HEAVEN - (Band I)

  • Hallo Rainbow!
    Diese Geschichte gefällt mir immer besser. Du beschreibst Elias' "Wohnung" sehr schön anschaulich. Ich kann es mir richtig vorstellen wie im Kino. Auch das Treffen mit Micah ist rundherum gelungen.

    “Ebenso, wie deine letzte offene Meinungsäußerung zum Thema ´irdische Geschehnisse`, als du die Menschheit mit einer Art Krankheit verglichen hast, die die Erde befallen habe.

    Und diesen Satz finde ich einfach köstlich! Ich hatte mich nämlich schon danach gesehnt, mal ein konkretes Beispiel dafür zu bekommen, mit welcher Art von Kritik Elias wo angeeckt ist.
    Insgesamt ist der gesamte Text sehr gut, wie ich finde.

    Plötzlich hellte Micahs Miene sich wieder auf. „Pass auf, du spielst das Ganze jetzt erst mal mit und verhältst dich ruhig!“, versuchte er Elias aufzumuntern. „Versuch es wenigstens! Mal ganz nebenbei, könnte es dir wirklich nicht schaden, dich zur Abwechslung in der Praxis mit den Menschen zu beschäftigen, anstatt sie immer nur als wissenschaftliche Objekte zu betrachten. Ich weiß, dass du dich für ihre Wesenszüge und Verhaltensweisen interessierst und jetzt sag mir nicht, dass das nicht stimmt. Also, vielleicht kommst du ja tatsächlich zu neuen Erkenntnissen.“
    Elias verzog das Gesicht. Dass ihm die Vorstellung daran missfiel, war gelinde ausgedrückt, und dennoch hatte Micah den Nagel auf den Kopf getroffen. Er besaß als einer der wenigen die Fähigkeit, ihm ins Gewissen zu reden. Wahrscheinlich, weil er sich nicht so leicht von seiner aufbrausender Art einschüchtern ließ und irgendwie in sich selber ruhte. Letzteres war eine sehr beneidenswerte Eigenschaft, wie Elias fand.


    Diesen Absatz ist die einzige Stelle, die du nochmal überdenken könntest (aber nicht musst).
    Elias ist also gerade am Boden zerstört und sein Kumpel Micah richtet ihn hier wieder auf.
    Wieso?
    Für den Leser wäre es viel schlimmer, wenn Micah ihn (unabsichtlich) noch weiter runterziehen würde, oder hoffnungslos wäre, Bedenken hätte, alles sinnlos finden würde etc. Je mehr Elend der Prota aushalten muss, desto mehr leidet der Leser mit.
    Hier klingt es so: Ach, ist nicht so schlimm, es wird dir bestimmt etwas bringen.
    Mein Vorschlag: Kein Trost, sondern besser noch mehr Bestürzung und Trauer über die erzwungene Trennung - oder sowas in der Art.
    Gib dem Leser nicht die Hoffnung, dass Elias da wieder herauskommen kann.


    Nachher bekommt Elias ja sowieso noch den Trost, dass sie sich beim Lichterfest wiedersehen und das finde ich, ist eine sehr gute Idee. Es ist kein richtiger Trost, denn es erlöst ihn nicht aus der 3. Sphäre, aber er kann sich daran festhalten, wie du schreibst.


    Das wäre mein Vorschlag. Allerdings funktioniert der Text natürlich auch sehr gut so wie er jetzt ist. :)


    Noch eine kleine Anmerkung zu den Engelnamen auf -iel, zu denen hier schon viel geschrieben wurde. Ich finde es genial, dass du die altmodischen Namen aus der Bibel oder aus Überlieferungen benutzt. Eben gerade weil darunter auch viele "authentische" Namen sind, wirkt es für mich umso echter.

  • @Rainbow


  • @Kirisha


    @Ralath


    An alle:
    Ich hänge mal ein PDF-Dokument an mit einer Übersicht über die Hierarchie-Ebenen, die im himmlischen Reich gelten sollen, und an denen ich mich beim Schreiben meiner Geschichte orientiert habe. Dieses Gerüst habe ich mir nicht selber ausgedacht. Es stammt von einem Herrn, der im 6. Jahrhundert gelebt hat . Ich habe dem Ganzen mit meiner Fantasie nur ein bisschen mehr Leben eingehaucht :D

    Wer mag, kann sich das ja mal anschauen, ist aber kein Muss. Ich denke, man kann der Story auch so folgen.


    LG,

    Rainbow

  • Hey @Rainbow,
    cooles neues Kapitel und cooler neuer Charakter den du uns hier vorstellst.
    Erst mal wird mir Elias, auch wenn er augenscheinlich was gegen Menschen hat, immer sympatischer und man kann wirklich gut mit ihm mitfühlen.
    Traurig war auch das sein Kumpel Micah, gleich denkt das er keine Chancen hat wieder zurück zu kommen, aber wer weiß ob er das überhaupt soll, da er ja eine Bestimmung hat. Ein kleiner hoffnungsschimmer ist ja da, die Feier wo alle Engel aus allen Sphären eingeladen sind.
    Ich freue mich aufjedenfall darauf weiter mit elias mitzufühlen und bin gespannt, wie er seine neue Aufgabe meistert.


    Zudem finde ich deine PDF wirklich cool, so bekommt man einen noch besseren Eindruck oder auch Einblick in deine Geschichte und deren Hintergründe. Auch wenn man sie ja schon vorher gut verstanden hat, aber das ist noch mal so ein kleines Extra, das das noch ein bisschen mehr aufpeppt.


    Lg Kathamaus

  • Ich hinke aber auch hinterher :D


    Viel zu sagen habe ich auch nicht, außer das Micah wirklich wie einer dieser Vorzeigeengel wirkt. :D
    Elias schöpft Hoffnung. Das ist gut. Vielleicht hält ihn das davon ab, etwas saudummes zu machen...Wir werden sehen/lesen



    LG :)

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
    - Meister Lukras -


    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak

  • Danke @Kathamaus und @LadyK für eure Rückmeldungen :)


    Nun wollen wir mal sehen, wie es Emilia in der Zwischenzeit so ergeht....hier kommt Kapitel 4:



    Kapitel 4
    Wenn Ängste wahr werden …



    Nach nunmehr doch zwei Gläsern Rotwein, diversen ´Ich-hab-keine-Essstörung-Alibi-Pizzabrötchen`, einem Schnulzenfilm und einem sehr wohltuenden beste-Freundinnen-Gespräch, verriet der Blick auf die Uhr, dass es Zeit war, sich mit den erfolgreich weggeschobenen Gedanken zur bevorstehenden Heimfahrt auseinanderzusetzen.
    Emilia spürte, wie es ihr zunehmend unwohler wurde bei der Vorstellung, gleich im Stockfinstern durch das dunkle Waldstück zu fahren. Vor allem, da es in der letzten Stunde auch noch zu schneien begonnen hatte. Sie war sich nicht sicher, ob es kalt genug war, dass der Schnee liegen bleiben würde, doch alleine die Sichtbeeinträchtigung beim Fahren verursachte ihr schon jetzt ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.
    Sie sah sich schon, wie ihre eigene Oma über das Lenkrad gebeugt, im Schritttempo durch den verschneiten Wald tuckern. Freddy würde sie umbringen, wenn sie sich verspätete. Wahrscheinlich lief er ohnehin bereits wie ein Tiger im Käfig vor dem Fenster auf und ab, um nach ihr Ausschau zu halten.
    Es war eine seiner liebenswertesten und zugleich nervigsten Eigenschaften, dass er sich immer viel zu schnell Sorgen machte – vor allem, wenn es um Emilia ging.
    „Ich befürchte, es wird Zeit“, sagte sie schließlich und erhob sich widerwillig von der Couch. „Es war echt ein schöner Abend und es hat gut getan, mit dir zu quatschen. Wir sollten das bald wiederholen.“ Fest nahm sie ihre Freundin in die Arme und merkte plötzlich, dass der Rotwein nicht ganz wirkungslos geblieben war.
    „Ich fand es auch schön“, sagte Susan. „Wenn auch viel zu kurz. Beim nächsten Mal schläfst du bei mir, wie wär das? Dann musst du nicht so spät noch mit dem Wagen heimfahren.“
    „Das klingt gut! Beim nächsten Mal machen wir das so. Morgen früh braucht Freddy allerdings das Auto. Er hat irgendein Wochenendseminar belegt und muss zur Uni.“ Emilia nahm ihre Jacke von der Garderobe und kramte den Autoschlüssel sowie Mütze und Handschuhe aus ihrer Tasche.
    „Ruf mich auf jeden Fall an, wenn du zu Hause angekommen bist, versprochen?“, bat Susan, drückte ihr noch einen Kuss auf die Wange und entließ ihre Freundin ins kalte Treppenhaus.
    „Ja, das mache ich. Keine Sorge. Wird schon schief gehen“, antwortete Emilia, drehte sich um und ging die Treppe hinunter. Sie hörte, wie hinter ihr die Wohnungstür ins Schloss fiel.
    Wie gerne wäre sie jetzt an Susans Stelle gewesen. Nicht mehr raus müssen. Schon gar nicht mit dem Auto. Schlafzeug anziehen, Zähne putzen und dann ab ins Bett.
    Aber Nein! Sie musste ja jetzt noch diese Hürde nehmen. Vielleicht steigerte sie sich zu sehr da rein. Es war nur eine zwanzigminütige Autofahrt. Was waren schon zwanzig Minuten?
    Unten angekommen gab sie ein lautes Stöhnen von sich, als sie feststellte, dass sich bereits eine Schneeschicht auf der Windschutzscheibe gebildet hatte, die leicht festgefroren war. „Super! Das war ja so klar!“, stieß sie aus, während sie das Handschuhfach nach dem Kratzer durchsuchte. Nachdem sie sich durch diverse CDs mit und ohne Hülle sowie haufenweise Kaugummipapierchen gekämpft hatte, stieß sie auf eine aufgerissene Gummibärchentüte, deren Inhalt sich prompt im kompletten Fußraum verteilte.
    „So ein verdammter Mist! Ich krieg die Krise. Mann Freddy … du bist so ein Chaot!“, fluchte sie lauthals, bevor sie schließlich doch noch fündig wurde und endlich den gesuchten Eisschaber in Händen hielt. Nachdem sie die Scheiben vom Frost befreit, und für freie Sicht gesorgt hatte, ließ sie sich mit halb abgefrorenen Fingern und noch immer vor sich hin schimpfend auf den Fahrersitz gleiten.
    „So, dann kann es ja auch schon losgehen!“, trällerte sie schließlich in sarkastischem Ton, doch auch die gespielte Freude in ihrer Stimme konnte das beklemmende Gefühl tief in ihrem Inneren nicht vertreiben.
    Widerwillig startete sie den Motor und schaltete das Radio ein, woraufhin die vertrauten Klänge einer Rockband das Wageninnere erfüllten.
    Linkin Park. Na, wenigstens die Musik stimmt, dachte sie, als sie vorsichtig rückwärts aus der Parktasche fuhr und auf die Landstraße abbog, welche durch das finstere Waldstück führte.
    Auf dieser dunklen und verlassenen Strecke kamen ihr unfreiwillig sämtliche Erinnerungen aller Horrorstreifen in den Sinn, die sie jemals gesehen hatte. Warum hatte sie sich auch früher immer so einen Mist ansehen müssen?
    Missbilligend schüttelte sie über ihre eigenen absurden Gedanken den Kopf und versuchte, sich auf den Radiosprecher zu konzentrieren, der mit einer sehr angenehmen Stimme nun das Programm der nächsten halben Stunde vorstellte.
    Noch bevor die nächsten Nachrichten kommen, bin ich zu Hause, hörte sie sich in Gedanken sagen, doch egal, wie sehr sie es sich auch wünschte, ihren Worten Glauben zu schenken, wollten sich ihre verkrampften Glieder einfach nicht entspannen.
    Ungläubig starrte sie auf das herannahende Verkehrsschild, welches ihr offenbarte, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit hier 100 km / h betrug. Begleitet durch ein abfälliges Schnaufen, stieß sie die Luft zwischen ihren Zähnen aus, da sie sich bei der aktuellen Wetterlage nicht vorstellen konnte, auch nur annähernd so schnell zu fahren. Angetrieben durch den Fahrtwind, flatterten dicke Schneeflocken wie ein dichter weißer Vorhang über die Windschutzscheibe und anstatt Abhilfe zu verschaffen, beeinträchtigten die rotierenden Scheibenwischer zusätzlich die Sicht.
    Darum bemüht, ihre törichte Angst in den Griff zu bekommen, besann sie sich auf ihre Atmung, während ihre schweißnassen Hände das Lenkrad umklammerten; sich daran festhielten, wie an einem Rettungsanker. Es war nun nicht mehr weit. Nur noch wenige Kilometer trennten sie von dem Ortseingangsschild mit dem dahinterliegenden Kreisverkehr, der Tankstelle und der kleinen beschaulichen Kirche, die abends in warmen Tönen angestrahlt wurde. In Gedanken wünschte sie sich schon jetzt dorthin.
    Noch zwei Kurven, Lia, betete sie sich selber vor und versuchte, die innere Unruhe niederzukämpfen, die ihren Herzschlag in die Höhe trieb.
    Wie ein düsterer Pfad schlängelte sich die spärlich ausgeleuchtete Straße durch den undurchdringlichen Nebelschleier und versank am Ende des blassen Lichtkegels in der tiefschwarzen Nacht. Die Bäume um sie herum verschmolzen mit dem nächtlichen Himmel zu einem finsteren Schatten, der die Natur zu verschlingen drohte, wie ein ausgehungertes wildes Tier.
    Abgeschottet von der Außenwelt kam sich Emilia vor, als triebe sie in einer Rettungskapsel durch die unendlichen Weiten eines ferngelegenen Universums. Nur zu gerne hätte sie auf Autopilot geschaltet, die Verantwortung abgegeben und sich sicher nach Hause geleiten lassen. Verdammt Lia! Reiß dich jetzt einfach mal zusammen!, rief sie sich selbst zur Ordnung. Es konnte doch nun wirklich nicht sein, dass sie stets aus ganz gewöhnlichen Standardsituationen ein riesiges Drama machen musste und ihr gesamtes Leben nur durch Vermeidungsstrategien bestimmt wurde. Das war wirklich erbärmlich!
    Voller Anspannung und mit höchster Konzentration war ihr Blick auf die Fahrbahn gerichtet und dennoch sah sie die beiden reflektierenden Punkte zu spät. Der Schemen tauchte völlig unvermittelt vor ihr auf, sodass sie das Hindernis, welches urplötzlich vor ihr aufragte, erst im letzten Moment wahrnahm.
    Mit vor Schreck geweiteten Augen schrie sie auf, trat reflexartig die Bremse durch, woraufhin der Wagen ins Rutschen geriet und völlig unkontrolliert über den schneebedeckten Asphalt schlitterte. Panisch versuchte sie gegenzulenken, die Macht über das Fahrzeug zurückzugewinnen, was in Anbetracht des glitschigen Bodenbelags nicht mehr als ein aussichtsloses Unterfangen war.
    Jetzt ist es aus!, waren ihre letzten Gedanken, bevor sie den harten Aufprall spürte und alles um sie herum sich zu drehen begann.
    Der Schock währte nur einen kurzen Augenblick, dann raubte ihr ein stechender Schmerz den Atem. Ein dunkler, schwerer Mantel breitete sich über sie aus und hüllte sie vollends ein, bevor die Angst sie überwältigen konnte. Sie bekam nicht mehr mit, wie sie von der Fahrbahn abkam und die Kollision mit einem Baum den Wagen abrupt zum Stehen brachte. Die Scheinwerfer bohrten sich wie zwei Tunnel aus Licht in die Dunkelheit des Waldes, während die Scheibenwischer über die zersplitterte Frontscheibe kratzten. Nach wie vor fiel der Schnee in weichen Flocken, tauchte alles in eine friedliche Stille.


    Hier geht`s weiter:
    Kapitel 4.1

  • Hey @Rainbow
    Sehr schönes neues Kapitel. Das Ende hat mir am besten gefallen. Du beschreibst den Unfall so gut, als wäre man direkt als Beifahrer dabei und würde die Angst und den Schock selber spühren. Und dann der Schnee der alles in eine friedliche Stille taucht. Das gibt dem eigentlich schrecklich und ängstlichen Ende eine sanfte und ruhige endstimmung. Ich hoffe du kannst mir folgen.


    Mir kommt es fast so vor, als würdest du von mir beim Autofahren schreiben hahs :D


    Bin gespannt wie es weiter geht und ob ihr jemand helfen wird. :love:


    LG kathamaus

  • Hallöchen @Rainbow :)



    LG :)

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
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    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak

  • Hallöchen,


    Da ich sofort die Ohren spitze, wenn es um magische Bücher geht bin ich bei dir Gelandet. Bis jetzt finde ich die Story ganz interessant. Dein Schreibstil lässt sich gut Lesen. Ich bin nut mit den ganzen Namen etwas überfordert. Eilas finde ich gut beschreiben. Ich kann mir diesen "Jungspund" in Sachen Held / Engel gut vorstellen.


    Ich wusste in den ersten beiden Kapitel nicht ob ich ihn mag oder ihn für ziemlich blöd halten soll. Aber wahscheinlich wird sich das zeigen, wenn sich der Charakter und die Geschichte weiter entwickelt. Wie schon die obstern Engel in deiner Geschichte gesagten habe, hat Elias Potential.


    liebe Grüße
    Traumstunde

  • Möp.


  • Danke @Kathamaus, @LadyK, @Traumstunde und @Ralath für eure Kommentare :)


    Ich freue mich, dass euch das Kapitel gefallen hat. Es ist in der Tat eines das schon die eine oder andere Überarbeitung mitgemacht hat. Offensichtlich hat es sich gelohnt. Die Ängste von Emilia sind mir allerdings auch ziemlich vertraut, weshalb ich mich wahrscheinlich gut in sie hineinversetzen konnte. Zwar habe ich meine Fahrangst inzwischen überwunden, doch erinnere mich mich noch ganz genau daran, wie sich das anfühlt. Das kann wirklich grausam sein und zu einem Nervenkitzel werden. Das Schlimme daran ist aber, dass diese Ängste für die wenigsten Menschen nachvollziehbar sind.
    Eure Anmerkungen und Korrekturvorschläge werde ich gerne berücksichtigen und bei Gelegenheit in den Text übernehmen.
    Und dann wollen wir mal sehen, wie es weitergeht...wenn ein Engel, der üblicherweise gegen Dämonen kämpft, auf einen Menschen trifft, der Angst vorm Autofahren hat :rofl: ...


    LG und :danke: für`s Dranbleiben...

  • Für alle, die Lust haben, schon mal ein bisschen weiterzulesen... Hier kommt Kapitel 4.1 :)
    Auch dieser Teil ließ sich nicht in die üblichen kleinen Häppchen teilen, weil ich sonst die schöne Szene hätte auseinanderreißen müssen. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das. In Zukunft wird das wieder besser-versprochen! Vielen Dank schon mal für`s Lesen und ich freue mich wie immer über jede Art von Feedback...



    Kapitel 4.1

    Was für ein Durcheinander! Da war Stimmengewirr, das weit entfernt schien und nur dumpf zu ihr durchdrang. Um sie herum herrschte emsige Betriebsamkeit und ein aufdringliches Piepgeräusch explodierte im monotonen Takt eines viel zu schnellen Herzschlags direkt neben ihrem Ohr.
    Konnte das nicht endlich mal jemand abstellen? Wie um alles in der Welt sollte man so bitte schlafen können? Und das wollte sie, mehr als alles andere. Ihr Körper fühlte sich so schwer an, als hingen Gewichte daran, die sie unaufhaltsam hinunterzogen.
    „Bleib bei uns!“, hörte sie eine Stimme in einem unsanften und ziemlich bestimmenden Ton und war sich nicht sicher, wer zum Teufel damit gemeint war. Etwa sie? Ehrlich gesagt hatte sie ja gar nicht vor wegzugehen, doch würde sie im Moment so ziemlich alles dafür tun, wenn man sie einfach in Ruhe würde schlafen lassen.
    Mit einem Mal war es, als habe jemand den Ton am Fernseher leise gestellt und die Geräusche um sie herum flauten ab.
    Plötzlich wurde es hell. So hell, dass sie den Lichtschein durch die geschlossenen Augenlider wahrnehmen konnte.
    In diesem Moment spürte Emilia einen Luftzug an sich vorbeiströmen, der die bleierne Müdigkeit von ihr nahm. Sie fühlte sich frisch und ausgeruht. Vorsichtig blinzelte sie gegen das blendende Licht an. Was sie sah, hätte sie eigentlich erschrecken müssen, doch war sie erfüllt von einer inneren Ruhe und Gelassenheit. Wie aus der Vogelperspektive beobachtete sie sich selbst und die Situation in der Notfallambulanz des Krankenhauses, als schwebe sie unter der Decke. Es war, als würde sie das Spektakel als Außenstehende betrachten, so als ginge sie das Ganze überhaupt nichts an und als läge eine fremde Person dort unten und kämpfe ums Überleben.
    Aber das war eindeutig sie, die dort auf dem Behandlungstisch lag, mit Sauerstoffmaske auf dem leichenblassen Gesicht, umgeben von einem Durcheinander an Schläuchen, Kabeln und Gerätschaften. Das kompetente Team der Notfallambulanz mit seinen perfekt aufeinander abgestimmten routinierten Arbeitsabläufen schien alles zu versuchen, um sie am Leben zu halten.
    Als sie sich so betrachtete, völlig in das Geschehen vertieft, fiel ihr auf, dass sie nicht länger alleine war. Ihr Blick folgte der Lichtquelle, welche sie vorhin in ihrem Dämmerzustand noch als störend empfunden hatte. Nun kam es ihr so vor, als löse sich aus diesem grellen Schein eine schemenhafte Erscheinung, die langsam auf sie zuschwebte.
    Oh Nein! Bin ich jetzt tot, oder was? ... Scheiße … ich will nicht tot sein! … Verdammt, was ist passiert? …Was ist mit Freddys Auto? ... Der bringt mich um … wenn ich das hier überlebe … Ich hab` nicht bei Susan angerufen … Tausend Gedanken schossen ihr gleichzeitig durch den Kopf und das beruhigende Gefühl, das sie zuvor noch ausgefüllt hatte, wich einer sich anbahnenden Panikattacke.
    „Bleib ganz ruhig und hab` keine Angst“, ertönte plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf. Es war eine ausgesprochen angenehme männliche Stimme, die sehr sanft war und voller Mitgefühl. Die sich nähernde Lichtgestalt hatte nun deutlichere Konturen angenommen und Emilia erkannte ein langes weißes Gewandt, das sich langsam auf sie zubewegte.
    Es erinnerte sie an die Kutten, die Mönche üblicherweise trugen. Die intensive Leuchtkraft verblasste und die Gesichtszüge, die jetzt hervortraten, ließen Emilia in das schönste und makelloseste Gesicht blicken, das sie jemals zuvor gesehen hatte. Es war mit nichts und niemandem vergleichbar und sie versank in den silbernen Augen, die sie sanftmütig fixierten.
    „Bin ich tot?“, brachte sie schließlich mit zittriger Stimme hervor und ein ungutes Gefühl kroch in ihr hoch, da sie die Antwort insgeheim bereits zu kennen glaubte. „Ich kann nicht tot sein. Das kann doch nicht wahr sein.“ Sie vergrub das Gesicht in den Händen und schüttelte den Kopf. „Sowas kann echt wieder nur mir passieren.“
    Der ausgestreckte Arm, der sich in ihr Sichtfeld schob, forderte ihre Aufmerksamkeit. Skeptisch musterte sie die durchscheinende Hand mit den langen, feingliedrigen Fingern, die sich ihr anbot.
    „Komm mit mir! Ich bringe dich fort von hier!“ Die Worte, die auf mentalem Wege in ihren Geist eindrangen, weckten in ihr das unbändige Verlangen, der Einladung zu folgen. Ein Tunnel, so strahlend hell, als würde er von einer Art Flutlicht ausgeleuchtet, öffnete sich zeitgleich nur wenige Schritte von ihr entfernt. Die grellen Strahlen, die sie umfingen, sandten eine angenehme Wärme aus. Unsichtbare Stimmen drangen an ihr Ohr, flüsterten ihren Namen, riefen nach ihr, als wollten sie sie willkommen heißen. Das Licht zog sie an, erfüllte sie mit einer schwerelosen Leichtigkeit und einer inneren Vorfreude, die sie für einen Moment vergessen ließ, was um sie herum geschah.
    Als hingen ihre Glieder an Fäden, wie bei einer Marionette, streckte sie die Hand nach dem fantastischen Wesen aus. Es waren nur noch wenige Zentimeter, die sie voneinander trennten und um ein Haar wäre es zu einer Berührung gekommen, hätte Emilia nicht in letzter Sekunde die Finger zurückgezogen und den Blick von dem Gesicht mit den ausdrucksstarken Augen abgewandt.
    „Ich will nicht … ich meine … ich kann nicht mitkommen! Ich will hier bleiben!“ Ihre Stimme klang verzweifelt aber bestimmt. Sie wusste nicht, woher sie den Mut nahm zu widersprechen, doch sagte ihr irgendwas, dass es besser war, nicht in das Licht zu gehen.
    „Das ist nun nicht mehr deine Entscheidung. Du musst loslassen. Vertrau mir, ich bringe dich an einen wunderschönen Ort. Du wirst dich dort wohlfühlen und alles Leid wird ein Ende haben.“ Die Worte hallten wie Musik in Emilias Ohren und hätten sicher verlockend geklungen, wäre da nicht dieser minimale Hauch von Ungeduld gewesen, der sich zwischen die Zeilen mischte.
    Unnachgiebig schüttelte sie daraufhin ihre blonde Mähne und sah die Lichtgestalt mit ihren tränengefüllten gold-braunen Augen abschätzend an. Sie fragte sich, ob es möglich war, sie gegen ihren Willen mitzunehmen. Was würde als Nächstes passieren? Vielleicht würde es den Ärzten gelingen, sie wieder zusammenzuflicken und ihr Überlebenswille könnte von besonderer Wichtigkeit sein.
    „Bist du ein Engel, oder sowas?“, fragte sie, in der Hoffnung, ein kleines bisschen Zeit schinden zu können.
    „Es gibt viele Definitionen für das, was ich bin. Manche nennen uns göttliche Vertreter oder Boten Gottes und … ja, auch Engel ist eine weitläufige Bezeichnung.“ Das Wesen mit der atemberaubenden Erscheinung hatte seine ausgestreckte Hand wieder fallen lassen und blickte Emilia nun seinerseits ebenfalls abschätzend an.
    „Hör zu, kann es sein, dass hier ein Missverständnis vorliegt? Ich meine, … würde ich nicht mitkommen wollen, wenn es für mich an der Zeit wäre?“, hörte sie ihre eigenen Worte, konnte aber beim besten Willen nicht glauben, was sie da sagte. Verhandelte sie etwa gerade tatsächlich, über dem Sterbebett schwebend, mit einem Engel über ihre Lebensspanne?
    „Ich bin nicht befugt, darüber zu bestimmen, wann der Zeitpunkt gekommen ist. Diese Art von Entscheidung vermag ich nicht zu treffen. Ich bin lediglich ein Wegbegleiter …“, kam prompt die Antwort, die klang, als sei sie ein Zitat aus einer alten verstaubten Dienstvorschrift. Und dennoch war sich Emilia ganz sicher, eine gewisse Irritation in der Stimme des Engels heraushören zu können. Bestimmt war er es nicht gewohnt, dass seine göttliche Autorität angezweifelt wurde und er Diskussionen dieser Art führen musste.
    „Eine Sache würde ich aber dennoch gerne wissen …“, schnitt er ihre Gedanken ab und betrachtete sie mit schief gelegtem Kopf, als denke er über etwas nach. „Ich frage mich, was dich so stark an dein irdisches Dasein bindet. Warum wehrst du dich so sehr dagegen, es aufzugeben?“
    Kurz hielt Emilia inne und fragte sich, ob es sich hierbei vielleicht um eine Art Fangfrage handelte. Was, wenn ihre Antwort darüber entscheiden würde, ob sie eine zweite Chance bekäme, oder nicht? Nervosität stieg in ihr auf, dachte sie schließlich, jetzt eine ultimativ überzeugende Begründung abliefern zu müssen. Verzweifelt stellte sie fest, dass ihr auf Anhieb kein wirklich guter Grund einfiel. Es war mehr eine Ansammlung von Gründen, die alle zusammen den Ausschlag gaben.
    Ohne weiter darüber nachzudenken, gab sie sich einen Ruck und dann sprudelte es aus förmlich ihr heraus.
    „Ich bin gerade mal Vierundzwanzig, okay? Außer einer mittelmäßigen Kindheit und einer ziemlich durchwachsenen Pubertät habe ich bislang noch nicht viel erlebt.“ Mit zittrigen Händen strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schob sie hinters Ohr. „Jetzt habe ich endlich mein Studium abgeschlossen und kann auf eigenen Beinen stehen, da soll auch schon wieder alles zu Ende sein? Ich hatte noch so viel vor und … und ich habe bisher kaum etwas gesehen von der Welt.“ Sie merkte, wie ihre Stimme zu beben begann und gegen ihren Willen flossen nun Tränen ihre Wangen herunter. Sie verfluchte sich selbst dafür, dass ihre Worte dadurch an Überzeugungskraft verloren. Dennoch fuhr sie fort.
    „Wenn … wenn ich sterben würde …“, sie kämpfte damit, die Worte über die Lippen zu bringen, stieg bei dem bloßen Gedanken daran bereits eine unbändige Panik in ihr auf, „… dann … dann würde meine Familie das niemals verkraften … und meine Freundin Susan, sie ist völlig hilflos ohne mich. Sie braucht mich wenn … wenn Nils sie verlässt oder andere Katastrophen passieren. Freddy würde daran zugrunde gehen, dass es sein Auto war, in dem ich umgekommen bin und … mein Kater Milo würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn er ins Tierheim käme.“ Hörbar atmete sie aus. „Ich will nicht, dass sie alle meinetwegen leiden müssen“, flüsterte sie mehr zu sich selbst während sie den Kopf kraftlos sinken ließ.
    Wie immer, wenn sie in Rage war, hatte sie viel zu schnell gesprochen und ihre Emotionen waren förmlich mit ihr durchgegangen. Vorsichtig sah sie zu dem Engel auf, dessen Blick noch immer an ihr haftete und nun noch eine Spur sanfter und mitfühlender geworden war. Ihr Erklärungsversuch schien in ihm etwas ausgelöst zu haben. Was genau, vermochte sie nicht zu sagen.
    Überhaupt hatte sie das Gefühl, dass sich gerade an der Situation etwas veränderte. Die Geräusche um sie herum traten wieder deutlicher hervor und sie spürte, wie sie weggezogen wurde … weg von ihm. Sein Blick verriet ihr, dass er darüber mindestens genauso überrascht war, wie sie. Dennoch schien er schneller zu registrieren, was gerade passierte, denn jetzt lächelte er ihr aufmunternd zu.
    “Dein Wunsch hat sich erfüllt, Emilia. Anscheinend ist deine Zeit noch nicht gekommen und du wirst noch gebraucht“, hörte sie ihn sagen. Jetzt war es seine Stimme, die leiser wurde und kaum mehr als ein Flüstern war. „Pass auf dich auf!“, waren die letzten Worte, die undeutlich zu ihr durchdrangen, als sich um sie herum plötzlich alles auflöste und sie in ein schwarzes Loch fiel.
    Ein pochender Schmerz durchzog ihren Oberkörper und das Atmen fiel ihr schwer. Was zum Teufel hatte sie da im Gesicht und worin hatte sie sich da gerade mit ihrer Hand verheddert?
    „Lia, mein Schatz, du bist wach …“, hörte sie eine vertraute Stimme sagen, in der grenzenlose Erleichterung mitschwang. „Du musst ganz ruhig liegen bleiben, hat der Arzt gesagt.“
    „Mama“, hörte sie sich krächzen und versuchte die Augen zu öffnen. Sie musste gegen das helle Licht anblinzeln, das ihr entgegenschlug und es dauerte eine Weile, bis sich der Schleier gelegt hatte und sie ihre Mutter vor ihrem Bett deutlicher erkennen konnte. Sie wollte nach ihrer Hand greifen und bemerkte erst dann, dass sie an Schläuche angeschlossen war und das, was da auf ihrem Gesicht störte, eine Sauerstoffmaske war.
    „Ist schon gut. Ich werde nach der Schwester klingeln“, sagte die Mutter und erst jetzt erkannte Emilia, dass ihre Augen mit Tränen gefüllt waren. „Hast du Schmerzen?“, fragte sie besorgt.
    Oh ja. Das hatte sie. Schmerzen war gar kein Ausdruck. Sie hatte das Gefühl, als sei ein Lastwagen über sie gerollt und fast schon wünschte sie sich, sie könne einfach wieder in diesen angenehmen Dämmerzustand abtauchen, aus dem sie soeben erwacht war.
    Nur vage klang eine entfernte Erinnerung in ihr nach, wie das Echo längst vergangener Stimmen, die in ihrem Geist widerhallten. Als sei sie Hals über Kopf aus einem Traum erwacht, war es nur ein seltsames Gefühl innerer Ruhe und Geborgenheit, das nach wie vor an ihr haftete. Jeder Versuch, in ihrem trüben Bewusstsein nach einem konkreten Gedanken zu fischen, endete in einer Sackgasse. Da war nur zäher Nebel und die Erinnerung entrann ihr, rieselte durch ihre Finger, wie feiner Sand und löste sich schließlich auf.
    In diesem Moment betrat die Schwester das Zimmer und war sichtlich erfreut, dass Emilia nun wach und ansprechbar war.
    „Hallo“, sagte sie mitfühlend. „Wie geht es dir? Du hast ganz schönes Glück gehabt, weißt du das?“
    Schwerfällig versuchte Emilia, sich aufzurichten, wurde aber durch den stechenden Schmerz in ihrem Oberkörper und ein starkes Schwindelgefühl ausgebremst. Selbst das Sprechen war anstrengend und so brachte sie lediglich ein klägliches und schwaches Nicken zustande, bevor sie kraftlos wieder in das Kissen zurücksank.
    „Ich werde dir gleich etwas geben. Danach wirst du weiter schlafen können. Im Moment ist es überaus wichtig, dass du dich ruhig verhältst und dich ausruhst, in Ordnung?“ Besorgt sah die ältere Frau auf Emilia herab, tätschelte ihr fürsorglich den Arm und zog dann die Spritze mit der Flüssigkeit auf, welche sie kurze Zeit später in die Kanüle auf Emilias Handrücken injizierte. Umgehend breitete sich ein warmes und wohliges Gefühl in Emilias Körper aus und die Schmerzen ließen von jetzt auf gleich nach. Alle Muskeln schienen sich schlagartig zu entspannen und auch die Augenlider ließen sich nicht mehr länger aufhalten. Sie kämpfte nicht dagegen an und hieß die Dunkelheit willkommen, die sie unaufhaltsam wieder in die Tiefe zog.


    Hier geht`s weiter:
    Kapitel 5

  • Hey @Rainbow
    Genauso stelle ich mir eine nahtod Erfahrung vor. Da smsn über seinem Körper schwebt und dann das Licht und ein Engel wartet auf einem um die Begleitung zu sein und einen an einen besseren Ort bringt, wie Es so schön heißt.
    Ich hatte aufgehört zu atmen, als sie fast seine Hand genommen hat. Dan wäre es endgtig vorbei gewesen, so wie ich das einschätze. Auch wenn man vielleicht nichzs dagegen hätte mit einem gut aussehenden Engel mit zu gehen.
    Du hast die Stimmung sehr gut beschrieben.


    Nur eine Sache. Hätte Emilia ihre Mutter vielleicht nicht fragen sollen, was passiert war? Ich glaub wenn man einen Unfall hatte, weiß man da danach dem aufwachen nicht sofort und mam wäre denke ich erstenmal etwas verwirrt, weil man auch nicht weis wo man ist. Das hat mich grad ein bisschen gestört, aber ansonsten war es wieder richtig gut. Das erste zusammen treffen der beiden...
    Mal sehen wie es weiter geht.


    LG kathamaus

  • Liebe @Rainbow
    Diesen Abschnitt fand ich wirklich super. Sehr nachvollziehbar geschrieben. Die Interaktion mit dem Engel war auch schön, es wirkte als wäre es eher eine spontane Entscheidung gewesen Emilia zurückzuschicken. Mal sehen was da kommt.


    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz

  • @Rainbow



    LG :)

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
    - Meister Lukras -


    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak

  • Mit einem Mal war es, als habe jemand den Ton am Fernseher leise gestellt und die Geräusche um sie herum flauten ab.
    Plötzlich wurde es hell. So hell, dass sie den Lichtschein durch die geschlossenen Augenlider wahrnehmen konnte.
    In diesem Moment spürte Emilia einen Luftzug an sich vorbeiströmen, der die bleierne Müdigkeit von ihr nahm. Sie fühlte sich frisch und ausgeruht.

    Ich konnte mir den Übergang super vorstellen.
    Mal gesponnen: Was wäre denn, wenn du diesem Zustand noch einen markanten Geruch hinzufügst?

    „Es gibt viele Bezeichnungen für das, was ich bin. Manche nennen uns göttliche Vertreter oder Boten Gottes und … ja, auch Engel ist eine weitläufige Bezeichnung.“

    Nur wage klang eine entfernte Erinnerung in ihr nach, wie das Echo längst vergangener Stimmen, die in ihrem Geist widerhallten. Als sei sie Hals über Kopf aus einem Traum erwacht, war es nur ein seltsames Gefühl innerer Ruhe und Geborgenheit, das nach wie vor an ihr haftete. Jeder Versuch, in ihrem trüben Bewusstsein nach einem konkreten Gedanken zu fischen, endete in einer Sackgasse. Da war nur zäher Nebel und die Erinnerung entrann ihr, rieselte durch ihre Finger, wie feiner Sand und löste sich schließlich auf.

    Vage.


    Der Abschnitt ist super anschaulich beschrieben. Es liest sich sehr gut, wie ihr die Erinnerung wieder entgleitet.
    Eine Sache, die mir gesondert aufgefallen ist:
    Die Krankenschwester ist wesentlich fürsorglicher beschrieben, als Emilias Mutter. Ich denke, wenn man am Bett des eigenen, verunglückten Kindes sitzt und es dann endlich die Augen aufschlägt, ist man relativ überwältigt - womöglich auch in dem Hinblick, dass Emilia ihren emotionalen Charakter vielleicht auch von ihrer Mutter geerbt hat? Naja, jedenfalls ist die Frau Mutter da beschreibungstechnisch etwas zu kurz gekommen :)


    Ansonsten war der letzte Teil top-end. Sehr nachvollziehbar und authentisch geschrieben, man war direkt dabei im Geschehen, als wäre es eine Folge aus Emergency Room :D


    Und die Begegnung mit dem Engel...
    ... ich habe da schon eine oder zwei Theorien. Vielleicht ist es interessant für dich zu wissen, was sich der Leser bis jetzt zusammenreimen kann? ich brainstorme mal kurz.


  • Hi Rainbwo


    Habe endlich mal weitergelesen (Post 19):


    super! ich lieb die Stellen, wo's um Engel geht!

    Man sagt, die Liebe öffnet eine Tür
    von einem Herzen zum andern;
    Doch wo es keine Mauer gibt,
    wo soll dann eine Türe sein?
    Rumi

  • Danke Leute, dass ihr euch durch diesen langen Part gekämpft habt. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, euch mit so viel Text zu kommen. Umso mehr freue ich mich, dass es euch gut gefallen hat. Es ist doch jedes Mal wieder schön, wenn die Anspannung nachlässt und sich ein Gefühl der Erleichterung breitmacht ^^


    Meine Anmerkungen zu euren Anmerkungen


    LG,
    Rainbow

  • Ich bin auch wieder dabei, @Rainbow und habe alles aufgeholt. Ich fand alle Teile sehr gut. Am besten den Teil mit dem Autounfall, aber nicht wegen des Unfalls, sondern einfach weil ich sie zu gerne beim Autofahren seelisch unterstützt hätte. Aber eigentlich waren alle Parts auf ihre eigene Art und Weise gut. :alien:

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
    ___________________
    Helios III (Arbeitstitel)
    --------------------------
    Purpur
    --------
    Big City Life
    ---------------
    Mana

  • Das Wochenende steht vor der Tür und vielleicht hat der eine oder andere ja Lust, hier ein bisschen weiterzulesen :)
    Ich freue mich, wenn ihr mich an euren Gedanken teilhaben lasst, und natürlich sind Anmerkungen und Korrekturvorschläge jeder Art immer willkommen...





    Kapitel 5
    Neue Freunde



    Elias kehrte von seinem ersten Einsatz in der Übergangsdimension zurück und war voller Eindrücke, die er nicht zu verarbeiten wusste.
    Eigentlich hätte es ganz einfach sein sollen. Der Engel erscheint dem Menschen in seiner vollen Pracht und Herrlichkeit, verursacht ein überirdisches Gefühl unendlicher Geborgenheit und erweckt somit bei dem Sterbenden eine Art Urvertrauen und den Wunsch, sich diesem Wesen anzuschließen.
    Das, was er da vorhin erlebt hatte, entsprach ganz und gar nicht dem ´Standardfall`, wie er im Lehrbuch für göttliche Boten der dritten Sphäre dargestellt wurde. Er musste zugeben, dass er nicht mit so viel Widerstand und unbändigem Überlebenswillen gerechnet hatte. Und dann diese menschlichen Emotionen, so authentisch und real, dass man sie fast eigens zu spüren glaubte. Allem Anschein nach, war er völlig unvorbereitet in diese Mission geschlittert und musste sich selber eingestehen, dass er diese Aufgabe unterschätzt und dieser Tätigkeit in der Vergangenheit eindeutig zu wenig Anerkennung gezollt hatte.
    Er musste dringend mit Erzengel Rafael sprechen, der ihm hier in dieser Sphäre übergeordnet war, um mit ihm seine Gedanken zu teilen. Seit Elias von seinem ersten Einsatz zurück war, ließen ihn die großen braunen Augen nicht mehr los und die Äußerung, die sich ihm ins Gedächtnis gebrannt hatte: “Ich will nicht, dass sie meinetwegen leiden müssen.“
    Niemals hätte er für möglich gehalten, dass ihn dieser erste Menschenkontakt so umhauen könnte.
    Was bin ich doch für ein Held?, dachte er kopfschüttelnd und umfasste die Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger. Ein wirklich wahrer und ehrenhafter Vertreter des himmlischen Heeres, hochgelobt wegen seines Mutes und seines unbändigen Kampfgeistes, lässt sich von dem hysterischen Rumgeheule der erstbesten Sterblichen aus der Bahn werfen. Das schreit echt nach einer besonderen Auszeichnung.
    Er hasste sich selbst für diese Schwäche. Anscheinend war er der einzige Engel weit und breit, der menschliche Emotionen in der Form nachempfinden konnte. Da ihm Emilia das mehr als deutlich vor Augen geführt hatte, machte er sie indirekt mit dafür verantwortlich.
    Wie jämmerlich doch die Menschen sind, kam es ihm in den Sinn. Klammern sich an ihr armseliges irdisches Dasein und betteln auch noch um einen Aufschub, wenn es zu Ende sein soll. Diese Art von Selbsterniedrigung widersprach in jeder Hinsicht dem Ehrencodex eines himmlischen Kriegers und war somit völlig inakzeptabel.
    Dennoch hatte er deutlich Emilias festen und unnachgiebigen Willen gespürt, der ihn zutiefst beeindruckt hatte. Ebenso der Mut, sich gegen eine höhere Macht aufzulehnen und zu widersprechen, auch wenn es aussichtslos war. Er kam zu dem Schluss, dass dies eine der Eigenschaften der Menschen war, um die sie von den Engeln am meisten beneidet wurden: „Der freie Wille.“
    Elias erreichte den zentralen Knotenpunkt für Engel, die in der Übergangsdimension eingesetzt waren, welcher zugleich ein beliebter Treffpunkt war. Es herrschte ein reges Treiben, ein Kommen und Gehen.
    Das Stimmengewirr wurde durch regelmäßige laute Rufe durchbrochen. Es dauerte einen Moment, bis Elias begriff, dass es sich hierbei um Aufträge handelte, frisch verstorbene Seelen in Empfang zu nehmen und diese ins Licht zu führen. Zu seinem Erstaunen stellte er fest, dass die Arbeitsabläufe, trotz des scheinbaren Chaos, nicht unkoordiniert wirkten.
    An großen Tafeln, die sich in der Mitte des Saales befanden, konnte er einige Engel ausfindig machen, die mit routiniert gelangweilter Miene die Knöpfe eines blinkenden Bedienfeldes betätigten. Andere drängten sich vor den Portalen, die an der Frontseite des Raums halbkreisförmig angeordnet waren und deren Schiebetüren sich in Sekundenschnelle öffneten und schlossen, um die Engel zu ihren Einsatzorten zu bringen.
    Verblüfft stand Elias da und ließ das Bild auf sich wirken, bevor sein Blick an der atemberaubenden Außenansicht hängenblieb. Durch die Glaswände entstand der Eindruck, als schwebe man oberhalb der geschlossenen Wolkendecke frei in der Luft. Die aufgehende Morgensonne tauchte die Wattewelt in ein zartes orange-rosanes Licht. Es war wunderschön, doch schenkte man dem hier keinerlei Beachtung, da man es allem Anschein nach für selbstverständlich hielt.
    In dem Durcheinander, das um ihn herum herrschte, versuchte er schließlich ein bekanntes Gesicht zu erkennen, ließ aber schon bald von dem Vorhaben ab, da es sich als aussichtloses Unterfangen herausstellte.
    Wohl oder übel musste er sich damit abfinden, für`s Erste auf sich allein gestellt zu sein.
    Seine Körpergröße ermöglichte es ihm, über die meisten anderen Engelwesen hinwegzusehen und plötzlich kam es ihm so vor, als bildete sich eine Art Gasse an der Stelle, wo er langging. Ganz so, als ob sie vor ihm zurückwichen und ihm Platz machten. Er war sich nicht sicher, ob das bewusst oder unbewusst geschah.
    Allerdings konnte er sich sehr wohl ausmalen, dass über ihn als Neuankömmling getuschelt wurde und man darüber spekulierte, was er hier zu suchen hatte. Mit einem Mal klopfte ihm von hinten jemand auf die Schulter. Als er sich umdrehte, sah er zwei Engel vor sich stehen.


    „Hallo, du musst Elias sein, richtig?“, fragte ihn die Engelfrau, während sie ihn voller Neugierde betrachtete. „Ich bin Seraphina und das ist Jesaja“, fügte sie hinzu und deutete auf den jungen Engel, der direkt neben ihr stand.
    „Kennen wir uns?“, fragte Elias irritiert.
    „Nimm es mir nicht übel, wenn ich das so sage ... aber es gibt wohl niemanden hier, der dich nicht kennt.“ Ein sympathisches Grinsen breitete sich auf ihrem wunderschönen Gesicht aus. Seraphina hatte, entgegen der weit verbreiteten menschlichen Vorstellung von Engeln, hellbraunes gewelltes Haar, das ihr wie ein Schleier über den Rücken fiel und bis zu den Hüften reichte. Ihre schlanke Gestalt steckte in einem weißen bodenlangen luftigen Kleid, das zwar schlicht gehalten war aber dadurch nicht minder schön aussah.
    „Deine Ankunft hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Alle sind ganz aufgeregt und wollen dich kennenlernen oder zumindest einen Blick auf dich werfen. Was glaubst du, warum hier heute so ein Chaos herrscht?", sprach nun Jesaja und deutete mit dem Daumen über seine Schulter. So, wie alle männlichen Vertreter seiner Art trug auch er ein weißes kuttenähnliches Gewand. Im Vergleich zu Elias, der ihn um einen ganzen Kopf überragte, wirkte Jesaja fast schmächtig, obwohl er an sich einen guten Körperbau hatte. Seine türkisfarbenen Augen funkelten und waren so klar wie ein Bergsee. Elias fragte sich, ob er jemals zuvor einen Engel mit solchen Augen gesehen hatte. Die kinnlangen blonden Haare fielen ihm wild ins Gesicht und sorgten dafür, dass er noch eine Spur verwegener wirkte.
    „Um ehrlich zu sein, habe ich nicht damit gerechnet, dass das Chaos hier mit meiner Person zusammenhängt. Ich dachte, das sei der ganz normale Wahnsinn bei euch", gab Elias mit einem verlegenen Grinsen zurück und ging sich mit der Hand durch die schulterlangen blonden Haare.
    „Ja, ist schon klar. Du hattest nicht gerade hohe Erwartungen an das, was hier auf dich zukommen würde, oder? Aber wir kennen das schon. Die oberen Sphären machen sich gerne lustig über uns und belächeln die Arbeit an der Basis. Wegen unseres engen Kontaktes zu den Menschen glauben einige wohl, wir würden dadurch an ´göttlicher Herrlichkeit` einbüßen." Jesaja verdrehte die Augen und malte bei göttlicher Herrlichkeit zwei Gänsefüßchen in die Luft.
    Elias musste sich eingestehen, dass Jesaja mit seiner Vermutung ins Schwarze getroffen hatte und es machte wenig Sinn, das abzustreiten. Plötzlich kam er sich selber schäbig und überheblich vor.
    „Wie kommt es, dass mich hier alle kennen?", versuchte er deshalb das Thema zu wechseln.
    „Das ist nicht dein ernst", sagte Seraphina sichtlich überrascht. „Du hast wirklich keine Ahnung, oder?"
    „Äh, nein!", antwortete Elias und fühlte sich zunehmend unwohler. „Vielleicht könntest du mich aufklären?"
    „Also, bei uns in der dritten Sphäre da bist du bekannt wie ein ...., die Menschen würden sagen ... bunter Hund." Seraphina nahm den verwirrten Gesichtsausdruck von Elias wahr und fügte hinzu: „Ist nur so eine Redewendung, weißt du? Die Irdischen beschreiben damit jemanden, der anders ist als alle anderen und damit jede Aufmerksamkeit auf sich zieht."
    „O … kay“, sagte Elias gedehnt und kratzte sich an der Schläfe. „Das klingt jetzt nicht wirklich schmeichelhaft, wenn ich ehrlich bin.“
    „Nein, nein, du verstehst das völlig falsch!“, versuchte Jesaja gegenzulenken. „Hier bei uns gilt anders sein als durchaus positiv. Sieh` dich doch mal um. Alle marschieren im Gleichschritt und erfüllen die ihnen zugeteilten Aufgaben, ohne nach links oder rechts zu schauen. Unsere Arbeit ist zu einer Art Massenabfertigung geworden und hat jeden ursprünglichen Zauber verloren. Obendrein erhalten wir innerhalb der himmlischen Ordnung keinerlei Anerkennung, sondern werden zur Lachnummer für die oberen Sphären gemacht. In unseren Reihen gibt es niemanden wie dich. Jemanden, der sich trauen würde, offen auszusprechen, was die Meisten nur denken. Es klingt verrückt, aber das macht dich für uns zu einer Art Held. Zu einem leuchtenden Beispiel. Der eigene Wille ist uns zwar abgesprochen worden, aber dennoch macht sich inzwischen bei vielen großer Unmut breit und das könnte im Zweifelsfall zur Gefahr werden, wenn Dagon auf die Idee kommen sollte, seine Armee mit neuen Abtrünnigen aufzustocken.“
    Abtrünnige. Bei dem Wort spürte Elias ein kurzes Ziehen in der Brust, wahrscheinlich, weil er in der ständigen Angst lebte, selber zu einer Gefahr für das himmlische Reich zu werden. Oder hatte man ihm das in der Vergangenheit, ähnlich einer Gehirnwäsche, einfach permanent einzubläuen versucht? Seine Andersartigkeit war ihm immer wie ein Makel vorgekommen. Noch nie zuvor hatte er sich wie ein Held gefühlt, geschweige denn wie ein leuchtendes Beispiel.


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    Kapitel 5.1