Treffen mit dem Tyrann von Utumno ( Silmarillion)

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    • Treffen mit dem Tyrann von Utumno ( Silmarillion)

      Ich war abgehauen. Ich hatte nicht heiraten wollen. Jetzt befand ich mich in unbekanntem Gebiet. Mittelerde, ein Land, von dem ich noch nichts wusste. Ich ging allein und traurig durch die Felswände der Ered Engrin. Der Fels war grau und schwarz und als ich um die Ecke bog, sah ich eine Schar Orks sich genüsslich an einem Stück Fleisch labend.
      Ich kannte diese Geschöpfte damals nicht. Sie waren auch keine der fertigen Orks, wie ich später erfuhr.
      Diese Wesen mit spitzten Ohren und gelben Zähnen starrten mich an. Dann zischte der eine etwas auf einer mir damals unbekannten Sprache. Seine Kumpanen griffen nach Schwertern und stürzten auf mich zu.
      Ich war so überrascht, dass ich nicht rechtzeitig reagierte. Sie warfen mich um und ritzten in meinen Körper. Selbst als ich versuchte den Wind herauf zu beschwören, ließen sie nicht von mir.
      Ein Ork lächelte mich mit roten Augen an und hielt sein Schwert zum Stoß bereit.
      Plötzlich durchfuhr sie alle ein rotes Schimmern. Jeder dieser Wesen krabbelte nun von mir fort und zu einem Mann.
      Wie Leibeigene wuselten sie um die Person, die da den Weg herunter kam herum.
      Ein riesiger Metallhelm zierte sein Gesicht. Sein Gewand war pechschwarz und Feuerzungen züngelten stets rechts und Links am Saum seines Umhang. Hinter ihm zog sich ein Schicht aus Eis auf dem Weg entlang.
      Ich verspürte eine Angst, der Panik inne wohnte. Ich war erstarrt und Kälte breitete sich über mir aus.
      Er kam nun auf mich zu und blieb vor mir stehen. Der Helm verschwand und ein Gesicht mit langen schwarzen Haaren kam zum Vorschein. Die glühenden beinsteinfarben Augen sahen mich neugierig und zu gleich verwundert an.
      Er spürte meine Präsenz genau wie ich die Seine. Wir waren beide Ainur.

      Ich versuchte auf zu stehen, aber meine Glieder waren steif gefroren. Von ihm ging diese Kälte aus.
      Er streckte mir die Hand hin.
      „Komm, ich helfe dir! Deine Augen sah ich lange nicht mehr. Sage mir deinen Namen. Ich erinnere mich, dass ich dich bei den Leuchten sah.“, sagte er.
      Ich schluckte und versuchte meine Angst zu verstecken.
      Ich wusste wer er sein musste. Aber er war anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte.
      „Du sagtest damals, du seist eine Maiar. Aber deine Augen hat nur ein einziger Ainur.“, sagte mein Gegenüber.
      Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte Angst, er könnte wissen wer ich war. Hier war ich ihm ausgeliefert. Wie konnte ich nur so dumm sein. Ich hätte den Taniquetil nie verlassen dürfen.
      „Sage mir, warum versteckst du dich in dieser Gestalt, Manwe?“, fragte Melkor.
      Er hielt mich für Vater? Das konnte doch nicht sein Ernst sein.
      „Du bist nicht mein Bruder? Mein Bruder würde sich niemals als Frau geben. Aber wer bist du dann. Du kannst diese Augen eigentlich nur aus einem Grund haben.“, sagte er und lächelte plötzlich.
      „Du musst meine Nichte sein, habe ich recht?“, entzückte sich Melkor.
      „Nein! Ich.. ich ich bin nicht... Manwes Tochter. Ich.. bin eine einfache Maiar. Vána ist meine Herrin.“, stotterte ich.
      „Eine Lüge funktioniert nur einmal beim Meister der Tücke. Wie ist dein Name?“, fragte er.
      Ich riss mich aus der Kälte, die meinen Körper lähmte los und sprang auf. Eine Windböe schlug ich ihm entgegen und rannte los.
      Er lachte mir hinter her.
      „Du entkommst mir nicht, kleine Aini!“, brüllte er mir hinter her und ich rannte weiter.
      Ich hörte die Orks auf Befehl ihres Meisters los hetzten und beschleunigte.
      Als ich um die Ecke bog, sprang einer der Orks auf mich und wir kullerten den Weg hinab. Der Ork blieb auf meinen Bauch sitzen und ich schrie angesichts der schwarzen grinsenden Fratze des Untiers. Sofort erstickte der Ork meinen Schrei mit seiner Hand und zog sein bleiches Messer.
      „Ihr wird kein Leid getan!“, erscholl Melkors Befehl die Ered Engrin hinab.
      Sichtlich wütend über diesen Befehl lies der Ork sein Messer fallen. Er zog sein Gürtel aus und rollte mich auf den Bauch. Dann wurden meine Hände gegriffen und mit Hilfe des Gürtels wurde mir die Hände auf den Rücken gefesselt.
      Ich schloss die Augen und meine Haut glühte von weißem Licht . Der Ork schrie und schützte seine Augen. Ich trat ihm in den Bauch und richtete mich in einen sitzende Haltung auf. Doch nun schwand das Licht meiner Mutter und der Ork biss mir wütend ins Bein. Ich schrie vor Schmerz und schüttelte ihn durch einen weiteren Tritt ab.
      Der Ork wollte mich erneut angreifen, doch eine mit Metall umkleidete Hand packte ihn an der Kehle.
      „Ich sagte, sie wird nicht verletzt!“, knurrte Melkor und drückte zu. Er zerdrückte den Hals seines eigenen Geschöpfs so fest, dass der Kopf sich vom Körper trennte.
      Ich starrte ihn an und wich zurück als er den Ork weg warf und seine Hand nach mir ausstreckte.
      Ich zitterte vor Angst. Er würde mich gefangen nehmen. Das was mein Vater immer als Grund angab, wenn er mich mal wieder einsperrte, würde eintreten.
      Melkor hielt inne und sah plötzlich Mitleidig in mein Gesicht.
      Dann hielt er seine Hand so, dass ich sie ergreifen konnte.
      „Ich werde dir nichts an tun, Nichte! Ich bin unglaublich neugierig darauf, zu erfahren, warum du hier so alleine herum läufst. Manwe würde dich nie in die Nähe Utumnos lassen. Also musst du ohne sein Wissen hier sein. Warum?“, fragte Melkor.
      Ich versuchte mich auf zu richten, aber mit auf den Rücken gebundenen Händen war dies schwierig.
      Plötzlich brannte der Gürtel, doch das Feuer war nicht mal heiß. Meine Fessel zerfiel zu Asche und ich war frei.
      „Nimm meine Hand und erzähle mir warum du hier bist?“, verlangte Melkor.
      Ich ergriff seine Hand und er zog mich auf die Füße.
      „Er will mich heiraten sehen. Vater will, dass ich mich mit jemandem verbinde, denn ich nicht liebe.“ , sagte ich.
      „Wen hat er ausgesucht?“, fragte Melkor.
      „TULKAS SOHN!“, schrie ich und rannte wieder weg. Melkor kam mir nicht so schnell hinter her. Ich wusste nicht warum, aber er war irgendwann weg.
      Ich erreichte den Fuß des Gebirges und Avari saßen dort an drei Zelten und starrten mich an. Die wilden Elben sprangen auf und umringten mich sehr schnell. Ich sah keine einzige Frau unter ihnen. Ihre blicke waren Hungrig. Hungrig nach der Leibeslust.
      Ich schrie als der erste mich am Arm packte und mich fest hielt. Ein Anderer Nahm ein Tuch und stopfte mir damit den Mund. Ihre Bewegungen waren so schnell, als hätten sie das schon öfter getan. Ich wurde zu Boden gedrückt und meine Arme und meine Füße wurden Festgehalten. Ich schrie in Panik in den Knebel und wand mich. Doch ich hatte wenig Bewegungsspielraum. Dann zog sich einer der Elben die Hose herunter.

      Plötzlich wurde das Gras um uns herum entflammt und die Avari stoben aus einander. Feuer um schloss mich schützend und Eiszapfen flogen durch die Luft. Diese erstachen einige meiner Peiniger. Dann erlosch das Feuer und zwei Hände griffen mich sanft.
      Schwarzes Haar wehte mir ins Gesicht und seine Augen sahen mich besorgt an.
      „Mein Reich ist gefährlich Meneliel!“, sagte Melkor und hob mich hoch.
      Ich weinte und schmiegte mich an seine heiße Rüstung.
      „Sie wollten... sie wollten!“, stotterte ich.
      „Schscht, ganz ruhig! Die Eruhini sind wild und ohne Verstand. Aber sie sind die beste Grundlage für meine Rasse. Bei mir bist du sicher. Ich bringe dich nach Utumno. Aber ich verspreche dir, keine Fesseln und Gitter werden dich binden. Du bist mein Gast, nicht meine Gefangene. Du darfst jeder Zeit gehen. Aber ich werde dich nicht noch einmal der Gefahren dieses Landes aussetzten. Wenn du gehst, wird Sauron dich biss zu den Pelóri begleiten. Erzähle mir in Ruhe was Manwe von dir verlangt und warum du abgehauen bist. Ich werde dir nichts auf zwingen, Meneliell.“, versprach Melkor.
      „Ist das eine Lüge, Meister der Lügen?“, fragte ich.
      „Egal was dein Vater über mich gesagt hat. Ich werde dir nichts tun. Das verspreche ich bei Eru!“, sagte er.
      Ich war erschöpft und mein Fea kam langsam zur Ruhe.

      ENDE