Meermädchen

  • Hey ihr Lieben, danke für eure Rückmeldungen!


    97dragonfly


    Magie hat ja bekanntlich ihren Preis ...

    und ich schätze, da wird noch jemand zahlen müssen...


    Rainbow


    Oh je, hoffentlich lässt sie das schön bleiben.

    Hm... man nimmt ja kein Buch mit, um dann darin nicht zu lesen, oder?


    Thorsten


    Auf nautisch ist das eine Koje und ein Schott

    Anscheinend muss ich noch eine Lektion nautisch nachholen


    Show, don't tell. :) Das ist mir eine zu schnelle Ueberleitung

    Okay, das schau ich mir nochmal an.




    Der Text aus dem Magiebuch ist mir schon wieder zu sehr wie ein modernes Lehrbuch geschrieben - geht das ein bisschen geheimnisvoller?

    Gute Idee!

    Ich dachte, Lehrbücher sind immer knochentrocken. Aber mal sehen, vielleicht fällt mir was ein.


    Kyelia

    Vorschlag: "*Verlust der Kontrolle über einzelne Gliedmaßen, über den ganzen Körper, Tod des Körpers und/oder die teilweise oder vollständige Zerstörung der Seele"


    Das gefällt mir!


    Wie gesagt, mir gefällt die Sorge, die sich Penthesilea um ihre Tochter macht. :thumbsup:

    Halt eine klassische Helikopter-Mum

    (allerdings hat sie auch Gründe dafür - also ich meine Gründe, die über "es ist mein Kind, und es ist das wundervollste Kind der Welt" hinausgehen)

  • Hallo Kirisha ,

    Nun habe ich auch die überarbeitet Situation in der Bibliothek gelesen und das neue kapitelstück.

    Zur Bibliothek.

    Ich fand es sehr interessant, das jedes Buch ein Stück Seele von dem Autor hat und das man diese aufspüren und sogar mit ihr kommunizieren kann.

    Das sie sich das Buch dann quasi einverleibt ist auch interessant, nur fand ich, das es ziemlich unspektakulär über die Bühne ging. Sie hat nur kurz mit der Autorin geredet und sie gebeten sich zu öffnen und schwups hat sie es sich einverleibt.


    Zum neuen Kapitel. Wie gut das pen sich erst einmal dagegen entschieden hat, den seelensprung zu benutzen. Sind ja ziemlich heftige Dinge die passieren können, wenn es schief läuft. Aber ich bin mir eigentlich fast sicher, daß es das noch nicht war mit dem seelensprung und wir bestimmt wieder auf das Thema zurückkommen werden.


    Alles in allem wieder gut zu lesen, sehr flüssig.

    Bin gespannt wie es mit dem seelensprung weiter geht. Ich hoffe das es damit auch weiter geht hihi. Eine sehr interessanter Aspekt der Geschichte.


    LG Sora

    "Niemand weiß, was er kann, wenn er es nicht versucht." Zitat von Publilius Syrus





    "Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm."
    "Was für ein dummes Lamm."
    "Was für ein kranker, masochistischer Löwe."
    Zitat aus dem Buch "Biss zum Morgengrauen"

  • Hey Sora


    Und hier geht es jetzt weiter, diesmal wieder mit Murissa:


    12. Regenmacherin

    Murissa

    „Klymera!“, rief Turis auffordernd und wandte sich der Feuerhexe zu. „Unsere erste Etappe führt uns auf den großen Basar beim Dämonenberg. Flieg voraus, halte Ausschau, ob uns eine Gefahr droht und benachrichtige uns, wenn du etwas Wichtiges siehst.“

    Ich zuckte unter diesen Worten zusammen. Dämonenberg? Hoffentlich bedeutete es nicht das, wonach es sich anhörte.

    Ohne ein Wort zu verlieren, breitete die Dunkelhaarige ihre langen Fledermausflügel aus und schwang sich in die Luft. Ich war erleichtert – die Unheimlichste dieser Hexen waren wir vorübergehend los.

    Allerdings merkte ich schnell, dass Klymeras Abgang meine Lage in dieser Gruppe nicht wesentlich erleichterte. Während alle los ritten, hatte ich Probleme beim Aufsteigen auf mein Pferd und leider brauchte auch die windige Wisha etwas länger, die ihr zahlreiches Gepäck überall hier und dort festzurrte und kontrollierte, ob auch nichts locker saß. Sie trug nämlich auf ihrem Reittier einen ganzen Trödlerladen spazieren. Es war über und über mit kleinen Beutelchen, Dosen und Kräutergarben behangen und um seinen Hals baumelten noch gut ein Dutzend Ketten und bunte Bänder.

    Nervös kämpfte ich mit den widerspenstigen Steigbügeln und schaffte es erst nach einiger Zeit mit Mühe auf den Sattel. Wisha und ich ritten gleichzeitig los. Aus den Augenwinkeln musterte ich ehrfürchtig die vielen Ledersäckchen ihrem Reittier und die daraus emporsteigenden bunten Strahlen. Dabei ertappten mich ihre kalten dunklen Augen. Ich erschrak vor der Verachtung und dem Zorn, den ich daraus leuchten sah.

    „Du bist ja gut ausgerüstet“, sagte ich betont harmlos und hoffte, damit die Anspannung zwischen uns zu überspielen. „Wo hast du denn alle diese Sachen gekauft?“

    „Ich hatte einen eigenen Laden in Rheskali“, knurrte sie zwischen den Zähnen. „Den habe ich aber inzwischen aufgegeben. Den Rest der Waren, die mir noch übriggeblieben sind, verkaufe ich auf dem Basar.“

    Ohne dass ich wollte, stellte ich mir vor, wie sich alle ihre kleinen Beutelchen in hübsche klingende Taler verwandelten. Vermutlich würde sie einen dicken Rucksack brauchen um die dann alle zu transportieren. Wenn sie Pech hatte, könnten sie allerdings bei unserer Fahrt über das Nebelmeer in den Fluten des Ozeans untergehen... Ich wurde stutzig.

    „Und dann willst du mit dem Rucksack voller Taler über das Nebelmeer rudern?“, fragte ich ungläubig.

    Sie schnaubte. Sofort bereute ich, die blöde Frage gestellt zu haben. Was ging es mich denn an, was sie mit ihrem Gewinn machen wollte.

    „Steck deine Nase in deine eigenen Angelegenheiten“, blaffte sie mich an. „Soll ich dir was sagen? Mir ist schnurz, was du an dem Dämonenberg willst. Was mich aber an dir ganz gewaltig stört ist, dass du eine Versagerin bist und nichts kannst. Ich warne dich, glaub nicht, dass wir unterwegs alle Arbeit alleine machen werden!“

    „Oh, keine Sorge“, verteidigte ich mich. „Ich leiste meinen Anteil mit all meinen Kräften.“

    Sie lachte höhnisch. „Das ist es, was ich meine. Du begreifst überhaupt nicht, wovon ich rede. Wo sind denn deine Kräfte, hm? Ich zeige dir, woher ich meine bekomme.“

    Sie blickte zum Himmel auf und sprach lautlos in die Luft. Ich beobachtete, wie ihre Lippen den Namen „Puula“ formten.

    Als hätte sie es heraufbeschworen, fing es über uns schlagartig an zu brausen, es sah aus als begänne der gesamte Himmel zu rotieren. Der Sturm war so gewaltig, dass er noch die obersten Baumkronen sowie Millionen Blätter abriss und in sich einsog, die er in dem Wirbel mit herumschleuderte. Der Tornado wurde schmaler, aber dafür umso wilder, er raste bis über Wishas Kopf, schleuderte die zerfledderten Baumkronen von sich, die krachend irgendwo weit hinter uns landeten und zischte dann in einem einzigen gewaltigen Schwung in Wishas Hände und von dort in ihren Körper hinein. Für einen Moment sah es aus, als blähte sie sich auf und müsste gleich vor Energie zerplatzen. Ihre Haare wehten, ihr Gesicht rötete sich, die Mähne ihres Pferdes wirbelte hoch in die Luft – seltsamerweise ohne dass ich auch nur einen Windhauch spürte. Doch nicht lange, dann verwandelte sich der Wind in kräftige gebündete Strahlung, die Wisha umleuchtete wie ein luftiges Kleid aus Energie. Ich erschauerte. Niemand brauchte mir zu sagen, welche immense Kraft Wisha gerade in sich aufgesogen hatte.

    Was hatte denn die Göttin Puula damit zu tun? Hatte die der Windhexe diese Energie gegeben? Ich wagte nicht zu fragen, um meine Unwissenheit nicht zu zeigen.

    Wisha blickte herablassend zu mir herüber.

    „Was ist mit dir? Solltest du nicht auch ein paar göttliche Einkäufe machen?“ Sie grinste diabolisch.

    Fieberhaft versuchte ich ihre Worte zu begreifen. Konnte man magische Energie kaufen? War das ein Handel, den sie mit dieser Puula hatte? Das konnte nicht sein. Sonst könnte sich ja jeder Gockel von der Strasse mal eben Zauberkraft besorgen.

    Im selben Augenblick wurde mir allerdings nur allzu deutlich bewusst, auf was ich mich eingelassen hatte und was sie jetzt von mir erwartete. Wie sollte ich diesen Zauber nachmachen? Ich wusste ja nicht mal exakt, was genau sie getan hatte. So gut könnte ich gar nicht simulieren, dass sie mich nicht durchschaute. Eine mehr als unangenehme Hitze stieg in meinem Körper auf und brachte mich ins Schwitzen. Okay, dachte ich nervös, wenn ich das nicht nachhexen kann, muss ich mich wohl irgendwie durchplaudern…

    „Oh, ich hab noch etwas Vorrat“, erklärte ich eilig und wischte mir unauffällig ein paar Schweißtropfen aus dem Nacken. „Obwohl ich dir mein Wasserkleid gerne mal zeigen würde. Aber in dieser Gegend ist Feuchtigkeit ja so knapp und ich will nicht sämtliche Brunnen in der Gegend trockenlegen.“

    „Vorrat?“ Wisha lachte gehässig und starrte mich auf eine Weise an, als sähe sie mich nackt und komplett von aller Strahlung verlassen. „Wo denn? Deine Aura ist doch praktisch gleich null. Zeig, was du kannst!“

    Etwas Schweres legte sich mir auf die Brust und quetschte mir fast die Luft zum Atmen ab. Verwünscht – wie konnte ich diesen Kraftbolzen beeindrucken?

    „Gut, wie du willst“, lenkte ich ein und hatte Mühe dabei nicht zu stottern. In einer plötzlichen Eingebung sog ich Luft ein und konnte glücklicherweise in der Ferne tatsächlich die Feuchtigkeit eines herannahenden Regengusses riechen, vermischt mit einer gewissen Schwüle, die möglicherweise sogar ein Gewitter ankündigte. Wenn ich Glück hatte und der Wind es nicht woanders hinwehte. „Aber nimm es mir nicht übel, dass ich auf die Brunnen nicht zugreifen will, das würde zu viel Schaden anrichten. Ich werde stattdessen einen schönen Regenschauer herbeirufen.“

    „Regen?“ Wisha grinste überlegen. „Mir egal wie du es machst. Aber zeig es mir!“

    Demonstrativ starrte sie den hellblau leuchtenden Frühlingsmorgen an, an dem nicht eine Wolke den Himmel trübte.

    „Das ist nicht so einfach. Hab etwas Geduld“, erklärte ich schnell und fing an, mit den Armen geheimnisvolle Schwünge und Streckungen zu machen. Gleichzeitig hoffte ich so inbrünstig, wie ich noch nie etwas gehofft hatte, dass der Wind diese Feuchtigkeit, die ich roch, bitte tatsächlich in unsere Richtung lenken möchte und wenn möglich schneller als gewöhnlich.

    Zu allem Unglück hatten wir inzwischen Eszella erreicht oder die Erdzauberin war extra langsam geritten, um ebenfalls Zeugin meiner Unfähigkeit zu werden. Den letzten Rest unserer Konversation hatte sie sicherlich gehört, ihren höhnischen Blicken nach zu urteilen.

    Eine Weile schwiegen meine beiden Begleiterinnen mich an. Das war ein richtig ekliges, drängendes Schweigen, während dem ihre Blicke immer unfreundlicher wurden und ich mir zu wünschen begann, ich könnte einfach im Erdboden versinken.

    Sollte ich Turris um Hilfe rufen? Aber er ritt weit vorne und diskutierte mit den Wegkundigen. Wenn ich ihn bereits vor unserer ersten Wegbiegung mit Problemen konfrontierte, würde er viel zu schnell merken, dass ich nichts konnte. Ich musste das irgendwie alleine hinbiegen.

    „Du bist eine Versagerin“, konstatierte Wisha nach einer Weile. „Das wusste ich doch. Wir können uns nicht leisten, eine Null mitzuschleppen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel!“

    „Jetzt warte doch einen Moment“, keuchte ich, etwas atemlos, weil ich noch immer mit den Armen kreiste und dabei die Luft auf ihren Feuchtigkeitsgehalt testete – der einfach nicht zunehmen wollte. „Was steht denn auf dem Spiel? Ich dachte, du willst nur Waren verkaufen? Dazu brauchst du weder mich noch meine Kräfte.“

    Die Antwort blieb sie mir schuldig.

  • Hey Kirisha



    LG,

    Rainbow

  • Murissa ist aber auch gut darin, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Wie sie da am Ende auf gluehenden Kohlen sitzt, das koenntest Du fast noch ein bisschen mehr ausbauen, und auch ihr Konflikt dass sie weiss dass sie eigentlich unvernuenftig ist, aber trotzdem diese Kraftprobe eingeht - da wuerde ich mir ein bisschen mehr zu ihrem Innenleben wuenschen.


    Sonst finde ich die Szene sehr schoen:)


    Mir dämmerte, warum die Verbindung zu ihren Göttern für sie solche Bedeutung hatte.


    Dass es ihr nach dieser Machtdemonstration erst 'daemmert ' finde ich zu schwach als Formulierung, das ist eher eine Antiklimax hier. Da kann sie schon gebuehrend beeindruckt sein finde ich.


    Solltest du nicht auch ein paar göttliche Einkäufe machen?


    Sorry - ich hab' den Zusammenhang zwischen der Hexenmacht und dem Einkauf nicht gerafft...?(

  • Danke ihr Lieben fürs Lesen und Nachdenken.


    Rainbow


    Thorsten


    Ich bastele im Moment noch etwas an dem Magischen Buch herum, da sind mir noch ein paar Ideen gekommen. :)

    Also vielleicht kommt demnächst noch ein Update zu dem Thema.

  • Dieses Bild wie Murissa da mit den Armen herumfuchtelt und nichts passiert :rofl: Mir tut sie ja schon etwas leid. Sie wollte das alles gar nicht und hockt nun in dieser Misere und sind wir ehrlich, der anderen Hexen scheinen das auch zu wissen. :D Hoffen wir, dass der Regen Erbarmen mit ihr hat und sich doch noch zeigt :hmm:

    Die Machtdemonstration von Wisha fand ich sehr schön geschildert und hat mir von den Beschreibungen her echt unglaublich gut gefallen. Was ich mich nur gefragt habe, spürt Murissa gar nichts von diesem Wind? Wo der ganze Baumkronen ummäht? o.O

    Jedenfalls ein ziemliches Gehabe von den drei Hexen. Irgendwie verstehe ich sie zwar, aber als wäre es wirklich an der Zeit für alberne Machtspiele. Kommt einem fast vor, als müssten sie ihr Revier verteidigen :D


    Ich fand den Teil wirklich sehr gut und habe nichts zu meckern. Vor allem deine Beschreibungen haben mir in diesem Teil super gefallen! Echt gelungen und sehr verständlich! :thumbup:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Kyelia

    Was ich mich nur gefragt habe, spürt Murissa gar nichts von diesem Wind? Wo der ganze Baumkronen ummäht? o.O

    Stimmt auch wieder. Ich habe gerade ein paar kleine Änderungen gemacht und den Text upgedated, wobei ich auch die Vorschläge von Rainbow und Thorsten berücksichtigt habe.


    Und hier geht es weiter:


    12.1 Regenmacherin


    „Kannst du Regen erzeugen oder nicht? Wenn es nicht bald anfängt hier zu tropfen, melde ich Turris, dass du eine Simulantin bist“, drohte Eszella.

    Ich war vor Angst bereits völlig zerfressen und wunderte mich nur, warum mein Körper nicht längst in seine Einzelheiten zerbröselt war.

    Da tauchte Turris plötzlich neben uns auf und musterte mich mit besorgten Blicken.

    „Was höre ich da – Regen?“ Streng schaute er mich an. „Kannst du das bitte sein lassen? Ich habe keine Lust, unsere Vorräte schon gleich am Anfang der Reise verderben zu lassen.“

    Danke! Beinahe wäre ich ihm vor Erleichterung um den Hals gefallen.

    „Wie du meinst“, stammelte ich stattdessen, noch immer starr von all der Anspannung. „Packen wir die Vorräte noch etwas besser ein und ich verschiebe den Regen auf später.“

    „Aber...“, begann Wisha scharf, doch Turris ließ sie nicht ausreden.

    „Reite mit Eszella nach vorne, um uns zu schützen“, befahl er. „Mit Murissa habe ich noch kurz etwas zu besprechen.“

    Mit finsteren Blicken gehorchte die Windkönigin und trabte vorwärts. Eszella folgte ihr. Ich konnte es kaum fassen, wie lammfromm sich diese Gewitterhexen in seiner Gegenwart benahmen. Ob Wisha genauso wie ich bis über beide Ohren in ihn verschossen war...?

    Turris ritt an meine Seite und beugte sich ganz nah an mich heran. Kaum hörbar fragte er:

    „Ich bekomme das überhaupt nicht aus dem Kopf heraus. Sag mal - warum hast du mich gefragt, ob ich ausgerechnet aus einem Brunnen komme? – wo kommst du denn her? Bist du vielleicht in einem Brunnen geboren?“

    Und ich hatte geglaubt, er würde mich retten. Stattdessen riss er mich sozusagen aus dem einen Schlammloch heraus, um mich in ein anderes zu tauchen. Die Hitze, die mich jetzt überkam, war sogar ungleich heftiger als der Angstschweiß von eben gerade. Es war eine Sache, eine hochmütige Hexe zu enttäuschen – und eine ganz andere, das Herz eines Märchenprinzen eventuell wieder zu verlieren.

    In einem Brunnen geboren!? Ich?

    „Och, ja, kann man so sagen“, stotterte ich und versuchte krampfhaft, unter all den wilden Gedanken, die plötzlich in meinem ansonsten absolut leergefegten Hirn herumflogen, irgendeinen gescheiten zu fangen.

    „Willst du mir erzählen, da leben wirklich Leute?“, fragte er mit so drängender Energie in der Stimme, als hinge sein Seelenheil von meiner Antwort ab. „In der Enge und ohne dass sie jemand sieht? Ich meine, ich habe noch nicht einmal davon gehört, irgendwer wäre lebendig einem Brunnen entstiegen.“

    Ich auch nicht, dachte ich, während ich anfing mich dafür zu verwünschen, dass ich jetzt quasi gezwungen war, ihm diese vernünftige Erkenntnis auszureden. „Es ist nicht so eng in manchen Brunnen, wie es von oben aussieht“, plapperte ich drauflos und wünschte mir gleichzeitig, es möge doch mal eine Zeit kommen, in der ich ihm einfach ganz normale Dinge erzählen dürfte. Da seine Blicke aber noch immer wie mit Tonnengewichten auf mir lasteten, fuhr ich fort, indem ich eine der Geschichten meiner Mutter zum Besten gab: „Bei uns daheim gab es zum Beispiel einen Torbrunnen, wie die Meerbewohner ihn nennen. Der sieht wie ein gewöhnlicher Brunnen aus, aber ganz unten in der Tiefe führt er zum Untermeer, das so heißt weil es unter der Erde ist. Da wohnen Froschmenschen. Die kommen aber nicht hoch, weil sie Angst vor der Sonne haben. Sie denken, Sonnenstrahlen würden sie töten.“

    Turris sog meine Worte in sich auf und seine Augen wurden immer größer, je länger ich fantasierte.

    „Es muss dunkel sein in diesem Untermeer, wenn ihr da keine Sonne habt“, murmelte er schließlich, so als hätten ihn die vielen Informationen ganz erschlagen.

    „Nein, gar nicht“, widersprach ich eifrig, „die Paläste dort werden von dem berühmten Meeresleuchten erhellt, davon hast du bestimmt gehört.“

    Turris starrte mich an.

    Ich durfte ihn nicht weiter fragen lassen, sonst würde ich früher oder später an einen Punkt kommen, wo ich entweder nicht mehr weiter wusste oder aber anfangen würde, mich in meinen eigenen Geschichten zu verheddern. „Darf ich dich auch was fragen?“, fuhr ich deshalb fort. „In dem See, wo du geboren bist...“

    Ein Geräusch am Himmel veranlasste mich aufzublicken. Ein riesiger schwarzer Schatten schwebte über uns. Ich erkannte die gewaltigen ledrigen Schwingen der finsteren Klymera.

    „Fünfzig Soldaten voraus“, meldete sie. „Es sind Darghessaner, aus den Uniformen zu schließen. Sie werden uns recht schnell erreichen.“

    Turris wurde blass. „Verstecken wir uns hier im Wald.“

    „Wo denn? Es ist doch alles zugewachsen. Wir kommen nicht hinein“, gab einer der Wegkundigen zu bedenken. „Schon gar nicht mit den Pferden.“

    „Soll Murissa doch mal zeigen, was sie kann!“, rief Eszella laut von vorne. „Ein ordentliches Gewitter und DIE werden sich verstecken, nicht wir.“

    „Du kannst Gewitter erzeugen?“, hörte ich Klymeras Stimme ungläubig über mir klingen.

    „Ja sicher“, trompetete ich laut, obwohl sich mir gleichzeitig fast der Magen umdrehte. Ach herrje. Ich hätte es lassen sollen. Ich hätte bei den Bettlerbaracken bleiben sollen. Mich von Käfern und Sauerampfer ernähren und ... schweigen.

    Welcher Irrsinn hatte mich geritten?

    Hektisch versuchte ich den Geruch des fernen Gewitters zu erspüren. Es lag nun deutlicher in der Luft als zuvor, aber noch längst nicht nah genug, dass ich einen baldigen Wolkenerguss prophezeien könnte.

    „Auch Blitze?“, fragte Klymera.

    Ja klar. Ich konnte mir vorstellen, wie attraktiv die für die Feuerhexe sein mussten.

    „Blitze sind inklusive“, bestätigte ich bebend.

    „Könntest du einen für mich lassen?“, erklang wieder ihre dunkle Stimme und erst jetzt hörte ich den Hohn heraus, der darin mitschwang. Ich beschloss, ihn zu ignorieren.

    „Mach ich gerne“, behauptete ich gönnerhaft.

    Sie ließ mir drei kleine Augenblicke. Dann rief sie auffordernd:

    „He, diese Soldaten laufen hier gleich auf. Es ist Zeit dein Gewitter zu starten!“

    Tatsächlich hörte ich nun aus der Ferne den Hufschlag einer herannahenden Reitergruppe, der schnell immer lauter und bedrohlicher wurde.

    Ich bin verloren.

    Hastig fing ich wieder an, zum Himmel hochzublicken und mit den Armen theatralische Gesten zu machen. Ein paar Wolken hatten sich dort oben mittlerweile sogar versammelt und weiter hinten waren auch Dunklere im Anmarsch. Vielleicht hatte ich Glück? Vielleicht war der richtige Zeitpunkt gerade gekommen?

    Ich schnippte dreimal kräftig mit den Fingern.

    Tatsächlich fing es nun zaghaft an zu tröpfeln. Wisha, die inzwischen zu uns herangeritten war, wischte sich ärgerlich einen Spritzer von der Wange.

    „Das nennst du Regen?“, grollte sie.

    „Wie würdest du es denn nennen?“, gab ich trotzig zurück. „Es wird gleich mehr. Warte ab.“

    Lautes Gebrüll von vorne enthob uns einer Fortsetzung dieses Gespräches, wo ich jetzt zu meinem Schrecken die Soldaten sehen konnte. Es waren bestimmt mehr als fünfzig Mann. Ich konnte das Ende des langen Zuges aus meiner Position heraus gar nicht sehen.

    „Eure Packpferde sind beschlagnahmt!“, röhrte einer der Fremden laut genug, dass ich zusammenzuckte. „Her damit!“

    Eszella schnaubte. „Komm Wisha. Wir kümmern uns um sie.“

  • Der Teil ist mal wieder ziemlich witzig - wie sich Murissa da immer tiefer in ihre Schlammloecher reinreitet ist wirklich allerliebst, und auch wie sie Turris da vorfabuliert.


    Wenn es nicht bald anfängt hier zu tropfen, melde ich Turris, dass du eine Simulantin bist

    Dann verpetz' ich Dich... Die Drohung ist irgendwie explizit ausgesprochen zu kindisch, kann sie eigentlich offen lassen 'Wenn er nicht bald anfaengt zu regnen...' <bedeutungsvoller Blick>

    Stattdessen riss er mich sozusagen aus dem einen Schlammloch heraus, um mich in ein anderes zu tauchen.

    Sehr schoen :)

    „Ja sicher“, trompetete ich laut, obwohl sich mir gleichzeitig fast der Magen umdrehte.

    Tja, Murissa...

    Tatsächlich fing es nun zaghaft an zu tröpfeln

    Bekomm' ich irgendwie nicht mit dem Bild zusammen dass die Wolken grade erst kommen.:S

  • Hey Kirisha :)



    LG,

    Rainbow

  • Vielen Dank ihr Lieben für eure Rückmeldungen!


    Thorsten


    Rainbow


    Und hier nun der Abschluss der Regen-Episode:


    12.2 Regenmacherin


    Die beiden trabten vorwärts und noch bevor die Räuber uns erreicht hatten, wedelte Eszella bereits zweimal mit den Händen und vor meinen Augen wuchs ein riesiger Fels in die Höhe. Diese magische Wand versperrte den Weg zwischen uns und den Soldaten vollkommen, als hätte er diese ausradiert. Wisha und Eszella wurden von dem unter Krachen und Knirschen aufwärts strebenden Felsen nach oben gehoben. Dadurch waren wir anderen dahinter geschützt. Ich hörte einen unnatürlichen Sturm tosen und Metall scheppern. Mehrere Schwerter und Helme flogen durch die Luft. Wisha war recht geschickt darin sie aufzufangen.

    Wenig später war der ganze Spuk vorüber. Die gierigen Soldaten flohen in donnerndem Galopp, der Fels versank wieder im Erdboden und unser Trupp setzte sich von Neuem in Bewegung. Ich sah im Vorbeireiten zwei Leichname auf dem Weg liegen. Sie waren entsetzlich zugerichtet, ihre Körper zerrissen wie von wilden Tieren. Ob die Hexen sie so zugerichtet hatten? Oder Wölfe? Aber das wollte ich lieber so genau gar nicht wissen. Schnell blickte ich zur Seite.

    Turris wollte Klymera wieder fortschicken, damit sie den weiteren Weg auskundschaftete, aber das verweigerte sie ihm, da sie mit nassen Flügeln nicht in die Luft käme, wie sie behauptete. Inzwischen verdiente das stetige Tropfen vom Himmel nämlich durchaus schon den Namen Regen.

    Also machten Wisha und Eszella nun die Vorhut. Turris und die Wegkundigen folgten ihnen, wobei sie lautstark überlegten, welches der beste Weg für unser weiteres Vorwärtskommen wäre. Hinter ihnen ritten die Bootsbauer und die Packpferde und ganz am Schluss ich.

    Und die vertrackte Klymera, die ausgerechnet jetzt auf die Idee kam, sich an meine Seite zu gesellen.

    Angestrengt versuchte ich, mir die Panik nicht anmerken zu lassen, die mich bei ihrem Anblick befiel. Es brachte Unglück, eine Skeff zu sehen. Mit ihren pechschwarzen Haaren und bösen Augen sah wie das personifizierte Böse aus. Sie hatte ihre ledernen Flügel wie Regenschirme über ihrem Kopf aufgespannt und war deshalb als einzige von uns vor dem hartnäckigen Nieseln geschützt.

    „Na, Wasserhexe?“, fragte sie mich mit einem ironischen Unterton, der mich ein klein wenig einschüchterte. Es war gar nicht so leicht, das hinter einem gezwungenen Grinsen zu verstecken.

    „Wie findest du meinen kleinen Regen?“, konterte ich mutig, indem ich mit dem Finger zum Himmel zeigte.

    Dein Regen, hm?“ Sie lachte. „Hattest du mir nicht ein Gewitter versprochen? Aber deine Aura ist so mickrig, dass du kaum nennenswerte Kräfte haben kannst. Scheint so, als ob du nicht mal zu einer Göttin betest, die dir aushelfen könnte. Soll ich ehrlich sein? Du siehst nach einer Versagerin aus, die den nächsten Tag nicht überleben wird.“

    Witzig – dasselbe hatte ich auch gerade gedacht. Das würde ich natürlich nicht zugeben.

    Sie grinste und um ihre Arme fing es an zu flackern. Ich überlegte, ob sie wohl feuerfeste Kleidung trug und spürte gleichzeitig ein ekliges Würgen im Magen.

    „Ich bin eine Zauberin wie du“, versuchte ich mich zu verteidigen, während sich das heutige Frühstück in meinem Magen zersetzte und darüber nachgrübelte, ob es seinen weiteren Weg abwärts oder doch besser wieder aufwärts nehmen sollte. „Das ist sozusagen der Grund, warum ich hier bin. Sie haben mich aus meiner Heimatstadt herausgeworfen. Wegen Hexerei.“

    Nie hätte ich geglaubt, dass ich damit mal angeben würde.

    „Wirklich? Was hast du denn verzaubert?“

    „Den Spiegel in der Küche. Der Tisch ging auch zu Bruch und der Meister hat dem Büttel gepetzt, ich würde noch das ganze Haus in die Luft jagen“, berichtete ich und war selber überrascht, wie hexisch sich diese Geschichte anhörte. Und das, obwohl ich ganz gegen meine Gewohnheit mal eine mehr oder weniger wahre Begebenheit erzählte.

    Leider sah ich bereits an ihren gelangweilten Gesichtszügen, dass sie mir entweder nicht glaubte oder aber die Story einfach zu langweilig klang gemessen an dem Ausmaß der Zerstörungen, an welche sie offenbar gewöhnt war. Gleichzeitig realisierte ich aber auch noch etwas anderes. Nämlich das leise Rascheln im Gebüsch, erzeugt durch das Erzittern sämtlicher Blätter um uns herum, auf die nun immer kräftigere Nässe herabprasselte. Ein sicheres Zeichen, welches gewöhnlich dem Ausbruch eines Gewitters vorausgeht.

    „Okay, ich halte mein Versprechen“, erklärte ich deshalb schnell, „pass auf! Ich schicke dir einen Blitz.“

    Passend zu meinen Worten begann es rings um uns her verhalten zu grummeln und zu donnern. Klymera war hellwach. Lauernd streckte sie ihre Hände aus und sah sich mit weit aufgesperrten Augen um. Mehrere unendlich lange Augenblicke geschah nichts.

    Dann verdunkelte sich der Himmel ganz prächtig und ein Schauer setzte ein, der wie aus Kübeln auf uns niederschüttete. Als der erste Blitz herunterzuckte, änderte dieser mitten im Flug seine Bahn. Es sah aus, als lenkte Klymera ihn direkt auf sich, ließ ihn in ihre Hand zischen und erstrahlte dadurch für einen Moment wie eine riesige rote Flamme. Gleich darauf verwandelte sich die feurige Masse bereits in Strahlung, die sie wie ein zuckendes Feuerkleid umgab.

    Sie sonnte sich eine Weile in ihrer neu gewonnenen Kraft. Dann musterte sie mich kritisch und leider war mir nur allzu klar, dass sie vor allem meine noch immer mickrige Aura unter die Lupe nahm.

    „Das war ein nettes Geschenk und spart mir einige mühevolle Gebete“, sagte sie schmunzelnd. „Ich hatte mir ehrlich gesagt nicht vorgestellt, dass das klappt. - Da kommt mir übrigens eine vortreffliche Idee, kleine Muru.“

    „Murissa“, korrigierte ich trotzig.

    „Warum wirst du nicht Dienerin der Gorrogon?“, fuhr sie fort. „Sie ist eine herausragende Göttin und könnte dir großartige Kräfte verleihen. Damit könntest wirklich etwas erreichen.“

    Sie musterte mich zweifelnd. „Oder zumindest könntest du dann mit deinen mageren Fähigkeiten überhaupt irgendwas ausrichten. Und als Dienerinnen der großen Gorrogon wären wir beide Partnerinnen. Dann wären wir zwei gegen zwei – und diese Reise etwas weniger vertrackt.“

    Mir stellten sich die Nackenhaare auf.

    War das etwa – nett gemeint? War das die Lösung all meiner Probleme? Oder würde ich mir neuen Stress einhandeln? Ich hatte noch nie versucht eine Göttin zu rufen.

    Mir wurde schwindelig. „Meinst du?“, stammelte ich. „Deine Göttin würde mir einfach so Kräfte verleihen? Und ich wäre dann eine noch bessere Zauberin?“

    Ich sah an Klymeras überlegenem Blick, dass diese Bemerkung meine Unwissenheit entlarvt hatte.

    „Einfach so gibt es nichts auf der Welt, meine Süße. Aber dein ganzes Leben würde sich verändern. Zum Beispiel könntest du dich dann tatsächlich in eine dämliche Meerjungfrau verwandeln oder dir was Intelligenteres einfallen lassen, was uns mehr bringen würde.“

    Ehrlich?! Wenn ich diese Gorrogon um den Finger wickelte, könnte ich alle meine Lügen zu Wahrheiten formen und alles das werden, was Turris begeisterte? Vielleicht könnte ich mir dann sogar die Wasserwelten, von denen ich bis jetzt nur träumte, selber erschaffen?

    Das wäre ja ein Hauptgewinn! Auch wenn ich einen Preis zu zahlen hätte ... aber was könnte sie schon groß verlangen, was DAS nicht wert wäre?

    Ich nickte eifrig, bog zitternd vor Eifer meinen Kopf hoch und formte lautlos den Namen Gorrogon, so wie ich die anderen Hexen hatte tun sehen.

    Antwortete sie? Angestrengt lauscht ich auf das Rascheln der Blätter in den Bäumen, das Prasseln „meines“ Gewitterregens um uns herum und das Getrappel unserer Pferde.

    Keine himmlischen Stimmen weit und breit.

    Vielleicht war ich nicht freundlich genug gewesen? Ich versuchte es mit einer etwas ausführlichen gedanklichen Anrufung. Mit einer Bitte. Mit einem leidenschaftlichen Flehen. Mit endlosen Lobpreisungen und Schmeicheleien.

    Nichts.

    War die hohe Dame taub?

    Oder ich sogar zu schlecht, um die Stimme der Götter zu hören? Zum Glück war ich wenigstens geistesgegenwärtig genug, um meine Enttäuschung vor Klymera zu verbergen. Es war klar, dass ich die Erkenntnis meiner absoluten und unrettbaren Unfähigkeit vor meiner Begleiterin verbergen musste, wenn die sich nicht im Handumdrehen von einem netten Kumpel wieder in eine Giftspuckerin verwandeln sollte. Also verdrehte ich die Augen wie in seliger Schwärmerei und hob beide Hände zum Himmel hoch. Dabei nickte ich eifrig in dieselbe Richtung, so als hätte mir die Unsichtbare Heiligkeit gerade ein prächtiges Angebot gemacht.

    Klymeras schwarzen Augen begannen zu glitzern und ihre schmalen Lippen verzogen sich zu einem zögerlichen Grinsen.

    „Und? Seid ihr euch einig?“

    Ich nickte eifrig.

    „Aber bekommen hast du noch nichts“, sagte sie misstrauisch.

    „Zuerst der Preis, dann das Vergnügen, hat sie gesagt“, erklärte ich schnell. Offenbar sah ich dabei etwas ängstlich aus, denn Klymera schlug mir aufmunternd auf die Schultern.

    „Das hätte ich mir denken können. Gorrogon ist immer scharf auf Opfer und sie verlangt viele. Aber ich kann dir versprechen, es lohnt sich.“

    Opfer?! Was sollte das heißen? Ich hoffte sehr, es ging hier nicht um Menschenopfer, auch wenn ich von solchen Praktiken schon reden gehört hatte. Siedendheiß fielen mir die beiden toten Soldaten ein, die ich nach Wishas und Eszellas Angriff auf die Soldaten gesehen hatte.

    War das der Preis für magische Fähigkeiten? Ich hatte davon schon Leute tuscheln hören, aber es nicht glauben wollen.

    Vielleicht hatte es manchmal doch so seine Vorteile, taub zu sein…

    Die Feuerhexe lächelte mir zu.

    „Gut! Vielleicht wird diese Reise doch nicht so nervtötend, wie ich dachte.“

    „Ja, das hoffe ich auch“, pflichtete ich ihr bei.

    Wieso hatte ich sie eigentlich für bösartig gehalten? Könnte eine Skeff meine Freundin sein?

  • Hallo Kirisha


    Jetzt bin ich auch wieder auf dem neusten Stand!! :D die letzten beiden Abschnitte haben mal wieder super schön gezeigt, wie Murissa tickt!! Die Kleine hat echt mehr Glück als Verstand :rofl: oder sie hat tatsächlich etwas von einer Meerhexe in sich ... huii!!

    „Kannst du Regen erzeugen oder nicht? Wenn es nicht bald anfängt hier zu tropfen, melde ich Turris, dass du eine Simulantin bist“, drohte Eszella.

    :rofl: Eszella mag ich einfach! Ich liebe wie sie die ganze Zeit Gift um sich spritzt!

    Und die Simulatin :D köstlich!! Vor allem da es genau der erste Satz war.

    Turris sog meine Worte in sich auf und seine Augen wurden immer größer, je länger ich fantasierte.

    :rofl: sie ist eine echt gute Geschichtenerzählerin!

    „Nein, gar nicht“, widersprach ich eifrig, „die Paläste dort werden von dem berühmten Meeresleuchten erhellt, davon hast du bestimmt gehört.“

    Ja! Wenn schon denn schon!

    Ich bin verloren.

    Ja ... hallöchen Simulantin xD

    Eszella schnaubte. „Komm Wisha. Wir kümmern uns um sie.“

    Ist wohl besser ...

    „Dein Regen, hm?“ Sie lachte. „Hattest du mir nicht ein Gewitter versprochen? Aber deine Aura ist so mickrig, dass du kaum nennenswerte Kräfte haben kannst. Scheint so, als ob du nicht mal zu einer Göttin betest, die dir aushelfen könnte. Soll ich ehrlich sein? Du siehst nach einer Versagerin aus, die den nächsten Tag nicht überleben wird.“

    Ich finde, dass dir diese ganze Unterhaltung zwischen den beiden extrem gut gelungen ist!! Diese neue Fassung liest sich wirklich enorm schön!! Und ich mag die Welt, weil sie irgendwie wie ein Märchen auf Speed ist :rofl:

    Es sah aus, als lenkte Klymera ihn direkt auf sich, ließ ihn in ihre Hand zischen und erstrahlte dadurch für einen Moment wie eine riesige rote Flamme. Gleich darauf verwandelte sich die feurige Masse bereits in Strahlung, die sie wie ein zuckendes Feuerkleid umgab.

    So ein geniales Bild!!


    Liebe Grüsse

    Fly

  • Hey Kirisha :)


    Huch, wieso ist mir dieser Teil fast durchgegangen?


    Also, das ist wirklich ein rundherum toller Part! Man fliegt quasi so über die Zeilen hinweg und es ist nicht nur unterhaltsam, sondern außerdem ziemlich gut geschrieben, wie ich finde.


    An irgendeiner Stelle hast du zweimal in einem Satz „Soldaten“ geschrieben... ( ziemlich zum Ende hin) das war aber auch der einzige Moment, wo ich kurz hängen geblieben bin. Da ich gerade auf dem Handy tippe, kann ich nicht zitieren, aber du wirst es sicher auch so finden. ^^


    Ansonsten habe ich nix zu meckern. Ich freue mich schon, zu erfahren, wie es weitergeht...:gamer:


    LG,

    Rainbow

  • Erstmal wunderschöne Weihnachtswünsche an euch alle und danke für eure lieben Kommentare!

    Die kleine Muru macht es sich nicht gerade einfach..


    97dragonfly


    Thorsten


    Rainbow


    Und hier geht es weiter:


    13. Höhlenzauber

    Murissa

    Wir verbrachten die Nacht bei strömendem Regen in den mitgebrachten Zelten.

    Obwohl Wisha unsere Klamotten trocken geföhnt hatte, konnte ich nicht schlafen.

    Zum ersten Mal in meinem Leben interessierte sich ein Mann für mich – und ebenfalls zum ersten Mal hatte ich in der scharfzüngigen Klymera möglicherweise sowas wie eine Freundin gefunden, mit der ich in den letzten Tagen noch richtig nett geplaudert hatte.

    Allerdings alles nur deshalb, weil ich sowohl Turris als auch Klymera von vorn bis hinten die Hucke voll gelogen hatte. Wie würden sie mich hassen, mich verabscheuen, wenn das mal irgendwann herauskäme!

    Das konnte so nicht weitergehen. Ich musste damit aufhören. Wieso könnte ich nicht einfach aufrichtig sein? Andere konnten das doch auch.

    Wenn jemand mich wirklich mochte, war es wohl nicht so wichtig, welche Geschichten ich zu erzählen hatte?

    Würde Turris mich tatsächlich rauswerfen, wenn ich ihm sagte, dass ich nicht hexen konnte? Und kein Meermädchen war?

    Ich haderte mit mir selber. Es war ein Risiko. Ich könnnte dabei verlieren. Aber, ganz ehrlich – früher oder später musste ich doch an diesen Punkt kommen und so langsam wurden meine Lügen immer dicker und verrückter. Wenn ich so weitermachte, würde ich irgendwann ganz gewaltig auffliegen und könnte dann gar nichts mehr retten. Sowohl Turris als auch Klymera würden ziemlich bald so oder so herausfinden, dass nichts von dem stimmte, was ich je behauptet hatte.

    Wenn ich mich jetzt selber enttarnte, gab es die Chance, dass Turris mich verstand und ... mir verzieh. Vor allem hätte er dann ja die Möglichkeit, sich noch nach einer richtigen Wasserhexe umzusehen. Und mich vielleicht, hoffentlich, trotzdem an seiner Seite zu lassen.

    Ja, dachte ich tapfer bei mir selbst, so würde ich das machen. Ich würde morgen früh zu ihm gehen und ihm beichten, dass ich eine lausige Lügenliesel gewesen war, aber von nun an bei Ehre und Leben nichts anderes mehr als die reine und lautere Wahrheit offenlegen würde.

    Klymeras Freundschaft würde ich vielleicht verlieren – aber vielleicht auch nicht, denn inzwischen waren wir ja schon ein wenig vertraut geworden und verstanden uns richtig gut.

    Vielleicht hatte ich Glück und das klappte. Und dann bräuchte ich mir nicht mehr von früh bis spät Märchen auszudenken. Sofort wurde mir leichter ums Herz.

    Der nächste Morgen begrüßte uns mit einem Nieselregen. Das nahm ich als ein gutes Zeichen und steckte deshalb auch den Spott locker weg, mit dem mich Eszella begrüßte: „Heute reitest du vorne! Wollen doch mal sehen, ob du uns mit deinen lausigen Kräften wirklich verteidigen kannst!“

    Ich erkannte spontan, dass dies nicht der richtige Moment war, um meine Umgebung mit der Wahrheit über mich zu konfrontieren, wenn ich nicht einen sehr üblen Tag erleben wollte.

    „Spotte nur weiter über mich“, konterte ich, „ich kann den Regen auch noch kräftiger vom Himmel hageln lassen!“

    Das brachte meine Feindinnen tatsächlich zum Verstummen und selbst Turris schien anzunehmen, ich könnte Einfluss auf die allgemeine Wetterlage nehmen, denn er lächelte mir zu.

    Während wir die Zelte abbauten und auf die Packpferde luden, zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie ich nun eigentlich taktisch klug meine Wandlung von der Lügenliesel zur Mustermurissa vollziehen sollte. Es gab wohl keinen anderen Weg als vor Turris zu beichten. Ihm musste ich die ganze Geschichte erzählen und er würde dann entscheiden, ob er noch etwas mit mir zu tun haben wollte ... oder nicht.

    Die Tragweite dieser Aktion erschütterte mich dann doch ziemlich und ich verbrachte längere Zeit damit, mir im Kopf eine gute Einleitung zurecht zu legen.

    „Weißt du, Turris, eigentlich bin ich gar keine Wasserhexe, sondern ein Gossenkind...“

    Alle Götter! So doch nicht.

    „Ich bin jedenfalls auch kein Meermädchen, ich kann ja nicht mal schwimmen, aber dafür renne ich wie der Blitz und bin gut darin, Hunden zu entkommen...“

    Die Hunde muss ich auch nicht unbedingt erwähnen, sonst hält er mich noch für eine Diebin.

    Verwünscht... gehörte zu der Beichte wohl auch eine Liste aller Gegenstände, die ich jemals geklaut hatte? Aber ich würde es nie schaffen, mich an absolut alles zu erinnern, so viel war sicher.

    Die Liste würde ich weglassen und die Hunde auch.

    „Meine Mutter hat letztes Jahr ihren 25. Geburtstag gefeiert. Ja, stell dir vor, sie ist noch eine größere Lügnerin als ich.“

    Nö. Das würde ich auch weglassen.

    Jetzt also nochmal ernsthaft.

    „Ich bin Murissa, Tochter der Schneiderin Tabitha aus Aravenna, bei der ich aber leider nicht wohne, weil dieser Typ, den sie geheiratet hat...“

    Ach nee. Eine echt blöde Geschichte. Niemand will sowas hören.

    „Ich bin Murissa aus Aravenna. Mein Stiefvater ist Tischler und hat mir schon mal mit einem Stuhlbein eins auf den...“

    Äh. Das muss ich auch nicht grad jedem auf die Nase binden.

    So verging also der Vormittag.

    Und der Nachmittag.

    Gegen Abend erreichten wir eine Höhle und Turris entschied, dies sei ein guter Platz zum Übernachten. Sie war geräumig genug, dass wir alle Platz fanden und sogar die Pferde nicht im Regen stehen mussten, denn es schüttete wieder. So ersparten wir uns auch das mühselige Zeltauf- und abbauen. Wir banden die Tiere an Felsvorsprünge im vorderen Höhlenteil fest und verzogen uns selbst durch einen kleinen Gang in die weiter innen gelegene und deshalb auch besser geschützte Grotte. Der Spaß verging mir allerdings gleich, als wir zum Abendessen übergingen. Die meisten Vorräte hatten wir leider in den letzten Tagen bereits verspeist und für eine neue Jagd war keine Zeit gewesen. Deshalb plädierte Turris dafür, heute mit Suppe vorlieb zu nehmen. Klymera, die als Feuermeisterin auch die Regie über die Küche übernommen hatte, fing gleich an zu kommandieren:

    „Eszella, du holst das Gemüse. Murissa bringt den Topf.“

    „Und woher nehmen wir Wasser für die Suppe? Ich habe hier weit und breit keine Flüsse gesehen. Nicht mal der kleinste Tümpel“, brummte Wisha kritisch. „Aus den Pfützen werden wir es wohl nicht kratzen können und das wäre mir auch zu dreckig.“

    „Murissa erschafft das Wasser“, erklärte Eszella und grinste boshaft in meine Richtung. „Eine ihrer leichtesten Übungen, nehme ich doch an?“

    Mir wurde eiskalt. Die Wahrheit, mahnte eine dunkle Stimme in meinem Inneren. Sag ihnen einfach die Wahrheit, und du musst keine Fähigkeiten mehr heucheln, die du nicht hast!

    Aber die Worte wollten nicht über meine Lippen. Stattdessen hörte ich mich selbst eifrig sagen:

    „Logisch!“

  • Hey Kirisha ,


    die Gewissensbisse von Murissa beschreibst du hier sehr schön. Auch die verschiedenen Möglichkeiten, die sie durchspielt, um auf die Wahrheit zu kommen, fand ich ziemlich amüsant :thumbsup:... und dennoch schafft sie es natürlich nicht, sondern manövriert sich gleich wieder in den nächsten Schlamassel. Ich erinnere mich noch an diese "Wasserholaktion" :rofl:... das wird lustig.


    Also, von meiner Seite gibt`s nichts zu beanstanden.


    LG,

    Rainbow

  • Hi Kirisha


    Der Teil war echt amüsant zu lesen! :rofl: Murissas Gewissensbisse sind da ... so weit so gut xD und ihr Selbstgespräch war ja auch der Hammer :D sie hat echt ein schlechtes Gewissen ... was ich an ihr (und halt auch an dir) so mega genial finde und mich immer zum Grinsen bringt, ist wenn sie anfängt nachzudenken; sie denkt sich so ein Quatsch und so ein Mist aus! Die unnötigsten Informationen :rofl:


    Ich bin gespannt, wie sie das Problem mit dem Wasser nun zu lösen gedenkt ... :grinstare:

  • Wir verbrachten die Nacht bei strömendem Regen in den mitgebrachten Zelten.


    Da muesste noch ein 'So viel zu meinem Regenzauber...' oder so dahinter finde ich :D

    Ich erkannte spontan, dass dies nicht der richtige Moment war, um meine Umgebung mit der Wahrheit über mich zu konfrontieren, wenn ich nicht einen sehr üblen Tag erleben wollte.

    Sehr schoen!


    Besonders gelungen ist der Abschnitt wo Murissa einen Anfang nach dem anderen ausprobiert - und dabei immer mehr Zeit vergeht. Murissa's Charakter ist wirklich das absolute Highlight dieser Geschichte - weiter so, das ist Klasse zu lesen :thumbsup:

  • Danke Ihr Lieben für eure netten Kommentare!


    Da ihr alle, Rainbow , 97dragonfly und Thorsten euch diesmal so unglaublich einig seid in euren Bewertungen, nehme ich das einfach mal als ein gutes Zeichen...

    Danke!


    Und hier geht es weiter:


    13.1 Höhlenzauber


    Pflichtschuldig erhob ich mich und ging in die vordere Grotte zu den Pferden, neben denen wir alles Gepäck abgeladen hatten und wo deshalb auch der Suppenkessel noch stand. Eszella polterte hinter mir her, schulterte einen Beutel voller Gemüse und kehrte mit diesem wieder in die Grotte zurück.

    Ich klaubte mit zittrigen Händen den Suppenkessel hervor. Vielleicht reichte es, ihn einfach in den Regen zu stellen. Allerdings hatte Eszella den Eingang zu unserer Höhle magisch verschlossen, mit einer Art lianenartigen Girlande, die von oben nach unten herunterhing und von außen angeblich wie ein efeubewachsener Fels aussah. Ich bog sie ein wenig auseinander und platzierte den Kessel davor. Dann hörte ich mit klopfendem Herzen dem Trommeln der Tropfen in den Hohlraum zu und hoffte inständig, „mein“ tapferer Regen könnte ihn bitte füllen. Da das leider fürchterlich langsam vonstatten ging, holte ich noch meinen Wasserbeutel vom Pferd und kippte den gesamten Inhalt hinzu. Als ich hineinlugte, war jedoch kaum der Boden des Kessels bedeckt. Wenn das in dem Tempo weiterging, würde ich wohl ein paar Jahre brauchen, bis er mal voll wäre. Ich verwünschte mich selbst, dass ich mit dem Theater angefangen hatte. Was war so schlimm daran, die allerletzte Ratte einer Reisegesellschaft zu sein? Besser verspottet als der Lüge überführt – oder?

    Aber konnte ich das jetzt tun? Definitiv nicht. In meiner jetzigen Situation wäre das eine Kapitulation und die Hexen würden über mich herfallen. Diese Aufgabe musste ich zuerst lösen und erst danach könnte ich Turris reinen Wein einschenken. Denn dann käme ich als Siegerin und nicht als gefleddertes Huhn.

    Hektisch zerbrach ich mir den Kopf. Woher konnte ich weiteres Wasser organisieren? Vielleicht hatten andere Leute auch ihre Trinkbeutel hier draußen gelassen. Ich durchforschte die Gepäckstücke. Und wurde fündig. Vier weitere Behälter entleerte ich in den Kessel. Leider reichte das noch lange nicht für eine anständige Füllung.

    Wishas geheimnisvoller Trödel vielleicht? Schon stand ich vor ihrem Pferd, das behangen war wie ein Zirkusgaul. Ich brauchte irgendein magisches Teil, das Wasser produzierte. Falls sie so etwas besaß. Vorsichtig berührte ich die verschiedenen Bänder, die Ketten, die Kräuter, lugte in Beutel und öffnete Dosen. Aus einer größeren Tasche spürte ich kräftige Strahlen. Leider war sie verknotet. Ich sah mich um – beobachtete mich keiner? Aber die Luft war rein. Ich fing an zu knoten. Aber das verdammte Ding hatte keinen Anfang und kein Ende. Ich bekam es nicht auf. Mist! Wenn das zu lange dauerte, würden sie Verdacht schöpfen! Also schnappte ich mir kurzerhand ein Messer, das an einem Nachbarpferd befestigt war, und schnitt das Band unter dem Knoten durch. Jetzt konnte ich die Tasche öffnen. Drinnen lagen ganz verheißungsvolle Kugeln, die schon sozusagen nach Wasser rochen. Ich langte hinein. Sie fühlten sich weich an und verformten sich bei der Berührung. Vorsichtig nahm ich zwei heraus, eine in jede Hand. Das würde sicherlich nicht reichen, denn sie waren klein wie Murmeln. Aber ich wollte nicht zu viele klauen, damit es möglichst nicht auffiel. Eilig rannte ich zu meinem Kessel zurück und ließ die beiden Murmeln hineinfallen. Sie plumpsten auf den Boden und schwammen dann in dem kleinen Wassergerinnsel herum, das noch nicht einmal handbreit war.

    „Murissa!“, hörte ich aus der Höhle Klymera rufen. „Wo bleibst du denn?“

    Beinahe hätte ich vor Schreck den Kessel umgeworfen. Was sollte ich jetzt machen?

    „Es ist nur wegen der Ratten!“, schrie ich geistesgegenwärtig zurück. „Ich bin gleich da!“

    Ja, Ratten. Ich war selber eine und sollte es zugeben.

    Wieso klappte das mit den magischen Murmeln nicht? Ich spürte doch, dass die etwas Wässriges an sich hatten. Hektisch beugte ich mich über den Kessel und fischte sie wieder heraus. Dann presste ich sie gegeneinander. Eine gewisse Wärme entstand. Ich presste sie noch einmal. Noch mehr Wärme. Schließlich rieb ich probehalber mit den Fingern daran und spürte, wie eine platzte.

    Ein gigantischer Wasserschwall überschüttete mich. Mich traf solch eine gewaltige Dusche, dass ich nicht einmal schreien konnte. Der Schwall riss mich mit sich, ich verlor den Boden unter den Füßen und als der Spuk vorüber war, lag ich am Boden inmitten einer Wasserlache, die den gesamten Vorraum der Grotte bedeckte. Der Wasserkessel war randvoll, ich war pitschnass wie ein Fisch, alle Pferde in meiner unmittelbaren Nähe troffen vor Nässe – und am Eingang zur Grotte kamen Turris und die anderen angerannt. Ich hörte ihn sagen:

    „Man sollte es aber nicht übertreiben!“

    Wenig später hockten wir alle um den brodelnden Kessel herum, trockneten unsere durchnässten Kleider, Turris spendierte eine Runde Wein und wir löffelten die warme Suppe dazu. Ich hatte es geschafft, den Platz neben Turris zu ergattern und glühte vor Wärme und vor Glück. Vielleicht auch etwas vor Angst... denn nun nahm ich ernsthaft Anlauf, ihm die Wahrheit zu sagen.

    Ich muss dir was Wichtiges erzählen. Damit würde ich anfangen. Bitte sei jetzt nicht sauer auf mich, aber ich hab dich belogen.

    Ich wog die Worte schwer in meinem Herzen. Sie hatten ein furchtbares Gewicht und schon das erste wehrte sich geradezu furios dagegen, über meine Lippen zu gelangen.

    Auf einmal beugte er sich zu mir und wisperte mir zu:

    „Ich muss dir etwas erzählen, mit dem ich schon die ganze Zeit ringe.“

    Ich riss die Augen auf. Wieso er? Trug er etwa auch irgendein Geheimnis mit sich herum?

    Als hätte er sich vor meinem Interesse erschrocken, lehnte er sich gleich wieder zurück und starrte die Höhlendecke an.

    War sein Geheimnis schlimmer als meins?

    Da er schwieg, spürte ich genau, dass es jetzt an mir wäre, mich ihm anzuvertrauen.

    Turris, ich bin eine Lügnerin. Alles, was ich dir jemals erzählt habe, ist geschwindelt.

    Oh! Könnte ich nicht irgendwas Anderes, Hübscheres sagen? Etwas, das ihm gefallen würde?

    Er gab sich einen Ruck.

    „Du bist also unter Wasser geboren?“, fragte er und lächelte betont gleichmütig. Ich merkte an seinen flatternden Augenlidern, dass er genauso wie ich vor der Tragweite der Frage, die er eigentlich stellen wollte, zurückschreckte und dies wahrscheinlich nur die Einleitung war zu etwas Großem und womöglich Schrecklichem, das kommen könnte.

    Als ob irgendwas schlimmer sein könnte als dieser Riesenmistquark, den ich zu beichten hatte.

    Okay.

    Sei mutig, Murissa.

    „Nein, ich bin nicht in einem Brunnen geboren, sondern in der Gosse und meine Mutter schämt sich so über mich, dass sie vor anderen sogar leugnet, ich könnte ihre Tochter sein.“

    Aaargh!

    In mir begann alles zu beben. Ich konnte diesen Bockmist einfach nicht erzählen. Nein, ich würde mich nicht selbst in den Schmutz treten. Ich war kein Bastard von der Straße, sondern ein Wassermädchen aus einer anderen Welt. Das könnte ich auch bleiben, so lange ich es schaffte, dieses Spiel mitzuspielen. Gut mitzuspielen, wenn ich nicht wieder in der Gosse landen wollte.

  • Hey Kirisha :)


    Ja, das war die Wasserzauber-Nummer, die ich noch in Erinnerung hatte :thumbsup: Es macht echt Spaß, Murissa über die Schulter zu spinksen, wie sie da verzweifelt versucht, den Topf mit Wasser zu befüllen. Vor allem wird es wohl kaum jemandem auffallen, wenn alle Wasserbeutel am nächsten Tag leer sind :rofl:... aber gut. Wer denkt in so einer Situation schon logisch? Ich finde, ihre Verzeiflung kommt hervorragend rüber...wie sie da in dem Beutel der Hexe wühlt und alles mögliche mit diesen Kugeln veranstaltet, bis sie schließlich fast explodieren und sie die halbe Höhle mit Wasser flutet. Herrlich!


    Dazu dann wieder ihre Gedankengänge, als sie sich Turris anvertrauen möchte. Man kann sich so wunderbar mit ihr identifizieren...

    Ich weiß gar nicht mehr, was er ihr "beichten" will ... was war das noch mal? :hmm: Mh, ich bleibe gespannt!


    LG,

    Rainbow