Schreibwettbewerb April/Mai 2019

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    • Schreibwettbewerb April/Mai 2019


      Einen schönen guten Morgen Forengemeinde!


      Mit dem heutigen Tag startet unser kleiner foreninterner Schreibwettbewerb in die nächste Runde.

      @'Skadi' hat als Siegerin des letzten Wettbewerbs folgendes Thema vorgegeben:

      "Warum liegt denn hier Stroh?"


      (Ich liebe dich, Skadi xD)

      So und jetzt ran an die Tasten
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      Einsendeschluss : 14. Mai 2019
      ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb April/Mai 2019: Username")
      ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.
      ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.
      ‡ Die Geschichte muss mindestens aus einer A4-Seite und darf höchstens aus drei A4-Seiten (3500 - 10'500 Zeichen) bestehen.
      ‡ Die Geschichte muss die Schriftgröße 12 pt und die Schriftart Times New Roman haben.
      ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)
      ‡ Die Geschichte darf keine Sonderformatierung (wie zBs. kursiv Schrift, zentrierte Texte oder farbige Schrift) oder Sonderzeichen enthalten.
      ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.
      ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.
      ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.
      Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.
      ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. DIese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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      Preise im Wettbewerb:
      ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.
      ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.
      ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.
      ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.
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      Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread.
      In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb Nr. 39 und beim Geschichtenausdenken

      Euer Fantasy-Geschichten Forum
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Abstimmung

      Neu

      Welche Geschichte hat euch am besten gefallen? 10
      1.  
        Partytime (1) 10%
      2.  
        Der Plan oder Wenn das Schicksal zurückschlachtet (1) 10%
      3.  
        Der Strohmann (6) 60%
      4.  
        Warnende Hinweise (2) 20%
      Hallo Zusammen

      Die Bearbeitungszeit ist abgelaufen und ich habe vier Geschichten für euch! Ich hoffe, sie gefallen euch

      Um es nochmal allen ins Gedächtnis zu rufen: das Thema wurde von unserer letzten Gewinnerin Skadi vorgegeben und lautete:
      Warum liegt denn hier Stroh?



      Die Geschichten werden in willkürlicher Reihenfolge geposted.
      .
      ACHTUNG: Beim Voten
      ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen
      einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte
      bei eurer Stimmenabgabe!
      Das Voting dauert bis 2. Juni 2019 um 23:59:59 Uhr.


      Viel Spass beim Lesen und Voten!
      Euer Fantasy-Geschichten Forum
      PS: Sollte etwas fehlen, oder auf andere Weise nicht stimmen, bitte mit möglichst schnell per PN Bescheid sagen!
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Neu

      Partytime

      „Jetzt darfst Du kucken!“
      Malcolm blinzelte, als ihm die Augenbinde abgenommen wurde. Seine Augen weiteten sich, als er erkannte, wo er war: „Das ... das meint ihr nicht ernst! Ray? Das meint ihr nicht ernst, oder?“ Ray nickte mit einem jungenhaften Grinsen: „Doch! Todernst!“ Er begann, kindisch zu kichern, aber Malcolm war gar nicht nach Lachen zumute. „Das ist heiliger Boden, du Volltrottel!“ versuchte er, Ray aus seinem Lachanfall zu holen. Doch der kicherte immer weiter: „Ich weiß! Aber das hier ist nicht geheiligt!“ Noch immer lachend, hob er den Arm und Malcolm konnte ein paar Strohhalme in seiner Hand erkennen.
      „Was immer du vorhast, ich gehe!“ Malcolm wandte sich ab und bemerkte, dass mehrere Leute auf die Kirche zusteuerten, vor der sie standen. Sie rollten große Strohballen vor sich her, die sie wohl von den frisch abgeernteten Getreidefeldern geholt hatten. „Hierher, Jungs! Papa Mac möchte tanzen!“ Ray winkte theatralisch mit den Armen, obwohl die Leute sowieso schon direkt auf die Kirche zusteuerten.
      Malcolm blickte die Männer, es waren nur Männer, aufmerksam an: „Ray? Das sind aber nicht alles welche von uns!“ raunte er dem Jüngeren zu. Ray nickte und flüsterte ebenso leise zurück: „Die denken, es ist ein Kostümball! Lass sie! Sie werden uns den Partyraum schön ausschmücken!“ Einer der Männer, die Malcolm nicht kannte, stieß die Kirchentür auf, die großen Strohballen wurden hineingerollt und sorgfältig auf dem Boden des Gotteshauses verteilt. Ray schielte über den Rand seiner überdimensionalen Sonnenbrille zu Malcolm herüber: „Partytime! Darf ich bitten, Sir?“

      Es funktionierte. Das Stroh dämmte die Heiligkeit des Bodens derart gut ab, dass Malcolm und sein Vampir-Clan die gesamte Nacht durch gut feiern konnte. Der Meßwein, den der Pastor in seinen Lagern hatte, war so heilig wie Bachwasser, nur sehr viel schmackhafter. Kein Christ dieser Welt ahnte, dass Alkoholika nicht geweiht werden konnten, egal, wieviele Segenssprüche man darüber sprach.
      Auch für Speis war gesorgt, die Männer, die noch bei Anbruch der Nacht unbesorgt durch die Kirche spaziert waren und Stroh verteilt hatten, konnten dies am Morgen wahrscheinlich nicht mehr so ohne weiteres. Jeder von ihnen bekam im Laufe der Nacht zwei hübsche kleine blutrote Pünktchen direkt über der Halsschlagader und ließ sie erst in diesem Augenblick realisieren, was hier wirklich geschah, doch da war es schon zu spät …

      Als im Osten die Sonne träge über den Horizont kroch, huschten die letzten schwarzen Schatten aus dem kleinen Kirchlein am Dorfrand. Ray ging als letzter, sorgsam die Sonnenbrille zurechtgerückt, prüfte er, ob alle in Sicherheit waren. Dann ging auch er, um im Dunkel seines Heimes auszuruhen.



      Mißmutig runzelte Pastor Miller die Stirn, als er auf seine Kirche zuschritt. Das Tor stand sperrangelweit offen und Pastor Miller ging in Gedanken durch, wer diesmal die Tür hätte schließen sollen. Patrick? Dean? Egal! Denen würde er schon die Ohren langziehen! Bummelige Bande!
      Auf der Schwelle seiner Kirche allerdings beschlich den Gottesmann ein eigenartiges Gefühl. Der Geruch in dem kleinen Raum erinnerte eher an eine Kneipe denn an ein Gotteshaus. Und … warum lag hier überall Stroh???
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Neu

      Der Plan oder Wenn das Schicksal zurückschlachtet

      „Knarren“, zischte ich leise und rückte seinen Gürtel zurecht.
      „Geladen und versteckt.“
      „Gut. Messer.“
      „Gürtel und Socken.“ Er lachte und fügte hinzu: „Als ob ich die brauchen würde.“
      „Nur für den Fall. Wir wollen das Gold aus dem Tresor und du gehst da alleine rein!“
      „He! Die Streitaxt sitzt, wie sie muss. Sonst bist du doch auch nicht so fürsorglich.
      „Ich will nicht, dass irgendwas schiefgeht“, schüttelte ich den Kopf, „Halt mich bloß nicht für weich. Nein, pass besser auf, dass du nicht der bist, der weich wird. Versagen können wir uns heute nicht leisten.“
      „Eigentlich brauchen wir doch gar nicht mehr Kohle, oder? Wir könnten auf der Stelle umdrehen und in den Norden verduften, meine Bartschnecke.“ Seine Stimme wurde sofort samtig und anschmiegsam. Er wusste, wie er mich mit Worten berühren musste.
      Leise lachte ich und strich ihm über den Mantel.
      „Die Bank ist nicht schwer hochzunehmen. Sieh es als Taschengeld für unterwegs, ja? Aber wenn du nachlässig wirst, wird sich das rächen. Wie bei der Sache mit dem Schnapsladen.“
      Er nickte. Niemals würde einer von uns die Sache mit dem Schnapsladen vergessen – die Sauerei verfolgte uns noch immer. Die Scherben, der desinfektiöse Geruch, die Kotze … Seither machten wir gleich drei Bögen um diese Orte und verlangten voneinander vollste Konzentration.
      „Außerdem treten wir diesen Menschen nochmal in den Arsch bevor wir uns verziehen. Du weißt ja, wie befriedigend ich das finde …“ Ich brummte und strich ihm mit meinem Finger über die Brust.
      „Soll ich ein paar von ihnen umlegen?“, fragte er mit etwas Hauch in der Stimme.
      „Oh, nicht mehr als nötig!“, lachte ich, „Du kannst da nicht einfach das Pulver rausholen. Aber wenn sie sich querstellen, dann zeig ihnen, was sie davon haben. Sei effektiv! Spielen können wir später …“
      Ich zog ihn an mich und wir küssten uns leidenschaftlich. Das hier würde ich vermissen, doch es war Zeit. Man muss aufhören, das Schicksal auszuschlachten, bevor es zurückschlachtet – altes Trollsprichwort. Von den hässlichen Fratzen konnte man einiges lernen.
      Dann lösten wir uns voneinander. Er nahm seine Maske, ich gab ihm noch einen Klaps auf den Hintern. „Denk an das Signal. Zwei Schüsse, kurz hintereinander und ich rolle vor.“ Eine kleine Geste gab mir Antwort, kurz drauf war er aus unserer Gasse verschwunden. Der Eingang lag auf der anderen Gebäudeseite.
      Auf der Straße warteten die Ponys mit dem Fluchtkarren und ließen ihre Äpfel fallen.

      Seufzend zog ich mir eine Zigarette aus dem Büstenhalter. Die Zündhölzer holte ich aus meiner Manteltasche – ich hatte bereits Sorge, ich könnte sie vergessen haben – und entflammte den Glimmstängel.
      Ein.
      Aus.
      Der Rauch wusste die Leere in mir nicht zu füllen.
      Ich versuchte es erneut.
      Ein.
      Und aus.
      Nichts.
      Wie lange es wohl dauern würde, bis er am Schalter dran war? Um diese Zeit sollte es noch Schlangen geben. Genug kurzbärtige Langbeine waren noch unterwegs, aber vielleicht hatte ich Pech. Ja, Pech … Der Himmel war dicht und grau, aber hell. Nichts deutete auf Regen hin, das Wetter war ideal. Mein Blick wandte sich wieder in die Richtung, in die mein Geliebter verschwunden war.
      Glücklicherweise hatte er nicht noch auf das Stroh neben mir gepisst. Solche Kleinigkeiten hatte ich vergessen zu berücksichtigen. Oder nicht ‚vergessen‘, eher offen gelassen … Sollte doch das Wetter entscheiden!
      Dann hörte man die ersten, von der hölzernen Häuserwand gedämpften Schreie.
      „SO, LEUTE! Jetzt legt euch alle flach auf den Boden! Wie ihr seht, bin ich genau auf Höhe eurer Eier, wer nur EINEN Mucks macht, wird für den kurzen Rest seines Lebens nur noch Blut scheißen!“
      Nun wurde es auch für mich Zeit.
      Ob er bereits Verdacht schöpfte?
      Seine Leberflecken und die Narbe an der Wange waren auffällig. Ich hingegen wurde schnell eins mit der Menge, und unter anderem Namen würde niemand mich finden. Schon nach unseren ersten Überfällen konnte er das Versteck kaum noch verlassen, was alles etwas Behindertes hatte. Warum hatte ich ihn nicht schon damals abgeschüttelt? Er war Ballast. Nützlich aber Ballast. Sollte ich den ewig mit mir rumschleppen? Ich musste es tun.
      Wieder seufze ich. Die Ponys schnaubten und köttelten ihre Riesenköttel.
      Ich würde ihm nicht mal in die Augen sehen, warum fiel es mir nun so schwer? Sicher gab es bessere Methoden, ihn loszuwerden, aber nach all der Zeit sollte er zumindest eine Chance haben. Mein Hals wurde enger und enger, der Schmerz würde mir noch den Kopf absäbeln. Ich schaute weg.
      Dann warf ich die Zigarette ins Stroh.
      Erst knisterte das trockene Gras.
      Dann prasselten schon die Holzkisten, unter denen der Brandbeschleuniger lagerte.
      Und als die Zigarette alles, was mir etwas bedeutete, mit sich in die Flammen zog, stürmten die Ponys bereits Richtung Stadttor.
      Das Wetter hatte eine scheiß Entscheidung getroffen.
      Verdammt! Warum fielen keine Schüsse?
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Neu

      Der Strohmann


      Endlich zu Hause! Noch einmal lasse ich den Blick über den Hauptplatz schweifen, ehe ich den Gullydeckel hinter der alten Karre zur Seite schiebe und in die Kanalisation verschwinde. Anstrengender hätte der Tag nicht sein können. Wieder habe ich eine Katastrophe verhindert und einen Linienbus davor bewahrt, bei diesem Sauwetter von der Brücke zu stürzen. Es regnet jetzt schon den ganzen Tag und der Fahrer hat seinen Führerschein anscheinend in der Lotterie gewonnen, so wie er reagiert hat, als der Bus ins Schleudern geraten ist.
      Ich hasse Regen, aber dennoch bin so froh, dass es Wasser war. Bei Feuer sieht das wieder ganz anders aus. Das ist die einzige Schwäche, die wir Strohmänner haben. Der Großbrand letzte Woche hätte mich beinahe meinen linken Arm gekostet.
      Im Hauptquartier angekommen schleiche ich durch den Aufenthaltsraum. Ich darf meinem Vorgesetzten, dem alten Sack, nicht begegnen, sonst …
      „Nummer XVII!“
      Oh, zu spät!
      Der alte Strohmann kommt wütend auf mich zu. „Ich habe die Nachrichten gesehen, Nummer XVII! Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du vorsichtiger sein musst?!“, meckert der Alte schon wieder.
      „Ich bin so vorsichtig, wie es mir möglich ist, Meister Strohmann.“
      „Die Menschen stellen Fragen, Nummer XVII. Wie kann es sein, dass alle anderen Strohmänner ihre Füllung unter Kontrolle haben und nur du nicht dicht bist?“, will er von mir wissen. „Lasse dich bitte umgehend auf der Stopf-Station überprüfen! Wenn du überall deine Füllung verlierst …“
      „Ich bin dicht! Das war beabsichtigt, Meister. Es kotzt mich regelrecht an, dass die Menschen es nicht schätzen, was wir für sie tun. Sie sind so undankbare Geschöpfe!“, entgegne ich gereizt.
      „Nein, Nummer XVII. Sie wissen es nicht besser.“ Der Meister schüttelt seinen Kopf und streicht nachdenklich über seinen langen Strohbart. „Aber warum versetzt dich das so in Rage?“
      „Warum? Ist das nicht offensichtlich? Weil wir tagtäglich für sie unsere Halme riskieren und nie etwas zurückbekommen! Keine Dankbarkeit, keine Wertschätzung, nein – gar nichts!“
      „Und was ändert das, wenn du deine Füllung überall verteilst?“
      „Vielleicht denken sie dann darüber nach. Vielleicht wird ihnen klar, dass sie nicht durch ein Wunder einer Katastrophe entgangen sind. Ich habe mich für mehr als zwei Stunden mit Gas volllaufen lassen, damit das Restaurant in der Hauptstraße wegen dem Leck nicht in die Luft fliegt. Übelsten Brechreiz habe ich verspürt, aber was ist der Dank? Die einzige Reaktion auf meine Heldentat kommt von der Küchenhilfe, die sich am Hintern kratzt und den Chefkoch fragt, warum unter dem Herd Stroh liegt.“
      „Ja, Nummer XVII, ich weiß, was du meinst. Aber wir Strohmänner haben uns nun einmal dem Heldentum verschrieben. Wir brauchen keinen Dank, keine Wertschätzung. Unglück zu verhindern und die Menschen davor zu bewahren ist alles, was wir anstreben. Allein zu wissen, Gutes getan zu haben, sollte dir Genugtuung verschaffen.“
      „Warum fühle ich mich dann ausgenutzt und halte die Menschheit für undankbar? Ich weiß zwar, dass sie nichts von unserer Existenz wissen und dennoch …“
      „Nummer XVII, kann es sein, dass …“ Meister Strohmann kommt auf mich zu und blickt mich eindringlich mit seinen Knopfaugen an. „Du hast es noch nicht gefunden, nicht wahr?“
      Was gefunden? Unwissend schüttle ich meinen Kopf, sodass man es im gesamten Aufenthaltsraum rascheln hört.
      „Dann verstehe ich deine Zweifel. Sobald du dein Strohfeuer gefunden hast, wirst du in deiner Rolle aufgehen.“ Er klopft mir sanft auf die Schulter und zieht sich zurück.
      Mein Strohfeuer … Ich dachte, das ist nur eine Legende. Aber wenn der alte Sack so überzeugt davon ist, steckt vielleicht doch mehr dahinter.

      Am nächsten Morgen spaziere ich die Straßen entlang in Richtung stadtaußwärts. Einerseits wünsche ich mir mehr Beachtung aber andererseits ist es auch gut, dass mich die Menschen nicht sehen können. Heute stehen meine Halme in alle Richtungen, wirklich kein schöner Anblick.
      Ich liebe diese Vorstadtstraßen, die hübschen Gärten, den Duft der Blumen, den geringen Verkehr und vor allem die Stille.
      Plötzlich vernehme ich ein Schluchzen. Typisch! Wieder ein ignoranter Mensch in Not. Erst will ich es ignorieren, aber fühle mich dann doch irgendwie dazu berufen, zumindest einmal die Lage zu checken.
      Zwischen zwei Häusern unter einem Baum steht ein kleines Mädchen und flennt sich die Augen aus. Heult die Kleine, weil sie alleine ist und ihre Mutter nicht finden kann? Ist ihr Ball davongerollt? Nein, dort oben! Eine Katze sitzt ganz oben in der Baumkrone fest. Der Klassiker!
      Allein schon, um dieses schauderhafte Geschluchze zu stoppen, entschließe ich mich, ihr zu helfen.
      Während ich den Stamm hinaufklettere, stellt das Mädchen freundlicherweise den ohrenbetäubenden Lärm ein. Vermutlich ist ihr in den Sinn gekommen, dass sie die Katze damit foltern könnte.
      Oben im dichten Geäst nähere ich mich der hässlichen Perserkatze und versuche sie zu greifen, doch das blöde Biest faucht mich an und schlägt mit seinen Pranken nach mir.
      „Verdammtes Mistvieh! Ich will dir doch nur helfen!“, fauche ich zurück, worauf die irre Katze wieder ihre Klauen in mich rammt.
      „Hey, ich bin kein Kratzbaum!“ Vorsichtig gehe ich wieder auf Abstand. Das ist nicht so einfach, wie vorerst angenommen. Entschlossen öffne ich meine Strickjacke und ziehe die längsten Halme aus mir heraus, die ich finden kann. Mit einem gekonnten Sprung gelange ich auf den Rücken des biestigen Vierbeiners und fessle Vorder- und Hinterbeine.
      „So, jetzt kannst du mich nicht mehr zerrupfen, du Flusenfänger!“, rufe ich triumphierend und genieße das winselnde Gemaunze der nun wehrlosen Kreatur.
      Mit ein paar weiteren Halmen binde ich das pelzige Etwas, das beinahe so groß ist wie ich, vorsichtig auf meinen Rücken. Das Fauchen und Miauen ignoriere ich einfach, klettere die Rückseite des Baumes hinunter und sowie ich festen Boden unter den Füßen habe, befreie ich mich von der Mieze, was ein Fehler war. Sofort stürzt sie sich auf mich und wetzt ihre Krallen an mir.
      „Nicht! Aufhören! Aua!“
      „Felix!“, ertönt die Stimme des Mädchens und wie es hinter dem Baumstamm hervorguckt, lässt das Biest von mir ab. Die Kleine nimmt die Katze hoch und schmiegt ihr Gesicht glücklich an sie.
      Das ist meine Chance! Ich springe aufs Dach eines der Häuser, setze mich und beobachte fassungslos ich, wie zahm der Flohbeutel jetzt zu sein scheint.
      „Maria!“, ruft eine andere Stimme und eine Frau nähert sich den beiden. Sie trägt eine Leiter und scheint erleichtert zu sein. Vermutlich ist sie die Mutter der Kleinen. „Felix ist wieder unten? Geht es ihm gut?“
      „Ja, es geht ihm gut“, entgegnet das Mädchen strahlend.
      Die Frau lehnt die Leiter an den Baum. „Nanu?“ Sie tritt einen Schritt zurück. „Warum liegt denn hier Stroh?“, fragt sie verwundert.
      Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diese Frage schon gehört habe. Doch dieses Mal habe nicht ich es platziert. Nein, dieses Mistvieh von Katze hat mich förmlich ausgeweidet.
      „Das ist von dem Engel, Mama“, sagt das Mädchen.
      Wie bitte?! Was hat die Kleine da gesagt?
      „Von welchem Engel, mein Schatz?“, will die Frau wissen.
      „Ein Engel aus Stroh hat Felix gerettet. Das werde ich nie vergessen“, entgegnet ihr der kleine Mensch mit leuchtenden Augen.
      Meint sie mich? Ich und ein Engel? Mir wird auf einmal so … warm ums Herz.

      Zurück im Hauptquartier lasse ich mich gemütlich im Aufenthaltsraum nieder. Wie erwartet kommt Meister Strohmann nach einer Weile herein, um mich zu nerven.
      „Nummer XVII, ich möchte mich noch einmal mit dir über deine Bedenken unterhalten“, sagt er ernst.
      „Nicht nötig“, erwidere ich lächelnd. „Ich habe es gefunden. Ich habe heute endlich mein Strohfeuer gefunden.“
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Neu

      Warnende Hinweise


      Die frühe Herbstsonne lächelte durch die großen Fenster des prachtvollen Thronsaals, des Herzens des altehrwürdigen, güldenen Königreiches.
      Alles, was Rang und Namen hatte, war versammelt.
      Die reichen Korrupter aus Krösien, vertreten durch den sehr beleibten und wenig beliebten Marcello Crasso.
      Die weniger an Gold, dafür an Geist reicheren Alexandriner von Alexa, für welche die weise Sophia sprach.
      Auch die Hartmänner von den grünen Auen, hatten ihren Eschenbacher Wolfram geschickt, auf dass er für sie spreche.
      Sogar die armen Weizenschnitter aus Kargen hatten ihren Lumpengrafen entsandt, auch wenn seine Anreise allein schon die Reserven der Grafschaft schwer belastete.
      Immerhin bestand der güldene Küneg auf seine Tribute und dieses Jahr hatte er zusätzlich noch einen weiteren Beweis der Untertänigkeit seines Volkes eingefordert. Das, oder die güldene Legion, reichlich bezahlt von den Tributen, würde wieder einmal ausrücken müssen.
      Das wollte nun wirklich niemand.
      Nicht einmal die Legion.
      Gut, Küneg war es vermutlich einerlei.
      Der große König schritt also die Gaben ab, die seine Vasallen auf sein Geheiß mitgebracht hatten, und die aller Welt, insbesondere der geladenen ausländischen Würdenträgerschaft anzeigen sollten, welch große Stücke das Volk auf Küneg, den Güldenen hielt.

      Zuerst sah er in die Truhe voller Gold und Geschmeide, welche die Korrupter als Gabe für ihren König beigebracht hatten. Manche Schmuckstücke meinte er sogar schon gesehen zu haben. Hatte er nicht eben jene Kette mit taubeneigroßen Smaragden dem alten Herzog von Krösien verliehen, weil dieser besonders eifrig gegen die Unzufriedenen in seinem Herzogtum vorging?
      »Dies soll euch zeigen, dass wir euch genauso ungerne verlören, wie das Gold in unsren Truhen.«, meinte Crasso mit einer untertänigen Verbeugung.
      Küneg war zufrieden und ging zum Nächsten.

      Die weise Sophia hatte ein wertvolles Pergament in den Händen und trug mit getragener Stimme vor:
      »Heil dem und immer Heil, der weit von Streit und Kriege,
      bei Hunger, Not und Sorg, dem Volke wohl genüge.«
      Der König hörte die wohlklingenden Verse und war geschmeichelt.

      So traf er auf den Eschenbacher, der einen Kelch aus Holz, edel geschnitzt und dennoch schlicht, seinem König entgegenhielt.
      »Sehet, min Herre. Diezes isset der heilge Gral, der Kelch des Zimmerers, unde wer uz ime trinket unde isset von edlem Herze, der lewet gar ewichlig.«
      Gerührt trank der König einen Schluck. Ewiges Leben war wirklich ein großes Zeichen der Achtung, dafür wollte er den Hartmännern sogar ihr ärmliches Trinkgefäß und das fast unverständliche Geplapper verzeihen.

      Endlich trat er zu den Gaben der Weizenschnitter.
      »Eine Ladung voller Stroh? Was soll dieses!«
      Wütend wollte Küneg seine Wachen rufen, doch wie wurde ihm auf einmal? Die Welt schien kleiner zu werden, oder war es nur sein Sichtfeld? Seine Zunge wurde schwer, auch seine Glieder. Nur mühsam konnte er sich auf die Stimme des Lumpengrafen konzentrieren.
      »Güldener Küneg, Eure Anweisung war eindeutig: Ihr verlangtet eine Gabe, die unsre Meinung über Euch ausdrückt, und die habt Ihr erhalten.«
      »Stroh …?!«

      Als Küneg tot zusammenbrach, blickten sich die vier Gesandten an und zuckten der Reihe nach mit den Schultern. »Gewarnt haben wir ihn genug, aber der Strohhinweis war beinahe zu offensichtlich!«
      Die späte Herbstsonne lächelte durch die großen Fenster des prachtvollen Saal des Volkes, dem Zentrum der frischgeborenen, güldenen Republik.
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."