HEAVEN (Band II)

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    • Offizieller Beitrag

    Hi, Rainbow


    Ich finde das Gespräch (und Giovanni) sehr gut.

    Wie Silas das Gespräch vorantreibt hast du gut gestaltet. Es war spannend und ich war interessiert zu erfahren, wie Emilia reagieren würde und was sie ihm alles erzählt. Auf letzteres muss ihc wohl noch was warten, da das Gespräch ja noch nicht vorbei ist.
    Auf Silas letzte Sätze war ich etwas überrascht.

    Völlig perplex über seinen plötzlichen Stimmungswandel sah sie ihn fragend an.

    Dieser Satz hier, ist zwar auf Emilia bezogen, aber hätte er genau so gut zu Silas gepasst. ICh dachte sogar zu erst er ist damit gemeint.


    Im ganzen Gespräch ist Emilia eher passiv, ruhig und am nachdenken. Hier handelt sie das erste mal impulsiv. Und die Frage die sie stellt ist absolut berechtigt. Ich hatte gedacht, dass Silas hier klar wird, wie forsch er gerade ist. Darauf hätte dann auch gepasst, dass er sich zu erklären versucht.

    So wirkt das Ende ein bisschen Unrund, finde ich. Nicht viel. Aber das ist das, was ich oben meinte. Silas "Taktik" ändert sich im Gespräch sehr schnell, dass ich nicht genau ausmachen konnte wieso er jetzt solche Infos raushaut. ODER, wenn er sie raushauen will, warum er das nicht früher im Gespräch gemacht hat. Weil an seiner Sicherheit oder an den Informationen, die er hat, hat sich seit Anfang des Gesprächs nichts verändert.


    Das wärs aber uach schon. Ist nur eine Kleinigkeit.

    Wie gesagt den Rest fand ich sehr gut^^

  • Lieben Dank für euer Feedback. :)







    LG,

    Rainbow

  • Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch allen und mache auch gleich mal mit dem nächsten Teil weiter. ^^


    (Nach der letzten Überarbeitung vom 31.01.2021 ist der Teil nun leide ein wenig länger geraten)


    Kapitel 16.1


    „Eli, schau, wer hier ist“, hörte er Micahs Stimme wie aus weiter Ferne und wandte sich träge zu ihm um. So musste sich ein alter Mann fühlen, schoss es ihm in den Kopf. Als hingen Gewichte an ihm, die ihm jede Bewegung erschwerten, hielt er sich mühsam auf den Beinen und streckte hilfesuchend seine Hand nach Micah aus.
    „Was ist mit dir?“, fragte dieser besorgt und legte ihm stützend den Arm um.
    „Keine Ahnung“, stieß Elias keuchend hervor. „Ich glaube, es ist irgendetwas mit Emilia. Ich … ich habe sie gesehen.“ Er rang nach Luft und ein schwerer Hustenanfall zwang ihn in die Knie, sodass Micah Mühe hatte, ihn aufrechtzuhalten. „Micah, sie stirbt!“, krächzte Elias verzweifelt und klammerte sich an seinem Freund fest. „Ich kann es spüren.“
    „Bei allen Erzengeln…“, erwiderte Micah leise fluchend und zog ihn näher an sich heran, um ihm Halt zu geben. „Komm, ich bringe dich rein. Alles wird gut werden“, versuchte er ihn zu beruhigen und schwankte mit ihm ins Wohnzimmer.
    Kaum hatten sie die Türschwelle passiert schlossen sich zwei weitere kräftige Arme um Elias` Hüfte.
    Taumelnd ließ er sich zum Sessel führen, bevor er schwerfällig darin zusammensackte. Sämtliche Muskeln zum Zerreißen gespannt, gruben sich seine Nägel tief in die Armlehne. Sein Blickfeld verschwamm. Nur noch schemenhaft erkannte er den weitaus kleineren Engel, mit den zerzausten kinnblonden Haaren und den türkisfarbenen Augen, der sich vor ihn hockte.
    „Jesaja“, stöhnte Elias. Panisch fuhren seine Finger über das weiße Gewand mit der zurückgeschlagenen Kapuze, welches der Schutzengel trug, und das ihm so vertraut war.
    „Was ist geschehen?“, fragte Jesaja sorgenvoll und versuchte Elias Hände zu lösen, die sich an ihm festklammerten.
    „Emilia … ich … ich habe…“ Eine weitere Hustenattacke schüttelte ihn. Röchelnd sog er die Luft ein, kämpfte um jedes bisschen Sauerstoff, doch waren seine Lungen wie zugeschnürt. Die Welt löste sich auf, wurde zu einem obskuren Bild aus Blitzen und Schatten.
    „…hat Emilia gesehen“, mischte sich Micahs abgehackte Antwort unter das tosende Rauschen, das die Geräusche um Elias herum in ein Meer aus Watte packte. „… spürt, was sie spürt … bedeutet definitiv nichts Gutes!“
    „Was ist mit Emilia“?, drang eine aufgebrachte Frauenstimme an sein Ohr und zerrte ihn für einen Moment zurück ins Hier und Jetzt. Jemand ließ sich an seiner Seite nieder und schüttelte ihn unsanft an der Schulter. „Sag schon! Was ist mit ihr?“, hagelten die Worte wie Geschosse auf ihn nieder.
    Schwer atmend blinzelte Elias gegen den undurchdringlichen Schleier an, nahm das von Wut und Sorge gezeichnete Gesicht wahr, den blonden Lockenschopf, der wüst in alle Richtungen abstand, die Tränen, die auf den geröteten Wangen glitzerten.
    Susan …
    „Ich … ich kann nicht …“, presste er hervor, bevor ihm die Luft erneut wegblieb und die Worte unausgesprochen in seiner Kehle steckenblieben.
    Der Schmerz, der in seinen Lungen wütete, übermannte ihn, zwang ihn dazu, die Augen zu schließen. Doch egal, wie fest er die Lider auch zusammenpresste, Susans Anblick und der Ausdruck, der sich auf ihren Zügen gespiegelt hatte, ließen sich nicht vertreiben.
    Ihre Hilflosigkeit und ihr unausgesprochener Zorn schwappten mit der geballten Kraft einer tosenden Welle über ihn fort, gruben sich wie klauenbesetzte Pranken tief in sein Inneres.

    Sie gibt mir die Schuld … Und sie hat recht! … Ich allein trage die Schuld, wenn Emilia stirbt … ich allein!

    Darum bemüht, die Panik im Zaum zu halten, kämpfte er gegen die Schwere in seiner Brust an. Konzentrierte sich darauf, die göttliche Energie zu ertasten, welche in ihm wohnte - doch da war nichts!

    Als sei er in einem Irrgarten gefangen, der aus undurchdringlicher Finsternis bestand, streckten sich die Schatten immer weiter nach ihm aus. Nur noch ein müdes Glimmen, einem zarten Flämmchen gleich, waberte in der Dunkelheit und trotzte dem endgültigen Erlöschen. Es war nicht vielmehr als ein kümmerlicher Rest seiner Kräfte, die langsam dahinschwanden. Schwärze hüllte ihn ein, drohte auch das letzte Licht in seinem Inneren zu verschlingen.

    Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, löste sich der Bleimantel, welcher sich mit einem tonnenschweren Gewicht um seine Schultern gelegt hatte und der Druck von seinem Oberkörper verschwand. Einem Ertrinkenden gleich, der durch die tosenden Wassermassen endlich wieder an die Oberfläche stieß, sog Elias hastig die Luft ein, die mit einem Mal in seine Lungen strömte. Einen Atemzug nach dem anderen nahm er gierig in sich auf während sich sein Herzschlag allmählich beruhigte und das Leben in seine erstarrten Glieder zurückkehrte.

    Sturm und Sterne… Was bei allen sieben Toren zur Hölle war das? Emilia …

    Verzweifelt suchte er nach der Verbindung zu ihr, horchte auf irgendein Lebenszeichen, doch es war nur eine abgrundtiefe Leere die in ihm nachhallte. Nichts, aber auch gar nichts deutete mehr darauf hin, was sich in den vergangenen Minuten ereignet hatte, als habe es den grausamen Todeskampf, den er soeben durchleben musste, nie gegeben.

    Sie hat es geschafft! Sie muss einfach!, versuchte er sich zu beruhigen, und klammerte sich daran fest, dass er es mit ziemlicher Sicherheit wüsste, wenn dem nicht so wäre.

    „Es ist vorbei“, sagte er schließlich und stieß den Atem aus, während sein Blick zwischen Micah und Jesaja hin- und herwanderte, die ihn ihrerseits fragend betrachteten. „Ich spüre sie nicht mehr, aber sie lebt. Ich bin mir ganz sicher. Sie lebt Susan“, sagte er nun eindringlicher und drückte ihre Hand, die auf der Armlehne ruhte, während er ein zaghaftes Lächeln versuchte.

    Susan entzog sich seiner Berührung und wischte sich mit dem Ärmel ihrer Jacke über das Gesicht, um die Tränen zu beseitigen, die ihr ungewollt über die Wangen gelaufen waren.

    Jesaja, der nach wie vor neben ihr stand, legte ihr besänftigend die Hand auf die Schulter. „Die Situation ist für uns alle nicht leicht“, sagte er in ruhigem Tonfall. „Ich denke, es wird das Beste sein, wenn wir versuchen, Ruhe zu bewahren!“

    Elias beneidete den jungen Schutzengel für sein Einfühlungsvermögen und das Gespür, mit welchem er die Situation gekonnt entschärfte, wenn er sich auch nicht sicher war, ob die Worte seines Freundes die junge Frau überhaupt erreichten.

    Verstört starrte Susan ins Leere und wirkte auf beinahe unheimliche Weise abwesend. Wie eine leere Hülle, die zurückgelassen worden war und deren Geist sich derweil an einem gänzlich anderen Ort aufhielt. Plötzlich jedoch kam sie zu sich und rappelte sich mühsam auf.

    Der kurze Blick, den sie Elias dabei zuwarf, sagte mehr als tausend Worte. Er konnte darin lesen, wie in einem offenen Buch.

    Sie wird mir niemals verzeihen, wenn Emilia etwas zustößt … niemals!

    Die Tatsache, dass er mit dieser Konsequenz nicht all zu lange würde leben müssen, stellte keinen nennenswerten Trost dar. Im Gegenteil! Tausend Jahre Höllenfeuer wären nicht annähernd genug, um ihn für seine grenzenlose Vernarrtheit zu bestrafen, mit welcher er Emilia hatte ins offene Messer rennen lassen.

    Nachdenklich blickte Elias Susan hinterher, bevor er zu seinem Staunen bemerkte, dass Seraphina in der Tür stand, die Nils an ihrer Seite stützte. Der Anblick der Engelsfrau mit den hüftlangen Haaren und dem weißen Gewandt wirkte neben dem abgekämpften Menschen, dem sie Halt zu geben versuchte, wie ein unwirklicher Kontrast.

    Schlagartig wurde Elias` Kehle wieder eng, als er die Wunde an Nils Kopf bemerkte. Das eingetrocknete Blut auf der Jacke des Sterblichen und die dunklen Flecken, die seinen Pullover bedeckten, verstärkten das ungute Gefühl, dass hier etwas absolut nicht stimmte. Umgehend schweifte sein Blick wieder zu Susan. Während sie an Nils andere Seite trat und dessen Arm um ihre Schultern legte, fielen Elias ihre zerschundenen Handflächen auf. Ihre Hose war an einer Stelle eingerissen und die Knie waren derart verdreckt, als sei sie auf allen Vieren über einen matschigen Acker gekrabbelt.

    Bei Gabriels Horn!

    Die Angst, welche von den Irdischen ausging, hing wie ein undurchdringlicher Schleier in der Luft. Und jetzt dämmerte es ihm: Es war nicht alleine die Sorge um Emilia gewesen, die Susan derart zugesetzt hatte. Etwas anderes, noch weitaus Schlimmeres musste den beiden Menschen zugestoßen sein.

    Bevor er seine Frage laut aussprechen konnte, durchbrach ein unerwartet lautes Klopfen an der Wohnungstür die Stille.

    „Das wird Freddy sein“, sagte Micah, der sich bereits in Richtung Flur aufmachte, um zu öffnen.
    Seraphina trat mit Susan und Nils einen Schritt beiseite, um den Weg freizugeben, bevor sie sich in Bewegung setzten, um Nils zur Couch zu begleiten.
    Als sie an Elias vorbeigingen, nahm dieser den eisigen Blick wahr, mit dem Nils ihn bedachte und der dem vorwurfsvollen Funkeln in Susans Augen in nichts nachstand.
    Na wunderbar!, dachte er bei sich. Die Frau die er liebte, schwebte in größter Gefahr und Dagons vernichtender Angriff stand kurz bevor. Alles, was er bislang in seiner Rolle als ´Auserwählter` zustande gebracht hatte, war es, in äußerst perfektionierter Weise, den Groll der Menschen auf sich zu ziehen, auf deren Unterstützung er eigentlich angewiesen war
    Er fragte sich, ob es irgendwo ein Handbuch gab, in dem er hätte nachschlagen können, wie er sich in dieser Situation zu behaupten hätte. Wohl eher nicht! Es blieb ihm offenbar nichts anderes übrig, als sich auf sein Gefühl zu verlassen. War das nicht auch der Grund dafür gewesen, warum man ihn für diese Aufgabe bestimmt hatte?
    Weil er dazu in der Lage war, sich in das breite Gefühlsspektrum der Irdischen hineinzuversetzen?
    Warum bloß hatte er nur den Eindruck, dass ihm das im Moment überhaupt keinen Vorteil verschaffte, sondern – eher im Gegenteil – die Situation für ihn erschwerte? Es blieb keine Zeit, seinen Gedanken weiter nachzuhängen, da Micah und Freddy in dem Moment das Wohnzimmer betraten.
    „Hey, was ist denn hier passiert? Habe ich irgendwas verpasst?“, fragte der junge Mensch mit seiner gewohnt flachsigen Art. Die feuchten Haare kräuselten sich in seinem Nacken und hinterließen Tropfspuren auf dem frischen T-Shirt. Offensichtlich hatte er die Zeit genutzt, sich nach dem schweißtreibenden Schwertkampftraining mit Micah zu duschen und sich umzuziehen.
    Der Reihe nach sah er nun in die betroffenen Gesichter der anderen, wobei sein Blick schließlich an Jesaja und Seraphina hängenblieb.
    „Ehm, Hi“, stammelte er und nickte den beiden zu, wobei er sich nervös eine widerspenstige Haarsträhne aus seinen Augen strich. Jesaja erwiderte seine Begrüßung mit einer angedeuteten Verbeugung während Seraphina ihm freundlich und mit wohlwollender Neugierde zulächelte. „Ich … ich bin Freddy“, schob er mit belegter Stimme hinterher und Elias wäre jede Wette eingegangen, dass sein Herz gerade einen Schlag ausgesetzt hatte. Freddys Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war die hübsche Engeldame, die auf der Armlehne der Polstergarnitur direkt neben Nils Platz genommen hatte, nicht ganz unschuldig daran.
    Ein unnatürliches Knistern hing in der Luft. Elias glaubte zu spüren, wie die göttliche Energie, die von den beiden Schutzengeln ausging den Raum erfüllte und sich wie ein feiner Schleier über das Geschehen legte. Ein ehrfurchtsvolles Staunen spiegelte sich in Freddys Zügen und er schien wie gebannt von der Faszination, welche die Begegnung in ihm auslöste.
    Elias stieß Micah unsanft in die Seite. „Sieh dir das an und lerne! So macht man das“, flüsterte er und deutete auf die Szene, die sich gerade vor ihren Augen abspielte.
    Micah stieß die Luft zwischen seinen Zähnen aus und schüttelte den Kopf, während er die Arme vor der Brust verschränkte und die Situation in einem Anflug fassungsloser Sprachlosigkeit beobachtete.
    „Vielleicht sollte ich das nächste Mal auch ein Kleid tragen …“, brummte er schließlich.
    „Ich glaube nicht, dass das Kleid an dir eine ähnliche Wirkung erzielen würde…“, gab Elias zu bedenken, bereute seine Worte aber noch im selben Augenblick, als er Susans wütenden Blick zur Kenntnis nahm, der eindeutig Micah und ihm galt.
    „Zumindest müssen die beiden niemanden einschüchtern um sich Gehör zu verschaffen“, stieß sie bissig hervor und erinnerte Elias mit ihrem ungebremsten Temperament mehr denn je an Emilia. Immerhin sagt sie jetzt, was sie denkt, stellte er zu seiner Erleichterung fest und musste zugeben, dass ihm das um ein Vielfaches lieber war, als das vorwurfsvolle Schweigen von zuvor.
    „Kein Engel würde jemals einen Menschen einschüchtern“, meldete sich Jesaja jetzt zu Wort, der gerade im Schaukelstuhl Platz genommen hatte. „Das verstieße gegen das himmlische Abkommen zum Schutze der Irdischen. Das ist oberstes Gebot und wird bei uns an der Akademie bereits im ersten Semester gelehrt“, schob er belehrend hinterher, ohne zu ahnen, was er damit lostreten würde.
    „Na dann kenne ich jemanden, der dringend nochmal nachsitzen muss, weil das offensichtlich noch nicht bei ihm abgekommen ist“, mischte sich jetzt Nils ein und warf Micah einen abfälligen Blick zu.
    „Wieso habe ich bloß das Gefühl, dass mir ein paar wesentliche Informationen fehlen?“, fragte Jesaja jetzt vorsichtiger und blickte irritiert zwischen den beiden Parteien hin und her.
    „Ja, na schön! Ich habe sie durchs Zimmer schweben lassen!“, platze es aus Micah heraus, während er entschuldigend die Hände hob. „Das war ein Fehler und ich werde es nie wieder tun. Wie lange wollt ihr noch darauf herumreiten?“
    „Du hast was getan?“, entfuhr es jetzt Seraphina. „Bist du vom heiligen Geist verlassen worden?“, fügte sie hinzu und versetzte Micah damit einen weiteren Hieb.
    „Ja, genau. Deshalb hat er uns auch in diese Hölle da raus geschickt, um den Wagen vollzutanken …“, sprudelte es aus Susan heraus, als habe sie sich bislang krampfhaft zurückgehalten und als gäbe es jetzt kein Halten mehr. „Habt ihr eigentlich auch nur eine leise Vorstellung davon, was da draußen abgeht?“, schleuderte sie Elias und Micah entgegen und deutete eine Kopfbewegung in Richtung Fenster an. „Während ihr hier euren Kaffeeklatsch abgehalten habt, wären wir beinahe drauf gegangen, wisst ihr das? Wären uns nicht zufällig Serafina und Jesaja zur Hilfe gekommen, dann lägen wir jetzt noch immer in diesem gottverdammten Graben und Nils wäre … wäre …“ Ihre Stimme brach weg und Nils strich ihr beruhigend über das Bein, während sich eine bedrückende Stille ausbreitete. Erstaunlicherweise war es Freddy, der sich zu Wort meldete und für Micah und Elias Partei ergriff.
    „Was soll das bitteschön heißen, wir haben hier einen ´Kaffeeklatsch` veranstaltet? Die ganze Nacht haben wir uns um die Ohren geschlagen, um Emilias Kontakte durchzugehen und alle Welt abzutelefonieren. Wir haben uns das Hirn zermartert, wo sie sich aufhalten könnte und … ach ja, außerdem hatte ich das Vergnügen von einer perfektionistisch veranlagten, ziemlich erbarmungslosen und obendrein noch unermüdlichen Kampfmaschine in den Gebrauch der himmlischen Waffen eingeführt zu werden.“ Sein Blick wanderte kurz zu Micah, bevor er sich wieder Susan zuwandte. „Ich habe keine Ahnung, was euch passiert ist und es tut mir echt leid, dass ihr Probleme hattet, aber Susan … du kannst hier nicht einfach einen Rundumschlag machen. – Das ist nicht fair, okay?“
    „Dass wir Probleme hatten?“, echote Susan voller Entsetzen Freddys Worte. „Hast du sie noch alle? Wir könnten tot sein, Freddy“, schrie sie ihm entgegen. „Das ist wieder so typisch. Du hast keinen Plan, worum es geht und…“
    Ein ohrenbetäubendes Pfeifen hallte durch das Wohnzimmer und schnitt Susan das Wort ab, die sich genauso irritiert, wie alle anderen nach der Quelle dieses Geräusches umblickte.
    Es war Elias gewesen, der sich seiner erst kürzlich erworbenen Fähigkeit des ´Auf-den-Fingern-Pfeifens` bedient hatte, um für Ruhe zu sorgen. Nun erhob er sich schwungvoll von dem Sessel und ging sich aufgebracht durch seine zerzausten Haare, die nur noch pseudomäßig von dem Haarband zusammengehalten wurden und ihm bereits wüst ins Gesicht fielen.
    „Sagt mal, merkt ihr eigentlich, was hier vor sich geht?“, fragte er wütend und sichtlich darum bemüht, die Beherrschung nicht zu verlieren, als er in die erschrockenen Gesichter seiner verdatterten Zuhörer blickte. „Glaubt ihr ernsthaft, dass wir Emilia oder sonst irgendeinem Menschen auf diesem Planeten helfen werden, wenn wir uns hier gegenseitig bekämpfen? Das kann unmöglich euer Ernst sein. Der Feind ist da draußen… “ Er deutete mit dem Daumen über die Schulter in Richtung Fenster, bevor er den Satz beendete „… und nicht hier drin.“ Keiner der Anwesenden gab auch nur einen Mucks von sich. Es schien, als denke jeder für sich über Elias` Worte nach und so sprach er in weitaus ruhigerem Ton weiter. „Zweifelsohne habt ihr alle einen triftigen Grund, auf irgendwen stinksauer zu sein…“ Der Reihe nach blickte er jeden einen kurzen Moment an. „ … dennoch müssen wir jetzt zusammenhalten! Merkt ihr nicht, wie er versucht, uns zu entzweien? Wir dürfen uns nicht von diesen niederen Gefühlen leiten lassen, sonst hat er schon so gut wie gewonnen!“ Angespannt rieb er sich den Nacken. „Dämonen seiner Art sind regelrechte Meister darin, Zwietracht zu sähen und sie zehren von dem Hass und dem Zorn, den er damit in den Menschen auslöst. Da er einmal ein Engel war, dürften ihm die Gedankengänge und die Motive der Irdischen vertraut sein, weshalb es ihm ein Leichtes sein wird, sie nach seinen Wünschen zu manipulieren.“ Unter gehobenen Brauen blickte er abwartend in die Runde, bevor er weitersprach. „Während wir uns hier also zerfleischen, wächst seine Macht von Minute zu Minute. Das … das dürfen wir einfach nicht zulassen“, beendete er seine Ansprache und atmete hörbar aus. Die drei Engel bestärkten ihn durch ihr zustimmendes Kopfnicken und signalisierten damit, seine Meinung voll und ganz zu teilen. Freddy, Susan und Nils hingegen sahen einander einen kurzen Moment betroffen, und mit einem Anflug von schlechtem Gewissen an, bevor ihre Blicke sich voneinander lösten und sie nachdenklich ins Leere starrten.


    Hier geht`s weiter

    Kapitel 16.2

  • Liebe Rainbow

    Jetzt ist der Trupp wieder zusammen und sogar einige weitere Engel sind dazu gestoßen. Elias hat in diesem Abschnitt viel Stress. Erst die Vision von Emilias und dann die Vorwürfe seiner Freunde. Susan ist mir nicht recht sympathisch, die ist sehr auf Krawall aus, bin gespannt ob von der noch etwas konstruktives kommt, oder ob sie sich weiterhin beschwert.

    Die Ankunft des "Aussenteams" fand ich ok gelöst, ich empfand die Stelle als etwas holprig. Beim zweiten mal lesen ging es aber besser.

    Ich bin jetzt sehr gespannt, wohin sie sich aufmachen werden.


  • Die erste Haelfte liest sich sehr verschieden von der zweiten Haelfte, die zweite Haelfte finde ich gut gelungen, meine Anmerkungen sind (mal wieder) darueber, dass ich Elias in seinem Gedenkenzustand nicht so gut eingefangen finde (du erzaehlst mehr davon als Du es uns erleben laesst) und dass ich finde dass zu viel ausgesprochen wird was besser der Intuition des Lesers ueberlassen bleiben sollte.


    Susan finde ich eigentlich ganz gut geloest - meine Interpretation ist, dass die Frau in Panik ist und eben um sich schlaegt...



    Eli, schau, wer hier ist


    Okay, das kannst Du nicht wissen, aber der Leser der hier etwas Namenskunde kann, steigt an der Stelle mit einem Lachanfall aus. 'Elias' ist ja 'Eli-jahu' was soviel heisst wie 'Jahu (Jahwe) ist mein Gott' - und 'Eli' ist der 'mein Gott' Teil. Dass Micah ihn hier als seinen Gott anredet ist dann doch etwas... over the top.


    (Ich gehe mal davon aus dass die Engel um diese Bedeutungen wissen, auch wenn die Menschen im Raum das nicht tun).


    Die eingetrockneten Blutflecken an seinem Hemdkragen zeugten von der Schwere seiner Verletzung und die Tatsache, dass er sich nicht selbstständig aufrechthalten konnte, ließ auf seinen desolaten Zustand schließen.


    Da finde ich den naechsten Abschnitt besser - hier ist mir zu viel interpretiert, der Leser kommt schon drauf dass der Zustand nicht gut ist wenn Du Blut und einen Mann beschreibst den man stuetzen muss :)


    und Elias` benebelter Verstand kam zu dem Schluss, dass Susan und Nils irgendetwas zugestoßen sein musste, bevor sie von Jesaja und Serafina aufgegabelt worden waren.

    Hier wird etwas sehr offensichtliches ausgesprochen (das der Leser ausserdem schon weiss) - gewinnt der Text wirklich dadurch dass man klar macht dass Elias merkt dass etwas passiert sein muss?

    Es war offensichtlich, dass sie ihn für Emilias Verschwinden verantwortlich machte und ihm insgeheim die Schuld dafür gab, dass sie in diese Misere hineingeraten war.

    Ja - und es waere auch offensichtlich ohne dass es dem Leser hier erklaert wird :)

    Obwohl Elias sich seit Bekanntgabe von Emilias Entführung in einer Endlosschleife aus Selbstvorwürfen befand und sich für seine eigene Unbesonnenheit zerfleischte, mit der er sie hatte ins offene Messer rennen lassen, hallte Susans hilfloser Ausbruch wie eine schallende Ohrfeige in ihm nach.

    Das ist... irgendwie finde ich des Satz unelegant, auch wenn ich zugeben muss dass ich nicht so genau festmachen kann was mich stoert. Vielleicht zu weit weg? Ich wuerde mir diese Endlosschleife von Selbstvorwuerfen expliziter wuenschen statt dass sie hier kurz rekapituliert wird?

    Der kurze Blick, den sie ihm hierbei zuwarf, sagte mehr als tausend Worte. Elias konnte darin lesen, wie in einem offenen Buch.

    Bis hier ist es wunderschoen. Und jetzt stell Dir vor der naechste Abschnitt waere einfach nicht da, und der Leser muesste damit selber arbeiten - da wuerde er schon draufkommen.

    „Kein Engel würde jemals einen Menschen einschüchtern“, meldete sich Jesaja daraufhin zu Wort, der gerade im Schaukelstuhl Platz genommen hatte. „Das verstieße gegen das himmlische Abkommen zum Schutze der Irdischen. Das ist oberstes Gebot und wird bei uns an der Akademie bereits im ersten Semester gelehrt“,

    Um... was ist z.B. mit dem Typ mit dem Flammenschwert der die Menschen aus Eden rausgeworfen hat? Warum wohl halten sie es fuer noetig 'Fuerchtet euch nicht!' so zu betonen?


    Das Abkommen muss schon neueren Datums sein...:D

    • Offizieller Beitrag

    „Informationen? Was denn für Informationen?“, sprudelte es aus ihr heraus.

    Ich hab dir diesen sehr langen Part ja schon als Memo vorgelesen ^^


    Aber hier nochmal kurz die Stichpunkte von dem, was ich angemerkt hatte. Dann hast du es auch im Thread :D


    Also. Silas fand ich vollkommen logisch. Da waren wenn nur Sachen, die ich anderes geschrieben hätte, aber die aufs Selbe hinausgekommen wären.

    Ich hatte ja dieses Gefühl, dass mit dem beschworenen Dämon nicht unbedingt Dagon gemeint seien müsste und man sich das nochmal anschauen soll. Aber vielleicht hatte ich da auch eifnach was übersehen.


    Mir gefällt in welche Richtung sich das jetzt bewegt. Und ich bin gespannt welche Richtung Silas in Zukunft einschlagen wird. Der ganze Strang um ihn gefällt mir zumindest sehr gutz :thumbsup:

  • Hey liebe Rainbow

    dieser Abschnitt ist einfach wundervoll, ich finde ihn enorm packend. Zuerst die Szene, in der Elias die Empfindungen von Emilia fühlen kann. Das geht echt unter die Haut.

    Dann die Erscheinung von Jesaja und die Rückkehr von Susan und Nils - das hat mich gepackt, wie Susan auf Elias und die Gefährten losgeht und glaubt, etwas Schlimmeres als ihr Erlebnis im Auto könnte es gar nicht geben - aus ihrer Sicht absolut verständlich - und eben darum sehr mitreißend.

    Dann versucht der Engel zu schlichten, fordert dazu auf, dass alle zusammenhalten sollen und der Feind draußen ist, nicht drinnen - alles Selbstverständlichkeiten, die man aber in der Erregung einer Stresssituation schon mal vergessen kann.

    Es ist eine wahnsinnig packende Szene, in der die Gefühle Achterbahn fahren, ich mag sowas.

    Haha und dann erinnert Jesaja noch an Lektionen aus dem 1. Semester, an die sich Micah nicht erinnert ...

    Ich finde, eine wahnsinnig tolle Szene. Meiner Meinung nach kannst du die einfach so lassen! :love:

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Hallöchen Rainbow :)

    Ich habe den Part zwar schon gelesen, aber meinen Senf noch nicht abgeben können ... Ich hole es jetzt nach :D


    Insgesamt gefiel mir der Part gut. Die Leute sind also alle wieder zusammen und das ist wohl auch gut so.


    Kurz hatte ich das Gefühl, dass Elias sich vielleicht etwas zuuu schnell von seinem Schock erholt. Nach den zweiten Lesen war das Gefühl aber nicht mehr so stark.


    Einmal empfand ich es, als wäre die Perspektive nicht ganz klar ... oder vielmehr die zeitliche Abfolge einer Szene ...:hmm: Ich habe dir meinen Gedanken mal in den Spoiler gepackt :)


    Ansonsten fand ich gerade die Situation schön geschildert, als Susan und Co. wieder aufgetaucht sind. Da merkte man einfach, wie unterschiedlich sie vom Charakter her alle sind :)



    LG :)

  • Es hat ja etwas gedauert, aber ich bin nicth völlig verschwunden. Ich muss schon sagen hier hat sich doch einiges getan. Die Geschichte hat sich sehr gut weiterentwickelt. Nasrija gefällt mir durchgehend, die Atmosphäre ist gut eingefangen und das Scheitern an der lebensfeindlichen Umgebung ist auf seine eigene Art gruselig. Wie sich ihre Wahrnehmung verändert, sie immer schwächer wird, ist gut beschrieben. Ich kann aber gut verstehen, dass sie so schnell abhauen will, ohne großen Plan. Ihr scheint wenigstens klar zu sein, wie groß die Gefahr nicht nur für sie ist und lässt sich von dem warmen Feuer nicht einlullen. Wobei ich jetzt schon irgendwie einen charmant fiesen Auftritt meines Lieblingsbösewichts erwarte.

    Die Szenen auf der Erde sind aber auch gut. Das Kampftraining ist mit dem Mal ganz gut gelöst. Gefühlt finde ich ist Freddy etwas weniger Freddy als früher. Gut die Lage ist ernst und das weniger Zeit für seine manchmal etwas schrägen Sachen oder Kommentare. Aber ich finde schon er könnte das Training kurz unterbrechen, nach dem Motto ganz wichtig und sich dann einen Snickers holen gehen (und den ungläubigen Engeln was anbieten) oder irgendetwas ähnliches. Und danach mit neuem Eifer weitermachen. Ist aber nur eine unausgereifte Idee und vermutlich auch unpassend, beim Ernst der Lage.

    Die Verbindung zwischen Elias und Emilia ist berührend und zeigt gleichzeitig, wie heikel die Lage ist. Bisher ist Emilia nur ein Köder, doch wenn Dagon klar wird, dass er nur sie töten braucht... Wie Elias ihren drohenden Tod fühlt ist gut beschrieben und man kann sehr gut mit ihm mitfühlen.

    Die Engelsverstärkung kommt cool rüber (mir fällt da gerade nichts besseres zu ein). Gerade auch die Debatte zum Thema "du hast sie fliegen lassen?", ist einfach herrlich und hat mich zum schmuzeln gebracht.

    Jetzt wo der Weihnachtswahnsinn zu Lookdownzeiten erstmal durch ist, werde ich michz auch wieder etwas aktiver hier einbringen. Erstmal freut es mich, dass es sich hier so gut weiterentwickelt hat.


    Für mehr blümchenpflückende Orks, blutrünstige Elfen und vegetarische Drachen!

  • Sensenbach , Thorsten , Kirisha , LadyK , Alexander2213


    Vielen Dank für euer Feedback. Dieses 16. Kapitel gehört nicht gerade zu meinen liebsten, wenn ich ehrlich bin. Als ich es neulich nach ewigen Zeiten wieder las, musste ich zuerst die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Ich stand schon kurz davor, das alles zu löschen und es komplett neu zu schreiben, aber dann kam wieder die Nostalgikerin in mir durch und ich dachte, ich könnte es vielleicht hinbekommen durch ein bisschen "feilen" und "nachjustieren" doch noch was da rauszuholen :pardon:


    Wenn es jetzt also im Großen und Ganzen für euch einigermaßen annehmbar und verträglich ist, bin ich schon zufrieden. ^^ Was mich eigentlich am meisten gestört hat, war die Tatsache, dass es an der Stelle etwas plätschert, obwohl eigentlich Tempo rein müsste. Aber es war mir wichtig noch ein paar Infos fließen zu lassen und die Ruhe vor dem Sturm aufzubauen, bevor es dann im nächsten Teil endlich knallt.


    Na ja,... genug gelabert. ich zeig euch mal, wie`s weitergeht. (Ist vielleicht ein blöder Cut gewesen, weshalb man eventuell den vorherigen letzten Abschnitt noch mal nachlesen muss...)



    Kapitel 16.2


    „Elias hat recht“, sagte Jesaja schließlich. „Dagon ist kein gewöhnlicher Dämon. Den größten Teil seiner bisherigen Existenz hat er als Engel zugebracht – als einer von uns. Er hat Gott und den Menschen gedient, bevor er in Ungnade fiel und in die ewige Finsternis stürzte, was ihn schließlich zu einem ´Gefallenen` machte.“
    „Würde mich echt mal interessieren, was man tun muss, um bei Gott in Ungnade zu fallen“, schnaufte Freddy, bevor ihm klar wurde, dass er die Frage laut ausgesprochen hatte und alle Blicke in seine Richtung gewandert waren. „Ich meine ja nur, … ähm ... wegen der ´ewigen Finsternis` und so…“ Er räusperte sich und verschränkte schließlich die Arme vor der Brust, als habe er kurzzeitig beschlossen, seine Gedanken doch lieber für sich zu behalten.
    „Nun…“, Jesaja musterte Freddy einen Augenblick kritisch, bevor er sich wieder den anderen zuwandte und schließlich fortfuhr, „…wenn es stimmt, was ich den alten Überlieferungen entnehmen konnte, dann war Dagon einst ein Schutzengel und obwohl das jetzt vielleicht seltsam klingen mag, so war es seine Bestimmung, über die Menschen zu wachen.“ Die Ellenbogen auf die Knie gestützt beugte er sich nach vorne und verschränkte die Finger ineinander. „Bis zu dem Tage, da er die Sinnhaftigkeit seines Daseins in Frage stellte und meinte, ohne direkte Einflussnahme sei die Anwesenheit der Engel in der Welt der Menschen überflüssig. Er warf Gott Heuchelei vor und dass er sich an dem Leiden der Irdischen ergötzen würde.“ Jesajas Brauen hoben sich, als er einen tiefen Atemzug nahm und sein Blick zu Elias schwenkte. „Er stellte ihn schließlich vor die Wahl, die Befugnisse der Engel zu erweitern oder dem allen ein Ende zu setzen. Das war, wie man sich nur unschwer denken kann, sowas wie eine persönliche Kriegserklärung!“
    Elias kniff nachdenklich die Augen zusammen und runzelte die Stirn. Dieser Teil der Geschichte war auch für ihn neu und ließ Dagon in einem völlig anderen Licht erscheinen.
    Unweigerlich drängte sich ihm die Frage auf, wie jemand, der ursprünglich gute Absichten verfolgt hatte und ganz offensichtlich ein Freund der Menschen gewesen war, plötzlich völlig gegensätzliche Ziele verfolgen und deren Vernichtung einfordern konnte.
    Der Wunsch nach mehr Handlungsspielraum war durchaus nachvollziehbar und das Bestreben, den Menschen helfen zu wollen, konnte obendrein als ehrbare Absichten ausgelegt werden.
    Wie war beides zu vereinbaren mit Eigenschaften wie Rachsucht und blinder Zerstörungswut?
    Ein leiser Verdacht schlich sich in Elias` Gedanken. Es war nur eine vage Vermutung, doch fügten sich die Bilder wie von selbst in seinem Geist zusammen, ohne, dass er etwas dagegen hätte unternehmen können.
    Schließlich war ihm sein eigenes Aufeinandertreffen mit den Fürsten noch derart präsent, dass es ihm nicht sonderlich schwerfiel, sich auszumalen, wie Dagons ´revolutionäres Gedankengut` von ihnen aufgenommen worden war und mit welch kühler Überheblichkeit sie ihn mit seinem Anliegen hatten auflaufen lassen.
    Elias sah Metatron und Seraphiel förmlich vor sich, wie sie in gleichmütiger Ignoranz die Köpfe schüttelten, und sich auf den allseits bekannten Leitsatz beriefen, mit dem das selbstbestimmte Handeln der Irdischen über jede himmlische Einflussnahme gestellt wurde.
    Ein Totschlagargument, wenn man so wollte. Und Elias wusste, wie gut man daran tat, derartige Gesetze nicht zu hinterfragen-zumindest, wenn man nicht öffentlich des frevelhaften Ungehorsams bezichtigt werden wollte.
    Auch wenn sich jetzt gerade etwas änderte und man in den höheren Sphären anfing, in andere Richtungen zu denken, hatte die konservative Führung welche über Tausende von Jahren das Reich geprägt hatte, tiefe Spuren hinterlassen.
    Zwangsläufig stiegen die Erinnerungen in ihm hoch, die ihm vor Augen führten, wie oft er selbst am Rande des Abgrunds gewandelt war, weil er gegen veraltete Vorschriften verstoßen oder sinnlose Befehle verweigert hatte.
    Wie oft war er genötigt worden, sich ermüdende Beleherungen anzuhören, auf dem Boden knieend und in ehrfürchtiger Haltung ein ´Ich gelobe, die himmlische Ordnung fortan zu achten` herauszupressen, während er die Fäuste geballt und die Zähne zusammengebissen hatte.
    Mehr als einmal hatte er die Fürsten während dieser, ´der Läuterung dienenden Sanktionsmaßnahmen`, für ihre Starrsinnigkeit verwünscht, mit welcher sie auf die himmlische Ordnung schworen, und jeden aufkommenden Zweifel daran bereits im Keim zu ersticken versucht hatten.
    Dagons hilflosen Zorn, den er damals empfunden haben musste und seine Enttäuschung darüber, dass man ihm kein Gehör geschenkt hatte, konnte Elias deshalb nur zu gut nachvollziehen.
    Aber ließ sich damit auch sein Verhalten rechtfertigen? Und entschuldigte es die Grausamkeiten, die der Dämon nach seinem Fall heraufbeschworen hatte?
    Gegen ein marodes System aufzubegehren und sich für Neuerungen einzusetzen war die eine Sache, wie Elias fand. Den Schöpfer höchstpersönlich herauszufordern, um einen weltenübergreifenden Krieg anzuzetteln, war die andere.
    Es beschlich ihn das beunruhigende Gefühl noch nicht über alles im Bilde zu sein, was die damaligen Ereignisse betraf und er fragte sich, ob sich die Gelegenheit bieten würde, Dagon beizeiten selbst darauf anzusprechen.
    Wohl kaum! Schließlich erwarteten die Fürsten seinen Kopf auf einem Silbertablett serviert zu bekommen.
    Womöglich war aber gerade das der Grund, warum es Sinn machte, beide Seiten dieser Geschichte zu hören.
    „Irgendwie ist das doch paradox“, unterbrach Freddy in dem Moment seine Gedanken. „Dagon hat damals eingefordert, dass die Engel aktiv in das Leben der Menschen eingreifen dürfen, was aber abgelehnt wurde. Und heute seid ihr aufgrund der Bedrohung, die von ihm ausgeht soweit, genau das zu tun. Ihr werdet sogar noch einen Schritt weitergehen, indem ihr eure Existenz offenlegen und Seite an Seite mit den Menschen kämpfen werdet. Das … das ist doch verrückt, oder?“ Die nüchterne Betrachtungseise, mit welcher der Irdische die Fakten analysiert und schließlich exakt auf den Punkt gebracht hatte, entlockte Elias ein müdes Schnaufen.
    „Ja. Du hast völlig recht“, versuchte er nun zu einer Erklärung anzusetzen. „Aber besondere Umstände erfordern nun mal besondere Maßnahmen. Nun, da der Fortbestand der irdischen Welt und des himmlischen Reiches auf dem Spiel steht, müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit Dagon nicht die Oberhand gewinnen und die Herrschaft über das gesamte Universum übernehmen kann.“ Seine Augen wanderten zu Freddy, Susan und Nils. „Es war nie Gottes Absicht, die Engel aktiv in die Lebensverläufe der Menschen eingreifen zu lassen. Er hat euch etwas ganz Besonderes gegeben: Den freien Willen! Es steht euch insofern frei, euch für das Gute oder das Böse zu entscheiden. Eine göttliche Einflussnahme würde euch zu Marionetten zu machen und euch jeglicher Entscheidungsfreiheit berauben. Dagon hat das damals anscheinend nicht verstehen können.“
    „Mhh...“, erwiderte Freddy, und presste die Lippen aufeinander, während er Elias` Blick standhielt. In den Augen des jungen Mannes glaubte Elias deutlich erkennen zu können, dass er es ebenfalls nicht verstand.
    In der Tat, so dachte Elias, war es schwierig, den Menschen den tieferen Sinn himmlischer Enthaltsamkeit zu erklären, ohne die Engel als teilnahmslose Statisten dastehen zu lassen, die an den Schicksalen der Menschen keinerlei Anstoß nahmen.
    Wenn er ehrlich war, musste er zugeben, dass dieses Thema von ihm in der Vergangenheit nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit hinterfragt worden war.
    Es hatte schlicht und ergreifend keine Menschen gegeben, die ihm wichtig genug gewesen wären, als dass er sich darüber den Kopf hätte zerbrechen müssen.
    Das war nun anders!
    Alleine die Vorstellung Emilia nicht helfen zu können, wenn sie ihn brauchte, oder zusehen zu müssen, wie Freddy etwas zustieße, obwohl es ihn nicht mehr als ein Fingerschnippen kostete das drohende Unheil abzuwenden, ließ ihn an seiner Selbstbeherrschung zweifeln.
    Wahrscheinlich konnte er von Glück reden, dass er seine Bestimmung im himmlischen Heer gefunden hatte und nicht als Schutzengel eingesetzt worden war. Andernfalls, da war er sich ziemlich sicher, hätte er wahrscheinlich eine Audienz nach der anderen bei den Fürsten gehabt und seine Akte wäre garantiert um einiges dicker, als sie es ohnehin schon war.
    „Hört zu“, mischte sich Jesaja schließlich ein. „Leider bleibt uns nicht mehr genug Zeit, um das große Ganze zu hinterfragen. Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle. Das ist auch der Grund dafür, warum Erzengel Michael uns umgehend die Übergänge hat passieren lassen…“ Mit ernster Miene sah er Elias an, der Jesaja inzwischen gut genug kannte, als dass er die innere Anspannung seines Freundes förmlich spüren konnte.
    „Was ist geschehen?“, fragte er und spürte, wie sich eine düstere Vorahnung in ihm ausbreitete.
    „Nun, um es kurz zu machen: Die Wächter, die Maruth beschatten sollten, beobachteten ihn dabei, wie er ins Waffenlager einzudringen versuchte. Offenbar hatte er vor, die Siegel zu brechen und die Schilde zu deaktivieren.“
    „Er hat…?“, setzte Elias an, bevor er die Augen schloss und den Kopf schüttelte. Hörbar atmete er aus und sah Jesaja fassungslos an. „Das hätte bedeutet, dass der Großteil unserer Waffen mit einem Schlag unbrauchbar gewesen wäre“, brachte er hervor und spürte, wie es ihn bei der Vorstellung erschaudern ließ.
    „Ja“, bestätigte Jesaja mit einem Nicken. „Umso besser, dass wir ihn daran hindern konnten. Allerdings sind die Wachen anschließend nicht weit mit ihm gekommen. Bei dem Versuch, ihn in Sicherheitsverwahrung zu nehmen konnte er fliehen. Er … er hatte Unterstützung…“ Ein dunkler Schatten schob sich über Jesajas Züge und seine türkisfarbenen Augen, die sonst vor überschüssiger Energie nur so funkelten, wirkten trübe und abgekämpft „Es waren Engel aus allen Hierarchieebenen, die sich ihm urplötzlich angeschlossen haben. Offensichtlich hatten sie keinerlei Befehl, uns direkt anzugreifen. So haben sie lediglich die Wächter an den Übergängen überrannt und sind mit Maruth geflohen. Wahrscheinlich werden sie in einer von Dagons Zwischenwelten Unterschlupf suchen, bis sie sich mit seinem Heer vereinen…“
    „Dann werden wir in den nächsten Stunden mit einer Gegenoffensive rechnen müssen“, presste Elias hervor, während er Micah einen beunruhigten Blick zuwarf. Die Tatsache, dass sich das ursprünglich erhoffte Zeitfenster von drei Tagen binnen weniger Augenblicke in Luft aufgelöst hatte und es auf der Stelle ernst werden konnte, zerrte an seinem ohnehin schon dünnen Nervenkostüm.
    „Elias, du hättest sehen sollen, wie viele es waren“, setzte Jesaja kopfschüttelnd und voller abgrundtiefer Enttäuschung nach. „Einige kannte ich noch von meiner Zeit an der Akademie. Wir haben damals gemeinsam die letzte Weihe empfangen und während der Abschluss-Zeremonie feierlich geschworen, jegliches Unheil von den Menschen abwenden zu wollen. Kaum zu glauben, dass sie sich nun der dunklen Seite verschrieben haben.“ Er seufzte. „Auch im himmlischen Heer gab es Unmengen an Überläufern. Garantiert wirst du den einen oder anderen kennen.“ Hörbar ließ er die Luft ausströmen, während er Elias fassungslos ansah, der die Lippen aufeinander presste und ihm stumm zunickte.
    „Jeder Krieg zieht Verluste nach sich und zwar für alle Beteiligten“, sagte dieser schließlich nüchtern aber mit traurigem Unterton. „Das war so und das wird auch immer so sein! Dies werden nicht die letzten Freunde sein, deren Verlust wir am Ende zu betrauern haben.“ Sein Blick schweifte über die aus Engeln und Menschen zusammen gewürfelte Truppe. Ob er es wollte oder nicht, stellte dieser bunt zusammengewürfelte Haufen derweil seine Einheit dar.
    Der Gedanke, auch nur einen von ihnen zu verlieren, weil er im entschiedenen Moment nicht würde zur Stelle sein können, ließ ihn erschaudern und hinterließ ein beunruhigendes Gefühl tiefer Besorgnis.


    Hier geht`s weiter:

    Kapitel 16.3

  • Da brauchst du garkeine Selbstzweifel haben. Ich finde den Abschnitt sehr interessant. Er gibt Dagon noch etwas Tiefe, jenseits von üblichen schwarz-weiß Schematas. Das sich zahlreiche Engel dem Feind anschließen macht die Lage natürlich noch viel dramatischer und Dagon muss ja auch ihnen etwas positives angeboten haben, damit sie so einen Verrat begehen. Ich bin schon gespannt, wie sich das kennenlernen von Dagon und Emilia gestaltet.

    Natürlich ist es ein ruhigerer Zwischenabschnitt, aber die Hintergründe sind spannend /wichtig sind und passen völlig in den Ablauf hinein. Man hat jetzt nicht den Eindruck, dass sie Zeit verschwenden, sondern sie bereden wichtige Fragen, die ja auch im folgenden Kampf von Bedeutung sein können. Man muss seinen Feind schließlich kennen.


    Für mehr blümchenpflückende Orks, blutrünstige Elfen und vegetarische Drachen!

  • Alexander2213 bringt es auf den Punkt. Ich finde den Part auch sehr interessant und mir gefallen die Hintergründe und Erklärungen in diesem Dialog echt gut.


    Zitat von @Rainbow

    "Nun…“, Jesaja musterte Freddy einen Augenblick kritisch, bevor er sich wieder den anderen zuwandte und schließlich fortfuhr,

    Nun, wieder und schließlich finde ich etwas zu viel des Guten. Ohne "schließlich" würde mir der Satz besser gefallen.


    Ansonsten war es ein tolles "Lesegefühl" für mich :D

  • Hier kommen wir zu dem alten Problem des freien Willens und des Einflusses Gottes - schoen im Text zusammengefasst und auf den Punkt gebracht!:thumbup:


    Inhaltlich ist der Abschnitt top - stilistisch wuerde ich mir Elias' inneren Monolog ansehen:



    Hier ist ein gutes Beispiel:


    Unweigerlich drängte sich ihm die Frage auf, wie jemand, der ursprünglich gute Absichten verfolgt hatte und ganz offensichtlich ein Freund der Menschen gewesen war, plötzlich völlig gegensätzliche Ziele verfolgen und deren Vernichtung einfordern konnte.
    Der Wunsch nach mehr Handlungsspielraum war durchaus nachvollziehbar und das Bestreben, den Menschen helfen zu wollen, konnte obendrein als ehrbare Absichten ausgelegt werden.
    Wie war beides zu vereinbaren mit Eigenschaften wie Rachsucht und blinder Zerstörungswut?


    Erst schreibst Du distanziert, zusammenfassend was der Leser... irgendwie auch schon ahnt. Und dann wird es direkt, da stehen Elias' Gedanken als Frage im Text - und das finde ich viel lebendiger.


    Ich denke das darf schon direkter sein - einfach als Fragen, etwa:


    'Wie konnte jemand der so gute Absichten gehabt hatte auf einmal das Gegenteil tun? Der Wunsch nach Handlungsspielraum um menschen zu helfen war ja nachvollziehbar - aber wie war das mit Rachsucht und Zerstoerungswut zu vereinen?'


    Die nüchterne Betrachtungseise, mit welcher der Irdische die Fakten analysiert und schließlich exakt auf den Punkt gebracht hatte, entlockte Elias ein müdes Schnaufen.


    Hier ist wieder so ein distanzierter Einschub.


    Die Tatsache, dass sich das ursprünglich erhoffte Zeitfenster von drei Tagen binnen weniger Augenblicke in Luft aufgelöst hatte und es auf der Stelle ernst werden konnte, zerrte an seinem ohnehin schon dünnen Nervenkostüm.

    Und hier... sollte Elias als Oberkommandierendem der vereinten englischen und menschlichen Heere nicht an diesem Punkt in den Sinn kommen dass er irgendwie mal im Hauptquartier die Lage sondieren sollte - statt hier weiter auf Emilia fokussiert zu sitzen? Es ist beides wichtig, aber dass im Himmel grade Chaos absbricht, kann irgendwie auch nicht so in seinem Interesse sein...

  • Das liest sich gut Rainbow :thumbup:


    Dagon gewinnt hier unglaublich viel Tiefe. Es ist gut zu wissen, dass er nicht die Weltherrschaft haben will, weil ihm gerade danach ist. Es scheint, als hätte er tatsächlich mal gute Absichten gehabt. Ich bin gespannt, wann das mal wieder zum Thema wird.


    Ich bin ehrlich erstaunt, dass Elias sich so arg mit Dagon identifizieren kann. Aber andererseits verstehe ich es auch irgendwie xD Ich bin gespannt, ob das nochmal zu einem Konflikt führt ...


    Ansonsten habe ich nicht viel mehr zu sagen. Kann weiter gehen :thumbsup:


    LG

  • Ich war auch von diesem Abschnitt hier mal wieder echt begeistert.

    Da hast du einen Aspekt gebracht, den ich irgendwie nicht erwartet hatte, nämlich Dagons Handlungen erklärbar (naja, wenigstens halbwegs erklärbar) gemacht und ihn als eine lebensechte Figur dargestellt. Irgendwie hatte ich Dagon eigentlich als "der Böse" auf dem Schirm und oftmals gibt es ja für "den Bösen" in Geschichten keinen Hintergrund, der ist halt einfach so. Du gibst ihm also Charakter. Ehrlich gesagt, konnte ich Dagon anfangs nicht leiden und dachte aber, du hättest es ja auch so gedacht. Diese Spielereien von ihm mit den schicken Kostümen und dem stilisierten Auftreten, ich dachte, das ist halt das Anzeichen eines kranken Geistes. Jetzt zeigst du ihn plötzlich als einen, der ursprünglich mal gut war, ein gefallener Engel, und ich fange an ihn nachzuvollziehen und ihn zu verstehen (naja, also teilweise) - das ist echt fies, es ist ein bisschen ein Darth-Vader-Feeling. Wenn du so weiter machst, fange ich noch an den Typen zu mögen (Neee!)

    Das finde ich jedenfalls sehr mitreißend und ECHT COOL!

    Du wirst immer besser! (ja, ich wiederhole mich)

    und noch dazu Freddys blöden Kommentare, haha ... mach weiter so!

    Ich mag die Geschichten vom Himmel unglaublich gern, wenn du schilderst, was da so passiert und wie die Engelsfürsten etc sich verhalten, das ist einfach faszinierend.:love:

    Hab gerade etwas Mühe, da überhaupt was zu kritisieren, weil mir der Text so gut gefällt.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Liebe Rainbow

    jetzt erscheint mir Dagon beinahe sympathisch. Das finde ich gut!

    Ein sehr schöner Abschnitt. Ich hadere immer noch ein wenig mit der Rolle von Gott in dem ganzen Setup. Er scheint irgendwie so wie ein abgehobener Firmenchef, der sich nicht wirklich mehr um die Dinge kümmert.


  • Vielen lieben Dank an euch alle für eure tollen Kommentare. Hier kommt mein Feedback zu eurem Feedback:







  • Ich melde mich mit einer Überarbeitung und einem neuen Teil zurück ^^


    Wenn jemand Lust haben sollte, sich noch einmal Kapitel 16.1 durchzulesen, hier ist der Link:


    Überarbeitung 16.1


    (Ich habe versucht, diesen Erstickungsanfall von Elias noch ein wenig authentischer zu gestalten und näher an ihn heranzugehen. Sollte jemand das Bedürfnis verspüren, da noch mal drüber zu lesen, würde ich mich natürlich über eine kurze Rückmeldung freuen.)


    Ansonsten zeige ich euch jetzt mal den nächsten Teil. Ich habe ihn bewusst kürzer gehalten und an dieser Stelle einen Cut gemacht, weil ich das Gefühl habe, dass meine Parts immer länger und ausufernder werden. :hmm:

    Ansonsten packe ich euch noch eine Frage in den Spoiler am Ende des Textes. Wie immer bin ich sehr gespannt auf eure Rückmeldungen, Anregungen, Tipps :)




    Kapitel 16.3



    „Ihr werdet eine Entscheidung treffen müssen“, sagte er schließlich und wandte sich Susan und Nils zu, die noch immer wie paralysiert vor sich hin starrten und bei seinen Worten zusammenzuckten.
    „Sobald wir hier fertig sind, werden wir das Wohnheim aufsuchen, in dem Emilia arbeitet. Wir haben Grund zu der Annahme, dass sie dorthin verschleppt wurde. Inzwischen bin ich mir zwar nicht mehr so sicher, dass wir sie dort noch antreffen werden, doch ist das im Moment der einzige Anhaltspunkt, den wir haben.“ Er räusperte sich und fuhr sich mit einer Hand durch seine fast schulterlangen Haare. „Was ich versuche, euch zu sagen ist, dass ich nicht für eure Sicherheit bürgen kann, solltet ihr euch uns anschließen wollen. Wir können euch auch auf dem Weg in der kleinen Kapelle absetzen, die sich direkt hinter dem Marktplatz in der Altstadt befindet. Ich habe keine Ahnung, wie sie heißt. Emilia hat sie mir gezeigt. Sie liegt auf jeden Fall strategisch günstig und wenn wir es richtig anstellen, können wir mit der entsprechenden Unterstützung daraus eine Festung machen, die euch zumindest für den Moment Schutz bieten wird.“
    „St. Michael“, sagte Susan ausdruckslos und ohne weiter auf Elias` Vorschlag einzugehen. „Lia liebt diese Kapelle. Früher hat sie ständig da rumgehangen. Keine Ahnung, was sie da hingezogen hat.“
    St. Michael. Wie passend, dass ihre Zufluchtsstätte nach dem Erzengel benannt worden war, der die himmlischen Heerscharen anführte, dachte Elias, als Susan seine Gedanken abschnitt.
    „Wir kommen mit!“, sagte sie bestimmt, ohne ihren Beschluss mit Nils abgesprochen zu haben, wobei sein zustimmendes Nicken keinen Zweifel daran ließ, dass er ihre Meinung teilte. Er würde sich niemals freiwillig von ihr trennen und hingehen, wo sie hinginge – ganz egal, ob er ihr hierfür in die Hölle würde folgen müssen. Die tiefe Verbundenheit der beiden strahlte regelrecht aus ihnen heraus, umgab sie, wie eine Aura. Kurz registrierte Elias den stechenden Schmerz, der durch seine Eingeweide jagte, und der ihn auf unschöne Weise daran erinnerte, dass er sich unvollkommen fühlte.
    „Na schön!“, sagte er und schob den trüben Gedanken beiseite, während er sich schwungvoll aus dem Sessel erhob. „Dann lasst uns beginnen!“ Jesaja, Micah und Seraphina folgten seinem Beispiel.
    „Was … was kommt denn jetzt?“, fragte Freddy irritiert.
    „Bei dem, was wir vorhaben, wird es von Nutzen sein, wenn wir über unsere Gedanken miteinander kommunizieren können“, klärte Elias ihn auf. „So haben wir die Möglichkeit, auch über eine größere Distanz im Austausch zu bleiben und können einander im Zweifelsfall orten, wenn … na ja, wenn etwas schief gehen sollte und wir jemanden aus der Gruppe verlieren.“
    „Okay, und wie stellen wir das an? Ich meine, wie genau soll das funktionieren?“, fragte Freddy verdutzt.
    „Das wirst du gleich sehen“, gab Elias zurück. Er schob den Schaukelstuhl und den Couchsessel ein Stück zur Seite und schaffte somit genug Platz, dass sich die Gruppe um ihn herum versammeln konnte.
    Dann signalisierte er Micah, Jesaja und Seraphina, ihre Plätze einzunehmen. Sie bildeten einen Kreis, in dem immer abwechselnd ein Mensch auf einen Engel folgte. Wie selbstverständlich fasste Serafina nach Freddys Hand, der bei der unerwarteten Berührung durch die hübsche Engelsfrau leicht zusammenzuckte. Auf der anderen Seite brachte sich Elias in Stellung und zog Susan zu sich herüber, welche sichtlich damit rang, ihre Hand in Micahs` zu legen. Darauf folgte Nils und zuletzt schloss Jesaja den Kreis mit Seraphina. Einen Augenblick lang standen sie reglos da. Ein erwartungsvolles Schweigen breitete sich aus und die Stille wurde nur durch das trommelnde Geräusch der Regentropfen durchbrochen, welche von dem Sturm gegen die Fensterscheibe getrieben wurden. Das schwere Unwetter, das nach wie vor draußen tobte, tauchte das Zimmer in ein düsteres Licht und das flackernde Aufleuchten der Blitze, die unaufhörlich vom Himmel zuckten, erhellte immer nur kurz und auf unheimliche Weise den Raum. Das dumpfe Grollen und Donnern, das von allen Seiten zu kommen schien, erweckte den Eindruck als schleiche ein riesiges Raubtier ums Haus, das nur darauf lauerte Beute zu machen.
    Elias blickte sich suchend um. Die Teelichter. Sie standen noch immer auf der Fensterbank, wo Emilia sie gestern eigenhändig sorgfältig aufgereiht hatte, nachdem er sie mit dem Schutzsegen versehen hatte. Bei dem Gedanken daran, wie naiv er gewesen war, anzunehmen, dass er sie hiermit würde schützen können, hätte er sich am liebsten selbst geohrfeigt. Schnell konzentrierte er sich wieder auf sein eigentliches Vorhaben, bevor ihn das nagende Gefühl, versagt zu haben, übermannen konnte.
    Er fixierte die Kerzen, die sich unter seinem eindringlichen Blick von selbst entzündeten und durch ihr warmes Licht umgehend eine Trost spendende Wirkung ausübten.
    „Schließt jetzt die Augen“, sagte er in ruhigem Ton und sah jeden der Reihe nach an, bis auch der Letzte seinen Worten Folge geleistet hatte. „Versucht, euch nur auf die Gruppe zu besinnen und öffnet euren Geist. Stellt euch vor, ihr stoßt die Türe zu euren Gedanken auf und heißt die anderen Willkommen einzutreten.“
    Ein Schnaufen durchbrach die Stille. Es war Freddy, der ein Lachen unterdrückte, woraufhin er von Micah einen strengen Blick erntete. „Tut mir … tut mir leid“, entschuldigte sich der Irdische umgehend, während sich ein unsicherer Ausdruck auf seine Züge legte. „Es … Es ist nur so, dass ich sowas überhaupt nicht gut kann. Ich meine Türen zu Gedanken aufstoßen und sowas. Ich war schon mit der Meditations-CD überfordert, die mir meine Ma letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hat…“
    „Sicher wirst du es schaffen, deine Augen zu schließen und für eine Weile den Mund zu halten“, entgegnete Micah unter dessen tiefe Stimme sich nun eine Spur Ungeduld mischte. „Das ist nun wirklich nicht so schwer!“
    Freddy presste seine Lippen aufeinander, als müsste er auf die Weise verhindern, dass ihm noch ein weiterer Kommentar entfuhr und betrachtete Micah kurz aus schmalen Augen, bevor er diese widerwillig wieder zusammenkniff.
    Elias überging die Situation und startete einen erneuten Versuch, mit dem Ritual zu beginnen. Bedächtig schloss er die Augen und ließ den Kopf in den Nacken sinken. Langsam atmete er aus. Dann horchte er in sich hinein, konzentrierte sich auf das Licht und die Wärme, die ihn jetzt wieder mit der gewohnten Intensität begrüßten. Die unsichtbare Macht füllte ihn aus bis in den hintersten Winkel und war so stark, dass er das Pulsieren bis tief in seine Eingeweide zu spüren glaubte.
    Er bündelte seine Energie, fokussierte sie in seinem Geist und tastete sich im Anschluss vorsichtig an die Grenzen seiner körperlichen Hülle.
    Mit Leichtigkeit überwand er die Barriere. Der kraftvolle Fluss göttlicher Energie suchte sich seinen Weg über die Handflächen, welche ihn mit den anderen verbanden. Doch plötzlich stieß er gegen eine Blockade. Der Widerstand war deutlich spürbar. Wie eine undurchdringliche Wand türmte sich das Hindernis vor ihm auf, und ließ seine mentalen Strahlen abprallen.
    Seufzend öffnete er erneut die Augen.
    „Susan, entspann dich! Ich kann deine Unruhe bis hier her spüren“, sagte er in sanftem Ton. „Wir haben nicht vor, eine Atombombe zu zünden. Es wird absolut nichts Schlimmes passieren, okay?“
    Ertappt und mit schuldbewusster Miene, stöhnte Susan unter den mitleidigen Blicken der anderen laut auf.
    „Ich versuch`s ja“, stieß sie genervt hervor und schüttelte verzweifelt den Kopf. „Es … ist nur nicht so einfach, sich zu entspannen, wenn … wenn um einen herum die Welt zusammenbricht.“
    „Solange du an meiner Seite bist, wird hier überhaupt nichts zusammenbrechen“, setzte Micah neben ihr an und drückte wie zur Bestätigung ihre Hand, die von seiner umschlossen wurde. Wenn es seinen Worten auch an dem notwendigen emotionalem Feinschliff mangelte, schienen sie zu Elias` Erstaunen in Susan dennoch etwas auszulösen.
    Etwas zittrig stieß sie die angestaute Luft aus ihren Wangen, bevor sie ihm ein zaghaftes Lächeln schenkte und ihm dankbar zunickte.
    Elias konnte seinen besten Freund im ersten Moment nur verblüfft anstarren und fragte sich, ob er gerade allen Ernstes Zeuge dieser Situation geworden war.
    „Na schön, dann versuchen wir es nochmal “, sagte er schließlich und besann sich wieder auf sein Vorhaben.
    Erneut schloss er die Augen und erst, als er sich sicher war, dass alle bei ihm waren und sich eine fühlbare Ruhe ausgebreitet hatte, ließ er seine Energie wie zuvor über seine Handflächen aus seinem Körper herausströmen.


    Hier geht`s weiter

    Kapitel 16.4

  • Das ist es eine sehr schöne atmosphärische Szene. Das praseln des Regens, die Kerzen, die Emilia nicht helfen konnten aber jetzt Licht spenden... sehr schön.

    Ich finde es mit zwei Unterbrechungen nicht schlimm. Im Gegenteil es zeigt gut die Anspannung in der ganzen Situation und zumindest von Freddy würde ich irgendsoeinen Kommentar auch einfach erwarten. Susans Kommentar bringt es gut auf den Punkt, wie schwer es ist, sich am Rande des Weltuntergangs zu entspannen. Was für die Engel der Gruppe simpel ist, ist für die Menschen eine Herausforderung und doch wachsen sie langsam zusammen. Das wird noch interessant werden.


    Für mehr blümchenpflückende Orks, blutrünstige Elfen und vegetarische Drachen!

  • parallelisiert

    paralysiert?

    „Sobald wir hier fertig sind, werden wir das Wohnheim aufsuchen, in dem Emilia arbeitet. Wir haben Grund zu der Annahme, dass sie hier her verschleppt wurde. Inzwischen bin ich mir zwar nicht mehr so sicher, dass wir sie dort noch antreffen werden, doch ist das im Moment der einzige Anhaltspunkt, den wir haben.“

    Bei dem Satz war mir irgendwie nicht ganz klar, was jetzt hier ist und was dort ist. Vielleicht liegt's aber auch an mir...? :hmm:Irgendwie stört mich auch die distanzierte Wortwahl "Grund zu der Annahme..."

    als Susan seine Gedanken abschnitt.

    Die Formulierung passt nicht so recht, denke ich, denn er kann seinen Gedanken doch zu Ende führen. Oder würde er noch mehr über St. Michael nachdenken? Mir scheint da nichts "abgeschnitten".


    Ich kann mich mit dem Beginn des Abschnittes irgendwie nicht so recht anfreunden. Wenn sie dann jedoch mit dem Ritual starten, bin ich wieder im Lesefluss und es wird interessant. Auch die beiden Unterbrechungen finde ich nicht too much - wie Alexander2213 bereits sagte - es bringt die allgemeine Anspannung schön zum Ausdruck.