Ignotus

    • Kapitel 2 - Teil 1

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      Kapitel 2 - Teil 1


      Ein Geheimnis
      Schicksalhate Begegnung




      Im Wald bei der Hütte des alten Jägers Filon stieg Rauch aus dem Schornstein. Auf dem Herd in der Küche stand ein Topf, in dem Suppe vor sich hin köchelte. Der aufsteigenden Dampf hob den Deckel immer wieder leicht hoch, was ein zischendes Geräusch erzeugte und in der ganzen Hütte duftete es wunderbar. Dieser köstliche Geruch bewegte Jiyuu schließlich dazu, aufzustehen. Sein Magen knurrte und er fragte sich, was der Alte gerade machte.
      Seine Wunde schmerzte zwar noch etwas, doch das Laufen bereitete ihm keine Probleme mehr. Dieses Murmur-Elixier, das Filon ihm verabreicht hatte, hatte ganze Arbeit geleistet und eine von ihm selbst zusammen­gemischten Salbe, linderte etwas die Schmerzen. Deren Rezeptur hatte der Jäger über die Jahre hinweg ständig überarbeitet und verbessert, da er auf der Jagd nicht selten verwundet wurde.
      »Hey, alter Mann!«, rief Jiyuu nach diesem. Als er jedoch keine Antwort bekam, begab er sich in den Raum, in dem sich die kleine Küche befand. ›Wo steckt er denn?‹ Auch dort war niemand zu sehen. »Ich mache mich jetzt langsam auf den Weg!«, rief er weiter, immer noch auf eine Reaktion wartend. »Ich nehme nicht an, dass du mitkommen willst!?« Er betrachtete den Topf auf dem Herd und kratzte sich auf dem Kopf. ›Weit kann er nicht sein…‹
      Schließlich ging er nach draußen und fand den Alten auf der Holzbank sitzend vor.
      »Großvater?«, fragte er zögerlich. Filon so zu nennen kam ihm sehr ungewohnt vor. »Hast du gehört? Ich gehe jetzt…« Er blickte ihn verwundert an, da dieser immer noch still auf der Bank saß. »Du willst mich gar nicht aufhalten?«, fragte er dann, schmunzelte und näherte sich ihm.
      Der Alte blickte zu ihm hoch und seufzte. »Ich verstehe. Ich habe dir ein paar alte Sachen zusammengesucht. Ich brauche sie nicht mehr – du kannst sie mitnehmen. Sie liegen drinnen auf dem Tisch«, meinte Filon ernst und stand auf. »Ach ja, und falls du vorhaben solltest, nach Memoria zu gehen, sei auf der Hut! Erwähne besser nicht meinen Namen und nimm dich vor allem vor dem Adel in Acht, hörst du?«, warnte er ihn.
      Jiyuu nickte. »Ich – ich danke dir«
      »Nun geh schon rein!«, ersuchte ihn der Alte, woraufhin sich Jiyuu wieder ins Haus zu besagtem Tisch begab.
      Auf diesem lagen ein Kettenhemd aus einem schwarzen glänzenden Metall, ein altes, doch kaum abgenutztes Großschwert, feste Stiefeln aus braunem Leder, ein dunkelroter Schultergurt, an dem das Schwert befestigt werden konnte und ein kleiner Beutel, in dem sich ein paar Münzen befanden. Das alles war ihm zuvor gar nicht aufgefallen, als er an dem Tisch vorbei nach draußen gegenagen war.
      Behutsam nahm Jiyuu das Schwert auf und betrachtete es. ›Das ist ja ganz schön schwer‹, dachte er. Es war unmöglich, es mit einer Hand zu führen, da es ein immenses Gewicht hatte. In der Mitte der Klinge befand sich ein eingeprägtes Bildnis eines Adlers, dessen Schwingen nach oben in Richtung Schwertspitze zusammenliefen.
      Während er sich mit den Sachen ausrüstete, stellte Filon ihm einen Teller Suppe hin und zog sich wortlos wieder zurück.
      ›Was ist denn los mit ihm? Er ist auf einmal zu still‹, wunderte sich Jiyuu und aß die Suppe auf.
      Danach ging er nach draußen und setzte sich neben Filon, welcher ihn kurz musterte und dann wieder gedanken­verloren auf den Boden starrte.
      »Mir ist zwar immer noch nicht wohl bei dem Gedanken, dass du jetzt schon los willst, aber so hast du wenigstens ein wenig Schutz«, meinte er. »Das Kettenhemd ist robust, aber leicht – schützt dich gut vor Schwerthieben, lässt aber Pfeile durch. Die Stiefel passen?«, wollte er wissen, was Jiyuu bejahte. »Gut, wir wollen ja nicht, dass du Blasen an den Füßen bekommst. Das Großschwert ist aus Memoria und hat einst meinem Vater gehört. Er war im königlichen Rat…«
      »Dein Vater war im Rat?«, fragte Jiyuu verwundert. »Und da hat er zugelassen, dass du aus der Stadt verstoßen wirst?«
      »Mein Vater hat dagegen gestimmt, doch die Mehrheit war dafür. So ist das mit Räten…«, seufzte Filon.
      »Soll ich dir vielleicht irgendetwas mitbringen? Souvenirs? Oder vielleicht neue Kleidung – du stinkst nämlich furchtbar«, wollte Jiyuu ihn aufheitern und grinste herausfordernd.
      »Sei gefälligst nicht so frech!«, meinte dieser und hob drohend seinen Finger. Er legte seinen Arm um Jiyuus Schultern. »Pass lieber auf, dass…«
      »Zerbrich’ dir meinetwegen nicht den Kopf – mir passiert schon nichts!«, fiel dieser ihm ins Wort, worauf ihn der Alte ernst ansah.
      »Du weißt nicht, worauf du dich einlässt. Die Bewohner Memorias…«
      »Sind sicher nicht halb so schlimm, wie die Kemai – und die hab’ ich schließlich auch überlebt!«, unterbrach ihn Jiyuu erneut.
      »Ja, und das nur um Haaresbreite«, murmelte Filon in seinen Bart hinein und schüttelte seinen Kopf.
      »Dennoch – ich muss einfach gehen! Ich muss einen Weg finden, die Kemai aufzuhalten«, entgegnete Jiyuu und blickte nachdenklich in den Himmel. »Ich darf keine Zeit verschwenden«, hauchte er leise.
      »Die Kemai aufhalten – Junge, wie stellst du dir das vor?« Filon schüttelte den Kopf. »Wie willst du diese Biester aufhalten? Da brauchst du eine Armee – und die wirst du bestimmt nicht in Memoria finden…«
      »Aber irgendwo muss ich doch anfangen! Ich kann nicht einfach mein Leben hier draußen unbesorgt weiterleben, in dem Wissen, dass diese Monster weiterhin Menschen quälen!«, entgegnete Jiyuu ernst.
      »Das verstehe ich. Du bist ein guter Junge. Wenn du so davon überzeugt bist, dann will ich an dich glauben. Ach, wenn ich nur früher erfahren hätte, dass mein Enkel irgendwo dort tief im Wald lebt – oder wenn ich noch jünger wäre, dann würde ich dich sofort begleiten.« Filon seufzte. »Sag, willst du nicht doch erst morgen früh los? Es ist bereits spät und du wirst es vermutlich nicht vor Einbruch der Dunkelheit nach Memoria schaffen«, meinte er besorgt.
      Jiyuu lächelte. »Ich bin froh, dich getroffen zu haben und würde dich gerne noch so vieles über meine Mutter fragen, aber…« Er hielt inne und warf ihm einen bedauernden Blick zu. »Aber ich will unbedingt so schnell wie möglich einen Weg finden, die Menschen endgültig von den Kemai zu befreien! Viele meiner Freunde haben sie getötet und einige von ihnen sind bestimmt noch in ihrem Lager. Irgendjemand muss doch etwas unternehmen«, meinte er überzeugt und stand auf.
      Filon dachte kurz über seine Worte nach, erhob sich ebenfalls und nickte verständnisvoll. »Pass auf dich auf! Falls du keinen Weg finden solltest, hast du hier stets einen Ort, an den du zurückkehren kannst«, sprach der Jäger und klopfte ihm auf die Schulter.
      »Ich danke dir. Halt die Ohren steif, Alter! Wir sehen uns bestimmt wieder!«, meinte Jiyuu zuversichtlich und marschierte los. Er blickte sich nicht ein einziges Mal um und bahnte sich schnellen Schrittes seinen Weg durch den Wald.
      Es war kein ungefährlicher Fußmarsch nach Memoria und Jiyuu war schon seit drei Stunden unterwegs. Da es nicht so aussah, als ob er die Stadt bald erreichen würde und es schon dämmerte, beschloss er, sich unter einem großen Baum niederzulassen. Ihm war es lieber, nicht erst bei Dunkelheit dort anzukommen, also blieb ihm nichts anderes übrig, als die Nacht im Wald zu verbringen. Der Baum hatte lange, hängende Äste und der Stamm war auf einer Seite hohl, sodass er ein wenig Windschutz bot.
      Jiyuu setzte sich schließlich in die Einbuchtung und lehnte sich an den Stamm. Feuer wollte er keines machen, denn er befürchtete, dass dies nur Gefahren anlocken würde.
      Langsam war es stockdunkel geworden und er konnte seine eigene Hand vor Augen nicht mehr erkennen. »Zwei bis vier Stunden…«, murmelte er vor sich hin und schüttelte den Kopf. ›Der Alte hat mich entweder in die falsche Richtung geschickt, oder Memoria ist doch weiter weg, als er dachte.‹ Er kauerte sich in dem hohlen Baumstamm zusammen und hielt das große Schwert fest umklammert vor sich, um sich so noch besser vor dem kalten Wind schützen zu können. ›Und er hätte mir eine Decke mitgeben sollen…‹
      Überall ringsum waren Geräusche zu hören, von nachtaktiven Tieren oder anderen Wesen, die das Licht scheuten. Unbehaglich lauschte Jiyuu den Lauten und bei dem Gedanken, hier seine Augen zu schließen und somit leicht angreifbar zu werden, wurde ihm noch unwohler. Als ihn die Müdigkeit dann aber doch übermannte, fielen ihm die Augen zu und er schlief ein.
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      Hay @kijkou ich hab mir deinen jüngsten Part durchgelesen ^^

      Wie immer, alles im Spoiler

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      kijkou schrieb:

      Ein Geheimnis
      Schicksalhate Begegnung
      Ich glaube, da fehlt ein "F" :D

      kijkou schrieb:

      »Ach ja, und falls du vorhaben solltest, nach Memoria zu gehen, sei auf der Hut! Erwähne besser nicht meinen Namen und nimm dich vor allem vor dem Adel in Acht, hörst du?«, warnte er ihn.
      Aha :whistling: Ich kenne da einen gewissen Mann, der zum Adel gehört... ;)

      kijkou schrieb:

      Auf diesem lagen ein Kettenhemd aus einem schwarzen glänzenden Metall hier würde ich vielleicht "aus schwarz glänzenden Metall" schreiben , ein altes, doch kaum abgenutztes Großschwert, feste Stiefeln Stiefel aus braunem Leder, ein dunkelroter Schultergurt, an dem das Schwert befestigt werden konnte und ein kleiner Beutel, in dem sich ein paar Münzen befanden.

      kijkou schrieb:

      »Dein Vater war im Rat?«, fragte Jiyuu verwundert.
      Aha, das ist ja überaus interessant :huh:

      Schade, dass er nicht noch ein wenig geblieben ist. Ich wäre viel zu neugierig und allein die Wunde hätten ihn doch daran hindern müssen, schon aufzubrechen. Aber ich kann seine Motivation durchaus verstehen und bin gespannt, ob er sein Ziel erreicht :D

      Kannst bitte gleich weiter schreiben, ja?! :whistling:



      LG
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      So, @kijkou

      ich hab deinen neuen Part jetzt auch gelesen. Gefällt mir gut. Die beiden scheinen sich ja etwas zusammengerauft zu haben nach den anfänglichen Schwierigkeiten. :rofl:
      Der Großvater ist ein richtig fürsorglicher, liebevoller Mensch, der seinem Enkel anbietet, dass er jederzeit wiederkommen kann. Find ich schön. Ich mag ihn gern. Schade, dass wir uns (vorerst?) verabschieden müssen von ihm.
      Und der Enkel hat es also furchtbar eilig, die Kemai aufzuhalten und will deshalb nach Memoria gehen. Interessant!

      Kleinkrambox

      kijkou schrieb:

      Der aufsteigenden Dampf hob den Deckel
      aufsteigende

      kijkou schrieb:

      und eine von ihm selbst zusammen­gemischten Salbe,kein Komma linderte etwas die Schmerzen.
      zusammengemischte

      kijkou schrieb:

      »Hast du gehört? Ich gehe jetzt…«
      Die Auslasspunkte brauchen ein Leerzeichen davor. Nur wenn sie ein Wort vervollständigen stehen sie ohne Leerzeichen. Link dazu

      kijkou schrieb:

      als er an dem Tisch vorbei nach draußen gegenagen war.
      gegangen

      kijkou schrieb:

      Das Großschwert ist aus Memoria und hat einst meinem Vater gehört. Er war im königlichen Rat…«
      Hier bin ich etwas stutzig geworden. Erst ermahnt Filon den Junge, niemandem zu sagen, wer sein Großvater ist. Und dann gibt er ihm ein Schwert mit, das einem Ratsmitglied gehört hat? Kann man da nicht die Spur zurückverfolgen? Solche Schwerter gab es doch nicht an jeder Ecke, oder? :hmm:

      kijkou schrieb:

      Soll ich dir vielleicht irgendetwas mitbringen? Souvenirs?
      Ähm ... Souvenirs ist Englisch und ein Wort unserer Zeit. Bist du sicher, dass du es lassen willst?

      kijkou schrieb:

      Ich muss einen Weg finden, die Kemai aufzuhalten«
      Das Wort "aufhalten" vermittelt hier dem Leser den Eindruck, dass die Kemai auf dem Vormarsch sind und sich beispielsweise auf dem Weg nach irgendwo befinden. Das hatte ich nicht so verstanden. Sie waren für mich Waldbewohner ohne jegliche Expansionsabsichten. Oder?

      kijkou schrieb:

      Ich kann nicht einfach mein Leben hier draußen unbesorgt weiterleben,kein Komma in dem Wissen, dass

      kijkou schrieb:

      , meinte Jiyuu zuversichtlich und marschierte los. Er blickte sich nicht ein einziges Mal um und bahnte sich schnellen Schrittes seinen Weg durch den Wald.
      Gepäck? Proviant? Nix dabei? Okay, die Decke vermisst er am Abend, aber nicht mal was zu Essen? Der Arme ... :D

      blau = Fehler, bitte verbessern
      grün = Vorschlag, nur mal überdenken, evtl. anpassen
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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