Freakshow: Episode 2



  • Der Schrecken über ihr unerwartetes Aufeinandertreffen schien lediglich einseitiger Natur zu sein, da Scotts Mannschaftskamerad geradezu gelangweilt wirkte, als er sagte: „Das tun die wenigsten Lebenden und jene verbleibende Minderheit wird meistens belächelt oder für verrückt erklärt. Außerdem besteht kein Grund für Entschuldigungen, da nichts passiert ist und wenn es doch so wäre, hätte dir der Aufprall mehr wehgetan als mir.“

    „Oh. Na gut.“ Unauffällig ließ Abby das geborgte Smartphone in ihrer Tasche verschwinden, alsdann eine Bewegung zu Caoimhins Füßen ihre Aufmerksamkeit nach unten lenkte. Ach, wie niedlich! Das liebe Kätzchen von vorhin schlich zutraulich um seine Beine. „Da bist du ja wieder“, sprach Abby mit dem Tier. „Hast du dich hervorgetraut?“

    „Ich habe sie eingeschüchtert im Gebüsch gefunden. Etwas oder jemand muss sie verängstigt haben. Sie ließ sich jedoch von mir hervorlocken und beruhigen.“ Während er redete, beugte sich Caoimhin herab und streichelte die Katze über den Kopf. Sogleich schmiegte sie sich an die Berührung an und Abby vernahm ihr leises, zufriedenes Schnurren.

    „Kolja hat vorhin versucht sie auf den Arm zu nehmen. Das hat ihr nicht gefallen, denke ich“, mutmaßte Abby, was die süße Fellnase so sehr in Aufregung versetzt haben könnte. Doch nun machte sie auf Abby einen friedlichen, entspannten Eindruck. Entzückt sah die Wölfin dabei zu, wie das Kätzchen mit seiner Stirn Caoimhins Hand anstupste, um ihn zu weiteren Streicheleinheiten zu animieren. Bereitwillig kam das Gespenst der Aufforderung nach und Abby wurde ein ganz kleines bisschen neidisch auf seine Schmuseprivilegien. „Du hast wohl ein Händchen für Tiere?“

    „Für Katzen“, meinte Caoimhin. „Ich genieße eine wechselseitige Sympathie mit ihnen. Sie mögen mich und ich mag sie. Im Gegensatz zu den sozialen Interaktionen vieler sogenannter 'vernunftbegabter' Individuen gestaltet sich das Verhältnis zu Katzen angenehm unkompliziert, weil sie einem ihre Zu- beziehungsweise Abneigung unmissverständlich spüren lassen.“ Hernach griff er in die Tasche seiner Trainingsjacke und kramte einen wiederverschließbaren, mit Leckerlis gefüllten Beutel daraus hervor. Das Rascheln der Tüte versetzte die Katze in freudige Aufregung; sie maunzte den Geist an, derweil dieser mit den Fingern nach einem der Bröckchen fischte und es dann seiner pelzigen Freundin auf der flachen Hand servierte. Gierig fraß sie den ihr dargebotenen Happen auf.

    „Das ist ja Bestechung“, spaßte Abby kichernd.

    „Hauptsächlich ist das Katzenminze. Außerdem ist noch Ei darin enthalten, Öl, Karotten und Hühnchenfleisch, beziehungsweise Thunfisch. Ich habe das Rezept selbst zusammengestellt und bisher hat es den Geschmack jeder Katze getroffen, der ich begegnet bin.“

    Abby staunte. „Du bereitest selbst Katzenleckerlis zu? Wie toll! Da steckt doch enorm viel Arbeit dahinter, oder?“ Einmal hatte Abby einen Versuch unternommen eigene Hundekuchen zu backen aber irgendwas musste sie dabei falsch gemacht haben, da die Kuchen schrecklich hart ausgefallen waren und niemand außer Colin sie zu zerbeißen vermochte. Dafür durfte sich sein Gebiss zur damaligen Zeit rühmen, einhundertprozentig frei von Zahnstein zu sein, was Abby zumindest als einen kleinen Teilerfolg ihres Backunterfangens wertete.

    Das Gespenst spendierte der bettelnden Samtpfote noch ein Stückchen seiner eigens hergestellten Snacks und stopfte den Rest im Anschluss zurück in die Jackentasche. Die Augen auf die schmatzende Katze gerichtet, erläuterte er Abby: „Nicht mehr als hinter jeder anderen Mahlzeit. Man gart die passenden Zutaten in einer adäquaten Menge bei angemessener Temperatur. Davon abgesehen steht mir alle Zeit der Welt zur Verfügung. Wörtlich gesprochen.“

    'Wörtlich gesprochen'? Was meinte der Geist damit, dass-… Oh. Ah! Jetzt verstand Abby. „Ich finde das wirklich super“, lobte die Wölfin Caoimhins Engagement. „Du steckst so viel Mühe hinein. Und wie verliebt das Kätzchen in dich ist! Schau doch!“ Vor lauter Zuneigung zu ihm rollte es sich rücklings im Gras herum. Dieses weiße Bäuchlein. Und diese Pfötchen! Was für ein herzallerliebster Anblick! „Bestimmt rufen dich deine Freunde schon 'den Katzenflüsterer'.“

    Schweigend verharrte sein Blick auf der Katze. Nach einem Moment erklärte er Abby mit derselben Emotionslosigkeit, mit der ihr vermutlich auch den Abfahrplan der Buslinie in Richtung Waterford vorgetragen hätte: „Wenn ich Freunde hätte, würden sie das vielleicht tun.“

    Wie bitte?

    Oh je, was deutete das Gespenst da an? Es sollte keine Freunde haben? Aber ... jeder besaß doch Freunde! Sogar Mr Hayes, dem man selbst mit bestem Wohlwollen einen eher schwierigen Charakter zuschreiben musste, traf sich zu freundschaftlichen Zusammenkünften mit der Zahnfee und dem Sandmann. Das wusste Abby von Scott und Kolja. „Du hast keine Freunde?“, hakte sie betroffen nach, um ganz sicherzugehen, keinem Missverständnis zu unterliegen.

    Doch Caoimhin bestätigte ihre Befürchtung, indem er indolent mit den Schultern zuckte. „Brian war mein Freund. Aber er ist fort. Alle anderen Freunde, die ich vor ihm hatte, habe ich überlebt.“ Brian? Ach ja! Brian O'Maley, der Wildkater. Oh nein, wie furchtbar traurig das war! Armer Caoimhin. Gab es denn wirklich keine einzige Person, die er einen Freund nennen konnte? Na, das musste Abby aber unbedingt ändern! Niemand auf der Welt sollte ohne den Segen einer Freundschaft leben müssen. Kurz entschlossen verkündete die Wölfin dem Geist daher: „Dann bin ich ab jetzt dein Freund.“

    „Wir kennen uns gar nicht“, zeigte der Geist vermeintliches Desinteresse aber Abby durchschaute diese Fassade.

    „Das lässt sich ändern. Also: Mein Name ist Abigail, nenn' mich aber ruhig Abby. Ich liebe Tiere, ich spiele für mein Leben gern SingStar und in meiner Freizeit bin ich außerdem in einer Volleyballmannschaft aktiv. Oh! Und ich könnte für romantischen Liebesgeschichten über starke Highlander und wohlerzogene Lords sterben! Hast du schon mal so ein Buch gelesen? Das solltest du mal tun. Ach ja: Außer Scott und Colin habe ich noch zwei weitere Brüder. Sie heißen Kieran und Niall. Manchmal wünschte ich mir, auch noch eine Schwester zu haben aber dafür ist es mittlerweile zu spät. Du weißt schon, die Wechseljahre. Irgendwann will ich selbst mal Kinder haben. Drei Stück wenigstens. Für solche Pläne ist es für meinen Freund und mich jedoch noch etwas zeitig. Das heißt, offiziell ist Kolja noch gar nicht mein Freund. Er will vorher den Segen meiner Brüder einholen, danach können wir langsam aber sicher auf eine eigene Familie hinarbeiten. Kolja ist nämlich mein Ein-für-alle-Mal, weißt du? Er ist wirklich toll! Aber ich erzähle dir damit sicher nichts Neues, ihr zwei seid ja Arbeitskollegen. Manchmal ist er mir gegenüber etwas bevormundend und dann fühle ich mich von ihm behandelt, als sei ich ein kleines Mädchen. Deswegen versuche ich ihm gerade zu beweisen, wie selbstständig und unabhängig ich eigentlich bin. Meine Freundin Gwen, sie kennst du ja auch, hilft mir dabei, indem sie mir wirklich schlaue Hinweise gibt. Gwen stammt übrigens aus Schottland und ist erst seit einigen Monaten in der Stadt. Vielleicht mag sie ja auch mit dir befreundet sein. Dann hättest du schon zwei Freunde. Klingt das nicht toll?“

    Ausdruckslos sah Caoimhin sie an. „Mir entzieht sich jeglicher Sinn von dem, was du da sagst.“

    „Das macht nichts“, beschloss Abby. Immerhin bestand ihre neugewonnene Freundschaft zu dem Gespenst erst wenige Sekunden, sodass ihnen noch gut und gern der Rest ihres Lebens blieb, um jedes Detail ihrer Persönlichkeiten in Erfahrung zu bringen. Oder zumindest der Rest von Abbys Leben. So! Nun war Caoimhin an der Reihe aus dem Nähkästchen zu plaudern und deshalb forderte Abby den Geist mit einem Lächeln dazu auf. „Erzähl mir etwas über dich.“

    Caoimhin zögerte und fuhr unschlüssig mit den Fingern an seinem blonden Scheitel entlang. Zu Abbys Freude öffnete er sich ihr schlussendlich. „Ich spiele gern Fußball. Und ich mag Katzen“, erwähnte er für den Anfang. Okay, das wusste Abby bereits über ihn. Ein guter Start war es trotzdem und vielleicht brauchte das Gespenst nur erst einmal in Fahrt zu kommen, ehe es sich vollständig aus seiner sinnbildlichen Einsiedlermuschel herauswagte. Es zählte weiter auf: „Ich gewähre ihnen bei mir Unterschlupf, wenn sie ihn suchen. Außerdem male ich gern klassische Porträts im Stil des achtzehnten Jahrhunderts von ihnen.“

    „Oh, du bist ein Künstler!“ Begeistert schlug Abby ihre Hände zusammen; ihr Lob wurde allerdings umgehend von Caoimhin abgewiegelt.

    „Nein, mir bereitet lediglich der Prozess Vergnügen. Das ist alles.“ Er dachte nach und offenbarte anschließend noch mehr höchst interessante Fakten über seine Person: „Ich bin Diabetiker.“

    „Oh!“

    „Und ich stelle Seifen im Kaltprozessverfahren her.“

    „Ah!“

    „Zudem lese ich oft in den Stadtchroniken ...“

    „Aha!“

    „und erkunde die Gegend, um anhand meiner Erkenntnisse Karten und Übersichtspläne der Region zu zeichnen.“

    An dieser Stelle schien Caoimhins Auflistung ein Ende gefunden zu haben, sodass Abby endlich ihrer Bewunderung freien Lauf lassen durfte. „Caoimhin, das klingt alles sehr spannend. Und zeitaufwendig! Schläfst du bei all deinen Aktivitäten denn überhaupt?“ Sie gickelte über ihren Scherz, bis das Gespenst todernst darauf erwiderte:

    „Nein.“

    Oh. Na gut. Nichtsdestotrotz blieb Abby bei ihrer Meinung. „Ich finde, du machst lauter tolle Sachen und hast bestimmt auch viele interessante Dinge zu erzählen. Mir erschließt sich wirklich nicht, wieso du nicht mehr Freunde hast.“

    „Ich werde oft missverstanden“, gestand Caoimhin und blickte beiläufig zu Scott, der nach wie vor seine Strafrunden absolvierte und dabei prustete und keuchte wie ein aufblasbarer Schwimmreifen nach einer Begegnung mit einem Stachelschwein. „Vorhin wollte ich Fitzpatrick für sein Dribbling loben aber er ist bei meinen Worten regelrecht explodiert.“

    „Scott ist derzeit etwas empfindlich. Er vermisst seine Freundin Hazel schrecklich, musst du wissen. Was genau hast du denn zu ihm gesagt?“

    Auf ihre Frage hin rekapitulierte das Gespenst für Abby: „Ich habe gesagt, sein Dribbling sei nicht annähernd so miserabel wie seine Schusstechnik.“

    Abby presste ihre Lippen aufeinander. Ups, was für eine unglückliche Formulierung. „Vielleicht solltest du dein Lob positiver ausdrücken“, erteilte sie Caoimhin einen wohlwollenden Ratschlag. „In der Art wie 'Du dribbelst gut!' oder 'Dein Dribbling ist toll!'. Auf die Weise wird man dich ganz bestimmt nicht missverstehen. Außerdem kann Scott manchmal ein bisschen hitzköpfig werden, also wieso versuchst du dein Glück nicht erst einmal mit einem anderen deiner Mannschaftskameraden? Wie wäre es mit ...“ Auf der Suche nach einem passenden Kandidaten ließ die Wölfin ihre Augen über das Spielfeld wandern und wurde schnell fündig. „Colin! Wieso gehst du nicht auf Colin zu?“, schlug Abby vor. Ihr Bruder verbrachte gerade die letzten Minuten seiner Pause damit, zutraulich Nasenspitze an Nasenspitze mit Gwen zu tuscheln. „Er ist entspannter als Scott und lässt sich nicht so leicht auf die Füße treten.“

    Das Gespenst schaute zu dem Rüden herüber. „Meinst du?“

    Sie nickte überzeugt und ermutigte Caoimhin alsdann mit einer wedelnden Handbewegung, die eben gehörte Lektion in die Tat umzusetzen. Zögerlich ging der Geist einige Schritte auf den Wolf zu und nach kurzem Überlegen forderte er dessen Aufmerksamkeit ein. „Fitzpatrick!“ Sowohl Colin als auch Gwen wandten ihre Köpfe zur Quelle des Rufes um. „Deine Kopfbälle sind klasse.“

    Colin tauschte einen verwirrten Blick mit Gwen aus, nahm das Kompliment letztlich aber wie zu erwarten an. „Danke, Mann.“

    „Frag ihn, ob er dir zeigen kann, wie er das macht“, soufflierte Abby dem Geist, worauf dieser prompt Folge leistete und zu Colin herüberrief:

    „Kannst du mir zeigen, wie du das machst?“

    Abermals suchte der Rüde den Blickkontakt zu dem Sukkubus. „Klar, warum nicht?“

    Da registrierte Abby auf Caoimhins Gesicht ein leichtes Zucken der Brauen, als hätte er nie im Leben mit einer Zustimmung gerechnet und sei daher von Colins Antwort überrascht. Er schaute Abby an und mit einem Lächeln gab sie ihm zu verstehen, die Chance zu ergreifen und zu ihrem Bruder herüberzugehen.

    Hach! Ein klein wenig Stolz empfand Abby ja schon dabei, zuzusehen wie die Männer plaudernd miteinander davonzogen. Damit war ihr gutes Werk für den heutigen Tag allerdings noch längst nicht getan, denn es gab da noch eine weitere Freundschaft, die es zu schließen galt. Die Wölfin blickte sich um.

    „Miez', Miez', Miez' ... .“



    nächster Teil

  • Guten Morgen Skadi :)

    Ich habe die zwei letzten Parts jetzt auch mal aufgeholt und die waren wieder super :thumbup:


    Herrlich, wie Abby da über den Diebstahl nachdenkt, sich schließlich das Handy schnappt und total unauffällig verschwindet :D Ich bin gespannt, wann das auffliegt. Wenn keine Menschenseele auf dem Fußballplatz und speziell auf den Zuschauerrängen aufhält, dann wird es wohl nicht lange dauern, bis man zu einem Schluss kommt xD


    Das Gespräch mit den Geist fand ich auch sehr schön. Da hat man richtig die beiden unterschiedlich Charakterzüge gespürt, die da aufeinander geprallt sind :)

    Aber ich habe dazu mal eine dumme Frage ... der Geist, mit dem Scott und Colin zusammen arbeiten, heißt doch Ward oder nicht? Hab ich da irgendwas verpennt und Ward ist nur ein Spitzname oder so? :/ Sorry, wenn ich da was vergessen habe sollte :| Oder handelt es sich hier um ein ganz anderes Gespenst?


    LG :)

  • Hallo ^^

    Ich habe die zwei letzten Parts jetzt auch mal aufgeholt und die waren wieder super

    Das freut mich :>


    der Geist, mit dem Scott und Colin zusammen arbeiten, heißt doch Ward oder nicht?

    Ja, er heißt Caoimhin ("Kevin") Ward ^^ So wurde er vorgestellt und Moira hat ihn auch schonmal bei seinem Vornamen genannt.


    Moira und Abby reden ihn nicht mit seinem Nachnamen an, das ist so eine Distanzgeschichte zwischen den Männern. Vielleicht hätte ich den Vornamen noch ein paar Mal öfter fallen lassen sollen :hmm: Bin davon ausgegangen, dass sich der Buchstabensalat schon wegen der zungenbrecherischen Schreibweise irgendwie einprägt :hmm:

  • Zitat von Skadi

    Ja, er heißt Caoimhin ("Kevin") Ward ^^ So wurde er vorgestellt und Moira hat ihn auch schonmal bei seinem Vornamen genannt.

    Zitat von Skadi

    Moira und Abby reden ihn nicht mit seinem Nachnamen an, das ist so eine Distanzgeschichte zwischen den Männern. Vielleicht hätte ich den Vornamen noch ein paar Mal öfter fallen lassen sollen :hmm: Bin davon ausgegangen, dass sich der Buchstabensalat schon wegen der zungenbrecherischen Schreibweise irgendwie einprägt :hmm:

    Ahhh. So wird also ein Schuh draus :D

    Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich ein Gedächtnis wie ein Sieb habe. Aber eigentlich kann ich ganz gut mit Namen jonglieren :hmm:

    Ich kann dir leider nicht sagen, ob es besser ist, den Namen öfter zu schreiben. Ich denke, jetzt wo ich nochmal daran erinnert wurde, bleibt der Name auch backen :D Danke!


    LG

  • Ich nehme an, es macht auch ein Unterschied ob man die Geschichte am Stück liest oder Häppchenweise, wie hier im Forum :hmm: Die Stelle, an der Moira Ward beim Vornamen nennt liegt zum Beispiel gar nicht viele Seiten zurück aber gepostet habe ich sie schon vor einem viertel Jahr. In dieser Zeit muss man ja zwangsläufig bestimmte Informationen verdrängen, besonders wenn sie einen nebensächlichen Eindruck machen.

  • Kolja


    Erwartungsvoll sah Abby ihn an.

    Kolja las Hoffnung aus ihrem Blick heraus und Zuversicht ließ ihre schönen Augen glitzern wie tausend prallgefüllte Honigwaben im Sonnenlicht. „Wie ist es gelaufen?“, wollte sie von ihm erfahren. Sie rutschte von ihrer Seite des WG-Sofas dichter an Kolja heran und berührte liebevoll sein Knie.

    Wie es gelaufen war? „Gut“, antwortete Kolja. Vor Freude über diese Nachricht schlug Abby jauchzend die Hände zusammen.

    Dann schob er den Zettel mit ihrem Rechenweg sowie Stift und Taschenrechner auf den Sofatisch. „An einer Stelle hast du dich verrechnet, aber auch wenn das Endergebnis dadurch falsch ist, solltest du trotzdem Punkte auf deine Vorgehensweise bekommen.“

    „Yippie!“ Jubelnd warf Abby die Arme in die Luft und Kolja fand ihre Glücksgefühle absolut berechtigt. Noch vor etwa einem Monat bestanden ihre Rechnungen aus einem heillosen Durcheinander an Buchstaben, Zahlen und Operatoren, das jeglichen mathematischen Regeln spottete. Mit keinem Gedanken durfte man damals in Erwägung ziehen, Abby könnte eigenständig eine Extremalaufgabe lösen, doch genau das tat sie mittlerweile. Na ja, von ihren typischen Flüchtigkeitsfehlern einmal abgesehen. Daher ließ sich Kolja gern von Abbys Frohmut anstecken, nahm die Brille von der Nase und erlaubte seinen Mundwinkeln, zufrieden nach oben zuwandern. Abby entging das subtile Lächeln auf seinem Gesicht keineswegs. „Bist du stolz auf mich?“ Der Bär und nickte, worüber sich Abby offenkundig gleich noch mehr freute und ihm die Arme anschmiegsam wie ein weiches Satintuch um den Hals legte. „Das verdanke ich einzig und allein meinem talentierten Nachhilfelehrer“, schmeichelte sie ihm und schenkte Kolja einen dankbaren Kuss. Danach einen zweiten.

    Einen dritten.

    Und einen vierten ... .

    Ehe er sich versah, hielten Koljas Finger Abbys weiche Wangen umschlossen wie ein Korb süßes Obst und ebenso wie bei einer köstlichen Frucht vermochte Kolja seine Lippen nicht mehr von ihr nehmen. Verschmust lehnte Abby an seiner Brust, genoss und erwiderte jede einzelne gefühlvolle Berührung ihrer Zungen. Sie sank mit ihm herab, als Kolja ihrem Gewicht nachgab und sich langsam auf das Sofa niederlegte.

    Eine aufregende Hitzewelle übermannte ihn. Abbys Körper auf ihm liegen zu spüren, ihr warmer Mund sowie die sachten, reibenden Bewegungen ihrer Schenkel stiegen Kolja auf verführerische Weise zu Kopf. Kolja wollte mehr davon. Er ließ seine Handflächen begehrlich an Abby hinabgleiten, streichelte ihre Schultern, streichelte ihre Taille und den Rücken. Von Kolja liebkost zu werden schien Abby mehr als bloß zu gefallen, denn das betörende Seufzen von neulich Nacht drang ihr abermals aus Kehle. Dieser herrliche Klang ... er fuhr Kolja direkt in den Schritt und rauschte von dort aus bis in die entlegensten Enden seiner Nerven, die daraufhin bettelnd begehrten, unbedingt Abbys zarte Haut erfühlen zu dürfen. So schlüpften Koljas Finger behutsam unter den Saum ihrer Bluse und rafften den Stoff Zentimeter um Zentimeter beiseite. Abby kicherte gegen seine Lippen, anschließend seufzte sie nochmals und oh Gott ... wie Kolja diesen Laut liebte. Seinetwegen stellten sich ihm sämtliche feine Nackenhärchen auf – und allmählich auch andere Dinge.

    Unter seinen Fingerkuppen ertastete Kolja den Verschluss von Abbys BH.

    Er begann daran zu nesteln.

    Dann schloss jemand die Wohnungstür auf.

    Moiras Schicht im Geschäft endete erst am Abend, sodass es nur Scott sein konnte, der im Flur hörbar die Schuhe von den Füßen schleuderte. So unfassbar schwer es dem Bären auch fiel – Abby und er mussten wohl oder übel abbrechen was ... was auch immer sie drauf und dran waren, zu tun. Als Scott zu ihnen ins Wohnzimmer trat, entdeckte er seine Schwester und seinen besten Freund daher keusch und mit gebührendem Abstand zueinander auf dem Sofa sitzen. „Was macht ihr zwei da?“, fragte der Wolf bei ihren Anblick.

    „Kolja gibt mir Nachhilfe. Habe ich dir nicht erzählt, dass wir uns heute bei euch treffen?“ Ob Abbys Antwort unterzog Scott Kolja unter gesenkten Brauen einer argwöhnischen Musterung. Der Bär schluckte. Witterte Scott ihn etwa an Abby? Nein, das konnte unmöglich der Fall sein. Um nach einander zu riechen bedarf es Sex und dazu war es zwischen ihr und Kolja schließlich nie gekommen. 'Dank Scott ...', fügte Kolja stumm seinem Gedankengang hinzu.

    Zu Koljas Erleichterung lag er mit seiner Befürchtung daneben. Scott schnaubte einmal abschätzig, bevor er Abby den üblichen, brüderlichen Spott aufs Brot schmierte. „Schon wieder? Mann, du musst ja echt 'ne riesige Niete in Mathe sein, so oft wie sich Kolja mit dir zusammensetzen muss.“ Hernach trottete der Rüde in die Küche, wo Kolja ihn mit den Schranktüren klappern hörte. Rasch nutzte er die Gelegenheit, einen hochgerutschten Zipfel an Abbys Bluse zurecht zu zupfen, welcher sich glücklicherweise Scotts Beachtung entzogen hatte. Zum Dank drückte die Wölfin Kolja einen Kuss auf die Lippen, keine Sekunde bevor Scott im Türrahmen auftauchte. Die Frau besaß echt Nerven aus Stahl!

    Bei seiner Rückkehr hielt der Wolf eine geöffnete Tüte Trockenfleisch in den Händen. Seinen Freund tatsächlich einmal Nahrung zu sich nehmen zu sehen, erfreute Kolja sehr, vergaß Scott in letzter Zeit wegen Hazel und den Bedürfnissen der Fußballmannschaft doch viel zu oft anständig zu essen. Einen der Fleischstreifen im Mund sowie einen zweiten zwischen den Fingern geklemmt, deutete Scott auf das Lehrmaterial auf dem Sofatisch. „Braucht ihr noch lange?“

    „Wir sind gerade fertig geworden“, beschloss Abby und packte infolgedessen ihre Unterlagen zusammen. Mh. In Bezug auf den Nachhilfeunterricht entsprach diese Behauptung wohl den Tatsachen. Gerade griff Abby nach ihrem Smartphone, um es gemeinsam mit ihren restlichen Besitztümern in ihrer Tasche zu verstauen, als dieses mit einem fröhlichen Zwitschern den Eingang einer neuen Textnachricht verkündigte. Die Wölfin rief sie auf und hielt den Inhalt der Mitteilung scheinbar für allgemein erwähnenswert. „Ah, Kieran bricht jetzt auf.“

    „Wohin?“ Scott schob sich den bereitgehaltenen Streifen Fleisch zwischen die Zähne und fischte auch den nächsten aus der Tüte. Über das Knistern der Verpackung hinweg klärte Abby ihn auf:

    „Er übernachtet heute bei seinem Freund Sean.“

    „Unter der Woche?“

    Sie nickte. „Diese Phase zwischen Litha und Samhain macht Sean ziemlich zu schaffen, deswegen möchte Kieran ihn ein bisschen davon ablenken. Ich finde das sehr lieb von ihm. Die zwei sind wirklich beste Freunde.“

    Beste Freunde. Automatisch wanderte Koljas Blick zu Scott. Richtig. Was tat man ihretwegen nicht alles.

    All ihre Sachen nunmehr vollständig beieinander stand Abby vom Sofa hoch und ging an ihrem Bruder vorbei zum Flur, wo sie plaudernd in ihre Schuhe schlüpfte. „Ich mach mich auch gleich auf den Heimweg. Wenn ich schon mal das Haus ganz für mich allein habe, muss ich das ja ausnutzen. Außerdem will ich euch beide ungern von eurem Gespräch abhalten.“

    Gespräch??

    Kolja spürte, wie ihm sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich.

    „Was für ein Gespräch?“, hakte Scott ahnungslos nach, während er auf einem scheinbar besonders zähen Stück Trockenfleisch herumkaute. Eine Antwort bekam er nicht; stattdessen winkte Abby ihm und im Anschluss Kolja fröhlich zum Abschied zu.

    „Macht's gut, ihr beiden!“

    Damit war Abby verschwunden – und Kolja allein mit Scott.

    Diese raffinierte Hexe. Diesen Schlusssatz hatte sie doch absichtlich fallengelassen! Durch ihre Andeutungen gegenüber Scott brachte sie Kolja in Zugzwang; jetzt musste er mit ihm reden, ob er wollte oder nicht. Hervorragend ... . Dem Bären entwich ein lautloses Seufzen. Was brachte es schon zu klagen? „Kann ich mit dir reden?“, sprach er Scott an, der immer noch dezent überfragt im Raum stand und seine getrockneten Fleischstücken zerbiss. Er richtete sein Augenmerk daraufhin auf Kolja. „Klar, Mann. Worum geht's?“ Danach lief der Wolf um das Sofa herum und ließ sich auf den freien Platz am entgegen gelegenem Ende der Sitzfläche fallen.

    Gott ... . Wie sollte Kolja Scott bloß beibringen, dass er Gefühle für seine Schwester hegte und diese Empfindung auch noch auf Gegenseitigkeit beruhte? Auf subtilem Wege brauchte er gar nicht erst versuchen seinem Freund die Botschaft unterzujubeln, denn Scott verstand einen Wink mit dem Zaunpfahl nur dann, wenn der Zaunpfahl ein Betonstützpfeiler war und der Wink aus dutzenden, sich wiederholenden Schlägen auf ein und dieselbe Stelle seines Schädels bestand. Nein, Scott musste man die Tatsachen direkt mitten ins Gesicht klatschen. Also kratzte Kolja seinen ganzen Schneid zusammen, um Scott zu eröffnen: „Über Beziehungskram.“



    nächster Teil

  • So. Nachdem ich auf Arbeit hundert mal unterbrochen wurde (xD), kommt jetzt hier mein vielsagender Kommentar:


    Verdammt mieser Cut! :rofl:

    Ich hätte jetzt schon gerne gewusst, wie Scott auf die Nachricht reagiert. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder der Wolf verwandelt sich in einen tobenden Wolf oder Scott bleibt gelassen. Ich glaube, etwas dazwischen gibt es bei dem nicht :hmm:

    Schön war natürlich auch die Szene zuvor :grinstare: Ich finde das herrlich, wie die zwei sich immer weiter annähern. Hoffentlich bleibt das auch nach dem Gespräch mit Scott so :)


    LG :)

  • Verwirrt gaffte der Wolfsrüde ihn an. „Über meinen?“

    „Nein, über meinen“, stellte Kolja richtig und beobachtete die Veränderungen ins Scotts Mimik, die sein Bekenntnis hervorrief.

    Zuerst bildetet sich reines Unverständnis darauf ab; einige Sekunden später wurde es von Erkenntnis abgelöst und schlussendlich eroberte ehrliche Begeisterung Scotts Züge. „Du hast 'ne Freundin??“ Als Kolja auf seine Schlussfolgerung hin zögernd die Achseln hob, überschüttete Scott ihn mit lauter neugierigen Fragen. „Seit wann? Wie heißt sie, wie sieht sie aus? Mann, warum hast du mir denn nichts von ihr erzählt?“

    'Weil sie deine Schwester ist', wollte Kolja ihm beichten, aber seine Stimmbänder fühlten sich bei dem Versuch an, als würden sie sich schmerzhaft miteinander verknoten. So druckste er herum: „Wir sind kein Paar.“

    „Wieso nicht? Was hält euch ab?“ Gespannt langte Scott in seine Trockenfleischtüte. Wenn er doch bloß etwas von der himmelschreienden Ironie ahnte, die seiner Frage innewohnte. Er hielt Abby und Kolja davon ab. Doch auch dieser Antwort verweigerte sich Koljas Kehlkopf vehement und erneut wich Kolja der offenen Konfrontation aus. „Sie hat einen Bruder.“

    „Und?“

    „Ihm wird nicht gefallen, von uns zu erfahren.“

    Scott betrachtete ihn ein kurzes Weilchen, unterdessen er mit halbgeöffnetem Mund seine Fleischstreifen zerkaute. Aufgrund der starken Ähnlichkeit zwischen den Brüdern fühlte sich Kolja bei diesem Anblick unweigerlich an Colin erinnert. „Also erstens ...“, ergriff Scott schließlich das Wort und wedelte mit seinem Trockenfleisch vor Koljas Nase herum, „erstens geht das den Typen gar nichts an. Du und deine Kleine, ihr könnt eure eigenen Entscheidungen treffen und wenn dem Penner das nicht passt, dann ist das sein Pech, nicht eures. Also pfeift auf den und was ihm gefällt oder nicht gefällt, klar? Zweitens.“ Er schluckte und machte den Mund frei für ein neues Stück Fleisch. „Wenn du mich fragst, kann sich der Kerl echt glücklich schätzen, dass sich seine Schwester ausgerechnet für dich entschieden hat. Ich mein, du bist immerhin das Beste, was man sich als Schwager vorstellen kann.“

    Das … . Damit hatte Kolja nie gerechnet. Meinte Scott das ernst? Vorsichtig fragte Kolja nach. „Denkst du wirklich?“

    „Natürlich. Du hast diesen ganzen Anstandskram und das höfliche Gehabe drauf. Und außerdem muss man bei dir nie befürchten, du würdest deine Frau betrügen oder irgendeine andere Scheiße abziehen, wie die ganzen Arschlöcher da draußen es tun würden. Dafür bist du doch viel zu respektvoll gegenüber Frauen. Das ist mein Ernst. Wenn ich nicht wüsste, dass sie bei dir in guten Händen ist, hätte ich dir ja auch niemals Abby anvertraut.“

    „Was das angeht …“, wagte Kolja einen neuen Versuch, Scott die Wahrheit zu sagen. Er kam sich ja so schäbig vor. Sein Freund ehrte ihn mit all seinem Vertrauen und was tat Kolja? Mit Füßen trampelte er darauf herum, indem er ihm dasselbe Maß an Offenheit verwehrte.

    Leider unterbrach Scott ihn mitten im Satz. „Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen! Erzähl mir endlich mehr von ihr! Wie ist ihr Name?“

    Etwas in Koljas Kiefer versperrte sich dagegen, doch letztlich schaffte er es trotzdem eine Antwort hervorzuwürgen. „Abigail.“

    „Abigail?“ Auf dem Weg zu seinem Mund verharrte Scotts mit Trockenfleisch bestückte Hand regungslos in der Luft. „'Abigail' wie meine Schwester Abigail?“

    Mit einem Nicken bestätigte Kolja Scotts Vermutung. Jetzt war es raus und Kolja überkam eine spontane Übelkeit, die mit jeder verstreichenden Sekunde immer schlimmer wurde. Weshalb sagte er Wolf denn nichts?

    Plötzlich schnellte Scotts Hand in einer abrupten Bewegung nach vorn und in Erwartung eines kräftigen Faustschlags riss Kolja schützend einen Arm vor sein Gesicht. Doch kein von Zorn getriebener Hieb traf ihn; anstelle davon versetzte Scott ihm einen freundschaftlichen Klaps gegen die Schulter. „Deine Freundin heißt auch Abigail? Zufälle gibt's“, lachte Scott vergnügt und aß wieder von seinem Trockenfleisch. Alsdann fiel ihm Koljas abwehrende Geste auf und er fragte: „Ist was?“ Scheinbar nein, daher löste Kolja seine verkrampfte Haltung und Scott plapperte munter weiter. „Wir sollten uns Spitznamen für unsere Abbys ausdenken. Du weißt schon. Damit klar ist, über welche der beiden wir reden. Sonst kommt noch jemand auf Idee, du würdest mit meiner Schwester ins Bett gehen.“ Abermals stieß Scott ein Lachen aus; dieses Mal über die vermeintliche Absurdität, die er in dieser Vorstellung sah. Koljas eben erst gewonnener, zaghafter Hoffnungsschimmer erlebte dadurch einen herben Dämpfer.

    „Würde dich das stören?“, fragte der Bär, Scott winkte allerdings ab.

    „Was mit mir ist, ist egal. Aber deine Abby - sie könnte etwas in den falschen Hals kriegen und dann müssen wir uns wieder mit so einem Eifersuchtsdrama rumärgern, wie damals, als Moira kurzzeitig mit diesem Vampirschönling zusammen war. Du weißt schon. Der Typ, der völlig ausgetickt ist als er an ihr Einstichspuren gefunden hat und deswegen dachte, sie hätte einen anderen Blutsauger an sich nuckeln lassen. Dabei waren das nur die Piekser von ihrer Grippeimpfung. Nichts für ungut, aber auf so einen Bockmist hab' ich echt keine Lust.“ Während er redete, verschloss Scott die Trockenfleischtüte und warf sie achtlos auf den Sofatisch. „Nein, nein. Wir brauchen irgendwas Eindeutiges um deine Abby von meiner Abby zu unterscheiden. Hat deine vielleicht eine andere Haarfarbe oder so?“

    „Scott … “ Aus den hintersten Falten seines Nervenkostüms kratzte Kolja jeden noch so kleinen Fetzen Courage zusammen. Er musste Klartext mit Scott sprechen! „Deine Abby ist meine Abby.“

    „Siehst du? Genau das meine ich“, sagte Scott und schleuderte die Hände durch die Luft. „Deine Abby, meine Abby – wer soll da noch durchsteigen! Da muss man ja durcheinanderkommen.“

    Und in diesem Moment realisierte Kolja – nicht zum ersten Mal im Laufe ihrer jahrelangen Freundschaft, doch zumindest innerhalb der letzten Woche – , dass sein bester Freund Scott wahrlich und wahrhaftig dumm wie ein Stück Brot war. „Was ich versuche, dir zu sagen ist-... .“

    Mir musst du gar nichts sagen ...“, fiel ihm Scott einmal mehr ins Wort, „sondern deiner Abby. Geh zu ihr und mach die Sache klar. Mann, ich freu' mich echt für dich!“ Wie Scott sprach, schlang er Kolja mit Elan einen Arm um den Hals, zog den Bären mit einem Ruck brüderlich an sich und entließ ihn nach einem Augenblick wieder.

    „Denkst du, das sollte ich tun?“ Sollte Kolja zu Abby gehen und ... nun ja, wie Scott es ausdrückte, es 'klarmachen'?

    Sein Freund antwortete mit einer Gegenfrage: „Was erzähle ich dir denn die ganze Zeit? Los, mach dich zu ihr!“ Trotz Scotts direkter Aufforderung zögerte Kolja, auf der Stelle vom Sofa aufzuspringen und Abby nachzurennen. Die Begriffsstutzigkeit des Wolfes machte es echt kompliziert. Durfte Kolja nun davon ausgehen, dass Scott mit einer Beziehung einverstanden sein würde, oder nicht? Er hatte Kolja so überschwänglich gelobt; zugleich schien ihm die Idee, seine Schwester mit dem Bären zusammenzusehen völlig abwegig.

    Weil Kolja ihm keine Folge leistete, scheuchte Scott ihn mit wirbelnden Händen hoch. „Worauf wartest du denn noch?“ Koljas Beine beförderten ihn daraufhin in die Senkrechte und von oben herab glotzte er Scott an, als ihm folgendes bewusstwurde:

    Scott vertraute blind in ihre Freundschaft. Also sollte Kolja das im Gegenzug ebenso tun und daran glauben, dass Scott ihre Freundschaft niemals hierüber wegwerfen würde.

    „Danke“, honorierte er ihn für seine Zeit sowie seinen Zuspruch und eilte zu seinen Schuhen in den Flur. Dort schnappte er rasch die Schlüssel, öffnete aus derselben hastigen Bewegung heraus die Tür und bevor sie hinter ihm zufiel, hörte er Scott im Wohnzimmer murmeln: „Das muss ich unbedingt Hazel erzählen.“



    nächster Teil

  • Ich habe den Part gestern schon gelesen, komme aber erst jetzt zum Kommentieren :blush:


    Okay. Ich lag falsch und keine meiner Vermutungen hat sich bestätigt. Gut, ich hätte auch wissen müssen, dass Scott dumm wie ein Konsumbrot ist und rein gar nichts schnallt :rofl:


    Ich bin momentan nur am Handy, deswegen geht das Zitieren nicht so gut. Aber die Stellen, in denen Kolja immer wieder versucht, die Sache richtig zu stellen und ständig von Scott unterbrochen wird, als würde er das total verstehen ... herrlich :rofl:

    Jetzt bin ich aber tierisch gespannt, wie Scott reagiert, wenn er erfährt, WELCHE Abby Kolja wirklich meint xD

    Andererseits kann ich mir echt nicht vorstellen, dass Scott tatsächlich so begriffsstutzig ist :D - aber gut, ich werd's wohl bald erfahren :D


    Schön, schön :) #Kobby :love:


    Schöner Part Skadi :)


  • „Abby!“

    Die Wölfin blieb stehen, als Koljas Stimme über die menschenleere, von Wohnhäusern und geparkten Autos gesäumte Straße hallte. Nach etwa fünf Minuten straffen Fußmarsches hatte der Bär Abby endlich eingeholt und noch während er hurtig zu ihr aufschloss, begrüßte sie ihn schon mit der Frage: „Was ist los, Kolja? Habe ich etwas bei euch liegen lassen?“ Ein erwartungsvoller Tonfall schwang in ihren Worten mit; er verriet, dass Abby ihre Unwissenheit lediglich vorspielte und ganz genau wusste, aus welchem Grund Kolja ihr nachlief. Ebenso wie Abby darauf brannte, den Ausgang des Gesprächs mit Scott zu erfahren, brannte Kolja darauf ihn ihr mitzuteilen. Zuvor wollte er jedoch eine Sache klarstellen: „Spiel mich nie wieder so aus, vor allem nicht gegenüber Scott, okay?“ Da dies geklärt war, holte Kolja Atem für die wichtigen Dinge. „Ich habe mit ihm gesprochen.“

    Abbys Augen weiteten sich hoffnungsvoll. „Wie ist es gelaufen?“, wollte sie umgehend erfahren und trat dabei nah an Kolja heran, um ihre Hände auf seiner Brust abzulegen.

    Er antwortete ihr: „Gut. Und ... ergebnislos.“ Das beschrieb die realen Umstände tatsächlich am besten. Von dem Widerspruch innerhalb seiner Aussage verwirrt, hob Abby die Brauen, weshalb Kolja für sie das Wesentliche seiner Unterhaltung mit Scott rekapitulierte. „Scott meint, du seist bei mir in guten Händen.“

    „Ja?“

    „Und dass er sich für mich freut, jemanden gefunden zu haben.“

    „Ja??“

    „Außerdem sagt er, wir sollen uns von niemanden hineinreden lassen und tun, was wir für richtig halten.“

    Ungeduldig drängte Abby von Kolja zu erfahren: „Das heißt?“

    Er nahm ihre Hände. Noch vor einem Monat hätte Kolja jeden belächelt, der ihm weiszumachen versuchte, Abby und er würden jemals unter diesen Umständen beieinanderstehen. Jetzt taten sie es und vor Glück hüpfte Koljas Herz freudig auf und ab, als wolle es den Sätzen, die Kolja auf der Zunge lagen, einen zusätzlichen Schubs verpassen. Sein Mund öffnete sich.

    „Ey, Miststück!“

    Was zum …? Kolja schaute verdattert an Abbys Schopf vorbei und dann spürte er wie seine Gesichtszüge schlagartig versteinerten.

    Es war der Schwarm.

    Wie ein fauliger Gestank durch die Ritzen einer Tür, drangen den Feen zwischen den abgestellten Fahrzeugen auf den Gehweg und schnitten Abby und Kolja jedweden Fluchtweg ab. Insgesamt zählte Kolja sieben von ihnen. Angeführt wurden sie von Oonagh und ihrer Freundin im Pelzjäckchen, zudem von einem Kerl mit Fedora auf dem Kopf. Auch dieses Mal hielt sich die androgyne Fee unter dem Gefolge auf, wenngleich sie wie eh und je von ihrem Smartphone vereinnahmt wurde. Ein feixendes Zwillingspärchen mit kurzgeschorenen Haaren und weiten Tunnel in den Ohrläppchen stand direkt neben ihr, sowie ein Typ, der nach Koljas Auffassung einige Stunden zu viel auf der Sonnenbank verbracht hatte und deswegen im Gesicht aussah wie eine abgenutzte Lederhandtasche. Sie vertrödelten keine Zeit. „Rück' mein Smartphone raus!“, schnauzte die Fedorafee Abby an und schleuderte ihr dabei auffordernd die Griffel entgegen. Smartphone? Welches Smartphone?

    Abby schien genauso überfragt zu sein. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“

    Das wollte die Fedorafee ihr aber unter keinen Umständen abkaufen. „Laber' nicht rum! Du hast mein Smartphone geklaut, also her damit, verdammt!“

    Wie bitte?? Koljas Ohren spielten ihm wohl üble Streiche! Entsetzt richtete er seinen Blick auf die Wölfin. „Du hast WAS getan??“

    „Ich habe sein Smartphone nicht geklaut!“, beteuerte Abby sofort ihre Unschuld, doch ehe Kolja ihr Glauben schenken konnte, mischte sich Oonagh ein.

    „Du bist 'ne beschissene Lügnerin. Wir haben ein Foto davon, wie du es aus Gearoids Rucksack nimmst.“ Indes sie sprach, zog die Fee ihr eigenes Telefon hervor und zeigte Kolja und Abby ein Bild des Fußballplatzes mit Ausblick auf die Zuschauertribüne. „Das stammt von der Facebookseite dieser Fußballidioten, also komm' uns bloß nicht damit, das wär' 'ne Fälschung oder so.“ Ihre Finger bewegten sich über das Display, um die Ansicht um ein Vielfaches zu vergrößern.

    Im Hintergrund der Fotografie erkannte man Abby.

    Und sie griff in einen fremden Rucksack.

    Fassungslos ließ Kolja seine Augen vom Smartphonedisplay zu Oonaghs hämischen Zügen hinaufwandern und von dort aus weiter zu Abby, wo sie letztlich verharrten.

    'Десять …, девять …, восемь …', kämpfte Kolja um seine Fassung. Abby hatte allen Ernsten die Feen bestohlen.

    'Семь, шесть, пять …'.

    Und als ob das allein nicht schlimm genug wäre, log sie auch dreist darüber.

    'Четыре, три, ... '. Nach all den Warnungen, die Scott und Kolja ihr gegeben hatten, wie konnte sie da nur-...!

    'два, один ... - К черту все это!!' „Bist du von allen guten Geistern verlassen?!“ Abby zuckte zusammen, als Kolja sie unvermittelt anfuhr. „Was hast du dir dabei gedacht? Diebstahl!? Und dann auch noch bei diesen Typen?!“ Das durfte doch unmöglich wahr sein!

    „Es ging nicht anders. Ich muss doch herausfinden, wer der Mann auf Moiras Foto ist.“ Wollte Abby ihn etwa veralbern? Das sollte ihre Rechtfertigung für all das sein?? Sie fügte hinzu: „Außerdem hätte ich das Smartphone später zurückgeben. Ich konnte doch nicht ahnen, dass ich vorher selbst auf einem Foto lande.“ Für eine Millisekunde flackerte ihr Augenmerk zu den Feen, bevor sie sie schmollend direkt adressierte. „Übrigens ist es unfair, meinen eigenen Trick mit Moiras Fotos gegen mich zu verwenden!“

    Diese Frau musste endgültig den Verstand verloren haben. „Ich habe dir dutzende Male gesagt, dass du dich von den Feen fernzuhalten hast“, rief Kolja ihr vorwurfsvoll in Erinnerung, „und trotzdem rennst du augenblicklich zu ihnen und stellst das absolut dümmste an, was in Frage kommt. Gehen mein Bitten und Betteln denn nicht in deinen Kopf? Bin ich nur ein Hampelmann für dich, der heiße Luft in die Atmosphäre pustet?!“

    Schadenfrohes Gelächter ging durch die Reihen des Schwarms. „Jetzt streiten sie sich. Wie lustig!“, hörte Kolja die Zwillinge spotten und bedachte sie dafür mit einem genervten Blick. Dann zog Abby seine Beachtung sogleich zurück auf ihre eigene Person, indem sie Kolja trotzig vorwarf:

    „Hättest du mich von Anfang an mehr bei meiner Suche nach Hinweisen unterstützt, dann hätte ich womöglich niemals so weit gehen müssen.“

    Ach, also sollte Kolja für ihre Dummheit verantwortlich sein?! Okay. Das reichte. Diese vermaledeiten Detektivspielchen fanden jetzt ihr Ende. „Gib das Smartphone zurück“, befahl Kolja der Wölfin und gab sich größte Mühe seinen Ärger über ihr Verhalten aus seiner Stimme zu verbannen.

    „Aber-...!“

    Kolja wies mit dem Finger auf die Fedorafee und wiederholte seine Aufforderung. „Gib – das – Smartphone – zurück.“

    Große Schatten verdeckten die Sonne. Ein Tropfen landete auf Koljas Wange und keinen Moment später prasselten aberhunderte weitere auf die Pflastersteine des Gehwegs hernieder, als würden die Wolken über das Trauerspiel hier unten auf Erden weinen. Unwillig hielt Abby den Gurt ihrer Tasche umklammert, derweil der Regen allmählich ihr schwarzes Haar durchnässte. Kolja sah sie streng an. Da langte Abby endlich in ihre Tasche und zog das fremde Smartphone daraus hervor.

    „Na endlich!“ Die Fedorafee entriss der Wölfin ihr Eigentum. „Wenn ich mitkriege, dass du irgendeine Scheiße damit angestellt hast, dann kannst du dich auf was gefasst machen, das verspreche ich dir.“

    „Ihr habt, was ihr wolltet. Geht“, forderte Kolja die Feen auf, Abby und ihn in Frieden zu lassen. Die Sache war erledigt; zwischen ihnen gab es nichts mehr zu klären – ganz im Gegensatz zu Abby und ihm, obwohl Kolja am liebsten kein einziges Wort mehr mit ihr reden wollte. Sie hatte ihn so maßlos enttäuscht!

    Doch der Schwarm blieb.

    „Das habt …“

    „ihr euch so ...“

    „gedacht, ...“

    „Dreckspolys.“



    nächster Teil

  • Zitat von Skadi

    Da richte ich mich nach dir und wie du hinterherkommst.

    Na das hat ja super geklappt von meiner Seite :rofl:


    Ich muss sagen, dass ich aktuell ein wenig im Stress bin und immer nur kommentieren kann, wenn es gerade passt (meist während der Arbeitszeit xD), aber poste ruhig. Wenn ich geliked habe, bin ich mit dem Post durch :)


    So. Jetzt der Kommentar für den aktuellen Part.


    Mit war klar, dass der Diebstahl nicht lange unentdeckt bleiben kann. Abby hat Glück, dass sie den Feen nicht alleine begegnet. Ich bin gespannt, was jetzt passiert. Es ist offensichtlich, das die beiden Polys in der Klemme stecken. Wir wissen ja noch, was mit dem Schrat passiert ist, als die Feen angefangen haben, ihre Sätze gegenseitig zu vervollständigen xD


    Kann weiter gehen ^^


    LG


  • Anstatt abzuziehen, traten die Feen in einer synchronen Bewegung einen Schritt nach vorn. Das wandelnde Stück Leder setzte dabei seinen Fuß mitten eine frischgebildete Pfütze und das Wasser spitzte an seinem unbekleideten Schienbein hinauf, wo es sich mit der Nässe vermischte, die von oben über seine glühenden Runentätowierungen tropfte. Es tangierte ihn kein bisschen.

    „So läuft ...“

    „das nicht. Die …“

    „Schlampe hat uns ...“

    „beklaut“, zischten sie Kolja abwechselnd an. Ihre Stimmen kamen von vorn, von hinten, von der Seite; Kolja vermochte unmöglich schnell genug auszumachen, wer von ihnen sprach, bevor der nächste das Reden übernahm. Auf einmal fühlte er sich gehetzt – wie ein eingekesseltes Tier, das mit scharfkantigen Steinen beworfen wurde. An Stelle der Steine schlugen jedoch Drohungen auf Kolja ein.

    „Damit hat sie ...“

    „einen Fehler ...“

    „begangen.“

    „Einen großen ...“

    „Fehler, denn jetzt müssen ...“

    „wir ...“

    „ihr beibringen, dass ...“

    „wir uns ...“

    „so eine Scheiße nicht ...“

    „gefallen lassen.“

    „Ich bin anwesend, also redet nicht über mich, als wäre ich nicht da!“ Abby machte ihren Unmut Luft und trampelte einmal störrisch auf den Fußboden auf. Ihr kindischer, völlig unangebrachter Protest steckte Kolja die sowieso schon zum Zerreißen angespannten Nerven in Brand.

    „Sei still“, ermahnte er die Wölfin und presste die Zähne aufeinander, denn ein schmerzender Krampf schwelte in seinem Nacken. Er artete zu einem unkontrollierbaren Zucken aus, als Abby sich widersetzte. Hatte sie den Feen denn noch nicht genug gegen sich aufgebracht?!

    „Denkt bloß nicht, dass ihr und eure nichtssagenden Drohungen mir Angst einjagen würdet. Ihr haltet euch für überlegen, aber das seid ihr nicht.“

    „Sie wird euch nicht nochmal bestehlen“, fuhr Kolja dazwischen und versuchte mit walkenden Handbewegungen seinem anschwellenden Nacken Herr zu werden – vergeblich. Ebenso vergeblich war sein Bemühen, Abbys Hals aus der Schlinge zu ziehen, die sie eigenhändig mit jeder Silbe immer fester zurrte. Der Schwarm zeigte kein Einlenken, sondern verengte seinen Käfig um einen zusätzlichen Schritt. 'Zu nah; viel zu nah!', brummte etwas in Koljas Körper.

    „Es geht nicht darum ...“

    „dass es ...“

    „nicht nochmal passiert. Es geht ...“

    „um Respekt und darum zu ...“

    „wissen ...“

    „dass ihr verschissenen Polys ...“

    „euch uns Feen ...“

    „gefälligst

    „zu unterwerfen...“

    „habt.“

    Aus den Augenwinkeln heraus registrierte Kolja eine Bewegung und entsetzt musste er in Pelzjäckchens Hand ein geöffnetes Fläschchen Feenstaub entdecken. Gleichzeitig konfrontierte Abby den Schwarm erneut. „Was gibt euch eigentlich das Recht, euch so über andere zu erheben? Ihr habt nichts Besonderes an euch, was euch besser oder schlechter als andere macht!“

    „Was sagst …“

    „du ...“

    „da?“

    „Abby, lass das!“, appellierte Kolja abermals an sie, die Feen keinesfalls noch mehr zu provozieren. Sein vom Regen durchtränktes Hemd spannte bereits an seinen geschwollenen Schultern und der lodernde Schmerz darin zündelte vorsätzlich an Koljas Fassung herum.

    „Ihr habt mich schon verstanden! Ihr spielt euch auf, ihr droht mir und beleidigt mich. Aber das ist auch schon alles, was ihr macht. Große Reden schwingen – das könnt ihr, doch am Ende seid ihr bloß Feiglinge, die sich etwas darauf einbilden, in der Überzahl zu sein.“

    „Abby!“ Schnappte sie nun endgültig über?? Für den Schwarm kamen ihre Worte einer offenen Herausforderung gleich!

    „Ihr wisst nämlich ganz genau, dass mit uns Polys nicht zu scherzen ist...“

    „Abby!!“

    „und dass wir keineswegs so 'minderwertig' sind, wie ihr uns glauben lassen wollt. Also geht endlich eurer Wege, solange leere Worte alles sind, was ihr vorweisen könnt.“

    „ABBY!!“ Sie sollte endlich den Mund halten, verdammt! Vor Überforderung baute sich ein Unheil verkündender Druck in Koljas Augen auf und als er versuchte, das unangenehme Gefühl mit den Fingerknöcheln wegzureiben, kratzte Pelz über seine Lider.

    „Du ahnst … „

    „nicht, was du dir gerade ...“

    „für Probleme eingehandelt ...“

    „hast“, fauchten die Feen Abby an.

    „Du bist wirklich … “

    „nur ein dummer Poly.“

    „Mal sehen ob ...“

    „du ...“

    „immer noch so schlau daherredest ...“

    „nachdem ...“

    „wir ...“

    Genug! „HALTET DIE KLAPPE!!“ Koljas Nervenkostüm ging endgültig lichterloh in Flammen auf. Ein bedrohliches Brummen überlagerte seinen Bass, der wie ein Donnerhall zwischen den Hausfassaden dröhnte. Glas zerschellte; die Feen wichen asynchron zurück. Mit schockiert offenstehenden Mäulern starrte der Schwarm Kolja an, denn mächtige Krallen ragten aus seinen mit Fell bedeckten Händen. Reißzähne, die keinen Platz mehr hinter Koljas Lippen fanden, schoben sich zwischen diesen hervor, ein massiver, struppiger Buckel zwang Kolja die Schultern nach vorn und auf seinen Wangen wucherte ein dichter Pelz, der die Kehle eroberte und zusammen mit den vor Zorn gesenkten Brauen zu einem aggressiv gesträubten Balg verschmolz.

    „Scheiße...“, keuchte die Fedorafee. Sie schreckte zusammen, als Kolja sie in den Fokus nahm und stierte dem Bären direkt in die düsteren, vom tiefen Braun seiner Iriden ertränkten Augen.

    Für einen Moment störte einzig das Rauschen des Regens die bedrückende Stille.

    Schließlich schnauzte das Stück Leder Oonagh an: „Scheiße Mann! Du hast nicht gesagt, dass der Typ ein verdammter Bär ist!“

    „Stell dich nicht an wie 'n Baby!“, geiferte diese zurück. „Das ist nur n' dämlicher Poly. O'Rourke und seinen Pennern geben wir doch auch ständig auf die Schnauze.“

    „O'Rourke ist nur 'n Wolf. Das da ist ein verschissenes Monster!“ Er deutete auf Kolja. „Der reißt uns mal eben so bei lebendigem Leib das Rückgrat raus!“

    Auch den Zwillingen war die heitere Laune restlos vergangen. „Oonagh, das ist ein Bär! Es gibt in Irland keine Bären. Unser Feenstaub-...“

    „Hört auf rumzuflennen! Fiadh hat genug Feenstaub dabei, um 'nen ganzen Zoo damit einzuschläfern“, herrschte Oonagh ihren Schwarm an und schleuderte währenddessen ihren Arm in Pelzjäckchens Richtung. Bei ihrer Erwähnung erwachte die benannte Fee aus ihrer Schreckensstarre. Sie riss den Blick von Kolja los und blinzelte verwirrt, derweil sie ihre unerwartet leeren Hände anglotzte. Suchend sah sie zum Gehweg hinab; dort lag der Flakon Feenstaub in Scherben zersprungen auf den Pflastersteinen und ein Rinnsal spülte den schimmernden Inhalt auf Nimmer Wiedersehen in den nächsten Abfluss hinfort – und damit zugleich die Großspurigkeit der Feen.

    „Macht euren Scheiß allein“, gifteten die Zwillinge Oonagh und die Fedorafee an und ehe diese etwas darauf zu erwidern vermochten, flitzten die Frauen bereits davon. Das Stück Leder schloss sich ihnen unversehens an, sodass von jetzt auf gleich nur noch vier der vormals sieben Feen vor Kolja standen. Ihre Überzahl schwand und Oonagh hisste ihren fliehenden Freunden nach: „Ihr seid solche Feiglinge!“

    Genug des Unsinns. „Haut ab“, befahl Kolja dem verbleibenden Rest des Schwarms und ein raubtierhaftes Röhren scheuerte ihm dabei wie ein Reibeisen über die Stimmbänder. Es kostete den Bären sämtliche Kraft, sein Blut unter Kontrolle zu halten und den Feen eine Chance zur Flucht zu lassen – denn zum Henker! Nichts täte das Tier in Kolja in dieser Sekunde lieber, als ihnen mit den Pranken Respekt einzuprügeln. Er trat einen Schritt auf sie zu und brüllte sie an: „Sofort!“

    Daraufhin taumelten die Feen verängstigt zurück; Fedora nahm als erstes die Beine in die Hand und Pelzjäckchen stürzte ihm feige hinterher. Plötzlich stand Oonagh Kolja völlig allein gegenüber und so tat sie, was sie schon längst hätte tun sollen: Mit einem letzten bösen Blick rannte sie davon. Endlich. Und die androgyne Fee? Sie hatte sich längst wieder ihrem Smartphone gewidmet und schlenderte unbeteiligt von dannen.

    Kolja spürte, wie sich seine Reißzähne und die Krallen in seinen Körper zurückzogen. Vor Erleichterung? Nein, auf keinen Fall. Auch wenn der Zorn verflog, so hinterließ er den widerwärtigen Nachgeschmack nach Enttäuschung und purem Selbsthass. Um ein Haar wäre er dem Schwarm gegenüber gewalttätig geworden. Und mindestens genau fatal: Er hatte zugelassen, dass seine Bärengestalt hervorbrach. Wie konnte Kolja bloß dermaßen die Kontrolle über sich verlieren? Ständig predigte er Abby Zurückhaltung gegenüber den Feen und jetzt-... .

    Der Bär schaute zu ihr. Ihre Finger bestürzt vor den Mund geschlagen, sah Abby ihn mit geweiteten Augen an und Kolja mochte lieber nicht mutmaßen, was die Wölfin nach diesem blamablen Kontrollverlust über ihn denken musste. Er strich sich das pitschnasse Haar aus der Stirn und atmete einige Male schwer ein und aus. Dann setzte er sich zerrüttet auf die Bordsteinkante. Hier unten zwischen den parkenden Fahrzeugen blieb er vor unerwünschter Aufmerksamkeit geschützt, bis die äußerlichen Spuren seines Anfalls abgeklungen waren. Bis dahin versank Kolja wortlos in seinem Gram.

    Hinter ihm hörte er Abby näherkommen. „Die Feen sind weg.“

    Waren sie. Das Monster hatte sie in die Flucht geschlagen.

    „Du bist aufgebracht“, stellte Abby alsdann überflüssigerweise fest und große Verunsicherung dominierte ihren Tonfall. Zaghaft fragte sie: „Wegen der Feen?“

    Das Gesicht in den Händen vergraben, schüttelte Kolja den Kopf.

    „Meinetwegen?“

    Was sollte er darauf erwidern? Zu behaupten, Abby trüge keine Mitschuld an Koljas miserabler Gemütslage wäre schlicht und ergreifend gelogen, aber gerade fühlte sich Kolja wegen seines eigenen Fehltritts viel zu elend, um einen Groll auf Abby zu hegen.

    Als Kolja ihr keine Antwort gab, nahm Abby neben ihm am Straßenrand Platz. „Geh nachhause. Du wirst nass“, sagte er über das kontinuierliche Brausen des Wolkenbruchs hinweg zu ihr und spürte, wie die Nässe nunmehr selbst die unteren Schichten seiner Kleider aufweichte.

    Doch anstatt auf seinen Rat zu hören, blieb Abby bei ihm sitzen. „Das macht nichts.“ Sie schwieg für einen Augenblick und meinte schließlich: „Die Feen haben dich genauso angesehen wie die Jungs neulich auf dem Fußballplatz.“

    Richtig. Mit Entsetzen in den Augen und der ehrlichen Angst, Kolja würde ihnen etwas zuleide tun – und völlig begründet, wie Kolja auf wirklich grandiose Weise unter Beweis gestellt hatte. „Ich habe ihnen Furcht eingeflößt“, brachte er es geknickt auf den Punkt und betrachtete seine unmenschlich anmutenden Hände, auf denen sich der dichte, dunkelbraune Pelz allmählich lichtete. „Ich bin eben ein Monster.“

    „Das ist okay.“ Abby nahm sanft seinen Arm und schob sich darunter hindurch, um Kolja ihre tröstende Nähe zu schenken. Ihre Stirn lehnte an seiner nach wie vor auf Bärenbreite angeschwollenen Schulter. „Wenn du ein Monster bist ...“, erklärte sie ihm, „dann bin ich doch auch eins.“

  • Abigail


    Abby hatte Tee gekocht. Kräutertee, selbstverständlich, mit Honig – genau wie Kolja ihn am liebsten trank. Ach, er war während des Heimwegs ja so niedergeschlagen gewesen! Deswegen bestand Abbys oberstes Ziel für diesen Abend darin, alles Erdenkliche dafür zu tun damit es ihrem liebsten Bären etwas besser ging. Vielleicht täte ihm ja eine Massage gut. Auch wenn Kolja wieder vollkommen menschlich wirkte, als sie vorhin gemeinsam Abbys Haustür erreicht hatten, so musste ihm dieser Bärenbuckel bestimmt unangenehme Schmerzen im Nacken hinterlassen haben. Genau! Sobald Kolja aus der Dusche stieg, würde Abby ihm die Schultern massieren.

    Ob ihm die Kleidung passte, die sie für ihn bereitgelegt hatte? Niemand in ihrer Familie erreichte annähernd dieselbe Größe und Statur wie Kolja, aber Abby konnte ihn ja unmöglich nackt herumlaufen lassen, solange sich seine eigenen Kleider im Wäschetrockner befanden. Hoffentlich wärmte ihm die heiße Dusche gründlich auf; man fing sich schließlich so furchtbar schnell eine Erkältung ein, wenn man vom Regen durchnässt wurde.

    Unterdessen der Bär das Badezimmer im Obergeschoss nutzte, hatte Abby dasselbe im Erdgeschoss getan. Sie war danach direkt in ihren Pyjama geschlüpft und wartete nun auf der Couch und mit zwei Tassen dampfendem, frisch aufgebrühtem Tee darauf, dass Kolja zu ihr ins Wohnzimmer kam. Was er wohl von der Idee hielt, die kommende Nacht … nun ja, hier zu verbringen? Bei Abby? Sowohl ihre Eltern als auch Kieran übernachteten außerhalb; es gab demnach niemanden, den Koljas Anwesenheit stören könnte. Das Haus gehörte Abby und es wäre einfach wundervoll, neben Kolja einzuschlummern und am nächsten Morgen wieder neben ihm zu erwachen. In ihrer Vorstellung versunken, tauchte Abby wiederholt den Teebeutel in ihre Tasse ein. Eventuell … eventuell blieb es ja nicht nur dabei miteinander unter derselben Decke zu schlafen. Wenn ein unschuldiger Gute-Nacht-Kuss unerwartet den Wunsch nach mehr weckte … . Puh! Weshalb stiegen denn die Temperaturen im Raum so an? Und wieso wurde ihr Oberschenkel so hei-... . „Ach herrje!“, stieß Abby aus, stellte rasch ihre Tasse beiseite und griff nach dem Küchentuch auf dem Seeviertablett. Vor lauter Tagträumerei war ihr völlig entgangen, dass sie die ganze Zeit über den Teebeutel neben die Tasse tunkte, anstatt hinein und nun verteilte sich das heiße Wasser über ihrem Bein! Autsch! Eilig tupfte Abby mit dem Küchentuch ihre Hose trocken. Der Fußboden hatte ebenfalls einen Schwall abgekommen, weshalb Abby mit dem Tuch bewaffnet unter den Couchtisch krabbelte, um das Unheil zu beseitigen.

    Während sie das tat, vernahm sie ein Knarren auf den Treppenstufen und anschließend das Geräusch blanker Füße, die über das Parkett im Flur bis ins Wohnzimmer tapsten. Ah, Kolja war aus der Dusche gekommen! Von unterhalb des Tisches konnte Abby ihn schwerlich über die Rückenlehne der Couch hinweg sehen, daher kroch sie wieder hervor und sprach Kolja indes auch gleich auf ihren Vorschlag an. „Du bist fertig! Weißt du, Kolja, ich habe mir überlegt ob du nicht ... die ... Nackt ... .“ Mitten im Satz blieb Abby der Mund offenstehen.

    Dann rauschte ihr auf einmal das Blut in die Wangen, bis sie rot glühten wie reife Tomaten in der Sommerhitze. Kolja war … er war … ! „Kolja, du bist nackt!“ Splitterfasernackt! Abgesehen von dem Handtuch, mit dem er sein Haar trocken rubbelte. Als müsse er sich erst einmal selbst von Abbys Feststellung überzeugen, schaute Kolja fragend an sich herab und automatisch ließ auch Abby ihren Blick an seinem Rumpf hinabgleiten. Über Koljas Brustmuskeln hinweg hangelte er sich eigenmächtig an der Kerbe auf seinem Bauch abwärts, verweilte kurz bei Koljas formschönen Bauchnabel und von dort aus ließ er sich von einem Pfad an dunklen Haaren tiefer führen, immer tiefer bis zu Koljas- … . Große Güte. Große Güte! Abby wurde schlagartig heiß und dieses Empfinden rührte keineswegs von dem Teewasser auf ihrer Pyjamahose. Sie-… Oh Gott, sie starrte ihn an, sie starrte Kolja an! Hochgradig beschämt riss Abby den Kopf herum, presste gleichzeitig das Küchentuch vor ihre Augen und verlangte von Kolja zu erfahren: „Wieso bist du nackt?!“

    „Meine Sachen sind nass“, antwortete er trocken, was man tatsächlich nicht von seiner Kleidung behaupten konnte. Trotzdem lieferte das Abby keine schlüssige Erklärung!

    „Was ist mit denen, die ich dir vor die Tür gelegt habe?!“

    „Die sind zu klein.“

    „Also kommst du-… einfach so-… und ohne-... !“

    Mittlerweile kannte Abby den Bären gut genug um zu erahnen, dass er in dieser Sekunde wahrscheinlich die Stirn über sie runzelte und lieber Himmel! Mit Sicherheit sah er mit seinem vom Handtuch zerzausten, leicht feuchtem Haar einfach unwiderstehlich aus. Nach einem kurzen Moment rief er Abby ihre eigene Behauptung in Erinnerung. „Du hast gesagt du wärst es gewohnt nackte Polymännchen zu sehen.“

    Das-... das hatte sich Kolja gemerkt? „Aber damit meinte ich doch meine Brüder und Onkel“, stellte Abby überfordert klar und blickte Kolja nunmehr doch wieder an. Wie von selbst schweifte ihr Augenmerk zu seinem Schritt ab, also zwang sich Abby mit klopfendem Herzen dem Bären ins Gesicht zu schauen – damit ihre Augen schlussendlich aufs Neue seinen atemberaubenden Körper verschlangen. Ein verirrter Tropfen Wasser rann Kolja über die definierte Leiste. Es kribbelte Abby in den Fingerspitzen, den Lauf des winzigen Rinnsals nachfahren zu dürfen und mit den Lippen … .

    „Dann habe ich das missverstanden. Entschuldigung“, weckte Kolja sie aus ihren Phantasien. Zeitgleich wandte er Abby seine aufregende Kehrseite zu, wobei sie einen Blick auf seinen Po erhaschte und ob der herrlichen Aussicht entfuhr ihr ein begehrliches Seufzen, welches sie vergeblich mittels eines beherzten Bisses in das Küchentuch zu ersticken versuchte.

    Viel zu früh wurde sie des Anblicks beraubt, als Kolja das Handtuch um seine Hüften wickelte. Durch die Bewegungen seiner Arme traten seine Schulterblätter sowie die Rückenmuskulatur hervor und schufen ein betörendes Landschaftsbild aus sich stetig hebenden und senkenden Bergen und Tälern. Gab es irgendeine eine Perspektive, aus der dieser Mann nicht aussah wie ein Adonis?! Sehnsuchtsvoll streckte Abby hinter seinem Rücken die Hände nach Kolja aus, denn sie wollte ihn und alles an seiner göttlichen Gestalt unbedingt berühren. Die Luft im Raum blieb allerdings das Einzige, was ihre Finger kneten durften.

    Oh je, oh je! Was ging nur in Abby vor? Die Hitze ihrer Wangen durchströmte inzwischen ihren ganzen Organismus und füllte ihn mit einem aufreizenden Knistern und Kribbeln, als würde statt Blut zuckersüße, köstliche Brause durch Abbys Adern fließen. Überwältigt ließ sich die Wölfin auf die Couch fallen und bettete einen Handrücken auf ihrer erhitzten Stirn. Wenn Kolja bloß ahnte, was er mit ihr anstellte!

    Oder tat er es?

    War ihm womöglich bewusst, welchen Reaktion er bei Frauen hervorrief? Aber weshalb sollte Kolja Spielchen mit Abby treiben? Kolja gehörte keineswegs zu den Männern, die nach Beachtung gierten und niemals käme er auf die Idee, sie sich auf solch aufdringlichem Wege zu beschaffen. Selbst aus Verzweiflung würde er-... .

    Abby setzte sich auf, als die Erkenntnis sie überkam.

    Verzweiflung, genau! Ihr liebster Bär war vom schleichenden Verlauf ihrer Liebesbeziehung deprimiert und sehnte sich nach Intimität und Zärtlichkeiten. Von Abby! Aber seine gute Erziehung sowie sein Anstand verboten ihm, ihr unaufgefordert Avancen zu machen und dadurch zu bedrängen, weshalb er nun seinen Körper einsetzte um Abby zur Initiative zu verführen. Oh, dieser berechnende Casanova! Wie konnte er es wagen, sie so zu manipulieren? Die Empörung über sein Verhalten katapultierte Abby geradewegs von der Couch auf die Beine. „Ich weiß ganz genau was du planst!“



    nächster Teil

  • Also ... die letzten beiden Parts haben mir sehr gut gefallen Skadi :)


    Irgendwie hatte ich ja die Hoffnung, dass Kolja auch mal die Fassung verliert und zum Bären wird - noch besser natürlich, dass er damit gerade die Feen (vorübergehend) in die Flucht geschlagen hat. Passend fand ich auch, dass er sich für seinen Ausbruch geschämt hat - das charakterisiert ihn noch einmal ganz wunderbar. Süß, wie Abby ihn auch gleich getröstet hat deswegen :)


    Zu der letzten Szene brauche ich ja wohl wenig sagen :grinstare:

    Ich meine - Abby hätte sich ihren Mann jetzt nur krallen brauchen. Ich bin gespannt, ob es dazu jetzt auch noch kommt :grinstare:


    Kann weiter gehen :D

  • Hallo ^^ Und danke schön fürs Kommentieren :love:


    die letzten beiden Parts haben mir sehr gut gefallen

    Das freut mich C:


    Passend fand ich auch, dass er sich für seinen Ausbruch geschämt hat - das charakterisiert ihn noch einmal ganz wunderbar.

    Das freut mich zu lesen. Mir war an dieser Stelle wichtig, dass sich Koljas Verhalten ganz klar von Scotts abgrenzt, als dieser in Ep1 seinen Ausbruch hatte. Auch was Abbys Reaktion darauf im Vergleich zu Hazel betrifft. Die vier sind einfach unterschiedliche Typen.


    Ich bin gespannt, ob es dazu jetzt auch noch kommt :grinstare:

    :grinstare: Schauen wir mal, ob es das tut ... .

  • „Mh?“, gab Kolja Ahnungslosigkeit vor, während er sich zu ihr umdrehte. Ha! Wenn er ernsthaft dachte, Abby würde weiterhin auf sein Schauspiel hereinfallen, dann irrte er sich aber gewaltig. Sie war ihm auf die Schliche gekommen!

    „Du brauchst gar nicht so unschuldig zu tun. Ich habe dich und deine lüsternen Motive durchschaut!“ Kolja hob verwirrt die Brauen, doch Abby führte er nicht mehr an der Nase herum – mochte er noch so scheinbar ratlos seinen Scheitel kratzen, damit sein toller Bizeps hervortrat und die Rundungen seiner Muskeln Abby imponierten, bis sie die Kontrolle über ihre Triebe verlor und mit brennender Leidenschaft in seine Arme sprang, um jeden einzelne Kontur seines Körpers zu erleben sowohl mit den Fingern als auch mit ihrem Mund und oh Gott wieso musste er bloß so unfassbar begehrenswert aussehen?! „Dass deine Kleider nass sind, das kam dir doch gerade recht. Vermutlich glaubst du sogar es wäre einfach, weil ich jünger und unerfahrener bin als du“, hielt sie ihm vor. Das Gesicht des Bären bildete daraufhin ein einziges Fragezeichen. Nahm er etwa immer noch an, Abby würde ihm auf den Leim gehen? „Wenn du glaubst, dass auf diese Weise Erfolg bei mir hättest“, machte sie ihm unmissverständlich klar, „dann … dann … dann liegst du damit absolut richtig!“

    Ehe Kolja zu Wort kam, stürmte Abby auf ihn zu, griff ungeduldig nach seinen Wangen und drückte sodann ihre Lippen auf seinen Mund. Selbst jetzt mimte er noch das überrumpelte Opfer, gab diese Fassade jedoch nach einigen Sekunden endlich auf und erwiderte Abbys Kuss mit derselben ungezügelten Vehemenz. Begierig fielen ihre Zungenspitzen übereinander her, ebenso wie Abbys Hände über Koljas Körper. Ihre Finger fuhren besitzergreifend durch sein Haar, streichelten seinen Nacken und an seinem schönen Kiefer entlang und arbeiteten sich abwärts, noch weiter abwärts über die muskulösen Erhebungen seiner Brust und auf seinem Bauch. Der Geruch von Koljas frisch geduschter Haut füllte Abby den Verstand mit einem warmen, rosaroten Nebel, welcher ihr als erregendes Prickeln in den Schoß floss, als Kolja von ihrem Mund abließ und stattdessen ihren Hals mit fordernden Küssen bedeckte. Sein Atem kitzelte Abby das Hörvermögen; seine Zähne neckten ihr mit verspielten Bissen das Ohr. 'Genau da', bettelte Abby Kolja stumm an auf keinen Fall aufzuhören, denn er traf genau die richtige Stelle und jagte ihr wundervolle, heiße Schauer das Rückgrat hinab, die Abbys Knie in weiche Butter verwandelten. Somit versagten ihr die Beine ihren Dienst und Abby sank mit einem genüsslichen Seufzen in Koljas Arme.

    Sie spürte, wie er seine Handflächen bis zum unteren Ende ihrer Wirbelsäule wandern ließ und hernach gefühlvoll die Rundungen ihres Pos nachfuhr.

    Dann packte Kolja plötzlich zu.

    Bevor Abby realisierte was geschah, entschwand ihr der Boden unter den Füßen und Kolja trug sie zur Couch. Rücklings landete sie auf der Sitzfläche, während er sich über sie lehnte und sie mit einem verheißungsvollen Lächeln auf den Lippen fixierte, wegen dem es in ihrem Unterleib flatterte wie in einer Voliere voller lodernder Phönixe. Es verlor ihre Aufmerksamkeit nur deshalb, weil Kolja auf einmal am Knoten seines Handtuchs herumnestelte. Das Textil flog beiseite. Dieses Mal zeigte Abby keine Hemmungen, jeden Zentimeter an Kolja zu bewundern und oh Gott! Woher kam bloß so schnell der Wunsch – nein –, die Gier danach, sich auf der Stelle von ihm nehmen zu lassen?? Es kribbelte in ihren Brüsten; es kribbelte in ihrer Vagina und sogar in den Zehen. Bereitwillig öffneten sich ihre Schenkel für ihn, als Kolja zu Abby auf die Couch kroch und ihr Pyjamaoberteil hinaufschob, wobei seine Finger sinnlich über Abbys Brustwarzen strichen und ihr auf diese Weise ein leises Stöhnen entlockten. Kolja antwortete auf diesen Laut mit einem lustvollen Raunen in ihre Halsbeuge, bevor er Abby das Oberteil endgültig über den Kopf zog und es im Irgendwo verschwand. Danach suchten Abbys Lippen sofort wieder seinen Mund.

    Synchron zu den Küssen schickte sie ihre Hände auf Erkundungstour über Koljas Rippen und aufwärts zu seinem Kreuz. Von dort aus erforschten ihre Fingerspitzen das Hoch und Runter seiner Muskelpartien, das seines Rückgrats und letztlich seines Hinterns und tiefer, bis die Länge ihrer Arme nicht mehr ausreichte. Ungewollt musste Abby Kolja dabei mit den Nägeln kratzen, denn er keuchte bei jeder einzelnen der versehentlich derben Berührungen – jedoch keineswegs aus Schmerz. Der lüsterne Klang seines Basses versetzte Abbys Verlangen endgültig in einen berauschenden, wunderbaren Höhenflug. Intuitiv flocht sie die Beine um Koljas Hüften; wie von selbst drängte sich ihr Becken mit wellenartigen Bewegungen an ihn. Sie genoss sein wollüstiges Entgegenkommen und wie seine Erektion an der Innenseite ihres Schenkels rieb. Dazu seine rauen Handflächen auf ihrer nackten Haut … . Abermals stöhnte Abby. Kolja raubte ihr den Verstand! Sie wollte ihn. Sie wollte ihn dringend! Einzig ihre Hose sowie ein letzter Funken Restvernunft hielten Abby davon ab, sich direkt und ohne Weiteres endlich von ihm lieben zu lassen. Doch das erste dieser Hindernisse fiel, als sich Kolja aufrichtete und mit provokant quälender Gemächlichkeit ihren Hosenbund hinabkrempelte. Einen viel zu lang andauernden Augenblick später landete das letzte verbleibende Stück von Abbys Kleidung hinter der Couch.

    Anstatt sich auf sie zu stürzen, hielt Kolja kurz inne.

    Wenn bloße Blicke allein heiße Spuren hinterlassen könnten, so stünde Abbys Körper vollkommen in Flammen – So fühlte es sich jedenfalls an, als Koljas Augen hungrig über Abby herfielen. Erst nachdem er sich sattgesehen hatte, beugte er sich vor und begann ihre Kehle mit lasziven Küssen zu belegen. Danach ihr Schlüsselbein. Ihre Brüste … .

    „Hmm …“, seufzte Abby genießerisch, während Kolja seine Lippen über ihren Rippenbogen bewegte.

    „Oh …“, keuchte sie, als er ihren Bauchnabel passierte. Unterdessen schlang Kolja die Arme um ihre Oberschenkel, um sie sanft ein Stück zu spreizen.

    „Oh, Kolja ... !“, stöhnte Abby und vergrub die Finger in seinem braunen Schopf, da sein warmer Atem so zärtlich über ihre Schamlippen streichelte.

    Und dann spürte Abby seine Zunge. „Oh-... oh mein Gott, Kolja!“



    nächster Teil

  • Endlich! Na das hat ja auch lang genug gedauert Skadi :D



    LG

  • Huhu Lady ^^


    Wie war das mit den Lippen eines Bären

    Die Prophezeiung erfüllt sich! :panik: :grinstare:


    Was ich persönlich ja gut finde - du hast einfach unverblümt geschrieben, was passiert

    Hehe, ja da kenne ich keine Gnade xD

    Vielen Dank für das Lob! Ich war von den Formulierungen ein bisschen eingeschränkt, weil Abby so eine Romantikschnuse ist und ihr Vokabular entsprechend öh... "brav"? xD Egal. Jedenfalls freut es mich, dass die Beschreibungen überzeugen konnten ^^

    Diese ganze verquere Einsortierung von Tabus verstehe ich übrigens auch nicht. Es ist okay, freiweg über Gewalt, Krieg, Mord und Todschlag zu schreiben aber Gott bewahre, jemand erwähnt eine Erektion? Na ja :) Es ist wie es ist.


    Danke für deinen Kommentar! Ich habe mich wieder sehr darüber gefreut :love:

  • Kolja


    Mit besorgtem Blick schaute Kolja zu Abby herab. „Ist alles in Ordnung?“, erkundigte er sich nach ihrem Wohlbefinden, weil es mittlerweile geschlagene fünf Minuten her war, dass er sich glücklich und befriedigt von ihr gelöst hatte und seitdem lag Abby mehr oder weniger regungslos auf der Couch herum. Unter halb geöffneten Augen blinzelte die Wölfin die Decke an und Kolja entdeckte von seinem Platz am äußeren Ende der Sitzfläche aus rosige Flecken auf ihren Wangen. Ihre Durchblutung schien demnach intakt. Sollte er ihr etwas besorgen? Ein Glas Wasser vielleicht oder Traubenzucker? Da erwachte Abby endlich aus ihrem Delirium und setzte sich auf – um sich Kolja anhänglich an den Hals zu werfen. „Das war einfach atemberaubend, mein Hase! Du bist einfach atemberaubend! Oh, ich liebe dich ja so sehr!“

    Uhrm, okay. Ja, Kolja liebte Abby auch. Und es freute ihn zu hören, dass es ihr gut ging. Ausgesprochen gut, falls er ihre Worte richtig auslegte. Sie seufzte zufrieden und kraulte ihm zutraulich das Brusthaar. „Das hättest du dich schon viel eher trauen sollen.“

    Verwirrt runzelte Kolja die Stirn. Mh? Was hätte er sich eher trauen sollen? Ob seines ratlosen Schweigens eröffnete sie ihm: „Du brauchst dich nicht zu verstellen, mein Hase. Ich weiß, dass du das vorhin absichtlich gemacht hast. Mir deinen tollen Körper zu präsentieren um mich zu verführen – das war ein wirklich raffinierter Plan.“

    Huh? „Das war nicht mein Plan“, stellte Kolja richtig. Wieso sollte es auch? Wenn er so dringend Sex wollte, würde er Abby einfach darauf ansprechen oder selbst die Initiative ergreifen. Nicht, dass er sich darüber beschwerte, von ihr besprungen zu werden … .

    Das schien Abby ihm allerdings keineswegs abkaufen zu wollen. Schmachtend sah sie ihn an. „Es ist okay, mein Hase. Ich nehme es dir nicht übel, falls du das befürchtest.“ Schön. Trotzdem hatte Kolja keine solche Ziele verfolgt. Er hob daher ahnungslos die Achseln und erst als Abby diese Geste bemerkte, wurde sie stutzig. „Du … du wolltest mich nicht verführen?“

    Kolja schüttelte den Kopf.

    „Wirklich nicht?“

    „Nein.“

    In diesem Moment überkam Abby scheinbar eine Erkenntnis, denn ihre Augen weiteten sich. „Wenn du gar keine Absichten hattest“, dachte sie laut, „dann heißt das ja, dass ich dich … .“ Verblüfft hielt sie mitten im Satz inne, also vollendete Kolja ihn für sie und musste dabei unweigerlich schmunzeln.

    „Deine Brüder würden sagen, du hast mich flachgelegt.“

    „Hui …“ Vor Erstaunen über ihre eigenen Verführungskünste öffnete Abby leicht die Lippen. „Aber ich lag doch unten.“

    Da konnte Kolja nicht anders, als entzückt über ihre ungeheuchelte Unschuld zu kichern. Wie süß Abby doch war. „Beim nächsten Mal bist du oben“, versprach er ihr mit einem Kuss auf die Schulter, was Abby als Einladung auffasste, sich verschmust an seine Brust anzuschmiegen.

    Sie säuselte: „Was immer du von mir möchtest, mein Hase.“

    „Hase ...“ So hatte Abby ihn zuvor schon einige Male angesprochen. Etwas daran wie er diesen Kosenamen betonte schien Abby zu verunsichern.

    „Magst du es nicht, wenn ich dich so nenne?“, fragte sie und hob den Kopf, um seine Mimik besser lesen zu können.

    Mh. Genau genommen empfand Kolja gar keine großartigen Emotionen dabei, weder negativ, noch positiv. Außerdem: „Ich bin bloß verwirrt, weil du mich bereits bei einem Spitznamen rufst.“

    Daraufhin wurden Abbys Züge von ehrlicher Verwunderung erobert. „Tue ich das?“

    Ja? Seit dem Augenblick ihrer ersten Begegnung. „Du rufst mich Kolja“, rief er Abby ins Gedächtnis. Und in den vergangenen dreißig Minuten hatte sie besonders exzessiven Gebrauch von diesem Spitznamen gemacht.

    Abby zog daraus die richtige Schlussfolgerung. „Soll das heißen, dein Name lautet gar nicht Kolja?“

    Der Bär bestätigte ihre Annahme mit einem erneuten Kopfschütteln und wollte wissen: „Hast du 'Kolja' für einen legitimen, russischen Männernamen gehalten?“

    „Nun … ja“, gestand Abby verdutzt. Im Anschluss huschten ihre Augen über sein Gesicht. „Bedeutet das etwa, dass ich mit einem Unbekannten Sex hatte? U-und wie heißt du denn dann, wenn nicht Kolja?“

    Kolja klärte sie auf: „Николай михайлович Дмитриев.“

    „Ähm, wie bitte?“

    Er wiederholte seinen vollständigen Namen ein bisschen langsamer. „Nikolay Michailowitsch Dmitrijew. Kolja ist nur die Verniedlichung von Nikolay.“

    „Nikolay … Kolja …“, ließ Abby seinen Namen über ihre Zunge rollen. „Was für eine merkwürdige Herleitung.“

    „Im Russischen ergibt sie einen Sinn. Außerdem sind für mich manche englischen Spitznamen genauso schwer nachvollziehbar. Kennst du jemanden namens Richard?“

    „Was habt ihr alle bloß in letzter Zeit mit meinem Onkel Dick?“ Alsdann bettete Abby ihre Hände auf Koljas Schultern und schaute ihn großäugig an. „Darf ich dich trotzdem weiterhin Kolja nennen?“

    „Du darfst mich nennen wie du möchtest“, raunte er ihr zu. Seinetwegen auch 'Hase', vor allem wenn Abby ihm dabei so aufreizend auf dem Schoß herumrutschte, wie sie es gerade tat. Von ihrer verlockenden Nähe geködert, umfasste Kolja mit beiden Armen ihren Oberkörper, zog Abby dicht an sich heran und küsste sie. Offenbar trat 'das nächste Mal' schneller ein, als ursprünglich von Kolja angenommen und so tatschte er blind nach der Schachtel Kondome, die Abby vorhin aus einem Schrank herbeigezaubert hatte. Seine Finger erwischten jedoch nur gähnende Leere. Hmpf. Die Schachtel war aufgebraucht. „Ich kann welche aus der Garderobe im Flur holen“, hauchte Abby ihm ins Ohr.

    Moment. Was? Aus der Garderobe im Flur? „Du lagerst Kondome in der Garderobe?“

    „Nicht ich. Meine Eltern tun es. Um ganz genau zu sein: Sie bewahren in jedem Raum im Haus welche auf. Du weißt schon. Um sie jederzeit gleich griffbereit zu haben. Außer in Kierans Zimmer, selbstverständlich, und in meinem, und ich glaube in der Küche habe ich bisher auch keine entdeckt. Die da ... .“ Mit einem Fingerzeig wies Abby auf die inhaltslose Schachtel, „gehörten auch den beiden.“

    Diese Information musste Kolja erst einmal sortieren. Natürlich war es schön für Abbys Eltern, dass sie ganz offensichtlich trotz der vielen Ehejahre noch Feuer und Flamme für einander waren. Aber überall? Welche unzähmbare Libido herrschte denn zwischen den beiden? „Wow“, murmelte Kolja ein klein wenig beeindruckt und Abby stimmte ihm zu. Irgendwie.

    „Ja, ist das nicht romantisch? Die zwei sind seit fast vierzig Jahren zusammen und immer noch ineinander verliebt wie am ersten Tag. Vierzig Jahre! Kannst du dir das vorstellen, mein Hase?“

    Es fiel ihm tatsächlich schwer, obwohl er mit einem Alter von fünfunddreißig beinahe so lang lebte. Abby schwärmte ein bisschen mehr von der Ehe ihrer Eltern. „Die beiden haben wirklich ihr einzig wahres Ein-für-alle-Mal miteinander gefunden und werden deshalb niemals aufhören sich zu lieben. Ich weiß, es klingt weltfremd, wenn ich so über die Monogamie von uns Wölfen rede aber es ist wahr! Nimm zum Beispiel Scott und Hazel. Wäre sie nicht seine große Liebe, hätte Scott längst wegen ihres Auslandsaufenthalts die Geduld verloren und sich von ihr getrennt. Und Colin ist seinem Ein-für-alle-Mal schon als Junge begegnet und liebt sie selbst jetzt noch so sehr, dass er es ihretwegen vor Jahren aufgegeben hat, Beziehungen zu anderen Frauen einzugehen.“

    Stopp.

    Augenblick. Was wollte Abby ihm da weismachen? „Colin ist verliebt?“, unterbrach Kolja neugierig ihren Monolog. Bisher hatte er nie etwas im Zusammenhang mit einer andauernden Jugendliebe gehört. „In wen?“

    Infolge seiner Frage schlug Abby ertappt die Finger vor den Mund, als wolle sie die Worte dahinter einsperren damit sie ihr nicht zwischen den Lippen hervorpurzelten. Nur war es dafür zu spät. Die Wölfin blickte Kolja unschlüssig an, doch schließlich weihte sie ihn nach einem verschwörerischen Seitenblick in alle Richtungen hinter vorgehaltener Hand ein. „In Moira.“

    „In Moira?“, wiederholte Kolja skeptisch.

    Abby nickte überzeugt. „Es stimmt! Seit dem Tag, an dem Scott Moira das erste Mal zu uns nachhause gebracht hat, war Colin praktisch nicht mehr von ihr zu trennen. Davon haben mir Mama und Niall oft berichtet. Damals war Colin sogar noch kleiner als Moira“, behauptete Abby. „Als Teenager hat er dann wirklich tiefe Gefühle für sie entwickelt. Niall hat außerdem erzählt, dass Colin es ihretwegen während der Pubertät besonders schwer hatte. Schließlich ist Moira zwei Jahre älter als er und war zu diesem Zeitpunkt aus seiner Perspektive fast eine erwachsene Frau. Seine Hormone müssen ihn wirklich sehr gequält haben.“

    Colin und Moira. In Koljas Ohren klang diese Konstellation völlig absurd. Zudem Colin derzeit mit Gwen anbändelte und man sein Verhalten gegenüber der Banshee nicht gerade als freundschaftlich bezeichnen durfte – geschweige denn als liebenswürdig. Trotzdem interessierte es Kolja. „Was ist mit Moira? Ahnt Scott etwas davon?“

    „Ich befürchte nicht alle Liebesgeschichten finden ihr Happy End“, formulierte Abby es vorsichtig. „Und was Scott betrifft … nun … er hat Monate gebraucht um seine eigenen Gefühle für Hazel zu erkennen. Ich denke nicht, dass er in der Lage ist Colins Gefühlsleben zu hinterschauen.“ Im nächsten Augenblick legte sie flehend ihre Hände auf Koljas Brust. „Bitte verrate niemanden, was ich dir gerade anvertraut habe, ja? Vor allem nicht Colin oder Moira. Es wäre furchtbar unangenehm für die beiden!“

    Oh, da brauchte sich Abby keine Sorgen zu machen. Kolja glaubte nämlich keinen Ton von all dem und würde daher einen Teufel tun, auch nur ein Sterbenswörtchen davon weiter zu tratschen. Nein, wahrscheinlich steckte dahinter nur wieder eine von Abbys wilden Theorien, ähnlich wie bei dem angeblichen Sabotageakt der Mannschaft. Selbst wenn Colin und Moira die zwei letzten Personen auf Erden wären, würde der Wolf nach Koljas Einschätzung eher mit einem verbeulten Blecheimer eine Liebelei eingehen, als Zuneigung zu der Banshee zu entwickeln. Deshalb konnte Kolja Abby ruhigen Gewissens das gewünschte Versprechen leisten. „Werde ich nicht.“ Zum Dank lächelte sie ihn erleichtert an.

    Zeit, das Thema zu wechseln. „Also, was möchtest du heute Abend noch machen?“, fragte Abby mit einem Blick auf die Zeitanzeige des DVD-Players. „Es ist nicht mal acht Uhr. Der Tag ist noch lang. Wir könnten etwas essen, einen Spaziergang machen oder einen Film gucken. Worauf hast du Lust, mein Hase?“ Er antwortete ihr, indem er die leere Kondomschachtel durch die Luft schwenkte und brachte Abby dadurch zum Kichern. „Ich verstehe. Warte hier!“ Vergnügt hüpfte sie von der Couch und verschwand aus dem Wohnzimmer.

    Kolja hörte Abby eine Schublade öffnen. Mh. Eigentlich … . Wenn Abbys Eltern sowieso im ganzen Haus Vorbereitungen getroffen hatten, vielleicht sollte er dann nicht hier warten, beschloss der Bär mit einem erwartungsvollen Lächeln und folgte Abby in den Flur.



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