dieser Teil auch sehr gut gefallen ^^ mir ist jetzt nichts großartiges aufgefallen, ist ja schon mal top :thumbsup: außer...

      kijkou schrieb:

      May, Susan, Kate und alle weiteren Passagiere hielten
      Da hätte ich vielleicht nur "die Passagiere" geschrieben. Wir wissen ja, dass die Frauen auch dort sind :)

      Du hast zwar darauf hingewiesen, dass es ein ganz anderer Handlungsstrang ist, als im Prolog, aber überrumpelt war ich dann trotzdem :D nicht schlimm, ich lebe noch :thumbup:

      Ich bin gespannt, wie das ganze für die Passagiere und die Crew ausgeht :/ ich hoffe ja irgendwie, dass sich das irgendwie mit dem Prolog zusammen fügt :)

      Tariq schrieb:

      Die Beschreibung der Panik an Bord finde ich sehr gelungen, obwohl ich mit nicht vorstellen kann, dass vier Besatzungsmitglieder ausreichen für ein Segelschiff.

      kijkou schrieb:

      Na ja, ist ja nur eine "Jacht" mit 14 Leuten (Inkl. Crew - also Kapitän, Steuermann, sagen wir Schiffskoch gibt es auch noch, plus diese vier, dann sind es sieben Crewmitglieder und sieben Passagiere
      Also wirklich auskennen tu ich mich nicht, muss ich gestehen und hab daher jetzt Google gefragt. Habe eine Luxus-Segeljacht (60m lang) mit sechs Doppelbettkabinen gefunden, die haben 12 Crewmitglieder.

      Es würden sogar 10 reichen, die sich richtig auskennen :whistling: das Problem, was ich hier sehe, ist, ob die Passagiere aktiv mitmachen. In deiner Geschichte werden sie aufgefordert, sich festzuhalten, daher gehe ich davon aus, dass sie dergleichen nicht tun (oder?)
      Vorschlag... Vielleicht schreibst du anstatt der sieben (Kapitän würde ich aber belassen) Crewmitglieder einfach "etliche" oder sowas. Also einfach eine undefivinierbare Anzahl :huh:
      Und der Boardkoch segelt meist auch nicht mit :) gibt aber sicher Ausnahmen :whistling:

      Gerne mehr davon :thumbup:

      LG
    • Hi @LadyK ^^

      Die Punkte, die du anführst, finde ich gut - werde das dann ändern.
      Danke dir! :)

      LG, kij


      Nun gut, dann kommt hier der nächste Teil von Kapitel 1:
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      Kapitel 1 (Teil 2)


      Tief im Wald durchstreiften die Kemai das Gebiet rund um das Lager. Sie befanden sich immer noch auf der Jagd nach den flüchtigen Sklaven. Die Biester brüllten und fauchten, suchten in jedem Gestrüpp, hinter jedem Baum und wurden zunehmend aggressiver.
      Die Sklaven rannten durch den stockdunklen Wald um ihr Leben. Nicht einmal fünfzehn von ihnen waren es noch, die erschöpft und orientierungslos durch das unwegsame Gelände hetzten. Sie alle hatten große Furcht davor, erwischt und getötet zu werden.
      Einer von ihnen hielt plötzlich an. »Marcon!?«, rief er nach seinem Freund und sah sich um. »Wo ist Marcon?! Hat ihn jemand von euch gesehen?!«
      »Er ist nicht bei dir!? Verdammt! Er ist verschwunden!«, rief ein anderer und hielt ebenfalls an.
      Arija, die Anführerin, eine starke Frau, die die Moral im Lager stets aufrecht­erhalten hatte, drehte sich zu den beiden um. »Frevus, Jiyuu!! Nicht stehen bleiben! Wir können nichts unternehmen, wenn er zu weit zurückfällt – das ist zu riskant!«
      Die beiden warfen sich unentschlossene Blicke zu, konnten im Dunklen aber kaum die Miene des anderen erkennen.
      »Sie haben ihn vermutlich erwischt. Wir können ihm nicht helfen. Sie sind uns hier auch in der Unterzahl weit überlegen. Kommt jetzt weiter! Los!«, rief Arija drängend, woraufhin die beiden ihr schließlich folgten.
      Das Gebrüll der Kemai kam immer näher und die Sklaven rannten weiter, so schnell sie nur konnten. In dieser Finsternis war es alles andere als einfach, den Stämmen der Bäume und anderen Hindernissen auszuweichen. Immer wieder stolperten einige von ihnen und wenn sie Pech hatten, verletzten sie sich und konnten nicht mehr weiterlaufen.
      »Argh…«, ertönte ein ächzender Laut.
      »Was – was war das?!« Arija fuhr herum, doch obwohl sich ihre Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte sie kaum etwas erkennen.
      Ein junger Mann irrte verzweifelt hin und her. »Sinora! Wo bist du?! Sinora!! Sinora!!«, rief er aufgebracht nach seiner Frau, bekam jedoch keine Antwort.
      »Belkan, komm weiter! Sie ist verschwunden!! Wir können jetzt nicht nach ihr suchen!«, rief ihm Harag, sein älterer Bruder, zu und schüttelte bedauernd den Kopf. »Wir würden sie nie finden! Komm mit – es hat keinen Sinn, sonst kriegen sie dich auch!«, redete er auf ihn ein und griff nach seiner Hand.
      Arija runzelte ihre Stirn. »Aber wie ist das möglich?! Das kann nicht sein – sie war doch gerade noch hinter dir und die Kemai haben wir auch seit einer Weile nicht mehr gehört!«, meinte sie verwundert.
      »Grgh – hilf…« Ein paar Meter von ihnen entfernt konnte man noch den verstum­menden Schrei eines weiteren Mannes vernehmen.
      Harag versuchte, etwas zu erkennen. »Frevus!! Frevus, was ist da hinten bei euch los?! Sag doch was!«, rief er nach seinem Freund, doch dieser hatte bereits seinen letzten Atemzug getan.
      Jiyuu kam von weiter hinten angerannt und packte Harags Arm. »Schnell, wir müssen ans Ende des Waldes! Wenn die Sonne aufgeht, trauen sie sich nicht weiter raus!«
      »Jiyuu, was ist passiert!? Du warst doch bei ihm!«, wollte Harag wissen, doch dieser blickte sich nur hektisch um und zerrte ihn weiter.
      »Los! Lauf – schneller!!«, rief Jiyuu ernst.
      Die Sklaven, die noch auf freiem Fuß waren, hatten nicht die geringste Ahnung, wo sie sich überhaupt befanden. Sie waren schon sehr erschöpft und es konnten noch etliche Kilometer bis zum Waldrand sein.
      Die Kemai genossen den Vorteil, nachts viel besser sehen zu können, wohingegen die Menschen auf das Mondlicht angewiesen waren, welches nur spärlich durch das Geäst der Bäume drang.
      Allzu lange würden die Sklaven nicht mehr durchhalten können und ihre einzige Hoffnung war, dass der Tag bald hereinbrechen würde.
      Im Morgengrauen war das Ende des Waldes noch immer nicht in Sicht. Für einen kurzen Moment hatten die Menschen angehalten, um zu verschnaufen. Sie waren völlig verschwitzt und rangen nach Luft. Manchen von ihnen waren verwundet und viele am Ende ihrer Kräfte angelangt. Die Wenigsten waren noch in der Lage, aufrecht zu stehen.
      Plötzlich stürmten vier der Kemai aus dem Hinterhalt und näherten sich ihnen.
      Arija wusste nicht mehr weiter. Sie sah die schockierten Gesichter ihrer Freunde, die vor Angst erstarrt waren.Verzweifelt breitete sie ihre Arme aus und stellte sich den Biestern schwer atmend entgegen, um sie aufzuhalten. »Lauft – ihr alle!! Verliert keine Zeit! Schnell!«, brüllte sie entschlos­senen.
      Die anderen sahen sie entsetzt an und rührten sich nicht von der Stelle.
      »Arija! Was machst du!? Was soll das!?«, fragte Jiyuu sie fassungslos. »Du kannst doch nicht…«
      »Habt ihr nicht gehört!? Rennt!«, fuhr sie ihn an.
      »Tu das nicht«, hauchte Jiyuu bittend, während die Kemai ihr schon bedrohlich nahe kamen.
      »Jetzt lauf endlich!« Arija blickte tief dessen dunklen Augen. »Bring dich in Sicherheit, Jiyuu! Du musst leben, hörst du!? Für Tharros!«
      Eines der Monster packte Arija an ihren langen roten Haaren, holte mit seinem anderen Arm aus und bohrte seine Krallen tief in ihren Hals.
      »ARIJA!!« Harag war außer sich und wollte ihr helfen, doch Jiyuu hielt ihn mit gesenktem Haupt zurück.
      Er schluckte sein Entsetzen vorerst hinunter und zerrte Harag zurück. »Sie – sie hat es für uns getan! Opfere dich nicht auch noch!«, meinte er. »Los – wir müssen weiter!«
      Die anderen starrten ihn befangen an, während sie versuchten, das soeben Geschehene zu verarbeiten.
      Erneut musste er sie anbrüllen, bis sie sich endlich in Bewegung setzten. Ohne sich noch einmal umzublicken, folgten Jiyuu und Harag den anderen.
      Nach kurzer Zeit jedoch hatten die Kemai sie abermals eingeholt. Um eine Chance zu haben, entschlossen sie sich, in verschiedene Richtungen zu laufen, was ihnen letztendlich nichts nutzte.
      Die Biester töteten einen nach dem anderen und man konnte ihnen ansehen, dass sie es mit Genuss taten.
      Zwei Sklaven hatten es irgendwie noch geschafft, sich unentdeckt ins Unterholz zu flüchten. Zusammengekauert hatten sie sich in einem Gestrüpp versteckt.
      Belkan war ganz unruhig. Er stand unter Schock, atmete schwer und zitterte am ganzen Leib. »Sie sind alle weg! Sie sind alle tot! Sie haben sie alle umgebracht und – und sie werden uns auch…«
      Jiyuu hielt ihm den Mund zu. »Scht! Halt’s Maul! Idiot! Willst du, dass sie uns auch noch kriegen?« Nachdem er den Eindruck hatte, dass Belkan wieder langsamer atmete und sich etwas zu beruhigen schien, nahm er seine Hand wieder von dessen Mund. Er packte seinen Freund an beiden Schultern und blickte ihm in die Augen. »Belkan, hör mir zu! Überleg’ doch mal – sie sind viel schneller als wir. Wir dürfen nicht einfach losrennen und sie so auf uns aufmerksam machen«, flüsterte er. »Wir müssen ganz leise sein, dann haben wir eine Chance. Beruhige dich, hörst du? Reiß dich zusammen…«
      »Du – du sagst das so leicht! Sie – sie haben meine Frau umgebracht! Sinora ist tot. Ich – ich werde sie nie wieder sehen!« Belkan kämpfte mit sich selbst. Seine Gefühle befanden sich in einem Chaos. Er hatte furchtbare Angst, aber verspürte zugleich extreme Wut und lähmende Erschöpfung.
      »Denkst du, ich weiß nicht, wie das ist? Du bist nicht der einzige, der…« Jiyuu hielt inne und schüttelte den Kopf. »Glaubst du, Sinora hätte gewollt, dass sie dich auch noch kriegen? Bestimmt nicht! Sie würde sich doch wünschen, dass wenigstens du weiterleben kannst – endlich in Freiheit…«, versuchte Jiyuu Belkan zur Vernunft zu bringen, doch dieser nahm ihn gar nicht richtig wahr.
      Er war in seiner eigenen Gedankenwelt gefangen, blickte sich wirr um und ging nicht auf das ein, was sein Freund zu ihm sagte. »Da! Siehst du?! Da ist das Ende des Waldes!«, schrie Belkan plötzlich, sprang auf und blickte Jiyuu mit einem Ausdruck voller Hoffnung an. »Es ist nicht weit! Wir schaffen es! Schnell, lauf!«, rief er entschlossen, drehte sich um und rannte los.
      Nur einen kurzen Augenblick darauf stürzte einer der Kemai von einem Baum herunter, nahm die Verfolgung auf und rammte Belkan von hinten seine Krallen durch den Brustkorb.
      »NEIN!!«, schrie Jiyuu wutentbrannt und stürmte aus seinem Versteck. Seine Augen funkelten und fixierten das Monster hasserfüllt.
      Der Kemai richtete seinen Blick auf ihn und wandte sich ihm langsam zu. »Komm nur her, du Murmur, damit ich dich zerquetschen kann!«, fauchte er spöttisch und grinste, als er seine Klauen aus Belkans Körper herauszog und diesen danach bedeutungslos zu Boden warf.
      Jiyuu schnaubte vor Wut und ballte seine Hände zu Fäusten. »Das – das wirst du noch bereuen! IHR ALLE!!«, brüllte er, drehte sich um und rannte auf die Waldlichtung zu, die sein Freund zuvor gesichtet hatte.
      Jetzt spürte er das erste Mal die wärmenden Sonnenstrahlen, die durch die Baumkronen drangen und auf sein Gesicht fielen. Er hatte die Lichtung endlich erreicht und dachte, nur ein kleines Stück noch, dann hätte er es geschafft, gleich würde er frei sein – bis direkt vor ihm ein steiler Felsabhang auftauchte und er gerade noch rechtzeitig anhalten konnte.
      Die Kemai hetzten hinterher, blieben jedoch im Schatten der Bäume zurück. Irgendetwas hielt sie davon ab, ihn bis ins Sonnenlicht zu verfolgen.
      Jiyuu wusste nicht genau, warum sie die Sonne mieden, doch er war sich sicher, dass sie ihm nicht folgen würden, solange er sich im Licht aufhielt.
      Die Biester verharrten im Schatten, ließen ihn aber nicht einen Moment aus den Augen. Wild schnaubten sie und es passte ihnen gar nicht, dass sie ihn nicht erreichen konnten.
      Jiyuu war immer noch völlig außer Atem. Nervös blickte er in den Abgrund. Es war aussichts­los, hinunter zu klettern. Die steile Felswand führte in ein tiefer gelegenes Waldstück hinunter.
      ›Verdammt, was jetzt!? Ewig kann ich hier nicht warten! Spätestens, wenn der Tag zu Ende geht und es wieder dunkel wird, kriegen sie mich‹, überlegte er und fragte sich, ob er wenigstens versuchen sollte, irgendwie hinunter zu gelangen. Er konnte weder nach links noch nach rechts, da sich um ihn herum vereinzelt Bäume befanden, was die Kemai ausgenutzt hatten, um ihn einzukreisen.
      Jiyuu blickte immer wieder in den Abgrund, in der Hoffnung, doch noch einen Ausweg zu finden. Er schluckte schwer und seufzte.
      »Arija«, murmelte er befangen und blickte in den Himmel hinauf. ›Warum hast du dich für uns geopfert? Letztendlich war es sinnlos – sie sind alle tot. Belkan, Harag, Frevus – sie haben sie alle erwischt. Nur noch ich bin hier‹, dachte er und biss wütend die Zähne zusammen. ›Aber ich verspreche dir, ich finde einen Weg. Ich werde dafür sorgen, dass du dich nicht umsonst…‹ »Ugh!!«
      Auf einmal spürte er einen stechenden, drückenden Schmerz im Rücken. Er konnte nicht mehr richtig atmen. Als er wieder nach unten blickte, bemerkte er, dass ihn ein Holzspeer der Kemai von hinten durchbohrt hatte und vorne unterhalb seiner Brust herausragte.
      ›Nein – nein, ich darf jetzt nicht…‹ Ein Gefühl der Ausweglosigkeit befiel ihn. Langsam wurde ihm schwindelig und wiederholt schwarz vor Augen. Es gestaltete sich zusehends schwieriger für ihn, sich auf den Beinen zu halten. Schließlich bekam er kaum noch Luft und begann zu taumeln. ›Ich – ich muss irgendwie…‹ Mit letzter Kraft griff er nach dem Speer und versuchte ihn herauszuziehen, verlor dabei aber das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe.

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      Kapitel 1 (Teil 3)

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von kijkou ()

    • Hallöchen @kijkou

      Nicht dafür :) für Hilfe und Vorschläge sind wir ja da ;)

      Zu Kap. 1 Teil 2

      Action geht weiter :thumbup: Und es geht knapp nach dem Prolog weiter. Was ich nicht ganz verstehe... Warum hast du das als zweiten Teil des ersten Kapitels gepostet, wo das doch ganz anders angefangen hat ?( gibt es dafür einen bestimmten Grund?

      Spoiler anzeigen


      kijkou schrieb:

      Wenn die Sonne aufgeht, trauen sie sich nicht weiter raus!«

      kijkou schrieb:

      Mit Einbruch der Dämmerung war das Ende des Waldes noch immer nicht in Sicht.
      Ich kenne Dämmerung nur in Verbindung mit Einbruch der Nacht. Ich hab mich aber schlau gemacht und festgestellt, dass es so stimmt. Verwirrt war ich trotzdem erstmal :D ist nicht deine Schuld. Ich wollte diesen Moment einfach mal mit dir teilen :D

      kijkou schrieb:

      Bestimmt nicht! Sie würde sich doch wünschen, dass wenigstens du weiterleben kannst – endlich – in Freiheit…
      Ich würde den zweiten Bindestrich, also hinter endlich, weg nehmen. Bindestriche bedeuten für mich immer eine kurze Pause. Und irgendwie klingt das so wie es jetzt ist komisch. Sprich es einfach mal laut aus, kann sein, dass ich mit der Meinung auch alleine dastehe :whistling: :)

      Das sind erstmal die zwei Punkte, die mir direkt ins Auge gestochen sind...

      Irgendwas war da noch, aber dafür muss ich den Text nochmal lesen :D

      Trotzdem, I Like :thumbup:



      LG Lady vom Dienst ^^
    • Hi Lady :)


      LadyK schrieb:


      Was ich nicht ganz verstehe... Warum hast du das als zweiten Teil des ersten Kapitels gepostet, wo das doch ganz anders angefangen hat ?( gibt es dafür einen bestimmten Grund?

      Ich kenne Dämmerung nur in Verbindung mit Einbruch der Nacht. Ich hab mich aber schlau gemacht und festgestellt, dass es so stimmt. Verwirrt war ich trotzdem erstmal :D ist nicht deine Schuld. Ich wollte diesen Moment einfach mal mit dir teilen :D
      Weil es sonst keinen Cliffhanger geben würde - na ja, das hätte sich auch mit einem Absatz und einer späteren Angabe lösen lassen, aber die Szenen wechseln Anfangs des öfteren, dass es paralleler wirkt - weißt, du was ich meine? Irgendwie schwer zu erklären :D

      Ich wollte nicht unmittelbar nach dem Schiffsunglück soetwas schreiben, wie
      "...und Stunden später erwachten sie an einem Strand..."
      :hmm: .... Oh no! Spoiler! :panik:


      Ja, die Dämmerung.... Über die war ich mir auch nicht so sicher. Fällt dir vielleicht etwas passenderes ein - wollte mit Dämmerung eine Wortwiederholung vermeiden, wie Tagesanbruch, Sonne geht auf, ect.....

      Danke dir :)

      LG kij
    • @kijkou ahhh, hat mich nur interessiert, warum du das so machst :D

      kijkou schrieb:

      Ja, die Dämmerung.... Über die war ich mir auch nicht so sicher. Fällt dir vielleicht etwas passenderes ein - wollte mit Dämmerung eine Wortwiederholung vermeiden, wie Tagesanbruch, Sonne geht auf, ect.....
      Da es nicht falsch ist oder seltsam wirkt, kann es so stehen bleiben ^^
      Wenn du aber was anderes möchtest, vielleicht "Morgengrauen"?
      Aber wie gesagt, es ist nicht falsch. Es war halt nur, dass ich es in diesem Zusammenhang nicht kannte, also alles gut ^^

      LG
    • kijkou schrieb:


      Sie sag die schockierten Gesichter ihrer Freunde




      Auf einmal spürte er einen stechenden, drückenden Schmerz im Rücken. Er konnte nicht mehr richtig atmen. Als er wieder nach unten blickte, bemerkte er, dass ihn ein Holzspeer der Kemai von hinten durchbohrt hatte und vorne unterhalb seiner Brust herausragte.
      ›Nein – nein, ich darf jetzt nicht…‹ Ein Gefühl der Ausweglosigkeit befiel ihn. Langsam wurde ihm schwindelig und wiederholt schwarz vor Augen. Es gestaltete sich zusehends schwieriger für ihn, sich auf den Beinen zu halten. Schließlich bekam er kaum noch Luft und begann zu taumeln. ›Ich – ich muss irgendwie…‹ Mit letzter Kraft griff er nach dem Speer und versuchte ihn herauszuziehen, verlor dabei aber das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe.
      1. Sie sah

      2. Ach, der arme Kerl :( Ich hab ihn irgendwie während dem Lesen liebgewonnen.


      Insgesamt ein echt spannender zweiter Teil des ersten Kapitels, den ich bestimmt in einem Atemzug gelesen habe :D War irgendwie so gefesselt von der Flucht und zwischendrin auch echt mal sicher, dass die Sklaven nicht nur von den Kemai verfolgt werden, weil plötzlich zu beiden Seiten einfach welche verschwunden sind xD Aber das bilde ich mir wahrscheinlich nur ein ^^

      Der arme Jiyuu :( Hoffentlich landet er wenigstens weich. :rolleyes:
      Außerdem wüsste ich nicht, was er davon hätte, wenn er ihn rausziehen würde- dann würde er nämlich erst recht sterben xD Aber ich schätze, das spielt sowieso keine Rolle mehr. (Macht auf mich den Eindruck, als würde er ziemlich tief runterstürzen, so, wie du den Ort beschrieben hast)

      Liebe Grüße,
      Blue
      I will do what QUEENS do. I will RULE.
















    • BlueRosesInMyHeart schrieb:

      1. Sie sah

      ...weil plötzlich zu beiden Seiten einfach welche verschwunden sind xD Aber das bilde ich mir wahrscheinlich nur ein ^^

      Der arme Jiyuu :( Hoffentlich landet er wenigstens weich. :rolleyes:
      Außerdem wüsste ich nicht, was er davon hätte, wenn er ihn rausziehen würde- dann würde er nämlich erst recht sterben xD Aber ich schätze, das spielt sowieso keine Rolle mehr. (Macht auf mich den Eindruck, als würde er ziemlich tief runterstürzen, so, wie du den Ort beschrieben hast)
      Oh - blöder Finger, hat zu weit links in die Tasten gehauen XD

      Die Kemai haben sie eingekreist ;)

      Ja, wenn er ihn rausgezogen hätte, hätte er vielleicht kurz wieder besser atmen können, wäre aber rasch verblutet...
      Aber Sklaven sind zähe Hunde ^^

      LG kij