Willkommen in Cerebra

  • :::: Connceting to Cerebra :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Checkpoint One ::::::

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Checkpoint Two :::::::::::::::::::::::

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Checkpoint Three ::::::::::::::::::::::::::::::::

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Connection Completed ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


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    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Joining Cerebra:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Server Europe :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
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    »Willkommen auf Cerebra. Mein Name ist Lux und ich werde Dich durch Deine Abenteuer begleiten«


    Für einen Moment bin ich desorientiert. Aber darauf bin ich vorbereitet. Die Hardware braucht immer einen Moment, um sich mit der Software zu synchronisieren, wie ich in dem hundertzwölfminütigen Einführungsvideo unter anderem erfahren hatte.

    Eigentlich sollte mein Puls vor Aufregung rasen. Immerhin bin ich einer von nur 22 Millionen Glücklichen weltweit, die sich beworben, das Losglück hatten und die Castingrunden überstanden hatten.

    Aber noch habe ich keinen Körper, also kann ich keine körperlichen Gefühle registrieren. Die Reaktionen meines Körpers außerhalb der Cerebra-Realität werden weitgehend ausgeblendet. Immerhin soll man ja vollkommen in die künstliche Welt eintauchen können, während das Fleisch, sicher in einem komaähnlichen Tiefschlaf geborgen, die lange Reise übersteht.

    Konturen werden sichtbar und um mich herum entstehen Szenen, wie aus hochwertig produzierten Filmen. Ich sehe mich als Bogenschütze auf der Pirsch. Die Szene wechselt, wie ich als Amazone auf meinem Pferd an der Seite meiner Schwestern in die Schlacht reite. Dann bin ich ein Gelehrter, der in einer gewaltigen Universität unterrichtet, ein Bäckerjunge, der vor der Arbeit davonläuft, ein Paladin, der seiner Gottheit den Treueid schwört. Endlich eine Orkschamanin, welche in ihrem verrauchten Zelt die Geister der Ahnen anruft und dann ein Zauberer, der mit Magie einen Angreifer abwehrt.

    Etwas an der letzten Szene berührt mich und die Umgebung ändert sich.

    Ich stehe in einem Ankleideraum, vor mir ein dreigeteilter, raumhoher Spiegel. Der Spiegel in der Mitte zeigt einen undeutlichen, vage humanoiden Umriss, links scheint die Person im Spiegel weiblich, rechts männlich zu sein.

    Über die Geschlechterfrage habe ich bereits intensiv nachgedacht und sofort nimmt die weibliche Form in allen drei Spiegeln Platz. Eine schlanke, aber keineswegs model-dürre Frau zeigt sich nun, und zum ersten Mal spüre ich etwas. Hände, Füße, Arme, Beine, alles, was das Gefühl für den Körper ausmacht, stellt sich nach und nach ein. Noch ist mein Spiegelbild ein wenig unscharf, ändert sich nach und nach, wie meine Gedanken und Gefühle mein neues Selbstbildnis formen.

    Zuerst sind die Haare kurz, beinahe militärisch, dann werden sie immer länger und voller, bis sie mir schließlich als scharlachroter Wasserfall in weichen Wellen bis über die Schultern fließen.

    Die Augen brauchen etwas, um sich zu entscheiden, aber endlich weißen sie einen hellen Grünton auf, die im leicht gebräunten Gesicht beinahe unauffällig wirken.

    Mein Gesicht durchläuft diverse Formen, doch schließlich bin ich auch hier zufrieden. Schön, sicher, wer würde sich freiwillig für ein Dutzendgesicht entscheiden, aber mit einer leicht schiefen Nase, ein wenig asymmetrisch versetzten Augen und einer etwas zu großen Unterlippe, die mich aussehen lässt, als würde ich ständig mit einem Lachen über einen Scherz kämpfen, den nur ich verstehe.

    Zunächst habe ich keine Ahnung, wie groß ich genau bin, es ist mir aber auch egal, denn als es soweit ist, fühlen sich die restlichen Proportionen meines Körpers einfach perfekt an.

    Als Kleidung entscheide ich mich für Stiefel, Hose und ein zugegeben sehr offenherziges Mieder aus grauem Wildleder, dazu modische Schnallen an Oberschenkel und Stiefel und einem zweifach gewundenen Gürtel, fertig bin ich.

    An meinem Hals erscheint ein Amulett, was diverse Metamorphosen durchmacht, von einem blau leuchtenden Riesendiamenten bis hin zu einem kleinen Drachenbaby-Totenschädel an einem Lederband. Ich weiß instinktiv, dass dies mein Fokus ist. Ohne ihn kann ich zwar auch Magie wirken, aber es wird mich viel schneller erschöpfen und ich werde länger brauchen um die Kraft für neue Zauber zu sammeln.

    Schon trete ich zur Tür, die sich neben einem Fenster befindet und strecke die Hand nach der Klinke aus, als ich das Wetter draußen sehe: Stürmisch mit leichtem Regen. Schnell drehe ich mich noch einmal um und besorge mir eine Jacke, die zuerst dick und warm und am Ende vermutlich viel zu knapp und kurz wird. Aber ich weiß ja, dass ich mir für den Anfang keine Sorgen machen muss. Ich werde alle Ausrüstung finden, die ich brauche. Wie in jedem Tutorial eben.


    »Deine Fertigkeiten und Berufe sind angepasst, Deine Startzauber zugewießen. Du hast Dich für Kraft als Haupt-Richtung entschieden. Du kannst bei jedem neuen Weltrang eine weitere Hauptrichtung hinzuwählen oder die andere vertiefen.« Lux hat eine angenehme, weibliche Stimme, ein bisschen kindlich vielleicht, aber sie bringt mich zum Schmunzeln.

    »Wünscht Du, dass ich Dir unsichtbar als Guide zur Seite stehe oder soll ich dich als Familiar begleiten? Als Zauberkundiger kannst Du einen wählen.«

    Ich überlege kurz. »Und wie ist das bei den Charakteren, die keinen Familiar haben?«

    »Da bin ich in Form eines Haustieres, Begleiters oder Reittiers, wenn nötig als Wildtier, wie eine Amsel zur Stelle, wenn es nötig wird. Es muss niemand in die Verlegenheit kommen, mit der Luft zu sprechen. Das Brechen der Rolle im Spiel ist, wie Du weißt, auf ein Minimum zu beschränken und wird bei Missbrauch bestraft.«

    Mir entfährt ein unwilliges Schnauben. Strafe in einem Spiel! Aber natürlich ist Cerebra nicht einfach ein Spiel, weit eher eine Simulation. Dort sollen soziale Kontakte ebenso gepflegt werden, wie alle anderen Aspekte des Lebens. Auf den Sex bin ich, natürlich, am Meisten gespannt. Wer ist das denn nicht?

    »Ja, ist mir klar. Wie wäre es, wenn Du mich als kleine leichtende Kugel begleitest, eine Art Irrlicht? Dann kannst Du Dich auch an und abschalten, wie es gerade passt, und«, ich grinse verschmitzt, »ich habe immer kostenlos eine Leuchtquelle dabei.«

    »Das ist im Rahmen der Regularien. Aber bedenke, dass Begleiter mit Händen, Füßen oder Zähnen andere nützliche Fähigkeiten mitbringen.«

    »Hm, im Moment gefällt mir meine Idee. Kann man es später nicht ändern?«

    »Mit Erreichen eines neuen Weltrangs kann man auch das anpassen. Aber bedenke, dass es eine ganze Weile dauern kann, bis Du den ersten Weltrang erreichst.«

    Ich zucke die Schultern. Ein herrliches Gefühl. »Wenn es Dir gefällt, ist es auch ok, für mich, sonst wähle Du etwas, was Dir zusagt.«

    Lux zögert, was bislang noch nie der Fall war.

    »Ich soll wählen? Du überlässt mir die Wahl?« Höre ich da Unglauben heraus?

    »Ja sicher, warum nicht?« Man hatte im Video wiederholt darauf hingewiesen, dass unsre persönlichen Guide-KIs sogar ihre eigenen Persönlichkeiten besitzen. Mir ist zwar klar, dass die Meisten sie dennoch in der Regel ignorieren werden und nur als Helferlein zu Rate ziehen, doch warum sie nicht aktiv mit einbinden? Ich habe zwar keine Ahnung, ob meine KI Spaß daran hat, ob es ihr eher lästig ist oder ob sie sonst vor Langweile stirbt, ich sie womöglich sogar von anderen Aufgaben abhalte. Aber fragen kostet ja nichts.

    »Falls es für Dich ok ist, begleite Dich in Form eines kleinen Drachens.«

    Ein wenig peinlich berührt, berühre ich den winzigen Drachenschädel an seinem Lederband, aber ich nicke zustimmend. »Klar, warum auch nicht?«

    Ein winziger, kaum Handspann langer Drache macht es sich daraufhin in meiner Armbeuge bequem.

    »Dann kann es losgehen«, zirpt Lux nun laut und nicht mehr nur in meinem Kopf. Eine winzige Flamme züngelt aus seinem Maul und der Minidrache zwinkert mir zu, als ich sie verblüfft musterte.


    Mein Herz schlägt schneller und die Aufregung lässt meine Wangen warm werden, als ich den Türgriff ergreife und die Welt von Cerebra betrete.

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Heyho Tom Stark .

    Fängt schon mal gut an: Ab in die Asservatenkammer des neuesten Rollenspiels! Ich frage mich gerade, wann ich zum letzten Mal irgendwo einen Helden ausgewählt und eingekleidet, ihm Fähigkeiten und Waffen zugewiesen habe, bevor ich die Tür in eine neue Welt öffnete, um da mein Glück zu versuchen.:/

    Muß Jahre her sein.

    Aber gut: Auf zu neuen Abenteuern!


    Der Wanderer


    P.S.: Hier noch meine Korinthenkackerkorrekturen:


  • Klingt interessant. Das technische Setting erinnert mich etwas an die VR-Anwendung aus "Die drei Sonnen", falls dir das was sagt (bis auf die Tiefschlaf-Sache). Zumindest aus der ersten Hälfte des Buches, den Rest habe ich noch nicht gelesen^^

    Ich bin gespannt, wie du dieses soziale Experiment aufziehen wirst. Und ich mag, dass die KI anscheinend eigenwillig sein kann, wenn man sie lässt (und wahrscheinlich auch, wenn man sie nicht lässt).

    Ein guter Start auf jeden Fall!

  • interessante Geschichte

    Mich interessiert jetzt wirklich weshalb es diese Wirtuelle Realität gibt.

    Da der Karakter Schon öfter in dieser Art von Simulation war und diese dicht an dicht folgen kommt es mir so vor als würde es sich hierbei um eine Art Beschäftigung handeln für Personen im Cryoschlaf auf einer Reise zu fremden Planeten

    Liegt ich richtig?

    Lg

  • Hi Tom Stark ,

    interessanter Einstieg. Frage mich, welche Person wohl nun hinter dem Simulanten steckt, warum sie/ er dieses Spiel spielt und ob das rein aus vergnüglichen Gründen geschieht oder vielleicht, weil die Person aus einer anderen Realität fliehen will. Auch auf den Charakter der Hauptperson bin ich neugierig. Bin demnach gespannt, wie es weitergeht. Deinem Schreibstil merkt man an, dass du ein erfahrener Schreiber bist, ich hab da gar keine Kritikpunkte. Schön, flüssig, detailreich, aber nicht zu ausschweifend, und dazu schön bildreich.


    Hier noch ein winziger Fehler auf sehr hohem Niveau:

    An meinem Hals erscheint ein Amulett, was diverse Metamorphosen durchmacht,

    "was" ist kein Relativpronomen. Entweder käme hier "das" oder "welches" infrage.


    LG

    Stadtnymphe

  • Hey!

    Gefällt mir ausnehmend. Herausstechend ist hier besonders der langsame und schrittweise Charakteraufbau, der uns Stück für Stück in den Protagonisten/ die Protagonistin einfühlen lässt. Das ist in der Tat einfühlsam ;) ! Gipfelnd besonders schön bspw. auf

    bis sie mir schließlich als scharlachroter Wasserfall in weichen Wellen bis über die Schultern fließen

    Anregend finde ich, wie du immer wieder auf den virtuellen Charakter der Erfahrung zurückverweist bspw. in

    Ich zucke die Schultern. Ein herrliches Gefühl

    Mir gefallen auch Wort- bzw. Wortbedeutungsspiele wie

    offenherziges Mieder

    Dabei auch die netten Gamer-Klischees wie

    Schnell drehe ich mich noch einmal um und besorge mir eine Jacke, die zuerst dick und warm und am Ende vermutlich viel zu knapp und kurz wird

    Hier spielst du mit der Differenz zwischen wahrer und virtueller Erfahrung, letztere welche wiederum unanfechtbaren Vorlieben unterliegt (trotz der Umstände). Diese Halb-Realität macht den Reiz ja denn auch im Folgenden vielleicht aus. In jedem Fall bietet sich das an, im weiteren Verlauf der Geschichte seinen Humor auf die Komik dieser Semi-Fiktionalität zu verwenden.


    Einziger inhaltlicher Kritikpunkt: Die Reaktion der KI

    »Ich soll wählen? Du überlässt mir die Wahl?« Höre ich da Unglauben heraus?

    wirkt mir forciert. Die KI wird solche Anforderungen gewohnt sein. Wenn du ihr tatsächlich menschliche Züge geben willst, würde ich damit erst im Laufe der Geschichte ansetzen, beispielsweise an besonders drastischen Momenten, beispielsweise Verwundungen oder tatsächlich Liebesgeplänkeln zwischen Spielern. Das könnte sich dann über die Dauer der Verbindung intensivieren. Man könnte sich ja gar schon in einen NPC verlieben? :D


    Das ganze steckt jetzt noch voller Möglichkeit. Ich würde mich freuen über viel Natur, eine Liebesgeschichte zwischen zwar reibenden, dennoch gefälschten Körpern und wie angesprochen guten Humor im Umgang mit der idealen Welt eines Videospiels.


    Hier noch meine Rechtschreib- und Grammatikfehler:

    Liebe Grüße!

    Theo