Arbeitstitel: Verwaltungsfehler auf höherer Ebene

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    • HI Kij :)
      Ich habe mal die ersten drei Teile gelesen.

      kijkou schrieb:

      Gut, die scheint mir schon ein wenig pragmatischer zu reagieren, auch wenn sie etwas musikalisch auf mich wirkt.
      Damit kann ich adhoc nichts anfangen ... warum wirkt eine Blase musikalisch?
      Bzw, woran macht die Prota fest, dass DIESE Blase musikalisch wirkt? XD

      kijkou schrieb:

      Wir haben aber bereits eine Lösung gefunden.“
      Na da bin ich gespannt ...

      Was den Prolog angeht: Dieser geht übergangslos in das erste Kapitel über.
      In der Regel ist ein Prolog eine Art "Vorgeschichte" oder "Information" die erst später einen Sinn ergibt.
      Sprich dein Prolog könnte auch einfach das erste Kapitel sein ...
      (Falls das hier schon ausdiskutiert wurde, ignoriere diese Anmerkung XD Wir haben das schon öfter mal diskutiert und ich habe auch nicht alle Kommis gelesen)

      Mit dem Anfang habe ich mich ein wenig schwer getan.
      Nicht, weil dein Stil oder so schwer wäre (im Gegenteil, du schreibst sehr klar und schön :D ), sondern weil ich mit der Szenerie nicht zurecht kam ... da es sich allerdings um den Übergang von Dies- zu Jenseits handelt, sei's drum XD

      Den Deal, den die Prota eingegangen ist, wäre ich niemals eingegangen ...
      Entweder bin ich tot, oder habe ein Leben, in dem mich meine Freunde, Familie und Mann nicht mehr kennen. Was irgendwie das Selbe nur blöder ist. Ich glaube, ich wäre tot geblieben und hätte einfach auf meine Familie gewartet :D Als VIP hätte ich dann ja eh Zutritt zu allen Etagen, denke ich :D

      hier unten die Stellen, die mir gut gefallen haben :D

      rofl

      kijkou schrieb:

      Es tut mir so leid, dass ich den Müll nicht getrennt und Fleisch gegessen habe!“, zetert die Hippie-Blase unruhig vor mir.
      :rofl:

      kijkou schrieb:

      Ja, scheiß die Wand an!
      „Nein, bitte nicht. Es befinden sich Toiletten in dem Bereich, dem Sie dann zugewiesen werden.“
      :rofl:

      kijkou schrieb:

      Haben die etwa auch verschiedene Zweigstellen?
      :rofl:

      kijkou schrieb:

      bei der nächsten Betriebsfeier werde ich dich …!
      :rofl:

      kijkou schrieb:

      Derjenige – oder besser gesagt das, was ihr Menschen 'Gott' nennt, ist unser Betriebsrat.
      :rofl:

      kijkou schrieb:

      Seele Nummer 487X-H395-BB37
      :rofl:
      Menschen, die von sich behaupten, sie seien "positiv bekloppt", sind meistens einfach nur negativ grenzdebil.
      Patrick Salmen

      Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber nicht jeder ist Schmied.
      Till Reiners
    • Hi @Miri :)

      Freut mich, dass du vorbeischaust <3

      Miri schrieb:

      Damit kann ich adhoc nichts anfangen ... warum wirkt eine Blase musikalisch?
      Bzw, woran macht die Prota fest, dass DIESE Blase musikalisch wirkt? XD
      Hab oben noch eine Kleinigkeit eingefügt, die anscheinend nur in meinem Kopf war. Jetzt sollts passen :D Danke dir ^^

      Miri schrieb:

      Was den Prolog angeht: Dieser geht übergangslos in das erste Kapitel über.
      In der Regel ist ein Prolog eine Art "Vorgeschichte" oder "Information" die erst später einen Sinn ergibt.
      Sprich dein Prolog könnte auch einfach das erste Kapitel sein ...
      (Falls das hier schon ausdiskutiert wurde, ignoriere diese Anmerkung XD Wir haben das schon öfter mal diskutiert und ich habe auch nicht alle Kommis gelesen)
      Wurde bisher nicht erwähnt, aber stimmt ^^ Werds in meinem Dokument ändern, hier im Forum bin ich *flüster* ehrlich gesagt zu faul. :D

      Miri schrieb:

      Mit dem Anfang habe ich mich ein wenig schwer getan.
      Nicht, weil dein Stil oder so schwer wäre (im Gegenteil, du schreibst sehr klar und schön ), sondern weil ich mit der Szenerie nicht zurecht kam ... da es sich allerdings um den Übergang von Dies- zu Jenseits handelt, sei's drum XD
      Meinst du die schwammigen Beschreibungen? Die wären beabsichtigt :D
      Ich hoffe, im Diesseits passt es dann ^^

      Miri schrieb:

      Den Deal, den die Prota eingegangen ist, wäre ich niemals eingegangen ...
      Entweder bin ich tot, oder habe ein Leben, in dem mich meine Freunde, Familie und Mann nicht mehr kennen. Was irgendwie das Selbe nur blöder ist. Ich glaube, ich wäre tot geblieben und hätte einfach auf meine Familie gewartet Als VIP hätte ich dann ja eh Zutritt zu allen Etagen, denke ich
      Sie könnte ja ihre Familie aufsuchen und ihnen beweisen, dass sie/er sie ist ^^
      :whistling: :whistling: ... aber ob sie das tun wird ...


      Freut mich, dass der Versuch, "witzig" zu schreiben, ein paar Mal ganz gut geklappt hat :D
      Mittlerweile ist das mit ernsteren Passagen aufgrund der Handlung nicht immer so einfach :hmm:

      Danke für dein Kommi und
      liebe Grüße!
      liebe
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • kijkou schrieb:

      Meinst du die schwammigen Beschreibungen? Die wären beabsichtigt
      Ich hoffe, im Diesseits passt es dann
      Ja genau.
      Aber weil sie es erst ja für einen Traum hält und es sich dann als Zwischenstation entpuppt, finde ich es gar nicht mehr so schlimm.
      Musste nur erstmal reinkommen ^^
      Und im Diesseits bin ich noch nicht angekommen. Vielleicht schaffe ich es nachher mal :D

      kijkou schrieb:

      Sie könnte ja ihre Familie aufsuchen und ihnen beweisen, dass sie/er sie ist
      ... aber ob sie das tun wird ...
      Das wäre mir zu viel Arbeit :rofl:
      Ich bin viel zu faul, stelle ich gerade fest XD
      Menschen, die von sich behaupten, sie seien "positiv bekloppt", sind meistens einfach nur negativ grenzdebil.
      Patrick Salmen

      Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber nicht jeder ist Schmied.
      Till Reiners
    • Huhu ^^

      Miri schrieb:

      Ja genau.
      Aber weil sie es erst ja für einen Traum hält und es sich dann als Zwischenstation entpuppt, finde ich es gar nicht mehr so schlimm.
      Musste nur erstmal reinkommen
      Und im Diesseits bin ich noch nicht angekommen. Vielleicht schaffe ich es nachher mal
      Da würde ich mich freuen :D


      Miri schrieb:

      Das wäre mir zu viel Arbeit
      Ich bin viel zu faul, stelle ich gerade fest XD
      :hmm: Ich glaube, das kommt ganz auf die Familie an, und ob man sie wieder sehen will :D Die kann man sich nicht aussuchen, nur seine Freunde :rofl:


      LG ^^
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • Hey @kijkou
      Hab es endlich geschafft hier weiter zu lesen. Das waren drei wirklich coole und emotionale Kapitel. An sich hat es Lucian ja gut hinbekommen das mit der Beerdigung, außer dem kleinen Ausrutscher. Ich hab mich gewundert, das sie ihn eingeladen haben. Ich mein sowas macht man ja eigentlich nur im engsten Kreis. Andererseits war es für die Eltern von Alex ja auch eine Ablenkung das sie sich mit jemand für sie fremden beschäftigen konnten.
      Ich finde du hast die Gefühle von Alex wirklich gut beschrieben, so gefühlvoll. Man hätte das Gefühl als wäre man dabei gewesen.
      Das einzige was ich komisch fand, daß sich niemand gewundert hat, daß Lucian direkt ins Eltern Schlafzimmer gegangen ist. Ich würde das voll komisch finden wenn ein fremder das machen würde. Da wäre es für mich logischer gewesen, wenn er bzw. Sie gefragt hätte, wo das Bad ist um sich dort zurück zu ziehen. Die Situation, das da niemand was gesagt hat war merkwürdig

      Ansonsten wieder sehr cool, nur mit we iger Komik aber eine Beerdigung soll ja auch nicht lustig sein so unbedingt.

      LG kathamaus
    • Hi @Kathamaus ^^

      Spoiler anzeigen

      Kathamaus schrieb:

      Ich hab mich gewundert, das sie ihn eingeladen haben. Ich mein sowas macht man ja eigentlich nur im engsten Kreis. Andererseits war es für die Eltern von Alex ja auch eine Ablenkung das sie sich mit jemand für sie fremden beschäftigen konnten.
      Caroline dürfte ein großer Fan von seinen Artikeln sein und wie sie erfahren hat, dass die ein recht gutaussehender Mann schreibt, wollte sie ihn dabei haben. Alex' Mom hat vermutlich nichts gegen Ablenkung gehabt und eigentlich kann von ihnen keiner wissen, ob Lucian nicht ein guter Bekannter/Freund von Alex war. ^^


      Kathamaus schrieb:

      Ich finde du hast die Gefühle von Alex wirklich gut beschrieben, so gefühlvoll. Man hätte das Gefühl als wäre man dabei gewesen.
      Danke :love:

      Kathamaus schrieb:

      Das einzige was ich komisch fand, daß sich niemand gewundert hat, daß Lucian direkt ins Eltern Schlafzimmer gegangen ist. Ich würde das voll komisch finden wenn ein fremder das machen würde. Da wäre es für mich logischer gewesen, wenn er bzw. Sie gefragt hätte, wo das Bad ist um sich dort zurück zu ziehen. Die Situation, das da niemand was gesagt hat war merkwürdig
      Na ja, es hat ja eigentlich nur Marcus mitbekommen, wohin sie/er sich zurückgezogen hat. Die anderen sind ihm ja nicht nach. Sie hat in dem Moment nicht daran gedacht, zu fragen, weil sie ja die Beherrschung verloren hat und sie die Wohnung ja ohnehin kennt ^^
      Dass Marc es nicht für seltsam gefunden hat, schiebe ich jetzt mal auf seine Trauer :D




      Liebe Grüße <3
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • Kapitel 25


      Die Stimmen der anderen verstummen, sowie wir den Raum betreten. Ich muss ja einen tollen Eindruck hinterlassen haben.
      „Mister und Misses Preston … Ich danke Ihnen vielmals für die Einladung und Ihre Gastfreundschaft. Es tut mir leid wegen vorhin …“ Ich blicke in die Runde. „Ich war … Ich hab' nur …“
      „Alles in Ordnung. Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Wir stehen momentan alle etwas neben uns“, meint Mom verständnisvoll. „Wollen Sie etwa schon gehen?“, will sie dann etwas enttäuscht wissen.
      Nein, eigentlich möchte ich hierbleiben. Aber euch etwas vormachen zu müssen, treibt mich in den Wahnsinn! Die Art und Weise, wie ihr mich in diesem Körper anseht, ertrage ich nicht. Ich will euch so gerne umarmen und sagen, dass ich hier bin!
      „Ich bin hier …“, rutscht mir in meinem Gedankenchaos heraus.
      „Bitte?“, fragt Mom gleich nach, worauf ich bedauernd den Kopf schüttle.
      „Ja, ich – wir müssen los.“ Auffordernd sehe ich McBrady an, der sich noch ein Stück Kuchen in den Mund schiebt, bevor er schließlich aufsteht, kauend seinen Anzug glattstreicht und sich, nachdem er hinuntergeschluckt hat, bei Marc und meinen Eltern bedankt.
      Mit wenigen Worten verabschieden mein Wachhund und ich uns und Mom geht noch mit zur Tür.
      „Kommen Sie doch wieder vorbei! Ich würde mich freuen, wenn wir uns einmal in Ruhe über Alexandra unterhalten könnten“, sagt sie zu mir, als ich ihr die Hand zum Abschied reiche.
      Sie will mit Lucian über mich sprechen? Was glaubt sie denn, wie gut er mich gekannt hat?
      „Ja, das wäre nett“, entgegne ich ihr, werfe noch einen letzten Blick zu Dad und dann zu Marcus und verlasse mit McBrady die Wohnung.

      Schweigend machen wir uns auf den Weg zum Motorrad.
      Wie ich nach dem Helm greifen will, hält mich McB. zurück. „Mister Pierce, Sir, ich muss Sie …“
      „Bitte … Ich möchte nicht darüber reden“, unterbreche ich ihn.
      Wenn er mich jetzt auch noch ausfragen will, drehe ich durch.
      „Über was wollen Sie nicht reden, Sir?“
      Verwirrt starre ich in seine eisblauen Augen und kann erkennen, wie sich tiefe Furchen auf seiner Stirn darüber bilden.
      „Ich wollte Sie lediglich darüber in Kenntnis setzten, dass Mister Pierce, Ihr Vater, Sie sehen will.“
      „Wann?!“ Scheiße, das auch noch!
      „Heute Nachmittag. Er wünscht, dass Sie gegen halb fünf zu ihm ins Penthouse kommen, Sir.“
      „Warum? Was will er?“ Ich kann mich doch unmöglich mit Lucians Vater auseinandersetzen, wenn ich nicht einmal ein Treffen mit meiner eigenen Familie so ohne Weiteres überstehe!
      „Sie hatten vor etwa sechsunddreißig Stunden einen schweren Unfall und wären fast ums Leben gekommen, Sir! Finden Sie es verwunderlich, dass Ihr Vater Sie sehen möchte?“
      Gut, das ist nachvollziehbar, aber …
      „Das ist jetzt über dreißig Stunden her und mein Vater hat bis jetzt nicht einmal angerufen?!“
      „Er hat Sie nicht erreicht, Sir. Ihr Handy ist immer noch im Offline-Modus“, erklärt McBrady.
      „Das war es gestern aber nicht!“ Was für ein Vater meldet sich nicht, wenn der eigene Sohn fast draufgegangen wäre?! Mein Dad wäre sofort ins Krankenhaus gekommen, wäre mir so etwas passiert. „Nein! Sagen Sie ihm, ich bin beschäftigt.“ So einen Menschen will ich erst gar nicht kennenlernen!
      „Sir, Sie wissen ganz genau, dass das keinen Sinn hätte. Wir fahren jetzt nach Hause und machen uns um vier auf den Weg“, erwidert mein Bodyguard mit einem leichten Befehlston in seiner tiefen Stimme und setzt sich seinen Helm auf.
      Was zum Teufel war das denn?! Der sonst so ergebene Haus-Gorilla schreibt Lucian vor, wann er wo hinzugehen hat? Ist das der Einfluss von Mister Pierce Senior?
      Nachdem er schon den Motor angelassen hat, beschließe ich, diese Diskussion auf später zu verschieben.

      Als wir etwa eine halbe Stunde später in Lucians Wohnung angekommen sind, will sich der Bodyguard in sein Zimmer zurückziehen, bleibt jedoch vor der Tür stehen und wendet sich mir zu.
      „Sie haben heute eh keine Ausflüge mehr geplant, von denen ich nichts wissen soll, oder, Sir?“, fragt er skeptisch.
      „Nein“, antworte ich und verdrehe genervt die Augen.
      „Das beruhigt mich, Sir.“
      Schön für Sie!
      „Sagen Sie Bescheid, wenn Sie hungrig sind, dann bestelle ich etwas bei Armando's.“
      Mit einem kurzen Nicken signalisiere ich ihm, dass ich verstanden habe und gehe weiter ins Wohnzimmer, wo ich mich wie erschlagen auf der schwarzen Ledercouch niederlasse.
      Verdammt, was mach ich jetzt? Lucians Vater wird sofort auffallen, dass etwas nicht stimmt.
      Ich kann ja wohl kaum die ganze Zeit schweigend dasitzen und mich weigern, mit ihm zu reden.
      Wenn ich doch nur irgendetwas über Lucian wüsste …
      Wann kann ich ihn eigentlich treffen? Das hat Keefur nicht gesagt.
      Soll ich ihn fragen? Ich könnte versuchen, das Füchschen zu rufen.
      Ich muss nur seinen Namen sagen, hat er gemeint …
      Aber einfach so?

      Nicht ganz überzeugt von meinem Vorhaben stehe ich auf und gehe nach oben, hinaus auf die Dachterrasse. Ich begebe mich bis nach vorne vor die Brüstung, drehe mich um und lasse meinen Blick über die ganze Terrasse schweifen.
      Und jetzt einfach seinen Namen rufen?
      Das klingt so lächerlich und ich komme mir gerade vollkommen dämlich vor.
      Was soll's – es ist keine Menschenseele hier oben …
      Als ob ich mich mental darauf vorbereiten müsste, ziehe ich die Luft durch meine Nase ein.
      „Keefur“, spreche ich seinen Namen aus und warte ab.
      Nichts …
      War ja klar. Als hätt' ich's nicht gewusst, dass das nicht funktionieren kann.
      Hab' ich es vielleicht zu leise gesagt? Daran soll es nicht scheitern. Ich räuspere mich und hole tief Luft.
      „Verausgabe dich nicht“, ertönt plötzlich eine Stimme hinter mir.
      Sofort fahre ich herum.
      Da steht er – mit einem breiten Grinsen oben auf der Brüstung.
      „Du musst nicht schreien, ich habe ein gutes Gehör“, meint er gelassen und hüpft leichtfüßig zu mir auf die Terrasse herunter.
      „Hör mal, ich hab' ein Problem!“, komme ich gleich zur Sache.
      „Haben wir das nicht alle?“, entgegnet er achselzuckend und setzt sich die Kapuze des violetten Pullovers auf, den er jetzt trägt.
      „Komm, verarsch' mich nicht! Du hast gesagt, ich kann dich rufen, wenn was ist“, erwidere ich gereizt.
      „Da ist er wieder – der Charme der Menschen, den ich so liebe.“ Er geht hinüber zu den Sonnenliegen und lässt sich auf der rechten nieder. Die Arme hinter seinem Kopf verschränkt blickt er in den Himmel hinauf. „Was hat Alex denn für ein Problem?“, fragt er, ohne mich anzusehen.
      „Wann kann ich Lucian treffen? Ich muss heute Nachmittag zu seinem Vater. Ich kann unmöglich mit dem Mann sprechen, ohne auch nur das Geringste über Lucian zu wissen!“
      „Hmm…“, brummt der rote Fuchs und sieht mich mit seinen funkelnden grünen Augen an.
      „Hmm?“
      Mit Schwung setzt er sich auf. „Ist es hier oben immer so kalt?“
      „Verdammt, kannst du das bitte ernst nehmen?!“
      „Das mache ich doch“, entgegnet er fröstelnd.
      „Ist dir etwa wirklich kalt?“, frage ich ihn, ohne meine Skepsis verbergen zu können.
      Wieder zuckt er mit den Achseln und streift sich die Kapuze wieder ab. „Nein, aber ich bin bemüht, mich in euch Menschen so gut es geht hineinzuversetzen.“
      „Lass das!“ Ungeduldig verschränke ich meine Arme. „Was ist jetzt? Kann ich Lucian treffen oder nicht?“
      „Was das angeht …“ Keefur steht auf und kratzt sich unbeholfen an seinem rothaarigen Stachelkopf. „Das ist nicht ganz so planmäßig verlaufen, wie gedacht.“
      „Was soll das heißen?!“ Das ist jetzt nicht sein Ernst!
      „Lucian ist momentan verhindert. Heute wird es sich vermutlich nicht mehr einrichten lassen“, will er mir weismachen.
      „Verhindert? Wie?!“
      „Morgen kannst du ihn sehen. Morgen gegen Mittag im Main Street Park. Lass aber den Mann mit den großen Bärentatzen zu Hause, ja?“ Keefur faltet bittend seine Hände und grinst schelmisch.
      „Warum hab' ich ständig das Gefühl, dass dich das alles sehr amüsiert?“
      „Das weiß ich nicht, Alex“, antwortet er mit unschuldiger Miene und steckt die Hände in die Taschen seines Kapuzenpullovers.
      „Wenn ich ohne McBrady kommen soll, wirst du mich wohl hier abholen müssen. Er wird mich garantiert nicht ohne Begleitung gehen lassen.“
      „Lucian!“, hallt plötzlich eine weibliche Stimme über die Dächer.
      Ich wende mich von Keefur ab und blicke mich um.
      Tante Patricia!
      Die gläserne Terrassentür aufstemmend steht sie da – diesmal in einem gelben Blazer – und winkt mir zu. „Komm runter! Lass uns Kaffee trinken!“, ruft sie freundlich.
      „Ja, ich komme gleich!“, entgegne ich ihr und drehe mich wieder um, doch der rote Fuchs ist verschwunden.


      -----


      Mist, na dann auf zum Kaffee trinken!
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kijkou ()

    • Hey @kijkou,
      Ich wäre an ihrer Stelle auch ich länger geblieben, das macht die ganze Sache ja auch nicht gerade einfacher.
      So aufeinmal ist Lucian, wo auch immer er ist, verhindert. Hab mich sowieso schon die ganze Zeit gefragt, wie das mit dem Treffen klappen soll, wo er doch tod ist und so. Bin gespannt was dabei rauskommt und ob das Treffen wirklich statt finden kann.
      Aber gleich muss Alex ja erstmal die Situation mit dem Vater regeln, aber vielleicht bekommt sie ja aus dem tantchen was raus.
      Wundert mich aber das McB aufeinmal so ein 'keine wiederworte' Ton drauf hatte und bestimmt hat, das die beiden zum vater fahren.

      LG kathamaus
    • Hi @Kathamaus ^^
      Spoiler anzeigen

      Kathamaus schrieb:

      Ich wäre an ihrer Stelle auch ich länger geblieben, das macht die ganze Sache ja auch nicht gerade einfacher.
      So aufeinmal ist Lucian, wo auch immer er ist, verhindert. Ja, anscheinend, hat wohl wieder jemand Mist gebaut :D
      Hab mich sowieso schon die ganze Zeit gefragt, wie das mit dem Treffen klappen soll, wo er doch tod ist und so. Bin gespannt was dabei rauskommt und ob das Treffen wirklich statt finden kann.
      Es wurde ihr ja versprochen ;( Sonst läuft sie noch Amok XD

      Aber gleich muss Alex ja erstmal die Situation mit dem Vater regeln, aber vielleicht bekommt sie ja aus dem tantchen was raus.
      Wundert mich aber das McB aufeinmal so ein 'keine wiederworte' Ton drauf hatte und bestimmt hat, das die beiden zum vater fahren.
      Ja, gell? :hmm: seltsam ... Lucians Vater muss ja mächtig Druck auf ihn ausüben :whistling:
      Danke fürs Vorbeischaun und dein Kommi :love:



      Liebe Grüße <3
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • So, nachdem ich ohne Internet (ja, man ist durch die Bequemlichkeit doch sehr abhängig geworden) nichts tun konnte, außer zu schreiben... :D


      Kapitel 26




      Verdammt, wo ist er jetzt hin?
      „Lucian, kommst du?!“, drängt Tante Pierce.
      Toll, jetzt hat sie Keefur vertrieben!
      Seufzend folge ich ihr hinunter ins Wohnzimmer.
      Stimmt, sie hat mich ja gestern gefragt, ob sie wieder vorbeikommen soll.
      „McBrady hat gesagt, dass Doktor Murphy gestern Abend hier gewesen ist. Wie geht es dir heute?“, will Patricia wissen, als wir in der Küche stehen. Wieder sieht sie mich über ihre schmale Brille hinweg besorgt an.
      „Ganz gut eigentlich“, entgegne ich ihr, auch wenn mich der Gedanke an heute Nachmittag innerlich durchdrehen lässt.
      Tante Pierce stellt mir eine Tasse Kaffee hin und macht sich selbst einen Espresso. Heute hat sie ihre blonden Locken hochgesteckt, was sehr elegant aussieht.
      „Setzten wir uns an den Tisch?“
      „Ja, gut.“ Ohne darüber nachzudenken, dass Lucian anscheinend keine Milch in seinem Kaffee mag, tue ich mir welche in die bittere Brühe, worauf das Tantchen verwundert zu mir herübersieht.
      „Milch?“, fragt sie, wie es McBrady auch schon getan hat, was mich schnaubend mit den Augen rollen lässt.
      „Ja, Kalzium“, entgegne ich genervt. Warum muss man immer alles in Frage stellen, was ich entgegen Lucians üblichen Verhaltensmustern tue?
      Ich setze mich an den großen Esstisch und Patricia nimmt direkt neben mir Platz.
      „Was hast du heute noch vor?“
      Die Antwort auf diese Frage lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich will nicht zu Lucians Vater!
      „Ich …“
      „Was ist denn los, Darling? Du wirkst so blass.“
      Ich zucke zusammen, wie sie ihre Hand auf mein Knie legt.
      „Vater will mich sehen“, entgegne ich wenig begeistert.
      „Wann denn?“ Lucians Tante nimmt die Hand von meinem Knie und streicht über meinen Rücken, als wolle sie mich beruhigen.
      „Um halb fünf, hat er mir durch McBrady ausrichten lassen.“
      „Möchtest du, dass ich mitkomme?“
      „Würdest du?“ Ist das ihr Ernst? „Hast du denn Zeit?“
      Ihre rot bemalten Lippen formen ein liebevolles Lächeln. „Für dich immer, Darling.“
      Ich kenne diese Frau erst seit gestern Morgen und dennoch fühle ich mich richtig erleichtert, sie an meiner Seite zu wissen.
      „Danke …“, sage ich leise und starre in meine Tasse. Tante Patricia lässt bestimmt nicht zu, dass Lucians Vater mich auf irgendeine Art und Weise unter Druck setzt.
      „Bist du müde?“ Wieder klingt sie besorgt. „Willst du dich vielleicht etwas hinlegen?“
      Mich hinlegen? Keine schlechte Idee.
      Solange ich mich mit Lucian noch nicht ausgiebig unterhalten habe, sollte ich längere und vor allem tiefgründige Konversationen meiden. Und die Dame im gelben Blazer neben mir wirkt auf mich, als könne sie sehr tiefgründige Gespräche führen.
      „Ich war heute sehr früh wach. Etwas Schlaf würde bestimmt nicht schaden“, entgegne ich schließlich. „Aber du bist jetzt extra hergekommen“, füge ich verlegen hinzu.
      „Mach dir keine Gedanken. Ich trinke in aller Ruhe meinen Kaffee, beantworte ein paar Mails und falls mir langweilig werden sollte, rufe ich McBrady und spiele eine Partie Schach mit ihm.“ Fürsorglich streicht sie mir eine Haarsträhne hinters Ohr. „Wann soll ich dich denn wecken?“, fragt sie sanftmütig.
      McB. wollte um vier los, wenn ich mich recht erinnere und essen sollte ich vorher auch noch etwas. „Weckst du mich um Viertel nach drei?“
      Die Dame im stylischen gelben Blazer nimmt einen großen Schluck von ihrem Espresso und nickt mir zu. „In Ordnung. Geh' und ruh' dich aus, Darling.“
      Ich bedanke mich mit einem Lächeln und ziehe mich in Lucians Zimmer zurück.
      Nachdem ich mich meines Hemdes und meiner Jeans entledigt habe, lasse ich mich auf das breite Bett fallen. Ich kuschle mich in die glänzend blau bezogene Bettdecke ein und atme tief durch.
      Kurz drehen sich meine Gedanken noch darum, ob ich vielleicht doch einen weiteren Fluchtversuch starten sollte, dann schließe ich aber meine Augen und versuche zu schlafen.

      „Lucian … Es ist viertel vier, Darling“, flüstert Patricia in mein linkes Ohr.
      „Mmhh … danke“, stöhne ich verschlafen, während ich mich strecke und mich auf den Bauch umdrehen will. Da ist er wieder … Lucians Hosensoldat.
      „Möchtest du das wieder anziehen?“, erkundigt sich Tante Pierce, die das Hemd, das ich vorhin einfach auf auf die Anrichte geworfen habe, in Händen hält und ordentlich glattstreicht.
      „Ja, hatte ich vor …“ Verdammt, geh' raus!
      Ich will nicht, dass sie meinen Ständer sieht!
      „Steht mein Kaffee noch drüben?“, frage ich gut überlegt.
      „Nein, den habe ich weggeschüttet. Der wäre jetzt doch kalt, Darling.“
      Was für eine Verschwendung! Aber gut – so funktioniert mein Plan.
      „Wärst du so lieb und machst mir einen neuen?“ Ich bemühe mich, sie mit einem Hundeblick anzusehen, habe aber keine Ahnung, wie das mit Lucians Gesicht aussieht.
      „Mit Milch?“ Sie sieht mich skeptisch an, aber es hat anscheinend geklappt.
      „Ja, bitte“, antworte ich und kann es kaum noch erwarten, dass sie sich auf den Weg macht.
      Was zum Teufel ist mit seinem Penis los?! Das kann doch nicht normal sein!
      Sowie Tantchen das Zimmer verlässt, reiße ich die Decke weg und stehe auf.
      Das sieht aus, als hätte ich eine Smith & Wesson Fünfhundert in der Unterhose! Verdammt, seit wann kenne ich mich mit Waffen aus?! Aah, ist jetzt egal – ich muss dringend pinkeln!
      Breitbeinig, weil dieses Ding und der immense Druck auf der Blase sich so seltsam anfühlen, stapfe ich ins Bad und schließe ab. Ich will nicht wieder vom eisigen Blick meines Haus-Gorillas überrascht werden und Lucians Tante kann ich erst recht nicht hier gebrauchen.
      Verzweifelt stehe ich nun vor der Toilette. Inzwischen hab' ich ja schon etwas Übung im Pissen mit einem Penis, aber das scheint jetzt nicht so gut zu funktionieren, wie üblich mit einem schlaffen Schlauch. Mittlerweile steht der Soldat nicht mehr ganz so stramm, dennoch schmerzt es,
      wenn ich ihn hinunterdrücken will.
      Genug! Ich setze mich hin und lehne mich so weit vor, wie es mir möglich ist und dann, mit einem unbeschreiblichen Gefühl der Erleichterung, fängt es an unter mir zu plätschern.
      Geschafft! Auch klein Lucian scheint erleichtert zu sein, denn er beginnt sich zu entspannen.
      Nachdem ich mir die Hände gewaschen habe, werfe ich einen Blick in den Spiegel.
      Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Dieses fremde Antlitz mit diesen faszinierenden grünbraunen Augen, die manchmal eher braun sind, bis sich dann wieder das Grün durchsetzt.
      Ich muss mich dringend rasieren, bemerke ich gerade. Die Bartstoppeln kann man bald nicht mehr als 'Stoppeln' bezeichnen. Wieder etwas, vor dem es mir graut.
      Schnell wasche ich mir das Gesicht und fahre danach mit den noch nassen Händen durch das dichte Haar. Hmm… Sieht gar nicht schlecht aus, wenn seine dunkelbraune, fast schwarze Mähne locker nach hinten gestylt ist. Von diesem Look angetan sprühe ich noch etwas Festiger darüber und gehe mich anziehen.

      Zu dritt fahren wir in McBradys geräumigen Japaner über die Brooklyn Bridge in Richtung Manhattan. Der Käfer ist für mich nicht in Frage gekommen, auch wenn Tante Patricias Fahrstil der weitaus angenehmere gewesen wäre. Aber den Gorilla in diesem roten Insekt sitzen zu sehen, hätte mir jeglichen Respekt ausgetrieben.
      Auf mein viermaliges Drängen hin, haben wir unterwegs angehalten, um Hotdogs zu essen, also ist jetzt zumindest mein Magen auf das Treffen mit Mister Pierce Senior vorbereitet.
      Das Gebäude, in dem Lucians Vater haust, befindet sich am Columbus Circle und ist gigantisch. Wenn man daran hochblickt, kann man den sich spiegelnden Wolkenkratzer schräg gegenüber sehen.
      Der schwarze Honda CR-V meines Bodyguards wird gleich am Eingang vom Parkservice entgegengenommen und wir nähern uns dem verglasten Eingang, der von zwei Portiers 'bewacht' wird.
      Ich halte mich eher im Hintergrund und folge der Lady im gelben Blazer und dem MIB-Agent, die sich ausgezeichnet zu verstehen scheinen. In diesem Fall wird man es mit der Abneigung von Lucian, seinen Vater zu treffen, in Verbindung bringen und kaum annehmen, dass ich mich hier nicht auskenne.
      Sofort eilt der Concierge vom Empfang herbei und begrüßt vor allem mich aufs Herzlichste, worauf er uns zu einem der Privat-Aufzüge begleitet, in dem schon ein Liftboy wartet.
      „Guten Tag, Mister Pierce. Misses Pierce“, begrüßt der blonde Jüngling – wie klischeehaft – das Tantchen und mich. McBrady nickt er nur zu und drückt dann den Knopf zur siebenundsiebzigsten Etage.
      Mit zunehmender Höhe werde ich unruhiger. Ich fühle mich, wie wenn ich gleich zu einer Wurzelbehandlung müsste.
      Als wir oben ankommen und die Tür zu Lucians Vaters Penthouse geöffnet wird, setzt mein Herz einen kurzen Moment aus.
      „Mister Pierce … Oh, und Misses Pierce“, begrüßt uns der Hausdiener mit einem etwas überraschtem Gesichtsausdruck und bittet uns herein.
      Mister Pierce Senior schwimmt anscheinend im Geld.
      Ich lasse meinen Blick durch das mächtige Foyer wandern. Neben drei Skulpturen, bei denen ich nicht die geringste Ahnung habe, was sie darstellen sollen, schmücken eingerahmte Werbeposter den großen Vorraum. Jetzt erinnere ich mich wieder daran. Doktor Powell hat erzählt, dass Lucians Vater eine Werbe-Agentur leitet, oder sie ihm sogar gehört.
      „Sie werden bereits erwartet, Mister Pierce“, drängt der Hausdiener angespannt, der, meiner Meinung nach, wie eine schmächtige Version von McB. aussieht. Eilig führt er uns nach rechts durch einen Gang, an dessen Ende sich eine große massive Tür aus Mahagoniholz befindet. Zaghaft klopft er an und öffnet so weit, dass er seinen Kopf hineinstecken kann.
      „Mister Pierce, Ihr Sohn … und Ihre Schwester sind hier“, meldet er uns an.
      „Ja, bitte!“, ertönt eine gestresst klingende Stimme aus dem Inneren des Raums.
      Der Hausdiener tritt zur Seite und öffnet uns die Tür.
      An einem großen Konferenztisch sitzt ein Mann mittleren Alters hinter einem Laptop und blickt mit seinen rot unterlaufenen braunen Augen auf. „Lucian, da bist du ja endlich“, bemerkt er und richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm.
      Ja, ich kann die Liebe deutlich spüren!
      Nachdem der Mann mit dem ordentlich nach hinten gekämmten schwarzen Haar und dem auffälligen Leberfleck auf der rechten Wange etwas eingetippt hat, klappt er das Notebook zu und lehnt sich in seinem Sessel zurück. „Hat es dir die Sprache verschlagen? Du bist doch sonst auch immer so mitteilsam.“ Abwartend sieht er mich an.
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • So, bevor ich ins Camp fahre (3-4 Tage), lass ich euch noch einen Teil hier ^^


      Edit

      Wow, @Hikari! Danke für die krass vielen Likes :love:



      Kapitel 27


      „Guten Tag, Vater“, grüße ich ihn trocken.
      „Du auch hier, Patricia? Was verschafft mir die Ehre?“, wendet sich Mister Pierce Senior Lucians Tante zu.
      „Nachdem ich zu meinem Neffen gefahren bin, habe mir gedacht, dass ich meinem Bruder vielleicht auch wieder einmal einen Besuch abstatten könnte. Ist ja schon ein Weilchen her.“
      „Wie lange denn? Zwei, drei Jahre?“, fragt der Mann mit hochgezogenen Augenbrauen und lehnt sich nach vorne.
      „Möglich. Ist ja nicht so, als würdest du mich zu Kaffee und Kuchen einladen“, entgegnet sie freundlich und dennoch kann ich einen Vorwurf aus ihrer Stimme heraushören.
      Die beiden sind Geschwister? Kaum zu glauben – nicht die geringste Ähnlichkeit!
      „Warum hast du mich hergebeten?“, spreche ich Lucians Vater jetzt direkt an, weil ich am liebsten wieder gehen würde.
      „McBrady hat mir berichtet, wie das Gespräch mit Johnson gelaufen ist. Ich halte es für das Beste, wenn du wieder hier einziehst.“
      Wie bitte?! Bevor das geschieht, lass' ich mich freiwillig von Keefur direkt in die Hölle bringen!
      Hier hätte ich wahrscheinlich noch weniger Privatsphäre!
      „Nein.“ Lucians Stimme klingt ruhig, aber bestimmt.
      „Nein?“ Mister Pierce Senior steht auf, und sieht mich verständnislos an. „Dieser Mann will meinen einzigen Sohn tot sehen! Glaubst du, ich lass' das zu?!“, erhebt er seine Stimme.
      Aus seinem Verhalten lässt sich nicht erkennen, ob er um das Wohl seines Sohns besorgt ist, oder es ihm einfach nur nicht passt, dass sich jemand an seinem 'Eigentum' vergreift.
      „Lieb von dir, dass du dir Sorgen machst, aber wie du weißt, habe ich einen Leibwächter.“
      Verlegen rückt sich McB. seine Krawatte zurecht, als ich zu ihm hinüberblicke.
      „McBrady ist auch nur ein Mensch“, seufzt der wohlhabende Mann und kommt auf mich zu.
      Er ist fast so groß wie Lucian, bemerke ich, wie er vor mir steht. Sein Gesicht wirkt sehr gepflegt und er riecht, als hätte er in Rasierwasser gebadet. Einen so gründlich rasierten Mann hab' ich noch nie gesehen.
      Entschlossen packt er mich an den Schultern und durchbohrt mich mit seinem Blick.
      Hey, Bodyguard! Beschütz' mich gefälligst!
      „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass du eines Tages die Firma übernehmen wirst. Du hast Talent! Deine Schwester würde R.P.Vision in den Ruin treiben!“
      Ich hab' eine – nein, Lucian hat eine Schwester?!
      „Jetzt bedränge ihn doch nicht so“, mischt sich Tantchen zum Glück ein.
      „Ich bedränge ihn doch nicht!“ Schnaubend lässt mich der Mann los und geht ein paar Schritte. „Ist es für euch denn nicht nachvollziehbar, dass ein Mann sein Vermächtnis in guten Händen wissen will?“
      „Aber dafür muss Lucian doch nicht gleich einziehen.“
      Ja, gib's ihm, Tante!
      „Ich mache mir ja auch Sorgen um ihn, aber ich vertraue auch auf McBradys Fähigkeiten. Er wird nicht zulassen, dass dem Jungen etwas passiert!“, meint sie zuversichtlich.
      Der Bodyguard lockert sich seine Krawatte, als wäre ihm bei Tante Patricias Worten heiß geworden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man ständig in der dritten Person von ihm spricht.
      „Das mag schon sein, aber das Apartment in Brooklyn ist bei Weitem nicht so sicher, wie es hier wäre. Dort kann jeder ein und aus gehen, wie es ihm beliebt!“, argumentiert der Mann aufgeregt. Mit seinem hellgrauen Designeranzug erinnert er mich an einen dieser Anwälte aus der Serie, die sich Marc immer angesehen hat.
      „Kann ich darüber nachdenken?“, frage ich ihn, um das Thema vorübergehend abzuhaken.
      Lucians Vater legt die Stirn in Falten und mustert mich mit seinen braunen Augen. „Gut“, seufzt er schließlich resigniert. „Aber bis morgen will ich deine Antwort“, fordert er dann.
      Schweigend nicke ich und sehe zu Tante Patricia hinüber, die ihren Bruder beobachtend den Kopf schüttelt.
      „Gut, nachdem wir das besprochen hätten, spricht nichts mehr gegen Kaffee und Kuchen, nicht wahr, Schwesterherz?“, sagt dieser auffordernd.
      „Sehr witzig, Robert“, erwidert die schlagfertige Dame mit einem aufgesetzten Lächeln.
      „Nein, das ist mein Ernst.“ Der alte Pierce lächelt selbstgefällig und deutet uns, ihm zu folgen.

      Unbeschreiblich, wie er in seinem hellgrauen Designeranzug durch den Gang stolziert!
      Wir gehen weiter durchs Foyer, dann geradeaus, bis wir in ein großes Esszimmer kommen, wo tatsächlich ein Kuchen auf dem Tisch steht.
      Dem Hausdiener, der diesen gerade angeschnitten hat, gibt Lucians Vater ein Zeichen, er solle den Kaffee servieren.
      Wie Tante Patricia und ich Platz genommen haben, bemerke ich, dass McBrady hinter mir stehen geblieben ist. Ah, verstehe … Hier ist er bloß Personal und hat kein Anrecht auf einen Sitz am Tisch der Wohlhabenden. Der arme Kerl! Der Kuchen sieht wirklich köstlich aus!
      „Was macht die Arbeit, Lucian?“, fragt unser Gastgeber, meiner Meinung nach mit geheucheltem Interesse. In seiner Stimme liegt mehr als nur ein Hauch von Hohn.
      „Läuft“, entgegne ich wortkarg.
      „Klingt ja phänomenal!“ Kurz lacht der Mann auf und verstummt dann wieder. „Du vergeudest deine Zeit und dein Talent“, meint er ernst und sieht mich vorwurfsvoll an.
      „Denkst du, das ist der richtige Weg, ihn für dich zu gewinnen?“, meldet sich nun die Dame in Gelb zu Wort.
      Ich bin so froh, dass sie mitgekommen ist. Ohne sie wäre ich dieser Person hilflos ausgeliefert gewesen.
      „Alle Wege führen nach Rom“, erwidert der alte Pierce. „Der Junge muss nur endlich die richtige Richtung erkennen.“
      Ich weiß ja nicht, wieso Lucian dagegen ist, diese Firma eines Tage zu übernehmen, aber wenn ich verflucht sein sollte, den Rest meines Lebens in diesem Körper zu verbringen, dann wäre ich nicht gerade abgeneigt, ein riesiges Unternehmen zu besitzen.
      „Könnte ich bitte etwas Milch haben?“, frage ich den Hausdiener, wie er mir den schwarzen Kaffee serviert.
      Dieser nickt und eilt sofort in die Küche.
      Erstaunt sieht mich Lucians Vater an.
      „Was?! Milch ist gesund!“, fahre ich der Mann mit dem polierten Gesicht genervt an.
      „Du kommst immer mehr nach deiner Mutter“, bemerkt dieser und nimmt einen Schluck von seinem Kaffee.
      Ja, wo ist Lucians Mutter eigentlich? Was hat Tantchen gesagt, warum sie nicht ins Krankenhaus gekommen ist?
      „Hast du eigentlich schon einen Termin mit meinem Steuerberater vereinbart?“, will der gute Herr jetzt wissen.
      Meint er das ernst? Und so was nennt sich Vater?! Er hat bis jetzt nicht einmal gefragt, wie's mir geht – also, wie es Lucian nach diesem Unfall geht, der beinahe tödliche Folgen gehabt hätte. Seine Freundin ist sogar dabei umgekommen!
      „Tut mir leid, ist mir wohl entfallen, nachdem ich vollgepumpt mit Morphium im Krankenhaus aufgewacht bin“, entgegne ich schnippisch.
      „Ich wollte wirklich kommen, aber ich hatte gestern Früh eine wichtige Businesskonferenz.“
      „Oh, das verstehe ich natürlich vollkommen.“ Sarkasmus kommt mit Lucians Stimme erstaunlich gut rüber.
      Sowie der Hausdiener die Milch gebracht hat, nehme ich mir zwei große Stück Kuchen, von denen ich eines in meine Serviette einwickle, was der Mann mir gegenüber angestrengt versucht zu ignorieren.

      „Wann kommt eigentlich Evelyn wieder?“, fragt Patricia.
      „Als ob sie mich darüber in Kenntnis setzen würde“, antwortet Lucians Vater gleichgültig.
      Wer ist Evelyn? Lucians Mom? … Oder seine Schwester?
      „Ihr sprecht nicht mehr viel miteinander, oder?“
      „Sie wollte ja nach London gehen und dort die Geschäfte regeln, obwohl wir dazu fähige Leute gehabt hätten“, erklärt er Tante Pierce. „Sie ruft auch kaum noch an – schiebt es auf die Zeitverschiebung …“
      „Du machst es einem auch nicht unbedingt leicht“, unterbricht sie ihn etwas zurückhaltend.
      „Bitte?!“
      „Du bist ein großartiger Geschäftsmann, keine Frage! Aber was familiäre Angelegenheiten angeht … nun, die sind nicht gerade deine Stärke.“
      Völlig perplex sieht der Mann seine Schwester an, als hätte sie ihm vor aller Welt die Hose heruntergezogen. Er stellt seine Tasse zurück auf den Tisch, presst seine Lippen zusammen, zieht die Luft hörbar durch die Nase ein und atmet langsam wieder aus.
      „Wenn man bedenkt, wie wir aufgewachsen sind, kann man dir das nicht verübeln.“ Patricia seufzt.
      Wie sind sie denn aufgewachsen? Ich wüsste zu gerne, was sie meint.
      „Ich kann mich leider nicht vierteilen! Finanziell geht es uns schließlich gut – zählt das denn gar nicht?!“ Seine braunen Augen funkeln richtig vor Aufregung. „Sieh dir die Kinder an! Im Vergleich zu uns geht es ihnen ausgezeichnet! Nicht auch nur ein Mal hab' ich die Hand gegen den Jungen erhoben!“ Nun sieht er mich Bestätigung suchend an.
      Schön zu hören, dass er Lucian nicht geschlagen hat. Wenigstens etwas!
      Gleichgültig zucke ich mit den Achseln.
      „Du hast ja keine Ahnung, wie gut es dir geht“, sagt der Alte kopfschüttelnd.
      Stimmt, ich kann nicht sagen, wie zufrieden Lucian mit seinem Leben war. Ich kenne bisher nur seine Wohnung, die auf mich sehr unpersönlich wirkt – irgendwie steril. Man könnte anhand seiner Einrichtung nichts über seinen Charakter sagen.
      „Kann sein“, entgegne ich sachlich.
      „Was zum Teufel ist denn mit dir los?!“, fährt er mich plötzlich an und schlägt mit seiner Faust auf den Tisch.
      Mit großen Augen blicke ich dem furchterregenden Mann entgegen. Unter der pulsierenden Ader auf seiner Stirn fällt mir die tiefe Zornesfalte auf, mit der er locker einen Bleistift halten könnte.
      „Kann man sich mit dir überhaupt nicht mehr vernünftig unterhalten?!“
      „Jetzt brüll' ihn nicht an!“ Tante Patricia steht auf und stützt sich mit beiden Händen auf den Tisch. “Lucian hat einiges zu verarbeiten, Robert! Mich würde wirklich interessieren, wie du dich nach so einem Unfall verhalten würdest. Komm, Lucian!“, fordert sie mich auf, zu gehen.
      Das lass' ich mir nicht zweimal sagen.
      Wortlos stehe ich ebenfalls auf, nehme den eingepackten Kuchen und will meiner Retterin folgen, doch bevor wir aus dem Raum sind, höre ich das Zerschellen der Tasse, die Mister Pierce Senior vom Tisch gefegt hat.
      „McBrady, auf ein Wort!“, ruft er meinen Bodyguard zu sich, der schweigend nickt, mir noch einen Blick zuwirft, bevor Lucians Tante mich aus dem Zimmer zerrt.
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:

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    • Hey @kijkou,
      OH man was war denn das jetzt? Der Vater ist ja ein richtiger..... Du weißt schon.
      Ich meine ja ist super das er seinen Sohn nie geschlagen hat (sollte ja auch eigentlich Standard sein, dass man das nicht tut) und es ist auch super das es finanziell so richtig gut aussieht. Aber das ist doch nicht das was ein Mensch braucht. Was ist mit Liebe, Geborgenheit und einer zufluchtsstätte? Und immerhin hat Lucian gerade seine Freundin verloren... Der Vater hat nur sein Business im Kopf. Da wäre ich auch mit Tantchen weggegangen... So ein AR.....

      Aber was will er jetzt noch von McB?

      Weiter weiter weiter.

      LG kathamaus
    • Danke für die Likes @BlueRosesInMyHeart, @Cory Thain, @Kathamaus und @Hikari (Du hast ja ganz schön aufgeholt) ^^

      Kathamaus

      Kathamaus schrieb:

      Hey @kijkou,
      OH man was war denn das jetzt? Der Vater ist ja ein richtiger..... Du weißt schon. Oh, ja, das ist er!

      Ich meine ja ist super das er seinen Sohn nie geschlagen hat (sollte ja auch eigentlich Standard sein, dass man das nicht tut) und es ist auch super das es finanziell so richtig gut aussieht. Aber das ist doch nicht das was ein Mensch braucht. Was ist mit Liebe, Geborgenheit und einer zufluchtsstätte? Und immerhin hat Lucian gerade seine Freundin verloren... Der Vater hat nur sein Business im Kopf. Da wäre ich auch mit Tantchen weggegangen... So ein AR.....SCH ^^ Ja, ein richtig sympathischer Mensch.


      Aber was will er jetzt noch von McB? Gute Frage ... :whistling:


      Weiter weiter weiter. Okay :D


      LG kathamaus

      Danke für dein Kommi und liebe Grüße ^^



      Kapitel 28


      Seit mindestens zehn Minuten stehen wir schon unten in der Lobby des großen Gebäudekomplexes und warten auf den MIB-Agent. Worüber unterhält sich Lucians Vater so lange mit ihm?
      „Er kommt bestimmt gleich“, meint Tante Patricia, da sie anscheinend meine Anspannung bemerkt hat.
      „Was will er von ihm?“
      „Dein Vater ist ein sturer und stolzer Mann, Darling, aber er macht sich Sorgen.“
      „Und das ist dir woran aufgefallen?“ Skeptisch blicke ich durch ihre schmale Brille hindurch in ihre dunkelbraunen Augen.
      „Diese Ausbrüche hat er nur, wenn er befürchtet, die Kontrolle zu verlieren. Er hat Angst um dich und er liebt dich, Darling. Er kann es nur nicht zeigen.“
      Das kann er wirklich nicht, da stimme ich ihr zu. Na ja, er ist ihr Bruder … Wenn ihn einer kennt, dann vermutlich sie.
      „McBrady! Da sind Sie ja!“, ruft die Dame im gelben Blazer erfreut und winkt dem Bodyguard, der sich uns langsamen Schrittes nähert, zu.
      Was ist denn mit dem Terminator passiert?!
      Er sieht aus, als hätte Lucians Vater ihm einen Großteil seiner Lebensenergie entzogen. Keine Spur mehr von seiner sonst so aufrechten Haltung. Wie ein unterwürfiger Hund kommt er angekrochen.
      „Misses Pierce … Mister Pierce, Sir … Es tut mir leid, dass Sie warten mussten.“ Seine üblicherweise kräftige tiefe Stimme klingt auch gebrochen.
      „Was hat der Mann mit Ihnen gemacht, McBrady?“, frage ich ihn fassungslos, worauf er nur seine linke Augenbraue nach oben zieht.
      Er will es wohl für sich behalten.
      „Möchten Sie noch irgendwo hinfahren, Sir, oder darf ich Sie jetzt nach Hause bringen?“
      Wohin denn? Morgen Mittag kann ich angeblich Lucian endlich treffen. Davor will ich so wenig wie möglich mit seinem Alltag konfrontiert werden.
      „Nein“, antworte ich schließlich, sehe Patricia an und frage mich, ob sie dann gleich nach Hause fahren wird, oder noch mit hoch kommt.
      Wie sich McBrady zum Parkservice aufmachen will, halte ich ihn zurück.
      „Sir?“ Verwundert starren seine eisblauen Augen in die meinen.
      Auch sein schauderhafter Blick hat an Wirkung verloren.
      Vor mir steht ein komplett anderer Mann!
      „So steige ich nicht mit Ihnen in ein Fahrzeug“, sage ich und strecke ihm das Stück Kuchen entgegen, das ich zuvor habe mitgehen lassen.
      Zögerlich nimmt er es und schüttelt fragend den Kopf.
      „Sie sind anscheinend völlig unterzuckert. Wollen Sie in dem Zustand fahren? Essen Sie!“
      „Jawohl, Sir“, gibt er leise zurück und faltet die Serviette auf seiner linken Handfläche auseinander.
      McBrady hat wirklich richtige Bärentatzen!
      In sich gekehrt genießt er die süße Mahlzeit, wonach wir uns auf den Weg zurück nach Brooklyn machen.

      Während der Fahrt haben sich die Dame in Gelb und Special Agent McB. über Gott und die Welt unterhalten, da es durch den vielen Verkehr nur schleppend voran gegangen ist. Ich habe einstweilen so getan, als ob ich schlafen würde, um in Ruhe gelassen zu werden.
      Gegen sechs Uhr biegen wir in die Main Street ein.
      In der Parkgarage umarmt mich Tante Pierce und erkundigt sich, ob ich noch irgendetwas brauche.
      Nachdem ich ihr versichert habe, dass es mir gut geht, steigt sie beruhigt in ihr rotes Insekt und macht sich auf den Heimweg.
      McBrady und ich wechseln kein Wort miteinander, bis wir in den Aufzug steigen.
      „Sie werden nicht bei Ihrem Vater wohnen, nicht wahr?“, will er plötzlich wissen und drückt den Knopf zur zwölften Etage.
      „Nein, unwahrscheinlich … Warum fragen Sie?“
      „Ich soll Sie dazu überreden“, seufzt der Riesengorilla.
      „Schaffen Sie nicht“, entgegne ich bestimmt, woraufhin sich ein leichtes Schmunzeln auf seinem Gesicht breitmacht.
      „Ja, Sir, ich weiß.“
      Als wir den Fahrstuhl verlassen, kommt uns ein Mann mit Sonnenbrille und einem Baseballcap entgegen.
      Mit einem Nicken grüße ich ihn im Vorbeigehen und keine zwei Sekunden danach spüre ich einen heftigen Stoß im Rücken, der mich fast zu Fall bringt.
      Sofort drehe ich mich um und sehe, wie McBrady mit diesem Kerl um ein Messer ringt.
      Wie erstarrt beobachte ich das Geschehen.
      Nach nicht einmal drei gezielten Schlägen meines Bodyguards lässt der Fremde das Messer fallen.
      „Wer sind Sie und wer hat Sie geschickt?!“, brüllt McBrady den Mann an, während er ihn an die Wand drückt.
      „Ich … ich … ich hab' das Geld gebraucht“, stottert dieser eingeschüchtert. Beim Handgemenge mit meinem Beschützer hat er auch sein Cap und die Sonnenbrille verloren und jetzt starrt er McB. mit großen Augen an.
      „Wessen Geld?! Wer hat Sie angeheuert?!“
      So hab' ich ihn noch nie erlebt. Nicht einmal da, wo er gedacht hat, dass Keefur mir etwas antun will, ist er so in Rage gewesen.
      „Ich kann nicht – ich weiß es nicht!“, entgegnet der Fremde, worauf ihn mein Bodyguard zu sich hinzieht und wieder kräftig gegen die Wand stößt.
      „Das können Sie ja in aller Ruhe der Polizei erzählen.“ McBrady wendet sich nun mir zu. „Wählen Sie den Notruf, Sir“, fordert er mich auf.
      Wie ich nach dem Handy in meiner Hosentasche greifen will, bemerke ich, dass ich ganz zittrige Hände habe.
      „Nein! Bitte! Ich weiß nicht, wer der Typ war – ich schwöre!“, beteuert der Mann.
      „Sir! Die Polizei!“, drängt mich McB. abermals, doch diesmal klingt seine Stimme so verschwommen.
      Das iPhone gleitet mir aus der Hand und ich spüre, wie mir kalter Schweiß ausbricht.
      „Sir!“
      Verdammter Kreislauf! Warum muss der ausgerechnet jetzt schlapp machen?
      Noch bevor mir schwarz vor Augen wird, stütze ich mich an der Wand ab und versuche, mich langsam hinzusetzen. Neben dem Puls in meinem Kopf höre ich dumpf, wie McBrady selbst den Anruf tätigt, und dann nur noch Rauschen.

      Wie ich wieder zu mir komme, liege ich in Lucians Bett.
      „Mister Pierce, Sir …“ Mein treuer Haus-Gorilla, der anscheinend auf dem Hocker neben mir ausgeharrt hat, bis ich mein Bewusstsein wieder erlangt habe, erhebt sich sofort und reicht mir ein Glas Wasser.
      Langsam richte ich mich auf und nehme es entgegen.
      Was ist passiert? Hat er mich ins Bett getragen?
      „Danke.“ Lucians Stimme klingt schwach.
      Und da ist er wieder! McBradys bohrender Blick.
      „Wie geht es Ihnen, Sir?“
      Eigentlich fühle ich mich nur extrem müde.
      „Sie sind immer noch sehr blass. Vielleicht sollte Sie Ihre Medikamente nehmen“, meint er besorgt.
      Welche Medikamente?
      „Haben Sie heute Morgen Blutdruck gemessen?“
      Blutdruck? Vielleicht leidet er an Hypotonie – das würde die Kreislaufprobleme erklären.
      „Nein, hab' ich nicht.“ Ich hoffe wirklich, dass mich Lucian morgen über alles Wichtige in Kenntnis setzen wird. Wenn ich in diesem Körper irgendwelche Medikamente benötige, sollte ich das wissen.
      „Warten Sie, ich hole Ihnen eine Tablette.“ Engagiert eilt der Bodyguard ins Badezimmer und kommt nur kurze Zeit später mit einer Packung Midodrin zurück.
      Gut, Lucian dürfte wirklich nur niedrigen Blutdruck haben. Hätte ja auch etwas weitaus Schlimmeres sein können.
      „Tut mir leid, dass ich vorhin keine große Hilfe war“, entschuldige ich mich, nachdem ich die Tablette geschluckt habe.
      Der Mann, der selbst auf einem runden Hocker sitzend einschüchternd wirkt, legt seine Stirn in Falten und seufzt. „Ich bin nur froh, dass Ihnen nichts passiert ist, Sir.“ Seine tiefe Stimme wirkt jetzt irgendwie beruhigend.
      Wenn er nicht gewesen wäre, hätte mich dieser Mann vielleicht einfach von hinten erstochen.
      „Dieser Kerl … wurde er verhaftet?“, frage ich besorgt.
      „Ja, sie verhören ihn und melden sich, wenn es etwas Neues gibt“, klärt mich McBrady auf.
      „Gut.“ Ich blicke mich im Raum um. „Wie spät ist es denn?“, frage ich dann interessiert.
      „Kurz nach sieben, Sir.“ Er nimmt mir das leere Glas ab. „Möchten Sie noch etwas essen?“
      Ich glaube nicht, dass ich etwas herunterbekommen würde, also schüttle ich den Kopf. „Ich werde schlafen gehen, denke ich …“
      „Das ist keine schlechte Idee, Sir. Schließlich schlafen Sie schon seit Wochen immer viel zu wenig.“ War das ein Vorwurf?
      Doktor Powell hatte recht. McB. ist wirklich viel mehr Vater für Lucian, als es sein echter je sein könnte.
      Fürsorglich holt er einen von Lucians Pyjamas und legt ihn mir unten aufs Bett. „Wenn Sie etwas brauchen, Sie wissen, wo Sie mich finden“, meint er noch so sanftmütig, wie es seine brummige Stimme zulässt und geht nach draußen.

      Angestrengt krieche ich aus dem Bett und beginne mich umzuziehen.
      Was für ein Tag!
      Erst die Flucht vor meinem Leibwächter, danach mein eigenes, zutiefst enttäuschendes Begräbnis und dann erfahre ich, wer für meine missliche Lage verantwortlich ist und kann es ihm leider nicht heimzahlen, weil er mir erzählt, dass vielleicht doch wieder alles gut wird.
      Dazu muss ich lediglich herausfinden, warum er meine Seele anstatt die eines anderen mitgenommen hat – nichts leichter als das!
      Etwas später mache ich mich vor meiner Familie zum Affen und führe ein emotionales Gespräch mit meinem Mann im Schlafzimmer meiner Eltern, das früher mein eigenes war.
      An die irre Begegnung mit Mister Pierce Senior, nachdem Tante Patricia Keefur vertrieben hat, der mir für morgen eigentlich ein Treffen mit Lucian klarmachen sollte, will ich gar nicht mehr denken.
      Und als ob das alles noch nicht genug wäre, werde ich auf dem Gang vor dieser Wohnung fast erstochen.
      Wenn diese ganze Scheiße vorbei ist, sollte ich ein Buch darüber schreiben!
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:

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    • Danke für eure Likes @Cory Thain und @Hikari :D


      Und weiter geht's ^^
      Bin schon gespannt, wie euch das gefällt :whistling:


      Kapitel 29


      Das unschöne Getöse der Kaffeemaschine reißt mich aus dem Schlaf. Wie spät ist es?
      Ächzend rolle ich mich auf die rechte Seite des Bettes und bekomme nur mühsam ein Auge auf, um einen Blick auf den Radiowecker zu werfen. Kurz vor acht …
      Ich habe über zwölf Stunden geschlafen?!
      Gequält krieche ich aus dem Bett und tappe barfuß aus dem Raum, weiter durch den Flur in die Küche, wo McBrady gerade dabei ist, sich Kaffee zu machen.
      „Oh, guten Morgen, Sir. Wie geht es Ihnen heute?“, erkundigt er sich sofort.
      „Ganz gut, eigentlich … Vielleicht noch etwas benommen. Ich habe eindeutig zu lange geschlafen“, antworte ich.
      „Wollen Sie einen Kaffee, Sir?“
      „Ja, bitte.“
      „Mit Milch?“, fragt er vorsichtig.
      „Ja, McBrady, mit Milch“, entgegne ich seufzend. „Bitte.“
      Nachdem die muskulöse Haushaltshilfe meinen bitteren Morgentrunk zubereitet hat, setzten wir uns wie am Vortag vor den Fernseher.
      Eine Zeit lang lasse ich mich von den Nachrichten berieseln, bis mir der gestrige Vorfall wieder in den Sinn kommt. Vor fünf Jahren wollte dieser Johnson Lucian umbringen, haben Tante Pierce und Doktor Powell erzählt. Johnson sitzt immer noch im Gefängnis, aber dieser Unfall, bei dem Lucian gestorben ist war gar kein Unfall und der Mann gestern wurde auch von irgendjemandem geschickt.
      „McBrady …“ Sowie ich seinen Namen sage, nimmt er sofort eine schnurgerade Sitzposition ein und sieht mich aufmerksam an.
      „Warum versucht er es jetzt wieder? Warum hat es Johnson nach fünf Jahren wieder auf mich abgesehen?“, will ich wissen.
      „Eine gute Frage, Sir …“ Der Bodyguard stellt seine leere Tasse auf den Tisch vor uns und brummt nachdenklich. „Vielleicht, weil bald Ihr dreißigster Geburtstag ist?“
      „Mein dreißigster Geburtstag? Was hat der denn damit zu tun?“
      „Johnsons Sohn ist gerade dreißig geworden“, meint McBrady.
      „Sein Sohn? Ja und?“ Auf was will er hinaus?
      „Vielleicht will er, dass Sie ebenfalls in diesem Alter sterben … Ich kann nur mutmaßen, was im Kopf dieses Mannes vorgeht.“
      Johnsons Sohn ist mit dreißig gestorben? Was hat das mit Lucian zu tun?
      „Wieso sollte er das wollen?“, frage ich verwirrt.
      „Sie sind noch nicht ganz munter, Sir, oder?“, seufzt mein sanfter Haus-Gorilla, steht auf und begibt sich in die Küche.
      Was hat Lucian mit Johnsons Sohn zu schaffen?
      „Ich mache Ihnen erst einmal einen Früchtejoghurt, Sir!“, ruft McBrady mir zu, worauf ich zustimmend nicke, weil ich ohnehin langsam etwas hungrig werde.
      Etwa zehn Minuten später ruft er mich zu Tisch.
      „Sie essen nichts?“, stelle ich verwundert fest, da nur für eine Person gedeckt ist.
      „Ich wollte ja auf sie warten, Sir, aber ich habe nicht gewusst, wann Sie aufstehen werden und wecken wollte ich Sie nicht. Ich habe schon vor zwei Stunden gefrühstückt“, gibt er verlegen zu.
      Dann esse ich eben alleine. Als ob mir das etwas ausmachen würde.

      Noch bevor ich den köstliche Joghurt mit den frischen Früchten und den gemischten Zerealien aufgegessen habe, läutet es an der Tür.
      McBrady sieht mich mit seinen eisblauen Augen fragend an.
      Was?!
      „Erwarten Sie jemanden, Sir?“
      „Nicht, dass ich wüsste …“
      „Warten Sie hier!“, fordert mich mein Bodyguard ernst auf, zieht seine Waffe, die er hinten im Hosenbund getragen hat und verschwindet im Flur.
      Mein Herz beginnt aufgeregt zu schlagen.
      Wer ist das?! Noch ein Auftragskiller?
      Gespannt halte ich den Atem an und lausche, bis die Stimme meines Haus-Gorillas durch den Flur hallt.
      „Sie?!“
      Danach wieder Stille.
      Angespannt rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her. Als ich diese Unwissenheit nicht mehr ertrage und gerade aufstehen will, kommt McBrady mit dem roten Fuchs herein.
      „Alles in Ordnung, Sir“, will mich mein Bodyguard beruhigen. „Es ist nur Mister … Verzeihen Sie, mir ist Ihr Name entfallen.“ Argwöhnisch mustert er seinen Konkurrenten, der in Jeans und einem grünen Rollkragenpullover vor ihm steht.
      „Den haben ich Ihnen noch gar nicht genannt. Mein Name ist Smith“, gibt Keefur höflich zurück.
      „Natürlich!“ McB. schüttelt lächelnd den Kopf. „Sie haben nicht zufälligerweise einen Ausweis dabei, Mister Smith?“
      „Doch, selbstverständlich.“
      Hat er?
      Das Füchslein drückt ihm eine Karte in die Hand.
      Ganz genau betrachtet McBrady den Ausweis. „Secret Intelligence Service – vom MI6 also. John K. Smith …“, liest er vor. „Ihre Eltern waren wirklich sehr kreativ“, meint er immer noch nicht völlig überzeugt.
      „Nein, eigentlich nicht. Meine Mutter ist nur ein großer Pocahontas-Fan“, entgegnet Keefur sachlich.
      „Was machst du hier?“, unterbreche ich die Unterhaltung zwischen den beiden Männern.
      Nachdem ich ja erst gegen Mittag in den Main Street Park kommen sollte, frage ich mich, was er hier will.
      „Ich habe von gestern Abend gehört und war der Ansicht, Mister McBrady benötigt eine kurze Pause“, erklärt er.
      „Ich benötige ganz bestimmt keine Pause, Mister Smith“, entgegnet dieser fast schon empört.
      „Wenn Sie nicht zu hundert Prozent vollkommen fit und in Höchstform sind, gefährden Sie das Leben des jungen Mister Pierce“, argumentiert der Rotschopf, nimmt mit Schwung auf der Arbeitsfläche der Kücheninsel Platz und überschlägt seine Beine.
      „Aber …“
      „Deswegen werde ich Sie, sagen wir bis vierzehn Uhr, ablösen“, lässt Keefur ihn erst gar nicht zu Wort kommen.
      „Aber wer garantiert mir, dass Mister Pierce bei Ihnen sicher ist?“ Der MIB-Agent baut sich vor dem Seelensammler auf, verschränkt seine Arme und durchbohrt ihn mit seinem eisigen Blick.
      „Glauben Sie mir, es gibt im ganzen Universum kaum eine Möglichkeit, sicherer zu sein als in meiner Begleitung“, entgegnet dieser grinsend.
      „Sie scheinen sehr von sich überzeugt zu sein. Aber auf dem Friedhof haben Sie einen ganz anderen Eindruck auf mich gemacht, Mister Smith.“ McBradys tiefe Stimme verursacht mir immer noch Gänsehaut.
      „Wenn Sie mir nicht glauben, dann entsichern Sie Ihre Waffe und schießen Sie auf mich“, sagt der Fuchs jetzt todernst.
      Special Agent McB. starrt ihn skeptisch an.
      „Na los!“, fordert der Rothaarige ihn ungeduldig auf.
      Ist das sein Ernst? Wie will er dem Bodyguard erklären, warum er nicht draufgeht, wenn auf ihn geschossen wird?
      Moment! Ist er überhaupt unverwundbar oder gar unsterblich? Wenn nicht, wäre diese Aktion ziemlich dämlich von ihm.
      Keefur sieht beleidigt zu mir herüber, als hätte er wieder in meinen Gedanken herumspioniert, dann deutet er auf die Glock in McBradys Hand.
      „Sie wollen das wirklich?“, will sich dieser vergewissern.
      „Jetzt machen Sie schon, bevor ich es mir anders überlege!“ Keefur breitet erwartungsvoll seine Arme aus.
      Zögernd richtet der Bodyguard seine Waffe auf sein grinsendes Ziel und entsichert sie. Man merkt, wie er mit sich ringt. Schweißperlen bilden sich auf seiner in Falten gelegten Stirn und auch sein Finger wirkt nicht gerade ruhig.
      „Machen Sie schon!“, brüllt Keefur, woraufhin McB. zwar den Abzug drückt, sich jedoch kein Schuss löst.
      „Was zum …“ Wiederholt versucht er zu schießen, doch es passiert nichts. Analysierend betrachtet der verblüffte Mann nun die Glock von allen Seiten.
      „Ihre Waffe ist in Ordnung“, versichert Keefur ihm.
      „Wie machen Sie das?“
      „Wenn ich Ihnen das sagen würde, müsste ich Sie mitnehmen. SIS-Geheimnis, Sie verstehen …“
      „Diese Engländer mit ihren Tricks“, seufzt McBrady, sichert die Waffe und steckt sie wieder weg.
      „Also … Gewähren Sie mir nun, die nächsten fünf Stunden auf ihren Schützling aufzupassen?“, fragt Keefur drängend und kratzt sich am Hinterkopf.
      Der blonde Mann atmet tief durch, bevor er in seine Hemdtasche greift. „Wenn irgendetwas sein sollte …“ Er drückt ihm eine Visitenkarte in die Hand. „Versprechen Sie mir, sich sofort zu melden!“
      Das Füchslein salutiert spielerisch, springt auf und steckt die Karte in seine Gesäßtasche. Dann kommt er zu mir herüber, beäugt meinen grauen Satinpyjama und zieht seufzend die Augenbrauen hoch. Schmunzelnd schüttelt er den Kopf und räuspert sich. „Also gut, Pierce … Wenn du dich dann bitte anziehen würdest. Wir machen einen kleinen Spaziergang.“
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • Neu

      Also @kijkou ...
      *lässt die Pfoten? knacken*

      Ich hab es sehr genossen, deine Geschichte bis hierher zu lesen. Und ich hoffe, schnell noch mehr lesen zu können :D
      Du hast die Problematiken, mit denen sich Alex rumschlagen muss, sehr gut rübergebracht. Die neuen Eindrücke ihres neuen Lebens und natürlich des neuen Körpers :grinstare:
      Ich musste doch ziemlich lachen, wie du ihre Probleme mit ihrem ... Schlauch beschrieben hast :D
      Hoffentlich braucht sie am Ende für das Ding nicht noch einen Waffenschein :rofl:

      Natürlich stellen sich mir nun zwei wichtige Fragen:
      Wen hat Keefur an ihrer Stelle leben lassen? Und wie wird wohl das Gespräch mit dem richtigen Mister Pierce laufen? 8o
      Hoffentlich ist er nett, nicht so wie der Senior xD

      Ich mag jedenfalls die Tante, sie wirkt so liebevoll und nett ^^ McB kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen. Ich hab da immer so eine Mischung aus nem recht kuhlen Typen und diesem Herrn hier im Kopf:


      Jedenfalls bin ich schon gespannt, wie es denn mit Alex weitergeht und vor allem will ich mehr von dem Psychiater wissen xD


      eine amüsierte Wölfin ^^

      Hikari

      Keen to the scent, the hunt is my muse
      A means to an end this path that I choose
      Lost and aloof are the loves of my past

      WAKE THE WHITE WOLF, remembrance at last
    • Neu

      Hey @Hikari :D
      Danke für dein Kommi ^^
      Spoiler anzeigen

      Hikari schrieb:

      Also @kijkou ...
      *lässt die Pfoten? knacken*
      Tu dir nicht weh :D


      Ich hab es sehr genossen, deine Geschichte bis hierher zu lesen. Und ich hoffe, schnell noch mehr lesen zu können :D
      Ich bin dran ^^

      Du hast die Problematiken, mit denen sich Alex rumschlagen muss, sehr gut rübergebracht. Die neuen Eindrücke ihres neuen Lebens und natürlich des neuen Körpers :grinstare:
      Ich musste doch ziemlich lachen, wie du ihre Probleme mit ihrem ... Schlauch beschrieben hast :D
      Hoffentlich braucht sie am Ende für das Ding nicht noch einen Waffenschein :rofl:
      Schauen wir mal, ob sie das "Teil" in den Griff bekommt XD


      Natürlich stellen sich mir nun zwei wichtige Fragen:
      Wen hat Keefur an ihrer Stelle leben lassen?
      Ja, das sollte sie herausfinden, wenn sie wieder aus diesem Körper heraus will :D
      Und wie wird wohl das Gespräch mit dem richtigen Mister Pierce laufen? 8o
      Hoffentlich ist er nett, nicht so wie der Senior xD
      Wirst du sehen :whistling: :whistling:


      Ich mag jedenfalls die Tante, sie wirkt so liebevoll und nett ^^ McB kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen. Ich hab da immer so eine Mischung aus nem recht kuhlen Typen und diesem Herrn hier im Kopf:

      Das Pic ist der Hammer :rofl: aber ganz so stell ich ihn mir nicht vor XD


      Jedenfalls bin ich schon gespannt, wie es denn mit Alex weitergeht und vor allem will ich mehr von dem Psychiater wissen xD
      Am Dienstag hat sie/er wieder nen Termin, jetzt hängen wir noch mitten im Sonntag ^^

      eine amüsierte Wölfin ^^

      Hikari
      Danke dir ^^
      Liebe Grüße <3


      Und gleich mal weiter .... :D




      Kapitel 30


      „Du hast mich ganz schön überrascht, hier einfach aufzutauchen“, sage ich, als sich die Aufzugtür hinter uns geschlossen hat.
      „Aber hast du nicht gesagt, ich müsse dich abholen, Alex?“ Keefur neigt erwartungsvoll den Kopf zur Seite.
      „Ja, aber ich hab' nicht gedacht, dass …“ Ich verstumme und seufze. „Warum bist du eigentlich verschwunden? Hättest du Tante Pierce wie ein normaler Mensch begrüßt, dann hätten wir unser Gespräch in Ruhe beenden können.“
      „Nein, diese Dame ist mir unheimlich. Wie sie mir bei diesem Arzt gleich mit der Pistole hinterher ist …“ Der Fuchs reißt die Augen auf. „Ich habe fast gedacht, das war's jetzt“, spricht er mit ernster Miene, aber grinst dann plötzlich.
      Macht er nur Spaß?
      „Um auf deine Frage von vorhin zu antworten …“, beginnt Keefur. „Ich bin verwundbar und ich kann sterben. Na ja, dieser Körper kann es.“
      „Falls du mich damit beruhigen willst … Du erreichst damit eher das Gegenteil“, entgegne ich ihm kopfschüttelnd. „Dadurch fühle ich mich nicht gerade sicherer in deiner Gegenwart, als in der von McBrady.“
      Der rote Fuchs schürzt die Lippen und verschränkt seine Arme. „Du hast doch gesehen, dass der Mann mit den Bärentatzen nicht auf mich schießen hat können, Alex.“
      „Das stimmt … Wie hast du das gemacht?“, frage ich neugierig.
      „Wie ich das …? Also, das wäre zu viel Information für den menschlichen Verstand. Erinnerst du dich, wie ich dich auf dem Friedhof davon abgehalten habe, alles auszuplaudern?“
      „Ja, ich hab' mich kaum bewegen können, aber …“
      „So ähnlich hat das mit dem Bodyguard funktioniert.“
      Die Fahrstuhltür öffnet sich und Keefur steigt aus.
      „Aber wie hast du …?“, will ich fragen, während ich ihm aus dem Gebäude folge, doch er fährt blitzartig herum und deutet sich mit dem Zeigefinger auf die Lippen.
      „Nicht hier, Alex!“
      „Wo gehen wir jetzt überhaupt hin? In den Park?“, möchte ich wissen.
      Wieso geht der Kerl so schnell? Sonderlich groß ist er nicht, dennoch habe ich trotz meiner längeren Beine Schwierigkeiten, mit ihm mitzuhalten.
      „Ja, das habe ich dir doch gestern schon gesagt.“
      „Hey, und warum hat dich McBrady dann überwältigen können?“, hake ich auf dem Weg zum Park weiter nach. Das lässt mir keine Ruhe. Dieser Auftragskiller gestern hat mir deutlich gemacht, dass das Leben im Körper von Lucian Pierce alles andere als ungefährlich ist.
      Keefur zuckt mit den Achseln.
      „Oder war das nur Show, damit McB. glaubt …“
      „Nein, das war keine Show, Alex. Der Mann ist eindeutig stärker als ich.“
      „Und wie zum Teufel willst du mich dann beschützen?!“, werde ich laut.
      „Scht!“, zischt mich der Seelensammler mit den stacheligen roten Haaren an. Dann huscht er um die Ecke zwischen zwei Gebäuden und bedeutet mir, näher zu kommen. „Ich kann mich nicht auf so viele Dinge gleichzeitig konzentrieren“, spricht er leise. „Ich war damit beschäftigt, deine Gedanken zu lesen, sowie die des Schützen, den ich unterdessen davon abhalten musste, dir in den Kopf zu schießen. Nachdem die Intentionen deines Bodyguards weit davon entfernt waren, dir etwas antun zu wollen, hatte ich diesen vorerst ignoriert.“
      Schütze?! Da war ein Schütze?! Wo?!
      „Keine hundert Meter von deinem Grab entfernt, Alex.“
      „Raus aus meinen Gedanken! Kozentrier' dich lieber auf unser Umfeld!“, fahre ich ihn nervös an.
      „Kein Grund zur Panik – alles ruhig. Keiner verfolgt dich“, meint Keefur und sieht sich peinlich berührt um.
      „Dieser Schütze … war das der gleiche Kerl, der mich abends abstechen wollte?“
      „Unwahrscheinlich. Der Schütze hat dich gestern verfolgt, seitdem du das Haus verlassen hast. Auf dem Friedhof nach dem Versuch, dich zu töten, habe ich eine kurze Unterredung mit ihm gehabt, worauf er in ein Spa außerhalb der Stadt gefahren ist. Er wird erst heute verwirrt feststellen, wo er sich befindet“, erklärt das Füchslein.
      „Hast du ihn hypnotisiert oder so?“
      „Hypnotisiert … Nicht direkt, aber so ähnlich kannst du es dir vorstellen, Alex.“ Er grinst und seine schwarz akzentuierten grünen Augen funkeln stolz.
      Ich frage mich, ob Lucian schon im Park ist. Gestern hat Keefur noch gesagt …
      „Gegen Mittag, ich weiß.“
      „Lass das, verdammt!“
      „Kleine Planänderung. Lucian kann in seiner jetzigen Position leider nicht immer so, wie er gerne möchte“, seufzt Keefur.
      „Was soll das heißen?“ Was hat er denn jetzt wieder vergeigt?
      „Also diesmal kann ich wirklich nichts dafür. Yaahen ist für das Organisatorische verantwortlich."
      Der graue Sesselpupser, war ja klar!
      Der Rotschopf blickt sich um und folgt der Straße bis zum Ende, an dem sich bereits der Park befindet.
      Ich werde immer aufgeregter. Gleich werde ich den Mann treffen, dessen Prachtkörper ich seit über zwei Tagen bewohne.
      „Ja, zugegeben – dieser Mensch hat wirklich auf sein Äußeres geachtet, aber im Vergleich zu meinem Körper …“
      „Kefuur!“
      „Ja, wirklich! Du solltest ihn einmal nackt sehen …“
      „Verschwinde aus meinen Gedanken!“

      Sowie wir den Park betreten haben hält der Rotschopf an.
      „Was ist?“, frage ich leicht beunruhigt.
      „Scht!“, zischt er und hält mir seine Hand vors Gesicht.
      Was ist los?
      „So, der Park ist sicher. Niemand hier will dir etwas antun. Ich bleibe hier, um ganz sicher zu gehen. Momentan kümmert sich Tiiheb um mein Areal, also kann ich mich auf dich konzentrieren.“
      „Und was soll ich jetzt machen?“ Soll ich mich jetzt etwa alleine auf die Suche nach Lucian machen?!
      „Er wird dich finden. Schließlich weiß er, wie du aussiehst.“ Der rote Fuchs streckt sich und macht es sich auf einer Parkbank bequem. „Na los! Mach einen Spaziergang, damit er dich sieht.“
      „Und warum kommst du nicht mit?“
      „Weil …“ Er kratzt sich nachdenklich am Hinterkopf. „Ich habe so alles besser unter Kontrolle“, entgegnet er, schließt seine Augen und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen.
      Der Kerl ist mir ein echtes Rätsel.

      Langsam gehe ich durch den Brooklyn Bridge Park im Main Street Bereich. Ich mustere angespannt die Leute, denen ich begegne, bis mir in den Sinn kommt, dass ich keine Ahnung habe, ob Lucians Seele überhaupt in einem menschlichen Körper steckt. Vielleicht schwirrt hier ja irgendwo eine Lichtblase herum.
      Nein, das hätte Keefur mir bestimmt gesagt, beziehungsweise würde ihn das nervös machen. Er will ja auch nicht, dass ich in der Öffentlichkeit über all das hier spreche.
      Jedes Mal, wenn jemand seinen Blick auf mich richtet, beginnt mein Herz wie wild zu schlagen und das geht eine ganze Weile so.
      Mittlerweile bin ich bestimmt schon zwanzig bis dreißig Minuten wie ein Irrer durch den Park gelatscht und habe Lucian immer noch nicht gefunden. Erschöpft setze ich mich auf eine der großen Steinstufen am Pebble Beach und lasse meinen Blick zwischen der Brooklyn und der Manhattan Bridge über den East River schweifen.
      Als hätt' ich's nicht gewusst, dass man sich auf diesen rothaarigen Freak nicht verlassen kann …
      „Entschuldigen Sie!“, spricht mich eine weibliche Stimme von hinten an.
      Ist er das?!

      Ich drehe mich um und erblicke eine junge Frau mit einem eingegipsten Arm.
      Haben sie dem armen Lucian etwa auch das falsche Geschlecht verpasst?
      Sie ist hübsch, hat wunderschöne blaue Augen und gewelltes aschblondes Haar … und obwohl sie eine Jacke trägt, kann ich erkennen, dass sie gewaltige Brüste haben muss.
      „Hallo, hier oben!“, fordert sie mich auf, ihr wieder in die Augen zu sehen.
      „Bist du – sind Sie …?“
      „Verzeihen Sie die Störung, aber haben Sie vielleicht einen kleinen Yorkshire Terrier gesehen? Er ist mir vor etwa fünf Minuten entwischt“, fragt mich die junge Schönheit.
      Ist wohl doch nicht Lucian … Wie schade!
      „Nein, tut mir leid. Falls ich ihn sehe … Ich könnte Sie anrufen“, biete ich der Frau an.
      „Netter Versuch!“ Sie verschränkt ihre Arme, was mit dem Gips etwas witzig aussieht.
      „Oh, nein, so hab' ich das nicht gemeint.“ Ich stehe auf und schüttle amüsiert über mein eigenes Angebot den Kopf. „Das ist jetzt falsch rübergekommen, befürchte ich.“
      Skeptisch mustert die junge Frau mich, zückt eine Visitenkarte und reicht sie mir.
      Hope's Hair Salon. Gar nicht weit von hier.
      „Arbeiten Sie da?“, frage ich freundlich.
      „Der Laden gehört mir. Auch wenn sie Spongebob nicht finden sollten, kommen Sie doch mal vorbei!“, entgegnet sie und geht weiter.
      Was für eine Frau! So gerne würde ich ihren knackigen Hintern anfassen, der in dieser engen Jeans steckt und beim Gehen hin und her wackelt.
      Was zum Teufel …! Ich muss diese Hormone in den Griff kriegen!
      Möglichst unauffällig setze ich mich hin, da Klein Lucian gerade wieder dabei ist, sich selbstständig zu machen.
      Zwei Meter neben mir sitzt ein Junge, der verstohlen immer wieder zu mir herüberschaut und ein Grinsen nicht verkneifen kann. Hat er es etwa gesehen?!
      Er macht sich bestimmt über mich lustig. Ein kleiner Bengel, vielleicht zwischen acht und zehn Jahre alt, lacht mich aus. Wunderbar!
      Ich habe meinen heutigen Tiefpunkt erreicht und es ist noch nicht einmal Mittag! Mir reicht's!
      Sobald der Hosensoldat wieder schläft, geh' ich nach Hause.
      „Ist alles in Ordnung, Mister?“, wendet sich der Junge jetzt an mich und rutscht zu mir herüber.
      Ach, hau doch ab! Wenn dir langweilig ist, dann geh' doch Enten füttern oder lass dir ein iPhone kaufen!
      Ich lege meine Hände locker auf meinen Schoß, um die Ausbuchtung zu verstecken, die zum Glück schon dabei ist, abzuschwellen, und sehe den schwarzhaarigen Jungen an.
      „Die Dame vorhin hat Ihnen gefallen, nicht wahr?“, will er grinsend wissen. Seine dunkelbraunen Augen starren mich eindringlich an.
      „Hast du niemanden zum spielen?“, frage ich ihn genervt.
      „Dafür hab' ich keine Zeit“, entgegnet er kurz und knapp und schielt auf die Karte von dem Hair Salon, die ich immer noch in Händen halte. „Untersteh' dich, dort hinzugehen.“
      „Wie bitte?“
      „Wenn du dir die Haare nachschneiden lässt, gehst du nur zu Fabio Scalia und fragst nach Maxime. Der weiß, was er tut“, erklärt mir der Kleine. „Und sieh das nächste Mal in den Spiegel, bevor du das Haus verlässt!“
      „Was … was willst du von mir?“ Dieses Kind … „Bist du Lucian?“
      :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :zombie: :minigun:
    • Neu

      @kijkou Ich bin jetzt am Aktuellsten fertig geworden mit lesen.
      Spongebob? dein ernst.

      Mir gefällt es sehr gut, hoffe es kommen viele weitere.

      kuss kuss.
      Geh durch das Große Tor, zum Diamanten Baum.
      Er sagt, sagt, was zu tun ist.
      Helf mir, helf mir, deine mutter zieht mir kraft.
      Das Böse nagt an meinen Wurzeln. Beseitigte es, sofort.
    • Neu

      Ist es jetzt wirklich so weit? :D Trifft Alex jetzt wirklich auf den "Verleiher" ihres Körperst?



      Kapitel 31


      „Ja, leider“, entgegnet der Junge und blickt sich verunsichert um.
      Sie haben seine Seele in ein Kind gesteckt! Diese Stümper!
      „Was haben sie dir gesagt, warum du hier bist?“, frage ich ihn zurückhaltend.
      „Nicht viel …“ Er reibt sich die Nase und sieht mich an. „Eine Frau sei gestorben, obwohl ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Jetzt soll sie in meinen Körper zurückgeschickt worden sein und Hilfe benötigen.“ Skeptisch mustert er mich.
      „Tut mir leid …“, entschuldige ich mich leise. Irgendwie fühle ich mich schuldig in seiner Gegenwart, obwohl Keefur derjenige ist, der für das alles die Verantwortung trägt.
      „Ich bin ja nicht deinetwegen gestorben …“, seufzt er. „Autounfall, richtig?“
      Wortlos nicke ich.
      „Den Aufprall habe ich noch gespürt … und die Schmerzen. Danach war es eine Zeit lang dunkel und das Nächste, das ich gesehen habe, waren zwei Lichtkugeln vor mir und eine rote Tür.“
      „Und dahinter dann einen grauen Kerl mit einer Vorliebe für Akten?“
      „Mag sein. Auf mich hat dieser Yaahen einen eher nervösen Eindruck gemacht. Er hat mir erklärt, dass ich gestorben bin, was zunächst ein ganz schöner Schock gewesen ist … Ich hab mich dann aber schnell mit dem Gedanken abgefunden.“
      „Und was war dann?“, will ich wissen.
      „Yaahen hat mich der dritten Etage zugewiesen, wo sich um mich eine Art Körper materialisiert hat. Ein Gebilde aus Energie, würde ich es beschreiben. So ähnlich wie Yaahens graue Gestalt, nur mit mehr Struktur“, erzählt der Junge.
      Da kann ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen, aber irgendwann werde ich es vermutlich selbst sehen.
      „Nachdem ich mich einigermaßen an diesen federleichten Körper gewöhnt habe, bin ich in Yaahens Büro gerufen worden. Dort haben er und einer seiner Vorgesetzten mich darüber in Kenntnis gesetzt, dass mein Körper ausgewählt worden ist, um eine Seele ins Diesseits zurückzubringen. Sie wollten mich ebenfalls wieder hierher schicken, um dir zu helfen, dich in meinem Leben zurechtzufinden.“
      „Und … das war okay für dich?“, frage ich Lucian feinfühlig.
      „Ob das okay für mich war?“ Der Mann in Gestalt eines Jungen lehnt sich zurück und stützt sich auf seine Ellenbogen. „Was für eine Frage! … Wie soll ich dir darauf antworten?“ Seufzend streckt er seine Beine aus. „Ich bin gestorben. Das ist … beschissen. Aber ja, gut – so ist das Leben. Irgendwann müssen wir alle einmal gehen, nicht wahr? Ich habe es akzeptiert gehabt, denn ändern kann man es ohnehin nicht, habe ich zumindest gedacht. Eigentlich wollte ich ablehnen, obwohl es verlockend gewesen wäre, meine Schwester, meine Tante, McBrady und einige meiner Freunde wiederzusehen.“
      Das klingt fast so, als würde er, abgesehen von einigen Personen, sein Leben kein bisschen vermissen …
      „Dann haben sie gesagt, wenn ich dir helfen würde, schicken sie mich danach in die vierte Etage, wo sich meine Cousine und jetzt auch Isabelle befinden. Also habe ich eingewilligt.“
      „Was?! Du musst wieder zurück? Kannst du mit ihnen keinen Deal machen, um hierzubleiben?“
      Lucian schüttelt seinen Kopf. „Was soll ich denn hier im Körper eines kleinen mexikanischen Jungen?“, meint er frustriert. „Er hat zwar eine liebevolle Mutter, die ich nur verstehe, wenn sie nicht Spanisch mit mir spricht, aber noch einmal von vorne anfangen …?“
      „Aber wenn ich herausfinde, wer an meiner Stelle hätte sterben sollen, bekomme ich einen neuen Körper. Na ja, eigentlich eine Kopie meines alten. Dann kannst du vielleicht in deinen wieder zurück!“, erwidere ich.
      Nach kurzem Überlegen folgt abermals ein Kopfschütteln. „Nein“, entgegnet er richtig wehmütig. „Lassen wir das!“ Er steht auf und deutet auf meinen Schoß. „Sollte jetzt wieder gehen, oder?“

      Wie peinlich!
      „Ja.“ Ich erhebe mich ebenfalls. „Sag mal … Was stimmt denn mit deinem Penis nicht?“, will ich jetzt leise wissen.
      „Was bitteschön soll mit meinem Penis nicht stimmen?!“, fragt er viel zu laut und zieht damit einige verwunderte Blicke auf uns.
      „Geht's noch auffälliger?“, zische ich flüsternd und habe das Gefühl, knallrot anzulaufen. „Es ist … also … er wird ständig hart. Das ist doch nicht … normal“, erkläre ich dem Jungen vor mir.
      „Das nennt man potent“, entgegnet dieser, sieht sich um und deutet mir, ihm zu folgen.
      „Ja, sehr potent …“, stimme ich zu, während ich neben ihm herlaufe. „Aber dass er sich gleich aufbäumt, wenn ich in der U‑Bahn Möpse sehe – oder diesen Knackarsch zuvor, das ist schon sehr grenzwertig.“
      Lucian lacht. „'Grenzwertig' sagst du. Das liegt aber an dir, meine Liebe. So hat mein bestes Stück zuletzt reagiert, als ich noch keine siebzehn gewesen bin.“
      „Wie meinst du das?“ An mir soll das liegen?!
      „Nun, du bist ja schließlich kein erfahrener 'Penisträger', wenn ich das so sagen darf. Vermutlich kann man dich aufgrund dieser Begebenheit mit einem notgeilen Teenager vergleichen.“ Der schwarzhaarige Junge tut sich schwer, sich das Grinsen zu verkneifen.
      „Schön, dass dich das amüsiert.“ Was muss ich denn noch alles über mich ergehen lassen? „Sag mir lieber, was ich dagegen tun kann, anstatt dich darüber lustig zu machen! Das ist extrem störend in der Öffentlichkeit.“
      Lucian bleibt stehen und blickt ernst zu mir hoch. „Du musst Druck abbauen, ist doch logisch.“
      „Meinst du …? Nein, oder?!“
      „Du kannst es auch einfach ignorieren.“ Er zuckt mit den Achseln.
      „Als hätte ich das nicht versucht!“ Ich kann doch nicht – nein, ich will nicht! Ich hab' mich erst mit Müh' und Not ans Pinkeln gewöhnt …
      „Dann wird dir nichts anderes übrig bleiben, als dem Drang nachzugeben. Sofern du dich nicht in prädestinierter Gesellschaft befindest, musst du da leider alleine durch“, meint er mit einem schadenfrohen Schmunzeln im Gesicht. „Ich kann dir dabei in meinem jetzigen Zustand ja wohl schlecht helfen …“
      Es ist seltsam, mit einem Kind über so etwas zu sprechen. Auch, wenn ich weiß, dass es Lucian ist, der in diesem kleinen Körper steckt.
      „Es ist furchtbar, im Körper eines Mannes gefangen zu sein!“, gestehe ich ihm.
      „Ich habe es meist so gehandhabt, dass ich mich morgens erleichtert habe. Entweder nach dem Aufwachen oder unter der Dusche.“
      „Hast du keine Angst gehabt, dass der Bodyguard plötzlich vor dir steht?“
      „McBrady?“, fragt Lucian überrascht. „Und wenn schon! Das macht jeder Mann, selbst er. Das muss dir nicht peinlich sein.“
      Das sagt er so leicht. Ich weiß ja nicht, wie das bei Männern so ist. Wenn die Herren das als Gruppenaktivität sehen, sei es ihnen gegönnt. Wir Frauen sind da lieber unter uns.
      „Was ist eigentlich mit dir und diesem McB.?“, lässt mich meine Neugierde jetzt nicht mehr los.
      „'McB.'? Was soll mit ihm und mir sein? Hat er irgendetwas gesagt?“ Der Junge sieht mich aufmerksam an.
      „Nein, nicht wirklich, aber für einen Bodyguard kümmert er sich ein wenig zu gut um mich – oder dich … für meinen Geschmack.“
      „Ach, das meinst du.“ Lucian seufzt. „Ja, McBrady kann eine ziemlich große Nervensäge sein“, meint er lächelnd.
      „Und das ist noch schwer untertrieben.“
      „McBrady wird, nehme ich an, nicht das einzige Problem sein, das dir zu schaffen macht, Frau in meinem Körper – oder soll ich dich jetzt Luke nennen?“
      „Luke? Ist das dein Spitzname?“
      „Mein Schwesterchen und einige meiner Freunde nennen mich Luke. Ich habe den Namen 'Lucian' eigentlich noch nie gemocht.“
      „Ich finde 'Lucian' nicht schlimm … eigentlich sogar schön, verglichen mit 'Azariah'“, bemerke ich grinsend.
      „Den habe ich schon seit Jahren niemanden mehr sagen hören“, entgegnet er augenrollend. „Ich weiß bis heute nicht, ob mich mein Vater oder meine Mutter damit strafen wollte.“
      „Ich heiße Alexandra, oder einfach 'Alex'. Wie war denn der Name des Jungen, in dessen Körper du steckst? Ist hier draußen bestimmt besser, die Namen unserer Körper zu benutzen.“
      „Javier, glaube ich … Das steht auf seinen Schulsachen – Javier Velez. Seine Mutter ruft mich aber auch ganz oft 'Mi‑ho', also bin ich mir nicht ganz sicher.“
      „'Mijo'? Das sagt man im Spanischen doch zu seinen Söhnen. Heißt, glaub' ich, soviel wie Schatz oder Liebling.“ Die Mexikanerin, die über uns wohnt, ruft ihren nervtötenden dreckigen Rotzbengel auch immer so.

      „Kann ich dich etwas fragen, Alexandra?“ Lucian klingt wieder ganz ernst. Trotz seiner kindlichen Stimme habe ich nicht das Gefühl, mit einem kleinen Jungen zu sprechen.
      „Ja, natürlich.“
      „Der Unfall … Was ist da genau passiert?“, will er wissen.
      „Es war kein Unfall“, entgegne ich leise. „McBrady hat herausgefunden, dass du und Isabelle verfolgt worden …“
      „Was?!“, unterbricht er mich entsetzt. „Wer?! … Warum?!“
      „Johnson hat das geplant gehabt.“
      Lucian wird trotz der gesunden Bräune des mexikanischen Kindes aschfahl, nachdem ich Johnson erwähnt habe.
      „Aber der – der sitzt doch im Gefängnis“, haucht er fassungslos.
      „Ja, er hat auch zwei Auftragskiller angeheuert. Einer wollte mich auf dem Friedhof erschießen, was dieser Seelensammler, der mich quasi überwachen soll, verhindern hat können und der andere hat uns vor deiner Wohnung aufgelauert“, erzähle ich ihm.
      Lucian hält an und setzt sich auf eine Parkbank und starrt auf den Boden. „Was ist passiert?“, fragt er, nachdem ich mich zu ihm gesetzt habe.
      „Der Mann wollte mich abstechen, aber McB. ist dazwischenge…“
      „Ist McBrady in Ordnung?!“, unterbricht Lucian mich besorgt.
      „Ja, ihm ist nichts passiert … denke ich. Dein Kreislauf hat schlappgemacht, aber wie ich wieder zu mir gekommen bin, schien alles okay zu sein.“
      „Gut …“ Erleichtert atmet er aus und rauft sich seine leicht gewellten schwarzen Haare. „Dass Johnson es früher oder später wieder versuchen würde, damit habe ich immer gerechnet. Er hat es tatsächlich wahrgemacht. Dieser Mistkerl hat mich doch tatsächlich umgebracht.“ Das ironische Lächeln, das sich auf seinem Gesicht ausbreitet, erscheint mir fast schon makaber.
      „Warum … Was hat Johnson gegen dich?“ Das frage ich mich schon die ganze Zeit und endlich bekomme ich meine Antworten.
      „Gegen mich? Nichts. Die Verantwortung dafür trägt ganz allein mein alter Herr“, entgegnet er richtig apathisch.
      „Dein Vater ist schuld daran?!“
      „Dios mío! Da bist du ja!“, hallt eine aufgebrachte Stimme plötzlich über die Wiese. Eine dunkelhaarige Frau mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm eilt in unsere Richtung.
      „Oh nein, das ist die Mutter des Jungen“, flüstert Lucian mir zu.
      Die aufgebrachte Dame hält schnaubend vor der Parkbank an und setzt das Mädchen, das bestimmt nicht älter als vier Jahre ist, ab. „Ich 'abe gesucht überall nach dir, Mijo! Warum du belästigst schon wieder andere Leute?“, schimpft sie mit dem Jungen neben mir, der sie nur wortlos anstarrt. „Tut mir leid, Mister, wenn er geht auf die Nerven Ihnen. Ich 'abe schon 'undert – nein tausend Mal gesagt ihm, er soll in Ruhe lassen fremde Leute“, wendet sie sich an mich und dann wieder an Lucian: „Ahora me estoy enojando! Kommst du?! Wir gehen nach 'Ause!“
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