Aus Tenandes' Vergangenheit

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    • Aus Tenandes' Vergangenheit

      Ich hatte mir vorgenommen, hier noch mehr erst selbst zu kommentieren, bevor ich was eigenes poste, aber das Vorkämpfen zieht sich dann doch in die Länge, wenn man eh viel um die Ohren hat... Aber nächstes Jahr fahr ich meine Arbeitsstunden ein bisschen zurück, dann komm ich sicher auch mehr zum Lesen. Trotz allem brennt es mir unter den Nägeln, euch mal meine Ergüsse unter die Nase zu halten ^^ (ich versuch trotzdem weiterhin, mich durch's Forum zu wurschteln)

      Ich habe schon so einige Geschichten angefangen, die meisten verworfen oder einfach nicht weitergeführt, aber eine Geschichte hat mir doch besonders viel Spass gemacht und liegt mir ziemlich am Herzen. Bevor ich euch aber gleich mit diesem (noch unfertigen) Wälzer erschlage, würde ich euch gerne eine Kurzgeschichte präsentieren, dich ich persönlich sehr gut gelungen finde, aber mich interessieren da mal die Meinungen von Aussenstehenden :) Die eigentliche Geschichte spielt in einer von @Thorsten erfundenen Welt, und ist eigentlich die Niederschrift eines Pen-and-Paper-Rollenspiels (ein bisschen ausgeschmückt und von unlogischen Spieleraktionen bereinigt).

      Die folgende Kurzgeschichte findet so im Rollenspiel nicht statt, sondern ist sowas wie die Vorgeschichte meines Charakters oder zumindest ein Teil aus seiner Vergangenheit (ich mach sowas gern, um dem Charakter näher zu kommen). Ich knall euch das mal ohne grosse Erklärungen hin und will nur mal wissen wie es wirkt und was eure Erwartungen sind. Spricht es euch an, würdet ihr gern mehr erfahren? Oder ist es eher planlos und viel zu lang? Einen guten Einstieg in eine Geschichte finde ich recht schwierig zu formulieren...

      Aus Tenandes' Vergangenheit: Antija (Teil 1)

      Die Bäume hatten angefangen, sich in lebende, denkende Wesen zu verwandeln. Sie wollten ihn aufhalten, stellten Fallen für ihn auf, zwangen ihn immer wieder zu Umwegen und ließen ihn straucheln, wenn sich ihre Wurzeln genau da über den Erdboden erhoben, wo der Weg verlief. Aber eigentlich gab es keinen Weg. Der Weg war einzig, was er zu seinem Weg auserkoren hatte und er führte an der Küstenlinie entlang, weiter und immer weiter. Er war sich sicher, dass die Küste hier einige Buchten, größere und kleinere aufwies und dass dies ebenfalls ein Grund war, warum er so langsam vorwärts kam, denn er fürchtete, sich endgültig im Dschungel zu verlaufen, wenn er die Küste aus den Augen ließ. Also hatte er immer Blickkontakt zum Meer bewahrt und war daher nicht in einer geraden Linie gelaufen, sondern in Schlangenlinien immer an der Küste entlang. Aber das Meer zu verlieren, es nicht mehr zu sehen oder zu hören, das wusste er, wäre sein Todesurteil gewesen. Meer auf Steuerbord, Meer auf Steuerbord. Das war sein Mantra, schon seit zwölf oder dreizehn Tagen. Meer auf Steuerbord. Er sprach es im ungleichmäßigen Rhythmus seiner eigenen Schritte vor sich hin, mal leise, mal so laut, dass ihn jeder, der ihn gehört hätte, für verrückt gehalten hätte. Aber es hörte ihn keiner, denn es gab hier niemanden.
      Er hatte versucht, sich an der Sonne zu orientieren, aber die Bäume, diese hinterlistigen Landungetüme, raubten ihm die Sicht. Südsüdostkurs, Meer auf Steuerbord. Aber da waren immer diese verfluchten Urwaldriesen. Sie stellten sich ihm in den Weg, wo auch immer er hinging. Sie nahmen ihm auch regelmäßig den tröstlichen Blick aufs Wasser und dann ging er häufig ein Stück zurück, um sicherzugehen, dass das Meer auch weiterhin da war und er sich nicht zu weit entfernte.
      Am Morgen dieses Tages hatte er einen Teil der Strecke direkt am Ufer zurücklegen können, denn dort war die Küste nicht schroff und felsig gewesen. So war er über den steinigen Untergrund gelaufen und Wasser hatte seine zerschundenen Füße umspült und er hatte sich zum ersten Mal seit Tagen wieder voller Hoffnung gefühlt. Eine Hoffnung, die schon bald wieder zerschlagen worden war, denn dann war der Steinstrand wieder von hohen und glitschigen Felsen abgelöst worden und er war abermals gezwungen gewesen, seinen Weg im Dschungel fortzusetzen. Dort hatte er dann vor Frust nicht aufgepasst, wohin er trat und war direkt in ein Schlagennest gestiegen. Eines der Biester hatte ihn gebissen, eine kleine Schlange nur, doch nur kurze Zeit später hatte er sich erschöpft und schläfrig gefühlt. Er war dennoch weitergewankt, Meer. . . auf. . . Steuer. . . bord, war schließlich irgendwo bei einer großen Pfütze zusammengebrochen und hatte es einfach nicht mehr fertig gebracht wieder aufzustehen. Das ist das Ende, hatte er gedacht, ich werde hier sterben. Die Augen waren ihm zugefallen und er war vor Erschöpfung eingeschlafen.
      Gegen Abend erwachte er wieder. Er fühlte sich hundeelend und übergab sich auf der Stelle – nicht, das es viel war, was er herauswürgte, denn er hatte seit Tagen nichts mehr gegessen, aber die Lähmung, die ihn befallen hatte, war vorrüber.
      Am nächsten Tag setzte er seinen Weg fort, schleppte sich weiter voran, aber eigentlich hatte er die Hoffnung bereits aufgegeben. Er wusste nicht genau, wie lange er jetzt schon unterwegs war, aber er war davon überzeugt, dass er nicht mehr in Coth ankommen würde. Er hatte sich irgendwo grundlegend verrechnet, das sah er jetzt ein, denn er hatte kalkuliert, dass er allerhöchstens drei Tage brauchen sollte, bis er die freie Handelsstadt erreichte. Ein Zurück gab es sowieso nicht mehr, hatte es nie gegeben. Und jetzt würde er also hier im Urwald sterben, aber vermutlich würde ihn da draußen in der zivilisierten Welt auch niemand vermissen. Er war die letzten zwei Jahre mit niemandem mehr in Kontakt gewesen, der ihm irgendetwas bedeutet hätte und vermutlich hielten ihn die meisten ohnehin schon für tot, da machte es auch keinen Unterschied mehr und er könnte ebensogut tatsächlich sterben.
      Doch dann sah er es in der Ferne. Es war ein Bild der Hoffnung, so wundervoll und surreal und in dieser menschenfeindlichen Welt so vollkommen fehl am Platz, dass er zunächst an seinem Verstand zweifelte. Er rieb sich die Augen, um noch ein zweites Mal hinzusehen und halb befürchtete er, es sei fort, wenn er sie wieder öffnete, doch es war noch immer da. Es war ein Dreimaster mit Rah- und Gaffelsegeln, an der Spitze irgendeine Flagge, die er in der Ferne nicht hatte erkennen können. Und das Schiff fuhr in Richtung Küste, es fuhr in einen Hafen ein.
      Wäre er nicht so entkräftet, hätte er sicher einen Jubelschrei ausgestoßen und dem Schiff gewunken und es angerufen, obwohl ihn aus der Entfernung natürlich niemand wahrgenommen hätte. Doch stattdessen wuchsen plötzlich neue Kräfte in ihm heran, spornten ihn an, weiterzugehen und seinen Schritt zu beschleunigen.
      Aber es waren wieder die verdammten Bäume, die sich ihm unerbittlich in den Weg stellten. Sümpfe, Wasserläufe und Gestrüpp ließen sich allesamt in einigermaßen übersichtlichen Wegen passieren, aber wenn er um die Bäume, diese unverschämt großen, breiten Stämme, herumgehen oder über ihre Wurzeln klettern musste, veränderte sich jedes Mal die Landschaft und er musste sich aufs neue orientieren, während die aufdringlich bunten Vögel hoch oben in den Baumkronen über ihn spotteten. Und jetzt war er schon den ganzen Tag beinahe ununterbrochen gelaufen – Meer auf Steuerbord – und von einer Stadt war noch immer nichts zu sehen.
      Er hörte sie, bevor er sie sah. Irgendwo weit in der Ferne vor ihm waren Rufe zu hören, die ersten menschlichen Laute, die er seit fast zwei Wochen vernommen hatte. Es wurde bereits dunkel, aber er wusste, dass er nicht noch eine Nacht hier überleben würde. Er hatte schon die letzten zwei Tage bemerkt, dass er dabei war, krank zu werden und er ahnte, dass das Fieber, das sich jetzt schon vor einiger Zeit mit Müdigkeit und Schüttelfrost angekündigt hatte, in der kommenden Nacht ausbrechen würde und dann würde er es nicht mehr in die Stadt schaffen. Durchhalten, sagte er sich, einfach nur bis zur Stadt durchhalten, dann bist du in Sicherheit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Katharina ()

    • Hallo @Katharina

      Katharina schrieb:

      Ich knall euch das mal ohne grosse Erklärungen hin und will nur mal wissen wie es wirkt und was eure Erwartungen sind. Spricht es euch an, würdet ihr gern mehr erfahren? Oder ist es eher planlos und viel zu lang? Einen guten Einstieg in eine Geschichte finde ich recht schwierig zu formulieren...
      Anfangs hatte ich gedacht, die Bäume wären wirklich erwacht. Aber es schien ihm nur so ;)
      Ich finde den Weg durch den Wald nachvollziehbar geschildert. Man fragt sich warum er durch den Wald irrt. Ist er ein Schiffbrüchiger? Die Orientierung nach Steuerbord deutet daraufhin. Und er mag keine Bäume.
      Also ich würde schon gerne mehr erfahren, warum der Mann halb-planlos durch den Wald rennt und wie die Stadt wohl aussieht. Als Einstieg in die Geschichte funktioniert es für mich.

      (Möchtest du auf Kleinigkeiten und Geschmacksachen aufmerksam gemacht werden?)
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Hallo @Katharina,

      also, ich schließe mich @Sensenbach an. Sicher ist es nicht verkehrt, die Geschichte so zu beginnen und deinen Prota auf die Weise einzuführen. Der beschwerliche Weg, den er da gewählt hat und die Gefahren, die er in Kauf nimmt, um an seinem Vorhaben festzuhalten, kommen ziemlich gut rüber.
      Dennoch fragt man sich beim Lesen zwangsläufig, WARUM er das tut. Einerseits finde ich es cool, wenn man die genauen Hintergründe noch nicht erfährt und das Ganze noch etwas geheimnisvoll bleibt. Aber andererseits ist der Teil wiederum zu lang, als dass man als Leser sich nicht noch ein paar Informationen wünschen würde. (ich hoffe, du verstehst, was ich meine ^^ )
      Der nächste Punkt ist der, dass der komplette Teil im Plusquamperfekt geschrieben ist. Es gibt eigentlich nichts, was wir direkt mit dem Prota erleben. Das ist alles nur ein einziger Rückblick, was ich ein wenig schade finde. Für den Einstieg in eine Geschichte finde ich diese Erzählweise ein wenig ungünstig. Was würde denn dagegen sprechen, den Teil etwas auszuweiten und den Prota das alles im Hier und jetzt erleben zu lassen? (nur so ne Idee :hmm: ) Ich weiß ja nicht, wie du das Ganze weiter geplant hast.

      Ansonsten erfahre ich gerne mehr...

      LG,
      Rainbow
    • Danke für eure Kommentare, @Sensenbach und @Rainbow!

      Sensenbach schrieb:

      Anfangs hatte ich gedacht, die Bäume wären wirklich erwacht. Aber es schien ihm nur so
      Das war so ungefähr der Effekt, den ich erzielen wollte. ^^

      Sensenbach schrieb:

      (Möchtest du auf Kleinigkeiten und Geschmacksachen aufmerksam gemacht werden?)
      Gerne auch. Wobei im Zweifelsfall natürlich mein Geschmack ausschlaggebend für die Geschichte ist. Aber ich lass mir gerne ein paar Tipps geben, was für andere vielleicht komisch wirkt oder so nicht funktioniert.

      Rainbow schrieb:

      Dennoch fragt man sich beim Lesen zwangsläufig, WARUM er das tut. Einerseits finde ich es cool, wenn man die genauen Hintergründe noch nicht erfährt und das Ganze noch etwas geheimnisvoll bleibt. Aber andererseits ist der Teil wiederum zu lang, als dass man als Leser sich nicht noch ein paar Informationen wünschen würde. (ich hoffe, du verstehst, was ich meine )
      Ja, das versteh ich gut. Ein bisschen problematisch an der Stelle ist vielleicht auch, dass ich diese Geschichte als eine Art Rückblick geschrieben habe, losgelöst von der eigentlichen Geschichte, daher wird in ebendieser Kurzgeschichte nicht sehr viel über die Welt an sich erzählt. Ist wahrscheinlich einfacher, wenn man die Welt bereits kennt (z.B. aus anderen Geschichten, die dort spielen). Vieles muss man jetzt da also erst mal hinnehmen...

      Rainbow schrieb:

      Der nächste Punkt ist der, dass der komplette Teil im Plusquamperfekt geschrieben ist.
      Hier hab ich auch schon ein paar mal hin und her überlegt, ob das so gut ist, und habe versucht, gedanklich mal alles ins Präteritum zu setzen, aber das hatte mE nicht mehr ganz den selben Effekt. Genaugenommen ist es ja eine Mischung aus beiden Zeitformen. Manchmal sind wir direkt bei ihm "Aber das Meer zu verlieren, es nicht mehr zu sehen oder zu hören, das wusste er, wäre sein Todesurteil gewesen.", "Das war sein Mantra, schon seit zwölf oder dreizehn Tagen. Meer auf Steuerbord. Er sprach es im ungleichmäßigen Rhythmus seiner eigenen Schritte vor sich hin, [...]" usw. Und dann sind wieder Stellen im Plusquamperfekt, die eben erzählen, was während seiner Wanderung durch den Dschungel alles schon passiert ist. Das ganze ist etwas durcheinander, aber es soll ja auch eine Ahnung davon geben, wie sein Zeitgefühl verschwimmt, wie sich da verschiedene Dinge in seinem Kopf vermischen.

      So, ich muss zur Arbeit, danke nochmals an euc :)
    • @Katharina Als Einstieg durchaus gut gelungen. Man liest den "letzten Strohhalm" richtig heraus. Wo das alles hinführt, wer er ist und überhaupt - lässt du im Dunkeln, was ja auch gut ist.
      Die Karte macht das Ganze etwas Übersichtlicher, wäre aber bislang nicht nötig gewesen. Hübsch gezeichnet!
      Gern mehr. ^^
      Wortgefechte

      Ein Schwert und sein Held
    • Danke auch dir @bigbadwolf! :) So, ich mach dann mal direkt weiter...

      Antija (Teil 2)

      Er erreichte die Stadt erst lange nach Sonnenuntergang. Es fiel nur wenig Licht von den umliegenden Gebäuden auf die Straßen, aber seine Augen waren inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt. Nur im Hafen waren mehr Laternen entzündet und er machte sich unwillkürlich auf den Weg dorthin.
      Es war ungewohnt, wieder auf befestigtem Boden zu laufen und er humpelte am Straßenrand entlang immer auf die Lichter am Hafen zu. Er humpelte auch wegen der vielen Wunden, Schrammen und Stauchungen, die er sich in den letzten Tagen zugezogen hatte, hauptsächlich jedoch wegen der durchtrennten Sehne in seinem rechten Fuß, die noch immer nicht ganz zusammengeheilt war und bei jedem Schritt schmerzte. Kurzzeitig kam ihm der Gedanke, einfach an irgendeine Tür zu klopfen und die Leute, die ihm hoffentlich öffneten, um Hilfe zu bitten. Aber ihm wurde bewusst, wie er aussah in seinen vollkommen zerfetzten und schmutzigen Kleidern. Seine Arme und Beine waren mit Wunden und Insektenstichen übersät und sein Gesicht von einem verfilzten Bart zugewachsen. Vermutlich würde man ihn für einen Landstreicher halten und im schlimmsten Fall sogar die Stadtwache holen. Aber eine Stadtwache, die plötzlich anfing, irgendwelche Fragen zu stellen und ihn am Ende womöglich einsperrte, war die ganze Mühe eigentlich nicht wert gewesen.
      Er ging also weiter in Richtung Hafen, einfach weil dies die einzige vertraute Umgebung für ihn war, und hoffte, dort auf irgendjemanden zu treffen, der ihm würde helfen können. Als er den Kai erreicht hatte, erkannte er die Gegend auch wieder und wusste jetzt ganz sicher, dass er sich in Coth befand. Er war früher schon oft hier gewesen und er kannte auch eine kleine Taverne auf der anderen Seite des Hafens, wo sich der Wirt oder eine Bedienung vielleicht an ihn erinnern würde. Doch bis dahin war es noch ein Stück zu gehen und ihm war schwindelig, weshalb er beschloss, sich kurz auszuruhen, bevor er das allerletzte Stück Weg antrat. Er lehnte sich gegen eine Mauer in der Nähe der ersten Pier und sackte augenblicklich zusammen.
      Er wusste nicht, wie lange er da gelegen hatte. Vielleicht war er kurzzeitig eingeschlafen oder eher in einen Dämmerzustand zwischen Wachen und Schlafen abgedriftet. Erst jetzt bemerkte er, wie kalt es war, und drückte sich instinktiv dichter an die Mauer in seinem Rücken. Dann waren plötzlich Schritte zu hören, die auf ihn zukamen, Stimmen von zwei Männern, die miteinander sprachen. Sie kamen näher und er wollte aufstehen, wollte sie anrufen und sie um Hilfe bitten, aber seine Glieder waren so schwer, dass er sich nicht bewegen konnte. Und dann gingen die Schritte an ihm vorüber und entfernten sich wieder, zusammen mit ihren Stimmen. Hatten sie ihn nicht gesehen? Hatten sie nicht gesehen, dass er hier starb? Verzweiflung machte sich in ihm breit, doch er war zu erschöpft, um sich lange damit aufzuhalten, denn eigentlich wollte er schlafen, nur schlafen. Wieder übermannte ihn der dämmerige Halbschlaf, in dem man sich zwar über seine missliche Lage bewusst, in dem diese einem zugleich aber völlig egal ist.
      Die nächsten sich nähernden Schritte hörte er nicht. Er spürte nur, wie eine Hand sich plötzlich an seinem Arm vorbeischob und nach seinem Gürtel tastete. Irgendjemand war ihm sehr nahe und er spürte warmen Atem an seiner Wange. Jetzt wanderte die Hand seinen Gürtel entlang, fand aber offensichtlich nicht, wonach sie suchte und zog sich hastig wieder zurück. Er glaubte schon, die Person, die zu der Hand gehörte, würde jetzt ebenfalls wieder verschwinden, aber mit einem Mal spürte er die Hand wieder, dieses Mal auf seiner Stirn. Und dann hörte er eine Stimme, die wie aus weiter Ferne zu ihm sprach, aber er verstand die Worte nicht. Im nächsten Moment wurde er heftig geschüttelt und erst jetzt erwachte er allmählich aus der Bewusstlosigkeit. Plötzlich war es wieder kalt um ihn, so bitterkalt, dass er heftig zu zittern begann. Und nun vernahm er auch die Stimme, die jetzt mit einem Mal so laut war, dass er zunächst glaubte, sie schrie, obwohl sie vermutlich ganz normal mit ihm sprach.
      „Du hast Fieber, wach auf!“, sagte eine weibliche Stimme und er schlug die Augen auf.
      Zunächst nahm er die Umrisse ihres Gesichtes nur schemenhaft wahr, als würde er durch einen Schleier blicken. Doch allmählich fokussierte sich sein Blick und er schaute in das schönste Gesicht, das er je gesehen hatte.
      Eine junge Frau saß über ihn gebeugt und sah ihn mit besorgter Miene an.
      „Wo ist dein Schiff?“, fragte sie, als sie merkte, dass er wach war. „Hörst du mich? Wo ist dein Schiff?“
      Die Worte drangen an sein Ohr, aber ihre Bedeutung wollte ihm lange nicht einfallen. Seine Lider flatterten und er drohte, wieder das Bewusstsein zu verlieren, doch sie ließ es nicht zu, sondern schüttelte ihn erneut, richtete seinen Oberkörper auf und drückte ihn gegen die Mauer, damit er nicht wieder zu Boden sackte.
      „Sag mir nur, wie dein Schiff oder dein Kapitän heißt“, sagte sie.
      Er schüttelte langsam den Kopf und bemühte sich, einige Worte über die Lippen zu bringen.
      „Kein Schiff“, sagte er. „Dschungel.“ Mehr brachte er nicht heraus.
      Sie zögerte kurz, schien nachzudenken.
      „Meinst du, du kannst laufen?“, fragte sie ihn schließlich.
      Er antwortete nicht, verstand auch gar nicht, was sie von ihm wollte. Als er nicht reagierte, hielt sie ihn mit der linken Hand an der Schulter fest und tätschelte mit der rechten seine bärtigen Wangen, zunächst nur sacht, dann heftiger, bis er wieder die Augen aufschlug.
      „Hör zu“, sagte sie eindringlich. „Ich wohn’ hier gleich um die Ecke, aber ich kann dich nicht tragen. Meinst du, du kannst laufen?“
      Kurzzeitig hellwach nickte er, obwohl er nicht wusste, ob er es tatsächlich schaffen würde. Die Frau mit dem schönen Gesicht half ihm auf und stützte ihn, als er zu schwanken begann und dann führte sie ihn ein Stück die Straße hinunter und in eine kleine Gasse. Er ließ sich von ihr führen und bemühte sich, nicht zu stolpern. Sie kamen zu einer kleinen Tür, welche sie umständlich öffnete, während sie gleichzeitig darauf achtete, dass er nicht umkippte, dann gelangten sie in einen dunklen Flur, von dem offenbar mehrere Türen abgingen. Die Frau öffnete eine von ihnen und sie betraten eine kleine Kammer, in der nur eine einzige Kerze brannte. Er erkannte zunächst keine Details und es war ihm im Moment auch gleichgültig. Das einzige, was er sofort wahrnahm, war der salzig-süßliche Geruch, der in der Luft lag. Er kam ihm bekannt vor, aber er konnte sich nicht daran erinnern, woher.
      Die junge Frau geleitete ihn mit sicheren Schritten durch das Halbdunkel zu einer Schlafstätte, die aus einer mit Stroh gefüllten Matratze und einer wollenen Decke bestand. Sie half ihm, sich dort hinzulegen und ihm fielen augenblicklich wieder die Augen zu. Er hörte, wie sie sich irgendwo anders in dem Zimmer offenbar an einem Wasserkrug zu schaffen machte, dann bemerkte er plötzlich, dass sich noch eine weitere Person im Raum befinden musste.
      „Wo haste den denn gefunden?“, fragte eine andere weibliche Stimme verschlafen. „Ist der betrunken?“
      „Er ist krank“, antwortete die junge Frau in sachlichem Ton. „Leg dich wieder schlafen!“
      Unzufriedenes Gemurmel drang an sein Ohr, aber die andere Frau schien sich wieder hingelegt zu haben. Die Frau, die ihn gerettet hatte, kam kurz danach zurück und hielt ihm einen Becher Wasser unter die Nase. Sie ließ ihm keine Ruhe, bis er nicht wenigstens einen kleinen Schluck getrunken hatte, dann hieß sie ihn zu schlafen, ein Befehl, den er gerne entgegennahm und ohne zu zögern ausführte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Katharina ()

    • Diese Abschnitt hat mir gut gefallen. Wir sind jetzt in der Hafenstadt und eine unbekannte Fremde hilft dem verlorenen Wanderer.
      Warum sie das wohl macht?
      Der Mann könnte ja ein gefährlicher Räuber oder Pirat sein. Aber sie scheint sich sicher zu sein und zu wissen was sie tut.
      Man weiss noch nicht recht in welchem Setting man sich befindet. Es gibt eine Strassenbeleuchtung und Stadtwachen. Ich vermute eine mittelalterliche Umgebung. Könnten aber auch Dampfschiffe im Hafen liegen. Bin gespannt.

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      Die Schilderung der Häuser und der Stadt ist bisher nur angedeutet, das stört nicht. Aber ein genaues Bild kann man sich noch nicht machen.

      Katharina schrieb:

      Vermutlich würde man ihn für einen Landstreicher halten und im schlimmsten Fall sogar die Stadtwache holen, aber eine Stadtwache, die plötzlich anfing, irgendwelche Fragen zu stellen und ihn am Ende womöglich einsperrte, war die ganze Mühe eigentlich nicht wert gewesen.
      Geschmacksache, viele Kommas: z.B. sogar die Stadtwache holen. Eine Stadtwache, die plötzlich anfing,

      Katharina schrieb:

      Er wusste nicht, wie lange er da gelegen hatte. Vielleicht war er kurzzeitig eingeschlafen oder eher in einen Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen abgedriftet. Erst jetzt bemerkte er, wie kalt es war und er drückte sich instinktiv näher an die Mauer in seinem Rücken. Dann hörte er Schritte, die sich näherten, Stimmen von zwei Männern, die miteinander sprachen.
      Geschmacksache: Das "er" könnte man variieren. z.B. Der Wanderer, Der geschwächte Mann etc
      Andererseits gibt das wiederholte "er" eine gewissen Rhythmus vor. im ersten Abschnitt waren auch einige Satzanfänge mit "er", die man variieren könnte.
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Es geht interessant weiter. Du schaffst einen Eindruck vom katastrophalen Gesundheitszustand des Unbekannten und flechtest eine anscheinend recht altruistische Unbekannte ein... was auch immer ihre Hand vorher an seinem Gürtel gesucht hat. Was erhofft sie sich letztlich von ihrer Hilfe? Was hält die Stadt überhaupt bereit?
      Ich bleibe dran.

      Hab auch mal ein paar Gedanken angefügt. Hoffe, es hilft.
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      Katharina schrieb:

      Er erreichte die Stadt erst lange nach Sonnenuntergang. Die Straßen waren kaum beleuchtet, aber seine Augen waren inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt. Nur vom Hafen her kam etwas mehr Licht und er machte sich instinktiv auf den Weg dorthin.
      Es war ungewohnt, wieder auf einer Straße zu laufen und er humpelte am Straßenrand entlang immer auf die Lichter am Hafen zu. Er humpelte nicht nur wegen der durchtrennten Sehne in seinem rechten Fuß, sondern auch wegen der vielen Wunden, Schrammen und Stauchungen, die er sich in den letzten Tagen zugezogen hatte. Kurzzeitig kam ihm der Gedanke, einfach an irgendeine Tür zu klopfen und die Leute, die ihm hoffentlich öffneten, um Hilfe zu bitten. Aber ihm wurde bewusst, wie er aussah in seinen vollkommen zerfetzten und schmutzigen Kleidern, mit den mit Wunden und Insektenstichen übersähten übersäten Armen und Beinen und dem von einem pechschwarzen und verfilzten Bart zugewachsenen Gesicht. Ziemlich viele Beschreibungen in einem Satz. Vielleicht aufteilen? Oder im Verlauf des Textes einbinden statt Infodump? Vermutlich würde man ihn für einen Landstreicher halten und im schlimmsten Fall sogar die Stadtwache holen,Punkt (langer Satz) aber eine Stadtwache, die plötzlich anfing, irgendwelche Fragen zu stellen und ihn am Ende womöglich einsperrte, war die ganze Mühe eigentlich nicht wert gewesen.
      Er ging also weiter in Richtung Hafen, einfach weil dies die einzige Umgebung war, in der er sich auskannte, und hoffte, dort auf irgendjemanden zu treffen, der ihm würde helfen können. Als er den Kai erreicht hatte, erkannte er die Gegend auch wieder und wusste jetzt ganz sicher, dass er sich in Coth befand. Er war früher schon oft hier gewesen und er kannte auch eine kleine Taverne auf der anderen Seite des Hafens, wo man ihn vielleicht noch kennen und ihm helfen würde. Worthäufung Doch bis dahin war es noch ein Stück zu gehen und ihm war schwindelig und (stattdessen vielleicht "weshalb") er beschloss, sich kurz auszuruhen, bevor er das allerletzte Stück Weg antrat. Er lehnte sich gegen eine Mauer in der Nähe der ersten Pier und sackte augenblicklich zusammen.
      Er wusste nicht, wie lange er da gelegen hatte. Vielleicht war er kurzzeitig eingeschlafen oder eher in einen Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen abgedriftet. Erst jetzt bemerkte er, wie kalt es war und er drückte sich instinktiv näher an die Mauer in seinem Rücken. Dann hörte er Schritte, die sich näherten, Stimmen von zwei Männern, die miteinander sprachen. Sie kamen näher und er wollte aufstehen, wollte sie anrufen und sie um Hilfe bitten, aber seine Glieder waren so schwer, dass er sich nicht bewegen konnte. Siehe Sensenbach bzgl "er" Und dann gingen die Schritte an ihm vorüber und entfernten sich wieder, zusammen mit ihren Stimmen. Hatten sie ihn nicht gesehen? Hatten sie nicht gesehen, dass er hier starb? Verzweiflung machte sich in ihm breit, doch er war zu erschöpft, um sich lange damit aufzuhalten, denn eigentlich wollte er schlafen, nur schlafen. Er glitt zurück in den Dämmerzustand, in dem man sich zwar über seine missliche Lage bewusst, in dem diese einem zugleich aber völlig egal ist.
      Die nächsten sich nähernden Schritte hörte er nicht. Er spürte nur, wie eine Hand sich plötzlich an seinem Arm vorbeischob und nach seinem Gürtel tastete. Irgendjemand war ihm sehr nahe und er spürte warmen Atem an seiner Wange. Jetzt wanderte die Hand seinen Gürtel entlang, fand aber offensichtlich nicht, wonach sie suchte und zog sich hastig wieder zurück. Er glaubte schon, die Person, die zu der Hand gehörte, würde jetzt ebenfalls wieder verschwinden, aber mit einem Mal spürte er die Hand wieder, dieses Mal auf seiner Stirn. Und dann hörte er eine Stimme, die wie aus weiter Ferne zu ihm sprach, aber er verstand die Worte nicht. Im nächsten Moment wurde er heftig geschüttelt und erst jetzt erwachte er allmählich aus der Bewusstlosigkeit. Plötzlich war es wieder kalt um ihn, so bitterkalt, dass er heftig zu zittern begann. Und nun vernahm er auch die Stimme, die jetzt mit einem Mal so laut war, dass er zunächst glaubte, sie schrie, obwohl sie vermutlich ganz normal mit ihm sprach.
      ”Du hast Fieber, wach auf!“Komma sagte eine weibliche Stimme und er schlug die Augen auf.
      Zunächst nahm er die Umrisse ihres Gesichtes nur schemenhaft wahr, als würde er durch einen Schleier gucken (Passt nicht so gut zu deiner sonst eher stilbewussten Wortwahl. Ist klar, was ich meine? Ich bin da jedenfalls drüber gestolpert.). Doch allmählich fokussierte sich sein Blick und er schaute in das schönste Gesicht, das er je gesehen hatte.
      Eine junge Frau saß über ihn gebeugt und sah ihn mit besorgter Miene an.
      ”Wo ist dein Schiff?“ fragte sie, als sie merkte, dass er wach war. ”Hörst du mich? Wo ist dein Schiff?“
      Die Worte drangen an sein Ohr, aber ihre Bedeutung wollte ihm lange nicht einfallen. Seine Lider flatterten und er drohte, wieder das Bewusstsein zu verlieren, doch sie ließ es nicht zu, sondern schüttelte ihn erneut, richtete seinen Oberkörper auf und drückte ihn gegen die Mauer, damit er nicht wieder zu Boden sackte.
      ”Sag mir nur, wie dein Schiff oder dein Kapitän heißt“, sagte sie.
      Er schüttelte langsam den Kopf und bemühte sich, einige Worte über die Lippen zu bringen.
      ”Kein Schiff“, sagte er. ”Dschungel.“ Mehr brachte er nicht heraus.
      Sie zögerte kurz, schien nachzudenken.
      ”Meinst du, du kannst laufen?“ fragte sie ihn schließlich.
      Er antwortete nicht, verstand auch gar nicht, was sie von ihm wollte. Als er nicht reagierte, hielt sie ihn mit der linken Hand an der Schulter fest und tätschelte mit der rechten seine bärtigen Wangen, zunächst nur sacht, dann heftiger, bis er wieder die Augen aufschlug.
      ”Hör zu“, sagte sie eindringlich. ”Ich wohn’ hier gleich um die Ecke, aber ich kann dich nicht tragen. Meinst du, du kannst laufen?“
      Kurzzeitig hellwach nickte er, obwohl er nicht wusste, ob er es tatsächlich schaffen würde. Sie half ihm auf und stützte ihn, als er zu schwanken begann und dann führte sie ihn ein Stück die Straße hinunter und in eine kleine Gasse. Er ließ sich von ihr führen und bemühte sich, nicht zu stolpern. Sie kamen zu einer kleinen Tür, die sie umständlich öffnete, während sie gleichzeitig darauf achtete, dass er nicht umkippte, dann betraten sie einen dunklen Flur, von dem offenbar mehrere Türen abgingen. Sie öffnete eine von ihnen und sie betraten eine kleine Kammer, in der nur eine einzige Kerze brannte. Er erkannte zunächst keine Details und es war ihm im Moment auch gleichgültig. Das einzige, was er sofort wahrnahm, war der salzig-süßliche Geruch, der in der Luft lag. Er kam ihm bekannt vor, aber er konnte sich nicht daran erinnern, woher.
      Die junge Frau geleitete ihn mit sicheren Schritten durch das Halbdunkel zu einer Schlafstätte, die aus einer mit Stroh gefüllten Matratze und einer wollenen Decke bestand. Sie half ihm, sich dort hinzulegen und ihm fielen augenblicklich wieder die Augen zu. Er hörte, wie sie sich irgendwo anders in dem Zimmer offenbar an einem Wasserkrug zu schaffen machte, dann bemerkte er plötzlich, dass sich noch eine weitere Person im Raum befinden musste.
      ”Wo haste den denn gefunden?“ fragte eine andere weibliche Stimme verschlafen. ”Ist der betrunken?“
      ”Er ist krank“, antwortete die junge Frau in sachlichem Ton. ”Leg dich wieder schlafen.“ Da das eine Aufforderung ist, würde hier eher ein ! passen.
      Unzufriedenes Gemurmel drang an sein Ohr, aber die andere Frau schien sich wieder hingelegt zu haben. Die Frau, die ihn gerettet hatte, kam kurz danach zurück und hielt ihm einen Becher Wasser unter die Nase. Sie ließ ihm keine Ruhe, bis er nicht wenigstens einen kleinen Schluck getrunken hatte, dann hieß sie ihn zu schlafen, einen ein Befehl, den er gerne entgegennahm und ohne zu zögern ausführte.
      Da du uns ja noch keinen Namen, Beruf oder Ähnliches über den Mann genannt hast, bist in der Zwangslage ihn stets als "er" zu bezeichnen. Dein Satzbau verlangt auch stets nach "er". Vielleicht könntest du bei den Häufungen noch etwas variieren, also als Beobachter schreiben, Sätze so gestalten, dass es um "ihn" geht oder man "ihm" etwas anmerkt oder dergleichen...
      Wortgefechte

      Ein Schwert und sein Held
    • Hey Katharina,

      auch mir hat der Teil sehr gut gefallen. Hier kommen nur ein paar Anmerkungen von mir :)

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      Katharina schrieb:

      Es war ungewohnt, wieder auf einer Straße zu laufen und er humpelte am Straßenrand entlang immer auf die Lichter am Hafen zu.

      Vielleicht könnte man schreiben: Es war ungewohnt, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und er humpelte am Sraßenrand entlang....


      Katharina schrieb:

      in der er sich auskannte, und hoffte, dort auf irgendjemanden zu treffen, der ihm würde helfen können. Als er den Kai erreicht hatte, erkannte er die Gegend auch wieder und wusste jetzt ganz sicher, dass er sich in Coth befand. Er war früher schon oft hier gewesen und er kannte auch eine kleine Taverne auf der anderen Seite des Hafens,wo man ihn vielleicht noch kennen und ihm helfen würde.
      das kann man vielleicht etwas variieren :hmm:


      Katharina schrieb:

      Doch bis dahin war es noch ein Stück zu gehen und ihm war schwindelig und er beschloss, sich kurz auszuruhen, bevor er das allerletzte Stück Weg antrat.
      Ich würde hier nach "gehen" einen Punkt machen und einen neuen Satz beginnen. So verhinderst du Kettensätze mit "und".


      Katharina schrieb:

      Vielleicht war er kurzzeitig eingeschlafen oder eher in einen Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen abgedriftet.
      Vielleicht "Dämmerzustand" ? Sonst hast du 2x "zwischen" und das liest sic etwas holprig.


      Katharina schrieb:

      Sie kamen näher und er wollte aufstehen, wollte sie anrufen und sie um Hilfe bitten, aber seine Glieder waren so schwer, dass er sich nicht bewegen konnte.
      das zweite "wollte" würde ich streichen.


      Katharina schrieb:

      Erst jetzt bemerkte er, wie kalt es war und er drückte sich instinktiv näher an die Mauer in seinem Rücken. Dann hörte er Schritte, die sich näherten, Stimmen von zwei Männern, die miteinander sprachen. Sie kamen näher und er wollte aufstehen,
      Wiederholung

      Katharina schrieb:

      dann betraten sie einen dunklen Flur, von dem offenbar mehrere Türen abgingen. Sie öffnete eine von ihnen und sie betraten eine kleine Kammer
      Wiederholung

      Tut mir leid... ich bin eine "Wortwiederholungsvermeidungsfetischistin" :pardon: In den Texten anderer fällt mir sowas sofort auf. In meinen eigenen bin ich manchmal selber blind dafür :)

      Bin gespannt, wie es weitergeht :thumbsup:




      LG,
      Rainbow
    • Danke euch allen!

      Spoiler anzeigen

      Sensenbach schrieb:

      Die Schilderung der Häuser und der Stadt ist bisher nur angedeutet, das stört nicht. Aber ein genaues Bild kann man sich noch nicht machen.
      Ja, da hab ich ein bisschen das Problem, dass das alles aus seiner Sicht geschrieben ist und er gerade nicht in der Verfassung ist, sich alles so genau anzusehen :D Andererseits kennt er die Stadt (oder zumindest auf jeden Fall den Hafen) ja ganz gut, also könnte ich vermutlich irgendwelche Nebensätze einbauen (im Stil von "die Strasse beim Hafen mit ihren verwinkelten Gassen"). Ich werd's mir nochmal genau ansehen und gucken, wo sowas passen könnte.

      Sensenbach schrieb:

      Geschmacksache: Das "er" könnte man variieren. z.B. Der Wanderer, Der geschwächte Mann etc
      Andererseits gibt das wiederholte "er" eine gewissen Rhythmus vor. im ersten Abschnitt waren auch einige Satzanfänge mit "er", die man variieren könnte.
      Schwierig, find ich. Einerseits sehe ich das Problem mit der Wiederholung, andererseits wollte ich das ganze irgendwie so schlicht und schmucklos wie seine Lage beschreiben und auch recht nahe an ihm dran sein (und er würde sich nicht als "ich geschwächter Mann" bezeichnen, sondern auch immer nur "ich" sagen) - wahrscheinlich meinst du was ähnliches, wenn du von einem "Rhythmus" sprichst. Aber ich glaube, ich kann zumindest teilweise drum herumarbeiten, wenn ich z.B. sowas mache wie:

      "Erst jetzt bemerkte er, wie kalt es war und er drückte sich instinktiv näher an die Mauer in seinem Rücken. Dann waren plötzliche sich nähernde Schritte zu hören sowie Stimmen von zwei Männern, die miteinander sprachen."

      Damit ist im gesamten letzten Teil nur noch ein Mal "er" statt drei Mal. Vielleicht kann ich was ähnliches auch im Teil davor machen.

      Spoiler anzeigen

      bigbadwolf schrieb:

      was auch immer ihre Hand vorher an seinem Gürtel gesucht hat.
      Das kommt in dieser Geschichte hier nicht heraus, aber ich kann euch verraten, dass sie anfangs gar nicht vorhatte, ihn zu retten. Der naheliegendere Gedanke war nämlich tatsächlich, dass er betrunken ist ;)

      bigbadwolf schrieb:

      Da du uns ja noch keinen Namen, Beruf oder Ähnliches über den Mann genannt hast, bist in der Zwangslage ihn stets als "er" zu bezeichnen. Dein Satzbau verlangt auch stets nach "er". Vielleicht könntest du bei den Häufungen noch etwas variieren, also als Beobachter schreiben, Sätze so gestalten, dass es um "ihn" geht oder man "ihm" etwas anmerkt oder dergleichen...
      Siehe Anmerkung zu Sensenbach. Ich guck's noch mal in Ruhe durch.

      Ach ja, und das mit "durch einen Schleier gucken", damit hast du Recht, das passt nicht zu dem Stil, das sollte wohl eher "blicken" sein.

      Rainbow schrieb:

      Tut mir leid... ich bin eine "Wortwiederholungsvermeidungsfetischistin"
      Ist kein Problem. Ich kreide die auch immer an und versuche, sie zu vermeiden (hab beim Schreiben meist einen Thesaurus griffbereit). Eine Wiederholung allerdings würde ich so stehen lassen, weil das mE hier als Stilmittel ganz gut funktioniert:
      "Sie kamen näher und er wollte aufstehen, wollte sie anrufen und sie um Hilfe bitten,"
      Ich finde, das wirkt eindringlicher durch die Wiederholung. Noch eindringlicher könnte man es machen mit "er wollte aufstehen, wollte sie anrufen, wollte sie um Hilfe bitten" - das klingt dann sogar noch verzweifelter.

      Ich bau eure Anmerkungen demnächst dann ein. Danke noch mal.
    • Hallo Katharina,

      eine spannende Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat. Bis jetzt ist alles noch etwas mysteriös, wir erfahren noch nicht, woher der Wanderer kommt und was er vor hat, es bleibt bis jetzt auch unklar, warum die Frau ihm hilft und um was es eigentlich in der Geschichte gehen wird (einziger Hinweis: Schiffe werden vielleicht eine Rolle spielen), aber meiner Meinung nach musst du es auch jetzt noch nicht verraten. Das Setting ist interessant genug, dass ich trotzdem gerne dran bleibe. Oder vielleicht sogar, weil es die Spannung erhöht, neugierig auf die Ursachen zu sein.
      Das einzige, was ich zu beanstanden hätte, ist im ersten Teil, dass du eine gewaltige Passage im Plusquamperfekt geschrieben hast. Das liest sich sehr sperrig und ich denke ausserdem die ganze Zeit: Okay, dies ist alles noch Handlung vor der eigentlichen Handlung - und wann geht es nun endlich los?
      Musst du es wirklich so machen? Da du es ja sowieso alles genau erzählst, könntest du nicht einen Grossteil der Plusquamperfekt-Erzählung einfach in die gewöhnliche Vergangenheit setzen? Ich sehe jetzt nicht, was sich inhaltlich dadurch verändern würde. Ausser dass es hübscher zu lesen wäre.

      @Thorsten: tolle Karte. Ich hab auch mal versucht, eine zu zeichnen und es leider nicht so schön hinbekommen.
    • Hallo @Katharina

      Ich habe auch mal reingelesen und bisher finde ich die Geschichte gut. Und neugierig auf mehr hat sie mich auch gemacht. Ich bin vor allem darauf gespannt, wer diese selbstlose junge Frau ist, die den Armen da so bedingungslos rettet, obwohl sie ihn nicht mal kennt. Kann mir vorstellen, dass da n interessanter Charakter dahintersteckt.

      Aber erstmal zum ersten Part:
      Ich war überrascht, wie es losging, und dachte zunächst , wir sind hier in einer Konfliktsituation ^^ Weil du geschrieben hast, die Bäume verwandeln sich. Aber du hast die Situation des Protagonisten (wenn er denn einer ist) gut beschrieben hier und man konnte dem Erzählstrang gut folgen.
      Für meinen Fall war jetzt die Umgebung etwas wenig beschrieben, aber das ist ja Ansichtssache, wie genau man das beschreibt, und ich weiß ja auch gar nicht, ob das jetzt so in die Szene gepasst hätte, wenn da mega viele Landschaftsbeschreibungen drin gewesen wären. Schließlich scheint das ja ein Rückblick o.ä. zu sein.

      Zum zweiten Part:
      Man kriegt ganz gut die Verwirrung und die Unsicherheit von dem Char mit, wie auch im ersten Part. Und man merkt auch so n bisschen die Erleichterung, die er hat, als er am Hafen und somit einem Gebiet ankommt, wo er sich auskennt.
      Ich dachte aber bei der jungen Frau, die ihm da helfen wollte, erst, dass das ein Dieb sei, weil sie an seinem Gürtel rumgesucht hat, wo ja normalerweise n Geldsäckchen hängt ^^ Mir war nicht ganz klar, wieso sie das tut, aber das liegt sicher an mir ^^


      Auf jeden Fall schon mal ein guter Einstieg und ich bleibe mal dran :)

      LG
      Blue
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Hallo @Kirisha und @BlueRosesInMyHeart - Danke, dass ihr das lest und auch was dazu sagt! :)

      Spoiler anzeigen

      Weil diese Anmerkung jetzt schon häufiger gekommen ist, habe ich malden gesamten ersten Teil hinsichtlich der Zeitformen analysiert und muss gestehen, dass ich an einer Stelle offenbar tatsächlich daran hängengeblieben bin und die ganze Szene gedanklich ungefähr kurz bevor er die Stadt erreicht, eingeordnet habe. Ihr habt Recht, dass das ein wenig sperrig klingt 8| Ich würde dennoch einen Teil im Plusquamperfekt lassen, nämlich den Teil, wo er erst am Ufer entlanggehen kann, dann aber doch wieder im Dschungel weiterlaufen muss, in ein Schlangennest tritt und dann irgendwo zusammenbricht. Die eigentliche Geschichte würde also praktisch am Abend dieses Tages oder möglicherweise am nächsten Tag anfangen, wo er dann aufwacht und weitergeht. Und alles, was ab da bis zum Erreichen der Stadt passiert, wäre dann im Präteritum. Grund dafür ist, dass alles direkt nach dem Schlangenbiss aus seiner Sicht beschrieben wahrscheinlich eher wirr werden würde, aber ich wollte hier das ganze Geschehen relativ zügig abarbeiten, in etwa so wie er es möglicherweise auch später erzählen würde.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Für meinen Fall war jetzt die Umgebung etwas wenig beschrieben, aber das ist ja Ansichtssache, wie genau man das beschreibt, und ich weiß ja auch gar nicht, ob das jetzt so in die Szene gepasst hätte,
      Das ist auch wieder der Tatsache geschuldet, dass das alles recht nahe am Protagonisten sein soll und der ist gerade nicht in der Verfassung, von seiner Umgebung sehr viel mehr mitzukriegen als eben nur: Meer = gut, Bäume = schlecht. Daher wiederholt sich dieses Thema hier auch.

      BlueRosesInMyHeart schrieb:

      Ich dachte aber bei der jungen Frau, die ihm da helfen wollte, erst, dass das ein Dieb sei, weil sie an seinem Gürtel rumgesucht hat, wo ja normalerweise n Geldsäckchen hängt Mir war nicht ganz klar, wieso sie das tut, aber das liegt sicher an mir
      Das hast du gut beobachtet. Bedenke nur, dass jemand, nur weil er jemandem etwas stiehlt/stehlen will, ja nicht zwangsläufig von Berufs wegen ein Dieb ist (diese Welt ist nicht so eindimensional :D ). In diesem Fall hatte sie lediglich eine Gelegenheit gewittert - konnte ja nicht ahnen, dass der abgerissene Typ nichts bei sich hat.


      Morgen habe ich frei, da werde ich eure ganzen Anmerkungen mal in den Text einbauen. Bis dahin könnt ihr euch schon mal auf den nächsten Teil stürzen:

      Antija (Teil 3)


      Als er erwachte, war es stockfinster um ihn herum, aber es war eine andere Dunkelheit als die im Dschungel. Einen Moment lang wusste er nicht, wo er war, aber die Erinnerung kam schnell wieder als er die Wolldecke auf seiner Haut spürte und merkte, dass er zum ersten Mal seit langem wieder in so etwas wie einem Bett lag.
      Es war ungewohnt still. Im Dschungel war es nie so still gewesen, denn immer raschelte der Wind irgendwo oder ein Tier ließ unheimliche Laute vernehmen. Hier jedoch hörte er zunächst nichts außer seinen Atem, doch schon bald drangen noch andere Laute an sein Ohr, ebenfalls Atemzüge, ruhig und gleichmäßig. Er brauchte eine Weile, um festzustellen, dass ihr Ursprung ganz in seiner Nähe lag und er drehte sich vorsichtig nach rechts um. Seine Augen begannen allmählich, Umrisse in der Dunkelheit auszumachen und so erkannte er kurz darauf auch die junge Frau wieder, die Frau mit dem wunderschönen Gesicht. Sie lag neben ihm auf der Matratze, dicht an die Wand gedrückt, um ihn nicht zu wecken, wenn sie sich bewegte, und schlief. Ihre Decke hatte sie ihm offenbar vollständig überlassen.
      Er erinnerte sich, dass noch eine andere Frau in dem Zimmer gewesen war und als er angestrengt lauschte, konnte er aus einer anderen Ecke auch ihre gleichmäßigen Atemzüge ausmachen. Auch sie schien zu schlafen. Obwohl er sich noch krank fühlte, war er hellwach und als er sich nach dem Grund dafür fragte, bemerkte er schnell, dass seine Kehle wie ausgetrocknet war. Ihm fiel ein, dass die junge Frau irgendwoher Wasser geholt hatte, aber er war sich nicht sicher, ob er sich im Dunkeln hier zurechtfinden würde. Andererseits wollte er sie aber auch nicht wecken, also richtete er sich langsam auf und versuchte, die Details seiner Umgebung auszumachen. Alles schmerzte bei der Bewegung und ihn überkam augenblicklich wieder Schwindel, deshalb blieb er zunächst eine Weile sitzen und blickte sich um. In einer Ecke stand ein Tisch und darauf ein Krug, in dem womöglich Wasser war. Vorsichtig schwang er die Beine über den Rand der Matratze, aber um ihn herum drehte sich alles, so dass er fürchtete, er würde über irgendetwas fallen und damit unweigerlich alle wecken, wenn er sich jetzt zu dem Krug Wasser vorarbeitete.
      ”Wohin willst du denn?“, hörte er ein Flüstern hinter sich.
      Die junge Frau war aufgewacht. Er drehte sich zu ihr um und konnte in der Dunkelheit undeutlich erkennen, dass sie noch immer so dalag wie vorher, ihm nun aber den Kopf zugewandt hatte und ihn ansah. Er wollte ihr antworten, aber sein Hals war so trocken, dass er nur ein Krächzen hervorbrachte.
      ”Wasser“, sagte er leise.
      ”Warte.“ Sie stand behände auf, lief auf Zehenspitzen zu dem Tisch hinüber, goss ihm einen Schluck in einen Becher und kam zurück.
      Gierig trank er den ganzen Becher leer, ließ sich wieder auf seine Schlafstätte sinken und schloss die Augen. Wieder spürte er ihre Hand sanft und kühl auf seiner Stirn.
      ”Es scheint jedenfalls nicht schlimmer zu werden“, sagte sie, aber er reagierte nicht.
      Es war ihm egal, ob es schlimmer wurde oder nicht. Er war bei dieser Frau in Sicherheit, das war das einzige, was zählte. Er hatte es durch den Dschungel geschafft und war bei ihr gelandet, bei diesem rettenden Engel mit dem schönen Gesicht und den sanften Händen. Kurz darauf war er wieder eingeschlafen.

      Gedämpftes Sonnenlicht drang in das Zimmer, als er das nächste Mal erwachte, und er blickte sich um. Der Raum war winzig und das einzige Fenster an der Stirnseite mit einem Tuch zugehängt, so dass nur dämmriges Licht herrschte. Zwei Matratzen auf sich gegenüberliegenden Seiten und ein kleiner Tisch, ein Stuhl und ein winziger Schrank bildeten die restliche Ausstattung. Er war allein, beide Frauen waren fort.
      Abermals versuchte er aufzustehen, aber seine Muskeln verweigerten den Gehorsam. Er spürte undeutlich, dass er Hunger hatte. Außerdem brannte seine Kehle schon wieder und er sah sich nach dem Wasserkrug um, konnte ihn aber nicht erblicken. Eine Weile lag er nur so da, dann drohte er schon wieder in Fieberträume abzugleiten, als sich plötzlich die Tür öffnete und er wieder wach wurde.
      Die junge Frau betrat das Zimmer, den Wasserkrug unterm Arm und einen Laib Brot in der Hand. Sie lächelte, als sie sah, dass er wach war.

      ”Ich hab’ frisches Wasser geholt“, sagte sie und stellte den Krug neben ihm ab. ”Außerdem Brot. Ich weiß nicht, ob du Hunger hast.“
      Sein ausgehungerter Blick beantwortete ihre Frage. Schweigend machte er sich über das Wasser und das Brot her, bekam, trotz seines nach fester Nahrung schreienden Magens jedoch nicht viel herunter. Zu lange schon hatte er nichts mehr gegessen. Sie setzte sich neben ihn auf den blanken Fußboden, nahm sich ebenfalls ein Stück Brot und schaute ihm nachdenklich zu.
      ”Wie heißt du?“, fragte sie ihn unvermittelt.
      Er schaute zu ihr auf und bemerkte, dass er sie jetzt erstmals bei Tageslicht sah. Lange Strähnen von nussbraunem, glattem Haar fielen in ihr sanftes, gutmütiges Gesicht, ihre dunklen Augen sahen ihn neugierig an. Sie schien jünger zu sein, als er zunächst angenommen hatte, vielleicht gerade mal achtzehn oder neunzehn. Eine schlichte Tunika wurde von einem Ledergürtel um ihrer schlanken Taille gehalten. Er räusperte sich.
      ”Tenandes“, erwiderte er heiser.
      ”Und du bist aus dem Dschungel hergekommen?“, fragte sie weiter.
      Er nickte.
      ”Schiffbruch?“
      Er schüttelte den Kopf.
      ”Piraten“, sagte er und hoffte, sie würde keine Details wissen wollen. Er war noch immer erschöpft, zu erschöpft zum Reden und er wollte auch nicht weiter nachdenken müssen. Das einzige, was er wollte war, sich wieder schlafen legen zu können.
      Sie sah verblüfft aus, aber nicht schockiert. Es war kein Geheimnis, dass die Küsten von Ciridar und des Aznarischen Reiches Piratengebiete waren, aber vermutlich gab es nicht so viele Menschen, die den Dschungel durchquerten, um vor ihnen zu fliehen und diese Flucht überlebten.
      ”Ich wollte dir irgendwas gegen das Fieber besorgen“, sagte die junge Frau zögernd. ”Aber ich hatte nicht genug Geld. Ich hoffe, es geht so vorbei.“
      Sie sah verlegen aus, aber er winkte ab.
      ”Es geht schon so vorbei“, beruhigte er sie, obwohl er nicht sicher war, ob das stimmte.
      Er fühlte sich eigentlich kaum besser als vorher, außer vielleicht, dass er nun wieder etwas gestärkt war, aber ihm war noch immer schwindelig, ihn fröstelte und jede plötzliche Bewegung bereitete ihm Übelkeit. Doch er wollte nicht, dass sie sich seinetwegen so viele Umstände machte. Sie hatte ohnehin schon mehr als genug für ihn getan und wenn er nur in der Lage gewesen wäre aufzustehen, hätte er ihr schon längst angeboten, ihre Wohnung wieder zu verlassen.
      Sie blieb noch eine Weile bei ihm sitzen, dann sagte sie, er solle sich wieder hinlegen, was er auch tat, um bald darauf wieder einzuschlafen.


      Und ja, jetzt wo der Name eingeführt ist, kann man ihn sicher auch ab und an "Tenandes" nennen, da euch ja das wiederholte "er" aufgestossen ist... Ich bin mir nur nicht sicher, ob das dann noch der gleiche Erzähler ist. Das ganze war eigentlich ein Versuch, dem Protagonisten möglichst nahe zu sein. Die Analogie wäre ein Ich-Erzähler, nur dass das hier eben ein "Er-Erzähler" ist (vielleicht gibt's dafür ne schöne Bezeichnung?). Wenn ich "ich" schreiben würde, würde ich mich ja auch nicht zwischendrin von mir mit meinem Namen oder irgendwelchen Adjektiven reden, sondern ich würde durchweg "ich" sagen. Dieser Erzähler wird dann also irgendwie aufgegeben, wenn ich etwas anderes als "er" benutze. :hmm: Was meint ihr? Ich habe das bewusst noch nie so betrachtet und werde mir die Sache mal durch den Kopf gehen lassen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Katharina ()

    • Katharina schrieb:

      Bedenke nur, dass jemand, nur weil er jemandem etwas stiehlt/stehlen will, ja nicht zwangsläufig von Berufs wegen ein Dieb ist (diese Welt ist nicht so eindimensional ).
      Jaja, das ist mir durchaus bewusst ^^ War nur mein erster Gedanke, als ich diese Szene gelesen habe. Dass man gleich von Berufswegen ein Dieb ist, wenn man mal was stiehlt oder die Absicht dazu hat, hat ja niemand gesagt :) Man is meiner Meinung nach auch ein Dieb, wenn man nur einmal "Gelegenheitsklauer" ist ^^ Aber das ist ja um Grunde unrelevant, darüber jetzt zu diskutieren :)


      Ich hab auch gleich den neuen Teil gelesen und hab nichts auszusetzen an deinem Schreibstil und an der Erzählweise, die du hast. Liest sich ganz angenehm und du führst den Leser gut durch das Geschehen und den Text.
      Ich weiß nur nicht, ob ich das schon wieder vergessen hab oder ob du es noch nicht geschrieben hast, aber mir fehlt irgendwie n Bild von dem männlichen Protagonisten. Ich kann mir den noch nicht so ganz vorstellen ^^
      Die weibliche Protagonistin (wenn sie eine ist) hast du gut beschrieben :thumbup: Nicht gleich zu detailliert, aber dennoch so, dass man sich ein grobes Bild schaffen kann.
      Ist ein noch ruhigeres Kapitel, aber auch das wird nicht langweilig, zu lesen, gefällt mir. N gutes Kapitel allgemein.


      Und noch zu deiner Frage/ Anmerkung:

      Katharina schrieb:

      Und ja, jetzt wo der Name eingeführt ist, kann man ihn sicher auch ab und an "Tenandes" nennen, da euch ja das wiederholte "er" aufgestossen ist... Ich bin mir nur nicht sicher, ob das dann noch der gleiche Erzähler ist.

      Katharina schrieb:

      Dieser Erzähler wird dann also irgendwie aufgegeben, wenn ich etwas anderes als "er" benutze.
      Also ich finde, du kannst durchaus ab und an den Namen "Tenandes" für deinen Protagonisten verwenden - ist ja kein Ich - Erzähler, sondern ein Er - Erzähler. Du beschreibst quasi aus der Sicht von Tenandes, aber nicht so wie in der Ich - Perspektive. Also wenn jetzt wörtliche Rede ist, is schon klar, dass der Prota nicht von sich sagen sollte "Tenandes macht das und jenes", aber wenn du jetzt ne Handlung einbaust so wie "Er griff nach dem Wasserkrug.", dann kannst du schon schreiben "Tenandes griff nach dem Wasserkrug" meiner Meinung nach.

      N anderer Erzähler wäre es, wenn du jetzt auktorial schreiben würdest, sprich Infos einbauen würdest, die über dem derzeitigen Wissen des Protas stehen. Wenn du jetzt aber den Infos treu bleibst, die der Prota hat, dann ist es meiner Meinung nach kein Problem, ab und zu den Namen des Protas zu nennen.

      Ich hoffe, ich hab deine Frage richtig verstanden, und wenn ja, konnte dir helfen ^^

      LG
      Blue :)
      Chaos sagt, Halvars dunkle Seite sei harmlos gegen mich...
















    • Huhu @Katharina,
      ich versuchs mal auch mit nem kleinen Feedback zu jedem Teil °-°

      Spoiler anzeigen

      1. Part
      Der Anfang irritierte mich ein wenig mit den lebenden Bäumen, die dann doch nicht lebendig waren sondern dass nur sein Gefühl war... vllt hätte man das gleich erwähnen können, dass es sich nur so anfühlt für ihn. Oder dass er angefangen hat zu halluzinieren? Oder durch Krankheit paranoid wurde? :hmm:
      Ansonsten stellten sich eben die Fragen wer er ist, warum er da in dem Urwald gelandet ist und wohin er will, bzw ob er selber weiß wo es hingeht. Alles sehr mysteriös gehalten. Gefällt mir aber :thumbsup: Und ich will wissen, wie es weiter geht. Schließlich erfahr ich, dass er nach Coth wollte und scheinbar sich vertan hat... er findet zwar ein Schiff, aber das könnte genau so gut zu nem Piratennest gehören xD
      zuletzt fällt mir auf, dass er einerseits keine Ahnung hat, wie lang er unterwegs schon ist, andererseits "fast zwei Wochen" unerwegs ist... also hat er doch ne Ahnung xD ?

      und lese den nächsten Part...

      2. Part

      Katharina schrieb:

      Die Straßen waren kaum beleuchtet
      ne kleine Info womit sie beleuchtet werden :) ?

      Katharina schrieb:

      Er humpelte nicht nur wegen der durchtrennten Sehne in seinem rechten Fuß, sondern auch wegen der vielen Wunden, Schrammen und Stauchungen, die er sich in den letzten Tagen zugezogen hatte
      Ich glaub die durchtrennte Sehen ist da doch mehr ausschlaggebend für das Humpeln xD vllt die kleinen Wunden zuerst nennen und zum Schluss die durchtrennte Sehne? Nur so ein Gedanke ^^


      Katharina schrieb:

      Nur vom Hafen her kam etwas mehr Licht und er machte sich instinktiv auf den Weg dorthin.
      Das versteh ich nicht so wirklich. was hat mit seinem Instinkt zu tun, zu dem gut beleuchteten Hafen zu laufen ?(
      Vllt würde Intuition mehr Sinn machen, wenn der Weg eher schlechter beleuchtet ist, als der Rest der Hafenstadt... oder gar nicht xD


      Katharina schrieb:

      wo man ihn vielleicht noch kennen und ihm helfen würde.
      Hier hätte ichs schön gefunden zu erfahren, wer ihn hätte wiedererkennen können. Alte Freunde? Der Wirt? Vielleicht die Bedienung?

      Mir drängen sich kurz weitere Fragen auf... warum sie am Gürtel fummelt warum sie ihm so selbstlos hilft. Wieso sie davon ausgeht, dass er einen Kapitän hat oder ein eigenes Schiff sogar. Nur weil am Kai liegt?

      Mal sehen was in Part 3 passiert :D

      Part 3

      Warum sie ihm hilft wurde auch in dem Part nicht erläutert... schade... vielleicht im nächsten xD *gespannt ist* und müsste er nicht ein paar mehr Fragen an sie haben?
      Einerseits hatte er nach Hilfe gesucht, aber andererseits versucht er so wenig wie möglich davon anzunehmen und würde wohl am liebsten gleich wieder verschwinden :hmm: das kommt mir ein bisschen widersprüchlich vor xD (so mein Eindruck)
      Und wieder wollte sie selbstlos etwas tun. ihr Geld für ihn ausgeben... aus der Inneneinrichtung und der größe des Raumes schließe ich mal, dass sie sowieso nicht viel hat... Wieso macht sie das alles?! :pillepalle: Und wer ist die andere Frau, die sich nicht daran gestört hatte, dass sie einen Fremden mitbringt? mir kommt das dumpfe Gefühl bzw der Eindruck, dass sie das öfter mal macht und die Hosen an hat in dem Haus.



      Ich hoffe, ich konnte ein bisschen was beitragen :aikido:

      lg Kramurx
    • Also dann, ich hab Teil 1 und 2 mal überarbeitet und die meisten eurer Anmerkungen eingebaut (und selbst noch ein paar Kleinigkeiten gefunden).

      Schön, dass auch du dich eingeschaltet hast, @Kramurx!

      Kramurx schrieb:

      Der Anfang irritierte mich ein wenig mit den lebenden Bäumen, die dann doch nicht lebendig waren sondern dass nur sein Gefühl war... vllt hätte man das gleich erwähnen können, dass es sich nur so anfühlt für ihn.
      Darüber sind offenbar fast alle gestolpert, aber das sollte durchaus so sein, dass man erst mal ebenso verwirrt ist wie der Protagonist. Ist vielleicht in dem Moment ein bisschen schwierig, wenn man - wie ihr jetzt - keine Ahnung hat, in was für einer Welt man sich befindet. Aber wie gesagt, das ganze ist eher ein Exkurs aus einer anderen Geschichte und wenn man die kennt, ist einem scho klar, dass es dort nicht wirklich lebende Bäume geben kann. Ihr kennt die Hauptgeschichte nun nicht, daher verstehe ich, dass das möglicherweise erst mal komisch wirkt, aber offenbar haben alle die Kurve ja noch gekriegt und mitbekommen, dass er einfach nur anfängt durchzudrehen. (Einen ähnlichen Einstieg könnte ich mir bei einer beliebigen Geschichte über einen Geistesgestörten vorstellen.)

      Kramurx schrieb:

      zuletzt fällt mir auf, dass er einerseits keine Ahnung hat, wie lang er unterwegs schon ist, andererseits "fast zwei Wochen" unerwegs ist... also hat er doch ne Ahnung xD ?
      Na ja, zumindest 'ne ungefähre Ahnung, aber genau hätte er's nicht sagen können ;)

      Deine Anmerlungen zu Part 2 habe ich alle berücksichtigt. Danke :)

      Kramurx schrieb:

      müsste er nicht ein paar mehr Fragen an sie haben?
      Wahrscheinlich, aber er hat gerade mit Müh und Not überlebt und nimmt daher vielleicht erst mal alles so hin, ohne Fragen zu stellen ;) Allerdings könnte ich ihn, sobald es ihm etwas besser geht, ja wenigstens über diese Fragen nachdenken lassen können, auch wenn er sie vielleicht nie ausspricht... guter Punkt!

      Kramurx schrieb:

      Und wieder wollte sie selbstlos etwas tun. ihr Geld für ihn ausgeben... aus der Inneneinrichtung und der größe des Raumes schließe ich mal, dass sie sowieso nicht viel hat... Wieso macht sie das alles?!
      Ist es dir noch nie passiert oder kannst du es dir nicht wenigstens vorstellen, dass du einen verletzten Vogel findest? Würdest du den nicht mitnehmen und gesund pflegen? ;) Gut, macht vermutlich nicht jeder, aber so abwegig ist es vielleicht auch nicht, dass man einem Menschen hilft, der am krepieren ist, auch wenn man selbst nicht alle nötigen Mittel dazu hat. (Ausserdem muss sie ihm ja nicht die Wahrheit sagen - möglicherweise hätte sie notfalls ja Geld, findet aber, dass sie ihn vielleicht nicht zu dem Preis gesundpflegen sollte, dass sie die nächste Woche hungern muss.)

      Kramurx schrieb:

      Und wer ist die andere Frau, die sich nicht daran gestört hatte, dass sie einen Fremden mitbringt?
      Kommt im nächsten Teil.

      Kramurx schrieb:

      Wieso sie davon ausgeht, dass er einen Kapitän hat oder ein eigenes Schiff sogar. Nur weil am Kai liegt?
      Das ist eine Hafenstadt und ungefähr 95% der Leute, die am Kai liegend zu finden sind, wären besoffene Matrosen ;) Das ist also eine durchaus berechtigte Annahme. Wenn der Mann krank ist, liegt es nahe, dass man ihn auf sein Schiff bringt - damit meint sie natürlich nicht sein eigenes Schiff, sondern das Schiff, von dem er gekommen ist, aber jeder Matrose sollte wissen, was sie meint, wenn sie sagt "dein Schiff" anstatt "das Schiff, mit dem du hergekommen bist". Das ist so wie "ist das schon dein Bus?" - der gehört dir ja auch nicht :D
    • Ich habe meinen freien Tag mal dazu genutzt, mir intensiv über die Erzählperspektive in dieser Geschichte Gedanken zu machen und denke ich weiss jetzt, was das Problem ist.

      Hier schweifen meine Gedanken jetzt sehr weit aus ;)

      Wie bereits erwähnt, ist das hier ein Exkurs ausgehend von einer extrem langen übergeordneten Geschichte. Diese eigentliche Geschichte bedient sich der Multiperspektive und hat zunächst zwei (später mehr) personale Erzähler, von denen einer Tenandes ist. In dieser Geschichte erfahren wir auch viel über ihn, z.B. wie er aussieht, wie alt er zum Zeitpunkt der Geschichte ist, woher er kommt usw. und kriegen auch mehr Informationen über die Welt, in der das ganze spielt. Dort haben wir es also mit einem personalen Er-Erzähler zu tun, der einen ausschweifenden Blick auf die Dinge erlaubt.

      Bei der hier vorliegenden Kurzgeschichte handelt es sich um eine Begebenheit aus Tenandes’ Vergangenheit, die ebenfalls von einem personalen Er-Erzähler (Tenandes) geschildert wird, aber viel mehr in Richtung ich-Perspektive und personale Innensicht geht. Grund dafür ist einerseits, dass Tenandes bereits bekannt sein sollte (die eigentliche Geschichte ist ja vorher entstanden und das hier ist sowas wie eine kurze Rückblende) und andererseits, dass Tenandes mein Rollenspielcharakter ist und ich mich ihm mit dieser Erzählform besonders nahe fühlen konnte. Ich hätte die Geschichte auch in der ich-Form schreiben können, aber ich tue mich mit diesem Erzähler grundsätzlich irgendwie schwer…

      Das Problem hier ist jetzt natürlich, dass ihr die eigentliche Geschichte (noch) nicht kennt. Diese Geschichte hier ist als solche zwar ganz nett, aber der gewählte Erzähler ist, wenn die Geschichte so für sich steht, vermutlich nicht ganz geglückt. Es würde meines Erachtens keinen Sinn machen, jetzt plötzlich anzufangen, die handelnde Person beim Namen zu nennen. Wenn ich diesen Erzähltyp möchte, fange ich nicht mit “er” an, sondern führe als erstes seinen Namen ein und variiere dann später mit “Tenandes”, “er”, “der erschöpfte Wanderer” usw.

      Vielleicht versteht ihr hier mein Dilemma – wenn ich jetzt plötzlich anfange, ihn beim Namen zu nennen, ändere ich den Erzähler. Vorher war die Perspektive die eines Ich-Erzählers und der würde sich nicht plötzlich beim Namen nennen oder mit Adjektiven belegen, sondern würde immer nur “ich” sagen. Eine solche Erzählform ist ausserdem nicht gänzlich ungewöhnlich und wird z.B. benutzt, wenn es einfach unwichtig ist, wer der Erzähler ist, wenn es z.B. darum geht, den Leser nur an der Innenperspektive einer Person teilhaben zu lassen, meistens Personen in Extremsituationen, mit dem Effekt, dass es andeutet, dass es in diesen Situationen eben nicht wichtig ist, wer so etwas erlebt.

      Ich muss da spontan an Wolfgang Borchert denken, der einiges in der Art geschrieben hat. Manchmal bekommt der Er-Erzähler bei Borchert zwar aus heiterem Himmel einen Namen, aber ich finde das dann immer sehr verwirrend und bin im ersten Moment nicht sicher, ob es sich noch um die gleiche Person handelt. Nach kurzem Suchen habe ich aber als Beispiel “Das Holz für morgen” von Borchert gefunden, die ebenfalls den personalen Er-Erzähler benutzt, ohne dass je sein Name fällt oder er irgendwie umschrieben wird. Es handelt sich nur um einen Mann, der Selbstmord begehen will und welche Gedanken ihm dabei durch den Kopf gehen. Er lässt den Leser dabei nicht daran teilhaben, wer er eigentlich ist usw., sondern berichtet nur aus seiner aktuellen Innenperspektive heraus – in so einer Situation ist es eben auch nicht wichtig zu erfahren, wie er heisst oder welche Haarfarbe er hat usw. Wahrscheinlich habe ich daher unbewusst diesen Erzähler hier auch gewählt, da Tenandes am Anfang ebenfalls in einer Extremsituation steckt und den Erzähler im späteren Verlauf der Geschichte zu wechseln kam mir irgendwie unpassend vor.

      Also der langen Rede Punkt: in dieser Geschichte hier wird man nicht besonders viel über Tenandes selbst erfahren, so war sie nie angelegt. Sie soll eher einen interessanten NSC näher beleuchten und das Verhältnis verdeutlichen, das die beiden in der Hauptgeschichte zueinander haben. Wer jetzt enttäuscht ist, kann trotzdem dranbleiben, denn die nächste Kurzgeschichte, die ich nach dieser hier posten werde, ist aus der Perspektive eines anderen NSC geschrieben, der praktisch ÜBER Tenandes erzählt, also wie er auf ihn wirkt usw. Da kann man sich dann ein ganz gutes Bild machen. Der Grund, warum ich euch erst mal diese Kurzgeschichten zeige, war mehr, dass ich erst mal ausloten wollte, wie das ankommt, bevor ich gleich die hammermässig lange eigentliche Geschichte hier reinstelle. Wollte erst mal gucken, ob ich ein bisschen Neugier auf die Welt, meinen Erzählstil usw. wecken kann. :) Aber schön, wenn es gefällt, auch wenn der Hauptcharakter noch ein wenig im Dunkeln ist.
    • Antija (Teil 4)


      Es war ein unruhiger Schlaf und er wachte mehrmals wieder auf, nur um sofort wieder wegzudämmern. Fieberträume suchten ihn heim und alte Erinnerungen kamen ihm wieder ins Bewusstsein, vermischt mit neuen Bildern und Eindrücken. Da waren die Planken unter seinen Füßen, das vertraute Schaukeln des Schiffes, abgelöst vom Klirren von Säbeln und Kurzschwertern. Häufig träumte er auch vom Dschungel und dann dachte er, er wäre noch immer dort, umgeben von Bäumen, dichtem Blätterwerk, Schlangen und kreischenden Vögeln. Er drehte sich im Kreis und suchte nach einem Ausweg, aber rings um ihn war nichts als undurchdringlicher Urwald. Ein paar Mal glaubte er, menschliche Stimmen zu hören, doch dann waren es doch wieder nur die Tiere des Waldes oder der Wind oder gar das entfernte Rauschen des Meeres, das seinen Ohren einen Streich spielte.
      Er erwachte, als die Tür abermals geöffnet wurde. Es war inzwischen dunkel, nur der Schein einer Kerze drang von irgendwo her. Er schloss die Augen wieder und wollte wieder einschlafen, doch irgendjemand stolperte krachend in das Zimmer hinein.
      „Bezahlung im Voraus“, hörte er die Stimme seiner Retterin, aber irgendwie wusste er, dass sie nicht mit ihm sprach, denn jetzt klang die Stimme kalt und irgendwie fremdartig. Noch jemand anderes befand sich im Zimmer.
      „Wer’s’n das?“, hörte er die Stimme eines Mannes – eines offenbar sehr betrunkenen Mannes.
      „Er schläft“, erklärte die junge Frau ruhig und sachlich. „Und er wacht auch nicht auf, wenn du nicht weiter solchen Krach machst.“
      Das Klimpern von Münzen war zu hören, dann raschelte es auf der anderen Seite des Raumes, als hätte sich jemand auf die andere Matratze gelegt.
      Mit einem Mal war er hellwach, als ihm plötzlich bewusst wurde, was dort vor sich ging und mit einem Mal war ihm auch vollkommen klar, woher er den Geruch in dieser Wohnung kannte. Er wagte es nicht, sich zu bewegen oder die Augen zu öffnen und am liebsten wäre er auf der Stelle wieder eingeschlafen, doch nun war er gezwungen zuzuhören und noch dazu zu riechen wie sich ein widerwärtiger, nach Schweiß und Alkohol stinkender Mann mit der wunderschönen jungen Frau vergnügte.
      Er kannte die Geräusche und die Gerüche – in erster Linie aus eigener Erfahrung, wenn er selbst ein Mädchen gehabt hatte, in irgendeiner abgelegenen Gasse oder einer stinkenden Kammer. Auch war er schon häufig Zeuge gewesen, wenn es seine Kameraden auf offener Straße oder unter Deck mit einer Frau getrieben hatten, und es hatte ihm nie etwas ausgemacht. Doch jetzt sah er vor seinem inneren Auge das Gesicht seiner Retterin und stellte sich vor, wie sich ein besoffener Matrose über sie hermachte und der Gedanke ließ Übelkeit in ihm aufsteigen. Die tierischen, grunzenden Laute drangen an sein Ohr und dann begann der stockbetrunkene Kerl auch noch vor sich hin zu faseln und beschrieb alle Teile ihres Körpers mit allerlei anzüglichen Begriffen. Ihm wurde schlecht und eine bohrende Scham breitete sich in ihm aus, als ihm bewusst wurde, dass er im betrunkenen Zustand vermutlich selbst nicht besser war.
      Es dauerte nicht lange, bis der Dreckskerl endlich fertig war, aber es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Es raschelte, als sie sich wieder anzog und den Mann fortschickte. Dann verstaute sie ihr Geld irgendwo und verließ die Wohnung ebenfalls wieder und er war erleichtert. Erleichtert darüber, dass es vorbei war und darüber, dass sie nicht bemerkt hatte, dass er alles mitbekommen hatte.
      Er wusste nicht warum, aber irgendwie war es ihm unangenehm, sie belauscht zu haben. Eine Weile grübelte er darüber nach und versuchte somit, die Geräusche, die noch immer in seinem Kopf nachhallten, zu verdrängen. Doch je mehr er die Situation durchdachte, umso absurder erschien es ihm: Warum sollte es einer Hure etwas ausmachen, wenn sie bei ihrer Arbeit belauscht wurde? Aber was noch viel seltsamer war: Warum machte es ihm überhaupt etwas aus, sie belauscht zu haben?
      Er hatte schon immer ein klares Bild von Huren gehabt. Er musste an viele derer denken, die er bereits getroffen hatte, und das waren in den vielen Jahren als Seemann nicht wenige gewesen. Sie waren zwar – je nachdem, in welchem Land sie arbeiteten und wie die Gepflogenheiten dieses Landes der Prostitution begegneten – in gewisser Weise verschieden, aber eines hatten sie doch alle gemeinsam: sie scherten sich einen Dreck um ihre Freier. Sicher, die meisten waren gut darin, dies zu verbergen, ja es gehörte zu ihrem Beruf, so zu tun, als sei der aktuelle Mann an ihrer Seite ein Gott auf Erden und je besser sie darin waren, umso erfolgreicher waren sie auch. Aber er wusste, dass sie unter ihresgleichen genauso, wenn nicht noch schlimmer, über ihre Freier spotteten wie alle Untergebenen über ihre Herren. Vor nicht allzu langer Zeit hätte er noch behauptet, eine Hure würde nie etwas Selbstloses tun, denn sie war auch nur auf Geld aus, so wie alle anderen auch. Ihm kam jedoch nach einiger Zeit der beunruhigende Gedanke, dass er selbst es war, der so dachte, und er fragte sich erstmals, warum diese Frau ihn eigentlich gerettet hatte. Er konnte es sich nicht erklären. Er wusste nur, dass er es an ihrer Stelle vermutlich nicht getan hätte.
      Über derartig aufwühlenden Gedanken überkam ihn schließlich doch wieder die Müdigkeit und er schlief abermals ein.

      Die restliche Nacht verlief unruhig, denn die Dschungel-Fieberträume wurden von unangenehmen Träumen über aufgedunsene, hässliche Männer abgelöst, die sich an hübschen, jungen Frauen vergriffen, ihnen anzügliche Blicke zuwarfen, sie mit ihren schmutzigen Fingern begrapschten und anschließend all ihre widerwärtigen sexuellen Phantasien an ihnen auslebten. Er wusste nicht, wie viel von dem, was er träumte, möglicherweise tatsächlich um ihn herum geschah, denn manchmal glaubte er wach zu sein und die schöne junge Frau oder aber die andere, die Frau, der die zweite Matratze gehörte, mit weiteren Männern zu sehen. Doch die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit war so verschwommen, dass er sich nie sicher war, ob er geträumt hatte oder nicht, wenn er schließlich erwachte. Er war mehrmals in dieser Nacht aufgewacht und immer war es still und er allein gewesen. Irgendwann aber hatte die junge Frau wieder neben ihm gelegen und geschlafen, ihr Gesicht im fahlen Licht noch immer genauso schön wie zuvor. Er hatte sie lange angesehen und war dann schließlich, versunken in diese Betrachtung, wieder eingeschlafen.
      Als er das nächste Mal aufwachte, war es wieder hell und sie saß neben ihm auf der Matratze, blickte auf ihn hinab und befühlte seine Stirn.
      „Es scheint besser zu werden“, sagte sie, lächelte und gab ihm zu trinken.
      Er trank und aß noch etwas Brot. Tatsächlich fühlte er sich auch schon besser, zumindest drehte der Raum sich nicht mehr um ihn, wenn er sich bewegte. Gedankenverloren blickte er sich um, während er langsam kaute. Sein Blick fiel auf die Matratze auf der anderen Seite und die Erinnerung an die letzte Nacht kam wieder hoch. Er fragte sich, wie viele andere Männer gestern noch hier gewesen waren, von denen er aber nichts näheres mitbekommen hatte.
      „Wie heißt du eigentlich?“, fragte er sie schließlich.
      Sie blickte ihn kurz erstaunt an, als wundere es sie, dass er sprechen konnte. Dann fing sie sich wieder.
      „Antija“, sagte sie und ein schüchternes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
      Er blickte ihr in die Augen, in diese wunderschönen dunklen Augen, dann fragte er:
      „Und was nimmst du pro Stunde, Antija?“
      Ihr Lächeln gefror auf ihren Lippen und ihr Blick erkaltete. Kurz sah sie ein wenig beschämt zu Boden, dann blickte sie ihn wieder an. Er war sich nicht sicher, ob es ihr peinlich war, dass er sie auf ihren Beruf ansprach. Offenbar hatte sie sich aber wahrscheinlich erhofft, von dem Mann, dem sie das Leben gerettet hatte, diese Frage ausnahmsweise mal nicht zu hören. Und jetzt war sie enttäuscht und fühlte sich betrogen.
      „Acht Asimi“, sagte sie schließlich in sachlichem, geschäftsmäßigem Ton.
      Er nickte, ließ sich von ihrem Stimmungsumschwung aber nicht beirren.
      „Und was nimmst du pro Nacht?“, fragte er weiter.
      „Achtzig Asimi“, erwiderte sie kalt.
      Wieder sah er ihr in die Augen, aber sie hielt seinem Blick stand.
      „Dann. . .“, sagte er nach einer Weile und dieses Mal war er es, der beschämt den Blick abwandte, „dann schulde ich dir hundertsechzig Asimi.“
      Einen Augenblick herrschte Stille, dann brach sie in ein unerwartet herzliches Lachen aus, das so hell und fröhlich klang, dass er unwillkürlich mitlachen musste.

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