Das Erbe der Halthazar

  • Hallu, die nachfolgende Geschichte wurde als reines Hobby von mir geschrieben. Gut zehn Jahre ist es her mit der ersten Idee dazu und sie hat sich an vielen Stellen echt gut entwickelt, find ich, ist aber noch lange nicht perfekt xD
    Damit mein ich, dass ich nicht 100% zufrieden mit ihr bin, wie sie Momentan steht :whistling: , aber leider keine bessere Lösung im späteren Verlauf finde.
    Das erste Band ist ca 320 A4 Seiten Momentan lang mit Schriftgröße 12.
    Ich erhoffe mir, dass sich vllt ein paar Leser finden und kommentieren, die mir später auch noch weiterhelfen können, die Geschichte noch besser zu machen, sofern sich was finden lässt in der Richtung xD
    Meine größte Sorge ist, dass etwas nicht verstanden wird, weil ich als Autor den Durchblick habe und es aber nicht genug erkläre, auch wenn seit der letzten Überarbeitung haufenweise neue Erklärungen dazu gekommen sind. Es fühlt sich nie genug an :whistling:
    Voraussichtliche Posts mit weiteren Teilen ist derzeit auf 5 Tage angelegt. der Nächste etwas eher, weil 2 Seiten recht wenig Story sind xD
    Es wird sich sehr wahrscheinlich später verschieben, weil ich nicht unter Druck geraten will, posten zu müssen X/


    Einen herzlichen Dank an Rainbow schon an dieser Stelle. Sie hat mir beim Klappentext mit der Reihenfolge der Informationen geholfen und unwesentliches weggefiltert xD und letztlich hab ich ihn dann aber doch nochmals überarbeitet ein wenig. :whistling:



    Und bevor es mit dem ersten zweiseitigen Auszug losgeht (andere Teile werden länger. Hab mich für die Kürze wegen des Vorwortes und des Klappentextes entschieden und weil da der erste Cut so perfekt passt) nochmals danke an Rainbow, die durch ihre hilfreiche Kritik meinen Anfang verbessert hat, was die ersten 15 Seiten ca ausmacht. Und nicht zu vergessen Hellbonefrog/Bonefrog (irgendwie so), meinem Kumpel aus dem RL, der immer mit Rat zur Seite steht, wenn ich ihn was zur Logik der Story oder nach Formulierungen frage 8)


    So. Nu aber!






    Das Erbe der Halthazar



    Rette eine Stadt, werde ein Held.
    Rette ein Königreich, werde eine Legende.
    Verhindere den Weltuntergang, werde ein Sir!


    Zerstöre eine Stadt, werde ein Graf des Wahnsinns.
    Zerstöre ein Königreich, werde ein Schreckenslord.
    Vernichte die Welt, werde ein Narr!


    Mittags in Skossa.
    Jeder verlor augenblicklich die Fassung, der sich wagte das Osttor von Mittellands Hauptstadt Skossa zu passieren.
    Es war nicht das graue Tor, welches imposant und gewaltig genug war, um ein ganzes Haus zu verschlingen und ein echtes Gefühl von Sicherheit unter jenen verbreitete, die Skossa nach langer Reise zum ersten Mal betraten. Auch nicht das schwere Eisengitter, das fest auf dem Boden stand und jedem hämisch den Weg versperrte. Nicht einmal dass hunderte Menschen ungeduldig auf ihren Einlass einzeln warten mussten, brachte solch einen Effekt hervor. War es doch üblich für die Städte in Mittelland, dass nur die kleinen Nebentore mit Wachhaus geöffnet waren, wo lediglich ein Karren auf einmal Platz fand.
    Nein, was die Fassung aller beeinflusste war etwas Großartiges. Phänomenal und einzigartig.
    Auf den Ersten Blick war es nur eine Rüstung mit Plattenhelm die neben dem Tor seit kurzem an der Mauer stand. Die Rüstung bewegte sich nicht. Niemand wusste warum sie da stand. Sie zeigte der Welt nur kalt ihren Rücken und den hinteren Teil ihres Helmes. Anscheinend schien sie gegen die Mauer zu starren und tat, was eine Rüstung eben so tat. Nichts.
    Aber jeder der sie erblickte dem fuhr unweigerlich ein breites Lächeln über das Gesicht. Selbst ein Greis vom Eisernen Hochadel wurde vom gleichen Frohsinn getroffen. Vor seinem Eintreten konnte man seine Laune nur so beschreiben: Eine einzelne, dicke, tiefschwarze Wolke schwebte direkt über seiner aschefarbenen Glatze und regnete ununterbrochen auf ihn herab.
    Doch jetzt: Die Wolke wurde von einer hellen Sonne vertrieben und die sonst so eisige Miene mit finsterem Blick strahlte ebenso und ungewohnte Energie flutete sein Gesicht. Sie füllte seine Wangen, umschloss seine Lungen, strahlte zum Herzen aus und drang selbst in den unteren Teil seines Körpers vor, der seit Jahren schon jegliches Gefühl verloren hatte.
    Er blickte sich um. Die sonst so traurige und graue Welt füllte sich für ihn und alle anderen mit bunten Farben. Die graue Mauer war außen sowie Innen mit bunten Blumen bewachsen die einen herrlichen Duft von Frühling verbreiteten.
    Das graue, trostlose Tor erstrahlte im hellen weiß und hatte eine freundliche, einladende Ausstrahlung. Fenster naher Gebäude wirkten wie Augen, Türen wie lächelnde Münder. Die Häuser bekamen einen neuen Anstrich vor seinem geistigen Auge und erstrahlten im hellen Glanz. Selbst die gepflasterte Straße blendete ihn im knalligen Gelb und lud dazu ein ihr jetzt sofort zum farbenfrohen Marktplatz zu folgen.
    Krankheiten wurden geheilt.
    Die Blinden konnten sehen.
    Die Tauben hören.
    Die Stummen sprachen ihre ersten und einzigen Worte.
    Doch was war an dieser Rüstung so besonderes, dass sie jene und viele weitere Wunder vollbrachte?
    Zwei Mann hoch, dicker und schwerer gepanzert als das größte und teuerste Schlachtross in ganz Mittelland und mit einem Gewicht, welches niemand heben konnte. Kein Kran. Keine tausend Mann. Niemand, der es nur zum Spaß versuchte. Denn in ihr erkannte man die wohl berühmt berüchtigste Rüstung aller Rüstungen, die je geschaffen wurde.
    Mancher Ortes dieser Welt hieß es, die Rüstung sei die Reinkarnation einer vergessenen Gottheit.
    Nachts am Lagerfeuer wird erzählt sie sei so göttlich, dass jemand sich bei dem bloßen Gedankenspiel wie man sie tragen könnte das Kreuz zerbrach.
    Viel zu spät sahen die meisten die tiefen Spuren der Plattenstiefel am Boden, die zu der Stelle an der Mauer führten, an der sie jetzt stand.
    Die Rüstung war nicht nur bewegt worden, jemand trug sie!
    Niemand konnte sie tragen, so hieß es. Niemand, außer einer. Auf der gesamten Welt. Denn einen wie ihn hatte es schon seit Jahrtausenden nicht mehr gegeben.
    Drei Worte die selbst Stumme sprechen konnten.


    Sir Lotus Ebera


    Kummer und Leid existieren in der Umgebung eines Sir nicht. Je mehr Menschen ihn erkannten, desto mehr blieben stehen und bildeten mit den anderen eine sichelförmige Formation um ihn herum, um sich wenigstens einen Augenblick in seiner Anwesenheit sonnen zu können. Einmal im Leben an nichts denken müssen. Dem trägen Alltag entkommen und einfach die Ruhe und die Kraft genießen, die von seiner Aura ausging.
    Nur ein einziges Mal reine Glückseligkeit erfahren, die kaum einem gegönnt war zu dieser Zeit und die Seele einfach hinaus gleiten und mit einem langen, zufriedenen „Haaah“ baumeln lassen.
    Jeder wird sich noch bis ans Lebensende an diesen einen Moment erinnern und ganze Geschichten zu dieser Begegnung erzählen. Wie sie Sir Lotus begrüßten, auch wenn keiner sich wagte auch nur ein Wort zu sprechen.
    Wie er hunderte Menschen gleichzeitig die Hand gab, auch wenn niemand näher an ihn heran trat.
    Wie seine alles sehenden Augen tausende Menschen zugleich unter sich vereinten. Sie waren keine Adligen, Bürger, Bauern, Diebe oder von der Stadtwache. Sie waren alle einfach nur Menschen.
    So flüsterte und tuschelte es zwischen ihnen:
    „Was macht Sir Lotus hier? Müsste er nicht die Grenze zu Azetaken bewachen?“
    „Er steht einfach nur da. Wieso steht er nur da?!“
    „Ein Wunder. Sir Lotus hier! Es ist ein Wunder, nicht wahr?“
    „Wer wäre so dreist zu behaupten, zu wissen, was Sir Lotus hier macht?“
    „Schnell, holt die Kranken! Möge sein Segen sie alle heilen.“
    „Gehen! Ich kann wieder gehen! Gepriesen sei der heilige Sir Lotus!“
    Doch der magische Moment wurde von einer Störung unendlichen Ausmaßes zerstört.
    So wahr die Menschen einen ganzen Ozean mit Freudentränen füllen könnten, mit so vielen Steinen wollten sie den Mann in grüner Kleidung erschlagen und begraben, der sich gerade durch die Menge drängelte.
    Er stellte sich als einziger vor die Rüstung. So nah, wie kein anderer es sich je wagen würde. Und fragte Sir Lotus unverschämt und dreist in einem Ton, der den gesamten Hass des Mobs einmal mehr wieder vollkommen auf sich zog und sogar von Sir Lotus Anwesenheit für den Moment ablenkte: „Moin, alles fit im Schritt?“

  • Hmmm....der letzte Satz ließ mich zwar grinsend zurück und weckt schon mein Interesse, wie die Geschichte weiter geht, aber sprachlich hat mich mich der Text nicht wirklich begeistert.



    Trotzdem ist es dir gelungen, die Stimmung einzufangen und dem Leser zu vermitteln.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Guten Abend @melli und danke für deine Kritik ^^


    was das Sprachliche angeht fühl ich mich immer als Laie X/ ich hab diverse Sätze schon dutzende Male bearbeitet, Kommatas sind entstanden und wieder verschwunden, aber letztlich bin ich da immer unsicher, ob es nun richtig ist, wie es am Ende steht.
    Rainbow meinte sinngemäß mal zu mir dass es besser wäre sich der breiten Masse mit meinem Text zu stellen, als von einem Betaleser den perfekten Text geliefert zu bekommen. Daran würde man wohl mehr wachsen und lernen, als ... anders? xD



    Zitat von melli

    Und auch nicht zur Situation, denn noch macht der Mann in grüner Kleidung nichts weiter, als sich gerade! durch die Menge zu drängeln

    da ist mir wohl was misslungen xD
    für mich erschließt sich aus den Worten, dass die Menge den Mann eigentlich bereits kennt und ihn nunmal hasst :x
    für dich offensichtlich nicht :whistling: da sollte ich Mal in der Zukunft eine zusätzliche Erklärung mit dranhängen oder so an der Stelle :/


    wünsche dir noch einen schönen Abend,


    lg Kramurx

  • Hey Kramurx!

  • Hallu @Kirisha ^^


    da sprichst du einiges an :whistling: gehe ich es mal durch :o



    Die Frage die ich mir persönlich jetzt stelle, auch schon bei The Running Living... die Überarbeitung. bearbeitet man es nur für sich selbst und lässt den anderen Text unverändert so stehen, damit andere die die Kommis lesen nicht verwirrt werden, was gemeint war?
    Sollte man es gleich verbessern wenn man Zeit hat? Die die es bereits gelesen haben werdens sicherlich nicht wegen ein paar veränderten Worten nochmal lesen.
    Mir persönlich gefiel so eigentlich am besten dass man demjenigen, deer was anmerkt bei der Antwort mitteilt, was man ändern möchte. Hmmm. Schwierig, wenn man aber selber noch nicht genau weiß, was man ändern möchte xD


    lg Kramurx

  • Hallo Kramurx,
    zur Überarbeitung: ich weiss nicht genau, ob es dafür eine Regel gibt. Ich brauche manchmal sehr lange, bis ich die Kommentare so verarbeitet habe und mich zu einer Korrektur entschliesse. Da meine Überarbeitungen aber oft sehr drastisch sind und man die ganze Story nicht mehr versteht, wenn man die nicht kennt, halte ich es so, dass ich die Texte update, wenn ich sie überarbeitet habe. Aber wie gesagt, das mache ich nicht sofort, sondern erst, wenn ich so weit bin.
    Aber ich denke, du kannst es so halten wie du willst.
    Persönlich finde ich es allerdings immer recht interessant zu hören, welche Anmerkungen dir etwas genützt haben und welche nicht.


    Mir persönlich gefiel so eigentlich am besten dass man demjenigen, deer was anmerkt bei der Antwort mitteilt, was man ändern möchte. Hmmm. Schwierig, wenn man aber selber noch nicht genau weiß, was man ändern möchte xD

    Genau, da bin ich ganz deiner Meinung.
    Mir ist es sogar schon oft so gegangen, dass ich einem Kommentatoren erst geschrieben habe - nee, ich bin nicht deiner Meinung und ich lasse das jetzt so, und dann habe ich die Stelle nach vier Wochen doch geändert, weil es mir im Nachhinein dann doch eingeleuchtet hat.
    Ich denke, du bist frei es so zu halten, wie es für dich am besten ist.

  • Aha, interessant was Du so schreibst :) Erinnert mich an Terry Pratchett vom Stil...


    Bei dieser Art von 'Comedy' muss das Timing genau sitzen, finde ich - der Punch muss genau dann kommen wenn er vorbereitet ist.


    Du baust den magischen Moment den ganzen Text hindurch auf - das ist toll - erst das Tor mit der Frage was da so besonders ist, dann die Ruestung, das Interesse des Lesers ist geweckt was das denn nun damit auf sich hat, dann die ganzen immer toller werdenden Geschichten, dann Sir Lotus selbst und der Moment in dem alle Menschen um ihn herum verzaubert sind - da ist die Spannung da die auf den Punch wartet - und dann nimmst Du ihm die Wucht indem Du die Stoerung schon vorweg nimmst:

    o wahr die Menschen einen ganzen Ozean mit Freudentränen füllen könnten, mit so vielen Steinen wollten sie den Mann in grüner Kleidung erschlagen und begraben, der sich gerade durch die Menge drängelte.


    Und dann nochmal:

    Doch der magische Moment wurde von einer Störung unendlichen Ausmaßes zerstört.


    Stell Dir mal vor, wie die Szene wirkt wenn Du den Punch direkt setzt:


    „Ein Wunder. Sir Lotus hier! Es ist ein Wunder, nicht wahr?“
    „Wer wäre so dreist zu behaupten, zu wissen, was Sir Lotus hier macht?“
    Ein baertiger Mann gestikulierte aufgeregt in die Menge:
    „Schnell, holt die Kranken! Möge sein Segen sie alle heilen.“
    Ein Greis mit Lachen im Gesicht liess sich von der Menge wieder nach hinten tragen und rief:
    „Gehen! Ich kann wieder gehen! Gepriesen sei der heilige Sir Lotus!“
    Und ein Mann in gruener Kleidung draengte sich nach vorne, nickte Sir Lotus kurz zu und fragte:
    „Moin, alles fit im Schritt?“


    Da hast Du den Kontrast direkt, und dem Leser faellt ohne Vorwarnung die Kinnlade runter :D


    Und dann kannst Du die Reaktion der Menge nachschieben wenn noch noetig.


    ***


    Ein aehnliches Problem ist mit dem Klappentext - zu viele Worte, nicht auf den Punkt gebracht worum es gehen soll. Das kann ja auch ernsthaft anfangen, ein bisschen uebertrieben werden und dann eine Pointe gesetzt werden - und dann Schluss.


    ***


    Das hingegen:


    Rette eine Stadt, werde ein Held.
    Rette ein Königreich, werde eine Legende.
    Verhindere den Weltuntergang, werde ein Sir!


    Zerstöre eine Stadt, werde ein Graf des Wahnsinns.
    Zerstöre ein Königreich, werde ein Schreckenslord.
    Vernichte die Welt, werde ein Narr!


    ist wunderbar gelungen, grade wenn man auf die Steigerung von Schreckenslord wartet kommt... Narr :thumbup:

  • Hey @Thorsten ^^



    Zitat von Thorsten

    Stell Dir mal vor, wie die Szene wirkt wenn Du den Punch direkt setzt

    es sieht aufjedefnall genial aus, wie du es darstellst :nummer1:


    ich sehe da grade nur ein winziges Problem für mich selbst.... so wie bei anderen erwarte ich auch von mir selbst immer möglichst eine gleichbleibende Leistung beim Schreiben. Also dass es zumnidest nicht runter geht. rauf ist immer gut in dem Falle xD Und wenn ich den Anfang jetzt mit diesem "Punch" so gut setze, dann könnten die späteren Kleinigkeiten eher langweilig dagegen wirken und alle werden sagen "naja, zumindest des erste Ding war toll" :x


    Ach egal... ich hab noch einen Erstleser im Rl im petto und werde deine "inspirierte" Version mal zuerst vorlegen und schauen ob das einen viel stärkeren Effekt hat xP wovon ich aber auch grade ausgehe.... *hust*


    lg Kramurx

  • Und wenn ich den Anfang jetzt mit diesem "Punch" so gut setze, dann könnten die späteren Kleinigkeiten eher langweilig dagegen wirken und alle werden sagen "naja, zumindest des erste Ding war toll"


    Dann musst Du die danach halt auch gut setzen :D Das ist ja im Wesentlichen immer noch Dein Text und Deine Idee, ich hab' nur ein bisschen anders nuanciert - das ist ja nicht so dass Du da voellig was anders hattest :)


    Abgesehen davon - ein starkes Ding am Anfang und am Ende ist was Dir jeder Showmaster raten wird - daran erinnern sich die Leute spaeter, zwischendrin darf die Spannnung auch abfallen...

  • Augen liefen hinter dem Mann in grün blutrot vor Zorn an. Köpfe schwollen und blaue Adern stachen hervor. Viele drückten ihre Fäuste so fest und knirschten laut mit den Zähnen, dass Blut an Händen und Mundwinkel herunter floss.
    Der Mann in grün wandte sich seinem Publikum zu und warf einen fragenden Blick in die Menge. Die Unschuld in Person stand ihm ins Gesicht geschrieben.
    „Waaas“, fragte er, völlig frei von jeglichen Schuldbewusstsein. Seine Stimme, während der Frage, ließ einen nur schließen, dass er zum einen absolut keine Zweifel hatte, dass er kein Vergehen begannen hatte und in seinem Unterton hörte man einen gewissen Spott heraus.
    Jeder in diesem Mob spuckte Blut vor Zorn. Sie fühlten sich von dieser Frage in ihrer Ehre verletzt. Eine Wunde so tief, dass ihr Körper darauf reagieren musste. Doch sofort trat aus ihnen der Greis des Eisernen Hochadels hervor.
    „Wisst ihr eigentlich, dass ihr gerade Sir Lotus von der Seite dumm anquatscht?“
    Und obwohl jener Hochadel niemals mit jemanden vom gemeinen Volk sprechen würde, so tat er es. Denn der Mann in grün hatte das regelrechte Ebenbild Gottes mit einer minderbemittelten Frage und der direkten Ansprache besudelt.
    „HaaAH? Das is doch nich Sir Lotus“, behauptete er mit einem verwunderten Blick.
    „BLASPHEMIEEE“, kreischte der Mann des Eisernen Hochadels und zeigte mit einem knochigen Finger auf ihn.
    Wie konnte sich jemand der Gotteslästerung schuldig machen, wenn es um einen Menschen ging? Weil Sir Lotus von dem geistlichen Oberhaupt heilig gesprochen wurde.
    Steine wurden vom Boden gesammelt, Knüppel und Messer gezogen. Jeder, ob Frau, ob Kind, bewaffnete sich. Das Seil war schon bereit den Mann in grün aufzuknüpfen. Und wie sehr sich ganz Skossa das wünschte, ihn endlichen loszuwerden, die Geißel aller Vernunft.
    „Mooomentchen Mal! Schaut euch die Rüstung mal ganz genau an! Besonders diese eine Stelle hier“, meinte er und versuchte auf Sir Lotus Rüstung zu zeigen.
    „Wagt es nicht unseren Sir Lotus zu berühren“, warnte ihn der Greis des Hochadels und hob drohend die Faust, als der Mann in grün die Rüstung sogar berühren wollte.
    „Na, wenn ihr mich sooo nett darum bittet“, sein Finger bohrte in der Nase etwas hervor: „Dann erst recht!“
    „Schnell! Haltet ihn auf! Er will unsere Heiligkeit beschmutzen“, übernahm der Greis völlig selbstverständlich die Befehlsgewalt der Meute.
    Es gab kein Halten mehr. Die Menschen setzte sich in Bewegung, doch der Mann in grün war bereit sich dem Wettlauf anzunehmen.
    Noch ehe er sich auch nur Sir Lotus umwenden konnte, setzte der Greis vom Hochadel eine weitere Regel, um das Spiel spannender zu gestalten, glaubte der Mann: „Hier geblieben und keinen Schritt weiter zu unserer Heiligkeit!“
    Er analysierte kurz das Geschehen. Er musste also, bevor die Sichel aus Menschen ihn erreichte und niederstreckte, Sir Lotus zwei Schritte hinter ihm berühren, ohne sich zu wenden und oder sich einen Schritt auf ihn zu zubewegen. Und dieser Moment der Analyse verschaffte seinen Kontrahenten schon den entscheidenden Vorteil, dass bevor er zu einer Lösung dieses Spieles kommen konnte, die Sichel nur noch sechs Schritte entfernt war.
    Der Greis grinste voller Vorfreude breit über das Gesicht. In seinen Augen funkelte etwas garstiges auf.
    Doch als die ersten ihn fast erreichten und nur noch nach ihm zu greifen brauchten, gerieten alle schlagartig ins Stocken und verknoteten ihre Augenbrauen zu ungläubigen Gesichtern.
    Sie hatten mit allen gerechnet. Nur nicht DAS.
    Der Mann in grün warf kurz ein Lächeln in die Menge und schwang an Ort und Stelle seinen Oberkörper zurück. Sein linker Arm bildete den Pfeiler der Brücke, der Rechte hingegen wurde ausgestreckt und er rief laut: „Berührt!“
    Stille.
    Dann die erste Regung. Entsetzen machte sich breit und griff wie ein Lauffeuer um sich.
    Er hatte ihre Heiligkeit erst mit Sprache besudelt und nun auch noch berührt.
    Das war zu viel. Die Menschen begannen zu weinen. Keine normalen Tränen, sondern Blut.
    „Oh oh“, sagte der Mann in grün und warf einen Blick in die Menschen, die eine neue Verwandlung durchmachten.
    Dicke Adern pulsierten auf ihren Köpfen und Hörner begannen zu wachsen. Jeder einzelne verwandelte sich in einen riesigen, wild schnaufenden Stier! Weiße Spucke tropfte zähnefletschend von jedem einzelnen herunter.
    Die Menschen hatten jegliches Gefühl als Mensch verloren. Allesamt hatten nur einen Gedanken: Der Mann in grün musste ausgelöscht werden. So holte die Horde erneut aus, schärfer, schneller und größer als zuvor und schnellte wieder auf ihn zu.
    Hunderte Hufe stampften. Sie traten auf seinen Körper ein, der noch immer diese lächerliche Brücke bildete. Einen schnellen Tot würde ihm keiner bereiten. So weit waren sich alle einig. Er sollte zu Tode getreten und geschlagen werden. So langsam und qualvoll wie möglich. Doch egal wie viele Schläge und Tritte ihn auch trafen, seine Kleidung zerfetzte und Wunden geschlagen wurden, die Brücke blieb standhaft.
    „HALT!“
    Wie ein Donnerschlag schlug dieses eine Wort in der Umgebung ein, als habe Gott vom Himmel aus persönlich einen unsichtbaren Blitz geschleudert. Es schallte von Oben, von der Seite, regelrecht von überall gleichzeitig und ließ jeden vor Ehrfurcht zusammenzucken.
    Sie ließen von dem Mann ab und wandten sich der Quelle zu. Denn es gab nur einen auf dieser Welt, der auf die Menschen mit einem einzigen Wort so stark einwirken konnte, dass es ihnen eine Gänsehaut über die Haut jagte und jeden wieder besänftigte.
    Sir Lotus hatte zu ihnen gesprochen.


    Die meisten warfen sich vor Glück auf die Knie und begannen leise zu beten. Außer der Mann in grün. Doch der fand nun keine Beachtung mehr, denn es war Sir Lotus Wille ihn in seiner unendlichen Gnade in Ruhe zu lassen.
    Der Mann stellte sich wieder auf und sah kopfschüttelnd mit einer spöttischen Miene in die Menge.
    „Heiliger Lotus, seht“, rief plötzlich einer derer, die sich nun wieder erhoben und einen prüfenden Blick auf Sir Lotus warfen.
    Die Augen der Vordersten wurden Tellergroß.
    „Das – Unmöglich! Das ist gar nicht Sir Lotus?“, murmelte irgendjemand. Und mit dieser maßlosen Behauptung prüften nun alle die Rüstung.
    Sie traten auf ihn zu und je näher sie ihr kamen, desto mehr machten ihre Gesichter eine neue Verwandlung durch, die wie eine riesige, unsichtbare Welle über sie hinwegfegte.
    Ihre Mienen wurden plötzlich weiß und grau, alterten für den Augenblick um Jahrzehnte. Die Augen waren nur noch dicke schwarze Striche und die Wangen fielen mager in sich zusammen. Niemand wagte sich das unaussprechliche zu sagen: Ein Makel. Ein Makel an der Rüstung.
    Dann konnte es weder die legendäre Rüstung noch Sir Lotus in ihr sein. Denn seine Rüstung war immer makellos. Daran gab es keinen Zweifel.
    Mit jedem Augenschlag der verging lösten sich gleich dutzende Menschen auf einmal aus der Sichel heraus, um still und heimlich zu verschwinden. Niemand würde von dieser tragischen Verwechslung jemals erzählen. Es wird totgeschwiegen. Ein stiller Pakt, den jeder abschloss, ohne davon hören zu müssen. Die Welt war sich einig, die letzten Momente waren niemals geschehen. Die ehemals Kranken wurden wieder krank und der Mann mit den kaputten Beinen musste wieder getragen werden.


    Der Mann in grün, blutig und zerschrammt am ganzen Körper, winkelte seine Arme an den Hüften an, streckte seine Nase weit nach oben und atmete hörbar tief ein.
    „HahaHA!“, ließ er verlauten. Die Wolkendecke brach und ein einzelner Lichtstrahl traf allein ihn und hüllte seinen Körper für diesen einen Moment in goldenes Licht. Danach schloss sie sich wieder und hüllte den Tag wieder in ein mattes Grau.
    Endlich, wo er und die Rüstung allein waren, fragte er, von seiner Heldenhaftigkeit überzeugt: „Hab ich mal wieder den Tag gerettet, was, Sir Lotus?“



  • Also, nachdem insgesamt ja recht dick aufgetragen ist, stoert das auch nicht weiter dass die sich in Stiere verwandeln und Blut tropft finde ich - wenn die Ereignisse bis zu diesem Punkt 'realistisch' gewesen waeren, dann waere das anders, aber diese total unterwuerfige Verehrung die alleine schon der Ruestung entgegengebracht wird und so - da passt es schon dass der Rest auch uebertrieben wirkt.


    Noch ehe er sich auch nur Sir Lotus umwenden konnte, setzte der Greis vom Hochadel eine weitere Regel, um das Spiel spannender zu gestalten, glaubte der Mann: „Hier geblieben und keinen Schritt weiter zu unserer Heiligkeit!“
    Er analysierte kurz das Geschehen.


    Hier finde ich die Bezuege etwas verwirrend - wer ist 'der Mann' - der Greis, oder der Gruene? Und wer ist 'er' danach - der Gruene?



    Sein linker Arm bildete den Pfeiler der Brücke, der Rechte hingegen wurde ausgestreckt und er rief laut: „Berührt!“

    Herrlich absurd.

    Die ehemals Kranken wurden wieder krank und der Mann mit den kaputten Beinen musste wieder getragen werden.

    :thumbsup: Ja - das passt perfekt, das ist wunderbar gemacht.

  • Mir gefällt der Teil auch. Gemäß deinem Spoiler werde ich jetzt nicht rumkritteln ;) , sondern einfach die Geschichte genießen. Mir hat besonders gefallen, wie sich alle peu a peu verzupfen und wortlos einig sind, das Vorgefallene aus dem Gedächtnis zu streichen.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Hallu @Thorsten und @melli,


    Ich bin schonmal froh dass ich euch beide Inhaltlich überzeugen konnte :)
    man hats vielleicht im spoiler rausgelesen, aber ich hatte wie immer bammel und war mir unsicher, wie es ankommt xD



    Zitat von Thorsten

    da passt es schon dass der Rest auch uebertrieben wirkt

    sehr schön, eine Sorge die ich erstmal streichen kann, auch was zukünftige Dinge angeht, denke ich :thumbup:



    Zitat von Thorsten

    Hier finde ich die Bezuege etwas verwirrend - wer ist 'der Mann' - der Greis, oder der Gruene?

    Der Grüne.
    Hatte befürchtet dass ich etwas zu oft "Der Mann in Grün" schreibe und wollte irgendwie versuchen das wenigstens zu kürzen an der Stelle. War vielleicht nicht die beste Idee :P




    Zitat von melli

    Mir gefällt der Teil auch

    das freut mich sehr ^^



    Zitat von melli

    einfach die Geschichte genießen

    wenn es was gibt, was das massiv beeinträchtigt, gern "rumkritten" xD



    So. Wünsche euch beiden noch nen schönen Abend :3

  • Hey @Kramurx :)



    LG,
    Rainbow

  • Nabend @Rainbow,



    lg Kramurx

  • Sir Lotus wandte sich dem Mann in grün schweigend zu. Ihn erwartete ein freundliches, erwartungsvolles Lächeln.
    „Was los? Willst du nicht -“, begann der Mann in grün, doch seine Mundwinkel senkten sich schlagartig wieder und blankes entsetzen stand ihm stattdessen ins Gesicht geschrieben.
    „Ach. Du. Scheiße“, brachte er nur hervor, als er Sir Lotus musterte.


    Auf seinem breiten, eckigen Kinn wuchs ein Stoppelbart, welcher sein sowieso schon extrem maskulines Aussehen noch weiter unterstrich.


    Versuche nie maskuliner zu wirken als ein Sir!


    Seine schmalen, langen Lippen brachen Frauen- und Männerherzen gleichermaßen und ließen sie in Ohnmacht fallen, wenn er lächelte. Daher tat er es auch so gut wie nie.


    Bring einen Sir nie zum Lächeln!


    Selbst seine Brauen waren besonders. Buschig, schwer und gerade. Sie hingen ihm wie zwei schwarze Schwerter knapp über den Augen. Und wenn man einen Sir verärgerte, so würden sie einen als erstes niederstrecken, bevor er zu seiner richtigen Waffe griff.


    Verärgere nie einen Sir!


    Die Wüstensonne aus Azetaken ging nicht spurlos an seiner Haut vorbei. Sie war braungebrannt und wirkte schon beim bloßen hinsehen sehr rau und körnig. Man wollte sie am liebsten mit den Fingern berühren und erkunden, doch wehe dem der es tatsächlich wagte.


    Berühre nie einen Sir!


    Doch was brachte den Mann in grün dazu sich vor Sir Lotus so zu äußern?
    Sein linkes, graues Auge war der bekannte Spiegel zur Seele. Niemanden war es erlaubt Sir Lotus Seele sehen zu dürfen. Derjenige würde sich in Salzgestein verwandeln.


    Schau einem Sir niemals in die Augen!


    Das Rechte jedoch war mit einer ovalen Augenbinde verdeckt. Und so glatt wie es saß, kam der Mann in grün nur zu einem Schluss, der ihn eben zu dieser Aussage gebracht hatte.
    Es fehlte.


    Sir Lotus atmete langsam und gleichmäßig und wollte auf ihn so ruhig und besonnen wie möglich wirken. Doch diese innere Ruhe, die er mit Mühe verstrahlte, bereitete eher Unbehagen.
    „Und? Ne Ahnung wie lange wir noch auf sie warten müssen, Sir Lotus“, versuchte der Mann in grün ein neues Thema lieber anzufangen.
    Dieser starrte ihn jedoch weiterhin nur mit ausdrucksloser Miene eindringlich an.
    „Sie kann es doch nich verfehlen? Die gelb gepflasterte Hauptstraße führt vom Palast, um den Marktplatz, direkt hier her! Also nicht direkt, direkt. Aber so ungefähr hier her, du weißt schon.“
    Jedes seiner Worte untermalte er mit einer heftigen, übertriebenen Gestikulation, um die Stimmung zu lockern und ihn zum Reden zu bewegen.
    Der Mann bemerkte seinen grünen Hut mit roter Feder auf der Gasse hinter sich. Eiligst lief er dem entgegen, nahm ihn in die Hand, klopfte das gute Stück ab und setzte es passend auf. Sir Lotus linkes Auge verfolgte ihn dabei auf Schritt und Tritt.
    Die Nackenhaare des Mannes in grün stiegen zu Berge. Sein Unbehagen erreichte neue Höhen.
    „Es gab also ein missglücktes Attentat im Schloss“, schnitt er das nächste Thema an.
    Sir Lotus atmete jedoch nur tief ein und stieß die Luft langsam und hörbar wieder aus und beobachtete weiter.
    „Hm. Warum willst du nich mit mir reden?,“ kam die Frage bei dem Mann in grün auf.
    Doch statt noch einmal eine Antwort abzuwarten verknoteten sich sofort seine Augenbrauen zu einem ungläubigen Gesicht.
    „Du bist böse auf mich? Ich hab dich doch fünf Jahre lang nich gesehen! Wie kann ich da was angestellt haben? Also ich weiß, ich kann das, aber ich würde schon gern wissen wie?“
    Es war nur eine winzige Veränderung in Sir Lotus Miene gewesen, unmöglich sie überhaupt wahrzunehmen. Doch der Mann in grün erfasste sie und wusste sie auch zu interpretieren.
    Doch eine Antwort bekam er auch auf diese Frage nicht.
    „Ach komm schon. Oder geschah es in den Fünf Jahren?“
    Sir Lotus schwieg.
    „Aha! Es war also etwas in den letzten fünf Jahren, wo ich auf keinen Fall beteiligt gewesen sein kann und trotzdem der Sündenbock bin. Find ich richtig nett von dir“, bemängelte er.
    Niemand anderes auf dieser Welt wäre in der Lage gewesen an Sir Lotus Gesicht eine Regung auszumachen, doch der Mann in grün tat es so natürlich, wie mit offenen Augen zu niesen oder sich selbst den Ellenbogen zu lecken.
    Lotus wandte seinen Blick abrupt von ihm ab und wollte verhindern weiter gelesen zu werden.
    „Ach bitte, als ob ich dein Gesicht bräuchte, um zu wissen was du denkst. Dein Rücken, deine Schultern und alles andere verraten dich doch eh! Außerdem knistert die Luft leise, wenn du wütend bist.
    Was ich nur nicht verstehe – ich hab ja schon viel Mist gebaut. Aber noch nie warst du so böse auf mich wie jetzt.
    Ich mein - selbst als ich damals mal einer hässlichen Schnepfe ein Hornissennest an den Kopf geworfen hab, bei eurer ersten Verabredung. Da hast du mich eine Woche lang vollgemeckert. Aber nich schweigend böse angeschaut wie jetz.“
    Er stellte an Sir Lotus die geballten Fäuste fest.
    „Aaaber wir dürfen nich vergessen, wies damals tatsächlich war“, hob er mahnend den Finger.
    „Jemand hatte das Hornissennest mit Absicht so da in die Nähe hingehangen, dass ich es finde. Es hat mir also jemand was angehängt!“, stellte er klar.
    „Aber du bist mir noch heute eine Antwort auf die Frage schuldig, ob ich dir nicht sogar damit einen Gefallen getan hatte? Die Schnepfe war eh nur wie alle anderen hinter deinem Titel als damaliger Stadtwachenhauptmann her“, federte er mit der Hand in der Luft.
    „Ich frage mich was aus dieser hässlichen Schnepfe wohl geworden is? Man hat ja lange nich mehr von ihr gehört.“
    Sir Lotus hob seinen Arm und hielt ihm seine Finger vor die Augen.
    „Und was soll mir das jetz sagen?“
    Er deutete auf einen Ring an seinem Finger.
    „Ihr – habt - Oh. Ihr habt geheiratet? Wieso das denn? Ich mein – Glückwunsch, aber wiesooo?“
    Sir Lotus atmete tief ein, das Knistern wurde lauter.
    „Zeit für einen geschickten Themenwechsel!
    Erinnerst du dich noch daran, wo du um zwei Ränge degradiert wurdest? Damals in der Ausbildung zum Stadtwachenhauptmann.“
    Eine Augenbraue rutschte bei Sir Lotus fragend nach oben.
    „Ich mein den Streich, wo eine ziemlich geniale Person ein Schild am Badehaus vertauschte und du und die Ausbilderin euch am Ende nackt gegenüber standet.“
    Er gab ihm mit dem Auge einen eindringlichen Blick, welchen der Mann in grün einfach ignorierte.
    „Sag nichts. Ich lese jetzt deine Gedanken. Ich empfange klare Worte,“ sagte er und hielt dabei seine Hand vor Sir Lotus Gesicht.
    „Ich versetze mich in dich hinein, um dich perfekt zu imitieren.
    Also: Ich bin Sir Lotus. Vorschriften sind mein Leben. Pflichtbewusstsein. Und Vorschriften. Loyalität. Vorschriften. Ich bin ein oller Meckerkopf, weil ich zum Adel gehöre. Und wenn die eines können, dann über alle anderen meckern. Und ich halte mich an Vorschriften.
    Ich hasse Bauern. Ich habe keine Ahnung warum, aber jeder muss irgendwen hassen. Dafür liebe und lebe ich Vorschriften.“
    Er holte tief Luft und begann mit starker Betonung: „Einen STREICH nennst du das,“ imitierte der Mann in grün so gut wie er Sir Lotus ernste Stimme in Erinnerung hatte.
    „Ich wurde wegen diesem Streichdegradiert! Was meine Karriere FÜNF JAHRE zurückwarf!
    Und wenn ich jemals herausfinden sollte - WER! Mir diesen - STREICH! Gespielt hat! DANN! Ich schwöre bei Gott - dann werde ich ihn nackt an ein Pferd binden und durch die gesamte Stadt schleifen lassen. Und das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.“
    Er wechselte zu seiner eigenen Stimme zurück.
    „Tja. Da dieser Fall auch heute, zehn Jahre später, nicht gelöst werden konnte, übernehme ich die volle Verantwortung und möchte mich in aller Form bei dir mit folgenden Worten entschuldigen.“
    Er stellte sich vor Sir Lotus auf, zeigte mit dem Finger auf ihn und brüllte ihm ins Gesicht: „WÜRDE MIR STINKEN, WENN ICH DU WÄR!“
    Trotz seiner heftigen Provokation blieb Sir Lotus wieder nur ruhig und besonnen in diesem Moment.
    „Cromwell“, sprach er plötzlich doch seine ersten Worte zu ihm.
    „Heiliger Lotus! Du sprichst wieder mit mir! Was is, mein Bester? Über was möchtest du mit mir reden? Erzähl mir alles, was du in den letzten fünf Jahren erlebt hast und vor allen, warum du so böse auf mich bis eben noch warst!“
    „Ich wurde damals wegen etwas anderen degradiert,“ erklärte ihm Sir Lotus.
    „Achja“, fragte er verwundert. Dabei war er sich doch so sicher gewesen.
    „Und die Sache mit dem Schild hatten ich und die Ausbilderin verschwiegen. Vor jedem.“
    „Das hätte ich euch beiden auch geraten,“ sagte Cromwell nickend und verschränkte dabei seine Arme.
    „Ich wiederhole es für einen Schwachkopf wie dich noch einmal: Wir haben es verschwiegen. Vor jedem.“
    „Hm. Und woher weiß ich dann davon?“, fragte Cromwell und begann zu ahnen, worauf Lotus hinaus wollte.
    „Weil du es nicht wissen kannst“, versuchte Sir Lotus ihm noch einmal eindeutig klar zu machen.
    „Na dann ist die Sache ja geklärt. Nächstes Thema“, bestand Cromwell und zuckte mit den Schultern.
    „Cromwell. Könnte es etwa sein, dass du derjenige warst, der mir diesen Streich gespielt hat? Bist du etwa derjenige, den ich gern an ein Pferd binden und nackt durch die Stadt schleifen lassen möchte, gleich nach seiner öffentlichen Kastration“, hinter der Frage schwang ein Hauch einer echten Drohung mit.
    „Ehhh, öffentliche Kastration?“
    „Ich erwarte eine Antwort,“ forderte Sir Lotus, der Schwertknauf knirschte bedrohlich zwischen seinen mit Plattenpanzerung umschlossenen Fingern.
    „Du bist mein erster, einziger und bester Freund. Du schaust mir jetzt in die Augen und sagst wie ein normaler Mensch, dass du das nicht gewesen bist“, forderte Sir Lotus.
    „Pfoah! Also, pfe! Das ist ja - Pfoah! Naaain, Sir Lotus“, Cromwell hob die Hände abwehrend vor sein eigenes Gesicht, als versuche er die Worte einfach nicht an sich heran zu lassen.
    Sir Lotus drehte sich von ihm weg und seinem Klamauk.
    „Waaas“, fragte Cromwell in Unschuld badend.
    „Cromwell. Sieh mich dabei an“, forderte Lotus noch einmal und wandte sich tatächlich ihm wieder zu.
    „Nä! Ich bin doch nich bescheuert“, meinte Cromwell und tippt sich gegen die Stirn.
    „Sieh einem Sir niemals in die Augen! Du könntest dich sonst in Salzgestein verwandeln.“
    Sir Lotus ballte seine Fäuste so fest er konnte, die Panzerhandschuhe drohten zu bersten. Doch er entspannte sich nach einem tiefen Seufzer schlagartig wieder und rief sich in Gedanken selbst zur Besonnenheit zurück.
    „Heh. Nun gut. Da du dich scheinbar nicht selbst entlasten willst oder kannst, werde ich ein Urteil fällen, sobald ich mir eine objektive Meinung gebildet habe. Und Gott bewahre, wenn es soweit ist und ich dich für schuldig befinde: Ich werde dich gnadenlos erschlagen“, sagte Sir Lotus in einem ruhigen Ton und lächelte mit verschlossenen Auge seit Jahren zum ersten Mal wieder jemanden freundlich an.
    „Ehhh - Oh. Spürst du das auch“, versuchte Cromwell von sich abzulenken.
    „Was?“
    Cromwell legte zwei seiner Finger auf die Stirn.
    „Jap! Eindeutig! Eine königliche Aura“, stellte Cromwell fest.
    Sir Lotus schloss seine Augen erneut und schottete seine Sinne vom Rest der Welt ab. Dunkelheit machte sich anfänglich in seinen Gedanken breit.
    Mit Sir Lotus als Mittelpunkt breitete sich eine Welle in alle Richtungen um ihn herum aus. Die Umgebung mit wagen Umrissen der Gebäude, Wege und Gassen entstand vor seinem geistigen Auge. Abertausende weiße Punkte tauchten von hier wo sie standen bis zum Marktplatz auf. Nur einer verstrahlte goldene Farbe und beeinflusste mit einem Ring um sich herum die anderen Punkte.
    Sir Lotus Kopf wandte sich nach diesem Moment völliger Konzentration in die Richtung der Hauptstraße, die vom Marktplatz zum Osttor führte.


    Ausgerüstet mit graugrünem Umhang, herunter geschlagener Kapuze und einer Lederrüstung am Leib schlängelte sie sich wie ein Fisch durch die engsten Lücken des Menschenstroms, immer weiter dem Treffpunkt entgegen.
    Jeder Schritt war peinlichst genau von ihr geplant, mit dem Ziel nicht zwischen den Menschen aufzufallen. Wie denn auch? Sie sah aus wie alle anderen und bewegte sich genau so.
    Leise lachte sie über sich selbst und ihre törichte Sorge, die Menschen könnten sie dennoch erkennen. Immerhin hatte sie sich bestens mit einem ganzen Buch vorbereitet und war eben nur eine unter hunderten. Unauffällig und unbeachtet.
    Dieser Gedanke, den sie als Mantra vor sich her murmelte, gab ihr besonders die Ruhe, die sie so dringend brauchte. Schließlich waren es seit Jahren ihre ersten Schritte außerhalb des Schlosses. Leider rutschte ihr sehr zum Ärgernis immer wieder eine Wallnuss braune, widerspenstige Strähne vor das schneeweiße Gesicht mit smaragdgrünen Augen. Sie versuchte sie langsam und vorsichtig ständig wegzuwischen.
    Sie bemerkte nicht, dass alle Köpfe in ihrer unmittelbaren Umgebung auf sie gerichtet waren.
    Das lag nicht daran, weil niemand außer ihr einen Umhang trug und von Kopf bis Fuß vermummt war, was eine zwielichtige Wirkung hatte.
    Auch nicht, weil sie die Pflastersteine einzeln traf und dadurch teils merkwürdige Schritte vollführte, die sie mehrmals fast stolpern ließen.
    Nicht einmal, als man bemerkte, dass sie am ganzen Körper zitterte, als sei es frostig kalt an diesem bewölkten Frühlingstag. Zudem strich sie sich immer wieder sehr energisch eine Strähne zurück, was auch sehr auffällig war.
    Selbst als sie plötzlich leise und ohne ersichtlichen Grund zu lachen begann, war es nicht üblich so jemanden die gleiche Aufmerksamkeit zu geben, welche sie im Moment hatte.
    Nein, ihre Aura.
    Sie strahlte etwas nobles, gar königliches aus. Das weckte unweigerlich in allen das Gefühl, die sie als Quelle ausmachten, sich jetzt auf der Stelle auf den Boden werfen und ewige Treue zu schwören. Es fehlte nur ein kleiner Funke, der das Feuer entfachen würde, denn noch konnte jeder die Fassung und das Gesicht bewahren, die sie in der Öffentlichkeit trugen.
    Ungeachtet dessen entwich ihren Lippen ein schweres Seufzen.
    Als sie einmal mehr ihre Hände zum Einsatz gegen die Strähne führte, bemerkte sie, dass diese zitterten. Mit jedem Schritt näher an das Osttor stieg die Hitze und Aufregung in ihrem Körper weiter an. Sie gestand sich letztlich doch ein nervös zu sein.
    Gleich würde sie ihn treffen. Den Mann ihrer tiefsten Verehrung.
    Niemand bewunderte ihn mehr als sie. Die ganze Welt schaute heute auf Sir Lotus. Doch nur sie allein ließ sich nicht von seinem strahlenden Titel Sir allein begeistern, sondern kannte ihn schon vor dieser Zeit und hatte ihn als großartig empfunden.
    Früher war er nur ein Stadtwachenhauptmann gewesen. Niemand, mit dem sie normalerweise in Kontakt treten würde. Es war zwar der höchste Posten der Stadtwache und hatte ihm verschiedene Privilegien und Ansehen damals gegeben, doch der Adel und alles darüber belächelte diese Anstellung nur. Aber dieser Mann war anders.
    Er war ebenfalls einer von den Höhergestellten und hatte sich entgegen aller gesellschaftlichen Normen für diese Karriere entschieden. Niemand sonst von diesem Stand würde das machen. Niemand, außer er, hatte es jemals getan. Genau deswegen stieg damals seine anfängliche Bekanntheit und Beliebtheit bei den Bürgern täglich rapide an. Als ein Adliger, der den Bürgern nah war. Und selbst heute noch klang das für viele völlig absurd.
    Und wie Konfus wird es erst in Skossa und ganz Mittelland werden, wenn die Menschen erfahren und begreifen, dass sie seiner Menschennähe nacheifern will, entgegen ihres königlichen Standes.
    Sie erinnerte sich gern zurück an die Zeit vor fünf Jahren, bevor er zum Sir ernannt wurde, als er einmal wöchentlich zu ihr ins Schloss kam, um sie in der Kunst des waffenlosen Kämpfens auszubilden. Wieder etwas, das nur er getan hatte. Alle anderen lehnten es ab ihr auch nur eine Übung zu zeigen, weil sie eine Frau war. Und wie großartig er schon damals vor seiner Zeit als Sir war. Immer besonnen und geduldig ihr alles beizubringen. Sie fühlte sich schon damals in seiner Nähe sicher und wohl. Wie wird es wohl heute sein?
    Seit seinem Abschied war viel Zeit vergangen. Sie hatte die Übungen tagtäglich wiederholt und inzwischen für eine Prinzessin völlig untypisch dicke Hornhaut auf den Fingerknöcheln. Mittlerweile waren es auch keine gewöhnlichen Hände mehr, sondern tödliche Waffen dank ihm.
    Gleich war es soweit. Er würde neben der Mauer am Osttor auf sie warten. Es waren nur noch gut eintausend Schritte, schätzte sie. Sie wird ihn treffen. Was wird er sagen? Wie wird er reagieren, wenn er sieht, dass aus dem kleinen Mädchen von vor fünf Jahren eine Frau geworden ist? Und sobald er ihre Hände bemerkt, wird er sie loben? Ein Lob von Sir Lotus!
    Ihre Gedanken überschlugen sich. In ihren Augen entstanden kleine Wirbel und die Welt begann zu kreisen. Sie wird ihn treffen. Und er wird sie loben. Ein neues, Kraft gebendes Mantra. Sie kicherte wie verrückt und biss sich in den Daumen voller Vorfreude. Sie sah es schon vor sich und hörte in Gedanken seine Stimme, wie er völlig hin und weg von ihren Fäusten aus Stahl wäre. Gar ins schwärmen geraten würde.
    Links und Rechts legten sich plötzlich schwere Hände fest auf ihre Schultern. Ihre Augen fokussierten sich und sie erstarrte in ihrer Bewegung. In Gedanken sammelte sie ihre Kraft.
    Blitzschnell drehte sie sich zur Seite, hebelte den festen Griff aus, wandte sich ihrem Widersacher zu und knallte dem Unbekannten ihre Faust ins Gesicht.
    Der Kopf flog in den Nacken zurück und derjenige griff sofort nach seiner Nase.
    „Was zur Hölle soll denn das“, polterte er.
    Ihre Augen weiteten sich. Sie würde ihn treffen... er wird sie loben..., hallte es in ihren Gedanken noch einmal nach.
    „Sir Lotus“, stellte sie entgeistert fest.


  • Hallo Kramurx,



  • Huhu @Kirisha,



    So. Das wars erstmal


    lg Kramurx

  • Okay, ein bisschen technischer Kleinkram voran:


    Er holte tief Luft und begann mit starker Betonung: „Einen STREICH nennst du das,“ imitierte Cromwell so gut wie er Sir Lotus ernste Stimme in Erinnerung hatte.


    Hier erfahren wir beilaeufig, dass der Name des Mannes in Gruen anscheinend Cromwell ist. Dafuer dass wir diesen Namen so lange nicht erfahren, ist das irgendwie... mau. Ich dachte da kommt noch ein Taschenspielertrick mit dem Namen oder so, so finde ich's eher verwirrend.



    Falls ihr seht, dass ich soeben einen neuen Teil gepostet hab, wartet am besten noch 5 Minuten damit es zu lesen. (falls jemand mal direkt es sieht und reinschauen will) In der Regel sind durch meine Formatierungsprobleme die Absätze nicht so, wie sie sein sollten und kann erst hinterher korrigiert werden,

    -> Erweiterte Antwort -> Vorschau - da kannst Du in Ruhe anschauen wie das auf die anderen User wirken wird und noch feilen bevor es dann ernst wird.


    ***


    Ja, dem ersten Teil des neuen Abschnitts fehlt es ein bisschen an Leichtigkeit - das Thema (Sir Lotus sitzt schweigend da, Cromwell redet sich um Kopf und Kragen) gibt durchaus was her - teilweise hat das auch richtig gute Szenen drin:


    Aber das ist ein Fall fuer On Too Long finde ich - die Idee ist zu sehr in die Breite gezogen, das wirkt dann nicht mehr richtig -


    „Ich frage mich was aus dieser hässlichen Schnepfe wohl geworden is? Man hat ja lange nich mehr von ihr gehört.“

    Sir Lotus hob seinen Arm und deutete auf einen Ring an seinem Finger.

    „Ihr – habt - Oh. Ihr habt geheiratet? Wieso das denn? Ich mein ... Glückwunsch!



    hat eigentlich auch schon alles was die Idee ausmacht. Ich denke der ganze Abschnitt wuerde besser funktionieren wenn er auf diese Weise
    'leichter' werden wuerde.



    Der letzte Abschnitt ist da schon auf einem besseren Weg - den Gedanken der Prinzessin folgen gefaellt mir schon gut - aber auch das Ende wuerde mit einem anderen Timing besser 'knallen' (Pun intended):



    Links und Rechts legten sich plötzlich schwere Hände fest auf ihre Schultern. Ihre Augen fokussierten sich und sie erstarrte in ihrer Bewegung.
    Blitzschnell drehte sie sich zur Seite, hebelte den festen Griff aus, wandte sich ihrem Widersacher zu und knallte dem Unbekannten ihre Faust ins Gesicht. Der Kopf flog in den Nacken zurück und derjenige griff sofort nach seiner Nase.
    „Oh - Sir Lotus“, stellte sie entgeistert fest.


    Dass sie sich drauf gefreut hat wie stolz er sein wird, das weiss ich als Leser schon noch an der Stelle, das muss gar nicht nochmal kommen - das ist hier wirklich ein 'punch' - der darf schnell kommen. :)


    (Alle Beispiele sind da um auszufuehren was ich hier meine - nicht als konkrete Vorschlaege den Text zu aendern)

  • Hallo @Thorsten,



    lg Kramurx