Ich habe Angst

  • ICH HABE ANGST



    Ich habe Angst.


    „Wovor hast Du Angst?“


    Angst vor dem Leben - und Angst vor dem Tod.


    „Aber warum? Das Leben und der Tod sind eines. Das eine ohne das andere kann es nicht geben. Und vor keinem beider Teile des Ganzen muß man sich fürchten.“


    Trotzdem bin ich unruhig. Was geschieht mit mir, wenn die Zeit kommt, in der ich gehen muß?


    „Nichts geschieht. Du bist gekommen und Du wirst wieder gehen, das ist alles.“


    Aber, wenn das so ist - dann kam ich irgendwoher. Und wenn ich gehe, dann gehe ich irgendwohin. Aber ich weiß nicht wohin...und das macht mir Angst.


    „Du fürchtest das Unbekannte? Hinter jeder Hausecke wohnt es, das Unbekannte. Aber hast Du etwa Angst davor, um die nächste Hausecke zu gehen?“


    Nein.


    „Warum fürchtest Du Dich dann vor dem Tod? Was ist er denn anderes als das Unbekannte? Was weißt Du darüber, was am nächsten Morgen geschehen wird? Du gehst zu Bett mit dem, was Dich am nächsten Morgen erwarten wird. Weisst Du beim Einschlafen, ob es sich bewahrheitet? Nein. Du weißt es nicht. Aber Du glaubst daran, das es geschieht. Was macht Dich da so sicher?“


    Nichts.Eigentlich gar nichts. Und davor habe ich Angst.


    „Vor dem Unwissen? Der Unsicherheit? Oder vor der Idee, nach dem Tode gäbe es nichts mehr?

    Wenn Du an die lebendige Welt glaubst - und das tust Du, denn Du bist gerade ein Teil von ihr, dann sollte es nicht schwerfallen, sich vorzustellen, daß es auch eine Welt der Toten gibt.“


    Ich kann sie mir nicht vorstellen...


    „Natürlich kannst Du das nicht. Weil Du lebst. Niemand kann sich die Welt der Toten vorstellen, der am Leben ist. Und diejenigen, die gestorben und tot sind, reden nicht mit den Lebenden. Aber deswegen bedeutet es nicht, daß es keine Totenwelt gibt.“


    So etwas wie das alte Walhalla?


    „Du kannst es nennen, wie Du magst. Aber erkennen mußt Du: Wenn es eine Welt des Lebenden gibt - dann gibt es auch eine Welt des Toten. Es gibt niemals das eine ohne das andere. Dies ist das Gesetz. Das ganze Gesetz. Das ursprüngliche Gesetz.“


    Wer hat dieses Gesetz geschrieben?


    „Niemand hat es geschrieben. Wozu auch? Es existiert. Es bedarf dazu keines Urhebers. Es ist das Gesetz des Lebens und des Todes - wer hat das Recht zu fragen, wer es schrieb?“


    Ich! Denn ich lebe, jetzt und hier!


    „Und? Bist Du etwa der erste, der lebt? Oder der letzte? Wärest Du einer von beiden, Du hättest in der Tat ein Recht auf eine Antwort. Aber Du bist es nicht. Und weil dies so ist, kannst Du keine Antwort erwarten.“


    ...


  • Hallo Der Wanderer ,


    ich muss sagen, ich bin etwas zwiegespalten, was diesen Text von dir angeht. Einerseits ist er schon interessant und enthält einige schöne Formulierungen, wie etwa die folgende:

    Du gehst zu Bett mit dem, was Dich am nächsten Morgen erwarten wird. Weisst Du beim Einschlafen, ob es sich bewahrheitet? Nein.

    Die Stelle gefällt mir einfach gut, weil es die philosohische Frage so auf das Alltägliche runterbricht. Zumindest andeutungsweise ^^

    An anderen Stellen* dagegen will der Teil von mir, der ein Bedürfnis nach Logik hat, widersprechen. In einem klaren Fantasy-Kontext würde ich das vermutlich nicht tun, aber bei dem Text bin ich mir noch nicht so sicher, ob es phantastisch weitergeht oder ob es nicht eher eine gedankliche Auseinandersetzung mit Fragen der realen Welt ist. Noch ist ja alles möglich ^^

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Theoretisch mag ich es, herumzuphilosophieren, ich mag mir Fragen stellen und mir ausdenken, welche Antworten alles möglich wären. Und ich mag (prinzipiell erstmal) derartige Texte von anderen, denn sie erweitern meinen Horizont um mehr und mehr mögliche Antworten.


    Es gibt allerdings in erschreckend vielen Texten eine Sequenz, eine Formulierung, wo ich innerlich abschalte. Wo ich bockig werde. Nein, eigentlich werde ich sogar regelrecht wütend. Ich denke zwar mittlerweile, dass diese Formulierung schlicht ein Stilmittel zur Verstärkung der priorisierten Meinung dient, trotzdem stößt sie mir sauer auf und verursacht extremes Unbehagen...


    Aber erkennen mußt Du:

    Ganz prollig würd ich daraufhin erstmal sagen: ICH? Muss erstmal GAR NIX! Ich muss essen und trinken und auf Klo gehen. Ich muss arbeiten gehn, damit ich mir essen und trinken leisten kann und auch nen eignes Klo haben kann...

    Aber ansonsten gibt es extrem wenig, was ich müssen muss! Wieso bitte MUSS ich philosophische Gedanken (so reizvoll sie auch sein mögen) bitte als alleinige Wahrheit "erkennen", also anerkennen. Muss ich nicht. Denn Asni s Version von Level 25 gefällt mich auch ziemlich gut. Und die Option der Wiedergeburt hat auch was. Ebenso finde ich durchaus begreifbar, tatsächlich nur im kalten Boden eines Friedhofs herumzulungern, bis die eigene Materie wieder in den Kreislauf der Natur zurückgekehrt ist...


    Philosophie ist derart intensiv von den charakterlichen Eigenarten des jeweils Philosophierenden abhängig, dass die Wahrscheinlichkeit nicht unbeträchtlich ist, genau der gegenteiligen Meinung anzuhängen. Oder besser "einer der vielen Gegenmeinungen".


    Ich muss erkennen... dass ich die Gedanken anderer zwar in meinem Gebäude mit einbauen kann, dass es aber wenig gemütlich ist, auf Zwang (Du musst!!!) in das Gebäude eines anderen einzuziehen. Da wohnt nämlich schon einer... Ich bau mir mein eigenes Haus.


    Ich persönlich fände die Welt als einen viel besseren Ort, wenn nicht jeder seine eigenen Flausen als gemeingültig ansehen würde. Und deshalb würde ich mich freuen, sehr viel weniger "du musst!" zu lesen sondern mehr sowas wie "könnte es denn nicht sein?".

    Aber das ist mein "Haus". Ich freu mich über Besuche, auch über Nacht, aber ich würde nie jemanden zwingen, dort zu bleiben.



    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Es gibt allerdings in erschreckend vielen Texten eine Sequenz, eine Formulierung, wo ich innerlich abschalte.

    Hm, ja - das geht mir auch so. Eine andere Formulierung (gerne in Zeitungen gefunden) ist 'Aber dagegen kann wirklich niemand was haben' - und bang! habe ich instinktiv was dagegen.


    Das 'Problem' das ich mit der Philosophie des Textes sehe ist, dass Angst eben nicht logisch ist - man kann sie leider nicht wegargumentieren (also ich zumindest nicht fuer mich).


    Logisch ist es nicht, Angst vor dem Unbekannten zu haben - leider bringt's wenig sich das vor der dunklen Hausecke vorzuhalten:D

  • Der Wanderer


    Ich habe es gelesen und fand es sehr interessand. Die kleinen Texte von dir lassen sich immer gut in den kurzen Momenten die ich zwischen drin Online bin lesen und regen mich gerne zum nachdenken an.


    Sie sind oft mal sehr tiefgründig und lassen die Welt damit gerne auch mal aus eine andere Perspektive sehen.


    Danke dafür. Freue mich schon auf die nächsten Texte :D

    Fantasy ist ein Werkzeug der Magie,
    wer sie beherrscht,
    besitzt die Kunst
    andere zu verzaubern.
    c Antke 2013

  • interessante Philosophische Frage. Ich finde den zweiten Sprecher einfach cool. Er scheint totall Überzeugt von dem was er sagt. Die erste Stimme wirkt wie ein unreifes Kind. Aber jeder von uns Hat angst vor dem Tod.


    Das ist natürlich für den Menschen. Es würde bestimmt mehr Tote geben , wenn wir wüssten, was auf der Anderen Seite ist.


    Lg meph.

  • Es würde bestimmt mehr Tote geben , wenn wir wüssten, was auf der Anderen Seite ist.

    ...oder weniger...

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Beitrag von WeisSuppe ()

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