Gruppenzwang

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    • Salem blinzelte der Sonne entgegen. Nur wenig seiner Aufmerksamkeit richtete er auf die Passanten, die in weitläufigen Bögen an dem hochgewachsenen, vermummten Mann vorbeieilten. Es war um die Mittagszeit und die Bewohner des Städtchens Dunnport waren in aller Eile, ihr Tagwerk zu verrichten. Oder zumindest taten sie so und legten einen Schritt zu, sobald die dunkel gekleidete Gestalt in ihr Sichtfeld kam. Manchmal schaute Salem aus den Augenwinkeln heraus zu ihnen herüber und beobachtete die Reaktionen, sobald sich die Leute seines Blickes bewusst wurden. Manche versuchten so krampfhaft vorzugeben, nichts zu bemerken, dass es auf seine Weise unterhaltsam war. Andere runzelten auf vielfältige Weise die Stirn, wieder andere starrten einfach nur zurück. Salem war daran gewöhnt.
      Inzwischen war es bereits der dritte Tag ihres Aufenthalts in dieser Stadt. Salem war nicht allein hierhergekommen. Da waren noch die anderen beiden: Jack und Aljin. Vor wenigen Wochen war er ihnen über den Weg gelaufen und wie das Schicksal spielte, waren sie aus unterschiedlichen Gründen dazu gezwungen worden, sich zusammenzuraufen. Salem sah darin nicht mehr als das, was es tatsächlich war: Eine Zweckgemeinschaft. Nichtsdestotrotz mochte er seine vorrübergehenden Gefährten. Vor allem Jack war… interessant.
      Unweigerlich senkte Salem seinen Blick und betrachtete seinen notdürftig bandagierten Arm. Er war der Grund, aus dem er überhaupt hier war. Ein Wolf – ein Werwolf – hatte ihn eines nachts angegriffen und seine Zähne in Salems linken Ellenbogen versenkt. Der Fluch konnte Salem nichts anhaben, da sein Körper bereits verderbt war. Trotzdem entzündete sich die Wunde; Sie eiterte und stank fürchterlich. Aljin hatte ihr Bestes gegeben, doch sie war keine Heilerin – und schon gar keine, die sich mit Werwölfen, Flüchen und verderbten Magiern auskannte.
      Jede Geschichte hat ihre Wendepunkte und unvorhersehbaren Ereignisse. So auch diese, denn der Werwolf war niemand anderes gewesen als Jack. Tagelang hatten ein paar blasse Narben auf seinem Gesicht daran erinnert, wie Salem ihn mit seiner Feuermagie in die Flucht geschlagen hatte. Seitdem tat er sein Bestes, Salem zu helfen. Und dieser zweifelte keinen Moment daran, dass es Jack ernsthaft leidtat und bewahrte gegenüber anderen Stillschweigen über seine nächtlichen Verwandlungen.
      Auf ihrer Suche waren sie also nach Dunnport gekommen. Bisher waren ihre Bemühungen jedoch alles andere als erfolgreich gewesen. Heiler gab es genug, doch keiner von ihnen kannte sich mit Werwolfsbissen aus. Und schon gar nicht, wenn das Opfer ein Verderbnismagier war. Um schneller fündig zu werden, hatten sie irgendwann beschlossen, getrennt die Stadt abzusuchen. Zumindest in Salems Fall war dieser Entschluss alles andere als zielführend. Denn so wie die Passanten ihn im Moment aus dem Weg gingen, vermieden sie es, mit ihm reden zu müssen. So blieb nur zu hoffen, dass Jack erfolgreicher sein würde. Bis dahin wartete Salem weiter an ihrem Treffpunkt, ließ sich die Sonne auf das halbverdeckte Gesicht scheinen und beobachtete die Menschen.
    • Jack eilte auf den Magier zu. Er sah ihn am Eingang der Gasse stehen, an der sie sich verabredet hatten.
      Beschwingt beschleunigte Jack seine Schritte.
      Um schneller einen Heiler zu finden, hatte sich das Grüppchen getrennt, aber wie es schien, war Salem nicht besonders erfolgreich gewesen. Wenn Jack sich die Leute besah, die an dem Magier vorüber gingen, war das aber auch kein Wunder.
      Dabei kennen sie ihn gar nicht!, dachte er verärgert. Doch schnell trat das gewohnte schiefe Grinsen wieder auf seine Züge. Denn im Gegensatz zu Salem, hatte er einen Anhaltspunkt bekommen.
      "Salem!", rief Jack schon von Weitem, um die Aufmerksamkeit des großen Mannes auf sich zu lenken. "Ich hab was!"
      Er konnte Salems Reaktion nicht erkennen, denn sein Gesicht, war bis auf die Augen mit einem Tuch bedeckt, doch er hatte gelernt in den Blicken des Magiers zu lesen. In diesen spiegelte sich aufmerksame Erwartung. Leichtfüßig erreichte er Salem endlich.
      "Ich hab mich etwas umgehört. Wie zu erwarten, wollen die Menschen auch hier bloß nichts mit Werwölfen zu tun haben. Aber ein Heiler verwies mich auf einen Sumpf hier ganz in der Nähe. In ihm sollen Hexen leben. Ein Abstecher kann sicher nicht schaden. Hier kommen wir nicht weiter." Er sah den Magier an. Dieser schien nachzudenken. Ehe Salem antworten konnte, warf Jack noch hinterher: "Wo ist eigentlich Aljin?" Dabei zog er einen knallroten Apfel aus der Tasche und biss hinein.
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Aljin schob die beiden Bücher in ihrer Tasche zurecht, damit sich diese einigermaßen angenehm tragen ließ, dann überreichte sie der zwielichtigen Gestalt vor sich einige Münzen. Sie kannte den Mann nicht und er sie nicht. Aber was der Mensch nicht für ein paar Münzchen tat.
      Sie schlich sich aus der Gasse und mischte sich unter das Wirrwarr der Stadt.
      Seniler alter Sack, grummelte sie dabei im Geiste. Der Bibliothekar würde sich noch wundern, niemand verwehrte ihr den Eintritt in eine Bibliothek, nur, weil sie nicht so schick gekleidet war, wie ein Adliger. Als würde sie sich von solchen Sachen aufhalten lassen. Und es war wirklich nicht schwer gewesen, jemanden zu finden, der sich dazu überreden ließ, ihr die Bücher auch ohne Erlaubnis zu holen. Man musste nur wissen, in welchen Ecken einer Stadt man suchen und welche überredenden Worte man wählen musste. Nun war die Bibliothek um ein paar Bücher ärmer.
      "Selbst Schuld", kicherte sie zufrieden.
      Am nächsten Obststand fingerte sie geschickt nach einem Apfel und zwei Datteln. Sie ließ alles geschickt in ihrer Tasche verschwinden, dann lief sie weiter.
      Sie würde sich mit Salem und Jack am Eingang irgendeiner Gasse im Stadtzentrum treffen. Eigentlich hatten sie sich getrennt, um für Salem einen Heiler zu finden, der bereit war, seine Wunde zu versorgen. Aber nach dem ersten Fehlschlag hatte Aljin die Suche aufgegeben und lieber ihre eigenen Ziele verfolgt. So schnell würde der Magier schon nicht ins Gras beißen.
      Ruckartig blieb sie stehen. Warum ging sie eigentlich mit den Männern mit? Sie kam allein viel schneller voran. In dieser Stadt würde sie die Lösung ihres Fluches nicht finden, also musste sie auch nicht mehr unnötig viel Zeit verschwenden. Sie hatte, was sie wollte, also konnte es auch weitergehen.
      Sie wandte sich um, drehte auf der Ferse jedoch gleich wieder zurück und lief weiter in Richtung ihres Treffpunktes.
      Zwei Stadtwachen folgten ihr.
      Aljin beschleunigte ihre Schritte als sie um die nächste Ecke bog und aus der Sicht der Verfolger verschwand.
      "Was wollen die denn jetzt?"
      Aus der Ferne erkannte sie Jack und Salem beieinanderstehen. Jack gestikulierte etwas in der Luft herum und schien dem Magier eine Richtung weisen zu wollen.
      Ein Blick über die Schulter verriet ihr, dass die beiden Männer der Stadtwache nicht so schnell aufgeben wollten. Dass sie ihre Schwerter noch nicht gezogen hatten, war wohl allein den vielen Menschen zu verdanken, die sich auf den Straßen tummelten.
      Dass ich aber auch nie meine Finger stillhalten kann, verfluchte sie sich selbst.
      "Jungs", begrüßte sie ihre Begleiter ohne viele Worte. "Irgendwas erreicht?"
      Jack nickte aufgeregt.
      "In der Nähe gibt es einen Sumpf, in dem Hexen leben sollen. Ein Abstecher dorthin kann sicher nicht schaden."
      "Klingt super, ich bin dabei", meinte Aljin und lief ohne weitere Worte in die Richtung, in die Jack zuvor gestikuliert hatte, nahm sie an, dass es sich dabei um "in der Nähe" handelte. "Lasst uns keine Zeit verlieren, sonst stirbt uns Salem noch weg."
      Die Männer folgten ihr.
      "Hast du etwas rausgefunden?", fragte Jack.
      "Nein." Aljin vermied einen weiteren Blick über die Schulter, wollte sie sich nicht noch mehr verdächtig machen, in dem sie sich immer wieder schuldbewusst umsah. Sie konnte jedoch nicht verhindern, dann sie ihre Hände fester um den Gurt ihrer Tasche schloss.
      Die Aussicht in einen Sumpf zu marschieren, gefiel ihr gar nicht nicht. Wasser war nicht unbedingt das Element, dass sie gern um sich herum hatte, außer sie musste sich waschen. Aber ein Sumpf stank in den meisten Fällen und die Luftfeuchtigkeit würde dazu beitragen, dass sie mit ihrem Sand auch nicht viel anstellen konnte, wenn es hart auf hart kam. Aber immer noch besser, als schon wieder irgendwo gefangen genommen zu werden.


      Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
      - Toni Morrison -

    • Das Klagenmoor lag ruhig da, ein ruhiger Vormittag. Esme hatte sich entschlossen, dass es an der Zeit war, diverse Kräutervorräte wieder aufzustocken. Seit sie vor einiger Zeit in ihre Hütte zurückgekehrt war, hatten eine ganze Menge mehr von Kranken und Verängstigten die eine Krankheit vermuteten aus dem Dorf ihre Hilfe angefordert. Gedankenverloren zog sie Fergus aus dem Beutel, in dem er es sich bequem gemacht hatte und verstaute stattdessen die eben gesammelten Pflanzen darin. „Ach Fergus, da ist man mal kurz weg… Kann ich diese Menschen keine zwei Monate allein lassen?“ „Mein Papa meint, das liegt am Vollmond. Der macht Leute krank.“ Esme zuckte nicht zusammen, als sie die Stimme hörte, sie kannte sie zu gut. Sie gehörte einem Mädchen aus dem Dorf, das ihr seit ihrer Rückkehr folgte, in der Hoffnung etwas von ihr zu lernen und selbst eines Tages Menschen helfen zu können. Tara oder Tanja oder so etwas. „Dein Papa soll aufhören betrunken im Giftefeu zu schlafen, dann geht der Ausschlag auch irgendwann wieder weg. Mit letzer Nacht sind es erst zwei Vollmonde seit ich wieder da bin, hätten die wirklich irgendetwas bewirken können?“ Erwiderte sie nur, ohne sich umzudrehen. Sie musste sich nicht umdrehen um ihr Schulterzucken zu sehen, dass so etwas wie Papa weiß schon was er macht zu vermitteln schien. Die Stille die darauf folgte war angenehm lang, fast zu lang für das Mädchen, das die Alte sonst so mit Fragen durchbohrte. Esme seufzte und wandte sich im Aufstehen doch der Kleinen zu, die es sich mit einem Finger in der Nase auf einer breiten Wurzel bequem gemacht hatte. „Willst du irgendetwas bestimmtes?“ fragte sie schnippisch. Die Kleine schüttelte den Kopf. „Da sind Fremde in der Taverne und sie gehen nicht, bevor ihr Freund nicht kommt. Der Mann ist voll unheimlich und die Frau…“ Esme war drauf und dran sie zu unterbrechen, nicht interessiert an irgendwelchem Dorftratsch. Glücklicherweise übernahm ein Geräusch tiefer aus dem Sumpfgras diese Aufgabe, ein Schrei, gefolgt von einem Platschen und dem tiefen Stöhnen eines Widergängers. Esme folgte dem Geräusch, dicht gefolgt von dem Mädchen. Als sie einen Busch Binsengras auseinanderschob, bot sich ihr zuerst nur der Anblick eines der zahllosen Untoten, die das Moor durchstreiften, der im seichten Wasser auf etwas kniete. Im nächsten Moment erkannte sie, dass das etwas Arme und Beine und und einen schwarzen Büschel Haare auf dem Kopf besaß. Als der Mann sich an die Oberfläche kämpfte und den Widergänger ins Wasser drückte, erkannte sie außerdem, dass er nackt war. Er brüllte den Widergänger dabei an, sein Schrei eine Mischung aus diverse abschreckenden Lauten und Satzfetzen wie „Stirb doch endlich, blödes Mistding, stirb!“ während sich der Untote weiter unter seinem Griff wehrte „Glaubst du er weiß, das sie nicht ertrinken können?“ flüsterte das Mädchen. Esme musterte den Mann noch kurz und schüttelte den Kopf. Zumindest schien er einiges an Ausdauer zu besitzen, dafür dass er nicht so stark wirkte. „Geh nach Hause Mädchen, ich kümmere mich darum.“ Die Kleine warf dem Kämpfenden noch einen Blick zu der fast etwas bewundernd wirkte, dann war sie verschwunden. Die Hexe umstreifte das Gewässer, in dem die Beiden rangen, bis sie die passende Stelle gefunden hatte, der Widergänger hatte sich inzwischen irgendwie wieder auf den Mann gekämpft, welcher ihn mit Armen und Beinen von seiner Kehle fernhielt. Esme stieß vom Ufer aus einen Pfiff aus, der das Wesen ablenkte. Irgendein uralter, rationaler Teil in ihm erkannte wohl, dass eine alte Frau ein leichteres Ziel abgab und gab dem Körper, der an diesem Teil hing Befehl, sich in die entsprechende Richtung zu bewegen. Er kam nicht weit, bevor er in einer tiefen, schlammigen Stelle stecken blieb und zu versinken begann. Der nackte Mann schaute etwas verwirrt auf, dann begann er sich an einer seichteren Stelle aus dem Wasser zu kämpfen, mit Schlamm und diverse Widergängerresten bedeckt, die sich wohl beim Kampf gelöst hatten.
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      GNU Terry Pratchett
    • "So eine Scheiße", fluchte Jack und kämpfte sich aus dem Wasser. Er hatte es für eine gute Idee gehalten in einem Sumpf seinem Werwolf zu verfallen, weil dort garantiert keine Menschen sein würden. War auch so. Dafür war er diesem ... Ding begegnet und just in diesem Augenblick war die Sonne aufgegangen und er hatte sich in einen Menschen zurück verwandelt. Seine Kleidung lag am Ufer des Sees. Seine Tasche hatte er bei Salem gelassen. Er und Aljin würden demnächst auch hier aufkreuzen. Sie hatten sich hier verabredet. Naja er und Salem. Was genau der Magier Aljin erzählt hatte, wusste Jack nicht. Vielleicht einfach, dass er schon vorgegangen war. Stimmte ja auch irgendwie.
      Als er endlich sicheren Boden unter den Füßen hatte (er stand bis zur Hüfte in Schilfgras), hatte er wieder genug Atem geschöpft, um seine Retterin zu begutachten. Ein altes Weib mit einer Kröte, die ihr auf dem Kopf hockte. Ihre Haare waren unordentlich zu einem Knoten gebunden und ihre Nase war krumm, die Kleidung dreckig und abgetragen. Aber ihre Augen waren einzigartig. Ein tiefes Grün schimmerte ihm entgegen. "Ähm ... danke", stammelte Jack, der sich seiner Nacktheit allzu bewusst war. "Es war wohl keine gute Idee hier schwimmen zu gehen."
      "Wohl kaum", gab die Alte schnippisch zurück.
      Jack verzog den Mund ein wenig. Damit hatte er nicht gerechnet.
      "Was dagegen, wenn ich mich anziehe?"
      "Ganz und gar nicht."
      Pffft ..., dachte Jack amüsiert.
      Jack schlich zu seinen Klamotten am Ufer und zog sie an. Die Alte beäugte ihn kritisch.
      "Was ... was war das für ein Ding?", fragte Jack, der sich gerade die Hose zumachte.
      "Ein Wiederkehrer", erklärte sie, als wäre das Erklärung genug. Sie klang allerdings nicht unfreundlich.
      "Öh ... ich bin Jack", versuchte der Werwolf es anders. Wo blieben nur die anderen?
      "Esme."
      Jack schlüpfte in sein Hemd und seine Stiefel (dabei fiel ihm auf, dass Esme keine trug) und nutzte die Gelegenheit jemanden zu treffen, der sich im Sumpf scheinbar auskannte. "Ich suche eine Hexe, die sich mit Werwolfbissen auskennt."
      "Warum?" Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen.
      "Mein Gefährte ist von einem gebissen worden ...", er konnte nicht verhindern, dass ihm die Röte ins Gesicht stieg und hoffte, dass die Frau sie nicht zu deuten vermochte.
      "Gefährte? Ich sehe keine Gefährten." Misstrauisch blickte sie ihn an.
      Etwas weiter den Weg runter knackte ein Ast.
      "Jack?", rief Salems vertraute Stimme.
      "Hier!", antwortete er.
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Ein Feuerball flog durch die Luft und prallte gegen einen Wiedergänger. Es zischte laut, als das Feuer die Schicht aus Sumpfwasser und Schlamm schlagartig verdampfen ließ, die die faulige Haut wie einen Schutzfilm umgab. Dem Untoten mochte es keine Schmerzen bereiten. Doch durch die Wucht des Aufpralls wurde er zurückgeschleudert, landete im Morast und versank dort stöhnend, bis nicht mehr als aufsteigende Blasen an ihn erinnerten. Salem nahm mit schmerzverzerrtem Gesicht den Arm runter. Die raschen Bewegungen hatten die Wunde in seiner Armbeuge strapaziert und wahrscheinlich auch wieder aufgerissen – falls sie überhaupt schon angefangen hatte, zu heilen. Wer auch immer Jack den Hinweis auf diesen Sumpf gegeben hatte, dem war wohl entfallen, eine nicht ganz unwichtige Kleinigkeit zu erwähnen: Es wimmelte hier verdammt nochmal von Wiedergängern! Der wievielte dieser Sorte war es inzwischen gewesen, der Aljin und Salem auf dem Weg hierher aus dem Schlamm heraus angriff und von ihnen wieder dorthin zurückgeschickt wurde? „Das war jetzt Nummer fünf“, spie Aljin aus, als hätte sie Salems unausgesprochene Frage hören können. In ihrer farbenfrohen, luftigen Kleidung wirkte sie hier so fehl am Platz, wie Schneeglöckchen im Sommer. Unweigerlich sah Salem an sich selbst hinab. Schlamm klebte an seinen Stiefeln und der Hose. Außerdem war er inmitten eine stinkende Pfütze getreten. Mit gleichmütigen Gesichtsausdruck sah der Magier das Unheil an seiner Kleidung an, als ob die nassen Flecken durch konsequentes, stoisches Anstarren verschwinden würden. Nun, das taten sie nicht.
      Also setzte sich Salem wieder in Bewegung und ging weiter in die Richtung, aus der er eben Jack hatte antworten hören.
      Er trat durch das Dickicht und seine Augenbrauen hoben sich erfreut, als er Jack gesund und munter vor sich stehen sah. Jegliche Sorge war überflüssig, das wusste Salem. Ein Werwolf war sicher der letzte, um dessen Leben man sich fürchten musste. Salem freute sich einfach so, ihn wieder in seiner Gesellschaft zu wissen. “Da seid ihr ja“, begrüßte Jack ihn und Aljin, die in diesem Moment hinter Salems hochgewachsener Statur auftauchte.
      Der Feuermagier fixierte den Werwolf in Menschengestalt einen Augenblick. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit der alten Frau, die bei ihm war. Salem hatte sie von Anfang an registriert. Nur war Jack im ersten Moment einfach interessanter für ihn gewesen. Erst richteten sich seine Augen auf sie, dann drehte er den Kopf zu ihr. Er deutete mit dem Kopf eine leichte Verneigung an und grüßte sie auf diese Weise stumm.
      “Ihr seid die Hexe des Sumpfs, nehme ich an.“ Nicht, dass Salem sich mit Hexen und Hexenmagie auskannte. Die Hexen vertrauten seines Wissens nach auf andere Formen der Magie als er. Ähnlich, miteinander verwandt, dennoch anders. Dieses alte Weib vor ihnen erfüllte einfach in jeder Hinsicht das Bild, das Salems Kopf sich über die Hexen in Büchern geschaffen hatte. Sie war alt, sie lief krumm und aus welchem Grund sollte sich eine betagte Greisin sonst in einem Sumpf aufhalten? Allein. Mit einer Kröte auf dem Kopf. Und barfuß, wie Salem in diesem Moment feststellte.
      Er fing einen Blick von Jack auf, den er mit einem Schulterzucken beantwortete. Die alte Frau verkniff die Augen zu schmalen Schlitzen und musterte Salem. “Wer will das wissen? Wer seid Ihr überhaupt?“ Anstatt zu antworten, krempelte Salem den Ärmel seines rechten Armes hoch, schob Aljins notdürftigen Verband zur Seite und entblößte der Alten damit nicht nur schweigend die eitrige, stinkende Bisswunde an seinem Ellenbogen, sondern auch einen Teil seiner durch die Verderbtheit entstellten Haut.
    • Esme inspizierte den Arm kurz. Wahrlich, eine üble Wunde. Der Verband selbst wirkte verdreckt genug, um bei der Heilung nicht gerade geholfen zu haben. Aber irgendetwas sagte ihr, dass das nichts mit dem Problemen des restlichen Arms zu tun hatte. Immerhin wirkte nichts davon wie etwas, dass sie hier sofort lösen konnte. Sie wandte sich nur um, in Richtung ihrer Hütte und bedeutete dem Gebissenen und seinen Gefährten stumm, zu folgen. „War es Vollmond?“ fiel ihr eine Frage plötzlich ein. Genug Menschen die an einem Vollmond gebissen worden waren, waren schon hier aufgetaucht, klagend und sie darum bettelnd, sie von diesem Fluch zu heilen. „Ja“ eine kurze Pause „aber das ist kein Problem.“ Esme war sich sicher, dass sie mehr erfahren würde, wenn sie nachbohrte, aber es war nicht ihre Absicht, in anderer Leute Leben herum zu bohren, weshalb der Rest ihres Marsches ruhig verlief, bis auf einen kurzen beinahe-Zusammenstoß mit einer weiteren Gruppe Untoter. In letzter Zeit schienen sie hungriger zu sein. Die Tür ihrer Hütte quietschte, als Esme sie aufzog und den Gebissenen anwies, sich auf einen Hocker in einer Ecke niederzulassen. Während sie seinen Biss im Schein einer Kerze genauer untersuchte, konnte sie aus dem Augenwinkel Jack und die Frau beobachten. So viele Leute wollte sie lieber nicht aus den Augen lassen, auch wenn diese anscheinend wirklich nur Hilfe wollten. Während Jack unbewusst mit dem Fuß wippte und sich offenbar beherrschte nicht jeden einzelnen Gegenstand in ihrer Unterkunft aufzuheben und genauer zu untersuchen lehnte die junge Frau an ihrer Feuerstelle und beobachtete gedankenverloren eine Schlange, die sich um ihre Hand schlängelte. Esme machte sich eine gedankliche Notiz, Fergus näher bei sich zu behalten, solange sie in der Nähe war. „Ich glaube ihr seid mir immer noch zwei Namen schuldig.“ Murmelte sie, während sie sich daran machte, die Wunde des Mannes zu reinigen, viel bringen würde es jetzt auch nicht mehr, aber es erlaubte ihr einen nähren Blick auf den Arm zu werfen. Die junge Frau hob zum ersten Mal den Blick von der Schlange und lächelte etwas verlegen. „Oh ja richtig, verzeihung… Ich bin Aljin und unser Verletzter hier ist Salem.“ Esme nickte. „Die Wunde ist stark entzündet. Eine Art des Wundbrands.“ Der Vermummte nickte ebenfalls. Sie musste den Zustand nicht weiter erklären, also sprang sie gleich zu nächsten Teil. „Diese Entzündung wird sich durch das Blut im Körper ausbreiten. Dadurch werden deine Organe geschädigt. Ich rate dir dazu, denn Arm zu entfernen, so schnell wie möglich.“ Sie beobachtete Salem stumm, der wohl zu überlegen schien.
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    • Salem sah die Hexe an und wiegte dabei nachdenklich den Kopf zur Seite. Unter normalen Umständen hätte er ihren Rat wohl angenommen und sich von seinem Arm getrennt. Allerdings war nichts an Salems Existenz normal. Die ewige Unsterblichkeit verbringen zu müssen, während ihm ein Arm fehlte, empfand der Magier alles andere als praktisch. Der Wundbrand konnte ihn nicht töten. Die Verderbtheit kompensierte alles, was ihn dahinraffen würde. Sicher würde es unangenehm sein, sollten seine Organe tatsächlich Schaden erleiden. Sein Arm schmerze schließlich jetzt schon bei jeder Bewegung. Im Vergleich zum Verlust einer Gliedmaße kam es Salem trotzdem als das kleinere Übel vor. Außerdem hatte er alle Zeit der Welt, Heilung zu finden.
      „Nein“, antwortete Salem deshalb und klang dabei so gelassen, als hätte man ihn gefragt, ob er gern Kekse zu seinem Tee hätte. Er erhob sich von dem Hocker, auf dem er saß, schob den wechslbedürftigen Verband zurück an seinen Platz und krempelte den Ärmel herunter. Als er damit fertig war, sah er der Hexe in die Augen und deutete abermals eine Verneigung an. „Habt Dank für Eure Zeit und Euren Rat. Lebt wohl.“ Mit diesen Worten griff er in die Tasche seines Mantels und holte eine Goldmünze hervor. Diese legte er behutsam und in aller Ruhe auf den Sims über der Feuerstelle – ein kleiner Obolus für die Mühen der Alten.
      Salem wandte sich ab und schickte sich an, die Hütte zu verlassen. Gerade hatte er die quietschende Tür geöffnet, als sich Jack vor ihn schob und ihn mit seinem ganzen Körper den Weg versperrte. „Was soll das bedeuten, Nein?“
      „Es bedeutet, dass ich meinen Arm nicht entfernen lassen möchte,“ erklärte Salem und verbarg dabei sehr gut, dass ihn die plötzliche Nähe des Werwolfs aufwühlte. Jack stand gerade mal eine Handlänge von ihm entfernt. Als er den Magier nur ansah, fügte dieser hinzu: „Ich hänge nun einmal an meinem Arm.“ Demonstrativ ließ er die Schulter kreisen. „Wörtlich.“
      „Hast du nicht gehört, was die alte Hexe gesagt hat?“, mischte sich Aljin ein. Salem wandte sich ihr bewusst nicht zu, obwohl sie ihm in den Rücken sprach. Stattdessen fixierte er Jacks Blick. „Das könnte dich umbringen!“
      „Das wird es schon nicht.“ Da war sich Salem einhundertprozentig sicher. Er riss sich von Jacks Augen los und schob sich an ihm vorbei, wobei der Wolf von selbst einen Schritt zur Seite machte.
      Offensichtlich überstieg Salems Verletzung die Möglichkeiten der Heiler. Wie lange hatten er und die anderen beiden in Dunnport nach jemanden gesucht, der ihnen überhaupt weiterhelfen konnte? Nein, diesen Weg weiterzuverfolgen würde nichts bringen. Das war Salem in dem Moment klar geworden, in dem die Hexe seine Wunde so kritisch beäugt hatte. Vielleicht sollte Salem aus der anderen Richtung an die Sache heran gehen. Wenn ihm niemand helfen konnte, der sich mit der Kunst der Heilung auskannte, würde sich Salem an jemanden wenden, der genau das Gegenteil beherrschte.
      Der Feuermagier runzelte die Stirn, als es zwischen den Bäumen raschelte, dann keuchte und schlussendlich ein weiterer Wiedergänger hervorgekrochen kam, nur um zwei Schritte weiter im Sumpf stecken zu bleiben und stöhnend darin zu versinken. Nummer sechs, setzte Salem Aljins Zählung von vorhin fort. „Ist der Sumpf stets so voll von Wiedergängern?“, fragte Salem an die Hexe gerichtet.
      „Sie scheinen in letzter Zeit hungriger zu sein, als sonst. Etwas scheint sie jedenfalls hervorzulocken“, lautete ihre Antwort.
      „Oder jemand.“ Salem nickte. Dann drehte er sich zu der Alten um „Ist in letzter Zeit ein Fremder in diesen Sümpfen aufgetaucht?“ Ein Schwarzmagier oder ein Totenbeschwörer würde genug Wissen über Wiedergänger besitzen, um sie aus ihren feuchten Gräbern zu locken.
      Und darüber, wie Flüche wirken.
    • Esme dachte über die Frage nach. Von den Dörflern hatte sie nichts über Fremde gehört, aber es war auch nicht so, als ob die täglich mit ihr plaudern würden. Und selbst wenn sie niemanden gesehen hatte, konnte es sein, dass jemand über andere Pfade in den Sumpf gelangt war. Es war ihr fast peinlich, dass sie die Übersicht über das verloren hatte, was im Sumpf vor sich ging. „Bei mir eingetragen hat er sich jedenfalls nicht.“ Antwortete sie deshalb nur etwas grummelig. „Aber es gibt genug Orte im Sumpf, an denen man ein Lager aufschlagen könnte.“ Sie musste es wissen. Ihre Leute hatten es dauernd getan. “Ruhige Plätze an denen einem niemand in die Quere kommt.“ Salem sah sie durchdringend an. “Nun, könntet Ihr uns diese Plätze zeigen?“ Seine Begleiter schienen von seinem Vorhaben ebenso überrascht wie von seiner vorherigen Reaktion. Die Gedanken darüber, warum sich jemand in den Sumpf schleichen wollen würde, ließen sie fast vergessen, mit welcher Leichtigkeit der Kranke eben ihre Diagnose abgelehnt hatte. Als wären ein paar Organe unwichtig. Er hatte nicht wie jemand gewirkt, der nicht wusste, was das bedeutete. Und dann war da noch die seltsame Verfärbung seines Armes. Vielleicht sollte sie ihn, in Anbetracht dieses Phänomens weiter beobachten, wenn auch nur um zu sehen, wie lange es für eine Blutvergiftung dauern würde, ihn dahin zu raffen. Esme nickte. Auch wenn ihr ein Schauer den Rücken hinunter lief, bei dem Gedanken, noch einmal heimzukehren.
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      GNU Terry Pratchett
    • Die Sonne neigte sich dem Horizont und tauchte den Sumpf in seltsames Zwielicht, dass die Wiederkehrer aus ihren Löchern zu locken schien. Sie scheuten das Licht nicht, aber schienen die Dunkelheit vorzuziehen. Noch nahmen sie keine Notiz von ihnen, sondern stöhnten und ächzten nur und hoben ab und an einen Arm aus den Sümpfen. Esme schien wenig beeindruckt zu sein. Vielleicht war sie einfach daran gewöhnt. Dennoch beruhigte Jack ihre gelassene Art und bis es ganz dunkel wurde hatten sie sicher noch eine Stunde. Seit dem morgen waren sie nun schon unterwegs und hatten abgelegene Orte aufgesucht, an denen man ein Lager hätte aufschlagen können: Inseln in schlammigen Teichen, trockene Areale inmitten von Sumpf, hohe Bäume mit breiten Ästen ... Doch nirgendwo hatten sie einen Magier entdecken können.
      Doch diesmal hatte seine feine Nase Witterung aufgenommen. Über dem fischig-nassen und abgestandenen Geruch des Sumpfes lag ein Hauch von Feuer und Mensch. Fast unmerklich, aber er konnte ihn wahrnehmen. Esme führte sie auch in die richtige Richtung. Scheinbar hatte - wer auch immer - sein Lager wirklich an einem der Plätze aufgeschlagen, die die alte Hexe kannte.
      Esme blieb stehen und bedeutete ihnen es ihr gleichzutun. Sie lugten durch von Bäumen herab hängende Lianen und Schilf hindurch und sahen tatsächlich einen Mann an einem Lagerfeuer sitzen. Darüber briet ein Rebhuhn. Der Kerl hatte schwarze Hosen, ein braunes Hemd und einen smaragdgrünen Umhang an. Sein Gesicht wirkte alterslos, aber Jack schätze ihn - nach seinem Geruch - auf etwa 100 bis 120 Jahre.
      Esme blickte sie fragend an.
      Salem zuckte mit den Schultern und trat einfach aus dem Dickicht auf den Mann zu. Jack folgte ihm beinahe besitzergreifend. Er wollte Salem nicht alleine zu nahe an den Unbekannten lassen. Er roch stark nach Magie.
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Aljin blieb mit Esme für einen Moment allein zurück. Die Sache gefiel ihr nicht. Wie vertrauenswürdig konnte ein Kerl sein, der nachts allein in einem Sumpf voller Wiedergänger herumhockte? Und von diesen auch noch verschont blieb?
      Aufmerksam glitt der Blick des Flaschengeistes durch die nahende Dunkelheit. Zwar hörte sie das Stöhnen, aber in ihrer unmittelbaren Umgebung hielt sich keiner der Wiedergänger auf. Sie waren da, schienen den Mann aber in Ruhe zulassen.
      Seltsam ...
      "Wer seid ihr?", fragte der Mann mit finsterer Stimme. Seine Augen richteten sich auf die Neuankömmlinge. Aljin warf noch einen Blick auf ihre Umgebung, dann drängte sie sich an der Hexe vorbei und gesellte sich an die Seite ihrer Begleiter.
      "Reisende", meinte Jack, "mit einer Bitte."
      "Das ist mein Rebhuhn", stellte der Magier dar. "Es war schwer genug eines zu fangen, ich werde es nicht teilen."
      "Niemand will dein dummes Rebhuhn!", stellte Aljin genervt klar. Sie hasste den Sumpf. Die Luftfeuchtigkeit sorgte dafür, dass sie ihre Kräfte nicht einsetzen konnten, sie hatte überall Schlamm und ihre Haare hatten sich noch nie so strohig angefühlt. Je schneller sie all das hinter sich brachten, desto schneller konnten sie von hier verschwinden. "Du bist ein Magier, oder?" Ja war er, das war deutlich zu spüren, es lag förmlich in der Luft, umgab ihn wie eine Blase. Wie konnte er nur so leichtsinnig sein?
      "Ja", stellte der Fremde mit Argwohn in der Stimmte klar. ´
      Aljin wollte einen Schritt auf den Magier zulaufen, aber das Gefühl beobachtet zu werden, ließ sie verharren. Es war plötzlich so ruhig. In einem Sumpf, in dem es bisher niemals ruhig gewesen war, ein falsches Bild.
      "Hört ihr das?", fragte Jack, der lauschend wie ein Wolf auf der Jagd seine Augen schweifen ließ.
      Der Magier erhob sich von seinem Sitzplatz.
      "In wenigen Sekunden wird es hier vor Wiedergängern nur so wimmeln, dafür haben meine Leute gesorgt", sprach der Mann mit bedrohlicher Stimme. "Ich verschone euch, wenn ihr mir euren Besitz überreicht." Er deutete auf die Taschen und Beutel, die die kleine Gruppe bei sich trug. Aljin konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, ob der Frechheit, die sich der Kerl herausnahm. Deshalb also hatte er seinen Standort nicht verschleiert, er hatte auf arme Irre gewartet, die er im Sumpf ausrauben konnte. Eine erbärmliche Art als Magier seine Kräfte zu verschwenden. Aber es war Esme gewesen, die sie hierhergeführt hatte. Irgendwas sagte ihr, dass die Hexe damit allerdings nichts zu tun hatte.
      Sie sah zu ihren Begleitern. Wenn der Mann ihnen nicht freiwillig helfen wollte, sollten sie ihn besser zwingen, oder?


      Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
      - Toni Morrison -

    • Resigniert schlug Salem die Augenlider nieder. Es wäre auch zu einfach gewesen, schnell und ohne weitere Vorkommnisse eine Lösung für sein Problem zu finden. Stattdessen waren sie an diesen Heckenräuber geraten. Salem urteilte nicht darüber, dass der fremde Magier seine Kräfte auf die denkbar erbärmlichste Weise verwendete, die er sich vorstellen konnte. Er hatte sich und seine Feuermagie auch schon einmal als Söldner verkauft. Nein, vielmehr tadelte er stumm die Leichtsinnigkeit des Magiers, eine Gruppe wie diese für leichte Opfer zu halten.
      „Ihr verschwendet Eure Zeit und die unsere dazu“, begann Salem plötzlich zu sprechen. „Und Ihr seid ein Narr, wenn Ihr uns für einfache Reisende haltet. Eure Wiedergänger werden Euch nichts nützen. Also schlage ich vor, Ihr hört Euch an, was wir zu sagen haben.“Salems Stimme klang gewohnt tief und ruhig. Trotzdem runzelte der andere Magier irritiert die Stirn, bevor er sich wieder fing und sich vor ihnen aufbaute. „Auf Eure Drohungen falle ich nicht herein. Wenn Ihr mir Euren Besitz nicht freiwillig gebt, werde ich ihn mir eben von Euren Leichnamen nehmen.“ Mit diesen Worten wich der Magier ein paar Schritt zurück. Wie angekündigt, tauchten plötzlich von überall Wiedergänger auf. Sie kamen durch den Dunst geschlurft, stiegen aus den Schlammpfützen auf und kamen unter den Wurzeln der Bäume hervorgekrochen. Schon nach einem Moment war die Lichtung voll von ihnen und Salem und seine Begleiter waren umzingelt. Salem ließ seinen Blick über die Untoten wandern, um im Anschluss den Magier zu fixieren.
      Angriffsbereit streckte Salem den linken Arm von sich und begann, sich zu konzentrieren. Nach wenigen Sekunden züngelten kleine Flammen um seine Finger. Sie waren nicht groß, doch das brauchten sie auch nicht zu sein. Sie waren bloß der Funke, mit dem Salem ein Inferno heraufbeschwören konnte.
      Der siegesgewisse Blick im Gesicht des Fremden, der jenseits der Wand aus Wiedergängern das Geschehen beobachtete, verschwand, als er seinen Irrtum bemerkte. Dennoch rief er seine untoten Diener nicht zurück. Eine ganze Horde davon sollte ausreichen, um mit einem Feuermagier und seinen Begleitern fertigzuwerden. Nun, ob das stimmte, würde sich in den nächsten Minuten zeigen. Salem musste bloß aufpassen, nicht aus Versehen seine Verbündeten in Brand zu stecken.
    • Jack stieß ein reflexartiges Knurren aus, das er nicht mehr unterdrücken konnte.
      Seine Augen flackerten hin und her, unschlüssig was er tun sollte. Er warf einen Blick zu Aljin und Esme. Beide wussten nicht was er war, doch er war sich ziemlich sicher, dass sie ahnten, dass etwas mit ihm nicht stimmte.
      Die Wiedergänger rückten näher um sie, Salem hob drohend seine Hand, die Flammen darum wurden größer.
      Auch Aljin und Emse gingen in Position. Sie schienen also ebenfalls kämpfen zu wollen.
      Dennoch zweifelte Jack, dass sie kämpfen UND ihn beschützen konnten. Er konnte nicht untätig herum stehen und sie im Stich lassen ...
      Seine Gedanken überschlugen sich. Würden sie ihn verstoßen? Würden sie gar nach seinem Leben trachten, wenn sie erkannten, was er war?
      Andererseits hatte Salem es auch nicht getan ... und er half ihnen schließlich.
      Seine Überlegungen wurden jäh unterbrochen, als die ersten Wiedergänger sich auf die Gruppe warfen. Jacks Instinkte übernahmen die Kontrolle. Mit einem wilden Schrei warf er sich ebenfalls auf seine Angreifer. Auf halber Strecke verwandelte sich sein Ausruf in ein wölfisches Heulen, ihm wuchsen Fell und Augenblicke später zerbiss sein Gewaltiger Kiefer den Körper des Wiedergängers. Wild fuhr er herum und glitt tiefer in die Reihen seiner Feinde. Immer wilder kämpfte er. Dann plötzlich stand Salem vor ihm. Er blickte ihn an. Jack sprang mit einem gewaltigen Satz über ihn hinweg. Freund! (Zum Glück war in der Vergangenen Nacht Vollmond gewesen, sonst hätte Salem abermals einen Biss abbekommen.)
      Jacks Nase registrierte, dass der Magier sich davon machen wollte. Sein Geruch entfernte sich.
      Jack stieß ein amüsiertes Knurren aus. Er blickte sich um. Seine Begleiter schienen die Lage irgendwie im Griff zu haben. Also setze er mit riesigen Sprüngen dem Magier nach. In einer normalen Nacht, waren seine Bisse frei von jedem Zauber. Also mochten die Götter dem Mann gnädig sein, wenn er ihn erwischte ...
      Nicht töten! Freund braucht ihn!, ermahnten ihn die Reste seiner menschlichen Sinne.
      Es dauerte nicht lange und er hatte den Mann eingeholt. Gehetzt blickte dieser sich um und sah sich Auge in Auge mit dem nachtschwarzen Wolf. Er begann Blitze zu werfen. Einige trafen Jack, doch in seiner Raserei war es ihm egal.
      Er holte den Magier vollends ein und schlug seine Zähne in sein Bein. Der Mann heulte auf und fiel der Länge nach hin. Jack versetzte ihm einen Schlag mit seiner mächtigen Pranke, der seinem Gegner die Sinne ausknipste.
      Innerlich schüttelte der Werwolf den Kopf. Erbärmlicher Magier ... setzte seine Magie so widerlich ein und schien ansonsten auch nicht so viel drauf zu haben. Ob er Salem wirklich helfen konnte? Einen Versuch war es wert.
      Er schlug seine Zähne in das gesunde des Mannes (sicher ist sicher, falls er aufwachte) und schleifte ihn zurück zu seinen Gefährten.
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Esme beobachtete den Werwolf, der den bewusstlosen Magier zurück auf die Lichtung schleifte und Salem kurz ansah, als ob er sich eine tolle Belohnung erwartete. Dann bemerkte er die zwei anwesenden Damen und zögerte einen Moment. Salem räusperte sich. “Ähm... wenn ihr euch kurz umdreht, könnte er…“ Esme erinnerte sich an ihre frühere Begegnung mit Jack. Pah von wegen schwimmen gehen. Die Hexe wandte trotzdem ihren Blick ab, auch wenn es bei weitem nichts war, was sie noch nie gesehen hatte.
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      GNU Terry Pratchett
    • Aljin hob eine Augenbraue, musterte den Wolf, musterte Salem, musterte dessen Arm.
      "Werwolfbiss...", grummelte sie vor sich hin, während sie sich umwandte und die Arme vor dem Körper verschränkte. "Das erklärt so einiges." Deshalb also lief sie sich die Füße in einem Sumpf dreckig.
      Ihr Mundwinkel zuckte für einen winzigen Moment nach oben. Ihre Gruppe war schon seltsam. Ein Magier, dessen Arm schlimmer aussah, als die Visagen der Wiedergänger und der einen Werwolfbiss einfach wegsteckte, als wäre es ganz normal. Ein Typ, der ganz offensichtlich für den genannten Werwolfbiss verantwortlich war und ein Flaschengeist, der seine Flasche nur nutzlos herumschleppen konnte. Von dieser seltsamen Hexe einmal abgesehen.
      Aljin strich über ihre Tasche, in der sich ihr wertvollster Besitz befand. Vielleicht würde auch sie irgendwann ihr kleines Geheimnis lüften, aber bis dahin, war es sicherlich interessant zu sehen, wohin sich die Sache noch entwickelte.


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    • Salem wandte seinen prüfenden Blick von den beiden Frauen ab, um seinerseits den Werwolf einer intensiven Musterung zu unterziehen. Ihre erste Konfrontation hatte ihm keine Gelegenheit gegeben, Jacks tierische Form zu betrachten. So ruhig, wie er in diesem Moment war, kam er Salem noch größer und furchteinflößender vor. Er zerrte sein Opfer an dessen Beinen herum, als wäre dieser ausgewachsene und damit schwere Mann nicht mehr als ein Spielzeug. Nun konnte sich Salem vorstellen, weshalb die Menschen in Angst und Schrecken vor Werwölfen lebten. In dem Augenblick, in dem Jack auf ihn zugestürmt kam, hatte er schließlich selbst den Fluchtreflex in seinen Gliedern gespürt.
      Jack verwandelte sich zurück. Das Fell wich nackter Haut und sein Körper verwandelte sich von der Gestalt eines Wolfes in die eines Mannes. Salem fragte sich, ob und wie sehr dieser Prozess schmerzte. Was passierte dabei mit Jacks Knochen? Mit seinen Muskeln? Eventuell würde er ihn später darauf ansprechen.
      Schließlich kniete ein vollständig zurückverwandelter und darüber hinaus splitternackter Mann vor Salems Füßen. Jack erhob sich. Er drehte Salem den Rücken zu und begann, seine herumliegenden Kleider aufzusammeln. Hin und wieder warf er einen Seitenblick zu Salem. In diesen Momenten konnte der Magier eine leichte Röte im Gesicht seines Begleiters erkennen. Scheinbar genierte er sich vor Salems Blicken. Aber warum meinte Salem dann, in seinen Augen Interesse lesen zu können?
      Nachdem Salem sich noch die ein oder andere Sekunde länger an Jacks Anblick erfreut hatte, schritt er an ihm vorbei und widmete sich der eigentlichen Person seiner Begierde: Dem fremden Magier. Wie sich Salem gedacht hatte, hatte der Großteil der Wiedergänger das Interesse an ihm, Aljin und Esme verloren, sobald Jack ihren Herren ausgeschalten hatte. Einigen von ihnen hatte Salem die blasige Haut von den Leibern gefackelt, bevor sie sich in den Sumpf zurückzogen. Nun lag die Lichtung wieder still in der Dunkelheit.
      Allerdings rührte und zuckte der fremde Magier sich nicht. Jack war unstreitig effizient gewesen. Bloß nutze ein bewusstloser Magier nicht viel, wenn man dessen Hilfe brauchte. Um Abhilfe zu schaffen, hockte sich Salem neben ihn auf den Boden. Er ließ seinen Blick über ihn wandern, dann legte er ihm seine linke Hand auf die Wange.
      Im nächsten Moment stank es nach versenkter Haut. Der fremde Magier riss die Augen auf, stieß schmerzerfüllte Schreie aus. Heulend und wimmernd sprang er von Salem zurück, kam ob seiner verletzten Beine jedoch nicht weiter als einen kläglichen Meter. In die Enge getrieben wie ein Tier, sah er panisch zwischen Salem und den anderen hin und her, während er schluchzend und mit zitternden Fingern die verschmorte Haut auf seiner Wange befühlte. „W-was wollt Ihr von mir?“, jammerte er mit heiserer Stimme. Es klang erbärmlich.
      „Wir, respektive ich, benötigen die Hilfe eines Magiers der dunklen Künste. Ihr seid offensichtlich ein solcher Magier.“, erklärte Salem sachlich.
      Der andere Magier lachte abfällig und verzog im nächsten Moment das Gesicht. Die Haut auf seiner Wange musste höllisch weh tun. „Meine Hilfe?! Für Euch? Pah! Seht Euch an, was Ihr mit mir gemacht habt!“.
      Salem sagte nichts. Stattdessen starrte er den Magier durchdringend an. Nicht Salem und seine Begleiter hatten den ersten Stein in dieser Sache geworfen - er hatte sie in seine Todesfalle locken wollen. Anstatt etwas zu sagen, sah Salem ihn daher weiterhin an. Blaue Augen bohrten sich tief in das Gemüt des Schwarzmagiers, bis dieser schwer schluckte. Salem machte daraufhin einen Schritt auf ihn zu (sein Gegenüber versuchte erneut vergeblich zurückzuweichen) und zeigte ihm unaufgefordert den Werwolfsbiss an seinem Arm, so wie er es bereits bei Esme getan hatte. „Der Biss eines Werwolfes. Der Fluch ist irrelevant, ich brauche etwas gegen die Entzündung.“
      Der Schwarzmagier sah sich Salems Verletzung flüchtig an. Dann runzelte er irritiert die Stirn. Schließlich sah er zu Salem auf und forderte: „Ich bin verwundet. Helft mir und ich werde Euch helfen.“
      Salem fixierte seinen Blick. Dann drehte er sich zu Esme um und zuckte mit den Schultern.
    • Esme überließ es den Herren, den verwundeten Schwarzmagier zu ihrer Hütte zurückzutragen. Sie selbst hielt auf dem Rückweg allerdings weiter Ausschau nach möglichen Angreifern. Doch der Sumpf wirkte tatsächlich ruhiger und auch ihre Gäste wechselten nur wenig Worte. Zuhause machte sie sich, mal wieder, daran, die Wunden zu säubern und mit einer Paste aus diversen Kräutern zu bedecken, die die Heilung vorantreiben würden. Gerade als sie das zweite Bein verbunden hatte, klopfte draußen jemand heftig an die Tür. Es klang eher wütend als dringend. Tatsächlich standen draußen in der Dunkelheit eine Gruppe Männer aus dem Dorf, bewaffnet mit Speeren, Harpunen und sogar einem Paddel. "Also gut Hexe wo ist er?" fragte ihr Anführer, ein Fischer dem Esme im letzten Sommer einen Angelhaken aus der Hand geholt hatte. Sie verschränkte die Arme vor der Brust."Ganz ruhig Junge..." Sie nickte in Richtung seiner Begleiter ."Ein bisschen spät für einen Fischzug." Der Mann ließ sich nicht irritieren."Du versteckst da drin einen Schwarzmagier, ich habe Zeugen. Gib ihn uns, der wird lernen hier Unfug zu treiben." Esme ließ die Hand in einer drohenden Geste zu ihrem Gürtel gleiten, nicht zum Dolch. Stattdessen griff sie nach einem Beutel. Sie wusste das die meisten Männer im Dorf Angst vor ihren "magischen Kräften" hatten. Eine ihrer gesprächigeren Patientinnen hatte sie einmal über solche Dinge wie Blutmagie und Wettermachen ausgefragt. An manchen Tagen bereute sie, diese Künste nie erlernt zu haben, aber das musste ja nicht jeder wissen. "Wenn ich mich recht erinnere habe ich deinen zwei Töchtern in die Welt geholfen, Ich habe genug Reste ihrer Nabelschnüre um sie zurück zu schicken." Der Anführer wurde bleich und wich ein wenig zurück. Verstärkend tauchten nun auch ihre Gäste in der Tür auf."Gibt es hier Probleme" Fragte Aljin, ihre Schlange hatte sich um ihren Hals gewunden. Der Blick des Anführers wanderte kurz von ihr, zu Salem, der im Türrahmen aufragte und ihn abschätzend musterte zu Jack, der an der Hütte lehnte und und Situation mit einem fast wölfischen Lächeln begutachtete und entschied prompt, das er wohl in etwas hineingeraten war, das zu groß für ihn und seine Freunde allein war. Esme schaute ihnen noch kurz hinterher um sicherzugehen, dass sie wirklich verschwunden waren. "Also?" wandte sich Salem nun an den Magier.
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    • Der Schwarzmagier schob den Oberkörper hoch und sah von der alten Holzpritsche, auf die sie ihn abgelegt hatten, erschrocken zu Salem herüber. „Waren das die Dorfbewohner?“, überging er Salems Frage und sah ernsthaft besorgt aus. „Sind sie weg?“.
      „Vorerst sind sie das, scheint mir“, antwortete Salem. In Erwartung einer Antwort starrte er den anderen Magier an, doch dieser war plötzlich viel zu sehr von seiner eigenen Misere abgelenkt, um sich an ihre Abmachung zu erinnern.
      „Sie werden bestimmt wiederkommen.“ Kraftlos ließ er sich zurückfallen. „Ihr müsst mich vor Ihnen schützen!“
      Hinter sich hörte Salem Aljin und Jack abfällig lachen. „Ihr hetzt Reisenden Untote auf den Leib, um sie danach ausrauben zu können. Was immer Ihr den Dorfbewohnern angetan habt – Ich bin mir sicher, ihr Zorn auf Euch ist gerechtfertigt. Nun sagt was es brauch, um diese Entzündung loszuwerden.“ Salems Stimme klang gewohnt ruhig und gelassen. Trotzdem konnte der Schwarzmagier seinem Blick nicht standhalten und sah missmutig in eine andere Richtung. Es war Salem egal, was zwischen ihm und den Leuten im Dorf vorgefallen war. Genauso wenig interessierte es ihn, woher die Dorfbewohner so schnell wissen konnten, dass er sich in dieser Hütte aufhielt. Dem Schwarzmagier schien das bewusst zu werden, denn er seufzte und begann endlich Salems Frage zu beantworten: „Ich kenne eine Möglichkeit. Aber es ist gefährlich und ich habe noch nie gehört, dass es tatsächlich jemanden gelungen ist, alles dafür Notwendige zusammenzutragen.“ Er machte eine theatralische Pause. „Die Grundingredienz ist ein Teil des verfluchten Geschöpfs, das Euch die Verletzung zugefügt hat. Das heißt, Ihr müsst den Werwolf finden und an ein Stück seines Körpers kommen. Dafür reicht es nicht, irgendeinen Werwolf aufzuspüren. Es muss derselbe Werwolf sein, der Euch gebissen hat.“
      „Das stellt kein Problem dar“, meinte Salem unbeirrt und irritierte damit seinerseits den Schwarzmagier. „Reicht eine Strähne seines Haars?“
      Sein Gegenüber blinzelte verdutzt. „Zum-zum Beispiel… .“ Seine Antwort ließ Salem einen Blick mit Jack austauschen. Gut. Zutat Nummer eins konnte man damit wohl von der imaginären Liste streichen.
      Der Schwarzmagier fuhr fort: „Außerdem braucht Ihr etwas, was dieses Wesen schwächt. Knoblauch, beispielsweise, für einen Vampir oder Salz für eine Spukgestalt.“
      „Also Silber für einen Werwolf?“
      Der Schwarzmagier nickte. „Beides müsst Ihr zusammen über Nacht in einem geschlossenen Behältnis aufbewahren, damit die Substanzen miteinander reagieren. Danach braut Ihr einfach einen normalen Sud aus Heilkräutern, lasst beide Teile mitkochen und tragt es dann auf die übliche Weise auf die Wunde auf.“
      Salem nickte verstehend. „Ich danke Euch.“ Damit war sein Interesse an diesem Magier völlig verschwunden. Er wandte sich von der Pritsche ab, als würde darauf kein Mensch liegen, mit dem er bis vor einer Sekunde noch geredet hatte. Das Rezept klang für Salem mehr als machbar. Jack würde sicher nichts dagegen haben, eine Strähne seines schwarzen Haars abzuschneiden und das Gefäß und Heilkräuter würde Salem vielleicht gegen die ein oder andere Münze von Esme erwerben können. Es fehlte also nur etwas Silber. Da nicht festgelegt war, welche Form das Silber haben musste, ging Salem davon aus, dass dieses Detail keine Bedeutung für den Erfolg der Behandlung haben würde. Eine Münze, ein Ring, der Teil eines Artefakts… Irgendwas ließ sich schon auftreiben.
      „Die Frage ist also, woher wir Silber bekommen“, meinte Salem an seine Gefährten gerichtet.
    • Die Antwort lag nahe. Sie mussten in die nächstgrößere Stadt.
      Dunneport war zu klein und Jack hatte dort weder einen Juwelier noch einen Goldschmied gesehen.
      Natürlich hätte er Salem auch anderweitig Schmuck besorgen können, allerdings konnte er Silber kaum von Nickel unterscheiden und bevor er die Sache noch schlimmer machte, beschloss er in diesem Fall ehrlich Silber zu erwerben ... oder sich zumindest ehrlich von jemandem beraten zu lassen, der Ahnung hatte.
      Nach Esmes Beschreibung lag die nächste Stadt nur eine Tagesreise entfernt an der Küste. Sie entfernten sich also noch ein gutes Stück von der Wüste. Was Jack ganz gelegen kam. Er mochte es zwar warm, aber nicht heiß.
      Er packte also kurzerhand seine sieben Sachen und hakte sich spaßeshalber bei Salem unter (sein Arm kribbelte bei der Berührung).
      Dann wandte er sich an die anderen. "Wer kommt mit?"
      "Bilden Sie einen Satz mit "Braut".
      "Er braut Bier."

    • Aljin seufzte. "Als ob ich allein in diesem ungemütlichen Schlammloch bleiben würde." Sie bemerkte Esmes empörten Blick."Nichts für ungut. Vermutlich ist es... nett... wenn man darin aufwächst." fügte sie schnell hinzu.Esme beobachte das ungleiche Paar und die Frau kurz. "Ich beigleite euch besser noch ein Stück, diese ungemütliche Schlammloch ist kein netter Ort, wenn man sich nicht auskennt." Sie beeilte sich, ihre Sachen zusammenzupacken, und dann war die Gruppe auch schon unterwegs. Zurück ließen sie nur eine fast leere Hütte und einen leicht verwirrten Magier, der sich noch immer nicht ganz sicher war, was genau ihm da gerade widerfahren war.
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