Noetik

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    • Hey Zusammen,

      nachdem ich dank mangelnder Zeit überhaupt nicht mehr in mein Hauptprojekt hineinfinde (ich glaube ich muss alles noch mal selbst durchlesen :( ), musste ich mal wieder etwas Neues starten. Ich habe auch hier mal wieder nur einen groben Plan, den ich hoffe, irgendwann auch mal ausarbeiten und vollenden zu können. Es war aber gleichzeitig auch eine gute Übung für mich, da ich mich hier mal aus meiner gewohnten Ich-Perspektive herauswage.
      Hoffe ihr habt Spaß beim Lesen. Ein paar Seiten habe ich von diesem Projekt schon geschrieben, dieser Post hier wird also nicht der letzte sein. :)

      Kapitel 1

      Part 1

      Lachend legt Theresa den linken Arm um Vinzent und hält den anderen gegen die Sonne. Der kunstvoll geschwungene und mit winzigen Diamanten besetzte Ring strahlt im Licht beinahe genauso sehr wie sie selbst. Seitdem er vor drei Tagen um ihre Hand angehalten hat, ist ihr das Lächeln nicht für eine Sekunde aus dem Gesicht gewichen. Seit zehn Jahren sind die beiden nun schon ein Paar und endlich haben sie den nächsten Schritt gewagt. Das Glück ist ihnen anzusehen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Im Gegensatz zu seiner Zukünftigen, fallen Vinz – so wie ihn jeder nennt - in regelmäßigen Abständen sämtliche Gesichtsmuskeln zusammen und sein Blick spricht Bände von Fassungslosigkeit. Es dauert dann stets einen Augenblick, bis die Realität wieder in sein Gehirn einsickert, dass sie tatsächlich ja gesagt hat. Hätte er keine Ohren, würde sein darauffolgendes Grinsen rund um den Kopf reichen.

      Ein paar Schritte hinter den beiden, die Hände tief in der ausgewaschenen Jeans vergraben, geht Marius. Er freut sich für seine Freunde, das tut er wirklich, und dennoch fallen seine Mundwinkel stetig weiter, anstatt sich nach oben zu ziehen, wie sie es eigentlich sollten. Am Wochenende wurde die freudige Nachricht auch ausgiebig zelebriert. Da haben er und sein Kumpel Linus es in ihrer Stammkneipe ordentlich krachen lassen. Schließlich kennen sie beide das Traumpärchen seit der Schulzeit. Und trotzdem ist das Hochgefühl bereits verblasst. Das stand so nicht auf Marius‘ Plan und macht das, was er bald tun wird, nur umso schwerer. Eigentlich hätte es schon letztes Wochenende passieren sollen, doch entgegen der Vernunft hat er es für seinen besten Freund hinausgezögert. Heute gibt es allerdings kein Zurück mehr. Es muss so sein. Zum Wohle des Gleichgewichts der Welt.
      Leise seufzend gleitet sein Finger langsam über die vier verschiedenen Ringe im linken Ohr. Das macht er immer, wenn sein Verstand zu chaotisch wird. Es hilft ihm, sich zu konzentrieren und zu beruhigen. Diesmal benötigt er vor allem Letzteres. Es darf nichts schieflaufen. Unter keinen Umständen. Zu viel hängt davon ab.

      „Hey, Super! Nicht bummeln! Setz deine kurzen Beinchen in Bewegung!“, ruft Vinz und wedelt dabei ungeduldig mit der Hand.
      Marius verdreht wie üblich sofort die Augen. Diesen bescheuerten Spitznamen wird er definitiv nie wieder loswerden. Woran er aber auch größtenteils selbst schuld ist. Er hätte es besser wissen müssen, sich aktiv dagegen zu sträuben. Natürlich nahmen die anderen Drei das nur als zusätzlichen Ansporn und somit ist er seit der sechsten Klasse Super-Marius oder, wie eben gehört, die Kurzform davon. Videospiele mit ähnlichem Namen hat er seitdem nicht mehr angefasst.
      Mühevoll zwingt er sich ein Lächeln auf die Lippen, schließt mit ein paar schnellen Schritten zu dem Pärchen auf und vernichtet mit einer flinken Handbewegung Vinzents spitz gestylte Frisur. Das nervt ihn immer tierisch.
      „Verdammt erwachsenes Verhalten für einen Mann mit achtundzwanzig Jahren“, murrt der prompt und zupft an seinen mit Haarspray getränkten Zotteln.
      „Selber schuld“, schmunzelt Theresa. „Super ist super empfindlich, wenn es um seine Körpergröße geht. Das weißt du doch.“
      Marius grummelt verächtlich und vergräbt die Hände diesmal in den Taschen seiner Lederjacke. „Ihr beide zusammen seid ein ganz mieses Mobbingpärchen. Vinz ist jetzt nicht wirklich nennenswert größer als ich.“
      „Sogar Triss ist größer als du, du Mini-Rambo“, verpasst ihm sein Freund lachend einen erneuten Tiefschlag. Ihm macht das immer viel zu viel Spaß.
      „Diese fünf Zentimeter habe ich dafür wo anders mehr“, gluckst Super.
      Flink drückt sich Theresa zwischen die beiden und legt die Arme um sie. „Fünf Zentimeter mehr als ich?“
      Schlagartig brechen Vinz und Marius in schallendes Gelächter aus und damit geht Triss triumphierend und verdient aus dieser nicht wirklich ernst gemeinten Streiterei hervor.

      Kurze Zeit später erreichen sie ihr Ziel. Ein stillgelegtes Fabrikgelände am Stadtrand von Helious. Hier hat die Gruppe bereits als sie klein waren regelmäßig ihre Freizeit verbracht. Abhängen, Grillen, unerlaubt Bier trinken und fast an der ersten Zigarette ersticken. Hier war alles geboten. Viele Jugendliche hatten die alten Hallen damals auch zum Skaten genutzt, doch irgendwann ist dieser Ort einfach in Vergessenheit geraten. Niemand außer dem Vierergespann kommt mittlerweile noch hier her. Etwas, dass aus mehreren Gründen eine positive Entwicklung ist. Einer davon ist, dass Marius heute genau einen solch verlassenen Ort für sein Vorhaben benötigt.
      Vinz rollt den verrosteten, drei Meter hohen Zaun beiseite und hält ihn für die anderen beiden auf. Übervorsichtig schlüpft er anschließend selbst hindurch, um auch gewiss keine Flecken auf sein weißes Hemd zu bringen, oder mit der Krawatte hängen zu bleiben. Er trägt immer diese eleganten Outfits, in die sich jeman für gewöhnlich nur zu wirklich wichtigen Anlässen zwängen würde. Es lässt ihn wie einen modernen Geschäftsmann wirken. Die coole Sportsonnenbrille passt zwar irgendwie nie so richtig dazu, auf hat er sie deswegen aber trotzdem jeden Tag. Angeblich, um seine Iris-Heterochromie zu verbergen. Sein linkes Auge ist grün und das rechte braun. Bei Theresa gibt es sowas nicht. Ihre Klamotten und alles drumherum, sind stets perfekt aufeinander abgestimmt. Bringt ihr Beruf wohl so mit sich. Einfach typisch Model.
      Der eigentlich nicht existente Weg durch das hochgewachsene Gras und Unkraut ist über die Jahre hinweg zu einem deutlich erkennbaren Trampelpfad geworden. Er führt zum südwestlichen Eck der Fabrik, wo sich am Ende einer Rampe ins Untergeschoss ein mit Kette und Vorhängeschloss gesichertes Rolltor befindet. Natürlich hat jeder in der Gruppe einen Schlüssel dafür.

      Marius lässt das Schloss klicken und zieht zusammen mit Vinz das quietschende Tor auf. Dieser Raum hier sollte wohl irgendwann mal als Lagerraum dienen, wurde jedoch nur halb fertig gestellt. Er ist von der Betondecke des Erdgeschosses nur teilweise überdeckt, eine Treppe nach oben fehlt und die großen Fenster der Halle sind auf der Südseite weitflächig eingeschlagen worden. Dadurch fällt während der Sommerzeit das Licht genau in diesen Raum, den sich die Freunde gemütlich eingerichtet haben.
      Sorgsam unter Planen versteckt stehen einige alte Sessel und Bänke, ein Grill, eine selbstgebaute Tischtennisplatte und sogar ein Stromaggregat, das von den damaligen Bauarbeitern vergessen wurde. Einfach alles, was man halt so zum Abhängen benötigt. Es ist das kleine Heiligtum von Marius und seinen Freunden. Hier haben sie unglaublich viel Zeit miteinander verbracht. Zusammen gelacht und wunderschöne Erinnerungen geschaffen. Bedauerlich, dass sich das heute alles ändern muss.
      „Super! Schmeiß gleich mal eine Büchse rüber!“, ruft Vinzent und macht sich sogleich daran, die Möbel abzudecken. Marius kramt aus seinem Rucksack die Getränkedosen und wirft ihm eine zu. Vinz ist der Einzige von den Vieren, der keinen Alkohol trinkt und darauf besteht, dass Diät-Fanta zehnmal besser schmeckt als normale.
      Triss rollt in der Zwischenzeit schon mal den Grill ins Freie. Es ist ein Bild, das jedes Mal wieder aufs Neue seltsam aussieht. Sie ist einfach eine viel zu elegante und immer schick gekleidete Frau, um hier in einem solchen Loch abzuhängen. Mit ihren Modelmaßen zieht sie stets die Blicke auf sich. Auch heute trägt sie, wie so oft, einen schwarzen Rock mit Kniestrümpfen und eine luftige Bluse. Ihr langes, hellblondes Haar ist ihr ganzer Stolz und hebt sich im Sonnenlicht kaum von ihrer äußerst hellen Haut ab. Vinzent kann sich glücklich schätzen, eine solche Frau gefunden zu haben.
      Der lässt seine Diät-Fantadose zischen und genehmigt sich genüsslich einen kräftigen Schluck daraus. Marius greift bei dem Anblick angewidert zum Bier, in der Hoffnung, es möge seine überspannten Nerven etwas beruhigen.

      „Danke nochmal für die wunderbare Feier. Es war unglaublich schön“, bedankt sich Triss bei Super.
      „Gerne. Für euch nur das Beste“, erwidert er und leert seine Dose in einem Zug.
      „Ernsthaft, Kumpel“, klingt sich Vinz ein und legt den Arm um seine Frau. „Es war perfekt und das bedeutet uns verdammt viel. Wir werden uns dafür noch erkenntlich zeigen, versprochen.“ Er setzt ein breites Grinsen auf. „Wir haben sogar schon eine spitzenmäßige Idee!“
      Erneut muss Marius ein Lachen erzwingen. Er will das nicht tun. Warum musste es nur so kommen? Es hatte doch jahrelang unglaublich gut ausgesehen. Zornig zerdrückt er die Bierdose in der Hand.
      „Du bist mir heute viel zu ruhig“, murrt Vinzent und legt dabei die Stirn in Falten. „Hast du etwa auch noch Nachwehen wie Linus? Nein, ich weiß! Der Mann hat Hunger! Schatz, lass uns dem armen Kerl was rösten!“
      Schnell stiehlt sich Triss einen Kuss von ihm und geht dann lachend das Grillfleisch vorbereiten. Aufmunternd lächelt sie Super im Vorbeigehen an, dessen Verstand gerade im Dreieck springt. Bald ist es so weit. Er muss handeln, ganz gleich, ob er will oder nicht. Stöhnen lässt er sich in einen der Sessel fallen und reibt sich die Augen. Damals hätte er sich nicht im Traum vorstellen können, dass es mal so enden würde. Wie auch? Die nun rasend schnell näherkommende Gefahr existierte ja noch nicht. Außerdem war er noch ein Kind. Zwar ein Besonderes, aber trotzdem ein Kind. Diesmal mit einem echten Lächeln auf den Lippen erinnert er sich an die Vergangenheit.

      Vor 18 Jahren, Marius war gerade mal Zwölf, traf er Vinzent das erste Mal und sofort war klar, dass sie beide absolut gleich tickten. Es war perfekt, obwohl Vinz zwei Jahre jünger war. Als dann auch noch Linus dazukam, ging es richtig los. Der etwas schräge Marius aka Super, Vinz mit seinen Eigenheiten wie dem Diät-Fanta-Fetisch und der schwarze Nerd Linus, den sie schon bald nur noch Linux nannten. Eine Freundschaft, wie man sie selbst in Kinderbüchern selten findet. Und als sie alle dachten, dass es unmöglich noch besser werden könne, tauchte plötzlich Triss auf der Bildfläche auf. Der arme Vinz wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah. Er war gerade 16 geworden und seine Hormone rockten sowieso bereits die Hose, aber als er sie sah ... Naja, man kann es sich denken. Die beiden waren vom ersten Moment an ein Traumpaar und für ganze zehn Jahre ließ dieses Glück Marius fast vergessen, was eigentlich seine Aufgabe war. Nun wurde er auf eine brutale Art und Weise daran erinnert. Eine Träne läuft ihm über die Wange, die er schnell wieder wegwischt, bevor sie einer der anderen beiden bemerken kann.

      „Noch ein Bier?“
      Erschrocken zuckt er zusammen. Er hat Theresa nicht kommen sehen und als sie ihm die kühle Dose gegen die Stirn gedrückt hat, ist ihm für einen Moment das Herz in die Hose gerutscht.
      „Nein Danke, Triss. Ich habe genug.“
      Die Antwort ignorierend wedelt sie ihm dennoch weiter damit vor der Nase herum. „Quatsch nicht. Eines geht noch. Ein Letztes.“
      Mit einem tiefen Seufzer greift Marius also doch danach und öffnet die Dose. Triss tut es ihm gleich und stößt mit ihm an.
      „Seit wann trinkst du denn Bier?“, ruft Vinz vom Grill aus herüber, wo er gerade die Kohlen angezündet hat.
      „Nur zu besonderen Anlässen. Trinken wir auf uns?“
      Vinzent grinst schlagartig bis über beide Ohren, schnappt sich seine Fanta und hebt sie in die Luft. „Auf uns!“
      „Auf uns“, flüstert Marius leise.
      Der Schluck schmeckt bitter und am liebsten würde er ihn sofort wieder ausspucken. Noch nie zuvor hat trinken mit seinen besten Freunden weniger Spaß gemacht. Er stellt die Dose zur Seite, steht auf und lächelt Theresa im Vorbeigehen traurig an. Es ist an der Zeit, das Glück dieser perfekten Freundschaft zu zerstören.

      Langsam und schwerfällig, als hätte sich der Boden plötzlich in Treibsand verwandelt, schleppt sich Super hinüber zu dem alten Metallschrank. Mit zittrigen Händen öffnet er das von ihm selbst angebrachte Vorhängeschloss. Niemand hat hierzu einen Schlüssel außer er. Seine Brust zieht sich schmerzhaft zusammen und er muss die Augen fest aufeinanderpressen, um die Tränen zurückzuhalten, als er den Gegenstand im Schrank erblickt. Der Griff fühlt sich eiskalt an. Beide Hände braucht er, um die eigentlich gelernten Handgriffe zu tätigen und die Sicherung zu lösen.
      „Bitte vergib mir, mein Freund“, flüstert er leise.
      Ruckartig und mit eiserner Mine wendet er sich um. Die Angst und der Herzschmerz sind ihm aus dem Gesicht gewichen. Von nun an darf er keine Schwäche mehr Zeigen.
      „Vinz!“, brüllt er mit kräftiger und bestimmter Stimme.
      Erschrocken fährt sein Freund herum. Fünf mal knallt es ohrenbetäubend laut. Die Lagerhalle verstärkt das grausige Geräusch zusätzlich. Etwas Rauch steigt aus dem Lauf der alten 9 mm Pistole auf. Erdrückende Stille legt sich über das Heiligtum. Selbst die brennenden Kohlen im Grill knistern nicht mehr. Langsam, fast wie in Zeitlupe, sieht Marius dabei zu, wie das Blut den Hals seines Freundes hinunter läuft.


      Gruß
      Rebirz

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Rebirz ()

    • 8| Wow, heftig ...

      Spoiler anzeigen
      Super geschrieben, @Rebirz !
      Hab nicht viel Zeit, nur grad Pause. Ich ergänz den Kommi heute Abend nach der Schicht, aber jetzt erstmal: Respekt und Daumen hoch :thumbup:

      Edit:
      Wie versprochen, nun noch etwas ausführlicher (sorry, war gestern Abend einfach zu müde).
      Mir wurde schon beizeiten klar, dass mit Marius etwas nicht stimmt. Diese wehmütige Stimmung, dieser Rückblick - aber dss er SO reagiert, war dann doch überraschend, denn ich dachte er bringt die beiden und auch sich selbst um. Wäre passend für die Location, und vielleicht auch für seine Situation.
      Was das wahre Motiv ist, lässt du erstmal noch im Dunkeln. Mochte er Theresa auch? Oder hat er sie einfach als Bedrohung für die Jungenfreundschaft gesehen? Oder Mochte er Vinz selbst??
      Viele Fragen. Bin gespannt, wo du uns hinführst. Abo-Haken sitzt! :thumbup: Ich bleib dran

      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      ___________________

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq () aus folgendem Grund: Ergänzung eingefügt

    • Ich glaube, das ist die erste Geschichte, die ich von dir gelesen habe :hmm:
      Ich schließe mich Tariq an, was das "wow" betrifft. Wow! Gefällt mir insgesamt ziemlich gut, auch wenn es auf mich etwas ungewöhnlich wirkt, dass du im Präsenz schreibst. Aber ungewöhnlich ist ja nicht automatisch schlecht.

      Spoiler anzeigen

      An der folgenden Stelle könntest (das ist aber ein ganz, ganz vorsichtiges könntest) du das "sehr" durch ein "super" ersetzen. Das ist dann zwar etwas umgangssprachlicher, dafür aber durch die Doppelung vielleicht noch etwas spielerischer.

      Rebirz schrieb:

      „Selber schuld“, schmunzelt Theresa. „Super ist sehr empfindlich, wenn es um seine Körpergröße geht. Das weißt du doch.“
      Ansonsten ist mir kaum etwas zum Kritisieren aufgefallen :thumbup:
      Vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Auch wenn es ewig her ist, dass ich das gelesen habe, aber irgendwie hat mich Stimmung des Texts, die Gruppe von Freunden, vielleicht auch deine Sprache an ES von Stephen King erinnert und bei mir die Erinnerung an das Gefühl, das ich damals beim Lesen hatte, geweckt.
      „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]
    • Ha! Da ich für deine andere Geschichte momentan nicht die Zeit finde - und ich gerade nichts besseres zu tun habe, als Sonntag morgens mal zu schauen, was man auf die Schnelle lesen kann - trudel ich hier ein. Ich versuche regelmäßig dabei zu sein.

      Was ich gelesen habe, fand ich toll. Ich hab wunderbar in einem Rutsch lesen können, selbst bei deinem Stil im Präsens. Das schaffen nicht viele. ^^
      Inhaltlich bisher interessant. Stellt sich natürlich die Frage, was hinter Marius' Tat steckt. Das gilt es herauszufinden, worauf ich wirklich gespannt bin. Du hast seine Zerrissenheit herrlich eingefangen.

      Ansonsten habe ich ehrlich gesagt nicht mehr zu sagen. Paar Kleinigkeiten sind mir bei Rechtschreibung/Grammatik aufgefallen, aber die fallen nicht weiter ins Gewicht. Außerdem bin ich am Handy ...

      Ich hoffe, dass du hier genügend Zeit, Elan und Ideen findest. :]
    • Hey @Tariq
      Du bist einfach eine fleißige Leserin hier. Freut mich, dass dir dieses Werk, was für mich in erster Linie mal zur Ablenkung und Übung dient, gefällt.
      Deine Ideen sind natürlich nachvollziehbar, aber ich glaube, ich werde dich hier etwas überraschen. Vorausgesetzt, man versteht meine wirre Idee xD

      @Asni
      Cool, dass du hier dabei bist und danke für das Lob!
      Wenn dich hier das Präsens stört, dann hast du definitiv noch nicht in "Der Gott, der nicht sein sollte" reingelesen. Da gibts gleich die mega dreckige Kombi von Präsens + Ich-Perspektive :P
      Die Idee mit dem Wortspiel ist super! Werde ich gleich einbauen :D
      Und ich nehme es mal als Kompliment auf, dass mein Stil Erinnerungen an einen Bestseller weckt :D :love:

      Hey @Kitsune
      Schön dich wieder hier aktiv zu sehen! ^^
      Die Fehlerchen werden bei mir wohl nie verschwinden... Damit habe ich mich mittlerweile schon beinahe abgefunden :/
      Und ich hoffe auch auf Zeit und Elan ...

      @LadyK
      Zu einem gewissen Grad bin ich da selber gespannt xD Ich habe ja wie gesagt bisher nur einen groben Plan bis zu einem bestimmten Punkt un dann muss ich die Lücken zum geplanten Ende hin füllen ... Was die große Kunst sein dürfte X/
    • Gut, @Rebirz
      Dann lass mal sehen...

      Rebirz schrieb:

      „Hey, Super! Nicht bummeln! Setz deine kurzen Beinchen in Bewegung!“, ruft Vinz und wedelt dabei ungeduldig mit der Hand.
      Marius verdreht wie üblich sofort die Augen. Diesen bescheuerten Spitznamen wird er definitiv nie wieder loswerden. Woran er aber auch größtenteils selbst schuld ist. Er hätte es besser wissen müssen, sich aktiv dagegen zu sträuben. Natürlich nahmen die anderen Drei das nur als zusätzlichen Ansporn und somit ist er seit der sechsten Klasse Super-Marius oder, wie eben gehört, die Kurzform davon. Videospiele mit ähnlichem Namen hat er seitdem nicht mehr angefasst.
      Das mit dem Spitznamen hier find ich super (Wortspiel war nicht beabsichtigt)
      Ich find die Geschichte darum toll wie er entstanden ist. Selber wäre ich wahrscheinlich nicht auf so eine Idee gekommen.

      Rebirz schrieb:

      Mühevoll zwingt er sich ein Lächeln auf die Lippen, schließt mit ein paar schnellen Schritten zu dem Pärchen auf und vernichtet mit einer flinken Handbewegung Vinzents spitz gestylte Frisur. Das nervt ihn immer tierisch.
      „Verdammt erwachsenes Verhalten für einen Mann mit achtundzwanzig Jahren“, murrt der prompt und zupft an seinen mit Haarspray getränkten Zotteln.
      „Selber schuld“, schmunzelt Theresa. „Super ist sehr empfindlich, wenn es um seine Körpergröße geht. Das weißt du doch.“
      Marius grummelt verächtlich und vergräbt die Hände diesmal in den Taschen seiner Lederjacke. „Ihr beide zusammen seid ein ganz mieses Mobbingpärchen. Vinz ist jetzt nicht wirklich nennenswert größer als ich.“
      „Sogar Triss ist größer als du, du Mini-Rambo“, verpasst ihm sein Freund lachend einen erneuten Tiefschlag. Ihm macht das immer viel zu viel Spaß.
      „Diese fünf Zentimeter habe ich dafür wo anders mehr“, gluckst Super.
      Flink drückt sich Theresa zwischen die beiden und legt die Arme um sie. „Fünf Zentimeter mehr als ich?“
      Schlagartig brechen Vinz und Marius in schallendes Gelächter aus und damit geht Triss triumphierend und verdient aus dieser nicht wirklich ernst gemeinten Streiterei hervor.
      Wow... i feel with you, bro. Ich kenne das Gefühl, wenn sich dein gesamter Freundeskreis über deine Körpergröße lustig macht (selbst wenn sie nur einige Zentimeter größer sind...).
      Was die Witze und Sprüche angeht, können die dabei manchmal echt einfallsreich sein.

      Rebirz schrieb:

      Marius lässt das Schloss klicken und zieht zusammen mit Vinz das quietschende Tor auf. Dieser Raum hier sollte wohl irgendwann mal als Lagerraum dienen, wurde jedoch nur halb fertig gestellt. Er ist von der Betondecke des Erdgeschosses nur teilweise überdeckt, eine Treppe nach oben fehlt und die großen Fenster der Halle sind auf der Südseite weitflächig eingeschlagen worden. Dadurch fällt während der Sommerzeit das Licht genau in diesen Raum, den sich die Freunde gemütlich eingerichtet haben.
      Sorgsam unter Planen versteckt stehen einige alte Sessel und Bänke, ein Grill, eine selbstgebaute Tischtennisplatte und sogar ein Stromaggregat, das von den damaligen Bauarbeitern vergessen wurde. Einfach alles, was man halt so zum Abhängen benötigt. Es ist das kleine Heiligtum von Marius und seinen Freunden. Hier haben sie unglaublich viel Zeit miteinander verbracht. Zusammen gelacht und wunderschöne Erinnerungen geschaffen. Bedauerlich, dass sich das heute alles ändern muss.
      „Super! Schmeiß gleich mal eine Büchse rüber!“, ruft Vinzent und macht sich sogleich daran, die Möbel abzudecken. Marius kramt aus seinem Rucksack die Getränkedosen und wirft ihm eine zu. Vinz ist der Einzige von den Vieren, der keinen Alkohol trinkt und darauf besteht, dass Diät-Fanta zehnmal besser schmeckt als normale.
      Triss rollt in der Zwischenzeit schon mal den Grill ins Freie. Es ist ein Bild, das jedes Mal wieder aufs Neue seltsam aussieht. Sie ist einfach eine viel zu elegante und immer schick gekleidete Frau, um hier in einem solchen Loch abzuhängen. Mit ihren Modelmaßen zieht sie stets die Blicke auf sich. Auch heute trägt sie, wie so oft, einen schwarzen Rock mit Kniestrümpfen und eine luftige Bluse. Ihr langes, hellblondes Haar ist ihr ganzer Stolz und hebt sich im Sonnenlicht kaum von ihrer äußerst hellen Haut ab. Vinzent kann sich glücklich schätzen, eine solche Frau gefunden zu haben.
      Der lässt seine Diät-Fantadose zischen und genehmigt sich genüsslich einen kräftigen Schluck daraus. Marius greift bei dem Anblick angewidert zum Bier, in der Hoffnung, es möge seine überspannten Nerven etwas beruhigen.
      Sehr gut gemacht, wie du hier in wenig Text schon richtige Charakterdesigns zeichnest. Jeder hat seine eigenarten und keiner ähnelt dem anderen.

      Rebirz schrieb:

      Vor 18 Jahren, Marius war gerade mal Zwölf, traf er Vinzent das erste Mal und sofort war klar, dass sie beide absolut gleich tickten. Es war perfekt, obwohl Vinz zwei Jahre jünger war. Als dann auch noch Linus dazukam, ging es richtig los. Der etwas schräge Marius aka Super, Vinz mit seinen Eigenheiten wie dem Diät-Fanta-Fetisch und der schwarze Nerd Linus, den sie schon bald nur noch Linux nannten. Eine Freundschaft, wie man sie selbst in Kinderbüchern selten findet. Und als sie alle dachten, dass es unmöglich noch besser werden könne, tauchte plötzlich Triss auf der Bildfläche auf. Der arme Vinz wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah. Er war gerade 16 geworden und seine Hormone rockten sowieso bereits die Hose, aber als er sie sah ... Naja, man kann es sich denken. Die beiden waren vom ersten Moment an ein Traumpaar und für ganze zehn Jahre ließ dieses Glück Marius fast vergessen, was eigentlich seine Aufgabe war. Nun wurde er auf eine brutale Art und Weise daran erinnert. Eine Träne läuft ihm über die Wange, die er schnell wieder wegwischt, bevor sie einer der anderen beiden bemerken kann.
      Du magst Bromanzen oder?^^

      Rebirz schrieb:

      „Bitte vergib mir, mein Freund“, flüstert er leise.
      Ruckartig und mit eiserner Mine wendet er sich um. Die Angst und der Herzschmerz sind ihm aus dem Gesicht gewichen. Von nun an darf er keine Schwäche mehr Zeigen.
      „Vinz!“, brüllt er mit kräftiger und bestimmter Stimme.
      Erschrocken fährt sein Freund herum. Fünf mal knallt es ohrenbetäubend laut. Die Lagerhalle verstärkt das grausige Geräusch zusätzlich. Etwas Rauch steigt aus dem Lauf der alten 9 mm Pistole auf. Erdrückende Stille legt sich über das Heiligtum. Selbst die brennenden Kohlen im Grill knistern nicht mehr. Langsam, fast wie in Zeitlupe, sieht Marius dabei zu, wie das Blut den Hals seines Freundes hinunter läuft.
      Ooooooooookay. Dazu werde ich nichts sagen, bis du nicht noch einen Part hier von veröffentlichst. So, hast du jetzt davon...
      Wer mich so abspeist, muss halt mit der Quittung leben.
      (Hast du ein Glück das ich direkt beim Lesen den Kommi schreibe und nicht wieder alles weg machen wollte was ich geschrieben habe)
    • Hey @Etiam
      Danke, dass du auch hier wieder reinschaust, obwohl ich einfach nicht die Zeit finde selbst mehr zu lesen! :thumbsup:
      Namensgebung ist eigentlich auch nicht meine Stärke, aber in diesem Fall hat mich das Wortspiel regelrecht angesprungen. :D

      Etiam schrieb:

      Du magst Bromanzen oder?^^
      Wäre mir jetzt gar nicht so bewusst gewesen, aber offenbar ist das so xD

      Etiam schrieb:


      Ooooooooookay. Dazu werde ich nichts sagen, bis du nicht noch einen Part hier von veröffentlichst. So, hast du jetzt davon...
      Wer mich so abspeist, muss halt mit der Quittung leben.
      (Hast du ein Glück das ich direkt beim Lesen den Kommi schreibe und nicht wieder alles weg machen wollte was ich geschrieben habe)
      Uhhhm ... Sorry? :pardon:

      Gruß
      Rebirz
    • Einen wunderschönen guten Abend ^^
      Ich bin auch mit von der Rolle und möchte sinnvolle und nicht so sinnvolle Kommentare abgeben :D

      Ich mag, wie du den Freundeskreis aufbaust. Ich denke, in jeder Gruppe gibt es so einwn wie super, der immer zu liebevoll gemobbt wird. Bei uns ist es mein Freund und es geht, um die Kilos, die er mal zu viel hatte. Kann er jetzt abnehmen wie er will, er ist und bleibt das Dickerchen :rolleyes:

      Nun noch ein qualifizietere Antwort. Oder besser gesagt Frage: Wieso schießt er 5 mal? Die Handgriffe an der Waffe beschreibst du als geübt, wieso trifft er dann so schlecht? Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass er vier mal daneben schießt, weil du bloß sagst, sie blutet aus dem Hals und da 5 Kugeln zu verteilen, ist doch eher unnütz ?(

      Ansonsten hat es mir wie sonst auch immer gut gefallen @Rebirz, auf Grammatik/Rechtschreibung hab ich jetzt nicht wirklich geachtet, aber mir sind zumindest keine groben Schnitzer aufgefallen ;)
      Um die restlichen Sachen von dir zu lesen, fehlt mir im Moment leider die Zeit. Aber ich werde mich die nächsten Tage mal melden ^^
      Liebe Grüße,
      Nanook
      Ei tarvis jännittää ja sisintänsä selvittää kun ei sitä ymmärrä itsekään
    • Hey @Nanook

      beide Arten von Kommis sind wir ja schon voneinander gewöhnt :P

      Das er fünf mal schießt hat natürlich einen Grund, aber dazu im nächsten Teil mehr. Vielleicht lade ich den auch schon heute Abend hoch. Hängt davon ab, wie zufrieden ich nach nochmaligem Lesen damit bin.

      Freut mich, dass dir mein Geschreibsel wieder Spaß macht!
      Aber viel Neues wirst du hier im Forum sonst nicht von mir finden. Das große Projekt kennst du ja schon und der Rest eilt ja überhaupt nicht. :)

      Gruß
      Rebirz
    • Man, ich kann gar nicht beschreiben, wie gut das tut, mal wieder etwas neues, frisches schreiben zu können. :D Bei meinem Hauptprojekt, ist aktuell wirklich die Luft raus. Auch wenn es mir nicht so recht schmeckt, aber die Pause ist nötig. Euch viel Spaß beim Lesen. :)

      Kapitel 1

      Part 2

      Vinzent rutscht die Diat-Fantadose aus der Hand. Laut scheppernd fällt sie zu Boden. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrt er Super an, bevor die Kraft aus seinen Knien weicht und er zusammensackt. An einem Stahlpfeiler lehnen sitzt er nun da, die rechte Schulter seines Hemds bereits mit Blut vollgesaugt. Verdattert will er sich an die Fleischwunde am Hals fassen und erkennt dabei ein viel größeres Problem. Seine Arme und Beine gehorchen ihm nicht mehr.
      „Tut mir leid, Vinz. Ich musste das tun“, sagt Marius und senkt die Pistole, die er gerade gezielt rund um den Kopf seines Freundes abgefeuert hat. Einen tödlichen Treffer hat er gekonnt vermieden.
      „Was ...“, stammelt Vinzent zunächst, fängt sich dann aber überraschend schnell wieder. „Was soll die Scheiße, Super?! Bist du irre?! Fuck! Warum kann ich mich nicht bewegen?!“
      „Weil ich es nicht zulasse“, antwortet Marius ruhig.

      Mit fassungslosem Blick ist Triss losgetorkelt, um nach ihrem Mann zu sehen, bleibt bei dieser Aussage jedoch abrupt stehen. „Was? Wovon redest du?“ Ihre Stimme ist schwach und ängstlich.
      „Du hast mich schon verstanden.“
      „Ich verstehe eben nicht, Marius. Was ist los mit dir?“ Theresa macht einen Schritt auf ihn zu. Feine, hellblonde Haarsträhnen kleben ihr vom Angstschweiß an der Stirn fest.
      „Pass auf, Triss!“, ruft Vinz, der panisch auf die noch immer geladene Waffe in der Hand seines Freundes blickt. Doch die braucht der nicht mehr.
      „Bitte bleib, wo du bist, Triss“, sagt Super mit ruhiger Stimme und prompt kommt sie zum Stehen. „Setz dich. Das wird etwas dauern.“ Sofort nimmt sie am Boden Platz.
      Marius sichert die Pistole und legt sie sorgsam zurück in den Metallschrank. Erst nach tiefem durchatmen wendet er sich wieder um. „Mir ist klar, dass alles, was ich dir jetzt erzählen werde, wie vollkommener Blödsinn klingen wird, aber ich schwöre dir, dass es die reine Wahrheit ist.“
      „Marius ...“
      „Nicht reden, Triss.“ Sie schweigt.

      „Bist du in Ordnung, Schatz?“, fragt Vinz panisch und versucht noch immer verzweifelt seine Gliedmaßen unter Kontrolle zu bekommen. Jedoch vergebens. Er kann sich keinen Reim aus dem seltsamen Verhalten seiner Frau und schon gar nicht aus dem seines Freundes machen.
      „Ihr fehlt nichts“, erwidert Super. „Ich habe sie nur vorläufig ... Nennen wir es: Stummgeschalten. Wir beide müssen uns unterhalten, Vinz.“
      „Du musst mir sagen, was zum Teufel diese Scheiße hier soll!“, blafft der zurück.
      „Ich habe durch einen starken Schock deinen Verstand aufgerüttelt, ihn somit angreifbar gemacht und bin in ihn eingetaucht.“ Sein Freund blinzelt nur verdattert. „Meine Fähigkeiten erlauben es mir, auf diesem Weg eine Welt innerhalb deines Geistes zu erschaffen und diese nach meiner Vorstellung zu gestalten. Nun, zumindest für gewöhnlich. Mit dir ist das ein wenig anders, Vinz. Du bist besonders.“
      „Wa ... Was schwafelst du da?“ Vinzents Gedanken rotieren, doch er findet keine Erklärung für das, was gerade passiert. Obwohl Triss weiterhin beharrlich schweigt, schaut auch sie fragend drein.
      „Ich will jetzt noch nicht ins Detail gehen, aber du musst eines wissen. Die Welt funktioniert etwas anders, als du bisher glaubtest“, fährt Marius fort. „Mehr dazu später, wenn du akzeptiert hast, wer du bist und was du für Fähigkeiten besitzt.“

      „Fähigkeiten?“, fragt Vinz. „Auch ich weiß, wie man eine scheiß Pistole abfeuert, falls du das meinst?“
      Super schüttelt den Kopf. „Triss, steh auf.“ Sie steht auf. „Dreh dich im Kreis.“ Sie dreht und dreht sich. „OK, du kannst aufhören. Setz dich wieder.“ Sie setzt sich.
      Vinzents Blick pendelt zwischen Marius und seiner Frau hin und her. Wortlos hält er mit Letzterer für einen langen Moment Blickkontakt, bevor er zu lachen beginnt. „Ihr beide steckt unter einer Decke! Das ist irgendein schräger Scherz!“ Er lacht weiter, obwohl er die Situation keineswegs lustig findet. Als jedoch ein Klappmesser vor Theresas Füßen landet, erstickt er fast daran.
      „Heb es auf, Triss“, befiehlt Super und wie schon etliche Male zuvor gehorcht sie aufs Wort.
      „Hey! Jetzt reicht es wirklich! Das ist verdammt noch mal nicht lustig!“, brüllt Vinz zornig und ringt mit seinem gelähmten Körper.
      „Hör zu“, fordert Marius. „Es existieren Menschen in dieser Welt, die anders sind als der Rest. Ich bin einer von ihnen. Man nennt uns Variatoren. Wir beeinflussen den menschlichen Geist und manche von uns sogar die Realität. Genau das tue ich gerade. Ich gaukle deinem Verstand etwas vor, dass nicht wirklich passiert.“
      „Jetzt lass die Scheiße schon endlich, Marius!“ Vinz hat kein einziges Wort seines Freundes für voll genommen. „Variatoren? Gehirne verdrehen? Hör auf zu spinnen, Mann! Und du, Triss! Warum machst du bei so einem Blödsinn mit?“

      „Theresa, schneid dir die Haare ab“, befiehlt Super mit eiserner Stimme.
      Fassungslos sieht Vinzent dabei zu, wie seine Freundin ihr langes Haar über die Schulter nach vorne legt, das Klappmesser ansetzt und es mit zwei kräftigen Schnitten durchtrennt. Als großer hellblonder Büschel fällt ihre geliebte Haarpracht in den Staub. Weiterhin wortlos klappt Theresa das Messer wieder ein. Auf ihrem Gesicht ist keinerlei Regung zu erkennen.
      „Glaubst du immer noch, dass ich lüge? Hätte sie das in der Realität jemals getan?“, fragt Marius. Er geht auf seinen am Boden sitzenden Freund zu und vor ihm in die Hocke. „Nein, hätte sie nicht. Das weißt du. Du musst mir glauben, Vinz. Das ist ungeheuer wichtig, denn du bist nicht nur einer von uns, sondern der mächtigste Variator der Geschichte. Deine Fähigkeiten übersteigen alles bisher da gewesene.“
      Vinzents Blick haftet auf dem losen Haarbündel. Er ist geschockt, kann nicht fassen, was für eine unglaubliche Wendung dieser wunderschöne Tag genommen hat. Ist es möglich, dass er sich all die Jahre in seinen Freunden getäuscht hat? Sind sie wirklich verrückt? Nein, das will er nicht einfach so akzeptieren. Es muss eine andere Erklärung geben. Zwingt sie vielleicht jemand zu diesem Wahnsinn? Aber warum? Zu welchem Zweck? Und mit was für einem Druckmittel könnte man Marius und Triss zu etwas Derartigen bewegen?
      Den Klos im Hals hinunterschluckend schaut er Super in die Augen. Gerade hat er die Antwort auf diese Frage gefunden. „Kumpel, was ist mit Linus? Ist er in Ordnung?“
      Marius antwortet nicht, hält nur emotionslos den Blickkontakt. Vinz ist davon überzeugt, dass er richtig liegt. Warum sonst sollte Linus heute nicht hier sein? Allein damals, als er für längere Zeit im Krankenhaus lag, ließ er sich eine Feier entgehen. Ihm muss etwas passiert sein.

      „Wir werden nicht erpresst.“
      Vinzents Hals ist schlagartig knochentrocken geworden.
      „Zumindest nicht auf die Art, wie du denkst. Tatsächlich zwingt uns jemand zu diesem Schritt, doch es hat nichts mit Linus zu tun. Es geht einzig und allein um dich, Vinz. Ich tue das, um dich zu beschützen. Ein Mann namens Nazar Ozerov ist dir auf die Spur gekommen und hat es auf deine Fähigkeiten abgesehen. Wenn es erforderlich sein sollte, auch auf dein Leben.“
      Tief durchatmend fährt sich Marius mit beiden Händen übers Gesicht. Das alles ist so unendlich schwer für ihn.
      „Ich arbeite für eine Gemeinschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Gleichgewicht der Welt aufrecht zu erhalten. Wir sorgen für eine nötige Balance zwischen zwei rivalisierenden Gruppen von Variatoren. Die eine strebt das Chaos an, die andere absolute Ordnung und sollte eine der beiden Vereinigungen dich in ihre Finger bekommen, wäre die Waage für immer und ewig gekippt. Aus diesem Grund wurde ich an deine Seite gestellt, als du zehn Jahre alt warst. Meine Aufgabe war es, ein Auge auf die natürliche Entwicklung deiner Kräfte zu haben und wenn nötig dein Beschützer zu sein.“
      Mit einem kräftigen Ruck donnert Vinzent den Hinterkopf gegen den Metallpfeiler, an dem er lehnt. „Hör schon auf, Mann!“, brüllt er zornig. „Entweder du bist völlig irre und ich war all die Jahre ein dummes Arschloch es nicht zu bemerken, oder etwas schlimmes ist passiert! Und wenn du noch immer mein Freund bist, dann lässt du mich helfen und gehst nicht alleine durch die Hölle!“

      Marius springt auf. Läuft sich die Haare raufend auf und ab. „Scheiße! So eine verdammte Scheiße! Warum gibt es keinen anderen Weg?“ Er seufzt. Atmet tief durch und spielt dabei ein wenig an seinen Ohrringen herum. „Die Zeit wird langsam knapp. Tut mir leid, Vinz. Wir wollten, dass du dich natürlich, also unbeeinflusst von irgendwelchen Variatoren entwickeln kannst und haben es dir darum so lange verschwiegen, aber jetzt musst du schnell lernen. Schneller, als mir und vermutlich auch dir lieb ist. Theresa! Komm her.“
      „Super!“, ruft Vinzent wütend. „Es reicht! Ich kaufe dir diesen Blödsinn nicht ab! Es gibt keine Superkräfte! Und selbst wenn du welche hättest, warum kannst du mysteriöserweise nur Triss kontrollieren, huh? Was ist mit mir?“
      „Du bist der Noetiker, Vinz. Du bist mächtiger als jeder Variator und nur weil deine Kräfte noch untrainiert sind, konnte ich überhaupt so weit in deinen Verstand eintauchen. Mehr ist mir schlichtweg nicht möglich. Du beherrscht die Realität wie ein Variator der Klasse Drei, kannst im Gegensatz zu mir mehrere Gedanken gleichzeitig beherrschen und bist selbst zugleich dagegen immun. Wenn du es nur willst.“
      „Ich will es aber nicht!“, faucht Vinzent.
      „Du musst dich verteidigen können, wenn der Tag gekommen ist!“, erwidert sein Freund ebenfalls schreiend.
      „Einen Scheiß muss ich!“
      „Ich werde dich trainieren, ob du es willst, oder nicht! Sieh zu! Fähigkeiten der Variatorklasse Zwei sollten ein Kinderspiel für einen Noetiker sein. Kontrolliere diese Welt und jeden darin, so wie ich es gerade tue. Triss, tanz für uns.“ Und prompt schwingt sie die Hüften.

      „Hör auf, Triss!“, ruft Vinzent, diesmal mit einem Flehen in der Stimme.
      „Du kannst es beenden.“ Marius verschränkt die Arme vor der Brust. „Wenn du es willst. Komm schon, Vinz. Ich weiß, dass du es kannst.“
      „Aufhören, hab ich gesagt!“, brüllt sein Freund wieder und wieder, doch Theresa lässt sich davon nicht beeindrucken. Tanzt unbeeindruckt weiter ihre sexy Discobewegungen, mit denen sie ihrem Mann in der Vergangenheit mehr als einmal die Sinne verdreht hat.
      „Es ist nicht real, Vinz“, sagt Super ruhig. „Ich habe das nur aus deinem Verstand herausgezogen. Alles, was du jemals gesehen und gelernt hast und sogar deine Fantasie kann ich in dieser fiktiven Welt lebendig werden lassen. Allerdings auf die Art, wie es mir beliebt. Komm schon, Mann! Nimm mir die Kontrolle weg!"


      Gruß
      Rebirz

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Rebirz ()

    • Okay. DAS war unerwartet. Schon hast du alle Spekulationen durcheinandergewirbelt. Mann, was lag ich schief. Ich dachte, wirklich, er hat

      Spoiler anzeigen
      Vinz getötet. Aber sowas? Nein, da wäre ich nie drauf gekommen.
      SUPER Fortsetzung. So kann es weitergehen , @Rebirz. Nimm dir gerne deine Pause vom Gott, der nicht sein sollte, das. Das, was du uns hier präsentierst, kann - auf den ersten Blick betrachtet - locker mithalten!!
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


      :cookie:

      ___________________
    • Ich bin ein bisschen gespalten, was den zweiten Teil angeht. Einerseits ist er ziemlich gut geschrieben und sehr angenehm zu lesen. Aber andererseits mag ich diese Art von Info-Dump bzw. Einführung und Erklärung nicht so gerne. Allerdings kann ich dir da auch keinen Tipp geben, wie du das anders machen könntest, ohne dass du deine ganze Geschichte über den Haufen werfen musst. Wobei es ja eh nicht darauf ankommt, ob mir der Aufbau der Geschichte gefällt.

      Was du noch ein bisschen einbauen könntest, wäre das Vergehen (oder in der Illusion Nicht-Vergehen) der Zeit, während Vinz gegen "die Wahrheit" kämpft. Oh... vorhin beim Lesen dachte ich noch, dass manche Leerzeilen genau das andeuten könnten, dass da Zeit vergeht, über die nichts erzählt wird. Scheint aber doch gar nicht so zu sein. Auch wenn es für die Lesbarkeit angenehm ist, würde ich an deiner Stelle die Leerzeilen rausnehmen, wo sie keine inhaltliche Bedeutung haben.

      Grüße,
      Asni
      „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]
    • Wow :thumbup: diese Wendung hab ich wirklich nicht erwartet...

      Spoiler anzeigen


      Da hast du mich jetzt ordentlich vom Hocker gerissen 8o

      Aber ich finde die Fortsetzung ziemlich cool. Ich mag solchen Krams auch wirklich gerne, obwohl ich es ein bisschen gruselig finde, wenn Menschen andere Menschen kontrollieren können :/

      Ich finde, diese Geschichte kann bisher locker mit deiner anderen mithalten :thumbsup:

      Weiter, weiter..



      LG ^^
      Die Welt war voller Wunder - Man musste sie nur sehen wollen...
      -Im Tal des Falken-
    • Erinnert mich...


      ein kleen weng an @Tariq s Ahmad-Yonas-Konstellation. Ein Beschützer dem Kinde an die Seite gestellt. Allerdings ist in Deinem Falle der Schützling schon 10, und wenn Super-Marius als dessen "Freund und Kumpel" agiert hat, war er in etwa gleichaltrig... ? Ja? Oder ja? Wenn das so war/wäre, fragt sich das ich in mir: Wieso Marius Können so gut ausgebildet ist/wurde, während Vinz quasi "dumm" gehalten wurde, wo er doch (vermutlich) sehr viel mehr Potential als Super-M hat/haben soll...

      Ich werd das mal weiter verfolgen...
      Du willst noch leben, irgendwann.
      Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
      ... und irgendwann ist auch ein Traum zu lange her...
      (*Kein zurück* - Wolfsheim)

      Es ist ein Gerücht, dass Zeit ein Geschenk sei. Man muss sie sich nehmen! (Ania Vitale)

      Wer immer nur tut, was er schon kann, wird auch immer nur bleiben, was er schon ist. (Henry Ford)
    • Okay @Rebirz hier kommen wieder meine Anmerkungen.

      1) Ich habe immer noch nicht so ganz verstanden, wieso er jetzt fünf mal geschossen hat? Nur um Vinz zu erschrecken?

      2)

      Rebirz schrieb:

      Verdattert will er sich an die Fleischwunde am Hals fassen
      Ich glaube jede Fleischwunde am Hals ist sehr schnell tödlich. Die Halsschlagenader sitzt nicht sonderlich geschützt, mal abgesehen von Luft- und Speiseröhre. Mach doch lieber einen glatten Durchschuss in der Schulter daraus, der ist gut zu behandeln.

      3)

      Rebirz schrieb:

      Ich gaukle deinem Verstand etwas vor, dass nicht wirklich passiert.“
      Also schneidet sich Triss in Wirklichkeit gar nicht die Haare ab?

      4)

      Rebirz schrieb:

      Was ist mit mir?
      Legt er nicht seine Arme und Beine lahm? Das wäre doch dann Kontrolle. Wenn auch in kleinerem Ausmaß.

      5) Ich bin stolz auf dich, dass du das mit der Zeichensetzung bei der wörtlichen Rede jetzt so gut hinbekommst :thumbup: Allgemein sind deine Grammatikfähigkeit wirklich gewachsen :thumbsup:

      Liebe Grüße,

      Nanook
      Ei tarvis jännittää ja sisintänsä selvittää kun ei sitä ymmärrä itsekään
    • @Tariq
      Dann hat ja alles gut geklappt! Freut mich, dass ich dich überraschen konnte :)

      @Asni
      Die Geschichte baut auf dieser Szene auf, daher kann ich sie nicht wirklich verändern. Den Infodump habe ich bereits versucht gering zu halten, da ich es mir gespart habe, die Welt bereits hier im Detail zu erklären, aber alles andere muss eigentlich sein, vor allem, weil es sonst keinen Sinn machen würde, dass Super hier Vinz seine Kraft demonstriert. :)
      Genaueres zu Kräften, Personen und Welt generell folgt dann im Laufe der nächsten Ereignisse. Hoffe das schreckt dich nicht zu sehr ab.
      Das mit der Zeit kann ich wenn dann erst dann erwähnen, wenn sie tatsächlich wieder in der Realität sind. Aktuell sitzen sie ja noch im Vinz' Kopf fest. Werde mir das aber merken!

      @LadyK
      Danke für die Lobesworte! Da ist man gleich noch motivierter neues Material zu liefert. :)

      @Cory Thain
      Erst mal, danke, dass du auch hier reinschaust!
      Naja, die Beschützer-Konstellation ist ja keine wirkliche Neuerfindung, aber du hast Recht, es ist natürlich eine Ähnlichkeit da :)
      Marius ist zwei Jahre älter als Vinz. Super wurde wie ein gewöhnlicher Variator ausgebildet, wobei Vinz nicht die geringste Unterstützung erhalten hat. Was so gewollt war, da seine Kräfte zwar ähnlich, jedoch auch gänzlich anders sind. Sie wollten ihn nicht in eine Schublade drängen und dabei evtl. sein Potenzial begrenzen. Dazu aber später mehr! :)

      @Nanook
      Die Schüssen waren wirklich rein für die Schocksituation. Overkill quasi.
      Schusswunde am Hals ... sagen wir einfach mal, Marius ist ein guter Schütze und hat nichts Schlimmes erwischt! :P (Ich denk mal drüber nach!)
      Zu 3.: Nein, alles spielt sich hier gerade in Vinzents Kopf ab. Marius hat ja gesagt, dass er ihm das alles durch seine Kräfte vorgaukelt.
      Zu 4.: Ja, er kann ihn nur begrenzt kontrollieren und Dinge vorgaukeln, weil Vinz dermaßen stark ist. Er schützt sich unbewusst vor solchen Einwirkungen.
      zu 5.: Dankeschööön! :love: Ich geb mir auch ganz doll Mühe :D

      Danke an alle fürs dabei sein!

      Gruß
      Rebirz
    • So, hier das Ende des ersten Kapitels. Ich habe noch mal einen Gang höher geschalten, ob ichs damit übertrieben habe, müsst ihr entscheiden. :huh: :rolleyes:

      Kapitel 1

      Part 3


      Er würde ja gerne, aber Vinzent laufen nur die Tränen die Wangen hinunter. Selbst wenn er wollte, es ist unmöglich, was Marius da von ihm verlangt. Was geht nur in seinem Gehirn vor, dass er sich so etwas krankes ausdenken konnte? Und wie kann Triss ihm das nur antun! Sie wollten doch bald heiraten!
      Plötzlich hört er neben sich ein vertrautes Geräusch, das ihn erschaudern lässt. Es war das Knacken, welches Supers Finger stets von sich geben, wenn er eine Faust ballt. Und das passiert nur, wenn seine Nervenstränge ernsthaft überspannt wurden. Für den dafür Verantwortlichen, war dies selten ein gutes Zeichen.
      „Du musst lernen, Vinz. Tut mir leid. Ich hoffe, du kannst mir das irgendwann verzeihen.“ Mit eiserner Mine geht er auf Triss zu. „Hör auf zu tanzen und küss mich.“
      Nur ein schwaches Krächzen entweicht aus Vinzents Hals, als Theresa die Arme um Marius schlingt und ihre vollen, dezent rot geschminkten Lippen sich auf seinen Mund legen. Es ist ein inniger Kuss. Als hätten sie es schon hunderte male getan. Gierig schlingen sich ihre Zungen ineinander. Triss stöhnt, als Super von ihr ablässt. Weder Reue noch Scham kann Vinz in den Augen seines Freundes erkennen. Nur eine Forderung: Halte mich auf. Du hast die Macht dazu!

      Als er jedoch merkt, dass Vinzent das nicht tun wird, geht Marius einen Schritt weiter. „Zieh dich aus.“
      „Nein ...“, krächzt Vinz, doch völlig schamlos entledigt sich seine Frau einem Kleidungsstück nach dem anderen. Der Bluse folgt der schwarze Rock, dann die Schuhe und Kniestrümpfe. Sie trägt die rote Unterwäsche, die er ihr selbst zum letzten Geburtstag geschenkt hat, aber auch die landet kurz darauf am Boden. Splitterfasernackt steht Theresa da und wartet auf die nächste Anweisung.
      „Bitte hört auf.“ Vinzent wimmert und die Tränen laufen in gleichmäßigen Strömen dahin.
      „Halte mich auf“, fordert sein Freund erneut. Dann füllen Theresas Brüste seine Hände aus. Neckisch spielt er mit ihren Nippeln.
      „Ich flehe dich an, Marius. Hör auf damit!“
      „Halte mich auf.“
      „Ich kann nicht! Geht das nicht in deinen Schädel rein!?“
      „Doch, du kannst. Du kannst tun, was auch immer du willst. Drehe den Spieß um. Lass mich an deiner Stelle am Boden sitzen. Oder fang klein an. Gib Triss ihre Kleider zurück. Alles ist möglich.“
      Um letztem Vorschlag zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, fasst er Theresa zwischen die Beine. Ihre Atmung beschleunigt sich.
      „Benutze deine Fantasie, Vinz. Beschwöre einen Blitz aus dem klaren Himmel heraus, öffne eine Erdspalte unter mir, spreng einfach meinen dummen Schädel in die Luft!“
      „Ich ...“
      „Du kannst! Du musst!“, brüllt Marius. „Es ist nicht echt! Ändere diese Welt so ab, wie du sie haben möchtest!“ Sein Blick verfinstert sich. „Oder willst du das hier mit ansehen?“
      Diesmal hat er keinen direkten Befehl ausgesprochen, doch Triss weiß genau, was sie zu tun hat und geht auf die Knie.
      „Nein ...“ Vinzents ganzer Körper bebt.
      „Letzte Chance, Vinz“, stimmt Super quasi den finalen Countdown an, während Theresa bereits seinen Gürtel löst.
      „Schluss damit!“
      „Das reicht noch nicht, Vinz.“
      „Aufhören!“
      Triss öffnet Hosenknopf und Reißverschluss.
      „Ich habe gesagt, es ist genug!“, brüllt Vinzent diesmal völlig in Rage und sein linkes, grünes Auge beginnt zu leuchten.
      Marius Füße lösen sich vom Boden. Hilflos rudert er mit den Armen, als er drei Meter hoch in der Luft schwebt. Die Zähne regelrecht gefletscht, kämpft sich Vinz langsam auf die Beine. Er hat die Betäubung in seinen Gliedern überwunden. Ein unsichtbarer Hieb trifft Super im Magen und er krümmt sich darunter.
      „Ja, das ist es“, röchelt er. „Das ist deine Kraft, Vinz!“
      „Halt den Mund!“, faucht der und eine Serie von weiteren Schlägen hagelt auf Marius ein. Blut tropft zu Boden. Der Stahlträger hinter Vinzent zerberstet in tausende Splitter, die sich in der Luft schwebend auf ihr Ziel ausrichten.
      „Ich habs doch gesagt“, grinst Super zufrieden.
      Mit einem markerschütternden Schrei leuchtet Vinz‘ Auge erneut auf und mit einer Handbewegung schickt er die tödlichen Geschosse auf die Reise. Er ist blind vor Wut und völlig außer Kontrolle.

      „Vinz! Hör auf!“
      Die Metallsplitter prasseln in die massive Betonwand. Ein schwummeriger Nebel legt sich für Vinzents Augen und er taumelt. Etwas zehrt an seinen Kräften und kurz darauf geben seine Knie nach. Er kennt diese Stimme.
      „Linus? Bist du dass“, stammelt er.
      „Ja, Kumpel. Ich bin hier. Ganz ruhig, es wird alles gut.“
      Langsam klart sein Blick wieder auf und er erkennt den schwarzen Glatzkopf mit der lustigen Ober- und Unterlippenbart Kombination vor sich. Eindeutig sein Freund, der Obernerd Linux. Jemand hält seine Hand und plötzlich dringt der vertraute Geruch von Zitrus an seine Nase.
      „Triss“, flüstert Vinz erschöpft.
      Sofort schlingen sich ihre Finger in die seinen. „Ich bin da. Hab keine Angst.“
      „Was ...“ Er will aufstehen, doch erst jetzt bemerkt Vinzent, dass Linus ihm fest mit der flachen Hand auf die Brust drückt. „Was machst du?“
      „Deine Kräfte unterdrücken“, ist die prompte Antwort und Linux grinst ihn munter an. „Du bist ein ganz schönes Biest, Kumpel. Das hatten wir nicht erwartet.“
      „Meine ... Moment“, stammelt Vinzent und reibt sich das linke Auge.
      „Obwohl dich Marius extra aus diesem Grund in eine Illusionswelt gezogen hat, sind deine Kräfte in die Realität durchgedrungen, als er sie aus dir herausgelockt hat. Tut mir leid, Mann, aber es musste schnell gehen und das war die einzige Möglichkeit, die wir sahen.“

      Für einen Augenblick sickern die Worte ohne Effekt in Vinzents Kopf ein, doch dann windet er sich aus Linus‘ starken Griff und dreht sich hastig zu Triss um, die hinter ihm sitzt und ihn stützt. Mit weit aufgerissenen Augen glotzt er sie an. Ihre Haare sind wieder lang gewachsen und reichen bis über die Schulterblätter. Und viel wichtiger: Sie trägt Kleider!
      „Aber ... wie?“
      Irgendwoher dringt ein schmerzerfülltes Stöhnen. Verdattert schweift Vinzents Blick umher und da sieht er ihn. Marius liegt gekrümmt in Embryo-Stellung in einiger Entfernung am Boden. Blut tropft ihm aus dem Mundwinkel und sein rechtes Auge schwillt merklich an.
      „Du hast ihn noch ordentlich erwischt, bevor ich euch aus seiner Illusion holen konnte“, sagt Linus und klopft sich dabei den Staub von der schwarzen Stoffhose. „Aber keine Angst. Er hält ganz schön was aus. Ist nicht das erste Mal, dass er einstecken musste.“
      Vinz springt auf die Beine. Sein linkes Auge sticht weiterhin unangenehm. „Was ist hier los? Ich dachte ...“ Sein Blick schweift zu Triss, dann zu Marius. „Ich dachte ...“
      „Was? Sag mir, was du glaubst zu wissen“, fordert Theresa.
      „Nein. Ich will nicht.“ Mit beiden Händen presst sich Vinzent gegen die Schläfen. Sein Kopf schmerzt, seine Augen pulsieren. „Variatoren und Illusionswelten ... Was zur Hölle stimmt nicht mit mir?“
      „Sorry, Kumpel“, stöhnt Super, der es ebenfalls wieder zurück auf die Beine geschafft hat. „Auch wenn meine Taten in der Illusion nicht echt waren, was ich dir gesagt habe, ist alles wahr. Du spürst es, oder? Etwas ist anders als zuvor. Dieses unbekannte Gefühl tief in dir drin, von dem du schon immer irgendwie wusstest, ist jetzt erwacht.“
      Unbewusst fasst sich Vinz an die Brust. Super hat recht. Da ist etwas in ihm. Und es ist ungeheuer mächtig. Gleichermaßen wunderbar und beängstigend. Fassungslos schaut er Linus und Triss an. Beide nicken. Es ist also wahr, was Marius gesagt hat.

      „Ihr zwei seid wie er? Variatoren?“, fragt er.
      „Ja. Ich bin Klasse Drei und Linux Eins“, gesteht Theresa und macht einen Schritt auf ihn zu. „Es tut mir so leid, Schatz, aber wir wussten uns einfach nicht anders zu helfen. Die Gefahr durch Nazar Ozerov ist zu groß geworden.“
      Vinz weicht von ihr zurück, wobei Triss ein Schock durchfährt. Ihre Augen werden feucht. Er ignoriert sie und stapft hinüber zu Super. Der meidet beschämt den Blickkontakt. Er hat seinen Freund durch die Hölle geschickt, das weiß er und wird sich ewig dafür hassen.
      „Warum, Marius? Warum so?“ Vinzents Stimme ist schwach.
      „Du weißt die Antwort darauf“, erwidert er traurig.
      „Alles ist wahr, was du gesagt hast?“
      Super nickt und da kracht auch schon die Faust gegen sein bereits geschwollenes Auge. Erneut geht er zu Boden.
      „Ich dachte, du wärst mein Freund!“ Zornig wendet er sich den anderen beiden zu. „Ihr alle! Aber nein, ich bin nur ein verschissenes Experiment, dass ihr studiert und die Früchte erntet, wenn sie reif sein! Eine scheiß Laborratte bin ich, die jetzt schon seit achtzehn Jahren in einer verdammten Glasbox lebt!“
      „Vinz, bitte. Wir haben es getan, um dich zu beschützen. Wir wollen dir nur helfen.“
      „Leck mich, Linus! Ihr alle zusammen!“ Er wendet sich ab und rauscht davon.
      „Vinz!“, ruft Triss flehend. Er kommt noch einmal zu Stehen und verweilt einen Moment mit geballten Fäusten. „Bitte.“
      Ruckartig dreht er sich um und schleudert ihr etwas vor die Füße. Es ist derselbe Ring, den auch Theresa trägt. Mit Tränen in den Augen und der Enttäuschung und Wut darin deutlich geschrieben stürmt er diesmal endgültig aus der Halle. Als auf magische Weise das riesige, eigentlich nur von zwei Leuten bedienbare Tor, laut scheppernd zu geschleudert wird, fällt Triss auf die Knie und schreit die Verzweiflung hinaus.


      Ein schönes Wochenende wünsche ich.
      Gruß
      Rebirz

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    • Okay... ich gebs zu, ich verstehe es nicht.

      Spoiler anzeigen
      Es gibt etliche Möglichkeiten, jemanden "aus der Reserve" zu locken. Warum muss es bitte auf die (fast) einzige Art und Weise passieren, bei der der Gelockte hinterher mit 156 % Wahrscheinlichkeit wütend, frustriert und enttäuscht den Schauplatz verläßt, mit "eingeschaltetem Kraftpotenzial" ( welches er noch nicht steuern kann) draußen rumrennen wird und wer weiß was anrichten...

      Vinz' Reaktion war derart vorhersehbar, dass ich mich frage, ob Linus, Marius und Trish tatsächlich seine Freunde sind oder nicht doch eher seine Feinde...

      Hätte man ihn nicht auch mit einer "gar tödlichen Gefahr von außérhalb" für seine Trish herrausfordern können? Dann müssten jetzt wahrscheinlich die Drei andren nicht hinter ihm herhetzen, erneut um seine Freundschaft und vor allem sein Vertrauen buhlen... wenn Vinz auch nur andeutungsweise n Ar*** in der Hose hat, läßt er die drei Nasen in Zukunft abblitzen...
      Du willst noch leben, irgendwann.
      Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
      ... und irgendwann ist auch ein Traum zu lange her...
      (*Kein zurück* - Wolfsheim)

      Es ist ein Gerücht, dass Zeit ein Geschenk sei. Man muss sie sich nehmen! (Ania Vitale)

      Wer immer nur tut, was er schon kann, wird auch immer nur bleiben, was er schon ist. (Henry Ford)
    • Oi, na da hast du ja mit Kapitel eins schon ordentlich Gas gegeben. Das passt hier. Auch die Infoflut hielt sich für mich in überschaubaren Grenzen. Zumindest hat mich nichts im Lesefluss großartig aus dem Konzept gerissen.

      Wobei ich ja schon krass find, was Marius alles tut, bis Vinz mal in die Gänge kommt. Dementsprechend ist dessen Reaktion mehr als verständlich. Heftig, ein wenig schließ ich mich da Cory an.
      Zudem: Ich mein, wirklich alle drei guten Freunde wussten davon bzw. gehören unter eine Decke? Autsch.
      Von dem her sind alle Gefühle größtenteils bei mir angekommen.

      Jetzt bin ich noch gespannter, wohin uns die Reise führt. :]