Arbeitstitel: Verwaltungsfehler auf höherer Ebene

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    • Thorsten schrieb:

      Okay. Da bin ich jetzt mal gespannt wie dieser Strang sich in die Geschichte einfuegt. Bis ich das klarer erkenne, hab' ich wenig zu sagen (ausser dass ich hoffe dass es alles fuer McB gut ausgeht - der muss hier so einiges erdulden...)
      Oh, da fällt mir ein, ich könnte ja gleich mal wieder etwas posten ^^
      Ist jetzt weniger als üblich, aber der Cut, wie ich finde, ist hier gut gesetzt :D
      LG




      Kapitel 43


      „Wunderbar!“ Ich gebe McB. einen kleinen Stoß mit meinem Ellenbogen, der daraufhin mit voller Begeisterung die Handbremse anzieht und sich suchend umblickt.
      „Sie können den Wagen ruhig hier stehenlassen. Meine Schwester parkt ständig hier und hat noch nie ein Ticket bekommen. Abgesehen davon kostet die Parkgarage hier in der Nähe mehr, als ein Ticket für Falschparken.“ Die junge Frau lächelt und steigt aus.
      Sofort tue ich es ihr gleich. „Jetzt habe ich Ihnen gar nicht die Tür aufhalten können“, meine ich ein wenig enttäuscht.
      „Sie sind ein richtiger Gentleman, Lucian, nicht wahr?“
      Nun, ich bin eben auch kein Kerl. Ich weiß, wie man eine Dame behandeln solle – oder zumindest, wie ich mir wünschen würde, von einem Mann behandelt zu werden. „Finden Sie?“
      „Ja, ich habe schon den Eindruck.“ Sie streicht sich ihren blonden Pony zur Seite. „Das Restaurant befindet sich fünf bis zehn Minuten entfernt“, erklärt sie dann und deutet uns die Richtung.
      Der Miesepeter im Anzug sperrt den Honda ab und trottet uns schweigend hinterher.

      Wir betreten ein kleines italienisches Restaurant, dessen Ambiente auf einen Familienbetrieb schließen lässt. Es ist gemütlich eingerichtet und das Personal geht sehr herzlich miteinander um, aber was weiß ich schon von italienischen Geschäftspraktiken.
      „Wollen wir uns dorthin setzten?“ Samantha deutet auf einen von zwei Tischen direkt am Fenster, um den vier modern designte Stühle stehen. „Das ist mein Lieblingsplatz“, erklärt sie mit einem schüchternen Lächeln.
      Ihr Lächeln ist wirklich wunderschön! Ich frage mich, wie diese Lippen wohl küssen …
      Okay, da ist wohl wieder ein bisschen von Lucian durchgekommen. Konzentration, Alex!
      Mein Aufpasser lässt uns den Vortritt und setzt sich neben mich, nachdem ich gegenüber von der hübschen Dame Platz genommen habe.
      Kaum haben wir bestellt, taut Miss Coleman langsam etwas auf. „Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, dass Sie mich hergefahren haben.“
      „Ehrlich, das macht uns nichts aus“, erwidere ich.
      „Ihr Bodyguard scheint aber nicht sehr begeistert zu sein.“ Sie wirft ihm einen prüfenden Blick zu. „Oder irre ich mich da, Mister McBrady?“ Freundlich legt sie ihren Kopf schief und wartet geduldig auf seine Antwort.
      „Ich …“ Er atmet tief durch und seufzt dann. „Mir ist das eigentlich ziemlich gleich. Mir liegt nur Mister Pierces Sicherheit am Herzen.“
      „Ja, das wollte ich Sie vorhin schon fragen – warum benötigen Sie eigentlich einen Bodyguard?“, wendet sie sich nun wieder an mich. „Sind Sie reich oder so?“
      Bin ich reich? Ich bin nicht arm, so viel ist sicher. „Irgend so ein völlig irrer Geschäftsmann will mich umbringen lassen, um meinem Vater eins auszuwischen“, sage ich ernst.
      „Oh mein Gott, waren Sie bei der Polizei?!“ Sie greift nach meiner Hand und drückt sie mitfühlend.
      Gott … Wenn ihr wüsstet!
      Ich seufze. „Die guten Herren bei der Polizei können nichts tun. Dieser reiche Schnösel sitzt bereits hinter Gittern und die Männer, die er dafür bezahlt, sind leider nicht bekannt.“ Diese Situation mir wieder durch den Kopf gehen zu lassen, macht mir bewusst, in was für Schwierigkeiten ich eigentlich stecke. Kann ich keinen Detektiv oder so beauftragen? Wenn das etwas bringen würde, hätte es Lucians Vater bestimmt schon in Betracht gezogen. „Ich kann mich nur geduckt halten und abwarten, bis sie aufgeben oder einen Fehler machen.“
      „Ach du Scheiße – oh, bitte entschuldigen Sie!“ Samantha zieht ihre Hand zurück und errötet.
      „Nein, Sie haben schon recht. Das ist sogar ziemlich 'scheiße'.“ Ich lächle, um die Stimmung wieder etwas aufzulockern. „Hat aber auch etwas Gutes … Ich hätte sonst nie McBrady kennengelernt“, versuche ich mich wieder bei ihm einzuschmeicheln, was zu funktionieren scheint.
      Begleitet von einem gutmütigen Brummen schwindet seine finstere Miene und er wirft mir einen zufriedenen Blick zu.
      „Sie sind offensichtlich ein Optimist, Lucian“, stellt Samantha schmunzelnd fest.
      Bin ich das? Ich hätte mich selbst nie als Optimistin bezeichnet, aber in so einer Lage, in der ich mich hier befinde, nicht durchzudrehen, kann man wohl als optimistisch bezeichnen. „Ich versuche zumindest, nicht alles schwarzzusehen. Die Welt, in der wir leben, ist schon grau genug, finden Sie nicht, Samantha?“
      „Das wiederum klingt jetzt nicht mehr so positiv. Sie scheinen eine vielseitige Persönlichkeit zu haben“, meint die junge Frau amüsiert.
      Ich kann zumindest mit zwei Seiten dienen.
      Verdammt, ihre Augen sind noch viel atemberaubender, wenn sie lächelt!
      Wie hypnotisiert beobachte ich ihre Lippen, wie sie einen Schluck von ihrem Mineralwasser nimmt. So zart … Okay, was passiert hier?! Ich fühle mich eindeutig zu ihr hingezogen. Dabei sieht sie gar nicht so besonders aus. Und sie ist blond! Ich kann blonde Frauen eigentlich überhaupt nicht ausstehen, was auf Lucian scheinbar nicht zutrifft.
      Moment mal – ich stehe generell nicht auf Frauen! Diese männlichen Hormone treiben mich noch in den Wahnsinn. Wenigstens bleibt der Soldat auf seinem Posten. Für irgendwelche waghalsigen Manöver hätte ich momentan nicht die Nerven.
      Ich schiele zu McBrady hinüber, der nur still dasitzt und unserem Gespräch kommentarlos zuhört, während er seine Suppe löffelt.
      „Was machen Sie beruflich, Samantha?“, versuche ich mehr über mein Gegenüber herauszufinden.
      „Ich bin in der Kundenbetreuung eines Pharma-Konzerns tätig – das heißt, ich war. Ich habe mich erst kürzlich versetzen lassen und weiß noch nicht, ob ich wieder die gleichen Aufgaben übernehmen werde. Die telefonische Beratung hat mir ganz gut gelegen.“
      „Sagten Sie nicht, Sie müssen ein Projekt fertig bekommen?“, frage ich verwundert, woraufhin sie etwas verunsichert auf den Tisch blickt.
      „Ähm … Ja, genau … Anhand dessen entscheidet sich dann, welchem Aufgabenbereich ich zugewiesen werde“, entgegnet die junge Frau und stochert mit der Gabel nachdenklich in ihrer Lasagne.
      „Verstehe …“ … ich zwar nicht, aber mich interessiert sowieso eher Persönliches über diese Frau. „Und was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?“, frage ich weiter.
      „Ich lese sehr gerne und helfe gelegentlich im Altenheim aus. Ich mache auch Yoga an den Wochenenden.“
      Yoga … Das heißt, sie ist bestimmt sehr beweglich. Ich mustere ihren sehr zierlichen Oberkörper, der mit einem Paar gut proportionierten Rundungen durchaus seine Vorzüge hat – ganz besonders in dieser eng anliegenden blaue Bluse.
      Rühren, Soldat! Das war kein Aufruf zum Gefecht!
      Die blonde Schönheit legt Gabel und Messer beiseite, faltet ihre Hände ineinander und blickt mich mit großen Augen an. „Aber Sie haben mir noch gar nicht erzählt, was Sie arbeiten, Lucian.“ Sie neigt den Kopf leicht zur Seite und mustert mich. „Sie wirken auf mich ein bisschen wie ein Anwalt … oder jemand, der im Finanzwesen tätig ist“, mutmaßt sie.
      Anwalt! Ich kann mir ein Grinsen kaum verkneifen.
      „Was denn? Liege ich etwa völlig daneben?“, fragt sie überrascht.
      „Ja, da muss ich Sie leider enttäuschen, Samantha.“ Ich lehne mich etwas nach vorne. „Mein Job ist aber auch nicht sonderlich aufregend. Ich schreibe für ein Mag- …“
      Plötzlich reißt mich McBrady vom Stuhl und ich höre, wie das Fenster in tausende Scherben zerspringt.
      Geschrei ertönt und mein Bodyguard zerrt mich von unserem Tisch weg, während sich auch Samantha und die fünf anderen Gäste panisch irgendwo verschanzen.
      War das ein Schuss?!
      „Alles in Ordnung, Sir?! Wurden Sie getroffen?!“, brüllt mich McBrady an und mustert mich.
      Aus der Küche kann ich hören, wie einer des Personals die Polizei ruft.
      „Sir?!“
      „J-Ja … alles okay“, hauche ich und blicke den Mann vor mir an, der nun sichtlich erleichtert ist, dass ich unverletzt bin.
      Wo ist Samantha? Ich sehe mich im Raum um. Drei Frauen, die am Nebentisch gegessen haben, kauern in einer Ecke, während zwei Männer einen der Esstische umgelegt haben und hinter diesem in Deckung gegangen sind, aber unsere blonde Begleitung kann ich nirgendwo ausmachen.
      „Wo ist sie?“, frage ich McB. aufgeregt.
      „Miss Coleman?“
      „Nein, die Königin von Großbritannien!“, fahre ich ihn an.
      „Bleiben Sie unten, Sir!“, weist er mich an, steht auf und lässt seinen Blick durch den Raum schweifen.
      Verdammt, kann ich denn jetzt nicht mal mehr essen gehen, ohne Angst haben zu müssen, dass irgendwo ein Irrer mit einer Waffe auf mich zielt?! Woher wussten die überhaupt, wo wir sind?!
      „Sir, ich kann Miss Coleman nirgendwo ausmachen. Sie ist verschwunden.“
    • Hallo, meine Lieben,

      ich poste und poste und poste und lese nicht ... Mein schlechtes Gewissen plagt mich deswegen schon seit längerem.
      Leider komme ich momentan fast zu nichts - geht zur Zeit drunter und drüber ...
      Schreiben klappt nur, weil ich das auf altmodische Weise mit Stift und Schreibblock im Zug mache :D
      Daher habe ich mir folgenden Plan überlegt:

      Ich werde diese Geschichte zu Ende bringen und mich danach nur dem Lesen hier im Forum widmen. Es gibt so viele tolle Storys, die ich weiterlesen möchte und daher ziehe ich mich zumindest für längere Zeit vom Schreiben zurück ^^

      So, und jetzt hoffentlich viel Spaß mit Kapitel 44 !!!

      Liebe Grüße, eure Kij <3


      Sarah

      Sarah schrieb:

      Soldaten sollen einen schließlich beschützen.
      War dieses Blondchen, etwa ein Lockevogele.
      'soldier keep on marchin on' :D
      :whistling: :whistling: :whistling:


      Kapitel 44


      Nach nicht einmal fünf Minuten ist ein Einsatzwagen der New Yorker Polizei vor Ort.
      Als die zwei Cops das Restaurant betreten, wendet sich Special Agent McB. sofort an den älteren der beiden: „Der Scharfschütze hat von der fünften Etage des Gebäudes schräg gegenüber aus geschossen – beeilen Sie sich, sonst entwischt er!“
      „Ganz ruhig, Verstärkung ist schon unterwegs. Wurde jemand verletzt?!“, fragt der Streifenpolizist in die Runde.
      „Bis auf meine Pizza wurde keiner getroffen“, entgegne ich, nachdem ich die Einschussstelle auf unserem Tisch entdeckt habe.
      „Wenn Sie warten, bis das gesamte NYPD hier antanzt, ist der Schütze längst über alle Berge!“, protestiert McBrady. „Wenn Sie nichts unternehmen, werde ich nach dem Mistkerl suchen und …“
      „Sie werden schön hier bleiben, bis die zuständigen Einsatzkräfte eingetroffen sind!“, unterbricht der junge Cop den aufgekratzten Gorilla. „Sie sind dort gesessen?“, wendet er sich nun an mich und wirft einen Blick auf meinen Platz. „Das Projektil ist mitten durch die Pizza, hat den Teller darunter zerfetzt und scheint jetzt in der Tischplatte zu stecken.“
      „Ja, das hab' ich auch bemerkt“, gebe ich zurück.
      „Da hatten Sie großes Glück.“
      Die Gesetzeshüter von heute haben eine unglaubliche Auffassungsgabe, ich bin beeindruckt!

      Nach und nach rücken mehr polizeiliche Einsatzkräfte an und auch ein Krankenwagen hat sich eingefunden.
      „Der Schuss scheint laut Zeugenaussage aus dem Gebäude schräg gegenüber gekommen zu sein. Ja, genau … Aus der fünften Etage“, gibt der ältere Cop per Funk seinen Kollegen draußen durch, die die Straße vor dem Restaurant bereits abgesperrt haben.
      „Wo ist Samantha?“, frage ich an McBrady gewandt leise. „Sie kann doch nicht einfach verschwunden sein. Sie ist ja schließlich noch gesessen, wie Sie mich vom Stuhl gerissen haben.“
      Mein Bodyguard blickt mich wortlos mit ernster Miene an.
      „Was?“ Warum starrt er nur und sagt nichts? Fängt er jetzt tatsächlich schon wieder mit diesem Spielchen an? „McBrady!“
      „Diese Frau … Ich halte sie für sehr verdächtig.“
      „Verdächtig?“ Was zum Teufel meint er?!
      „Sie war es, die dieses Restaurant ausgesucht hat, Sir. Sie wollte auch am Fenster sitzen.“
      „Ja und?! Das ist ja auch ein schöner Platz!“, fahre ich den Verschwörungstheoretiker an.
      „Vielleicht arbeitet diese Frau für Johnson. Vielleicht hat sie in der Garage auf uns gewartet, Sir.“
      „Schwachsinn …“ Das glaube ich nicht! Die Arme war völlig fertig. Ich bezweifle, dass das nur gespielt war.

      Mittlerweile haben sie mit den Zeugenbefragungen angefangen. Obwohl niemand bis auf meine arme Pizza Margherita verletzt worden ist, werden alle noch anwesenden Leute von den angerückten medizinischen Hilfskräften durchgecheckt , während eine Spezialeinheit das Gebäude gegenüber stürmt. Und das fast zwanzig Minuten nachdem der Schuss gefallen ist!
      Der Schütze sitzt bestimmt noch oben am Fenster, trinkt eine Tasse Tee und wartet auf die SWAT-Einheit.
      „Entschuldigen Sie bitte, Sir.“ Einer der Ermittler, die gerade eingetroffen sind, kommt auf meinen Bodyguard zu und zeigt ihm seine Marke. „Ich bin Detective Kemp und würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen. Stimmt es, dass Sie gesehen haben, von wo aus der Schuss abgegeben wurde?“
      „Ja, und zwar aus dem Gebäude dort drüben.“ Special Agent McBrady deutet auf das Wohnhaus auf der anderen Straßenseite. „Aus der fünften Etage.“
      „Und das haben Sie von hier aus erkennen können?“, fragt der Mann von der Polizei skeptisch, nimmt seine Brille ab und wirft einen Blick aus dem Fenster.
      „Ja, dort im Fenster hat etwas aufgeblitzt – vermutlich das Zielfernrohr“, entgegnet mein Wachhündchen ernst.
      „Ach, es hat also etwas aufgeblitzt? Und das muss natürlich der Schütze gewesen sein, nicht wahr?“, bemerkt der Ermittler etwas herablassend.
      „Er war es, da bin ich sicher. Ich habe ein Auge für so etwas.“
      „Haben Sie das? Und wie kommt's, dass Sie ein Auge dafür haben?“ Der Mann, der fast einen ganzen Kopf kleiner als McB. ist, verschränkt abwartend seine Arme.
      „Er ist mein Bodyguard und verdammt gut in seinem Job!“, mische ich mich jetzt ein, weil ich die Arroganz dieses Cops nicht mehr ertrage.
      „Und Sie sind?“ Überrascht blickt dieser mich an.
      „Vermutlich das Ziel des Schützen“, entgegne ich ihm.
      „Wieso denken Sie das?“
      „Hören Sie, Detective, es liegt eine Akte vor. Lesen Sie nach!“, fordert ihn McB. auf. „Mein Arbeitgeber wurde vorgestern ebenfalls attackiert. Man weiß, wer dahintersteckt, tut aber nichts dagegen!“
      „Sir, beruhigen Sie sich. Ich werde dem nachgehen.“
      „Tun Sie einfach Ihren Job, Detective“, seufzt McBrady.

      Nachdem die Cops unsere Daten aufgenommen haben, ist es bereits halb zwei vorbei und ich muss Lucian unbedingt noch ein Handy besorgen. Auf dem Rückweg nach Hause halten wir bei einem Shop, wo ich mein maskulines Kindermädchen davon überzeugen kann, dass ich dem minderbemittelten Jungen aus der unteren Schicht eine Freude machen will. Lucian Azariah Pierce steht nun mal der Sinn nach einer erfüllenderen Beschäftigung, als nur satirische Kritiken zu verfassen. Der kleine Mexikaner scheint genau das Richtige zu sein, um die Lücke zu füllen, die Isabelle hinterlassen hat.
      Mit einem der neuesten iPhones vor mir auf dem großen schwarzen Esstisch liegend warte ich sehnsüchtig auf meinen Besuch. Auf McBradys Frage, ob ich vielleicht einen Kaffee möchte, antworte ich nur mit 'Jetzt nicht' und starre weiter aus dem Fenster.
      Alles trist … und damit meine ich nicht nur das Wetter.
      Diese Samantha geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Einerseits ihre Augen und die Tatsache, dass ich mich körperlich total zu ihr hingezogen fühle und andererseits werde ich das Gefühl nicht los, dass sie irgendwie in Schwierigkeiten steckt.
      Da! Es klingelt! Endlich!
      „Ich lasse den jungen Herren herein, Sir“, bestimmt der Leibwächter ohne Widerworte zu dulden, geht die Tür öffnen und geleitet Lucian zu mir.
      „Da bist du ja“, begrüße ich ihn und halte ihm gleich sein neues Handy entgegen.
      Sofort stürmt er mit leuchtenden Augen auf mich zu und schnappt es mir aus der Hand. „Ich hoffe, mit Internet!“ Frech grinst er mich an. „Keine Sorge, du kannst es dir leisten.“
      Na wenn er das sagt … „Wir sind dann nebenan“, setze ich mein männliches Kindermädchen in Kenntnis.
      „Etwas zu trinken, Sir?“
      „Ein Drink wäre jetzt gut. Und bringen Sie Robin gleich mit“, entgegnet der kleine Junge völlig routiniert.
      Mit gerunzelter Stirn mustert McBrady den mexikanischen Gast.
      Gerade, als er etwas sagen will, ergreife ich das Wort: „Javier, bist du nicht etwas zu jung für Alkohol?“ Er muss verdammt noch mal aufpassen, was er sagt!
      „Ich, ähm … Ach, einen Versuch war's wert“, entgegnet Lucian achselzuckend. „Bei Onkel Pepe bekomme ich immer Tequila nach dem Essen.“
      „Haben wir irgendeinen Saft für den Frechdachs hier?“, wende ich mich an den Mann im Anzug, der sich seit Lucians Kurzschluss nicht mehr gerührt hat.
      „Bestimmt, Sir … Und für Sie?“
      „Für mich ein Glas Wasser, bitte“, entgegne ich und schiebe den kleinen Hombre ins Arbeitszimmer.

      „'Onkel Pepe'?!“, frage ich kopfschüttelnd.
      „Hör mal. ich wollte wirklich nicht …“
      „Ich versteh' ja, dass immer wieder Impulse der Vorbesitzer unserer neuen Körper durchdringen – glaub mir, ich habe selbst damit zu kämpfen, aber bitte konzentriere dich. Gerade er kennt dich gut genug, um …“ Ich verstumme, als McB. die Getränke hereinbringt.
      „Wenn ich etwas für Sie tun kann, lassen Sie es mich wissen, Sir. Ich bin in meinem Zimmer.“
      „Danke, McBrady.“
      Der Bodyguard verlässt das Zimmer und Lucian und ich starren uns schweigend an, bis wir das Zufallen seiner Tür durch den Flur hallen hören.
      „Meinst du, er ahnt etwas?“, frage ich den Knirps vor mir.
      „Die Brandyflasche Robin zu nennen war wirklich unklug von mir, aber ich glaube nicht, dass er etwas ahnt. Ich meine, was soll er denn ahnen? Diese Situation hier könnte surrealer nicht sein – auf die Vermutung kommt kein Mensch. Würdest du das Ganze hier glauben, wenn es dir jemand erzählt?“
      „Gut, dass du das ansprichst … Du musst am Freitag mit mir zu Doktor Powell kommen.“
      „Was? Wieso das?“ Lucian setzt sich aufs grüne Sofa und beginnt mit der Einrichtung seines neuen Mobiltelefons.
      „Dank dem Unfall will dein Vater, dass du dich wieder in Behandlung begibst und ich habe dem Doktor alles erzählt.“
      Der Junge blickt auf. „Du hast es ihm erzählt?!“ Mit seinen großen braunen Augen starrt er mich perplex an.
      „Das war kurz nachdem ich in diesem monströsen Körper aufgewacht bin – ich musste mich irgendwem anvertrauen!“, rechtfertige ich mich.
      „Was heißt hier 'monströs'?!“
      „Ja, entschuldige, im Vergleich zu meinem alten – aber das spielt doch jetzt überhaupt keine Rolle!“ Ich seufze auf. „Der Doc scheint mir nach der zweiten Sitzung immer noch nicht zu glauben.“
      „Das überrascht mich nicht“, entgegnet Lucian und schmunzelt.
      „Wenn du mitkommst, kannst du ihn bestimmt davon überzeugen. Ich meine, immerhin bist du du.“
      „Wenn's denn sein muss“, willigt er zum Glück ein. „Die Sitzungen bei Doktor Powell sind nicht unbedingt etwas, das ich im Jenseits vermissen werde …“
      Bevor sich der kleine Javier auf den Weg nach Hause machen muss, richtet er mir auf meinem Telefon noch die Mailadressen ein, die ich für die Arbeit benötige und wir schicken meinen ersten Artikel an die Redaktion des Magazins.
      Wir verabschieden und schließlich und nachdem ich ihn hinausgelassen habe, höre ich, wie McBrady mit jemandem spricht. Hat mich schon gewundert, dass er nicht wieder darauf bestanden hat, den Portier zu spielen.
      Ich lehne meinen Kopf an die Tür und lausche.
      „Wenn ich es Ihnen doch sage! Das war wirklich seltsam.“
      Was?!
      „Ja, unbedingt. Man weiß nie … In Menschen kann man sich täuschen.“
    • Gut, die Sache nimmt wieder Fahrt auf :)

      Ich frage mich, ob die Reaktion der Polizei nicht zu desinteressiert an Samantha war. Ich meine, sie muessten recht schnell sehen koennen dass das Projektil wohl keine Kleinwaffe aus der Naehe war - dann stellt sich die Frage, warum ballert jemand mit einem Scharfschuetzengewehr? Und wenn man so weit ist, ist es nicht seltsam dass eine der Personen am Tisch der getroffen wurde verschwunden ist?

      Wie ein Lockvogel wirkt die Gute ja wirklich... Schaun wir mal, was da noch zum Vorschein kommt.
    • Hi Thorsten ^^

      Thorsten schrieb:

      Gut, die Sache nimmt wieder Fahrt auf :)

      Ich frage mich, ob die Reaktion der Polizei nicht zu desinteressiert an Samantha war. Ich meine, sie muessten recht schnell sehen koennen dass das Projektil wohl keine Kleinwaffe aus der Naehe war - dann stellt sich die Frage, warum ballert jemand mit einem Scharfschuetzengewehr? Und wenn man so weit ist, ist es nicht seltsam dass eine der Personen am Tisch der getroffen wurde verschwunden ist?

      Wie ein Lockvogel wirkt die Gute ja wirklich... Schaun wir mal, was da noch zum Vorschein kommt.
      In erster Instanz hat die Polizei nur oberflächliche Zeugenbefragungen vorgenommen. Alex und McB. haben Samantha vor den Polizisten (noch) nicht erwähnt gehabt. Möglich, dass andere Zeugen ausgesagt haben, dass noch eine Frau anwesend war :D
      Finde es arg, dass die Zeugen sogar einfach abhauen dürfen, wenn sie nicht aussagen wollen (hab mich erkundigt ^^ ). Sie können danach aber sehr wohl vorgeladen werden.
      Die Ermittlungen laufen weiter ...

      LG
    • Kapitel 45


      Verdammt … Ahnt er etwas?
      Plötzlich reißt McBrady die Tür auf, was mich fast zu Tode erschreckt. „Ist der Junge etwa schon weg?“, fragt er und sieht sich prüfend um.
      „Ja, er ist gerade gegangen“, entgegne ich verunsichert. „Warum fragen Sie?“
      „Das wissen Sie ganz genau, Sir.“ Mit seinen eisblauen Augen blickt er mich eindringlich an.
      „Ich …“ Was …?
      „Sie wissen doch, dass Sie selbst nicht die Tür öffnen sollen, Sir! Ich weiß, das ist bestimmt furchtbar frustrierend, in seinen eigenen vier Wänden so eingeschränkt zu sein, aber solange Johnson es auf Sie abgesehen hat, müssen wir vorsichtig sein! Der Kerl im Flur Sonntag Nachmittag sollte Ihnen die Augen geöffnet haben!“
      „Sind Sie fertig?!“ Aufgebracht versuche ich ihm zu entkommen und eile in die Küche, doch er lässt nicht locker und folgt mir.
      „Sir, ich möchte nur sicher gehen, dass …“
      „Ich weiß!“, falle ich ihm ins Wort uns seufze. „Jetzt können Sie Robin holen“, sage ich niedergeschlagen und ziehe mich in Lucians Arbeitszimmer zurück. Zwar hasse ich Brandy, aber nach dem, was Lucian herausgerutscht ist, sollte ich mich unbedingt mehr wie er benehmen. Ich kann nicht riskieren, dass irgendjemand die Wahrheit herausfindet, sonst stecken sie mich in die Hölle.
      „Hier, Sir.“ McBrady betritt mit einem Glas und der edel aussehenden Brandyflasche den Raum und stellt beides vor mir auf dem Arbeitstisch ab.
      „Sagen Sie … Mit wem haben Sie vorher gesprochen?“, frage ich vorsichtig.
      „Gesprochen Sir? Wann denn?“ Er stellt sich dumm – verdreht die Augen nach links, sucht nach einer Ausrede!
      Was soll ich tun? Soll ich nachhaken? Er hat so komisch geschaut, wie Lucian das mit dem Drink 'rausgerutsch ist. 'In Menschen kann man sich täuschen', hat er zu irgendjemandem gesagt. Ich mache mich nur noch verdächtiger, wenn ich da jetzt explizit nachfrage …
      „Was meinen Sie, Sir?“
      „Nichts, ich dachte nur, ich hätte Sie mit jemandem sprechen gehört, als ich den Jungen verabschiedet habe.“
      „Kann sein, dass ich laut gedacht habe, Sir.“ Er lügt!
      „Machen Sie das öfter?“ Ich muss ihn loswerden. „Na ja, wie dem auch sei – ich muss einen Anruf tätigen. Würden Sie bitte die Tür schließen, wenn Sie nach draußen gehen?“, fordere ich ihn auf zu verschwinden.
      „Selbst verständlich, Sir.“ Etwas erleichtert, wie mir scheint, verlässt McB. das Zimmer und auch ich atme auf.

      „Keefur!“, versuche ich den roten Fuchs herbeizurufen. „Hörst du mich?“
      Entweder er hört es nicht oder ignoriert mich. „Keefur!“
      Vielleicht haben sie den Stümper auch endlich gefeuert. Ich nehme die Flasche zur Hand und schenke mir ein. Igitt, riecht dieser Brandy widerlich! Ich mache einen winzigen Schluck, wobei sich mir alle Haare aufstellen. „Keefur, verdammt, ich muss mit dir reden!“
      Plötzlich öffnet sich die Tür. „Sir, verzeihen Sie bitte die Störung …“ Was will denn McBrady schon wieder?!
      Kann ich denn nicht ein paar Minuten meine Ruhe haben?! „Was ist denn? Ich hab' doch gesagt …“
      „Sie haben Besuch, Sir“, unterbricht er mich mit einem sich entschuldigenden Blick.
      Was? „Wer …“
      Noch bevor ich nachfragen kann, drängt sich der rothaarige Seelensammler an meinem Bodyguard vorbei, stolziert in den Raum und nimmt gemütlich auf dem grünen Sofa Platz.
      „Verzeihen Sie, Sir.“ Der Anzugträger seufzt entkräftet. „Ich bin dann wieder draußen. Wenn Sie etwas benötigen, lassen Sie es mich wissen“, meint er und zieht sich zurück.
      Das ist doch die Höhe! „Ich hab' dich bestimmt fünfmal gerufen!“, rege ich mich auf und nehme noch einen Schluck von diesem grauenhaften Gesöff.
      „Es waren nur drei Mal“, entgegnet der Klugscheißer. „Du weißt auch nicht, was du willst. Erst stört es dich, wenn ich einfach auftauche und jetzt beschwerst du dich, wenn ich die Tür nehme.“
      „Du treibst mich noch in den Wahnsinn!“
      „In den Wahnsinn? Dich? Nein, du hast nicht die Veranlagung dafür.“ Er grinst. „Anders als Kolumbus. Hast du gewusst, dass sie ihn damals nur auf Reisen geschickt haben, um ihn und seinen Wahnsinn loszuwerden?“
      „Was?! Nein! Und es interessiert mich auch nicht!“
      „Die guten alten Zeiten … Damals wart ihr Menschen noch wesentlich höflicher.“ Der Fuchs seufzt und breitet sich auf dem Sofa aus. „Nun, was kann ich für dich tun?“
      „Zuallererst könntest du mir verraten, wo du heute gesteckt hast, als ich fast wieder erschossen worden wäre?!“
      „Du wärst fast erschossen worden?“, fragt er mit unschuldiger Miene.
      „Verdammt, ich dachte, du sollst aufpassen, dass mir nichts passiert! Wo warst du?!“
      „Alex, ich bin dafür verantwortlich, dass die Seelen New Yorks zu Yaahen gelangen. Ich kann dich nicht rund um die Uhr im Auge behalten“, will mir der Rothaarige weismachen.
      „Aber ich wäre beinahe …“
      „Wärst du nicht“, fällt er mir ins Wort. „Wenn du in Gefahr gewesen wärst, hätte ich es gewusst.“
      „Wie meinst du das?“ Der allwissende Keefur?
      „'Allwissend' würde ich nicht sagen, aber das trifft es schon ganz gut.“ Er setzt sich auf und überschlägt die Beine. „Ihr Menschen hab ja keine Vorstellung. Wie mache ich dir das am besten begreiflich? Lass mich kurz überlegen.“ Seine grünen Augen verdrehend schürzt er die Lippen und schnaubt. „Also, wenn ein Leben erlischt und die Seele bereit ist, den Körper zu verlassen, fühle ich das. Das heißt, eigentlich weiß ich es bereits, bevor es soweit ist. Zum Beispiel kann ich dir sagen, dass in genau siebzehn Sekunden eine alte Dame vier Straßen weiter an Herzversagen sterben wird.“
      „Dann musst du jetzt los, ihre Seele holen?“
      Kopfschüttelnd erhebt sich der Fuchs vom Sofa und kommt auf mich zu. „Nein. Wenn ich mich um dich kümmere, Alex, überwacht Tiiheb mein Territorium. Ich kann nicht behaupten, dass ich darüber erfreut bin, aber der Betriebsrat hat nun mal so entschieden. Das hat man davon, wenn für Gerechtigkeit eintritt. Dann übertragen sie deine Aufgaben einfach an den nächstbesten Seelensammler, der zur Verfügung steht …“ Er setzt sich vor mir auf den Arbeitstisch und verschränkt beleidigt seine Arme.
      „Das heißt, ich war heute nie in Gefahr?“ Weil der Schütze nicht getroffen oder weil McBrady mich in jedem Fall beschützt hätte? Oder vielleicht … „Galt der Schuss überhaupt mir?“ Diese Samantha hat doch gesagt, dass sie jemand umbringen will und die Geschichte mit ihrem Boss hat sich für mich nicht sehr überzeugend angehört …
      „Du machst dir zu viele Gedanken, Alex.“
      „Tut mir leid! Ich bin es eben noch nicht gewohnt, dass mich dauernd jemand umbringen will!“, gebe ich empört zurück. „Ich soll ja auch schließlich herausfinden, warum du meine Seele mitgenommen hast und da bleibt mir schließlich nichts als nachzudenken. Du hast gesagt, die Person, die hätte sterben sollen, hat indirekt etwas mit mir zu tun, richtig? Hat das alles irgendetwas mit Lucian zu tun?“
      „Lucian ist etwa eine Stunde nach dir gestorben. Was hätte das für einen Sinn gemacht, deine Seele anstatt seiner mitzunehmen?“ Keefur grinst.
      „Mir fällt sonst aber nichts ein! Gerechtigkeit, sagst du! Mir erscheint es genau andersherum!“
      „Ja, da muss ich dir leider recht geben. Aus deiner Sicht könnte man die Situation durchaus als ungerecht betrachten. Die arme Seele, die ich verschont habe, hat es jedoch nicht verdient …“
      „Ach, und ich hab' es verdient, oder wie?!“, fahre ich den Rotschopf an.
      „Das habe ich nicht gesagt …“ Keefur springt auf. „Ihr Menschen glaubt doch an Karma.“ Grinsend dreht er mir den Rücken zu. „Mit meinem Handeln wollte ich eigentlich jemandem eine Lektion erteilen.“
      „Eine Lektion erteilen? Auf meine Kosten etwa?! Wie denn!?“
      „Tut mir leid, ich habe ohnehin schon genug gesagt.“
      „Keefur!“
      „Keine Sorge, der Deal steht! Findest du heraus, warum ich deine Seele mitgenommen habe, bekommst du jeden Körper, den du verlangst“, beteuert er und wendet sich mir wieder zu.
      „Ich will nicht irgendeinen Körper, ich will meinen! Ich will mein altes Leben zurück!“
      „Ja, deine Familie wäre bestimmt begeistert, dich wieder in die Arme schließen zu können, nachdem sie dich begraben hat.“
      „Das …“ Hat er das gerade ironisch gemeint? Verdammt, das stimmt! Wie soll ich ihnen das erklären? Marc hat mich schließlich auf dem Sofa tot vorgefunden …
      „Ja, der arme Marc. Er würde es bestimmt nicht verstehen“, seufzt Keefur.
      „Soll das heißen, ich kann gar nicht wieder in einem identischen Körper zurück?!“
      „Denkst du wirklich, wir können Seelen wieder zurückschicken oder menschliche Körper rekonstruieren und würden es dann nicht fertigbringen, deine Familie davon zu überzeugen, dass du gar nicht gestorben wärst? Du enttäuscht mich, Alex. Hast du so wenig Vertrauen in meine Fähigkeiten?“
      „Gut, mag sein, dass das vielleicht kein Problem darstellt … Aber ich habe immer noch nicht die leiseste Ahnung, wer hätte sterben sollen und was das mit mir zu tun haben soll. Du wolltest eine Lektion erteilen? Mir oder dieser Person?“
      „Ich kann dir nicht mehr sagen, Alex. Aber ich denke, du wirst es herausfinden.“ Das Füchslein klopft mir schmunzelnd auf die Schulter.
      „Es wäre wesentlich einfacher, etwas herauszufinden, wenn mir McBrady nicht ständig im Nacken sitzen würde. Kannst du nicht für ihn einspringen?“
      „Und Tiiheb wieder in meinem Revier wüten lassen?“ Keefur schüttelt energisch den Kopf und kichert dann.
      Was ist so lustig?
      „Nichts, leider. Wenn dich zu beschützen wenigstens ein wenig unterhaltsamer wäre …“
      „Sieh es doch als Training an“, versuche ich ihn zu ködern.
      „Training? Das musst du mir genauer erklären.“ Er nimmt wieder auf dem grünen Sofa Platz und blickt mich mit seinen leuchtend grünen Augen aufmerksam an.
      „Du willst doch zum Schutzengel befördert werden, oder hab' ich da etwas falsch verstanden?“
      „Dafür benötige ich doch kein Training. Ich würde einen hervorragenden Schutzegel abgeben“, prahlt er.
      „Wenn du meinst.“ Er ist viel zu sehr von sich selbst überzeugt. „Und wie sieht es mit Sport aus? Findest du Sport unterhaltsam?“
      „Kommt darauf an. Wieso fragst du?“
      „Was hältst du von einem Abend in einer Fußballbar?“
      „Bier und grölende Menschen?“ Der Rotschopf überlegt. „Ein Abend sagst du …“
      „Übermorgen.“ Komm schon! Ich kann unmöglich mit Special Agent Mc‑Stock‑im‑Arsch im Schlepptau einen netten Abend mit meinem Marc verbringen.
      „Darum geht es also.“ Keefur grinst. „Gut, einverstanden. Donnerstag Abend also. Fritten, Bier, lautes Getöse und Menschen in Ekstase. Warum eigentlich nicht …“
    • Hi @kijkou,

      ich lese immer noch sehr interessiert mit. Du schreibst weiterhin eine unterhaltsame Geschichte, die man auch wenn man müde und unmotiviert ist noch gut lesen kann. :thumbup:
      Dass die Frau - Samantha - Lucian in eine Falle lockt, kam nicht überraschend - das "roch" man schon bei ihrem ersten Auftreten, aber ich nehme an, du wolltest uns damit gar nicht überraschen :) Da hat Lucian sein/ihr Hirn echt ausgeschaltet :D
      Die Stelle mit Lucian, dem Jungen und den Kaltwachsstreifen war ein wenig verfänglich und ich bin mir nicht sicher, ob du da nicht noch mal dran möchtest. Vielleicht sollte Lucian das Hosenbein eher hoch ziehen. Mein Kopfkino hatte in der Szene jedenfalls einen etwas bitteren Beigeschmack. Jetzt kann ich nicht abschätzen, ob das Absicht war und ob McBrady sich vielleicht deshalb so merkwürdig benimmt. Ich warte da einfach mal ab, was als nächstes passiert.
      Viele Grüße
      Din
    • Hi Din ^^

      Dinteyra schrieb:

      ich lese immer noch sehr interessiert mit. Du schreibst weiterhin eine unterhaltsame Geschichte, die man auch wenn man müde und unmotiviert ist noch gut lesen kann.
      Dankeschön, das höre/lese ich gerne <3

      Dinteyra schrieb:

      Dass die Frau - Samantha - Lucian in eine Falle lockt, kam nicht überraschend - das "roch" man schon bei ihrem ersten Auftreten, aber ich nehme an, du wolltest uns damit gar nicht überraschen Da hat Lucian sein/ihr Hirn echt ausgeschaltet
      Nein, ich will euch erst am Schluss überraschen :D

      Dinteyra schrieb:

      Die Stelle mit Lucian, dem Jungen und den Kaltwachsstreifen war ein wenig verfänglich und ich bin mir nicht sicher, ob du da nicht noch mal dran möchtest. Vielleicht sollte Lucian das Hosenbein eher hoch ziehen. Mein Kopfkino hatte in der Szene jedenfalls einen etwas bitteren Beigeschmack. Jetzt kann ich nicht abschätzen, ob das Absicht war und ob McBrady sich vielleicht deshalb so merkwürdig benimmt.
      Danke für den Hinweis ^^
      Dass und warum er die Hose eigentlich auszieht, hätte ich erklären sollen (hab's nochmal überarbeitet). So eine Jeans lässt sich nicht immer gut/weit hochziehen. Aber zu Alex würde das ganz gut passen, dass sie vorerst nur die Hosenbeine hochkrempeln will :D
      McB. benimmt sich merkwürdig? Meinst du, wie er blöd aus der Wäsche guckt, oder allgemein danach? :hmm:

      Danke für dein Kommi <3

      LG Kij
    • Kapitel 46


      Was mich auch noch beschäftigt … „Einmal angenommen, Lucian verplappert sich und alles kommt raus – schickt ihr mich dann auch in die Hölle? Das wäre dann ja nicht meine Schuld!“
      „Es wäre besser, er 'verplappert' sich nicht“, entgegnet der rote Fuchs ernst.
      „Das ist mir schon klar, aber …“ Es ist verdammt schwer, die ganzen Impulse zu unterdrücken!
      „Welche Impulse?“
      „Die von diesen Körpern – Lucians altem und dem des kleinen Jungen ausgehen. Diese Frau beim Seelenklempner heute zum Beispiel. Ich habe mich total von ihr angezogen gefühlt und mit ihr geflirtet. Lucian ist bestimmt noch irgendwo hier drinnen. Schließlich bin ich nicht im Geringsten an Frauen interessiert.“
      „Deine Seele bewohnt nun Lucians Körper und dein Geist hat sich in seinem Gehirn eingenistet. Kann gut sein, dass hier noch so manche Informationen gespeichert sind. Schließlich ist das menschliche Gehirn das letzte Organ, das den 'Geist' aufgibt auch wenn die Seele schon längst entwichen ist – tolles Wortspiel, nicht wahr?“, bemerkt er stolz. „Doch die Zügel hältst immer du in der Hand, Alex, vergiss das nicht.“
      „Das hilft mir jetzt auch nicht weiter“, beschwere ich mich, worauf Keefur nur mit den Achseln zuckt und sich zur Tür begibt. „Was hast du jetzt vor? Verschwindest du wieder?“
      „Ich lass mich von deinem Türsteher aus der Wohnung geleiten“, entgegnet er, winkt mir zum Abschied zu und lässt mich mit Robin alleine.

      Der nächste Tag ist zur Abwechslung einmal ruhig verlaufen. Lucians Tante ist vormittags auf eine Tasse Kaffee vorbeigekommen und hat mich wieder extremst bemuttert. Die Frau ist mir an und für sich sehr sympathisch und erinnert mich, bis auf ihre manchmal sehr direkte Art, an meine Mom. Das einzige, was mich etwas verunsichert hat, ist, dass sie und McBrady ständig geflüstert haben.
      Nachmittags ist ein Bote vorbeigekommen und hat ein Paket abgeliefert. Nicht einmal seine eigene Post darf Lucian öffnen, nein. Auch diese Aufgabe übernimmt der brave Bodyguard – es könnte sich schließlich um eine Bombe handeln. Zu meiner großen Enttäuschung ist der Inhalt nur halb so explosiv gewesen. Zwei batteriebetriebene Traumfänger, die einen mittels Delta-Wellen enthaltenen Tönen besser schlafen lassen sollen. Der Testlauf dieser Artikel erscheint mir weitaus weniger schmerzvoll, als die Enthaarungsstreifen.
      Donnerstag vormittags – ja, ich habe dank dieser kleinen runden Netzgebilde über meinem Bett wie ein Baby geschlafen – weckt mich McBrady, um mich darüber zu informieren, dass in einer Stunde die Herren von der Polizei vorbeikommen würden. Meine Aussage zur Messerattacke stünde noch aus, wobei ich mir nicht vorstellen kann, wie ihnen das weiterhelfen soll. Ausgeschlafen jedoch durch diese Neuigkeiten demoralisiert klettere ich aus dem warmen kuscheligen Ort der Zuflucht und schleppe mich in die Küche, um mich mit Kaffee in die richtige Stimmung zu bringen.
      „Wollen Sie sich nicht anziehen, Sir?“, fragt das Kindermädchen mit der buschigen Brustbehaarung, die es gerade unter seinem Hemd verschwinden lässt.
      „Wieso? Soll ich mich etwa für die Cops in Schale werfen?“, entgegne ich genervt. „Solange die ihren Job nicht ordentlich machen, dürfen sie auch keinen Respekt von mir verlangen.“

      Viel zu schnell ist die Stunde vergangen und McBrady lässt die beiden Cops herein. Den mit der Brille und den seitlich gescheitelten Haaren kenn' ich doch! Das ist dieser Detective von vorgestern!
      „Nett haben Sie es hier, Mister Pierce“, bemerkt er, während er auf mich zukommt. „Ist das da draußen Ihr Sicherheitspersonal?“
      „Mein Vater hat die Securitys engagiert. Wenn es nach mir ginge, würde ich alle nach Hause schicken“, mache ich meinen Unmut klar.
      „Ich habe mir Ihren Fall genauer angesehen, Mister Pierce. Sie können froh sein, hier Sicherheitspersonal um sich zu haben.“
      „Wie meinen Sie das Detective?“
      „Dieser Johnson … Wir glauben, er steht mit der russischen Mafia in Kontakt“, entgegnet der Mann ernst.
      „Und was heißt das? Was ändert das jetzt?“ Soll ich mich jetzt unter dem Bett verstecken? „Wenn Sie wissen, wen Johnson beauftragt hat, warum verhaften Sie denjenigen nicht?“
      „Weil wir keine Beweise haben. Die Russen sind verdammt gut, wen es um die Vernichtung von Beweisen geht.“ Bedauernd schüttelt Detective Kemp, sofern ich mich richtig an seinen Namen erinnere, den Kopf.
      „Dann wird es Zeit, dass Sie sich mehr Mühe geben und die benötigten Beweise finden!“, mischt sich McBrady ein.
      „Wir arbeiten daran, Mister …“
      „McBrady“, wirft der andere Cop ein, der sich bisher nicht zu Wort gemeldet hat und total von Lucians Deckenlampen angetan zu sein scheint. Immer wieder blickt er nach oben, als würde er auf die Erleuchtung warten.
      „Zu Ihrer Information, Mister McBrady: Wir überprüfen jeden Besucher, den Johnson innerhalb der letzten acht Wochen hatte.“
      „Acht Wochen?! Und wenn er den Auftrag lange davor erteilt hat?“
      Agent McB. hat recht. Dieser Johnson kann die Leute ja bereits vor Monaten beauftragt haben.
      „Jetzt überprüfen wir erst einmal die Personen, die ihn kürzlich aufgesucht haben und sehen weiter“, entgegnet der Detective ruhig. „Ach ja, genau! Dass ich es nicht vergesse – Mister Pierce, Ihre Aussage bezüglich des Angriffs auf Sie fehlt uns noch.“
      „Welche meinen Sie jetzt?“, frage ich ihn provokant.
      „Den von letzten Samstagabend. Über den Schuss gestern sind Sie ja bereits befragt worden“, bemerkt der Mann sachlich und sieht mich streng durch seine Brille an. Seine Augen sind nicht ganz so eisig blau wie die von McBrady, aber dennoch furchteinflößend, wenn sie mich anstarren.
      „Ja, was wollen Sie denn hören? Ein Mann ist uns im Flur entgegengekommen und nachdem er an mir vorbei ist, hab ich einen Stoß im Rücken gespürt und bin gestürzt. Mein Bodyguard …“ Ich deute auf Agent McB. und fahre fort: „… hat den Mann davon abgehalten, mich mit einem Messer zu verletzen. Kurz darauf ist mir schwarz vor Augen geworden. Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen.“
      „Schwarz vor Augen? Waren Sie an besagtem Abend nüchtern, Mister Pierce“, fragt dieser Kemp mich skeptisch.
      „Was? Ja, was ein großer Fehler war!“, antworte ich genervt.
      „Das müssen Sie mir genauer erklären.“ Mit gerunzelter Stirn sieht mich der Detective an.
      „Ich hatte davor eine Auseinandersetzung mit meinem Vater, nichts weiter.“
      Etwas enttäuscht, wie mir scheint, nickt der kleine Mann vor mir. „Gut, dann geben wir das erst einmal so weiter. Und was diese Frau betrifft, Mister McBrady …“ Er wendet sich an meinen Gorilla im Anzug. „Samantha Coleman. Wir haben niemanden mit diesem Namen ausfindig machen können – jedenfalls keine Dame unter fünfzig.“
      „Das heißt, sie hat also gelogen“, brummt der verräterische Schlipsträger.
      „Sie haben Sie überprüfen lassen?!“, stelle ich ihn zur Rede.
      „Sir, Sie können nicht leugnen, dass es mehr als seltsam war, dass sie …“
      „Verschwunden ist?!“, falle ich ihm ins Wort. „Sie hat vermutlich gedacht, dass der Schuss ihr gegolten hat und panische Angst gehabt, dass man sie wieder umbringen wollte! Sie haben nicht mit ihr gesprochen, McBrady!“
      „Warum sollte man dieser Frau nach dem Leben trachten?“, fragt Detective Kemp hellhörig und auch Special Agent McB. spitzt die Ohren. „Bitte klären Sie mich auf.“
      „Das weiß ich leider auch nicht so genau“, gestehe ich. „Sie hatte furchtbare Angst und gemeint, dass jemand sie töten wollte und der Seelenklempner ihr nicht glaubt.“
      „Sie hat Ihnen einen Bären aufgebunden, Sir. Sie hat uns nicht einmal ihren richtigen Namen gesagt“, beharrt der Bodyguard weiter auf seiner Meinung.
      „Ja, vermutlich, weil sie uns genauso wenig kennt, wie wir sie und niemandem vertraut. So hat sie zumindest auf mich gewirkt.“
      „Kommen Sie, Sir! Im Restaurant ist sie alles andere als einen verängstigten Eindruck auf mich gemacht.“
      „Wenn ich die Herren kurz unterbrechen dürfte …“, meldet sich Detective Brillenschlange wieder zu Wort. „Wir versuchen, dem Ganzen nachzugehen und melden uns bei Ihnen. Mister Pierce, Ihnen ist klar, dass Sie auch polizeilichen Schutz beantragen können?“
      „Ja, danke, aber nein danke“, lehne ich so höflich, wie es mir bei diesem Angebot möglich ist, ab. Das fehlt mir gerade noch! An McBradys Miene erkenne ich, dass er mit dem Gedanken spielt, diese Möglichkeit ans Herz zu legen. „Ich habe einen hervorragenden Bodyguard. Keiner könnte mich besser schützen“, preise ich ihn, um Schlimmeres zu verhindern.
      Sofort nimmt dieser eine noch imposantere Haltung ein, als hätte sein Stock im Arsch an Länge gewonnen, woraus ich schließe, dass meine Aussage ihren Zweck erfüllt hat.
      Nachdem wir die Herren von der Polizei verabschiedet haben und mein Aufpasser gut gelaunt zu sein scheint, nutze ich die Gelegenheit. „McBrady, kann ich kurz mit Ihnen reden?“
      Er nickt und kommt mit besorgter Miene auf mich zu. „Hören Sie, Sir, ich wollte Sie keineswegs hintergehen oder dergleichen. Ich mache mir nur wirklich Sorgen, dass Sie den Leuten zu schnell vertrauen und unvorsichtig …“
      „Sprechen Sie von Samantha?“, unterbreche ich ihn und trinke die letzten paar Schlucke meines Kaffees in einem Zug aus. „Nein, McBrady, darüber unterhalten wir uns ein anderes Mal. Ich wollte Ihnen nur Bescheid geben, dass Sie heute Abend frei haben.“
    • Neu

      So, dann mal weiter im Text :D


      Kapitel 47


      „Frei, Sir? Wie meinen Sie das?“ Skeptisch starrt er mich mit seinen eisblauen Augen an.
      „Sie sind wirklich toll in Ihrem Job, aber ab und an haben Sie sich eine Pause verdient.“
      „Sir, ich … ich benötige keine Pause“, entgegnet er etwas überrumpelt.
      „Jeder braucht irgendwann einmal eine Pause. Sie sind keine Maschine, auch wenn es manchmal so wirkt“, widerspreche ich ihm.
      „Und Sie, Sir?“ Die Falten auf seiner Stirn nehmen unglaubliche Tiefen an.
      „Ich sehe mir mit Marcus ein Fußballspiel an.“ Angespannt warte ich auf seine Reaktion.
      Da, endlich! Eine Regung! „Hier, Sir? … Oder etwa bei Mister West?“ Ich kann förmlich spüren, wie er sich zusammennimmt und versucht, ruhig zu bleiben.
      „Nein, in einer Fußball-Bar.“ So, das war's jetzt.
      Sein linkes Augenlid beginnt willkürlich zu zucken. Entweder er fängt jeden Moment zu heulen an, oder er brüllt los. „Sie wollen alleine mit Mister West in eine Bar?! Abends?! Nach dem, was gestern vorgefallen ist?!“ Er schnaubt.
      Ich hab Angst. „Nein, Keef- – Mister Smith wird mich begleiten. Der hat am Sonntag schließlich auch gut auf mich achtgegeben“, argumentiere ich.
      „Dieser englische Agent ist mir sehr suspekt, Sir. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie er mich dazu gebracht hat, auf sich zu schießen. Ich vertraue ihm nicht.“
      „Kommen Sie, McBrady … Sie sind und bleiben mein Favorit“, versuche ich ihm zu schmeicheln, was nicht zu funktionieren scheint.
      Sein kantiges Gesicht bleibt ernst. „Darum geht es mir doch gar nicht, Sir.“ Er seufzt. „An meinem letzten freien Tag hatten Sie den Autounfall und wären beinahe gestorben.“
      Darum geht es also! Und ich hab mich schon die ganze Zeit gefragt, wo McBrady in dieser Nacht gewesen ist. „Und wie viele freie Tage hatten sie, bevor dieser blöde Irre unseren Wagen gerammt hat?“, will ich wissen. Hatte Lucian früher etwa mehr Freiraum?
      „Das mag schon sein, dass davor nichts passiert ist, Sir. Aber allem Anschein nach will Johnson es jetzt zu Ende bringen.“ Er nimmt mir meine leere Kaffeetasse aus der Hand und stellt sie auf der Kücheninsel ab. „Glauben Sie etwa, ich vermisse meine freien Donnerstage nicht, Sir? Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich habe mich an jedem meiner Ruhetage um Sie gesorgt. Das Wichtigste für mich ist Ihre Sicherheit. Da nehme ich eine Siebentageswoche gerne in Kauf.“
      „Hören Sie, ich möchte nur ungern die 'Ich‑bin‑der‑Boss‑und‑Sie‑arbeiten‑für‑mich'-Karte ausspielen, also akzeptieren Sie meinen Wunsch. Ich verstehe Sie ja und ich verspreche Ihnen, dass ich vorsichtig sein werde und dass heute Abend nichts passieren wird.“
      „Sir, das können Sie nicht versprechen“, entgegnet er entkräftet.
      „Mister Smith wird bei mir sein und nach dem, was gestern vorgefallen ist – wie Sie selbst gesagt haben, erwarten Johnsons Männer bestimmt nicht, dass ich heute Abend ausgehe.“
      „Sir, ich – wenn Ihr Vater davon erfährt …“
      „Wird er nicht, wenn Sie ihm davon nicht berichten“, falle ich ihm ins Wort. „Ich würde es auch vorziehen, ihm den Scharfschützen von gestern zu verschweigen, bevor er wieder auf die Idee kommt, dass ich bei ihm einziehen soll.“
      „Ist vermutlich besser, Sir.“
      „Jetzt schauen Sie doch nicht so deprimiert! Machen Sie sich einen schönen Abend!“, versuche ich den Miesepeter zu motivieren. „Entspannen Sie sich. Nehmen Sie ein Bad und sehen Sie sich einen Film an.“
      Der Anzugträger brummt unzufrieden und verschränkt seine Arme. „Ich werde mich unmöglich entspannen können, Sir.“
      Das glaub' ich ihm sogar. „Ich lasse auch mein Telefon an, dann können Sie mich jederzeit orten.“ Ich klopfe dem stämmigen Mann auf die Schulter und begebe mich ins Badezimmer.
      Der Bart ist wirklich ganz schön dicht geworden und lässt Lucians Gesicht noch männlicher wirken. Aber wo er recht hat, hat er recht. Gepflegt sieht das nicht gerade aus. Ich greife mir den hochmodernen Rasierapparat, auf den ich schon unzählige Blicke geworfen habe. Bis heute hab ich mich davor gedrückt, ihn zu benutzen, aber wenn ich Marc abends treffe, will ich nicht wie ein Holzfäller aussehen. Gestern hat er mir die Adresse von der Bar gesendet und gemeint, ich soll gegen sechs dort sein.
      Ein grauenvolle Surren ertönt, als ich das silberfarbene Gerät einschalte.
      So, ab mit dem Bart!

      Gegen Viertel nach fünf werfe ich noch einen letzten Blick in den Spiegel. Männer haben es gut. Man ist viel schneller fertig, weil man sich das lästige Schminken erspart. Nur ein Check, ob das Haar richtig sitzt, dann kann es auch schon losgehen. Über dem hautengen weißen T‑Shirt habe ich ein sportliches dunkelblaues Hemd angezogen, das ich offen trage. Dazu eine von Lucians grauen Designerjeans, die durch ihre Färbung etwas verwaschen wirken.
      Ich weiß zwar, dass ich mich als männlicher Freund mit Marc treffen werde, will aber dennoch attraktiv vor ihm auftreten. Macht das Sinn? Bevor ich mir darüber weiter den Kopf zerbreche, rufe ich leise nach Keefur und es dauert keine fünf Sekunden, da hallt das Klingeln durch die Wohnung.
      Mit einem schmollenden Gesichtsausdruck trottet mein Haus-Gorilla durch den Flur. Diesmal hat er es überhaupt nicht eilig, die Tür zu öffnen, ringt sich dann aber doch zu einem leidvollen 'Guten Tag' durch, als er das Füchslein hereinbittet.
      „Ihnen auch einen guten Tag, Mister McBrady“, grüßt ihn Keefur höflich und verneigt sich spielerisch. „Sie sehen heute nicht besonders gut aus, brüten Sie etwas aus?“, fragt er mein leidendes Kindermädchen.
      „Alles bestens, danke der Nachfrage“,entgegnet McB. und führt den Rothaarigen zu mir in Lucians Zimmer.
      „Wow, Pierce, du siehst aber schick aus!“, ruft dieser überrascht. „Für wen hast du dich denn so herausgeputzt?“ Sein Schmunzeln verrät mir, dass er mich bloß ärgern will.
      „Ich dachte, es wäre an der Zeit, sich wieder zu rasieren, nichts weiter“, entgegne ich und hole mir einen schwarzen Stoffmantel aus dem begehbaren Schrank.
      „Keine Sorge, ich bringe ihn wieder in einem Stück nach Hause“, versichert Keefur dem traurigen Menschenaffen, bevor wir die Wohnung verlassen.
      Ein Gefühl der Freiheit packt mich, sowie die Tür ins Schloss fällt. Lange dauert es nicht mehr, dann sehe ich meinen Marc wieder. Mit einem breiten Grinsen steige ich in den Aufzug. „Wie wollen wir eigentlich dorthin kommen? Nehmen wir ein Taxi?“
      Triumphierend hält mir der Rotschopf einen Schlüssel vor die Nase.
      „Ähm … Ja, und weiter?“
      „Nichts weiter, wir nehmen die Kawasaki.“
      „Du hast McBrady den Schlüssel geklaut?!“
      „Nicht doch, Alex, ich hab ihn geliehen“, will er es schönreden.
      „Deswegen also die sylische Lederjacke und die Bikerboots.“ Hoffentlich merkt es Agent McB. nicht.
      Unten in der Lobby hält der Seelensammler plötzlich an. „Ich möchte, dass du deine Kapuze aufsetzt“, sagt er ernst.
      „Wieso? Stimmt etwas nicht?“ Was ist los?!
      „Ich empfange hier viele negative, fast aggressive Schwingungen. Lässt sich schwer sagen, ob die dir gelten. Könnten aber auch von Starbucks an der Ecke am Ende der Straße kommen.“
      Großartig. Ich tue, was Keefur sagt und folge ihm nach draußen.
      Nachdem er dann doch Entwarnung gegeben hat, begeben wir uns in die Parkgarage gegenüber. Er reicht mir einen der Helme, die an der Maschine befestigt waren, setzt den anderen auf und setzt sich mit Schwung aufs Bike.
      „Sag mal, hast du überhaupt einen Motorradführerschein?“, frage ich ihn skeptisch.
      „Als ob ich einen brauchen würde.“ Er kichert belustigt.
      „Aber du kannst das Ding eh fahren, oder?“
      „Glaub mir, ich bin schon Motorrad gefahren, da hat das Spermium, das zu deinem Großvater geworden ist, noch nicht einmal den Hoden deines Urgroßvaters verlassen.“
      Ohne darauf zu antworten, steige ich schließlich auf und hoffe, dass mich der rote Teufel nicht umbringt.
      „Hey, nenn' mich nie wieder so! Man kann mich nicht im Geringsten mit Poodip vergleichen!“, mault Keefur beleidigt.
      „Poodip?! Der Teufel heißt Poodip?! Ernsthaft? Ich dachte, Luzifer … oder Beelzebub.“
      „Na hör mal, bei dem Namen würdest du dir auch Pseudonyme zulegen“, entgegnet er, lässt den Motor an und braust los.

      In weniger als fünfzehn Minuten erreichen wir die Bar.
      „Na, hab ich's dir nicht gesagt? Es gibt in ganz New York City keinen Ort, den ich nicht kenne. Der gesamte Stadtplan …“ Der rote Fuchs tippt auf seinen Helm. „Hier drinnen. Wenn du mich dabei hast, brauchst du kein Navi. Ich finde überall hin, und das trotz der vielen Veränderungen, die diese Stadt innerhalb der letzten Jahrzehnte mitgemacht hat“, gibt er an.
      „Du bist ja so toll, ich hab's kapiert“, entgegne ich genervt, während ich mich umsehe.
      „Er wird in zehn Sekunden hier eintreffen.“ Keefur schmunzelt und nimmt mir den Helm ab.
      „Was? Woher weißt …“
      „Wir haben vorhin sein Taxi überholt.“
      Tatsächlich! Er steigt aus dem Cab, das gerade vor der Fußball-Bar angehalten hat.
      „Marcus!“ Ich eile zu ihm, um ihn zu begrüßen.
      „Guten Abend, Lucian. Freut mich, dass du gekommen bist“, meint er höflich.
      „Ja, ich freue mich auch. Ist eine willkommene Abwechslung“, entgegne ich, wobei mir auffällt, wie müde er aussieht. „Wie geht es dir?“, frage ich ihn mit etwas Zurückhaltung.
      „Jetzt wieder besser. Zuhause ist mir schon die Decke auf den Kopf gefallen.“
      „Das Gefühl kenne ich nur zu gut.“
      „Den hast du heute mit?“, fragt Marc überrascht,als er Keefur gesehen hat. „Was ist mit Mister McBrady?“
      „Keine Sorge, ihr werdet mich gar nicht bemerken“, meint dieser etwas betreten und lässt uns den Vortritt in die Bar.
      Für einen Donnerstag Abend sind ganz schön viele Leute hier. Ich lasse meinen Blick durch die Räumlichkeiten schweifen. Das ist also die Fußball-Bar, in die Marc immer mit seinen Kollegen geht. Vom Ambiente eine typische Kneipe, wo der Geruch von Bier und Fastfood in der Luft liegt. Natürlich sind mehrere TV-Geräte angebracht, sodass man von überall das Fußballmatch verfolgen kann.
      „Dafür, dass nur ein Freundschaftsspiel läuft, ist heute die Hölle los!“, meint der Barkeeper zu Marc, als er uns gesehen hat und deutet ihm, dass weiter hinten noch ein kleiner Tisch frei ist.
      „Danke! Wir nehmen zwei Bier und …“
      „Drei Bier!“, fügt Keefur hinzu und grinst.
      „Sollten Sie im Dienst nicht nüchtern bleiben?“, fragt mein Schatz den Rotschopf überrascht.
      „Oh, ich bleibe nüchtern, egal wie viel ich trinke“, erwidert dieser. „Bei mir spielt ein Enzym verrückt, sodass Alkohol kaum Wirkung zeigt.“ Er seufzt. „Ein Segen und ein Fluch zugleich.“
      Ein Enzym, ja klar!
      Keefur zwinkert mir frech zu.
      Kurz darauf kommt ein kahlköpfiger junger Kellner an den Tisch und bringt unsere Gläser. „Na, wieder erholt?“, fragt er Marcus. „Du hast ja ganz schön über die Stränge geschlagen letzte Woche.“
      „Ja, es geht“, entgegnet dieser etwas betreten.
      Letzten Donnerstag etwa? In der Nacht, in der ich dank des verfluchten Seelensammlers hier links von mir gestorben bin, hat sich Marc also die Kante gegeben? Toll! … Gut, okay, er hat seine Beförderung gefeiert, aber …
      „Auf dass uns dieser Abend etwas Aufheiterung beschert!“ Der aschblonde schöne Mann mir gegenüber erhebt sein Glas. Wenn ich in seine sanften braunen Augen sehe, kann ich ihm nicht böse sein.
      „Cheers!“, gebe ich zurück und wir stoßen an.
    • Neu

      Hallo, ihr Lieben ^^


      Nur mal eine kleine Zwischenfrage:
      Gefällt euch die Richtung, in die sich die Handlung momentan entwickelt? (Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, wo ich die Geschichte "umreiße" und wir uns immer mehr der Auflösung nähern.) :hmm:
      Ich habe mich bemüht, wieder mehr Humor einfließen zu lassen. Merkt man das? Ist es zu viel/zu wenig?
      Sind die Charaktere noch in ihren Rollen?
      Okay, waren doch mehr als eine Frage :saint:


      Ich will die Story wenn möglich noch vor Sommer fertig bekommen, deswegen gebe ich grad ein bisschen Gas :crazy:
      Und dann wird eine ganze Weile nur noch gelesen und kommentiert.
      Kij braucht eine Schaffenspause und außerdem gehen ihr eure Geschichten ab ;(



      Kapitel 48


      Nach der ersten Halbzeit bin ich schon leicht angeheitert – oder eigentlich sollte ich sagen, erst leicht angeheitert. Ich habe bereits das dritte Bier geleert, aber in Lucians Körper vertrage ich anscheinend wesentlich mehr.
      Ein Tor drei Minuten nach Anpfiff lässt die Stimmung in der Bar steigen und Marc freut sich sehr für sein Lieblingsteam. Es ist schön, ihn wieder etwas lächeln zu sehen. Gerade, als ich mit ihm anstoßen will, vibriert mein Handy.
      „Alles in Ordnung?“, fragt Marc, der meinen verzweifelten Blick bemerkt hat.
      „Ja, das ist nur jetzt schon die zweite Nachricht von McBrady. Er will wissen, ob ich noch lebe“, erkläre ich kopfschüttelnd. „Ich schreibe ihm besser kurz zurück, sonst tanzt er hier noch an.“
      „Der gute alte McBrady“, meint Keefur amüsiert. „Wollt ihr noch was?“ Er steht mit seinem Glas auf und stoßt dabei mit einem jungen Mann mit Glatze zusammen.
      „Hey, Kleiner, pass' auf, ja?!“, mault dieser Kerl das Füchslein unfreundlich an.
      „Was heißt hier 'Kleiner'?“ Keefur stellt das leere Bierglas wieder auf dem Tisch ab und stemmt seine Arme auffordernd in die Hüfte.
      „Was?“ Der Typ lacht auf. „Suchst du Streit, oder was?“ Irgendwoher kenne ich diese widerliche Visage.
      „Nein, aber du, was ich für eine ziemlich schlechte Idee halte.“
      „John, lass gut sein“, mische ich mich ein. Ich lass nicht zu, dass mir Keefur den Abend ruiniert.
      „Luke, du hier?!“, ruft der unsympathische Kerl, sowie er Notiz von mir genommen hat.
      Ich wusste, ich kenne dieses Gesicht von wo! Das ist Greg, die Glatze! Der war auch da, als ich Lucians Wohnung das erste Mal betreten habe. „Hey, Greg“, entgegne ich kühl.
      „Du hast dich aber ganz schön schnell wieder erholt. Isabelles Tod dürfte dich dann ja doch nicht so mitgenommen haben, wie Terry gesagt hat. Bist hier am Feiern mit … Oh, wir kennen uns gar nicht“, wendet er sich an Marc. „Gregory, freut mich.“
      „Marcus.“ Zögerlich erwidert er Gregs Handschlag.
      „Entschuldigt mich.“ Keefur startet einen erneuten Versuch, sich ein Bier zu holen und stolziert mit erhobenem Haupt an Greg vorbei.
      „Ich mag diese Kneipen. Früher, bevor Isabelle so viel Zeit mit dir verbracht hat, sind wir oft in solchen Bars herumgehangen“, erzählt dieser.
      „Schön.“ Interessiert mich nicht.
      „Dann hat sie sich plötzlich um den armen Luke kümmern müssen, weil er es nicht verkraftet hat, dass sich seine Cousine umgebracht hat“, fährt er mit gespielter weinerlicher Stimme fort.
      Verdammt, halt doch einfach die Fresse!
      „Und dann war sie auch nicht mehr so leicht 'rumzukriegen. Schade eigentlich. Davor hat Isabelle noch für jeden die Beine breit gemacht.“
      „Greg, du …“ Ich fahre von meinem Hocker hoch.
      „Sag mal, war Isabelle nicht deine Freundin?“, mischt sich Marc ein, worauf ich nicke. „Was für ein riesiges Arschloch bist du eigentlich?“, wendet er sich nun an die Glatze.
      „Was ist los, Mann? Keinen Sinn für Humor?“, entgegnet dieser fast schon beleidigt.
      „Humor? Was genau soll daran witzig sein?“, fragt mein Schatz ruhig.
      „Nur, weil Luke es nicht verkraftet, dass seine tote Freundin was mit mir gehabt hat …“
      „Vielleicht verkraftest es auch du nicht, dass sie sich nach einem idiotischen Wichser wie dir einen anständigen Freund gesucht hat!“, kontert Marc.
      „Das …“ Greg glotzt ihn perplex mit offenem Mund an. „Aber ganz sicher nicht!“ Er fährt herum und sucht das Weite.
      „Was für ein mieses Stück Scheiße“, brummt mein Held und leert sein Glas. „Ich hätte bei Mister Smith gleich eine Bestellung aufgeben sollen“, seufzt er.
      „Danke“, sage ich noch etwas schockiert über die unglaubliche Frechheit dieses Kerls und setze mich wieder.
      „Hey, kein Ding. Ich wäre ausgerastet, hätte jemand so über Alex gesprochen.“
      Wärst du? Mein Herz klopft auf einmal ganz wild.
      „Ich …“ Oh, nein – seine Miene wird wieder ganz traurig. „Ich vermisse sie so sehr.“
      Ich vermisse dich auch, Schatz. „Glaub mir, ich weiß, wie du dich fühlst“, entgegne ich leise.
      Wie aufs Stichwort stellt Keefur drei Gläser Bier auf den Tisch. „Ich hab mir gedacht, ihr wollt vielleicht auch noch eins“, bemerkt er und setzt sich wieder.
      „Ja, das kommt wie gerufen. Danke.“ Marc ringt sich zu einem Lächeln durch.

      Der Ausgang des Matches war mehr als ernüchternd. Der NYC-FC hat eins zu zwei verloren, was aber kaum jemanden zu stören scheint. Oder kommt mir das nur so vor? Ich bin ziemlich angetrunken und würde Marc am liebsten einfach um den Hals fallen. Und meine Blase drückt.
      „Ich muss mal“, melde ich mich ab und bahne mir leicht schwankend meinen Weg durch die Menge der Fußballfans bis zur Toilette, wo gerade ein muskulöser Typ steht und pinkelt. Ich will mich nicht neben diesen Kerl stellen, der guckt mir sonst garantiert auf den kleinen Lucian – das hab ich oft genug in Filmen gesehen. Ist anscheinend irgend so ein Männer-Ding. Aber nein, nicht mit mir! Ich nehme eine der beiden freien Kabinen und schließe ab.
      Um Himmels Willen, stinkt das! Da wird einem richtig übel. Was hat dieser Mensch, der vorhin hier drinnen war, gegessen?! Hektisch öffne ich das Fenster, das zum Glück groß genug ist, sodass die verseuchte Luft schnell entweichen kann. Tief atme ich durch und lasse der Natur plätschernd ihren Lauf.
      „Trinkt ihr in aller Ruhe aus, ich geh' dann mal bezahlen“, sagt der rote Fuchs, nachdem ich wieder zu unseren Tisch zurück bin.
      Bezahlen? Ist nur die Frage, ob er den Barkeeper auch unter Hypnose setzt, um die Zeche zu prellen.
      „Danke, dass du mitgekommen bist, Lucian“, meint Marcus plötzlich.
      „Jetzt bedank' dich nicht ständig. Ich hatte auch Spaß. Außerdem muss ich mich bei dir bedanken. Du hast diesem Glatzkopf die Stirn geboten.“
      „Na hör mal! Wie sich dieser Wichser vor dir benommen hat, war total daneben.“ Seine Augen glänzen.
      Ich vermisse dich so unglaublich, Marc. Wie er so über den Tisch nach vorne gelehnt das Kinn auf seine Hand stützt, sieht so niedlich aus. Diese warmen braunen Augen. Wenn ich doch nur …
      Er weicht zurück. „Hey, Mann, was soll das?! Wolltest du mich gerade küssen?!“
      Oh, fuck! „Was? Nein – entschuldige.“ Verdammt, was ist nur in mich gefahren!? „Ich bin nur nach vorne gekippt – hatte wohl 'n paar Bierchen zu viel.“
      „Mann, hast du mich erschreckt. Ich meine, du bist doch …“
      „Hetero“, falle ich ihm ins Wort. „Isch bin so was von heeetero.“ Verdammt, das ist mir jetzt peinlich. „Vielleischt sollte ich an die frische Luft gehen …“
      „Ja, ich bin ebenfalls schon ziemlich angeschlagen. Was hältst du von einem kleinen Spaziergang zur Ausnüchterung?“, fragt Marc und steht auf, wobei er fast das Gleichgewicht verliert.
      Auch ich muss gleich feststellen, dass es nicht ganz so einfach ist, sich nach sechs Gläsern Bier noch gerade auf den Beinen zu halten. Da war der Weg zur Toilette vorhin noch ein Kinderspiel.
      Gemeinsam schwanken wir an den sich laut unterhaltenden Leuten vorbei in Richtung Ausgang, wobei mir erst jetzt auffällt, dass sie mittlerweile Musik aufgelegt haben.
      „Wo soll es denn hingehen, meine Herren?“, höre ich Keefurs Stimme hinter mir.
      Stimmt, der ist ja auch noch da! „Raus … bischen an die Luft.“
      „Da geht es jemandem schon sehr gut, nicht wahr?“ Der Rotschopf grinst mich an.
      Wieso grinst er so blöd? Ich bin ein erwachsenes Mädchen, ich darf schon trinken – so viel ich will! Hoppla! Wieso steht dieser blöde Tisch im Weg?
      „Pass auf, wo du hintrittst, Pierce“, meint der Fuchs amüsiert.
      Ha ha, ich lach mich tot! „Marc, warte!“ Und hinaus ist er … Zur Tür raus … Auf die Straße … Ich muss ihm nach … Und raus – verdammt, ist das kalt draußen!
      Folgt mir der Fuchs eh? Nicht, dass mich in meinem Rausch jemand erschießt …
      „Ich bin hinter dir, keine Panik“, höre ich seine Stimme.
      Panik? Ich? Ach was, ich bin bloß vorsichtig …
      „Lucian, alles okay?“, fragt Marc, der an der Ecke weiter vorne wartet.
      „Jep, ich komm' schon. Bin gleisch bei dir.“ Etwas wackelig auf den Beinen gehe ich zu ihm und wir spazieren langsam die Straße entlang. Die frische Luft tut wirklich gut.
      „Der Abend gefällt mir“, meint Marc. Er klingt total süß, wenn er besoffen ist. „Das Spiel haben wir zwar verloren, aber völlig egal. Es war wirklich ein netter Abend. Mit dir ist es viel entspannter, als mit meinen Kollegen. Die drehen immer völlig ab.“
      Wir biegen um die Ecke.
      „Gehst du nächste Woche wieder arbeiten?“, frage ich ihn.
      „Ich will schon, aber keine Ahnung, ob mich mein Chef lässt. Eigentlich haben wir genug zu tun und die Firma kann sich nicht leisten …“ Er bleibt stehen und hält inne.
      „Was ist?“
      Schweigend blickt er zur Eingangstür des Gebäudes, vor dem wir angehalten haben.
      „Marcus?“ Ist er jetzt im Stehen eingeschlafen? „Hallo?“ Was … Weint er etwa?! „Marc, was ist los?“
      „Es …“ Er sinkt auf seine Knie.
      „Marc …“ Was hat er denn? Ich hocke mich zu ihm nieder.
      „Es ist alles meine Schuld“, haucht er.
      „Was ist deine Schuld?“
      „Ich habe früher nie an Karma oder dergleichen geglaubt, aber jetzt …?“ Verzweifelt sieht er mich an.
      „Karma? Wovon redest du?“
      „Ich hätte ein besserer Ehemann sein sollen – ein besserer Mensch!“
      „Aber …“
      „Wenn ich diese blöde Beförderung nicht hätte feiern wollen und an dem Abend nach Hause gefahren wäre, wäre Alexandra vielleicht noch am Leben!“
      „Schwachsinn! Du kannst nichts dafür!“ Du warst – nein, du bist ein toller Ehemann!
      „Ich hätte …“ Er dreht sich weg und muss sich übergeben.
      „Dass ihr Menschen das nie lernt“, seufzt Keefur und reicht mir eine Packung Taschentücher. „Der Konsum von Alkohol wird mir immer ein Rätsel bleiben.“
      „Geht's wieder?“ Mein armer Schatz. Da hast du es wieder übertrieben.
      Er nickt und nimmt das Taschentuch, das ich ihm hinhalte.
      „Komm, ich ruf' dir ein Taxi. Steh auf.“ Ich helfe ihm aufzustehen, wobei ich selbst fast das Gleichgewicht verliere. „Du legst dich zu Hause am besten gleich ins Bett.“
      „Nein, ich will nicht nach Hause“, entgegnet er weinerlich. „Ich … ich will zu Ruth und Sam.“
      Zu meinen Eltern?!
    • Neu

      kijkou schrieb:

      Gefällt euch die Richtung, in die sich die Handlung momentan entwickelt?

      Kann man irgendwie noch nicht so richtig erahnen, wohin es jetzt steuern soll.

      kijkou schrieb:

      Ich habe mich bemüht, wieder mehr Humor einfließen zu lassen. Merkt man das? Ist es zu viel/zu wenig?

      So Dinge wie der Name des Teufels und so sind nicht so meins - an Keefur weiss ich mehr das bizarre zu schaetzen als das Witzige (das ist mir zu bemueht). Aber so oder so ist der Unterschied nicht drastisch finde ich.

      kijkou schrieb:

      Sind die Charaktere noch in ihren Rollen?
      Ja, schon. Wobei grade McB auch mal aus der Rolle fallen duerfte, der ist schon arg festgelegt...

      Kleine Lokalkolorit-Anmerkung: Fussball ist in USA eine Nischensportart - da guckt man eigentlich eher American Football, Baseball oder Basketball (je nachdem was grade in der Saison ist). Eine Fussball ('soccer') Bar faende ich jetzt sehr ungewoehnlich... und die New York Giants sind wahrscheinlich hundertmal bekannter als der NYC FC (den es erst seit 2015 ueberhaupt gibt...)
    • Neu

      Hi @Thorsten!
      Danke für dein Feedback ^^

      Thorsten schrieb:

      Kann man irgendwie noch nicht so richtig erahnen, wohin es jetzt steuern soll.
      Gut, das kommt jetzt vielleicht in den nächsten Kapiteln mehr heraus.

      Thorsten schrieb:

      So Dinge wie der Name des Teufels und so sind nicht so meins - an Keefur weiss ich mehr das bizarre zu schaetzen als das Witzige (das ist mir zu bemueht). Aber so oder so ist der Unterschied nicht drastisch finde ich.
      "Bizarr" :hmm: Das würde ihm gefallen :D

      Thorsten schrieb:

      Wobei grade McB auch mal aus der Rolle fallen duerfte, der ist schon arg festgelegt...
      :D Dann freu ich mich schon darauf, was zu zu Kapitel 50 sagen wirst :whistling:

      Thorsten schrieb:

      Fussball ist in USA eine Nischensportart - da guckt man eigentlich eher American Football, Baseball oder Basketball (je nachdem was grade in der Saison ist)
      Ja, ich weiß, die Amis haben es nicht so mit Fußball ... Warum das wohl so ist? :hmm:
      Bei meinen Schauplätzen orientiere ich mich immer an richtigen Locations, auch wenn ich sie nicht immer namentlich erwähne, wie das Freemans oder das New Apollo Diner zB. :essen:
      Bei dieser Bar hatte ich das Banters im Kopf, weil es nicht weit von Marcs und Alex' Wohnung weg liegt. Ich war jetzt auch ein bisschen zu faul, um zu recherchieren, wann wichtige Matches stattfinden, deswegen ein Freundschaftsspiel an diesem Abend :D

      Liebe Grüße ^^