Was wäre wenn?! Eine Halvar + Iouna Parody (Zwischen Leben und Tod)

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    • Was wäre wenn?! Eine Halvar + Iouna Parody (Zwischen Leben und Tod)

      Hey Leute,

      da @Chaos Rising und meine Story aus einem RPG heraus entstanden ist und wir diese zuerst bei Wattpad hochgeladen hatten, haben wir dazu auch recht viel Schindluder getrieben.
      So gab es mal die Auswahl, die beiden Figuren in ein anderes Setting zu werfen + andere Personen, um etwas Lustiges zu erschaffen.
      Jeder kennt das ja, dass man beim Schreiben oftmals wirres Kopfkino hat, man lustige Szenen erschafft, die man aber nicht verwenden kann, weil die Geschichte ja nunmal keine Komödie ist.
      Tja, wir haben daraus quasi eine Parody (nicht ganz Kurzgeschichte) gemacht, die nicht ganz mit dem Original übereinstimmt, also was die Hintergründe angeht. Die beiden Charakter sind quasi so, wie sie im ausgewählten Setting wären. Sprich, wir haben sie genommen, ihnen eine andere Geschichte verpasst, aber so, dass Grundeigenschaften erhalten bleiben. Dazu durften sich eben Leser aussuchen, wer am Setting teilnehmen darf, welchen Berufen die beiden nachgehen und Co.


      Das Ergebnis der Umfrage war dabei:

      Welchen Beruf üben beide aus?
      Halvar ist Polizist, Iouna ist Lehrerin


      Was ist ihr Status? (Abgeleitet vom Original)
      Halvar ist geschieden, Iouna alleinstehend


      Ziel?
      Schlimme Dinge verarbeiten


      Wer ist noch da?
      Christian Grey - Fifty Shades of Grey (vielen Dank btw. das kann nur doof werden/ er wird zwecks Story aber eigeninterpretiert, also kein Shitstorm wegen charaktertypischen Änderungen)


      Gutes Ende/Schlechtes Ende
      Gutes Ende (alles Romantiker ;) )


      Wo sind sie? In welchem Land?
      Wir haben uns mal, weil das insgesamt die Mehrheit war, für die USA entschieden.


      Wie alt sind beide?
      ~ 30 (wir werden den Alterunterschied vermutlich übernehmen, daher variiert es etwas)


      Was tragen beide?
      Zeitgemäße Kleidung


      Diese Parts, die hier gepostet werden, dienen der reinen Unterhaltung, ihr müsst also komplett nicht auf Rechtschreibung, Grammatik oder Satzbau achten. Es ist immerhin nur eine Parody und es wäre schade, wenn der Witz an zu ernsten Kommentaren verloren geht, aber klar dürft ihr eure Meinung dazu sagen, das wollen wir ja. Hebt euch aber eure gut ausgearbeiteten Kritiken für die Geschichten auf, die dies wirklich brauchen und wollen - das hier ist nur Unterhaltung, wenn man mal nicht nachdenken möchte. ;)

      Die unter euch, die das Hauptwerk nicht kennen, das macht nichts, es ist auch so nachvollziehbar und hoffentlich lustig. Natürlich wurden aber weiterhin Halvar von Chaos Rising geschrieben und Iouna von mir. Also dahingehend bleibt alles wie gehabt. :rofl:

      Also Spaß haben!!!
    • So, dann machen wir mal den Anfang!!!


      Folge 1
      Das Elterngespräch



      Nervös sortierte Iouna ihren Schreibtisch. Eine frischgebackene Lehrerin sollte Ordnung darauf halten, um ihre Kompetenz zu vermitteln. Bleistifte, die Hausaufgaben, Kaffeetasse – alles hatte seinen Platz.
      Nur Elterngespräche waren noch nicht ihre Stärke. Die meisten Eltern verteidigten ihre Kinder vehement, wie sie feststellen musste. An viele war kein Herankommen, wenn der Nachwuchs sich ständig daneben benahm. Das eine oder andere Mal war Iouna deshalb mit ihrem Können als Lehrerin der hiesigen Junior High School in negative Kritik geraten. Es läge an ihr und nicht an dem jeweiligen Nachwuchs. Dabei hatte sie die Klasse erst seit einem Monat und war für eine Lehrerin eingesprungen, die sich nun in Rente befand. Demnach musste sich die junge Frau erst einmal in die Klasse einfügen. So gegen Ende eines Schuljahres war ein Lehrerwechsel nicht gerade einfach für alle. Daher schaute sich Iouna erst einmal die Problemfälle an. Darunter auch Lillian Dahl. Eine Schülerin, die im vergangenen Jahr stark nachgelassen hatte. Ihre Noten rutschten in den Keller und deshalb suchte die Lehrerin das Gespräch mit den Eltern. Allerdings war die Mutter schwerer zu erreichen als der amerikanische Präsident. Aber sie hatte es geschafft, wie sie sich selbst innerlich loben musste und hatte einen Termin mit Mrs. Khyla Dahl ausgemacht. In wenigen Sekunden sollte diese Frau durch die Tür treten und Iouna hatte die unangenehme Aufgabe, diese über die Leistungen ihrer Tochter aufzuklären.

      Noch einmal kontrollierte sie ihren beigen Blazer und zupfte ihre Bluse zurecht. Ihr Dutt saß auch noch an Ort und Stelle und keine Strähne hatte sich auf ihre Jacke verirrt. Nur ihre Brille wies ein paar Flecken auf, die schnell mit einem Tuch beseitigt waren. Ihr Aufzug war nicht gerade körperbetont, aber immerhin besaß sie eine Vorbildfunktion. Sie war Lehrerin und keine Stripperin, wobei die Übergänge dazu bei ihrer Kollegin Phiona mehr als schwammig waren.
      Die Anspannung stieg und dann ging die Tür am Ende des Raumes auf, weshalb sich die junge Frau hinter ihrem Pult aufrichtete, um die Mutter zu begrüßen.
      Aber nicht Mrs. Dahl betrat den Raum. Es war nicht einmal eine Frau, oder sie brauchte eine neue Brille. Überrascht zog Iouna die Sehhilfe etwas nach unten, aber nein, es wurde nicht besser. Das, was durch die Tür trat, glich mehr einem Hünen aus alten Märchen. Eben die Art Person, die einem eine Keule über den Kopf zog und durch das Dickicht zerrte. Der Mann hatte Glück, dass die zwei Meter hohen Türen groß genug waren, sodass er sich nicht den Kopf stieß, obwohl er versucht war, sich zu bücken. Die Nervosität stieg damit nur weiter an.
      „S-Suchen Sie jemanden?“
      „Mrs. NíGwydion?“, erwiderte der Herr und schaute sie vom Eingang aus an.
      O Gott, jetzt hetzen mir die Eltern schon die Cops auf den Hals.
      Iouna kam nicht umhin zu bemerken, dass der Mann vor ihr eine Uniform der örtlichen Polizei trug.
      „Es heißt Miss, aber ja …“, antwortete die Lehrerin kleinlaut und musste sich räuspern, da sich ein Kloß in ihrem Hals ausgebreitet hatte. „Stehe ich auf dem falschen Parkplatz? Schon wieder?“
      „Nein“, gab der offensichtliche Polizist von sich und lachte kurz. „Ich bin wegen meiner Tochter Lilly hier.“
      Tochter? Lilly? Ah, Lillian …
      „Entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich rechnete mit Ihrer Frau.“
      Wenn das ihr Vater ist, sollte ich meine Worte mit Bedacht wählen, bevor er mich in der Mitte auseinanderbricht … wie ein Donut.
      Exfrau“, korrigierte er Iounas Aussage und betonte das Wort so sehr, dass die Lehrerin eine vage Ahnung bekam, weshalb die Leistungen des Kindes immer weiter absackten. „Sie ist … verhindert.“
      Passt er überhaupt auf den Stuhl? Und wenn ja … Macht das der Stuhl mit? Und wenn er es mitmacht … Überlebe ich das?
      „Wollen wir uns setzen?“, kam Iouna lieber zum Punkt und wies Mr. Dahl auf die freie Sitzgelegenheit vor ihrem Pult. Umgehend setzte sich der Vater von Lillian und rückte sich seinen Gürtel zurecht, woran eine Schusswaffe, eine Elektroschocker und Handschellen zu Tage traten.
      Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: 'Lehrerin von wütenden Vater erdrosselt'.
      Iouna schob sich die Brille etwas auf ihrem Nasenrücken zurück und setzte sich ebenfalls. Als der Mann vor ihr saß, stieg ihr ein altbekannter Geruch in die Nase. Anscheinend hatte nicht nur Lillian ein winzig kleines Problem, sondern auch ihr Vater. Er sah nicht so aus, als hätte er soeben eine Grillparty verlassen, aber dennoch roch er wie ein eine Flasche Whiskey, die in einem Bierfass gereift war. Iouna riss sich zusammen, ihn nicht gleich darauf anzusprechen, sondern wollte zum Wesentlichen kommen.
      Die Mutter verhindert und der Vater im Dienst betrunken?Eine Vorzeigefamilie.
      „Wissen Sie über Lillians Noten Bescheid?“, erkundigte sich die Lehrerin zunächst. Denn wenn er nichts wusste, musste sie bei Null anfangen.
      „Nein“, gab er Polizist zu und Iouna konnte ihm ansehen, dass ihm dieser Umstand mehr als peinlich war. Etwas unruhig rutschte er auf dem Stuhl hin und her, wich ebenso ihren musternden Blicken aus und wirkte ehrlich betroffen.
      „Dann lebt Lillian wohl bei ihrer Mutter?!“
      „Normalerweise, ja“, gab Mr. Dahl an. „Ihre Mutter ist in den Urlaub geflogen. Seit einer Woche ist sie deshalb bei mir.“
      Großartig … Ein Kind mit einem Vater, der riecht wie ein ganzer Schnapsladen.
      „Lillian schien zuvor eine recht gute Schülerin gewesen zu sein, aber seit einem Jahr fallen ihre Leistungen sichtlich ab. Ich selbst habe diese Klasse erst seit einem Monat, daher versuche ich, zu verstehen, weshalb ein Mädchen so stark abbaut. Noch hält sie sich über Wasser, aber wenn es so bleibt, wird sie nächstes Jahr den Wechsel zur High School nicht schaffen. Sommerschule und das Wiederholen der Kurse würde auf der Liste stehen. Ich versuche, sie davor zu bewahren.“
      „Die Trennung hat sie etwas … mitgenommen“, gestand er und das schien nicht nur bei der Tochter so zu sein.
      Kurzes Schweigen brach aus, woraufhin sich der Polizist sichtlich nervös über sein unrasiertes Gesicht fuhr.
      „Das mag sein“, fuhr Iouna dann fort und rückte sich ebenso unruhig ihren Stuhl zurecht. „Allerdings gelten für Ihre Tochter die gleichen Gesetze wie für alle anderen. Wenn wir bei jedem Scheidungskind Ausnahmen machen würden, bestünden ganze Klassen aus diesen Kindern. Es liegt an den Eltern, trotz des Umstanden, ihrem Nachwuchs ein solides Heim zu bieten. Die Sicherheit, dass sich beide Elternteile immer noch um sie kümmern.“
      Genau, rede gegenüber einem Polizisten über Gesetze, du Flachpfeife. Vermutlich hast du heute schon sieben Bundesgesetze gebrochen und der Herr könnte dich für alle Zeit einsperren.
      In solchen Momenten war sie immer froh, dass niemand in ihren Kopf hineinschauen konnte.
      Was in diesem Moment Mr. Dahl dachte, war offensichtlich. Denn da kam sie auch schon. Die Abwehrhaltung. Manchmal war Lehrer sein, als wenn man sich in einem Schützengraben befand und das ohne Verteidigung. Nackt, wie Gott einen geschaffen hatte, und der Gegner besaß durchschlagende Argumente.
      „Das sagt sich leichter als es ist“, antwortete der Vater und verschränkte seine Arme vor sich.
      Mürrisch blickte Iouna den Herrn an.
      „Und das sagen immer alle Eltern. 'Es ist nicht so leicht', aber das ist es nie. Sie haben eine Tochter in die Welt gesetzt, also sollten sie auch gewillt sein, diese zu unterstützen.“
      Und vielleicht weniger trinken. Und sich waschen. Schlafen könnte auch nicht schaden …
      „Das hat nichts mit 'nicht wollen' zu tun“, dementierte er ihren Einwand. „Zumindest nicht bei mir!“
      Kurz sinnierte Iouna über die ganzen Verneinungen, nickte aber zum Schluss und sah den Polizisten erneut an.
      „Die Differenzen mit ihrer Exfrau gehen mich nichts an, aber irgendjemand muss die Verantwortung übernehmen. Die eine Person ist nicht da und Sie … wirken überfordert mit der Situation.“
      Kleidung offensichtlich seit Tagen an … Ist das Senf auf seinem … Wie auch immer. Unrasiert, deutliche Fahne, und wie er überfordert ist.
      „Wenn Sie das sagen.“
      In dem Moment sah Mr. Dahl sie unverwandt an. Dabei stachen die blauen Augen des dunkelhaarigen Mannes deutlich heraus.
      Was ist das für eine Farbe? Stahlblau? Eisblau? Wenn Blicke töten könnten, würde ich sicherlich vom Stuhl kippen. Naja, es gibt schlimmere Todesarten als von Iriden erdolcht zu werden. Sie wären ja fast schön, wenn er nicht gucken würde wie ein betäubtes Faultier.
      Aber bevor Iouna ihm zu lange musternd in die Augen sah, räusperte sie sich und lehnte sich etwas in ihrem Stuhl zurück.
      „Hören Sie, ich will nicht gegen Sie arbeiten, sondern mit Ihnen. Lillian könnte einen zusätzlichen Kurs belegen, um andere auszugleichen. Ein Jahr zuvor hatte sie an der Theater AG teilgenommen, die aber mit der Lehrerin, die ich ersetzt habe, ebenfalls in Rente ging.“
      Iouna lehnte sich etwas zur Seite, um an ihr rechtes Schubladenfach zu kommen und holte einen Zettel heraus, der einige Kurse aufgelistet hatte. Mit einem versuchten Lächeln schob sie diesen dem Vater zu und faltete dann ihre Hände erwartungsvoll ineinander.
      „Vielleicht hat Lillian doch Interesse an dem einen oder anderen Kurs teilzunehmen, und sich dann fest für das nächste Schuljahr einzuschreiben.“
      Etwas mürbe fiel die große Hand auf den Schreibtisch und zog den Zettel an den Polizisten heran.
      Ich bin ein querschnittsgelähmtes Zombie, schon klar.
      Einen Moment ließ die Lehrerin ihm Zeit, diesen zu überfliegen, als er schließlich nickte.
      „Ich werde es ihr vorschlagen“, verlautete er und Iouna nickte ebenfalls.
      „Gut“, gestand sie ihm zu. „Ich würde nur ungern Lillian die Kurse wiederholen lassen, weil ihre Lehrerin anscheinend der Meinung war, sie kann mehr. Ich muss jedoch abwarten, wie es sich entwickelt. Ein Monat ist kaum genug Zeit, um sich von fünfundzwanzig Schülern ein Bild zu machen, die bei mir ihre Kurse abschließen.“
      Erneut nickend nahm er ihre Worte hin.
      „Verstehe“, sagte er knapp und steckte den Zettel ein. „Noch etwas?“
      Der Alkohol. Der Alkohol! Du kennst das doch.
      „Ja, da ist noch etwas ...“, setzte Iouna sichtlich nervös an.
      Nicht rot werden. Du bist eine kompetente Lehrerin mit dem Herz am rechten Fleck … gerade in den Füßen, aber das bekommen wir hin. Sei streng, aber verständnisvoll. Lächle und mache ihm klar, dass er ein versoffenes … Dass er ein Problem hat.
      „Eigentlich müsste ich die familiären Umstände melden.“
      Fragend hob Mr. Dahl seine Brauen und schaute Iouna an.
      „Wem was melden?“
      „Also … ich bin nicht dumm, nur lebensmüde.“, die letzten Worte sprach sie nicht offen aus. „Ich kann riechen, dass sie getrunken haben und von ihrem trägen Zustand her, würde ich schätzen, es war kein Feierabendbier. Als Lehrerin, die mitbekommt, dass ein Elternteil betrunken in der Schule auftaucht, während das andere nicht zugegen ist, müsste ich das eigentlich der Schulbehörde melden.“
      Mr. Dahl wich plötzlich ihrem Blick aus.
      Volltreffer! Kein Gelegenheitstrinker.
      „... aber?“, verlangte er kleinlaut zu wissen.
      „Aber“, setzte die Lehrerin an, „ich gebe Ihnen die Gelegenheit, zu beweisen, dass Ihnen Ihre Tochter am Herzen liegt. Sie müssen nichts weiter tun, als ...“
      Die junge Frau fischte nach ihrer am Boden stehenden Handtasche und zog sie sich auf den Schoß. Suchend kramte sie darin herum, bis sie gefunden hatte, was sie suchte und reichte Mr. Dahl den Prospekt.
      Diesen überflog er genauso wie den anderen Zettel und schaute sie danach schon fast entrüstet an.
      „Ist das Ihr ernst?“
      „Nein“, kam ungewollt sarkastisch über ihre Lippen. „Ich mache gerne Scherze über Kindeswohlgefährdung und die anonymen Alkoholiker.“
      Das hat gesessen!
      Eine Antwort seitens des Vaters blieb aus, weshalb Iouna fortfuhr.
      „Ich möchte, dass Sie die Sitzung am Freitag in der Kirche besuchen. Wann sie stattfindet und in welchem Raum, steht auf der Rückseite. Das ist die Bedingung, dass ich es vorerst für mich behalte. Ein Besuch, mehr verlange ich nicht.“
      Kurzes Schweigen kündigte sich an, bis der Polizist es brach.
      „Einen Besuch?“, versicherte er sich noch einmal.
      „Versuchen Sie jetzt bitte nicht, mit mir über die Anzahl 'Eins' zu feilschen.“
      Musternd betrachtete Mr. Dahl das Gesicht der Lehrerin.
      „In Ordnung“, meinte er anschließend.
      Erleichtert atmete Iouna durch und lächelte zaghaft.
      „Damit wäre wohl vorerst alles gesagt."
      Der Vater nickte und stand dann von dem Stuhl auf, der seine Anwesenheit glücklicherweise überstanden hatte – ebenso wie sie.
      „Auf Wiedersehen“, gab er recht genervt von sich und in dem Moment hoffte Iouna, dass das nicht allzu schnell sein würde.

      Der Polizist machte gar keine Anstalten, zu verbergen, dass das Elterngespräch beendet sei und verließ mit großen Schritten das Klassenzimmer, was die Lehrerin erneut dazu brachte, tief durchzuatmen. Sichtlich erschöpft von dieser Unterredung ließ Iouna ihren Kopf auf den Schreibtisch sinken, bevor sie abrupt ihre Arme siegreich in die Luft riss.
      Wieder einen Tag in der Vorhölle überlebt! Bleiben nur noch rund vierzig Jahre …
    • :rofl: Coole Idee eure Idee in ein modernes Setting zu verschieben ^^
      Bin gespannt. Ich denke, ihr wollt die Story ohnehin nicht 1:1 übertragen, zumal ihr euch auch noch für "Non-Fantasy" entschieden habt.

      Jennagon schrieb:

      Halvar ist Polizist
      Hier bin ich skeptisch :hmm:
      Ich finde Polizist passt nicht so 100%ig.
      Kopfgeldjäger und Polizist sind zwei so völlig unterschiedliche Berufe :hmm:
      Bin aber gespannt, ihr werdet euch schon was dabei gedacht haben.

      Jennagon schrieb:

      Halvar ist geschieden
      Auch hier bin ich unschlüssig ... Ich hätte auf Witwer getippt ^^
      Anyway ^^ Man kann auch als Geschiedener schlechte Erinnerungen haben, die man verarbeiten will/muss ^^

      Aber nach dem ersten Teil bin ich eigentlich schon wieder dabei meine Bedenken zu verwerfen xD
      Generell habe ich erstmal nicht viel dazu zu sagen :P
      Ich lasse mich einfach mal überraschen :D
      Sternzeichen Kaffee, Aszendent Streuselkuchen
    • Miri schrieb:

      Hier bin ich skeptisch
      Ich finde Polizist passt nicht so 100%ig.
      Kopfgeldjäger und Polizist sind zwei so völlig unterschiedliche Berufe
      Bin aber gespannt, ihr werdet euch schon was dabei gedacht haben.
      Nein, wir haben uns nichts dabei gedacht, denn wie oben zu lesen, haben sich die Sachen Leser ausgesucht und das war dann eine Mehrheitsentscheidung. Sprich, 3 Leute meinten z.B. er soll ein Polizist sein, sie Lehrerin, dann MUSSTEN wir das nehmen. Wir hatten dabei keine Wahl und kein Mitbestimmungsrecht. :rofl:
      Deswegen spielt ja auch Christian Grey mit. Wir haben mit der Auswahl nichts zu tun - nicht mal wirklich mit dem geschieden, auch das stammt aus dem Entscheid. ;)
      Wir haben dann nur versucht, daraus Just For Fun eine Geschichte zu machen. Eine einigermaßen plausible Handlung zu machen, weißt. Nur lustig und nicht immer allzu ernst.


      Miri schrieb:

      Auch hier bin ich unschlüssig ... Ich hätte auf Witwer getippt
      Anyway Man kann auch als Geschiedener schlechte Erinnerungen haben, die man verarbeiten will/muss
      <--- auch hier. Damit haben wir bei der Auswahl nichts zu tun. :whistling:
      Bei Iouna war Lehrerin dabei noch knapp, es wurde auch mehrfach Stripperin vorgeschlagen, aber Pädagogin hatte eine Stimme quasi mehr.

      Miri schrieb:

      Zum ersten Teil habe ich erstmal nicht wirklich was zu sagen
      Ich lasse mich einfach mal überraschen
      Ja, das hoffen wir doch. 8o
    • So ich mach mal weiter :D


      Folge 2: Vater, ... , Kind

      Genervt knallte Halvar die Beifahrertür des Streifenwagens zu und rieb sich über das Gesicht.
      „Scheint ein tolles Gespräch gewesen zu sein“, meinte Ivar auf dem Fahrersitz und grinste wie so oft.
      „Fahr einfach los.“
      „Ja, Sir Dahl“, maulte sein Kollege und startete den Wagen. „Also?“
      Halvar kratzte sich am Kinn und dachte darüber nach, was die junge Lehrerin ihm gesagt hatte, während das Fahrzeug sich in Bewegung setzte.
      Ich sollte mich rasieren.
      „Also was?“, wollte er wissen und sah Ivar an.
      Ohne seinen Blick von der Straße zu nehmen, lachte dieser nur.
      „Du hast heute wieder die Aufmerksamkeitsspanne eines Backblechs!“, spottete er. „Vielleicht solltest du weniger …“
      „Sag, was du wissen willst, oder halt die Klappe!“, fuhr der Hüne seinen Kollegen an und unterbrach so die Moralpredigt.
      Geh´ mir nicht auf die Eier, Mann!
      Einen Moment war es ruhig im Wagen, bis sie an der nächsten Ampel stehenblieben. Dann sah Ivar zu ihm herüber und musterte ihn.
      „Was der Lehrer gesagt hat, wollte ich wissen“, klärte er auf.
      „Lehrerin“, korrigierte er. „Sie meinte, Lillys Noten hätten stark nachgelassen.“
      Die Ampel schaltete auf grün und der Polizist fuhr weiter durch den Feierabendverkehr.
      „Naja, das ist ja kein Wunder“, gab Ivar zu. „So wie sich ihre Eltern streiten.“
      Wortlos nickte Lillians Vater. Die Trennung war alles andere als ruhig verlaufen.
      Hauptsache, ich bin schuld.
      „War sie hübsch?“, wollte der Fahrer wissen.
      „Wer?“
      Ein Seufzen war vom Fahrersitz zu hören.
      „Die Lehrerin, Backblech.“
      „Hübscher als du.“
      Lachend meinte Ivar, dass er dies hoffte und bog in die Straße ab, in der Halvars neues Zuhause sich befand.
      „Dann leg sie doch einfach flach“, schlug er vor. „Das wird Lillys Noten auch verbessern – oder endgültig in den Abgrund schießen. Je nachdem, wie du dich anstellst.“
      Ich schieß' dich auch gleich in den Abgrund!
      „Nicht hilfreich, Ivar.“
      Halvar hatte vorerst genug von streng gekleideten Frauen, die sich mehr auf Karriere konzentrierten als sonst irgendetwas und seine Tochter benutzten, um ihn zu erpressen.
      „Fett?“, fragte sein Kollege.
      „Nein, nicht fett“, widersprach er. „Aber mit dieser Frau will man nicht schlafen, sondern ihr den Bibliotheksausweis zeigen!“
      Vor dem schäbigen Mehrfamilienhaus, in dem der Hüne seine neue Bleibe gefunden hatte, hielt der Streifenwagen.
      „Dann zeig ihr doch deinen … Ausweis!“, forderte Ivar. „Dann geht’s euch vielleicht beiden besser.“
      Stumm schüttelte Halvar den Kopf und stieg aus. Er bedankte sich knapp, dass sein Kollege gefahren war und ging zum Eingang.
      „Halvar!“, rief ihm Ivar nach. „Die Waffe!“
      „Ich erschieße mich schon nicht!“, versicherte er ihm und wollte weitergehen.
      „Das Risiko gehe ich nicht ein“, meinte sein Kollege. „Her damit!“
      Seufzend kehrte der Hüne zum Auto zurück und gab Ivar die Pistole.
      „Danke, wir sehen uns Samstag zur Frühschicht.“
      „Toll, ich freu' mich drauf“, meinte Halvar, woraufhin die beiden sich noch einmal verabschiedeten.
      Brummend fuhr der Streifenwagen davon, als der Polizist den Schlüssel aus der Tasche seiner Jacke kramte und die verkratzte Eingangstür in das Gebäude aufschloss. Der Aufzug war selbstverständlich immer noch defekt, weshalb er sich die Treppen zum vierten Stock hinaufquälte. Seit er vor knapp einem Jahr hier eingezogen war, wartete der Fahrstuhl auf einen Techniker und langsam hatte er die Hoffnung aufgegeben, ihn jemals benutzen zu können.
      Bei meinem Glück würde das Scheißteil dann eh' nur steckenbleiben.
      Oben angekommen betrat er die Wohnung und rief Lillian zu, dass er wieder Zuhause war.
      „Hallo“, rief sie gelangweilt von der durchgesessenen Couch aus, die seit einer Woche Halvar auch als Schlafplatz diente. Er zog seine Jacke aus und hängte sie an die schiefe Garderobe, die bereits vor seinem Einzug dort gehangen hatte. Mit den Zetteln der Lehrerin in der Hand ging er die wenigen Schritte durch das kleine Wohnzimmer zum Sofa und setzte sich neben seine Tochter.
      Lillian hatte sich auf der einen Hälfte davon unter der dünnen Decke eingerollt und hielt ihren Blick starr auf den kleinen Fernseher gerichtet.
      „Wie … Wie war dein Tag?“, versuchte Halvar ihr eine Antwort zu entlocken.
      „Ganz gut.“
      Nickend betrachtete er die Jugendliche. Mit ihren dreizehn Jahren ähnelte sie sehr ihrer Mutter. Khylas langes, schwarzes Haar, das zu einem lockeren Zopf geflochten auf ihrer Schulter lag und Halvars blaue Augen waren im gemeinsamen Nachwuchs vereint. Gedankenverloren fuhr er sich über die kurzgeschorenen Haare, deren schwarz dem seiner Tochter um nichts nachstand.
      „Hast du schon etwas gegessen?“, wollte er wissen.
      „Rest von gestern.“
      Sie hatte sich wirklich sehr verändert im letzten Jahr. Seit Khyla beschlossen hatte, ihn nicht mehr im Haus haben zu wollen, war auch die Kleine weit weniger fröhlich. Er konnte es ihr nicht verübeln, hoffte aber, sie würde einen besseren Weg finden, damit umzugehen als er selbst. Seit einer Woche versuchte er, mit Lilly zu reden, aber sie blockte jeden Versuch ab.
      Macht´s bestimmt besser, wenn ich jetzt mit schlechten Noten anfange …
      Nervös spielte er mit dem Papier in seiner Hand herum und suchte nach den richtigen Worten, das Gespräch zu beginnen. Eilig ließ er den Prospekt, der für ihn selbst gedacht war, wieder in seiner Tasche verschwinden.
      „Ich war gerade bei deiner Lehrerin ...“, erzählte er.
      „Schön.“
      Oh Mann …
      Er wandte sich seiner Tochter ein wenig zu.
      „Willst du nicht wissen, was sie gesagt hat?“
      „Nein.“
      Lilly machte es ihm nicht leicht, verantwortungsvoll zu handeln.
      Es war nicht zu übersehen, dass es ihr nicht gut ging und sie sich in der kleinen Einzimmerwohnung nicht wohl fühlte.
      „Lilly, ich sage das nicht, um dich zu ärgern!“, stellte er klar und hoffte, sie würde wenigstens ein bisschen einlenken.
      „Du tust so einiges nicht, um mich zu ärgern und trotzdem tut es das“, nuschelte sie in den verwaschenen Kissenbezug.
      Mit geschlossenen Augen atmete der Polizist durch. Wie gern würde er sie einfach in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles wieder wie früher werden würde. Aber das konnte er nicht.
      „Was hat Mäuschen denn gesagt?“, gab sie nach einem Moment der Stille dann doch nach.
      „Mäuschen?“
      „Ja, weil sie immer so … langweilig rumläuft. Graue Maus halt.“
      Halvar lachte leise. Das war ihm auch aufgefallen. Hätte sie ihren Dutt noch strenger gebunden, hätte sie sich skalpiert.
      „Mäuschen sagte, dass … du vielleicht in die Sommerschule musst, wenn du … so weitermachst.“
      „Wenn sie das sagt.“
      „Lilly ...“
      „Was denn?!“, fauchte sie und rollte sich noch weiter in die Decke ein.
      Vorsichtig wählte er seine Worte, um sie nicht noch mehr in die Ecke zu drängen.
      „Sie hat mir ein paar … Vorschläge gemacht. Für zusätzliche Kurse. Wie die Theater AG.“
      Eine Sekunde sah Lillian ihren Vater an, ehe sie sich wieder der leise vor sich hin plappernden Tierdoku im Fernsehen widmete.
      „Die Theater AG ist mit der alten Smith verschwunden“, erklärte sie.
      Der Polizist nickte verständnisvoll. Das hatte Miss NiGwydion bereits erwähnt.
      „Ja, aber es gibt Alternativen“, entgegnete er und hielt ihr den Zettel hin, den sie aber keines Blickes würdigte.
      „Mir egal.“
      „Sieh´ sie dir wenigstens an“, hielt er sie an. „ … Bitte.“
      Genervt seufzte die Dreizehnjährige, setzte sich auf und nahm das Papier. Kurz studierte sie ihn und meinte dann, sie würde es sich überlegen.
      „Danke“, antwortete er und lächelte unsicher.
      „Ich gehe ins Bett. Lesen“, verkündete Lillian und verschwand ohne ein weiteres Wort in dem einzigen Zimmer, das die Wohnung – abgesehen vom Bad – hatte.
      Immerhin hat sie die Tür nicht zugeknallt … und den Zettel mitgenommen.
      Halvar vermisste die Abende, an denen er mit ihr einen Film oder eine Folge einer Serie geschaut hatte. Das hatte genauso abrupt geendet, wie die Ehe mit Khyla. Lustlos schlurfte er ins Bad und entledigte sich der Uniform. Der Spiegel zeigte ihm, dass auch seine Figur im letzten Jahr gelitten hatte. Die hart erarbeitete Definition war verlorengegangen und die Muskeln verschwanden langsam aber sicher unter einer dünnen Speckschicht.
      Seufzend klopfte er sich auf den Bauch und stieg unter die Dusche.
      Das heiße Wasser tat gut und entspannte den gestressten Mann etwas. Prustend rieb er sich über das Gesicht und versuchte seinen Selbsthass gleich mit abzuwaschen.
      Nach wenigen Minuten vergeblichen Schrubbens gab er auf und trat aus der Duschwanne heraus. Er trocknete sich ab und suchte halbwegs saubere Kleidung aus dem Wäschehaufen heraus.
      Ich muss den Scheiß wegräumen …
      Halvar fühlte sich etwas besser und ging auf dem Weg zum Sofa am Kühlschrank vorbei, wo er sich ein Bier und ein Sandwich mitnahm. Stöhnend ließ er sich auf das alte Möbelstück fallen, woraufhin es gefährlich knarzte.
      Wage es nicht, zu verrecken!
      Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es erst kurz vor fünf Uhr nachmittags war. Eigentlich hätte er noch den Rest der Spätschicht abarbeiten müssen, aber er war vor einer Woche für einen Kollegen eingesprungen, der heute mit Ivar die Schicht zu Ende fahren würde.
      Wenigstens konnte ich den Termin in der Schule wahrnehmen …
      Auch wenn er sich nicht sicher war, ob seine Abwesenheit einen wesentlich schlechteren Eindruck hinterlassen hätte als sein Auftritt bei „Mäuschen“.
      Der restliche Abend war ruhig. Lilly kam nur selten aus dem Schlafzimmer, das er ihr überlassen hatte und wenn sie es tat, schwieg sie beharrlich.
      Red' doch mit mir, Kind …
      Aus dem Bier wurden mehrere und bald hing der Hüne mehr auf dem Sofa, als dass er saß.
      Er starrte den Fernseher an, auf dem ein schlecht gemachter Fantasyfilm lief. Irgendwelche Dämonen versuchten den Körper eines von einem Gott gesegneten Ritters zu erobern.
      Wer denkt sich denn so einen beschissenen Plot aus? Da muss man sich ja besaufen, um das auszuhalten.
      Gelangweilt schaltete er durch die Kanäle und merkte, wie er müde wurde. Der Schlaf auf der unbequemen Couch war nicht wirklich erholsam, besonders, da er darauf kaum Platz hatte. Aber er wollte Lilly wenigstens ein halbwegs anständiges Bett gönnen, wenn sie sonst schon auf so vieles verzichten musste.
      Langsam aber sicher fielen ihm die Augen zu und bald war er in schlechten Schlaf gefallen.
    • Hallo @Jennagon und @Chaos Rising
      Habe nun endlich auch Mal eure Parody angefangen, auch wenn ich sagen muss das ich das Hauptwerk nicht kenne bzw. Das noch lesen will ich aber momentan schon zu viele Sachen lese.
      Mir gefallen eure schreibstile. Sie sind sich sehr ähnlich aber jeder hat was spezielles Angebot sich, was total gut ist. Es liest sich sehr flüssig und man kann der Handlung guten folgen. Ich bin gespannt ob Mäuschen noch anders ist bzw. Wie sie ist außerhalb des Schulalltags. Halvar ist mir ziemlich sympathisch, nur das er ein Alkoholiker ist, ist ein Minus. Aber vielleicht bekommt er das ja noch in den Griff. Ich werde aufjedenfall weiter lesen.

      LG Kathamaus
    • Kathamaus schrieb:

      Mir gefallen eure schreibstile. Sie sind sich sehr ähnlich aber jeder hat was spezielles Angebot sich, was total gut ist. Es liest sich sehr flüssig und man kann der Handlung guten folgen. Ich bin gespannt ob Mäuschen noch anders ist bzw. Wie sie ist außerhalb des Schulalltags. Halvar ist mir ziemlich sympathisch, nur das er ein Alkoholiker ist, ist ein Minus. Aber vielleicht bekommt er das ja noch in den Griff. Ich werde aufjedenfall weiter lesen.

      Vielen Dank erstmal @Kathamaus, dass du dir trotzdem die Zeit genommen hast, es zu lesen. Das ist ja nicht selbstverständlich ^^ Und vielen Dank auch wegen deinem Kommentar. Ja, Halvar ist vermutlich kein schlechter Mensch, aber wie das immer so ist: "Er ist ganz nett, aber ..." Und bei Iouna heißt es abzuwarten, was sie nach der Schule drunter trägt :rofl:


      Folge 3 - Elterngespräch 2.0



      „Ein Polizist", sagst du.
      Iouna stand in der Küche der Zweizimmerwohnung ihres Vaters, welche an seiner Kirche angrenzte und rührte den Kuchenteig.
      „Sag mir dann einfach, ob er dagewesen ist.“
      „Warum?“
      „Weil ich ihm dazu geraten habe. Es geht dabei um seine Tochter, die in meine Klasse geht.“
      Vorsichtig füllte die Lehrerin die Masse in die Backform und öffnete den vorgeheizten Backofen. Betroffen ließ sich der grauhaarige Mann in seinen Sessel nieder, von dem aus er ihr beim Backen zusah. Iouna stellte alles Schmutzige in die Spülmaschine und schaltete diese an.
      „Ist es reine Sorge oder ...“
      „Oder was, Paps?“
      Iouna drehte sich zu ihrem Vater herum, der des Öfteren ihre Back- und Kochkünste genoss und leider auch schon so aussah. Zu seiner Santa Claus Verkleidung brauchte er allmählich nicht einmal mehr Kissen zum Ausstopfen, aber das ließ ihn eigentlich nur genügsam und ruhig wirken. Nichtsdestotrotz hatte sie ihm eine strenge Diät verordnet, weshalb er nur ein Stück vom Kuchen abbekommen würde – mehr nicht.
      „Etwas Persönliches, Kind.“
      Die junge Frau seufzte und wischte sich über ihre mit Mehl bestäubte Stirn.
      „Vielleicht beides“, gab sie kleinlaut zu. „Er macht nicht den Eindruck, als sei er ein schlechter Mensch, aber … Ich will ihn ja nicht kennenlernen, sondern nur seiner Tochter helfen.“
      „Er ist doch Polizist. Also kann er kein schlechter Mensch sein.“
      Mit einem lauten Knall schloss Iouna noch die offenstehende Schublade und widmete sich wieder ihrem Vater.
      „Nur, weil man Polizist ist, heißt das nicht, dass man kein Idiot sein kann. Oft genug hört man von Frauenfeindlichkeit und Rassismus.“
      Grinsend nickte Raik, ihr Vater.
      „Und nur weil man Pfarrer ist, heißt das nicht, dass man nicht einmal zweifeln darf. Ich werde aber gerne nach einem neuen Gesicht Ausschau halten.“
      Lachend lief die Pfarrerstochter um die Arbeitsplatte herum, die Wohnbereich und Küche von einander trennte.
      „Glaub mir, dieser Mann ist kaum zu übersehen.“
      „Groß?“
      „Sehr groß“, erwiderte Iouna setzte und sich neben ihren Vater in den anderen Sessel. „Größer als du. Bestimmt einsachtundneunzig oder so. Er gehört zu der Gattung Mann, die ihre Ellenbogen weit ausfahren, damit man gegen sie läuft.“
      „Ah, diese Bodybuilder – Typen. Die mit den bemalten Oberschenkeln.“
      „Oberarme“, korrigierte die Lehrerin ihren Vater.
      „Ja, aber so sehen die ja nicht mehr aus. Das sind Oberschenkel“, meinte der weltoffene Pfarrer und zupfte sich lachend an seinem weißen Bart herum.
      „Ob er bemalt ist, weiß ich nicht, aber bei ihm sah es nicht ganz so schlimm aus.“
      „Was sagt denn seine Frau zu allem?“, verlangte Raik dann zu wissen und wollte anscheinend Hintergrundinformationen zu dem neuen Gemeindemitglied.
      „Er ist geschieden. Eigentlich müsste ich sie darüber informieren, dass ihre Tochter eventuell nicht so gut beim Exmann aufgehoben ist, aber ich finde sie unsympathischer als ihn. Immerhin befindet sie sich mitten im Schuljahr im Urlaub, lädt ihr Kind ab und interessiert sich nicht für schulische Besprechungen. Er ist immerhin aufgetaucht.“
      Nur wie er aufgetaucht war, ist das Problem.
      „Also ist er eine wandelnde Baustelle.“
      Eher ein Haus, was kurz vor dem Abriss steht.
      „Apropos Baustelle“, setzte der Vater an und sah seine Tochter vielsagend an.
      „Nein. Du hast doch nicht schon wieder ...“
      Ein Grinsen breitete sich auf dem Gesicht es Pfarrers aus.
      „Keine Sorge, diesmal ist es kein bettelarmer Buchhalter, sondern ein gutbetuchter Geschäftsmann. Ich habe ihn über eine unserer Stiftungen kennengelernt.“
      Welcher? 'Töchter zum Verkauf – Stiftung'?
      „Paps, du sollst das doch nicht machen. Wenn sie Gelegenheit bietet, dann lerne ich schon jemanden kennen.“
      Genervt nahm Iouna ihre Brille ab und strich sich über den Nasenwurzel. Immer wieder verschaffte der Pastor ihr Verabredungen, die oftmals vollkommen in die Hose gingen.
      „Nur noch dieses eine Mal“, bettelte ihr Vater. „Wenn ich diesmal wieder alles vergeige, dann versuche ich es nicht mehr. Ich bin nun mal nicht mehr der Jüngste. Du musst dabei ja auch mal an mich denken.“
      „An dich?“, fuhr die Lehrerin lachend mit ihrer Stimme hoch. „Wer denkt denn an mich?“
      „Ich gehe auf die sechzig zu“, fuhr der Vater unbeirrt fort. „Ich hätte gerne noch Enkelkinder, bevor ich selbst wieder Windeln tragen muss.“
      „Du bist einundfünfzig!“, konterte Iouna entrüstet. „Außerdem habe ich gerade erst eine Anstellung als Lehrerin angetreten. Selbst wenn und ich sage: Wenn ich jemanden kennenlernen würde, müsstest du mit der anderen Sorte Windeln warten. Vorneweg zehn Jahre. Dann darfst du dich auch über dein Alter beschweren.“
      „Du bist eben mein einziges Kind“, antwortete Raik gelassen. „Daher lasten alle meine Wünsche auf dir.“
      Großartig. Er sieht aus wie der Weihnachtsmann, aber erfüllt keine Wünsche, sondern besitzt nur welche.
      „Ich habe ihn für Freitag in 'Lee´s Garden' bestellt, dann kannst du ihn dir in aller Ruhe ansehen.“
      „Ich freue mich schon darauf“, erwiderte Iouna in einem mehr als sarkastischen Tonfall und rutschte immer tiefer in ihren Sessel. Sie wusste ja, dass das ihr Vater nur tat, weil er ein schlechtes Gewissen besaß, aber allmählich hatte sie die Nase voll. Sie kam sich vor wie ein alter Wollpullover im Sommerschlussverkauf. Als sei sie nicht fähig, sich selbst jemanden zu suchen, wenn sie unbedingt gewollt hätte. Aber sie wollte gar nicht. Ein Partner würde nur all ihre Planung durcheinanderwerfen. Höchstens mit dem Haus wäre es praktischer, da dort einige Reparaturen auf sie warteten. Der Abfluss verstopfte immer wieder, die Tür des Schuppen war ausgebrochen, die Tür zum Garten konnte man aushängen und noch mehr. Aber immer wieder, wenn das Gespräch einer Verabredung bei den handwerklichen Künsten des Gegenübers ankam, musste sie feststellen, dass die meisten Männer mittlerweile zu dämlich waren, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen. So etwas brauchte Iouna nicht. Einen Handwerker anrufen konnte sie selbst, nur konnte sie sich das nicht leisten. Nicht bei ihrem Gehalt.
      Allgemein hatte die junge Frau das Gefühl, dass sich die Herren ihrer Zeit nur noch für Lifestyle, ihre Karriere und allgemein nur für sich selbst interessierten. Wer fuhr das neuste Auto? Wer besaß das neuste Handy? Und vor allem, wie viele Nummern von hirnlosen Frauen waren darin gespeichert? Das Wort 'Ich' war bei diesen Männern immer groß geschrieben … in Druckbuchstaben ... und Leuchtschrift. Deswegen war auch ihre letzte Beziehung gescheitert gewesen. Sie war eben keine Person, die sich oder ihre Familie aufgab, nur weil ein anderer es so wollte. Mittlerweile kam es ihr vor, als war egal geworden, welchen Charakter ein Mann besaß, Hauptsache sein Geldbeutel war dick genug und beulte ausreichend die Hose aus.
      Weil das ja der wichtigste Inhalt einer Hose ist!
      Je mehr Geld, desto beschissener durfte er die Frau behandeln. Von gegenseitigem Respekt konnte nicht mehr die Rede sein.
      Paps sollte die Ansprache bei Hochzeiten ändern: Bis dass die Armut euch scheidet …
      Ein leises Lachen drang über ihre Lippen, als sie darüber nachdachte, dass das sicherlich für Verwirrung sorgen würde, aber die Realität sprach leider für sich.
      Einmal wollte sie ihrem Vater den Gefallen noch tun, danach sollte aber Schluss sein. Sie hatte wichtigere Dinge im Kopf als Blind Dates mit irgendwelchen Herren, denen der Pfarrer vermittelte, dass seine Tochter unfähig war, selbst einen Mann kennenzulernen.
    • Oh, hier gibts noch mehr von Iouna und Halvar :party:
      Die Idee mit dem anderen Setting find ich richtig gut.
      Und für mich heißt das jetzt, ich kann noch mehr und mehr und mehr lesen :doofy: Es ist so gut, einfach so gut!

      Bin ja gespannt, was da noch kommt und wie die beiden diesmal ihre Probleme angehen :D

      Hikari

      Keen to the scent, the hunt is my muse
      A means to an end this path that I choose
      Lost and aloof are the loves of my past

      WAKE THE WHITE WOLF, remembrance at last
    • Folge 4: Der Stuhlkreis (1)


      Nachdenklich sah Halvar aus dem Fenster zur Straße hinunter. Lilly ging mit ihrem Rucksack auf die andere Straßenseite, wo ihre Freundin Anna und ihre Mutter auf sie warteten.
      Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft sah seine Tochter glücklich aus. Lachend warf das Mädchen ihr Gepäck in das Auto und stieg hinterher. Auch wenn es für Jugendliche ihres Alters normal war, sich auf eine Übernachtung bei Freunden zu freuen, kam es ihm vor, als war sie eher froh, von ihm weg zu sein. Seufzend wandte er sich wieder dem Sofa zu und setzte sich. Er gönnte seinem Kind den schönen Abend, aber dennoch tat es ihm weh, dass sie regelrecht vor ihm floh. Mit Annas Mutter hatte er ausgemacht, dass Lilly die Nächte, in denen er arbeiten musste, bei ihrer Freundin verbringen durfte. So war seine Tochter gut aufgehoben und die Mädchen hatten etwas Zeit zusammen.
      Gelangweilt starrte er in den Fernseher, der nichts Interessantes zu bieten hatte. Halvar schaltete ihn deshalb ab und warf die Fernbedienung achtlos neben sich auf die Couch und trank den letzten Schluck aus seiner Bierdose, bevor er sie wegstellte. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich zurück und fragte sich, wie er diesen einsamen Abend verbringen sollte?
      Er beschloss, wenigstens etwas Sinnvolles zu machen und seine Uniform für die Nachtschicht später zu waschen. Der Trockner, den er in der Wohnung hatte, war zwar alt und machte mehr Krach als ein Panzer, aber dieser war noch in der Lage, die Kleidung rechtzeitig zu trocknen.
      Murrend erhob er sich wieder und schlurfte ins Bad. Dort fand er seine Arbeitskleidung noch immer an der selben Stelle, an der er sie am Vortag gelassen hatte.
      Schaden tut's nicht …
      Gewohnheitsmäßig durchsuchte er die Taschen der Jacke, um nicht wieder ein altes Taschentuch mitzuwaschen. Dabei fiel ihm der Prospekt in die Hände, den Lillians Lehrerin ihm gegeben hatte.
      Mäuschen …
      Ihre Worte kamen ihm wieder in den Sinn. Er sollte beweisen, dass Lilly ihm am Herzen lag. Seine Tochter war momentan das Einzige, was ihm in irgendeiner Weise am Herzen lag, auch wenn er im Moment vermutlich nicht diesen Eindruck erweckte.
      Er hob das Papier auf und musterte es. Miss NíGwydion wollte, dass er zu diesem Treffen ging.
      Ich werde mich sicherlich nicht zu den ganzen Alkis in einen Stuhlkreis setzen und über meine Probleme reden!
      Aber was, wenn nicht? Dann würde sie ihn bei den Behörden verpfeifen und die würden mit ziemlicher Sicherheit Khylas derzeitigen Lebensstil als geeigneter für ein Kind ansehen, als den des Polizisten.
      Muss man sich als Mann des Gesetzes auch noch von so einer dahergelaufenen Möchtegernlehrerin erpressen lassen!
      Frustriert knüllte er den Prospekt zusammen und warf ihn durch die Tür hinaus ins Wohnzimmer.
      „Blöde Tussi!“, fluchte er leise und stopfte dann seine Uniform unsanft in die betagte Waschmaschine. „Einen Monat arbeiten, aber schon einen auf dicke Hose machen!“
      Ruppig schaltete er die Maschine an und verließ das Badezimmer wieder. Im Vorbeigehen trat er den zerknüllten Prospekt weiter durch seine kleine Wohnung und setzte sich erneut auf das Sofa.
      Er stützte seine Ellenbogen auf seinen Knien ab und vergrub sein Gesicht in den Händen.
      „Verdammt nochmal ...“, nuschelte er.
      Warum denn immer ich?
      War es denn zu viel verlangt, einmal in seinem Leben eine normale Frau zu treffen? Immer geriet er an Drachen oder Mäuse. Wo war seine Prinzessin?
      Lilly ist meine Prinzessin!
      Was aber nun die Frage aufkommen ließ, wo seine Königin war.
      Ohne Plan, was er tun sollte, spähte er durch seine Finger. Der Prospekt lag fordernd vor dem Fernseher und wartete darauf, beachtet zu werden.
      Nein, ich werde da nicht hingehen!
      Sein Blick fiel auf das einzige Bild seiner Tochter, das Khyla ihm gegönnt hatte. Fröhlich lachte die vierjährige Lillian dort in die Kamera, während sie auf dem Arm ihres Vaters saß.
      Tu´ es für sie …
      Er missachtete seine eigenen Worte von zuvor, erhob sich wieder und nahm das Papier auf und mit zusammengebissenen Zähnen las er die Rückseite. Das Treffen sollte in einer Stunde stattfinden und die Kirche war nur etwa eine viertel Stunde Fußmarsch entfernt.
      Noch kann ich es schaffen.
      Zwanghaft versuchte er, sich eine Ausrede einfallen zu lassen, das Treffen nicht zu besuchen, aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, gab es keine. Er hatte nichts Besseres zu tun und auch wenn er der Meinung war, dort nichts zu suchen zu haben, konnte er vielleicht wenigstens das graue Mäuschen ruhigstellen. Da seine Schicht auch erst ein paar Stunden nach dem voraussichtlichen Ende der Sitzung begann, konnte er die Arbeit leider auch nicht als Vorwand nutzen, nicht hinzugehen.
      Achtlos ließ er den Prospekt wieder fallen und machte sich murrend fertig.
      Bald fand er sich auf der Straße wieder und trotzte dem leichten Wind, der durch die Häuserschluchten blies. Noch immer wandte er sich um die Tatsache herum, zu einem solchen Treffen zu gehen und verfluchte die Lehrerin seiner Tochter auf vielerlei kreative Arten.
      Etwa zwanzig Minuten vor Beginn der Sitzung erreichte er die Kirche. Das Gebäude war von einem kleinen Turm geschmückt, unterschied sich ansonsten aber nicht wesentlich von den umliegenden Bauwerken. Es war etwas größer, aber schlicht gestaltet. Ein Kreuz über der Tür war alles, was die rote Sandsteinmauer schmückte.
      Na klasse …
      Er war nie besonders gläubig gewesen und Gottesdienste gaben ihm auch nichts. Eher nahmen sie ihm noch etwas, wenn sie Spenden einsammelten.
      Khyla würde mit Sicherheit in Flammen aufgehen, wenn sie das Gebetshaus betreten würde.
      Wo ist die Inquisition, wenn man sie mal braucht, um eine Hexe zu fassen?
      Nachdem er fünf Minuten damit verbracht hatte, das Haus zu mustern, beschloss er, hineinzugehen. Der große Haupteingang war verschlossen, aber die Tür zum Nebentrakt war offen.
      Macht auch irgendwie mehr Sinn …
      Er überwand sein letztes Sträuben und ging hinein.
      Im Inneren war nicht wesentlich mehr Schmuck zu finden, als das Äußere vermuten ließ. Ein paar Kreuze, ab und an ein Bild oder ein paar Blumen, das war es. Von irgendwo weiter hinten waren jedoch Stimmen zu hören. Zögerlich wanderte er den Gang entlang, bis er bei der Tür ankam, hinter der das Treffen stattfand. Auch die Stimmen kamen aus diesem Raum. Er nahm noch einen tiefen Atemzug und klopfte dann an. Nachdem keiner öffnete oder ihn hereinbat, trat er einfach ein.
      Wenn sie mich rauswerfen, kann ich auch nichts machen.
      Taten sie aber nicht. Etwa fünfzehn Personen standen im Raum verteilt, aßen Kuchen und unterhielten sich. Keiner schenkte ihm gesteigertes Interesse und die meisten sahen ihn nur einen Augenblick lächelnd an oder nickten kurz und widmeten sich dann wieder ihrem Gespräch.
      Ist das jetzt freundlich oder unfreundlich?
      Wollten sie ihn nicht gleich überfallen?
      Unsicher lächelte auch er und ließ den Blick durch den Raum schweifen, während er ein paar Schritte hinein machte. Er fühlte sich unwohl, auch wenn er nicht genau sagen konnte, warum. Vielleicht war es die Aussicht, mit diesem Haufen fremder Menschen über seine Probleme zu reden oder die Tatsache, dass er sich in seinem Job schon genug Elend anderer anhören musste.
      Im hinteren Teil des Zimmers überragte ein grauhaariger Mann die anderen Anwesenden. Er wandte sich zu Halvar um und enthüllte seinen buschigen Vollbart, der dem vom Weihnachtsmann in nichts nachstand, ebenso wie der üppige Bauch. Über jenem spannte sich ein rot-schwarz kariertes Holzfällerhemd, welches ihm zusammen mit der Jeans das Aussehen eines Waldarbeiters verlieh.
      Santa muss sich seine Brötchen im Sommer wohl anders verdienen.
      Als der Grauhaarige den Polizisten entdeckte, entschuldigte er sich bei seinen Gesprächspartnern und kam lachend zu Halvar herüber. Der Fremde reichte ihm etwa bis zur Nase und hielt ihm sofort breit grinsend die Hand hin.
      „Ein neues Gesicht“, erkannte er korrekt. „Ich bin Pfarrer NíGwydion. Und Sie sind?“
      „Halvar“, stellte dieser sich knapp vor und schüttelte die Hand des Pastors.
      Musternd betrachtete der Geistliche sein Gegenüber einen Moment und grinste dann noch breiter.
      „Dann sind Sie der Polizist, von dem meine Tochter erzählt hat.“
      Verwirrt blinzelte Halvar den Mann an.
      „Ihre Tochter?“
      Noch immer schüttelte der Freizeitweihnachtsmann die Hand des Polizisten und nickte im selben Takt.
      „Die Lehrerin Ihrer Tochter?“, stellte er klar und schaute sich um.
      Na klasse …
      Halvar erinnerte sich an den Namen von Mäuschen. Sie war also auch noch eine Pfarrerstochter. Kein Wunder, dass sie herumlief, als würde ihre Sexualität irgendwo auf einem dunklen Dachboden in einer Kiste eingesperrt verstauben. Er löste den Griff des Pfarrers um seine Hand und versuchte, dessen Blick durch den Raum zu folgen.
      Dann sah er sie.
      Tatsächlich stand die junge Lehrerin neben einem der Tische und verteilte Kuchen an die Anwesenden. Auf Zurufen ihres Vaters sah sie auf, umarmte eine kleine, alte Frau und verabschiedete sich offensichtlich. Lächelnd kam sie zu Halvar und ihrem Vater herüber. Sie trug ein eng anliegendes schwarzes Kleid, das bis knapp über die Knie reichte. Der hochgeschlossene Kragen und die langen Ärmel verliehen dem Mäuschen wieder ein strenges Aussehen. Die schwarzen Haare waren jedoch nicht zu einem Dutt, sondern nur zu einem Pferdeschwanz gebunden, der die überraschende Länge der Mähne offenbarte. Sie schob sich die Brille zurecht und stellte mit freundlicher Stimme fest: „Sie haben also den Weg zu uns gefunden.“
      Als ob ich eine Wahl gehabt hätte …
      Er zwang sich, ihr Lächeln zu erwidern und nickte etwas zu übertrieben. Musternd betrachtete er die Tochter des Pastors und versuchte, seine Unsicherheit in dieser Situation zu überspielen.
      „Wenn Sie Hunger haben oder einen Kaffee möchten ...“, fing sie an und deutete zu dem Tisch, auf dem Kuchen und Heißgetränke standen.
      „Nein, danke“, lehnte Halvar ab und schüttelte den Kopf.
      Ich will das nur schnell hinter mich bringen.
      Nervös fummelte er an seiner Armbanduhr herum und stellte fest, dass das Treffen in fünf Minuten beginnen sollte.
      Noch einmal sah der Polizist die Lehrerin an.
      „Bleiben Sie auch hier?“, wollte er wissen.
      Er hoffte nicht. Es würde die Sache für Halvar nicht unbedingt leichtermachen, über seine Probleme zu reden, wenn sie auch noch zuhören würde.
      „Nein, ich habe eine … Verabredung“, murrte die junge Frau und warf ihrem Vater einen vielsagenden Blick zu.
      „Das wird schon“, erwiderte dieser und grinste seine Tochter an. „Der Herr ist diesmal ein angesehener Geschäftsmann.“
      Verständnislos ließ Halvar den Blick zwischen den beiden hin und her wandern.
      „Was?“, entfuhr es ihm.
      Das geht dich nichts an!
      Miss NíGwydion sah zu Halvar auf und setzte ihr schönstes gespieltes Lächeln auf.
      „Mein Vater kümmert sich rührend um mich“; erklärte sie. „So gut, dass er verhindern will, dass ich einsam sterbe.“
      Der Geistliche lachte auf und der Polizist zog verwundert die Augenbraue hoch.
      Ihr Vater hat ihr ein Date organisiert?
      „Verstehe“, murmelte der Hüne, ohne die graue Maus aus den Augen zu lassen. „Dann einen schönen Abend.“
      „Wünsche ich Ihnen auch“, erwiderte die Lehrerin, umarmte ihren Vater kurz und verschwand dann wieder zwischen den anderen Anwesenden.
      Halvar räusperte sich und sah den Pastor an.
      „Und jetzt?“, fragte er.
      „Jetzt kommt der berühmte Sitzkreis“, brummte der Pfarrer grinsend und klatschte in die Hände.
      Ich hab's gewusst …
      Eilig stellten alle Besucher des Treffens ihre Kuchenteller auf den Tischen nahe der Wand ab und nahmen sich einen der daneben gestapelten Stühle. Wie einstudiert stellten alle ihre Sitzgelegenheit in einem großen Kreis auf und setzten sich.
      Seufzend tat Halvar es ihnen gleich und reihte sich neben der alten Frau ein, die Lillys Lehrerin umarmt hatte. Er fühlte sich unwohl, neben fremden Leuten zu sitzen und mit denen er über Probleme zu reden, die er gar nicht hatte.
      Nur weil Mäuschen das behauptet.
      Mit verschränkten Armen lümmelte er auf seinem Stuhl herum und betrachtete die Anwesenden.
      Mit einem Räuspern bat der Pfarrer alle zur Ruhe und begrüßte dann die Runde.
      „Zunächst darf ich ein neues Mitglied begrüßen“, meinte er dann und wies auf Halvar. „Würden Sie sich kurz vorstellen?“
      Überrascht davon, sofort zu Wort gebeten zu werden, richtete er sich etwas auf und teilte knapp seinen Namen mit.
      Mr. NíGwydion schlug vor, dass der Hüne erst einmal zuhören sollte, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Ganze ablief.
      Nickend bestätigte Halvar den Vorschlag. Es war ihm nur recht, erst einmal nichts sagen zu müssen.
      Zuerst meldete sich die kleine, alte Frau neben ihm zu Wort. Sie erzählte davon, wie einfach es ihr bereits fiel, Alkohol aus dem Weg zu gehen. Lediglich der Verzicht auf ihre geliebten Schnapspralinen machte ihr Mühe. Bereits seit vier Jahren hatte die Alte nichts getrunken.
      Kommt wahrscheinlich nur noch wegen dem Kuchen und weil ihr endlich mal jemand zuhört, wenn sie ihre langweilige Geschichte herunterleiert.
      Halvar stimmte in den allgemeinen Applaus ein, als sie offensichtlich fertig war mit dem Erzählen.
      Es folgten noch drei weitere Mitglieder, die einen Statusbericht über ihr Gelingen oder Versagen beim Alkoholentzug sprachen, ehe der Pastor wieder zum Polizisten sah und meinte, er sei an der Reihe.
    • Gar nicht gemerkt, dass ihr die hier postet XD
      Das ist ultra lustig und ich war ganz sicher bei den Fragen gar nicht beteiligt :D dumdidum.

      Gimme dat Cristian please, ich will mir nochmal den Arsch ablachen!!! :D Merk grad dass ich trotz Chaos seiner Erinnerung nicht weitergelesen hatte... Verplantes Rael ist verplant XD Aber hier mit Abo is leichter :love:

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Hallo ihr beiden @Jennagon und @Chaos Rising
      Wieder ein sehr schönes und auch lustiges Kapitel. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was halvar dann erzählen wird und ob er die Sache ernst nehmen wird und aufhört zu trinken. Und jetzt bin ich natürlich auch gespannt zu erfahren, mit wem sich die Lehrerin treffen wird.

      Ein Schrei Fehler bzw. Eine Stelle ist mir aufgefallen wo zwei Wörter Zusammen geschrieben sind, die nicht zusammen gehören. Und zwar als der Pastor halvar sagt, das seine Tochter die Lehrerin seiner Tochter ist. Da steht dann "LehrerinIhrer Tochter"

      LG Kathamaus
    • Folge 4: Der Stuhlkreis (2)



      „Also, Mr. Dahl, warum sind Sie hier?“, wollte er wissen.
      Wenn er mich das fragen muss, kann es ja nicht so schlimm sein.
      „Ich habe es jemandem versprochen“, antwortete Halvar vage und wandte den Blick ab. Er wusste nicht, ob dem Geistlichen bewusst war, dass dieser „jemand“ dessen Tochter war und darüber reden wollte er nicht.
      „Warum?“, fragte ein bisher stumm gebliebener, dürrer Mann Mitte Vierzig, dessen wirres Haar darauf schließen ließ, dass er sein Problem noch nicht so im Griff hatte wie die alte Dame.
      „ Was 'Warum'?“, wiederholte Halvar die Frage. „Offensichtlich ist sie der Meinung, es wäre nötig.“
      „Sie sind noch in der Verleugnungsphase!“, stellte die Oma neben ihm fest und piekste ihm in den Oberarm.
      „Wenn Sie das sagen“, zischte er sie dafür an und rutschte ein Stück von ihr weg.
      Der Priester räusperte sich erneut und musterte den Hünen einen Augenblick, bevor er etwas sagte.
      „Mr. Dahl, wir wollen Ihnen helfen, ohne Sie zu verurteilen“, meinte er. „Hier haben und hatten alle das gleiche Problem. Also ... Wie viel trinken Sie denn?“
      „ … paar Bier?“, schätzte der Polizist.
      „Wie viele haben Sie gestern getrunken?“
      „Keine Ahnung … Vier? Fünf? Vielleicht sechs.“
      Nachdenklich kratzte der Pfarrer sich am bärtigen Kinn und die Stille im Raum war für Halvar beinahe unerträglich. Alle starrten ihn an, alle erwarteten sie Antworten von ihm und alle schienen sie ihn, still zu verurteilen.
      „Trinken Sie nach dem Aufstehen als erstes Alkohol, um Ihre Nerven zu beruhigen?“, war die nächste Frage, die Mr. NíGwydion an ihn richtete.
      „ … Manchmal.“
      „Und wie würden Sie jemanden nennen, der seine Augen aufmacht und trinkt und abends alleine ein Sixpack niedermacht?“, forderte der Geistliche ihn seufzend heraus.
      „ … einsam?“, versuchte Halvar sich herauszureden und warf flüchtige Blicke in die Runde. Entgegen seiner Erwartungen wurde er nur mit stummen, mitleidigen Gesichtsausdrücken bedacht.
      „Was hat allein sein damit zu tun, dass Sie nach dem Aufwachen an Alkohol denken?“, bohrte der Santa Doppelgänger weiter. „Müssten Sie dann nicht viel mehr an eine neue Partnerin denken? Außerdem sind Sie nicht allein, Ihre Tochter wohnt doch bei Ihnen, oder nicht?“
      Ich hab erstmal genug von Frauen … und … woher weiß er das?
      Scheinbar hatte Mäuschen ihrem Vater bereits ein paar Details erzählt. Es gab keinen Grund, die Anwesenheit seiner Tochter zu leugnen, weshalb er kurz nickte.
      „Seit kurzem, ja.“
      „Sie haben ein Problem, Mr. Dahl und je eher Sie sich das eingestehen, desto besser ist das für Sie und Ihre Tochter“, meinte die Alte neben ihm mit sanfter Stimme.
      Mein Problem heißt Khyla!
      „Haben Sie vor Ihrer Scheidung auch schon getrunken?“, wollte der Pfarrer nun wissen.
      „Nein, nicht … Nein!“
      Etwas in ihm sträubte sich, zuzugeben, dass sein Alkoholkonsum zugenommen hatte, seit er aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen war.
      „Dann war das nicht der Trennungsgrund“, stellte der Geistliche fest, was ihm Halvar noch einmal bestätigte.
      Dann bräuchte ich mich ja nicht darüber aufregen …
      „Wenn Sie kein Alkoholiker sind ... Wie kam meine Tochter dann auf die Idee, Sie könnten einer sein?“, ging das Verhör weiter, ohne dem Hünen eine Pause zu gönnen.
      Jetzt weiß ich, wie sich ein Verdächtiger fühlen muss.
      Immerhin bestätigte diese Frage seine Annahme, dass Mäuschen gepetzt hatte.
      „Das müssen Sie sie selbst fragen“, merkte der Polizist an.
      „Weil Iouna die Anzeichen kennt!“, erklärte der Pastor.
      Iouna hieß das Mäuschen also.
      Ich kann den scheiß Namen nicht mal richtig aussprechen … kann die nicht … Julia heißen, wie ein normaler Mensch?
      „Tut sie das?“, maulte Halvar eher feststellend als fragend und starrte an die weiße Wand hinter dem dürren Mann.
      „Ja, von mir!“, stellte ihr Vater klar.
      Mit hochgezogener Augenbraue wandte sich der neue Besucher wieder dem Pfarrer zu.
      „Nach dem Tod meiner Frau fiel ich in ein tiefes Loch und begann, mehr Wein zu trinken, als insgesamt bei einem vollbesetzten Abendmahl ausgeschenkt wird“, erzählte der weißhaarige Mann erstaunlich offen.
      Halvar nickte kurz und sprach sein Beileid aus, was Iounas Vater dankend annahm.
      „Lange Zeit hatte ich es geleugnet, so getan, als sei alles normal, bis ich bei einer Messe beinahe vom Podest gefallen war“, fuhr der Pastor fort. „Jeder merkte es, sprach mich sogar darauf an, nur ich dachte, alles sei in Ordnung.“
      Die Worte verfehlten ihre Wirkung beim Hünen nicht. Nachdenklich und schweigend sah er den Geistlichen an. Er erkannte die Parallelen, aber … Nein, er hatte doch kein …
      „Meine Tochter versucht, Sie nicht zu beleidigen oder bloßzustellen, Mr. Dahl“, redete Mr. NíGwydion vorsichtig auf ihn ein. „Meine Tochter versucht Sie, obwohl Sie ein völlig Fremder sind, davor zu bewahren, ihre Tochter bloßzustellen und bis auf die Knochen zu demütigen.“
      Mit zusammengebissenen Zähnen wandte der Angesprochene den Blick ab und fixierte den Boden in der Mitte des Stuhlkreises.
      Ach Kacke ...
      Die Erkenntnis, dass er wohl doch ein größeres Problem haben könnte machte sich breit. Er wollte Lilly nicht schaden!
      „Wir alle haben das durch“, ging die Ansprache weiter. „Sie müssen das nicht alleine bewältigen. Unter Gleichgesinnten ist es oft einfacher, weil diese jeden Trick, jedes Verstecken kennen und einen davor bewahren, sich selbst zu belügen.“
      Langsam gingen Halvar die Argumente aus, sich dagegen zu wehren.
      „Ich …“, stammelte er und zupfte nervös an seiner Hose herum, ohne jedoch den Blick zu heben.
      Eine Stimme von rechts erzählte weiter.
      „Ich hab zum Beispiel angefangen zu trinken, weil ich meinen Job nach zwanzig Jahren verloren habe. Anstatt mir einfach einen neuen zu suchen, trauerte ich dem Alten nach“
      Idiot …
      Was die anderen wohl über Halvar denken würden, wenn ihnen die ganze Geschichte bekannt wäre? Er schluckte und blieb stumm.
      „Mister Dahl, möchten Sie etwas sagen?“
      „Ich … Khyla hat …“
      „Khyla ist Ihre Exfrau?“, hakte der Pfarrer nach, was Halvar nickend bestätigte.
      Sanft knuffte die Alte ihm erneut in den Oberarm, wohl um ihn aufzufordern, weiterzureden.
      „ … mich betrogen“, vollendete er seinen Satz. Weiter ins Detail gehen wollte er nicht, es musste nicht sofort jeder wissen wie er davon erfahren hatte.
      „Das tut mir leid“, bekundete der Geistliche.
      „Mit einem anderen Mann?“, fragte der Dürre.
      Der Hüne hob verwirrt den Kopf und sah den Kerl an. Verständnislos zuckte er mit den Schultern.
      „Nein, mit unserem Goldfisch“, meinte er.
      „Also meine Ex hat mich mit einer anderen Frau betrogen!“, erklärte der andere wieder.
      „Aha.“
      Wieder räusperte sich Mr. NíGwydion und erklärte dann:
      „Gründe sucht man sich viele, wenn es um den Missbrauch von Dingen geht, seien es Drogen oder Alkohol. Aber eigentlich bestimmt man selbst, ob diese wirklich Schuld sind oder das eigene Selbstmitleid.“
      Ja, das wird es sein. Khyla ist unschuldig, ich tue mir nur leid …Kann sie ja nichts dafür, wenn ich einfach reinplatze.
      Wortlos kaute Halvar auf seinen Lippen herum und starrte ins nichts. Offensichtlich erkannte der Pfarrer, dass in diesem Moment nichts mehr aus ihm herauszukriegen war.
      „Haben Sie vielleicht noch allgemeine Fragen zu diesen Treffen?“, wollte er wissen.
      „Im Moment nicht, nein“, flüsterte der Hüne vor sich hin.
      „Meistens ist es einfach besser, sich in einer Gruppe zu treffen, in der man sich austauschen kann“, fuhr der Pastor fort. „In welcher man nicht scheitern möchte, wenn man versucht, etwas zu ändern.“
      Ich möchte nie scheitern …
      Der Polizist brachte kein Wort mehr über die Lippen.
      „Junge, seien Sie froh, dass es jemand gemerkt hat, der Sie auch drauf anspricht“, krächzte die alte Dame. „Stellen Sie sich mal vor, wie viele es merken und Sie nur stumm verurteilen.“
      „Auf der Arbeit, im Privatleben … in der Familie“, ergänzte jemand.
      Getroffen von dem Gedanken daran, wie Lilly ihn wahrnehmen musste, sank er auf dem Stuhl in sich zusammen. Sie war alles, was er noch hatte und wenn sie ihn verlassen sollte …
      „Wir können Sie nicht zwingen, sich als Alkoholiker zu sehen oder beurteilen, ob sie einer sind, aber denken Sie einmal darüber nach, wie viel Sie machen könnten, wenn sie nicht trinken“, gab der Geistliche zu bedenken.
      Die Worte lösten den Hünen aus seiner Starre und er sah den Gruppenleiter wieder an.
      „Was …“, fing er an und räusperte sich, als seine Stimme zu versagen drohte. „Was kann man denn machen?“
      Wieder meldete sich die Alte zu Wort.
      „Zuallererst einmal, können Sie sich an einer Singlebörse anmelden.“
      „Edda, das ist glaub ich nicht der primäre Punkt“, meinte der Pastor lachend. „Aber Sie könnten sich ein Hobby suchen. Sich ablenken oder etwas mit Ihrer Tochter unternehmen. Ich habe mir später das Hobby zugelegt, meiner Tochter beim Kochen zuzusehen“
      Mit beiden Händen rieb er sich über den üppigen Bauch.
      „Und das Essen. Wie Alkohol, kann auch das mich irgendwann umbringen, aber wie beim Sex, ist das noch ein angenehmeres Ableben, als an seiner eigenen Kotze zu ersticken. Wenn Sie zu Hause herumlungern, werden Sie immer wieder mit Alkohol konfrontiert. Die Langeweile ist Ihr Feind.“
      Nickend nahm Halvar die Belehrung hin.
      Der Pastor bedankte sich und widmete sich dann dem Nächsten Mitglied, das etwas zu erzählen hatte.
      Der Hüne hingegen bekam vom Rest des Treffens nicht mehr viel mit. Völlig in seine Gedanken versunken saß er da und dachte über das Gesagte nach. War es wirklich so schlimm? Hatte ihn die Trennung von Khyla wirklich so sehr mitgenommen? Eigentlich sollte er froh sein, den Drachen losgeworden zu sein, aber irgendwie … Vielleicht war es nicht die Tatsache, dass er sie los war, sondern wie es geendet hatte.
      Was immer es war, er musste es herausfinden.
      Erst als Edda ihm erneut in den Oberarm piekste, nahm er die allgemeine Aufbruchsstimmung um sich herum wahr. Offensichtlich war das Treffen beendet und alle räumten ihre Stühle wieder auf und verabschiedeten sich voneinander. Kurz schüttelte Halvar den Kopf, um sich von seinen Gedanken zu lösen und tat es ihnen gleich. Am Liebsten wäre er wortlos verschwunden, aber der Pastor lauerte ihm beinahe an der Tür auf.
      „Werden wir Sie wiedersehen?“, fragte er freundlich.
      „Ich … Ich weiß noch nicht“, antwortet der Polizist ehrlich. „Ich muss erst nachdenken.“
      „Machen Sie das“, meinte der Geistliche lächelnd, verabschiedete sich ebenfalls und wandte sich wieder zum Gehen.
      „Mister NíGwydion!“, rief Halvar ihm noch einmal nach. „Sie sagen… ihrer Tochter nichts, oder?“
      „Natürlich nicht!“, dementierte der Pfarrer. „Was hier gesprochen wird, verlässt nicht den Raum! Wie bei einer Beichte, nur sind wir keine Katholiken.“
      Lächelnd bedankte sich der Hüne und wollte gehen, als diesmal der Gruppenleiter ihn aufhielt.
      „Eins noch“, meinte er und legte seine Hand auf die Schulter des Hünen. „Ich kann nicht sagen, ob Sie ein richtiges Alkoholproblem haben oder nicht, aber mir kommt es so vor, als wollten Sie nur die einsamen Stunden streichen. Dass Sie nicht trinken, weil Sie es müssen, sondern einfach nur, weil Sie irgendwie mitteilen wollen, dass es Ihnen schlecht geht, aber nicht der Mann der vielen Worte sind. Was nicht heißen soll, dass Sie hier nicht Willkommen sind.“
      Einen Moment dachte Halvar über die Worte nach, bevor er sacht nickte.
      „Das ist gut möglich“, gab er zu und schüttelte noch einmal die Hand des Geistlichen.
      Geistesabwesend machte er sich dann auf den Weg nach Hause.
    • Folge 5 - Das Date

      Iouna stand vor dem viel zu teuren Restaurant, was sie sich immer nur von außen angesehen hatte. Die Preise waren deutlich außerhalb ihrer Gehaltsklasse. Allein, dass sie aus einem alten Taxi stieg anstatt aus einem Luxusschlitten oder einer Limousine, ließ sie sich fehl am Platz vorkommen. Aber ihr Blind Date hatte auf das Restaurant bestanden. Das etwas abgelegene Gebäude erinnerte an einen exklusiven Club, wo sich reichere Menschen zum …
      Langweilen, da kann man sich eindeutig nur langweilen.
      Iouna bekam die Tür aufgehalten, während sie abschätzig vom Platzanweiser gemustert wurde. Der jungen Frau fiel natürlich umgehend auf, dass sie mit ganzen Damen nicht mithalten konnte, die in knappen Kleidern an den Tischen saßen und aussahen, als seien sie Patientinnen Frankensteins.
      Endlich verstand sie, woher Redewendungen wie: „Eine dicke Lippe riskieren“ kamen.
      Langsame Streichmusik versuchte, einen gehobeneren Eindruck zu hinterlassen und wie es sein musste, stammte diese nicht aus einer Musikanlage, sondern wurde von einem kleinen Orchester Vorort gespielt. Iouna trieb es die Tränen in die Augen, wenn sie die falschen Noten wahrnahm, die irgendein Violinist dazwischen strich. Jedoch versuchte sie sich zunächst auf den Mann hinter seinem Tisch zu konzentrieren, der sie anschaute, als hatte sie sich verlaufen.
      „Der Name?“, verlangte der kleine Mann mit Topflappenfriese zu wissen und Iouna schaute derzeit schon in den Raum hinter ihm.
      „NíGwydion“, antwortete Iouna und fragte sich, wo wohl der Herr saß, der sie zu all dem einlud.
      „Oh, dann wartet Mr. Grey auf Sie im Separee.“
      Auch noch separat? Der lässt sich wohl feiern.
      Mit einem forschen Schnipsen konsultierte der blonde Hitler für Arme einen Kellner zu sich, welchen er anwies, die Lehrerin nach oben zu führen. Der Kellner forderte sie umgehend auf, ihm zu folgen. Es ging eine im Halbkreis verlaufende Treppe hinauf, die einen offenen Blick in den unteren Gästebereich bot.
      Schön auf andere herabblicken können, so ist es gut. Solche Männer wollen doch meist nur etwas kompensieren.
      Als Iouna die Stufen erklommen hatte, musste sie beinahe ihre Atemnot überspielen. Bei all den Stufen wäre sie eher davon ausgegangen, dass ein Aufzug zur Verfügung gestanden hätte. Aber erst einmal oben, kämpfte sie viel mehr gegen den Schwindel an, der sie bei einem Blick nach unten heimsuchen wollte.
      „Hier entlang“, wies sie der dunkelhaarige Kellner noch einmal an, der etwas jünger war als sie, zumindest glaubte sie das, wenn sie ihn mit sich verglich. Der junge Mann mit dem akkurat gestutzten Bart schnaufte nicht einmal.
      Sie liefen weiter und kamen zu einer halboffenen Kabine. Der Eingang konnte von einem samtroten Vorhang geschlossen werden, dessen Enden aber verschnürt an der Seite hingen.
      Je näher sie der Kabine kam, desto unwohler fühlte sie sich. Das lag nicht an ihrem nicht allzu freizügigen Aufzug, sondern daran, dass sie niemand schreien hören würde, wenn der Herr auf falsche Gedanken kam. Die schiefe Walzermusik übertünchte einfach alles.
      Im Inneren erhob sich ein dunkelblonder, gut gepflegter Mann. Erstaunlich jung für die Beschreibung ihres Vater, dass er ein Unternehmen leiten sollte.
      Da hat wohl jemand Papas Geld untergebracht …
      Sein Anzug sah aus, als sei er ihm auf den Leib geschneidert worden und bei dem begrüßenden, zärtlichen Händedruck, hätte Iouna ihm vorzugsweise auf selbigen gekübelt. Seine Hände fühlten sich an, als hätten diese noch niemals einen Hammer oder Ähnliches gehalten und seine Nägel waren eindeutig manikürt worden.
      Wieder so einer, der keine Bohrmaschine halten oder einen Nagel in die Wand klopfen kann. Vermutlich erleidet er bei einem Ikearegal einen Herzkasper.

      Da saß sie nun. Vor einem Knilch, der aussah als könnte er einer ihrer Schüler sein, aber darauf bestand, sich gegenseitig zu siezen. Während die junge Frau noch die gereichte Karte studierte, kam der Kellner nach einiger Zeit wieder herbei und fragte, ob sie bereits etwas zu trinken bestellen wollten. Bevor Iouna etwas sagen konnte, ergriff Mr. Grey das Wort und bestellte einfach Weißwein und dazu stilles Wasser. Aber als hätte das nicht gereicht, machte er dem Kellner umgehend klar, dass er die Tagesempfehlung nehmen würde, ebenso wie die Dame, welche wohl Iouna war.
      Hat der Spacken gerade einfach für mich bestellt? Nicht zu fassen …
      „Es wird Ihnen schmecken, vertrauen Sie mir“, wandte sich das Möchtegern Calvin Klein Modell an die Lehrerin, welche ihn nur skeptisch musterte.
      „Es mag ja nett gemeint sein, aber ich kann lesen und auch sprechen. Niemand muss für mich bestellen, das schaffe ich allein“, konterte Iouna und überreichte dem Kellner mürrisch ihre Karte, denn Timmy war ohnehin schon in den Brunnen gefallen.
      „Sie sind es nicht gewohnt, wenn jemand Ihnen nur einen Gefallen tun möchte, oder?“, erwiderte Grey geradezu analytisch und wandte sich ihr wieder grinsend zu, nachdem der Kellner etwas verwirrt von dannen gezogen war.
      Einen Gefallen? Das wäre, wenn du spontan in Flammen aufgehen würdest.
      „Ich sehe es nicht als Gefallen, wenn mich jemand bevormundet.“
      Ein leises Lachen erklang von Seiten des Herrn.
      „Manchmal … muss man das Ruder einfach aus der Hand geben“, antwortete der Geschäftsmann recht reserviert, aber hatte einen seltsam musternden Blick aufgelegt. Eigentlich dachte Iouna, dass er bei den schnippischen Antworten allmählich die Geduld verlieren musste, aber irgendwie war das nicht der Fall.
      „Haben Sie sich noch nie richtig fallenlassen?“, fuhr er dann fort und Iouna warf skeptisch ihre Stirn in Falten.
      „Vor drei Jahren habe ich mal Bungy Jumping ausprobiert.“
      Nur war das Seil zu kurz, wie ich jetzt feststellen muss.
      In diesem Moment wandelte sich der Blick von Mr. Grey in fast etwas erbost.
      „So etwas ist viel zu riskant für eine Frau wie sie“, sprach er.
      „Eine Frau wie mich?“, hakte Iouna nach, aber auf diese Frage ging der Herr nicht weiter ein, sondern kam zum ursprünglichen Thema zurück.
      „Ich meinte, ob sie sich schon mal vollständig in die Hände eines anderen begeben haben?!“
      „Nein!“, antwortete die junge Frau und berief sich darauf, so etwas nicht zu brauchen.
      „Es kann einen gewissen Reiz haben“, merkte der Geschäftsmann an, unterbrach sich aber kurz, als der Kellner die Getränke brachte. Iouna hatte die seltsame Vorahnung, dass die Unterhaltung eine Richtung annehmen würde, vor welcher sie lieber ein Stoppschild geparkt hätte.
      Kaum war der Mann im schwarzen Anzug wieder weg, faselte Mr. Grey weiter.
      „Haben Sie so etwas noch nie ausprobiert?“
      „Ich denke nicht.“
      Kurz schwiegen beide und Iouna nippte am Weißwein, der wenigstens zu ertragen gewesen war. Das konnte sie noch nicht wirklich von ihrem Date behaupten.
      „Sie sind also Lehrerin und das erst seit kurzem“, begann Mr. Grey von Neuem und durchbrach damit die angenehme Stille.
      „Das hat wohl mein Vater erwähnt“, meinte Iouna und der Herr schüttelte seinen Kopf.
      „Nein, ich habe ein paar Nachforschungen angestellt.“
      Er hat was?
      „Nicht, dass es da viel nachzuforschen gab, aber zumindest konnte ich mir so ein Bild von Ihnen machen. Ich mag es, dass sie nicht so offenherzig mit ihrem Leben hausieren gehen.“
      „Warum sollte ich?“
      Das ungute Gefühl wuchs in der jungen Frau.
      „Sind wir ehrlich“, fuhr Mr. Grey fort, „ich bin nicht an Liebesbeziehungen interessiert. Meine Interessen am anderen Geschlecht gehen in eine andere Richtung.“
      Er ist schwul? Hätte ich mir gleich denken können ...
      „Ist das hier ein Alibi, damit ihre Geschäftspartner denken, sie seien hetero?“, fragte Iouna unbeeindruckt.
      „Nein“, widersprach Mr. Grey umgehend. „Ich nehme mir, was ich brauche und der Rest ist eben … klar definiert.“
      Die junge Frau stellte ihren Wein wieder auf den Tisch.
      „Inwiefern definiert?“
      Mr. Grey hielt kurz inne und betrachtete Iouna eingehend. Es kam ihr vor, als versuchte der Mann, ihr direkt in die Seele zu blicken, so starr waren seine Augen auf sie gerichtet.
      „Ach scheiß auf den Papierkram“, meinte er anschließend und lehnte sich zu ihr herüber. Er erklärte ihr, dass er ein Spielzimmer besäße, aber keines wie auf der Neverland-Ranch, sondern eines, worin er Frauen dominiert. Vorzugsweise mit allerhand Werkzeug und grundsätzlich vertraglich geregelt. Bei ihr machte er eine kleine Ausnahme, da es ihn zu sehr reizte, eine Pfarrerstochter als sogenannte Sub zu gewinnen. Die Kirche war weder für solche Spielereien bekannt noch entsprach es deren Moralvorstellungen.
      Kann also doch was Handwerkliches, nur sind bei mir keine Schrauben locker.
      „Das ist ein Scherz“, sagte die junge Frau schockiert und schaute zu Mr. Grey, der ihr versicherte, dass das sein voller Ernst war. „Gleich kommen ein paar Herren mit Kameras um die Ecke, oder?“
      Hat man den als Kind zu heiß gebadet?
      „Ich hoffe, nicht“, gab er zu und Iouna schluckte trocken.
      „Sie erzählen mir, dass sie junge Frauen versklaven und das alles per Vertrag?!“
      „Doch keine Sklavinnen. Es ist ein Abkommen über eine gewisse … Partnerschaft. Sie brauchen sich um die Kosten keine Gedanken machen, das übernehme ich für Sie. Immerhin kenne ich Ihre Einkünfte.“
      Dem hat doch ein Affe ins Hirn geschissen!
      „Ich nenne es sehr wohl Sklaverei! Mir so etwas vorzuschlagen ist schon frech … Was ist bei Ihnen denn schiefgelaufen?“
      „Ich kann Ihnen versichern, dass alles vollkommen professionell ablaufen wird.“
      „Professionell? Sie sprechen hierbei von Sexpraktiken, die mich dazu 'zwingen', mich von Ihnen auspeitschen, anketten und peinigen zu lassen. Wie nennen Sie das ...“ Iouna suchte nach dem Wort, welches er zuvor benutzt hatte. „Als einen Dom?!“
      „Es hat viele Vorteile, meine Sub zu sein“, versuchte Mr. Grey, sie anscheinend zu beruhigen.
      „Ihr Geld können Sie behalten und ich behalte meine Selbstachtung, meinen Stolz und meine Würde.“
      Das Gesicht des Herren nahm eine ernste Fassade an, während sich Iouna aufrichtete.
      „Was haben Sie vor?“, verlangte der selbsternannte Dom zu wissen.
      „Ich gehe. Wonach sieht es denn aus?“
      Sehe ich etwa aus wie eine Nutte? Nicht alles kann man sich kaufen!
      „Das ist nicht möglich, denn sie werden mir nun doch lieber die Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen. Sie haben ja nicht einmal etwas gegessen. Das wäre Verschwendung.“
      „Das Essen können sie sich hinschieben, wo die Sonne nicht hinscheint … Wahlweise auch jemand anderen. Und ich werde gar nichts unterschreiben!“
      Iouna verließ das Separee und hielt auf die Treppe zu, während auch Mr. Grey aufstand und ihr nacheilte. Noch nicht bei den Stufen angekommen, hielt er sie fest.
      „Bleiben Sie hier. Wir sind noch nicht fertig“, sprach er angestrengt gelassen. „Sie können nicht einfach so gehen.“
      „Und wie ich das kann“, wurde Iouna immer ungeduldiger und lauter. „Ich werde jetzt gehen und wenn Sie mich nicht lassen, dann rufe ich die Polizei.“
      Großartig, Iouna, die Polizei. Ein Teil davon sitzt gerade bei den anonymen Alkoholikern. Bestimmt lustig, wenn er von dem Date mit einem Perversen hört. Die reden ja untereinander.
      „Bleiben Sie hier!“
      „Nein!“
      Iouna entriss ihm ihren Arm und eilte einfach die Treppe hinunter.
      „Nein“, meinte der gereizte Geschäftsmann und hielt sie noch einmal fest.
      „Dann unterschreiben Sie mir wenigstens die Verschwiegenheitserklärung“, fauchte er plötzlich und offenbarte Iouna mit seinem Blick und seinem Tonfall seine gesamte Überheblichkeit.
      „Das können Sie sowas von vergessen. Danach steht da noch irgendetwas Kleingedrucktes und ich bin Putzfrau in Ihrem Folterkeller. Normalerweise müsste ich damit an die Presse gehen.“
      Wieder riss sie sich los und lief so schnell die Treppe hinunter wie sie konnte. Wiederholt schaute sie zurück und versicherte sich, dass der Wahnsinnige ihr nicht nachlief. Aber das tat der Mann nicht, er eilte die Treppe wieder hinauf und das war alles, was sie noch sehen konnte, bevor Iouna das Restaurant verließ.
      So schnell sie konnte hielt sie ein Taxi an und stieg ein, um in ihre eigenen vier Wände zu kommen. Dahin, wo sie sicher vor solchen Kranken war und nie wieder würde sie sich auf ein Blind Date einlassen!
    • Hallo ihr beiden. Hab Mal wieder wieder gelesen. Schönes Kapitel wo ich nichts wirklich dran auszusetzen habe und da ich ja weiß das es eher komisch also nicht entstanden sein sollen, ist es auch in Ordnung wie Mr. Grey dargestellt wurde ;)

      Ich hoffen Mal das halvar sein Alkoholproblem in den Griff bekommen wird.

      LG Kathamaus
    • Folge 6: Der Einsatz (1)

      Halvar spürte Ivars fragenden Blick auf sich ruhen, als er an diesem Abend in den Streifenwagen stieg, um die Nachtschicht zu beginnen.
      „Was ist?“, fragte er seinen Kollegen.
      „Das wollte ich auch gerade fragen“, antwortete dieser, und hielt dem Hünen die Pistole hin, die er ihm das letzte Mal abgenommen hatte.
      Nun war es Halvar, der mit hochgezogener Augenbraue den etwas jüngeren Mann betrachtete und fragte, was dieser meinte, während er die Waffe im Holster verstaute.
      „Du bist rasiert, riechst wie ein normaler Mensch und man kann nicht mehr deinen Speiseplan von deiner Uniform ablesen.“
      „Und?“
      „Nichts 'und'?'“, amüsierte sich Ivar und startete den Motor. „Das hat doch einen Grund.“
      Der Hüne teilte kurz über Funk mit, dass sie ihre Streifenfahrt aufgenommen hatten und ignorierte die Andeutung seines Sitznachbarn.
      „Verstehe“, behauptete der Blonde, während er das Auto durch die menschenleeren Straßen steuerte.
      „Was verstehst du?“
      „Du hast eine Neue!“
      „Neue was?“, hakte Halvar nach und musterte den Fahrer. „Uniform?“
      Lachend gab Ivar zu, dass das wohl auch nicht geschadet hätte, korrigierte ihn aber dann.
      „Nein, Backblech, keine Uniform. Eine neue Frau, Freundin, Bettgeschichte, was auch immer.“
      Kann man sich hier nicht mal rasieren, ohne dass gleich Gerüchte aufkommen?
      „Nein, habe ich nicht“, dementierte der geschiedene Polizist. „Woher genau sollte ich die denn nehmen?“
      Sein Kollege zuckte nur mit den Schultern.
      „Mir doch egal, solange es nicht meine Schwester ist!“
      „Keine Sorge …“
      Ich bin gerne schwerer als die Frau an meiner Seite.
      Einen Augenblick erstarb das Gespräch und nur das Brummen des Motors durchbrach die Stille.
      „Es ist diese Lehrerin, oder?“, fragte Ivar dann mit einem Grinsen auf dem Gesicht.
      Seufzend rieb Halvar sich die Augen.
      „Genau, die wird es sein“, moserte er. „Ich verliebe mich in eine Frau, die ich zweimal gesehen habe!“
      „Zweimal?“, hakte der Fahrer des Steifenwagens nach und sein Grinsen wurde breiter.
      Ach kacke …
      „Ja, du Möchtegerndetective, zweimal“, gab Halvar zu und erzählte seinem Kollegen von dem Treffen und warum er dort gewesen war.
      Schweigend nahm Ivar die neuen Informationen hin und nickte dann nur.
      „Und?“, fragte er. „Von ihrem Kuchenprobiert? Oder hat sie nur deinen Ausweis kontrolliert?“
      „Halt die Klappe“, murmelte Halvar und ignorierte die weiteren Sticheleien seines Kollegen.
      Die Schicht war ruhig und die ersten Stunden vergingen ohne irgend einen Einsatz.
      Gelangweilt döste Halvar in seinem Sitz vor sich hin, während Ivar weiter durch die Straßen fuhr. Offenbar hatte der Jüngere eingesehen, dass das Gespräch über Lillys Lehrerin nicht zu einem sinnvollen Ergebnis führen würde.
      Endlich meldete sich das Funkgerät und versprach etwas Abwechslung.
      Halvar schreckte hoch und beantwortete den Aufruf. Die Leitstelle verkündete eine Ruhestörung und eventuellen Hausfriedensbruch in der Nähe. Der Polizist bestätigte und notierte sich die Adresse.
      „Dann mal los“, meinte Ivar und steuerte das Ziel des Einsatzes an.

      „Da ist es“, bemerkte Halvar und zeigte auf das Haus, vor dem bereits eine wild gestikulierende Person zu erkennen war.
      Ivar hielt den Streifenwagen etwas entfernt an und die beiden Polizisten stiegen aus.
      Sofort hörten sie das Geschrei des Mannes, der inzwischen wie ein Besessener gegen die Tür hämmerte.
      „Mach endlich die Tür auf!“, plärrte der dunkelblonde Randalierer und schien die Beamten gar nicht zu bemerken.
      „Was ist hier los?“ , fragte Halvar und zog so die Aufmerksamkeit auf sich.
      Der in einen gut sitzenden Anzug gekleidete Mann fuhr herum und sah dann etwas verwundert zum Hünen auf.
      „Nichts, Officer“, flötete er. „Nur eine Meinungsverschiedenheit mit der Dame.“
      „Verstehe“, antwortete der Polizist und wandte sich an seinen Kollegen. „Wie heißt diese Dame?“
      Ivar warf einen Blick auf den Briefkasten.
      „NiGwydion.“
      Ernsthaft? Hoffentlich nur ein Zufall …
      „Es ist nichts, wirklich“, versuchte der Randalier erneut, ihn abzuwimmeln.
      „Lassen Sie das mal uns entscheiden“, erwiderte Halvar und lächelte bemüht freundlich. Er schob den Mann zur Seite und klopfte an die Tür.
      „Ma'am? Alles in Ordnung?“, rief er in das Haus.
      „Ich sagte doch, es ist alles in Ordnung!“, mischte sich der Dunkelblonde erneut ein.
      „Suchen Sie lieber schon einmal ihren Ausweis heraus!“, meinte der Polizist in einem weniger freundlichen Tonfall als noch zuvor.
      „Können Sie bitte den Irren von meinem Grundstück schaffen?“, tönte es hinter der Türe.
      Die Stimme kam Halvar bekannt vor. Zu bekannt, als dass es sich bei dem Namen um einen Zufall handeln konnte.
      Die Frau kommt mir nochmal im Traum …
      Er wandte sich wieder an den Eindringling und seufzte.
      „Sie haben die Dame gehört.“
      „Die hat doch keine Ahnung was sie da redet! Die ist verwirrt!“
      Erneut seufzte Halvar und forderte den Mann auf, seine Personalien abzugeben und anschließend das Grundstück zu verlassen.
      „So lasse ich nicht mit mir reden!“, keifte der Mann. „Wissen Sie wen Sie vor sich haben?“
      Der Hüne tat einen tiefen Atemzug, um sich zu beruhigen.
      Greif mich doch einfach an, dann kann ich dich erschießen und das Gespräch beenden.
      „Nein, Sir, das weiß ich nicht“, erklärte er. „Deswegen will ich ja ihren Ausweis sehen.“
      Laut fluchend rückte der Mann endlich seine Papiere heraus und entpuppte sich als ein Christian Grey.
      Na endlich, meine Fresse …
      Halvar!“, rief Ivar nach seinem Kollegen. „Sieh dir das Mal an.“
      Der Gerufene forderte Mr. Grey auf, zu bleiben, wo er war und ging zusammen mit dem Ausweis zu dem jüngeren Polizisten.
      „Was?“
      Mit einem sichtlich unterdrückten Grinsen hielt Ivar ihm einen Stapel Papier hin.
      „Muss der Kerl verloren haben, lag hier überall verstreut“, mutmaßte er.
      Halvar zog eine Augenbraue hoch, als er die Verschwiegenheitserklärung las, die sein Kollege aufgesammelt hatte.
      „Mr. Grey, was soll das sein?“, wollte er wissen. „Wollen Sie die Dame auffordern, ihre seltsame Erklärung zu unterschreiben?“
      „Nicht nur das!“, rief die Bewohnerin des Hauses. „Und ich weigere mich! Deswegen verfolgt er mich!“
      „Was soll das heißen?“, hakte Ivar nach.
      „Nichts, sie lügt!“, wehrte sich Grey.
      „Okay, das reicht jetzt“, wollte Halvar die Diskussion beenden und näherte sich dem Eindringling wieder. „Leeren Sie bitte ihre Taschen aus, Mister Grey.“
      Der Angesprochene verschränkte die Arme vor der Brust und schüttelte den Kopf.
      „Oh nein!“, keifte er. „Nur weil diese Frau hier haltlose Anschuldigungen verbreitet …“
      „Die Taschen!“, unterbrach Ivar die Schimpftirade. „Sonst müssen wir Sie durchsuchen.“
      Grey machte einen Schritt zurück und hob abwehrend die Hände.
      „Sie lassen gefälligst ihre Finger von mir!“
      Nach einem tiefen Atemzug ging Halvar auf ihn zu und griff den Oberarm des Mannes.
      Wütend versuchte der Eindringling, sich loszureißen und schrie, dass man ihn loslassen sollte. Nachdem Halvar dies nicht tat, sondern weiter versuchte, auf ihn einzureden, seine Taschen endlich auszuleeren, begann Grey um sich zu schlagen, um zu entkommen.
      Sofort drehte Halvar den Arm des Angreifers auf den Rücken und brachte ihn zu Boden. Mit dem Knie in seinem Nacken fixierte er ihn, bis Ivar herübergeeilt war und ihm Handschellen anlegen konnte.
      „Gehen Sie von mir runter!“, beschwerte sich der Unterlegene. „Sie ruinieren mir den Anzug!“
      Das hättest du dir vorher überlegen sollen, du Affe.
      Nachdem die Fesseln angelegt waren, zogen die beiden Polizisten ihn wieder auf die Beine und durchsuchten ihn. Zum Vorschein kam nichts Ungewöhnliches, außer einem weiteren Stapel Papier, welcher sich in der Innenseite der Jacke des Mannes befunden hatte.
      Während Halvar den Verhafteten festhielt, las Ivar, was dort geschrieben stand.
      „Was zum …“, murmelte er. „Was für ein kranker Scheiß!“
      „Was denn?“, fragte der Hüne.
      „Zeig ich dir später“, war die von einem Grinsen begleitete Antwort. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich bring den Kerl ins Auto und du machst den Papierkram mit der Dame?“
      Na super …
      Nickend bestätigte Halvar den Vorschlag und klopfte erneut an die Tür.
    • Auch beim zweiten Mal lesen bleibt die Grey Szene einfach cool. Dieser Psychopat mit seinen Verschwiegenheitserklärungen XD Nenn ihn jetzt den Zettelphillip^^

      Ich weiß gar nicht mehr sicher, aber ich glaube ich hatte nur bis hier gelesen, also ist jetzt alles was kommt neu für mich ;)

      :!: Fantasy, weil sich die unglaublichste aller Welten in unserem Kopf befindet... :!:
    • Auch wenn es eine Parodie sein soll, finde ich die zwei Charakter in der Neuzeit + den Plott gar nicht so verkehrt.
      Und Humor könnt ihre beide, das habt ihr ja schon in der eigentlichen Geschichte bewiesen :D

      Es ist zwar erstmal etwas sonderbar, die zwei Menschleins in unserer Zeit, mit unserer Technik und unseren Gegebenheiten zu erleben, aber ich denke hier kann sich besonders Iouna mit ihren ironischen Gedanken ordentlich austoben, ohne befürchten zu müssen sofort hingerichtet zu werden xD

      Bei Halvar finde ich besonders die anfängliche Beschreibung irrwitzig... Speiseplan auf der Uniform, zottelig runtergekommen, dauerbeschwippst. Ivar, ein sehr amüsanter Kerl. Wer ihn zum Kollegen hat, braucht sich um dumme Bemerkungen keine Sorgen mehr machen :rofl:

      Bei Iouna gefällt mir dieses "Doppelleben" ihres Aussehens. In der Schule der klischeehafte "Strenge Lehrerin"-Look und privat eine Frau, die weiß, was sie zeigen kann :D

      'Mäuschen' xD

      Und dieser Grey... der totale Vollhorst :rofl: so richtig schön nervig. Kann mir den richtig vorstellen, wir er hinter ihr her ist, wild mit dem Zettel am wedeln :rofl:

      Bei Lilly brauchte ich allerdings etwas. Von 10 auf 13 machen... von einem total lieben, süßen kleinem Mädchen, das ihren Daddy abgöttlich liebt, zu einem voll pupertären, dauergenervten Teenie... echt ne Umstellung^^
      Besonders witzig aber fand ich ja die Bemerkung dazu (scheint nur auf Wattpad zu stehen?), dass ihr sie zu einem pupertären Teenie gemacht habt, damits so richtig schön scheiße wird <-- ich fand das so genial :rofl:
      The tiger and the lion may be more powerful...
      ... but the Wolf does not perform in the circus.
    • Danke für die Kommis :D

      Ruka schrieb:

      Bei Lilly brauchte ich allerdings etwas. Von 10 auf 13 machen... von einem total lieben, süßen kleinem Mädchen, das ihren Daddy abgöttlich liebt, zu einem voll pupertären, dauergenervten Teenie... echt ne Umstellung^^
      Besonders witzig aber fand ich ja die Bemerkung dazu (scheint nur auf Wattpad zu stehen?), dass ihr sie zu einem pupertären Teenie gemacht habt, damits so richtig schön scheiße wird <-- ich fand das so genial
      Lilly ist 5 im Original :) (ja, technisch gesehen ist sie 10 :D )
      Und ja, die Puzbertät war Absicht, weil es ja noch nicht scheiße genug war xD (und es passt einfach gut zur Lehrerin :D )

      So, jetzt noch Teil 2 :D

      Folge 6: Der Einsatz (2)


      „Miss, Sie können aufmachen“, erklärte er.
      „Einen Moment …“, war die Antwort und das Klicken eines Schlüssels im Schloss und das Rasseln einer Kette verrieten, dass die Bewohnerin alle Vorkehrungen getroffen hatte, Grey den Zugang zum Haus zu verwehren.
      Mit einem leisen knarren öffnete sich die Türe und wie befürchtet fand Halvar sich vor Miss NíGwydion wieder. Die junge Frau trug ihr Haar offen und einen hellen Morgenmantel, den sie mit den Armen eng an sich presste. Ohne die Brille und den strengen Dutt wirkte sie weit hübscher und weniger wie eine Bibliothekarin. Überrascht sah zu ihm auf.
      „Sie?“, fragte sie ungläubig.
      „Ja“, meinte Halvar lächelnd und räusperte sich. „Ist alles in Ordnung?“
      Er wusste, dass er diese Frage schon einmal gestellt hatte, aber der Verrückte hatte die Lehrerin seiner Tochter ja nicht zu Wort kommen lassen.
      „Ja, jetzt schon“, antwortete sie erleichtert und musterte den Polizisten einen Moment, ehe sie weitersprach. „Ist er weg?“
      „Im Streifenwagen“, erklärte dieser und wies zu dem Fahrzeug. „Wir werden ihm klarmachen, dass er hier nicht mehr auftauchen sollte, wenn er die Nacht nicht in einer Zelle verbringen will.“
      Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht, ehe sie wieder ernst wurde und ihren Morgenmantel noch enger zog.
      „Gut und beruhigend zu wissen“, sagte sie. „Ich habe selten Männer erlebt, die ein 'Nein' so dermaßen überhören.“
      Der Polizist zog eine Augenbraue nach oben und fragte, warum der Mann so darauf bedacht war, mit ihr zu reden und was es mit der seltsamen Verschwiegenheitserklärung auf sich hatte.
      Sie erzählte zögerlich, dass Grey versucht hatte, so sicherzustellen, dass die junge Frau nicht mit der Presse sprechen würde. Anscheinend stand sein guter Ruf auf dem Spiel.
      „Ich wollte nicht unterschreiben, weil ...“, erläuterte sie und stockte kurz. „ … weil ich seine 'Spielchen' nicht mitmachen wollte.“
      „Seine 'Spielchen'?“, hakte Halvar nach und notierte sich derweil die vorangegangene Aussage.
      „Sexspiele.“
      Erneut zog der Hüne eine Augenbraue nach oben und musterte die Schwarzhaarige einen Moment.
      „Bitte?“, vergewisserte er sich, sie richtig verstanden zu haben. „Er hat Ihnen Sexspiele angeboten und verlangt nun, dass Sie nicht darüber reden?“
      Langsam kam ihm eine Idee, welchen „kranken Scheiß“ Ivar bei dem Mann gefunden hatte.
      „Ja“, bestätigte sie nickend. „Es schien sich dabei um eine Art Sklaverei zu handeln. Ich unterschreibe und er bestimmt meinen gesamten Alltag. Den gesamten Alltag.“
      „Das ist … interessant“, meinte Halvar und machte sich wieder Notizen. „Und Sie haben davon was genau?“
      Die letzte Frage stellte er eher aus Neugier als aus Pflichtbewusstsein, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass eine Pfarrerstochter sich auf irgendeine Art Sexspielchen einlassen würde.
      „Er würde alles bezahlen“, führte sie aus. „Dafür müsste ich ihm nur jederzeit zur Verfügung stehen. Wer macht denn sowas mit?
      Oh, ich kenne da jemanden …
      „Ich weiß nicht“, log er und räusperte sich.
      Da er alle Antworten über den Hergang hatte, fragte er noch, ob sie den Eindringling wegen Hausfriedensbruchs anzeigen wollte.
      „Nein …“, lehnte sie seufzend ab und schüttelte den Kopf. „Nein, ich hoffe, mit der Polizei ist er blamiert genug und sieht davon ab, tatsächlich in die Medien zu geraten.“
      Nickend bestätigte Halvar ihren Wunsch.
      „Falls er noch einmal auftaucht, rufen Sie an.“
      „Ich habe ja ihre Nummer“, antwortete sie lächelnd.
      Der Polizist brauchte einen Moment, zu verstehen, dass sie nicht wie er von der Notrufnummer sprach. Als Lehrerin seiner Tochter hatte sie auch seine private Telefonnummer. Irgendwie brachte ihn der kleine Satz der jungen Frau mehr aus dem Konzept als ihm lieb war. Dennoch erwiderte er ihr Lächeln, wünschte ihr noch eine gute Nacht und machte sich auf den Weg zurück zum Streifenwagen.
      Dort stand Ivar am Auto gelehnt und blätterte in dem Papierstapel, den er bei Grey gefunden hatte.
      „Das ist schlimmer als jeder Ehevertrag“, klärte er Halvar auf.
      „Was?“
      „Dieser … Vertrag hier. Hör dir das mal an: 'Die Sub ist zu allen Zeiten rasiert und/oder gewachst. Die Sub sucht zu Zeiten, die der Dom bestimmt, einen Kosmetiksalon auf, den der …' Das ist doch … Personal Trainer viermal in der Woche.“
      Der Hüne konnte sich vorstellen, warum Miss NíGwydion sich geweigert hatte, den Wisch zu unterschreiben.
      „Vielleicht sollte ich auch so eine Sub werden“, fuhr Ivar fort. „Wenn der Vogel alles bezahlt rasiere ich mir auch den ganzen Körper.“
      „Nimm den Vertrag doch mit und frag deine Frau, ob sie dein Dom sein will.“
      Lachend lehnte der Jüngere ab und meinte, Sarah wäre ihm zu streng. Halvar beschloss erst einmal dem Eindringling klarzumachen, dass das Maß jetzt voll war und er verschwinden sollte.
      Da die Hausbesitzerin Grey nicht anzeigen wollte, gab es ansonsten nichts zu tun und der leise vor sich hin fluchende Mann erhielt seinen Ausweis zurück.
      „Und meine … Unterlagen?“, zischte er.
      „Die können Sie sich gerne morgen auf dem Revier abholen“, stellte Ivar grinsend in Aussicht. „Ansonsten werden Sie in einer Woche vernichtet.“
      Halvar wusste genau, dass Grey niemals auf die Wache kommen würde, um den Vertrag abzuholen. Zu groß war die Aufmerksamkeit, die er damit erregen würde.
      Ohne ein weiteres Wort zog der Mann in seinem dreckigen Anzug davon und verschwand hinter der nächsten Straßenecke.
      „Hoffentlich war es das“, murmelte Halvar. „Der Kerl macht nicht den Eindruck, schnell aufzugeben.“
      Nickend stimmte Ivar ihm zu und setzte sich hinter das Steuer.
      Der Hüne warf noch einen letzten Blick zum Haus und stieg dann ebenfalls ein.
      Per Funk sagte er Bescheid, dass der Einsatz beendet und sie wieder frei waren, während sein Kollege losfuhr.
      „Die Kleine kam mir bekannt vor …“, überlegte Ivar und trommelte nachdenklich auf dem Lenkrad herum.
      „Mir auch …“, nuschelte Halvar.
      „Was?“
      „Das war Lillys Lehrerin …“, gab der Beifahrer zu.
      Ivar lachte laut auf und fragte nach, ob es sich um dieLehrerin handelte, was Halvar nicken bestätigte.
      „Dann bist du entweder blind oder dumm“, stellte der Jüngere fest.
      Ein fragender Blick war alles, was der Hüne darauf antworten konnte.
      „Halvar, bei deiner Beschreibung von ihr dachte ich eher an ein Mauerblümchen, das aussieht, als würde sie mit siebzehn Katzen in dem Haus wohnen.“
      „Vielleicht tut sie das ja?“
      „Vielleicht bist du so verstört von deiner lieblichen Exfrau, dass du keine Ahnung mehr hast, welche Frau attraktiv ist?“
      Schweigend starrte der geschiedene Mann aus dem Fenster. Er wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Immerhin hatte er selbst festgestellt, dass es nur an ihrem Aufzug in der Schule gelegen hatte, dass er sie als so unnatürlich streng empfunden hatte. Wenn er genauer darüber nachdachte, hatte sie bereits in der Kirche deutlich attraktiver ausgesehen als noch während des Elterngesprächs.
      „Also?“, fragte Ivar nach einem Moment der Stille.
      „Also was?“
      „Bist du blind oder blöd?“
      Witzbold …
      Halvar wusste, dass sein Kollege nicht lockerlassen würde, bis er eine Antwort hatte.
      „Beides vermutlich“, sagte er deshalb.
      Lachend verkündete Ivar, er hätte es gewusst.
      „Dann mach deine Augen auf und den Kopf an“, riet er. „Dann wird es vielleicht auch mal wieder was.“
      „Was soll was werden?“
      Ein Seufzen drang vom Fahrersitz zu Halvar herüber.
      „Mit dir und den Frauen! Du kannst doch nicht ewig deinem Hausdrachen nachtrauern!“
      „Nachtrauern ist das Letzte, was ich tun möchte.“
      „Aber?“
      Aber ich glaube nicht, dass ich im Moment …“, versuchte der Hüne zu erklären, unterbrach sich aber. Spätestens seit der Sitzung am Abend zuvor wusste er, dass seine derzeitige Verfassung nicht unbedingt dazu geeignet war, die Frau fürs Leben zu suchen.
      Der Hohn war aus Ivars Stimme verschwunden, als er ruhig meinte, dass das Besuchen des Treffens der erste Schritt in die richtige Richtung sei.
      Halvar nickte und traf eine Entscheidung.
    • Oh hui, das ging ja richtig zur Sache mit dem Typen. Ich wette ja, der macht noch Ärger :D
      Schön das Halvar Iouna rein zufällig so heldenhaft retten konnte ^^

      Die ganze Situation erinnerte mich etwas an das, was ich so von Fifty Shades of Grey mitbekommen habe. Reicher Typ mit solchen Vorlieben ... und dann musste ich daran denken, dass der Roman nur deshalb "erotisch" ist, weil der Typ reich ist :hmm:
      Stellt euch mal vor, der wäre ein Penner in einem heruntergekommenen Wohnmobil und würde dann solche Spielchen spielen wollen.
      ... Die armen Frauen 8o

      Aber so ein Cliffhanger ... wie fies ^^ was Halvar wohl entschieden hat? Ich bin ja schon auf den nächsten Teil gespannt.



      Hikari

      Keen to the scent, the hunt is my muse
      A means to an end this path that I choose
      Lost and aloof are the loves of my past

      WAKE THE WHITE WOLF, remembrance at last
    • Chaos Rising schrieb:

      Lilly ist 5 im Original (ja, technisch gesehen ist sie 10 )
      Ach, stimmt :patsch: Wie komm ich denn auf 10? 8|

      Chaos Rising schrieb:

      „Er würde alles bezahlen“, führte sie aus. „Dafür müsste ich ihm nur jederzeit zur Verfügung stehen. Wer macht denn sowas mit?
      Oh, ich kenne da jemanden …
      :rofl:

      Chaos Rising schrieb:

      „Falls er noch einmal auftaucht, rufen Sie an.“
      „Ich habe ja ihre Nummer“, antwortete sie lächelnd.
      antwortete sie lächelnd?? Ach kommt, das war doch eher sowas hier: :grinstare:
      xD

      Chaos Rising schrieb:

      „Vielleicht sollte ich auch so eine Sub werden“, fuhr Ivar fort. „Wenn der Vogel alles bezahlt rasiere ich mir auch den ganzen Körper.“
      Erwähnte ich schon, dass ich Ivar genial finde? :D
      The tiger and the lion may be more powerful...
      ... but the Wolf does not perform in the circus.