Übernahme politischer oder ideologischer Inhalte in eine Geschichte

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    • Übernahme politischer oder ideologischer Inhalte in eine Geschichte

      Hallo Leute,

      ich habe einige Fragen.
      In der Welt meiner Geschichte gibt es ein Volk, die Nedic, denen möchte ich Ähnlichkeiten zu den Nazis von früher geben. Sie werden im Laufe der Geschichte durch Kriege ein großes Reich formen, immer in dem Glauben, sie seien das Volk, dessen Bestimmung es sei, diese Welt zu beherrschen. Sie werden ein großes Maß an Grausamkeit gegen ihre Feinde zeigen und ich möchte ihnen noch weitere Inhalte geben, die an die der Nazis angelehnt sind. Zwei Beispiele: Ihr Wappensymbol heißt die schwarze Sonne. Bei den Nazis gab es auch eine schwarze Sonne. Sie nutzen als Kriegsgruß die Worte "Heil und Sieg", was an einen nationalsozialistischen Gruß angelehnt ist.

      Jetzt ist meine Frage, habt ihr so was schon mal gemacht?
      Was haltet ihr davon Inhalte vergangener bzw. bestehender Ideologien in Geschichten einzuarbeiten?
    • Blindseher schrieb:

      Jetzt ist meine Frage, habt ihr so was schon mal gemacht?
      Nicht bewusst

      Blindseher schrieb:

      Was haltet ihr davon Inhalte vergangener bzw. bestehender Ideologien in Geschichten einzuarbeiten?
      Ich glaube unterbewusst übernehmen wir für neue Kulturen sowieso alte, bestehende Muster, die wir so kennen - ob nun gesellschaftlich oder politisch. Nicht nur die Nazis sind oft Muster, auch die Sklaverei wird in vielen Büchern immer wieder aufgegriffen, um nur zwei Beispiele zu nennen.
      Deshalb hab ich grundsätzlich kein Problem damit, wenn man so etwas einarbeitet.
      Manchmal, wenn Leute eine lückenlose Erklärung verlangen, ist völlig klar, dass sie genau das nicht wollen. Was sie wollen, ist eine Bestätigung dessen, was sie längst zu wissen glauben ...
      Gavin Extence
    • Ein klein wenig "brutal" ist die Ähnlichkeit schon. So ein bißchen Subtilität wäre vielleicht nicht schlecht.

      Nur wenige Leser sind so... unbedarft, dass man sie am Genick packen muss, sie mit der Nase in Buch pressen und dazu sagen: "Gugg! Nazis! DAS sind Nazis, verstehste..."
      Käme mir ein derartiger Text unter, würde ich das Buch zuschlagen und mich mit Geschichten befassen, die mich nicht für einen Vollwert-Deppen halten.

      Ist aber nur mein Gefühl dazu. Kann sein, dass ich zu dünnhäutig bin bei sowas.
      Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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      Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?
    • Miri schrieb:

      Blindseher schrieb:

      Jetzt ist meine Frage, habt ihr so was schon mal gemacht?
      Nicht bewusst

      Blindseher schrieb:

      Was haltet ihr davon Inhalte vergangener bzw. bestehender Ideologien in Geschichten einzuarbeiten?
      Ich glaube unterbewusst übernehmen wir für neue Kulturen sowieso alte, bestehende Muster, die wir so kennen - ob nun gesellschaftlich oder politisch. Nicht nur die Nazis sind oft Muster, auch die Sklaverei wird in vielen Büchern immer wieder aufgegriffen, um nur zwei Beispiele zu nennen.Deshalb hab ich grundsätzlich kein Problem damit, wenn man so etwas einarbeitet.
      Das denke ich auch. Wir entleihen uns ja stets Inhalte unsrer reichhaltigen Vergangenheit als Menschheit und auch als Planet Erde. Hier ist es eben ausnahmsweise mal eine bewusste Übernahme ;)


      Cory Thain schrieb:

      Ein klein wenig "brutal" ist die Ähnlichkeit schon. So ein bißchen Subtilität wäre vielleicht nicht schlecht.

      Nur wenige Leser sind so... unbedarft, dass man sie am Genick packen muss, sie mit der Nase in Buch pressen und dazu sagen: "Gugg! Nazis! DAS sind Nazis, verstehste..."
      Käme mir ein derartiger Text unter, würde ich das Buch zuschlagen und mich mit Geschichten befassen, die mich nicht für einen Vollwert-Deppen halten.

      Ist aber nur mein Gefühl dazu. Kann sein, dass ich zu dünnhäutig bin bei sowas.
      Nun, das soll meine Geschichte nach Möglichkeit auch nicht erzeugen.
      Aber wieso würdest Du Dich für dumm gehalten fühlen wenn der Autor eine fiktive Gruppe mit Merkmalen einer realen Gruppe bestückt?
      Kannst Du das bitte ein bisschen erklären?
    • Ich kann da Cory gerade nur zustimmen - die Idee reicht einfach zu nah an die Nazis ran. Etwas mehr Abstand zur Vorlage würde da nicht schaden.
      Um deine Frage prinzipieller zu beantworten: Warum sollte man nicht Ideologien oder politische Inhalte in ein Buch einfließen lassen? Ich sehe absolut keinen Grund, daran Anstoß zu nehmen.
      Phyrene lag am Rande eines Hügels, inmitten des Waldes, als versuche es,sich zwischen den Stämmen zu verstecken, unsichtbar zu werden in einer Welt, inder das Unauffällige überlebte. Ein Palisadenwall umgab die Stadt und die Höferingsum, schien die letzten Spuren der Menschlichkeit einzufassen, als könntesie durch die kleinste Lücke entströmen und in der Unbarmherzigkeit der Zonevergehen, verklingen wie der letzte Ton eines Liedes.
      Das Lied der Stille
    • Wenn die "Merkmale" mir förmlich ins Gesicht schreien: "Hey! Das sollen NAZIs sein! Verstehste? Naaaaaziiiiiiiiis!"

      ... dann habe ich das Gefühl, der Autor traut mir nicht zu, selber Paralellen zu ziehen.

      Aber nicht jeder steht auf Subtilität, insofern ist das ganze halt nur meine Meinung und nichts allgemein Gültiges.
      Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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      Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?
    • @Blindseher Also so, wie ich @Cory Thain verstehe, solltest du einfach darauf achten, dem Leser nicht zwischen den Zeilen zu vermitteln: "Ich traue dir nicht zu, dass du es von selbst siehst, weil du dafür vermutlich zu ungebildet bist, deshalb baue ich extra viele überdeutliche Hinweise ein."
      Manch Leser könnte sich da hauchzart angepisst fühlen...

      EDIT: Huch, schon so viele neue Kommentare...
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ok! Ich geh da lang und du da lang...
    • Blindseher schrieb:

      Nun, das soll meine Geschichte nach Möglichkeit auch nicht erzeugen.
      Aber wieso würdest Du Dich für dumm gehalten fühlen wenn der Autor eine fiktive Gruppe mit Merkmalen einer realen Gruppe bestückt?
      Kannst Du das bitte ein bisschen erklären?

      Ich stimme Cory zu - die Vergleiche sind zu offensichtlich. Genauso gut kannst du deinem Bösewicht ne Narbe im Gesicht verpassen, ihn in nen weissen Anzug stecken und ne Katze zum streicheln geben. Es gibt Anlehnung und es gibt das völlige Klischee, und du beschreibst leider letzteres.

      Nazis werden in fiktionalen Geschichten ständig kopiert, und selten sehr subtil. Beispiele wären da vor allem Star Wars, wo ALLE bösen Mächte das dritte Reich im Weltall darstellen. Wir haben Sauron in Herr der Ringe, und seine Armeen von Orks, die die Welt in ein neues Zeitalter bringen wollen. Etc.

      Solche Aspekte aus unserer Welt zu übernehmen finde ich sehr gut (tatsächlich gehört das, seitdem ich Pratchett kenne, für mich zu guter Fantasy - dass man unserer Welt den Spiegel vorhält und einen zum Nachdenken über die eigene Situation bringt). Aber das benötigt EXTREM viel Nachforschen und Recherchieren:

      - Wo war dein Nazivolk, bevor es diese Ideologie annahm? (sprich, du solltest Deutschlands Geschichte seit dem ersten Weltkrieg studieren und versuchen zu verstehen, was in den Köpfen der Leute vorging zu der Zeit)
      - Welche Mittel wurden eingesetzt, um ein Volk derart politisch zu einen? (Propaganda? Gezielte Unterdrückung der Bildung? (das wäre wohl eher China :hmm: ) Oder ist es dem Volk einfach Wurst? [Russland, sehr spitz gesagt])

      Es reicht nicht, die Leute einfach rumrennen und "Sieg heil" rufen zu lassen. Menschen machen sowas nicht einfach so. Du musst dein Volk verstehen und ihm eine Geschichte geben, die passt. Und das heisst nun mal, dass du die Geschichten von solchen Reichen anschauen musst (zum Beispiel das Römische Weltreich, Babylonien, Persien, Deutschland, Russland, China (!), Japan, und Himmel, guck dir mal die Völkermorde in Ruanda und die Geschichte dort an). Und theoretisch wäre extremer Islamismus heute auch ein Thema, das in die Richtung geht, allerdings halt Religionsbasiert. Aber theoretisch könnte man auch Hitlers Ideologie eine Religion nennen.

      Anthropologie und Geschichte.

      Anyway - ich habe das Gefühl, dass diese Nachforschungen bei dir noch passieren müssen und du dich vor allem auf die offensichlichsten Klischees des Nazitums beschränkst. Aber damit wird dein Reich extrem eindimensional und nicht sehr glaubwürdig. Wenn du sowas richtig gut machen willst, muss einiges an Zeit investiert werden.

      Grundsätzlich hab ich nichts gegen die Idee, aber es muss sehr gut durchgedacht werden.

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Ich denke, das wichtigste ist, dass du diese Gruppe nicht zu schablonenhaft machst. Auch ein Buch oder auch Film, in dem tatsächlich Nazis vorkommen, nervt nämlich, wenn das alles nur Abziehbilder sind. Dann wird die Geschichte nämlich auch so vorhersehbar. Ein paar neue Elemente schaden der Sache sicher nicht und vielleicht ein paar tiefere Einblicke in die Köpfe einzelner. Die Beweggründe des einen sind ja nicht gleich die Beweggründe des anderen. Wenn ein bisschen mehr dahinter steckt als ein einfaches "die sind halt böse" dann würde das vielleicht interessant. Aber das Vorhaben ist meines Erachtens dennoch schwierig, wenn was gutes dabei rauskommen soll, was eben mehr ist als nur Nazi-Klischee/-Abklatsch.

      EDIT: Der Thread geht voll ab. Klimbim war schneller :D
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
      Für alle, die sich dafür interessieren, wie wir Filme machen: Ein neuer Film entsteht (Blog)
      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • Vielen Dank für die reichlichen Meinungen!

      @Myrtana222 @Cory Thain

      Es ist nicht geplant das sie einfach eine Kopie der Nazianalsozialisten darstellen und verkörpern sollen. Sie agieren auch nicht als "die Bösen", zumindest wird Anfangs ein beträchtlicher Teil der Geschichte aus ihrer Sicht spielen und aus ihrer Sicht verhalten sie sich natürlich in der Regel richtig.

      @bigbadwolf

      ich werde darauf achten. Danke!

      @Klimbim und @Katharina

      Ja, ich glaube zu verstehen was ihr sagt. Ich sehe es wichtig, das die Nedic ihre Art, ihr Wesen, ihre Massenseele und letztlich ihr Handeln aus sich Selbst beschreiben und begründen können. Nicht weil es die Nazis gemacht oder genutzt haben.
      Ich stimme Dir zu Klimbim, ich habe da noch sehr viel zu tun. Sie sollen auf keinen Fall die Standard-Schwachsinns-Bösewichte werden. Die offensichtlicheren Indikatoren habe ich hier beispielhaft gewählt um mein Anliegen zu verdeutlichen.

      Vielen lieben Dank für die ganzen Rückmeldungen
    • Blindseher schrieb:

      Ich stimme Dir zu Klimbim, ich habe da noch sehr viel zu tun. Sie sollen auf keinen Fall die Standard-Schwachsinns-Bösewichte werden. Die offensichtlicheren Indikatoren habe ich hier beispielhaft gewählt um mein Anliegen zu verdeutlichen.
      Ganz ehrlich, ich fände es mega-interessant, von dir hin und wieder Updates zu kriegen von deinen Nachforschungen und die Gedanken dazu, welche Aspekte du warum in deine Welt einfliessen lässt. Es kann ja auch ein Mix von Verschiedenem sein (also Nazis als Grundlage, aber mit Kulturellen Aspekten Aus Japan, von den Hutu/Tutsi, Russland etc). So ein Making-Off von der fertigen Geschichte :)

      Viel Glück jedenfalls!

      "You know what the big problem is in telling fantasy and reality apart? They're both ridiculous."

      - Twelve

    • Klimbim schrieb:

      Blindseher schrieb:

      Ich stimme Dir zu Klimbim, ich habe da noch sehr viel zu tun. Sie sollen auf keinen Fall die Standard-Schwachsinns-Bösewichte werden. Die offensichtlicheren Indikatoren habe ich hier beispielhaft gewählt um mein Anliegen zu verdeutlichen.
      Ganz ehrlich, ich fände es mega-interessant, von dir hin und wieder Updates zu kriegen von deinen Nachforschungen und die Gedanken dazu, welche Aspekte du warum in deine Welt einfliessen lässt. Es kann ja auch ein Mix von Verschiedenem sein (also Nazis als Grundlage, aber mit Kulturellen Aspekten Aus Japan, von den Hutu/Tutsi, Russland etc). So ein Making-Off von der fertigen Geschichte :)
      Viel Glück jedenfalls!
      Ich werde mir bald mal Zeit nehmen und euch allgemein mal meine Arbeit näher vorstellen.
      Es ist tatsächlich so das sie ein Flickenteppich verschiedenster Vorlagen und Vorbilder ist.
      Das Bild der Nedic ist schon recht fest umrissen :) aber noch nicht in Stein gemeißelt.

      Nachtrag:
      ich habe nun gleich mal meinen Steckbrief dieses Volkes etwas bearbeitet und geändert. Sie haben wenige Jahre vor Start meiner Geschichte einen Krieg gegen einen alten Widersacher verloren. Im Zuge dieser Niederlage müssen sie Land abtreten, ihr König wird ebenso getötet. Der neue König wird das Land aus dieser Krisensituation heraus führen, wird den Glauben und den Zusammenhalt innerhalb des Volkes wieder herstellen können und so ein neues starkes Land formen. NUN ist es aber recht nah an der Vorlage dran, zeitweise.
      Ich bin mir dessen bewusst und möchte es so umsetzen.
      Ich werde Mittel und Wege finden ihnen dennoch genügend eigene Identität zu verleihen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Blindseher ()

    • Blindseher schrieb:

      Ich werde Mittel und Wege finden ihnen dennoch genügend eigene Identität zu verleihen.
      Na dann: Zeig mal! :)
      Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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      Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?
    • Um nochmal auf die Ausgangsfragen einzugehen ^^ :

      Blindseher schrieb:

      Jetzt ist meine Frage, habt ihr so was schon mal gemacht?
      Meine Rollenspielgruppe und ich haben in einem unserer Missionen den Ku-Klux-Klan adaptiert, nur dass die Opfer in unserer Situation Elfen waren. Die Ideologie hat sich nicht dadurch gezeigt, dass unsere Bösewichte Kapuzen getragen und jeden Elfen in Sichtweise am nächsten Pfahl aufgeknüpft haben, sondern durch ihre Argumentationen in Dialogen, Randbemerkungen, Vorgehensweisen, Gruppendynamiken und so weiter. Das hat, wie Klim auch schon erklärt hat, Recherchen erfordert. Schlussendlich hatten wir dadurch aber eine interessante Gegenpartei, die mehr war als bloß der böse Bube. Wir überlegen sogar, ob wir diese Gruppierung noch mal auftauchen lassen, aber dieses Mal auf deren Seite operieren.


      Blindseher schrieb:

      Was haltet ihr davon Inhalte vergangener bzw. bestehender Ideologien in Geschichten einzuarbeiten?
      Das ist nicht unytpisch. Ich sage nur Animal Farm.
      Letzendlich wiederholt sich jede Ideologie. Ich mein, die Nazis haben ja auch nicht das Monopol auf Genozid, religiöse Verfolgung und Größenwahn. Das fand schon vor tausend Jahren statt, tut es aktuell und wird es leider auch solange, wie die Menschheit besteht. Spontane Leseempfehlung an dieser Stelle: Warm Bodies bzw. Mein fahler Freund. Darin wird auch sehr nett beschrieben, wie sich die Menschen selbst dann noch gegenseitig das Leben schwer machen, wenn ihr gemeinsames Überleben voneinander abhängt. Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn man eine Ideologie einbaut, wird man immer automatisch eine Ideologie aus der Realität aufgreifen, ob das nun bewusst oder unbewusst passiert. Letztendlich geht es immer wieder um soziale Stellungen, Macht und Rechtsverhältnisse von bestimmten Menschengruppen. Die Sache ist, wie man die Thematik aufarbeitet. Nazis sind ausgelutscht, das haben meine Vorposter schon hinreichend geschrieben ^^
      Grundsätzlich finde ich es gar nicht verkehrt, auch im Fantasy-Genre Denkanstöße einzubauen, die einen Bezug zu unserer Realität haben. Ob das nun politisch ist, gesellschaftlich oder zwischenmenschlich, ist mir dabei egal. Hauptsache mein Kopf hat etwas zum verarbeiten. Dann wird auch mehr draus als bloße Unterhaltungsliteratur.
      „Art, like morality, consists of drawing the line somewhere“
      - G.K. Chesterton

      Skadi zeichnet Skadilöse BücherSkadi bloggt

    • Blindseher schrieb:

      Nachtrag:
      ich habe nun gleich mal meinen Steckbrief dieses Volkes etwas bearbeitet und geändert. Sie haben wenige Jahre vor Start meiner Geschichte einen Krieg gegen einen alten Widersacher verloren. Im Zuge dieser Niederlage müssen sie Land abtreten, ihr König wird ebenso getötet. Der neue König wird das Land aus dieser Krisensituation heraus führen, wird den Glauben und den Zusammenhalt innerhalb des Volkes wieder herstellen können und so ein neues starkes Land formen. NUN ist es aber recht nah an der Vorlage dran, zeitweise.
      Ich bin mir dessen bewusst und möchte es so umsetzen.
      Ich werde Mittel und Wege finden ihnen dennoch genügend eigene Identität zu verleihen.
      Das Problem dieses Ansatzes könnte möglicherweise in eine breite Geschichte münden, die Du vielleicht gar nicht erzählen willst, denn sie führt evtl. zu weit vom eigentlichen Thema weg.
      Wahrscheinlich ist es nur meine Fantasielosigkeit, aber ein neuer König, der ein am Boden liegendes Land wieder auferstehen lässt, funktionierte in der Geschichte nur, weil ein riesiger Apparat aus Geld und Politik hinter dem neuen König stand.
      Deshalb empfinde ich es meist als schwierig, solche (schweren) politischen und ideologischen Dinge so zu verpacken, dass nicht der oben erwähnte Effekt eintritt und der Leser sich als nicht ernst oder intelligent genommen fühlt. Denn egal, ob Fantasy oder Scifi - wenn das Szenario unrealistisch aufgelöst wird (Zauberei, die Entdeckung sagenhafte Schätze oder sonstige Wunder) geht für mich der Schuss völlig nach hinten los ...
    • @Eegon2
      Ja, das stimmt.
      Dieser König wird ein "Quereinsteiger" aus dem Militär sein. Ein beliebter General.
      Er wird die Gesellschaft wieder auf dem Pfad ihres Glaubens führen und wird die schwere Niederlage so interpretieren,
      das diese aus einem Verlassen ihres vorhergesehenen Pfades resultiert.

      Wunder wird es hier noch nicht geben.
      Ich suche noch nach glaubhaften Zutaten für den Aufstieg, den dieses Volk unternehmen wird.
    • Viel Neues werde ich nicht mehr hinzufügen können, im Wesentlichen wurde ja schon alles gesagt.

      Was mir konkret bei deinem Ansatz noch wichtig wäre, wäre auch die Vielfalt "der Nazis" darzustellen. Wir tun uns leicht damit, sie als eine homogene Gruppe anzusehen, aber dazu musss man genügend Strömungen, Ideen und auch Personen mit ihren Motiven, Beweggründen, Ängsten etc. weglassen. Ein paar Beispiele (soweit ich mich daran noch richtig erinnere): Heinrich Himmler war sehr esoterisch unterwegs und wollte wirklich eine völkisch-heidnische Ersatzreligion etablieren. Hier fällt mir noch die Thule-Gesellschaft ein, die da glaube ich auch eine Rolle mit spielte*. Auch die SS gehört da so ein bisschen mit rein.

      *EDIT: Na, so ganz stimmt das wohl nicht :pardon: , aber (!):

      Wikipedia schrieb:

      Eine Hypothese besagt, dass der Gruß der Thule-Gesellschaft „Heil und Sieg“ später zum „Sieg Heil“ des Hitlergrußes wurde.

      Ernst Röhm dagegen war bis 1934 der Chef der SA und ein Vertreter des sozialistischen Flügels innerhalb der NSDAP. Wäre es nach ihm gegangen, wäre das Deutsche Reich durch Enteignungen bzw. Verstaatlichungen mehr zu einem sozialistischen Staat ähnlich der Sowjetunion geworden.

      Kurz und knapp hat @Klimbim schon gesagt, dass hier sehr viel Recherche nötig ist, aber auch extrem gewinnbringend sein kann. Ich würde dir trotzdem empfehlen zu versuchen, dich von "den Nazis" als Vorlage zu entfernen und möglichst "was eigenes" draus zu machen. Wobei das vielleicht auch ein bisschen darauf ankommt, in welcher Zeit deine Geschichte spielen soll und was das Ziel des Ganzen ist. Manche Elemente der nationalsozialistischen Ideologie machen in einem mittelalterlichen Setting mit Lehnswesen, Ständeordnung und Gildenstruktur vielleicht nicht so viel Sinn. Z.B. könnte schon der Nationalismus eher schwierig sein, wenn man bedenkt, dass viele mittelalterliche Herrscher über Gebiete in unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Sprachen herrschten (also eher der Herrscher als die Beherrschten im Zentrum standen). Genauso der - zumindest anfangs vorgeschobene - Sozialismus; ohne eine starke Arbeiterschaft und ggf. auch eine Industrialisierung mit veränderten Produktionsbedingungen, Eigentumsverhältnissen und (Selbstbestimmungs-)Rechten könnte das auch zu inhaltichen Widersprüchen führen. Andererseits hat Fantasy natürlich auch gewisse Freiheiten ^^
      „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]
    • Danke für die ausführliche Antwort Asni.

      Von Herrn Himmler wusste ich das schon und von Röhm auch.
      In meinem Fall wird der Gruß aus der Parole "Heil für das Land, Sieg für das Volk" entstehen.
      Unter diesem Motto werden weitläufige Reformen am und im Volk der Nedic durchgeführt werden um das zerbrochen am Boden liegende wieder aufzurichten und zu alter und neuer Stärke zu führen.
      Ich muss ja kein soziologisch und volkswirtschaftlich einwandfreies und absolut realistisches Volk bzw. Gesellschaft erschaffen :)
      An aller Tage Ende ist das nämlich nur ein Teil der Vorgeschichte zu meinem eigentlichen Thema.

      Ich werde mich die nächsten Tage mal drüber machen, eine genauere Beschreibung dieses Volkes zu erstellen. Ist das geschehen, dann werde ich euch das mal zeigen.

      Erneut, habt Dank für die heutigen Rückmeldungen :)
    • Blindseher schrieb:

      Er wird die Gesellschaft wieder auf dem Pfad ihres Glaubens führen

      Blindseher schrieb:

      In meinem Fall wird der Gruß aus der Parole "Heil für das Land, Sieg für das Volk" entstehen
      Vielleicht kommst Du von der Sieg-Heil-Schiene etwas herunter, wenn Du den Aspekt des Glaubens mehr betonst, wenn er denn offenkundig eine besondere Rolle spielen soll? 'Ein Nedic - ein Opfer für Name-der-Gottheit/Name-des Pfads' oder 'Einigkeit in Name-der-Gottheit/Name-des-Pfads', mal so als plumpe ad-hoc-Beispiel, würden einen anderen Akzent setzen. Wenn Deine Nedics nicht auch noch im Stechschritt und in schwarzer Kluft marschieren, kannst Du Dich von der Folie lösen, ohne auf bestimmte Elemente der Nazi-Herrschaft in Deiner Erzählung verzichten zu müssen.
      Direkte Anspielungen, da kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen, fände ich etwas mau. Bisschen mehr Emanzipation täte den Nedics bestimmt gut. :)