Freakshow: Episode 1

  • Irgendwie muss ich mir gerade vorstellen, wie du eine Kampfszene liest und dabei voller Einsatz anfeuernd die Boxhiebe nachamst

    Das kann vielleicht und möglichweise der Fall sein :rofl:
    Ich bin auch jemand, der beim Lesen laut lachen oder weinen kann :)
    (Gelacht hab ich zum Beispiel bei der Bartimäus-Trilogie, die muss ich mal wieder lesen. So witzig! (zumindest die ersten zwei Bände) und geweint hab ich am Ende von "Vom Winde verweht". Ich weiß übelster Kitsch, aber ich konnte nicht anders XD (zum Glück hab ich es nicht in der Schule fertig gelesen. Das wäre etwas random gewesen XD)

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • „Genau! Auge um Auge, Zahn um Zahn. O'Rourke hat dein Notizbuch aus dem Pub gestohlen, also klauen wir es uns zurück.“ Unerwartet legte sich ein hinreißendes Grinsen auf Scotts Lippen – eine reizvolle Mischung aus Vorfreude, Belustigung und Provokation, die Hazel dahinschmelzen ließ. „Wir steigen bei ihm ein.“

    Bester Plan :rofl: Was soll da schon schiefgehen? :rofl:


    Zwei interessante Teile. Donnelly hat es den beiden ja wirklich einfach gemacht. Und den Streit um, ja oder nein, auch gleich beseitigt. So mussten sie den Kerl wenigstens nicht aufsuchen, sondern er hat sich "freiwillig" angeboten. Ein bisschen leid tut er einem ja wirklich. Obwohl man nicht wirklich was über ihn weiß, oder von ihm gelesen hat: Sympathiefigur :D Was daran liegen könnte, dass nicht nur Scotti ihn so grob behandelt. Pfeife :rofl:

    „Worauf?“ In derselben Sekunde vernahm Hazel ein leises Fluchen und wandte sich um. Am vorderen Ende des Gartens hob Donnelly soeben angewidert einen Fuß und scharrte im Anschluss mit der Schuhsohle über das Gras, ehe er letztlich davon stakte. Hemmungslose Schadensfreude übernahm infolgedessen Scotts Mimik. „Er ist in einen Haufen Hundescheiße getreten.“
    „Der Nachbar deiner Eltern hält einen Hund?“ Sie entdeckte weder das Tier an sich, noch Spielzeug, das auf eines hinwies.
    „Nein. Er ist Mathelehrer.“

    Alter :rofl:
    1. Wie viel Pech kann man als einzelner Mensch/Wolf haben? :rofl:
    2. Bääääh ... :P


    So, Scottis Plan ist es also, in den Bahnhof einzubrechen. Ich halte das für eine echt seltendämliche Idee. Und das hat nicht nur eine Menge Potential, um so richtig schief zu gehen, sondern irgendwie habe ich hier auch noch im Hinterkopf, dass sowas die Beziehungen zwischen den Rudeln sicher nicht verbessert. :rofl:


    Naja. Ich bin mal gespannt, in welche Richtung das hier eskalieren wird. Wegen eines Notizbuches wohlbemerkt.
    Ich frage mich ja eh, ob Scott die Worte von Hazel überhaupt mitbekommen hat. Die öffnet ihr Herz und der fixiert sich auf Donnelly. Depp :rofl:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Danke für den Kommentar, @Kyelia ^^


    Scott


    Was nutzte ein freier Tag, wenn man ihn damit verbrachte, angeödet Däumchen zu drehen?? Ernsthaft: Scott langweilte sich zu Tode und das bereits seit dem frühen Nachmittag. All seine Freunde verfolgte eigene Pläne für diesen Freitagabend und kein einziger davon schloss Scott ein. Moira musste arbeiten. Sie hatte sich einen Auftrag an Land gezogen und knipste die offiziellen Fotos auf irgendeinem Firmenevent in der Stadt. Wie nach jedem dieser Jobs, würde sie die ganze darauffolgende Woche in der Wohnung auf- und ablaufen und ihren beiden Mitbewohnern erboste Monologe darüber halten, diese gestellten Ich lächle gezwungen in die Kamera-Fotos wären purer Hohn auf die Kunst und sie fühle sich, als würde sie die Fotografie verraten. Kolja hingegen war schon vor Stunden kommentarlos aus der Wohnung getrottet. Keine Ahnung wohin. Das tat er gern und da Sott es selbst gegen den Strich ging, jeden Schritt rechtfertigen zu müssen, fragte er nie nach. Blieb noch Colin, doch der meinte, Null Bock zu haben und den Abend zusammen mit Ohli auf seinem eigenen Sofa verbringen zu wollen. Manchmal schien sein Bruder echt zu verdrängen, dass zum Teil ein Wolf in ihm steckte. Anderenfalls würde der Mann keine so innige Beziehung zu seinem Haustier pflegen.

    Somit fläzte Scott seit Stunden faul vor der Glotze und zog sich ein paar Blockbuster rein. Ab und zu sprang er auf, um sich von Geräuschen in und vor der Wohnung ablenken zulassen und im Anschluss seinen Hintern wieder auf dem Sofa zu parken. Eigentlich liebte er Filme, bloß schafften sie es heute einfach nicht, ihn zu fesseln. Zudem er die meisten davon in- und auswendig kannte und die Dialoge eins zu eins mitsprechen konnte. Normalerweise machte ihm das wenig aus. Allerdings ging ihm gerade aus eben diesem Grund ein Gespräch zwischen Sam Neill und Richard Attenborough so sehr auf die Nüsse, dass Scott abrupt aufstand und den Blu-ray-Player durch einen Druck auf das entsprechende Knöpfchen anwies, den Datenträger auszuspucken. Zurück in der Schachtel, landete Jurassic Park auf demselben Haufen abgebrochener Filme, wie Fight Club, Pulp Fiction, Van Helsing und Warm Bodies. Letzteren hatte sich Scott wegen Moira rausgepickt. Jetzt türmte er sich zusammen mit den anderen Blu-rays auf dem Fernsehtischen zu einem wackeligen Jenga-Turm der Hollywoodproduktionen.

    Träge ließ sich Scott der Länge nach auf das Sofa fallen und starrte die Decke an. Solche Rumgammelabende, die er in seiner schwarzen, megabequemen Lieblingsjogginghose verbringen durfte, kamen ihm gelegentlich ganz Recht. Aber nur dann, wenn ihm nicht so stinkendlangweilig war! Zum wiederholten Male zählte er aus Verzweiflung die weißen Längsstreifen auf jedem Hosenbein. Drei Stück jeweils. Unverändert.

    Sogar an eines von Koljas herumliegenden Schachrätseln hatte sich Scott in seiner Notlage versucht. Als ihm das Heft etwas über einen König, irgendwelche Bauern und einen Turm erzählen wollte, gab er die Sache ziemlich schnell für sich auf. Und da dachte Scott immer, Schach wäre ein Strategiespiel und keine verkappte Neuinterpretation von Rapunzel.

    Aus der Hosentasche fischte er sein Smartphone hervor. Außer dem Fernseher sorgte lediglich das einfallende Licht aus der Küche für karge Helligkeit im sonst dunkeln Wohnzimmer. Das Leuchten des Smartphonedisplays legte sich daher als kalter Schimmer über Scotts Gesichtszüge. Ehrlich gesagt waren seine Mitbewohner und Colin Scotts zweite Wahl gewesen, ihm Gesellschaft zu leisten. Kurz nach dem Mittagessen hatte er in das Nachrichtenfenster an Hazels Nummer die Frage 'Netflix and chill?'eingetippt und dahinter einen kleinen, lässig aussehenden Smiley mit einer Sonnenbrille auf der Nase eingefügt. Ihm kam diese Nachricht witzig vor; beim weiterführenden Denken fiel ihm jedoch ein, dass seine Filmsammlung als massive Front das Wohnzimmerregal füllte und er ja gar keinen Netflixaccount besaß. Außerdem lag Abby mit ihrem kitschigen Liebesgefasel, von wegen festen Absichten und so, nicht völlig verkehrt. Hazel sollte keinesfalls den Eindruck bekommen, es ginge Scott einzig um eine schnelle Nummer mit ihr. Darum hatte er den Text in 'Bock auf nen Film und Stew?' umgeschrieben. Genug Auswahl bot seine Filmothek und das Stew wärmte er schon nebenbei auf der Herdplatte in der Küche auf. Genau genommen handelte es sich um die Reste von Koljas Mittagessen und weil Scotts Freund es entweder nicht auf die Reihe brachte, für eine einzige Person zu kochen oder er vielleicht schlichtweg grundsätzlich genug für eine vierköpfige Familie zubereitete, füllten noch gut dreiviertel des Gerichts den Topf. Allein würde Kolja es sowieso niemals schaffen, das Stew zu verzehren, ehe es verdarb. Also konnte Scott es genauso gut für seine Zwecke verwenden.

    Der Cursor hinter dem Fragezeichen der Nachricht blinkte unermüdlich vor sich hin und harrte darauf, ob Scott seinem Text etwas hinzufügte oder ihn endlich einmal versendete. Unschlüssig sah Scott ihm dabei zu. Abschicken – Ja oder Nein? Er wusste nicht, wie er mit einer erneuten Abweisung von Hazel umgehen sollte. Ebenso wenig damit, falls sie tatsächlich bei ihm aufkreuzte. Nach Donnellys Verschwinden hatte sich keine rechte Gelegenheit geboten, ihr Gespräch vom Garagentor fortzusetzen und Scott würde sich absolut bescheuert fühlen, ihr jetzt erst so was zu antworten wie: 'Ach übrigens. Ich bin hoffnungslos verknallt in dich. Bitte lass mich dein fester Freund sein. Oh, und sorry, dass ich einen ganzen Tag gebraucht habe, um dir das zu sagen'. Nah! Den kritischen Blick, mit dem Hazel ihn durchbohren würde, konnte sich Scott lebhaft vorstellen. Überfordert fuhr er sich mit den Fingern den Scheitel entlang. So wurde das nie und nimmer was.

    Über die entsprechenden Felder des Smartphones navigierte sich Scott aus Hazels Nachrichtenfenster heraus in den Gruppenchat mit seinen Geschwistern. Anfangs war Scott gegenüber dieser Funktion misstrauisch gewesen, mittlerweile empfand er sie zu gewissen Gelegenheiten doch recht praktisch. Zum Beispiel, wenn es anlässlich des Muttertags abzusprechen galt, welche Terrakottafigur in diesem Jahr ersetzt wird. Scott störte sich nicht mal mehr an dem dämlichen Gruppenamen, auf den Abby so abfuhr. Wobei… dass er sich nicht daran störte, wäre falsch zu behaupten. Er ignorierte die alberne Bezeichnung 'Fitz-PUPP-ricks', genau wie die pseudoniedlichen Pfotenabdrücke oder was der Smiley neben dem Text darstellte. Mit Ausnahme von Abby teilte jeder Scotts Meinung, wie dämlich dieses Wortspiel war. Aber nachdem Colin die Gruppe vor etwa einem Jahr eigenmächtig umbenannt hatte und Abby den Namen danach wieder in ihren eigenen Vorschlag änderte, entwickelte sich ein zweiwöchiger Hickhack zwischen Scotts Geschwistern und am Ende entzog seine Schwester kurzerhand allen die Adminrechte. Seitdem stand der Gruppenchat unter Abbys diktatorischen Alleinherrschaft.

    Scott tippte eine Nachricht ein und in der nächsten Sekunde erschien sie im Gruppenverlauf:

    > Scott: Nix los hier <

    Die Anzeige der Gruppe kündigte an, dass Colin etwas schrieb. Dann erschien eine Nachricht:

    > Colin: Teddybär und Heulboje sind ausgeflogen? <

    > Scott: Jap. <

    > Colin: Sei froh. Ich krieg schon Phrenbluten, wenn ich nur an diese Heulsuse denke <

    > Colin: *Ohrenbluten <

    Hm. Was sollte Scott dazu sagen? Er wollte die App schließen, als Abbys Name im Verlauf aufploppte. Diese Frau tippte abnormal schnell die Buchstaben auf dem Smartphone ein; Kieran war der einzige, der ihr in der Hinsicht etwas vormachen konnte. Weil der Messangerdienst direkte Antworten zuließ, erschien ein Zitat von Colins Nachricht und darunter Abbys Text:

    > Abby: Ooh, du denkst an Moira??? <

    Dahinter hatte sie ein kleines Herzchen gesetzt. Es folgte gleich eine weitere Nachricht von ihr, in der sie sich auf Colins Ohrenbluten bezog:

    > Abby: Deine Ohren bluten? So wie dein Herz, wenn Moira nicht in deiner Nähe ist? <

    Dieses Mal verwendete sie diesen Smiley, der gleich von mehreren kleinen Herzchen umschwirrt wurde, wie ein Haufen Scheiße von Fliegen. Scott musste dabei unweigerlich an diesen Film von Alfred Hitchcock denken, in dem ein Schwarm Vögel auf Menschen losging. Wie hieß der noch gleich? Jedenfalls war Abbys Interpretation so lächerlich absurd, dass sie gleich drei ihrer Brüder dieselbe Reaktion entlockte:

    > Colin: Häh <

    > Scott: Häh <

    > Kieran: Wie bitte? <

    Was lief nur mit dem Jungen falsch? Und sollte Kieran nicht den Lehrern auf der Nase herumtanzen, unerlaubt Alkohol trinken und mit irgendeinem Mädchen aus einer anderen Schule rumknutschen, das er am Ende des Monats vergaß? Sogar auf einem Schulausflug hing der Kleine am Smartphone.

    > Colin: Abby bist du dumm? Ich meinte die Alte zwingt einen mit ihrer Stimme in die Knie <

    > Abby: Du findest Moira zum niederknien??? <

    Sie schob zwei Ring-Emojis nach, von denen Scott nicht mal wusste, dass es sie gibt.

    > Kieran: Ich verstehe kein Wort. Wollen Colin und Moira etwa heiraten? <

    > Colin: Nur über meine Leiche <

    > Abby: Also würdest du für Moira sterben? Das ist so romantisch! <

    An dieser Stelle benutzte sie gleich drei von diesen Smileys mit dem herzförmigen Aknebefall, wie sie vorhin bereits verwendet hatte.

    > Scott: Abby hast du gesoffen <

    > Abby: Vielleicht <

    > Scott: Wie viel? Nen Weinkeller? <

    > Kieran: Was ist denn los bei euch?? Ständig verpasse ich es, wenn etwas Spannendes passiert! <

    Colin zitierte die Unterstellung seiner Schwester, für Moira sein Leben zu lassen und fügte hinzu:

    > Colin: Hier stirbt gleich was ganz anderes! <

    > Abby: Deine Hoffnung je eine andere Frau als Moira lieben zu können? <

    Okay, jetzt wurde es idiotisch. Nicht, dass das nicht schon vorher der Fall gewesen wäre, aber Abby trieb ihre angetrunkenen Provokationen gerade auf die Spitze. Für ein paar Minuten beobachtete Scott die Meldung, Colin würde eine Nachricht verfassen und schloss den Gruppenchat sodann. Das verbale Massaker konnte er später nachlesen. So handhabte Niall das regelmäßig und am Ende fühlte er sich von der Menge an neuen Nachrichten in der Geschwistergruppe erschlagen.

    Zurück zu Angelegenheiten, die Scott etwas bedeuteten. Die Einladung stand weiterhin als Entwurf in der Textzeile von Hazels Nachrichtenfenster und wenn er nicht bald den Arsch hochkriegte, würde das auch so bleiben. Näherte sich sein Finger dem Sendebutton, spürte er sein Herz bis in den Kehlkopf hinauf schlagen. Na gut. Augen zu und durch. Scott schickte diese Nachricht jetzt ab, komme, was da wolle. Auf drei, zwei, eins… .

    Das Surren der Türklingel lenkte Scott von seinem Smartphone ab. Verwirrt setzte er sich auf, als ob ein Blick in den dunklen Flur erahnen ließ, wer auf der anderen Seite der Wohnungstür Einlass begehrte. Wohl kaum Moira oder Kolja, soviel stand fest. Beide besaßen eigene Schlüssel zur Wohnung. Colin kam genauso wenig in Frage, denn er meldete sich zuvor stets per Telefon an. Hauptsächlich deshalb, um Moira aus dem Weg zu gehen. Davon abgesehen benötigte er zum gegenwärtigen Zeitpunkt beide Hände, um seine kleine Schwester per Textnachricht niederzumetzeln.

    Automatisch bewegte sich Scott zur Wohnungstür und öffnete sie. Haselnussbraune Augen, haselnussbraune Lo-… Halt, das hatten sie doch erst neulich Nacht, oder?

    „Hey Scott“, begrüßte Hazel ihn. Ein wenig irritiert glotzte Scott flüchtig auf das Display des Smartphones. Nein, versicherte er sich, die Nachricht war zu keiner Zeit rausgegangen. Und wenn, wäre Hazel unter keinen Umständen so fix hier gewesen. Nicht einmal unter der Annahme, sie säße ausgehfertig auf der Türschwelle. Das heißt, Scotts Meinung nach durfte sich Hazel permanent als ausgehfertig bezeichnen. Sogar in abgetragenen Schlabberklamotten würde er sie anziehend finden, viel anziehender in seinen Schlabberklamotten und wenn sie völlig ohne Kleidung vor ihm-... „Komme ich ungelegen?“

    Mh? Was? Achja! „Nein, auf keinen Fall. Komm rein.“




    nächster Teil

  • Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Hallo @Skadi

  • Danke für eure Kommentare, ihr zwei ^^


    Diese "Kosenamen"

    Colin ist halt eine kleine Charmeschleuder. Nicht :rofl:


    Familienchats! Das sind die schlimmsten und witzigsten zugleich!

    Ich weiß schon, weshalb meine Familie sowas nicht hat :rofl:


    Teddybär xD Ich weiss also nicht ob ich mit diesem Bär kuscheln würde ...

    Ooh, ich würde definitiv mit Kolja kuscheln :D Der ist so lieb. Der kann einen dann, wenn es einem mal schlecht geht, in den Arm nehmen und beruhigend den Kopf tätscheln C:

  • Ich hab ja mal gesagt, dass ich mich hier mal melde. :) Post 1 habe ich jetzt gelesen.
    Scotts Müdigkeit fand ich leicht redundant beschrieben. Und Sätze wie diesen hier:

    Scott brauchte einen Moment, um richtig wach zu werden. Er setzte sich auf und rieb sich die Augen. Effektiv brachte diese Geste gar nichts. Trotzdem fühlte es sich an, als würde er die Müdigkeit dadurch wegwischen. Für einen Augenblick jedenfalls.

    würde ich ehrlich gesagt einfach streichen, so ganz allgemein. Das wirkt etwas hinten drangehängt, aber auf mich nicht so, als würde es groß etwas zur Textstelle beitragen. :hmm:


    Der erste Post der Geschichte ist bisher ja recht zahm. Ich hatte bei deiner Contentwarnung am Anfang schon mit einer Keule gerechnet, aber die Schwingst du wahrscheinlich später. :D Scott ist also in kriminelle Machenschaften verwickelt oder zumindest ein kleiner Langfinger, das wird sicher noch Probleme geben. Etwas in die Richtung Urban Fantasy wollte ich ja schon länger mal lesen. Mal sehen, wie du das so umsetzt :) Und mal sehen, wann ich mir wieder die Zeit zum Lesen hier nehme xD

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]


    Nachdem ich jetzt schon einige Jahre hier bin, kann ich ja auch mal meine Geschichte in die Signatur setzen, oder? :D Mit Geschichten bin ich dann doch geschickter als mit Signaturen.
    Himmelsjäger [Neufassung]

  • Sie legte ihre Jacke ordentlich an der Garderobe ab und ließ sich von Scott ins Wohnzimmer führen. Er verzichtete darauf, die Deckenlampe anzuschalten. Durch das Licht in der Küche sah man genug und außerdem wirkte Hazel in dieser halbschummrigen Atmosphäre unglaublich aufreizend auf Scott. Hayes durfte sich ruhig mit seiner Stammnutte zufriedengeben. In Scotts Augen schaffte es kein Sukkubus der Welt, Hazel annähernd Konkurrenz zu machen. „Hast du Zeit? Ich will mit dir über deine Einbruchspläne reden“, erklärte Hazel den Anlass des Besuchs und verhinderte auf diese Weise, dass sich Scotts Verstand abermals im Irrgarten der eigenen Gehirnwindungen verlief.

    „Klar, leg los.“ Für Hazel nahm er sich immer Zeit. Gern auch für den Rest seines Lebens.

    Die Hexe sah ihn prüfend an und ihre gehobenen Brauen verhießen Scott die anstehende Diskussion. „Ich bin dir überaus dankbar, dass du mir helfen willst. Versteh das nicht falsch. Aber in O'Rourkes Unterschlupf einzubrechen kann unmöglich dein Ernst sein.“

    „Wieso?“ Was sollte daran so abwegig sein? Sein letzter Einbruch lag zwar an die zehn Jahre zurück, aber solche Dinge waren wie Fahrradfahren. Man verlernte es nicht, sondern spürte nur den schmerzenden Sattel im Schritt.

    Scott witterte in der Küche den würzigen Geruch des heißen Stews. Perfektes Timing, dachte er sich und begab sich in den Nebenraum. Hazel folgte ihm treu und antwortete unterdessen: „Wie wäre es erstmal mit folgendem: Einbruch und Diebstahl verstoßen gegen das Gesetz und sind verboten?“

    Ach, diese nervigen Regeln und Vorschriften schon wieder. Mit ihrer Regelkonformität machte Hazel es einem echt schwer. Aus einem Schubfach kramte Scott eine Suppenkelle hervor und rührte damit das Stew um. Jup, das konnte man so essen. Er nahm eine saubere Schale von der Abtropffläche der Spüle und füllte den Eintopf hinein. Sie trockenzureiben erwies sich als unnötig. Wie der Rest des Abwasches, stand sie dort bereits seit ein paar Tagen herum und hatte daher genug Zeit, an der Luft zu trocknen. Köstlich riechender Dampf stieg daraus auf. „Technisch gesehen ist es kein Einbruch“, argumentierte Scott und legte die Suppenkelle auf dem Rand des Topfes ab. „Um von einem Einbruch zusprechen, müsste O'Rourke das Gebäude gehören. Tut es aber nicht. So gesehen ist er ein Hausbesetzer und kann uns mal. Uns in den Bahnhof zu schleichen ist also mehr unbefugtes Betreten oder so. Du weißt schon. Eltern haften für ihre Kinder.“ In den letzten dreiunddreißig Jahren hatte Scotts Vater diese Floskel hassen gelernt.

    Er hielt Hazel die Schale mit dem Stew entgegen. „Magst du?“ Ihr kritischer Blick wechselte daraufhin von Scotts Gesicht zu dem Eintopf und beim Anblick des Essens verdrängte helle Begeisterung die Ernsthaftigkeit aus ihren Zügen. „Ist das etwa Koljas Stew?“

    Langsam lernte Scott, Hazels rhetorischen Fragen als solche zu erkennen. Trotzdem nickte er und ließ sich von Hazel die Portion aus der Hand nehmen. „Ich liebe sein Stew!“, seufzte sie entzückt und Scott überlegte, ob ihn diese Stimmlage geil oder eifersüchtig machte. Im Besteckkörbchen der Spüle fand sich kein sauberer Esslöffel, darum durchsuchte er das Besteckfach und setzte derweil ungeachtet des metallenen Schepperns seine Ausführungen fort: „Und Diebstahl würde bedeuten, O'Rourke etwas wegzunehmen, was ihm rechtmäßig gehört und das ist nicht der Fall, wenn wir dein Notizbuch zurückholen. Sicher gibt’s irgendeine Bezeichnung dafür. Schutz unseres Eigentums, was weiß ich.“ Zwischen haufenweise Gabeln und Messern zog Scott den einzigen gespülten Löffel hervor. Irgendwie herrschte in dieser WG ein genereller Mangel, was das anging. Wahrscheinlich verteilten sich die restlichen Besteckteile auf sämtliche Räume der Wohnung und versifften dort dreckig vor sich hin. Oder in der Bude hauste ein ungebetener Untermieter, der auf einem Löffelberg hockte, wie Smaug auf einem Goldschatz. Na gut. Dann teilte sich Scott ihn eben mit Hazel. Er tauchte den Löffel in den Eintopf und probierte davon.

    Unser Eigentum?“, wiederholte Hazel seine Worte und hielt nach wie vor die Suppenschale fest. Dass Scott daraus aß, schien sie mitnichten zu stören. Er korrigierte sich: „Dein Eigentum, meine ich.“

    Gemeinsam verließen sie die Küche und kehrten ins Wohnzimmer zurück. Genau wie Sonntagnacht machte Hazel es sich wie selbstverständlich auf dem Sofa bequem und löffelte das Stew aus der Schale. Diese Frau passte super dorthin, schoss es Scott durch den Kopf, und noch besser würde sie in sein Bett passen. Okay, vielleicht sollte er doch für mehr Licht sorgen, sonst ging heute Abend etwas mit ihm durch.

    Entgegen seiner Erwartung hatte sich Hazel nicht für den Platz am anderen Ende der Sitzfläche entschieden, sondern sich unmittelbar neben Scott niedergelassen. Sein Arm baumelte ausgestreckt über der Rückenlehne und weil zwischen ihnen wenig Abstand blieb, konnte er mit der Hand Hazels Schulter erreichen. Ihr war der Körperkontakt offensichtlich keineswegs unangenehm, weshalb Scott geistesabwesend am Ärmel ihres T-Shirts herumnestelte. Gelegentlich strich sein Daumen dabei zart über Hazels Haut.

    „Stimmt es eigentlich, was O'Rourke gesagt hat?“, wechselte Hazel das Thema und reichte Scott das Stew. Notgedrungen musste er die Finger von ihr nehmen, um beide Hände für die Schale freizubekommen. „Müsst ihr euch wirklich prügeln?“

    Prügeln? Die Gören im Kindergarten prügelten sich. Zwei Wölfe wie Scott und O'Rourke trugen hingegen gnadenlose Rangkämpfe miteinander aus, bei denen es um Überlegenheit und Autorität ging. „…Wahrscheinlich“, meinte Scott knapp. Mit dem Löffel fischte er ein Stück Fleisch aus dem Eintopf und nahm einen Bissen.

    „Dann will ich nicht, dass du mitkommst.“

    Hastig würgte er das zerkaute Essen in seinem Mund hinab und sah Hazel ungläubig an. „Hast du vor, allein bei O'Rourke einsteigen, oder wie?“ So eine dumme Idee. Das kam unter keinen Umständen in Frage!

    „Nein, Unsinn. Das heißt, eigentlich will ich mich vom Bahnhof so fernhalten, wie möglich. Aber…“ Die Schüssel wanderte zurück in ihre Hände und Hazel schluckte den Rest des Satzes mitsamt einem Happen von Koljas Stew hinab. „O'Rourkes Drohung war überdeutlich und ich will nicht, dass dir wegen meines Bullet Journals etwas zustößt“, sagte sie. „Moira hat mir von deinem Auge erzählt und ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir so was meinetwegen nochmal passiert.“

    „Es wird niemand da sein, wenn wir dort auftauchen. Wir warten, bis die Typen sich verzogen haben und erst dann legen wir los.“

    Wenig überzeugt zog Hazel die Stirn kraus und rührte nachdenklich das Stew um. Ihr Blick streifte indessen ziellos durch das Wohnzimmer und bleib letztendlich an Scotts schiefen Filmturm auf dem Fernsehtischchen hängen. „Du hast ja Warm Bodies in deiner Sammlung“, stellte sie fest und drückte Scott das Essen auf, um sich vorzubeugen und den Rücken der Hülle mit dem Finger nachzufahren. „Ich finde die Romanvorlage von Isaac Marion besser. Die Verfilmung ist aber auch ganz okay. Macht sich gut für das erste Date, weil man wenigstens von den Actionszenen unterhalten wird, wenn man nichts mit Romantik anfangen kann.“ Dasselbe hatte auch Scott über diesen Film gesagt…? Vor Verblüffung glotzte er Hazel mit leicht offenstehendem Mund an, doch ihr Kommentar wurde schlagartig nebensächlich, als sie sich zurücklehnte und enger an Scott heranrutschte. Viel befand sich nicht mehr in der Suppenschale. Eine Portion, die sich zwei Personen teilten, futterte sich schnell weg und Hazel schob die verbleibenden Reste des Eintopfes zusammen.

    „Ich kann uns Nachschub holen“, bot Scott an, obwohl er gerade wenig Interesse für das Stew aufbrachte. Zudem müsste er dafür vom Sofa hochstehen, was ihn unweigerlich dazu zwang, Hazels Nähe aufzugeben. Dank ihr fühlte sich seine Magengegend warm genug an; er brauchte keinen heißen Eintopf.

    Glücklicherweise verneinte sie das Angebot mit einem Kopfschütteln und studierte stattdessen sein Gesicht. „Wann ist eigentlich aus 'Ich' ein 'Wir' geworden?“, wollte sie wissen. Ihr Blick wurde eindringlich.

    Scott zuckte mit den Schultern. „Irgendwann zwischen Honigscones und Hundehaufen.“ So genau wusste er das auch nicht festzulegen. Von ihnen beiden gemeinsam zu reden, klang in seinen Ohren jedenfalls verdammt gut.

    „Koljas Scones haben echt lecker geschmeckt“, schwärmte Hazel. „Gerade könnte ich etwas Süßes zum Nachtisch vertragen.“

    „Colin hat die Scones gestern restlos verputzt.“ Der Appetit seines kleinen Bruders war einfach unersättlich. So gesehen bildeten er und Kolja das ideale Team: der eine kochte Unmengen und der andere fraß sie.

    Plötzlich musste Scott bis über beide Ohren grinsen. Hazels Anblick auf dem Sofa erinnerte ihn an etwas: „Und die Knallbrause ist leider auch aus“, scherzte er amüsiert. „Sorry.“

    „Dich lässt das mit der Knallbrause nicht los, wie?“

    Was sollte er sagen? Schuldig im Sinne der Anklage. Zumal Hazel ihre Beschreibungen damals dreister Weise an der besten Stelle abgebrochen hatte und Scott demnach das Ende in all seinen Details schuldete. Die Hexe lächelte dezent und führte den Löffel an ihren Mund, um die Tropfen des Stews mit den Lippen aufzufangen. Scott konnte ihre Zunge kurz aufblitzen sehen, als sie von der anderen Seite über das Metall strich.

    In Hazels Augen funkelte etwas, was mit Sicherheit keinesfalls durch die Reflektion der vagen Zimmerbeleuchtung entstand. Aufforderung lag darin, Erwartung, Neugier und ein kleines bisschen Ungeduld. Wie ein Liebhaber schmiegte sich das Schummerlicht an ihre Wangenknochen, die Nase und Hazels Lippen, ließ sich freiwillig von den Locken einfangen und streichelte jeden Zentimeter ihrer Haut. Etwas in Scott verlangte dröhnend danach, diese Aufgabe selbst zu übernehmen. Gleich hier und auf der Stelle, inmitten intimer Zweisamkeit in der sonst verlassenen Wohnung.

    „Meine letzte Knallbrause liegt ein Weilchen zurück“, meinte Hazel und legte das Besteck in die Suppenschale, die Scott die ganze Zeit über für sie festhielt. „Ich hätte sie gern mit dir geteilt.“

    Die Intensität ihres Blickes steigerte sich und der Ausdruck in Hazels Augen floss Scott siedend wie das heiße Stew den Rachen hinab, direkt bis in den Schritt. Schweigend sah er sie an.

    Dann übermannte ihn der Impuls. Scott stellte – nein, schleuderte die Suppenschale auf den Fußboden. Die Keramik klirrte. Scheißegal! Hektisch drängte er seinen Oberkörper gegen Hazels, beugte sich über sie und seine Hände langten besitzergreifend nach ihren Wangen. Überflüssig, sie an sich zu ziehen, denn Hazel kam bereitwillig auf ihn zu. Ihr erhitzter Atem streifte seine Lippen, fordernde Berührungen seinen Rücken und... .

    Jemand drehte hörbar den Schlüssel in der Wohnungstür herum und betrat den Flur. In der nächsten Sekunde tapste Kolja herbei, die Melodie von 'The Star Of The County Down' pfeifend. „Hallo Hazel, hey Scott“, unterbrach er sich, um das Duo auf dem Sofa zu begrüßen. Dabei tatschte er an den Schalter für die Deckenbeleuchtung. Ciao, sinnliche Atmosphäre.

    Frustriert warf Scott die Arme in die Luft und ließ sich unverrichteter Dinge zurück auf seine vier Buchstaben plumpsen. In ihm entwickelten sich spontan Hasszustände. Wollte ihn die ganze Welt verarschen, oder was?!

    „Hallo Kolja“, erwiderten Hazel und er wie aus einem Munde. Dem Bären schien der enttäuschte Unterton ihrer Begrüßung zu entgehen, gleicherweise das unbefriedigte Prusten, welches Hazel zwischen ihren Lippen hervorpresste. Wie gewöhnlich ließ Kolja seinen Rucksack einfach mitten im Raum fallen. Mittlerweile hatte Moira es aufgegeben, mit ihm darüber zu schimpfen und arrangierte sich einfach damit, regelmäßig über seine Sachen zu stürzen. „Wollt ihr euch einen Film anschauen? Wartet, ich schließe mich an“, verkündete Kolja und deutete auf den angeschalteten Fernsehapparat. Die Füße des Bärenpolys trugen ihn in die Küche. „Ihr habt das Stew schon aufgewärmt“, hörte Scott ihn sagen. Es folgte das Rasseln des Besteckkastens. Anschließend: Stille.

    „… Wo sind denn schon wieder alle Esslöffel abgeblieben?“




    nächster Teil

  • Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Hallo @Skadi

  • Guten Morgen und Danke, wie immer :D


    Natürlich! XD

    Ja, Mann! Das ist der Stolz der Wölfe! xD Das verstehen wir nur alle nicht!


    Ich hätte Kolja nicht für dermaßen unempathisch gehalten XD

    Sieh es ihm nach, er konnte nicht wissen, was vor sich geht :rofl:


    Ich will die beiden Schlagen und Schütteln, damit endlich einer der beiden die Klappe aufreisst!

    Ach, ihre Klappe reißen die beiden doch auf xD Nur kommt Streit bei raus und nichts romantisches :D


    ch liebe deinen lockeren witzigen Schreibstil und freue mich wirklich immer hier zu lesen!

    Das freut mich C:

  • „Das Wetter spielt heute Nacht mit. Es ist bewölkt, das ist sehr gut. Wenn der Mond verdeckt ist, bedeutet das eine Lichtquelle weniger.“

    „Der Mond ist keine Lichtquelle, Scott. Er reflektiert das Sonnenlicht.“

    Vor ihnen erhob sich der stillgelegte Güterbahnhof als konturloser, unbelebter Schatten - eine zurückgelassene Front an Dunkelheit, welche von noch schwärzerer Finsternis verschluckt zu werden drohte und dafür von der ergrauten Vegetation mit andächtigem Schweigen bedacht wurde. Durch die Sparmaßnahmen der Stadt blieben die Straßenlaternen unmittelbar vor dem Gelände dauerhaft ausgeschaltet. Keiner der Lichtkegel berührte die Grenzmarken, sondern sorgten erst in einigen Metern Entfernung für notdürftige Beleuchtung, als würden sie Sicherheitsabstand zu O'Rourkes Versteck halten.

    Scott überging Hazels Einwurf und sondierte aus ihrer Deckung zwischen den Büschen heraus den Bahnhof. „Je weniger Licht, desto unwahrscheinlicher ist es, dass uns jemand sieht.“

    „Du hast gesagt, es wäre niemand im Gebäude, wenn wir kommen.“

    „So ist es auch. Aber falls sich wider Erwarten irgendwer hierher verirrt, sind wir gut getarnt.“

    Gänzlich überzeugt schien Hazel von seinem Plan, in den Unterschlupf des Wolfsrudels einzusteigen, keineswegs zu sein. Zwar sprach sie ihre Zweifel nie wörtlich aus, trotzdem bemerkte Scott die Skepsis in ihren Worten. Wegen der Dunkelheit vermochte er ihre Mimik lediglich zu erahnen aber aller Wahrscheinlichkeit nach runzelte Hazel momentan die Stirn über ihr Vorhaben. Dabei brauchte sie sich einfach nur auf Scott verlassen. Er schaukelte dieses Kind schon, schließlich war er kein Anfänger und wies genug Erfahrungen auf, in fremder Leute Eigentum einzubrechen. Und ein leerstehendes Gebäude in einem entvölkerten Stadtviertel würde ein Klacks werden. Hier gab es ja noch nicht einmal neugierige Nachbarn oder Alarmanlagen.

    „Was ist, falls O'Rourke hier auftaucht, während wir noch den Bahnhof durchsuchen?“, fragte Hazel und wie Scott zugab, zu Recht. Auf diese Eventualität hatte er sich jedoch vorbereitet: „Moira wird uns rechtzeitig Bescheid geben.“

    Die Banshee stand neben Scott und kämpfte mit einem Zweig, der ihr immer wieder auf Augenhöhe die Sicht verdeckte. Da sie sonst in der Dunkelheit auffiel, trug sie entsprechend dunkle Kleidung und ihr verräterisch helles Haar verbarg sie unter der Kapuze eines Pullovers. Einzig das Ende ihres Flechtzopfes ragte wenige Zentimeter aus ihrem Kragen hervor.

    „Ich habe dich noch nie schwarze Kleidung tragen sehen“, meinte Hazel zu Moira. „Dass du sie spontan aus deinem Kleiderschrank gezogen hast, sagt mir, dass du auf solche Aktionen vorbereitet bist...“ Anhand ihrer Kopfbewegung erkannte Scott, dass Hazel ihn dabei anschaute. Was gingen Scott denn bitte Moiras Klamotten an?

    Nichtsdestotrotz gehörte Schwarz beileibe kaum zur üblichen Farbauswahl, was die Kleidung seiner Freundin angelangte. In der Regel trug Moira die klassischen Jeans jeglicher Blauabstufung und kombinierte sie mit Oberteilen in gedeckten Farben. Mit Mitte zwanzig hatte sie obendrein ihren Faible für Schottenmuster entdeckt und seither zählten entsprechende Hemden und Blusen zu ihrer Alltagsgarderobe. Schwarz hingegen... Moira sollte die Finger davonlassen. Nachdem damals ihr Vater gestorben war, kleidete sie sich das ganze darauffolgende Jahr lang in Schwarz, um ihre Trauer auszudrücken. Wegen ihrer blassen Haut und der fahlen Haarfarbe sah sie darin verdammt gruselig aus. Selbst der Stammvampir des Tír na nÓgs hatte sich vor ihr erschrocken und der war den Anblick blutleerer Leichen gewohnt. Irgendein Schausteller auf dem Jahrmarkt machte ihr das Angebot für einen Nebenjob als lebende Attraktion in der Geisterbahn und darüber hinaus verknallte sich in dieser Zeit so ein schräger Gothic-Typ in Scotts Freundin, der schnell das Interesse verlor, als Moira ihre Trauerzeit überwunden hatte. Kurz gesagt: Wenn Moira schwarze Kleidung trug, konnte Scott sehr gut nachvollziehen, weshalb die Menschen des Mittelalters Panik vor Banshees geschoben haben. Mit so einer Schreckensgestalten traumatisierte man keineswegs nur kleine Kinder.

    „Wenn man seit fünfundzwanzig Jahren mit Scott befreundet ist, muss man auf vieles vorbereitet sein“, lautete Moiras Antwort. Und Moira war vorbereitet: „Ich finde eure Idee immer noch töricht. Aber wenn ich etwas dafür tun kann, dass ihr zwei an einem Stück nachhause kommt, dann mache ich das. Auch wenn das bedeutet, meinen freien Samstagabend zu opfern.“

    „Wir sind hier auf keiner Pyjamaparty, Mädels. Bist du soweit, Moira?“

    Die Banshee nickte auf Scotts Frage hin und hielt demonstrativ ihr Smartphone hoch. „Bin ich. Die Nachricht ist eingetippt und muss im Notfall nur abgeschickt werden.“

    „Dann gehen wir jetzt rein“, bestimmte Scott. „Bis gleich.“

    Zusammen mit Hazel verließ er ihre Deckung im Gestrüpp und führte die Hexe, wie bereits am Anfang der Woche, um das Gelände herum bis zur Öffnung im Zaun. Um nicht über Wurzel und Bauschutt zu stolpern, bestrahlte Hazel mit dem Smartphone den Weg vor ihren Füßen. Eine Totenstille erstickte die Umgebung und außer ihren eigenen Schritten vernahm man hin und wieder das weit entfernte, dumpfe Röhren des Autobahnverkehrs.

    Durch die Fenster des Bahnhofsgebäudes glotzte seelenlose Schwärze auf Hazel und Scott hinab. Wie sollte es auch anders sein? Die Stromzufuhr wurde mitsamt dem Bahnbetrieb eingestellt. Selbst wenn die Lampen auf dem Gelände nicht vor Jahrzehnten eingeschlagen wurden wären, würde kein noch so kleines Leuchten in ihnen aufflackern können. Als Scott die große Tür öffnete, gähnte der Eingang wie ein tiefes Loch ins Endlose vor ihnen.

    „Woher weißt du eigentlich, dass die Wölfe heute Nacht fort sind?“, durchbrach Hazel die Stille. Das Licht ihres Smartphones verlor sich im Inneren des Bahnhofs.

    „Colin hat sich für mich umgehört. In der Stadt muss irgendeine lokale Band einen Auftritt haben, den O'Rourkes Leute keinesfalls verpassen wollen. Mein Bruder ist dort und wirft ein Auge auf sie.“ Dass sich ihre Chance gleich am nächsten Tag ergeben würde, hätte Scott selber nie erwartet.

    Er ließ seinen Rucksack von der Schulter rutschten und zog eine Taschenlampe hervor. Ihr Lichtstrahl schnitt sich durch die Dunkelheit, an der Hazels Smartphonegefunzel förmlich abprallte.

    „Holst du gleich auch noch die Skimaske und das Brecheisen raus?“ Den tadelnden Spott in Hazels Stimme konnte man schwerlich überhören.

    „Willst du dich beschweren, dass ich vorbereitet bin?“ Das Brecheisen hatte Scott vor Ewigkeiten Colins Werkzeugsammlung gespendet.

    Ein Schritt über die Schwelle und Scott stand mitten im finsteren Erdgeschoss des Bahnhofs. Tagsüber drang verhältnismäßig wenig Helligkeit in die Räume, aber jetzt herrschte absolute Finsternis. Zum Glück sorgte Scotts Taschenlampe für ordentlich Licht, auf welche Stelle auch immer er sie richtete. Dicht hinter ihm folgte Hazel und leuchtete ihrerseits die dreckigen Ecken aus.

    „Nein. Ich finde bloß, dass du mit etwas zu viel Enthusiasmus an diesen Einbruch herangehst“, stellte sie richtig und sah sich um. „Dir macht das hier Spaß.“

    „Es erinnert mich eben an meine Jugend. Lass mir das doch.“

    Die Hexe trat an seine Seite und erwiderte: „Dein Nostalgiegefühl in allen Ehren aber normalerweise sucht man sich dafür etwas weniger Fragwürdiges.“

    „So was wie Knallbrause, meinst du?“

    So sehr er sich auch darum bemühte, dieser Kommentar ließ sich unmöglich verkneifen. Frech war er ihm über die Lippen gepurzelt, genau in dem Moment in dem diese ein vorwitzigen Schmunzeln formten. Unweigerlich richteten sich seine Augen auf Hazel und er bemerkte, wie sie sich ihm zuwandte. Zwei, drei Sekunden vergingen, ehe sie ihm schließlich versprach: „Sollte ich nach dieser Aktion mein Bullet Journal zurückhaben, dann spendiere ich dir einen Jahresvorrat von dem Zeug. Mein Wort darauf.“

    Ihr Schwur lockte Scott ein Lachen aus der Kehle. „Ich sehe den Zuckerschock schon kommen!“ Bestand Knallbrause überhaupt aus etwas anderem als einhundert Prozent blanken Zucker?

    „Es hat niemand gesagt, dass du alles mit einmal auffuttern sollst. Und außerdem...“, erklärte Hazel vielversprechend, „und außerdem ist die Knallbrause nicht dafür gedacht, dass du sie isst.“

    Für einen sehr langen Augenblick hielt Hazel Scotts Blick gefangen und der Ausdruck in ihrem Gesicht, der sich im Licht der Taschenlampe abzeichnete, verriet ihm ihre festen, unumstößlichen Absichten. Alsdann widmete sie sich wieder der Suche nach ihrem Notizbuch und kehrte ihm den Rücken zu. …Oh Mann. Plötzlich fühlte sich Scott, als wäre ihm jetzt schon ein ganzes Päckchen Knallbrause in der Hose geplatzt. Lag hier nicht irgendwo eine Matratze herum, auf die er Hazel rücklings werfen konnte??

    Bevor sich Scott wahrhaftig zu irgendetwas hinreißen ließ, lenkte Hazel seine Konzentration zurück auf ihre aktuelle Aufgabe: „Donnelly meinte, mein Bullet Journal würde zwischen O'Rourkes restlichen Sachen liegen. Hier unten entdecke ich allerdings keine persönlichen Besitztümer.“ Sie richtete ihre Lampe auf die Treppe, die in die obere Etage führte. „Als wir beim letzten Mal hier waren, ist O'Rourke aus dem Obergeschoss gekommen. Wir sollten uns dort oben umsehen. Was denkst du?“ Fragend drehte sie sich zu Scott um.





    nächster Teil

  • Hi @Skadi


    Ich habe den neuen Teil gestern schon gelesen, dann aber keinen Kommentar hinterlassen :sack: jedenfalls mochte ich ihn und ich finde die Dynamik zwischen den beiden echt toll!

    „Das Wetter spielt heute Nacht mit. Es ist bewölkt, das ist sehr gut. Wenn der Mond verdeckt ist, bedeutet das eine Lichtquelle weniger.“
    „Der Mond ist keine Lichtquelle, Scott. Er reflektiert das Sonnenlicht.“

    :rofl: die beiden sind einfach herrlich zusammen! :D


    Liebe Grüsse
    Fly


    ps: Ich bin davon überzeugt, dass der Einbruch entweder katastrophal falsch läuft oder die beiden sich da drin erwischen lassen, oder sich vrstecken müssen und dann auf gaaaaanz engem Raum alleine sich versteckt halten und dann ... Dadammmmmmm!
    Ok, wahrscheinlich passiert das nicht, aber es wäre doch endlich endlich an der Zeit!

  • Guten Morgen und Danke für den Kommentar ^^


    Ok, wahrscheinlich passiert das nicht, aber es wäre doch endlich endlich an der Zeit!

    Wir schweißen sie erstmal noch etwas aneinander, damit es noch besser knallt :grinstare:


    die beiden sind einfach herrlich zusammen!

    ich finde die Dynamik zwischen den beiden echt toll!

    Das freut mich sehr C:

  • Ein kurzer Teil zum WE :saint:


    Er deutete Hazel mit der Hand den Vortritt an und folgte ihr sodann hinauf. Unter ihren Füßen gaben die alten, von Feuchtigkeit verzogenen Holzstufen unheimliche Knarr- und Grunzgeräusche von sich. Gerade fühlte sich Scott wie die Hauptfigur eines dieser Horrorspiele, die sich Moira so gern reinzog, aus Furcht jedoch nur in Gesellschaft spielen wollte. Scott musste deswegen jedes Mal daneben sitzen und für moralische Unterstützung sorgen und am Ende gestaltete sich diese Abende nach ein und demselben Schema: Scott machte sich vor Angst fast in die Hose und würde die nächsten Nächte kein einziges Auge zu tun, während Moira die Stirn in Falten legte und ihre Spielerfahrung mit einem unterwältigten 'Mh...' bewertete. In derlei Dingen war die Kleine echt unverwüstlich. Eine Taschenlampe in der einen und das Smartphone in der anderen Hand, stets auf ein Lebenszeichen von Außerhalb harrend, fehlte Scotts Meinung nach bloß noch der Angriff eines Schattenmonsters. Aber soweit er wusste, verbrachte Kyle den Urlaub bei seinen Eltern in Galway.

    Unbeirrt und zielstrebig nahm Hazel vor ihm eine Stufe nach der nächsten. Doch dann stieß sie einen jähren Schreckenslaut aus und stolperte rückwärts die Treppe hinab. Glücklicherweise fing Scott sie auf; Hazel war ihm direkt in die Arme gefallen. „Alles in Ordnung?“ Sie stürzen zu sehen hatte ihn viel mehr erschrocken, denn die unerwartete, ungewohnt schrille Frequenz ihrer Stimme.

    „Ja. Ich bin abgerutscht.“

    „Sei vorsichtig. Die Stufen sind abgewetzt und schief.“

    „Das habe ich gemerkt.“

    „Soll ich vorgehen?“

    Im Schein der Taschenlampe erkannte Scott, wie Hazel nickte. Er half ihr auf die Füße und entließ sie hernach aus seinem Griff, um sich vorbei zu drängen. Zur Sicherheit umschloss er Hazels Hand mit seiner eigenen und hielt sie gut fest, damit die Hexe kein weiteres Mal stürzen würde.

    „Es ist so dunkel in dieser Bruchbude. Wie kann man hier nur hausen?“, dachte Hazel laut. Im Obergeschoss angekommen, ließen sie ihre Lichtstrahlen durch den Raum wandern.

    „Das ist O'Rourkes Stammplatz zum rumgammeln und nicht der Vereinsraum seines Bücherclubs. Wenn es ihm hier zu ungemütlich wird, verzieht er sich in die Stadt.“

    „Dieses düstere Drecksloch würde auf jeden Fall das richtige Ambiente für die Werke von Poe, Bierce oder den frühen Kurzgeschichten von Lovecraft bieten.“

    Lovecraft, was? Musste wohl so was wie ein schlechter Sexratgeber sein. Während Hazel die eine Seite der Etage ausleuchtete, übernahm Scott die gegenüberliegende. Meter um Meter tastete sich der Lichtkegel vorwärts, aber ausgenommen vom gleichen Unrat wie im Erdgeschoss, fiel Scott nichts Erwähnenswertes ins Auge – bis sein Lichtstrahl einen Haufen wahlloser Gegenstände streifte. „Hazel? Da drüben“, wies er sie auf seine Entdeckung hin. Bedauerlicherweise musste er Hazels Hand loslassen, derweil sie näher an den Fund herantrat und Scott ihr mit dem Licht aushalf. Zumindest hatte Scott wieder eine Hand frei, um sein Smartphone aus der Gesäßtasche seiner Hose zu fischen, in die es zwischenzeitlich gewandert war. Bisher keine neuen Nachrichten, meldete die Anzeige. Hervorragend. „Wie sieht's aus?“, fragte Scott und richtete seinen Blick zurück auf die suchende Hazel.

    Ihre Antwort Klang eindeutig angeekelt: „Leere Bierflaschen, Pornomagazine, ein Kreuzworträtselheft und ein schmutziger Pullover. Wenn wir zuhause sind, muss ich mir unbedingt die Hände desinfizieren.“

    Scott gefiel, wie sie die Worte 'wir' und 'zuhause' in ein und demselben Kontext benutzte.

    Dann fing das Smartphone in seiner Hand zu vibrieren an. Eilig rief Scott die eingegangene Nachricht auf; meldete Moira ungebetenen Besuch an? Irritiert zog Scott die Augenbrauen zusammen, denn die App wies ihm nicht wie erwartet den Namen seiner Freundin als Absender aus. Die Nachricht stammte von Colin! Durchweg großgeschriebene Buchstaben schrien Scott an: 'RAUS DA! SOFORT!!' In der nächsten Sekunde schob sich Moiras vorgefertigte Warnung ins Bild: 'Jemand kommt'. Die Meldungen auf Scotts Smartphone blinkten hektisch auf, wie die Rundumleuchte einer Sirene. Scheiße! Okay, Zeit, abzuhauen. „Wir müssen weg.“

    „Ich hab es!“ Na endlich! Triumphierend grub Hazel ein Notizbuch unter den Lumpen hervor und schob es in einer flinken Handbewegung in ihren Rucksack. Danach spurtete sie an Scotts Seite und gemeinsam machten sie schnellstmöglich, dass sie aus dem Bahnhof kamen: Mit polternden Schritten die Treppe hinab, hastig durch das Erdgeschoss hindurch, zur Tür hinaus und am Gebäude entlang zum Loch im Zaun, die Lichter ihrer Smartphones und von Scotts Taschenlampe gelöscht um nicht wie eine Signalfackel zu leuchten. Auf der Straße kam Moira auf sie zu. Ihr Atem rasselte abgehetzt, offensichtlich war sie gerannt: „Da seid ihr ja! O'Rourke ist auf dem Weg hierher!“

    „Ich weiß. Aus welcher Richtung kommt er?“, forderte Scott angespannt von der Banshee zu wissen. Der Geruch nach fremdem Wolf schlug ihm bereits entgegen. Zur Antwort deutete Moira beunruhigt in Richtung Ortseingang. „Hauen wir ab von hier.“

    „Das werdet ihr nicht, Fitzpatrick.“

    Durch Scotts ganzen Körper fuhr ein Ruck, der seine Sinne und Muskeln in überreizte, aggressive Anspannung versetzte. „O'Rourke“, knurrte er durch gefletschte Zähne hindurch. Der Alphawolf des Rudels stand mit ein paar Schritten Abstand unter der nächsten, in Betrieb genommenen Straßenlaterne, zur Schau gestellt wie der Star auf einer Bühne. Um ihn herum klaffte die undurchdringliche Nacht. Es mochte so wirken, als ob O'Rourke einen Soloauftritt hinlegte, doch Scott ließ sich nicht täuschen. Ihr Gestank verriet die Gegenwart der restlichen Wölfe, die sich angriffslustig in der Dunkelheit versteckt hielten und Moira, Hazel und ihn bereits eingekesselt hatten. Sämtliche Haare in Scotts Nacken stellten sich hochgradig alarmiert auf.

    Denn O'Rourkes Leute trugen Fell.




    nächster Teil

  • Hallo @Skadi :D

  • Der Alphawolf des Rudels stand mit ein paar Schritten Abstand unter der nächsten, in Betrieb genommenen Straßenlaterne, zur Schau gestellt wie der Star auf einer Bühne.

    Hach, herrlich. Auch wenn ich diesen Auftritt lieber von Scott Hazel gegenüber gesehen hätte XD Als Retter in letzter Sekunde XD

    Denn O'Rourkes Leute trugen Fell.

    Oh Shit, wie kommen sie aus der Nummer nur wieder raus? X/
    Obwohl es von O-Rourke schon erbärmlich ist Scott mit seinem gesamten Rudel zu stellen. Wahrscheinlich hat er die Hosen voll und traut sich nicht, sich alleine mit Scott anzulegen -.-
    Immerhin hat auch Colin den Braten schon gerochen :hmm:
    Was mich jetzt interessiert ist zu erfahren, was die Mädels drauf haben :phatgrin:
    Eine Hexe und eine Banshee sind doch gewiss nicht völlig wehrlos ... Im Zweifel muss Scott Moira einfach wieder an ihren Liebeskummer erinnern. Wenn sie dann wieder im Überschall losheult, können die anderen Wölfe auch nichts mehr ausrichten XD

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Ich bedanke mich für die Kommentare ^^
    @Miri Dein Post hat mich besonders schmunzeln lassen. Wieso kannst du gleich lesen :rofl:




    Hazel


    Finn O'Rourke war nicht nur aufgebracht - er war stinksauer und machte keinen Hehl daraus. Zwar hielt er seine Körperhaltung passiv verschlossen, aber Hazel begriff rasch, dass die vor der der Brust verschränkten Arme dazu dienten, die eigenen Fäuste unter Kontrolle zu halten. „Was hast du nicht verstanden, als ich meinte, dich nie wieder in meinem Revier sehen zu wollen?“, ließ der Alphawolf die Worte bedrohlich an seinen Stimmbändern hinauf grollen. Feindseligkeit und bittere, frustrierte Aversion gegen Scott blitzte aus seinen Augen hervor und versetzten die Luft in angespannte Vibration. Die spürbare Antipathie zwischen den Männern lief Hazel als Schauer die Wirbelsäule hinab.

    Zur Beschwichtigung seines Temperaments legte Hazel Scott besorgt die Hand auf den Oberarm, die Geste blieb jedoch ohne Erfolg. Unter ihren Fingern spürte sie, wie es Scotts Bizeps förmlich vor Überreizung zerriss, als wäre ein Stromschlag durch seine Sehnen und Adern getobt. „Schnauze, O'Rourke. Von einem Pisser wie dir lasse ich mir nicht vorschreiben, wohin ich zu gehen oder was ich zu lassen habe“, donnerte Scott O'Rourke zu. „Vergiss bloß nicht, dass ich keiner deiner dämlichen Tölen bin, die dir mit der Schnauze am Arsch kleben.“

    Die Replik folgte sofort. Aus der Dunkelheit ringsherum erhob sich ein angsteinflößender Chor wütenden Knurrens, welches keiner menschlichen Kehle der Welt entspringen konnte. Oh Gott, überkam Hazel die bestürzende Erkenntnis, sie waren umzingelt!? Erschrocken versuchte sie irgendetwas von dem zu erkennen, was in der Finsternis auf sie lauerte. Doch keine Chance. Schwärze kleidete sich in noch mehr Schwärze. Diese beschissene Stadtverwaltung mit ihrem verdammten Haushaltsloch!!

    Die Drohgeräusche verstummten in dem Moment, in dem O'Rourke ein Handzeichen gab. Langsam schien seine Contenance an ihre Grenzen zu stoßen. „Du spuckst große Töne für jemanden, der vor unserem Zweikampf davongerannt ist. Aber apropos Feigling. Hi Moira, lang ist's her.“

    Die Banshee gab sich große Mühe, dem Augenmerk des Alphawolfes standzuhalten. An Scotts anderer Seite hielt sie sich am Arm ihres Kindheitsfreundes geklammert und Hazel wusste nicht recht einzuschätzen, ob sie sich schutzsuchend an ihm fest-, oder ihn zurückhielt. Scotts Knurren legte an Lautstärke zu, um O'Rourke überdeutlich davor zu warnen, Moira auch nur einen einzigen Schritt zu nahe zu kommen. Wenig beeindruckt funkelte dessen grimmige Miene unter zusammengezogenen Brauen hervor, die im Licht der Straßenlaterne tiefe Schatten auf sein Gesicht warfen. „Du versteckst dich immer noch hinter deinem Wachhund? Kommt gleich auch noch dein Schoßhündchen Colin angesprungen, wie damals während unserer Schulzeit?“

    „Hör mit den Provokationen auf, Finn!“, trotze ihm Moira zu Hazels Überraschung.

    Daraufhin löste O'Rourke seine Haltung, die geballten Fäuste links und rechts seiner Hüften. Er machte Ernst! „Schluss mit dem Small Talk. Du wusstest was bei unserem nächsten Aufeinandertreffen passiert, Fitzpatrick, und dieses Mal lasse ich dich nicht einfach davon spazieren.“

    Schlagartig bildete sich ein zentnerschwerer Kloß in Hazels Hals, den sie den beiden Wölfen am liebsten direkt vor die Füße gespien hätte. In ihren Ohren trommelte lärmend O'Rourkes Versprechen: 'Also warum klären wir nach all den Jahren nicht ein für alle Mal unsere Rangordnung? Danach haben wir wenigstens unsere Ruhe voreinander. Auf kurz oder lang werden wir aneinandergeraten.' Genau aus diesem Grund wollte sie nicht, dass Scott sie begleitete! Exakt wegen dieser Scheiße! Hazels Anliegen war es gewesen, zu verhindern, dass er mit O'Rourke aneinandergeriet und jetzt standen die zwei sich trotzdem gegenüber und zogen ihren beschissenen Wolfs-Dominanz-Bockmist ab! Wie, bei allem was Hazel etwas bedeutete, sollte sie Scotts Hintern aus dieser Situation heraus manövrieren??

    Hilflos sprang ihr Blick zwischen Scott und seinem Herausforderer hin und her. Bisher gab Scott keinen artikulierten Laut von sich, obgleich sein Körper zu Hazels Leidwesen zu einem Angriff mehr als bereit zu sein schien. Er starrte den verhassten Wolf an und durch die Straßenbeleuchtung vermochte Hazel das besorgniserregende Zucken in seinen Zügen wahrzunehmen.

    „Was ist nun?“, forderte O'Rourke Scott offensiv heraus. „Klären wir unsere Rangordnung! Dir bleibt sowieso keine Wahl. Es gibt für dich keinen Ausweg, dafür habe ich gesorgt.“

    Dumpfe, schwere Schritte näherten sich auf das stumme Kommando hin aus der Dunkelheit und das Kratzen massiver Krallen drang an Hazels Gehör. Die Hexe spürte, wie ihr alle Farbe aus den Wangen floss und den aufdringlichen Wunsch, auf der Stelle Reißaus zunehmen, in ihren Gliedern nährte. 'Scheiße, scheiße, scheiße!', dominierte das Entsetzen ihren Verstand. Denn die Schatten gebaren unerkennbare, gewaltige Schemen und erlaubten Hazel wenig mehr zu sichten, denn viel zu viele raubtierhafte Augenpaare, die im vollumfänglichen Farbspektrum von unheimlichen Gelb bis glühenden Bernstein hart von oben auf sie herab starrten. Zum ersten Mal empfand Hazel Angst vor O'Rourkes Wölfen. Lähmende, unverhohlene Angst, die sich durch ihr Mark fraß. Sie saßen in der Falle!

    Hazel verschwendete ihre letzte Hoffnung auf einen Fluchtweg und drehte sich gehetzt in alle möglichen Richtungen. Eine Komposition heiserer Knurrlaute begleitete jede ihrer Bewegungen als unheilverkündende Geräuschkulisse ihrer Lage. Da fing Hazel Moiras Blick auf. Ebenso verschreckt wie sie selbst, sah sie Hazel mit bebenden Lippen an und...

    Bebende Lippen?

    Das war es! Das würde ihnen ihre Gelegenheit verschaffen! Die Hexe deutete auf ihr Gehör und Moiras Augen weiteten sich verstehend. In derselben Sekunde, in der die Banshee nach Atem schnappte, sprang Hazel vor Scott und presste ihm schützend beide Hände auf die Ohren. Überrumpelt und verwirrt glotzte er sie an und dann zerfetzte Moiras schrilles, spitzes Kreischen die Nacht. Jaulend und vor Schmerzen winselnd stimmten die Wölfe ein, als sich der Lärm der Banshee ungedämpft durch ihre Gehörgänge fraß. Große Leiber von immenser Masse sackten hörbar zu Boden, während Scott schändlich fluchend gegen die Pein anschrie. „Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid!“, flehte Hazel ihm um Vergebung an und musste mitansehen, wie er kraftlos ihren Händen in die Knie ging.

    O'Rourke brach zusammen. Umgehend ließ Moira ihre Stimme abreißen und eilte herbei, um Scott gemeinsam mit Hazel zu stützen. Die Hexe auf der einen, die Banshee auf der anderen Seite, stemmten sie ihre Schultern unter seine Achseln. „Schnell weg von hier!“




    nächster Teil

  • Mihihihihi! Ich find die Mädels klasse! :D
    Da hatte ich ja mal ausnahmsweise den richtige Riecher. Ich bin sonst Ultra schlecht in sowas XD
    Aber wenn selbst Scott schon in die Knie geht, obwohl Hazel ihm die Ohren zuhält, dann Gande den Wölfen, die sich nicht ihre Pfoten auf die Ohren pressen können =O

    Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Da hatte ich ja mal ausnahmsweise den richtige Riecher.

    Hehe, hattest du. Genau genommen lagst du so gesehen goldrichtig. Meine erste Planung sah nämlich tatsächlich vor, dass Hazel Moira mit sowas rauslockt wie "Holocaust! Die ersten zehn Minuten von Disneys 'Oben', dein ex Ken!" :rofl: Bloß hätte Hazel dann erstmal die schluchzende Moira beruhigen müssen, was jetzt nichzt so praktisch im Hinblick auf ihre Flucht ist xD


    Was mich jetzt interessiert ist zu erfahren, was die Mädels drauf haben

    Im Grunde sind die zwei ziemlich schwache Freaks :hmm: Scott, Colin und Kolja ziehen ihre Gefährlichkeit daraus, dass sie nunmal Raubtiere sind ^^ Hazel und Moira können da wenig an Freak-Kräften vorweisen. Vorallem Hazel als Hexe. Scotts Aussage von Anfang, dass Hexen nicht mehr wären als Menschen, ist gar nicht so verkehrt. Wenn sie nicht gerade per Zufall eine Portion angemischtes Juckpulver dabei hat, nutzen Hazel ihre Fähigkeiten nicht die Bohne in solchen Situationen, wie aktuell.
    Dafür braucht sie eine umso stärkere Persönlichkeit :pump: