Beim letzten Sonnenstrahl (Arbeitstitel)


  • Beim letzten Sonnenstrahl


    Die Eingangstür stand sperrangelweit offen und das schlanke Rosenstämmchen, was neben ihr wuchs, war abgebrochen.
    Johannes blieb ruckartig stehen und hielt seine kleine Schwester am Arm fest.
    „Was ist?“, fragte sie arglos, denn sie hatte nichts bemerkt. Leise vor sich hin summend war sie neben ihm her gehopst in der Vorfreude darauf, gleich zu Hause zu sein.
    „Die Tür ist offen!“ Die Hand des Jungen umklammerte ihren dünnen Arm wie ein Schraubstock. „Etwas stimmt nicht!“
    Ängstlich sah sie zu ihm auf, blieb aber gehorsam stehen.
    Der Zehnjährige ließ seinen Blick über den liebevoll gepflegten Garten schweifen. Die kleine Holzbank, die der Vater noch gezimmert hatte, war umgeworfen worden. Fußspuren, viel größer als die der Mutter, auf den geplünderten Kohl- und Kartoffelbeeten, überall zertrampelte Wiese und zerknickte Blumen. Das Gatter für die Ziegen war leer, das Tor daran aus den Angeln gerissen. Selbst die Milchkannen, auf deren Sauberkeit die Mutter so sehr achtete, lagen verstreut herum. Ein seltsamer Geruch hing in der Luft, den er nicht kannte.
    Angst ergriff ihn. Er wollte nach der Mutter rufen, weil seine Beine wie gelähmt waren, doch er bekam kein Wort aus seiner Kehle.
    Sein Korb mit den Pilzen fiel unbeachtet auf den Boden, als er den Zeigefinger auf die Lippen legte und Eva in die Büsche neben dem kleinen Weg drängte.
    „Du wartest hier“, flüsterte er. „Egal, was passiert, du rührst dich nicht vom Fleck!“
    Ihre großen blauen Augen waren weit aufgerissen und ihre Lippen bebten. Er wusste, dass er ihr Angst machte, aber wollte erstmal alleine ins Haus gehen.
    Beruhigend strich er seiner Schwester über den blonden Scheitel und nickte ihr noch einmal zu, bevor er sich umdrehte und davonhuschte.
    Seine nackten Füße ermöglichten es ihm, sich geräuschlos an die offene Haustür heranzuschleichen. Kurz lauschte er. Es klapperte kein Geschirr und es roch auch nicht nach der abendlichen Kohlsuppe. Die Mutter sang nicht wie gewohnt, und als er den Fuß auf die Schwelle setzte, wusste er schon, dass sie nicht da war.
    Das Innere des Häuschens war verwüstet. Jemand hatte alle Schränke aufgerissen. Die wenigen Sachen, die ihm, Eva und Mutter gehörten, lagen verstreut herum, verschmutzt und teils zerrissen. Sogar die kleine Truhe mit den Spielsachen war umgekippt. Teller und Tontöpfe fand er zerschlagen auf dem Boden und selbst der Vorratsraum unter den Dielen war gefunden und leergeräumt worden.
    Über allem lag dieser seltsame Geruch und mit einem Mal wusste Johannes, was hier passiert war.
    „Die Trolle“, flüsterte er in namenlosem Entsetzen. Er hatte davon erzählen hören. Erst letzte Woche war ein Händler vorbeigekommen, der Neuigkeiten mitgebracht hatte. Er berichtete von Dingen, die dem Jungen eine Gänsehaut bescherten, von geplünderten Häusern und verschwundenen Menschen. Und von diesem Geruch, den die furchterregenden Wesen zurückließen.
    Obwohl er vor Angst schlotterte, wusste er, dass ihm und Eva keine Gefahr mehr drohte. Die Eindringlinge waren abgezogen. Zum nächsten Haus, zum nächsten Dorf ...
    Eva. Sie wartete auf ihn!
    Er sprang auf und lief durch den verwüsteten Vorgarten hinaus bis zu dem Gebüsch, in dem er sie zurückgelassen hatte. Sie war noch da, kauerte am Boden, die kleinen Arme um die Knie geschlungen.
    „Ist alles gut?“, wisperte sie und sah hoffnungsvoll zu ihm auf.
    Er schüttelte den Kopf. „Komm“, meinte er, „wir gehen ins Haus.“


    Nachdem Eva sich in den Schlaf geweint hatte und er – neben ihr auf der Bettkante sitzend – unzählige Male über die blonden Zöpfe gestrichen hatte, schlich er zurück in den großen Raum. Mit bebenden Fingern nahm er ein Schwefelhölzchen aus der blauen Holzschachtel, zündete die Petroleumlampe an und setzte sich an den Tisch. Erst jetzt wurde ihm mit aller Deutlichkeit bewusst, dass er allein war mit der kleinen Schwester. Es gab nichts Essbares mehr im Haus bis auf zwei Kanten Brot, die sie vorhin gefunden hatten. Die Mutter war verschwunden. Mit Sicherheit hatten die Trolle sie mitgenommen. Entschlossen ballte der Junge die Fäuste. Er würde sie zurückholen. Das konnte nicht schwer sein. Er brauchte nur den Spuren zu folgen, die diese grausamen Eindringlinge hinterlassen hatten.

    Aber erst musste er Eva in zu der Nachbarin bringen. Sie war zwar schon alt, doch sie würde sich um die Schwester kümmern.



    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    2 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Gefällt mir sehr gut , Tariq wie du das Geschehen schilderst. Das verwüstete Haus hast du sehr gut beschrieben. Ich konnte es richtig vor mir sehen. auch wie Johannes die kleine Schwester Eva beschützen will und tröstet als großer Bruder kommt sehr gut für mich rüber.

    Ich bin bei dieser Geschichte von dir auf jeden Fall dabei!:nummer1:

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

  • Heyho Tariq ,

    Mit Sicherheit hatten die Trolle sie mitgenommen. Entschlossen ballte der Junge die Fäuste. Er würde sie zurückholen. Das konnte nicht schwer sein. Er brauchte nur den Spuren zu folgen, die diese grausamen Eindringlinge hinterlassen hatten.

    Aber erst musste er Eva in zu der Nachbarin bringen.

    Ein fürsorgender älterer Bruder, gleichzeitig naiv ohne Ende. Aber entschlossen, selbst denen auf die Nase zu hauen, die wahrscheinlich zwei Meter größer sind als er selbst.

    Könte der Beginn einer unglaublichen Geschichte sein. Gefällt mir...8)


    Der Wanderer


  • Am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg. Eva hielt die Stoffpuppe fest an sich gepresst. Johannes trug ein Bündel mit ihren Kleidungsstücken. Ab und zu betrachtete er seine Schwester liebevoll. Sie war erst sechs und der Verlust der Mutter hatte sie verstört. Trotzdem versuchte sie, tapfer zu sein.

    Er seufzte leise, als er merkte, wie sie seine Hand umklammerte. „Die alte Lene wird sich freuen, dass du kommst“, versprach er, „du weißt, wie gern sie dich bei sich hat.“

    Eva nickte, doch sie hatte die Unterlippe zwischen die Zähne gezogen und sah starr auf den Weg. Johannes drückte beruhigend ihre kleinen Finger und verließ dann den schmalen Pfad, der von ihrem Häuschen ins Dorf hinab führte. Die einfachen Katen, die er durch die Bäume von hier aus entdecken konnte, standen eng zusammengerückt. Aber niemand war zu sehen. Unbehaglich fragte sich der Junge, ob die Trolle auch dort alles verwüstet hatten.

    Genau wie ihre kleine Familie wohnte Lene, die unendlich viele Jahre zählen musste, nicht bei den anderen Dörflern. Er wusste von der Mutter, dass die Leute Angst vor ihr hatten und sie als Hexe bezeichneten.

    Eva und Johannes jedoch liebten sie.

    Gleich würden sie ihr Haus sehen können. Eva wollte vorauslaufen, doch ihr Bruder hatte mit einem Mal ein ungutes Gefühl. Er ließ ihre Hand nicht los.

    „Warte hier“, raunte er, „ich schaue erst mal, ob sie da ist, und dann hole ich dich.“

    Eva nickte gehorsam und er lief um die Felsgruppe herum, die den Blick auf die Kate der Alten versperrte. Nach drei Schritten blieb er wie angewurzelt stehen und schaute auf das Bild, das sich ihm bot. Mühsam versuchte er, das Grauen zu fassen.

    Lene würde sich nie wieder um Eva kümmern. Weggeworfen wie eine nutzlose Strohpuppe lag die alte Frau neben der aus den Angeln gerissenen Haustür. Ihre gebrochenen Augen starrten blicklos in den Himmel.

    Die Trolle waren hier gewesen und hatten schlimmer gewütet als bei ihnen zu Hause.

    Der Junge schluckte schwer, denn er erkannte, dass er die kleine Schwester mit sich nehmen musste auf seine gefährliche Reise. Niemand, nicht einmal der Priester im Dorf würde sie bei sich aufnehmen. Ihre Mutter war von der Dorfgemeinschaft verstoßen worden, und das galt ebenso für die Kinder.

    Rasch drehte er sich um und kehrte zu Eva zurück.

    „Lene ist nicht da“, beschied er ihr auf ihren fragenden Blick hin. „Ich muss dich mitnehmen.“

    Evas Augen leuchteten auf. Das war ihr geheimer Wunsch gewesen. „Ich bin ganz brav“, versprach sie, „und ich werde nicht jammern oder weinen.“

    „Das darfst du auch nicht. Schließlich müssen wir Mutter finden. Das wird ein langer Marsch und wir werden im Freien schlafen und Beeren und Pilze essen.“

    „Das ist nicht schlimm“, versicherte sie, mehr, um sich selbst Mut zuzusprechen.

    „Gut.“ Johannes seufzte und sah zurück zum Hügel, wo der Dachfirst ihrer heimatlichen Kate erkennbar war. „Dann gehen wir jetzt.“

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    Einmal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Sie wanderten vier Tage. Die erste Nacht verbrachten sie in einer Höhle im Wald, eng aneinandergeschmiegt und trotzdem vor Kälte zitternd. In der zweiten schliefen sie am Feuer eines Holzfällers und in der dritten in der Hütte eines Köhlers. Jeden, dem sie begegneten, fragten sie nach den Trollen. Die Spur, welche die wüste Horde hinterlassen hatte, war unübersehbar und die beiden Kinder folgten ihr.
    Der Weg führte vorbei an zerstörten Gärten und geplünderten Häusern. Oft fanden sie nur noch rauchende Trümmer und so mancher Bewohner hatte den todesmutigen Versuch, Heim und Habe zu verteidigen, mit dem Leben bezahlt. Deshalb ging Johannes immer allein in die verlassenen Behausungen und suchte nach Essbarem. Den Anblick wollte er Eva ersparen.
    Am Abend des vierten Tages begegneten sie Elmar, einem reisenden Händler, der schon öfter bei ihnen gewesen war und der Mutter Ziegenkäse abgekauft hatte. Er erkannte sie wieder und nahm sie auf seinem Eselskarren mit ins nächste Dorf. Im Wirtshaus bezog er ein Zimmer und bestellte für die ausgehungerten Geschwister heiße Suppe. Als Eva satt und zufrieden im Bett lag und schlief, erzählte Johannes dem freundlichen Mann, wohin sie unterwegs waren.
    Der Händler machte ein bedenkliches Gesicht. „Nur ihr beide?“, fragte er zweifelnd.
    Der Junge nickte entschlossen. Er würde sich nicht davon abbringen lassen. „Am liebsten würde ich ganz allein gehen“, gestand er, „aber ich weiß nicht, wem ich meine Schwester anvertrauen soll.“
    Elmar überlegte. „Dein Mut ehrt dich, mein Junge”, meinte er nach einer Weile. „Ich halte deinen Plan für sehr gefährlich, aber vielleicht schaffst du es ja tatsächlich. Deshalb werde ich für drei Nächte ein Zimmer bezahlen, damit die Kleine ein Dach über dem Kopf hat. Bis dahin musst du die Trollfeste erreicht haben. Du hast großes Glück: Unten im Gastraum sitzt der alte Freder. Er war in seiner Jugend einmal dort und weiß, wie du hingelangen kannst. Komm, lass uns hinuntergehen und mit ihm reden.“
    Nachdem Johannes dem Alten die ganze Geschichte erzählt hatte, lehnte der sich zurück, faltete die Hände über dem nicht unbeträchtlichen Bauch und zog die Stirn in Falten. Er überlegte lange und rieb sich das von einem eisgrauen Bart bedeckte Kinn, bevor er sprach. „Die Trolle sind nicht die Monster, als die sie gelten“, meinte er bedächtig und sog an seiner Pfeife. „Einst lebten sie und die Menschen friedlich nebeneinander. Mein Großvater hat noch Handel mit ihnen getrieben. Aber irgendwann setzte jemand das Gerücht in die Welt, dass sie kleine Kinder fressen und Neugeborene aus ihren Betten rauben. Von da an wurden sie verfolgt und gejagt.“
    Er nahm einen Schluck Bier aus seinem Humpen, schob ihn wieder auf die fleckige hölzerne Tischplatte und wischte sich mit dem Handrücken den Schaum vom Bart. „Sie rotteten sich zusammen, zogen sich in eine riesige Eishöhle tief in den Schneebergen zurück und wählten den Stärksten von ihnen zum König.“ Er hob die Hand und deutete aus dem Fenster auf eine weiß überzuckerte Gebirgskette in der Ferne, über deren Grat gerade die Sonne versank. „Da sie aber dort nichts anbauen können und niemand mehr mit ihnen handelt, gehen sie auf Raubzüge und sammeln Vorräte. Ja, sie sind nicht zimperlich dabei, doch sie sind keine Mörder.“
    „Keine Mörder?!“ Johannes war empört aufgesprungen und ballte die Fäuste. „Die alte Lene ist tot und wir ... ich habe auch andere Tote gesehen!“
    „Setz dich wieder“, beschwichtigte Freder den aufgeregten Jungen und nickte den besorgt herüberspähenden Tavernengästen beruhigend zu. „Ich bin sicher, der Tod der Greisin war ein Unfall. Sie ist gebrechlich gewesen. Ein kräftiger Schubs, ein Anschlagen mit dem Kopf und bumms – aus. Die anderen Toten waren Männer mit Waffen, die meinten, die Trolle aufhalten zu können, stimmt’s? Und auch wenn diese nicht morden – wehren tun sie sich wohl.“ Er nickte überzeugt.
    „Sie haben meine Mutter mitgenommen!“, klagte Johannes. Für einen Moment bröckelte seine Tapferkeit und Tränen traten ihm in die Augen. Ärgerlich blinzelte er sie weg.
    „Du sagtest, sie kann guten Ziegenkäse machen. Die Trolle sind grobschlächtig, aber nicht dumm. Sie werden sie für sich arbeiten lassen. Schließlich haben sie eure Ziegen mit weggeschafft. Zugegeben, das war nicht sonderlich klug, denn die haben in der Höhle im Berg kein Futter und werden deshalb keine Milch geben. Wenn du den Trollkönig so weit bringen kannst, dass er sich auf einen dauerhaften Handel mit Käse einlässt, darf deine Mutter vielleicht heimkehren. Oder –“, er stockte kurz, „ist sie sehr schön?“
    „Die Schönste der Welt“, gab der Junge leise, aber inbrünstig zurück.
    Freder wiegte sorgenvoll den Kopf. „Hmmm, das ist nicht gut“, meinte er bedächtig. „Es heißt, der Trollkönig sammelt schöne Dinge wie Trophäen. Er schließt sie in Eis ein, damit er sie immer wieder betrachten kann. Ich weiß nicht, ob an den Geschichten etwas Wahres ist, aber sollte deiner Mutter dieses Schicksal zugedacht sein, wirst du sie mit Sicherheit nicht zurückgewinnen.“
    „Ich werde es auf alle Fälle versuchen“, versicherte Johannes mit fester Stimme.
    Sie redeten bis in die Nacht. Freder erklärte den Weg und alles, was er über die Trollfeste wusste. „Wenn du angekommen bist, suche einen Troll, der dich verstehen kann. Einige von ihnen sprechen noch die Sprache der Menschen. Hast du einen gefunden, erkläre ihm, warum du gekommen bist. Lass dich nicht abweisen! Er wird dich zu ihrem König bringen. Sei schlau und vorsichtig. Überlege, bevor du sprichst. Schlage ihm einen Handel mit Ziegenkäse vor. Er wird nicht widerstehen können. Erweise ihm den Respekt, der ihm zusteht, und halte deine Gefühle im Zaum. Du hilfst deiner Mutter nicht, wenn du ihn verärgerst. Und ... falls du nichts erreichen kannst, komm zurück. Deine Schwester braucht dich. Du bist für sie verantwortlich. Sie kann hierbleiben, solange du unterwegs bist, aber du musst zurückkommen. Egal, ob mit oder ohne Mutter.“
    Johannes schluckte. Die beiden Männer sahen ihn eindringlich an, als würden sie erwarten, dass er nach dieser langen Reihe von Ermahnungen und Anweisungen seinen Plan aufgeben würde.
    Doch das kam nicht in Frage. Tief atmete er durch.

    „Ich gehe bei Sonnenaufgang.“


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    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    2 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Hallo liebe Tariq ,


    ich komme mir ein wenig vor, als hätte ich mich in einem Märchen verirrt, so schön poetisch ist dein Schreibstil! :love: Dazu passt auch die Namensgebung, das leicht mittelalterliche oder jedenfalls altmodische Flair der kleinen Welt, die du da entwirfst, und das rasche Voranschreiten der Handlung. Davon bin ich übrigens ein großer Fan. Ich kann es gar nicht leiden, wenn Geschichten Ewigkeiten lang nicht losgehen, aber du baust sofort Spannung auf. Auch deine Charakterdarstellung der beiden Kinder ist sehr empathisch. Die Geschwister kommen tatsächlich wie unschuldige Kinder herüber, mit denen der Leser natürlich automatisch Mitleid hat.


    Ansonsten schreibe ich einfach mal auf, was mir ins Auge gestochen ist; du kannst es nutzen, musst es aber selbstverständlich nicht.:)


    Ihre großen angstvollen Augen waren weit aufgerissen und ihre Lippen bebten. Er wusste, dass er ihr Angst machte, aber wollte erstmal alleine ins Haus gehen.

    Hier doppelst du die "Angst". Deshalb könnte das "angstvolle" im ersten Satz weggelassen werden.

    Weggeworfen wie eine nutzlose Strohpuppe lag die alte Frau neben der aus den Angeln gerissenen Haustür. Ihre gebrochenen Augen starrten blicklos in den Himmel.

    Das finde ich sehr schön umschrieben. Obwohl es ja ein grässliches Bild ist, wird es trotzdem malerisch dargestellt.


    meinte er nach einer Weile. Ich halte deinen Plan für sehr gefährlich,

    Hier fehlt das Anführungszeichen.



    Er war in seiner Jugend einmal dort gewesen

    Das berühmte Plusquamperfekt, das auch Prominente wie Heidi Klum so gern benutzen! Manchen Lesern stößt es ja ein bisschen gallig auf. Du könntest den Satz zu "Er war in seiner Jugend einmal dort" oder "Er ist in seiner Jugend einmal dort gewesen" ändern. Immerhin spricht Elmar in der einfachen Vergangenheit. Da würden also Präteritum oder Perfekt besser passen. Das Plusquamperfekt würde erfordern, dass noch ein anderes Ereignis nach dem Geschilderten passiert ist, worauf Elmar sich dann ebenfalls bezieht, im Sinne von "Er war dort gewesen, bevor/nachdem... er [irgendwas mit Präteritum]." Ich hoffe, das kommt nicht zu streberisch rüber. Im Endeffekt ist es auch eine Geschmacksfrage. :saint:


    (Sorry, hier kam die Germanistin in mir durch...)



    Ich bin sicher, der Tod der Greisin war ein Unfall. Sie ist gebrechlich gewesen

    Hmmm, ob das wirklich ein Unfall war? ;( Hier könntest du übrigens auch schreiben "Sie war gebrechlich." Passt dann besser zur vorher gewählten Zeitform. Würde andererseits eine Wiederholung des Wörtchens "war" bedeuten, demzufolge müsste man Satz 2 umschreiben/anders anfügen.



    Ich hoffe, das hilft dir etwas. Ich bleibe dran! ^^

  • Guten Morgen Tariq


    Es freut mich, dass du mal wieder eine Kurzgeschichte geschrieben hast :)


    Und diese hier klingt wie der Auftakt eines Mädchens ^^

    Trolle, eine entführte schöne Frau und der Junge, der sich aufmacht, seine Mutter zu retten.


    Ich bin gespannt, ob sie überhaupt gerettet werden muss. Vielleicht konnte sie sich mit dem Leben dort erstmal arrangieren :D

    Also wenn es so ist, wie der alte Mann gesagt hat und die Trolle sie wegen des Käses mitgenommen haben, könnte das schwieriger werden :schiefguck:


    Ich bin auch froh, dass er seine Schwester nicht mitnehmen muss. Die Reise könnte für so ein kleines Mädchen doch schlimmer werden als gedacht. Das Paradies wird die Trollfeste nämlich bestimmt nicht sein xD


    Nun bin ich aber gespannt, was er so unternimmt und wohin ihn sein Weg führt. Und auch, ob er einen Handel mit den Trollen machen kann.


    So viele Fragen :D

    Ich bin sicher, du wirst sie alle beantworten ^^


    LG :)

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
    - Meister Lukras -


    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak


  • Voriger Part


    Das Tal lag noch in Nebel gehüllt, als sich Johannes auf den Weg machte. Elmar hatte ihn bis ans Dorfende begleitet und war dort stehen geblieben. Ein letztes, aufmunterndes Nicken und der Junge wandte sich dem Gebirge zu.

    Ihn plagte ein schlechtes Gewissen, denn er hatte sich nicht von Eva verabschiedet. Die Schwester schlummerte noch selig, als er in die Kleider geschlüpft und hinter Elmar aus dem Zimmer geschlichen war. Der Händler hatte versprochen, ihr alles zu erklären, und auch Freder wollte sich um die Kleine kümmern.

    Rasch schritt der Zehnjährige aus, denn der Weg, der vor ihm lag, war weit und gefahrvoll. Morgen würde er die Schneeberge erreichen und hinaufsteigen. Der Zugang zur Feste war für Trolle gemacht und nicht für Kinder, die nur halb so groß waren wie diese. Doch Johannes war voller Zuversicht. Nach all dem, was Freder erzählt hatte, erschien ihm seine Mission nur noch halb so gefährlich. Er würde bis zum Trollkönig vorstoßen und von ihm angehört werden. Und wenn der auch nur einen Funken Verstand besaß, dann ließ er die Mutter und die Ziegen ziehen, denn nur so konnte er weiter Käse erhalten.

    Bis zum Mittag kam der Junge gut voran. Ab und an hob er den Blick zu den schneebedeckten Gipfeln. Seine Augen suchten nach dem Eingang einer Höhle. Immer wieder vergewisserte er sich anhand der einfachen Zeichnung, die ihm Freder gemacht hatte, dass er auf dem richtigen Weg war. Nachdem er im Schatten einer hohen Kiefer die Hälfte seines Brotkantens und einen Apfel hungrig verschlungen und sich mit einigen Handvoll kalten, klaren Wassers aus dem munteren Bach erfrischt hatte, wanderte er weiter. Am Abend erreichte er wie geplant die Hütte eines alten Holzfällers, dem er die Münze zeigte, die Freder ihm mitgegeben hatte. Der zahnlose Mund des Mannes murmelte etwas Unverständliches, aber seine Hand wies auf den Stall neben seinem Heim.

    Johannes fand sauberes Stroh und sogar Heu, woraus er sich eine weiche Schlafstatt bereitete. Die Ziege, die den Eindringling in ihrer Behausung gleichmütig duldete, spendete ihm Wärme. Zugedeckt mit Freders löchrigem, uraltem Schaffell schlief er tief und traumlos und erwachte am nächsten Morgen frisch gestärkt. Der wortkarge Holzfäller reichte ihm einen Becher Milch und aus dem Bartgestrüpp drang ein Murmeln, das Johannes als gute Wünsche für den weiteren Weg deutete.

    Er dankte dem Alten, hob die Hand zum Gruß und wanderte wieder los, immer in Richtung der Berge. Am späten Vormittag änderte sich die Landschaft. Die Bäume blieben unter ihm zurück und wichen Büschen und windzerzausten Krüppelkiefern. Es wurde steiler und manchmal musste er anhalten, um zu verschnaufen.

    Mit jedem Meter, den er an Höhe gewann, nahm die Kälte zu. Er holte den dicken Reiseumhang aus dem Bündel und legte ihn um. Immer öfter hauchte er in seine klammen Hände. Der Weg war an manchen Stellen vereist und tückisch, und seine Schuhe drohten mehrmals, abzurutschen. Der Wind wurde stärker und pfiff ihm um die frostgeröteten Ohren. Er brachte Millionen winziger Eiskristalle mit sich, die dem Jungen wie Nadeln ins Gesicht stachen, als wollten sie ihn damit zur Umkehr bewegen.

    Nachdem Johannes eine besonders schwierige Steigung überwunden hatte, blieb er keuchend stehen und schaute zurück ins Tal. Klein und verträumt lagen weit entfernt die Katen des Dorfes im Schein der Mittagssonne. Neben ihm gluckerte der Gletscherbach. Er hob den Kopf und sah sich suchend um. Direkt vor ihm war der große Felsbrocken, der wie ein Schweinskopf aussah. Der Junge hatte über Freders Vergleich gelacht, aber jetzt, als er den Fels sah, musste er zustimmen.

    Zwei Stunden lagen noch vor ihm nach Aussage des Alten. Abschätzend musterte er den Stand der Sonne, die den Berggrat überschritten, seinen Weg aber noch nicht erreicht hatte. Vor Einbruch der Dunkelheit musste er bei der Eishöhle sein. Was dann kam, wusste er nicht. Aber eines war klar: Wenn die Trolle ihm kein Quartier für die Nacht gewährten, würde er in den Schneebergen erfrieren.

    Unbehaglich zog er bei diesem Gedanken die Schultern hoch, packte sein Bündel mit dem Brotkanten und Freders Fell fester und machte sich wieder auf den Weg.

    Als sich eine Öffnung im Fels vor ihm auftat und der Pfad geradewegs dort hineinführte, wusste er, dass er am Ziel war.


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    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    3 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Hallo liebe Tariq ,

    ich freu mich, dass du meine Kommentare halbwegs nützlich fandest. Und natürlich, dass es weitergeht mit deinem Märchen.

    Dieses Mal habe ich schreibstiltechnisch ABSOLUT NICHTS auszusetzen. Eine einzige Sache wundert mich ein wenig...


    Elmar hatte ihn bis ans Dorfende begleitet und war dort stehen geblieben.

    Hm. Der Junge ist 10? Und da hat keiner der eingeweihten Erwachsenen irgend so was wie Verantwortungsbewusstsein? Nun ja, es ist ja eine Art Märchen, aber trotzdem... ?( Ich verstehe natürlich, dass das Grad der Sinn der Story ist, finde es aber trotzdem krass. Als angehende Lehrerin habe ich sehr viel Kontakt mit zehnjährigen Jungs. Ich bin mir sicher, dass einige von ihnen so eine Reise theoretisch schaffen würden. Aber eine Begegnung mit potentiell gefährlichen Trollen... das ist ja jenseits von Verantwortungsbewusstsein. :/ Der arme Johannes! Diese Erwachsenen, also pfff... :sarcastic:


    Ansonsten möchte ich noch folgendes hervorheben:

    Der Wind wurde stärker und pfiff ihm um die frostgeröteten Ohren. Er brachte Millionen winziger Eiskristalle mit sich, die dem Jungen wie Nadeln ins Gesicht stachen, als wollten sie ihn damit zur Umkehr bewegen.

    Sehr, sehr schön und malerisch geschrieben. Mir wird direkt kalt. =O

    Freders Fell fester

    Schöne Alliteration! ^^


    Ich bin nun sehr gespannt auf die Konfrontation des armen, von den Erwachsenen vernachlässigten Jungen mit den Trollen. Also bis bald. :)

  • Kann den anderen Lesern nur zustimmen Tariq, immer noch sehr schön zu lesen. Ich brauchte etwas aber jetzt bin ich wieder auf dem neusten Stand.

    Also weiter! Ich höre deiner Geschichte sehr gerne zu.^^

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

  • Heyho Tariq ,


    Stadtnymphe hat völlig recht: Es wird einem ganz schön kalt beim Lesen!

    Eine sehr atmosphärische und bildstarke Beschreibung von Johannes Reise ist das...mir tun vom mitlaufen jetzt noch die Beine weh.^^

    Einen Haker habe ich aber doch:


    Nachdem er im Schatten einer hohen Kiefer die Hälfte seines Brotkantens und einen Apfel hungrig verschlungen und sich mit einigen Handvoll frischen Wassers aus dem munteren Bach erfrischt hatte, wanderte er weiter.

    Doppelt gemoppelt. Wie wär's stattdessen mit:

    "...einigen Handvoll des (eis)kalten, klaren Wassers aus dem munteren Bach erfrischt hatte..."


    (Für "eiskalt" ist es an dieser Stelle ja eigentlich noch zu früh...):/


    Der Wanderer

  • Liebe Tariq ,

    bisher eine schöne Geschichte. Mir gefällt besonders gut, die Art, wie du die Trolle charakterisierst und auch erklärst, warum sie aus Sicht der Menschen Monster sind. Auch die eher traurige, bedrückte Stimmung genieße ich gerade beim Lesen.


    Viele Grüße,

    Asni

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]


  • Voriger Part


    Er blieb stehen und duckte sich instinktiv hinter einen schulterhohen Felsbrocken. Wachen, sagte er sich und musterte beklommen den Eingang, vor dem zwei struppig behaarte und zerzauste Wesen standen. Wieso? Hat Freder nicht gesagt, jeder könne in die Festung? Vielleicht war das heute nicht mehr so ...

    Johannes schluckte schwer. Er hatte noch nie einen Troll gesehen. Aus der Entfernung erschienen sie ihm riesenhaft, um einiges größer als Elmar, und beide hielten einen hölzernen Speer in der Faust. Die Erzählungen von Lene und Mutter ließen sie in seiner Fantasie als turmhohe, furchterregende Monster erstehen. Mehr Augen als Menschen sollten sie haben, aber wie viele es genau waren, wusste keiner zu sagen. Es wurde nur immer wieder gewarnt, dass man nicht direkt hineinschauen durfte, weil jeder, der es wagte, seinen freien Willen verlor. Ihr Fell enthielte Eisennadeln, die einem die Haut aufrissen, wenn man damit in Berührung kam. Ihre Hände würden fast über den Boden schleifen, so lang seien ihre Arme.

    Doch was er vor sich sah, beruhigte Johannes. Die Trolle ragten nicht turmhoch auf. Die muskelbepackten Arme waren nur wenig länger als normal und sie endeten in Pranken von der Größe eines Schubkarrenrades. Die grobschlächtigen Wesen hielten sich gebückt, wodurch tatsächlich der Eindruck entstand, dass die kräftigen Hände am Boden schleiften. Ihr Fell war verfilzt, von undefinierbarer Farbe und sicher kratzig. Stellenweise sah man kahle Hautstellen. Da drin gab es ganz bestimmt keine Eisenspitzen, versicherte sich der Junge im Stillen.

    Die Wächter hatten den Ankömmling bemerkt und beäugten ihn misstrauisch.

    Beklommen schluckte er. Was hatte Freder gesagt? Einige Trolle verstehen auch noch die Sprache der Menschen. Wenn du einen solchen findest, erkläre ihm, warum du gekommen bist.

    Er fasste sich ein Herz, schob sich hinter dem Felsbrocken hervor und marschierte auf den zu, der ihm am nächsten war. Mit jedem Schritt schien dieser zu wachsen. Als er schließlich vor dem Wächtertroll stand, reichte er ihm nicht mal bis zur Hüfte. Um in sein finsteres Gesicht sehen zu können, musste er den Kopf in den Nacken legen. Dabei bemerkte er entgegen allen Schilderungen nur zwei Augen, in die er nicht zu blicken wagte und die im Vergleich zu dem massigen Körper winzig erschienen. Das Kinn war kantig und die Haut faltig, grau und spärlicher behaart als der Rest des Ungetüms. Dessen Nase ähnelte einer Gurke und die großen Ohren standen vom Kopf ab wie Scheunentore.

    „Verstehst du mich?“, fragte er zaghaft.

    Das zottelige Wesen brummte unwillig und machte eine ungeduldige Geste in Richtung des zweiten Wächters.

    Der Junge begriff und stapfte hinüber zu diesem. „Ich möchte zu eurem König“, erklärte er.

    Der Trollwächter zog die buschigen Augenbrauen zusammen und musterte ihn misstrauisch.

    „Bitte“, beeilte sich Johannes hinzuzufügen.

    „Warum?“ Die Stimme des Hünen knarrte wie ein schlecht geschmiertes Gartentor.

    „Ich ... ich will ihm einen Handel vorschlagen“, gab der Junge hastig zurück und dachte dankbar an Freder, der diese Antwort vorgeschlagen hatte.

    Der Troll kratzte sich träge den behaarten Bauch. Dann zog er die gurkenförmige Nase hoch und spuckte den Rotz in den Schnee neben sich. Angewidert wandte sich Johannes ab, als er den Geruch erkannte, den er bei sich zu Hause erstmals wahrgenommen hatte.

    „Handel?“, knarrte sein Gegenüber, überlegte kurz und bellte ein, zwei Brocken in einer unverständlichen Sprache zu dem zweiten Wächter hinüber. Dann drehte er sich um und lief in die Höhle hinein. „Komm!“, forderte er den wartenden Jungen auf und der beeilte sich, ihm zu folgen.


    Die rauen Felswände wurden nach wenigen Metern zu Flächen aus glattem, glänzendem Eis. Sie schimmerten wie Spiegel und ließen das Innere der Höhle in einem unwirklichen Blau erstrahlen. Die Festung der Trolle war unerwartet hell, obwohl sie tief in den Berg hineinführte. Dampfwölkchen bildeten sich vor dem Mund des staunenden Jungen und sein Blick wanderte an glitzernden Säulen empor, die höher aufragten als die höchsten Kiefern des Waldes. Ab und zu sah er andere Trolle, die ihn unverhohlen anstarrten. Trotz der klirrenden Kälte, die ihn zittern ließ, trug keiner von ihnen einen Lendenschurz oder gar ein umgehängtes Fell. Der Frost schien den Wesen nichts auszumachen.

    Er mühte sich angestrengt, den Weg im Gedächtnis zu behalten, auf dem der Wächter ihn führte, doch es erwies sich als unmöglich. Die gigantische Höhle war ein verzweigtes Labyrinth aus Gängen, Gewölben und Kammern. An unzähligen Stellen tropfte Wasser, deren Plitsch vom Echo vielfach wiederholt wurde.

    Schließlich kamen sie an einen klaftertiefen Abgrund, der die Mitte der Feste zu sein schien. Über ihm wölbte sich eine riesige Kuppel. Ganz oben schien das Eis sehr dünn zu sein, denn es schimmerte Sonnenlicht hindurch, das die Höhle bis in die tieferen Stockwerke erhellte und Fackeln unnötig machte.

    So mussten die Paläste der Könige aussehen, von denen Lene immer erzählte, dachte der Junge staunend.

    Es gab mehrere Ebenen, die sich um den kreisrunden Abgrund gruppierten. Steile, schmale Pfade aus Eis schmiegten sich an die Wände der tiefen Klamm und verbanden die Stockwerke miteinander. Der barfüßige Troll ging mit sicheren Schritten voran, als sie einen der rutschigen Abstiege betraten. Es gab kein Geländer oder Seil zum Festhalten und Johannes musste höllisch aufpassen, um nicht abzurutschen auf dem glatten Untergrund. Ab und zu versuchte er, hinunter zu spähen, doch er konnte den Boden nicht sehen. Ebene um Ebene stiegen sie hinab, ohne dass es ihm möglich war, sie zu zählen.

    Irgendwann – der Junge glaubte, dass Stunden vergangen waren – gelangten sie vor ein großes, zweiflügeliges Tor mit zwei weiteren Wachen davor. Der Wächtertroll spuckte wieder ein paar seiner unverständlichen Worte aus, deutete auf seinen menschlichen Begleiter, drehte sich um und verschwand, ohne ihm noch einen Blick zu schenken.

    Verblüfft sah der Junge dem davon Schlurfenden nach, doch ihm blieb keine Zeit, sich zu wundern. Einer der Trolle vor dem Tor, der inzwischen einen Türflügel geöffnet hatte, winkte ihm, zu folgen.

    Der Raum, den er betrat, hatte nichts gemein mit den Geschichten, die Lene über die märchenhaften Thronsäle von Königen erzählte. Das Blau war verschwunden. Fackeln erhellten den Raum und hatten hässliche Rußspuren an den Wänden verursacht. Es gab keinen Thron, keine Diener, keine Krone.

    Der König der Trolle saß an der Stirnseite eines gewaltigen Holztisches in einem überdimensionalen, ins Eis gemeißelten Sitz, der mit weichen Fellen ausgelegt worden war. Er hatte den Kopf an die Lehne gelegt und schnarchte. Auf der Tischplatte vor ihm standen ein wuchtiger Kerzenleuchter und ein Trinkkelch aus Zinn, wie Johannes ihn im Wirtshaus bei Freder gesehen hatte.

    Auf einen kurzen, bellenden Laut des Begleiters öffnete der Schlafende träge ein Auge. Als er den Menschenjungen erblickte, riss er beide auf und setzte sich gerade hin.

    „Was haben wir denn da?“, knurrte er missmutig und schickte seine Wache mit einer Handbewegung wieder zurück nach draußen.

    Johannes stand stocksteif, unfähig, sich zu rühren. Er starrte den Troll an, dessen breite Schultern und dunkles Fell ihn schon rein äußerlich aus der Masse hervorstechen ließen. Sein deutlich verständlicher Satz in der Menschensprache zeigte, dass er nicht nur stärker, sondern auch klüger zu sein schien als seine Untertanen. Der Blick, mit dem er seinen Gast musterte, verriet zu dem stumpfen Glotzen der Wächtertrolle und Türsteher eine gefährliche Schläue.

    Der Junge nahm es nicht wahr. Aber er spürte instinktiv, dass er sich vor dem Trollkönig in Acht nehmen musste.

    „Ich bin Johannes“, würgte er hervor.

    „Johannes“, wiederholte sein Gegenüber bedächtig und lehnte sich wieder zurück in die Felle. Die Stimme war tief, sonor, nicht so knarrend wie die vom Wächtertroll. „Was führt ein Menschenjunges hierher ins ewige Eis?“

    „Ich suche meine Mutter.“ Mit dieser Antwort hatte der Junge keine Sekunde gezögert und bemühte sich um Festigkeit in der Stimme. „Eure ... Untergebenen haben sie mitgenommen.“


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    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    4 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Zwei dicht behaarte Wesen, struppig und zerzaust, standen davor. Aus der Entfernung erschienen sie ihm riesenhaft, um einiges größer als Elmar, und beide hielten einen hölzernen Speer in der Faust.

    Johannes hatte noch nie einen Troll gesehen. Die Erzählungen von Lene und Mutter ließen sie in seiner Fantasie als turmhohe, furchterregende Monster erscheinen. Er reichte ihnen bestimmt nicht mal bis zur Hüfte.

    Mein erster Gedanke dazu war, dass hier fehlt, dass die Trolle menschenähnliche Gestalt haben. Ich bin mir da aber nicht mehr so sicher. Du hast hier aber ein paar Anknüpfungsunkte, etwa die Geschichten über die Trolle. Dort könnten sie ja auch mehrere Augen, riesige Fangzähne und vier Arme haben. Diese Vorstellung könnte sich durch die gesamte Geschichte ziehen und in diesem Moment vor dem Tor, als Johannes das erste Mal einen echten Troll sieht, könnte er "enttäuscht" sein. Sie sind nicht turmhoch, sondern nur eineinhalbmal so hoch wie ein Mensch. Ihr Körper ist nicht über und über mit steinernen Schuppen übersäht, sondern mit Fell, dass mehr Ähnlichkeit mit jenem eines Esels hat (oder weich, flauschig und gelockt wie das eines Schafs ^^ ). Statt fünf Augen, die Feuer sprühen, haben sie nur zwei und die leuchten sanft und friedlich wie das klare Wasser der Bergseen...

    Also was ich sagen will: In deiner Beschreibung bleiben die Trolle recht unscharf. Falls du das auch so siehst, könntest du an dieser Stelle was dran ändern, wenn du das mal überarbeitest ^^


    Mir gefällt gut, dass Johannes ganz ohne Waffen zu den Trollen geht. Das ist doch etwas, was aus den sonstigen, actionorientierten Fantasy-Geschichten hervorsticht. Bin echt gespannt, was er dem Trollkönig für einen Handel vorschlägt und wie dieser darauf reagiert. Weiter so! ^^

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Liebe Tariq ,


    das hier ist mir beim Lesen aufgefallen:

    Mehrere Augen sollten sie haben

    Ich habe diesen Satz mehrere Male gelesen. Auf welche Anzahl willst du hinaus? Dass die Trolle mehr als 2 Augen haben und somit nicht menschlich sind? Denn auch Menschen haben ja "mehrere Augen" und das wäre ja nichts besonderes. Der Satz impliziert zwei Sachen:

    a) Mehrere Augen sollten sie haben - ist etwas besonderes, denn normale Wesen hätten nur ein Auge. Was ja nicht der Fall ist.

    b) Man weiß nicht, wie viele Augen Trolle genau haben. Aber mehr als eins. Was ja seltsam wäre, denn wenn jemand mal einen Troll gesehen hat, wird er doch nicht nur wissen, dass der Troll mehr als ein Auge hat, sondern auch wie viel.

    - Hui, das war jetzt schon wieder verwirrend formuliert und ich hoffe, du verstehst, was ich meine. :/



    Johannes hatte noch nie einen Troll gesehen. Aus der Entfernung erschienen sie ihm riesenhaft, um einiges größer als Elmar, und beide hielten einen hölzernen Speer in der Faust. Die Erzählungen von Lene und Mutter ließen sie in seiner Fantasie als turmhohe, furchterregende Monster erscheinen. Mehrere Augen sollten sie haben, in die ein Mensch nicht schauen durfte, weil er sonst seinen freien Willen verlor. Ihr Fell enthielte Eisennadeln, die einem die Haut aufrissen, wenn man damit in Berührung kam. Ihre Hände würden fast über den Boden schleifen, so lang seien ihre Arme.

    Was er nun vor sich sah, beruhigte Johannes sichtlich. Die Trolle ragten nicht turmhoch auf. Die muskelbepackten Arme waren nur wenig länger als normal und sie endeten in Pranken von der Größe eines Schubkarrenrades. Die grobschlächtigen Wesen hielten sich gebückt, wodurch tatsächlich der Eindruck entstand, dass die kräftigen Hände am Boden schleiften. Ihr Fell war verfilzt, von undefinierbarer Farbe und sicher kratzig. Stellenweise sah man kahle Hautstellen. Da drin gab es ganz bestimmt keine Eisenspitzen, versicherte sich der Junge im Stillen.

    Ich finde die Beschreibung der Trolle sehr anschaulich. Ich kann mir in etwa vorstellen, wie sie aussehen. Mir fehlt ein wenig, wie ihre Gesichter aussehen. (Besonders das mit den Augen lässt mich nach wie vor nicht los:alien:.) Außerdem ist die Beschreibung tatsächlich sehr lang, bevor irgendeine Art von Dialog startet. Ich als Leser frage mich da schnell, was in der Zeit passiert, in der ich nur die Beobachtung mache. Währenddessen steht ja die Zeit nicht still. Vielleicht könnte man die Beschreibung in die aktive Handlung (nicht nur herumstehen und sich anstarren) einfließen lassen. So wird es gleich noch spannender.

    Dabei bemerkte er entgegen aller Schilderungen nur zwei im Vergleich zu dem massigen Körper winzige Augen, in die er nicht zu blicken wagte.

    Ahhh! Also "nur" zwei Augen. Dann würde ich oben schreiben, dass die Menschen von den Trollen mehr als zwei Augen erwarten.^^ So werden die Trolle gleich noch un-menschlicher, gruseliger... etc.

    Es hab keinen Thron

    *gab ;)

    Er hatte den Kopf an die Lehne gelegt und schnarchte.

    DAS finde ich spitze. Es unterstreicht den nicht gerade königlichen Charakter, denn Trolle sind ja vermutlich nicht so sehr auf Etikette bedacht. Und außerdem hasse ich das Klischee, wenn Leute in einen Thronsaal kommen und der König da einfach rumsitzt und ihn scheinbar erwartet... und nichts anderes macht. Sehr amüsant. ^^


    Netter kleiner Cliffhanger am Ende. Dann bin ich gespannt, wie es weitergeht. Deinen Schreibstil finde ich wie gesagt sehr gut. Bis bald. :)

  • Tariq ja, gefällt mir so besser. Vor allem die kahlen Hautstellen der Trolle werfen gleich Fragen auf und für mich passt das gut zu der Hintergrundstory von vertriebenen Trollen, die in den kargen Bergen ums Überleben kämpfen müssen. Die Eisennadeln im Fell finde ich auch eine coole Vorstellung! Hab ich bisher so, glaube ich, noch nicht gelesen :hmm:

    Stadtnymphe stimme ich bei der Sache mit den Augen ein bisschen zu. Mehrere ist eigentlich unklar, aber im Vergleich zum Normalen - also den Menschen - wird mMn schon auch klar, dass es mehr als zwei sein müssen. Eine gute Lösung hab ich jetzt auf die schnelle leider nicht parat.

    Außerdem ist die Beschreibung tatsächlich sehr lang, bevor irgendeine Art von Dialog startet. Ich als Leser frage mich da schnell, was in der Zeit passiert, in der ich nur die Beobachtung mache. Währenddessen steht ja die Zeit nicht still. Vielleicht könnte man die Beschreibung in die aktive Handlung (nicht nur herumstehen und sich anstarren) einfließen lassen. So wird es gleich noch spannender.

    Interessant, dass du das so siehst. Mir geht das gar nicht so. Gerade was die Zeitgestaltung angeht, könnte man viel mehr mit Zeitdehnung / -streckung und -raffung arbeiten. Für mich ist die erwähnte Stelle genau so: Es dauert höchstens einen kleinen Augenblick, die Trolle zu sehen, viele Details wahrzunehmen (Fellfarbe, kahle Stellen, Körperbau, Speere, etc.) und diese mit der eigenen Erinnerungen an die Geschichten über Trolle abzugleichen, aber wesentlich länger, das alles zu beschreiben.

    Die Idee, durch weitere Handlungen den Ablauf spannender zu gestalten, finde ich hier persönlich nicht so gut. Natürlich kann es funktionieren, aber in der Geschichte hier stelle ich mir das so vor, dass Johannes hinter einem Stein oder so hervorlugt oder gerade über einen Felsbrocken ein Stück weitergeklettert ist und dann für ein paar Atemzüge einfach nur dasteht und die Trolle beobachtet.

    Was mir gerade etwas unlogisch vorkommt ist, dass abseits in den Bergen tagtäglich zwei Trolle vor dem Tor stehen und Wache schieben, obwohl vielleicht zu erwarten ist, dass wochenlang nichts, d.h. kein Mensch (oder fremder Troll) auf ein Pläuschchen vorbeikommt, geschehen wird :hmm: Finde ich aber nicht schlimm.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]


  • Voriger Part


    „Deine Mutter.“ Der Trollkönig zog das Wort in die Länge, als müsse er überlegen.
    Johannes wartete ungeduldig, obwohl er am liebsten laut „Gib sie uns zurück!“ geschrien hätte. Es fiel ihm schwer, ruhig stehen zu bleiben, doch er durfte den Herrscher nicht verärgern. Dann wäre alles verloren. „Ist sie hier? Kann ich sie mit ... nach Hause nehmen?“ Ein Kloß bildete sich in seinem Hals und er war sicher, dass er kein weiteres Wort hervorbringen konnte, ohne zu weinen anzufangen.
    Das schwarzbehaarte Wesen erhob sich aus dem eisigen Stuhl. Eines der Felle rutschte zu Boden.
    „Meine Untergebenen haben viele Dinge von ihrem letzten“, er stockte kurz, „Ausflug mitgebracht. Kostbare Dinge, nützliche Dinge und welche, die einfach nur schön anzusehen sind.“ Die Worte kamen langsam, er war es nicht gewohnt in der Sprache der Menschen zu reden.
    Dem Jungen stockte der Atem. Es heißt, der Trollkönig sammelt schöne Sachen wie Trophäen, hatte Freder erzählt. Was, wenn die Mutter tatsächlich als eines dieser Mitbringsel angesehen worden war und die Trolle sie gar nicht wegen des Ziegenkäses mitgenommen hatten?
    Sein Herz hämmerte in der Brust und seine eiskalten Hände umklammerten den dicken Knoten des Bündels wie ein Schraubstock. Bebend ließ er die Musterung des Königs über sich ergehen. Sein Gefühl sagte ihm, dass, je länger dieser mit einer Antwort zögerte, die Wahrscheinlichkeit zunahm, die Mutter zurückzubekommen. „Wir brauchen sie“, wisperte er erstickt. „Meine Schwester ist noch so klein.“
    Immer noch schwieg der Troll, der wie ein Turm hinter dem Tisch aufragte. Sein behaartes Gesicht zeigte keine Regung, nur seine Augen musterten den kleinen Bittsteller vor ihm. Es war nicht zu erkennen, was er dachte.
    „Komm mit“, befahl er und ging an Johannes vorbei zur Tür.
    Sie verließen den verrußten Raum und traten auf den blau schimmernden Korridor hinaus. Erneut lief der Junge einem Troll hinterher, ohne zu wissen, wohin und ob er die Höhle je wieder verlassen würde. Eva, flüsterte er in Gedanken, ich finde Mutter und bringe sie mit nach Hause, versprochen.
    Sie stiegen aufwärts. Ein paar Ebenen nur, aber es wurde deutlich heller. Vor einer Kammer am Ende eines schnurgeraden Ganges angekommen, blieb der König stehen und wandte sich zu dem Jungen um. „Tritt ein“, meinte er und wies einladend mit der Hand in den Raum mit der gewölbten Decke hinter sich.
    Johannes hob den Kopf und riss die Augen auf. Ungläubig staunend ließ er den Blick über den Anblick wandern, der sich ihm bot, während er zögerlich der Aufforderung folgte. Eine Tür gab es nicht, nur Säulen aus Eis. Manche so hoch, dass sie das blaue Gewölbe trugen, manche kleiner als er selbst. Ein dünner Lichtstrahl fiel auf jedes der weißen Gebilde und erleuchtete es.
    Sonnenlicht?
    Wie ist das möglich, fragte sich der Junge erstaunt. Sie befanden sich weit unten in einer klaftertiefen Eishöhle. Er hob den Kopf höher, um zu sehen, wo die zarten Lichtfinger herkamen, doch geblendet musste er den Blick wieder senken.
    Zögernd trat er näher an die Säulen heran, obwohl er am liebsten davongerannt wäre. Die durchsichtigen, blau leuchtenden Stelen beherbergten Dinge. In der ersten befand sich eine Muschel. Das Eis war so poliert, dass es glatt wie eine Fensterscheibe war. Jedes Detail auf der makellosen Schale konnte der Junge erkennen.
    Wie im Traum ging er weiter, obwohl sein Herz hart gegen die Rippen hämmerte. Dampfwölkchen kamen aus seinem halbgeöffneten Mund und die klammen Finger presste er unter die Achselhöhlen. Freder hatte recht behalten. Der Raum war die Trophäensammlung des Trollkönigs. Er sah einen wundervollen, blaugrün glänzenden Vogel mit einem Federkrönchen auf dem Kopf, dessen Schwanz ausgebreitet und groß wie ein Wagenrad war. Eine Kette aus rosa schimmernden Perlen. Einen auf die Hinterbeine aufgerichteten Bären, geschnitzt und nur so groß wie seine Faust, aber so fein, als wäre er lebendig. Eine Feder, die in nie gesehenen Farben leuchtete, eine gerade erblühte dunkelrote Rose, ein ...
    Erneut stockte ihm der Atem. In der Säule war ein Kind. Ein wunderschönes, blondes Mädchen. Sein Herz schmerzte, so sehr erinnerte ihn die Kleine an Eva. Ihr Gesicht zeigte Staunen und ihre blauen Augen blickten verständnislos. Die Hände hielt sie erhoben, als würde sie von innen gegen das Eis drücken.
    Das Entsetzen verschlug ihm die Sprache. Muscheln, Federn, Perlen – das alles waren wirklich schöne Dinge. Auch er hatte sie bewundert. Aber schon der Vogel hatte ihm leidgetan. Doch ein Kind in Eis einzuschließen, war ...
    Langsam hob er die Hand und berührte mit einem Finger die spiegelglatte Fläche. „Ist sie ... tot?“, stammelte er verstört.
    Vom Trollkönig kam ein Schnauben. „Nein“, grunzte er ungerührt, „seelenlos.“
    „Seelenlos?“ Johannes konnte sich nichts darunter vorstellen. „Was bedeutet das?“
    „Ich habe ihr ihre Seele genommen. So ist ihr Körper erstarrt. Erst wenn sie sie zurückerhält, lebt sie wieder.“
    „Wie kann man jemand die Seele nehmen?“ Der Blick des Jungen glitt ungläubig über das Kind. Sie sah so lebendig aus. „Und erfriert sie nicht da drin?“
    „Nein. Sie fühlt nichts, auch keine Kälte. Ihr Körper ist genauso eingefroren wie ihre Lebenszeit.“
    „Was ist mit ihren Eltern? Ihrem Zuhause?“
    „Was kümmert mich das?“, knurrte der Trollkönig angewidert. „Sie haben sie nicht beschützt, ganz allein gelassen. Jetzt bleibt sie bei mir.“
    „Aber ...“
    „Schluss! Du bist nicht ihretwegen gekommen!“
    Johannes zuckte zusammen bei den harschen Worten. Es stimmte. Er war hier, um seine Mutter zu finden.


    Hier geht's weiter

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    (Ricarda Huch)



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    Einmal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Liebe Tariq ,

    weiter geht's...


    Deine Änderung mit den Gesichtern im vorigen Teil gefällt mir nun gut. Ich hatte vorher überlesen, dass der Wächtertroll so klein ist. Jetzt stelle ich ihn mir irgendwie so vor wie diese komischen Steintrolle in "Frozen". Ob das wohl so beabsichtigt ist?:D


    Hier nun zum aktuellen Part:

    ohne zu weinen anzufangen.

    Ich bin da ein bisschen über die Syntax gestolpert. Vielleicht lieber: "Ohne anfangen zu weinen" ? Ist aber Geschmackssache.

    eisigen Stuhl

    In dieser Formulierung ist es eine auktoriale Perspektive. Ich dachte aber, es wäre aus Johannes' Sichtweise geschrieben, der ja gar nicht wissen kann, dass der Stuhl eisig ist. Er kann es nur vermuten, daher vlt. eher: "eisig aussehenden..."? Eine auktoriale Perspektive passt allerdings gut zu einem Märchen. Andererseits hebt sich deine Geschichte klar von einem klassischen Märchen ab, ich würde also bei einer Art der Erzählperspektive bleiben. :)

    des Bündels wie ein Schraubstock

    *wie einen Schraubstock

    Sonnenlicht?

    Ich warte ja schon darauf, den Titel deiner Geschichte erklärt zu bekommen. Vielleicht ist das ein Hinweis? :blush:

    um zu sehen, wo die zarten Lichtfinger herkamen

    sehr schöne Formulierung.


    Auch in diesem Part kann man mit Johannes gut mitfühlen und wird sehr oft ganz diskret daran erinnert, dass er noch ein Kind ist. Diese naive, ein wenig blauäugige Sicht auf die Welt finde ich sehr rührend. Bin gespannt, wie es weitergeht. Bis bald!^^

  • Ich hab diesmal nur eine kleine Anmerkung:


    „Wie kann man jemand die Seele nehmen?“

    Das müsste "jemandem" heißen.

    Ansonsten gefällt mir der Teil auch wieder gut. Und ich frage mich, auf welche Art Johannes seine Mutter retten wird. Ich hab da so ein paar Ideen... bin gespannt :D

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]