Freakshow: Episode 1

  • Hi @Skadi


    Hab leider länger keine Zeit gefunden gehabt mal wieder im Forum was zu lesen.
    [spoiler]

    und seine Begeisterung für Fußball teilweise an Fanatismus grenzte.

    Also genau so, wie es sein sollte :P

    wenn er nicht so bereitwillig vorschnell zuschlagen würde

    Er handelt also präventiv xD

    Dann wurde ihre Herkunft Thema und Scott wollte wissen, was ihre Eltern so trieben. In ihrer überdrehten Laune hatte Hazel darauf mit einem breiten Grinsen und hörbaren Augenzwinkern gespaßt: 'Was Hexen so tun. Menschen in Kröten verwandeln und auf dem Scheiterhaufen brennen.' Ihre Antwort war selbstironisch gemeint gewesen, doch Scotts Kinnlade fiel augenblicklich runter, bevor er etwas Unverständliches in seinen Bart nuschelte.

    Noooo! xD xD xD
    Wenn man das Missverständnis schon kommen sieht :patsch:

    Sie liebte die Sprache, aber ihre Redegewandtheit waren die Perlen und Scott die Sau.

    Autsch xD

    Weniger der Aufmerksamkeit wegen, sondern weil er aus einem ihrer Lieblingsromane zitiert hatte: Watership Down von Richard Adams. Hazel liebte dieses Buch. Und dann hieß der Protagonist genau wie sie! Hazel. Okay, bei Buchhazel handelte es sich um ein männliches Kaninchen. Trotzdem! Und es trug seinen Namen wegen seiner haselnussbraunen Fellfarbe. Ihre Euphorie war ihr jedoch schon mit dem nächsten Atemzug abhandengekommen. Ein Mann wie Scott konnte sicher nichts mit Belletristik über Kaninchen anfangen, vor allem, wenn zur Hälfte ein Wolf in ihm steckte. Sie hatte ihre Begeisterung daher runtergeschluckt und leicht verunsichert geantwortet: 'Ich würde dich fragen, ob du Watership Down gelesen hast. Aber ich nehme nicht an, dass du etwas mit solchen Büchern anfangen kannst…?'. Was auch immer Scott seinerzeit verstanden haben musste, er war im Anschluss eingeschnappt von dannen gestampft.

    Oh man. Was mir gerade sehr cool gefällt ist diese offensichtliche Wiederholung. Nur halt aus der anderen Perspektive :D Ich hab mir echt den falschen Part ausgesucht um hier Pause zu machen. Ich glaube, wenn ich das noch frisch im Kopf hätte, wäre die Szene sogar noch cooler :thumbsup:

    Sie nahm das Büchlein heraus. Auf den ersten Blick erschien es nicht mehr als ein simples, schwarzes Notizbuch mit vielen bunten Klebezetteln. Tatsächlich enthielt es Hazels ganzes Leben. Sämtliche Termine hielt sie daran fest, wichtige Adressen und Telefonnummern und ihren Schichtplan. Sie führte darin eine Liste über gelesene Bücher, behielt ihre Ausgaben und Einnahmen im Auge und benutzte es als Regelkalender.

    Krass. Die Frau ist also das Gegenteil von mir^^;

    Abrupt hielt er in seiner Beschäftigung inne, sah mit angespannten Gesichtsausdruck auf. Und begann zu schnüffeln.

    Ich habs genau vor Augen xD


    Sehr schön. Hat Spaß gemacht wieder reinzuschauen^^. Bin mal gespannt, wie lange das Bullet Journal noch an seinem Platz liegen wird. Es wurde so ausführlich beschrieben, dass ich schon die Vermutung habe, dass es irgendwann abhanden kommt. Oder das einer der zwei Jungs das Ding findet^^
    Hazel gefällt mir auf jeden Fall sehr gut. Und ich freue mich gerade darüber, dass du auch aus ihrer Perspektive schreibst. Ich glaube ihre Gedanken zu hören und wie sie auf die anderen schaut kann auch noch sehr interessant und lustig werden ^^

  • Danke für eure Kommentare ^^



    „Gepisst?“ Endlich zeigte O'Rourkes kontrollierte Fassade ihre Risse. Wie nach einem geschmacklosen Scherz oder dem Anblick von Ananas auf Pizza, verzerrte Wut sein Mienenspiel. Sein ganzer Oberkörper schnellte herum und er fixierte den Betawolf, der durch die Heftigkeit der Geste verschreckt zusammenfuhr. Womöglich wäre er verbal auf seinen Stellvertreter losgegangen, hätte sich der Alphawolf nicht seiner verräterischen Reaktion besonnen und seinen Unmut gezügelt. „Und was interessiert mich das?“, sagte er also gewohnt distanziert zu Scott. „Soweit ich mich erinnere, haben du und dein Bruder während unserer Schulzeit auch ständig in meinen Spind gepisst. Hörst du mich deswegen rumheulen? Glashaus, Fitzpatrick.“ Dank seiner Antwort realisierte Hazel zwei Dinge. Erstens: Wolfsrüden in der Pubertät sind echt widerliche Geschöpfe. Zweitens: Finn O'Rourke verfügte über größere Intelligenz, als Hazel dem Chef einer Schlägerbande zugetraut hätte. Die Dialektik, mit der sich aus der Affäre redete und Scott loszuwerden versuchte, bewies das nach Hazels Meinung. Und Scott fiel geradewegs auf seine Ablenkungsversuche herein. Er setzte zur Gegenrede an, doch Hazel schnitt ihm das Wort ab: „Das brauchen wir nun wirklich nicht auszudiskutieren. O'Rourke, in der Kasse des Pubs befand sich ein Notizbuch. Nehmen wir an, es ist deinen Leuten aus einem dummen Zufall in die Hände gefallen. Gib es mir und wir verschwinden sofort aus deinem Revier, versprochen.“

    „So ein Bullshit! Die Kasse war leer, nicht mal 'n paar beschissene Cents ham' sich abgreifen lassen“, plärrte der Betawolf von seinem Platz aus los. Diesen Trottel hatte man vermutlich bei seiner Geburt mehrmals auf den Kopf fallen lassen – aus dem vierten Stock des Krankenhauses. Anders wusste sich Hazel so viel Dummheit unmöglich zu erklären. „Sulley,“ nannte O'Rourke den Namen des Beta. Die Warnung, die seinem Tonfall innewohnte, reichte aus und Sulley zog sich nun endgültig angesäuert zurück, ohne einen weiteren Pieps von sich zugeben. Hinter dem Rücken seines Anführers fletschte er die Zähne und Hazel argwöhnte, dass er O'Rourke einzig wegen seiner Stellung innerhalb der Rangordnung nicht eiskalt von hinten angriff. Sulley machte keinen Hehl aus seinem Groll und Hazel verspürte überhaupt keine Lust dazu, in irgendwelche gewalttätigen Grundsatzauseinandersetzungen zugeraten. Sicherheitshalber prüfte sie, ob ihr Fluchtweg noch bestand. Dabei fing sie Donnellys Blick auf.

    Die Hexe wunderte sich, weshalb seine Aufmerksamkeit an ihr hing, anstatt an seinem Rudelführer oder an Scott. Von allen Anwesenden dürfte sie für die Wölfe die geringste Gefahr darstellen. Wobei sie in Donnellys Mimik keine Ablehnung las. Ihr Blickkontakt dauerte eine ganze Sekunde, bevor er scheu seine Schuhe anzustarren begann – und Hazel dann doch wieder ansah. Zögerlich formten seine Lippen die Ansätze unausgesprochener Laute. Ehe sich Hazel ihre Bedeutung erschloss, gab O'Rourke Antwort: „Wie ich gesagt habe: Wir waren nicht in der Nähe, also haben wir kein Buch.“

    „Das ist doch Unsinn“, protestierte Hazel. Niemand sonst konnte ihr Bullet Journal aus der Kasse genommen haben. Es musste im Besitz des Rudels sein! „Hör zu, dieses Notizbuch ist enorm wichtig für mich. Scott und ich werden niemanden, auch nicht der Polizei, verraten, von wem wir haben. Solange ihr es mir nur gebt.“

    Abermals überging O'Rourke Hazel konsequent und sprach stattdessen mit Scott. „Ich dachte erst, du hättest dich mit deiner Freundin verbessert, Fitzpatrick. Aber die Kleine ist wie Colin. Weiß nicht, wann sie ihren Mund zu halten hat. Sollte man ihr dringend mal beibringen.“

    „Pass bloß auf!“ Aufgebracht machte Scott einen unvermittelten, drohenden Satz auf O'Rourke zu. Ein Teil der Wölfe, einschließlich Donnelly und Klotzkopf, wie Hazel den Wolf taufte, dessen Stirn bleibende Eindrücke in der Holzvertäfelung hinterlassen hatte, wichen feige vor ihm zurück. O'Rourke schaffte er damit nicht zu beeindrucken und brachte ihn nur noch mehr gegen sich auf. „Sonst was?“, forderte der Alphawolf Scott heraus. „Gehst du auf mich los? Wir wissen beide, dass du das nicht tust. Genauso wie ich nicht auf dich. So läuft das zwischen uns seit der siebten Klasse. Und ich habe keinen Bock mehr auf die Scheiße. Also warum klären wir nach all den Jahren nicht ein für alle Mal unsere Rangordnung? Danach haben wir wenigstens unsere Ruhe voreinander.“ Hazel hörte das Raunen der Rudelwölfe um sie herum. Einige lachten abfällig, andere tuschelten voller Vorfreude auf das bevorstehende Duell miteinander. Der Hexe hingegen wurde kotzübel. Das konnte doch nicht sein Ernst sein. O'Rourke sagte das nur so daher! Die zwei Männer würden sich nicht prügeln und es handelte sich hierbei bloß um einen Insiderscherz zwischen Wolfpolymorphen, den Hazel nicht kapierte, richtig?! Was für eine Gehirngrütze ging in den Köpfen dieser Spezies vor?? Hazel wollte nicht, dass Scott sich mit O'Rourke schlug. Scott sollte sich mit niemanden schlagen! Und wie stellten sich die zwei denn bitte schön das Ergebnis ihres Zweikampfes vor? Beide Männer nahmen sich nichts. Ihre Größe und Statur, die breite ihrer Schultern und ihre körperliche Verfassung stimmte überein. Müsste Hazel wetten, wüsste sie nicht, auf wen von beiden sie ihr Geld setzen sollte. Der einzig offensichtliche Unterschied zwischen ihnen lag darin, dass O'Rourke im Gegensatz zu Scott scheinbar genug Verstand für rationale Entscheidungen besaß. Am Ende landeten alle beide in der Notfallaufnahme!

    Eine Regung durchfuhr den Kiefer des Leitwolfes und Hazel dachte, er streiche sich hinter verschlossenen Lippen mit der Zunge über die Zähne. Im nächsten Moment lief ihr ein eiskalter Schauer die Wirbelsäule hinab. Denn O'Rourke bleckte ebenjene Zähne und sein menschliches Gebiss war vollständig den tödlichen Fängen eines Wolfes gewichen. Scharfe Reißzähne schoben sich aus seinem Zahnfleisch und die Schneidezähne wurden von langen, blitzenden Fangzähnen flankiert. O'Rourke meinte es zweifelsfrei ernst und die Zurschaustellung seiner körpereigenen Waffen demonstrierte seine Entschlossenheit. Beunruhigt tastete Hazel nach Scotts Unterarm, als ob ihre Berührung sein Temperament zügeln, oder ihn zumindest physisch zurückhalten könnte. „Scott…?“

    Keine Reaktion.

    Oh Nein. Bitte nicht!

    Unter ihren Fingern spürte Hazel die Haare auf seinem Arm widerspenstig zu Berge stehen. Jeder einzelne Muskel in Scotts Körper spannte sich kampfbereit an und ein aggressives Knurren drang aus seiner Kehle. Seine ganze Haltung, der Ausdruck in seinem Gesicht – Scott brannte darauf, O'Rourke jeden Augenblick tollwütig anzufallen. Hohle Schatten bildeten sich unter seinen Augen und instinktiv gingen die Rudelwölfe auf Abstand. „Scott!“ Inständig versuchte Hazel zu ihm durchzudringen und verstärkte ihren Griff.

    Plötzlich packte Scott sie zähnefletschend an ebenjenen Arm, mit dessen Hand sie ihn festzuhalten versuchte. Mit angsteinflößender Kälte in seinem Blick starrte er sie an und der Schrecken darüber betäubte Hazels Glieder, sodass sie nicht einmal versuchte, sich freizuwinden.

    „Für wie bescheuert hältst du mich eigentlich?“, blaffte Scott in der darauffolgenden Sekunde O'Rourke an und während er sprach, schimmerten seine weißen Menschenzähne hervor. „Als ob sich deine Männer raushalten, wenn wir hier miteinander kämpfen. Spätestens nachdem ich dich fertiggemacht habe, stürzen sie sich auf mich. Dein Beta stinkt jetzt schon nach Tier, der kann es gar nicht abwarten!“

    O'Rourke drehte sich zu Sulley um und tatsächlich sah der Betawolf so aus, als wolle er irgendjemanden zerfleischen. Ob seinen Leitwolf oder Scott, darüber dachte Hazel gar nicht erst nach, denn sie war einfach nur erleichtert, Scott bei Sinnen zu wissen. Unterdessen hielt er Hazel weiterhin am Arm fest. Sie fühlte den beschützenden Druck seiner Fingerspitzen sowie die Wärme seiner Handflächen auf ihrer Haut.

    „Wir verschwinden“, beschloss Scott und kehrte O'Rourke den Rücken zu. Hazel tat einen Teufel, ihr Veto einzulegen. Auf demselben Weg, den sich die Hexe ursprünglich für ihre Flucht ausgeguckt hatte, führte Scott sie an den Rudelwölfen vorbei und drängte dabei Donnelly zur Seite. Ein letztes Mal stellte der Omegawolf Blickkontakt zu ihr her.

    Fast hätte Hazel zu hoffen gewagt, sie kämen ohne weiteren Kommentar des Alphawolfs von hier fort. „Du zögerst es nur hinaus, Fitzpatrick“, rief er ihnen, respektive Scott, hinterher. „Auf kurz oder lang werden wir aneinandergeraten. Und wenn es so weit ist, wirst du nicht einfach abhauen können. Das ist ein Versprechen, sei also vorbereitet.“





    nächster Teil

  • Sein ganzer Oberkörper schnellte herum und er fixierte den Betawolf, der durch die Heftigkeit der Geste verschreckt zusammenfuhr. Womöglich wäre er verbal auf seinen Stellvertreter losgegangen, hätte sich der Alphawolf nicht seiner verräterischen Reaktion besonnen und seinen Unmut gezügelt. „Und was interessiert mich das?“, sagte er also gewohnt distanziert zu Scott.

    uuuuuuuuh, hat der Beta nicht gemacht!! XD
    Na wenn O'Rourke da nicht noch ein Hühnchen zu rupfen hat ... :D

    Die Hexe wunderte sich, weshalb seine Aufmerksamkeit an ihr hing, anstatt an seinem Rudelführer oder an Scott. Von allen Anwesenden dürfte sie für die Wölfe die geringste Gefahr darstellen. Wobei sie in Donnellys Mimik keine Ablehnung las. Ihr Blickkontakt dauerte eine ganze Sekunde, bevor er scheu seine Schuhe anzustarren begann – und Hazel dann doch wieder ansah. Zögerlich formten seine Lippen die Ansätze unausgesprochener Laute. Ehe sich Hazel ihre Bedeutung erschloss,

    Oh, ein unerwarteter Verbündeter? Oder ist Hazel etwa sein Schwarm? :D
    Ich bin gespannt wohin das führt und ob Donnelly Scott und Hazel (oder auch nur Hazel :grinstare: ) nochmal abfängt und ihnen hilft das BJ wiederzukriegen? :D Vielleicht kriegt Scott dann sein eigenes Rudel :D

    „Auf kurz oder lang werden wir aneinandergeraten. Und wenn es so weit ist, wirst du nicht einfach abhauen können. Das ist ein Versprechen, sei also vorbereitet.“

    Uh, das gibt noch Beef! Ich freue mich auf die Beschreibung von Scott als Wolf beim Kampf <3

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Hi @Skadi

    „Scott…?“
    Keine Reaktion.
    Oh Nein. Bitte nicht!

    Ich dachte echt, dass Scottie nun die Kontrolle verliert und sich verwandelt ... :panik:

    Plötzlich packte Scott sie zähnefletschend an ebenjenen Arm, mit dessen Hand sie ihn festzuhalten versuchte. Mit angsteinflößender Kälte in seinem Blick starrte er sie an und der Schrecken darüber betäubte Hazels Glieder, sodass sie nicht einmal versuchte, sich freizuwinden.

    Ein Wölfchen ist eben doch kein Kuscheltiert! :panik:

    „Für wie bescheuert hältst du mich eigentlich?“, blaffte Scott in der darauffolgenden Sekunde O'Rourke an und während er sprach, schimmerten seine weißen Menschenzähne hervor. „Als ob sich deine Männer raushalten, wenn wir hier miteinander kämpfen. Spätestens nachdem ich dich fertiggemacht habe, stürzen sie sich auf mich. Dein Beta stinkt jetzt schon nach Tier, der kann es gar nicht abwarten!“

    o.O wow, er ist doch nicht soooo dämlich! :D


    Naja, das blöde Notizbuch haben sie noch immer nicht, arme Hazel.
    Und das Ende verspricht ja, dass die Wölfchen wieder aufeinander treffen! :grinstare: wie das wohl endet?!


    <3 Fly

  • Danke schön für die Kommentare
    Ich habe @Miri mehr oder weniger versprochen, sie mit einem Post aus der Reihe in den Urlaub zu verabschieden :D



    Scott


    Raus aus dem Unterschlupf der Wölfe, raus aus ihrem Revier, über die Bahngleise hinweg am Treffpunkt vorbei und weiter bis zur Busendhaltestelle. Erst zusätzliche zehn Minuten raschen Fußmarsches später hielt Scott es für unbedenklich, Hazel aus seinem Griff zu entlassen. Das Treffen mit O'Rourke war genauso abgelaufen, wie Scott es erwartet hatte. Was sollte auch dabei rauskommen, wenn ein Wolf einen anderen in dessen Revier provozierte? Er hatte jedenfalls getan, was Hayes von ihm verlangte. Fertig aus. Jetzt konnte der Leprechaun ihm kreuzweise den Buckel runterrutschen und O'Rourke in einer Ehrenrunde gleich hinterher.

    Das Industriegebiet lag längst hinter ihnen und stattdessen fanden sich Hazel und Scott in den Schluchten von Mehrfamilienhäusern wieder. An einem Spielplatz legte Scott eine Pause ein. „Wir sind außer Gefahr, oder?“, fragte Hazel. Anstatt gleich zu antworten, richtete Scott seinen Blick an ihrem Lockenschopf vorbei in die Richtung, aus der sie kamen. Zwei von O'Rourkes Männern standen an der nächsten Ecke und beobachteten sie. Sie trollten sich alsdann. „Jetzt ja.“

    Hazel schien ihre Verfolger gar nicht bemerkt zu haben. „Sie sind uns gefolgt?“

    „Um sichergehen, dass wir wirklich abhauen.“ Vorsichtshalber behielt Scott die Wölfe solange im Auge, bis sie sich außer Sichtweite befanden. „Hier beginnt das Revier meines Vaters. O'Rourke macht auf dicke Eier aber vor ihm kneift er den Schwanz ein. Wenn er mich auf diesem Gebiet angreift, dann bekommt er mit meinem Vater Probleme und damit auch mit seinem Rudel, mit meinen Geschwistern und wenn er Pech hat, treiben sich noch ein paar meiner Onkel und Cousins in der Gegend rum.“ Weil ihm nun nicht länger die Bedrohung durch die Schläger im Nacken saß, spürte Scott die Anspannung von sich abfallen. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf Hazel. „Woher wusstest du, dass wir hier sicher sind?“ Scott hatte den ganzen Weg über kein einziges Wort über sein Ziel verloren. Trotzdem war Hazel ihm protest- und widerstandslos gefolgt.

    „Deine Körpersprache“, erklärte sie. „Sie hat sich verändert. Mit einmal warst du nicht mehr so verkrampft.“ Tatsächlich? Der Anflug eines Grinsens stahl sich auf Scotts Lippen. „So genau hast du mich also angesehen?“

    „Aus Mangel an Alternativen. Sightseeing ist schwer, wenn man im Eiltempo durch die halbe Stadt gezerrt wird, weißt du?“ Hazel wandte sich ab und nahm auf einer freien Sitzfläche der Schaukel Platz. Scott tat es ihr gleich. Mittlerweile musste es schon fast 8.00 p.m. sein und wegen der vorangeschrittenen Uhrzeit trieb sich nur noch ein einziges Kind auf dem Spielplatz herum. Die Mutter dazu hockte auf einer Bank am Rande des Platzes und fand das Display ihres Smartphones faszinierender, als die Sandförmchenkuchen ihres Kindes. Weder sie, noch der Knirps ahnten offensichtlich, dass der Sandkasten regelmäßig von den Wildkatzenpolys als Klo missbraucht wurde. Scott musste es wissen. Der Kater in seiner Fußballmannschaft laberte ständig davon. Irritiert gaffte der Junge die zwei erwachsenen Personen auf der Schaukel an und klopfte abgelenkt mit seiner kleinen Schippe auf einem Plastikförmchen in der Gestalt eines Kleeblattes herum.

    „Was machen wir als nächstes?“, wollte Hazel wissen und stieß sich leicht mit den Füßen ab. Ihre Schaukel schwang gemächlich vor und zurück, was auf Scott ein wenig hypnotisch wirkte.

    „Uhrm, nachhause gehen?“ Gemeinsam einen Drink nehmen? Auf Scotts Sofa rumknutschen? Bisher sahen seine Pläne für heute Abend lediglich vor, sich einen Film reinzuziehen, was er für sie ohne zu zögern über den Haufen werfen würde. Hazel schüttelte den Kopf. Also wollte sie nichts trinken und gleich mit ihm auf seinem Sofa…? „Ich meine wegen meines Bullet Journals.“ Oh. Ach ja. Schade. „Es befindet sich immer noch im Besitz der Wölfe.“

    „Hast du nicht zugehört, was O'Rourke gesagt hat?“, erinnerte sie Scott. „Er hat dein Notizbuch nicht.“

    „Ach Bitte. Dieser Sulley hat praktisch gestanden, an der Kasse gewesen zu sein.“ Die Hexe rollte mit den Augen. „Es kommt niemand sonst in Frage. Nachdem ich die Kasse geleert habe, bis zu dem Zeitpunkt, an dem du sie aufgebrochen vorgefunden hast, hielten sich nur die Wölfe im Pub auf. Oder denkst du etwa, Hayes und seine Edelhure haben mein Bullet Journal genommen?“

    Scott verzog verwirrt das Gesicht. Was sollte eine Nutte mit Hazels Notizbuch anfangen? Und führte sein Chef nicht genug eigene Bücher? Wenigstens eins, das wusste Scott mit ziemlicher Sicherheit. Und zwar über die Einnahmen und Ausgaben des Pubs, denen zufolge das Tír na nÓg knapp am Existenzminimum wirtschaftete und deswegen kaum Steuern an das Finanzamt abtreten musste. Die Zahlen am Ende des Monats kamen jedoch nur zusammen, weil Hayes seine Verluste aus den Pokerrunden mit dem Sandmann und einer Herde Gnome als außerplanmäßige Aufwendungen für den Pub abrechnete und entsprechende Quittungen seiner Mitspieler als Belege einreichte. Oftmals trugen sie unter dem Verwendungszweck sogar 'Spielschulden' ein oder unterzeichneten mit 'Der Sandmann' oder 'Gnom Nummer vier'. Diese Langweiler im Amt nahmen ihren Job noch weniger ernst, als ihre Kollegen bei der Versicherung.

    „Und schließlich hat O'Rourke gelogen, als er meinte, seine Leute wären nicht im Pub gewesen“, fügte Hazel ihren vorangegangenen Worten hinzu.

    „Was hast du erwartet? Dass er seine eigenen Männer ans Messer liefert? Er hat ihnen Ärger vom Hals halten wollen, das ist seine Aufgabe als Alphawolf. Wenn er seine Leute nicht beschützen kann oder sie sich verraten fühlen, nimmt ihm der Nächste den Rang mit Gewalt ab“, erwiderte Scott. Das Leben eines Rudelführers war keineswegs so toll, wie sich das die meisten ungestümen Welpen gern vorstellten. Klar, man konnte Anweisungen erteilen und bestimmen, wo es langging. Dafür trug man die Verantwortung für seine Leute, sei es für den nervigen Omega oder den überehrgeizigen Beta. Um jedes popelige Problem musste man sich kümmern und für Ordnung innerhalb des Rudels sorgen. Gab es Streit, war man der Depp, der ihn zu schlichten hatte, ohne dass sich dabei irgendein Mimöschen benachteiligt fühlte. Und erfüllte man dennoch nicht alle Ansprüche, wurde der erstbeste Emporkömmling aufsässig und riss einem den Arsch auf. Für Scott kam so was auf keinen Fall in Frage. Viel zu viele Pflichten und zu hohe Erwartungen. Da blieb er lieber für sich. Er sprach weiter: „Was soll O'Rourke außerdem deiner Meinung nach mit deinem Notizbuch anfangen? Darin dürfte nichts stehen, was ihn irgendwie interessiert.“

    Frustriert atmete Hazel tief durch. „Ich habe keine Ahnung“, gestand sie und fuhr sich mit der Hand über ihre Stirn. Eine braune Locke rutschte ihr bei dieser Bewegung vor die Augen und es juckte Scott in den Fingern, sie ihr hinter das Ohr zu streichen. „Alles was ich weiß ist, dass ich mein Bullet Journal wiederhaben muss. Es hängt so viel davon ab.“

    „Du hast das alles doch schon mal aufgeschrieben. Kriegst du deine Notizen dann nicht aus dem Kopf zusammen?“

    Ein weiteres, verneinendes Schütteln von ebendiesen begleitete ihre Antwort. „Ein paar Fetzen eventuell, doch das wird nicht reichen. Ich führe ein Bullet Journal, um mir diese Dinge eben nicht merken zu müssen“, seufzte sie niedergeschlagen.

    In den Tiefen seines Gedächtnisses versuchte Scott eine Erinnerung daran hervorzukramen, Hazel schon einmal so bedrückt erlebt zu haben. Mh, nein. Da fand sich nichts. Ihr Notizbuch musste wirklich wichtig für sie und diese ganze Bewerbungskiste sein; wichtiger, als Scott es einem Stapel Papier zwischen zwei Pappdeckeln bis jetzt zugestand. Und das traf. Hazel ließ keinen Zweifel daran, unbedingt von hier wegzuwollen. Weg von Scott. Die Erkenntnis drückte das Innenleben seines Bauches mit dem Gewicht von Wackersteinen zusammen und zog zugleich Scotts Mundwinkel mit hinab, als wollten sie sich im nächstgelegenen Brunnen ertränken.

    „Okay. Dann musst du den ganzen schlauen Kram halt neu aufschreiben. Was soll's? Dann klappt es eben nicht dieses Jahr, sondern im Jahr darauf. Oder das darauf.“ Oder niemals, wenn es nach Scott ging. „Die Uni in Dublin wird ja nicht von heute auf morgen abbrennen oder so.“ Wobei das Scott auf eine Idee-… Nein, lieber nicht. Das war ein ziemlich dummer Einfall, selbst für Scotts Maßstäbe.

    „Ich will mich nicht in Dublin bewerben,“ bemerkte Hazel und schunkelte ein wenig schwungvoller auf ihrer Schaukel.

    „Sondern?“

    „In Heidelberg.“

    Häh? Heidelwas? Von diesem Ort hatte Scott ja noch nie gehört. „Liegt das im Westen der Insel?“

    „Scott...“, klärte Hazel ihn auf, „das liegt in Deutschland.“




    nächster Teil

  • Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Hallo @Skadi

    Weder sie, noch der Knirps ahnten offensichtlich, dass der Sandkasten regelmäßig von den Wildkatzenpolys als Klo missbraucht wurde.

    Katzenklo xD :rofl:
    An der Stelle musste ich lachen!

    „Ich will mich nicht in Dublin bewerben,“ bemerkte Hazel und schunkelte ein wenig schwungvoller auf ihrer Schaukel.
    „Sondern?“
    „In Heidelberg.“
    Häh? Heidelwas? Von diesem Ort hatte Scott ja noch nie gehört. „Liegt das im Westen der Insel?“
    „Scott...“, klärte Hazel ihn auf, „das liegt in Deutschland.“

    8| Scottie, du hast deine Chance verpasst!
    Du Idiot!


    Der Abschnitt hat mir gut gefallen, vor allem als sie dann im Revier von Scotts Vater waren und alles was danach kam! :rolleyes:


    Liebe Grüsse
    Fly

  • Und wieder Danke für die Kommentare ^^
    Heute ist wieder Dienstag...glaube ich Oo Durch meinen Urlaub ist mein Zeitgefühl hinüber %D




    „Deutschland?!“ Die Entrüstung trieb Scott wie eine Sprungfeder auf die Beine. Das meinte sie unmöglich ernst! Gab es denn keine Uni in Irland, an der sie ihr was auch immer studieren konnte?? Seinetwegen durfte es gern noch Nordirland oder Wales sein. Aber Deutschland?! Wieso denn ausgerechnet Deutschland?

    Hazel grub die Fersen in den Sand und hinterließ kurze Bremsspuren, als sie mitten im Schwung ihre Schaukel stoppte. „Ja, Deutschland“, sagte sie und blickte zu ihm auf.

    „Du sprichst nicht mal Deutsch!“

    „Ich werde es lernen und im Notfall beherrscht fast jeder in Deutschland Englisch.“ Sie runzelte die Stirn. „Und das wahrscheinlich mit einer besseren Grammatik als du. Jetzt hör auf, mich so doof anzugucken!“

    Scott tat wie befohlen und klappte seinen offenstehenden Kiefer hoch. Deutschland. Auf dem Festland. Dorthin fuhr man nicht einfach so eben mit dem Bus. Für seine Verhältnisse erschien ihm Hazels Wunschuniversität am anderen Ende der Welt und die Befürchtung, Hazel verschwand damit vollständig aus seinem Leben, verschaffte sich in ihm Raum.

    Sie unterbrach ihren Blickkontakt und Entschlossenheit funkelte in ihren Augen. „Ich habe einen Plan“, verkündete sie. „Ich schnappe mir Donnelly.“

    „Donnelly? Den Omega?“ Ungläubig hob sich Scotts Braue. „Was willst du denn mit dem?“

    „Er weiß etwas über mein Bullet Journal, da bin ich mir sicher. Während wir mit O'Rourke geredet haben, hat er mich ständig angesehen und wollte mir irgendwas mitteilen, denke ich.“

    So. Der Loser hatte also Hazel angeglotzt, was? Scott verschloss seine Haltung, indem er beide Arme vor seiner Brust verschränkte. „Pff, was soll der Typ schon wissen? Wenn der zu was taugen würde, dann wäre er kein Omegawolf. Davon abgesehen müsstest du überhaupt an ihn rankommen.“ Und schließlich kannte Hazel weder seinen Wohnort, noch seine Telefonnummer, oder?

    Oder?

    Halt, Augenblick! Diese Niete hatte ihr nicht seine Nummer zugesteckt, richtig? Wenn das doch der Fall war, dann sollte sich Hazel sputen und Donnelly in die Finger zu kriegen, bevor sich Scott diesen Penner schnappte. Anderenfalls bekäme sie nicht viel aus ihm heraus, weil er zu sehr damit beschäftigt sein würde, seine ausgeschlagenen Zähne wieder einzusortieren.

    Hazel sah darin kein Hindernis. „Das kriege ich schon hin. Jemand in dieser Stadt wird ihn ja wohl kennen oder zumindest wissen, wo man ihn abfangen könnte.“

    Das durfte doch nicht wahr sein! „Hast du mir vorhin nicht zugehört? Sich mit einem Wolf anzulegen heißt, sich Ärger mit dem ganzen Rudel einzuhandeln. Wenn Donnelly bei O'Rourke petzt, hast du die ganze Bande an der Backe kleben.“

    „Ich will ihm nichts tun, bloß mit ihm reden und herausfinden, ob und wie er mir helfen kann.“

    „Er ist ein Omega. Er kann dir nicht helfen.“

    „Das werde ich erfahren.“

    „Wirst du nicht.“

    „Werde ich wohl!“

    „Nein.“

    „Doch.“

    „Nein!“

    „Scott!“

    „Hazel!“

    Würgen, Prusten und ein fisteliges Husten unterbrach ihre Diskussion. Simultan drehten Hazel und Scott die Köpfe zur Seite und betrachteten das Kind, wie es im Sandkasten vor sich hin keuchte. Sand klebte um seinen Mund herum und sein Fäustchen hielt eine zweite Ladung davon parat. Von ihrer Bank aus erhob die Mutter Protest, Sandkuchen äße man nicht wirklich.

    Hazel lenkte sein Augenmerk zurück auf ihre eigene Person und den Disput, den Hexe und Wolf gerade miteinander austrugen: „Willst du diesen Hickhack den Rest des Abends durchziehen?“

    „Nur so lange bis du versprichst, dich von Donnelly fernzuhalten.“

    „Darauf kannst du lange warten“, stellte sie klar und die Bestimmtheit ihrer Tonlage gab Scott keinen Anlass zu glauben, Hazel zog ihr Vorhaben nicht tatsächlich durch. „Mir bleibt keine Alternative. Donnelly ist meine einzige Option, verstehst du das nicht?“ Und verstand Hazel denn nicht, dass Scott versuchte sie vor Schlamassel zu bewahren?

    Eingehend inspizierte er ihre Züge und sein Mund musste sich das ein oder andere Mal vergebens öffnen, ehe er sich zu der entscheidenden Frage durchrang: „Warum bleibst du nicht einfach? In der Stadt, meine ich. Bei Moira, Kolja und…“ Bevor er den Rest seines Satzes über die Lippen brachte, befahl Scott seinem verräterisch lauten Herzschlag, die gottverdammte Klappe zu halten. „und bei mir?“

    Scott hatte mit allen möglichen Reaktionen gerechnet. Damit, dass Hazel ihm um den Hals fiel, zum Beispiel. Mit einer rationalen Antwort auf seine Frage oder einem eloquenten Spruch, der seinem Annäherungsversuch den Ernst abnahm. Dass Hazel vorgab, ihr Telefon würde klingeln um das Weite zu suchen oder von ihr abgewiesen zu werden. Keinesfalls aber damit, einen Konflikt heraufzubeschwören. Denn Hazel wurde sauer. Wirklich sauer. Sie erhob sich von ihrer Schaukel.

    „Ist das dein Ernst, mir ausgerechnet jetzt mit Sentimentalitäten zu kommen? Wenige Monate vor meiner Abreise?“, forderte sie verärgert zu erfahren, obwohl sich Scott unsicher war, ob es sich nicht um eine von diesen rhetorischen Fragen handelte, auf die sie gar keine Antwort wollte. „Ein Jahr, Scott. Ein verfluchtes, langes Jahr hattest du Zeit, dir darüber im Klaren zu werden, was du eigentlich von mir willst. Ich sitze praktisch auf gepackten Koffern und du erwartest allen Ernstes von mir, meine Pläne über den Haufen zu werfen? Wofür? Um mich den Rest meines Lebens weiter mit dir auf dem Karussell für Unentschlossene im Kreis zudrehen?“ Hazel holte Luft für die Fortsetzung ihres verbalen Schlags und vor lauter Überforderung ob ihrer emotionalen Zurechtweisung, brachte Scott nicht mehr zustande, als perplex herumzustehen. Ihr Zeigefinger stach mehrfach mit spürbarem Druck gegen seine Brust. „Womöglich hätte ich mich überzeugen lassen, auf meinen Auslandsaufenthalt zu verzichten und mich in Dublin zu bewerben. Aber diese Chance hast du versäumt, also ziehe ich weiter. Meine Auszeit ist vorbei. Ich habe die Regeln festgelegt und deswegen halte ich mich auch an sie.“

    Endlich erwachte Scotts Gehirn aus den Standby-Modus. „Lass mich mit deinen dummen Regeln zufrieden“, knurrte er und kräuselte grantig den Nasenrücken. Ihre bescheuerten Vorsätze waren ihr also wichtiger? Fein! „Scheiß auf Regeln. Regeln sind dazu da, gebro-…“ „Wenn du diese Phrase beendest, dann drehe ich mich auf der Stelle um und gehe.“ Damit verschlug es Scott endgültig die Sprache. Spitze Antworten kannte er von Hazel, aber das Wort hatte sie ihm noch nie verboten. Härte lag in ihrem Blick und Scott vermisste das amüsierte Funkeln, welches Hazels haselnussfarbene Augen normalerweise während eines Wortgefechts zum Strahlen brachten. „Was weißt du schon von Regeln?“, warf sie ihm vor. „Du hast dich doch noch nie um irgendwelche Regeln geschert. Du schummelst ja sogar, wenn du mit Kolja 'Ich sehe was, was du nicht siehst' spielst! Wie kann man dabei bitte schummeln?!“

    Doch in der darauffolgenden Sekunde wandelte sich ihre Mimik. Hazels Wut glitt von ihrem Gesicht wie eine schlechtsitzende Maske und darunter kam Kummer, gepaart mit Enttäuschung zum Vorschein. Ihr trauriger Blick schlug mit der Wucht einer abgefeuerten Kanonenkugel in Scotts Magen ein. „Zu promovieren ist immer mein Traum gewesen“, seufzte Hazel schwermütig. „Was soll ich denn nur machen?“

    Scott blieb ihr eine Antwort schuldig und während sie bekümmert vor ihm stand, beschäftigte ihn unweigerlich die Frage, was ihm eigentlich mehr wehtat: Hazel unglücklich zu sehen oder der Gedanke daran, sie nicht mehr in seinem Leben zu haben.




    nächster Teil

  • Guten Morgen @Skadi


    Ja, iwie müssen sie Hazels Notizen wieder bekommen ...

    .... :rofl: wie kleine Kinder xD

    Hazel unglücklich zu sehen oder der Gedanke daran, sie nicht mehr in seinem Leben zu haben.

    :love: schrecklich, beide mögen sich offensichtlich und doch sind beide einfach zu doof, um über ihren Schatten zu springen! 8|:cursing:

  • Danke schön, Fly ^^



    „Du wirst dich von Donnelly fernhalten, Hazel. Verstanden?“

    „Nein Scott, ich habe dich nicht verstanden, schließlich liegst du mir deswegen erst seit drei Tagen in den Ohren. Vielleicht solltest du dich noch ein weiteres Mal wiederholen. Nur um sicher zu gehen.“

    Scott betätigte die Türklingel und vernahm aus dem Inneren seines Elternhauses das vertraute Läuten aus seiner Kindheit. Wie angedroht, hatte Abby sie alle zu einem gemeinsamen Abend eingeladen und den Zweck, Moira aufzuheitern, gleich noch auf Hazel ausgeweitet. Zwischenzeitlich wollte sie mithilfe eines Instand Messengers einen gemeinsamen Gruppenchat für diesen Anlass einrichten, allerdings reichte dann die Zeichenbegrenzung nicht für ihren Wunschtitel aus und Abby ließ dieses Vorhaben zur Erleichterung aller Beteiligten fallen. Leider fand Scott keine Ausrede, sich zu drücken. Die Aufräumarbeiten im Tír na nÓg stagnierten, da die neuen Möbel erst Anfang der nächsten Woche geliefert wurden. Somit befanden sich Scott, Hazel und Kolja, sowie der Rest der Belegschaft, mehr oder weniger auf Zwangsurlaub. Nicht einmal das Fußballtraining kam ihm dazwischen.

    „Okay, aber es ist das letzte Mal, dass ich das sage“, stellte Scott klar und setzte einen besonders streng wirkenden Blick auf. „Ich will nicht, dass du dich mit Donnelly triffst und du wirst auch nicht meine Geschwister nach ihm fragen. Weder Abigail, noch-…“

    „Hey Colin!“

    „Hi Hazel. Siehst gut aus.“

    „Danke, du auch.“

    Scott hatte sich darauf konzentriert, Hazel seine Standpauke zu halten und nicht bemerkt, wie sein Bruder ihnen die Tür öffnete. In seiner Hand hielt Colin eine halbgeschälte, angebissene Banane und schluckte die letzten zerkauten Reste in seinem Mund hinunter. Hielt er mit Hazel einen Wettbewerb im Dauergrinsen ab, oder was? Die angemessene Zeitspanne für Höflichkeitslächeln war schon lange überschritten. Die zwei durften jetzt aufhören, sich gegenseitig anzustieren. Sofort, wenn’s ging! Sowieso fragte sich Scott, was Colin hier tat. Irgendwie hatte Abby es geschafft, ihn trotz seiner Abneigung gegen Moira herzulocken. Wahrscheinlich kam Colin nur wegen des Essens.

    „Ich werte sein Wutschnauben als Begrüßung“, meinte Colin zu Hazel und deutete mit der Banane auf seinen Bruder, bevor er einen weiteren Bissen davon nahm. Tatsächlich beschränkte Scott die Kommunikation mit ihm gerade darauf, Colin böse anzufunkeln. „Kommt rein.“

    Scott schloss die Tür hinter sich und trat zu Hazel und seinem Bruder ins Wohnzimmer. Aus einem Nebenraum stieß Abby zu ihnen, die Arme hoffnungslos überladen mit unbefüllten Brotkörben. „Oohh, da seid ihr zwei! Wie schön!“, freute sie sich über ihr Erscheinen und ohne den wackeligen Turm aus Körben, hätte sie sie wohl in ihre Arme geschlossen. Unaufgefordert schnappte sich Hazel die schwankende obere Hälfte. „Warte, lass mich dir helfen.“

    „Ah, ich danke dir, Hazel!“ Das Lächeln der jungen Wölfin verschwand, als sie Scotts mürrischen Gesichtsausdruck bemerkte. „Stimmt etwas nicht?“

    „Mommy und Daddy streiten sich.“

    „Das tun wir nicht“, stellten Hazel und Scott unisono richtig. So ein Blödsinn, was Colin da laberte. Für einen Streit brauchte es gegensätzliche Standpunkte und Scott hatte Hazel eindeutig klargemacht, dass sie in dieser Sache seinen Standpunkt zu teilen hatte. Also gab es keinen Anlass für Streit. Kapiert?! Alles in bester, verdammter, Ordnung.

    Wenig überzeugt zog Abby die Stirn kraus. Ehe sie tiefer bohren und eine spontane 'Wir-retten-Hazels-und-Scotts-nicht-vorhandene-Beziehung'-Interventionsrunde einberufen konnte, beanspruchte Hazel ihre Aufmerksamkeit: „Abby, kennst du einen Typen namens Donnelly? Recht dünn, blonde Locken, ein Wolfpolymorph… Ungefähr in meinem Alter?“

    „Kennt sie nicht!“ Scotts Zwischenruf fand keine Beachtung. Dieses hinterhältige Weib! Hatten sie sich nicht eben erst darauf geeinigt, sich nicht weiter um Donnelly zu kümmern?!

    „Mh, der Name kommt mir bekannt vor“, dachte Abby laut. „Ach, natürlich! James Donnelly. Unser Rasenmäherjunge. Wieso fragst du?“

    „Ich brauche etwas von ihm. Du hast nicht zufällig seine Telefonnummer oder seine Adresse?“

    Abbys Antwort bestand aus einem Kopfschütteln. Zu ihrem Glück, dachte Scott. „Aber eventuell steht was dazu auf seinem Facebookprofil. Ich habe ihn vor langer Zeit zu meiner Kontaktliste hinzugefügt.“ Stopp mal! Wie, was, Facebook? Kontaktliste? Was für eine Kontaktliste? Und wie kam seine kleine Schwester bitte dazu, diese Flachpfeife Donnelly auf ebendiese zu setzen? Hatte sie etwa etwas mit ihm zu schaffen?! Hazel nahm Scott die Worte aus dem Mund, indem sie verblüfft fragte: „Du und Donnelly seid befreundet?“

    „'N Scheiß sind sie. Da kannste genauso das Telefonbuch nehmen und als Poesiealbum bezeichnen“, bewertete Colin die sozialen Medien seiner Schwester und schleuderte gekonnt seine Bananenschale durch das geöffnete Wohnzimmerfenster in den Garten hinaus. „Abby hat sogar den Typen von der Telefongesellschaft in ihren Kontakten.“

    „Harold und ich haben viel gemeinsam!“

    „Der Mann steht kurz vor der Rente und überprüft alle paar Wochen den Verteilerkasten am Ende der Straße. Was sollt ihr denn bitte für Gemeinsamkeiten haben, außer regelmäßig die Telefonleitung zu blockieren?“

    Harold? Telefongesellschaft? Scott kam nicht mehr mit. „Jetzt haltet alle eure Klappe“, fuhr er dazwischen und kappte mit einer Handbewegung den symbolisch Faden dieses Gesprächs. Dann wandte er sich direkt an seine Schwester: „Abby, du wirst niemanden Donnellys Facebookprofil zeigen und erst recht nicht irgendwelche Kontaktdaten raussuchen. Ich will nicht, dass Hazel diesem Typen zu nahekommt. Und das ist mein letztes Wort!“

    „Nach dem Essen kann ich meinen Laptop aus meinem Zimmer holen und wir schauen gemeinsam nach“, schlug Abby vor und bekam dafür von der Hexe ein dankbares Lächeln geschenkt. „Das wäre großartig. Vielen Dank, Abby.“

    „Nicht dafür.“

    „Hey!“ Ignorierten die zwei Scott etwa? Scott glaubte, die beiden ignorierten ihn! „Du wirst Hazel nicht helfen!“ Daraufhin wandten die beiden Frauen ihm den Rücken zu und schlenderten, beladen mit den leeren Brotkörben, nebeneinander aus dem Wohnzimmer. „Kann ich dir noch in der Küche zur Hand gehen?“, wollte Hazel wissen und Scott konnte hören, wie seine Schwester antwortete: „Nicht nötig. Kolja macht sich bereits nützlich. Er ist echt Gold wert!“

    „Hazel! Abby! Spreche ich Spanisch oder was?!“ Aber die Mädels verschwanden bereits durch die Tür, ohne Scott eines letzten Blickes zu würdigen. Unbeachtet wie ein alter Besen in der Ecke, blieb er mit Colin zurück.

    „Hat Donnelly dir die Frau ausgespannt, oder weshalb ist deine Rosie McCann so scharf auf diese Pfeife?“ Da Colins Hände nicht mehr mit einem Stück Obst beschäftigt waren, zog er ein Sturmfeuerzeug aus der Hosentasche und begann es zwischen den Fingern seiner rechten Hand rotieren zu lassen. Die Verschlusskappe gab ein helles Klacken von sich, wann immer sie durch die Drehung auf- und zuschnappte. Colin behauptete, ihm würden die Tricks mit seinem Feuerzeug helfen bei der Sache zu bleiben und sich besser zu konzentrieren. Na, wenn er meinte. Zum Glück litt Scott nicht an solchen Aufmerksamkeitsdefiziten.

    Verwirrt sah er seinen Bruder an. „Rosie wer?“ Er kannte niemanden der so hieß, also versuchte Colin ihm auf die Sprünge zu helfen: „Rosie McCann, from the banks of the Bann?“, nannte er den vollständigen Namen, als sollte Scott das irgendwie weiterhelfen. „The Star Of The County Down? Kennste, oder etwa nicht?“

    Was für eine dumme Frage. Scott arbeitete in einem irischen Pub; er kannte so gut wie jedes irische Volkslied. Selbstverständlich auch 'The Star Of The County Down'. Keine Liedzeile der Welt klang so grandios, wenn eine Meute Besoffener sie lallte, wie 'And I said‘, says I to a passer-by...'. „…'Who’s the maid with the nut-brown hair'“, setzte Scott den Text fort. Nussbraunes Haar, schon klar. Das war eine Anspielung.

    'He smiled at me, and he say’s, say’s he: She’s the gem of Ireland’s crown. Young Rosie McCann, from the banks of the Bann. She’s the star of the County Down. From Bantry Bay up to Derry Quay
    and from Galway to Dublin town, no maid I've seen like the fair cailín that I met in the County Down.'
    “ Colin summte die Strophe zu Ende und trug währenddessen ein fettes Grinsen im Gesicht. „Und vergiss nicht die Stelle, an der ihre braunen Augen beschrieben werden.“

    „Ja ja, hab's kapiert“, brummte Scott. „Hazel soll meine Rosie McCann sein. Ich hab's verstanden. Bin ja nicht völlig bescheuert.“

    Colin zuckte mit den Schultern. „Aus deiner Perspektive gesprochen.“ Dann deutete er auf Scotts Füße. „Nebenbei bemerkt finde ich es süß, dass ihr zwei die gleichen schwarz-weißen Stoffturnschuhe von Converse tragt. Wenn du dir noch einen BH umschnallst, geht das glatt als Pärchenoutfit durch.“

    „Wir sind kein Paar.“ Und vielen Dank für die Erinnerung an Hazels Abfuhr. Scott fühlte sich deshalb miserabel genug, auch ohne, dass sein Bruder Salz in die Wunde streute.

    Der Spott in Colins Stimme verklang. „Ja, ich weiß. Hast mir ja geschrieben, was passiert ist“, sagte er ernst und pausierte sogar kurz seine Tricks mit dem Feuerzeug. „Immerhin weißt du, dass sie mehr von dir will. Oder wollte. Noch ist sie nicht weg, wenn du es also richtig anstellst, kannst du vielleicht noch was rumreißen und sie zum Bleiben bewegen.“

    Scott nickte. Er wusste, was er zu tun hatte: „Ich muss verhindern, dass sie ihr Notizbuch zurückbekommt.“

    „Nein, du Trottel“, widersprach Colin und verdrehte die Augen. „Das meine ich nicht.“

    „Dann soll ich es also finden und es dann verbrennen?“

    Für einen langanhaltenden Moment sah Colin seinen Bruder an. „Sag mal, hast du'n Arsch offen oder was stimmt nicht dir?“

    „Scott! Wenn du das tust und Hazel Wind davon kriegt, wird sie dich den Rest ihres Lebens hassen und nie wieder ein Wort mit dir reden!“ Aus dem Nichts sprang Abby herbei und starrte Scott mit fassungslosem Blick und einem Anflug von Panik an. Sie quetschte sich zwischen ihre beiden großen Brüder und redete eindringlich auf Scott ein: „Und Hazel würde es herausfinden! Scott, du musst ihr zeigen, wie viel sie dir bedeutet und wie weit du bereit bist, für sie zu gehen. Auch wenn das bedeutet, deine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und sie fortziehen zu lassen. Hazel wird sich nur dann für dich entscheiden, wenn sie sicher sein kann, dass es dir ernst mit ihr ist.“ Irgendwie steigerte sich Abby gerade in diese Beziehungskiste hinein. „Hazel könnte die Liebe deines Lebens sein! Lass nicht zu, dass sie dir durch die Finger rinnt wie feiner Sand in einem Stundenglas. Ohne Liebe sind wir nicht mehr, denn bewegtes Fleisch. Sie ist wichtig, die Liebe! Du bist in ihrer Mission unterwegs, Scott. Denk daran.“

    Mit diesen Worten verschwand Abby aus dem Wohnzimmer. Sprachlos standen Scott und Colin nebeneinander, betrachteten den leeren Türrahmen und ließen Abbys Ansprache auf sich wirken. Schließlich lehnte sich Scott zu Colin herüber. „Wenn sie läufig ist, ist sie noch schlimmer drauf, als sonst.“

    „Hm-hm. Sie muss echt aufhören, sich ständig diese Highlanderscheiße reinzuziehen.“ Hoffentlich kam Abby schnellstmöglich von ihrem Romantiktripp runter und ging ihnen nicht den Rest des Abends auf die Nüsse, indem sie die ganze Zeit irgendwelche Liebeslieder auswählte. Als ob SingStar allein nicht schon schlimm genug wäre. Colin schien Scott seine Befürchtung anzusehen: „Ich hab' ihr vorhin ein paar wichtige Schrauben aus der Spielekonsole gedreht“, erwähnte er beiläufig. „Heute Abend singt hier niemand. Kein Star, keine Amsel, keine Drossel und kein Fink.“

    „Gut gemacht“ Scott hielt ihm die Faust hin und sein Bruder ging auf diese Geste ein, indem er seinerseits mit seiner eigenen dagegen stieß. Zumindest in dieser Hinsicht drohte Scott heute nicht den Verstand zu verlieren. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf begleitete er Colin zu den Anderen in die Küche.




    nächster Teil

  • Hey @Skadi ^^



    Liebe Grüße,
    Carpe

  • Hallo Carpe, Danke für deinen Kommentar ^^


    Zitat von Carpe

    - obergeil

    Freut mich, dass dir meine Geschichte bisher so gefällt :blush:


    Zitat von Carpe

    Ich kann gar nicht entscheiden, welchen Freak ich am meisten mag

    Also mein persönliches Baby ist ja Colin xD Falls ich mir als Schreiberin der Geschichte diese Aussage erkauben darf, hihi :D


    Zitat von Carpe

    Die Bruderdynamik zwischen Scott und Colin ist genial

    Danke! Ich mag es, ihre Kappeleien zubeschreiben und wie sie gleichzeitig doch irgendwie unzertrennlich sind. Geschwister bieten da einfach nochmal andere Möglichkeiten als Freunde ^^

  • Sie war so ein Idiot! Die Kasse! Ihr Bullet Journal! Panisch stürzte Hazel hinter den Tresen und stieß Scott um Haaresbreite gegen die Bar. „Hey!“, beschwerte er sich lautstark. Der Alkohol, und was sonst auf dem Boden Lachen bildete, spritze unter Hazels hektischen Schritten in alle Richtungen. Sie nahm die Geldkassette heraus und ... nichts. Gar nichts. Ihr Bullet Journal war weg. Ihr Bullet Journal war weg!

    irgendwie habe ich genau das schon vermutet :rofl:

    „Klingt einleuchtend.“ Trotzdem schwang Enttäuschung in Hazels Stimme mit. „Ich hätte das gern mal live erlebt.“
    Scheinbar verpasste Scott gerade den Kontext ihrer Bemerkung. Er blinzelte leicht verwirrt. „...was? Mich, nackt?“
    „Ja.“
    „Ja?“
    Moment, halt.

    :rofl:
    Finde ich klasse diese Szene. Wie Hazel sich da um Kopf und Kragen redet. :D

    Graffitis ganzer Generationen an Künstlern und Schmierfinken wanderten wie Tätowierungen die Fassade empor und bei manchen von ihnen stellte sich Hazel unweigerlich die Frage, wie zum Geier man überhaupt dort hinaufkam, ohne sich den Hals zu brechen.

    Und genau diese Frage stelle ich mir auch immer und immer wieder. Wie genau sind die dorthin gekommen und konnten dann auch noch mit der Spraydose hantieren? Ein Mysterium! :D

    Anstatt zu antworten, stieß Scott laut Stark die Tür auf. „O'Rourke, du Penner!“, grölte er und stiefelte resolut über die Türschwelle hinweg. „Komm raus, ich hab' dir was zu sagen!“

    Ich mag die Vorstellung. Wer muss schon klopfen, wenn er einen Scott bei sich hat, der erstmal den Pimmel schwingen muss xD

    Zu sehr von Scott abgelenkt, schenkte Donnelly ihr keinerlei Beachtung. Dann plötzlich reagierten alle fünf Männer auf etwas. Donnelly wandte seinen Kopf als erster mit einem Ruck zur Treppe, danach folgte Scott und schlussendlich die verbleibenden Wölfe. Erst einen Augenaufschlag später vernahm Hazel Schritte am oberen Ende der Stufen und erneut zeigte sich, dass sie mit den Sinnen der Wolfpolymorphe absolut nicht mithalten konnte.

    Die Wölfe mit ihren Instinkten. Sie bemerken den Boss also noch vor Hazel, weil wegen Sinnen. Da frage ich mich, warum haben die Hazel und Scott nicht schon vor der Tür gehört und waren so überrascht? Sonderlich leise waren die ja nicht. Oder gerochen?

    „So ein Bullshit! Die Kasse war leer, nicht mal 'n paar beschissene Cents ham' sich abgreifen lassen“, plärrte der Omegawolf von seinem Platz aus los.

    Meinst du den Beta? Also Sulley? Weil Donnelly auf mich jetzt nicht den Eindruck erweckt hat, als würde er so plärren :D

    „Die Uni in Dublin wird ja nicht von heute auf morgen abbrennen oder so.“ Wobei das Scott auf eine Idee-… Nein, lieber nicht. Das war ein ziemlich dummer Einfall, selbst für Scotts Maßstäbe.

    Irgendwie würde mich genau das nicht wundern. Kein Stück. :D

    Colin schien Scott seine Befürchtung anzusehen: „Ich hab' ihr vorhin ein paar wichtige Schrauben aus der Spielekonsole gedreht“, erwähnte er beiläufig. „Heute Abend singt hier niemand. Kein Star, keine Amsel, keine Drossel und kein Fink.“
    „Gut gemacht“ Scott hielt ihm die Faust hin und sein Bruder ging auf diese Geste ein, indem er seinerseits mit seiner eigenen dagegen stieß. Zumindest in dieser Hinsicht drohte Scott heute nicht den Verstand zu verlieren. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf begleitete er Colin zu den Anderen in die Küche.

    Colin du bist klasse! Ich frage mich ja, ob das gereicht hat :rofl:


    Ich mag die letzten Teile und es war unglaublich leicht hier aufzuholen. Sehr spannend und die Atmosphäre hast du meiner Meinung nach auch super authentisch rübergebracht. Ich muss sagen, ich hätte mich auf einen Kampf der beiden ja schon gefreut. Ohne das Einmischen der anderen, wäre spannend gewesen zu sehen, wer von beiden stärker ist. Immerhin scheint O'Rourke eine gewisse Grundintelligenz zu besitzen, die Scotti ... fehlt. Ich glaube fast, dass wir das noch erleben werden. :D +
    Und ich hoffe, Hazel bekommt ihr Bullet Journal wieder :hmm: Mal sehen, was Donnelly so weiß :D


    UND ganz wichtig. Die Beziehung der beiden hat sich ... keinen Schritt nach vorn bewegt, aber immerhin wird nun etwas Arbeit hineingesteckt. Ich mag es wie die beiden so umeinander herumschwänzeln und Hazel ihn abweist. :D Macht es irgendwie realistisch. Sie ist eben sehr auf ihre Zukunft fixiert und aus ihren Teilen geht auch heraus, dass sie sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat.


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Huhu ^^ Danke für den Kommentar! :love:


    Zitat von Kyelia

    Sie bemerken den Boss also noch vor Hazel, weil wegen Sinnen. Da frage ich mich, warum haben die Hazel und Scott nicht schon vor der Tür gehört und waren so überrascht? Sonderlich leise waren die ja nicht. Oder gerochen?

    Die Überraschung bezog sich in meiner Intention darauf, dass Scott als rudelfremder Wolf ins Versteck gepoltert kommt wie... naja, wie er es eben tut xD Scazel hat ja nur in Zimmerlautstärke ein paar Sätze außerhalb des Gebäudes gewechselt. Also standen sie vielleicht 30 Sekunden vor dieser Tür. Das werden die Wölfe mitgekriegt haben, aber ob sie Stimmen draußen für bemerkenswert halten und dann so fix reagieren, ist halt die Frage. Die hocken da in ihrem Mief und beschäftigen sich miteinander, als draußen zwei Personen brabbeln und in nächsten Sekunde die Tür aufreißen :rofl:
    Und wenn Big Boss Finni oben aus seinem Schönheitschlaf aufwacht, dann sorgt das für Aufregung :D


    Zitat von Kyelia

    Meinst du den Beta? Also Sulley?

    Whoopsi, ja :rofl: Zuviele griechische Buchstaben. Ich hab's korrigiert, danke ^^

  • Hazel


    „…und jetzt versuche ich über Donnelly mein Bullet Journal zurückzubekommen“, beendete Hazel ihre Zusammenfassung der aktuellen Ereignisse für Moira und Kolja. Einen Teil der Geschichte kannten die beiden bereits von Scott; einen sehr einseitigen Teil, wie Hazel im Laufe des Gesprächs mit ihnen festgestellt hatte.

    „Es fühlt sich sehr falsch an das zu sagen“, äußerte sich Kolja und rührte in einer Schüssel eine Masse für das Abendessen zusammen, „aber in diesem Fall ist ausnahmsweise Scott die Stimme der Vernunft.“

    „Kolja hat Recht, Hazel. Mit O'Rourke ist nicht zu spaßen. Bitte überleg dir das alles noch einmal.“

    Während Kolja an der Arbeitsfläche stand und beeindruckender Weise keinen einzigen Spritzer der Zutaten auf seine Kleidung sprenkelte, saß Hazel gemeinsam mit Moira am Küchentisch. Die Banshee sah heute viel ansehnlicher aus, als bei ihrem letzten Treffen in Scotts Wohnung. Ihr Haar fiel ordentlich gekämmt und mit sorgfältig geflochtenen Strähnen über ihre Schultern, und das rot-schwarze Tartan ihrer Bluse betonte Moiras klare, graublaue Augen. Nichts erinnerte Hazel mehr an das verheulte Wrack von Sonntagnacht. Scotts Kindheitsfreundin war in der Tat ein hübsches, zartes Wesen. Behutsam verteilte Moira mit einem Löffel Honig auf frischgebackene Scones, sorgsam bemüht, jeden einzelnen davon mit der gleichen, adäquaten Schicht zu bedecken. Der Perfektionismus ihrer Künstlerseele ließ sich eben nicht so einfach abstellen.

    Hazel wollte ansetzen, den beiden ihre Vorsicht zu versichern. Doch in dieser Sekunde betraten Scott und Colin die Küche und Hazel hielt es für besser, dieses Thema nicht in Scotts Anwesenheit zu besprechen. Beim Anblick der halbfertigen Scones bekam Colin große Augen. „Oh klasse! Scones!“, jubelte er begeistert und langte trotz Moiras kritischen Blicks frei heraus nach einem der Gebäckstücke.

    „Nimm die Finger von den Scones, Colin! Du kriegst welche, sobald sie fertig sind!“ Abby kehrte zu ihnen in die Küche zurück und somit wurde es richtig eng. Der Küchentisch war darauf ausgelegt, mindestens sechs Leute unterzubringen und beanspruchte daher einen Großteil des Platzes im Raum. Notgedrungen mussten sich Moira und Hazel aneinanderdrängen, damit Colin nicht etwa in einer unvorhersehbaren Bewegung der Banshee den Ellenbogen ins Gesicht schlug.

    „Ich habe Hunger!“, erwiderte Colin seiner Schwester, wagte es aber dennoch nicht, sich an den Scones zu bedienen. Demonstrativ strich er sich mit der Hand über den flachen Bauch und Hazel fragte sich, wohin der Mann das viele Essen futterte. Der Stoffwechsel in dieser Familie war beneidenswert, denn Scott verputzte ebenso Unmengen, ohne sich um sein Gewicht sorgen zu müssen. Wie unfair die Welt sein konnte.

    „Du hast eben erst eine Banane gegessen“, betonte Abby, was Colin allerdings keineswegs als Argument wertete: „Als ob ich von einer Banane satt werde.“

    „Iss eben eine zweite.“

    „Bin ich 'n Affe oder was?“

    „Wenn du mich fragst…“ Scott mischte sich ein und wich im anschließenden Moment einem Hieb seines Bruders aus. Dabei rempelte er Kolja an und schlug ihm glatt die Schüssel aus der Hand. Gerade rechtzeitig schnellte Abby nach vorn und schaffte es, sie ohne Sauerei aufzufangen, stieß jedoch gegen Colin. Dieser stolperte, landete beinahe auf Moira, welche sich mit einem Ruck zur Seite wegduckte und in ihrer Tollpatschigkeit Hazel eine unbeabsichtigte Kopfnuss verpasste.

    „Au! Das... entschuldige, Hazel!“

    „Schon gut.“ Für ihre zierliche Gestalt besaß Moira einen ganz schön harten Schädelknochen, spürte Hazel am eigenen Leib und rieb sich die schmerzende Stelle an ihrer Stirn. Kurzzeitig sah die Hexe sogar Sterne.

    Abby reichte es. „Ihr zwei“, ermahnte sie sie streng und deutete erst auf den einen, dann auf den anderen Bruder, „verschwindet nach draußen! Tobt euch bis zum Essen im Garten aus. Hier in der Küche steht ihr nur im Weg!“ Sie drückte Kolja die Schüssel in die Hand, zwängte sich zwischen ihm und Scott hindurch und öffnete die Hintertür, durch die man auf die Terrasse und in den Garten gelangte. Fast direkt auf der Türschwelle hatte jemand – und dafür kam nach Hazels Einschätzung so ziemlich jeder in dieser Familie in Betracht - achtlos ein Frisbee auf dem Boden liegen gelassen, ohne es für nötig zu halten, das Spielzeug aus dem Weg zu räumen. Abby nahm es auf und schleuderte es aus dem Handgelenk heraus über den Rasen.

    Augenblicklich stürmten zwei schwarzhaarige Schatten an Hazel vorbei, durch die Hintertür nach draußen und dem Frisbee hinterher. Durch die offenstehende Tür beobachtete sie, wie Scott das Frisbee aus der Luft schnappte, es im Sprint Colin zuwarf und vice versa. Unverkennbar hatten die zwei Männer ihren Spaß und Hazel sah den Wolf in ihnen förmlich vor Freude mit der Rute wedeln. Abby wusste, ihre Brüder in den Griff zu bekommen.

    Hazel erhob sich von ihrem Stuhl und gesellte sich zu ihr an die Tür. „Das ist also der Rasen deiner Eltern“ stellte sie fest und ihr kam Scott Randbemerkung über die Ausmaße des Gartens in den Sinn. Und Hazel musste zugeben: Der Garten war wirklich groß und wie Scott und Colin demonstrierten, bot er genug Fläche zum herumtoben, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen, aus Versehen den Steingarten und die Blumenrabatten niederzutrampeln oder eine der etlichen Terrakottafiguren zu zerschlagen. Ob der Größe mähte sich das Gras sicher nicht eben in einer halben Stunde, soviel gestand Hazel Scott zu. Nichtsdestotrotz blieb diese Aufgabe ihrer Meinung nach innerhalb eines halben Nachmittags machbar und wieder einmal sah sie lediglich Scotts grenzenlose Faulheit bestätigt.

    „Ja. Genau genommen reicht das Grundstück bis dort hinten.“ Abbys ausgestreckter Finger deutete auf einen Punkt in der Ferne.

    „Bis zu der Hecke?“

    „Hecke? Oh, nein“, korrigierte die Wölfin Hazel. „Das sind die Beerensträucher meines Vaters. Ich spreche von dem Holzzaun.“

    Sie kniff die Augen zusammen und erkannte in guten einhundert Metern Entfernung eine braune Linie, die durchaus einen Zaun darstellen konnte. Jedoch hielt Hazel es zuerst für die Einfriedung einer Koppel, die bereits auf dem angrenzenden Land eines Bauern stand. Halt, so weit reichte das Grundstück??

    „Und natürlich gehört der Vorgarten bis zur Straße dazu.“

    Herrje. Da hatte sich Hazel aber gehörig verschätzt. Mr und Mrs Fitzpatrick lebten ja auf einem Fußballfeld! Hoffentlich hatte sich Donnelly damals nach Quadratmetern bezahlen lassen, oder wenigstens pro angefangene Stunde.

    Da sich Scott nun außer Hörweite befand, griff Moira das ursprüngliche Thema ihrer Unterhaltung auf: „Bitte Hazel, hör auf Scott und lass Donnelly in Ruhe. Auch wenn du nur mit ihm reden willst, sollte O'Rourke das falsch auffassen...“ Besorgt sah die Banshee Hazel an. „Es sind schreckliche Kerle. Niemand weiß das besser als Scott. Als er und O'Rourke das letzte Mal aneinandergeraten sind, hätte Scott fast ein Augenlicht verloren und O'Rourke hat es schlimm an der Hauptschlagader verletzt. Du wirst einen besseren Weg finden, dein Bullet Journal zurückzubekommen, da bin ich mir sicher.“

    Folglich stammte die Narbe an O'Rourkes Hals von Scott? Großer Gott, mit welcher Brutalität mussten die beiden aufeinander losgegangen sein, um sich gegenseitig solche Verletzungen zuzufügen? Normalerweise prahlte Scott mit seinen Auseinandersetzungen; die Delle in der Holzvertäfelung des Tír na nÓgs stellte den besten Beweis dafür dar. Trotzdem hörte Hazel heute zum ersten Mal davon.

    „James Donnelly. Es ist lang her, seitdem ich ihn zuletzt gesehen habe“, grübelte Abby und schwelgte in Erinnerungen. „Meinetwegen hat er Ärger mit Papa gekommen, das tat mir so leid! Das war während dieses heißen Sommers vor einigen Jahren, darum habe ich mir meinen Bikini angezogen und im Garten mit der Sprinkleranlage gespielt. Es war so herrlich erfrischend! Danach war der Rasen nass und Donnelly konnte ihn nicht mähen. Papa hat das so wütend gemacht, dass er ihn angeschrien und nie wieder eingestellt hat.“ Nachdenklich legte Abby den Finger auf ihre Lippen. „Obwohl Donnelly ein kleines bisschen selbst schuld gewesen ist. Ich meine, er hat gesehen, wie ich den Sprinkler angestellt habe und nichts gesagt. Stattdessen hat er die ganze Zeit auf der Terrasse gehockt.“ Hazel sah Kolja an, der hob die Achseln und Abby redete weiter: „Das muss ungefähr sieben Jahre her sein. Genau! Im selben Jahr hat mir Papa nämlich diesen riesigen Plüschbären zum Geburtstag geschenkt. Er ist so groß und so flauschig. Oh, ich liebe diesen Bären!“

    „Das Mehl ist aufgebraucht. Hast du noch welches?“, unterbrach Kolja kurzerhand Abbys euphorischen Schwank aus ihren Teenagerzeiten und hielt das restlos leere Aufbewahrungsgefäß hoch. Eifrig warf die Wölfin die Arme in die Luft. „Natürlich! Gib mir eine Sekunde und ich hole Nachschub aus der Vorratskammer.“ Sie sprang los und aus der Küche hinaus, ehe Kolja sein „Lass dir Zeit“, zu Ende sprach. Somit waren Hazel und Scotts Mitbewohner wieder unter sich.

    „Bitte verzeih, falls ich dir zu Nahe trete...“ Abermals ergriff Moira das Wort und beugte sich Hazel mit geheimnistuerischer Miene entgegen. Was kam denn jetzt? „Liegt es an Scott, dass du von hier fortgehen willst? Ihr empfindet offensichtlich viel füreinander und ich dachte, vielleicht hat er etwas gesagt oder getan, was dich abschreckt.“




    nächster Teil

  • „Hecke? Oh, nein“ korrigierte die Wölfin Hazel. „Das sind die Beerensträucher meines Vaters. Ich spreche von dem Holzzaun.“

    Tja, ich glaube bei einer so großen Bande an zerstörerischen Kindern ist es auch notwendig einen Garten zu haben, in dem sie herumtoben können, für Tage verschwinden, um am anderen Ende des Grundstücks einen Ring in einen Vulkan zu werfen und sich auszupowern, ohne alles kurz und klein zu schlagen :D

    Fast direkt auf der Türschwelle hatte jemand – und dafür kam nach Hazels Einschätzung so ziemlich jeder in dieser Familie in Betracht - achtlos ein Frisbee auf dem Boden liegen gelassen, ohne es für nötig zu halten, das Spielzeug aus dem Weg zu räumen. Abby nahm es auf und schleuderte es aus dem Handgelenk heraus über den Rasen.
    Augenblicklich stürmten zwei schwarzhaarige Schatten an Hazel vorbei, durch die Hintertür nach draußen und dem Frisbee hinterher.

    Mit der Stelle hattest du mich. Ich musste bei dem Gedanken echt laut auflachen. Wie die zwei "erwachsenen" Männer diesem Frisbee nachrennen. Schwupps habe ich hier wirklich das Bild zweier verspielter Hunde im Kopf. Erinnert mich an den Hund meines Bruders, der aus sofort losstürmt und sich fröhlich den Schwanz wedelt auf alles stürzt, was auch nur ansatzweise wie ein Ball oder ein Frisbee aussieht und groß genug ist, damit es ihm irgendwer werfen kann. Von daher ist dir die Szene wirklich sehr gut gelungen. :thumbsup:


    „Natürlich! Gib mir eine Sekunde und ich hole Nachschub aus der Vorratskammer.“ Sie sprang los und aus der Küche hinaus, ehe Kolja sein „Lass dir Zeit“, zu Ende sprach.

    Ich kann richtig spüren, wie Kolja aufatmet :rofl:


    Sehr viel passiert in der Szene nicht, aber ich finde es erstaunlich, dass selbst Kolja und Moira Scotti zustimmen. Und das scheint nicht oft vorzukommen, wie Kolja deutlich macht :D Es zeigt auf jeden Fall wie viel sich O'Rourke an Respekt verschafft hat. Und sicherlich nicht den guten. :hmm:
    Allerdings hüstelt eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, dass Hazel sich so leicht nicht davon abhalten lässt.


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Tja, ich glaube bei einer so großen Bande an zerstörerischen Kindern ist es auch notwendig einen Garten zu haben, in dem sie herumtoben können, für Tage verschwinden, um am anderen Ende des Grundstücks einen Ring in einen Vulkan zu werfen und sich auszupowern, ohne alles kurz und klein zu schlagen

    Lol. Und wenn sie davon zurückkehren, gucken sie ihren Vater mit großen Augen an und fragen, was sie als nächstes spielen :rofl: Und Papa Fitzpatrick: "oO WTF". Mama Fitzpatrick: "Hat jemand meinen Eherring gesehen?!" :rofl:


    Allerdings hüstelt eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, dass Hazel sich so leicht nicht davon abhalten lässt.

    :whistling: Womöglich.


    Erinnert mich an den Hund meines Bruders, der aus sofort losstürmt und sich fröhlich den Schwanz wedelt auf alles stürzt, was auch nur ansatzweise wie ein Ball oder ein Frisbee aussieht und groß genug ist, damit es ihm irgendwer werfen kann. Von daher ist dir die Szene wirklich sehr gut gelungen.

    Genau so hatte ich die beiden Männer beim Schreiben auch vor Augen :D


    Danke schön für den Kommentar, @Kyelia ^^

  • Hi @Skadi :D


    Mir gefiel die Szene am Tisch sehr!

    „Es fühlt sich sehr falsch an das zu sagen“, äußerte sich Kolja und rührte in einer Schüssel eine Masse für das Abendessen zusammen, „aber in diesem Fall ist ausnahmsweise Scott die Stimme der Vernunft.“

    :rofl: das sagt ja unglaublich viel über Scott aus! xD

    Der Perfektionismus ihrer Künstlerseele ließ sich eben nicht so einfach abstellen.

    Erkenne ich da etwa Züge von mir selbst?! :rofl: (Hast du das etwa auch?! :thumbsup::rolleyes: )

    „Du hast eben erst eine Banane gegessen“, betonte Abby, was Colin allerdings nicht als Argument wertete: „Als ob ich von einer Banane satt werde.“
    „Iss eben eine zweite.“
    „Bin ich 'n Affe oder was?“
    „Wenn du mich fragst…“ Scott mischte sich ein und wich im anschließenden Moment einem Hieb seines Bruders aus. Dabei rempelte er Kolja an und schlug ihm glatt die Schüssel aus der Hand.

    Geschwister ... was soll ich sagen?! Kenne ich einfach nur zu gut :rofl: ich bin 22 und meine Schwester 19 und mein Bruder 13 und manchmal hören sich unsere Gespräche nach Kindergarten und kleinen Spielgruppen von 5 Jährigen an ... :pardon: Geschwister provozieren einfach am besten ... :sack:


    Liebe Grüsse
    Fly

  • Die Offenheit der Frage trieb Hazel die Hitze in die Wangen und für einen Moment fühlte sich die Hexe so sehr überrumpelt, dass sie Moira perplex mit offenstehendem Mund anglotzte. 'Offensichtlich' empfand sie etwas für Scott? Bisher hatte sich Hazel eingebildet, ihre Gefühle für ihn ziemlich gut unter Kontrolle zu halten und ihn nicht vor aller Welt wie ein hoffnungslos verliebter Teenager anzuschmachten. Woher wusste Moira demzufolge...? Und ahnte jeder in ihrem Umfeld, dass...? Oh Mann. Hazels Lippen zuckten stumm, ehe sie endlich ihre Fassung zurückerlangte. Was sollte sie es auch abstreiten? „Nein...Nein, mein Plan steht schon sehr lange fest und der Pharmaziezweig der Universität in Heidelberg hat eine sehr gute Reputation“, antwortete sie ehrlich. „Scott hat nichts getan. Und gerade das erleichtert mir es, zu gehen. Unsere Beziehung steckt in einer Sackgasse und er scheint daran nichts ändern zu wollen.“ Es misslang Hazel, die Enttäuschung aus ihrer Stimme zu verbannen. Nach ihrem Streit auf dem Spielplatz hatte sie den letzten Rest Hoffnung auf ein Happy End mit Scott begraben und durfte ihm nicht einmal die Schuld dafür zuschieben. Scott wünschte sich, dass Hazel bei ihm blieb. In seiner Bitte sah sie aber nicht mehr als einen weiteren Strohhalm, an dem sie sich in ihrem Dilemma klammern sollte. Und nachdem sie sich seit einem ganzen Jahr von einem dieser Strohhalme zum nächsten hangelte, stets in der unerfüllten Erwartung, etwas würde sich ändern, wie konnte Scott da allen Ernstes annehmen, Hazel würde sich auf ewig von seinen halbernst gemeinten Tändeleien hinhalten lassen? Dennoch hätte sie ihm nicht metaphorisch die Halme aus der Hand schlagen dürfen. „Zwischen uns würde es wahrscheinlich sowieso nicht funktionieren“, redete Hazel sich ein. Auf die Weise ertrug sich der Liebeskummer etwas leichter. „Scott und ich sind zu verschieden für eine Beziehung.“

    Sie bemerkte den Blick, den sich Kolja und Moira auf ihre Aussage hin einander zuwarfen. „Was ist?“, wollte Hazel von ihnen wissen.

    „So unterschiedlich seid ihr nicht. Charakterlich habt ihr ziemlich viel gemeinsam.“ Wie gewohnt verschwendete Kolja keinen Atem für Umschreibungen und kam gleich zur Sache. „Ihr seid beide sehr direkt. Und stur.“

    „Genau. Habt ihr euch etwas in den Kopf gesetzt, seid ihr nicht mehr davon abzubringen und zieht eure Entschlüsse bis zum Ende durch“, stimmte Moira zu.

    „Ihr seid impulsiv, temperamentvoll...“

    „und rechthaberisch.“

    „Deswegen fällt es euch beiden auch so schwer, euch zu entschuldigen oder eure Gefühle zu zeigen.“

    „Außerdem liebt ihr eine gute Auseinandersetzung.“

    „Nur nicht miteinander.“

    „Sonst sind die zwei ziemlich konfrontationsfreudig.“

    „Und passt ihnen etwas nicht, werden sie bissig. Hazel schlägt mit ihrer spitzen Zunge zu und Scott... nun ja, wörtlich.“

    Inzwischen führten Kolja und Moira ihren Dialog mehr über Hazel, denn mit ihr. Die Hexe kam gar nicht zu Wort und spürte den sinnbildlichen Ball, den Bär und Banshee einander zuspielten, wiederholt an ihrem Kopf abprallen. Pfosten und ins Netz. „Außerdem haben sie nicht viel für kitschige Romantik übrig.“

    „Sie sind pragmatisch...“

    „tapfer...“

    „forsch...“

    „eigensinnig...“

    „konsequent...“

    „besitzergreifend...“

    „und selbstbewusst...“

    „zielstrebig...“

    „haben ihren Stolz...“

    „werden schnell eifersüchtig...“

    „und ziemlich nerdig, wenn es um Bücher, beziehungsweise um Filme geht.“

    „Sie tragen sogar den gleichen monochromen Kleidungsstil.“

    An dieser Stelle grätschte Hazel nun endlich dazwischen: „Ist gut, ich habe es verstanden!“, unterbrach sie den Redefluss zwischen Moira und Kolja und hob schützend die Hände vor den Oberkörper, als müsse sie ihren Wortschwall zudem physisch von sich fernhalten. Das reichte jetzt; die Botschaft ist angekommen, okay? Dann waren sie und Scott eben nicht so ungleich, wie sie glaubte. Unauffällig äugte Hazel aus den Augenwinkeln heraus in den Garten und knetete dabei den Saum ihres grauweiß gestreiften T-Shirts zwischen den Fingern. Gerade segelte Scott rücklings durch die Luft, um das Frisbee eindrucksvoll im Flug aufzufangen. Seine anthrazitfarbene Übergangsjacke hatte er ins Gras geworfen und sprang nunmehr in seinen schwarzen Jeans und dem grauen Kapuzenpullover auf dem Rasen herum. Oh Gott, selbst im Hinblick auf ihre Kleidung behielt Kolja Recht. Wie konnte so was nur an Hazel vorbeigehen?

    Moira kehrte zum eigentlichen Ausgangsthema zurück: „Ich weiß nicht, was Scott zurückhält. Normalerweise fackelt er nie lange herum, vor allem da du dich ihm praktisch anbietest.“ Erschrocken über sich selbst zog die Banshee daraufhin sogleich den Kopf ein. „Oh je, das ist fürchterlich formuliert. Ich werde zu persönlich.“

    Damit geriet Hazel in Verlegenheit, wenn auch aus einem Grund, der nicht mit ihrer oder Scotts Privatsphäre zusammenhing: „Na ja...“, musste Hazel nämlich gestehen, „'angeboten' habe ich mich ihm nicht. Jedenfalls nicht so richtig.“ Oder wertete man es neuerdings als offensive Avancen, auf seine Flirts anzuspringen wie ein Ottomotor, ihm zuweilen schöne Augen zu machen und bewusst seine Nähe zu suchen?

    „Nicht?“ Moira schien ernsthaft überrascht und Hazel blieb nichts übrig, als ihre Worte mit einem Kopfschütteln zu bestätigen. „Wieso denn nicht?“

    „Weil...“ Weil Scott der Mann war und der Mann die Frau umwarb, nicht andersherum? Urgh, was für eine dämliche Begründung. Das klang ja schon in Hazels Kopf völlig bescheuert. Hallo, die Brontë-Schwestern sind am Telefon, sie möchten bitte die verstaubten, antiquierten Gesellschaftsnormen des frühen neunzehnten Jahrhunderts für ihre Romane zurückhaben. Vielen Dank und auf Wiederhören! Hilfesuchend sah Hazel Kolja an. Mit verschränkten Armen schmunzelte Scotts bester Freund in sich hinein und betrachtete die Hexe mit einem Blick, der eindeutig 'Das erklärst du schön selbst!' transportierte. Logisch, dass er zu Scott hielt. „Weil Scott... weil er...“ Na gut, na gut! Es gab keine plausible Ausrede, die sich Hazel ad hoc aus den Fingern saugen konnte. In der Retrospektive blieben alle aktiven Annäherungsversuche an Scott hängen und Hazel nahm nicht mehr als die passive Rolle in ihrer Romanze ein. Prima. Jetzt fühlte sie sich gleich nochmal so schrecklich, ihn angefahren zu haben.

    Da Hazel ihren Satz nie zu Ende führte, erlaubte sich Moira, ihren Freund in Schutz zu nehmen: „Scott ist nicht sehr empfänglich für unterschwellige Botschaften“, erzählte sie Hazel nichts Neues. „Er benötigt eindeutige Hinweise und, nun ja... Fass das bitte nicht falsch auf. Aber du bist oft so unnahbar. Das macht es manchmal schwer dich einzuschätzen.“

    „Scott braucht Hiebe mit dem Zaunpfahl“, brachte Kolja es auf dem Punkt. Zwar sprach die Redewendung in der korrekten Fassung von einem Wink, in Bezug auf Scott traf Koljas Variante den Nagel allerdings viel eher auf den Kopf. Nicht zuletzt durch die Verwendung des Plurals.

    Hazel bemühte sich, nicht hörbar zu seufzen. Viel hatte sie tatsächlich nicht dazu beigetragen, Scott zu ermutigen und vermutlich würde sie an seiner Stelle genauso wenig bedeutsame Sprünge wagen. Großartig, Hazel. Echt Großartig, schalte sie sich selbst. Sie wusste es besser und verbockte es dennoch. „Dafür ist es jetzt zu spät. Bei unserem letzten Streit bin ich nicht sehr fair zu ihm gewesen. Bestimmt will Scott eh nichts mehr von mir wissen.“

    „Er redet mit dir, oder etwa nicht?“ Die Hexe nickte auf Koljas Frage hin. „Dann ist alles in Ordnung. Scott ist eine Zicke. Er würde es dich spüren lassen, sollte er dir etwas krummnehmen, und dich ignorieren“, meinte Kolja. „Übrigens eine weitere Gemeinsamkeit zwischen euch: Ihr seid zickig. Nur stellst du dich nicht wie er in die Ecke und starrst bockig die Wand an. Du wirst zynisch, sobald du dich auf die Füße getreten fühlst.“

    Zickig? Zynisch?? Als ob eine dieser Charaktereingenschaften auf sie zuträfe! „Ach, 'zynisch' – hat man dir dieses Wort im Sprachkurs beigebracht oder hast du es ganz von selbst geschafft, im Wörterbuch den Buchstaben Z rauszusuchen“, zischte Hazel ihn an und ...Oh. Das... oh.

    Zum Glück nahm Kolja ihren kleinen Ausbruch gelassen hin. „Quod erat demonstrandum. Ich weiß, dass du es nicht so gemeint hast. Auch ohne eine Entschuldigung.“ Vielsagend zwinkerte er ihr zu und Hazel fühlte sich gleich in doppelter Hinsicht von ihm ertappt.

    „Möchtest du sichergehen, dass Scott kapiert, was du von ihm willst, übernimm du den ersten Schritt und sag es ihm.“ Moira unterbrach sich selbst, indem sie den Honiglöffel zwischen ihre Lippen schob und die daran klebenden Reste abschleckte. Scheinbar befand sich nun auf jedem Scone eine für die Banshee akzeptable Menge Honig, weswegen sie von ihrem Stuhl aufstand und den benutzten Löffel in den Geschirrspüler einsortierte. „Du bist ja nicht auf den Mund gefallen.“

    Für Scotts Mitbewohner schien alles gesagt, was es zu sagen gab. Die beiden verloren sich in einer philosophischen Debatte über den Sinn und Nutzen einer Geschirrspülmaschine für die Wohngemeinschaft und warum sich in ihrem Besteckkasten nie auch nur ein einziger, sauberer Löffel finden ließ. Derweil schlich sich Hazels Aufmerksamkeit zur Hintertür hinaus, über die Terrasse hinweg durchs hohe Gras, um sich wie eine Klette an Scott zu heften. Moira hatte Recht. Hazel war wirklich nicht auf den Mund gefallen, wollte aber unbedingt eine Bruchlandung auf Scotts hinlegen. Und um das zu schaffen, musste sie zuerst kräftig Anlauf nehmen und über ihren Schatten springen. Doch vorher... „Was haben die zwei denn jetzt wieder für ein Problem miteinander?“





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