Der Trollschatz (Clíodhna 7)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Der Trollschatz (Clíodhna 7)

      Nachdem es schon wieder Herbst wird, ist es fuer mich Zeit mit dem Entwurf zu der naechsten Winterfolge unserer Fantasy-Serie zu beginnen, die wir dann wahrscheinlich im neuen Jahr abdrehen werden (zumindest die Aussenszenen). Nachdem wir wieder eine ansehnliche Mannschaft an Statisten brauchen werden, ist es gut das Konzept frueh zu haben.

      Wie auch bei den anderen Episoden sind wir hier im Forum mehr an inhaltlichem Feedback interessiert als an Stil, Grammatik oder Rechtschreibung weil das primaere Ziel der Geschichte ist, die Grundlage fuer ein Drehbuch zu werden. Wir sind in diesem Stadium auch fuer neue Ideen fuer den Plot oder Aenderungen offen (das ist generell leichter bevor man gefilmt hat...) - aber immer unter dem Vorbehalt dass wir es nachher verfilmen muessen - und manche Dinge koennen wir einfach nicht machen.

      So - fuer alle die Clíodhna bis jetzt verfolgt haben - hier ist Folge 7.

      (Und wer einen schnellen Ueberblick ueber die Geschichte bisher haben moechte - hier ist die Website zur Serie.)

      Viel Spass!

      Der Trollschatz


      Wolken drängten sich von den nahen Bergen heran, dunkle, graue Wolken, wie eine Armee von Riesen die in den Krieg gegen das letzte, schwache Tageslicht zogen. Es würde mehr Schnee geben, und schon bald. Vielleicht schon vor Einbruch der Nacht.

      Bradach zog den Mantel enger um die Schultern, rieb sich kurz die frostigen Hände und kniff dann die Augen enger zusammen um den frischen Schnee am Waldrand nach Spuren abzusuchen. Der Talboden von Gleann an Phéine lag unter ihm ausgebreitet, Reihen über Reihen von dicht verschneiten Kiefern und Fichten, nur unterbrochen von kahlen Birken und dem makellosen Weiß eines zugefrorenen Sees in der Entfernung. Aber keine Spur...

      Er fluchte leise. Es war nicht mehr viel Zeit bis es dunkel werden würde und die Schatten im Wald so dicht werden würden daß eine weitere Jagd unmöglich war. Wenn er wenigstens eine Spur finden könnte - ein Elch war viel zu schwer um nicht tief durch die Schneedecke zu brechen. Und wenn er einen Elch erwischen konnte... Fleisch für seine Familie fast bis zum Ende des Winters. Ein Fell das im Sommer gegerbt werden könnte. Leder, das verkauft werden konnte. Und Elche gab es reichlich im Tal - aber auch ein geschickter Bogenschütze mußte es schaffen, nahe genug an sie heranzukommen damit der Pfeil töten konnte.

      In Gedanken schalt er sich. Davon, daß er Phantasien nachhing was er mit einem Elch anfangen konnte wurde auch niemand satt. Er hatte gehofft, auf die Klippe zu steigen würde ihm zeigen wo im Tal er Beute machen könnte, aber das war wieder eine enttäuschte Hoffnung mehr. Das Licht würde noch ein wenig reichen um im Wald sein Glück zu versuchen - bevor er mit leeren Händen ins Dorf zurückkam. Aber zumindest diesen Versuch war er seiner Familie schuldig.

      Mit halb erstarrten Fingern löste er die Schneeschuhe von seinen Füßen und schlang sie sich neben Bogen und Köcher auf den Rücken, dann macht er sich vorsichtig daran, über die Felsen abzusteigen.

      Die Klippe war nicht steil, keine senkrechte Felswand die man nur mit einem Seil hätte überwinden können, sondern eher eine wirre Treppe die von Felsen gebildet wurde - oft war es nur ein Schritt bis zum nächsttieferen Felsband, aber an manchen Stellen fiel der Fels auch mehr als zwei Mann hoch ab. Und der lose Schnee machte jeden Schritt trügerisch.

      Seine Finger brannten, wann immer er den verharschten Stein berühren mußte, und Bradach verzog das Gesicht, als Schnee in seine Stiefel drang. Aber jetzt war es zu spät um umzukehren, er war schon auf halbem Weg zum Wald unter ihm...

      Und dann passierte es. Mit einem Mal gab der Schnee unter ihm nach, einen Moment lang schrammte seine rechte Hand noch über harten Stein, dann verlor sie den Halt und für einen endlosen Moment lang sah er das Grau der Wolken über sich. Dann preßte ein dumpfer Aufschlag seinen Atem aus der Brust, und ein scharfes Knacken drang an sein Ohr. In einer Schneewächte glitt er weiter nach unten, kurz sah er dunklen Wald, dann wieder ein dumpfer Aufprall, Schneebrochen die sein Gesicht trafen.

      Dann Stille. Leises Rieseln von Eiskristallen die sein Gesicht trafen und auf seiner Haut brannten, seinen Blick verschwimmen ließen. Stöhnend blinzelte er, bis das Bild klarer wurde. Über ihm ragte die Klippe in den grauen Himmel, und neben ihm lag ein Gewirr aus Wurzeln und Moos, das sein wilder Fall wohl aus der Wand gerissen hatte.

      Er versuchte seine Arme zu bewegen, und für einen Moment sprang ihn Panik an als nichts passierte, doch dann gab der harte Schnee nach, und mit gefühllosen Händen schob er die weiße Masse von seinem Oberkörper und seinen Beinen, dann zog er sich vorsichtig in eine kauernde Stellung hoch.

      Nichts gebrochen wie es aussah - aber sein rechtes Knie schmerzte höllisch, und jeder Atemzug tat weh. Die Pfeile waren über den Schnee verstreut, einer entzweigebrochen - der Bogen? Was war mit dem Bogen? Ein Seufzer der Erleichterung verließ ihn, als er sah daß die Waffe unbeschädigt war.

      Dann hielt er inne. Da war etwas gewesen... Seine Augen suchten die Stelle ab, wo sie ein Glitzern gesehen hatten das da nicht hingehörte. Dort, wo der Wurzelstrunk heruntergekommen war.

      Und dann sah er es - halb aus dem Schnee ragte etwas goldenes auf, glänzend, so wie nur ein einziges Metall glänzen kann. Warm und hell, trotz des grauen Himmels.

      Ein Ring. Ein goldener Ring.
    • Spoiler anzeigen

      Sehr cool.
      So auf Anhieb weiss ich gar nicht, was ich daran überhaupt kritisieren soll.
      Der Anfang ist sehr schön athmosphärisch und ich kann mir die Szene sehr gut vorstellen.
      Es ist auch sofort richtig spannend, was ich sehr mag.
      Zwar kann ich mir jetzt nicht so wirklich vorstellen, wie man mitten im Schnee einen Ring finden könnte (auch wenn er glitzert), weil Ringe die Eigenschaft haben nach unten zu fallen und Schnee diejenige, sich darüber zu legen. Wenn dann noch Gras und Gehölz dazukommt, scheint es mir unmöglich, darunter einen Ring zu sehen. Ich habe schon Stunden damit zugebracht, eine vom Rasenmäher abgefallene silbrig glänzende Schraube im Gras zu suchen und man findet sowas einfach nicht wieder.
      Aber ehrlich gesagt kann man darüber wohl hinwegsehen bei einer Geschichte, weil es einfach zu schön ist, sich vorzustellen, man könnte irgendwo draussen bei einem Sturz einen geheimnisvollen Ring finden.
      Ich lese gerne weiter - und als Film wird das sicherlich auch super umzusetzen sein!
      Meine Geschichte: Meermädchen
    • @Kirisha

      Schoen dass Dir die Atmosphaere gleich zusagt (wir haben auch schon einen tollen Drehort vor Augen - falls man den im Winter erreichen kann...)

      Ringe im Schnee

      Kirisha schrieb:

      Zwar kann ich mir jetzt nicht so wirklich vorstellen, wie man mitten im Schnee einen Ring finden könnte (auch wenn er glitzert), weil Ringe die Eigenschaft haben nach unten zu fallen und Schnee diejenige, sich darüber zu legen.
      Damit oute ich mich jetzt wahrscheinlich als den ultimativen Nerd, aber ich habe tatsaechlich eine Weile darueber nachgedacht wie das plausibel ablaufen kann - denn Du hast natuerlich recht, in frisch gefallenem Schnee ist ein Ring einfach mal weg.

      (Beim ersten Film, nachdem Katharina in Kostuem durch huefttiefen Schnee gewatet war, hatte sie ploetzlich den unbezhlbaren, geliehenen handgemachten Dolch nicht mehr der an ihrer Huefte sein sollte - wir beide sehr hektisch im Schnee gewuehlt, denn - was in hueffttiefen Schnee faellt ist erst mal weg, aber zum Glueck war er dann am Ende noch im Auto :whistling: )

      Aber - Schnee der eben als Lawine abgegangen ist formt eine recht harte Masse beim Aufprall - daher die Choreographie Bradach faellt - der Schnee den er mitreisst trifft auf einen Wurzelstock in der Wand - der Wurzelstock braucht noch ein-, zwei Sekunden um sich ganz zu loesen und die feinen Haarwurzeln zu zerreissen - der Ring wird von einer Wurzel mitgerissen als der Stock schon faellt, der Schnee prallt mit Bradach auf den Boden und formt eine harte Masse - der Wurzelstock schlaegt in die Masse ein (und verfehlt den guten gluecklicherweise) - der Ring faellt auf den harten Schnee und bleibt dort liegen - Reste an winzigen Flocken und Eis rieseln noch herunter und bedecken den Ring halb.

      Mit etwas Glueck koennte es so ausgehen dass der Ring danach tatsaechlich so halb aus dem Schnee ragt...

      Wie wir das filmen muss Katharina entscheiden - ich hatte schon so vage die Idee dass ich mich mit Kamera ein Stueck fallen lasse, das schaut bestimmt authentisch aus... :D


    • So, fuer alle die sich nach der Beltainenacht gefragt hatten wie die Sache mit Clíodhna und Rórdán denn jetzt weitergeht - hier kommen wir dazu.

      Und fuer @Kramurx gibt's jetzt noch eine Erwaehnung, nachdem das beim letzten Mal mit dem Finden von Cliodhna 6 erst spaet geklappt hat :D




      Kalte Luft schlug Rórdán ins Gesicht als er die Türe der Schmiede hinter sich schloß, einen prüfenden Blick auf das stille Dorf warf das in der Dunkelheit dalag und dann schnellen Schrittes die Richtung in den Wald einschlug. Der Himmel war verhangen und die Umgebung zeichnete sich nur schemenhaft ab, aber er kannte hier jeden Schritt und Tritt, und die meisten Wege in der Nähe des Dorfs waren tief ausgetreten.

      Seine Schritte knirschten im gefrorenen Schnee, und irgendwo hinter ihm in der Finsternis begann ein Hund zu bellen. Unwillkürlich drehte er sich um, aber niemand war zu sehen. Natürlich nicht. Niemand im Dorf hatte einen Grund, in einer Winternacht die warme Hütte zu verlassen. Außer ihm... Das Bellen verstummte wieder. Er holte tief Luft und ging dann vorsichtig weiter, leiser diesmal, darauf bedacht daß er möglichst wenig Geräusche machte. Erst am Waldrand, als die dunklen Schatten unter den Fichten seine Gestalt verschluckten beschleunigte er seinen Schritt wieder.

      Er war aufgeregt, das ließ sich nicht leugnen... Ein warmes Kribbeln war in seinem Bauch, und er konnte sein Herz pochen fühlen. Automatisch fanden seine Füße die schmale, wenig benutzte Abzweigung tiefer in den Wald, und dann lag sein Ziel schon vor ihm, ein düsterer Schatten unter den Bäumen umgeben von Linien aus warmem Kerzenschein das durch die Ritzen der verhängten Fenster auf den Schnee fiel - die Hexenhütte.

      Mit ein paar letzten schnellen Schritten trat er die Stufen vor die Tür hinauf, dann klopfte er bevor das Gefühl der Aufregung in seinem Bauch ihn dazu bringen konnte innezuhalten oder gar sich wieder umzudrehen.

      Schritte. Dann öffnete sich die Tür einen Spalt breit, und Clíodhna sah ihn an, ein Funkeln in den Augen.

      "Da bist du ja endlich! Du bist spät!", sagte sie atemlos, und im nächsten Moment warf sie ihm die Arme um den Hals und zog Rórdán in einen hungrigen Kuß. Er legte die Hände fest um die Hexe, spürte wie sich ihre schlanke Gestalt gegen ihn preßte, und zusammen stolperten sie nach drinnen, alles andere war für den Moment vergessen.

      ***

      Clíodhna zog sich die Decke über die Schultern, setzte sich halb auf ihrem Lager auf and sah Rórdán zu, der sein Hemd wieder überstreifte - oder es zumindest versuchte. Angenehme Entspannung durchdrang ihren ganzen Körper, und sie konnte immer noch seine Wärme auf ihrer Haut spüren.

      "Du könntest einfach hier übernachten, weißt du?", fragte sie mit einem feinen Lächeln auf den Lippen. "Ich glaube das wäre einfacher. Und wahrscheinlich auch schöner als der Weg zurück durch die Kälte."

      Rórdáns Kopf tauchte endlich aus der richtigen Öffnung des Hemds auf. "Ja - aber was sollen die Leute im Dorf dann über uns denken?" Die Hexe lachte leise. "Wahrscheinlich das gleiche, was sie sich eh schon denken. Oder glaubst du es fällt wirklich niemandem auf daß der Gehilfe des Schmiedes in so vielen Winternächten schlaflos ist und frische Luft schnappen will?"

      "Das ist nicht der Punkt.", wehrte Rórdán kopfschüttelnd ab. "Was ist dann der Punkt?", fragte Clíodhna amüsiert. Rórdán seufzte: "Der Punkt ist, daß niemand wissen muß wohin ich nachts gehe. Ich reibe es niemandem unter die Nase. Jeder kann sich seinen Teil dabei denken und sich raussuchen ob er was unschickliches denken mag oder nicht. Niemand muß aussprechen was er denkt, niemand muß etwas tun weil etwas unschickliches vorgeht, niemand muß irgendwen zur Rede stellen - denn niemand muß irgendwas genaues wissen. Ich könnte auch in ein anderes Bett als das der Dorfhexe steigen."

      Er seufzte wieder. "Damit lebt das Dorf ja im Großen und Ganzen recht gut...", fügte er bitter hinzu. Die Hexe runzelte die Stirn, und er fuhr fort: "Siofra's Mann schlägt sie seit Jahren wenn er zu viel getrunken hat. Aber so lange ihn keiner dabei sieht und so lange sie sagt daß sie sich angestoßen hat, können wir uns alle in der ruhigen Gewißheit zurücklehnen, daß sie eben zu Hause sehr ungeschickt ist und sich leicht verletzt..."

      Clíodhna schnaubte kurz, während Rórdán schweigend nach seinem Gürtel griff um ihn wieder anzulegen.

      "Ich wäre mir nicht so sicher, Rórdán.", sagte sie schließlich leise. Er zog seinen Gürtel fest, sah auf und sie ergriff seine Hand, betrachtete sie für einen Moment im Kerzenschein.

      "Ich möchte daß du wiederkommst. Am liebsten schon in der nächsten Nacht. Am liebsten möchte ich hier jeden Morgen neben dir aufwachen. Aber es ist nur fair wenn ich dich warne." Einen Moment schwieg sie, dann sah sie auf und fuhr fort: "Das Leben einer Hexe ist einsam, Rórdán. Vielleicht glaubst du das jetzt zu verstehen, aber die Wirklichkeit ist doch immer anders. Je mehr Zeit du mit mit verbringst, desto mehr wirst du diese Einsamkeit mit mir teilen müssen. Ich wünschte es wäre anders - aber so wird es früher oder später kommen. Sobald die Leute merken daß etwas zwischen uns ist, dann werden sie zu dir kommen wenn sie etwas von mir brauchen - und du wirst es ihnen genauso wenig geben können wie ich. Und das wird dich einsam machen."

      Rórdán beugte sich vor, und sie spürte für einen endlosen Moment seine Lippen auf ihrem Mund. "Ich werde vorsichtig sein.", versprach er. "Die Göttin weiß, ich würde auch am liebsten gleich morgen wiederkommen - aber es ist sicherer, ein bisschen zu warten. Und du wirst sehen - es wird alles nicht so schlimm werden. Das Dorf ist gut darin, wegzuschauen."

      Clíodhna seufzte. "Ich hoffe du hast Recht. Ich hoffe es wirklich.", sagte sie schließlich.

      Und sie blickte noch eine ganze Weile in Gedanken auf die Tür hinter der er verschwunden war als Rórdán schon längst wieder auf dem Weg war,
    • Hey Thorsten,

      Thorsten schrieb:

      Und dann sah er es - halb aus dem Schnee ragte etwas goldenes auf, glänzend, so wie nur ein einziges Metall glänzen kann. Warm und hell, trotz des grauen Himmels.

      Ein Ring. Ein goldener Ring.
      Mein Schaaaaatz! :D .... Sorry, musste ich direkt dran denken. Aber Ringe sind ja auch was Tolles! Sie haben immer direkt etwas Mystisches an sich und wenn man dann auch noch einen zufälligerweise nach einem Sturz im Schnee findet, liefert das prompt einen geheimnisvollen Einstieg in eine Geschichte. Geschrieben fand ich das recht ordentlich. Keine Wortwiederholungen gefunden! :rofl: ... aber das spielt ja hier ohnehin keine Rolle. ^^

      Zum zweiten Teil: Die Szene zwischen Rórdán und Clíodhna hast du schön beschrieben. Irgendwie verhalten sie sich wie zwei verliebte Teenies, die versuchen, das Geheimnis vor den Eltern zu wahren. Ich glaube ja nicht, dass es ihnen gelingen wird, diese Liaison lange vor den Dorfbewohnern zu verheimlichen...und dann dürfte es spannend werden. Bin gespannt, wie sich das auswirken wird.

      Soweit so gut! Kann weitergehn... :gamer:
    • @Rainbow

      Ringe im Schnee 2

      Rainbow schrieb:

      Mein Schaaaaatz! .... Sorry, musste ich direkt dran denken.

      Hm, ja... Du hast mich ertappt. :whistling: Im ersten Herr der Ringe Film gibt's eine Szene in den Misty Mountains wo der Ring Frodo in den Schnee faellt und die Kamera da ganz nah dran gegt - das fand ich vom Bild her ziemlich genial, wollte ich auch mal probieren, das hat die Szene so ein bisschen inspiriert.


      Rainbow schrieb:

      Irgendwie verhalten sie sich wie zwei verliebte Teenies, die versuchen, das Geheimnis vor den Eltern zu wahren.

      Hm, ja. Ich bin mir nicht sicher wie viel von dem Kontext ich schon in dieser Geschichte bringen soll, das soll in Folge 8 nochmal richtig wichtig werden, aber der Hintergrund ist im Wesentlichen dass die Hexe ja fuer das ganze Dorf zustaendig ist (eigentlich fuer das ganze Tal, nicht nur seine menschlichen Einwohner, aber das ignorieren die Dorfbewohner gerne...) - und wenn dann einer aus dem Dorf eine besondere Beziehung zu ihr hat, dann stellt sich fuer die anderen natuerlich die Frage wie unparteiisch sie dann noch ist. Hexen koennen zum Beispiel niemanden aus dem Dorf heiraten. Daher die Vorsicht - da wird kein Gesetzt gebrochen, aber traditionell macht man sowas eher nicht.

      Oder jedenfalls nicht offen :D
    • Hey @Thorsten

      Spoiler anzeigen

      sehr hübsch, sehr rührend geschrieben. Die Beschreibung der Natur kann ich mir richtig gut vorstellen. Witzigerweise, da ich ja einige deiner Filme schon gesehen habe, stelle ich mir genau die Gegend aus den Filmen vor, auch die Hütte habe ich ziemlich klar vor Augen.
      Und die Beziehung zwischen den Beiden gefällt mir auch sehr, das hast du sehr schön beschrieben.
      Vermutlich wird es da noch einen Konflikt geben, entweder zwischen den Beiden, weil diese Heimlichkeit ja auch eine gewisse Belastung darstellt - oder eben kommt es doch heraus und dann müssen die Beiden es aushalten, wie die anderen Dorfbewohner damit umgehen.
      Ich vermute mal, es wird sicherlich herauskommen. Es ist ja nur ein kleines Dorf.
      BIn gespannt wie es weitergeht!
      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Kirisha schrieb:

      Witzigerweise, da ich ja einige deiner Filme schon gesehen habe, stelle ich mir genau die Gegend aus den Filmen vor, auch die Hütte habe ich ziemlich klar vor Augen.
      Ja, das finde ich auch einen spannenden Unterschied zwischen Buch und Film - ich hab' beim Schreiben des Konzepts oft schon ein Bild wie das am realen Drehort aussieht, manchmal aber auch gar nicht - dann suchen wir oft den Drehort noch, und dann ist die ganze Szene manchmal am Ende sehr verschieden von dem was ich mir ausgemalt hatte.

      Oder - wie eben gedreht - ich hatte im Kopf dass ein Gespraech im Laufen stattfindet, aber das hat sich als nicht machbar herausgestellt...

      Kirisha schrieb:

      Vermutlich wird es da noch einen Konflikt geben, entweder zwischen den Beiden, weil diese Heimlichkeit ja auch eine gewisse Belastung darstellt - oder eben kommt es doch heraus und dann müssen die Beiden es aushalten, wie die anderen Dorfbewohner damit umgehen
      :) Wir sind bei Nummer 7 von 12 geplanten Folgen - da wird wohl noch das eine oder andere passieren :whistling:
    • "Und an der Stallwand muß mehr Schnee aufgetürmt werden - es ist immer noch zu kalt. Wir können es uns nicht leisten, daß diesen Winter Pferde erfrieren!", kommandierte Ailbhe, halb über die Schulter nach hinten gewandt, als sie das Haus verlies, dicht gefolgt von ihrem Knecht.

      Ärgerlich schnaubte sie. Der ganze Haushalt schien zu glauben daß die Arbeit am Hof mit dem ersten großen Schneefall zu Ende war und sich alle hinterm Ofen ausruhen konnten... Als ob es so einfach wäre, durch den WInter zu kommen! Nicht daß ihre Schwester ihr eine große Hilfe gewesen wäre...

      Wie vom Blitz getroffen hielt Ailbhe plötzlich inne und starrte auf die Szene, die sich vor ihr ausbreitete. Für ein paar Sekunden stand sie einfach nur da, weigerte sich zu glauben was sie da vor sich sah. Der Vorrat an Feuerholz, der gestern noch fein säuberlich unter einem Dach aufgestapelt gewesen war, war diesen Morgen wild durcheinandergeworfen und im Schnee verteilt worden.

      Ihre Lippen preßten sich zu einem dünnen Strich. "Wer ist für diese Sauerei verantwortlich?", fragte sie mit schneidender Stimme, an niemand im bestimmten gerichtet. Zwei Mägde und der Knecht starrten betreten zu Boden, aber niemand schien eine Antwort geben zu wollen.

      Ailbhe schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich waren es die Kinder gewesen. Vermutlich war Siofra's Göre, Treasa, die Anstifterin gewesen... Das Mädchen hatte nichts als Flausen im Kopf, statt daß sie sich nützlich machte, tobte sie durchs Dorf und richtete nur Unordnung an.

      "Was stehst Du rum?", herrschte sie ihren Knecht an. "Bring' das wieder in Ordnung! Und dann komm' zur Stallwand, die Kälte wartet nicht auf uns." Und mit einem prüfenden Blick auf die Mägde setzte sie hinzu: "Und ihr - habt ihr nichts zu arbeiten?" Hektische Betriebsamkeit folgte ihren Worten, so wie es sich gehörte.

      ***

      Sollte Ailbhe doch selber mal versuchen, Kinder aufzuziehen!

      Ärgerlich knalle Siofra den Weidenkorb auf den Holzstapel, bevor sie ihn mit Scheiten zu füllen begann. Das Gespräche mit der Dorfältesten war wirklich genau das gewesen, was sie noch gebraucht hatte! Und natürlich hatte Treasa alles abgestritten...

      Die junge Frau seufzte. Gerne hätte sie Ailbhe an den Kopf geworfen daß Treasa unschuldig war, aber Treasa war... eben Treasa. Und aus reinem Übermut einen Holzstapel umwerfen... Siofra schüttelte den Kopf. Das klang schon irgendwie nach Treasa.

      Fröstelnd rieb sie sich die kalten Hände und blickte über den verschneiten Wald zu den Bergen. Tiefe Wolken hielten die Gipfel verborgen - das bedeutete mehr Schnee. Aber Schnee war gut - Schnee bedeutete nur mehr Arbeit, aber klarer Himmel bedeutete tödlich kalte Nächte, Nächte in denen das kleine Feuer nicht ausreichte um die Hütte zu erwärmen, in denen der Rauhreif bis auf die Decken und Felle kroch und morgens eine Eisschicht auf dem Waschwasser war.

      Männer! Alles mußte man selber erledigen, egal wie sehr die Knochen weh taten. Wenn dieser Nichtsnutz von einem Ehemann wenigstens mal über den Sommer Brennholz schlagen würde, statt seine Tage in der Taverne zu verbringen!

      Ein Geräusch schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Im ersten Moment konnte sie nicht sagen was. Sie drehte sich um und musterte den Rand des nahen Waldes. Für einen Moment sah sie eine Gestalt aus dem Augenwinkel, aber schon im nächsten Moment huschte das Etwas zurück in den Schatten.

      "Rórdán?", fragte sie zögernd ohne genau zu wissen warum.

      Keine Antwort.

      Siofra kniff die Augen zusammen. Irgend etwas bewegte sich da, aber es war schon zu düster um viel zu erkennen. Wer schlich um diese Zeit am Waldrand herum?

      "Komm raus!", rief sie, eine Sicherheit in ihre Stimme legend die sie mit einem Mal nicht mehr fühlen konnte. Wer schlich um diese Zeit am Waldrand herum? Es gab keinen vernünftigen Grund dafür - es sei denn, man hatte etwas vor was niemand anderes wissen sollte.

      Hastig griff sie nach dem Weidenkorb, dann ging sie schnellen Schrittes auf die Tür der Hütte zu. Sie konnte die Blicke des Fremden auf ihrem Rücken förmlich spüren, aber sie zwang sich nicht zu rennen.

      Aber trotz der Kälte lief ihr der kalte Schweiß über den Rücken als sie endlich den Riegel vor die Tür schieben konnte.
    • Ja ja die lieben Kinder, nur blödsin im Kopf. An wen mich das wohl gerade erinnert?
      Schöne Geschichte die du da aufziehst . Euer Filmprojekt alle Achtung, meinen Respekt. Ich weiß wie man da kämpfen und organisieren muss. Ich War lange Zeit selber Mitorganisator einer historischen Gruppe.
      Zu dem " Schatz" , eine Möglichkeit ergibt sich durch unterschiedliche Schneeschichten, bin mal bei einer Schneewanderung ausgerutscht, weil die obere lockere Schneeschicht sich von der unteren vereisten löste. Fand eine Geldbörse eingeeist. Aber das mit dem Wurzelstock ist eine gute Idee.
      Euer Filmtrailer, gut gemacht. Am Anfang viel Natur. Dazwischen mal ein paar Hände die zusammeln finden, so als Hinweis hätte es etwas aufgelockert.
      Bin gespannt wie ihr das alles umsetzt. Wünsche euch viel Erfolg und passendes Wetter.
      Kamar
    • Kamar schrieb:

      Ich weiß wie man da kämpfen und organisieren muss. Ich War lange Zeit selber Mitorganisator einer historischen Gruppe
      Klingt interessant - wart ihr dann auf Festivals und so?

      Wir haben (zum Glueck) recht viele begeisterte Leute im Dorf die uns wirklich massiv unterstuetzen - mit Catering, Frisieren,... das hilft eine Menge.


      Kamar schrieb:

      Euer Filmtrailer, gut gemacht. Am Anfang viel Natur. Dazwischen mal ein paar Hände die zusammeln finden, so als Hinweis hätte es etwas aufgelockert.
      Verstaendnisfrage - welchen genau meinst Du hier - Beltainekoenig? Oder einen von den anderen?
    • Sorry mein Fehler
      Meinte den Beltaine King Taiser Post von Katharina

      War eine Historische Gruppe. Römische Legion. Wir sind in ganz Deutschland aufgetreten und teilweise auch in den Beneluxländern und Frankreich. Rosenheim, Trier, Aalen, Haltern um nur einige Städte zu nennen. War eine schöne aber auch sehr anstrengende Zeit. Man musste nicht nur für sich selber denken, sondern auch für so manch anderen, wo man froh sein konnte das er der Kopf angewachsen ist.
      Wir demonstrierten Lagerleben, erklärten unsere Ausrüstung, boten Römische Speisen und Getränke an.
      Mit zwei Kollegen machte ich einen vierzehn Tägigen Fußmarsch, in voller Ausrüstung entlang des Limes.
      Damals mussten wir noch unsere Ausrüstung selber fertigen, da es kaum welche gab. Habe dabei viel gelernt, unter anderem wie man einen Dolch schmiedet, Schilder baut, Kleider schneidert, verrückten Würzwein herstellt. Die römische Küche kennen und lieben gelernt.
      Daher weiß ich welche Last du (Ihr) dir mit eurem Unternehmen auf euch genommen habt. Und muss sagen "Mein tiefster Respekt".

      Mit neuen Mitgliedern wuchsen dann die Probleme. Sie hatten wenig bis kaum ein Interesse am Historischen, so das die Gruppe langsam zu einer Party und Saufgelage wurde. Irgendwann reichte es mir dann und ich bin ausgestiegen. Unter anderem auch weil die Ausrüstung für mich nicht mehr tragbar war. Knapp 40 Kilo ist für einen alten Mann wie mich etwas viel.
    • "Ihr zwei kommt mit mir mit, die anderen beiden mit Bradach!", kommandierte Rórdán die Männer die grade aus der Taverne getreten waren. "Siofra hat gesagt, daß sie einen Mann nahe bei sich am Waldrand gesehen hat, und Líadan hat jemanden am Dachshügel gesehen. Wir starten am Nordhang, Bradach geht zum Dachshügel und wir treffen uns in der Mitte. Vielleicht ist es alles nur ein Elch, aber vielleicht ist wirklich ein Wanderer vom Schnee im Tal eingeschlossen worden - ein Räuber, oder ein Söldner - und ist jetzt verzweifelt und sucht jetzt nach Beute statt um Hilfe zu fragen."

      Im Licht der Fackeln musterte er die Männer. Entschlossene Gesichter, auch wenn sie keine Krieger waren. Dolche und Äxte waren ihre Waffen, nur Rórdán hatte seinen Jagdspeer und Bradach seinen Langbogen. Aber gegen einen halb verhungerten Wanderer würde es reichen.

      Er atmete tief durch und blickte in die Schwärze der Nacht. "Haltet nach Spuren Ausschau - unwahrscheinlich daß wir mehr als das zu Gesicht bekommen. Noch Fragen?" Die Männer blickten sich an, aber keiner sagte etwas. "Dann los, gehen wir."

      Schnee knirschte unter ihren Füßen, als sie sich dem Waldrand näherten. Der rötliche Schein der Fackel erhellte die frische Schneefläche, aber alles was der Fackelschein nicht erreichte war in tiefen Schatten getaucht. Wenn es wenigstens klares Wetter gewesen wäre - im Mondschein konnte ein geübter Jäger gut sehen - so wußte er nicht, ob die Fackel mehr erhellte oder blendete. Für einen Moment lachte er belustigt auf - wer auch immer da draußen im Schnee herumstiefeln mochte - sehen konnte er jedenfalls auch nichts.

      Als sie den Waldrand erreichten, wies Rórdán die Männer an sich zu verteilen. "Schaut nicht direkt in die Fackel - versucht Spuren am Boden zu finden.", wiederholte er. "Rórdán - hier!", rief ihn Calatin in diesem Moment schon. Er beugte sich herunter. Irgendetwas war hier gelaufen, mehrfach hin- und her-, aus dem Wald heraus und wieder tief hinein... Aber der Schnee war zu locker, die Fußabdrücke waren nicht zu erkennen. Er kniete sich hin und versuchte vorsichtig, losen Schnee aus der Spur zu entfernen in der Hoffnung darunter einen besseren Abdruck zu finden, aber auch das war vergebens.

      Sinnend betrachtete er das Muster der Spuren. "Könnte schon sein, daß hier jemand aus dem Wald gekommen ist um das Dorf zu beobachten...", meinte er schließlich halblaut. "Aber ich kann's nicht sicher sagen. Wenn es ein Elch war, dann müßten wir früher oder später Fraßspuren an der Rinde finden... Gehen wir weiter."

      Der kleine Trupp setzte sich wieder in Bewegung. Hier im Wald machten es hunderte von flackernden Schatten die das Geäst und Unterholz warf noch schwerer, irgend etwas von der Umgebung mit Bestimmtheit zu erkennen. Sein Blick folgte weiter der Spur. Ein einziger deutlicher Fußabdruck - das war alles was es brauchte!

      "Rórdán'", rief Calatin plötzlich, einen Hauch von Panik in der Stimme. Er sah auf, blickte den Mann an, folgte seiner ausgestreckten Hand - und für einen Moment sah er eine gedrungene Gestalt, fast nur einen Schatten der sich vor den Bäumen abzeichnete. Dann tauchte sie schon hinter einen Busch.

      "Halt!", rief er und rannte schon im gleichen Moment los, den Speer fest umklammert. Mit jedem Schritt brach er tief durch die Schneekruste, und kalter Schnee rieselte in seine Stiefel, aber nichts davon spielte jetzt eine Rolle. Keuchend bog er den Busch zur Seite, den Speer im Anschlag - nichts.

      "Wo ist die verdammte Fackel?", brüllte er. Calatin setzte sich in Bewegung - viel zu langsam. Endlich fiel Licht hinter den Busch - aber es war immer noch keine Gestalt zu sehen. "Verdammt!", murmelte Rórdán und trat gegen einen Baumstumpf. Aber wenigstens waren Spuren zu sehen... Die Gestalt mußte hier lange gestanden haben. Er ging in die Knie, schaufelte wieder losen Schnee zur Seite.

      Dann sah er auf. "Das ist eine Trollspur!", stellte er verblüfft fest.

      ***

      Ailbhe goß Rórdán aus einem Krug Apfelwein in einen Becher ein, während er sich zurücklehnte und nachdenklich ins Feuer starrte. Die Dorfälteste setzte sich ihm gegenüber, musterte ihn einen langen Augenblick und seufzte dann.

      "Eine Trollspur. Bist du sicher?"

      Rórdán trank einen Schluck, nickte dann. Er hatte sich die gleiche Frage auch schon ein paar Mal gestellt. Auf den ersten Blick klang es nicht besonders glaubhaft.

      "Ziemlich... Man sieht sie selten, aber damals als Aodh mir das Jagen beigebracht hat, habe ich sie ein paar Mal gesehen. Den Sommer über sind die Trolle in den hohen Gipfelregionen, aber nach dem ersten Schnee im Herbst kommen sie weiter herunter - und dann kann man sie manchmal auf den zugeschneiten Bergwiesen und den Klippen am Rand des Tals sehen."

      Ailbhe musterte ihn skeptisch. "Auf den Klippen vielleicht - aber hier am Dorf?" Rórdán zuckte mit den Schultern. "Wenn es kein Troll war, dann wissen weder Bradach noch ich was es sein könnte. Es ist auf zwei Beinen gelaufen, für einen Bären waren die Abdrücke zu schmal. Und einem Menschen wären inzwischen ohne Schuhe die Füße abgefroren... "

      "Solange es kein Räuber ist...". meinte sie schließlich. Rórdán schüttelte den Kopf. "Kein Mensch kann so schnell und lautlos durch den Schnee verschwinden. Das war ein Troll. Was auch immer er hier im Tal gemacht hat."

      Eine Weile starrten beide in ihren Apfelwein als ob sie dort Antworten suchten. Für einen Moment hatte Rórdán das Gefühl, im Schweigen einen Funken der alten Kameradschaft wieder zu spüren die sie früher verbunden hatte. Sie waren zusammen aufgewachsen, hatten als Kinder zusammen gespielt - und auch für eine Weile nachdem das Reiffieber ihre Eltern getötet hatte waren sie einander nahe gewesen. Aber dann - dann war der Abstand gewachsen. Ailbhe hatte die Stellung der Dorfältesten geerbt, und er - er hatte die des Dorfbüttels angenommen. Was bedeutete, daß Ailbhe ihm Anweisungen erteilte und er ihr Bericht erstattete. Und das stand nun zwischen ihnen.

      Schließlich fuhr sich Ailbhe müde durch das Gesicht. "Soweit ich weiß, ist das Trollvolk sehr scheu, oder? Meinst du, wir bekommen noch mehr von ihnen zu sehen?" Rórdán schüttelte den Kopf. "Ich kann's mir nicht vorstellen. Normalerweise wagen sie sich gar nicht auf den Talgrund - irgend etwas muß passiert sein, daß ein Troll so nah ans Dorf gekommen ist, aber ich denke nicht daß es wieder vorkommen wird." - "Hoffen wir's.", seufzte Ailbhe.
    • Hey @Thorsten,

      die letzten beiden Teile haben mir sehr gut gefallen. Ich finde ja deine Beschreibungen immer sehr atmosphärisch und du schaffst es wunderbar Spannung aufzubauen... ist natürlich immer die Frage, mit welchen Mitteln man das später filmtechnisch umsetzen kann... bei Dunkelheit im Wald zu filmen stelle ich mir jetzt auch nicht so leicht vor :hmm: Man müsste sicher viel mit Geräuschen arbeiten... ein Uhu der ruft oder Schnee, der von den Bäumen fällt...und wie ihr den Troll darstellen werdet... da bin ich jetzt schon gespannt :D

      LG, Rainbow
    • Kirisha schrieb:

      die Eigenschaft haben nach unten zu fallen und Schnee diejenige, sich darüber zu legen. Wenn dann noch Gras und Gehölz dazukommt, scheint es mir unmöglich, darunter einen Ring zu sehen.
      Ich dachte, ICH wäre hier die sachlich-nüchterne Wissenschaftlerin mit Hang zur Sciencefiction. Wir bewegen uns doch im Bereich der Phantasie bei Mythen und Legenden aus vergangenen Zeiten. Und da fällt mir ganz spontan J.R.R. Tolkien und der Schaaatz ein. Wenn der Ring magisch ist, leitet er seinen neuen Besitzer zu sich - egal wie dick die Schneedecke oder alles sonst darüber dann ist.

      LG Nicole

      Und noch ein anderer Aspekt:

      Film und Buch - zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. - Dann lese ich immer wieder die Empfehlung für das Schreiben: "Show, don't tell". Ist es aber nicht gerade der Umstand, dass die Geschichte in einem Buch ERZÄHLT und nicht wie im Film einfach gezeigt wird, was hier den Unterschied ausmacht?

      Wie auch @Rainbow bin ich gespannt, wie diese schön erzählte Geschichte einmal filmtechnisch umgesetzt wird. Beim Lesen entstehen die Bilder aus der Phantasie und den persönlichen Erfahrungen heraus im Kopf des Lesers. Das ergibt bei jedem ein anderes Bild. Beim Film kann ich mich nur zurück lehnen und hin sehen. Und ob es mir gefällt, hängt davon ab, wie stark meine Phantasie und die des Regisseurs miteinander überein stimmen.

      In einem Text kann ich beschreiben, welche Gefühle und Erinnerungen das Gesehene bei mir auslösen. Im einem Film kann ich nur das Bild zeigen und hoffen das es beim Betrachter genau diese Gefühle hervor ruft.

      LG Nicole
    • Liebe @Nicole Doll

      Nicole Doll schrieb:

      "Show, don't tell". Ist es aber nicht gerade der Umstand, dass die Geschichte in einem Buch ERZÄHLT und nicht wie im Film einfach gezeigt wird, was hier den Unterschied ausmacht?

      Das geht jetzt ein bisschen vom Thema des Threads ab, aber mein Verstaendnis dessen was der Tip sagen will ist - es ist auch in einem Buch oft besser dem Leser Dinge zu beschreiben als sie einfach zu behaupten.

      Rogar war wuetend nachdem er von Jahrim gemassregelt worden war. Er stieg auf sein Kamel und reihte sich in die Karawane ein. (die Wut wird behauptet) hat bei weitem nicht die erzaehlerische Wucht von Rogar ballte die Faeuste und kniff die Lippen zusammen.. Was bildete sich dieser... Jungspund und Moechtegern-Krieger von Jahrim eigentlich ein ihn, Rogar, eine erfahrene Karawanenwaechter so zu behandeln! Halblaut die besten Schimpfwoerter vor sich hinmurmelnd stampfte er zu seinem Kamel, schwang sich in den Sattel und hieb ihm grob mit der Gerte auf die Seite um es zum Aufstehen zu bringen. Die anderen waren schon fast in Reihe. Er spuckte in den Sand, dann trieb er sein Tier hinterher. (die Wut wird beschrieben).

      Im Film sind wir dazu verdammt zu zeigen ob wir wollen oder nicht - ich kann schreiben Rórdán und Clíodhna tranken eine Tasse Tee zusammen. und dann den Dialog bringen - aber wenn wir das zeigen wollen sieht der Zuschauer immer den ganzen Hintergrund, der kann nicht leer sein, also ueberlegen wir uns praktisch immer - was hat Clíodhna vorher gemacht? Welche Sachen wuerden da noch rumliegen, trocknen Kraeuter unter dem Dach, hat sie Waesche gewaschen die man beim Trocknen sieht, arbeitet sie grade an einer Naeharbeit - je nachdem verteilen wir Requisiten im Hintergrund - die man eigentlich gar nicht wahrnimmt wenn man den Film sieht - man faende es nur sehr komisch wenn sie nicht da waeren.



      Nicole Doll schrieb:

      In einem Text kann ich beschreiben, welche Gefühle und Erinnerungen das Gesehene bei mir auslösen. Im einem Film kann ich nur das Bild zeigen und hoffen das es beim Betrachter genau diese Gefühle hervor ruft.
      Da unterschaetzt Du das Medium ein bisschen - da kann men deutlich mehr machen, Filmmusik zum Beispiel kann sehr deutlich Stimmungen transportieren. Das Bild das ich zeigen kann kann ich Farb-nachbearbeiten - das kann fast monochrom und duester sein, oder es kann satte Farben haben, es kann eine warme Farbtemperatur oder eine kalte bekommen,... Die Gedanken des Protagonisten koennen aus dem Off zu hoeren sein,... da gibt's schon mehr Moeglichkeiten als nur ein Bild zu zeigen und zu hoffen.

      ***

      Aber - wer das Experiment machen will - Rauhnachtfluch ist als Geschichte im Forum - und der Film wird in ein paar Wochen rauskommen. Kann jeder ausprobieren was die eigene Phantasie macht und was wir dann am Ende aufgenommen haben.


      Rainbow schrieb:

      bei Dunkelheit im Wald zu filmen stelle ich mir jetzt auch nicht so leicht vor

      Ja - aber ich weiss inzwischen ganz gut wie ich das machen muss und was jede von den beiden Kameras noch kann. Was gut funktioniert (sieht man im zweiten Film als Siofra an den Bach geht) - die Zeit in der Daemmerung abpassen in der die Fackel (Laterne,...) der hellste Bildpunkt ist, aber der Rest der Szene noch gut ausgeleuchtet ist. Das funktioniert in Finnland ganz gut weil die Sonne sehr langsam untergeht, wir haben da ueber eine halbe Stunde gutes Licht. Dann da filmen - dann ist alles gut drauf, aber Licht und Schatten der Fackel sind okay - nachher in der Nachbearbeitung abdunkeln - das laesst die Fackel hell genug.


      Rainbow schrieb:

      und wie ihr den Troll darstellen werdet..
      Das verrat' ich jetzt nicht - wir haben schon ein bisschen Ideen hin- und hergeworfen, aber wir muessen mal probieren ob das so geht. :D
    • Hallo @Thorsten

      Spoiler anzeigen

      auch dieser Abschnitt ist wieder sehr gelungen. Du bist wirklich gut darin, die Landschaft und die Stimmung einzufangen und auch die Handlung bietet viel Spannendes.
      Der Ring gehört vermutlich dem Troll...
      Sehr cool - da bin ich ja neugierig, wie sich das weiter entwickelt.
      Und was diese Trolle wohl für Gestalten sind.
      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Kirisha schrieb:

      Der Ring gehört vermutlich dem Troll...
      Uns draengt sich diese Vermutung natuerlich auf - aber die meisten Dorfbewohner wissen ja gar nicht dass es diesen Ring gibt :)




      Bradach klopfte sich den Schnee von den Stiefeln, schloß die Tür hinter sich und schob den Riegel vor. Dann fuhr er sich müde über sein Gesicht.

      Trolle... Hier im Tal. Es mußte Jahrzehnte her sein daß zum letzten Mal ein Troll hier gesehen worden war!

      Er hängte den Köcher an einen Haken, und stieg dann mit dem Fuß durch den Langbogen um mit einer geübten Bewegung die Sehne zu lösen, dann hängte er die Waffe ebenfalls an die Wand und ließ sich mit einem Seufzer auf einen Stuhl sinken.

      Alles in der Hütte war still - seine Frau und die Kinder schliefen wohl schon. Nur der Schein einer einzelnen Kerze erhellte den Raum. Viel gab es ohnehin nicht zu sehen - einen grob gezimmerten Tisch, eine Bank, Stühle, ein Regal mit Geschirr und eine Truhe - Felle an den Wänden zeugten von seinem Geschick als Jäger. Sein Blick irrte suchend durch den Raum, bis er die Tonflasche fand. Mit einem weiteren Seufzen stand er auf, nahm die Flasche von der Truhe und einen Becher vom Tisch und schenkte sich Bier ein, dann ließ er sich wieder in den Stuhl fallen.

      Es war ein langer Tag gewesen, und er war nicht mehr so jung wie früher. Die Kälte hatte begonnen, in seinen Knochen zu schmerzen wenn er den ganzen Tag draußen im Schnee auf der Pirsch war, und irgendwann konnten auch die besten Stiefel die Kälte und Nässe nicht von seinen Füßen abhalten. Er nahm einen großen Schluck Bier.

      Aber vielleicht würde das bald enden...

      Wieder stand er auf, öffnete die Truhe und nahm ein kleines, in Stoff geschlungenes Bündel heraus und packte es vorsichtig auf dem Tisch aus. Da lag er - der goldene Ring. Glänzend im Kerzenlicht. Das Versprechen einer besseren Zukunft.

      Vorsichtig drehte er den Ring mit den Fingern. Es war nicht nur das Gold, es war auch die Arbeit - feinste Schmiedekunst, Rillen im Gold formten die Gestalt zweier Vögel. Viel feiner als das, was Meister Bran, der Dorfschmied anfertigen konnte. Fast wie eine Arbeit aus den Sagen über das kleine Volk. Wie nur war er da in den Schnee gekommen? Niemand im Dorf konnte sich solchen Schmuck leisten - nicht einmal Ailbhe. Er würde im Frühjahr nach Süden reisen müssen, in die Stadt, um ihn dort zu verkaufen. Rórdán würde wie jedes Jahr aufbrechen um Besorgungen für Meister Bran zu machen - da konnte er mit ihm gehen. Was mochte ein solcher Ring wert sein?

      Ein paar Ziegen vielleicht, Hühner - mit etwas Glück vielleicht sogar genug um ein Pferd zu kaufen und die Äcker zu pflügen statt sie von Hand zu hacken. Warme Umhänge für alle, und neue Stiefel. Wahrscheinlich nicht genug um sorgenfrei zu werden - aber genug um einen Unterschied zu machen, genug daß seine Familie ein Auskommen hatte selbst wenn er nicht mehr so viel auf Jagd gehen konnte.

      Verlockend glänzte der Ring im Kerzenschein. Ein Versprechen auf eine bessere Zukunft...

      ***

      "Aoibheann's bester Jahrgang.", erklärte Rórdán während er für Clíodhna und sich aus einer bauchigen Flasche Apfelwein einschenkte. Die Hexe kuschelte sich an seine Schulter, und ihr Haar kitzelte auf verwirrende Weise an seiner Wange so daß er beinahe neben einen Becher gegossen hätte. Er drehte seinen Kopf um einen Kuß zu stehlen, dann reichte er ihr einen Becher.

      "Du weißt, wie man eine Frau verwöhnt!", kicherte Clíodhna leise nachdem sie den Apfelwein probiert hatte. "Ich kann nicht behaupten daß Aoibheann mir diesen Jahrgang jemals angeboten hätte..." Rórdán lächelte leise. Es war tatsächlich nicht ganz einfach gewesen Aoibheann diesen Apfelwein zu entlocken, sie war geizig damit. Aber es gab immer noch den einen oder anderen Gefallen den sie ihm schuldig war. Und er hatte Clíodhna damit überraschen wollen. Er legte seinen Arm um die Hexe und genoß das Gefühl der Wärme an seiner Seite. Manchmal war es immer noch verwirrend so über Clíodhna zu denken statt sie als die ehrwürdige Mutter zu sehen der man Respekt entgegenbrachte - aber er gewöhnte sich daran. Und es machte ihn glücklich - glücklicher als er seit langer Zeit gewesen war.

      "Sag mal, was weißt du eigentlich über Trolle?", fragte er aus einer plötzlichen Eingebung heraus." - "Nicht so viel wie ich wahrscheinlich wissen sollte - ich bin aus dem Süden, schon vergessen?", antwortete Clíodhna neckisch. "Ich hab' noch nie einen Troll zu Gesicht bekommen wenn du das meinst." Er schüttelte den Kopf. "Nein, meine ich nicht. Bis vor drei Tagen hatte ich auch noch nie einen zu Gesicht bekommen, aber ich bin mir recht sicher daß da einer war und das Dorf beobachtet hat." Er schwieg einen Moment nachdenklich und fuhr dann fort: "Was meinst du eigentlich mit 'nicht so viel wie du wissen solltest'?"

      Clíodhna lachte und küßte ihn auf die Wange. "Mein ganz persönlicher Beschützer hört recht genau zu.", sagte sie lächelnd. "Was ich meine ist... Ich bin die Hexe des Tals. Des ganzen Tals - nicht nur des Dorfes und der Menschen, sondern auch alles andere hier im Tal gehört zum großen Gleichgewicht und liegt in meiner Verantwortung - die Tiere, die Bäume, die Geister - und eben auch die Trolle. Das wird im Dorf gerne übersehen, die Menschen glauben die Hexe ist nur für ihre Angelegenheiten da, aber das stimmt nicht." Sie kicherte plötzlich. "In einem gewissen Sinn bin ich also auch die Hexe der Trolle."

      Auch Rórdán mußte kichern. "Und - kann sich meine Trollhexe vorstellen warum ein Troll um diese Jahreszeit so nah ans Dorf kommt?" Clíodhna wurde ernster und zeichnete nachdenklich mit ihrem Finger Muster auf seinen Arm. "Ich weiß nicht... Nach allem was ich gehört habe sind sie normalerweise scheu. Sie leben in den hohen Lagen der Berge, im Sommer im ewigen Eis, im Winter ziehen sie etwas weiter nach unten. Normalerweise gehen sie Menschen aus dem Weg, auch wenn es Geschichten über Tauschhandel gibt - Dinge die bewußt an einem bestimmten Ort liegen gelassen werden, um dann im Austausch andere Dinge dafür zu finden. Ab und an sieht ein Jäger auch mal einen Troll... "

      Rórdán nickte langsam. Was Clíodhna beschrieb, deckte sich mit dem was er über Trolle gehört hatte."Vielleicht ist es wie bei uns auch.", spekulierte sie. "Vielleicht gibt es einfach ab und an einen Troll der neugierig ist und wissen mag, was es mit den Lichtern im Tal auf sich hat, die sie da immer von den Bergen aus sehen. Und es war eine Art Mutprobe."

      Rórdán kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Ja, vielleicht...", sagte er ohne rechte Überzeugung. "Es ist... seltsam, von den Trollen so zu denken. Als wären sie wie wir." Clíodhna sah ihn scharf an: "Sie sind nicht so verschieden von uns wie du denkst. Menschen sind nicht das Maß aller Dinge."

      Rórdán machte eine hilflose Geste. "Du bist eine seltsame Frau, Clíodhna." "Ich weiß.", entgegnete sie stolz. "Ich bin eine Hexe. Und jetzt, Rórdán Schmiedegehilfe, hoffe ich, daß du nicht vorhast schon bald zu gehen. Ich bin nämlich noch nicht fertig mit dir!"
    • Ohje, mir bangt schon etwas vor den Szenen, in denen Clíodhna wie ein verliebter Teenager auftreten muss :/ Da hilft vermutlich tatsächlich nur viel :wein: im Vorfeld...

      Vermutlich muss ich da noch mal in mich gehen, wie ich das am besten rüberbringe. Sie soll ja auch nicht völlig deppert wirken. Ich denke, man muss dann recht gut den Kontrast aufzeigen, wenn sie dann wieder in die Rolle der "Ehrwürdigen Mutter" fällt. Auch eine Hexe muss zwar Beruf und Privatleben trennen können, nur ist ihr Stand ja weniger ein Beruf als eher eine Berufung und eine Lebensphilosophie - das sollte auch irgendwie transportiert werden, auch wenn ich mir gerade noch nicht so richtig vorstellen kann, wie. :hmm:
      Film-Projekt: Clíodhna - die Hexe von Gleann an Phéine
      Für alle, die sich dafür interessieren, wie wir Filme machen: Ein neuer Film entsteht (Blog)
      Geschichte: Die Schwarze Göttin
    • "Wer ist da?", fragte Caoileann laut und legte ihre Näharbeit zur Seite, ärgerlich daß irgendjemand so laut gegen das Fenster hämmerte daß ihre Tochter aufwachen konnte.

      Niemand antwortete.

      "Wer ist da?", wiederholte sie erneut mit schärferer Stimme und griff nach der Kerze. Wieder hämmerte es gegen das Fenster, aber diesmal mischte sich auch Kratzen und Schaben in den Lärm.

      "Mama, ich hab' Angst!", wimmerte Úna leise von ihrem Bett.

      In diesem Moment warf sich irgendetwas gegen die Tür so daß sie in ihren Angeln ächzte, wieder und wieder, etwas anderes hämmerte wie wild gegen das Fenster, unsichtbare Klauen schabten an der Wand als könnten sie das dicke Holz in Fetzen reißen... Mit einer schnellen Bewegung rannte Caoileann zu ihrer Tochter, setzte sich zu ihr ins Bett, zog sie an sich und schlug die Decke über beide.

      "Alles ist in Ordnung, mein Lämmchen.", flüsterte sie leise über Únas Wimmern und das Getöse um sie herum, während sie mit schreckgeweiteten Augen den Raum nach einer Waffe durchsuchte. Unsichtbare Klauen die versuchten irgend eine Öffnung zu finden... Wo nur war der verdammte Dolch?

      "Mama!", schrie Úna panisch.

      Dann, mit einem Mal, herrschte wieder Stille. Kein Hämmern ans Fenster mehr, nichts versuchte sich gegen die Tür zu werfen - nur das leise Knacken des Feuers war zu hören, und ihr eigener Herzschlag dröhnte in ihren Ohren.

      Sie zog den Kopf ihrer Tochter fest gegen ihre Brust und flüsterte wieder: "Alles in Ordnung." Aber es wollte ihr nicht gelingen, sich selbst davon zu überzeugen.

      ***

      Siofra schrak hoch.

      Es war dunkel, nur durch das mit Stoffen gegen die Kälte verhängte Fenster drang schwacher Mondschein herein und zeichnete die Konturen der Kammer schemenhaft nach. Es war still - das leise Knacken der Glut in der Feuerstelle war schon längst verstummt, und nur vom Bett gegenüber konnte sie den Atem von Treasa, ihrer Tochter hören. Und es war kalt - die Kälte war durch die Decke in ihre Glieder gekrochen und hatte ihre Nasenspitze fast taub gemacht, und jetzt dampfte ihr Atem in der kalten Luft.

      Was hatte sie geweckt? Ein Albtraum?

      Ihr Herz raste immer noch, aber sie konnte sich nicht erinnern was sie geträumt hatte, da war nichts. Die Kälte? Aber es war nicht das erste Mal daß sie zu wenig Holz hatten um die Kammer warm zu bekommen, und in den kalten, klaren Mittwinternächten wenn die Sterne in ihrer gleichgültigen Grausamkeit am Himmel funkelten und der Rauhreif bis auf die Kissen kroch, da war alles viel schlimmer.

      Sie zuckte zusammen. Da war etwas gewesen, ein Geräusch... Fast wie eine Art... Kratzen an der Wand.

      Wie in Trance starrte sie auf das hellere Quadrat aus Stoff, das die Kammer von Draußen trennte. Etwas schob sich davor, eine gedrungener Schädel... Ihre linke Hand fuhr zu ihrem Mund um einen Schrei zu unterdrücken. Während sie die Augen keinen Moment von diesem... Ding da draußen ließ, tastete ihre andere Hand nach dem Schürhaken.

      Wieder das schabende Geräusch. Der dunkle Umriß des Schädels vor dem Fenster hielt inne, schien abzuwarten. Ihre Faust klammerte sich um das harte Metall, spürte die Kälte gar nicht. Einen endlosen Moment hielt sie den Atem an.

      Dann bewegte sich die Gestalt langsam wieder weiter, und kein Umriß zeichnete sich mehr auf dem Stoff ab. Sie raffte die Decke um sich und setzte sich auf dem Bett auf, den Schürhaken noch in der Hand. Sie brauchte drei Versuche um ihn leise wieder hinzulegen, so sehr zitterte ihre Hand.

      ***

      Clíodhna rückte die Kerze näher um besseres Licht zu haben und öffnete das schmale, in Leder gebundene Buch. Pergamentseiten erschienen vor ihren Augen, von Hand beschrieben - oder besser, von ganz verschiendenen Händen, in ganz verschiedenen Schriften. Da waren die Runen des hohen Nordens, eine Schrift aus dem Süden die an Spinnenbeine erinnerte, die reich verzierten Buchstaben eines lange untergegangenen Köngireichs...

      Es gab Hexen, die nur ihrem Gedächtnis vertrauten, aber viele andere trugen solche Aufzeichnungen mit sich und vererbten sie auch ihren Nachfolgerinnen. Sie ergänzten die Texte aus eigenen Erfahrungen, kopierten Texte die sie für wichtig hielten oder sortierten aus was sie für falsch hielten. Es war ein Weg, zu versuchen Wissen von Generation zu Generation zu bewahren.

      Clíodhna lächelte kurz. Obwohl sie die Hütte mehr als einmal durchsucht hatte - von Fionnula hatte sie nie Aufzeichnungen finden können, und die alte Hexe hatte dergleichen auch nie erwähnt. Vermutlich gehörte sie zu den Hexen, die geschriebenem mißtrauten... Dann hielt sie in ihrer Suche inne und kniff die Augen zusammen. Das war vielversprechend - 'Wesenheyten in dem Wylden Norden'. Lautlos formte sie mit dem Lippen die Worte, als sie die Schriftzeichen studierte die schon lange nicht mehr in Gebrauch waren.

      Eine Falte erschien auf Clíodhnas Stirn als sie weiter blätterte und einen anderen Text studierte, und je länger sie las, desto tiefer wurde diese Falte. Schließlich ließ sie das Buch sinken und schüttelte den Kopf, als sie die Kerze sah - hatte sie wirklich so lange gelesen?

      Sie holte tief Luft. Die Arbeit für die Nacht war noch nicht vorbei - es war Zeit, die Runen zu werfen...

      ***

      Schnee knirschte unter Rórdáns Stiefeln als er den Weg aus dem Dorf hinaus einschlug. Über seiner Schulter lag die Eishacke, die Bran gestern gestern nacht noch repariert hatte - und die Tighernán bei diesem Wetter vermutlich schnell wieder brauchen würde. Er warf einen prüfenden Blick zu den Bergen - tief hängende, dichte Wolken, aber für den Moment sah es nicht so aus als würde mehr Schnee kommen.

      Dann hielt er inne.

      Eine einsame Gestalt, regungslos an die Wand ihrer Hütte gelehnt, wie verloren in der Kälte stand da - Siofra. Weinte sie?

      Zorn stieg in ihm auf. Hatte sie sich wieder mit ihrem Mann gestritten? War das wieder einer der Tage, wo sie sich nicht traute, in ihr Zuhause zu gehen, aber doch keine andere Bleibe hatte? Er ließ die Hacke achtlos auf den Boden sinken und lief zu ihr hin.

      "Siofra?", fragte er sanft.

      Die Frau vor ihm reagierte nicht, blieb abgewandt. Ein paar schnelle Schritte brachten den Abstand zwischen ihnen zum Verschwinden, und er legte ihr behutsam den Arm um die Schultern. "Siofra - was ist los?"

      Siofra fuhr herum, streifte seinen Arm ab und im nachsten Moment spürte er einen brennenden Schmerz auf seiner Wange.

      "Faß mich nicht an, Rórdán!", fauchte sie mit blitzenden Augen. "Faß mich bloß nicht an! Ich dachte du wärst mein Freund - für eine Weile dachte ich Schaf wirklich du wärst mein Freund. Aber du bist genau wie die anderen!"

      Verwirrt starrte er sie an. "Was ist denn passiert, Siofra?", stammelte er. "Warum..." - "Geh doch zu deiner Hexe!", spuckte sie die Worte förmlich aus. "Du hast beschlossen da dein Bett zu bereiten - dann leg dich auch rein, verdammt! Und laß mich in Ruhe!"

      Brüsk drehte sie sich um und ließ ihn stehen.

      Rórdán holte tief Luft, betastete für einen Moment seine schmerzende Wange. Woher konnte Siofra wissen... ? Und vor allem - was störte es sie? Hatte sie ihm nicht jahrelang zu verstehen gegeben daß sie nicht an ihm interessiert war? Und jetzt? Was genau war hier grade passiert? Er seufzte und wandte sich um - er hatte noch zu tun, und im Moment war es wohl zwecklos, zu versuchen die Dinge mit Siofra zu klären.