Beltainekönig (Clíodhna 6)

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    • Beltainekönig (Clíodhna 6)

      So, waehrend wir die DVD von Teil 4 unseres Filmprojekts zusammenstellen und die Dreharbeiten von Teil 5 noch mitten im Gange sind, kann ich schon als erster einen Blick auf die Folge 6 werfen und die Geschichte dazu schreiben.

      Wie das letzte Mal auch ist der Hauptsinn der Uebung, eine Basis fuer das Drehbuch zu haben - wir wollen festhalten was die Protagonisten denken, was sie treibt - und uns dann ueberlegen, wie man das filmisch umsetzen kann. Trotzdem schauen wir natuerlich schon auf Verfilmbarkeit, daher gehen halt nicht alle Plot-Twists die man sich auch ausdenken kann.

      Wer Spass dran hat das hier erst mal zu lesen und dann nachher den Film dazu zu sehen, oder wer einfach so seine Meinung dazu sagen mag ist herzlich eingeladen.

      Die Folge 6 wird sehr 'hexisch' - es geht viel um Ritual und Brauchtum im Dorf, und als Kontrapunkt zu der Krankheit, die das Dorf im Winter heimgesucht hat gibt's jetzt auch eine Hochzeit (Ronja, die fuer uns schon zweimal gestorben ist - einmal in der Phantasie der Kinder und einmal ohne dass ihr Gesicht zu sehen waehre - darf diesmal heiraten um das ein bisschen auszugleichen...)




      "Rórdán wirklich, man könnte meinen du wirst der Göttin geopfert statt dieses Jahr ihr Gefährte zu werden. Halt' doch mal still!"

      Caoimhe tastete kurz über die Haare des Mannes der vor ihr auf einer Bank saß und rückte dann den Kranz aus Eichenlaub zurecht der seinen Kopf zierte. Helles Sonnenlicht fiel durch die Blätter der Obstbäume und malte verspielte Muster auf dem Frühlingsgras, glänzte auf der verzierten Fibel die neben Rórdán bereit lag und ließ die Farbe des gefalteten Umhangs darunter hell aufleuchten. Doch nichts davon konnte die Frau sehen - sie war von Geburt an blind. Statt dessen lauschte sie auf das leise Rauschen des Windes in den Blättern, das Summen der Bienen und roch den Duft des Grases.

      Rórdán seufzte.

      "Es ist... " Er schüttelte den Kopf und setzte erneut an. "Es ist nicht so daß ich nicht sehen würde daß die Feste wichtig sind. Aber die Rituale des Jahreskreises - das ist nicht so meine Welt. Nicht so wie für dich - ich weiss das es dir wichtig ist. Aber Magie... und Gefährte der Göttin? Ich bin ein Schmiedegehilfe - was soll ich bei solchen Ritualen?"

      Caoimhe lachte leise. "Ich hatte nicht den Eindruck, daß du dem Beltainefest und seinen Ritualen bisher so abgeneigt warst.", stellte sie fest. Rórdán versteifte sich für einen Moment und war plötzlich froh, daß die Frau hinter ihm die aufsteigende Röte in seinem Gesicht nicht sehen konnte. Auch wenn er die Ahnung nicht loswurde, daß sie sie trotzdem irgendwie spürte.

      "Ist es wegen Clíodhna?", fragte Caoimhe weiter, während sie seine Haare um den Eichenlaubkranz mit geschickten Fingern zu einer Art Krone flocht. "Ich dachte, ihr kommt dieser Tage ganz gut miteinander aus?"

      Rórdán zuckte die Schultern. "Nein... ja.", begann er schließlich. "Es ist nicht wegen Clíodhna selber. Ja, manchmal macht sie mich nervös mit ihrer Art, aber das ist es nicht. Es ist, sie als Hexe in einem Ritual zu treffen... Mir ist das alles fremd, Caoimhe. Ein Trankopfer vergießen, ein paar Worte sagen, das ist das eine. Aber in einem Ritual das ich noch nie gesehen habe der Gefährte der Göttin zu sein... Ich meine, was ist wenn sie irgendwas von mir erwartet, etwas das ich tun oder sagen muß? Ich soll irgendwie den Geist des Beltainekönigs in mir tragen und der Göttin begegnen - aber was ist wenn ich ihn gar nicht spüren kann? Wenn ich die Göttin nicht sehe? Und dann stehe ich da, mitten im Ritual, und ich bin einfach nur ich. Was dann?"

      "Armer Rórdán.", meinte Caoimhe, halb spöttisch und halb tröstend. "Es erwartet doch niemand von dir, Magie zu wirken - das ist Clíodhnas Aufgabe - und sie wird dich auch durch das Ritual leiten. Ich hab' es dir doch schon erzählt - es ist alles symbolisch. Die Hexe wird irgendwann die Invokation sprechen




      Hilf, den Altar in alter Weise zu errichten,
      im Mittelpunkt des magischen Zirkels,
      dem Mittelpunkt aller Dinge,
      dem Ursprung aller Dinge,
      dort, wo Schwert und Kelch sich vereinen!

      Und in diesem Moment hält sie dir einen Kelch mit Wein entgegen, du ziehst deinen Dolch, hältst ihn einen Moment nach oben und tauchst ihn dann kurz in den Kelch ein. Und danach trinkt ihr beide davon. Das ist alles was von dir erwartet wird. Meinst du, du bekommst das hin? Oder ist das zu schwer?"

      Gegen seinen Willen mußte Rórdán lachen. "Nein, das bekomme ich schon hin." - "Dann hör jetzt auf, so zu tun als würdest du zur Schlachtbank geführt. So, ich denke wir sind fertig - deine Herrschaft als Beltainekönig kann beginnen!"

      ***

      Mit Umhang und Fibel angetan, die Krone aus Eichenlaub auf dem Kopf machte Rórdán sich auf dem Weg aus dem Dorf zur Festwiese hin. Der Geruch von frischem Gras und dem Grün der jungen Fichtentriebe im Wald lag in der Luft und vermischte sich mit dem Aroma von Gebratenem und Gewürzen. Drei Tage hatten die Vorbereitungen gedauert - die Tische auf der Festwiese waren voll mit Köstlichkeiten, die Dorfältesten hatten ihre Keller geöffnet und Krüge von Wein aus dem Süden hervorgeholt, wer letzten Herbst Apfelwein gepreßt hatte hatte davon noch gegeben, und fast jeder Haushalt im Dorf wetteiferte mit schaumigem dunklen Bier darum, wer die Geheimnisse der Braukunst am tiefsten durchdrungen hatte. Jeder aus dem Dorf hatte seine besten Gewänder hervorgeholt, die Mädchen hatten sich mit bunten Bändern geschmückt, die Jungen trugen stolz ihre Lederwesten, Dolche oder Äxte, die Kinder tollten dazwischen herum, die Alten standen, in Gespräche vertieft - die ganze Wiese war ein Meer aus Farben, überragt vom großen Holzstoß des Beltainefeuers. Es war, als würde das Dorf nach dem langen, dunklen Winter plötzlich nach draußen drängen, als würde sich die Sehnsucht nach Licht und Farbe auf einmal Bahn brechen, als müßte das Leben selbst mit einem einzigen rauschhaften Fest begangen werden.

      Was schließlich irgendwie der Sinn an Beltaine war.

      In einiger Entfernung zu den Tischen standen Líadan und Bregon, umringt von kichernden Brautjungfern, die junge Frau reich mit Wiesenblumen geschmückt. Das erste Handfasting seit zwei Jahren - und ein Zeichen für alle, daß das Leben nach den vielen Toten des Winters weitergehen würde. Wenn überhaupt, dann sah Bregon noch nervöser aus, als Rórdán selbst sich fühlte. Und die beiden sahen so jung aus - eigentlich viel zu jung, um zusammen einen Haushalt zu führen. Ailbhe und Tighearnán standen ebenfalls abseits der Wiese, beide funkelten sich ärgerlich an - offenbar wurden harte Worte gewechselt. Er seufzte. Nicht einmal an einem solchen Tag konnten die Dorfältesten aus ihrer Haut.

      "Rórdán!" Lautes Rufen und Klatschen begrüßten sein Kommen, Becher wurden zum Gruß emporgereckt, und er hob seine Hand zur Antwort.

      "Heil dem Beltainekönig!", schallte der Ruf über die Wiese.

      Ein Lächeln das er nicht spürte auf seine Lippen zwingend, nickte er Freunden und Bekannten zu und schüttelte Hände und nahm die Hochrufe entgegen. Dann sah er Ailbhe, die sich zielstrebig einen Pfad durch die Menge bahnte, einen entschlossenen Gesichtsausdruck auf den Lippen. Innerlich seufzte er. Es würde wohl ein langer Tag als König des Dorfes werden...
    • Hey,

      ich find`s gut. habe mich nur gefragt, ob man in den Dialog am Anfang nicht vielleicht einflechten könnte, dass gleichzeitig eine Hochzeit stattfinden wird (?) Sonst könnte ich mir vorstellen, ist man als Zuschauer plötzlich ein bisschen überrumpelt, wenn man das Ritual erwartet und dann plötzlich ein Brautpaar da auftaucht. :hmm:

      Thorsten schrieb:

      Wenn überhaupt, dann sah Bregon noch nervöser aus, als Rórdán selbst sich fühlte. Und die beiden sahen so jung aus - eigentlich viel zu jung, um zusammen einen Haushalt zu führen.
      Tschuldigung... ich musste gerade laut lachen :rofl: Das liest sich so, als würden Bregon und Rórdán eine eigenen Haushalt führen wollen.... was für ein schönes Paar! :D

      Ansonsten kann ich mir das sehr gut vorstellen. Bin schon gespannt, wie ihr das nachher umsetzen werdet....
    • Rainbow schrieb:

      Tschuldigung... ich musste gerade laut lachen Das liest sich so, als würden Bregon und Rórdán eine eigenen Haushalt führen wollen.... was für ein schönes Paar!
      :rofl: :rofl: :rofl: Jetzt versteh ich, warum Rórdán ein Problem damit hat, das Ritual mit der Hexe zu begehen :D

      So, jetzt aber im Ernst. ich kriege gerade voll Panik, weil ich schon im Juni offenbar eine Massenszene zustande bringen muss, die noch größer ist als unser Totenritual für Teil 5! Mit vielen Schauspielern und vielen Kostümen. Wo soll ich die denn bitte alle herkriegen??? Und dann hab ich noch Teil 5 abzudrehen... :fie: :panik:
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    • Rainbow schrieb:

      habe mich nur gefragt, ob man in den Dialog am Anfang nicht vielleicht einflechten könnte, dass gleichzeitig eine Hochzeit stattfinden wird (?) Sonst könnte ich mir vorstellen, ist man als Zuschauer plötzlich ein bisschen überrumpelt, wenn man das Ritual erwartet und dann plötzlich ein Brautpaar da auftaucht

      Guter Punkt - muss ich mal probieren (oder zumindest Katharina im Drehbuch...)

      Rainbow schrieb:

      Tschuldigung... ich musste gerade laut lachen Das liest sich so, als würden Bregon und Rórdán eine eigenen Haushalt führen wollen....

      Na, Deine Phantasie moecht' ich haben... :D

      (Ich find's jetzt auch beim nochmal durchlesen aus dem Kontext eigentlich gut verstaendlich, aber vielleicht ist das so ein Ding wo man den eigenen text nicht versteht... oder mir fehlt einfach der Unernst :P )


      "Schaut euch mal den Holzstoß an!", meinte Treasa beeindruckt. "Das gibt bestimmt ein Riesenfeuer!"

      Die drei Kinder spähten vorsichtig an der Hütte vorbei auf die Festwiese. Nicht das es verboten gewesen wäre, jetzt auf der Wiese zu sein - aber während alles vobereitet wurde, fand sich eigentlich immer eine Arbeit für neugierige Mädchen.

      "Wofür ist denn das Feuer?", wollte Úna wissen. "Na, da springt man nachher durch wenn das richtig hoch lodert.", antwortete Treasa selbstsicher. Rathnait sah sie mißtrauisch an: "Das ist doch Blödsinn. Woher willst du dann das überhaupt wissen? Du warst ja auch noch nie dabei!" - "Na und? Letztes Beltaine hab' ich aber gehört wie Aoibheann über meine Mama gesagt hat, wenn sie weiß was für sie gut ist, dann nimmt sie ihren Mut zusammen und springt mit Rórdán durchs Beltainefeuer! Und Rórdán ist ja ein Schmied, der hat keine Angst vor dem Feuer - das ist dann wohl das beste für sie wenn sie ein bisschen Angst hat."

      Rathnait schüttelte zweifelnd den Kopf. "Außerdem bleib ich dieses Mal auf und schau mir das an!", erklärte Treasa. "Bleibst du nicht - du gehst noch vor mir ins Bett!" - "Na und? Ich steh' halt wieder auf!"

      Plötzliche Stimmen hinter ihnen ließen sie verstummen, und dann kam auch schon Ailbhe um die Ecke, hinter ihr Eoghan im Schlepptau. Sie brach mitten im Satz ab und musterte die drei Mädchen die schuldbewußt zu Boden sahen. "Habt ihr keine Möglichkeit gefunden euch nützlich zu machen? Ich bin sicher, auf der Wiese gibt's mehr als genug was drei Mädchen helfen könnten!" - "Wir gehen ja schon!", sagte Treasa hastig, und die drei begaben sich auf einen schnellen Rückzug.

      "Mann, das war knapp.", meinte Treasa als sie außer Hörweite waren. "Was will sie denn eigentlich jetzt mit Eoghan besprechen?" - "Ja, der sollte doch eigentlich beim Heiraten sein, oder?", fragte Úna. "Seine Tochter heiratet, nicht er.", erklärte Rathnait. "Na, ich mag jedenfalls nicht heiraten.", stellte Treasa ungefragt fest.

      Beide sahen sie verwundert an. "Wieso denn nicht?", fragte Rathnait. "Na weil das voll ungerecht ist, dann bestimmen immer die Männer - genau wie beim Fest, da gibt's auch einen Beltainekönig, aber keine Königin." - "Klar gibt's die, und die bestimmt in Wirklichkeit" - "Ach ja - und wer is die?" - "Na die Hexe natürlich - wer denkst du denn?"

      "Die Hexe ist die Königin? Hat die dann auch eine Krone?", wollte Úna wissen. Die beiden anderen lachten. "Die brauch keine Krone um zu bestimmen.", gab Treasa zu. "Vielleicht werde ich Hexe wenn ich groß bin."

      ***

      "Dann ist es meine Entscheidung, daß das Ferkel an Tadgh zurückgegeben wird, aber als Sühne für den zerwühlten Garten hat Tadhg drei Bottiche mit dunklem Bier zu leisten, noch bevor der Sommer sich zum Ende neigt!"

      Rórdán sah die letzten der Dorfbewohner, die vor ihn getreten waren, streng an. "So spricht euer König.", fügte er dann hinzu, was mit "Hört, hört!" aus der Menge quittiert wurde.

      Innerlich seufzte er. Eigentlich war der Titel des Beltainekönigs ein rein symbolischer - aber die Tradition hatte sich etabliert, daß er Hof hielt - und welche Parteien eines Streits im Dorf auch immer ein Anliegen hatten - wenn sie sich beide einig waren, konnten sie es statt vor die Dorfältesten vor den König bringen - dann mußte seine Entscheidung als bindend anerkannt werden.

      Irgendwie hatten heute sehr viele Menschen darauf gehofft, daß Rórdán eher in ihrem Sinn entscheiden würde als die Ältesten... Und irgendwie war es natürlich völlig unmöglich, daß es tatsächlich so passierte.

      Erwartungsvolles Schweigen herrschte, als niemand mehr vortreten wollte. Traditionell war das der Moment, an dem der Beltainekönig ein paar Krüge Branntwein unter das Volk brachte. Rórdán setzte sich aufrecht hin und zog seinen Umhang glatt. War es wirklich eine gute Idee? Aber wenn sie ihn schon zum König machten, dann mußten sie auch mit ihm leben.

      "Außerdem ist es mein Wille.", begann er um die erste Unruhe zu unterdrücken, und als sich alle wieder erwartungsvoll zu ihm wandten, setzte er erneut ein: "Außerdem ist es mein Wille, daß die Äcker von Cian, der das Dorf vor Jahr und Tag verlassen hat und die seitdem weder von Bruder noch Schwester bewirtschaftet wurde, von jetzt an an Líadan und Bregon fallen, damit ihre Familie in den kommenden Jahren ein Auskommen haben möge."

      Ein Moment geschocktes Schweigen. Er musterte die Gesichter in der Runde. Blanke Empörung auf Tighearnáns Gesicht - was Wunder, nach allem was man wußte hatte er darauf gehofft, seinen Besitz um diese Äcker vergrößern zu können. Nachdenklicher Respekt in Brans Zügen - Rórdán konnte sich denken daß der Schmied dem Brautpaar mit Sympathie gegenüberstand - aber nicht sicher war ob er eine Entscheidung solcher Tragweite, die nicht durch die traditionelle Rolle des Königs gedeckt war, gut heißen sollte. Ein kurzes Lächeln um Ailbhe's Lippen bevor sie wieder vorsichtig eine neutrale Miene annahm. Auch keine Überraschung hier...

      "So spricht euer König.", setzte er in die Stille, bevor das Gerede richtig begann.
    • Thorsten schrieb:

      Es ist nicht so daß ich nicht sehen würde daß die Feste wichtig sind
      Ganz schön fieser Satz, gegenüber einer Blinden ;)

      Mir gefällt die Beschreibung des Festplatzes sehr gut, wirklich schöne Eindrücke, die einem da serviert werden. Wenn es das Beltaine-Fest ist, wäre da für Cliodhna (wie kann @Katharina sich überhaupt erdreisten meine Namen als schwer aussprechbar zu verurteilen :P alles voller Accents und "h"s!), als Hexe, nicht auch die vorher stattfindende Walpurgisnacht interessant? :D
      Ich war auch leicht verwirrt von dem Brautpaar, vielleicht könnte man in einem Satz noch herausstellen, dass es zeitgleich zu dem Ritual eine Hochzeit gibt.

      Thorsten schrieb:

      Ich find's jetzt auch beim nochmal durchlesen aus dem Kontext eigentlich gut verstaendlich
      Ich hatte es jetzt auch nicht missverstanden.

      Dem zweiten Teil fand ich ein wenig schwerer zu folgen und ich bin mir auch nicht ganz sicher, wie man im Film gut rüberbringen könnte, das Rordan eigentlich nicht bestimmen darf, es aber so eine ungeschriebene Sitte ist. Da bräuchte man denk ich einen Dialog von der Seite.

      An deinem Schreibstil glaube ich zu erkennen, dass du wesentlich häufiger in Englisch schreibst, da du Relativsätze bspw nie mit einem Komma abtrennst und sich auch andere derartige Interpunktionsfehler finden. Generell ist das hier ein bisschen wüst, aber das soll ja ohnehin nur schriftlich festgehaltenes Brainstorming sein, nicht wahr?

      Katharina schrieb:

      So, jetzt aber im Ernst. ich kriege gerade voll Panik, weil ich schon im Juni offenbar eine Massenszene zustande bringen muss, die noch größer ist als unser Totenritual für Teil 5! Mit vielen Schauspielern und vielen Kostümen.
      Ja, das kann ich glauben, da braucht man ja für einen überzeugenden Eindruck bestimmt 30 Leute oder mehr.^^ Vielleicht könnt ihr ein paar Pappaufsteller so drappieren, dass sie aussehen wie Menschen im Hintergrund :P
    • aval.b.bado schrieb:

      Ganz schön fieser Satz, gegenüber einer Blinden
      Behinderte bestehen meiner Erfahrung nach weniger auf political correctness als Nicht-Behinderte. Ich hab im Heim auch einen Blinden, mit dem ich wunderbar Witze übers Blindsein machen kann ;) Der verabschiedet sich auch mit nähdään "man sieht sich", einfach weil das so eine Phrase ist, und stört sich da kein Stück dran. Gerade jemand, der nie sehen konnte, hat eine eigene Vorstellung davon, was das bedeutet und damit auch eine eigene Art zu sehen.

      aval.b.bado schrieb:

      Wenn es das Beltaine-Fest ist, wäre da für Cliodhna (wie kann @Katharina sich überhaupt erdreisten meine Namen als schwer aussprechbar zu verurteilen alles voller Accents und "h"s!), als Hexe, nicht auch die vorher stattfindende Walpurgisnacht interessant?
      Das Beltaine-Fest hier beinhaltet auch die Nacht davor. Beltaine ist im Prinzip auch eigentlich beides, also der Übergang von der Walpurgisnacht zum ersten Mai. Daher auch das Feuer etc.
      Und die Namen hier sind einfach Irisch - das hab ich also nicht verbrochen :P (immerhin habe ich den Namen Toirdhealbhach - das sind übrigens nur zwei Silben - aus unserer Namensliste gestrichen).

      Katharina schrieb:

      Wer aus dem Forum möchte Sommerurlaub in Finnland machen?

      aval.b.bado schrieb:

      Vielleicht könnt ihr ein paar Pappaufsteller so drappieren, dass sie aussehen wie Menschen im Hintergrund
      Herzlichen Glückwunsch! Mit diesem hilfreichen Kommentar hast du dich qualifiziert, den Sommer an unserem Set zu verbringen, entweder als Statist oder zum Pappaufsteller basteln ;) Der nächste derartige Kommentar bescherrt dir zusätzlich Küchendienst. :essen:
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    • aval.b.bado schrieb:

      Wenn es das Beltaine-Fest ist, wäre da für Cliodhna , als Hexe, nicht auch die vorher stattfindende Walpurgisnacht interessant?

      Wie Katharina schon gesagt hatte - das gehoert zusammen. Die Chronologie ist:

      Wir sind am Vortag der Beltainenacht (nachdem unser Setting keltisch ist, auch die Begriffe von da)

      * Rordan wird offiziell zum Beltainekoenig gemacht
      * das Dorf feiert den Abend und das Beltainefeuer wird entzuendet
      * die Nacht gehoert dem Beltaineritual
      * am naechsten Tag wird die Asche des Feuers auf die Felder gestreut und es ist ein (ruhigerer) Feiertag

      aval.b.bado schrieb:

      An deinem Schreibstil glaube ich zu erkennen, dass du wesentlich häufiger in Englisch schreibst, da du Relativsätze bspw nie mit einem Komma abtrennst und sich auch andere derartige Interpunktionsfehler finden.

      Guilty as charged... Generell habe ich vermutlich auch eine Vorliebe fuer Grammatik die im Englischen haeufiger ist ('passing by he observed...' - und auf Englisch eine Vorliebe fuer lange Saetze.

      Also, ja, das soll mehr Brainstorming sein, jetzt da Kommas zu jagen ist verutlich nicht die beste Verwendung Deiner Zeit - falls ich das jemals veroeffentlichen will, muss da mal jemand drueber schauen, auf neue Rechtschreibung konvertieren (die kann ich naemlich gar nicht) und die Satzzeichen machen - aber Katharina is ja als Deutschlehrerin ausgebildet :)

      aval.b.bado schrieb:

      Ich war auch leicht verwirrt von dem Brautpaar, vielleicht könnte man in einem Satz noch herausstellen, dass es zeitgleich zu dem Ritual eine Hochzeit gibt

      Jo, da sind wir dran. Ich bin mir nicht sicher was die beste Variante ist - im Film passt wahrscheinlich eine andere Moeglichkeit besser als in einem Text - in der Variante das in den Dialog am Anfang zu tun stoert mich, dass das fuer Rordan halt so gar nicht im Raum stehen wuerde, ich war am ueberlegen ob man vielleicht eine kurze Einstellung auf die Hochzeitsgesellschaft macht wo ein, zwei Saetze zu hoeren sind aus denen klar wird, was hier passiert, und dann mit der Kamera zurueck zu Rordan geht (was ich im Text nicht machen wuerde weil das eine ganz kurze Szene waere die wie reingeklatscht waere).
    • So, jetzt wird's sehr hexisch...

      "Wer kommt, um in der Gegenwart der Göttin vereint zu werden?", fragte Clíodhna.

      "Mein Name ist Líadan.", antwortete die junge Frau vor ihr nervös. "Mein Name ist Bregon.", setzte der junge Mann einen Moment später hinzu.

      Die Hexe musterte die beiden. Sie sahen jung aus - und bei diesem Gedanken huschte ein kurzes Lächeln über ihre Lippen. Wann genau, seit sie im Tal angekommen war, hatte sie angefangen von sich selbst als nicht mehr jung zu denken? Und beide waren so aufgeregt. Aber Rórdán hatte ihr versichert daß sie sich schon lang kannten, und daß sie gut zusammenpaßten. Nur Líadans Vater war nicht glücklich mit der Verbindung - Bregon war praktisch mittellos, außer der Kraft seiner Hände hatte er nicht viel anzubieten.

      Es war praktisch, das Dorf aus Rórdáns Augen sehen zu können - über einem Glas Apfelwein konnte er ihr all die kleinen Geschehnisse der letzten Jahrzehnte erzählen die erklärten, warum Dinge manchmal auf seltsame Weise passieren mußten. Ihre Augen suchten nach dem Gehilfen des Schmieds in der Menge, aber dann huschte erneut ein Lächeln über ihre Lippen - er war ja der einzige, der das Ritual hindurch sitzen durfte, und er thronte mit seinem farbigen Umhang und seiner Krone aus Eichenlaub als hätte er nie etwas anderes gemacht.

      "Bregon.", fuehr sie fort.

      Im Gesicht dieser Frau, erblicke das Angesicht der Göttin.
      Spüre durch sie die Gezeiten, denen deine Seele antwortet!
      Höre ihre Stimme, die deine Seele zu sich ruft!

      Für einen Moment schien Bregon verloren im Anblick der jungen Frau neben ihm - wie es sein sollte.

      "Líadan", sprach sie erneut die Worte

      Im Gesicht dieses Mannes, erblicke das Angesicht des Gottes.
      Spüre seine Kraft, die dir immer wieder Stärke schenken kann!
      Höre seine Stimme, die deine Seele zu sich ruft!

      Die beiden Brautleute reichten sich die Hand, Clíodhna umwand ihre Hand mit einem Band und zusammen sprachen sie die rituellen Worte des Handfasting, erst langsam und zögernd, dann allmählich sicherer.

      Bei Samen und Wurzel, bei Knospe und Stamm
      Bei Blatt und Blüte und Frucht:
      Im Namen der Göttin ergreife ich deine Hand
      Beim Untergang der Sonne, beim Aufgang der Sterne.
      Und der Tod soll uns nicht trennen,
      Den im ewigen Kreislauf werden wir wiedergeboren
      Uns neu zu finden und neu zu lieben.

      Clíodhna nickte zufrieden und breitete die Arme aus:

      Laßt die Sonne und die Sterne Zeugen sein
      Daß Líadan und Bregon sich die Hand gereicht haben
      Und jetzt verbunden sind im Angesicht der Göttin.
      Und möge die Göttin ihnen ihren Segen geben
      Wie auch wir selbst es tun.
      So sei es!

      "So sei es!". wiederholten die Umstehenden laut, und um sich herum konnte Clíodhna die lebendige Gegenwart der Göttin spüren.

      ***

      "Ich weiß nicht was ich sagen soll..."

      Rórdán klopfte Bregon auf die Schulter. "Dann sag nichts und mach' deine Braut glücklich und geh' morgen mit ihr die Asche auf den Feldern verstreuen." Er drückte dem jungen Mann kurz die Hand, dann drehte er sich weiter um Líadan zu umarmen die glücklich lachte. Hinter ihm drängten schon andere Gratulanten, aber es war das Privileg des Beltainekönigs, der erste in der Reihe zu sein.

      Auf einem Tisch in der Nähe sah er einen Krug mit Apfelwein und schenkte sich einen Becher ein. Vermutlich würde Tighearnán ihn eher früher als später zur Rede stellen, und er wollte dieses Gespräch nicht allzu nüchtern führen. Manchmal konnte er nur den Kopf über die Ältesten schütteln. Ja - eine Tradition die bestimmte daß den Leuten Äcker nicht einfach so zufielen war vielleicht nicht so schlecht. Aber grade jetzt, wo so viele gestorben waren, wo das Dorf jede Hand brauchen konnte die mit anpackte - gerade jetzt noch eine junge Familie zur Armut verdammen - wo lag der Sinn darin? Ärgerlich nahm er einen Schluck Wein.

      "War das weise, was du getan hast?", fragte Caoimhe und trat neben ihn, vorsichtig nach der Tischkante tastend. Rórdán schnaubte: "Vermutlich nicht. Vermutlich wird es böses Blut deswegen geben. Aber notwendig war es." Caoimhe legte den Kopf auf ihre eigentümliche Weise schräg um zu lauschen. "Was, wenn die Ältesten die Entscheidung morgen wieder umstoßen? Was sagst du den beiden dann?"

      Rórdán lachte kurz auf: "Es gibt auch Dorfälteste, die hinter meinem Spruch stehen - ich bin nicht alleine auf die Idee gekommen. Heute werden sie keine Versammlung mehr einberufen, denn heute feiern wir Beltaine. Morgen früh auch nicht - und danach werden die beiden die Asche des Beltainefeuers auf Cians alten Äckern verstreuen und das ganze Dorf wird es sehen, dann ist es vor den Augen der Göttin ihr Land. Dann erst kann Tighearnán einen Streit darüber anfangen ob die Äcker nicht vielleicht doch an ihn fallen sollten. Und da wünsche ich ihm viel Freude dabei - selbst wenn er damit die anderen Ältesten überzeugen kann, ist sein Ruf dann auf Jahre hinaus ruiniert."

      Caoimhe sah durch ihn hindruch: "Trotzdem hast du dir dann einen Feind gemacht." Rórdán seufzte. "Für manche Dinge ist es das vielleicht trotzdem wert." Sie zögerte einen Moment, dann berührte sie kurz seine Hand. "Du hast dich verändert, Rórdán - vor einem Jahr hättest du noch nicht so geredet."
    • "Das gibt's nicht - die springen echt durchs Feuer!", murmelte Rathnait halblaut.

      Es war ein klarer Abend, kühl aber nicht mehr frostig, und die ersten Sterne schimmerten am Himmel. Die letzten Dorfbewohner saßen noch zu Tisch, und der Wein und das Bier flossen reichlich, aber die meisten waren schon aufgestanden, standen in Grüppchen beieinander, sahen den Tänzern zu, die sich im Takt der Musik auf der Wiese bewegten oder umringten das Beltainefeuer wo der König des Festes schon Platz genommen hatte und mit einem undeutbaren Ausdruck auf die Tänzer blickte.

      Lautes Rufen erklang, als Líadan und Bregon ein zweites Mal Hand in Hand Anlauf nahmen und durch die Flammen sprangen.

      "Ich hab's euch doch gesagt!", erklärte Treasa triumphierend. "Ja, aber ganz sicher warst du dir auch nicht!", konterte Rathnait.

      "Solltet ihr nicht im Bett sein?", fragte eine Stimme hinter ihnen. Die drei Mädchen fuhren herum und sahen schuldbewußt unter dem Tisch hervor, der ihnen Deckung gegeben hatte. Caoimhe's leerer Blick sah an ihnen vorbei, aber aus Erfahrung wußten sie, daß die Blinde schon längst alles gehört hatte.

      "Wir wollten das Feuer sehen!", krähte Úna treuherzig. Die anderen beiden nickten - in Schwierigkeiten waren sie ohnehin schon, aber vielleicht war die Jüngste süß genug um sie davor zu bewahren, gleich vor die Eltern gezerrt zu werden.

      Caoimhe beugte sich zu den Kindern herunter. "Wißt ihr, was wir heute feiern?", fragte sie. Die Mädchen sahen sich an. "Beltaine?", fragte Rathnait unsicher. "Ja - aber was feiern wir da? Warum zünden wir ein Feuer an?" - "Weil es kalt ist?", schlug Treasa vor. Die anderen beiden kicherten. Die Blinde kniete sich neben die Kinder auf den Boden und versuchte eine bequeme Position zu finden.

      "Wir feiern die Wiederkehr der Sonne, Kinder.", begann sie. "Wir feiern, daß die Sonne uns nach dem kalten Winter wieder Wärme schenkt - das Licht kommt schon zu Imbolc zurück, aber jetzt kommt die Wärme und das Leben zurück. Und dafür steht das Feuer. Und wenn das Leben zurückkehrt und alles grün wird, dann werden auch die jungen Tiere geboren. Der Winter ist eine Zeit des Sterbens - zu Samhain denken wir an die Verstorbenen und sind ihnen nahe, wir nehmen Abschied - aber jetzt ist die Zeit des Lebens. Wir springen durch das Feuer, um die Wärme und das Leben zu spüren - und um uns zu beweisen, daß wir uns nicht fürchten."

      Einen Moment lang lächelte sie versonnen, wie in Gedanken, dann fuhr sie fort: "Und wie das Leben so ist wenn es frisch und jung ist und sich Bahn bricht - in dieser Nacht sind manche Regeln außer Kraft, die sonst gelten. Und deshalb werde ich euren Eltern auch nichts davon erzählen, daß ihr hier noch das Beltainefeuer angesehen habt - wenn ihr versprecht, nachher ins Bett zu gehen."

      Alle drei nickten, aber dann erinnerte sich Rathnait daran daß Caoimhe das wohl nicht mitbekommen würde und sagte: "Ja, versprechen wir." - "Dann ist ja gut. Wißt ihr auch, warum wir dann morgen die Asche des Beltainefeuers auf den Feldern verstreuen?"

      Treasa, die eine plötzliche Eingebung hatte, begann Caoimhe eine Grimasse zu schneiden und Úna kicherte leise. Rathnait sah ihre Freundinnen zornig an und machte eine entschlossene Handbewegung bevor sie antwortete: "Weil die Asche auch das Leben in die Felder bringt?" - "Genau."

      "Und was macht der Beltainekönig dann mit der Hexe?", fragte Treasa. "Nur zusammen können Mann und Frau Leben bringen, Treasa.", erklärte Caoimhe. "Sie stehen für den Gott und die Göttin in dieser Nacht - der Gott gibt seine Kraft, die Göttin empfängt sie und läßt sie reifen, und zusammen schenken sie dem Land neue Fruchtbarkeit." - "Echt? Clíodhna verzaubert das ganze Land?", setzte Treasa nach. - "Nicht unsere Hexe - in dieser Nacht wirkt die Göttin durch sie.", antwortete Caoimhe.

      Die drei Kinder starrten sie mit großen Augen an. "Können wir die Göttin sehen?", fragte Úna schließlich. "Nein - ihr geht jetzt wirklich ins Bett.", sagte Caoimhe bestimmt.

      ***

      Das Feuer war heruntergebrannt, nur noch Glut funkelte geheimnisvoll inmitten der dunklen Wiese, und die Lichtpunkte einzelner Laternen erhellten Teile der Tische wo noch Dorfbewohner zusammensaßen, aber die Musik war verstummt. Statt dessen konnte man ab und an Kichern aus der Dunkelheit vom Rand der Wiese her hören. Hand in Hand verließen Paare die Wiese - manche auf dem Weg ins Dorf, andere - die jüngeren besonders - in Richtung der Felder. Die Tradition sagte, daß es die Felder fruchtbar machte, in der Beltainenacht auf ihnen das Lager zu teilen, aber Rórdán wußte aus eigener Erfahrung, daß die Nächte selbst um diese Zeit noch sehr feucht und kühl sein konnten.

      Er zog sich seinen Umhang fester um die Schultern und sah sinnend in die Nacht, in Gedanken verloren, den jungen Paaren nach, die lachend in der Dunkelheit verschwanden, um am nächsten Tag mit einem ganz eigenen Gesichtsausdruck wieder im Dorf aufzutauchen - und dann über die Nacht zu schweigen. Zu Beltaine galt das Gesetz der Göttin - wenn ein Mann und eine Frau in dieser Nacht das Ritual zusammen begingen, dann war es in den Augen der Göttin heilig. Egal welche Bindungen und Traditionen und Verpflichtungen über ihr Leben den Rest des Jahres über bestimmten.

      Für die, die zusammen in der Nacht verschwanden, war es ein wundervolles Erlebnis. Für die, die gehofft hatten und sich alleine fanden wenn das Feuer erloschen war und die Laternen gelöscht wurden... für die gab es auch schmerzhafte Erinnerungen. Als er jünger gewesen war... ein warmer, weicher Körper in seinen Armen der ihn die feuchte Kühle des gepflügten Felds vergessen ließ. Seidiges Haar an seiner Wange, der Duft von Rauch und vor allem der frischen Erde in seiner Nase.

      Später dann die Hoffnung, daß Siofra sich für eine Nacht wenigstens eingestehen konnte daß sie mit ihrer Hochzeit einen Fehler gemacht hatte. Für eine einzige Nacht wenigstens... Er lachte kurz und bitter auf. Eigentlich hätte er sie so gut kennen können, nach all den Jahren, um zu wissen daß es nicht ihre Art war - sie biß die Zähne zusammen und kämpfte sich durch ihr Leben. Egal wie viel Steine ihr ihr Mann in den Weg legen mochte.

      Er sah auf. Es war so weit. Die Mitglieder des inneren Kreises, die Dorfbewohner die Clíodhna bei ihren Ritualen unterstützten, kamen aus dem Wald, in ihren rituellen Gewändern, mit Fackeln in den Händen. Mit einem schnellen Griff tastete er nach seinem Dolch - den am Höhepunkt des Rituals nicht zu haben wäre vermutlich die Krönung dieser Nacht...

      "Bist du bereit?", fragte Caoimhe ihn, als sie ihn erreicht hatten.

      War er bereit? Wie ein Gott fühlte er sich sicher nicht, eigentlich nicht mal wie ein König. Aber das Ritual war wichtig für das Dorf, für das Gleichgewicht zwischen dieser und der Anderswelt, das hatte Caoimhe ihm weiß die Göttin oft genug erklärt.

      "Ja, ich bin bereit."

      Obwohl man für manche Dinge wohl nie bereit war.

      ***

      Sie gingen zusammen durch den Wald bis sie an eine Lichtung kamen die im Mondschein lag. Auf ihr wartete eine Gestalt. Caoimhe machte eine schweigende, auffordernde Geste und Rórdán trat auf die Lichtung - und sah direkt ins Gesicht der Göttin!

      Für einen Augenblick stockte ihm der Atem. Es war Clíodhna und doch nicht Clíodhna. Zeichen schmückten ihr Gesicht, Spiralen, Sonnen und Schlangenlinien deren Bedeutung er nicht erraten konnte, aber das war es nicht - durch die Gesichtszüge die er so gut kannte schimmerte etwas ganz anderes hindurch, in ein silbriges Licht gebadet wie der Mond selbst. Für eine halbe Ewigkeit starrte er sie einfach nur gebannt an.

      Schließlich war sie es, die den Bann brach - sie kniete kurz nieder um eine Schale aufzuheben und streckte sie ihm dann hin. "Trink.", sagte sie ruhig.

      Tausend Fragen schossen ihm durch den Kopf, aber er wagte keine davon zu stellen. Statt dessen griff er nach der Schale, hob sie an seine Lippen und trank. Die Flüssigkeit schmeckte bitter, nach einer Kräuteressenz, aber er hätte nicht sagen können was es war. Einen Augenblick lang hielt er die leere Schale unschlüssig in den Händen, aber fast sofort trat eine der Gestalten aus dem inneren Kreis vor und nahm sie ihm ab, so daß er nie den Blick von Clíodhna wenden mußte.

      In ihren Augen lag etwas - eine Macht, ein Glanz, ein uraltes Wissen, das er da noch nie vorher gesehen hatte. Dann trat sie einen Schritt zurück, breitete die Arme aus und begann zu sprechen:

      Die Göttin ruft nach ihrem Gefährten,

      Er, der das Feuer ist, die sie entflammt.
      Auf daß sie nach den silbernen Zügeln greifen,
      Und wie Eines den Wagen über den Himmel reiten.
      Möge der Hammer den Amboß treffen!
      Möge der Blitzstrahl in die Erde fahren!
      Möge der Speer den Kelch segnen!
      Möge die Magie geboren werden.

      Die Welt um ihn verstummte und verschwand im Schatten, nur ihre Augen hielten seinen Blick gefangen, Augen, in denen er die Ewigkeit sehen konnte. Langsam rauschte das Blut in seinen Ohren, kräftig konnte er seinen Pulsschlag fühlen, der der Pulsschlag der Erde selbst war - fest verwurzelt stand er im Wald, wie ein Teil der Bäume, und blickte regungslos auf die Göttin.

      Sie trat vor, ihre rechte Hand ausgestreckt, und goldene Funken tanzten auf ihren Fingerspitzen. Langsam berührte sie seine Kehle, dann einen Oberkörper und seine Hüften, und jedesmal ging ein Schauer von ihrer Berührung aus. Rórdán fühlte, wie etwas von allen Seiten auf ihn zuströmte, wie sich für einen Moment ein unglaublicher Druck aufbaute, und die Kraft sich dann über ihm sammelte.

      Und während sie immer noch seinen Blick hielt, trat Clíodhna zurück und sprach:

      In ihren Namen rufe ich Dich!

      Lugh, Belin, Cerumnos!
      Komm und antworte auf meinen Ruf!

      Etwas, wie ein Sonnenstrahl, traf ihn und wärmte jede Faser seiner Seele. Die Nacht öffnete sich vor ihm, wo vorher ein enger Raum aus Dunkelheit gewesen war, den das Mondlicht gegen die Schwärze des Waldes erkämpft hatte, da sah er jetzt Weite. Tiefe Ruhe legte sich in seine Seele, und gelassen wandte er den Blick von der Hexe, sah auf sich selbst, sah das goldene Feuer das über seine Arme tanzte, hob den Blick wieder und bewunderte den silbernen Glanz, in dem Clíodhna gebadet war.

      "Sonne und Mond.", sagte er leise, fast staunend. "Tag und Nacht.", erwiderte Clíodhna. "Spüre die Gezeiten, die deine Seele bewegen."

      Und er konnte sie spüren, wie die magische Kraft des Mondes über das Wasser, so konnte er spüren wie sie, die Göttin, sein tiefstes Inneres berührte und lenkte. "Spüre die Kraft, die dir immer wieder Stärke schenken kann.", erwiderte er, ohne zu wissen woher die Worte kamen.

      Clíodhna streckte ihre Hand aus. "Komm.", sagte sie.
    • Sehr stimmungsvoll dargestellt alles, insbesondere das Ritual am Ende. Ich hab es ja schon erwartet, da Cliodhna ja tatsächlich ein wenig Magie wirken kann, aber sich war ich mir nicht, dass es die Götter tatsächlich gibt oder ob doch nur alles abergläubisches Brauchtum ist ;) Auf der anderen Seite - wer weiß, was er da getrunken hat. Schön beschrieben auf jeden Fall.
      Auch die Bienchen und Blümchen Ansprache von Caiohme an die Kinder war schön umschrieben und ich fand das alles iwie sehr gut in diesen dörflich-familiären Flair eingeflochten. Auch wie sie dann alle die Festwiese verlassen...
      Kann ich mir bildlich auf jeden Fall alles sehr schön vorstellen, aber leicht ist das cinematographisch sicherlich nicht umzusetzen, auch da sehr viel in Rordans Gedankenwelt stattfindet. Da müsste man vllt einen Dialog mit Caiohme oä draus machen, in dem er seine Erinnerungen und Gedanken mit ihr teilt.
      Für die Szene nachts, wo das Feuer verglüht, wird es sicherlich auch schwierig mit dem Licht. Ich weiß ja nicht, was ihr so an Technik habt, aber Akku betriebene LEDs gibt es relativ günstig und das macht extrem viel aus, falls ihr da noch über Investitionen nachdenkt, wir benutzen auch immer wieder welche.

      An sich würde mich natürlich noch interessieren, ob die Formeln der Hochzeitsrede und des Rituals fiktiv sind, oder auch auf echtem keltischen Brauch basieren.
    • aval.b.bado schrieb:

      Ich hab es ja schon erwartet, da Cliodhna ja tatsächlich ein wenig Magie wirken kann, aber sich war ich mir nicht, dass es die Götter tatsächlich gibt oder ob doch nur alles abergläubisches Brauchtum ist Auf der anderen Seite - wer weiß, was er da getrunken hat.
      Ich sag mal so: was Rórdán hier erlebt, ist einfach eine spirituelle Erfahrung, die er sonst so nicht gemacht hat. Er ist normalerweise nicht "gläubig" genug, um in diesen ganzen Ritualen mehr als Tradition zu sehen. Auf's Christentum übertragen wäre er einer, der zwar brav in die Kirche geht, aber an Gott hauptsächlich deshalb glaubt, weil es ihm eben immer so gesagt wurde, dass es ihn gibt. Hier ist er erstmals Teil eines solchen Rituals, lässt sich auf die Erfahrung ein (und dann auch noch mit Clíodhna, die ihm irgendwie wirklich was bedeutet, auch wenn er es sich nicht so eingestehen kann). Man könnte praktisch sagen, er hat hier eine Vision, ein Aha-Erlebnis. Es ist unwahrscheinlich, dass Clíodhna plötzlich tatsächlich wie die Göttin aussieht, aber das ist das, was er plötzlich in ihr sieht (wie wir das darstellen wollen, haben wir schon diskutiert und zumindest schon eine Idee). Wir wollen das gern subtil halten, das es die Göttin und Magie gibt. Die Frage wird nie aufgeworfen, weil es jedem im Dorf klar ist, dass es das geben muss. Auch Magie soll eigentlich etwas sein, was im Prinzip jeder wirken kann, weil es etwas natürliches ist, was jedem zugänglich ist. Aber nur die Hexe hat genug Wissen und Erfahrung, um Magie/Energie so kanalisieren zu können, dass sie tatsächlich etwas bewirkt. Aber Geister und Feen tauchen ja ebenso in dieser Welt auf :)

      aval.b.bado schrieb:

      Kann ich mir bildlich auf jeden Fall alles sehr schön vorstellen, aber leicht ist das cinematographisch sicherlich nicht umzusetzen, auch da sehr viel in Rordans Gedankenwelt stattfindet. Da müsste man vllt einen Dialog mit Caiohme oä draus machen, in dem er seine Erinnerungen und Gedanken mit ihr teilt.
      Ich muss dann mal gucken, was wir überhaupt brauchen - es ist ja nicht nötig, dass der Zuschauer jeden seiner Gedanken kennt. Ich könnte mir hier aber vorstellen, dass es vielleicht eine kurze Rückblende gibt, die die Beziehung zu Siofra verdeutlicht - hier ist nur wieder mal das Problem, dass wir dafür meine Schwester brauchen :D - so dass man zumindest andeuten kann, dass er ihr etwas nachtrauert.

      aval.b.bado schrieb:

      Für die Szene nachts, wo das Feuer verglüht, wird es sicherlich auch schwierig mit dem Licht. Ich weiß ja nicht, was ihr so an Technik habt, aber Akku betriebene LEDs gibt es relativ günstig und das macht extrem viel aus, falls ihr da noch über Investitionen nachdenkt, wir benutzen auch immer wieder welche.
      Nachtszenen haben wir bisher so gemacht, dass wir in der Dämmerung gefilmt und dann nachgedunkelt haben. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen.

      aval.b.bado schrieb:

      An sich würde mich natürlich noch interessieren, ob die Formeln der Hochzeitsrede und des Rituals fiktiv sind, oder auch auf echtem keltischen Brauch basieren.
      Ich glaub, die Sprüche sind alle aus Steward & Janet Farrar "A Witches' Bible" ins Deutsche übersetzt. Da sind schön alle möglichen Wicca-Rituale beschrieben und im Wicca geht ja vieles auf keltische Wurzeln zurück. Ist aber meines Wissens kein original-keltischer Spruch.
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
      Für alle, die sich dafür interessieren, wie wir Filme machen: Ein neuer Film entsteht (Blog)
      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • Katharina schrieb:

      Da sind schön alle möglichen Wicca-Rituale beschrieben und im Wicca geht ja vieles auf keltische Wurzeln zurück. Ist aber meines Wissens kein original-keltischer Spruch.
      Ja - das erste Ritual ist 'Handfasting', was Cliodhna mit Rordan macht ist 'Drawing Down the Sun' - alle auf etwa 1/3 der originalen Laenge gekuerzt und nur das wesentliche uebersetzt.

      Die Wicca-Rituale sind aus Material aus originalen Quellen zusammengestellt, viele Wendungen und Bilder sind von da her, aber Wicca nimmt auch nicht-keltisches Material
    • So, und nachdem wir das Material schon recht bald brauchen, mache ich Tempo und wir kommen zum Ende (und es gibt die Essenz der Beltainenacht die zwei Menschen miteinander verbringen).




      Bilder tanzten vor seinem inneren Auge, Gefühle strömten an ihm vorbei, außerhalb von Raum und Zeit.

      Das Gesicht der Göttin, erhellt vom Mondlicht das aus ihr selbst kam, nie deutlich zu sehen sondern immer wie hinter einem Schleier.

      Der würzige Duft von Waldboden und frischen Kiefernnadeln, und das Aroma des Moosbetts, auf das sie beide niederknieten, die feuchte, fruchtbare Erde unter ihnen, und ganz in der Tiefe der ewige Stein der Berge.

      Warme Hände, die unter sein Hemd fuhren und seine Haut berührten, Schauer purer Freude, die mit jeder Berührung duch ihn rannen.

      Clíodhnas Schultern, nackt im Schein einer Kerze die die Hütte erhellte, und ihr glückliches Lachen.

      Die Augen der Göttin, in denen er den ewigen Kreislauf von Leben und Tod, von Sterben und Wiedergeburt sehen konnte während sie flüsterte "Es gibt keine Zeit."

      Warme Haut an seiner, Hände die seinen Nacken umfaßten, Lippen die sich auf seine legten, Beine, die sich um seine Hüfte schlangen.

      Das Gefühl, wie ein riesiger Baum über den Wald zu ragen, Himmel und Erde verbindend, während mit einem Mal ein gleißender Blitzstrahl aus purer Energie durch ihn hindurchfuhr und die Kraft des Himmels in die lebendige Erde führte.

      Lippen die an seinem Ohr knabberten und ihm Dinge zuflüsterten, während seine Hände über ihren glatten Rücken strichen.

      Ein zerwuschelter Kopf, der sich an seine Halsbeuge drückte und ihn sanft am Kinn kitzelte, während er schon fast am Einschlafen war, warmer, gleichmäßiger Atem der seine Brust traf.

      ***

      Rórdán wachte auf. Einen Augenblick lang lag er einfach nur da, die Augen geschlossen. Angenehme Mattigkeit durchdrang jede Faser seiner Körpers, er fühlte sich warm, entspannt und zufrieden während die letzten Eindrücke seines Traums allmählich aus seinem Bewußtsein verblaßten.

      Dann schlug er die Augen auf, und blinzelte gegen die ungewohnten Eindrücke. Bündel von getrockneten Kräutern hingen vom niedrigen Dach, kitzelten seine Nase mit ihrem würzigen Duft. Ein Feuer prasselte im Ofen und wärmte den Raum. Er lag auf einer niedrigen Bettstatt, auf einem weichen Fell, eine Wolldecke über sich gebreitet, und neben ihm lag ein unordentlicher Haufen seiner Kleidung.

      Clíodhnas Hütte...

      Oh Göttin, es war gar keinTraum gewesen! Mit einem Mal wurde ihm bewußt daß er nackt im Bett der Dorfhexe lag, und alles an ihm verkrampfte sich. Das konnte nicht wahr sein!

      Man muß Respekt vor der Hexe haben.

      Ungebeten drang die Erinnerung in sein Bewußtsein, wie sich seine Hände fest um Clíodhnas Hüften gelegt hatten und sie drängend zu einem immer schnelleren Rhythmus angetrieben hatten, die Erinnerung an ihr Gewicht auf ihm...

      Es ist alles symbolisch. Du ziehst deinen Dolch, hältst ihn einen Moment nach oben und tauchst ihn dann in den Kelch ein.

      Caoimhe hatte es ihm mehr als einmal erklärt, was von ihm beim Beltaineritual erwartet wurde - und statt dessen hatte es so geendet! Als wäre Clíodhna irgend eine beliebige Frau aus dem Dorf, mit der er zu Beltaine das Lager geteilt hätte und nicht die Dorfhexe. Die ehrwürdige Mutter, die die Verbindung zwischen Menschen und Göttern hielt. Er stöhnte leise auf und vergrub das Gesicht in seinen Händen.

      Man muß Respekt vor der Hexe haben.

      "Ah, Rórdán - ich hatte mich schon gefragt ob du noch irgendwann aufwachst.", hörte er Clíodhnas belustigte Stimme. "Magst du Tee?" Er wandte sich um. Sie stand beim Herd, eine dampfende Kanne in der Hand, das Haar noch zerwühlt und nur mit einem dünnen Hemd begleitet - unter dem sich ihre Brüste deutlich abzeichneten. Und unwillkürlich sprang das Bild in seine Gedanken wie seine Hände diese Brüste umfaßten und sie streichelten...

      "Ich muß los!", stammelte er und griff nach seinem Hemd. "Ich hab' noch was... im Dorf... zu erledigen."

      Es wurde kein Rückzug, sondern eine Flucht.

      ***

      Clíodhna sah dem Mann nach, mit dem sie die Nacht verbracht hatte, wie er mit schnellen Schritten auf das Dorf zuging.

      Sie seufzte leise. Auch noch den Morgen zusammen zu verbringen hätte ihr besser gefallen... Tief im Wald, auf dem Moosbett - das war zwischen Gott und Göttin gewesen. Aber später in der Hütte - das war nur zwischen Rórdán und Clíodhna geschehen, aus freien Stücken. Seltsam, daß sie mit all ihrem Hexenwissen das Beltaine-Ritual gebraucht hatte, damit ihr klar wurde daß auch sie einen Gefährten brauchte. Jemand, dem sie vertrauen konnte, jemand in dessen Armen sie sich geborgen fühlen konnte, und jemand der sie begehrte, der ihre Leidenschaft entfachen konnte wenn sie zusammen im Bett waren.

      Sie wußte nicht genau, warum Rórdán die Flucht ergriffen hatte. Trotz seiner gelassenen Ruhe mit der er den meisten Problemen begegnete - es gab verborgene Tiefen an ihm, alte Verletzungen, wunde Punkte von denen sie nichts wußte. Vielleicht brauchte er einfach nur Zeit, um seine Gedanken zu ordnen. Vielleicht war es etwas anderes.

      Aber sie war Hexe und Frau genug um zu wissen, daß er irgendwann wiederkommen würde.

      ***

      "Was genau habt ihr beim Beltaineritual mit Rórdán gemacht?", fragte Ailbhe ihre Schwester. "Er ist sehr... zurückgezogen heute morgen."

      Die Morgensonne schien durch eine dünne Wolkenschicht, die Luft war klar, und die beiden Schwestern waren unterwegs zu den Feldern, auf denen die erste junge Saat schon grünte und feucht im Morgentau schimmerte. Ein kühler Wind wehte von den nördlichen Bergen herab. Ein Wetter, wie es Caoimhe mochte, mit vielen Eindrücken für deren Wahrnehmung man keine Augen brauchte. Auch andere waren schon unterwegs - dabei, Asche des Beltainefeuers über ihre Äcker, Weiden und Gärten zu streuen.

      "Ich weiß es nicht.", antwortete Caoimhe. "Clíodhna scheint eine andere Forum des Rituals zu kennen, die ich nie zuvor erlebt habe. Die Vorbereitung, die Invokation des Mondes - das war alles wie ich es von Fionnula kannte. Aber das Große Ritual hat sie alleine durchgeführt."

      Ailbhe schnaubte belustigt. "So lange es dem Land Fruchtbarkeit bringt - davon können wir weiß die Göttin dieses Jahr etwas vertragen." Sie machte eine Pause. "Und um sicher zu gehen, werden wir noch mehr Stallmist auf der südlichen Weide ausbringen, die soll dieses Jahr brach liegen. Ganz auf Beltainemagie will ich mich da lieber nicht verlassen."

      Einen Moment hielt sie inne und schaute über die Felder. "Was?", fragte Caoimhe. "Líadan und Bregon - sie sind auch schon dabei, ihre neuen Felder zu segnen. Gut für sie - Cian's ehemaliges Land ist nicht groß, aber immerhin schon brauchbar - wenn Bregon erst Wald roden müßte damit sie ein Auskommen hätten, dann hätten wir eine Familie mehr im Dorf die im Winter Hunger leidet."

      Caoimhe legte den Kopf schräg. "Die Dorfälteste, die Rórdán die Idee in den Kopf gesetzt hat und die den Rat dafür so lange lahm legt bis Tatsachen geschaffen sind die man nicht mehr ohne weiteres ändern kann - das warst du, oder?"

      Ailbhe schnaubte. "Ich? Sehe ich aus als ob ich was zu verschenken hätte?", meinte sie belustigt und setzte sich wieder in Bewegung.

      Caoimhe lächelte leise.

      ***

      "Du bist schweigsam, Rórdán.", meinte Bran. "Mehr als sonst. Stimmt etwas nicht?"

      Rórdán ließ den Sack mit Holzkohle den er getragen hatte zu Boden gleiten und sah den Dorfschmied an. "Du bist sehr aufmerksam, Meister Bran.", antwortete er vorsichtig.

      Der Schmied nickte zu sich selbst. "Bedenken wegen der Sache mit Cians Äckern? Oder noch tief in Gedanken wegen Beltaine?" Rórdán rang sichtlich mit sich, und der Schmied legte sein Werkzeug beiseite und drückte ihn kurz an der Schulter. "Spuck's aus, Junge. Ich kenne dich, seit du als Rotznase in diese Schmiede gekommen bist - was auch immer es ist, so schlimm wird's schon nicht sein daß sich keine Lösung findet."

      "Das Beltaineritual... es war nicht so... wie ich es erwartet hätte.", murmelte Rórdán schließlich mit hochrotem Kopf. Doch zu seiner Überraschung verstand der Schmied sofort und lachte kurz auf.

      "Ah - ich verstehe. Clíodhna und du - ihr habt die alte Form des Rituals gefeiert. Ja, das ist hier im Tal schon eine Weile nicht mehr passiert. Nicht so alt wie Fionnula am Ende war... Aber es könnte dich ein schlimmeres Schicksal treffen, sie ist ne schöne Frau." Er hielt inne, und nickte sinnend zu sich selbst. "Ich erinnere mich noch gut als Fionnula jung war - ich sage dir, das war ein Erlebnis, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen."

      Für einen Moment konnte Rórdán seinen Meister einfach nur anstarren.

      ***

      Ende.
    • aval.b.bado schrieb:

      aber sich war ich mir nicht, dass es die Götter tatsächlich gibt oder ob doch nur alles abergläubisches Brauchtum ist Auf der anderen Seite - wer weiß, was er da getrunken hat.

      Das Konzept dahinter ist ein bisschen komplizierter.

      Es gibt keine Goettin als Person die in die Handlung eingreifen kann, oder als handelnden Charakter. Statt dessen ist die Goettin ein Konzept um die Welt zu begreifen und magisch zu beeinflussen - sie ist ueberall und nirgends.

      In einem gewissen Sinn ist sie Gaia, der Planet, das ganze lebende Oekosystem, in einem anderen Sinn ist sie in jeder Frau verkoerpert... Die Goettin (und der Gott) sind eine moegliche symbolische Darstellung einer magischen Realitaet die ansonsten unbegreoflich bleibt. Wenn Cliodhna die Goettin anruft und Rordan sie sieht, dann sind sie mit dieser Wirklichkeit dahinter in Kontakt, aber was sie sehen haengt auch von ihnen ab, von dem Bild das sie sich selbst machen.

      Das Bild das Rordan sieht ist nicht real in dem Sinn dass es wirklich so ist wie die Goettin aussieht - aber es ist die Wahrnehmung einer Realitaet die wahr und wirksam genug ist, es ist nicht nur eine Illusion die er sich hier macht.

      Genauso das Brauchtum - das ist genauso (ir-)real wie etwa fuer uns Geld - einem Indianer aus dem Amazonasgebiet kann man vermutlich schwer erklaeren warum alle glauben dass bedrucktes Papier irgendwas wert ist, aber fuer uns funktioniert es hervorragend.

      Ist ein bisschen schwer zu erklaeren, um es richtig ordentlich zu machen brauche ich mehr Platz und ein bisschen ontologischen Unterbau, aber ich hab' viel drueber nachgedacht :D