Meermädchen

  • Falls du in dieser Geschichte mitlesen willst - worüber ich mich sehr freuen würde! - kannst du den gesamten Anfang, den ich auf den ersten Seiten gepostet habe, direkt überspringen.


    Ich habe gerade (28. Mai 2019) das Gesamtkonzept geändert und fange deshalb nochmal ganz neu an.
    Der neue Anfang ist hier (bitte in der Zeile darunter anklicken):


    Zum neuen Kapitel 1






    Ich habe mal versucht, einen Klappentext zu verfassen und ein Cover habe ich auch gebastelt (das ich leider nicht schaffe hochzuladen).
    Hier ist der Klappentext:



    Die Legende von Amazonia

    Band 1: Meermädchen

    Die Strassendiebin Murissa gibt sich als Meermädchen aus, um das Herz des Abenteurers Turris zu gewinnen. Fortan schwitzt sie unter dem Druck, diese Behauptung beweisen zu müssen und verstrickt sich in ein Netz aus den märchenhaftesten Ausflüchten. Erst als sie bereits in Kämpfe gegen gegen Hexen und Dämonen verwickelt wird, begreift sie, dass Turris womöglich auf der falschen Seite steht.
    Gleichzeitig bricht Penthesilea, die Männer hassende Königin der Amazonen, zu ihrem alljährlichen rituellen Kriegszug auf, bei dem sie erstmalig Wasserwesen besiegen soll. Auf dem Marsch durch exotische Welten mit Problemen im Heer, einem Überfall von Flussbewohnern und einem lebensgefährlichen Seelenzauber konfrontiert, gerät ausgerechnet Murissa in ihre Schusslinie... und sie trifft eine folgenschwere Entscheidung.



    Die Legende von Amazonia
    Band 1: Meermädchen
    Band 2: Kriegerkönigin
    Band 3: Zellenzauber
    Band 4: Traumtanz
    Band 5: Seelensprung
    Band 6: Dämonendesaster


    Wie klingt das? Ist es noch zu konfus? Zu viel/zu wenig Information? Hört es sich spannend an oder eher nicht? Fehlt etwas?
    Wird es deutlich, dass es in dieser Geschichte zwei Protagonistinnen gibt, die schüchterne und unbegabte Murissa und die mächtige Königin Penthesilea?
    Ich freue mich über jede Rückmeldung! Danke fürs Lesen. :)

    Meine Geschichte: Meermädchen

    13 Mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hey Kirisha,


    freut mich, dass wir mal wieder was von dir zu lesen bekommen. Also, ich bin auf jeden Fall dabei :)


    Meine Anmerkungen packe ich dir in den Spoiler:



    Also, von mir aus kann`s losgehen... her mit dem ersten Kapitel :D Ansonsten kann ich noch nicht so wahnsinnig viel sagen.


    LG,
    Rainbow

  • Fuer einen Klappentext ein bisschen zu viele Adjektive - ich denke Du willst hier eher den Plot skizzieren als die Stimmung einer Szene setzen.


    Ein paar Dinge find ich auch verwirrend formuliert

    In ihrem Eifer, seinen begehrten magischen Ring zu finden

    'den von ihm begehrten' ? Sucht die Expedition den Ring, oder nur er? Begehrt er einen Ring in seiner Eigenschaft als Expeditionsfuehrer (sperriges Wort, wuerde ich vermeiden) oder einfach so? Begehrt sie seinen Ring?

    Diese ist mit einer exotischen Armee auf ihren rituellen alljährigen Kriegszug ausgeritten

    Was stelle ich mir unter einer exotischen Armee vor?


    Dass Penthesilea eine Protagonistin ist, wird eher weniger klar - klingt eher als waere sie die Gegnerin (die jetzt nicht unbedingt persoenlich geschildert wird).

  • Hallo @Kirisha,


    ich hab mal deinen Klappentext gelesen. ^^

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Ihr seid ja richtig cool. So schnell hätte ich gar nicht mit einer Antwort gerechnet.


    Thorsten : Ich wollte gerne den Klappentext so kurz wie möglich haben. Aber wahrscheinlich sollte ich tatsächlich den Ring und die Armee etwas näher beschreiben.


    Tariq : Danke. Du hast mich gerade echt ermuntert. Die Erklärung, warum Murissa sich als Zauberin ausgibt, hatte ich in meinem ersten Entwurf des Klappentextes drin, aber ich habe es wieder gestrichen, weil es dadurch gleich wieder zu lang geworden ist.
    Vielleicht versuche ich es jetzt aber doch mal mit einer längeren Version. Kürzen kann man dann ja immer noch.

  • Dann misch ich auch mal mit:


    Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...













  • Hey @Rainbow, schön dass du mitmachst!
    hab ich wirklich "alljährig" geschrieben und es nicht gemerkt? <X


    Ja, leider habe ich auch irgendwie das Gefühl, dass der Klappentext noch nicht gut ist.
    Ich will nicht so gerne im Klappentext schon alles erklären. Ein wenig rätselhaft darf es ruhig sein, oder? Allerdings auch nicht zu nebulös. Man sollte sich schon einen roten Faden vorstellen können.
    ich versuche nochmal einen neuen Entwurf.

  • Hallo @Kirisha, cool das du auch mal was postest, und dann sogar noch High Fantasy.


    Also ich finde es ein bisschen zu kurz, ein paar Sätze mehr, dann würde es mir besser gefallen. Also nicht so viele, nur so zwei bis drei...


    Ansonsten hast du schon gut die Spannung aufgebaut und lieferst uns sehr interessante Informationen.



    Gerne mehr :thumbsup:



    Was stelle ich mir unter einer exotischen Armee vor?


    Wie @Thorsten bereits angemerkt hat, fände ich es besser, wenn du dazu noch ein paar Sachen sagen würdest.
    Ist die Armee stark? Groß? Unterschiedlich?



    Ich will nicht so gerne im Klappentext schon alles erklären.

    Klar willst du das nicht, damit man sich auch noch Fragen stellt, jedoch fände ich es hier angebracht.



    Mit freundlichen Grüßen, Kleiner Liki

  • Hallo BlueRosesInMyHeart und Kleiner Liki! Danke für eure Vorschläge, die mir jetzt schon klarer machen, wo ich noch feilen kann!
    Ich habe heute schon an dem Klappentext herumgebastelt, aber bis jetzt ist er nur ausgeufert, ohne besser zu klingen. Ich muss da nochmal drüber nachdenken.


    Morgen poste ich dann mal das 1. Kapitel.

  • Hallo Kirisha,


    dann versuche ich auch mal, meinen Senf dazuzugeben:
    Von der Länge her und von der Geschichte an sich, finde ich den Klappentext sehr gelungen. Zu viele Adjektive sind, finde ich, auch nicht vorhanden. Aber gut, ich mag Adjektive und benutze sie selbst viel zu oft, von daher...nunja.
    Ich hätte allerdings noch ein paar Anmerkungen:
    Du hast gefragt, ob es deutlich wird, dass es zwei Protagonistinnen gibt. Naja, ehrlich gesagt, hatte ich eher das Gefühl, die Königin sei der Bösewicht und keine zweite Hauptfigur. Das wird aus meiner Sicht nicht ganz deutlich. Dann noch was zu der Königin: Ich mag den Namen Penthesilea. Klingt so schön mythisch und eben...nunja...fantasymäßig. Allerdings würde ich den Namen im Klappentext nicht unbedingt erwähnen, da man ziemlich darüber stolpert und es eher abschreckend ist, wenn man gleich den zweiten Namen nicht aussprechen kann. Im Buch selber ist es dann ja nicht weiter schlimm, da liest man den Namen ja öfter und prägt ihn sich dann ein.
    Dann zu diesem Ring: Der Satz hat mich ehrlich gesagt etwas verwirrt. Erst ging es um die Liebe, und dann will sie auf einmal in erster Linie den Ring? Warum? Das muss man dann mehr erklären. Da das in einem Klappentext eher nicht möglich ist, würde ich das eher streichen. Es sei denn natürlich, der Ring ist DAS zentrale Dingen in der Story.
    Und dann noch zum letzten Satz. Er wirkt ein bisschen so, als könne man das unter ziemlich viele andere Bücher auch schreiben. Mach es da vielleicht etwas spezifischer. Hat der Ring etwas damit zu tun? Hat die Königin andere, dunklere Pläne, als den beiden Verliebten an den Kragen zu wollen?


    So, oh Gott, ich merk schon. Das klingt jetzt, als würde ich kein gutes Haar daran lassen. So ist es aber NICHT. Ich möchte nochmal sagen, dass mich der Text sehr neugierig auf die eigentliche Geschichte gemacht hat und mir der Stil ebenfalls gefällt. Naja, soweit man bei einem Klappentext von Stil sprechen kann.


    So, ich entschwinde wieder ins Bergwerk,
    Liebe Grüße
    Edelsteinzwerg

  • Hallo und danke für deinen Kommentar, Edelsteinzwerg!
    Hm, ich hatte dir eigentlich schon eine Antwort gepostet und auch einen Prolog der Geschichte, aber das scheint irgendwo im Universums oder in den Untiefen des Internets verloren gegangen zu sein.


    Dann muss ich es wohl noch einmal schreiben.


    Ich mag den Namen Penthesilea. Klingt so schön mythisch und eben...nunja...fantasymäßig.

    Danke. Ich hab den Namen übrigens geklaut aus einem verstaubten Drama von Heinrich v. Kleist und bin recht froh darüber, dass anscheinend niemand dieses Drama kennt. Aber ich fand auch gleich, dass er viel besser zu Fantasy als zu einer altmodischen griechischen Tragödie passt.


    Nochmal zu dem Ring, da hast du mich auf eine Idee gebracht. Eigentlich muss ich die Funktion des Ringes nicht im Klappentext erklären, sondern kann es dabei bewenden lassen, dass sie das Nebelmeer überqueren müssen, um den Ring zu finden. Dann erklärt es sich von allein, warum der Expeditionsführer eine Meerjungfrau für seine Ziele für nützlich hält.


    Wohin ist mein Prolog verschwunden? :/
    Ich poste ihn morgen nochmal.

  • An sich mag ich Adjektive auch, aber in einem Klappentext würde ich sie dennoch sparsam einsetzen - auf keinen Fall ganz weglassen, aber gezielt einsetzen, um bestimmte Dinge hervorzuheben, sonst wird das überfüllt und lenkt vom Wesentlichen ab. Dass der Expeditionsführer attraktiv ist, ist z.B. nicht erwähnenswert, denn Murissa hätte sich ja wahrscheinlich nicht in ihn verguckt, wenn er's nicht wäre ;) Auch dass der Ring begehrt ist, ist klar, sonst würde er nicht gesucht werden - wichtig hingegen ist durchaus, dass er magisch ist, das "begehrt" lenkt davon also ab. Eine Königin, die auch noch ein Heer führt, muss man nicht mehr zwingend als "mächtig" charakterisieren. Ob "männerhassend" eine essentielle Eigenschaft hier ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich bin etwas über dieses Wort gestolpert, erstens weil es so lang ist und zweitens, weil ich mich natürlich gleich gefragt habe, ob der attraktive Expeditionsführer jetzt irgendwie um sein Leben bangen muss, nur wird davon dann nichts erwähnt. Die exotische Armee ist mir auch etwas aufgestossen. Und ich glaube, es ist an der Stelle nicht wirklich wichtig, dass die Armee jedes Jahr zu so einem Kriegszug aufbricht (wäre das möglicherweise eher sowas wie ein Raubzug?)


    Ach ja, und ich hab auch erst nicht verstanden, was genau Murissa da für wen macht (mein erster Gedanke war, sie geht ihm alleine einen Ring suchen, den er will), aber aufgrund deiner Erklärung verstehe ich es jetzt.


    Wie wär's, das ganze ein bisschen umzuformulieren (nur ein Vorschlag):


    Um das Herz eines Abenteurers für sich zu gewinnen, gibt die Vagabundin Murissa sich als ein zauberkundiges Meermädchen aus, und gemeinsam brechen die beiden auf eine Expedition auf, einen magischen Ring zu finden. Dabei gerät Murissa jedoch unvermittelt der Heerführerin und Königin von Amazonia in die Quere, die mit ihrer Armee auf einen rituellen Kriegszug ausgezogen ist – und Wasserwesen als wertvolle Beute betrachtet. Bald muss Murissa nicht nur um ihre Liebe, sondern auch um ihr Leben kämpfen.


    Vor "Armee" kann vielleicht noch ein Adjektiv, wenn es sich wirklich um eine besondere Armee handelt. Oder entsprechend "mit ihrer Armee von menschengrossen Tausendfüssern" (oder was auch immer da in den Krieg zieht) :D


    Den letzten Satz hab ich mal so gelassen. Klingt vielleicht etwas abgegriffen, passt aber hier. Ich würde, wenn ich das so lese, davon ausgehen, dass ich eine Liebesgeschichte vor mir habe, in der die Liebenden eine gehörige Portion Abenteuer (auf Leben und Tod) bekommen. Ich halte es auch für möglich - auch aufgrund deiner Anmerkung - dass der Expeditionsführer Murissa erst nur ausnutzen will, es ihr die Umstände aber möglich machen, sein Herz doch noch zu erobern, indem sie ihm z.B. das Leben rettet.

  • Hey @Kirisha,
    Wurde ja schon ziemlich viel zu deinem Klappentext gesagt, deshalb bleibe ich bei meiner persönlichen Einschätzung: ;)


    Für meinen Teil ist der Klappentext so, wie du ihn von Anfang an hattest, ziemlich in Ordnung. Ich sehe das ein bisschen wie @BlueRosesInMyHeart. Viel erklärst du ja letztlich in deinen Geschichten und das, was einen Klappentext ausmachen sollte, ist ja schließlich die Fähigkeit, Interesse beim Leser zu wecken. Rätsel oder Ungereimtheiten sind da für mich erst Mal nichts schlimmes, da ich dadurch ja Interesse entwickle, wie du diese in deinem Werk auflöst ^^ Mein Interesse hast du jedenfalls auch schon mit diesem kleinen Abschnitt geweckt ;):D


    LG Lehaidin

    "Es sind die kleinen Dinge. Alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten."
    - Gandalf -



  • Hey, danke liebe Katharina . Dein Vorschlag für den Klappentext gefällt mir sehr gut. Deine Argumentation bezüglich der Adjektive auch. Ich dachte, ohne die Adjektive bekomme ich nicht alle relevanten Infos in einen kurzen Text. Aber du hast recht, es geht durchaus.


    Jetzt fange ich mal einfach mit der Geschichte an.


    _ _ _



    Prolog



    Lysa rannte.
    Ihre Beine trugen sie nicht mehr so schnell wie die der Jüngeren, aber hier nahm niemand Rücksicht auf das Alter.
    Alle rannten um ihr Leben. Rechts und links schossen Flammen aus Fenstern und Dachstühlen. Über den Gassen hing so dichter Qualm, dass Lysa kaum den Weg sehen konnte. Kanonendonner dröhnte dumpf über den Himmel und von der Stadtmauer her hörte sie den Lärm der Schlacht.
    „Wohin?“, kreischte neben ihr eine junge Frau, die unter dem Gewicht des Kindes keuchte, das sie auf dem Arm trug.
    „Hier entlang!“, erklang irgendwo in dem heillosen Chaos aus hunderten von Flüchtigen die befehlsgewohnte Stimme eines Mannes. Eines Wachtsoldaten vielleicht. Lysa war zu erregt um zu überlegen, welches Haus, welchen Keller der Feind wohl nicht zerstören könnte. Wie alle anderen folgte sie der Stimme. Sie achtete nur darauf, ihre Töchter und Enkelkinder nicht aus den Augen zu verlieren. Genau das war aber schon passiert. Es waren zu viele und das Gedrängel zu wild, immer wieder wurde sie getreten oder geboxt und musste aufpassen nicht zu fallen. Verzweifelt versuchte sie, während sie rannte, aus den Haarschöpfen oder den Rufen um sie herum ihre Familie zu entdecken. Es kam ihr vor, als verteilten sich Lenja, Linka und Leska mit ihren Kindern in alle Himmelsrichtungen und sie würde alle verlieren. Ja, sie würde wohl auch alle ihre Freunde, ihre Bekannten, ihre Kusinen, Nachbarn – sie würde Dutzendweise, womöglich zu Hunderten, alle die verlieren, an denen ihr Herz hing! Was wäre das Leben dann noch wert?
    Keuchend hastete sie vorwärts, wurde von der verzweifelten Menschenmenge regelrecht fortgerissen. Auch in den Nebengassen brannte es schon überall und der Feuergeruch biss in den Augen. Sie wusste: Es gab keine Rettung. Die Feinde waren bereits in der Stadt und niemand könnte sie aufhalten. Schon gar nicht sie selbst- eine bereits ältere, nicht mehr gesunde und alleinstehende Frau, deren Mann vor zwei Sommern verstorben war. Mitten im Lauf fuhr sie mit der Hand über ihren Ehering. Das gab ihr Kraft. Denn Lysander war nicht ganz verschwunden. Wenn sie ihren Ring berührte, konnte sie seine Gegenwart fühlen. Sie war davon überzeugt, dass sein Geist immer noch bei ihr war. Er half ihr im Alltag, sie redete jeden Tag mit ihm.
    Aber das Unheil, das jetzt über sie hereinbrach, war zu groß. Zu schrecklich. Es war auch zu laut um sie herum. Zu viel Geschrei. Sie hörte seine Stimme nicht mehr.
    Plötzlich gab es einen Ruck und alle Flüchtenden wurden gleichzeitig gebremst. Lysa konnte nicht sehen, was ihren Lauf aufhielt, aber sie hörte laute Schreie: „Zurück! Der Weg ist versperrt! Ein Haus ist eingestürzt!“
    Zurück ging es jedoch auch nicht.
    Denn als Lysa sich jetzt umdrehte, sah sie über die gesamte Straßenbreite Soldaten in schwarzen Rüstungen und mit gezückten Schwertern auf sich zurennen. Ein einziger gellender Schrei aus hunderten Mündern hinter ihr zerschmetterte ihr fast die Ohren. Nur zwei Schritte neben ihr stand Lejangar, der Sohn ihrer Tochter Lenja und mit seinen vierzehn Jahren ihr drittältester Enkelsohn.
    „Wir werden alle sterben – nicht?“, stammelte er und starrte sie aus großen Augen an.
    „Werden wir nicht“, gab sie vehement zurück, obwohl auch ihr beim Anblick der heranstürmenden Soldaten fast das Herz stehen blieb. Sie erhob ihre Hand mit dem Ehering. Es war ein magischer Ring. Sie konnte damit ein wenig Magie produzieren, die Lysander ihr aus den Gefilden sandte, wo er nun weilte. Zum Beispiel eine Karaffe Wasser in eine mit Milch verwandeln. Oder einen Weinfleck aus einem Kleid verschwinden lassen. Aber – wäre es wohl genug, um diese furchtbaren Angreifer in die Flucht zu schlagen? Angstvoll versuchte sie zu zählen, gegen wie viele sie sich zu wehren hätte. Aber sie gab es bald auf. Dafür würde es niemals reichen. In ihren Ohren hörte sie Lysanders aufgeregte Stimme: Diesmal kann ich dir mehr Kraft schicken. Hab keine Angst, ich schütze dich.
    Es war ihr kein Trost. Denn es ging doch nicht um ihr Leben allein. Es ging um alle, die sie liebte. Um die Zukunft ihrer Stadt.
    Lysander war zuverlässig. Schon spürte sie das elektrische Zucken und Flattern in ihrem Ring. Ja, sie würde Kraft haben. Genug um sich selbst zu schützen.
    Also nicht genug.
    Die magische Energie verdichtete sich zu einem durchsichtigen Schutzschild, das sich wie von selbst in ihre Hand steckte und das hoch genug war, um ihren ganzen Körper zu verdecken. Gut. So könnte sie zumindest ihren Widersachern entgegentreten.
    Energisch ging sie vorwärts, den Soldaten entgegen.
    Gerade waren sie stehen geblieben. Einer von ihnen erteilte den anderen Befehle. Alle lauschten. Lysa wusste: Dies war die Ruhe vor dem Sturm. Jeden Moment würde dieser losbrechen.
    „Oma!“, schrie der kleine Lejangar hinter ihr, „was machst du denn? Geh doch zurück! Sie töten dich!“
    Schon war er neben ihr, nahm ihre Hand und wollte sie mit sich fortziehen. Lysa blieb fast das Herz stehen. „Lass mich allein!“, fuhr sie ihn zu Tode erschrocken an. „Ich komme schon klar. Rette dich, renne! Bring dich in Sicherheit!“
    Er schüttelte den Kopf. Tränen stiegen ihm in die Augen.
    „Du musst mitkommen!“
    Diese Worte las sie nur noch an seinen Lippen ab, denn jetzt erklang laut wie eine Kanonenkugel der Ruf ihrer Feinde: „Angriff!“
    Würde ihr Magieschild für sie selbst und auch noch für den kleinen Lejangar Schutz geben? Wahrscheinlich nicht. Er hatte nicht genug Energie.
    Woher nahm ihr geliebter Lysander diese Energie eigentlich? Kam sie von dort, wohin die Toten gezogen wurden, wenn sie die Erde verließen? Oder produzierten sie die Seelen der Verstorbenen? Könnte Lysa einen Weg finden, selbst darauf Zugriff zu bekommen und dann nicht nur einen zu retten, sondern viele?
    Hatte nicht Lysander diese magische Energie durch seinen Tod gewonnen?
    Könnte das auch ihr gelingen?
    Das wäre jedenfalls eine Chance. Etwas, womit die Feinde nicht rechneten.
    Plötzlich wusste sie, was sie tun sollte. Energisch steckte sie ihren Ring dem jungen Lejangar an den Finger und drückte ihm auch den Schutzschild in die Hand.
    „Nimm das“, befahl sie ihm, „und hör zu. Drehe an dem Ring und ruf mich. Dann werde ich dir alle Kraft geben, die ich aufbringen kann und es wird unermesslich viel Kraft sein. Genug. Sag das auch den anderen. Ich helfe jedem, der meinen Namen ruft und du wirst ihr Anführer sein ... ihr König.“
    Sie rannte an dem Jungen vorbei und lief energisch vorwärts, den gepanzerten Soldaten entgegen. Diese wurden langsamer und einige fingen an zu lachen. Wahrscheinlich sah sie aus wie eine Verrückte.
    „Aus dem Weg, Alte, sonst bist du tot!“, brüllte der Anführer, ein riesiger breitschultriger Kerl mit einem vierfach gehörnten Helm.
    Seine Worte prallten an ihr ab. Sie sah ihn kaum, sie versuchte auch sein Schwert nicht zu sehen. Heute würde sie eine Grenze überschreiten, die sie nicht kannte und vor der sie sich bisher immer entsetzlich gefürchtet hatte. Aber es gab nun keinen anderen Weg. Ohne den Ring kam sie sich nackt und bloß vor. Sie wisperte Lysander zu: „Sag mir, wo die Energie ist und wie ich sie fange! Ich komme zu dir!“
    Seine Antwort konnte sie nicht hören.
    Ein Pfeil jagte auf sie zu. Gedankenschnell wich sie ihm aus. Was jetzt? Sollte sie wirklich weitergehen, mitten in das schwarze Verderben hinein, das ihr da vorne entgegengrinste?
    „Kehr um, Oma!“, hörte sie hinter sich ihren Enkelsohn kreischen. Anscheinend folgte er ihr. Sie rannte schneller. Es gab keine andere Wahl.
    „Nehmt euch in Acht“, schrie sie den Gehörnten entgegen. „Wir haben mächtige Götter. Wenn ihr nicht gleich verschwindet, zerstampfen sie euch zu Mus!“
    Diesmal zischten drei Pfeile gleichzeitig auf sie zu und sie schaffte es nicht auszuweichen. Ein heftiger stechender Schmerz traf sie ins Knie. Einen zweiten fühlte sie unterhalb der Schulter.

    Sei aufmerksam, hörte sie Lysanders aufgeregte Stimme. Die meiste Energie verlierst du direkt im Moment des Todes. Darum darfst du ihn nicht beachten. Du darfst deinen Körper nicht behalten wollen. Das ist der Fehler, den sie alle machen. Versuche stattdessen, so viel der Energie zu fangen wie du kannst. Schau nicht zurück, sondern voraus – ich stehe im Licht und warte auf dich!
    Mehr hörte sie nicht, denn jetzt traf ein Pfeil ihre Lunge. Ein furchtbarer Stich durchbohrte sie und gleich darauf ging ihr die Luft aus. Ihre Bronchien füllten sich mit Blut und sie musste husten. Sie schwankte und stürzte zu Boden. Tonnengewichte krachten auf ihre Brust. Keine Luft. Alles schwarz vor den Augen. Wollte sie wirklich den Tod? Ihre Lieben nie mehr sehen, nie mehr in den Arm nehmen? Der Schmerz schüttelte ihren Körper. Sie röchelte, rang verzweifelt nach Luft. Wie könnte sie einfach loslassen? Wie diese Qualen ignorieren?
    Ich muss, dachte sie grimmig. Ich will vielleicht nicht, aber ich muss wollen.
    Jetzt begriff sie, was Lysander gemeint hatte. Etwas wollte sie aus ihrem Körper herausreißen und sie klammerte sich instinktiv fest. Sich nicht zu klammern ging fast gar nicht. Um sich herum spürte sie eine riesige Leere, vor der ihr graute. Dorthin konnte sie doch nicht gehen! Ins Finstere, Unbekannte! Es kostete sie ihre ganze Überwindung, ihren Impulsen nicht zu gehorchen und sich den Körper einfach fortreißen zu lassen. Kaum hatte sie ihre Umklammerung gelockert, da gab es einen Ruck. Das Band zwischen ihrer Seele und dem Körper saß bombenfest. Es würde sich niemals einfach so lösen. Hatte Lysander sie belogen? Nein, dachte sie sofort. Das würde er nicht. Sie musste ihm vertrauen und die Augen offen halten. Er hatte von einem Licht gesprochen. Es war jedoch alles dunkel um sie her. Wie sollte sie auch etwas sehen können, wo sie ihre irdischen Augen schon gar nicht mehr spürte? Auch auf ihre Ohren hatte sie keinen Zugriff mehr und deshalb war es unheimlich still hier. Oder – lag es nur daran, dass sie noch immer instinktiv das Falsche versuchte? Es waren nicht mehr ihre Augen. Nicht ihre Ohren. Loslassen.
    Auf diesen Schmerz war sie nicht vorbereitet. Das Band riss unerwartet und es war, als risse ihr jemand mit Gewalt die Seele aus dem Körper heraus, die dabei in tausend Scherben zerbarst. Wie bei einer Explosion. Grelle Lichterkugeln zischten in alle Richtungen. Da war es, das Licht! Sie griff danach. Es war kein Greifen wie sie es gewohnt war. Denn sie selbst bestand, so wie sie das im Augenblick erfassen konnte, nur noch aus einer unförmigen wolkenartigen Masse. Mit dieser versuchte sie das Licht einzuschließen. Das gelang sogar. Sie zog es einfach an, an wäre sie ein Magnet, und je mehr davon auf sie zu strömte, desto kräftiger konnte sie noch mehr einfangen, an sich binden und dadurch selbst an Masse gewinnen. Als sie keine freien Strahlenbündel mehr spürte, heftete sie ihren Fang eng und kompakt aneinander, was sich anfühlte, als bepackte sie ihren Körper oder das, was davon übrig war – wie ein menschlicher Körper fühlte es sich überhaupt nicht mehr an – mit ganzen Wagenladungen von energiegefüllten Rucksäcken. Schwer waren sie wie Steine. Vielleicht war sie selbst eine Art Stein geworden. Ein energiegeladener, mächtiger, sehr großer Stein. Nein, kein gewöhnlicher Stein, denn er leuchtete und sicherlich glänzte er wie eine Sonne. Also könnte es eine Art riesiger Kristall sein.
    Und jetzt? Wozu hatte sie das getan? Wo befand sie sich überhaupt?
    Noch auf der Erde, das fühlte sie.
    Und was war sie? Kein Mensch mehr, so viel war klar.
    Aber tot war sie auch nicht.
    Lysander, rief sie in Gedanken und versuchte mit aufsteigender Verzweiflung, nach ihm zu suchen. Aber wie sollte sie ihn finden ohne Augen und Ohren, ohne die gewohnte menschlichen Sinne? Deshalb dauerte es eine Weile, bis sie seine sanfte Strahlung fühlte und auch die Richtung ausmachen konnte, aus der sie kam. Anscheinend wünschte er, dass sie diesen Rest ihres irdischen Daseins, den verheißungsvollen Kristall, den sie gerade erschaffen hatte – wieder verließ. Dass sie eine Reise ins vollkommen Ungewisse antrat.
    Ob sie das wagen konnte? Namenlose Angst erfüllte sie, doch gleichzeitig auch die Sehnsucht und noch viel größere Hoffnung, ihren Geliebten wieder zu treffen, den sie schon so lange und so schmerzlich vermisste. Also wagte sie es. Entschlossen löste sie ihre Bande an den herrlichen Kristall, löste sie hier und dort und all all den Stellen, wo sie Anker geworfen hatte.
    Mit einem Ruck schleuderte es sie fort. Entsetzlich weit fort in eine Ewigkeit, die sie in Panik versetzte. Ein markerschüttender Schrei durchfuhr sie, doch sie konnte ihn nicht schreien ohne einen Mund. Worauf hatte sie sich denn eingelassen?
    Endlich erkannte sie das neue Licht. Und sie sah darin ihren Mann sitzen. Er sah nicht aus wie in seinem irdischen Dasein, war kein gebrechlicher, faltiger Greis mehr. Nein, sie traf nun auf seine innere Essenz, seine Seele, die von einem wolkigen Astralkörper umhüllt war. An der Art, wie er ihr begegnete und durch die tiefe Geborgenheit und Wärme, die er in ihr auslöste, erkannte sie ihn sofort. Er schien tief besorgt und ohne Worte verstand sie, dass er dasselbe wollte wie sie.
    „Komm und sieh“, forderte er sie auf und reichte ihr seine violett schimmernde Astralhand, die mehr wie ein Wolkenband als wie eine echte Hand aussah. Kaum hatte sie ihn berührt, da öffneten sich ihr tausend Augen und sie sah alles. Das himmlische Reich, die zahlreichen himmlischen Bewohner, die entweder in der Nähe oder Ferne wohnten, die unruhigen Geister, die zwischen ihnen hin- und herzischten – und unter ihren Füßen sah sie auch das irdische Reich in seiner ganzen Größe. Wenn sie es wollte, konnte sie auf die eine oder die andere Stadt herabschauen oder auf die ausgedehnten Wälder und Berge dazwischen, doch sie hatte jetzt keine Zeit zu verlieren und Lysander half ihr dabei, gleich genau die Stelle zu finden, die sie gerade jetzt sehen wollte.
    Da war sie, jene Straße, in der sie gerade eben noch gestanden hatte. In ihrer Mitte gab es ein neues Element. Tatsächlich sah es, wie sie richtig erraten hatte, wie ein gigantischer Kristall aus. Er war etwa genauso hoch wie sie selbst groß gewesen war und hatte eine leicht ovale Form. Da er blendend hell leuchtete, hatte er offensichtlich ihre Feinde etwas in Erstaunen versetzt, die ihn momentan noch sehr verblüfft anstarrten.
    „Was glotzt ihr denn!“, hörte sie nun den Anführer brüllen – klar und deutlich, als stünde er neben ihr und nicht einen halben Himmel unterhalb ihrer Astralfüße. „Zum Angriff!“
    Lysa erschrak zu Tode. Denn hinter der kristallenen Kugel entdeckte sie gerade in diesem Augenblick ihren Enkelsohn Lejangar mit Tränen in den Augen.
    Sie wollte ihn schützen! Die Feinde zurückjagen, irgendetwas tun! Aber sie war zu weit entfernt, es ging nicht. Sie konnte niemals dorthin zurückgelangen, das wurde ihr nun klar. Hilflos und zutiefst verzweifelt packte sie Lysander und wollte ihn schütteln, doch ihre Berührung glitt durch seinen Strahlenleib hindurch wie durch Luft. Allerdings spürte sie dadurch, dass auch er vor Angst vibrierte.
    Hatte sie etwas falsch gemacht? War ihr Opfer ganz umsonst gewesen?
    „Hoffentlich liebt er uns genug, um uns die Kraft zu geben“, hörte sie Lysanders bebende Stimme. „Hoffentlich versteht er!“


    Der junge Lejangar nahm von alledem nichts wahr. Er sah auch das feindliche Heer kaum noch, obwohl es nun mit scheppernden Rüstungen und siegesgewissen Kampfrufen auf ihn und die anderen Flüchtigen zu marschierte. Entsetzt und tief erschrocken beobachtete er die Verwandlung seiner Großmutter in eine große kristallene Kugel von ovaler Form. Ihre Gestalt verschwand darin, aber war sie wirklich verschwunden? Wo kam der Kristall denn her und warum strahlte er so verheißungsvoll?
    „Ich helfe jedem, der meinen Namen ruft“, kamen ihm ihre Worte in den Sinn. Die Großmutter pflegte nicht sinnlos vor sich herzuplappern. Sie hatte ihm damit eine Botschaft geben wollen. Er entsann sich jetzt, dass sie selber auch oft mit ihrem toten Ehemann geredet hatte und behauptete, er könnte sie hören. Und ihr helfen. Seine Mutter hatte darüber gelacht und gemeint, die Oma wäre halt schon alt und Alte machten seltsame Dinge.
    Aber senil war Oma Lysa eigentlich nicht gewesen. Ob er wohl jetzt mit ihr reden könnte und sie hören, so wie sie den Opa gehört hatte? War es das, was sie gemeint hatte?
    Näher und näher kamen die Feinde. Jeden Moment könnten sie den Kristall erreichen, hinter dem er sich versteckte.
    „Oma Lysa! Hörst du mich?”, rief er atemlos. Nichts geschah.
    Aber die Großmutter hatte zusätzlich auch noch an ihrem Ring gedreht, fiel ihm jetzt ein. Also wiederholte er seinen Ruf und bewegte den Ring an seinem Finger.
    Zu seiner absoluten Verwunderung hörte er tatsächlich etwas. Zunächst war es mehr ein Rauschen am Himmel über ihm. Er blickte auf. Und dann war es ihm, als sähe er sie dort aus den Wolken herausschauen – weit, weit oben.
    „Ich heiße nicht länger Lysa“, erwiderte eine weiche Stimme, die so mächtig klang, als hallte sie über den ganzen Himmel. „Ruf mich von jetzt an unter dem Namen Lystrella. Dann ruftst du gleichzeitig mich und meinen Geliebten Lysander. Gemeinsam sind wir stärker. Unsere Energie findest du in dem Kristall – nutze ihn sorgsam und verschwende nichts, auf dass du deine Zukunft und die unserer Familie auf lange Zeit sichern kannst!“


    In diesem Moment hatten die feindlichen Soldaten den Kristall erreicht. Er sah ihre klirrenden Rüstungen und erhobenen Schwerter.
    Der Kristall... ? Kurz entschlossen ging Lejander auf den Kristall zu und berührte ihn.
    Ringe jagender Energie strömten aus dem leuchtenden Stein und umringten ihn. Sie verwandelten sich in einen Sturmwind, der ihn umtoste. und Mit einem Wink seiner Hand konnte er den Wind dirigieren und fegte das feindliche Heer mehrere Meter rückwärts. Er entfachte solche Kraft, dass ihnen die Waffen an den Körpern festklebten und sie nicht mehr damit attackieren konnte. Staunend betrachtete er die jetzt doch sehr eingeschüchterten Krieger. Sein Herz fing mächtig an zu hammern. Wie viel Macht hatte er gewonnen? Könnte er die Großmutter wieder zum Leben erwecken? Zitternd berührte er die glänzende Außenfläche noch einmal. Der Kristall begann zu surren und seine Leuchtkraft so zu verstärken, dass er strahlte wie eine Sonne. Mit einem weiteren Wink ließ Lejangar rechts und links des Kristalls Mauern entstehen, die den Weg verschlossen. Nun waren seine Leute geschützt. Allerdings war diese Vorsichtsmaßnahme schon nicht mehr nötig, denn die feindliche Armee war längst nicht mehr so beherzt wie vorher. Langsam schritten die Soldaten auf den Jungen zu. Einer schleuderte ihm ein Schwert entgegen. Es prallte etwa drei Schritt von Lejangar entfernt an einer unsichtbaren Schutzwand ab, die ihn umgab. Auch als nun weitere Attacken folgten – Feuerpfeile, Speere, Äxte – krachten alle Waffen an dieselbe unsichtbare Wand, die ihn umgab, und schlidderten dann zu Boden. Lejangar brauchte sie nur aufzuheben. Sie zu benutzen war jedoch nicht notwendig.
    „Wir haben mächtige Götter!“, schrie Lejangar ihnen entgegen. „Verschwindet und lasst euch hier nie wieder blicken!“ Zum Beweis seiner Worte schleuderte ihnen mit einer Bewegung seines Ringes die nächste Windböe entgegen. Diese war bereits so kräftig, dass alle übereinander stürzten, einige mit Wucht gegen Mauern und andere bis auf Hausdächer geschleudert wurden. Lejangar verfolgte sie, bis sie die Flucht ergriffen. Das gesamte Heer jagte er zu den Stadttoren hinaus.
    Als er zu seinen Leuten zurückkehrte, wurde er mit Jubel empfangen.


    „Es lebe Lejangar, unser neuer König!“, so begrüßten ihn die Bewohner der Stadt Pallanthia.
    Nur der Anblick der kristallenen Kugel stimmte ihn traurig, die noch immer energiegeladen und in strahlendem Licht an derselben Stelle an der Straßenkreuzung stand. Um sie herum war eine Wiese aus blühenden Blumen, gesäumt von Bäumen, entstanden. Erst als er seine Blicke in den Himmel erhob, begriff er, was geschehen war.
    Waren das nicht die gütigen Augen der Großmutter, die dort aus einer Wolke heraus lächelnd auf ihn herunterblickten, gemeinsam mit denen des Großvaters?
    „Lysa? Bist du es?“, rief er ungläubig.
    „Nicht mehr“, bekam er zur Antwort, „denn jetzt bin ich Lystrella, eure Göttin, die euch, meinen Kindern und meinem geliebten Volk ein glückliches und gesegnetes Leben bereiten möchte.“

    Meine Geschichte: Meermädchen

    Einmal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hallo Kirisha,


    also zunächst muss ich mal direkt loswerden, dass mir der Prolog sehr gut gefällt :thumbsup: Ich weiß gar nicht, woher deine Bedenken rührten.
    Es sind nur ein paar Kleinigkeiten, die ich gerne ansprechen möchte. Ich packe sie mal in den Spoiler. Such dir raus, was davon du gebrauchen kannst.



    LG,
    Rainbow

  • Hallo @Kirisha
    Ich hab mal rein gelesen. Für mich war der Prolog eher nichts. Zu märchenhaft passieren hier Dinge einfach so.
    Ist aber Geschmacksache, denke ich. Ich hab mal dagelassen was mir aufgefallen ist.


    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz

  • Danke schön @Rainbow und Sensenbach !
    Ich bin mir bei diesem Prolog noch nicht sicher, ob ich ihn drinlasse oder doch streiche. Deshalb ist es sehr hilfreich für mich, es aus verschiedener Sichtweise zu betrachten.
    Auf jeden Fall sehe ich schon jetzt, dass ich da noch etwas überarbeiten muss, besonders gegen Ende.


    Ich weiß nicht, ob es notwendig ist, die alle an der Stelle namentlich zu erwähnen...vor allem, wo die alle mit "L" anfange

    Ich habe ihnen absichtlich ähnliche Namen gegeben. Ich dachte, ohne Namen bleiben sie eine gesichtslose Masse. Auf der anderen Seite würden drei individuelle Namen von Leuten, die nachher nicht wieder auftauchen, alle nur verwirren.



    .ich hätte es vielleicht cooler gefunden, wenn ihn ein Luftzug streift und er noch einmal glaubt, die hauchdünne Gestalt seiner Großmutter zu sehen, die dann aber mit einem Lächeln auf den Lippen von einem Wind davongetragen wird

    Das gefällt mir. Vielleicht sollte ich das tatsächlich etwas weniger märchenhaft gestalten.



    Geruch reizt die Nase. Rauch reizt die Augen.

    Stimmt auch wieder.




    Seine Feinde wurden vorsichtiger und verlangsamten ihre Schritte.
    Nur "vorsichtiger"? Dann kennen sie Magie? Sonst wären sie doch schon gerannt wie der Teufel.

    Das leuchtet mir auch ein.


    Als er zu seinen Leuten zurückkehrte, wurde er mit Jubel empfangen.
    „Es lebe Lejangar, unser neuer König!“, so begrüßten ihn die Bewohner der Stadt.
    Das ging ja fix. Find ich nicht so plausibel. Was sagt denn der alte König? In anderen Geschichten hätte man ihn jetzt auf dem Marktplatz als Hexer verbrannt.

    Da bringst du mich etwas ins Grübeln. Tatsächlich wollte ich es kurz und drastisch halten und nicht alles so genau erklären, weil es ja "nur" der Prolog ist. Auf der anderen Seite verfehlt es natürlich das Ziel, wenn es für die Leser nicht mehr nachvollziehbar ist.
    Ich werde es nochmal korrigieren.

  • Kurze Rückmeldung von mir.
    Ich würde recht bald klar machen, wer da wer ist und zwar so, dass man nicht alle Namen aufzählen muss (solange sie nicht für Geschichte von Bedeutung sind). So musste ich jetzt hin und her lesen, um die Familienverhältnisse zu sondieren. Also vielleicht so:

    Lysa rannte.
    [...]
    „Wohin?“, kreischte neben ihr ihre erwachsene Tochter Henja, die unter dem Gewicht ihres jüngsten Sohnes keuchte, den sie auf dem Arm trug.
    [...] Es kam ihr vor, als verteilten sich ihre Töchter und deren Kinder in alle Himmelsrichtungen und sie würde alle verlieren.

    (EDIT meinerseits: mir ist erst später aufgefallen, dass Henja ja gar nicht ihre Tochter ist - fängt nicht mit L an - aber ich hoffe, es kommt trotzdem rüber, was ich meine ^^ Vielleicht kann man die Tatsache, dass Lysa schon älter ist trotzdem vielleicht im Text recht weit am Anfang irgendwo erwähnen. Normalerweise würde ich es als Attribut direkt dazuschreiben, wenn ich jemanden neu einführe, aber dann geht der schöne erste Satz, der nur aus zwei Wörtern besteht, kaputt, weil er seine Dynamik verliert...)


    Mich hat das eben etwas irritiert, dass es sich bei Lysa um eine alte Frau handelt, das ist mir erst bei den Enkelkindern klar geworden. Wenn das also sofort geklärt wird, ist es vielleicht nicht so verwirrend?! Ach ja, und je nachdem wie alt sie ist (und aussieht), würde ein feindlicher Soldat vielleicht nicht mehr als "Hure" bezeichnen, sondern vielleicht als "Hexe" oder sowas (falls das in deine Welt passt) - damit zeigst du auch noch mal, dass sie eben schon älter ist.


    Den Anfang mit dem Zauber, den Lysa wirkt, fand ich schon ziemlich gut, da hat man gemerkt, welche Anstrengung es sie kostet (auch wenn ich das Wort "flutschen" nicht mit ihrem Geist assoziieren würde :D ). Was ihr Enkel dann macht, fand ich dagegen eher so wie den Instant-Magier - der hebt einen Zauberring auf und plötzlich kann der alles, muss keine Energie kanalisieren üben und nichts. Ich weiss, vermutlich brauchst du das für die Geschichte eben so, damit er der Held ist, aber mich persönlich hat das ein wenig enttäuscht.

  • Hi Kirisha :)


    Aus der Diskussion um den Klappentext habe ich mich lieber rausgehalten, aber dein Prolog hat mir sehr gut gefallen! Lysa wird schnell überzeugend als Charakter eingeführt und trotzdem ist man direkt mittendrin. Allerdings habe ich auch erst gedacht, das sie eine Frau mittleren Alters ist und erst später kapiert, dass sie doch ein paar Jährchen älter zu sein scheint.


    An dem Punkt, wo es anfängt, ein bisschen märchenhaft zu werden, hat sich mein Hirn erst geweigert. Es passiert ein bisschen zu plötzlich und gefühlt vom einen Moment zum nächsten wandelt sich Lysa von der fürsorglichen, ängstlichen Großmutter zur...ja, was eigentlich genau Zu der Person, die plötzlich weiß, wie sie all ihre Gegner aufhalten kann. Denn erst schreibst du, dass sie Kraft aus ihrem Ehering schöpft, was vollkommen nachvollziehbar ist, aber dann ist es plötzlich ein super mächtiger Gegenstand. Es wirkt halt, als würde ihr all das in gerade diesem Moment klar werden und das wirkt auf mich etwas unrealistisch.
    Vielleicht kannst du es so abändern, dass sie von vornherein den Ring als etwas mächtiges betrachtet, damit der Leser direkt weiß, dass er es nicht nur mit einem Stück Metall zu tun hat.


    Das ist das einzige, was ich zu meckern hätte, ansonsten liest sich alles schön flüssig und schlüssig. Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie es mit dem neuen König weitergeht :)


    Ich finds übrigens lustig, dass einer deiner Chars Lysander heißt. Der Bruder meiner Protagonistin heißt auch Lysander und als ich ihn erfunden habe (so mit 12, 13) war ich der festen Überzeugung, mir den Namen ausgedacht zu haben xD Irgendwann hab ich ihn dann mal gegoogelt, dann wars das mit dieser Illusion :rofl:

  • Hey @Kirisha


    Ein paar Worte von mir zu deinem Klapptext. Bitte beachte hierbei, dass es mein persönlicher Eindruck ist und meine persönlichen Präferenzen bei Büchern widerspiegelt. Also bitte nicht gleich rückwärts vom Hocker fallen, wenn ich etwas kritisches von mir gebe. :)


    Erster Eindruck: Der Fokus liegt auf einer Liebesbeziehung.
    Das habe ich mir direkt nach dem ersten Satz gedacht. Gut, in gewisser Weise wolltest du das damit wohl auch vermitteln. xD


    Überlegungen nach mehrmaligen Lesen: Extrem viele Infos.
    Diese paar Sätze wirken auf mich fast etwas überladen mit Schlagwörtern. Ich spreche da von Meermädchen, Expeditionsführer, begehrter Ring, exotische Armee, Wasserwesen.
    Das ist so viel auf einmal und ich kann mir zu keinen Punkt etwas zusammenfantasieren. Ich grüble im Kopf idR. immer etwas darüber, wie diese Geschichte verlaufen könnte und entscheide dann, ob sie mir gefallen könnte. Bei dir bin ich eigentlich fast erschlagen worden. Was sind Wasserwesen und Meermädchen und wie hängen die mit einer namenlosen Expedition zusammen? Männerhassende Frau (mit etwas kompliziert zu lesendem Namen)? Ist das wirklich relevant für eine Klapptext? In was für einer Welt spielt hier eigentlich alles?


    Was ich bevorzugen würde, wäre mehr Fokus auf deinen Prota und ihre Besonderheit sowie die Welt. Versteh mich nicht falsch, Liebesgeschichten gehören irgendwie zur Fantasy dazu (und verkaufen sich offenbar gut, wenn ich so in die Bücherregale der Shops schaue) aber ich denke, es sollte nicht der Fokus einer Fantasygeschichte sein. Fantasy sind fantastische Welten, Völker, Wesen, Fähigkeiten und ausgefallene Plot-Ideen. In einen Klapptext sollte das gepackt werden, was besonders an deiner Geschichte ist und damit Interesse wecken.


    Was ich jetzt bei dir konkret ändern würde:
    - männerfeindliche Frau mit komplizierten Namen weglassen
    - die exotische Armee könnte ein interessanter Aufhänger sein, evtl. vertiefen
    - den Prota in den Vordergrund stellen. Ihre Besonderheit darstellen. Was ist ein Meermädchen? Was hat sie zurückgelassen um auf Reisen zu gehen (könnte man evtl. als Aufhänger nutzen um kurz ihre Heimat bzw. die Wasserwesen anzuschneiden)
    - und falls es zu deiner Geschichte passt, das Thema mit der LIebesgeschichte in den Hintergrund rücken


    Angesprochen hat mich bei deiner Version jetzt Murissas Name den ich interessant finde, die Sache mit Meermädchen / Wasserwesen und die exotische Armee.
    Dadurch das es aber aktuell stark nach Liebesgeschichte klingt, wäre ich jetzt persönlich raus und würde das Buch zurücklegen. Ich steh nicht so darauf, wenn das im Vordergrund steht. Es kann in der Geschichte sein - ich habe ja selbst Beziehungen im meiner Geschichte - aber das Ziel des Buches ist ein anderes.


    Oh fast vergessen:
    Ich hätte jetzt anhand des Textes nicht darauf geschlossen, das es zwei Protas gibt, aber ich denke, dass muss dir ein Klapptext auch nicht vermitteln. Er muss dir das Buch erst mal generell schmackhaft machen. Ob dir die Erzählweise dann später gefällt, ist das nächste Thema. Ein Klapptext bringt einen dazu das Buch zu öffnen, dann gehts weiter.


    So, ich hoffe ich habe nichts vergessen... Bin schon wieder totmüde :dead: Irgendwann schaue ich mir auch mal noch den Prolog an, aber jetzt ruft das Bett. :)


    Gruß
    Rebirz

    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!