Brain War - Der Krieg der Hirne

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    • Brain War - Der Krieg der Hirne

      Ein Junge steht von den Toten wieder auf, ein Müllwerker entdeckt Körper mit abgeschnittenen Köpfen, ein Mann stürzt in einen Schacht und entdeckt einen Schatz, ein grünes Ei fährt in den Himmel auf – es geschehen seltsame Dinge in und um das beschauliche Städtchen Lunenborg. Und dann gibt es auch noch einen Kampf, einen Kampf mit unerhörten, auf der Erde noch nie da gewesenen Mitteln...


      Brain War – Der Krieg der Hirne
      Ein Fortsetzungsroman

      Erster Teil: Hasetépeté

      1

      Der Jogger bog das Gebüsch auseinander, um besser sehen zu können. Deutlich erkannte er zwei Füße, die aus dem Schilf ragten. Er zog sein Handy hervor und alarmierte den Rettungsdienst und die Polizei.
      Man schrieb Mittwoch, den 6. April. Über dem Kalkbergsee lag eine bleigraue Wolkendecke. Zeit: 8 Uhr 27. Temperatur: Luft 12, Wasser: 6 Grad Celsius.
      Der Rettungsdienst traf noch vor der Kriminalpolizei ein und holte die Leiche aus dem Röhricht. Sofort begannen zwei Sanitäter mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Doch ihre Bemühungen waren vergeblich; der Patient zeigte auch nach Gabe fließenden Sauerstoffs und intensiver Herzdruckmassage weder Atmung noch Puls, und da er völlig unterkühlt war, ging der Notarzt davon aus, dass bei dem Knaben, den er trotz seiner außergewöhnlichen Größe auf etwa zwölf Jahre schätzte, jede Hilfe zu spät kam.
      Der vermeintlich Tote wurde in den Rettungswagen gelegt und sicherheitshalber zwecks weiterer Untersuchungen ins städtische Klinikum gebracht, das bereits verständigt worden war.
      Der Wagen fuhr an die Rampe, Türen öffneten sich, die Arzthelfer stiegen ein –
      „Ich denk´ der is daut“, sagte der eine, über die Bahre gebeugt. Er kratzte sich am Kopf. „Issa dat?“, fragte er den Sanitäter, der gerade hinter dem Wagen erschien. Der warf einen Blick hinein und sagte: „Jau, dat issa.“
      Der angeblich tote Junge blickte die beiden Männer mit großen, verängstigten Augen an.
      Einen Augenblick geschah nichts; zu groß war das Erstaunen. Dann zogen die Helfer die Bahre mit dem Jungen eilig aus dem Wagen und schoben sie und in die Notaufnahme.

      Die Nachricht von dem Wiederauferstehungswunder verbreitete sich mit Windeseile unter dem Klinikpersonal. Sofort waren Ärzte und Krankenschwestern zur Stelle, die den Knaben anstaunten und versuchten, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Doch der reagierte weder auf Ansprache noch auf Gesten. Er lag stumm da, sein Blick war auf einen imaginären Punkt in weiter Ferne gerichtet. Schließlich gelang es einer Ärztin, beruhigende Worte murmelnd, ihn vorsichtig zu untersuchen. Zu ihrer großen Überraschung stellte sie fest, dass der Patient weder Puls noch Atmung zeigte. Trotzdem schien sein Zustand stabil, und jetzt nahm der Knabe sogar den Blick zurück und schaute die Ärztin mit großen, staunenden Augen an.
      Die Ärztin wandte sich zu ihrem Kollegen um und schüttelte leicht den Kopf. „Das verstehe ich nicht“, murmelte sie.
      Da es Essenszeit war, setzte man dem Knaben in der Annahme, er müsse hungrig sein, den Mittagstisch vor. Doch er machte keinerlei Anstalten, zu Messer und Gabel zu greifen, es hatte sogar den Anschein, als rümpfe er angeekelt die Nase. Auch die Essenspantomime, die Schwester Maria zum Gaudi der Anwesenden aufführte, blieb ohne Erfolg. Der Teller wurde wieder weggestellt, und da der Zustand des Knaben weiterhin stabil schien, brachte man ihn zur weiteren Untersuchung in die Orthopädie.
      2


      Im Untersuchungszimmer des Dr. Bernhard waren, von der seltsamen Nachricht angelockt, auch einige fachfremde Kollegen anwesend. Als der Patient hereingeschoben wurde, verstummte das Geraune, und alle Augen richteten sich auf den Ankömmling. Eine Krankenschwester entblößte seinen Oberkörper. Zum Vorschein kamen eine schmale, weiße Brust ohne Grube, und auffällig runde Schultern. Sofort fiel das Fehlen von Rippen und Brustwarzen auf, das einige der anwesenden Mediziner zunächst als klassische Athelie, eine seltene Fehlbildung beim Mann, deuteten. Dr. Bernhard sah sofort, dass er nicht den Oberkörper eines normalen zwölfjährigen Jungen vor sich hatte. Er drückte die Haut an mehreren Stellen leicht ein. Dann umfasste er einen Ellenbogen und bewegte den Unterarm mehrmals hin und her. Je länger Dr. Bernhard untersuchte, desto öfter schüttelte er den Kopf. Schließlich gab er der Schwester das Zeichen, den Knaben wieder anzuziehen. Als er sich zu den Kollegen umdrehte, lag auf seinem Gesicht der Ausdruck allerhöchsten Erstaunens.
      „Meine Damen und Herren“, sagte er, „der Patient besitzt anscheinend keine Knochen. Ich frage mich, ob er bei seiner Größe überhaupt gehen kann.“
      Der Knabe hatte die Untersuchung stillschweigend über sich ergehen lassen. In seinem Blick lag das Erstaunen eines Menschen, der zum ersten Mal die Sonne erblickt. Doch jetzt zeigte er Anzeichen totaler Erschöpfung, und er wurde wieder zurück in die Notaufnahme gebracht. Dort hielt man ihm sämtliche Nahrungsmittel unter die Nase, welche die Klinikküche zu bieten hatte, doch er reagierte nicht. Allerdings gelang es einer Schwester, ihm etwas Wasser einzuflößen, woraufhin er sich leicht erholte.
      Man war ratlos. Wovon ernährte sich das seltsame Wesen? Höchste Eile war geboten, denn der Junge verfiel immer mehr. Er lag mit geschlossenen Augen auf der Liege, völlig leblos, ohne das geringste Lebenszeichen. Es war nicht festzustellen, ob er überhaupt noch lebte oder schon tot war, denn Puls und Atmung hatte er bisher ohnehin nicht gezeigt.
      Dr. Bernhard starrte auf dem reglos daliegenden. Es war unfassbar. Der Körperbau des Jungen widersprach so gründlich den Regeln der menschlichen Anatomie, dass er auf die Idee kam, ein Wesen von einem anderen Stern vor sich zu haben.
      Diese Erkenntnis, laut gedacht, stachelte die Suche nach einem geeigneten Nahrungsmittel weiter an und erhitzte die Gemüter. Allen war klar: Das Wesen durfte auf keinen Fall sterben, denn der Menschheit bot sich jetzt, wenn die Vermutung des Kollegen stimmte – und dafür sprach einiges – die Möglichkeit, zum ersten Mal mit einem Außerirdischen zu kommunizieren. Zu groß war der Erkenntnisgewinn, den sich die Wissenschaften davon erhoffen durften – abgesehen von den Doktorhüten, die dabei zu gewinnen waren.
      Aber auch der hinzugezogene Ernährungsexperte wusste keinen Rat. Er zuckte mit den Schultern. Einen solchen Fall von Nahrungsverweigerung habe er, abgesehen bei einigen Hungerstreikenden, noch nicht erlebt. Er schlug eine Zwangsernährung vor, doch die Frage nach dem Womit und Wie ließ er unbeantwortet.
      Der Knabe lag nach wie vor unverändert mit halb geschlossenen Augen auf der Liege. Er sah nicht schlechter, aber auch nicht besser aus als vor zwei Stunden, als man ihn aus dem Schilf gezogen hatte. Ja, jemand äußerte sogar die Vermutung, er sehe aus, als könne er noch stunden-, wenn nicht sogar noch tagelang in diesen Zustand verharren, ohne zu verhungern.
      „Ich würde noch einen Schritt weitergehen“, meinte jemand. „Er sieht aus, als könne er noch nicht einmal sterben.“
      Doch man wollte es nicht darauf ankommen lassen und suchte händeringend nach eine geeigneten Nahrung. Einer der Anwesenden, die um die Liegestatt herumstanden, ein angesehener Physiologe, bemerkte, wenn der Knabe keine Atembewegungen zeige hieße das nicht automatisch, dass er keinen Stoffumsatz habe, denn irgendwoher müsse ja allein seine Bewegungsenergie kommen.
      „Herr Kollege, Sie denken da an eine anaerobe Verdauung“, fragte jemand, „an eine Art alkoholische Gärung?“
      „Nicht unbedingt. Dann müssten Gärgeräusche zu hören sein.“
      Sofort horchte die Ärztin, die den Knaben untersucht hatte, seinen Leib ab. Dann drehte sie sich um und verkündete: „Nichts. Absolut ruhig!“
      Doch jetzt geschah etwas Überraschendes. Schwester Maria war an die Liege getreten und tätschelte dem Knaben die Wange. Plötzlich drehte der den Kopf und begann, an Marias Hand zu lecken.
      In das erstaunte Schweigen hinein rief die Schwester: „Das ist es! Er leckt Salz!“
      Sofort wurde ein Pfleger zu Klinikapotheke geschickt, der nach wenigen Minuten mit mehreren Päckchen reinstem Steinsalzes zurück kam. Man löste etwas davon in warmem Wasser auf und benetzte mit der Salzlösung die Lippen des Knaben.
      Im Saal herrschte knisternde Stille. Alle blickten erwartungsvoll auf das Gesicht des Jungen.
      Zunächst erfolgte keine Reaktion.
      Doch dann –
      „Da! Das Jungche leckt sich die Lippen“, flüsterte Schwester Maria andächtig.
      „Das heißt, er will mehr haben“, raunte eine andere.
      Schwester Maria griff beherzt zu und richtete den Knaben auf, ihre Kollegin hielt ihm das Glas an die Lippen: Er trank, erst zögerlich, dann in vollen Zügen.
      Ein hörbares Aufatmen ging durch den Saal. Jemand machte den Anfang, und schließlich klatschten alle.
      Der berühmte Physiologe blickte betreten zur Seite. An alles hatte er gedacht, nur nicht an schnödes Salz.

      *
      Nachdem sich der Knabe wieder erholt hatte, versuchte man behutsam, ihn auszufragen, wie er hieße, wo er wohne, wie es zu dem Unfall auf dem Teich gekommen sei. Doch es erwies sich, dass er weder die Landessprache noch eine andere der geläufigen Verkehrssprachen verstand. Ein zufällig in der Klinik als Patient anwesender Sprachwissenschaftler versuchte es in weiteren, zum Teil exotischen Idiomen – vergeblich, aus dem Jungen war kein Wort herauszubringen.
      Da trat eine Krankenschwester hervor, stellte sich vor die Liege, wies mit dem Zeigefinger auf ihren üppigen Busen und sagte mehrmals laut und deutlich: „Ich – Maria – ich – Maria.“
      Der Knabe lächelte, wies seinerseits mit dem Finger auf sich und sagte mit hoher, gläserner Stimme: „Hasetépeté – Hasetépeté.“
      3

      Die Meldung von dem außerirdischen Jungen, der sich von Steinsalz ernährt, verbreitete sich mit Windeseile über den gesamten Globus. Da die Öffentlichkeit schon zu häufig auf Fake-News hereingefallen war, hielten sich die Reaktionen zunächst in Grenzen. Als dann jedoch die Klinik die Existenz eines jungen Patienten bestätigte, dessen Körperbau von dem eines Menschen stark abwiche, brach ein regelrechtes Twitter-Gewitter los. Die sozialen Medien überschlugen sich mit Meldungen von unbekannten Flugobjekten, die man hier und da in dieser Mittwochnacht gesehen haben wollte. Einige Bewohner der Gegend um den Kalkbergsee schworen, kurz nach Mitternacht ein Ufo gesehen zu haben, das einige Zeit über dem See schwebte. Doch eine Auskunft, welche der 'Landesbote' in gewohnt gründlicher Recherche beim Wetteramt einholte ergab, dass es sich dabei um ein rundes Wolkengebilde gehandelt habe, das sich wenig später auflöste, ein für diese Jahreszeit und Wetterlage zwar ungewöhnliches, aber doch keineswegs übernatürliches Phänomen. Gleichwohl, die Leute blieben dabei: Ein Ufo habe den Knaben verloren, und der sei glücklicherweise in den Kalkbergsee gefallen, ohne Schaden zu nehmen.

      *
      Hasi, wie Hasetépeté jetzt liebevoll genannt wurde, erholte sich zusehends, und nach drei Tagen war er soweit, dass man an seine Entlassung denken konnte. Doch wohin? Und: Wer würde die Kosten übernehmen? Konnte er Gasteltern zugemutet werden, jetzt, wo er noch kein Wort verstand? Wie würde er sich entwickeln? Vielleicht zu einem Cyber-Monster? Da hatte man schon die erstaunlichsten Dinge erlebt!
      Da kam jemand auf die nützliche Idee, doch erst einmal, bevor man sich weiter den Kopf zerbreche, Hasis ausländerrechtlichen Status feststellen zu lassen. Schwester Maria rief in ihrer Mittagspause in der Bundesanstalt für Ausländer und Migration, kurz BaMf, an und schilderte den Fall.
      Die Sachbearbeiterin, nachdem sie eine Weile still nachgedacht hatte, meinte, bei der Person handele es sich ihrer Einschätzung nach um einen umF, der unter dem –
      „Um einen was?“, unterbrach Schwerster Maria verdutzt.
      „– um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus einem Nicht-EU-Staat“, fuhr die Dame, offenbar über so viel Unwissenheit verärgert, mit spitzer Stimme fort. Damit stehe er unter dem Schutz der UN-Kinderrechts-Konvention von 1989, so die Dame weiter, und habe Anspruch auf angemessene Unterbringung und, da er schulpflichtig sei, auf geeignete Beschulung. Sie empfahl, als nächsten Schritt die LSB, die Landesschulbehörde, zu informieren zwecks Erstellung eines Förderbedarfsgutachtens. Ob es sich um den Jungen handele, von dem alle Welt rede, fragte sie noch. Schwester Maria bejahte. Dann sei ja wohl eine Familienzusammenführung schlecht möglich, ließ sich die Dame vernehmen, und es müsse schleunigst ein amtlicher Betreuer bestellt werden.
      Die Landesschulbehörde wurde in Kenntnis gesetzt, und einige Tage später erschienen eine Dame und ein Herr, die sich als Mitglieder der Förderkommission auswiesen. Sie legten dem umF vom Ufo, wie Hasetépeté von der Boulevardpresse jetzt genannt wurde, mehrere Intelligenztests vor und schieden mit dem Eindruck, einen vollständigen Idioten vor sich zu haben. Deshalb regten sie seine Unterbringung in einer speziellen Einrichtung des Roten Kreuzes für betreutes Wohnen an.
      Als Schwester Maria dies erfuhr, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und rief: „Nur über meine Leiche! Ich lasse das Jungche doch nicht mit Drogensüchtigen und Essgestörten zusammen in einen Raum! Ach, das arme Jungche!“
      Nun, soweit war es noch nicht, die Verfahren benötigten Zeit und zogen sich hin. Hasi logierte weiterhin in seinem Zimmer im Klinikum, von Schwester Maria, die ihn mittlerweile in ihr weites Herz geschlossen hatte, treu umsorgt. Sie war auch die einzige Person, die er näher an sich heran ließ. Ansonsten wirkte er scheu und in sich gekehrt. Seine Zeit verbrachte er mit wenigen Unterbrechungen auf der Liege, Tag und Nacht mit halb geschlossenen Augen vor sich hindösend. Den üblichen Zeitvertreib von Knaben seines Alters verschmähte er. Auch die Bilderbücher und Comics aus den Wartezimmern, die ihm die Schwester ab und zu brachte, ließ er verächtlich links liegen.

      Es schien tatsächlich, als habe er keinerlei geistige Interessen.
      Da kam dem Sprachwissenschaftler, dessen Genesung nur sehr langsam voranschritt, nach durchwachter Nacht eine bizarre Idee. Wenn Hasis Herkunft außerirdischer Natur ist – und daran besteht nach den Röntgenbildern kein Zweifel –, grübelte er morgens um vier, dann besitzt er möglicherweise auch eine Intelligenz, die sich nicht nach irdischen Maßstäben beurteilen lässt. Vielleicht sei dieser angebliche Idiot ja gar kein Idiot, sondern ein Wesen mit uraltem, unbekanntem Wissen.

      Wie elektrisiert fuhr er hoch.

      Die Idee war zwar fantastisch, aber auch zu verlockend, um nicht sofort in die Tat umgesetzt zu werden. Er schrieb seiner Frau eine Mail, sie möge ihm doch noch heute das Heft mit dem Stein von Trouette vorbeibringen.
      Hoffnungsvoll, fast beglückt, ließ er sich wieder zurück in die Kissen sinken. Vergeblich versuchte er, die Siegesfantasien, die jetzt auf ihn einstürmten, als verfrüht zurückzuweisen. Schließlich erlag er und gab sich ihnen genüsslich hin. Wie oft hatte er davon geträumt, die geheimnisvollen Schriftzeichen entziffert zu haben und unsterblichen Ruhm zu ernten. Wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland hatten es versucht und sich daran erfolglos die Zähne ausgebissen... Schon sah er sich mit bescheidenem Lächeln die Glückwünsche der Kolleginnen und Kollegen entgegennehmen, sah seine Frau, wie sie ihn vor allen Leuten umarmte und einen Kuss auf die hohe Denkerstirn drückte, sah andere, auch neidische Blicke, sah das Blitzlichtgewitter der Fotografen... Vor seinem inneren Auge tauchten die dicken schwarzen Headlines der Boulevardpresse auf... Vor allem aber sah er die Überschrift in 'Science of Europe': „Rätsel um Stein von Trouette endlich gelöst!“ Darunter ein Bild des Steins, daneben SEIN Foto, und dann ein langer Artikel... Es wäre die Krönung seiner Karriere gewesen.
      Schließlich schlief er ein, ermüdet von so viel berauschender Perspektive.

      *
      Nachdem seine Frau wieder gegangen war, ließ der Professor Schwester Maria kommen und bat sie, das Heft mit der Abbildung des Steins offen auf Hasis Tisch zu legen und, wenn möglich, unauffällig seine Reaktion zu beobachten. Schon nach wenigen Minuten kehrte sie aufgeregt zurück und berichtete, Hasi sei, kaum dass er das Foto gesehen habe, in helles Entzücken ausgebrochen und habe in seiner Sprache geredet. Dabei habe er das Heft interessiert durchgeblättert, sei aber immer wieder zur Seite mit dem Stein zurückgekehrt. Dann sei er auf einmal aufgesprungen, habe in der Kiste mit den Spielsachen gewühlt, einen Esel und eine Barbiepuppe herausgenommen und neben das Heft auf den Tisch gestellt. Dabei habe er aufgeregt auf zwei Zeichen auf dem Stein gedeutet. „Er hat die Zeichen für Pferd und Jungfrau erkannt“, rief sie überglücklich, „also ist er alles andere als ein Idiot, der Gutste!“
      Der Professor lächelte süß-sauer. Diese Erkenntnis hätte er gerne selber verkündet. „Ob er geistig normal ist, dazu erlaube ich mir noch kein Urteil“, sagte er schmallippig. „Wir müssen erst sein kognitives Potential erkunden. Sagen Sie“ – er blickte die Schwester ernst an – „haben Sie sonst noch jemanden von dieser... ähem... Entdeckung erzählt?“
      „I woher denn! Ich bin doch sofort zu Ihnen gerannt!“
      „Das ist gut so. Das Beste wird sein, es bleibt unter uns. Sowie die Presse davon erfährt, ist hier der Teufel los, und ich glaube nicht, dass Hasi dem Ansturm gewachsen sein wird, von der Klinik mal ganz abgesehen. Also, Schwester, kein Wort zu irgendjemanden! Alles andere überlassen Sie bitte mir.“
      „Was haben Sie denn mit Hasi vor?“
      „Ich weiß er noch nicht, denke aber –“
      „Schwester Maria bitte sofort ins Schwesternzimmer!“ Die Stimme im Lautsprecher klang nicht sehr freundlich.


      Forts. folgt
    • Ich finde das mit dem Salz am Ende sehr interessant. Aber die medizinischen Vorgänge um den Jungen herum lesen sich seltsam. Ich denke du solltest dich vielleicht mehr damit auseinandersetzen was in einer Notaufnahmen passiert und welche Prioritäten behandelnde Ärzte haben.

      Meiner Erfahrung nach findet man bei Nachforschungen noch etliche interessante Details zum Thema an die man vorher nicht gedacht hat.

      Ich würde auch einen leblosen Körper nicht als „Leiche“ bezeichnen wenn noch versucht wird ihn wieder zu beleben. Sonst gibst du doch gleich preis dass es nicht klappt. Dasselbe mit „vermeintlicher“ Tod. Wenn man das liest ist doch sofort klar dass er später wieder auf steht.

      Akzente würde ich nicht ausschreiben. Meiner unbedeutenden Meinung nach ist das leicht beleidigend für die Leute die so reden, weil`s wirkt als würdest du deren Dialog nicht wie eine echte Sprache behandeln. Schreib vielleicht lieber „…sagte er mit dickem Plattdeutschen Akzent.“
      „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
      -Feron
    • Spoiler anzeigen

      McFee schrieb:

      Ein Junge steht von den Toten wieder auf, ein Müllwerker entdeckt Körper mit abgeschnittenen Köpfen, ein Mann stürzt in einen Schacht und entdeckt einen Schatz, ein grünes Ei fährt in den Himmel auf – es geschehen seltsame Dinge in und um das beschauliche Städtchen Lunenborg. Und dann gibt es auch noch einen Kampf, einen Kampf mit unerhörten, auf der Erde noch nie da gewesenen Mitteln...
      Wird das sowas wie "Torchwood" oder "Akte X"? Ich weiß auch nicht, ob man bereits als Einleitung die Fälle und (voraussichtlich) wichtigen Ereignisse aufzählen sollte. Das könnte eventuell die Erwartungen unerwünscht höherdrücken. :hmm:

      McFee schrieb:

      Der Jogger bog das Gebüsch auseinander, um besser sehen zu können. Deutlich erkannte er zwei Füße, die aus dem Schilf ragten. Er zog sein Handy hervor und alarmierte den Rettungsdienst und die Polizei.
      Man schrieb Mittwoch, den 6. April. Über dem Kalkbergsee lag eine bleigraue Wolkendecke. Zeit: 8 Uhr 27. Temperatur: Luft 12, Wasser: 6 Grad Celsius.
      Ich persönlich hätte die Daten als kleine Schlagzeile an den Textanfang gesetzt. Quasi wie in einem Bericht. Dann fände ich es nicht so störend und deplaziert.

      McFee schrieb:

      Der Rettungsdienst traf noch vor der Kriminalpolizei ein und holte die Leiche aus dem Röhricht. Sofort begannen zwei Sanitäter mit Wiederbelebungsmaßnahmen.
      Was @Feron schon angesprochen hat. Für mich bedeutet Leiche auch, dass man keine großartigen Wiederbelebungsmaßnahmen mehr durchführt. Denn so wie du es hier schreibst, wäre entweder jede bewusstlose Person sofort eine Leiche oder man würde bei jeder Leiche Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, auch wenn man weiß, dass die Person tatsächlich tot ist. Man könnte ja schreiben "vermutlich Tote" oder so ähnlich. :hmm:

      McFee schrieb:

      Doch ihre Bemühungen waren vergeblich; der Patient zeigte auch nach Gabe fließenden Sauerstoffs und intensiver Herzdruckmassage weder Atmung noch Puls, und da er völlig unterkühlt war, ging der Notarzt davon aus, dass bei dem Knaben, den er trotz seiner außergewöhnlichen Größe auf etwa zwölf Jahre schätzte, jede Hilfe zu spät kam.
      Wenn das "Leiche" drin bleibt, finde ich diesen Abschnitt quasi überflüssig, da man eigentlich davon ausgeht, dass die Leiche tot bleiben wird.

      McFee schrieb:

      Der vermeintlich Tote wurde in den Rettungswagen gelegt und sicherheitshalber zwecks weiterer Untersuchungen ins städtische Klinikum gebracht, das bereits verständigt worden war.
      Hat @Feron auch schon angemerkt. Unter "vermeintlich" verstehe ich, dass man es annimmt oder meint, aber es nicht unbedingt so sein muss. Und dies dort anzuwenden, deutet ja schon daraufhin, dass der Tote gar nicht tot ist, sondern bald wieder leben könnte. Nur "Tote" reicht denke ich hier vollkommen aus. Vielleicht könnte man noch eine "falsche Fährte" legen, um dem Leser Spielraum für weitere/eigene Vermutungen zu geben. Vielleicht hat er Schnittverletzungen oder Prellungen?

      McFee schrieb:

      „Ich denk´ der is daut“, sagte der eine, über die Bahre gebeugt. Er kratzte sich am Kopf. „Issa dat?“, fragte er den Sanitäter, der gerade hinter dem Wagen erschien. Der warf einen Blick hinein und sagte: „Jau, dat issa.“
      Der angeblich tote Junge blickte die beiden Männer mit großen, verängstigten Augen an.
      Einen Augenblick geschah nichts; zu groß war das Erstaunen. Dann zogen die Helfer die Bahre mit dem Jungen eilig aus dem Wagen und schoben sie und in die Notaufnahme.
      1. finde ich das mit dem Dialekt an sich nicht sonderlich schlimm, aber da es direkt in der ersten Wörtlichen Rede auftaucht, ging ich davon aus, dass nun der Großteil (und das auch konsequent durch den Text) in diesem Dialekt sprechen wird. Aber das tritt nicht ein. Mal sprechen sie hochdeutsch, mal so.
      2. war ich etwas irritiert, ob der eine (Bahrenträger)(Der den Sanitäter fragt), mit dem "Issa dat?" meinte, ob er tot sei oder ob es diese gewisse Person sei.

      McFee schrieb:

      Da es Essenszeit war, setzte man dem Knaben in der Annahme, er müsse hungrig sein, den Mittagstisch vor.
      Ich glaube nicht, dass man in solch einem Fall auf die Essenszeiten achten würde. Es gäbe bestimmt auch außerhalb der geregelten Essenszeiten etwas zu essen. Für mich liest sich das halt so, als hätte man ihm nichts zu essen gegeben, wenn es keine Essenszeit gewesen wäre. Und das glaube ich nicht. :hmm:

      McFee schrieb:

      Doch jetzt geschah etwas Überraschendes. Schwester Maria war an die Liege getreten und tätschelte dem Knaben die Wange. Plötzlich drehte der den Kopf und begann, an Marias Hand zu lecken.
      In das erstaunte Schweigen hinein rief die Schwester: „Das ist es! Er leckt Salz!“
      Das mit dem Salz verstehe ich nicht ganz. Ich meine, gibt man den Patienten nicht erstmal prohylaktisch eine Kochsalzlösung? :hmm: (Oder ist das wieder nur dieses serientypische Vorgehen? :pardon: )

      McFee schrieb:

      Wie würde er sich entwickeln? Vielleicht zu einem Cyber-Monster? Da hatte man schon die erstaunlichsten Dinge erlebt!
      Ist das jetzt ein Spoiler? :huh:

      McFee schrieb:

      Schwester Maria rief in ihrer Mittagspause in der Bundesanstalt für Ausländer und Migration, kurz BaMf, an und schilderte den Fall.
      Die Sachbearbeiterin, nachdem sie eine Weile still nachgedacht hatte, meinte, bei der Person handele es sich ihrer Einschätzung nach um einen umF, der unter dem –
      „Um einen was?“, unterbrach Schwerster Maria verdutzt.
      „– um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus einem Nicht-EU-Staat“, fuhr die Dame, offenbar über so viel Unwissenheit verärgert, mit spitzer Stimme fort. Damit stehe er unter dem Schutz der UN-Kinderrechts-Konvention von 1989, so die Dame weiter, und habe Anspruch auf angemessene Unterbringung und, da er schulpflichtig sei, auf geeignete Beschulung. Sie empfahl, als nächsten Schritt die LSB, die Landesschulbehörde, zu informieren zwecks Erstellung eines Förderbedarfsgutachtens.
      Ganz ehrlich? Mich stört dieses Fachgesimpel unheimlich! Ich selbst habe es in meiner Geschichte schon recht häufig eingebaut und da wurde es mir auch immer angekreidet. Gesetze und Beschlüsse interessieren den Leser in den meisten Fällen recht wenig.

      McFee schrieb:

      Sie legten dem umF vom Ufo, wie Hasetépeté von der Boulevardpresse jetzt genannt wurde, mehrere Intelligenztests vor und schieden mit dem Eindruck, einen vollständigen Idioten vor sich zu haben.
      Wird man dann wirklich amtlich als "vollständiger Idiot" bezeichnet? :huh: Ich hätte jetzt eher an "geistig stark unterentwickelt" oder "zurückgeblieben" gedacht.

      McFee schrieb:

      Stein von Trouette
      Nicht zu verwechseln mit Tourette! :pleasantry:

      Mich haute dieses distanzierte Erzählerische kombiniert mit der direkten personenbezogenen Sicht stellenweise etwas raus und ließ mich stutzen. Das ist für mich ein sehr starker Bruch, dem ich nicht sehr lange folgen wollen würde. Es verwirrt manchmal extrem, ob es nun doch zur wörtlichen Rede danach gehörte, oder doch eher aus dritter Sicht gezeigt war. Es ist ja nicht mal so, dass man es als indirekte Rede ansehen könnte, weil ja nie erwähnt wird, dass es einer gesagt hat. Vielmehr wird erst in der direkten Rede hinzugefügt, dass das davor aufgeführte auch zu den Gedanken und Äußerungen der entsprechenden Personen gehörte.
      Vielleicht da nochmal etwas mehr drauf achten, dass du die Sichten nicht zu sehr mixt. Und ein paar mehr Beschreibungen könnten auch nicht schaden, aber bisher war es noch ausreichend, da es noch kein komplexes Setting war.
      Aber an sich finde ich die Geschichte echt gut von der Idee her. Und wenn es wirklich mehrere kleine Ereignisse werden, dann kann das noch richtig interessant werden! Ich glaube nicht, dass der Junge ein Außerirdischer ist, denn das wäre ja irgendwie zu einfach. Mal sehen, ob meine Erwartungen erfüllt werden oder vielleicht sogar übertroffen.

      Ich bleibe auf jeden Fall dran! :alien:
      Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

      -Albert Einstein-
      ___________________
      Helios III (Arbeitstitel)
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      Purpur
      --------
      Big City Life
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      Mana
    • Neu

      Ich habe gerade ausführlich geantwortet. Jetzt ist es weg. Hab keine Lust, das allen nochmal einzutippen, versichere aber, allen Verbesserungsvorschlägen sorgfältig nachzugehen.
      Außerdem habe ich bei der Fortsetzung den falschen Button gedrückt. Sorry!


      4
      Der Professor, von einem auf den anderen Tag fast vollständig gesund, setzte noch vor seiner Entlassung alle Hebel in Bewegung, um sein Ziel zu erreichen. Er rief in seinem Institut an und ließ ein Zimmer für Hasi herrichten. Dann beauftragte er eine seiner Assistentinnen, sich nach einer geeigneten Sprachheilpädagogin umzusehen, die Kosten werde er übernehmen. Als er bei der Klinikleitung zwecks Umsiedlung des Patienten Hasetépeté vorstellig wurde, rannte er offene Türen ein. Er habe gerade mit einer spezialisierten Einrichtung des Roten Kreuzes in dieser Angelegenheit telefoniert, sagte der zuständige Manager, doch dort sei gerade kein Platz frei, und man benötige den Raum dringendst für andere Zwecke.
      Schwester Maria brachte Hasi, der das Heft mit dem Stein nicht aus der Hand gab, mit Tränen in den Augen in das Institut des Professors, und schon zwei Tage später, um fünf Uhr nachmittags, begann eine Lehrerin der Förderschule für Sprachbehinderte Am roten Turm mit dem Unterricht.
      Der Pädagogin, eine rundliche, freundliche Frau, versuchte in mühevoller Kleinarbeit, dem Knaben die Silben und Worte der Landessprache mit den entsprechenden Gegenständen zu verinnerlichen. Mithilfe verschiedener Medien zur Darstellung von Bildern und Bewegungsabläufen bemühte sie sie sich, ihrem Schüler eine Ahnung von die Ideen, die sich hinter den Dingen verbergen, zu vermitteln.
      Zunächst waren ihre Bemühungen jedoch nicht sonderlich von Erfolg gekrönt. So scheiterte ihr Versuch, eine Verbindung mit dem Wort 'Hase' und Hasis Person herzustellen. Schließlich wurde ein anerkannter Semantiker hinzugezogen, ein würdiger, eisgrauer Herr, dessen Aufgabe darin bestand, eine gehirnmäßige Verknüpfung zwischen den Tätigkeiten des Alltags und der grammatikalischen Satzlehre zu erreichen. Dabei nun erwies sich Hasi als erstaunlich gelehrig. Schon nach vierzehn Tagen konnten die Pädagogen mit ihrem Schüler einfache Gespräche führen, und weitere acht Tage später war er schon in der Lage, den Inhalt eines Zeitungsartikels wiederzugeben.
      Zwei Tage später sprach er fließend.
      Die freundliche Lehrerin umarmte ihren Schüler und begann, sich mit ihm zu unterhalten.

      Was für ein hübscher Junge er doch sei.
      Hasi schwieg.
      Wie alt er denn sei.
      „Was heißt alt?“, fragte Nasi mit seiner gläsernen Stimme.
      Die Frau rang nach Worten. Sie hatte schon vor vielen Problemen gestanden, aber noch nie vor dem, jemanden zu erklären, was 'alt' bedeutete. Sie sagte: „Ich bin alt, du bist jung.“
      Hasi schüttelte den Kopf. „Was heißt jung?“
      Frau Michaelis ging zur nächsten Frage über. Wo sich seine Eltern aufhielten.
      Der Junge blickte sie mit großen Augen an. „Eltern?“
      Frau Michaelis erklärte: „Ich bin eine Mutter, Herr Hutschenreiter“ – der eisgraue Semantiker – „ist ein Vater, und du bist ein Kind.“
      Wieder schüttelte Hasi verständnislos den Kopf. „Ich bin Hasetépeté, kein Kind.“
      Die Pädagogin nahm ihre gesamten mentalen Kräfte zusammen, um nicht auszurasten. Mutig versuchte sie einen neuen Anlauf. „Kind ist kein Name, sondern das Ergebnis, wenn sich ein Mann und eine Frau, die sich lieben... äh... zusammentun... und... äh...“
      Hasetépeté ließ den Kopf hängen und verlangte nach einem Glas Salzwasser.
      Jetzt sprang Herr Hutschenreiter ein. Ob sich Hasetépeté wenigstens daran erinnern könne, wie er in den Kalkbergsee geraten sei, fragte er.
      Nein, konnte er nicht. Er konnte sich auch nicht erinnern, was vorher gewesen sei. Seine früheste Wahrnehmung waren die beiden weißen Männer.
      Die Pädagogen schwiegen. Es war sinnlos.
      Der Professor hatte im Hintergrund gesessen und die Befragung aufmerksam verfolgt. Jetzt räusperte er sich und sagte: „Hasi, mein Sohn, eine letzte Frage noch, bitte. Woher kennst du denn die Schriftzeichen auf dem Stein so genau, wenn du dich an nichts erinnern kannst, was vorher war?“
      „Ich kennen sie eben“, antwortete Hasi ohne nachzudenken, „aber ich weiß nicht, warum.“
      Der Professor rieb sich zufrieden die Hände. Wie begriffsstutzig sich dieses seltsame Wesen sonst auch anstellen mochte, endlich konnte mit der Entzifferung des Steins von Trouette begonnen werden.
      5

      Die Entschleierung des Rätsels vom Trouette-Stein löste nicht nur in Fachkreisen weltweites Aufsehen aus. Eines der sieben Welträtsel war endlich gelöst! Der Professor wurde mit Ehrungen überhäuft – nun ja, ganz wohl war ihm dabei nicht, denn schließlich war die Weisheit nicht auf seinem Mist gewachsen. Zunächst musste er aber nicht damit rechnen, dass seine Schummelei entdeckt wurde, zu groß war das Erstaunen über den Inhalt des Textes. Doch sicherheitshalber ließ er verbreiten, er habe aus einer Quelle, deren Identität er nicht preisgeben könne, nützliche Hinweise erhalten.
      Die Experten rieben sich verwundert die Augen. Was stand da?
      Vor hunderttausend terrestrischen Jahren hatten Vertreter eines Sterns namens Hasetépe die Erde besucht, sie aber, weil sie keine intelligenten Lebewesen vorfanden, sondern nur zottide Zweibeiner, die mit primitiven Wurfspeeren hinter Beutetieren her rannten und sich Grunzlaute zuriefen, enttäuscht wieder verlassen. Zum Beweis ihres Besuchs hatten sie auf einer Insel im Meer am Doppelten Land Steinfiguren errichtet, deren Nasen genau in die Richtung ihres Heimatplaneten wiesen.
      Mit Esel und Barbiepuppe waren also Beutetier und Jäger gemeint.
      Und dann stand da noch die Ankündigung ihrer Wiederkehr im – hier war der Stein stark beschädigt – des Großen Unglücks – mehr war nicht zu erkennen
      Alte Rätsel waren gelöst, doch schon türmten sich auf neue auf.
      Gelöst war zunächst das Rätsel um Hasetépetés Namen. Er bedeutete also, frei übersetzt, so etwas wie Erdling.
      Dann war das Geheimnis der Moai, der Kollossalstatuen der Osterinsel, deren Alter man offenbar total falsch eingeschätzt hatte, endlich gelüftet. Man richtete das größte bewegliche Radioteleskop der Welt in Virginia, USA, nach den Nasen der Moai aus und erkannte eine Radioquelle in fünfzig Lichtjahren Entfernung, die in unregelmäßigen Abständen SOS-artige Signale sendete, in denen man schon lange eine Botschaft vermutete.
      Doch was war mit dem Großen Unglück gemeint? Große Unglücke hatte es auf der Welt genug gegeben, Kriege, Kernschmelzen in Atomkraftwerken, Hungersnöte, Epidemien, verheerende Überschwemmungen... Doch noch nie waren Außerirdische erschienen... Stand möglicherweise wieder eine weltweite Katastrophe bevor?
      Die Medien überschlugen sich in der Verbreitung von Weltuntergangs-Szenarien. Für einige sollte die Welt schon am ersten Mai, für andere erst an Silvester untergehen. Die Börsenkurse rutschten in den Keller, Gold haussierte, Immobilien konnten zu Schleuderpreisen erworben werden. Der US-amerikanische Präsident twitterte, er halte die ganze Angelegenheit für eine verbrecherischen Akt einer feindlichen Macht – hier nannte er auch einen Namen – um seinem Land zu schaden und kündigte umgehend entschiedene Gegenmaßnahmen an. Diesen so genannten Stein, twitterte er weiter, habe es nie gegeben, die Berichterstattung darüber sei Fake News und zeige das ganze Ausmaß der Verlogenheit der so genannten freien Presse.
      Daraufhin haussierte die Börse, Gold fallierte, die Immobilienpreise gingen durch die Decke. Diejenigen, die das Gequatsche um den Weltuntergang nicht gekümmert hatten, lehnten sich zufrieden zurück. Sie hatten an dem Trubel kräftig verdient.

      *
      Der Verursacher des Wirbels jedoch bekam davon nichts mit. Er saß in seinem stillen Kämmerlein und versuchte, die Signale zu entschlüsseln, die schon seit etwas fünfzig Jahren vor der Radioquelle Sagittarius Beta III, seines vermutlichen Heimatplaneten Hasetépe, ausgesendet wurden. Immer wieder hörte er das Tondokument ab, das der Leiter des Radioteleskops Effelsberg, Eifel, dem Professor zugeschickt hatte. Mehrmals schüttelte er den Kopf, er strich durch und schrieb erneut. Schließlich stellte er das Gerät ab und versank in grüblerisches Nachdenken.
      Die Nachricht bestand im Großen und Ganzen aus dem, was schon auf dem Stein stand. Allerdings mit dem Zusatz: Das Große Unglück sei nun eingetreten, der König sei verschwunden. Man werde jetzt wiederkommen und hoffe, eine verständige Zivilisation vorzufinden, die bei der Suche nach dem König behilflich sein könne.
      Hasetépeté war er sich nicht sicher, ob 'König' das richtige Wort war, aber er fand kein besseres. Jedenfalls war eine bedeutende, staatstragende Persönlichkeit mit integrativer Kraft gemeint.
      Die Weltgemeinschaft atmete auf. Also handelte es sich bei dem Großen Unglück nicht um ein irdisches, sondern um ein außerirdisches Ereignis. Alles weitere werde sich schon finden.

      6

      Inzwischen hatte das Jugendamt in der Universität angerufen und die Unterbringung des 'umF Hasetepeete' in einer spezialisierten Einrichtung der Stadt, in der überraschend ein Platz frei geworden war, angekündigt. Sofort wurden die beiden Pädagogen bei dieser Behörde vorstellig und trugen vor, dass es sich bei diesem Jungen um eine Person mit außerordentlich hoher Intelligenz handele. Dies und sein zerbrechlich wirkendes Wesen verböten es, ihn mit sozial auffälligen Jugendlichen zusammenzubringen.
      Der Beamte hörte diese Rede interessiert und nicht ohne Wohlwollen an. Die Warteliste für die städtische Einrichtung war lang.
      „Na gut“, sagte er, „kommen Sie mit dem Jungen vorbei, damit ich mir ein Bild machen kann. Nötigenfalls werden wir einen Gutachter einschalten. Aber die Hürden sind hoch.“
      „Das wird nicht gehen“, sagte der Semantiker.
      „Was wird nicht gehen?“
      „Wir können mit dem Jungen nicht vorbeikommen.“
      Der Beamte zog die Augenbrauen hoch. „Und warum nicht, wenn ich fragen darf?“
      „Der Junge weigert sich, auch nur einen Schritt aus seinem Zimmer zu tun. Es sei denn, ein dringendes Bedürfnis zwingt ihn dazu. Und Gewalt anwenden wollen wir ihn nicht.“
      Der Beamte blätterte in seinem Terminkalender. Es war ihm anzusehen, dass er eine Unregelmäßigkeit witterte. Schließlich sagte er: „Schön. Ich komme selbst und sehe mir den Jungen an. Wie heißt er? Hasetépeté... hmm... Mit Doppel-E oder Akzent? Also mit Akzent. Wann wäre es Ihnen recht? Gut, also Donnerstag, elf Uhr.“
      Dank Schwester Marias mütterlicher Überredungskunst fand die Überprüfung nicht in Hasetépetés engem Zimmer, sondern in einem Seminarraum statt.
      Der Vertreter des Jugendamtes hatte offenbar einen schlechten Tag erwischt, denn Hasetépeté erwies sich als ausgesprochen maulfaul. Auf die Fragen des Beamten antwortete er nur widerwillig oder gar nicht. Auch Schwester Maria, die neben ihm saß und ihm mehrmals zuzischte: „Nun rede doch endlich!“ erreichte nichts. Es war offensichtlich: Er mauerte. Schließlich kroch er auf seinem Stuhl in sich zusammen und starrte unter halb geschlossenen Lidern auf eine Stelle neben der Tür.
      Der Vertreter des Jugendamtes versuchte noch eine Weile geduldig, mit Hasetépeté ins Gespräch zu kommen, dann klappte er missmutig seine Mappe zu. „Tja“, sagte er und blickte in die Runde, „es bleibt also bei der geplanten Unterbringung in der von mir vorgeschlagenen Einrichtung. Hier kann der junge Mann auf keinen Fall bleiben, ich käme sonst in Teufels Küche. Tut mir aufrichtig Leid. Nach diesem enttäuschenden –“
      Plötzlich richtete sich Hasetépeté auf und rief: „Zweihundertneunundachtzig gleich siebzehn hoch zwei minus sechs hoch zwei!“
      Alle Blicke richteten sich verblüfft auf den Jungen. Der war wie verwandelt, in seinen Augen lag ein eigenartiger grüner Glanz. Er verlangte nach Papier, Bleistift, Lineal und begann aufgeregt das Blatt, das ihm Frau Michaelis in die Hand drückte, mit mit Linien und Zahlen zu bedecken. Als er damit fertig war, hielt er dem Vertreter des Jugendamtes das Blatt hin und sagte: „Reicht das?“
      Der Mann blickte die beiden Pädagogen hilflos an. „Ich verstehe nicht“, sagte er, „was soll das?“ Er machte Anstalten, sich zu erheben.
      „Herr Holznagel, bitte blieben Sie“, bat Schwester Maria. Ihre Augen strahlten. „Hasi hat gerade ein Beispiel seines Könnens abgeliefert.“
      Diese Bemerkung machte die Verwirrung noch größer.
      „Ich habe“, fuhr sie fort, „in den letzten Minuten seinen Blick verfolgt. Hasi starrte nicht ins Leere, sondern auf den Flurplan mit den Fluchtwegen, der da deutlich sichtbar neben der Tür hängt. Seien Sie doch so nett, Herr Holznagel, und vergleichen Sie!“
      Doch der Semantiker stand schon mit dem Zettel in der Hand neben der Tür. „Unglaublich!“ rief er nach einer Weile, „da fehlt nicht die geringste Kleinigkeit! Auch die Zahlen stimmen!“ Er setzte sich wieder und blickte den Jungen bewundernd an. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Bravo!“
      Auch in Herrn Holznagel kam Bewegung. „Hasetépeté, du erwähntest vorhin eine Reihe von Zahlen“, sagte er freundlich, „hat das einen bestimmten Grund?“
      „Die Quadratmeter der Zimmer ergeben zusammen die Zahl 289“, erklärte Hasi, „diese wiederum setzt sich aus den Quadratzahlen 17 hoch 2 minus 6 hoch 2 zusammen.“
      Als erster fasste sich Herr Hutschenreiter, der Semantiker. „Hast du den Plan vorher schon einmal gesehen?“, fragte er.
      „Ja, vor vierzehn Tagen, als ich hergebracht wurde. Und eben, als ich ihn wieder sah, habe ich mich wieder an ihn erinnert.“
      „Das machen Sie ihm mal nach, mein Gutster, so aus dem Gopf diesen gomplizierten Plan zu zeichnen!“, rief Schwester Maria. Sie sah Hutschenreiter siegessicher an.
      „Gut, gut“, ließ sich der Vertreter des Jugendamtes jetzt vernehmen, „ich denke, das reicht tatsächlich. Anscheinend hat Hasetépeté ein eidetisches Gedächtnis verbunden mit besonderer mathematischer Begabung. Dann wäre die Solomon-Sherensky-Schule für ihn das Richtige. Ich kümmere mich darum.“
      7

      Nur auf Schwester Marias mehrfache Versicherungen hin, ihn jeden Tag zu besuchen, ließ sich Hasetépeté zum Besuch der Solomon-Sherensky-Schule überreden. Um ihn vor sensationslüsternen Reportern zu schützen, geschah dies in aller Heimlichkeit und mit falschem Namen. Von nun an nannte er sich Sören.
      Es war eigenartig: Am liebsten hätte Sören, wie er dem Professor gestand, weiter in seiner Kammer gesessen und an dem Projekt gearbeitet. Der Drang anderer Hochbegabter nach Förderung und Vergleich schien ihm völlig fremd. Ehrgeiz kannte er offensichtlich nicht. Es blieb auch rätselhaft, woher er sein Wissen bezog. Nie sah man ihn über irgendwelchen Büchern brüten oder im Internet surfen. Er wusste es einfach. So verblüffte er seinen Mathematiklehrer mit der Feststellung, dass die Laroche-Primzahl nicht am 17, wie der behauptete, sondern am 7. Dezember 2018 entdeckt wurde.
      Wenn ihn jemand fragte, woher er das alles wisse, wo man ihn doch nie studieren sähe, antwortete er, das wisse er nicht, er wisse es eben.

      Zwei Schülerinnen unterhielten sich.
      „Wie? Wovon ernährte sich dieser Knabe? Von fünfzig Gramm Steinsalz am Tag? Brrr! Wenn ich nur daran denke, wird mir schon schlecht. Kann man denn davon überhaupt leben?“
      „ Anscheinend ja. Aber schau ihn dir doch mal genau an. Schlank und durchsichtig wie eine Teichjungfer! Das reinste Luftkotelett!“
      „Nun ja, er bewegt sich ja kaum, der Gute. Sitzt nur da und arbeitet an seinem Projekt. Und von Sportunterricht ist er aus irgendeinem Grund ständig befreit.“
      „Und dann diese komische Stimme! Klingt, als hätte er Lachgas eingeatmet.“
      „Sieht aus, als käme er vom Mars. Apropos Projekt... weißt du zufällig, worum es sich dabei handelt? Scheint ne große Nummer zu sein, nach dem Wirbel, den sie darum machen.“
      „Hab sowas läuten hören... soll sich angeblich um ein Wörterbuch einer außerirdischen Sprache handeln.“
      „Außerirdische Sprache! Son Onk! Glaubst du das?“
      „Hmm... Zutrauen würd ichs ihm. Angeblich kennt er den Duden Seite für Seite auswendig und spricht mehrere tote Sprachen.“

      Ist es da ein Wunder, dass ihm seine Mitschüler mit einer gewissen Scheu begegneten?
      Was allerdings keinem auffiel, weil niemand einen Vergleich anstellen konnte: Seit ihn der Rettungsdienst aus dem Kalkbergsee gefischt hatte, hatte sich Hasetépeté – pardon: Sören nicht ein bisschen verändert, und das war nun schon ein knappes halbes Jahr her.
      *
      „Ich habe ja schon einiges an mathematischen Wunderkindern erlebt“, sagte Herr Hauschild, Sörens Mathelehrer, „aber dieser Knabe toppt sie alle. Im virtuellen Zahlenraum bewegt er sich besser als ich, das gebe ich zu, ohne mir einen Zacken aus der Krone zu brechen. Gestern kam er aufgeregt zu mir und verkündete stolz, die Berechnung der bisher höchsten Primzahl sei falsch.“
      „Und, ist sie es?“
      „Er tüftelt noch an seinem Beweis herum. Wenn er so weitermacht, dürfte Einstein bald Schweißperlen auf seinem Totenschädel bekommen. Was ich sagen will, ist dies: Dem Futter, das ich ihm hier laut Anstaltslehrplan vorsetzten darf, ist er haushoch überlegen. Sören benötigt entschieden kräftigere Kost.“
      „Dann erhöhen wir ihm doch die Salzkonzentration.“
      „Nein, das meine ich nicht.“
      „Woran denken Sie dann?“
      „Ein amerikanischer Milliardär hat gerade eine Million Dollar als Preisgeld für die Lösung des Riemannschen Problems ausgelobt. Sie wissen, worum es sich handelt, Herr Dr. Nissen?“
      „Hmm... nun ja... wenn ich ehrlich bin: Nicht wirklich.“
      „Die Riemannsche Vermutungbesagt, dass alle nichttrivialen Nullstellen der Zetafunktion auf einer Geraden in derZahlenebene parallel zur imaginären Achse liegen. Ob die Vermutung zutrifft oder nicht, ist eines der bedeutendsten ungelösten Probleme der Mathematik. Das Problem wird schon seit mehr als hundertfünfzig Jahren vergeblich beackert, sogar von Hobbymathematikern wie diesem Milliardär. Der Letzte, der von sich behauptete, er habe einen Beweis gefunden, war ein siebenundachtzig Jahre alter Engländer. Aber dieser Beweis gilt nicht als eindeutig. Sollte Sören einen wirklich eindeutigen Beweis liefern, könnte unsere Schule unsterblichen Ruhm erwerben, von dem Geld mal ganz abgesehen.“
      Der Schulleiter faltete die Hände zur Raute. „Klingt ausgesprochen verlockend, wie Sie das so sagen, Herr Hauschild. Und das trauen sie ihm zu? Ist das nicht eine Nummer zu groß für einen Zwölfjährigen?“
      Hauschild sprang auf. „Aber überhaupt nicht! Genie kennt kein Alter! Wenn nicht der Sören, dann schafft es keiner! Da gehe ich jede Wette ein!“
      Dr. Nissen, der Schulleiter, mit einem Schädel wie ein Ei, bestrich sich mit der Zunge die blutvollen Lippen. „Na was zögern Sie noch, mein lieber Kollege? Setzten Sie den Sören auf das Problem an!“
      „So ganz ohne Fachkonferenzbeschluss?“
      Herr Dr. Nissen stand auf und klopfte seinem 'lieben Kollegen' auf die Schulter. „Wird nachgeholt! Er wird das Problem ja nicht schon morgen früh gelöst haben. Oder?“
      *
      Es war ein nasskalter Novembermorgen. Dicker Nebel hüllte das Schulgelände ein, die Sicht betrug kaum zwanzig Meter. Die mächtigen Stämme der Kastanien rechts und links des Eingangs trieften vor Nässe.
      Sören saß in einer Bank des Klassenraumes, Notizblock und Bleistift vor sich. Herr Hauschild an der Tafel bemühte sich schon seit einiger Zeit, ihn in das Riemannsche Problem einzuführen. Dabei machte er den Fehler, es so zu erklären, wie er es Studenten erklärt haben würde: Mit allerlei Umwegen und kleinen Scherzen. Weiter hinten saßen einige Schüler und schauten zu.
      Nach einiger Zeit sagte Sören: „Herr Hauschild, bemühen Sie sich nicht mehr. Es reicht.“ Ein paar Sekunden kritzelte er in seinem Notizblock herum, dann stand er auf und verließ mit Notizblock und Bleistift den Raum, weil er, wie er sagte, im Freien besser nachdenken könne.
      Hauschild ging mit saurer Miene ins Lehrerzimmer. Das „Es reicht“ hatte ihn verärgert.
      Die Kollegen diskutierten die Chancen eines Erfolgs. Die Meinungen waren geteilt. Was Dutzenden der größten Mathematikern nicht gelungen sei, meinten die einen, könne ein Zwölfjähriger, so begabt er auch sei, nicht so einfach im Handumdrehen lösen.
      „Warum eigentlich nicht“, fragte ein anderer und setzte hinzu: „Wer die weltweit anerkannte Berechnung eines mathematischen Problems als falsch erkennt, der ist auch in der Lage, die noch unbekannte Lösung für ein anderes Problem zu finden.“
      In diesem Moment quietschten draußen auf der Straße Reifen, unmittelbar darauf erfolgte ein dumpfer Aufprall.
      Eine Sekunde herrschte unter den anwesenden Kollegen helles Entsetzen, dann liefen schon die ersten los.
      Der Schüler Sören alias Hasetépeté lag, von dem Aufprall mehrere Meter weit weg geschleudert, regungslos auf der Straße, den Zettel mit den Notizen in der Hand. Es war kein Blut zu sehen, nur eine glasklare Flüssigkeit, die aus seiner Seite sickerte. Wiederbelebungsversuche scheiterten, schon, weil man nicht wusste, welche Maßnahmen man anwenden sollte.
      Der Nebel war jetzt so dicht, dass sogar die hell erleuchteten Fenster der Schule kaum hindurchdrangen.
      Am selben Nachmittag erhielt Schwester Maria den Bescheid, ihr sei die Vormundschaft über den umF Hasetépeté zuerkannt worden.


      Wird fortgesetzt
    • Neu

      @McFee vielleicht beim nächsten Mal etetetetetwas weniger Text hochladen. :alien:
      Bisher finde ich die Geschichte rein von der Idee und von den Inhaltsinformationen (Informationsinhalt) sehr spannend und interessant. Obgleich ich von der Umsetzung weniger "erfreut" bin. :/ Es liest sich immer noch sehr plump und holprig. Vielleicht würde es schon helfen, wenn du die wörtliche Rede deutlicher ausarbeiten würdest und nicht stellenweise in indirekte wörtliche Rede umwandeln würdest. Du hast recht viele Flüchtigkeitsfehler drin, die man beim nochmaligen Lesen des Textes zum Großteil ausmerzen könnte. Und wieder hast du diesen Dialekt eingebaut, der wirklich nicht sein muss. :/
      Vielleicht hilft es ja, wenn du die einzelnen Szenen mehr aus- und viel mehr Beschreibungen und Gefühle in den Text einbaust. Ich würde ja zu gerne für Hasis Schicksal mitfühlen, aber bisher berührt es mich nur, weil ich mich gut in seine Situation hineinversetzen kann. Manch anderer wünscht sich aber bestimmt mehr Emotionen von den anderen (menschlichen) Charakteren und Personen. Nicht unbedingt mit ihm, sondern mehr untereinander.

      McFee schrieb:

      Und dann stand da noch die Ankündigung ihrer Wiederkehr im – hier war der Stein stark beschädigt – des Großen Unglücks – mehr war nicht zu erkennen

      McFee schrieb:

      Doch was war mit dem Großen Unglück gemeint? Große Unglücke hatte es auf der Welt genug gegeben, Kriege, Kernschmelzen in Atomkraftwerken, Hungersnöte, Epidemien, verheerende Überschwemmungen... Doch noch nie waren Außerirdische erschienen... Stand möglicherweise wieder eine weltweite Katastrophe bevor?
      Da mit dem Eintreffen eines großen Unglücks auch die Wiederkehr der Außerirdischen angekündigt wurde, ist es für mein Verständnis nur logisch, dass es sich dabei um KEIN irdisches oder geschichtliches Unglück handeln kann, denn diese Information wird ja frühestens in 50 Jahren von den Außerirdischen empfangen werden. Somit wäre die Wiederkehr sehr ungenau angegeben. An sich wäre für mein Verständnis ein kosmisches Ereignis in Form von einem Asteroideneinschlag oder Ähnlichem viel besser dafür geeignet, denn diese kann man ganz gut berechnen. Anderseits weiß ich natürlich (noch) nicht, wie genau diese Information an deren Planeten weitergegeben wird, oder wie genau sie das mit der Wiederkehr nach einem großen Unglück nehmen. Vielleicht könnten sie auch einfach nur auf gut Glück zur Erde reisen und in unserem Sonnensystem auf die nächste größere Katastrophe warten.
      Jedoch...

      McFee schrieb:

      Die Nachricht bestand im Großen und Ganzen aus dem, was schon auf dem Stein stand. Allerdings mit dem Zusatz: Das Große Unglück sei nun eingetreten, der König sei verschwunden. Man werde jetzt wiederkommen und hoffe, eine verständige Zivilisation vorzufinden, die bei der Suche nach dem König behilflich sein könne.
      Angenommen, bei diesem König handele es sich um ein lebendiges Wesen ähnlich Hasis, dann müsste der König ja noch mindestens 50+ Jahre alt werden können, vorrausgesetzt die Information gelangt NUR mit Lichtgeschwindigkeit zu deren Planeten. Was für Raumfahrttechnik die besitzen, weiß ich natürlich (noch) nicht. Vielleicht haben die ja auch bessere/schnellere Wege, solche langen Strecken binnen kürzerer Zeit zu überwinden.

      Bitte nicht falsch verstehen, @McFee! Das, was ich hier jetzt geschrieben habe, ist kein Ankreiden, sondern eher ein Denkanstoß. Was du am Ende daraus machst, ist vollkommen dir überlassen. Vielleicht ist das Setting ja auch mit höherer Fiction versehen, wie zum Beispiel Hyperantrieb, Slipstream und noch schneller. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. :alien:

      McFee schrieb:

      „Die Riemannsche Vermutungbesagt, dass alle nichttrivialen Nullstellen der Zetafunktion auf einer Geraden in derZahlenebene parallel zur imaginären Achse liegen. Ob die Vermutung zutrifft oder nicht, ist eines der bedeutendsten ungelösten Probleme der Mathematik. Das Problem wird schon seit mehr als hundertfünfzig Jahren vergeblich beackert, sogar von Hobbymathematikern
      Leider hat es genau das nicht zitiert, was ich eigentlich wollte. Die Wikipedia-Links! Ich finde, man sollte keine Links in den Fließtext einer Geschichte packen. Auch nicht, wenn sie von Mathematik oder generell von Wissenschaft handelt. Denn ich will ja, dass DU mir die Thematik erklärst und nicht irgendeine Wikipediaseite. Natürlich sollte die Thematik, die du erwähnst/erklären möchtest, auch wichtig für das Verstehen des Textes sein. In diesem Fall finde ich die Thematik an sich schon viel zu kompliziert für einen Laien auf diesem Gebiet. Es wirkt mir auch etwas unpassend eingebaut. Sicherlich, du wolltest damit die einzigartige Intelligenz Sörens (Hasis) verdeutlichen. Aber muss man das überhaupt nochmal, wenn man es schon ausreichend oft getan hat?
      Also wie gesagt: Von mir aus kann diese Textstelle so bleiben, aber die Links würde ich rausnehmen. Es ist schließlich keine Fachlektüre.


      Die Idee ist wirklich gut! Ich habe schon weitaus schlechtere Geschichten gelesen. Sowohl schreibtechnisch als auch inhaltlich. Aber ich finde, du schöpfst dein Potential absolut nicht aus! Traue dich mehr zum Detail!

      LG: Das blaue Alien! :alien:
      Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

      -Albert Einstein-
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      Helios III (Arbeitstitel)
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      Purpur
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      Big City Life
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      Mana