Meermädchen

  • Also, Murissa und Penthesilea sind jetzt schon mal am selben Ort angekommen. Kann ja nicht mehr lange dauern bis die sich treffen.


    Die meisten Kleinigkeiten in der Formulierung hatte Rainbow schon angemerkt, da ist manches ein bisschen modern oder salopp, da schliesse ich mich an.


    Das


    Sondern es handelte sich um eine Art ... Unendlichkeit. Eine unsichtbare Unendlichkeit zu beiden Seiten und nach oben. Die vollkommen aus Magie bestand.

    finde ich sehr gelungen!


    Ansonsten ist der Abschnitt solide geraten, liest sich gut - bisher noch keiner der Hoehepunkte der Geschichte, aber Murissa's lang erwartetes Dilemma kommt jetzt wahrscheinlich erst (?) - mal sehen :)

  • Ich bin ganz gespannt auf das baldige Treffen von Murissa und Penthesilea! Ich fand es gut, dass die Beschreibung von Murissa anders war als die von Penthesilea. Die sprachlichen Klinigkeiten wurden schon erwähnt.


    Was mich gewundert hat ist, dass die Hexen ohne Aufforderung alle direkt versucht haben ein Loch in die Nebelwand zu zaubern. Ein paar Sätze vorher, sie Turris: wir gucken es uns morgen an. Erd- und Lufthexe nein, das erledigen wir direkt - würde in ihren Charakter passen. Und dann ziehen alle mit...


    Insgesamt ein netter Teil, der ein bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm wirkt.

  • Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank für eure erhellenden Kommentare!


    Rainbow

    Mehr Ehrfurcht vor der Göttin - ja, ich bin da wohl meist zu salopp. Da schau ich noch mal drüber, ich kann den Einwand nachvollziehen.

    Auch die Nebelwand muss ich mir wohl nochmal vorknöpfen und versuchen, sie ausführlicher und klarer darzustellen.

    Und die Umgangssprache - ja, das ändere ich auch.


    Thorsten und Litu


    Ja, genau, ich denke auch , "Ruhe vor dem Sturm" trifft es ganz gut.


    Den folgenden Text habe ich jetzt schon ein paarmal umgeschrieben. Er ist wahrscheinlich immer noch zu langatmig angesichts der Situation, aber ich wollte die Dialoge nicht herunterkürzen. Mal sehen, was ihr dazu meint.


    34.1 Das Nebelmeer


    „Er ... er wird nicht herkommen“, stammelte ich. „Das hat er mir selber gesagt. Sonst könnte er uns doch gefährden. Er bleibt da oben und wir müssen alleine versuchen, einen Durchgang zu finden.“

    Turris stand noch immer auf dem Hügel mit einem seltsam verzerrten Gesichtsausdruck. Er sah aus, als wehrte er sich mit allen Kräften gegen jemanden, der ihn vorwärts zog. Nur dass niemand in seiner Nähe stand. Mit einem Ruck ging er plötzlich vorwärts. Es sah aus, als wäre ein Seil gerissen, das ihn festgehalten hatte, er stürmte den Weg herunter, wobei er voller Begeisterung das Nebelmeer musterte, die ganze lange Linie seines Ufers entlang. Dann sah er uns. Und kam auf uns zu. Der Hagel seiner schwarzen Strahlung flog uns immer näher. Schnell drehte ich mich um, presste meine Spitzhacke hinter mich, um wenigstens meinen Rücken zu schützen. Wie Dornenspitzen trafen mich seine Dämonenpfeile, diesmal schmerzhafter als bei dem Felsen. Ihre Kraft zeigte sich hier viel stärker. Ich warf mich auf den Boden. Natürlich, dachte ich mit wummerndem Herzen. Wir waren am Meer, seinem Element. Nirgends war er stärker als hier. Ich war dumm gewesen, mir das nicht vorher schon auszurechnen.

    Aus den Augenwinkeln sah ich, dass sich auch meine Kolleginnen platt auf den Boden drückten.

    Verzweifelt versuchte ich, einen klaren Gedanken zu fassen. Dies war nicht geplant – was machte er? War die finstere Macht stärker als er?

    Aus den Augenwinkeln versuchte ich, ihn zu erkennen. Er bewegte sich anders als gewöhnlich. Steifer, zackiger. Sichtlich erregt schrie er, als er näher kam:

    „Hoch mit euch, warum liegt ihr da unten? Sucht nach einem Weg über das Meer! Jetzt, sofort!“

    Zitternd blieb ich am Boden liegen. Aufstehen, wollte er uns umbringen? Hier unten war es einigermaßen erträglich, da die meisten seiner Strahlen über unsere Köpfe wegflogen und nur wenige trafen.

    Glücklicherweise kam Turris jetzt auf die Idee, seinen Schutzschild zu benutzen und ihn so vor seine Brust zu halten, dass seine Strahlung nun gegen diesen hagelte und nicht mehr gegen uns.

    Wisha, Eszella und Klymera erhoben sich vorsichtig und auch ich folgte ihrem Beispiel. Jedoch ließ ich Turris nicht aus den Augen, angespannt am ganzen Körper wartete ich auf sein Signal, dass er die Kontrolle zurückgewonnen hätte.

    „Diese Lügnerin kann das Meer nicht überwinden“, sagte Wisha anklagend und wies mit der Hand in meine Richtung. „Sie ist gar keine Wasserhexe. Sie kann nichts! Überhaupt nichts! Wir haben den ganzen Weg umsonst gemacht und während wir drei – Eszella, Klymera und ich – treu unsere Pflicht getan haben, wird diese kleine Schmarotzerin ihren Teil der Arbeit nicht erfüllen und nur ihretwegen versanden wir hier!“

    „Schweig“, fuhr Turris sie an und nickte mir zu. Seine Augen begannen leidenschaftlich zu glitzern und ich spürte mit Schrecken, dass sein Körper vor stechender, bösartiger Strahlung nur so pulsierte, die dicker und stärker zu werden begann. Der Hagelsturm gegen seinen Schutzschild donnerte so laut, dass ich kaum seine Worte verstand.

    Noch nie hatte ich die dunkle Magie an ihm deutlicher gesehen und gespürt. Plötzlich war meine eigene Blamage gar nicht mehr das Schlimmste, was mir geschehen konnte – noch viel mehr Angst hatte ich davor, was mit ihm passieren könnte. Wusste er wirklich, was er tat?

    „Siehst du den Durchgang, Murissa?“, fragte Turris mit seltsam metallischer, exaltierter Stimme. „Und würdest du mir zeigen, wie du als Meermädchen aussiehst? Ich muss zugeben, dass ich schon wahnsinig neugierig darauf bin.“

    „Jetzt?“, ergänzte Wisha höhnisch.

    In meinem Kopf begann es zu dröhnen. Ich bekam den Mund nicht auf. Zu dem mörderischen Wasser konnte ich nicht gehen, da die Geister darin auf und absprangen wie wild. Aber ich würde mich nicht verloren geben.

    „Du hast gesagt, ich muss nichts können“, stotterte ich, meiner Stimme kaum mächtig, die seltsam dünn klang. „Das Meer wäre offen ... nicht? Das sagtest du. Sei ganz ruhig, das geht alles gut. Wir finden schon einen Weg, irgendwie...“

    Er stutzte. Sein ganzes Wesen war so verändert, wilder, stürmischer, und das verunsicherte mich enorm. Er war nicht dabei, ein anderer zu werden – oder? War er immer so gewesen und hatte das nur versteckt?

    „Ich weiß, dass du den Weg findest“, erwiderte er laut und in einem Ton, als wäre das eine Aufforderung, „aber ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen... bitte, Murissa, schlag mir das nicht ab!“

    Er stapfte immer näher an uns heran. Glücklicherweise stoppte ihn nun Eszellas Erdspalte, die meterweit den Strand zwischen uns und ihm aufgerissen hatte.

    Einladend machte er eine Geste zum Wasser hin, die mich wohl auffordern sollte, mein Nixendebüt zu geben. Als er meinen erschrockenen Blick sah, lachte er mich an. „Ach, du hast Angst vor den Wassergeistern, oder? Soll ich die aus dem Weg holen?“

    Stirnrunzelnd ging er am Rand der Spalte entlang und schien zu überlegen, wie er sie überwinden könnte. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Eszellas verunglückter Zauber schützte uns jetzt vor ihm.

    Klymera boxte mich in die Seite.

    „Nun steh nicht wie versteinert“, zischte sie mir zu. „Der Typ bringt uns um, wenn du die Lage nicht bereinigst. Ruf die heilige Gorrogon, damit sie dir Kräfte gibt, dann regelt sich das hier schon alles, für dich, und für uns!“

    Das wurde immer schlimmer! Schon bei meinem letzten Versuch hatte diese Göttin mich doch ignoriert. Gehorsam flüsterte ich ein paarmal ihren Namen, doch der Himmel über mir blieb still.

    „Sie hört mich nicht“, wisperte ich kleinlaut zurück. „Oder ich höre sie nicht, wie auch immer – das funktioniert leider nicht.“

    Fieberhaft jagten mir die Gedanken durch den Kopf. Sollte ich Turris erklären, dass ich ihn belogen hatte? Ich spürte, dass ich auf den Scherben meines eingebildeten Glückes stand und wahrscheinlich von jetzt an nie mehr anders als über Scherben gehen würde. Denn mein Versagen als Wassernixe konnte ich nicht länger vertuschen. Dabei war DAS die Eigenschaft an mir, die ihn am meisten faszinierte. Ausgerechnet eine Eigenschaft, die ich gar nicht besaß. Der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und mir selbst einzugestehen, dass Turris nicht für mich bestimmt war, dass er mich verachten würde - das tat weh.

    Gab es gar keine Lösung? Vielleicht könnte ich Klymera um eine Ladung Strahlen anbetteln – wie war das noch mit dieser Komplementärmagie?

    „Gib mir von deiner Kraft“, stammelte ich hektisch und knuffte Klymera in die Seite. „So wie bei den Schwarzen Felsen, als ich damit geflogen bin.“

    Die Feuerhexe nickte grimmig. Ihr Körper fing an zu knistern und bald darauf stoben helle Flammen aus ihren Fingern. Eine davon warf sie durch die Luft in meine Richtung. Unterwegs verdampfte sie und verwandelte sich in ein wolkenartiges kleines Etwas, das ich auffing. Es fühlte sich watteweich und etwas feucht an. Ach du je – und jetzt? Was könnte ich damit anfangen? Es war fürchterlich gehaltlos, ich hatte Angst es zu verlieren und presste es fest in meiner Hand. Es war, als quetschte ich Wasser aus einem Lappen. Als ich mit einem Finger über das nasse Etwas fuhr, spritzte es in einem dicken Strahl in die Luft und fiel dann zu Boden, wo es im Sand versickerte.

    Ernüchtert wandte ich mich an Klymera.

    „Gib mir noch einen Versuch“, wisperte ich ihr zu.

    „So klappt das nie“, fauchte sie mich an. „Du musst dir vorstellen können, was du tun willst! Und zwar, bevor du die Energie aktivierst!“

    „Dann mach du das doch für mich“, schlug ich vor.

    Sie rollte mit den Augen. „Verdammt, das hätte ich schon längst getan, aber das viele Wasser hier ist zum Ersticken. Es geht nicht. Du musst es schaffen, Murissa!“

    Mir traten die Tränen in die Augen. Was hatte ich uns eingebrockt? Ich hätte nicht lügen sollen. Ich hätte mit dem ganzen dummen Theater überhaupt gar nicht erst anfangen sollen.

    „Was ist los?“, rief Turris von der anderen Seite der Spalte zu mir herüber. Ich hörte genau die Anspannung in seiner Stimme. „Willst du dich nicht verwandeln oder ... kannst du nicht? Murissa ... Sag nicht, du hast mich belogen!“

    Ich nickte stumm. Es hatte keinen Sinn, länger Theater zu spielen.

    Das Lächeln gefror in seinen Augen und wich einem verwirrten, verständnislosen Ausdruck. Ich sah, dass er wohl glaubte, ich machte nur einen reichlich bescheuerten Witz.

    „Was?“ Der Ausdruck in seinem Gesicht verdüsterte sich auf eine Weise, die mir tief ins Herz fuhr. Gleichzeitig rutschte ihm vor Überraschung der Schild nach unten, weshalb seine bösartigen Strahlen wie ein Hagel scharfer kleiner Pfeile auf mich loszischten und ich zurückzuckte. Er merkte es erst nach einer Weile und zog ihn wieder hoch.

    „Warum?“, rief er. Der Ton seiner Stimme klang desperat. Ich spürte, dass er getroffen war und das machte alles noch schlimmer. Liebte er mich etwa? So wie ich ihn liebte?

    Herrje, was waren das denn für Gedanken. Natürlich liebte ich ihn nicht, das wäre ja unter den jetzigen Umständen einfach nur katastrophal.

    „Ich war sozusagen gezwungen“, beteuerte ich bebend, „du hättest mich ja sonst nicht mitgenommen und ich wollte unbedingt mit dir reiten. Weil ich dich gleich von Anfang an so ... wahnsinnig gerne mochte.“

    Himmel, jetzt hatte ich doch gesagt, was ich unter den jetzigen Umständen lieber verbergen wollte. Ich spürte, wie sich meine Wangen verräterisch verfärbten.

    Turris´ Hände bohrten sich in den Schild, dass er zu zittern begann.

    „Das darf nicht wahr sein…“ Noch immer fassungslos stierte er mich an – noch immer schien er zu hoffen, ich würde gleich rufen: „War nur ein Witz!“

    Das Blut stieg mir auf eine Weise zu Kopfe, dass ich wahrscheinlich inzwischen einer überreifen Tomate Konkurrenz machte oder sogar einem Haufen glühender Kohle im Kamin. Während seine Miene in derselben Geschwindigkeit zu einem Eisblock erstarrte. Verzweifelt versuchte er, die Fassung zu bewahren, rang mit seinem Schild und musste sich wohl mit Gewalt bezwingen, um sich – oder auch mir - nicht vor Enttäuschung die Haare alle einzelnd herauszureißen.

    „Murissa“, presste er schliesslich mit heiserer Stimme hervor. „Unsere Welt basiert auf einer Ordnung. Auf Regeln, Respekt und Wahrheit. Wenn du das mit Füßen trittst, bist du nicht besser als ein Schimmelpilz. Ein Geschwür, das die Pfeiler der Gesellschaft zerstört.“

    Sag doch Parasit. Das hat Meister Uterjahn auch immer zu mir gesagt. Ich bin wieder da, wo ich herkomme – am Boden der Gesellschaft und unter den Füßen der anständigen Leute. Nur dass es jetzt viel schwerer zu ertragen ist, weil ich einmal das andere Leben gesehen habe.

    „Ordnung und Wahrheit gibt es nur für die Leute, die dazugehören”, flüsterte ich. „Für die anderen sind das die Fallstricke, die sie zur Strecke bringen. Turris, ich bin ein Straßenmädchen. Ich lebe von Sachen, die andere Leute verlieren oder wegwerfen oder die ich ihnen klaue. Und davon, dass ich niemals jemandem die Wahrheit über irgendwas erzähle, was ich gemacht habe.”

    Jetzt war es heraus.

    Und mein Märchen zerstört.

    Turris mochte mich nicht mehr anschauen. Er blickte stattdessen über uns hinweg zu der Nebelwand hin.

    „Eine gewöhnliche Diebin und Betrügerin“, hörte ich seine gepresste Stimme. Beinahe wäre ich in mich zusammengefallen wie ein Haufen von vertrockneten Blättern. Aus seinem Mund hörte es sich an, als wäre ich eine Art Pest. Eigentlich hatte ich gedacht, ich wäre daran gewöhnt verachtet zu werden. Das Nasenrümpfen der Anderen war sozusagen das Stroh, auf dem ich jede Nacht schlief. Aber diese Verachtung in den Augen des einzigen Mannes zu sehen, an dessen Gefallen mir so unendlich gelegen war … das brannte sich in mich hinein wie Brennesselstiche an tausend Stellen gleichzeitig. Geraume Zeit stand er still, während ich seine Verzweiflung wachsen sah und sich seine Blicke in mich hineinbohrten, als könnten sie, wenn sie nur tief genug drangen, doch noch irgendwelche Flossen aus mir herausholen. Schließlich brach es aus ihm heraus: „Aber sind wir denn nicht gleich, du und ich? Wie sonst könntest du so viele Details vom Leben unter Wasser kennen? Die saugt man sich doch nicht so einfach aus den Fingern?“

    Mir blieb der Mund offen stehen. Sind wir gleich - Wie meinte er das? Hielt er sich für eine Art Wassermenschen? Und er dachte, ich wär auch einer? Ach! Wenn ich´s doch wäre! Was gäbe ich darum, „gleich“ mit ihm zu sein!

    Was sollte ich ihm darauf antworten – dass sich all diese hübschen Märchen meine Mutter aus den Fingern gesogen hatte? Aber ich schwieg, denn ich wusste, dass ich ihn verloren hatte. Was hatte ich auch erwartet? Dass ich mit diesem ganzen Meer aus Lügen durchkommen würde? Dass Froschkönige existierten? Nein! Taten sie nicht! Außerdem hatte er doch genauso gelogen wie ich, wollte es nur nicht zugeben.

    Sein Gesicht färbte sich grau und über seine Augen fielen tiefe Schatten.

  • Hey Kirisha ,


    keine Ahnung warum, aber mein Internet funktioniert gerade nicht, weshalb ich auf dem Handy tippen muss.


    Also, insgesamt gefällt mir das so schon ganz gut. Wie Murissas Lügenkonstrukt zusammen bricht und dann Turris Enttäuschung ... das kommt gut rüber.


    Ich habe mich an der Stelle nur gefragt, was hier gerade mit Turris passiert. Kämpft er gegen irgendwas an und verliert den Kampf, als er sich los reißt und mit seiner Strahlung auf die anderen zu eilt. Oder checkt er das einfach nicht, wie gefährlich er für die anderen ist, oder ist es ihm vielleicht egal?


    Wahrscheinlich wird sich das noch klären, aber das waren halt so Gedanken, die mir beim Lesen kamen.


    Und wenn ich es mir jetzt so recht überlege: dafür, dass Murissa so wichtig für die gesamte Mission ist, hat sich Turris aber auch ganz schön naiv verhalten. Eigentlich hätte er schon viel früher mal überprüfen müssen, ob Murissa tatsächlich kann, was sie verspricht. Obwohl es natürlich kein Wasser gab... aber trotzdem... rückblickend betrachtet, hat er sich ganz schön leicht blenden lassen. Zwischendurch dachte ich sogar mal, dass er es vielleicht sogar weiß oder zumindest ahnt, dass Murissa nicht die ist, für die sie sich ausgibt und er eigentlich ganz andere Pläne mit ihr verfolgt. Aber so, wie sich das jetzt liest, war er offenbar doch ziemlich von ihr überzeugt :hmm:


    Nun denn. Mal abwarten, was die jetzt machen werden :gamer:


    Irgendwie muss es ja weitergehen... Entweder Murissa bekommt unerwartet die Kurve ( mit Hilfe der Hexe oder weil sie plötzlich doch irgendwas Magisches an sich hat) oder Turris wird sich einen anderen Weg überlegen. Bin schon sehr gespannt!


    LG,

    Rainbow

  • Ich finde diesen Teil sehr gut gelungen und gar nicht langartmig. Im Gegenteil, es war spannend zu lesen.


    Zitternd blieb ich am Boden liegen. Aufstehen, wollte er uns umbringen?

    Was ich hier komisch finde, man merkt sie hat Angst und liegt am Boden und er kann sie mit seinen Strahlen wohl umbringen, aber ihren Schmerz beschreibst du sehr am Rande. Mir fehlt so was wie: 'Er hat meine Wade getroffen, es fühle sich an, als reißt es mir die Haut von dem Bein, ich schrie auf vor Schmerz. Neben mir hörte ich die andern Hexen schreien und stöhnen...'


    Sag nicht, du hast mich belogen!“

    Ich nickte stumm.

    Ich habe mir aus der Beschreibung vorgestellt, das Turris am Meer steht und Murissa und die Hexen irgendwie weit weg, dann kommt er dichter - ist aber immer noch weit weg und jetzt ist eine Erdspalte zwischen ihnen. In meiner Vorstellellung ruft Turris mit lauter Stimme um die Distanz zu überbrücken. Das er ein Nicken von Murissa eindeutig über diese Distanz zuordnen kann hat mich aus dem lesefluss geholt. Aber vielleicht habe ich mir das nur falsch vorgestellt und du könntest schreiben, sowas wie: 'die Erdspalte war nur eine Mannslänge breit, o.Ä.'

  • Hm, nicht schlecht, aber... irgendwie hatte ich was anderes erhofft...


    Immerhin ist das die Schluesselszene auf die wir gewartet hatten - Murissa wird gefordert und... ja. Was? Das letzte Mal wo sie Regen machen sollte ist ihr ja grade noch eine Mogelei gelungen, halb haette ich gehofft dass ihr hier auch was einfaellt. Oder dass ihr Mundwerk sie nicht im Stich laesst und sie irgendwie noch eine Ausrede konstruiert. So gibt sie mir fast zu schnell auf, das wirkt so... un-Murissa-haft. Irgendwie. Die Szene bringt so keine Ueberraschung, das ist so das Minimalprogramm mit dem man rechnen konnte - Turris enttaeuscht, Murissa schwer zerknirscht... Der runnig gag bisher ist ja, dass Murissa da immer noch was produziert (oder wenigstens versucht).


    (Mit der Art wie die 'Strahlung' entworfen ist werde ich wohl nicht mehr gluecklich - aber muss ja nicht... also werde ich dazu in Zukunft nix mehr sagen, das wiederholt sich bloss...)


    „Gib mir von deiner Kraft“, stammelte ich hektisch und knuffte Klymera in die Seite. „So wie bei den Schwarzen Felsen, als ich damit geflogen bin.“

    Die Feuerhexe nickte grimmig. Ihr Körper fing an zu knistern und bald darauf stoben helle Flammen aus ihren Fingern. Eine davon warf sie durch die Luft in meine Richtung.

    Das ist interessant - ich hatte mich schon laenger gewundert wie ernst es Klymera jetzt eigentlich mit ihrem Freundschaftsangebot ist - hier sehen wir dass es ihr wirklich ernst ist und sie - als es hart auf hart kommt - Murissa tatsaechlich unterstuetzt. Ueberrascht mich ein bisschen - rueckblickend - sollte man das noch besser herausarbeiten dass da was ernstes ist? Oder passt es eher vage??(


    „Murissa“, presste er schliesslich mit heiserer Stimme hervor. „Unsere Welt basiert auf einer Ordnung. Auf Regeln, Respekt und Wahrheit. Wenn du das mit Füßen trittst, bist du nicht besser als ein Schimmelpilz. Ein Geschwür, das die Pfeiler der Gesellschaft zerstört.“

    Scheinheilig sind wir heute aber schon...


    „Ordnung und Wahrheit gibt es nur für die Leute, die dazugehören”, flüsterte ich. „Für die anderen sind das die Fallstricke, die sie zur Strecke bringen.

    Das finde ich schoen getroffen wie sie das sagt!

    Ich habe mich an der Stelle nur gefragt, was hier gerade mit Turris passiert.

    Ich auch.

  • Lieben Dank euch allen für eure Anmerkungen! Gerade an dieser Stelle bin ich doch ziemlich unsicher und darum ist es wichtig für mich zu hören, was ihr dazu meint.


    Rainbow


    Litu



    Thorsten



    Also, hier geht es nun weiter:


    34.2 Das Nebelmeer

    Wisha trat einen Schritt an den Erdspalt heran, der uns trennte.

    „Wir sind wir am Ende der Märchenstunde angelangt. Und auch am Ende der Reise“, erklärte sie kühl. „Da unsere sogenannte Wasserhexe ihren Part nicht erfüllen kann, werden wir diese Meeresgrenze nicht überschreiten. Weiter als bis hier können wir deshalb nicht kommen. Also würde ich sagen, es ist Zahltag und dann gehen wir alle wieder nach Hause.“

    Sie hielt ihre Hände auf und streckte sie auffordernd Turris entgegen. Auch Klymera verlangte auf diese Weise ihren Lohn.

    Turris fuhr auf. Seine Augen wurden pechschwarz, seine Gestalt schien zu wachsen, es war, als legte er von einem Moment zum anderen das Kostüm seiner Zurückhaltung ab und zeigte sein wahres Gesicht.

    „Jetzt reicht es. Warum weigert ihr euch, mir zu helfen? Wir sind hier, um das Nebelmeer zu überqueren, das war unsere Vereinbarung, und ihr werdet sie zum Teufel nochmal nicht brechen, sonst lernt ihr mich kennen! Das Nebelmeer ist nicht zu überwinden? Ihr habt es doch noch gar nicht ernsthaft versucht! – Los jetzt! Findet einen Durchgang! Ihr alle! Das ist ein Befehl!“

    Auf das Kommando drehten wir uns alle vier zum Meer zurück. Doch während meine Kolleginnen sich auf die Nebelwand fokussierten, hörte ich hinter mir ein ekelhaftes Gurgeln und Tosen aus der Tiefe, das mich erzittern ließ. Ich erkannte das Geräusch: Das wilde Zischen und Brausen wurde von Wasser verursacht, das die Erdspalte zwischen uns und Turris voller Wasser laufen ließ. Bei mir schrillten alle Alarmglocken. So viel Wasser so dicht vor seiner Nase würde sein Kraftfeld explodieren lassen. Nein, ich konnte jetzt nicht nach Durchgängen suchen, wenn wir die nächsten Augenblicke überleben wollten.

    Hastig wirbelte ich herum. Doch zu spät. In der Erdspalte hatte sich bereits ein Fluss gebildet und Turris sprang eben in diesem Moment kopfüber hinein. Direkt vor meiner Nase kletterte er wieder aus dem Wasser. Seine stechende Strahlung traf mich unvorbereitet hart, ich riss meine Hände vor das Gesicht, um wenigstens das zu schützen, doch diesmal warf ich mich nicht zu Boden. Ich musste ihn aufhalten. Wenn er das Meer erreichte ... nein, das musste ich verhindern.

    „Turris, geh zurück“, rief ich beschwörend, „du bringst uns in Gefahr!“

    Als wäre ich in einen Dornbusch gefallen, trafen mich pausenlos Stiche und Risse, ich musste an mich halten, um nicht zu schreien. Er schob mich mit der Hand zur Seite. Nein! Nicht zum Meer! Mit aller Gewalt widersetzte ich mich, stellte mich ihm in den Weg.

    „Warum seid ihr denn alle gegen mich?“, schrie er, „dreh dich um! Sieh diese Armee von Toten. Himmel, die stapeln sich ja übereinander bis in den Himmel ... Sind sie wirklich tot? Warum höre ich sie denn schreien? Ich helfe euch! Seid doch ruhig! ... und dort sind meine Kameraden! Könnt ihr mir den Durchgang öffnen?“

    Mein Körper war eine einzige offene Wunde. Ich hielt die ständigen Dornenstiche nicht länger aus, warf mich in den Sand. Meine Arme, mein Bauch und die Beine, alles brannte und schmerzte und der Sand machte es noch schlimmer. Aber das rasende Pochen und Puckern wurde noch von meiner Angst übertönt. Was, bei allen Göttern, glaubte Turris zu sehen? Welche Armee von Toten? Welche Kameraden? Hier war kein Mensch! Wir waren ganz allein!

    Mein Herz hammerte wie wild. Vorsichtig hob ich mein Gesicht. Die Hexen versuchten ebenfalls, Turris aufzuhalten. Eszella ließ eine Klippe zwischen sich und ihm aus dem Boden wachsen, wohl um sich vor seinen Strahlen zu schützen. Klymera versuchte vergebens, Flammen zu produzieren, jedes Feuer erstickte sofort in ihren Fingern. Denn Turris zog ein Rinnsal von Wasser hinter sich her, überall um ihn herum säuselte und sprudelte es.

    Ein schreckliches brodelndes Geräusch aus dem Meer ließ mich aufhorchen. Mitten aus den Fluten stiegen die Wassergeister auf. Es waren acht. Sie wuchsen ... aus ihren Fischschwänzen wurden haarige Beine, aus ihren Flossenkörpern lang aufgerichtete, menschenähnliche Gestalten, sie hatten krallenbewehrte Hände und Gesichter mit langen scharfen Haifischzähnen.

    Dann marschierten sie aus dem Meer heraus. Direkt auf uns zu. Wildes Geschrei gellte mir um die Ohren, ich weiß nicht wer von uns am lautesten brüllte.

    „Turris!“, schrie ich, „du musst weg hier!“

    Ich müsste ihn aufhalten! Noch stoppte ihn Klymeras Felsen, aber seine Strahlung hammerte unaufhörlich dagegen und zerbröckelte ihn schnell. Als er nur noch kniehoch war, hüpfte er darüber und marschierte mit harten Schritten an den Hexen vorbei auf das Ufer zu, als hätte er die Garde der grausigen acht Wassergeister, die im Nassen standen wie Dämonen, noch gar nicht wahrgenommen. Sie hechteten auf ihn zu, wie ein Rudel bissiger Wölfe stürzten sie ihm entgegen, als ob jeder der erste sein wollte, der seine Zähne in seinem Fleisch versenkte. Alle meine Glieder verkrampften sich – gleich würden sie ihm die Füße oder die Arme abbeißen! He, das wusste er doch. Jedes kleine Kind wusste, dass man sich vor Wassergeistern zu hüten hatte. Ich öffnete den Mund, um ihn zu warnen, aber ich war wie gelähmt, bekam keinen Ton heraus.

    Denn er stapfte bereits ohne zu Zögern ins Wasser hinein. Sämtliche Meereskreaturen begannen ihn zu umhüpfen. Ja wirklich, sie hauten ihm ihre Krallenhände auf die Schultern und hechelten ihm entgegen. Wie Hunde, die ihren Herrn lange nicht gesehen haben und sich vor lauter Freude wie Narren gebärden. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. Sie schnappten nicht nach ihm, kein einziger fletschte seine Haizähne, stattdessen röhrten und fiepten sie auf eine Weise, wie ich das noch nie gehört hatte. Er zeigte mit der Hand jedem seinen Platz, da versammelten sie sich und ihn herum und verharrten. Gleichzeitig waberten dunkle Schwaden aus dem Wasser zu ihm hoch und wehten um seine Gliedmaßen. Mir kroch eine Gänsehaut über den Rücken und ich spürte, wie sich alle meine Härchen einzeln sträubten und mich ein eisiger Hauch erfasste, als wäre ein plötzlicher Winter über mich hereingebrochen.

    Er drehte sich wieder zu uns. Mit Schrecken sah ich, wie sich auf seinen Beinen schwarze Schuppen bildeten, die von den Knien her, dort wo sie aus dem Wasser ragten, aufwärts wuchsen, über seine Hüften hinweg bis zu den Armen, die sich in Flossen mit Krallen am Ende verwandelten, ähnlich wie bei den Wassergeistern. Mehr erfasste ich nicht, weil er sich jetzt bückte, mit den Händen die Wellen berührte und als er sich aufrichtete, blieb das Wasser daran haften, zog er eine Riesenwelle mit sich hoch, die sich um ihn herum auftürmte wie eine Wand aus Verderben, die ihn überragte und drohte von oben direkt auf uns niederzustürzen. In der Wassermauer tauchten die acht Haimenschen neben ihm auf. Er war ein Monster!

    Ich schaffte es zu rennen, bevor der Tsunami mich erfasste, hörte noch hinter mir die Hexen kreischen, die Fluten auf den Boden aufklatschen und ein grollendes, knurrendes Geräusch, als wären alle Teufel der Unterwelt erwacht. Vielleicht kam es von ihm. Ich hatte sein Gesicht gesehen, ganz kurz. Die Eckzähne wie bei einem Tiger, das Kinn spitz zulaufend, die rotglühenden Augen – genau wie die Wassergeister - und die schwarzen Schuppen, die über seine Wange gewachsen waren. War das mein eigener gellender Schrei, der meine Ohren fast zerriss?

    Weg, weg, weg! Meine Beine flogen über den Sand, dann aufwärts zu den Felsen, außer Reichweite des Meeres, das ja anscheinend ihm gehorchte.

    „Wo willst du hin?“, schrie er mir nach. Selbst seine Stimme war anders. Dunkel, zerrissen. „Lässt du mich im Stich? Du hast versprochen, mir zu helfen!“

    Aber nicht versprochen mich umbringen zu lassen. Nur weg hier.

    Immer weiter rannte ich, sprang von Fels zu Fels über die unebenen Uferklippen, stolperte, schlug mir die Knie auf, jagte weiter. Nur nicht umdrehen. Das Herz schlug mir so wild in der Brust, als müsste es gleich zerspringen. Ich musste weg vom Wasser, weil das sein Element war. Also kletterte ich die Klippen hinauf zum Wald hin. Nein, es war kein Wald. Dschungel. Undurchdringliches Gebiet, von Bäumen, Sträuchern und Ranken vollkommen überwuchert. So wie überall. Ich würde eine Eszella brauchen, die mir gewaltsam einen Weg hindurchschlug. Okay, dann nicht. Dann halt weiter am Ufer lang. Ich wagte einen hastigen Blick zurück.

    Es war, als ginge die Welt unter über genau jener Stelle, wo ich meine Leute wusste. Riesenhafte Wellen türmten sich über dem Strand, Windböen wirbelten Dünenwälle hinein, Blitze zuckten vom Himmel herunter und am Waldrand schienen gar die Felsen zu tanzen.

    Ich erschauerte. Kämpften sie gegeneinander? Wusste Turris, was er tat, oder blendete ihn die Magie der Wassergeister? Er hatte so wirr geredet ...

    Der nächste Schauer kroch mir über den Rücken. Ich hatte Glück gehabt, dass ich entkommen war. Bis jetzt. Tief bis ins Innere erschrocken hastete ich weiter. Immer an dem schrecklichen Ufer entlang.

    Du kannst ihm gar nicht entkommen. Bestimmt kann er auch schwimmen und wenn er nur will, ist er in einem Augenblick hier.

    Vielleicht aber auch nicht! Momentan hielten ihn ja die anderen Hexen auf. Vielleicht konnte ich mich retten. Auch wenn mir verflixt das Gewissen schlug dafür, dass ich sie einfach im Stich ließ. Aber, wie Klymera so treffend bemerkt hatte: Da hätte ich sowieso nicht helfen können.

    Erst als mir die Luft ausging und ich gezwungen war eine Pause zu machen, ging mir so langsam auf, dass ich es bis jetzt nur geschafft hatte, mich von einem Schlamassel in einen anderen zu katapultieren. Ich war am Ende der uns bekannten Welt, hier wohnte kein Mensch und es gab keine Wege ... Wohin könnte ich fliehen?

    Wie sollte ich alleine jemals wieder zurück in irgendeine Stadt oder wenigstens ein Dorf kommen? Ich war wieder dort, wo ich am Anfang gewesen war. Eine Vagabundin allein in der Wildnis.

    Die Wassergeister folgten mir nicht. Sie hechelten wahrscheinlich immer noch um Turris herum. Aber es war mir fast egal. Ich würde dieses Wasser sowieso nicht mehr betreten. Oder musste ich? Im Prinzip hatte er Recht, ich hatte ihm versprochen, die magische Grenze zu überwinden. War ich unter diesen Umständen wohl immer noch an dieses fatale Versprechen gebunden? Ich denke, nein. Ich hatte das Turris versprochen, nicht diesem Monster der Unterwelt, das er geworden war.

    Ein Bild stieg in meiner Erinnerung auf. Daheim in Aravenna gab es ein verrufenes Gebiet, den sogenannten Sumpfsee. Dahin hatte ich mich nie getraut, weil er nicht nur voller Wassergeister war, sondern dort nach Erzählungen der anderen Straßenmädchen auch Seeteufel lebten. Die waren im Gegensatz zu den Geistern nicht an das Wasser gebunden, sondern konnten jederzeit herauskommen und zerfleischten dann jeden, den sie erwischten, mit ihren langen Eckzähnen. Angeblich sollten diese Bestien so groß sein wie Menschen, aber Krallen, Fischschuppen und mordsmässig lange Zähne haben. War das nicht exakt so, wie Turris eben ausgesehen hatte?

    Seeteufel... Natürlich hatte ich die Saga damals nicht geglaubt. Oder nicht so wirklich. Bei allen Dämonen der Unterwelt, die gab es wirklich? Sie liefen womöglich überall unerkannt auf den Straßen herum, nur darauf lauernd, Leute ins Verderben zu bringen? Oder was sonst war ihr Ziel - was für Wesen waren das genau?

    Ich verbot mir weiterzudenken, weil mir übel wurde und meine Beine drohten, mir den Dienst zu versagen. Letztlich spielte es keine Rolle, wie genau sich die verschiedenene Geister und Dämonen unterschieden.

    Am ganzen Körper bebend ging ich weiter. Schritt für Schritt durch das Niemandsland. Erst jetzt begann ich langsam zu begreifen, was ich verloren hatte.

    Turris einfach wieder zu vergessen, das war schwerer als ich gedacht hatte. Gerade jetzt sah ich seine wehende Pferdemähne und seine warmen Augen so deutlich vor mir ... Auch sein beschwörendes: „Vertrau mir!“ klang noch immer in meinen Ohren und es hörte sich plötzlich so zart, so rein und ehrlich an, dass ich anfing zu zweifeln, ob ein Monster wirklich so reden könnte. Ach, es wäre so schön, könnte ich einfach alles vergessen, was ich gerade gesehen hatte, zu ihm zurücklaufen und ihm um den Hals fallen!

    Ich kämpfte mit den Tränen. Diese Träumerei machte alles nur schlimmer. Was war aus dem netten, verständnisvollen, sanftmütigen Turris geworden, den ich kennengelernt hatte? Der war doch nicht weg? Wurde er von diesem Monster aufgefressen und könnte ich ihn retten, wenn ich diesen Schlüssel hinter dem Nebelmeer finden würde? Vielleicht war er gleichzeitig das Monster und auch dessen Opfer und es wäre meine Aufgabe, ihm zu helfen. Ich wäre dann sogar wohl die Einzige, die es könnte. Müsste ich nicht zurückkehren und das wenigstens versuchen? Egal wie gefährlich es war?

    Ha, klar, ausgerechnet ich. Ich war wohl eher die Einzige aus unserer Truppe, die überhaupt keine Fähigkeiten hatte außer der, zu lügen wie ein Kobold, zu klauen wie eine Elster und ansonsten allen wie ein Klotz am Bein zu hängen. Es war aussichtslos. Mir konnte sowas überhaupt nicht gelingen.

    Und höchstwahrscheinlich wäre es auch sinnlos. Er hatte mich getäuscht! Er war kein netter Junge, war es nie gewesen. Nein: Ein Seeteufel...! Ein dumpfer Schmerz breitete sich in mir aus. Wie ein Steinklotz hing er in meinem Magen, aus dem giftige Säure floss. Und die ätzte sich durch mein ganzes Selbst. Ich war ein einziges Häufchen Elend.

  • Hey Kirisha ,


    ja, ich glaube, das gefällt mir so im Großen und Ganzen schon ganz gut. Das Szenario, das du hier schilderst hat mich zumindest mitgerissen.

    Dass Turris sich verändert, scheinbar mit dem Wassergeistern sympathisiert und sie sogar befehligt, seine Machtdemonstration, indem er diese riesen Welle erschafft...Murissas verzweifelte Flucht und ihre Gedanken dabei. Jepp, das war gut! :thumbsup:


    Dass sie abhaut so schnell sie kann, finde ich total nachvollziehbar. Wobei ich mich frage, warum er sie entkommen lässt. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber eventuell könnte sowas wie ein Wassergeschoss in ihre Richtung platschen...irgendwas, das ihr um ein Haar den Weg abschneidet oder sowas...damit man das Gefühl hat, er versucht es wenigstens. Muss aber nicht. Im Grunde funktioniert es auch so, schließlich hat er ja auch alle Hände voll zu tun, um die Hexen in Schach zu halten.


    Hier noch Kleinkram:

    „Wir sind wir am Ende der Märchenstunde angelangt.

    Ich glaub, hier stimmt was nicht


    Also würde ich sagen, es ist Zahltag und dann gehen wir alle wieder nach Hause.“

    Herrlich pragmatisch! :rofl:


    Mein Herz hammerte wie wild.

    hämmerte (?) Ich habe weiter unten gesehen, dass du noch mal hammerte geschrieben hattes. Scheint also beabsichtigt gewesen zu sein. Ich hätte zu "hämmerte" tendiert


    Sämtliche Meereskreaturen begannen ihn zu umhüpfen.

    umhüpfen klingt seltsam für mich... mehr lustig.


    Auch wenn mir verflixt das Gewissen schlug dafür,

    den Ausspruch kenne ich so nicht



    War das nicht exakt so, wie Turris eben ausgesehen hatte?

    Entsprach das nicht genau dem Bild, das Turris soeben abgegeben hatte... (nur so ein Vorschlag)



    Ich war wohl eher die Einzige aus unserer Truppe, die überhaupt keine Fähigkeiten hatte außer der, zu lügen wie ein Kobold, zu klauen wie eine Elster und ansonsten allen wie ein Klotz am Bein zu hängen.

    :rofl:


    Bin gespannt, wie es weitergeht :gamer:


    LG,

    Rainbow

  • Also ja, der Abschnitt passt dann ganz gut wie Turris sich verwandelt. Was richtig toll geworden ist - der letzte Teil ist ja fast durchgehend ein einziger innerer Monolog von Murissa wo sie einfach nur ihren Gedanken folgt - und das ist so fluessig und gibt gleichzeitig ein gutes Bild von ihr ab dass man das richtig gerne liest.


    (Hint at Rainbow - so in die Richtung koenntest Du mit Elias ein bisschen mehr gehen:))



    Wir sind wir am Ende der Märchenstunde angelangt.

    Genau. Sehr schoen trocken.

    Also würde ich sagen, es ist Zahltag und dann gehen wir alle wieder nach Hause.

    Dito. Hier musste ich an 'Dungeon Keeper' denken, ein altes Computerspiel wo man eben einen Dungeon fuer leichtsinnige Helden einrichtet und mit Monstern bestueckt - die alle Naslang 'Zahltag' groelen, ihre Posten verlassen und in die Schatzkammer pilgern um sich ihren Lohn zu holen. Herrlich...

    So viel Wasser so dicht vor seiner Nase würde sein Kraftfeld explodieren lassen.

    Um... warum? Und woher weiss sie das? Murissa faellt ja eigentlich nicht als faehige Magierin auf - dass sie da so ein eher technisches Statement macht ohne dass der Hintergrund da erklaert wird ist schon eigenartig finde ich.

    Sieh diese Armee von Toten. Himmel, die stapeln sich ja übereinander bis in den Himmel ...

    Aha - das ist jetzt herrlich geheimnisvoll, und so beilaeufig ins Geschehen eingestreut - der erste Hinweis was es denn mit dieser Nebelbank auf sich hat.

    Aber nicht versprochen mich umbringen zu lassen.

    Zugegegben... tja, der arme Turris wird halt einfach immer missverstanden. Kann einem Seeteufel schon passieren...

    Natürlich hatte ich die Saga damals nicht geglaubt.

    'Saga' ist jetzt eigentlich schon eher speziell fuer ein Heldenlied im islaendischen Stil - eher gehobene Literatur - ich wuerde vermuten dass Muru sowas nicht liest, ein anderes Wort wuerde mir hier besser gefallen.

    die überhaupt keine Fähigkeiten hatte außer der, zu lügen wie ein Kobold, zu klauen wie eine Elster und ansonsten allen wie ein Klotz am Bein zu hängen.

    Yep, das fasst's zusammen. Sehr gelungen:thumbsup: