HEAVEN (Band II)

  • Thorsten , Sensenbach , LadyK


    Danke wie immer für euer Feedback. :)


    Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass nach allem, was Emilia so passiert ist, sonnenklar sein müsste, dass sie keine zehn Pferde in diesem Zimmer halten. Nachdem ihr es aber einstimmig seltsam fandet, dass sie zu solch überstürzten Fluchtplänen neigt, habe ich mich noch einmal daran begeben und eine Textstelle eingebaut, die zumindest verdeutlich, dass sie kurz abwägt.


    Ich packe sie mal in den Spoiler und wer Lust hat, kann sie sich ja noch mal ansehen. Vielleicht bastle ich auch noch etwas weiter daran herum, aber das hier ist jetzt erst mal so ein Entwurf...


  • Ich komme erst jetzt dazu, hier mal reinzuschauen. Das Kapitel im Zimmer finde ich sehr stark, und auch deine neue Ergänzung ist sehr intensiv und ungeheuer spannend. Ich persönlich finde die Flucht nachvollziehbar und gut erklärt, außerdem ist es mit der neuen Ergänzung noch etwas besser geworden.

    Die einzige Stelle, wo ich kurz gezögert hätte, wäre wohl der Sprung vom Balkon gewesen, 3 Meter tief. Nö, ich glaube, das hätte mich gewaltig Überwindung gekostet, und dann ist es ja nicht nur die Höhe, sondern da sind auch noch Dornen. Ich spring jedenfalls auch nicht so ohne Weiteres vom 3-Meter-Turm im Freibad, und nach dem, wie ich Emilia bisher kennengelernt habe, würde ich denken, dass sie da vielleicht auch eine Weile überlegt und Angst überwinden muss.

    Das ist also wieder das typische unnötige Gemecker, das du aber auch ignorieren kannst. Das Kapitel ist ungeheuer gut und faszinierend und ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht. Ein wenig erinnere ich mich ja noch daran. Ich glaube, wir erreichen bald die Stelle, wo du damals aufgehört hast zu posten. Bin schon richtig neugierig, was dann noch alles kommt.

  • Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass nach allem, was Emilia so passiert ist, sonnenklar sein müsste, dass sie keine zehn Pferde in diesem Zimmer halten.

    Warum?


    Sie war vorher in der absoluten Hoelle. Jetzt wacht sie auf und ist... wo ganz anders. Du weisst dass sie immer noch in der Gewalt von Dagon ist, und der Leser ebenfalls, aber sie kann das nicht wissen.


    Sie wacht in einer... sagen wir mal... freundlichen Umgebung auf - sieht nicht akut so aus als sollte sie gefoltert werden, eher so, als wuerde man sie umsorgen wollen. Woher soll sie wissen dass sie ueberhaupt noch in Feindeshand ist? Genausogut koennte ein Kumpel von Elias sie befreit haben, oder sie koennte ausgetauscht worden sein. Sie kann es nicht wissen, alles was sie wissen kann ist, dass die Situation in der sie jetzt ist drastisch besser und ganz anders ist als die, in der sie vorher war.


    Also, so sonnenklar wie Du sagst ist das von ihrer Perspektive aus eher nicht finde ich.

  • Danke, Kirisha und Thorsten ^^



  • Hi Rainbow :)


    Ich habe dann mal Kapitel 3 gelesen und WOW, wie habe ich mitgelitten. ;(



    LG Remoni


    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Hey Remoni,


    cool, dass du mal wieder weitergelesen hast. :) Ich stelle es mir nicht leicht vor, nach so einer Unterbrechung wieder in die Geschichte zu finden.

    Ich musste jetzt selbst erst noch mal nachlesen, was in Kapitel drei überhaupt so los war. :rofl:



    LG,

    Rainbow

  • Ich melde mich mal vorsichtig aus der Versenkung zurück. Nicht, dass ihr denkt, ich hätte irgendwie das Handtuch geworfen, oder sowas. :)


    Der Part, den ich euch jetzt zeigen werde, hat mich einfach vor die eine oder andere Herausforderung gestellt. Entgegen meiner Vorliebe für lange Schachtelsätze (und glaubt mir, dieser Teil war voll von den schönsten Aneinanderreihungen grandioser Formulierungen... ohne Punkt und Komma versteht sich :rofl:) habe ich vor allem zum Ende hin versucht, das Chaos und Emilias Zustand durch kurze abgehackte Sätze darzustellen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mir daran einen abgebrochen habe.


    Aber nun gut. Obwohl ich noch nicht vollends zufrieden bin und da auch garantiert noch mal nachjustieren muss, will ich euch mein kleines Experiment dennoch schon mal zeigen. Bin gespannt, wie ihr es finden werdet. (Für Anregungen, Tipps, Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich wie immer dankbar. )



    Kapitel 15.2

    Schwerfällig richtete Emilia sich auf, versuchte, auf die Beine zu kommen. Sie wusste nicht, ob es an der ungewohnt kalten Außentemperatur lag, dass ihr das Atmen so schwer fiel, aber irgendwie schienen sich ihre Lungen nicht richtig mit Sauerstoff zu füllen, egal, wie tief sie die Luft auch einsog. Stattdessen stieg ihr nun ein penetranter Schwefelgeruch in die Nase und sie schmeckte den trockenen Staub in ihrem Mund.
    Alles um sie herum begann plötzlich, sich zu drehen.
    Was war bloß los mit ihr? Wenn sie sich nicht zusammenreißen und endlich von hier abhauen würde, könnte sie ebenso gut gleich aufgeben. Dagons Lakaien würden sicher schon bald ihr Verschwinden bemerken und sofort die Gegend nach ihr absuchen. Um nichts in der Welt gönnte sie ihnen die Genugtuung sie nur wenige Meter vom Haus entfernt in diesem bemitleidenswerten Zustand zu finden.
    Mit letzter Kraft hievte sie sich hoch, strauchelte auf die Überreste eines verdörrten Baumes zu, der zwar nur wenige Meter entfernt war, aber zumindest erst einmal Deckung bot. Hier ließ sie sich erneut nieder, lehnte sich völlig entkräftet mit dem Rücken an den mannshohen Stumpf. Verzweiflung kroch in ihr hoch. Warum zum Teufel war sie nicht stärker? Sie durfte jetzt nicht schlappmachen.
    Die zerschundenen Hände gegen ihren pochenden Schädel gepresst, sog sie gierig die abgestandene Luft ein, während sich der Druck hinter ihren Augenhöhlen immer weiter aufbaute.
    Sehnsuchtsvoll ließ sie ihren Blick die steile Hauswand hinauf gleiten.
    Unerreichbar weit erschienen ihr die Balkonbrüstung und das dahinterliegende Zimmer mit dem prasselnden Kaminfeuer. Der weiße Vorhang, bauschte sich im Wind wie eine Fahne, die ihre Kapitulation besiegelte. Es gab keinen Weg zurück.
    Was hatte sie geritten, hier herauszugehen in diese menschenfeindliche Umgebung? Hatte sie tatsächlich gedacht, dass es so einfach sein würde zu entkommen? Mit dem Vorhaben zu fliehen hatte sie ihr eigenes Todesurteil unterschrieben. Wenn sie nicht erfror, würde sie elendig ersticken.
    Ihr Blick verschwamm. Die ausgestreckte zitternde Hand in Richtung des Hauses ließ sich nicht länger aufrechthalten. Schwer wie Blei sank sie zu Boden, wo sich ihre Hände tief in das knorrige Erdreich gruben.
    Sie spürte, wie das Leben langsam und unaufhaltsam aus ihr herausfloss.
    Obwohl sie ihre Umgebung nur noch schemenhaft wahrnahm, glaubte sie in der Ferne ein flackerndes Licht erkennen zu können. Wie ein Leuchtturm auf stürmischer See, der seinen Strahl in die finstere Nacht warf, um kurz darauf wieder zu verblassen, zog das seltsame Flimmern ihre Aufmerksamkeit auf sich.
    Staub flog umher, ließ sich vom Wind in die Lüfte tragen, wo er sich zu einer umherwirbelnden Wolke verband.
    In dem tosenden Durcheinander glaubte Emilia tatsächlich für einen Moment, Elias` Gesicht erkennen zu können, das sich aus dem feinen Wüstensand formte und derart echt wirkte, als sähe sie ihn leibhaftig vor sich.
    Seine Augen, die die Farbe von flüssigem Silber angenommen hatten, strahlten eine beruhigende Wärme aus. Doch an ihrem sorgenvollen Ausdruck war deutlich abzulesen, dass er in keinster Weise gut hieß, was sie hier tat. Es war derselbe Blick, den er ihr immer dann zuwarf, wenn sie etwas offensichtlich Dummes tat oder sie sich seiner Ansicht nach selbst gefährdete. Tiefe Besorgnis spiegelte sich in seinen Zügen und kurz sah es so aus, als ob er ihr etwas zurufen wollte, doch das Tosen des Windes ließ seine Worte ungehört verhallen.
    Wie gern hätte Emilia noch einmal seine tröstende Stimme gehört, die Geborgenheit seiner wärmenden Arme um ihren eisigen Körper gespürt.
    Doch es blieb ein Wunschgedanke. Nicht mehr als das kurze hoffnungsvolle Aufflackern einer windgepeinigten Kerze, bevor sie erlosch. Nach und nach verblasste sein Bild, wurde wieder eins mit dem tristen Grau des Himmels.
    Nein! … Bleib!“, hätte Emilia ihm gerne zugerufen. Es wäre leichter, dem Tod entgegenzublicken, wenn er bei ihr war. Doch es war bereits zu spät. Zusammen mit dem aufgewirbelten Staub wurde die Erinnerung an ihn davongetragen und zurück blieb eine grenzenlose Leere, die auch noch das letzte Fünkchen Wärme aus ihrem Körper zog.
    Einzig die Lichtquelle, die sie nach wie vor in einiger Entfernung durch die Dämmerung tanzen sah, legte sich wie ein Hoffnungsschimmer über die triste Dunkelheit der herannahenden Nacht.
    Das Licht. Sie musste dorthin! Licht bedeutete Wärme … und Wärme bedeutete Leben!
    Ein letztes Aufbäumen ermöglichte es ihr, sich auf allen Vieren kriechend in Richtung des großen schmiedeeisernen Tores zuzubewegen, das sie vor sich aufragen sah. Es schien die Quelle des wundersamen Scheins zu beherbergen. Rechts und links davon schloss sich ein Zaun an, der oben in speerförmig zulaufenden Spitzen endete und die Grundstücksgrenze darstellte. Wie schon fast nicht anders zu erwarten, stand die Pforte weit offen, als stünde es hier jedem frei zu kommen und zu gehen, wie es ihm passte.
    Sie keuchte gegen die Enge in ihrem Brustkorb an, der sich so anfühlte, als seien ihre Atemwege bereits randvoll mit Staub gefüllt. Mühsam kämpfte sie Stück für Stück gegen die eiskalten Windböen an, die ihr die Kapuze vom Kopf wehten und die Tränen auf ihrem Gesicht zu Eiskristallen erstarren ließen. Die unbarmherzige Kälte hielt ihren Körper fest in ihren Klauen, machte sie so gut wie bewegungsunfähig. Jede Berührung und jede noch so kleine Erschütterung jagten einen stechenden Schmerz durch ihre eingefrorenen Glieder, sodass sie kurz vor dem Ziel nach Luft ringend zusammenbrach.
    Nur noch ein bisschen … Ein kleines Stück noch.
    Den Kopf schützend in den Armen vergraben, robbte sie auf den Ellenbogen weiter dem imposanten Eingangsbereich entgegen, bis sie schließlich mit ihrer ausgestreckten Hand gegen das kalte Metall stieß und sich daran festklammerte.
    Erst jetzt sah sie die Laterne, die von einer Halterung in dem Durchgang herabbaumelte. In ihrem Inneren loderte ein Licht, das so hell war, wie der Schein von hundert Kerzen, die dem Sturm trotzten und die Dunkelheit um sie herum vertrieben.
    Mit Ach und Krach zog sie sich an dem verschnörkelten Geländer hoch, wollte gerade einen Fuß über die Schwelle setzen, als sich ein unerwarteter glühender Schmerz ihre Beine hochzog.
    Für einen kurzen Augenblick empfand sie die aufsteigende Hitze in ihrem Körper als angenehm, weil sie eine willkommene Abwechslung zu der unerbittlichen Kälte darstellte und sie innerlich aufzutauen schien.
    Wie eine unsichtbare Macht hielt sie diese aber davon ab, noch einen einzigen Schritt weiterzugehen. Als sie den Blick an sich herunterwandern ließ, sah sie die Ursache für die Wärmequelle. Oberhalb ihrer Knöchel flammten lodernde Fußfesseln auf, die umso intensiver aufleuchteten, je näher sie der unsichtbaren Schranke zwischen diesem Grundstück und dem dahinter liegenden Areal kam. Emilias benebelter Verstand brauchte einen Moment, bis er begriff, was hier vor sich ging. Ganz offensichtlich war das hier eine weitere Maßnahme, die ihr Entkommen verhindern sollte, nur schien diese auf ziemlich effektive Weise ihren Zweck zu erfüllen.
    Voller Entsetzen starrte sie auf die grell flackernden Ringe, die aus der dämmrigen Umgebung hervorstachen und eine unmissverständliche Botschaft aussendeten.
    Du kommst hier nicht weg!
    Ein röchelndes Schluchzen war alles, womit sie ihre Verzweiflung zum Ausdruck bringen konnte. Es fehlte ihr ganz einfach die Kraft. Resigniert ließ sie sich auf den staubigen Boden sinken. Der Gedanke, dass ihre Flucht von vorne herein zum Scheitern verurteilt gewesen war und sie niemals eine echte Chance gehabt hatte, raubte ihr den letzten Funken Überlebenswillen.
    Erschöpft schloss sie die schweren Lider, lauschte ihren Atemzügen, die nur noch stoßweise kamen. In der Ferne hörte sie ein Jaulen, wie das eines wilden Tieres. Die unmenschlichen Laute mischten sich unter das Heulen des Windes. Sie kamen näher, schwollen an, explodierten direkt neben ihrem Ohr und rissen sie für einen Moment aus dem trägen Dämmerzustand. Fauchendes Knurren verband sich mit menschlichen Schreien. Dazwischen immer wieder ihr Name. Laut! … Viel zu laut.
    Die Arme schützend über ihren Kopf gelegt, kauerte sie sich zusammen. Klauenartige Hände blitzten im Schein der flackernden Laterne, griffen nach ihr. Sie versuchte, sich zu entwinden. Es gelang ihr nicht. Ein Hustenanfall schnürte ihr die Kehle zu. Sie würgte, röchelte. Luft! Keine Luft!
    Verzweifelt versuchte sie zu erkennen, was um sie herum geschah. Doch die Schatten verschwommen ineinander. Ließen das letzte Licht des eingetrübten Abendhimmels in Schwärze versinken.
    Mit einem heftigen Ruck wurde sie vom Boden gerissen. Stechende Schmerzen tobten in ihrem Inneren. Zähne, die aufeinanderschlugen. So kalt … keine Luft!
    Ihr Kopf baumelte haltlos, wurde zurechtgerückt. Kräftige Arme schlangen sich um sie. Harte Muskeln, die sie an sich pressten.
    Der eisige Wind verschwand. Er zerrte nicht mehr an ihr. Die Kälte ließ von ihr ab. Als habe jemand eine schützende Decke über sie gebreitet.
    Das stete Pochen eines kraftvollen Herzschlags drang zu ihr durch. Es beruhigte sie. Sorgte dafür, dass sich ihre Atmung normalisierte. Davongetragen in schwungvollen Bewegungen gab sie sich dem Rhythmus hin, der sie sanft hin und herwog. Sie schläfrig werden ließ.
    Plötzlich wurde es hell. Lichtblitze tanzten vor ihren Augen. Geräusche um sie herum holten sie aus ihrer Lethargie. Eine Tür wurde aufgestoßen. Holz splitterte. Glas zersprang, flog klirrend zu Boden. Ein unverständlicher Fluch, laut und animalisch, wurde von den hohen Wänden wie ein Echo zurückgeworfen. Einem Beben gleich polterten schwere Schritte durch die Halle. Tobendes Chaos. Alles war verzerrt. Wirkte nicht echt.
    Noch eine Tür. Das Licht wurde schummrig. Wärme legte sich über sie. Schattenspiele an den Wänden. Ein weicher Untergrund. Jemand Wimmerte, schluchzte auf. Beruhigendes Murmeln in der Ferne. Kaum mehr als ein sanftes Flüstern, das an ihr Ohr getragen wurde. Ein angenehmes Kribbeln durchströmte sie und ein tiefes Gefühl von Geborgenheit breitete sich in ihr aus. Der stechende Schmerz in ihren Lungen ebbte ab, während eine bleierne Schwere von ihr Besitz nahm
    Sterben ist friedlich, war ihr letzter Gedanke, bevor sie in die Tiefe hinab gezogen wurde.


    Hier geht`s weiter:

    Kapitel 16

  • Du wirst immer besser. Dies ist wieder ein sehr starker Abschnitt.

    Hm, Moment mal, kurze Sätze? Was bitte nennst du kurze Sätze? Ach so, du meinst die am Schluss.

    Sie passen dort sehr gut. Der ganze Abschnitt ist sehr intensiv, ich kann ihn mir wahnsinnig gut vorstellen und es ist so schräg und seltsam, davon kann ich gar nicht genug bekommen!

    glaubte Emilia tatsächlich für einen Moment, Elias` Gesicht erkennen zu können, das sich aus dem feinen Wüstensand formte und derart echt wirkte, als sähe sie ihn leibhaftig vor sich.
    Seine Augen, die die Farbe von flüssigem Silber angenommen hatten, strahlten eine beruhigende Wärme aus. Doch an ihrem sorgenvollen Ausdruck war deutlich abzulesen, dass er in keinster Weise gut hieß, was sie hier tat. Es war derselbe Blick, den er ihr immer dann zuwarf, wenn sie etwas offensichtlich Dummes tat

    Hier hatte ich einen kleinen Bella-und-Edward-Flash (die Szene, wo sich Bella absichtlich Klippen herunterstürzt, damit Edward gezwungen wird aufzutauchen und sie zu retten, die kennst du sicher) - aber keine Angst, ich finde sowas einfach toll. Und auch wunderschön beschrieben.


    Es wäre leichter, dem Tod entgegenzublicken, wenn er bei war.


    Hier fehlt was. Wenn er dabei, oder wenn er bei ihr war?


    Mit Ach und Krach zog sie sich an

    Der einzige Ausdruck in deiner gesamten Geschichte, der mir nicht so gut gefallen hat. Vielleicht was Anderes?


    Oberhalb ihrer Knöchel flammten lodernde Fußfesseln auf, die umso intensiver aufleuchteten, je näher sie der unsichtbaren Schranke zwischen diesem Grundstück und dem dahinter liegenden Areal kam. Emilias benebelter Verstand brauchte einen Moment, bis er begriff, was hier vor sich ging.

    Fußfesseln... das ist köstlich! Der hat ja an alles gedacht!


    Es beruhigte sie. Sorgte dafür, da

    hier würde ich ein Komma setzen anstelle des Punktes, damit der zweite Satz nicht unvollständig ist.


    :) Einfach genial, der Abschnitt, bitte mehr davon!!!

  • Yep, der Abschnitt ist top!



    will ich euch mein kleines Experiment dennoch schon mal zeigen.

    Kleines Understatement...:D

    Was hatte sie geritten, hier herauszugehen in diese menschenfeindliche Umgebung? Hatte sie tatsächlich gedacht, dass es so einfach sein würde zu entkommen? Mit dem Vorhaben zu fliehen hatte sie ihr eigenes Todesurteil unterschrieben. Wenn sie nicht erfror, würde sie elendig ersticken.

    Das ist der einzige Teil zu dem ich ein kleines bisschen was zu sagen haette - mach's auch kursiv und direkter - das ist zu wichtig um es so beilaeufig zu erzaehlen!



    Sie keuchte gegen die Enge in ihrem Brustkorb an, der sich so anfühlte, als seien ihre Atemwege bereits randvoll mit Staub gefüllt. Mühsam kämpfte sie Stück für Stück gegen die eiskalten Windböen an, die ihr die Kapuze vom Kopf wehten und die Tränen auf ihrem Gesicht zu Eiskristallen erstarren ließen. Die unbarmherzige Kälte hielt ihren Körper fest in ihren Klauen, machte sie so gut wie bewegungsunfähig. Jede Berührung und jede noch so kleine Erschütterung jagten einen stechenden Schmerz durch ihre eingefrorenen Glieder, sodass sie kurz vor dem Ziel nach Luft ringend zusammenbrach.


    Ja - genau so! Wunderbar!

  • Hey Rainbow ^^


    Mir gefällt der Abschnitt auch super gut :thumbup:


    Es war auch irgendwie klar, dass Emilia nicht weit kommt. Und wenn die Fußfessel nicht jemanden gewarnt hätte, wäre sie mit Sicherheit gestorben.


    Ich bin gespannt, ob sich Dagon mal dazu herablässt und Emilia besucht - auf eine solche Begegnung hoffe ich ja noch :D


    LG

  • Danke Kirisha , Thorsten , LadyK und Daemonia für euer tolles Feedback. Ich war ziemlich erleichtert, dass es euch so gut gefallen hat.

    Ob ihr es glaubt, oder nicht, ich war mir echt nicht sicher, ob es so rüberkommt, wie von mir beabsichtigt und ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob der Teil nun in den Himmel gelobt oder in Grund und Boden gestampft wird. Beides lag für mich im Bereich des Möglichen, weshalb ich das halbe Wochenende hier herumgelaufen bin, als müsste ich auf meine eigene Hinrichtung warten. :rofl:Ziemlich verrückt, ich weiß.


    Nun gut. Ich versuche den Moment der Erleichterung zu genießen und wende mich gleichzeitig schon mal dem nächsten Part zu, der nämlich auch in jedem Fall noch einer größeren Überarbeitung bedarf. Ich schätze, es wird ein bisschen dauern, bis ich ihn euch vorzeigen kann.


    Bis dahin genießt die schöne Vorweihnachtszeit. Morgen in vier Wochen ist Heilig Abend :santa2:

  • Ob ihr es glaubt, oder nicht, ich war mir echt nicht sicher, ob es so rüberkommt, wie von mir beabsichtigt und ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob der Teil nun in den Himmel gelobt oder in Grund und Boden gestampft wird.

    So aus Interesse - was hattest Du denn als Kritikpunkte befuerchtet?


    Man zweifelt ja - je nach Naturell - gerne mal an dem eigenen Zeug, aber in dem Fall liest es sich ja wirklich sehr solide und wird von vielen so empfunden...:)

  • Nach einer etwas längeren Pause zeige ich euch dann mal den nächsten Teil. Er ist ein bisschen umfangreicher geraten, aber vielleicht hat der eine oder andere ja über die Feiertage Lust und Zeit ein bisschen zu lesen. :)



    Kapitel 16

    „Ich kann nicht mehr“, keuchte Freddy, während er abwehrend die Hand hob, um sich mit der anderen die schweißnassen Haare aus der Stirn zu wischen. Das weiße T-Shirt klebte bereits an seinem Oberkörper, sodass sich darunter die Konturen seiner Bauchmuskulatur abzeichneten.
    „Freddy, du musst auf deine Beinarbeit achten!“, tadelte Micah ihn völlig unbeeindruckt von dessen Schwächeanfall. „Wenn du von der rechten Seite schlägst, dann musst du auch mit dem rechten Fuß nachziehen. Das Gleiche gilt für den Schlag mit der linken Seite. In diesem Fall ziehst du den linken Fuß nach. Ansonsten ist der Schlag viel zu flach und unwirksam. Außerdem musst du weiter runter gehen, das verschafft dir einen stabileren Stand.“
    „Ja Mann, ich versuch`s ja. Mein Kopf ist nur schon so voll von Infos über Beinarbeit, Atemtechnik und irgendwelchen Paraden und ganz abgesehen davon spüre ich meinen Arm schon fast nicht mehr.“ Anklagend deutete der junge Mann auf seine rechte Seite. Das Engelsschwert lag schlaff in seiner Hand und diente ihm derweil als Krückstock.
    Mit sicherem Abstand beobachtete Elias die Szene von seinem Posten am Fenster aus. Seit er vor gut einer Stunde eine Flammenbotschaft erhalten hatte, in welcher ihm Verstärkung zugesichert worden war, marschierte er ruhelos vor der Glasfront auf und ab, während Micah und Freddy das Wohnzimmer kurzerhand in einen Trainingsplatz verwandelt hatten.
    Obwohl Micah mit den Handicaps des Irdischen zu kämpfen hatte und sich ganz offensichtlich schwer damit tat, das eigene Tempo dem seines menschlichen Gegners anzupassen, erkannte Elias deutlich den guten Willen seines Freundes. Der unverwüstliche Enthusiasmus, mit dem der hünenhafte Engel Freddy nun schon seit geraumer Zeit durch das Zimmer scheuchte, um ihm die verschiedenen Hiebe zu erklären und wie er sie zu parieren hatte, rang Elias eine gewisse Anerkennung ab.
    Es stand außer Frage, dass Freddys Kampfkünste niemals ausreichen würden, um einem ´Gefallenen` entgegenzutreten. Doch um sich gegen jene schwerfälligen und wenig geistreichen Kreaturen zur Wehr zu setzen, mit denen Dagon seine Armee aufgestockt hatte, würde der Crash-Kurs allemal reichen.
    „Lass` uns eine Pause einlegen. Das hat so echt keinen Sinn mehr“, stöhnte Freddy gequält und riss Elias damit aus seinen Gedanken. Vorneübergebeugt stützte sich der junge Mensch gerade auf seinen Oberschenkeln ab, um zu Atem zu kommen, während Micah ihn mit vor der Brust verschränkten Armen aus schmalen Augen abschätzend ansah.
    „Kommt nicht in Frage!“, entgegnete er und schüttelte vehement den Kopf. „Der erste Schlag muss sitzen. Vorher lasse ich dich nicht in Ruhe. Also sag mir nochmal, worauf du achten musst!“
    Genervt verdrehte Freddy die Augen, stieß einen Seufzer aus und raffte sich erneut auf.
    „Na schön. Ich wehre deinen Angriff mit der Schmalseite meiner Klinge ab, ungefähr so …“, sichtlich bemüht, seine letzten Kraftreserven zu mobilisieren, brachte er sich in Position, „…und dabei achte ich darauf, dass die Klingenspitze etwas nach vorne zeigt, damit ich sie im Falle eines kräftigen Gegenschlags nicht selbst abbekomme.“
    „Korrekt“, nickte Micah. „Dann zeig mal …“ Blitzschnell holte er aus und attackierte Freddy mit einem unerwartet heftigen Hieb, woraufhin dieser reflexartig sein Schwert anhob und den Angriff so gut es ging parierte. Die Klingen trafen laut klirrend aufeinander und während Freddy verzweifelt darum bemüht schien, nicht ins Straucheln zu geraten, setzte Micah bereits den nächsten Schlag nach.
    Die andere Hand zur Hilfe nehmend, umklammerte der Irdische fest den Schaft seines Schwertes, um dagegenzuhalten, doch Micah trieb ihn weiter zurück.
    Freddy geriet ins Taumeln und rempelte ungelenk gegen den Zeitungsständer, welcher in der kleinen Nische neben der Couch stand. Die kurze Ablenkung reichte aus und kostete ihn das Gleichgewicht. Wild mit den Armen rudernd landete er unter lautem Gepolter auf dem Boden, während sich die Zeitungen wüst um ihn herum verteilten.
    Micahs Klingenspitze verharrte oberhalb seiner Brust, als er sich fluchend aufzurichten versuchte.
    „Du fixierst dich zu sehr auf die Waffe deines Gegners, Freddy!“, stoppte Micah seine Bemühungen hochzukommen. „Du darfst den Feind niemals aus dem Auge lassen! Nur seine Bewegungen verraten dir, was er als nächstes zu tun gedenkt. Jede Regung seiner Muskeln … jedes noch so unscheinbare Zucken. Wenn du seine Schritte vorausahnen willst, musst du lernen, dich von deiner Furcht zu befreien.“
    „Meine Furcht? … Ich … ich soll mich von meiner Furcht befreien?“, brachte Freddy noch immer um Luft ringend hervor und warf Micah dabei einen fassungslosen Blick zu. „Vielleicht ist es dir bisher entgangen, aber ich habe keine Furcht, Micah! Ich habe eine Scheißpanik, wenn du mit diesem … diesem Mordwerkzeug auf mich los gehst.“ Wütend feuerte er sein Schwert in die Ecke und stemmte sich ungelenk in die Höhe. Micah ließ von ihm ab und wich einen Schritt zurück.
    „Ich denke, das reicht jetzt erstmal!“, mischte sich Elias kurzerhand ein und bedachte Micah mit einem knappen Kopfschütteln, von dem er hoffte, dass sein Freund es richtig deuten würde.
    „Wir versuchen es noch ein letztes Mal!“, entgegnete Micah jedoch, hob das Schwert auf und hielt es Freddy abermals hin.
    Einen Moment starrte dieser unschlüssig auf die Waffe, bevor er sie unwillig entgegennahm.
    „Das wird niemals hinhauen!“, murmelte er und wischte sich die feuchten Hände an seiner Hose ab, woraufhin er sich erneut positionierte.
    „Niemals!“, schob er noch einmal hinterher, als er Elias` skeptischen Blick müde erwiderte.
    Dann stellte er sich auf, während sich Micah mit dem Schwert in der Hand langsam in Bewegung setzte. Lauernd, auf den richtigen Zeitpunkt wartend, umkreiste er Freddy beinahe lautlos, während dieser jeder seiner Bewegungen folgte.
    Elias hörte Freddys Herzschlag, der schnell und hektisch zu ihm herübergetragen wurde. Der Schweiß rann ihm die Stirn herab, doch unternahm er nichts, um die herab perlenden Tropfen aufzuhalten. Seine Konzentration galt voll und ganz Micah.
    Mit einer einzigen knappen Bewegung ließ dieser sein Schwert plötzlich herumfahren und zwang Freddy damit zu einem Ausweichmanöver. Kurz darauf riss dieser seine Klinge empor, um den nächsten Schlag, der nun von der Seite kam, abzuwehren.
    Angespannt und mit einer gewissen stillen Faszination verfolgte Elias das Geschehen, bis ein zartes Glimmen unter Freddys T-Shirt seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
    Der wundersame Schein wanderte die Arme des Menschen hinauf und legte sich schließlich über seinen gesamten Körper. Es war nur ein verschwindend kurzer Moment und für das menschliche Auge wäre dieser kaum wahrnehmbar gewesen, doch Elias erkannte sofort, wie sich Freddys gesamte Haltung straffte. Die bis dahin schwerfällig wirkenden Bewegungen veränderten sich, wurden geschmeidiger. Alles an ihm wirkte eleganter, weniger abgehackt, als wüsste er mit einem Mal genau, was zu tun war, lag das Schwert nicht mehr länger in seiner Hand wie ein toter Gegenstand. Nein, es wurde lebendig. Es wurde eins mit ihm.
    Micah, setzte noch einen Schlag nach, doch anstatt Freddy damit in Bedrängnis zubringen, wurde auch diese Attacke von ihm geschickt abgewehrt, ohne dass er über seine eigenen Füße gefallen oder ins Straucheln geraten wäre.
    „Ja, das ist es!“, lobte Micah und ließ von ihm ab. Wohlwollend und mit unverkennbarem Stolz klopfte er Freddy auf die Schulter, der völlig perplex über seinen unerwarteten Trainingserfolg zu sein schien.
    Elias musste zugeben, dass er nicht minder verwundert war. Sprachlos beobachtete er, wie sich Freddy auf den Sessel zubewegte und sich schwerfällig darin niederließ.
    „Das habe ich dem Mal zu verdanken, stimmt`s?“, fragte er, wobei er mit den Fingern vorsichtig über seine Brust fuhr, genau an der Stelle, wo Micah ihn vorhin mit dem Sashanti versehen hatte.
    „Das Mal kann aus dir nicht machen, was du nicht bist, Freddy“, klärte Elias ihn auf und lächelte ihn wohlwollend an. „Es kann dir lediglich dabei helfen, deine innere Stärke zu finden.“
    „Meine innere Stärke ….“, schnaufte Freddy und stieß begleitet von einem freudlosen Lachen die Luft zwischen seinen Zähnen aus. Kurz darauf fasste er sich an die Schulter, das Gesicht schmerzhaft verzogen. „Ich fühle mich wie gerädert. So, wie ich das sehe, werde ich mich die nächsten Tage nicht mehr rühren können. Soviel zu meiner inneren Stärke.“ Er streckte sich und massierte dabei mit der Hand seinen Oberarm.
    „Sei unbesorgt, Freddy“, antwortete Elias, ging langsam auf ihn zu und legte ihm von hinten die Hand auf die Schulter. „So schnell wird dich deine Kraft nicht verlassen.“ Kaum hatte Elias die Worte ausgesprochen, schien seine Berührung in Freddy etwas auszulösen. Seine Gesichtszüge entspannten sich, während er einen tiefen Atemzug nahm, als würde er mit neuem Leben betankt. Mit offenstehendem Mund sah er Elias an und sein ungläubiger Blick wanderte zwischen ihm und der Hand auf seiner Schulter hin und her.
    „Wie machst du das?“, stieß er hervor. „Ich fühle mich wie neu geboren. Als ob ich Bäume ausreißen könnte. Warum haben wir das nicht schon viel früher gemacht?“ Schwungvoll erhob er sich aus dem Sessel und dehnte seine Glieder.
    „Na ja“, sagte Elias und warf Micah einen flüchtigen Blick zu, der nun seinen Platz am Fenster eingenommen hatte. „Für gewöhnlich schadet es nicht, wenn man eine gewisse Anstrengung aufbringen muss, um etwas Neues zu lernen. Findest du nicht auch?“
    „Das kann man sicher leicht behaupten, wenn man selbst keinerlei Vorstellung davon hat, was es heißt, sich anstrengen zu müssen“, konterte Freddy leicht verärgert. „Ich geh` mir mal ein frisches Shirt von drüben holen. Außerdem muss ich Milo füttern“, fügte er hinzu und machte sich bereits auf den Weg Richtung Ausgang. Kaum war er außer Hörweite beugte sich Micah ein Stück zu Elias rüber.
    „Er ist gut! Wenn er seine Energie nicht darauf verschwenden würde gegen uns zu arbeiten, könnte er noch besser sein!“, stellte er nüchtern fest.
    „Er muss sich mehr zutrauen…“, sagte Elias, während er Freddy nachdenklich hinterher sah. „Und er arbeitet nicht gegen uns. Er vertraut uns ganz einfach nicht. Ein Umstand, den man ihm wohl kaum verdenken kann …“ Sein missbilligender Blick haftete sich auf seinen Freund, während er mit dem ausgestreckten Finger auf ihn zeigte. „Du warst derjenige mit der brillanten Idee, die Menschen durchs Wohnzimmer fliegen zu lassen, um sie auf die Schnelle zu überzeugen, dass du ein Engel bist. Jetzt sieh auch gefälligst zu, wie du sein Vertrauen zurückgewinnst.“
    „Ich versuch`s ja, aber…“, setzte Micah gerade an, als sein Blick an der Fensterscheibe hängen blieb. „Was ist das denn?“ Sichtlich beunruhigt ging er auf die Balkontür zu, um sie zu öffnen. Elias folgte ihm und beide traten hinaus auf die kleine Loggia, wo sie umgehend von einer kräftigen Windböe erfasst wurden, die an ihnen zerrte und ihnen die Haare ins Gesicht wehte.
    Der wunderschöne blaue Himmel und der strahlende Sonnenschein von heute Vormittag waren längst von einem matschgrauen Wolkenmeer verschlungen worden. Gewaltige Blitze entluden sich über der Stadt und tauchten alles in ein surreales Licht. Lediglich an einer Stelle durchschnitt ein hell erleuchteter Strahl in einiger Entfernung die finstere Wolkendecke. Der übergroße Lichtkegel wurde auf die Erde geworfen und zigtausend glitzernde Pünktchen schwebten wie riesige Glühwürmchen in Richtung Erde. Elias beugte sich über die Brüstung, um das Spektakel genauer zu betrachten.
    „Noch auffälliger ging es wohl nicht“, schnaufte Micah verächtlich und verfiel in monotones Kopfschütteln. „Vielleicht habe ich die Taktik ja noch nicht ganz erfasst, aber lautete der Plan nicht, dass der Trupp unbemerkt die Übergänge passieren sollte? Militärkunde war echt nie meins, aber selbst ich weiß, dass eine Infiltration üblicherweise anders aussieht. Sollte unsere Ankunft hier noch irgendjemandem entgangen sein, würde das an ein Wunder grenzen.“ Micah lehnte sich neben Elias an die Brüstung und betrachtete seinen Freund mit ernster Miene.
    „Hast du das etwa angeordnet?“, fragte er ungläubig und sah Elias abschätzend an.
    „Mit Sicherheit nicht!“, antwortete dieser, ohne den Blick seines Freundes zu erwidern. „Es muss einen triftigen Grund dafür geben. Irgendetwas ist vorgefallen …“ Das Klingeln an der Wohnungstür schnitt Elias das Wort ab.
    „Ich mach schon auf“, sagte Micah und verschwand bereits im Wohnzimmer. Elias folgte ihm nicht. Er drehte sich wieder um, starrte in die dunkle Wolkenwand, die sich wie ein schwerer Teppich über den gesamten Himmel legte. Mit einem Mal war es als durchströme ihn wieder diese bereits bekannte Unruhe. In der Vergangenheit hatte sich dieses Gefühl stets als eine Art Vorbote für irgendwelche Katastrophen herausgestellt.
    In seiner körperlosen Gestalt war es lediglich eine Art Eingebung, als habe urplötzlich jemand einen Alarmknopf betätigt, um ihn vor drohendem Unheil zu warnen. Nun, da er sich in einem menschlichen Körper befand, glaubte er zu spüren, wie sich seine Nackenhaare aufstellten und die Gänsehaut schließlich seinen kompletten Körper überzog. Der eintretende Schwindel sorgte dafür, dass er wie ein Betrunkener zu taumeln begann und sich krampfhaft an der Balkonumrandung festhalten musste, um nicht gänzlich zusammenzubrechen.
    Sein Atem ging stoßweise und sein Schädel hämmerte, als würde er von einem niederschmetternden Hammer bearbeitet. Das schmerzverzerrte Gesicht in den Händen vergraben, massierte er verzweifelt seine Schläfen, um gegen die Folter in seinem Kopf anzukämpfen. Nur langsam ebbte die Übelkeit ab und die Benommenheit ließ nach, sodass er sich mühsam wieder aufrichtete.
    Plötzlich schien es, als würde ein Bild in den Himmel projiziert, wie auf eine riesige Leinwand. Anfangs flimmerte es wie bei einem falsch eingestellten Fernsehsender, weshalb er die Augen zusammenkneifen musste, um es genauer erkennen zu können. Zunehmend gewann es an Schärfe und er konnte deutlich die Konturen von Emilias Gesicht herausfiltern.
    Seine Hände umklammerten das Balkongelände so fest, dass die Knöchel weiß hervorstachen.
    Ungläubig betrachtete er die Großaufnahme von Emilia, die, soweit er das erkennen konnte, inmitten einer kargen Landschaft an einem Baumstumpf lehnte und in keiner besonders guten Verfassung zu sein schien. Trotz der dicken Dreckschicht, die sie überzog und den diversen blutverkrusteten Kratzspuren im Gesicht, bestand für Elias kein Zweifel. Das war sie und es handelte sich ganz eindeutig um eine Liveschaltung, denn für einen kurzen Augenblick war es ihm, als bliebe ihr Blick an ihm hängen – fast so, als könne sie ihn tatsächlich sehen.
    Ihre Augen waren so voller Schmerz und Verzweiflung, dass es ihm die Luft abschnürte und er hätte in diesem Moment alles dafür gegeben, die Hand nach ihr ausstrecken und sie an sich ziehen zu können. Ihre Lebensenergie rann aus ihr heraus, als habe jemand oder etwas ein riesengroßes Leck in ihren Überlebenswillen gerissen und ihren Kampfgeist hinfort gespült.
    Elias glaubte, seine eigenen Kräfte schwinden zu spüren. Er wusste, welche Folgen es nach sich ziehen würde, wenn Emilia etwas zustieße. Wenn sie sterben würde … Er erlaubte sich nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken, sondern fixierte sie mit seinem durchdringenden Blick, mit dem er sie einerseits anflehte, nicht aufzugeben und sie andererseits dafür tadelte es in Erwägung zu ziehen. Einen kurzen Augenblick schien es ihm, als breite sich ein zaghaftes Lächeln um ihre Mundwinkel aus, so, als schöpfe sie neuen Mut. Bevor sich der Eindruck aber weiter verfestigen konnte, löste sich das Bild vor seinen Augen bereits wieder auf, es verblasste zunehmend und wurde schließlich wie eine Rauchwolke vom Sturm verweht. Benommen starrte er in das trübe Grau der Wolken, betrachtete die Stelle, an der er zuvor noch Emilias Gesicht vor sich gesehen hatte und fühlte sich plötzlich wie betäubt. Obwohl der Wind an ihm zerrte und aus dem Inneren des Wohnzimmers lautes Stimmengewirr zu ihm nach draußen drang, glaubte er, sich keinen Zentimeter bewegen zu können, als gehöre dieser menschliche Körper nicht mehr länger zu ihm und verweigere ihm seinen Dienst. Die erschütternde Erkenntnis drang langsam zu ihm durch, ließ ihn erstarren.
    Er weiß, dass wir kommen und jetzt lässt er sie dafür bezahlen.


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    Kapitel 16.1

  • Liebe Rainbow

    der letzte Abschnitt gefällt mir sehr gut. Hat etwas von einer Ausbildung zum Jedi. Auch der Übergang zu den Geschehnissen um Emilia ist dir gut gelungen.


  • Oh wow ... wahnsinnig! Ich bin ganz geflasht.

    Ich hab in meiner Story auch so eine Szene, wo der unerfahrene Kämpfer magische Kraft bekommt. Tja, die ist ziemlich anders, bei dir wird das alles rund und die Gefühle toll und nachfühlbar gezeigt. Auch wie du die Kampfübung beschreibst, super. Kann ich mir richtig vorstellen. Da gibt es wirklich nichts zu mosern.

    Der Clou natürlich der Himmelseinsatz und die Live-Schaltung von Emilia. Das ist wie im Kino.

    Toll, mach so weiter! :nummer1:

  • Sehr schön Rainbow

    Ich finde, du hast das gut gelöst mit deinem Problem, was Freddys Schwertkampfkünste angeht. Ich finde dadurch, dass er dieses Mal hat, kann er gerne so etwas wie übernatürliche Kräfte bekommen - natürlich alles mit Maß, damit er nicht zu overpowerd rüberkommt. Er ist ja nach wie vor leicht zu verletzen und vor allem zu töten. Zwar habe ich noch nicht so ganz verstanden, was da passiert ist und wieso genau das halt in diesem einen Moment passiert ist, aber die Lösung sieht doch ganz gut aus :)


    Insgesamt hat mir besonders das Ende gut gefallen, wo Elias dann Emilia sehen konnte und ihm wieder bewusst wurde, was geschehen kann, wenn ihr was geschieht. Seine Sorge um sie war sehr greifbar geschildert. :thumbup:



    LG :)

  • Es war kurz vor neunzehn Uhr, als Emilia die Tür hinter sich zuzog und das kalte Treppenhaus betrat. Elias war fort.

    Zu aller erst. ICh finde das aufrollen der Vergangenen Ereignisse, so wie du es hier machst nicht schlcht. Zumal sie nicht alle aufeinmal kommen, sondern schön dosiert zwischen der Gefühlswelt der JETZIGEN Emilia :D


    Die Frage ist nur, wie sehr das noch von nöten sein wird, wenn du beide Bände zusammenschieben willst. Und ob es dann nciht eher stören wird.

    Der Part an sich gefällt mir gut. Du schaffst es oft Gefühle zu beschreiben, wo ich dann nicken muss und denk "Ja, so fühlt sich das an."


    Auch hat mir gefallen, wie du beschreibst dass Silas wohl nervös ist. Das ist eine Kleinigkeit, aber wir als Leser wissen ja was dahintersteckt.


    Ansonsten: Was ich nohc interessant fand war der Gedanke, von Emilia, dass Silas und Elias das genaue Gegenteil zueinander scheinen. Dabei musste ich da kurz widersprechen, als du allerdings dann dargelegt hast, warum sie so dachte, konnte ich dem doch zustimmen :D

    Mit anderen Worten, du hast etwas dargelegt, dass nicht offensichtlich schien, uns aber eigentlich vor der Nase presäntiert wurde. Sowas hab ich immer gerne.

  • Das ist ein richtig schoener Abschnitt geworden, liest sich sehr gut!:thumbsup:


    Und die Vision von Emilia ist sehr subtil, stimmungsvoll und eindringlich geworden - passt wunderbar.


    Ich glaube ich hatte es schon mal gesagt, aber ich finde die Idee, dass Freddy ja Kampfsport macht und deshalb eine Chance hat schneller zu lernen schon ganz brauchbar, koenntest Du noch einflechten...


    Und das

    . Das war sie und es handelte sich ganz eindeutig um eine Liveschaltung

    finde ich fuer Elias unpassend - wieso sollte er in Fernsehvokabular denken, hat der denn im Himmel so eine Flimmerkiste und schaut Livereportagen? :D