Rauhnächte (Clíodhna Teil 5)

  • Allerdings muss ich zugeben dass ich Cliodhna nicht wirklich mag

    Ich auch nicht! :rofl:
    Als ich mich hier angemeldet habe, habe ich kurz überlegt, mir den Usernamen Clíodhna zuzulegen, hab das aber sofort wieder verworfen, weil ich mir dachte: nö, mit der kann ich mich eigentlich nicht so identifizieren :D (am Ende der Serie vielleicht eher, sie macht da so eine Entwicklung durch - ich denke, sie wird noch etwas sympathischer).


    Aber ansonsten steh ich auch eher auf Rórdán :love:


    [/off-topic aus]

  • Mich irritiert das Wort Büttel... oder Dorfbüttel... das sind doch im Grunde Gardisten, die die Wache in Städten übernehmen?


    Ja, der Buettel ist eigentlich historisch ein Gerichtsdiener, ein bisschen sowas wie ein Polizist, der aber auch selbst bei kleinen Faellen die Autoritaet hat zu ermitteln.


    Man erfaehrt im ersten Teil der Serie dass Rordan auch 'sowas wie der Buettel' des Dorfes ist - er schlichtet zum Beispiel Streit oder fuehrt Gespraeche im Auftrag der Dorfaeltesten (es wird nicht so gesagt, aber wenn noetig setzt er auch den Willen der Aeltesten durch). Das Dorf ist recht klein,etwa 120 Einwohner, also gibt's da normalerweise nicht so wahnsinnig viel zu tun, aber im Teil 2 sieht man ihn nach einem Moerder im Dorf suchen.


    Cliodhna verwendet das ein paar Mal recht abfaellig wenn sie auf Rordan sauer ist und laesst es dann gerne ein bisschen so wie 'Handlanger' klingen..



    Allerdings muss ich zugeben dass ich Cliodhna nicht wirklich mag
    (...)
    Bei mir ist eher Rordan der Sympathieträger in der Geschichte bisher

    Sie sind beide so ein bisschen zwiespaeltig angelegt - bei Cliodhna ist das mit ihrer Rechthaberei eher offensichtlich, bei Rordan eher verborgen - er macht halt irgendwie nicht so waahnsinnig viel mit seinem Leben - man erfaehrt in diesem Teil dass er 'irgendwann' mal den Hof der Eltern aufbauen wollte aber es nicht getan hat, man erfaehrt in Teil 3 dass er nicht verheiratet ist weil er seine Jugendliebe nicht bekommen hat und dann keine andere wollte, er ist immer noch der 'Gehilfe' des Schmiedes (nicht etwa der Lehrling oder Geselle) und wohnt auch noch beim Schmied...


    (Ich mag keine glatten Charaktere die nur sympathisch sind, ich mag eher die in der Grauzone die eben auch ihre Fehler haben...)

  • Wir naehern uns dem Ende...




    Clíodhna starrte in die Flamme der Kerze die vor ihr auf dem Tisch stand, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepreßt. Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? Als ob ihm die Tatsache, daß er Fionnula ein paar Mal begleitet hatte, schon das Wissen einer Hexe über Heilkunst geben würde! Als ob er irgend ein Recht hätte, so mit einer Hexe zu reden!


    Die Flamme vor ihr hatte keine Antwort, sie flackerte nur leise und ließ die Schatten in den Ecken ihrer Hütte tanzen.


    Ungebeten kam ihr Rórdán in den Sinn wie er ihr entgegengeschleudert hatte daß es nicht die Aufgabe einer Hexe sei, nach einem Mörder zu suchen, daß die Tradition eine andere Rolle für eine Hexe bereithielt. Rórdán wie er sich besorgt über sie beugte nachdem er ihren Kreis überschritten hatte und sie aus der Anderswelt gerissen hatte - den Kreis den sie ihm eindringlich verboten hatte jemals zu überschreiten!


    Sie schnaubte verächtlich. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals auf irgend jemanden so wütend gewesen zu sein. Er war letzten Winter als erster aus dem Dorf als Bote der Ältesten zu ihr gekommen, und sie hatte ihm mehr als eine Chance gegeben mit ihr zusammenzuarbeiten - aber wie sollte das gehen mit jemandem der sich nicht in seine Rolle fügen wollte, der ständig ihr Wissen und ihre Erfahrung in Frage stellte?


    Es war Zeit, endgültig mit ihm zu brechen.


    Sie atmete tief aus nachdem sie den Entschluß gefaßt hatte. Nur fühlte sie sich deswegen kein bisschen besser.


    ***


    Rórdán legte einen Scheit auf die letzte Glut von Siofra's Herdfeuer und blies vorsichtig bis ein paar kleine Flämmchen aufzüngelten. Es war immer noch zu kalt in der Hütte... aber was konnte er schon tun?


    Er erhob sich. Siofra schlief - die letzten Tage war sie immer schwächer geworden. Das Reiffieber war keine Krankheit die schnell tötete wie manche anderen Seuchen vor denen sich die Menschen in der Stadt fürchteten - wer an ihm erkrankte konnte für ein oder zwei Wochen im Fieber liegen und wurde immer schwächer. Manche erholten sich irgendwann und begannen zu essen und wieder zu Kräften zu kommen, bei anderen zeigten sich irgendwann die weißen Flecken auf der Haut und sie starben. Niemand konnte sagen warum es manche traf und andere nicht... Wieder weigerte er sich den Gedanken weiter zu denken Siofra zu verlieren...


    Mit einem Seufzer wandte er sich zu Treasa und beugte sich hinunter um ihre Stirn zu fühlen. Überrascht hielt er inne - konnte es wirklich sein? War sie kühler geworden? Murmelnd drehte sich das Mädchen wieder auf die Seite und Rórdán zog die Decke über sie.


    Nachdenklich starrte er durch die schwach erleuchtete Hütte. Seine Augen verengten sich und er zog die rauchige Luft durch die Nase ein. Da war etwas... Konnte das wirklich der Geruch von Blutmoostinktur sein?



    ***


    "Rórdán, auf ein Wort!"


    Der Schmiedegehilfe ließ das Bündel Holz wieder zu Boden sinken und drehte sich langsam um. In der Dämmerung zeichnete sich zwischen den Schatten der Bäume die Gestalt der Hexe ab.


    "Clíodhna.", sagte er, jede Emotion aus seiner Stimme verbannend und nickte kurz mit dem Kopf.


    Eine Weile sahen die beiden sich an. Rórdán war sich nicht sicher ob die Hexe ihn durch ihr Schweigen nervös machen wollte oder ob sie einfach auch nicht wußte wie sie beginnen sollte, aber er war grimmig entschlossen nicht als erster zu sprechen. Vielleicht hatte er eine Grenze überschritten, sich in Dinge eingemischt die ihn nichts angingen - aber... er war mit sich im Reinen. Hundert Mal hatte er seitdem über die Worte nachgedacht die gefallen waren, und hundert Mal hatte er den Tonfall bereut in dem er sie gesprochen hatte, aber nicht was er gesagt hatte. Und wenn sie ihn jetzt dafür hassen wollte... dann war das ihre Sache.


    "Du hast gesagt, daß du oft für Fionnula oder Caoimhe Kräuter gesucht hast.", unterbrauch Clíodhna seine Gedanken. Ihre Stimme war leise - nicht unsicher, aber vorsichtig. "Ja, das stimmt.", bestätigte er.


    Clíodhna biß sich auf die Lippen, dann holte sie tief Atem: `"Weißt du, wo man hier noch mehr Blutmoos finden kann? Ich habe alle Vorräte von Fionnula aufgebraucht, und auch die Stellen die mir im Sommer aufgefallen sind schon abgegrast - aber ich brauche noch mehr."


    Sein Herz begann auf einmal schneller zu schlagen. War das... ein Friedensangebot? Von Clíodhna?


    Er nickte. Vorsichtig, wie jemand der sich über dünnes Eis tastete, antwortete er: "Ja, ich denke ich kann noch welches finden - soll ich gleich gehen und es nachher zu deiner Hütte bringen?" - "Das würde mir sehr helfen.", sagte die Hexe ebenso vorsichtig.

  • Guten Morgen @Thorsten,


    der Teil war aber kurz :thumbdown: hatte mich auf mehr gefreut ;(




    So. Mehr war nicht. Der Teil war insgesamt ganz gut, aber irgendwas fehlte mir, dass ich leider nicht zu beschreiben grad vermag ;( vllt weils so kurz war und weil diese... Cuts? immer so offen lassen wie viel Zeit vergangen ist. Und ich tu mich immer schwer daran erstmal zu orientieren wo man eigentlich nach dem Cut plötzlich ist xD also ich mein dein "***"


    lg Kramurx

  • hier wirkt es so, als würdest du das als eigenständigen Teil schreiben, weil sie ja im vorherigen Part beim Streit mit Rordan bereits die Lippen so zusammenpresste °-°, also sinngemäß: Streit mit Rordan - Lippen zusammenpressen. Streit vorbei, sie bleibt allein in der Hütte - wieder Lippen zusammengepresst.

    Da hast Du recht, das funktioniert im geschriebenen Text nicht gut.


    (Der Hintergrund hier ist dass ich einen Wink an die Drehbuchautorin @Katharina geben will mit welchem Bild die Szene anfangen soll...)

    Ich denke er versteht was davon, müsste er es dann nicht wissen, statt es in Frage zu stellen xD ?

    Das ist ein guter Punkt auf den Du mich da aufmerksam machst - ich hatte im Kopf dass Cliodhna natuerlich eine Tinktur aus Blutmoos verwendet - Rordan hingegen kennt den Geruch der frischen Pflanze - aber steht so nicht da.


    Wahrscheinlich sollte im Film eine kurze Sequenz kommen wo man Cliodhna was destillieren sieht oder so.


    Ueber das Blutmoos hatte ich mit Katharina eine Weile diskutiert, denn wir wollten den Eindruck vermeiden dass Cliodhna in der Szene als komplett inkompetent rueberkommt - immerhin ist sie die Hexe und hat von Heilkunst schon viel Ahnung. Unsere Loesung war daher dass sie schon weiss wie man Blutmoos verwendet (Rordan kann es nur finden, nicht die Tinktur zubereiten), und sich auch im Sommer ein paar Stellen gemerkt hat wo es waechst, aber dass Rordan sich eben in der Gegend besser auskennt und deshalb im Zweifelsfall einfach mehr davon finden kann.



    Schließlich wollte sie ja mit ihm brechen

    Ja, man darf den Protagonisten nicht immer alles glauben was ihnen so im Moment durch den Sinn geht (das ist, zugegebenermassen, eine etwas gemeine Irrefuehrung des Lesers von meiner Seite - aber ich mag die Spannung die dadurch entsteht dass man sich ihren Sinneswandel zwischen der und der naechsten Szene im Nachhinein vorstellen muss...)



    Das stört mich irgendwie an der Stelle, weil das gefühlt zu spät komm


    Kannst Du genauer beschreiben was Dir durch den Kopf geht?


    Meine Idee zu der Szene war:


    Am Anfang ist Rordan im Wesentlichen fertig mit Cliodhna - er verbannt alle Emotion und will nur noch 'professionell' mit ihr reden und nicht ueber sie als Person nachdenken.


    Dann baut sie sozusagen eine Bruecke, indem sie indirekt zugibt dass er Recht gehabt haben koennte und nach seiner Hilfe fragt. Danach erst ist Rordan bereit wieder vorsichtig auf sie zuzugehen und diese Bruecke auszutesten.

    Nicken und dann nochmal bestätigte finde ich doppelt gemoppelt

    Stimmt.



    Der Teil war insgesamt ganz gut, aber irgendwas fehlte mir, dass ich leider nicht zu beschreiben grad vermag


    Ich fuerchte auch das Ende wird Dich leider nicht vom Hocker hauen - die Geschichte funktioniert nicht so wahnsinnig toll ausserhalb der Serie, weil das dramatische Hauptthema zwischen Rordan und Cliodhna halt sehr in das was vorher war eingebettet ist (es endet auch mit einem Cliffhanger...)


    Was die *** betrifft - das ist im Film leichter, weil wir Szenen ja kurz einleiten koennen - wir koennen einfach 3 Sekunden eine Szene zeigen um einen Ort und eine Zeit zu setzen, oder was im Text Rueckblende ist wird im Film eine Sequenz von Bildern aus denen klar wird dass Zeit vergeht. Ich gestehe dass ich mich dafuer beim Aufschreiben jetzt nicht sehr bemueht habe :|

  • Huhu @Thorsten,



    Zitat von Thorsten

    Ja, man darf den Protagonisten nicht immer alles glauben was ihnen so im Moment durch den Sinn geht


    (...) dass man sich ihren Sinneswandel zwischen der und der naechsten Szene im Nachhinein vorstellen muss

    Ich hab die These einfach mal aus Jux aufgestellt, nur für den Fall dass sie wirklich so fies ist xD
    Ansosnten ja, man muss sich selbst Gedanken machen, wieso sie jetzt plötzlich nen Sinneswandel hat. Das is nich nett von dir, das so zu machen :whistling:



    Zitat von Thorsten

    Kannst Du genauer beschreiben was Dir durch den Kopf geht?

    Ich versuchs xD
    Vorab noch kurz: Also dass Rordan seine Emotionen verbannt... ich dachte er macht das, damits nicht wieder im Streit mit ihr endet. Oder dass das halt seine Reaktion auf den Streit ist. Die "stille Wut". Bei der man normal redet, aber innerlich kocht es, ohne es weiter beschreiben zu müssen. Weil er ja eben auch "grimmig" drauf wartet, dass sie mit reden beginnt ^^



    Zitat von Thorsten

    Dann baut sie sozusagen eine Bruecke

    Also diese Brücke wurde aber verdammt gut in ihren Worten versteckt D:


    Naja... zurück zum eigentlichen...
    Also, die beiden treffen aufeinander. Cliodhna wirkt noch etwas angeknarzt mit ihrem "Auf ein Wort!", weil es ja quasi ein Befehl, statt einer Bitte ist. Und dass sie ihn anspricht, hieß für mich, dass sie auf ihn, statt des brechens, auf ihn zugehen will. In einem etwas vergriffenen Ton xD
    Okay. Eine gewisse Spannung baut sich auf. Wie reagiert Rordan? Wird er sie anhören?
    Ja. Er verbannt seine Emotionen, um nicht zu zeigen, wie wütend er momentan noch auf sie ist. Das glaube ich zumnidest an der Stelle. Das Nicken nehme ich als nette Geste wahr. Muss aber nichts heißen xD
    Rordan macht sich wie ein normaler Mensch unnötige Gedanken, aber zur Situation passt es verdammt gut und lässt ihn einmal mehr extrem sympathsich wirken.
    Cliodhna geht mit ihren Worten auf ihn zu. Die Wortwahl wirkt entgegen dem "nicht unsicher", dennoch unsicher und vorsichtig xD
    ein bisschen blabla, ein hinterfragtes Friedensangebot von Cliodhna und plötzlich wird auch Rordan vorsichtig und tappst auf dünnen Eis umher...
    Ich will mich gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen damit, aber es könnte auch so wirken, dass seine Unsicherheit mit dem Eis und so sich jetzt nicht auf das Friedensangebot oder diese mir nicht auf anhieb klare Brücke, sondern auf das finden des Blutmooses bezieht. Würde man das schon am anfang irgendwo mit einbetten, wäre der Bezug vllt klarer ;) bzw so würden beide von anfang an vorsichtig miteinander umgehen. Rordan macht sich ja eigentlich kurzzeitig auch Gedanken darüber, ob er nicht zu weit gegangen war... auch wenn er letztlich mit sich im Reinen zu sein scheint. würde trotzdem passen, finde ich


    So. ich hoffe das hilft dir jetzt irgendwie weiter, weil mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen xD Ich steh auch äußerst ungern als einziger da mit nem Feedback, kann sein das andere es genau so verstehen wie du es meinst und willst :whistling:


    lg Kramurx

  • So, dann schliess ich mal die Geschichte ab, und Katharina kann dann mit dem Drehbuch das daraus entsteht uebernehmen.


    (Wie gesagt, als 'Stand-alone' Geschichte gesehen finde ich das Ende auch unbefriedigend, aber als Teil einer Serie macht es mehr Sinn...)





    Es war ein klarer Tag mit einem tiefblauen Himmel - auch wenn es selbst die Mittagssonne nicht über die Bergketten schaffte. Schnee und Eis glitzerten an den Zweigen der Bäume und der Atem dampfte in der kalten Luft. Am Horizont reckten sich die Gipfel in die Höhe, fern und unerreichbar, alle von der majestätischen Gestalt der Eiszacke überragt.


    Rórdán stützte sich auf seinen Speer und sah den Hang hinunter. Bisher war die Jagd erfolglos gewesen, in keiner der Fallen hatte sich ein Tier verfangen, und auch die Spuren der Elche die er gefunden hatte waren schon alt - zu alt als daß es sich lohnen würde, eine Gruppe von Jägern zu sammeln und nochmal auszuziehen. Aber eigentlich war er mit seinen Gedanken ohnehin nicht bei der Jagd.


    Die letzten Tage waren... seltsam gewesen. Auf mehr als eine Weise.


    Zuerst der nächtliche Marsch zum Gnomenstein, wo er im Schnee mit erstarrten Fingern nach Blutmoos gescharrt hatte, in der wilden Hoffnung daß es tatsächlich noch da war wo er sich erinnerte. Clíodhna, die ihn am nächsten Tag mit unbewegtem Gesicht gefragt hatte ob er sie vielleicht ab und zu begleiten könnte wenn sie nach den Kranken sah. Sie hatte seither mit keinem Wort zu ihm zugegeben daß er vielleicht Recht gehabt hatte - aber für ihre Verhältnisse kam das alles schon einem Eingeständnis gleich... Keiner von ihnen hatte die harten Worte, die zwischen ihnen in der Nacht gefallen waren je wieder erwähnt - beide redeten wenig, nur das was für die Arbeit zusammen nötig war. Aber es war auf eine seltsame Weise angenehm mit Clíodhna zu arbeiten, irgendwie war die Befangenheit die immer zwischen ihnen geherrscht hatte weg.


    Er schüttelte nachdenklich den Kopf.


    Und dann waren da die guten Nachrichten... Die Rauhnächte warren vorbei, und die ersten Kranken begannen sich zu erholen. Treasa hatte gestern eine ganze Schale Eintopf gelöffelt, und die Farbe kehrte langsam wieder in Unas Gesicht zurück.


    Vielleicht hatten sie das Schlimmste überstanden...


    ***


    "Rórdán?"


    Die Stimme der Hexe klang nachdenklich. Rórdán blickte sie über den Tisch hinweg fragend an. Er hatte sich schon gefragt warum sie ihn noch zu einem Tee in die Hütte gebeten hatte.


    "Es gibt da etwas..." Clíodhna seufzte. "Die Wahrheit ist...", begann sie erneut. "`Die Wahrheit ist, ich war nicht immer fair zu dir." Rórdán versuchte ihren Blick einzufangen, aber sie starrte auf die Teetasse vor ihr, die sie nervös hin und herschob. "`Du hast einmal mein Leben vor dem Wolf gerettet ohne daß ich dir je dafür gedankt hätte... Ich hatte es nicht gewußt, und du hattest es nie erwähnt... "


    Endlich sah sie auf und blickte ihm direkt in die Augen: "Aber das ist nicht alles. Du hast es ein zweites Mal getan, damals auf der Sturmzinne, als du mich aus dem Kreis gezogen hast. Wenn du das nicht getan hättest - wäre ich vermutlich für immer in der Anderswelt gefangen gewesen. Viel hat nicht gefehlt, und ich hätte den Weg zurück nicht mehr gefunden. Und auch dafür habe ich dir nie gedankt. Sondern ich habe dich angeschrien."


    Rórdán setzte an etwas zu sagen. aber sie hob schnell die Hand: "Sag' jetzt nichts - das ist schwierig genug." Sie seufzte. "Es ist nicht immer leicht, die Hexe zu sein - aber das kannst du nicht verstehen wenn ich nicht wenigstens irgendwann versuche es zu erklären." Für einen Moment starrte sie wieder auf ihre Hände, dann sah sie wieder auf:"Meinst du, wir könnten es nochmal versuchen miteinander auszukommen? Aber diesmal besser?"


    Für einen Moment glaubte Rórdán in ihren Augen zu ertrinken, so intensiv sah sie ihn an, und diesmal war er es der den Blick senkte und auf den Tisch starrte, dann langsam nickte und seine Hand ausstreckte.


    Und als sie ihre Hand über den Tisch streckte, lag all der Zauber des wiederkehrenden Lichts nach der langen Dunkelheit in ihrer Berührung.


    ***


    Die Katze huschte durch den Schnee, zwischen die Bäume, dann den Hang hinauf. Oben angekommen huschte ein Schatten über die Welt, wie ein kurzes Blinzeln der Wirklichkeit. Die alte Hexe richtete sich auf, zog sich die Kapuze zurecht und drehte sich dann langsam um um nachdenklich zurück ins Dorf zu blicken.


    Clíodhna, die falsche Hexe - ihre Magie war stark, stärker als erwartet. Aber wie sie erwartet hatte, Clíodhna verstand das Tal nicht, war hier nicht verwurzelt. Alleine hätte sie es nie schaffen können, den Fluch zu brechen - es war ein anderer Einfluß der ihr zu Hilfe gekommen war - der Gehilfe des Schmiedes. Rórdán.


    Aber vielleicht war er der Schlüssel, vielleicht sollte sie ihre Anstrengungen auf ihn richten? Sie nickte langsam - ein Kampf war verloren, aber nicht der Krieg. Sie hatte Zeit, viel Zeit...

  • Huhu Thorsten


    vorab: toller Part / tolles Ende



    lg Kramurx

  • Okay, ich bin ueberrascht...


    Die Geschichte macht ja eigentlich schon eine Gemeinheit - sie faengt als eine eher Episches an (der Fluch, die Krankheit,...) und wechselt zwischendrin zu der Beziehung zwischen Rordan und Cliodhna (und nimmt dabei das epische als blossen Hintergrund). Und das passt denke ich in Serie mehr weil die Beziehnung halt an einen langen Handlungsstrang vorher anknuepft und die Aufloesung des anderen Themas auf spaeter vertagt werden kann.


    Aber schoen dass es Dir gefaellt!

    Ja. Er verbannt seine Emotionen, um nicht zu zeigen, wie wütend er momentan noch auf sie ist. Das glaube ich zumnidest an der Stelle.

    Da muessen wir dann wohl aufpassen... Meine Idee hier war dass Rordan schon laengst nicht mehr wuetend ist - bestenfalls enttaeuscht. Er ist niemand der sich in Wut reinsteigern kann oder lange Groll hegen kann - ich denke er verbannt seinen Emotionen weil er vermeiden will dass die Situation wieder eskaliert.


    Muss ich mal mit Katharina diskutieren wie wir das darstellen.

    aber es könnte auch so wirken, dass seine Unsicherheit mit dem Eis und so sich jetzt nicht auf das Friedensangebot oder diese mir nicht auf anhieb klare Brücke, sondern auf das finden des Blutmooses bezieht.

    Hm, die Idee das auf das Blutmoos zu beziehen ist mir gar nicht gekommen...


    Danke fuer diese Einblicke - beim Schreiben sieht man sowas selber nie...

  • Jetzt hab ich es auch durchgelesen.
    Die Stimmung im Dorf ist schön eingefangen. Das hat mir gut gefallen, ich hatte es filmisch vor Augen.
    "Reiffieber" ist ein schönes Wort für eine Krankheit und gut geschildert.


    Ich mag ja Heilkräuter und alles was damit zusammenhängt. Möglicherweise könnte man dazu im Film etwas machen. Getrocknete Sträuße vor den Türen, um das Böse abzuwenden. Oder die "Kräuterapotheke" der Hexe/Heilerin.

  • Ich mag ja Heilkräuter und alles was damit zusammenhängt. Möglicherweise könnte man dazu im Film etwas machen. Getrocknete Sträuße vor den Türen, um das Böse abzuwenden. Oder die "Kräuterapotheke" der Hexe/Heilerin.


    Das ist uns auch wichtig, und da haben wir schon fuer die Sommerfolge ('Sturmzinne') versucht einzufangen wie die Hexe ihre Apotheke auffuellt:





    (Aus dem Mädesüß im ersten Bild machen wir tatsaechlich Sirup der nicht nur gut schmeckt (hat ein Bittermandelaroma) sondern auch gegen Kopfschmerzen hilft - da ist recht viel Salicylsaeure drin).


    Fuer die Rauhnaechte wird da sicher auch was von der Thematik zu sehen sein.

  • So, Thorsten und ich haben jetzt zum ersten Mal den gesamten Film am Stück angeguckt (ein paar Kleinigkeit müssen noch behoben werden, ich hab schon pflichtbewusst rumgemeckert!) und ich muss sagen, dass er gar nicht so schlecht ist. Eher ruhig, aber das liegt am Thema - und vermutlich generell an unserer Art Filme zu machen ;) Ein paar Sachen, die ich gerne anders hätte, gehen halt nicht so, wie ich gern möchte, aber egal - ich sag jetzt nicht, welche Stellen es sind, die mir sauer aufstoßen :D Wenn es niemand sonst anmerkt, ist's vielleicht gar nicht soooo schlimm.


    Ihr könnt jetzt noch mal in Ruhe die Geschichte lesen. In Kürze bringen wir dann vermutlich den Film raus, dann könnt ihr direkt vergleichen :)

  • Wer die Geschichte von Anfang an verfolgt hat, kann sich jetzt mal anschauen wie wir das im Film umgesetzt haben - heute war Premiere (mit vollem Haus und Presse vor Ort...) und wir sind stolz euch Teil 5 der Serie - Rauhnachtfluch - zeigen zu koennen:


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    Lob, Kritik und andere Anmerkungen willkommen :)

  • Hey @Katharina, hey @Thorsten :)


  • Danke, @Rainbow :)


    Ja, Reinhard für die Stimme des Schmieds war schon ein absoluter Glücksgriff, das hat sich auf jeden Fall gelohnt! (Er ist sowohl Synchronsprecher als auch Leser für Hörbücher - unter anderem "Game of Thrones" usw. hat er gelesen.) Mit Caoileanns Stimme sind wir auch nicht zufrieden, aber wir haben ums verrecken niemanden sonst bekommen können (ohne, dass ich mir noch einen längeren Deutschlandurlaub leiste). Gerade weil das so viel Text ist, ist das nichts, was ich nur per Mailaustausch machen will, jedenfalls nicht mit einer ungeübten Sprecherin - und geübte Sprecher (die ich dann auch noch kenne und die sich beteiligen wollen) sind rar. Die einzige andere deutsche Frauenstimme, die wir vor Ort zur Verfügung hatten, musste für die alte Hexe am Anfang herhalten, denn da war es mir wichtig, dass sie gut klingt. Na ja, Caoileann wird wohl noch mal vorkommen (allerdings nur mit wenig Text) und da werden wir ihr einfach eine andere Stimme verpassen (vielleicht war sie in der Folge hier ja auch etwas kränklich :D )


    Ach ja, und Doris als Zwillingsschwestern ist natürlich mit am genialsten :thumbup: Ich mag Caoimhe auch lieber, aber das Paar macht's irgendwie ;) Die beiden werden im Beltaine-König ja auch noch einen Auftritt zusammen haben - der war etwas schwerer zu drehen, weil's draußen ist...


    Ach ja,... noch was. ich finde ja diese Rituale, in denen Katharina diese fremdklingenden Formeln spricht total genial!

    Danke ^^ Nee, das ist kein Elbisch. Meistens hab ich einfach eigene Formeln ins Irisch-Gälische übersetzt (mit meinem bescheidenen Wissen über die irische Grammatik und Aussprache :rolleyes: ). Der Totenspruch ist tatsächlich ein Fragment aus einem alt-keltischen Segensspruch, den ich mit Hilfe einer Bekannten (die die Sprachen besser beherrscht *hüstel*) etwas abgewandelt habe. Im Orginal heißt es in etwa "Möge Michael, hell und gütig, hoher König der geweihten Engel, die geliebte Seele Heim geleiten zur Dreifaltigkeit der ewigen Liebe." Wir haben da Michael etc. mit "Göttin, hohe Königin der geweihten Geister" ersetzt, damit es nicht so christlich anmutet - die Wahrscheinlichkeit, dass jemand den Film sieht, der das versteht, geht zwar gegen Null, aber mir ist das rein aus Prinzip wichtig, dass ich zumindest versuche, irgendwas sinnvolles von mir zu geben :D Ach ja und der Spruch kam auch schon in Folge zwei ganz am Ende vor, wo Caradocs Seele in den Himmel steigt.


    Na ja,...dann kommen wir zu der Szene, wo Rordan der Hexe eine Szene macht. Ich musste hier ein bischen lachen, weil du (Thorsten) Katharina mit deinem ausgestreckten Zeigefinger fast erdolcht hättest War schon ganz schön krass, was der armen Hexe so alles an den Kopf geworfen wurde...aber ein bisschen Wahrheit lag ja schon dahinter. Geil fand ich dann den fluchenden Abgang von Rordan: Hexen. Verdammt, verdammt!

    Ich glaub, die Szene hat Thorsten durchaus Spaß gemacht :D Auch wenn er natürlich nicht mit mir meckert, ich war hinter der Kamera... :rolleyes: Das am Ende "verdammt, Hexen" hat Thorsten beim Einsprechen im Nachhinein dazugedichtet und es war eigentlich ein Scherz, aber @Oriane hat das dann einfach eingebaut. Das fanden wir dann doch ganz cool. :P


    Am Ende habe ich mich gefragt, ob die Hexe nun wirklich ihren gewohnten Weg verlassen hat, nur weil Rordan sie getadelt hat. Ich meine, war sie denn selber kein bisschen überzeugt von ihren eigenen Heilungsmethoden? Oder hatte sie einfach nicht mehr genug von diesem Blutwurz-Zeug und konnte nur mit Rordans Hilfe diesen Saft brauen. Anfangs hatte sie aber ja zu der Mutter gesagt, dass der andere Saft wirkungsvoller gegen das Fieber sei. Also, was hat sie jetzt umgestimmt? Alleine die Tatsache, dass die Dorfbewohner ihr nicht vertrauen und vorher alles anders gemacht wurde, kann ja eigentlich nicht der Grund sein...das ist für mich nicht richtig deutlich geworden.


    Am Ende ist es eigentlich so, dass Rórdán Clíodhna im Grunde überzeugt hat. Sie glaubt zwar immer noch, dass ihr Mittelchen besser helfen würde, aber sie ist Hexe genug, um zu wissen, dass es manchmal besser ist, ein nicht ganz so effektives Mittel zu verwenden, das die Leute aber beruhigender finden. Trotz allem wendet sie ja noch ihre Zauberei an - in einer Szene recht am Schluss sieht man sie ja wieder ihr Amulett über einer Kranken pendeln, während Rórdán die neue Medizin abmisst. Im Endeffekt macht es vermutlich keinen großen Unterschied, welche Medizin man den Leuten gibt. Es handelt sich hier einfach um zwei verschiedene Philosophien: Fionnula hat mehr Wert darauf gelegt, Fieber zu senken, Clíodhna hingegen ist der Überzeugung, dass das Fieber ausgeschwitzt werden muss (passiert im wirklichen Leben auch: ich hab schon auch derartige Diskussionen mit Kollegen und Angehörigen von Bewohnern in unserem Heim führen müssen ;) ). Clíodhna war vermutlich hauptsächlich beleidigt, dass man sie MAL WIEDER mit Fionnula vergleicht.


    Clíodhna offenbart im Übrigen (noch) nicht, dass es sich hier um einen Fluch handelt - sie ist die einzige, die von dem Schutzzauber um das Dorf weiß und dass jemand ihn durchbrochen hat. Das wird vermutlich dann nochmal thematisiert werden in einer späteren Folge. Also dranbleiben ^^


    Und noch mal vielen Dank für dein Lob :love:

  • Am Ende habe ich mich gefragt, ob die Hexe nun wirklich ihren gewohnten Weg verlassen hat, nur weil Rordan sie getadelt hat.


    Ich denke Bran sagt den entscheidenden Satz: 'Niemand kann alles wissen - nicht einmal die Hexe.'


    Sie begreift in dem Moment, dass sie sich in eine ungute Ecke manoevriert hat - viel in den Episoden vorher ist sie ja beschaeftigt, sich moeglichst von allen unabhaengig zu machen. Sie will zum Beispiel von Rordan zur Sturmzinne gefuehrt werden, aber bittet ihn nicht darum sondern manoevriert ihn in eine Position wo er es von sich aus anbieten muss. Ein anderes Beispiel ist eben dass sie nie jemanden nach Schneeschuhen gefragt hat. Jetzt versucht sie die Kranken zu heilen ohne wirklich etwas ueber sie zu wissen - eben auch weil sie ihre Unabhaengigkeit demonstrieren will - und keinesfalls als eine weniger gute Kopie von Fionnula wahrgenommen werden will.


    Aber es geht eben so nicht - wie Bran sagt, auch Fionnula war ja nicht so, auch sie hatte Leute im Dorf denen sie vertraut hat und die ihr die Dinge sagen mussten die sie als Hexe schwer mitbekommen konnte.


    Cliodhna begreift hier das gleiche - dass Rordan in vielem Recht hat, bessere Medizin plus Nocebo-Effekt ist nicht so gut wie etwas schlechtere Medizin plus Placebo Effekt - die Leute muessen dran glauben dass sie geheilt werden, sonst bringt es nichts. Und weil sie ziemlich schlau ist, begreift sie auch dass sie sowas ohne jemanden wie Rordan nie erfahren haette, weil ihr das sonst niemand deutlich ins Gesicht sagt.


    Das ist dann der Moment, wo ihr klar wird, dass sie es wie Fionnula machen muss und jemandem aus dem Dorf vertrauen muss - denn niemand kann alles wissen, nicht mal die Hexe.


    Also - Rordan hat den Denkprozess ausgeloest, aber er ist nicht eigentlich die Ursache dafuer dass sie beginnt die Dinge anders zu machen.