Meermädchen

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    • Kirisha schrieb:

      . Ich hab den Namen übrigens geklaut aus einem verstaubten Drama von Heinrich v. Kleist und bin recht froh darüber, dass anscheinend niemand dieses Drama kennt.
      Heinrich von Kleist hat den Namen uebrigens aus einem klassisch griechischen Werk namens Aethiopis geklaut das um 800 v Chr. entstanden ist (daher kannte ich den Namen). So heisst da die Koenigin der Amazonen.

      Wahrscheinlich ist die Sage eigentlich noch aelter (und dass @Rebirz der Autor der Geschichte ueber Halbgoetter den Namen nicht kennt wundert mich ein wenig - immerhin war sie auch eine Tochter von Ares) :D
    • He, ich kann es gar nicht glauben, wie fleissig ihr seid und was ihr für schöne Ideen habt!
      Danke dafür!

      @Katharina
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      Stimmt. Ich sollte es gleich klar machen, dass Lysa eine ältere Frau ist.
      Zusammenfassend hat dir also der Teil, der von Lysa handelt, ganz gut gefallen, aber die Fortsetzung mit Lejangar war nicht gut ausgearbeitet. Da das schon viele gesagt haben, muss ich mir dazu nochmal Gedanken machen.


      @Oriane
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      Danke für das nette Lob!

      Oriane schrieb:

      Denn erst schreibst du, dass sie Kraft aus ihrem Ehering schöpft, was vollkommen nachvollziehbar ist, aber dann ist es plötzlich ein super mächtiger Gegenstand. Es wirkt halt, als würde ihr all das in gerade diesem Moment klar werden und das wirkt auf mich etwas unrealistisch.
      Vielleicht kannst du es so abändern, dass sie von vornherein den Ring als etwas mächtiges betrachtet, damit der Leser direkt weiß, dass er es nicht nur mit einem Stück Metall zu tun hat.
      Das ist eine gute Idee, das werde ich gerne einarbeiten!


      @Rebirz

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      Danke schön für deine ausführliche Rückmeldung!
      Ich bin etwas überrascht (und auch beruhigt), dass du es nicht magst, wenn eine Liebesgeschichte im Vordergrund steht.
      Ich war eigentlich bis jetzt der Meinung, die Leser würden das erwarten und ich müsste es deshalb betonen.
      Tatsächlich ist in dieser Story die Liebesgeschichte eher eine Nebengeschichte. In der Hauptsache geht es um die Fantasy-Handlung und um die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere und Entwicklungen der Murissa und der Königin. Die beiden erzählen die Geschichte auch abwechselnd. Deshalb müsste ich eigentlich, wenn ich die Prota in den Vordergrund stellen sollte, es mit beiden tun. Allerdings ufert es mir dann wieder aus. ich bastele noch dran.
      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Hier geht es los:
      (Dieser Anfang war mal sehr kurz. Ich habe ihn aber inzwischen ein paarmal überarbeitet, bei jeder Überarbeitung ist er etwas länger geworden und bei meinem neuesten Anfall von Korrekturwut ist er nun leider völlig ausgeufert.
      SORRY dafür.
      Falls jemand trotzdem Lust hast ihn zu lesen würde ich mich freuen! Ich habe nämlich wirklich viel geändert und grundlegende Dinge.)

      1.Der Froschkönig

      Murissa

      Hoffentlich sind es keine Wassergeister.
      Ich kniff die Augen zusammen und musterte den Brunnen argwöhnisch. Sollte sein Wasser nicht drei oder vier Meter tief unten in seinem Schacht plätschern? Stattdessen spritzte es immer wieder fontänenweise bis über den Rand. So sollte sich ein artiger Brunnen nicht betragen.
      Seit fünf Tagen hatte ich nichts gegessen, mein Magen knurrte und die Zunge klebte mir am Gaumen. Wie sehr hatte ich mich gefreut, inmitten dieser Baracken einen Brunnen mit sauberem Wasser zu entdecken! Nicht nur weil ich dort meinen Durst löschen könnte. Ich saß auch gerne auf Brunnenrändern und blickte in die undurchsichtigen Tiefen hinunter. Irgendwie hoffte ich noch immer auf die Verheißungen der Märchen meiner Kindheit, in denen aus diesen Tiefen Froschkönige oder andere interessante Wasserprinzen aufgetaucht waren. Wie viele Glasmurmeln hatte ich schon in voller Absicht in das Wasser fallen lassen in der Hoffnung, damit endlich mal einen verwunschenen Prinzen auf mich aufmerksam zu machen, der sich berufen fühlen würde, mir mein Eigentum zurückzubringen und mir bei der Gelegenheit auch sein Herz zu schenken...
      Auch wenn ich bis jetzt trotz häufiger Brunnenbetrachtungen nie solche Wesen getroffen hatte, bedeutete das ja schließlich nicht, dass es nicht noch geschehen konnte.
      Meine Freude wich einer gewissen Skepsis, als ich in den Brunnen hinein blickte. In der Tiefe tobte ein kleiner, sehr unnatürlicher Sturm, der auf der Oberfläche sogar richtige Wellen erzeugte. Immer wieder schossen Wasserfontänen hoch. Eine davon erreichte gar die Drehwinde, an der ein hölzerner Eimer hing, und klatschte dann mir auf die lange Haarmähne. Ich wich zurück.
      Wahrscheinlich lebten hier Wassergeister, die diesen Spuk veranstalteten. Aggressive Wesen mit Krallen und spitzen Zähnen – und das Garstigste an ihnen: Sie waren unsichtbar. In Aravenna, meiner Heimatstadt, ockupierten sie alle größeren Brunnen und lehrten die Wasserträger das Fürchten.

      In meiner früheren Heimatstadt, sollte ich vielleicht sagen. Vor fünf Monden hatte die Tochters des Tischlers, mit dem meine Mutter zusammenlebte, mich wegen angeblicher Hexerei angezeigt. Kein Mensch – nicht mal meine eigene Mutter – fühlte das Bedürfnis, auch nur ein Wort zu meiner Verteidigung hervorzubringen und es endete damit, dass sie mich zu den Stadttoren hinauskickten. Nicht dass meine Hoffnungen, jemand könnte sich auf meine Seite schlagen, besonders hoch gewesen wären. Ich hatte in dem Haus, ja eigentlich in der ganzen Stadt sowieso schon immer gestört und sie waren vermutlich froh, mich los zu sein.
      Es war Spätherbst, bereits lausig kalt und die Wälder in der Ferne starrten mich grimmig an. Stürmische Winde zerrten mich ins Niemandsland und ich fühlte mich umso verlorener, je weiter ich mich aus den bekannten Gefilden entfernte.
      Ich beschloss dem Aravennafluss zu folgen, dessen dunkle Fluten sich tief in die Wälder hineinschlängelten. Dem Wasser hatte ich mich immer verbunden gefühlt und stellte mir vor, dass ihm vielleicht eine Flussfee entsteigen und mir zur Seite stehen könnte. Tatsächlich wimmelte es in der Strömung jedoch von Wassergeistern, die mit ihren Haifischzähnen nach mir schnappten, wenn ich zu nah ans Ufer kam, und mit ihren langen Klauen versuchten meine Unterschenkel zu greifen, um mich ins Verderben zu ziehen.
      Ich war gezwungen, noch tiefer in den Wald hineinzugehen, klopfte an die Türen verschiedener Einsiedlerhöfe und schaffte es zuletzt, bei einem Bauern als Küchenmagd anzuheuern, der es sogar einige Zeit mit mir aushielt. Leider wurde der Hof einige Wochen später von Soldaten besetzt. Ich hatte noch viel mehr zu putzen und zu waschen als sonst und es gab jeden Tag Prügel. An einem Nachmittag, als ich gerade die oberen Flure wischte, hörte ich von unten lautes Geschrei und es roch nach Feuer. Schon sah ich an den Fenstern die Flammen hochzüngeln und schaffte es gerade so zu entkommen, weil das großzügig von mir verteilte Wischwasser noch auf der Treppe schwamm und deshalb die Flammen fernhielt. Hinter mir ging das gesamte Gebäude mit allen Scheunen in Flammen auf.
      Draußen schneite es und ich merkte erst auf der Flucht, dass ich mir wenigstens eine warme Jacke hätte mitnehmen sollen. Ich rannte ohne mich umzudrehen so weit fort wie ich konnte. Um nicht zu erfrieren, versteckte ich mich tief in einer Grotte. Erst später wurde mir klar, dass diese Grotte auch von einer Räuberbande bewohnt wurde, die mich zuerst gar nicht bemerkte. Und das, obwohl ich mal hier eine Decke und mal dort einen Kanten Brot mopste. Allerdings wurde ich mit der Zeit dreister und beging den Fehler, ihnen einen ganzen Beutel zu klauen, aus dem es so lecker roch... Einer erwischte mich. Ich rannte davon. Da jagten sie mir ihre Hunde nach. Denen entkam ich, indem ichan einer Engstelle über den Aravennafluss sprang. Falls das noch immer derselbe Fluss war oder schon ein anderer. Die Hunde war ich los, dafür witterte mich nun ein Rudel Wölfe, die ich danach auf den Fersen hatte und vor denen ich mich auf einem Baum in Sicherheit brachte ...
      Ja, und so ging es die ganze Zeit weiter.

      Kann sich wohl jemand vorstellen, welches Gefühl mich überkam, als ich nach fünf langen schrecklichen Monden in der Wildnis plötzlich in der Ferne eine Stadtmauer auftauchen sah? Eine Stadt! Zivilisation! Sicherheit! Beinahe hätte ich angefangen zu heulen vor lauter Glück. In diese Stadt wollte ich, nein musste ich hineinkommen. Mein Bedarf an Abenteuern war bis über meine Nasenspitze hinaus gedeckt und ich war außerdem so ausgehungert, dass mein Magen gar nicht mehr aufhörte zu knurren. Leider hatte mein äußeres Erscheinungsbild in den letzten Monden ziemlich gelitten und ich wusste, dass die Wachtposten an der Mauer das nicht gutheißen würden. Meine lange, dichte Mähne war verwildert, mein Hemd zerlöchert und die Jacke hatte ich aus einer der Hütten geklaut, an der ich unterwegs vorbeigekommen war – sie war mir viel zu groß und reichte fast bis an meine Knie. In diesem Zustand würde mich niemand durch egal welches Tor hindurchlassen.
      Während die Stadtmauer zunächst nur als ein Strich am Horizont erschienen war, wurde sie je näher ich herankam immer größer und imposanter. In meinem Kopf ratterten die Gedanken unaufhörlich an dem Problem herum, wie ich die Herzen der Wächter erweichen könnte.
      Bis ich die Barackenvorstadt erblickte. Und den unscheinbaren Steinbrunnen in ihrer Mitte. Perfekt – darin könnte ich mich waschen! Anscheinend gab es eine ganze Reihe von Bettlern, denen man den Zugang in die Stadt verweigert hatte und die deshalb aus toten Ästen, Lehm, kaputten Kutschenteilen und anderen ausrangierten städtischen Materialen kleine Hütten gebaut hatten und sich wahrscheinlich vom Wasser aus dem Brunnen sowie dem hier und dort aus dem lehmigen Boden sprießenden Sauerampfer ernährten. Auf den stürzte ich mich als erstes und rupfte jeden kleinen Halm, den ich finden konnte. Der leicht säuerliche Geschmack rieselte angenehm durch meinen Magen, auch wenn er die gähnende Leere nicht wirklich füllen konnte.
      Misstrauische Blicke aus ausgemergelten blondhaarigen Gesichtern linsten mich aus den Barackenfenstern an. Anscheinend war ich in einer Parva-Gegend gelandet. Ein wenig hatte ich ja gehofft, mit meinem Rauswurf aus Aravenna wenigstens die Blondlinge los zu sein, die sich immer über mich lustig gemacht hatten. Und gegen die ich mich, weil sie kräftiger waren als ich, nicht zur Wehr setzen konnte.
      Im Augenblick war das jedoch völlig gleich, Hauptsache, ich kam irgendwie in die Stadt hinein. Ich würde mein Leben jedenfalls nicht als Bettlerin in dieser Vorstadtmüllhalde beschließen. Und da kam mir der Brunnen gerade recht. In dem konnte ich hoffentlich meinen Durst löschen, meine Haare waschen und den schlimmsten Dreck aus meinen Kleidern schruppen.
      Vorsichtig näherte ich mich dem runden Steingemäuer. In meiner Heimatstadt galt es in der Nähe jeglicher Gewässer eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, wenn man nicht als Futter für Wassergeister enden wollte. Eins der Alarmzeichen waren Pfützen rings um das Brunnenareal. Insbesondere wenn es nicht regnete und auch niemand Wasser schöpfte.
      Von diesen gab es hier massenhaft. Der gesamte Platz schwamm geradezu in einer einzigen ausgedehnten Pfütze, die fast bis zu den ersten Hütten heranreichte. Vom Regen rührte das jedenfalls nicht her, denn über mir strahlte eine unbekümmerte Frühlingssonne. Ich knirschte unwillkürlich mit den Zähnen. Waren das Spritzer von Geistern oder von albernen Bettlerkindern?
      Langsam bahnte ich mir einen Weg durch den Matsch und versuchte dabei meine Schuhe nicht völlig zu ruinieren. Am Brunnen angekommen wagte ich einen Blick hinein. Zu meiner Überraschung plätscherte der Wasserspiegel weit oben und nicht mehrere Meter in der Tiefe, wie ich sonst gewöhnt war. Ich könnte ihn mit der Hand erreichen. Praktisch – so könnte ich etwas trinken und mir die Mähne waschen, ohne erst Wasser mit einem Eimer holen zu müssen.
      Sollte ich?
      Misstrauisch linste ich in das Wasser hinein. Es war dunkel. Und still. Irgendwo in der Tiefe spürte ich Strahlung. Nicht die typische harte Magiestrahlung der Geister, die manchmal so stark war, dass sie Wellen erzeugte. Hohe Wellen sogar. Nein ... aber dieser kleine Strudel in Brunnenmitte war ganz eindeutig auch nicht normal.
      Das lag vielleicht nur daran, dass die ekligen Wassergeister sehr weit unten herumschwammen. Oder vielleicht schliefen sie auch gerade. Mist. Gab es eigentlich gar keine geisterfreien Brunnen?
      Aber vielleicht waren es auch gar keine bösartigen Wesen. Eigentlich betrugen sie sich dafür viel zu friedlich.
      Ich holte tief Luft. Egal wer da unten auch immer rumorte, ich war zu durstig um mich darum zu bekümmern. Kurz entschlossen kurbelte ich nun doch den Eimer mit der Drehwinde herunter, denn es erschien mir gesünder, den Eimer zu benutzen als die Geister durch die Bewegungen im Brunnenwasser zu wecken. Sehr zaghaft, um möglichst wenig Wellen zu machen, schöpfte ich einen Eimer Wasser, trank zuerst in vollen Zügen daraus, weil ich so durstig war, stellte ihn dann unterhalb des Brunnens ab und tauchte meine Mähne hinein. Uh, es war schrecklich kalt und meine Haarpracht von Dreck so zusammengeklebt, dass ich ordentlich zu waschen hatte. Es war auch nicht so leicht, die Haarbüschel auf dem Rücken zu erreichen, denn meine Mähne reichte weit über die Schultern herunter. Ich versuchte, sie möglichst flach an die Haut anzuklatschen, damit die Wächter am Tor nicht gleich erkannten, dass ich zum Volk der Elgo gehörte, den „Pferdemenschen“, wie man uns im Volksmund nannte, weil wir so lange und hübsche Haarmähnen hatten ungefähr wie Pferde.
      Glücklicherweise war ich so schlau gewesen, vor meinem Rauswurf aus Aravenna noch meiner Mutter eins ihrer Schönheitskügelchen zu entwenden, das hoffentlich mein ansonsten eher alltägliches Jungmädchengesicht mit der Stupsnase und den schmalen Lippen um ein paar Grad aufwerten würde. Was genau für ein Zauber darin war, oder ob Mutter sich mal wieder Ramsch hatte andrehen lassen, wusste ich selber nicht und es war auch nicht der richtige Zeitpunkt gewesen um sich danach zu erkundigen. Jedenfalls konnte es ja schlimmer nicht werden. Also zerquetschte ich die kleine Kugel und mischte sie mir in die Mähne. Sofort fühlten sich die Haare wärmer an und schienen zu trocknen. Danach zog ich noch meine Jacke und das Hemd aus und rubbelte die schlimmsten Flecke wenigstens aus dem Hemd. Die Jacke würde ich nicht mitnehmen zum Tor, sie war zu scheußlich. Anschließend zog ich das klamme Hemd wieder an und versuchte, mein Spiegelbild in dem kleinen Eimer zu kontrollieren. Aber das Wasser darin war schwarz vor Dreck.
      Ein plötzliches Platschen über mir ließ mich aufspringen und reflexartig davonrennen. Keinen Augenblick zu früh, denn der Brunnen wurde lebendig. Eine Fontäne spritzte daraus empor und dann setzte Wellengang ein. Was zum ...?
      Aber von mir aus konnte der Brunnen nun gern verrückt spielen. Ich nahm all meinen Mut zusammen, spazierte aus der Barackenvorstadt heraus und direkt die breite Hauptstraße entlang auf die Torwächter zu.
      Die Stadtmauer erschien mir riesenhaft, geradezu von unermesslicher Macht. Sie war aus dicken, zum Teil mannshohen Feldsteinen gebaut und könnte bestimmt niemals von feindlichen Truppen oder Banditen gestürmt werden. Das könnte hier ein herrliches Plätzchen zum Leben sein, dachte ich. Auch wenn alle acht Wachtposten vor dem Tor Parva waren, wie ich an ihren langen, goldgelben Haaren und ihren kräftigen Gestalten gleich erkannte. Und auch an den herablassenden Blicken, die sie mir und meiner buschigen Pferdemähne widmeten. Mutters Schönheitskugel war also wieder mal ein Reinfall. Sie ließ sich immer Schrott andrehen, wenn ich sie nicht begleitete. Vielleicht bereute sie inzwischen, mich nicht verteidigt zu haben? Im Augenblick bereute allerdings nur ich, dass ich nicht andere ihrer Mittelchen geklaut hatte, die mir vielleicht jetzt geholfen hätten.
      Die Wachtposten bauten sich mit wenig freundlichen Gesichtern vor mir auf und versperrten mir den Weg.
      „So allein unterwegs, kleine Landstreicherin?“, sagte einer herablassend. „Wohin willst du?“
      „Ich bin keine Landstreicherin, ich kann Kleider nähen und Schränke anmalen“, erklärte ich eifrig und knickste tief und mit gesenktem Kopf. „Und ich möchte bitte, wenn Ihr ehrwürdigen Herren es erlaubt, in diese Stadt hinein.“
      „In welche Stadt?“, fragte der Wächter und bohrte seine Blicke unangenehm in mich hinein. „Weißt du nicht, wo du bist?“
      Nein. Ich hatte keine Ahnung. Nach diversen unangenehmen Begegnungen unterwegs hatte ich es vorgezogen, mich lieber nicht mehr mit Unbekannten zu unterhalten.
      So viel ich wusste, hatte Aravenna zwei Nachbarstädte, Pallanthia und Tandra. Je nachdem, ob ich weiter nördlich oder südlich gegangen war, müsste ich mich folglich in der einen oder anderen befinden. Ich hatte eigentlich ganz gute Chancen, das Richtige zu raten. Pallanthia war früher mal Königsstadt gewesen, zu den Zeiten als es noch einen König gab, und man erzählte sich deshalb, die Stadt sei besonders prächtig.
      „In Pallanthia“, posaunte ich daher im Brustton der Überzeugung.
      „Falsch“, sagte der Wächter und blähte sich auf. „Du bist in Tandra. Pallanthia liegt ein gutes Stück südlich von hier.”
      Er zeigte mir mit der Hand die Richtung an.
      Verwünscht.
      „Ich bin müde und erschöpft von der langen Reise, darf ich bitte eine Weile hier bleiben?“, fragte ich bettelnd.
      „Nur wenn du jemanden benennen kannst, der für dich bürgt“, erwiderte der Wächter kurz angebunden.
      „Und der schwört, dass du keine Hexe bist“, fügte sein Nachbar hinzu.
      Ach herrje. Wer sollte wohl in einer wildfremden Stadt für eine hergelaufene Landstreicherin, noch dazu eine Elgo, bürgen?

      Kurze Zeit später trottete ich mit einem wilden, hoffnungslosen Gefühl sowie einem grollenden Magen denselben Weg wieder zurück, den ich gekommen war. Was jetzt? Sollte das heißen, ich hatte nun die Wahl, entweder Bettlerin der Baracken zu werden oder wieder in die Wildnis zurückzugehen? Auch die Chancen, dass ich mir heute noch was hinter den Gaumen klemmen könnte – egal was – sanken gerade ganz rapide. Wem sollte ich denn etwas zu essen klauen, etwa den Lumpen, die hier hausten und die selber unter Baumrinde nach Käfern klaubten, weil sie nichts anderes finden konnten? Und wo sollte ich die Nacht verbringen – mich irgendwo unter den Müllhaufen der Baracken verkriechen? Eine allumfassende Verzweiflung kroch in mir hoch. Mutlos schlich ich mich zu den Baracken zurück, schlurfte den lehmigen Sandweg entlang – und erstarrte.
      Nahe am Brunnen war augenscheinlich gerade eine Gruppe Reisender angekommen. Sie hatten ihre Pferde hinter den Baracken angebunden und standen jetzt in respektvollem Abstand von dem spuckenden und geifernden Brunnen entfernt. Darunter waren gut eine Handvoll Männer – und drei echte Hexen, deren Aura jede von ihnen gut einen Meter weit umschwirrte. Mir wurden die Hände feucht. Scheiße. Diese Damen mussten, wenn man die Ausdehnung ihrer Auren als Maßstab nahm, fürchterlich mächtig sein. Ich sollte abhauen. Schnell, bevor sie mich bemerkten.
      Tja – abhauen! Aber wohin? In die Wälder? Als Abendessen für Wölfe? Ich drückte mich eng an die Mauer einer der Baracken. Und beschloss, dass ich lieber von diesen drei aufgetakelten Zauberinnen behext als von Wölfen zerrissen werden wollte.
      Ohnehin hatte ich schon immer davon geträumt, mal eine richtige wilde Waldzauberin aus der Nähe zu sehen. Bei uns in Aravenna, und ich vermute mal auch in jeder anderen Stadt, bekam man die natürlich nicht zu Gesicht, weil kein normal denkender Wachtposten jemals eine Hexe in die Stadt lassen würde. Also abgesehen mal von den Tempelzauberinnen. Aber die zählten nicht, sie dienten der Priesterin der Stadt und hatten sich deren Weisungen zu fügen, weshalb sie nicht so gefährlich waren wie die Wilden aus den Wäldern.
      „Das ist so typisch“, knurrte gerade eine der drei Hexen verärgert, die mir am nächsten stand und die ich deshalb am besten sehen konnte. Sie war eine Parva, stämmig und blond und ihre Aura schien sich in den Boden hereinzugraben. Überall um sie herum krümelte die Erde auf und zerbröselten Steine zu Staub, wie ich staunend beobachtete. „Da hat man einen Brunnen vor der Nase und doch nichts zu trinken!“ Sie drehte sich zu ihrer Nachbarin. „Nun, Wisha? Ich glaube, du kannst diesen Spuk am ehesten bändigen.“
      Die Aura der Nachbarin war unruhig und flatterhaft. Es sah aus, als stünde sie im Wind und die struppigen blonden Haare wehten ihr ins Gesicht. Sie trat nun einen Schritt nach vorne, streckte eine Hand aus und ein Sturmwind wirbelte aus ihren Fingern – so stark, dass er der gegenüberliegenden Hütte das Dach herunterfegte. Sofort kam der Besitzer hinausgelaufen, wagte aber dann nicht sich zu beschweren. Denn der nächste Sturmwind der Hexe schleuderte ihn drei Meter rückwärts und wehte auch die Wellen komplett nieder, die eben noch weit über den Brunnenrand getanzt hatten, er riss den Eimer in die Luft und warf ihn in den Brunnen hinein. Zum Herausholen des Kübels schienen die Kräfte der Windigen aber nicht zu reichen. Vorsichtig ging sie näher an den Quell des Lebens heran, wahrscheinlich um den Eimer mithilfe der Drehwinde aus dem Wasser zu kurbeln. Schon ging das Theater wieder los.
      Wie ein Geysir zischte ein gewaltiger Wasserschwall hoch, dem weitere Spritzattacken folgten, diesmal zu den Seiten. Es spritzte in alle Richtungen. Alle Besucher wichen zu den Baracken zurück und musterten das Geschehen erschrocken. Auch die Zauberinnen.
      In einer Wasserlache ganz in meiner Nähe rappelte sich ein Frosch auf. Mir schlug das Herz höher. Den hatte der Wassergeist doch sicherlich mir direkt vor die Nase geworfen. Ob er sich gleich in einen Prinzen verwandeln würde? Also in genau jenen Prinzen, der schon sein ganzes Leben lang darauf wartete, mich endlich mit auf sein Schloss nehmen zu dürfen? Genau so war das in den Geschichten immer gewesen, die meine Mutter mir als Kind erzählt hatte.
      Okay, vielleicht war ich aus dem Alter heraus und vor allem neigte meine Mutter dazu, niemandem in ihrer Umgebung je eine wahre Geschichte zu erzählen. Vermutlich die einzige Gabe, die ich von ihr geerbt hatte. Trotzdem starrte ich auffordernd den Frosch an und hoffte auf eine baldige und anständige Verwandlung.
      Diese ließ auf sich warten, stattdessen krampfte sich mir der Magen zusammen. Mir war richtiggehend schlecht vor Hunger. Dieses bohrende Gefühl quälte mich nun schon seit vielen Monden. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt eine richtige große Mahlzeit gegessen hatte. Einen oder sogar mehrere Momente lang überlegte ich ernsthaft, ob ich den Frosch nicht einfach verspeisen sollte. Prinz hin oder her.

      Eine weitere Wasserfontäne spritzte aus dem Brunnen und einige Tropfen trafen mich noch auf die Stirn. Ich hörte die Leute um mich herum schreien und blickte auf. Gerade in diesem Moment rannte ein junger Mann auf mich zu mit durchnässten Haaren und erschrockener Miene.
      „Verfluchte Wassergeister“, schimpfte er.
      Und jetzt entdeckte ich die Wesen endlich. Oben auf dem Seil der Drehwinde hockten sie. Zwei schattenhafte Gestalten, klein und gelenkig wie Affenkinder, mit langen Ärmchen. Sie hüpften dort herum, kaum sichtbar. Ich erkannte sie nur ganz schemenhaft, weil sie sich bewegten und dabei einen wirbeligen dunklen Schatten warfen. Nun ließ sich der eine in den Brunnen herunterfallen, wobei die nächste Wasserfontäne hoch aufspritzte, und ich hörte jetzt, dass die beiden Wesen hohe, fiepende Laute ausstießen.
      Ha, ha! Wasseräffchen! Ich hatte gedacht, diese kleinen Racker gäbe es nur in Aravenna. Mit solchen Schattengestalten hatte ich schon Späße getrieben. Sie waren harmlos, wenn man ihre Gewohnheiten kannte. Vorischtig linste ich zu den Hexen herüber. Aber die schienen die Kleinen gar nicht zu sehen. Das war auch daheim in Aravenna schon immer so gewesen. Niemand konnte die Wasseräffchen sehen und auch niemand die Geister. Außer mir. Das war schon etwas komisch. Manchmal dachte ich, ich hätte vielleicht nur Wahnvorstellungen.
      So langsam fing eine ganz prächtige Idee an, sich aus meinem Oberstübchen herauszuklamüsern. Alle diese Leute wollten unbedingt an den Brunnen und konnten nicht. Aber ich könnte ihnen Zugang verschaffen. Und damit alles schwieriger und darum auch teurer aussah, könnte vor diesen Herrschaften ein wenig Hexerei simulieren, wie ich das schon daheim gelegentlich getan hatte. Das ergäbe vielleicht ein gutes Geschäft. Ein wenig gewagt, wegen der Hexen, die mich vielleicht durchschauten... aber egal. Was hatte ich schon zu verlieren? Dann könnte ich mir etwas zu essen kaufen wie zum Beispiel frisch gebackenes Brot... oh, was für eine Vorstellung! Wie toll wäre das, endlich mal was anderes zwischen die Zähne zu bekommen als Sauerampfer und Feldklee!
      Ich blickte an den zerfetzten Lumpen herunter, die meine mageren Glieder umschlackerten und die meinem Publikum sofort verraten mussten, dass an mir nichts Magisches war. In diesem Aufzug würden sie mich niemals für eine Zauberin halten. Es sei denn, ich könnte meine Garderobe noch schnell etwas aufputzen. Zum Beispiel mit so einem schnuckeligen gelben Umhang, wie mein Nachbar einen hatte. Ich drehte mich zu dem jungen Mann neben mir, der die Schattenwesen als erster erkannt hatte. Wenn auch falsch.

      Beinahe hätte ich ich mir die Halswirbel ausgerenkt.
      Der Prinz! Das musste er sein!
      Hektisch starrte ich auf den Boden um nachzuschauen, ob der Frosch da noch irgendwo herumhüpfte, aber er war weg.
      Der hatte sich tatsächlich verwandelt. Und ich hätte es beinah gar nicht gemerkt. Das gibt es doch nicht! Ein echter Prinz. Der Junge war ein Elgo wie ich. Und außergewöhnlich hübsch in seinem blendend goldgelben Umhang. War ja auch nicht anders zu erwarten für einen Prinzen.
      Mir wurden die Beine weich und ich musste mich an den hervorstehenden Balken der Hütte festhalten, um nicht einfach umzukippen. Sowas passierte tatsächlich mir? Er war groß, hatte lange Beine und einen schmalen, sehnigen Körperbau. Meine Blicke glitten zu seinem ebenfalls schmalen, ein wenig länglichem Kopf und blieben an seinen dichten langen braunen Haaren hängen, die von der Mitte seines Kopfes her abwärts wuchsen, gebüschelt, wie die Mähne eines Pferdes. Bei ihm war das besonders ausgeprägt, denn seine Mähne reichte den Hals herunter bis auf den Rücken. Richtig umwerfend süß. Das Wahnsinnigste waren aber seine Augen. Sie leuchteten hellblau und es glomm Energie darin, die ihm eine enorme Anspannung und Entschlossenheit verlieh. So als ob er sich niemals von einem Weg abbringen lassen würde, wenn er ihn einmal eingeschlagen hatte. Die Fellbehaarung auf seinen Oberarmen und dem Handrücken war ziemlich ausgeprägt, deutlicher als meine und aus irgendeinem Grund fragte ich mich sofort, ob sie sich wohl sehr weich anfühlen würde, wenn ich sie berührte.
      Und ob er wohl tatsächlich direkt aus dem Brunnen kam und sein Schloss unten in der Tiefe des Wassers hatte oder es eher oberhalb davon stand.
      Ich kam mir neben ihm plötzlich wie eine abgehalfterte Bettlerin vor, für die er wahrscheinlich nicht mal einen halben Blick übrig haben konnte. Auch wenn ich persönlich meine mittelbraune Mähne mit dem leichten Goldton darin recht hübsch fand, aber sie war viel kürzer als seine und der ganze Rest... mein zerrissenes Leinenhemd, die Löcher in den Schuhen – ach ihr Götter – so sollte man einfach nicht aussehen, wenn gerade das Märchen seines Lebens wahr werden wollte!


      Ähm ... wollte es das? War der hübsche Junge denn wirklich für mich bestimmt oder würde er nicht vielleicht lieber eine der drei echten Hexen wählen?
      Meine Geschichte: Meermädchen

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

    • Hei Kirisha.

      Sehr flotter Schreibstil. Für meinen Geschmack ein wenig zu schnell, ich mag ein paar mehr Details, aber wenn das beabsichtigt ist, dann wie gesagt, recht flott, es geht voran. Vermittelt mir den Eindruck einer unsteten und energetischen Protagonistin - da das ganze aus ihrer Perspektive geschrieben wird.

      Das einzige, was ich wirklich komisch finde ist, warum sie in einer Welt, in der es offenbar ganz natürlich Zauberinnen und Hexen und Magie gibt, der Hexerei angeklagt wird. Ich frage mich natürlich unwillkürlich, was daran so schlimm sein soll, dass sie gleich verbannt wird. Das solltest du vielleicht noch ausformulieren.

      Ein paar Kleinigkeiten noch:

      Kirisha schrieb:

      die es ebenso wie ich bis in die Stadt nicht geschafft hatten.
      "ebensowenig bis in die Stadt geschafft hatten wie ich" klingt weniger umständlich.

      Kirisha schrieb:

      In meinen Hirnzellen begann es sofort zu rattern.
      Ich weiss nicht, in welchem "Jahrhundert" das ganze spielt, aber haben sie dort eine Vorstellung davon, dass es Hirnzellen überhapt gibt?
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
      Für alle, die sich dafür interessieren, wie wir Filme machen: Ein neuer Film entsteht (Blog)
      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • Hi Kirisha,

      hier kommen meine Anmerkungen :)

      Spoiler anzeigen

      Kirisha schrieb:

      Nicht mal die Bettler wollten mich in ihrer Nähe haben, die es ebenso wie ich bis in die Stadt nicht geschafft hatten.
      die es ebenso wie ich nicht bis in die Stadt geschafft hatten....würde ich sagen :hmm:


      Kirisha schrieb:

      Und jetzt entdeckte ich die Wesen endlich. Oben auf dem Seil der Drehwinde hockten sie. Zwei schattenhafte Gestalten, klein und gelenkig wie Affenkinder, mit langen Ärmchen. Sie hüpften dort herum, kaum sichtbar. Ich erkannte sie nur ganz schemenhaft, weil sie sich bewegten und dabei einen wirbeligen dunklen Schatten warfen.
      Man fragt sich an der Stelle, warum ausschließlich SIE die Wasseräffchen ausmachen kann...warum sehen die anderen sie nicht? :hmm:

      Mir fällt auf, dass du sehr gerne und viel Ausrufezeichen verwendest:

      Kirisha schrieb:

      Wie sehr hatte ich mich gefreut, inmitten dieser Baracken einen Brunnen mit sauberem Wasser zu entdecken!....Und dann dieser Brunnen, das war doch der Gipfel! ....Ha, ha! Wasseräffchen!....oh, was für eine Vorstellung! Wie toll wäre das, endlich mal was anderes zwischen die Zähne zu bekommen als Sauerampfer und Feldklee!....mein zerrissenes Leinenhemd, die Löcher in den Schuhen – ach ihr Götter – so sollte man einfach nicht aussehen, wenn einem einmal im Leben so ein absoluter Traumprinz über den Weg lief!
      Das sind alles Sätze, in die du ein Ausrufezeichen eingebaut hast. Ich habe das früher auch gerne verwendet, bis Rebirz anfing, mich in meiner Geschicht darauf hinzuweisen, weshalb es mir jetzt auch bei anderen sofort ins Auge sticht ^^ Ich würde es etwas sparsamer einsetzen, weil man als Leser jedes mal wachgerüttelt wird...in manchen Fällen reicht aber vielleicht ein einfacher Punkt. Kannst ja mal drüber nachdenken.

      Insgesamt fand ich den Teil recht gut (ich kannte ihn ja schon ^^ ). Murissa ist die geborene Überlebenskünstlerin, die sich gerne schon mal in Schwierigkeiten bringt und es macht einfach Spaß, ihr zu folgen. Die Elgos kann ich mir jetzt noch nicht so gut vorstellen. Irgendwie denke ich, sie sehen wie Menschen aus, doch haben sie ein beharrtes Gesicht und mähnenartige lange Haare? Klär mich auf, wenn ich mich irre...vielleicht wird das aber auch in Zukunft noch ausführlicher beschrieben.

      Her mit dem nächsten Teil :D



      LG,
      Rainbow
    • Danke für euer nettes Feedback, mit dem ich wirklich etwas anfangen kann!

      @Katharina
      Spoiler anzeigen


      Katharina schrieb:

      Für meinen Geschmack ein wenig zu schnell, ich mag ein paar mehr Details
      Da hast du sicherlich recht. Ich staune oft beim Lesen in anderen Texten, wie detailreich sie sind und da habe ich sicherlich Verbesserungspotential. Beim Schreiben habe ich jedoch meist das Gefühl, es sollte zügig vorangehen, damit sich der Leser nicht langweilt. Vielleicht sollte ich mich da etwas mehr bremsen und länger in einzelnen Szenen verweilen.


      Katharina schrieb:

      Das einzige, was ich wirklich komisch finde ist, warum sie in einer Welt, in der es offenbar ganz natürlich Zauberinnen und Hexen und Magie gibt, der Hexerei angeklagt wird.
      Okay. Noch ein Punkt für dich. Das muss ich wohl tatsächlich machen, weil das Thema wichtig für die Geschichte ist.



      @Rainbow


      Spoiler anzeigen


      Rainbow schrieb:

      Man fragt sich an der Stelle, warum ausschließlich SIE die Wasseräffchen ausmachen kann...warum sehen die anderen sie nicht?
      Okay. Stimmt. Dazu schreibe ich noch etwas.


      Rainbow schrieb:

      Das sind alles Sätze, in die du ein Ausrufezeichen eingebaut hast.
      Ich bin anscheinend überhaupt nicht lernfähig. In meinem ersten Buch hat mich mein Agent auch auf dasselbe Problem aufmerksam gemacht und ich habe daraufhin um die 500 (fünfhundert!!!) überflüssige Ausrufungszeichen eliminiert ...
      Wahrscheinlich sind in dieser Story genauso viele drin.


      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Also, der Teil in der Stadt darf meiner Meinung nach am Ende der Verwandlungsszene gern noch ein bisschen epischer sein - immerhin wird sie ja zur Goettin, da kann man schon starke Worte verwenden.

      Kirisha schrieb:

      Entsetzt und tief erschrocken beobachtete er die Verwandlung seiner Großmutter in eine große kristallene Kugel von ovaler Form. I
      Den Satz fand ich jetzt irgendwie einen Stimmungskiller - das ist so eine technische Beschreibung - 'Kugel von ovaler Form' - mach' die ganze Szene doch lieber poetisch mit viel Adjektiven und Vergleichen.

      Kirisha schrieb:

      Er entfachte solche Kraft, dass ihnen die Waffen an den Körpern festklebten und sie nicht mehr damit attackieren konnte.

      'festkleben' ist auch so ein schraeges Bild - ich versuche mir vorzustellen wie Wind das hinbekommt, aber scheitere daran. ?(

      Der Teil mit den Wassergeistern ist... erfrischend. Eine schoene Idee fuer die Welt, die uns da entgegenspritzt!
    • Hallo Thorsten!
      Deine Argumente leuchten mir ein. Die ovale Kugel werde ich auf jeden Fall überarbeiten.
      Das mit dem Festkleben gefiel mir eigentlich, aber da denke ich auch nochmal drüber nach.
      Danke!


      Hier geht es weiter:

      Kapitel 1.2

      Eigentlich hatte ich ihn ansprechen wollen. Und ihn ganz dreist fragen, ob er mir mal seinen phänomenalen Umhang leiht. Aber ich war wie blockiert. Ich wollte es mir nicht gleich mit dem ersten Wort bei ihm verscherzen. Okay, es spielte wahrscheinlich keine Rolle, weil er mich sowieso kaum wahrnehmen würde. Schließlich hatte er ja schon drei echte Hexen zur Begleitung, eine hübscher als die andere, die hoheitsvoll in der Nähe standen und ihm mit den Augenlidern zuklimperten. Er brauchte nur zu wählen. Bei der Auswahl würde er sicherlich nicht auf den Gedanken kommen, mich auch nur anzuschauen.
      Willst du nach den Sternen greifen?
      Ich unterdrückte einen Seufzer. Genug geschmachtet. Hatte ohnehin keinen Sinn und ich würde noch verhungern, wenn ich diese Gelegenheit nicht nutzte.
      „Du?“, sagte ich und hoffte, er hatte das leichte Schwanken in meiner Stimme überhört. „Wie kommt´s, dass du Geister sehen kannst?“
      Er grinste mich an. Einer seiner vorderen Schneidezähne war schief. Sogar das stand ihm gut. Es gab ihm etwas Einmaliges. Fast hätte ich mich in seinem Anblick völlig verloren. Je länger ich in diese energiesprühenden Augen blickte, desto wirrer wurde mir im Kopf.
      „Ich sehe sie gar nicht. Hab nur etwas Verstand im Kopf“, erklärte er. Und er lächelte sogar dabei. Der angespannte Ausdruck in seinem Gesicht verlor sich etwas.
      Sollte ich wirklich so dreist sein und ihn nach dem Umhang fragen? Vielleicht würde er sich ärgern. Aber die Versuchung war groß. Irgendein inneres Gefühl sagte mir, dass ich sehr dumm wäre, diese Situation nicht auszunutzen. Und dass ich einen Haufen Hellonen verdienen würde, die ich gerade sehr dringend brauchte. Ich sollte mir eh nicht einbilden, dass ich bei ihm eine Chance hätte.
      „Leihst du mir deinen Umhang?“, platzte ich also einfach heraus. „Dann zeig ich dir, wieviel Verstand ich im Kopf habe!“
      Er zog die Augenbrauen hoch. „Meinen Umhang? Was willst du damit?“
      „Ich kann die Geister aus dem Brunnen verscheuchen. Wenn du mir den Umhang leihst, werden sie mich für eine Zauberin halten, obwohl ich natürlich keine bin. Ich werde mich bezahlen lassen, ein paar Formeln sprechen, und schwuppdiwupp...“ Ich schnippte verheißungsvoll mit einem Finger, „weg sind die Geister und wir können trinken. Ich beteilige dich dafür auch an meinem Gewinn. Bist du einverstanden?“
      Was redete ich denn da! Ich hätte mir auf die Zunge beißen können. Es war absolut unnötig ihm zu verraten, dass alles nur Show war und ich in Wahrheit überhaupt nicht zaubern konnte. Normalerweise hatte ich nicht das geringste Problem damit, Leute ein klein wenig zu beschwindeln.
      Seine Augen weiteten sich und ein heller, überraschter Ausdruck flog über sein Gesicht. Dann nickte er. Ja, wirklich! Ich war überrumpelt. Innerlich hatte ich mich auf eine Abfuhr, ja sogar eine ärgerliche Antwort vorbereitet und war ernsthaft verwundert über seine positive Reaktion. Als er dann auch noch auf mich zu ging, zog ich ihn hinter eine der armseligen Hütten hinter dem Brunnen, damit man uns nicht beobachtete. Er lächelte noch immer, so als hätte er unverhofft einen Goldklumpen gefunden, kramte in einer Tasche, die er um die Schultern trug, und zog einen zweiten Umhang heraus. Dieser war hellgrün, ansonsten aber genauso leuchtend und wunderschön wie jener, den er um die Schultern trug.
      „Mach ihn aber nicht nass!“
      Ich legte mir das grünliche Wunder um die Schultern. Es war mir zu groß. Ich musste es etwas raffen, um nicht darauf zu treten. Aber das war gleich, ich konnte den überschüssigen Stoff ja über dem Gürtel falten.
      „Wie sehe ich aus?“
      „Wunderschön.“ Wieder lachte er mich an, auf eine lustige Weise, sodass ich nicht sicher war, ob das wirklich ein Kompliment war. „Aber eigentlich noch nicht ganz wie eine Waldhexe. Die schleppen doch immer irgendwelche Beutel mit Kräutern mit sich herum.“
      „Das haben wir gleich!“ Ich kramte meinen Beutel aus der Hosentasche und gleich danach die letzten sieben Glasmurmeln, die ich noch von daheim mit mir herumschleppte. Diese legte ich in den Beutel. Dann band ich ihn zu und hakte ihn mir an den Gürtel.
      „Was sagst du jetzt?“
      Er grinste schon wieder so seltsam, dass ich mir nicht zusammenreimen konnte, ob ich mich darüber freuen oder grämen sollte.
      „Lach mich nicht aus!“, sagte ich energisch. „Eines Tages werde ich solche Ladungen von Sachen besitzen, dass ich sie in einem Kutschwagen von Pferden durch die Straßen transportieren lassen muss!“
      „Ich lache dich gar nicht aus. Warte noch… Mein Name ist übrigens Turris. Und wer bist du?“
      „Murissa. Freut mich, dich kennenzulernen, Turris.“
      Wenn er wüsste, wie sehr ich mich freute!
      Nun kam ich hinter der Baracke wieder hervor und trat würdevoll auf den Brunnen zu. Dabei breitete ich die Arme aus. Hier kam es auf großartige Gesten an. Die Tempelhexen veranstalteten immer ein markerschütterndes Getue um ihre Zaubereien. Mir ging jetzt auf, dass sie das wahrscheinlich auch nur deshalb taten, weil es ihren Gewinn erhöhte.
      „Dieser Brunnen ist von sehr gefährlichen Wassergeistern befallen“, sagte ich laut. „Ihr habt Glück, dass ich mit damit auskenne und weiß, wie man sie bannen kann. Ich werde den Brunnen befreien! Allerdings mache ich das nur, wenn sich die Mühe lohnt, also wenn ihr bereit seid, für das Wasser zu bezahlen. Ich nehme einen Scheller pro Eimer Wasser. Wer ist bereit zu zahlen?“
      Die Resonanz auf meine Ankündigung war besser als erhofft. Die Männer aus Turris‘ Truppe nickten ein wenig zögerlich und sogar aus mehreren Hütten lugten nach und nach die hellblonden Schöpfe ihrer Bewohner hervor. Ich sah an ihren sehnsuchtsvollen Blicken, dass mein Brunnen schon längere Zeit unbenutzbar gewesen sein dürfte und alle nach Feuchtigkeit lechzten.
      Die Hexe mit der Bodenaura – rings um die Stelle, wo sie stand, begann sich gerade ein kleiner Erdwall zu bilden - rief: „Mach schon! Wir wollen deinen Bann sehen!“
      Es machte mich nervös, dass ich richtige Zauberinnen unter meinen Zuschauern hatte. Wenn ich mich ungeschickt anstellte, könnten sie mir Ärger machen oder sogar das ganze Geschäft platzen lassen. Und das durfte einfach nicht passieren.
      Angespannt griff ich in meinen Lederbeutel und holte die Glasmurmeln heraus. Dabei murmelte ich beschwörende Worte vor mich hin und bestrich sie mit der Hand. Die erste legte ich mir direkt vor die Füße, dann marschierte ich in einem Kreis um den Brunnen herum und legte unterwegs in ebenmäßigen Abständen überall hier und dort eine Murmel ab. Ein Magischer Kreis. Die meisten Bannzauber basierten auf diesem System.
      Ich hatte zwei Glasmurmeln in der Hand behalten. Der eigentliche Trick bei diesem Theaterspiel bestand nicht darin, dass ich diesen Kreis aus Steinen legte. Der sollte nur für meine Zuschauer magisch aussehen. Die beiden Wasseräffchen konnte man auch ganz ohne Zauberkräfte von der Brunnenoberfläche verscheuchen. Ich verneigte mich vor meinem Publikum und drehte mich zum Wasser hin. Mit gemessenen Schritten ging ich zum Brunnen und nahm dabei in jede Hand einen Stein. Die Geister brauchte ich dabei nicht zu fürchten, sie konnten mich nicht sehen. Sie nahmen nur Nasses war. Deshalb bespritzten sie ja so gern ihre Umgebung.
      Ich legte beide Hände über die Wasseroberfläche und murmelte dabei unverständliche Worte, die nach magischen Formeln klingen sollten. Währenddessen kontrollierte ich sorgfältig die Drehwinde und das Wasser, denn es war wichtig, dass ich keinen Geist übersah. Angenommen, es wären drei und ich würde ihnen nur zwei Murmeln geben, dann würden sie sich für den Rest des Tages um diese Reichtümer prügeln und den Brunnen niemals zum Wasserschöpfen freigeben. Aber es waren bloß zwei und keiner mehr. Ich warf beide Steine ins Wasser und hüpfte schnell vom Brunnen weg. Schon stürzten sich die beiden Schatten von der Winde herunter wie Falken auf Beuteflug und verursachten beim Eintauchen ins Wasser eine kleine Springflut. Aber diese dämmte schnell ein, denn nun verschwanden sie in der Tiefe und ließen eine klare, stille Wasseroberfläche zurück. Aus Erfahrung wusste ich, dass sie sich jetzt längere Zeit unter Wasser mit den Steinen vergnügen würden und ich so lange unbehelligt meine Geschäfte machen konnte.
      „Ich habe die Geister gebannt!“, rief ich laut. „Der Brunnen ist frei. Wer möchte Wasser schöpfen? Bitte schön...“
      Man hätte meinen sollen, sie würden mir jetzt vertrauen. Aber meine Kundschaft wagte sich nicht vorwärts. Sie standen da und starrten mich an, als wäre ich eine kleine bösartige Wespe, die jeden Moment zustechen könnte. Turris lehntean der Wand einer der Baracken und lächelte. War hier irgendwas lustig? Ich winkte ihm zu.
      „Willst du anfangen? Hier ist keine Gefahr mehr!“
      Glücklicherweise gehorchte er sofort, kam die Treppe hoch zu mir und legte mir anstandslos den geforderten Scheller in die Hand, worauf ich ihm den Eimer zum Wasserschöpfen überreichte.
      In diesem Moment spürte ich hinter meinem Rücken einen eisigen Hauch. Ich hätte den Eimer beinahe fallen gelassen. Waren hier noch mehr alberne Schattenwesen oder wer störte mich sonst? Schon oft hatte ich mich gefragt, wieso ich zwar Wesen sehen konnte, die für die normale Welt gar nicht existierten, aber trotzdem keine Magie entfachen konnte. Durfte man mich dafür überhaupt „Hexe“ nennen? Ich fand eindeutig: nein. Leider waren die Hexentester aus Aravenna, die mich aus meiner Heimatstadt herausgeworfen hatten, anderer Meinung gewesen.
      Während Turris mir den Eimer aus der Hand nahm und ins Wasser tauchte, berührte mich etwas Kaltes, das seitlich an mir vorbeihuschen wollte. Da wurde ich wütend.

      Du vermasselst mir nicht das Geschäft!
      Reflexartig boxte ich mit der Hand nach hinten. Meine Hand traf ein federweiches Etwas, das ich voll erwischte und von mir wegschleuderte. Autsch! Wie das brannte! Es fühlte sich an, als hätte ich in einen Haufen feuriger Brennesseln gefasst.
      Ach du Schreck. Was hatte ich denn da erwischt? War das etwa ein ausgewachsener Totengeist? Ich hatte Glück gehabt, dass er mich nur gebrannt hatte. Wenn sie mies drauf waren, konnten sie einen umbringen. Hoffentlich war er jetzt nicht sauer über meinen kleinen Knuffer. Ich wagte nicht mich umzuschauen. Wahrscheinlich hätte ich das Wesen ohnehin so schnell nicht gesehen.
      Turris gab mir den Eimer zurück und verließ den Brunnen.
      Mir begann das Herz wild zu klopfen. Was jetzt? Sollte ich den Brunnen sperren und verschwinden, damit der verflixte Totengeist nicht ausflippte und uns angriff? Er schien an Wasser gebunden zu sein, daher würde er uns im Trockenen nicht folgen können. Aber hier um den Brunnen herum konnte er definitiv allerhand Schaden anrichten.
      Nein, dachte ich verbissen. Ich zieh das jetzt durch. Totengeister sind gefährlich, aber auch beschränkt. Den überliste ich.
      Nachdem Turris seinen Besuch am Brunnen unbeschadet überstanden hatte, wurden die anderen Zuschauer mutig und kamen ebenfalls herbei. Turris‘ Leute mitsamt der Hexen stellten sich in eine Reihe und einige der Barackenbewohner gesellten sich dazu.
      Der eisige Hauch kam diesmal von oben. Ich blickte auf und verfolgte, wie ein sehr durchsichtiges Mädchen in einem hellgrünen Leinenkleid herabschwebte und sich neben mich auf den Brunnenrand setzte.
      Das war jetzt aber wirklich unpassend. Meine Kunden konnten die Lady sicherlich nicht sehen und riskierten, voll in die Brennesseln zu fassen oder gar solch einen Schlag auf die Rübe zu bekommen, dass sie sofort tot umfielen.
      „Augenblick!“, rief ich laut in die Runde und hielt meine Hand warnend hoch. „Der Zauber hat einen Moment ausgesetzt, ich muss ihn gerade wieder aktivieren.“


      Theatralisch fing ich an, exotische Silben vor mich hinzumurmeln. Dabei stand ich auf, umrundete den Geist und setzte mich außerhalb seiner Reichweite an eine andere Stelle. Da die meisten Totengeister ausgesprochen dämlich sind, würde sie jetzt sicherlich eine Weile brauchen, um zu erforschen, wohin ich mich verkrümelt hatte.
      Meine Geschichte: Meermädchen

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

    • Hallo @Kirisha.

      Interessant ist es durchaus, aber ich habe immer noch ein bisschen Probleme damit zu erfassen, was Magie und Geisrer in deiner Welt eigentlich ausmacht. Offenbar kann Murissa Geister sehen, was sonst nur Hexen können. Andererseits sind auch Hexen unter den Umstehenden, aber die scheinen weder die Geister sehen zu können noch kennen sie offenbar den billigen Trick, den Murissa anwendet, um sie zu "vertreiben". Wenn das etwas ist, was die Hexen nur in ihrer Heimat wissen, sollte das vielleicht irgendwo erklärt werden?!

      Und dann frage ich mich natürlich noch, was für Rassen es bei dir so gibt. Zu Beginn der Geschichte ging ich selbstverständlich davon aus, dass wir es mit Menschen zu tun haben, hab mich also nicht weiter gewundert. Dann wurden Geister eingeführt. Alles klar, Menschen in einer Welt, in der es auch Geister gibt. Dann kamen noch Hexen und Zauberinnen dazu (wobei ich nicht sicher bin, ob das das gleiche sein soll) ergo in der Welt gibt es auch Magie. Soweit so gut. Dann aber wurde urplötzlich der/das Elgo eingeführt und wir erfahren, dass Murissa offenbar dieser Rasse angehört und der Kerl, den sie aufreisst ebenso, ausserdem erfahren wir ein paar äusserliche Merkmale dieser Wesen, die ansonsten aber offenbar ähnlich wie Menschen funktionieren (immerhin erfahren wir alles aus Murissas Sicht und die Art wie sie ihre Umgebung wahrnimmt ist uns vertraut). Das ist auch okay und sogar sehr interessant, aber ab diesem Punkt, wo wir nämlich erfahren, dass die Protagonistin einer ganz anderen Rasse angehört, sollte auch auf andere Rassen eingegangen werden. Denn ab diesem Punkt können wir uns nicht mehr sicher sein, wer die ganzen Umstehenden eigentlich sind. Sind das Menschen? Gibt es unter ihnen noch andere Elgos? Wenn Murissa sagt "er war ein Elgo wie ich" - wundert sie sich darüber, weil die hier eigentlich eher selten sind? Oder ist das normal? Wie gemischt ist das Publikum hier und gibt es vielleicht noch völlig andere Rassen, die hier vorkommen und das Schauspiel betrachten? Was sind seine Begleiter? usw.... Da der vorherige Abschnitt da aufgehört hatte, hatte ich ein bisschen gehofft, jetzt mehr darüber zu erfahren, aber es wird irgendwie nicht darauf eingegangen, womit Murissas Andersartigkeit wieder ein wenig im Hintergrund verschwindet und ich sie mir irgendwann wieder als normalen Menschen vorstelle.

      Deine Protagonistin gefällt mir irgendwie - ich hab was übrig für kluge Schwindler mit losem Mundwerk ^^
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
      Für alle, die sich dafür interessieren, wie wir Filme machen: Ein neuer Film entsteht (Blog)
      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • Hey Kirisha,

      ich packe dir mal meine Anmerkungen in den Spoiler :)

      Spoiler anzeigen

      Kirisha schrieb:

      Sollte ich wirklich so dreist sein und ihn nach dem Umhang fragen?
      Beim Lesen hat sich mir eine Frage aufgedrängt. Murissa braucht einen Umhang, um sich als Zauberin zu tarnen, richtig? Jetzt hat sie das große Glück, dass der junge Mann (Entschuldigung, der Elgo), den sie trifft einen weiteren bei sich trägt. Okay, soweit klar.
      Wenn ich das richtig verstanden habe, dann gehört er aber doch zu dem Trupp mit den Hexen. Ich frage mich deshalb, warum er den Schwindel mitmacht und somit seine eigenen Leute reinlegt. Außerdem sieht es vielleicht ein bisschen merkwürdig aus, wenn Murissa nun exakt den gleichen gelben Umhang trägt wie er, oder nicht? :D ...

      Im vorherigen Teil schreibst du:

      Kirisha schrieb:

      „Verfluchte Wassergeister“, schimpfte ein junger Mann, der in meine Nähe gelaufen kam.
      Deshalb stellt sich mir auch die Frage, was für Wesen da jetzt genau anwesend sind. Da du den Elgo (Turris) anfangs als "Mann" beschreibst, wäre es ja möglich, dass die anderen, die mit ihm reisen auch Elgos sind,...denn auch die bezeichnest du als Männer. Man weiß halt nur nicht, ob menschlicher oder andersartiger Herkunft :hmm: Insofern würde ich @Katharina zustimmen, dass hier eine Erklärung notwendig wäre.

      Ansonsten finde ich die Ideen eigentlich ganz witzig und Murissas Plan ist zwar ziemlich abgedreht, aber was tut man nicht alles, wenn man durstig und verzweifelt ist. Immerhin bringt sie einen gewissen Einfallsreichtum mit. Dann wollen wir mal hoffen, dass das weiter gut geht und dieser komische Totengeist sich noch ein wenig in die Irre führen lässt. ^^



      LG,
      Rainbow
    • Danke für eure Anmerkungen, die ich wirklich hilfreich finde!

      @Katharina:

      Spoiler anzeigen


      Katharina schrieb:

      Andererseits sind auch Hexen unter den Umstehenden, aber die scheinen weder die Geister sehen zu können noch kennen sie offenbar den billigen Trick, den Murissa anwendet
      Die Hexen sehen die Geister und sie erkennen Murissas Tricks. Tja, das sollte ich wohl tatsächlich auch im Text deutlich machen, stimmt.


      Katharina schrieb:

      aber ab diesem Punkt, wo wir nämlich erfahren, dass die Protagonistin einer ganz anderen Rasse angehört, sollte auch auf andere Rassen eingegangen werden.
      Das klingt logisch. Im Augenblick spielen die verschiedenen Rassen noch keine Rolle, deshalb bin ich nicht näher darauf eingegangen, aber später wird das schon noch Thema sein. Deswegen denke ich, ich muss das doch hier noch etwas näher erklären. Da setze ich mich noch ran.

      Vielen Dank! :)


      @Rainbow

      Spoiler anzeigen


      Rainbow schrieb:

      Wenn ich das richtig verstanden habe, dann gehört er aber doch zu dem Trupp mit den Hexen. Ich frage mich deshalb, warum er den Schwindel mitmacht und somit seine eigenen Leute reinlegt. Außerdem sieht es vielleicht ein bisschen merkwürdig aus, wenn Murissa nun exakt den gleichen gelben Umhang trägt wie er, oder nicht?

      Dass er die Hexen nicht hereinlegt, oder besser gesagt, dass er andere Absichten hat als zunächst erkennbar, wird später klar, deshalb werde ich das jetzt hier nicht näher erklären.
      Der gelbe Umhang macht mir jetzt aber doch Kopfzerbrechen. Vielleicht ändere ich das noch etwas ab, denn es könnte tatsächlich auch vor dem übrigen Publikum merkwürdig wirken.
      Danke!


      :)
      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Hier geht´s weiter:

      Kapitel 1.3

      Ich winkte meinen Kunden. „Es geht weiter! Der nächste bitte!“
      Die Leute folgten mir an den neuen Platz. Einer von Turris‘ Männern trat vor und tauchte den Eimer unter. Münze um Münze sammelte sich in meinem kleinen Lederbeutel. Alle ließen brav ihre Talerchen springen, meine Äffchen verhielten sich vorbildlich und nur das geisterhafte Mädchen auf der anderen Brunnenseite brachte mich etwas ins Schwitzen. Bis eine der Hexen aus Turris´ Begleitung zu mir kam. Es war die Erdige, die den Lehm unter ihren Füßen tanzen ließ. Sie hatte seidiges Goldhaar, füllige Brüste und kalte Augen. Betont desinteressiert schlenderte sie zu mir, beugte sich erst über den Brunnen, warf mir dann einen überheblichen Blick zu und brummte: „Was für ein billiger Trick.“
      „Finde ich auch, sehr billig“, erwiderte ich schlagfertig. „Die Brunnenhexen in Aravenna nehmen viel mehr, kann ich Euch sagen.“
      Mehr sagte sie nicht, kehrte aber ohne Wasser zu kaufen zu den anderen beiden Hexen zurück und ich sah, während ich versuchte neue Kunden anzulocken, wie sie zu der Windigen zurückging, deren Haare noch immer wehten wie unter einem Dauerföhn. Kichernd tuschelten sie miteinander und ich ahnte, über wen. Na gut, inzwischen war es egal, ich fühlte schon das Gewicht der Hellonen meine Hosentasche herunterziehen und betrachtete das Unternehmen deshalb als gelungen.
      Gerade hatte sich eine Magd aus einer der Baracken einen Wasserkübel abfüllen lassen, da machte sie den Fehler, an den Hexen vorbeizugehen und die Windige ließ aus ihrer Hand eine Windböe herausfegen. Die riss der Magd den Kübel aus der Hand, fegte ihn in die Luft und in einem seltsamen Wirbel gelangte dieser, ohne einen Tropfen zu verschütten, in die Hände der Windkönigin, die ihn galant auffing. Die Magd schrie vor Schreck auf und wollte wütend auf die diebische Magierin losgehen, aber ein weiterer kräftiger Windstoß fegte sie mit Wucht gegen die nächste Baracke. Danach wagte sie nicht mehr sich zu beschweren und rannte davon.
      Ich hatte selbst ganz zittrige Glieder. Uh, diese Windhexe hatte aber ganz schön Schmackes in den Händen. So gewaltige Zauber schafften sonst eigentlich nur Tempelhexen und die sah man ja nicht auf der Straße herumspazieren.
      Wenig später war alles vorüber. Meine Kunden verschwanden mit ihrem Wasser zwischen den Baracken. Andere, die nicht gezahlt hatten und wohl auch nicht zahlen würden, blieben abwartend stehen. Die Männer und Hexen aus Turris‘ Truppe ritten davon.
      Mein Märchenprinz selbst schien es dagegen nicht so eilig zu haben. Vielleicht wohnte er ja doch tief unten in dem Brunnen. Wenn ich mir auch nicht so recht vorstellen konnte, wie er wohl in den engen Schacht ein ganzes Schloss hineinquetschen könnte. Er kam zu mir an den Brunnenrand und ich spürte, wie ich schon wieder zittrig wurde an allen Gliedern. Ich versuchte, mir sein längliches Gesicht mit der buschigen Pferdemähne so fest einzuprägen, dass ich es nie wieder vergessen würde. Ob er sich jetzt verabschieden würde? Klar, er wollte seinen Umhang und seinen Anteil. Danach würde ich ihn nie wieder sehen. Ich nahm die hellgrüne Verkleidung ab und reichte sie ihrem Besitzer zurück.
      „Danke!“, sagte ich und fing an, unsere Beute zu zählen. Gar nicht so leicht, da ich gleichzeitig überlegte, wie ich ihn dazu bringen könnte, noch eine Weile bei mir zu bleiben. „Das war ein gutes Geschäft. Sechzehn Scheller. Nein, es sind sogar siebzehn. Wie viel willst du haben? Wären neun okay für dich?“
      Turris winkte ab.
      „Du kannst dein Kleingeld behalten und den Umhang brauche ich nicht mehr. Hör mal... Das trifft sich gut, dass du hier aufgetaucht bist, wir brauchen nämlich noch eine Zauberin mit genau deinen Fähigkeiten. Willst du nicht mitkommen zu meinen Leuten, damit ich dich ihnen vorstellen kann?“
      Ich nahm den Umhang ganz verwirrt an mich. Wie? Er wollte mich mitnehmen? Toll! Fantastisch! Klar wollte ich mit! Es war nur ... hatte er mich gerade eine Zauberin genannt? Hatte ich ihm nicht vorher schon erklärt, dass diese „Brunnenhexerei“ nur Theater gewesen war? Vielleicht dachte er gerade nicht daran, aber es würde ihm sicher wieder einfallen und dann wüsste er auch, dass die Fähigkeiten, wegen denen er mich mitnehmen wollte, gar nicht existierten.
      Ich zauderte. Sollte ich ihn aufklären?
      Das musste ich wohl. Bestimmt wollten Turris und seine Leute nach Tandra und waren deshalb hierhergeritten. Wie ich jedoch die Tandraner kannte, würden sie ganz bestimmt keine Hexe in ihre Stadt hineinlassen. Die drei Schicksen würden also draußen bleiben und ich – falls ich mich jetzt eine Hexe nannte – ebenfalls.
      „Zauberin?“, wiederholte ich gedehnt. „Eh, ich habe dir doch schon erklärt, dass ich gar keine bin. Ich bin bloß sowas wie eine... hm... Betrügerin. Aber eine ganz kleine Betrügerin, die niemandem schadet.“
      Ein platschendes Geräusch hinter mir veranlasste mich, blitzschnell vom Brunnenrand wegzuspringen. Meine Äffchen waren zurück und verursachten einen kleinen Tsunami, der sich genau auf die Stelle ergoss, wo ich eben gerade noch gestanden hatte. Ich packte Turris bei der Hand und rannte mit ihm vorsichtshalber noch ein paar Schritte weiter weg, raus aus der Gefahrenzone.
      „Komm schon!“, sagte er und grinste wieder genauso schräg wie vorhin. „Versuch nicht, dich rauszureden. Du bist eine Hexe. Ich hab es mir gleich gedacht, als ich dich sah. Und du würdest doch bestimmt am liebsten noch viel mehr verdienen als nur die paar Scheller, wenn du eine Gelegenheit bekämst.“
      „Erstens, ich bin keine Hexe!“, beharrte ich energisch. „Und zweitens, wenn du mich fragst, was ich am liebsten hätte, dann wünsche ich mir die Bürgerrechte der Stadt Tandra. Ich wäre der glücklichste Mensch auf Erden, wenn ich in dieser Stadt wohnen dürfte!“
      „Du bist keine Hexe?“, fragte er belustigt. „Wieso konntest du dann die Brunnengeister sehen?“
      „Die... hab ich gar nicht gesehen“, sagte ich geistesgegenwärtig. „Ich hab bloß ein bisschen Verstand im Kopf. So wie du.“
      „Du hast sie gesehen. Du wusstest, wo sie sind. Du hast nach oben geschaut auf die Winde mit so einem listigen Ausdruck in den Augen. Ich wette, dass sie da gesessen haben.“
      Ganz toll. Ich musste besser aufpassen, wo ich hinschaute und was für Augen ich dabei machte.
      „Verstehst du das nicht“, sagte ich resigniert. „Wenn ich behaupten würde, ich wär eine Hexe, würden sie mir doch nie Bürgerrechte geben. In Aravenna, wo ich früher gewohnt habe, haben sie mich sogar deswegen rauswerfen lassen.“
      „Also dort läuft der Hase“, sagte Turris und nickte mir lächelnd zu. „Allerdings siehst du mir nicht gerade danach aus, als hättest du eine Chance, nach Tandra hereingelassen zu werden, sonst würdest du ja nicht draußen vor dem Stadttor und unter den Baracken herumlungern. Komm mit uns, Murissa! Wir gehen auf eine Expedition, und wenn du uns hilfst, könnten durchaus noch Bürgerrechte für dich dabei rausspringen.“
      „Moment, Moment“, sagte ich hastig. Nicht gerade das, wovon ich so träumte. „Eine Expedition... Wohin? Nicht nach Tandra?“
      Er schüttelte den Kopf.
      „Nein. In die andere Richtung.“ Er zeigte zum Waldrand hin, wo seine Gefährten bereits auf ihn warteten. Das ernüchterte mich kräftig. Ich hatte mich dem Ziel, der schnuckeligen und gemütlichen Stadt Tandra, schon so nahe gesehen und nun wollte dieser Verrückte ausgerechnet in die Wälder ziehen, die mich tatsächlich überhaupt nicht lockten.
      „Was müsste ich dabei tun?“, fragte ich.
      „Nichts weiter als das, was du eben gerade auch getan hast. Wassergeister bannen.“ Er lächelte mich an und entzündete dadurch in mir ein verrücktes Feuer, das sofort hierhin und dorthin flackerte und jedenfalls nicht dazu beitrug, meine aufgescheuchten Gedanken wieder zu sortieren.
      „Genau das habe ich eben gerade nicht getan“, sagte ich kleinlaut. „Die Viecher in diesem Brunnen, das sind keine richtigen Wassergeister. Nur so kleine Schattenäffchen. Sie spritzen zwar viel und können einen auch erschrecken, aber sie sind ungefährlich. Wassergeister... das ist ganz was anderes. Die könnte ich gar nicht bannen.“
      Turris winkte ungeduldig ab.
      „Mann, du bist eine harte Nuss. Okay! Ich hab´s verstanden. Du bist keine Hexe, du kannst keine Wassergeister bannen. Gut. Ich werde auch nie wieder das Gegenteil behaupten. Es wäre aber trotzdem nett, wenn du mitkämest auf unsere Reise. Sind wir im Geschäft?“
      Ich musste einmal hart nach Luft schnappen. Ehrlich gesagt war das Angebot trotz allem verlockend. Auch wenn ich die Aufgaben, die sie für mich hätten, nicht lösen könnte. Aber was machte das schon aus? Ich könnte Turris sehen, und in seiner Nähe sein, viele Tage womöglich, wenn das kein Traum war! Bestimmt würden sie mich auch unterwegs durchfüttern und womöglich würde es sich alleine dafür schon lohnen. Meine Alternative: Hierzubleiben, mich von Moos und Käfern zu ernähren und von goldgelockten Bettlern verhöhnen zu lassen. Die Auswahl fiel da nicht besonders schwer.
      Das Dumme war nur, dass ich ihn enttäuschen würde. Und das schmerzte mich jetzt schon.
      „Wieso holt ihr euch keine richtigen Hexen für solche Aufgaben?“, fragte ich verlegen.
      „Das haben wir doch getan. Für alle denkbaren Probleme, die auftauchen könnten, haben wir Hexen mit Spezialkenntnissen verpflichtet. Du wärest für Gefahren am Wasser zuständig. Unsere Wasserhexe sozusagen.“ Der Prinz schüttelte seine Mähne und senkte seine Stimme, als hätte er mir etwas äußerst Geheimes anzuvertrauen. „Enttäusch mich nicht, Murissa! Sag ja!“
      Oh Mann. Turris war so angelegen daran, dass ich mitkommen sollte, das gefiel mir unheimlich gut. Je länger ich in seine funkelnden wasserblauen Augen blickte, desto verrückter wurde meine Lust, ihm zu folgen und mich nicht darum zu scheren, dass ich irgendwann auf unserem Weg kläglich versagen würde. Und falls er mich dann herauswarf, wenn ich Pech hatte irgendwo mitten in der Wildnis, würde ich diese ganze Reise vermutlich bitterlich bereuen.
      Egal. Das war’s Wert.


      „Ja!“, rief ich energisch und reichte ihm die Hand.
      Meine Geschichte: Meermädchen

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

    • Hey Kirisha,

      ich packe meine Anmerkungen mal in den Spoiler :)

      Spoiler anzeigen


      Murissa bleibt als Charakter unterhaltsam ^^ Ich folge ihr gerne und bin schon jetzt gespannt, in was für einen Kuddelmuddel sie sich begeben wird. Allerdings habe ich auch noch ein paar Fragezeichen über dem Kopf schweben. Vielleicht kannst du mir helfen, sie auszuräumen.

      Kirisha schrieb:

      Ich nahm den Umhang schnell an mich und wollte schon abhauen, damit er sich das nicht anders überlegte, aber seine Worte elektrisierten mich.
      ich weiß, du meinst damit die Sache mit dem Geld und dem Umhang...das klingt aber ein bisschen danach, als würde es sich auf sein Angebot beziehen, sie mitnehmen zu wollen, weil er das gerade vorher noch gesagt hat. Also, für mich ist der Bezug an der Stelle nicht mehr so ganz da. :hmm: Im Prinzip könntest du den markierten Teil auch weg lassen...

      Kirisha schrieb:

      Selbst ein ganz kurzer Ritt an seiner Seite könnte sich womöglich (wer weiß) zu einem Höhepunkt meines Lebens entwickeln
      Ich weiß, das ist sicher Geschmacksache, aber mich reißen solche Einschübe in Klammern immer irgendwie aus meinem Lesefluss.

      Kirisha schrieb:

      Allerdings konnte ich wohl davon ausgehen, dass er und seine Leute nach Tandra wollten und deshalb hierhergeritten waren. Wie ich jedoch die Tandraner kannte, würden sie ganz bestimmt keine Hexe in ihre Stadt hineinlassen. In den meisten Städten fürchteten sich die Leute vor Zauberinnen. Die drei Schicksen würden also draußen bleiben und ich – falls ich mich jetzt eine Hexe nannte – ebenfalls.
      Ich frage mich gerade, ob das einen Sinn ergibt. Wenn die doch auf einer Expedition sind und die drei Hexen dafür brauchen, warum sollten sie dann in Kauf nehmen, sie vor den Stadttoren zurücklassen zu müssen? Oder wollen die da nur kurz haltmachen und die Hexen warten solange draußen? Oder ist das lediglich eine Annahme von Murissa, dass Hexen draußen bleiben müssen? Gibt es für die Experdition vielleicht eine Art Sondergenehmigung?

      Kirisha schrieb:

      „Du kannst dein Kleingeld behalten und den Umhang brauche ich nicht mehr. Hör mal... Das trifft sich gut, dass du hier aufgetaucht bist, wir brauchen nämlich noch eine Zauberin mit genau deinen Fähigkeiten. Willst du nicht mitkommen zu meinen Leuten, damit ich dich ihnen vorstellen kann?“
      Hier nennt Turris sie eine Zauberin

      Kirisha schrieb:

      „Komm schon!“, sagte er und grinste wieder genauso schräg wie vorhin. „Versuch nicht, dich rauszureden. Du bist eine Hexe. Ich hab es mir gleich gedacht, als ich dich sah. Und du würdest doch bestimmt am liebsten noch viel mehr verdienen als nur die paar Scheller, wenn du eine Gelegenheit bekämst.
      Hier ist sie eine Hexe

      Ich weiß nicht, ob das inzwischen geklärt wurde, aber für mich persönlich besteht ein Unterschied zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten, oder nicht? :hmm:

      Kirisha schrieb:

      „Du bist keine Hexe?“, fragte er belustigt. „Wieso konntest du dann die Brunnengeister sehen?“
      „Die... hab ich gar nicht gesehen“, sagte ich geistesgegenwärtig. „Ich hab bloß ein bisschen Verstand im Kopf. So wie du.“

      Ich frage mich, ob hier an der Stelle nicht vielleicht eine Erklärung sinnvoll wäre...irgendein Gedankengang von Murissa dazu, wieso sie diese Wasseräffchen hat sehen können, wenn sie doch keine Hexe/Zauberin ist. (oder klärt sich das in Kürze?) Sie lügt Turris ja an und erzählt ihm, sie habe sie nicht gesehen, was aber ja nicht stimmt. Das irritiert mich hier as Leser, weil ich mich jetzt natürlich auch frage, was sich dahinter verbirgt.


      Kirisha schrieb:

      Listig? War das ein Kompliment?
      Wohl kaum :rofl:

      Kirisha schrieb:

      „Verstehst du das nicht“, sagte ich resigniert. „Wenn ich behaupten würde, ich wär eine Hexe, würden sie mir doch nie Bürgerrechte geben. In Aravenna, wo ich früher gewohnt habe, haben sie mich sogar rauswerfen lassen. Bloß wegen so einer blöden Geistergeschichte und die stimmte noch nicht mal.“
      Hier komme ich schon wieder ins Grübeln...sie hat gerade eine riesengroße Show vor dem Stadttor gemacht und sich quasi öffentlich als Zauberin/Hexe geoutet. Entgeht das den Stadtwachen? Bekommt das niemand mit? Und jetzt kommt sie mit dem Argument, dass man sie nicht in die Stadt lassen würde, wenn sie behaupten würde, eine Hexe zu sein. Widerspricht sich das nicht irgendwie? :hmm:
      Außerdem: Warum sagt sie das zu Turris? Ist sie jetzt gerade dabei, ihm zu verklickern, dass sie doch eine Hexe ist? Als Leser weiß ich gerade gar nicht mehr, was abgeht. Ist sie nun eine Hexe oder nicht? Ich denke, es wäre gut, da schnell Klarheit zu verschaffen.


      Kirisha schrieb:

      „Mann, du bist eine harte Nuss. Okay! Ich hab´s verstanden. Du bist keine Hexe, du kannst keine Wassergeister bannen. Gut. Ich werde auch nie wieder das Gegenteil behaupten. Es wäre aber trotzdem nett, wenn du mitkämest auf unsere Reise. Sind wir im Geschäft?“
      Man fragt sich hier, warum er sie unbedingt dabei haben will. Findet er sie ganz einfach süß? Oder reicht ihre Fähigkeit, Wasseräffchen zu sehen, bereits aus? Außerdem hat er sich noch gar nicht vorgestellt. Wer ist er, dass er darüber bestimmen darf, wer mitkommt? Also, an Murissas Stelle würde mich das schon interessieren. Oder ist sie so hin und weg, dass sich ihr Verstand verabschiedet hat?

      Kirisha schrieb:

      „Ja!“, rief ich euphorisch und reichte ihm die Hand.
      Hier war mir das "euphorisch" dann doch ein bisschen zu viel, wenn man ihre vorherigen Bedenken berücksichtigt. Ich denke, sie würde eher, etwas zaghafter reagieren.

      Ich bin gespannt, was die drei Hexen sagen, wenn sie herausfinden, dass sie Murissa mitnehmen werden. Vor allem, weil denen ja nicht entgangen ist, dass sie eine Schwindlerin ist....ich freue mich schon auf den nächsten Teil :)



      LG,
      Rainbow
    • Noch mal kurz zu einem vorigen Kommentar von dir (weil in dem Abschnitt jetzt schon wieder der Elgo auftaucht, ohne dass man weiss, was das ist):

      Kirisha schrieb:

      Das klingt logisch. Im Augenblick spielen die verschiedenen Rassen noch keine Rolle, deshalb bin ich nicht näher darauf eingegangen, aber später wird das schon noch Thema sein. Deswegen denke ich, ich muss das doch hier noch etwas näher erklären. Da setze ich mich noch ran.
      Ich meinte nicht unbedingt, dass du gleich erklären sollst, was ein Elgo eigentlich ist und welche Rassen es alles in deiner Welt gibt. Das Problem ist folgendes: Solange du das nicht extra erwähnst, gehe ich davon aus, dass wir es mit Menschen zu tun haben. In dem Moment, wo du völlig selbstverständlich davon schreibst, dass sowohl Turris als auch Murissa (die der Leser bisher als Menschen betrachtet hat) Elgos sind schiessen dem Leser auf einmal tausend Fragen durch den Kopf (siehe meine Liste oben). Du musst diese Fragen keinesfalls sofort beantworten - der Leser hat Geduld und entdeckt meistens sogar lieber nach und nach eine neue Welt, als dass er gleich zu Beginn einer Geschichte mit Weltenbau erschlagen wird. Aber wenn du ihn jetzt zappeln lässt und etwas so Wesentliches wie die Rasse deiner Protagonistin erst irgendwann beleuchtest, dann wird der Leser schnell unruhig, weil er die Figur einfach nie zu fassen kriegt. Du musst ja auch nicht die gesamte Info auf einen Schlag servieren, aber ab und an kleine Hinweise auf die Elgos und die anderen Wesen, die uns hier umgeben, solltest du schon bringen, finde ich. Es lässt sich ohne Probleme ein Einschub wie folgender in deine bisherige Geschichte einbinden: "die Umstehenden traten näher, einige von ihnen waren Elgos, ansonsten waren hauptsächlich Menschen auf dem Platz unterwegs gewesen. Hin und wieder hatte ich auch eine paar flinke (wasauchimmer) vorbeihuschen sehen" - ohne, dass du viel erklären musst, was das alles ist, bekommen wir einen Eindruck davon wie vielfältig deine Welt bzw. dieser Schauplatz ist. Dann kannst du während deiner Geschichte immer wieder mal darauf anspielen, dass die beiden eben einer anderen Rasse angehören, z.B. "ich grübelte nach und kratze mir dabei durch das dichte Haar auf meinem Rücken" (keine Ahnung, wie die Elgos jetzt wirklich aussehen :D ) oder "ganz nach Art der Elgos hatte ich ...." Sowas lässt uns Stück für Stück mehr über diese Rasse erfahren, ohne dass du deine Geschichte für eine Erklärung unterbrechen müsstest. Deine Erzählperspektive macht es im übrigen auch schwer, eine solche Erklärung zu liefern, da Murissa als Elgo vermutlich nirgends erklären wird, was das ist (da bräuchte man in der Geschichte irgendwo jemand anderen, der halt was sagt wie "ihr Elgo seid doch alle gleich: [Erklärung, was er meint]". Andererseits könnten wir Murissas Blickwinkel auf andere Wesen, z.B. Menschen, falls es die gibt, erfahren: "Unter den Anwesenden waren auch Menschen. Menschen hatte ich noch nie leiden können, weil... (ich sie aus irgendeinem Grund besonders dämlich, hässlich, gewalttätig...finde)". Verstehst du, was ich meine? Der Leser will ja nicht nur der Geschichte folgen, sondern auch in deine Welt eintauchen können - das geht am flüssigsten, wenn man es gleichzeitig abhandelt :)
      Spoiler anzeigen

      Kirisha schrieb:

      Einer nach dem anderen schöpfte Wasser und bezahlte. Münze um Münze sammelte sich in meinem kleinen Lederbeutel. Alle ließen brav ihre Talerchen springen
      Hier sagst du irgendwie drei Mal hintereinander mit anderen Worten, dass die Leute bezahlten. Mir scheint, du hast manchmal Schwierigkeiten, Murissas laxe Sprechweise in der Geschichte durchklingen zu lassen, jedenfalls sind mir da vorher schon ab und an mal ein paar holprige Stellen begegnet. Insgesamt wird es allerdings besser, will sagen, du findest allmählich den Stil, in dem du schreiben willst. Wenn du Murissas Art zu Sprechen und zu Denken hier benutzen willst, reicht es vermutlich, wenn du sagst: "Einer nach dem anderen schöpfte Wasser und alle liessen brav ihre Talerchen springen(, die Münze um Münze in meinem Lederbeutel verschwanden)."
      Lästerecke

      Rainbow schrieb:

      Man fragt sich hier, warum er sie unbedingt dabei haben will. Findet er sie ganz einfach süß? Oder reicht ihre Fähigkeit, Wasseräffchen zu sehen, bereits aus? Außerdem hat er sich noch gar nicht vorgestellt. Wer ist er, dass er darüber bestimmen darf, wer mitkommt? Also, an Murissas Stelle würde mich das schon interessieren. Oder ist sie so hin und weg, dass sich ihr Verstand verabschiedet hat?
      Das hab ich mich auch gefragt. Also auf Murissas Seite können wir wohl davon ausgehen, dass sie nicht mehr klar denkt, da sie sich ja total in ihn verguckt hat. Trotzdem sollte sie sich, denke ich, an irgendeiner Stelle zumindest gefragt haben, wer der Kerl ist, dass er sie mal so eben anheuern darf (entweder fragt sie sich das nur, aber ich glaube, es würde besser zu ihrer Art passen, wenn sie direkt fragt).
      Was allerdings ihn angeht, so hab ich ein total ungutes Gefühl: der will sie doch total ausnutzen, oder? Das würde zumindest zu der ganzen Art passen, wie er das einfädelt und dazu, dass er nicht locker lässt. Wenn er sie einfach nur süss findet, würde er das wahrscheinlich sagen, der scheint auch eher ein direkter Typ zu sein.

      Rainbow schrieb:

      Hier war mir das "euphorisch" dann doch ein bisschen zu viel, wenn man ihre vorherigen Bedenken berücksichtigt. Ich denke, sie würde eher, etwas zaghafter reagieren.
      Ach, ich finde, das passt zu ihr. Die Bedenken hat sie ja gerade mal eben vom Tisch gewischt. Und vorgewarnt hat sie ihn ja auch ;)
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
      Für alle, die sich dafür interessieren, wie wir Filme machen: Ein neuer Film entsteht (Blog)
      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • Ja, das mit den Rassen nochmal aus meiner Sicht:

      Beim Lesen mache ich mir ja immer Bilder, erst vielleicht einfach, im Lauf der Seiten immer deutlicher, und so sollte der Fluss auch sein - jede Seite mehr fuellt Details ein.

      Was ich (und vermutlich andere Leser auch) gar nicht mag, ist eine Totelrevision der Bilder. Wenn ich mir 50 Seiten lang jemanden vorgestellt habe und mir sein Gesicht schon in verschiedenen Szenen ausgemalt habe, und dann erfahre ich auf einmal dass wir nicht von einem Menschen sondern z.B. von einer Echse reden - dann kann ich alle Bilder die ich mir vorher gemacht habe verwerfen - und das wirft mich dann wirklich aus der Geschichte (und ist im schlimmsten Fall ein Grund die Sache sein zu lassen).

      Um das zu vermeiden - Dinge die man eh schon annimmt musst Du nicht erklaeren - wenn Du 'junge Frau' schreibst, dann sehe ich eine junge Menschenfrau vor mir, sie hat zwei Arme und zwei Beine, Haare, keine Narben im Gesicht. Wenn Deine Protagonisten z.B. im Kampf schon eine Hand verloren hat, kahlrasiert ist und eine Narbe auf der Wange hat mag ich das am liebsten schon in den ersten Saetzen erfahren bevor ich mir was ganz anderes vorstelle.

      Und wenn sie eben einer anderen Rasse angehoert und keine Haare wie ein Mensch hat, oder irgendwie anders ist - dann mag ich das auch wissen bevor ich mir viele Bilder zu der Geschichte mache.

      (Genauso sinngemaess mit Orten - aufgrund des Brunnen/Wasserproblems hab' ich jetzt eine eher trockene Gegend im Kopf in der wir uns bewegen - falls das nicht so ist, wuerde ich es auch gerne frueh wissen...)


      ***

      Vom Plot her hast Du Dir jetzt mal ziemlich eine Hypothek aufgebuerdet - was will Turris? Gibt es einen plausiblen Grund der sein doch recht eigenartiges Verhalten erklaeren kann?

      Da bleibe ich mal gespannt wie das aufgeloest wird.
    • Erst mal vielen lieben Dank euch allen für die ausführlichen Rückmeldungen!
      Da habt ihr mir doch ein paar Nüsse zu knacken gegeben. :)

      @Rainbow

      Spoiler anzeigen

      Die Klammern werde ich streichen und den Einschub auch. Du hast recht, ich mag auch keine Klammern in Texten.

      Warum die Stadttore für die Hexen kein Problem sind, wird sich gleich in der Fortsetzung klären, deswegen lasse ich es jetzt mal im Raum stehen.

      Zu dem Thema Hexen/Zauberinnen: Ich benutze diese Begriffe in der Geschichte synonym, um mich nicht dauernd zu wiederholen. Findest du das problematisch?

      Warum will Turris Murissa dabei haben? Das klärt sich auch in der Fortsetzung.

      Ist Murissa eine Hexe oder nicht? Ich werde in dem Text noch ein paar Formulierungen ändern, damit es deutlicher wird. Sie kann Geister sehen, aber das ist auch schon alles, sonst hat sie keinerlei praktischen magischen Fähigkeiten, darum sieht sie sich selbst nicht als Hexe. Denn die echten Hexen (denen wir gleich noch begegnen werden) haben vor allem praktische und auch nützliche Fähigkeiten.


      @Katharina

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      Deine Einwände bezüglich der Rassen leuchten mir ein und ich werde schon in den Anfangsteil ein paar kleine Hinweise einbauen, die ein besseres Bild geben sollen.
      Dass Murissa eine Elgo ist, muss ich aber nicht schon gleich auf Seite 1 erwähnen, oder? Ich finde es immer so künstlich, wenn die Protagonisten von gefühlt allen Geschichten grundsätzlich in der Anfangspassage in irgendeinen Spiegel glotzen, nur damit sie dem Leser unauffällig beschreiben können, wie sie aussehen. Sicher könnte Murissa dasselbe mit dem Brunnen machen und sich darin als verschwommenes Bild sehen - aber das will ich doch gerne vermeiden.
      Ansonsten gebe ich dir recht, ich muss meine Rassen noch besser ausmalen, damit man sie sich besser vorstellen kann.

      Und warum Turris Murissa dabei haben will, wird im nächsten Abschnitt deutlich werden.



      @Thorsten

      Spoiler anzeigen
      Da du mit der Darstellung meiner Rassen auch nicht zufrieden bist, werde ich das Ganze nochmal überarbeiten und mehr Details bringen. Vielleicht kann ich auch gleich am Anfang ein Detail einfügen, das erkennen lässt, dass Murissa kein gewöhnlicher Mensch ist.
      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Kirisha schrieb:

      Dass Murissa eine Elgo ist, muss ich aber nicht schon gleich auf Seite 1 erwähnen, oder? Ich finde es immer so künstlich, wenn die Protagonisten von gefühlt allen Geschichten grundsätzlich in der Anfangspassage in irgendeinen Spiegel glotzen, nur damit sie dem Leser unauffällig beschreiben können, wie sie aussehen.
      Nein, das muss meines Erachtens nicht unbedingt sein. Du könntest aber von Anfang an einige der Eigenheiten der Elgos mit einbauen, so dass man mitbekommt, dass man es nicht mit Menschen zu tun hat. Sowas wie z.B. "ich faste mich an meine grüne Schnauze" in einem der ersten Abschnitte würde dem Leser sofort sagen, das der Protagonist kein Mensch ist, ohne, dass du gleich einen Exkurs machen musst, was er eigentlich ist - man würde vermutlich zunächst auf einen Drachen tippen und dann sich dann Stück für Stück das Bild des Protagonisten zusammensetzen können, wenn immer wieder derartige Beschreibungen am Rande kommen. Wenn das gut gemacht ist, sehe ich nicht, warum man es nicht ein wenig herauszögern könnte, auf ihre Rasse zu sprechen zu kommen.
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
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      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • Penthesileas Logbuch, 3. Tag des Feldzuges


      Der Krieger steht auf einer Anhöhe.
      Wahrscheinlich glaubt er, seine Größe, sein drahtiger Körperbau oder seine stählerne Rüstung könnten ihm Vorteile verschaffen, denn er überragt mich um mehr als einen Kopf und seine Arme sind so kräftig, dass er mich wahrscheinlich leicht mit nur einer Hand in den Sand werfen könnte. Wenn ich es ihm denn erlauben würde.
      Diese Augenblicke, in denen sie sich in ihrem eingebildeten Triumph sonnen, liebe ich am meisten. Tja, mein Freund, ich sehe zwar aus wie eine Fee, die kaum das Gewicht einer Teetasse tragen kann – aber dieser Anblick hat schon einige vor dir getäuscht. Ich kann Typen wie dich nicht ausstehen und werde dir gleich das Handwerk legen. Du wirst keine Frauen mehr demütigen und keine Gemeinschaft mehr drangsalieren.
      Leichtfüßig klettere ich die letzten Schritte auf den Felsen hinauf, stelle mich ihm gegenüber und ziehe mein Schwert, das ich magisch aktiviere, bis es anfängt zu flimmern. Er hält ebenfalls ein Schwert in der Hand. Aber statt zu kämpfen, fängt er an zu reden. Ich höre ihm nicht zu. Es interessiert mich nicht, was er zu sagen hat, ich habe hier eine Mission zu vollenden. Ich könnte ihm erzählen, dass ich noch nie einen Kampf verloren habe, aber warum sollte ich mir die Mühe machen? Er wird es ohnehin gleich am eigenen Leib spüren.
      Da ich eine zivilisierte Person bin, warte ich ab, bis ihn das Palaver ermüdet und er eine Pause macht.
      „Bereit zum Kampf?“, frage ich höflich. Der Dummkopf antwortet nicht, sondern versucht meine Blicke einzufangen. Ein billiger Trick. Viele dieser Krieger glauben, nur weil ich eine Frau bin, werde ich vor ihrem Blick schmelzen! Irrtum. Werde ich nicht.
      „Ich fragte, ob Ihr bereit seid!“, wiederhole ich.
      Jetzt nickt er unzufrieden.
      Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit einem kleinen spielerischen Schwertgefuchtele zu beginnen und mir seine Paraden anzuschauen. Aber sein Benehmen ärgert mich und jetzt habe ich dazu keine Lust mehr. Wir können das auch sofort beenden. Ohne Schwert, das ich in seine Halterung zurückgleiten lasse. Ich rufe lautlos meine Göttin an und bitte sie um magische Energie. Sofort überschwemmt eine ungeheure Wärme meine Arme und Hände. Sie fließt in meine Finger hinein und ich kann sie sofort in Form von Flammen wieder heraussprühen lassen. Daraus erzeuge ich einen Feuerball von der Größe eines Wagenrades. Den lasse ich ein wenig um meinen Kopf kreisen. Mein Gegner wird totenblass und weicht drei Schritte zurück. Schon lasse ich das Feuerrad auf ihn zurasen. Es erwischt ihn, schleudert ihn durch die Luft und mit solcher Gewalt gegen einen Felsen, dass ich seine Knochen krachen höre, was aber sofort von dem ohrenbetäubenden Geschrei der Menschenmenge unter uns übertönt wird. Das Gekreische und Getobe zerschlägt mir fast das Trommelfell. Am lautesten schreien meine Kriegerinnen, die ich den Namen unserer Göttin skandieren höre. Ich reiße meine Hand mit dem Schwert hoch und will ebenfalls meinen Triumph verkündigen, doch etwas hemmt mich. Ich weiß nicht, was es ist.
      Meine Schritte bewegen sich zu dem Erzeuger, den ich gerade besiegt habe. Auf seinen pechschwarzen Haaren, die dieselbe Farbe haben wie meine, trägt er meine Krone.
      Bei der großmächtigen Kamamé!
      Das ist nicht er.
      Ich selbst liege vor dem Felsen.
      Mit blutigem, zerschmettertem Körper.

      „Nein!“
      Mit einem wilden Schrei fahre ich hoch. Verwirrt stelle ich fest, dass ich in meiner Kajüte liege und das Schiff unter mir angenehm schaukelt.
      Puh. Das war nur ein Traum. Wieso träume ich schon wieder von diesem Kerl? Es ist immer der gleiche. Zwar erinnere ich mich nicht an sein Gesicht, aber ich fühle es. Ich weiß es.
      Habe ich ihn immer noch nicht ausradiert? Wenn ich diesen verabscheuungswürdigen Erzeuger doch nicht nur aus meinem Leben, sondern auch aus meinen Träumen verbannen könnte! Aber das gelingt mir noch. Verdammt, das ist noch nicht das Schlimmste. Ich habe in diesem verfluchten Traum anscheinend einen Kampf gegen ihn verloren. Auch wenn ich nicht begreife wie. Allerdings denke ich, es waren die Blicke. Ich habe den Kerl doch angeschaut, obwohl ich mir geschworen hatte, es nicht zu tun. Und er hat mich mit seinen Blicken behext... Verwünscht! Und das passiert mir? Bin ich denn noch immer nicht erwachsen geworden?
      Hey, jetzt beruhige dich. Das war ein blöder Traum. Niemals werde ich vor irgendeinem Kerl am Boden liegen. Ich verliere keinen Kampf! Und ich werde auch nicht den verlieren, der mir bei unserem diesjährigen Feldzug bevorsteht.

      Allerdings bin ich jetzt so aufgewühlt, dass ich nicht mehr schlafen kann.
      Ruckartig wühle ich mich aus meinem Lager und stehe auf. Mein Blick fällt auf das aufgeschlagene Logbuch auf der kleinen Kommode, über dem eine magisch leuchtende Feder gerade sehr übereifrig herumkratzt. Das darf doch nicht wahr sein. Schreibt die jetzt sogar meine Träume auf? Dieser neumodische Dokumentationswahnsinn geht mir wirklich auf die Nerven. Ich werde den Blödsinn bei unserer nächsten Ratssitzung anprangern und dafür sorgen, dass die Kritzelei auf die wichtigsten Elemente beschränkt wird. Wer soll den ganzen Quark denn lesen? Glauben die Spiritistinnen wirklich, nachfolgende Generationen hätten einen Nutzen davon, alle meine unausgegorenen nächtlichen Albträume in epischer Länge durchzukauen? Oder nachfolgende Heerführerinnen könnten sich besser auf ihre Kriegszüge vorbereiten, wenn wir unser gesamtes Seelenleben vor ihnen ausbreiten? Was für eine Zeitverschwendung. In ein vernünftiges Logbuch gehören die Wegführung, die taktischen Diskussionen, die Schlachtaufstellung und die Schlacht selbst – und fertig. Kein Firlefanz, keine Gefühlsduselei!

      Ich kletterte die schmale Treppe hinauf, zwänge mich durch die kleine Tür und stehe draußen an der Reling. Die Nacht ist voller Sterne und eine frische Brise fährt mir durchs Haar. Gleich fühle ich mich wieder normal. Dass ich mich von Träumen erschrecken lasse wie eine Novizin!
      Eine magische Winde hebt mich hoch bis auf die Kapitänsbrücke. Dort steht Brynea am Steuerrad, eine unserer Nachtalbinnen. Ihre zu Schlitzen verengten gelben Augen flackern wie Feuer. Die Kriegerinnen aus diesem Jahrgang sind im Kampf nicht besonders tüchtig und die meisten von ihnen haben auch kaum Zauberkräfte, aber ihre ausgezeichnete Nachtsicht kommt uns in der Dunkelheit zugute. Ich setze sie deshalb gerne als Wächterinnen ein oder verlege bewaffnete Auseinandersetzungen in die Nacht.
      „Königin Penthesilea!“ Sie lacht mir erfreut zu. „Was verschafft mir die Ehre?“
      „Der hohe Seegang weckte mich.“
      Ich muss an meinen ersten Feldzug denken. Als ich zur Königin von Amazonia gekrönt wurde, hatten wir gerade aufgrund einer fatalen Serie von Niederlagen unser gesamtes Heer sowie sämtliche fähigen Führerinnen verloren. Ich war deshalb gezwungen, mit einer Truppe von 100 vierzehnjährigen Novizinnen aus dem Jahrgang der Nachtalbinnen auf Kriegszug zu gehen, die gerade die Kriegerinnenschule absolviert oder auch nicht absolviert hatten. Aus Mangel an Rekrutinnen nahm ich damals auch alle jene total Unfähigen mit, die bei den Prüfungen durchgefallen waren. Davon gab es viele, weil die Nachtalbinnen wirklich kaum zum Kämpfen taugen. Außerdem zwangsrekrutierte ich ein gutes Dutzend ältere Amazonen, die sich bei den vorhergehenden Kriegszügen erfolgreich gedrückt hatten. Außer zwei vierzigjährigen alten Hexen, die mir die ganze Zeit nur die Ohren vollkeiften, hatte keine von uns eine Ahnung, wie wir diese Mission durchführen sollen. Da ich selber damals gerade erst achtzehn war, kamen wir uns vor wie Kinder, die in die Wildnis geworfen wurden. Ich missachtete damals den Plan, den der Rat der Weisen für uns gemacht hatte. Anstatt hunderte von Wegmeilen zu reiten, überfiel ich einfach mit meinen Kameradinnen das erste beste Volk, das uns begegnete. Ich war auch nicht so verrückt, mich mit meinen kleinen Angsthäschen tatsächlich – wie es unser Gesetz verlangt - einem ganzen Heer zu stellen. Nein, wir überfielen einen Trupp von zehn Mann in der Nacht, die zu faul gewesen waren, Wachen aufzustellen. Die nahmen wir gefangen und spürten nach weiteren geeigneten Opfern. Auf diese Weise fingen wir uns 150 Kerle ein, die wir dann im Triumph nach Amazonia schleppten. Ich war schlau genug, alle unsere Logbücher zu verbrennen und beauftragte meine Leute damit, neue mit passenden Inhalten zu fabulieren. Brynea bekam den Auftrag, meins zu verfassen. Sie erschuf ein Heldendrama, in welchem sie mich dermaßen idealisierte, dass ich später Probleme hatte, vor diesem Ideal nicht wie eine dumme Nuss dazustehen. Genau jene Brynea, die jetzt gerade vor mir am Steuerrad steht. Ob sie sich noch an unseren kläglichen Anfang erinnert? Ich hoffe, die späteren Feldzüge, die Jahr für Jahr immer erfolgreicher wurden, je mehr mein Heer sich vergrößerte und meine Kriegerinnen ihre Fähigkeiten ausbauten, konnten die Erinnerung auslöschen. Dass mich mal eine beim Hohen Rat anschwärzt, glaube ich nicht. Alle meine Kriegerinnen wurden nach unserer Rückkehr mit Ehren geradezu überhäuft und haben inzwischen höchste amazonische Ränge inne. Mit meinem Ruhm wuchs auch ihrer.
      „Alles unter Kontrolle?“, frage ich Brynea.
      „Natürlich. Der Wind steht günstig. Wenn er so bleibt, erreichen wir in etwa drei Tagen die Küste und dann geht es endlich los. Ich bin schon so gespannt!“
      Ja, das bin ich auch. Extrem und bis zum Zerspringen angespannt sogar.
      Aber ich sage nichts, sondern nicke ihr nur zu, freundlich und so ruhig es mir möglich ist. Es ist besser, wenn ich mich als Heerführerin etwas bedeckt halte, damit die Truppe nicht den Respekt vor mir verliert.
      Oder eher, damit ich ihn nicht selbst verliere.
      He, was sind das für Gedanken? Was soll denn schiefgehen? Dies ist mein zehnter Feldzug. Neun Beutezüge habe ich bereits erfolgreich durchgezogen und daheim liegt mir unser Volk zu Füßen. Man sollte meinen, ich hätte inzwischen genug Routine, um in den Nächten nicht mehr nervös zu werden.
      Ich blicke zum Himmel auf. Unsere Göttin zeigt sich nicht, aber ich sehe ihre gütigen Blicke aus tausenden Sternen auf mich herabblicken und mir freundlich zublinken.


      Das nehme ich als ein gutes Zeichen.

      Meine Geschichte: Meermädchen

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