Schreibwettbewerb April/Mai 2020

  • Einen schönen guten Tag Forengemeinde!


    Mit dem heutigen Tag startet unser kleiner foreninterner Schreibwettbewerb in die nächste Runde.

    Asni hat als Sieger des letzten Wettbewerbs folgendes Thema vorgegeben:


    "(Nicht) Um jeden Preis"


    Da ihr lockdownbedingt grade eh alle nur zuhause rumhängt, erwarte ich mindestens 10 Einsendungen! Sonst bin ich enttäuscht und muss weinen ;(

    Und das wollt ihr doch nicht!?


    Einsendeschluss : 10. Mai 2020

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Februar/März 2020: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus einer A4-Seite und darf höchstens aus drei A4-Seiten (3500 - 10'500 Zeichen) bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

    ---------------------------------------

    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


    ---------------------------------------

    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichtenausdenken wink.png

    Euer Fantasy-Geschichten Forum[/align]

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Da ihr lockdownbedingt grade eh alle nur zuhause rumhängt, erwarte ich mindestens 10 Einsendungen! Sonst bin ich enttäuscht und muss weinen ;(

    Und das wollt ihr doch nicht!?

    Shit, das will ich wirklich nicht. D: Na gut. Ich versuche es zumindest, was hinzubekommen, okay?

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]


    Nachdem ich jetzt schon einige Jahre hier bin, kann ich ja auch mal meine Geschichte in die Signatur setzen, oder? :D Mit Geschichten bin ich dann doch geschickter als mit Signaturen.
    Himmelsjäger [Neufassung]

  • Welche Geschichte hat euch am besten gefallen? 13

    1. Der letzte Kampf (1) 8%
    2. Wege durch den Nebel von Aveloan (1) 8%
    3. Nusto en datra (2) 15%
    4. Erneuerung (3) 23%
    5. Das Mondkäsefondue (6) 46%

    So Leute.
    Ich habe 5 Geschichten. Das heißt: ;(;(;(;(;(;(;(;(;(
    Stimmt doch einfach ab ;(
    Ich ... brauch nen Moment ;(



    Die Abstimmung läuft bis 29.05.2020 um 23.59 ;)


    Viel Spaß :D

    Chaos ;(

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Der letzte Kampf


    Adreanna stand noch im Schatten verborgen in dem Tunnel, der zur Arena hinaus führte. Das war nun ihre Chance. Alles hing nun davon ab, ob sie nach ihrer Gefangenschaft seit dem verlorenen Kampf in Feria, nun wieder mit Ehre in Freiheit leben durfte.

    Die Gefangenen, welche als Sklaven gehalten wurden, konnten sich in einem Kampf um Leben und Tod in der Arena ihre Freiheit zurück erobern. Sicher nur unter der Prämisse, dass sie sich dem Herrscher Korcal unterwarfen und ihm die Treue schworen. Doch Adreanna hatte mitbekommen, dass die Krieger im Land umherstreiften, um die Flüchtigen zu jagen. Dies war ihre Chance, endlich nach ihrer verloren gegangenen Familie zu suchen.

    Die Menge auf den Rängen tobte bereits. Kobolde, Elfen, Tikans, die eine Mischung aus Reptil und Mensch waren, waren gekommen, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen.


    Adreanna griff entschlossen in ihre langen, braunen Haare und begann damit, den oberen Teil hinter ihren halb spitzen Ohren in Windeseile zu einem Zopf zu binden. Das hatte sie schon immer getan, wenn ihr eine wichtige Aufgabe bevor stand und es gab ihr die Sicherheit, dass sie es schaffen würde.

    Sie erinnerte sich einen kurzen Augenblick daran, wie ihre Schwester Lykera sie immer dafür bewundert hatte. „Dafür, dass wir uns vielleicht bald wiedersehen!“, sagte sie leise und erhob nun furchtlos ihren Kopf.


    Die Gaukler, welche die Meute auf den Rängen schon in Stimmung brachten, waren am Ende ihrer Vorstellung angekommen und verneigten sich, ehe sie den Platz verließen. Adreanna mochte sie nicht, da diese Kobolde den Tod als etwas Harmloses und Lächerliches darstellten.

    Eine dunkle Stimme ertönte: „Verehrtes Publikum, am heutigen Tage werden wir wieder einen Kampf auf Leben und Tod zu sehen bekommen. Korcal verspricht dem Sieger die Freiheit!“ Die Zuschauer tobten so sehr, dass der Redner kurz innehalten musste. „Zu meiner Linken, aus dem Hause der Herions, Adreanna: Halbelfin und Kriegerin aus Feria!“ Die Wesen auf den Rängen buhten.

    Adreanna hatte nichts anderes erwartet, denn Elfen waren im Allgemeinen nicht bei anderen Völkern beliebt, weil sie in vielen Fähigkeiten den anderen Rassen - und ganz besonderen den Menschen - überlegen sind.


    Adreanna trat ins Licht und das Getöse von den Rängen nahm zu. Doch Adreanna ignorierte es, denn sie wollte nur eins: überleben, um danach ihre Familie suchen zu können. Dies war ihr einziges Ziel.

    „Zu meiner Rechten, aus dem Hause der Dahlen: Sierenya. Alvarr und Kriegerin, ebenfalls aus Feria.“, rief der dicke Kartan, wie die Diener der Herrschenden genannt wurden. Er grinste Adreanna feixend an, denn ihm war bekannt, dass die Zwei sich kannten.

    Alle Kampfeslust und Entschlossenheit wichen aus Adreannas Gesicht. Sierenya? Nein! Sie ist meine Freundin. Sie war jene gewesen, die mich hier in der Gefangenschaft versorgt hatte. Ihre Magie hatte sie für meine Heilung eingesetzt und mich im Lager auf diesen Tag vorbereitet. Sie hatte mir immer wieder den Mut gegeben, sich dem zu stellen, um eines Tages frei zu sein, schoss es ihr durch den Kopf.

    Sie sah zu Korcal hinauf, der breit grinsend und erwartungsvoll auf sie zurück blickte. Er wusste, was er tat. War das der Preis für meine Freiheit? fragte sie sich.

    Sie sah zu ihrer Freundin hinüber und sah ebenso das Entsetzten in ihrem Blick, wie sie es selbst haben musste.


    Korcal erhob sich und seine raue Stimme donnerte erhaben durch die Arena, so dass nun auch die letzte, quasselnde Stimme erstarb.

    „Verehrte Untertanen, am heutigen Tage werde ich mich wieder sanftmütig zeigen und dem Sieger die Freiheit versprechen. Dieses wird ein Kampf auf Leben und Tod werden. Nur der Überlebende wird diese Arena als freies Wesen verlassen. Möge nun der Kampf beginnen!“, sagte die kräftig, anmutende Gestalt in einer goldschimmernden Rüstung.
    Er war ein Lewean. Eine Mischung aus Löwe und Mensch. Diese hatten die Kraft, die Schnelligkeit und die Ausdauer einer Hundertschaft und wirkten dabei mit ihrer halbstarken Statur eher schwächlich. Das löwenhafte Gesicht grinste sie an und er machte eine Handbewegung; sie sollten nun beginnen.


    Beide wurden mit einem Schwertstab ausgerüstet.

    Sierenya sah sie an und nickte. Wie schon so oft im Lager stellten sie sich gegenüber und machten sich auf einen heftigen Kampf gefasst. Denn auch Sierenya wollte wieder in die Freiheit. Doch sie wollte keine Familie suchen, sondern Rache üben an jenen, die ihr Dorf in Schutt und Asche gelegt hatten.

    „Möge die Bessere gewinnen.“, sagte Sierenya und griff sie an.

    Schlag um Schlag verfiel Adreanna wieder in einen Kampfmodus, den sie hatte, wenn sie trainierten. Sie hatte ihren Geist und Körper darauf trainiert, dass nur noch das Überleben zählte. Mehr als einmal traf sie Sierenya hart am Rumpf, Arm und Beinen und holte sie von den Füssen. Doch auch Adreanna blutete bereits am Oberschenkel und der Brust. Doch Schmerz fühlte sie keinen.

    Sie ließ Sierenya wieder auf die Beine kommen und gab ihr eine kurze Atempause, ehe sie wieder angriff. Sierenya´s Stab flog durch die Luft und sie lag erneut im Staub. Ihre Freundin sah sie geschlagen an.

    Adreanna hielt ihr die Schneide an den Hals. Erst jetzt vernahm sie wieder das Rufen und Gejohle der Menge.


    „Blut, Blut, Blut,…“, begann einer zu rufen, was der Ausdruck für den Tod war, der gefordert wurde. Die Masse stimmte mit ein. Adreanna sah zu Korcal hinauf, der nur grinsend nickte, damit sie den Todesstoß durchführte.

    Adreanna traf Sierenya´s leeren Blick. Sie schloss die Augen und hörte wieder die Rufe nach dem Tod: „Blut, Blut, Blut!“


    Sie wusste, was ihre folgende Tat bedeuten würde. Dieses jedoch war das Einzige, dass ihre Ehre verlangte.

    Sie trat zwei Schritte zurück und zerbrach den Stab. Mit hoch erhobenem Kopf sah sie Korcal an, der triumphierend grinste. Der Ruf der Menge erstarb. Dann eine fallende Hand des Leweans, was nur den Tod bedeuten konnte.
    Adreanna schloss die Augen. Dieser Preis für die Freiheit war zu hoch gewesen, den sie nicht bereit war zu zahlen. So wählte sie die einzige Freiheit, die ihr geblieben war. Selbst ein so grausamer Herrscher konnte ihr diese nicht nehmen.


    Ende!

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Wege durch den Nebel von Aveloan


    Den Weg durch die Nebel von Aveloan vermag nur der Eingeweihte zu beschreiten. Mehr noch als geschicktes Navigieren können hier nur fundierte Kenntnisse im Gebrauch des Zuunasaftes hilfreich sein. Der Genuss des Saftes lässt den Wanderer Wege durch Raum und Zeit erkennen, die normalen Sterblichen sonst verborgen bleiben. Allerdings sind nur wenige in der Lage dem Wahnsinn zu entgehen, den der Saft bei unbegabten Menschen hervorruft. Nur einige Auserwählte haben die Gabe, die sie zu echten Navigatoren macht. Folgerichtig ist das Imperium allseits darauf bedacht, die wenigen magisch bewanderten Talente, schon in jungen Jahren ausfindig zu machen und in Dienst zu nehmen. Wenig erfreut zeigen sich indes die Lenker des Sternenreiches, wenn sich einer der wertvollen Navigatoren als eigensinnig oder gar abtrünnig zeigt. Diesem eilen sie mit aller Macht nach, um den entflohenen Vogel zurück in den goldenen Käfig zu verbringen.


    Das Raumschiff des imperialen Kopfgeldjägers hat sich vom Mutterschiff gelöst, verlässt die Passage durch den Nebel und nähert sich ohne Umschweife dem dritten Mond, der den einzigen Planeten dieses vergessenen Sternensystems umläuft. Mit viel gutem Willen kann dieser namenlose Trabant bewohnbar genannt werden. Das einzig wirklich lebensfreundliche an diesem Ort ist allerdings die kleine Kneipe im Tal der Dünen. Unweit dieser Schänke sinkt das Schiff des Jägers zu Boden und versinkt einen halben Meter tief im Sand.
    Der junge Jäger hat keinen Blick für die kunstvollen Schattierungen von Grau der Umgebung, als er die stählerne Rampe hinabsteigt und den Weg von seinem Schiff zur sandigsten Gaststätte des Universums antritt.


    Die Stahltür im Felsen öffnet sich und der Mann tritt ein. Seine graue Rüstung ist neu und der Blaster an seiner Seite glänzt.
    Die Musik verstummt. Besorgt folgt der Blick des Pianisten den Weg des jungen Mannes.
    "Vikram van Norden, man sagt, Ihr liebt eure Freiheit mehr als Euer Leben. Das kann ich nicht glauben. Ihr seid nur ein Relikt aus einer lang vergessenen Zeit! Ihr habt noch romantische Vorstellungen! Das ist verzeihbar. Kommt mit mir. Das Imperium wird sich nachsichtig zeigen."
    Vikram van Norden schaut auf und zieht die rechte Augenbraue hoch, dann widmet er sich wieder seinem Bier und starrt in die flackernde Kerze auf dem zerschundenen Tisch aus ölgetränkter noisanischer Eiche.
    "Ich rede mit Euch. Seht mich gefälligst an, wenn ich mit Euch rede." Der junge Mann schlägt den Mantel zur Seite, der Blaster an seiner Hüfte glänzt silbrig.
    Die Gäste weichen ängstlich zurück.
    "Kopfgeldjäger", flüstert die Barfrau halb fasziniert und halb besorgt. "Lasst mir den Laden heil."
    Vikram nimmt einen Schluck aus dem Glas.
    Gestenreich wendet sich der Jäger an die Gäste. "Macht euch keine Sorgen. Das Imperium schickt mich. Das Imperium hat nichts dagegen, wenn ihr hier in Ruhe ein Bier trinkt. Ich nehme diesen Mann jetzt mit mir. Es wird keine Schwierigkeiten geben", ruft er selbstbewusst in die Menge und beugt sich zu dem grauhaarigen Mann hinab. "Man vermisst Euch. Ihr solltet besser mit mir kommen. Es hieß ‚Tot oder lebendig‘".
    "Warum zögert Ihr dann und tötet mich nicht einfach? Seid Ihr euch Eurer Sache nicht sicher?"
    "Ich war mir einer Sache noch nie so sicher. Ich nehme Euch mit. Um jeden Preis."
    "Gut!" Vikram nickt. "Umso besser."
    Navigator Vikram van Norden trinkt sein Bier aus und betrachtet die Kerze. Sie flackert lebendig und verlöscht dann abrupt. Es gibt viele Wege durch die Raumzeit und doch keinen Weg zum Frieden für einen alten Mann.


    Das Blut des jungen Jägers rinnt in die Ritzen zwischen den Bohlen. Sein Schädel wirkt, als hätte ihn die Hand eines Riesen zwischen Daumen und Zeigefinger genommen. Blut und Hirn fließt in Richtung Theke. Die Schenke scheint nicht ganz gerade gebaut.
    "Scheiße, nicht schon wieder." Die Barfrau wirkt resigniert.
    "Hier!" Van Norden wirft ihr eine Münze zu. "Entschuldigt die Sauerei. Ihr solltet besser darauf achten, wen ihr bewirtet. Dennoch, das Bier war nicht schlecht."

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Nusto en datra


    Er konnte es nicht glauben, wen er im Kreuzgang erblickte. Bruder Bastikanus? Der oberste Glaubenswächter, „Der Krieger, der Hand Gottes? Der Dornenkönig?“ Wie sie ihn nannten. Wenn er hier war konnte es nur eines bedeuten, „Blut und Schmerz“. Hastig sah er sich um. Bruder Efarius ging eiligst in die Armenausgabe, wich verstohlen seinem Blick aus. Schlagartig wurde ihm klar, wer ihn verraten hatte. Schnell drehte er sich um und eilte zur alten Andacht, die sich im untersten Gewölbe des Heiligtums befand. Hier verirrte sich selten wer hin.

    Vor der Tür blieb er stehen, atmete noch einmal tief durch. Das Metall der Klinke kühlte seine Hand, nur konnte es sein Zittern nicht verbergen. Wie würde er reagieren? Was sagen? Verwandeln, wie er es erlebt hatte? Vorsichtig schob er die schwere Eichentür auf und trat hinein. Der Junge kniete vor dem kleinen Altar des Monbutu, die Ellbogen darauf abgestützt, die Hände vor seinem Gesicht gefaltet, den Kopf leicht nach vorne geneigt. Er sah aus wie ein achtzehnjähriger Bauernjunge, mit seiner einfachen, rötlich-gelben, Tunika, dem schlichten, zerschlissenen Schuhwerk. Eigentlich müsste er frieren aber hier unten war es ungewöhnlich warm, seitdem er ihn hier versteckt hielt. Seit einem Monat hatte er ihn nicht gesehen, schob sein Essen, nur durch die kleine Lucke am Boden. Er zögerte, der Zweifel war wieder da, tat er das Richtige? Er schluckte, fasste Mut.

    „Ich wusste nicht, dass du betest“, seine Stimme zitterte, er hoffte, dass er es nicht bemerkte.

    „Ich meditiere, das ist ähnlich“, kam es ruhig von ihm, „es hilft mir, zusammen zu halten was auseinanderdriftet“, der letzte Satz hatte dabei eine ganz andere Tonlage.

    Eine die ihm die Nackenhaare aufstellte. Wie würde er reagieren?

    „Ihr müsst diesen Ort verlassen“, sagte er unsicher, „die obersten Glaubenswächter haben von deiner Anwesenheit erfahren.“

    „Ihr wurdet verraten“, der Junge kicherte, „genau wie ich“, fügte eine raue Stimme hinzu.

    „Ihr müsst gehen, schnell“, drängte er, „sie werden euch einer peinlichen Befragung unterziehen, das werdet ihr nicht überleben.“ Der Junge lachte, auf einer Art und Weise, dass seine Zweifel bestärkte.

    „Weder das Eine, noch das Andere wird geschehen“, kam es ruhig von ihm, er blickte auf, seine Hände sanken auf den Altar, „habt ihr getan worum ich euch gebeten habe?“

    Irritiert sah er ihn an, fasste dann unter seine Kutte und zog es hervor, „ja ganz wie ihr es wünschtet“, sprachs und legte vorsichtig, das kleine Buch neben ihm auf den Altar.

    „Erst in der zweiten Hälfte habe ich angefangen, aufzuschreiben was ihr mir sagtet und es ist noch genügend Platz für weitere Einträge, ganz wie ihr es wolltet.“

    Er nickte nur, fasste unter seine Tunika. Schmerz verzerrte sein Gesicht, etwas ratschte. Dann hob er das Büchlein an und legte etwas darunter und oben auf. Seine Lippen murmelten etwas, in Worten, die er nicht verstand. Er reichte es ihm. Verwundert stellte er fest, dass sein sorgsam gefertigter Ledereinband verschwunden war. Eine Art Hornplatte hatte sich gebildet und der Abdruck seiner Hand zeichnete sich deutlich oben ab, während die Unterseite glatt war. Er schlug es auf, blätterte darin. Seine Geschichte erschien ihm anders und die ersten Seiten waren nun ebenfalls beschrieben.

    „Anas dago“, sprach der Junge, das Buch veränderte sich, „sprecht diese Worte und nur ihr könnt sehen, was es in Wirklichkeit ist. Für alle Anderen ist es ein Buch mit einer spannenden Geschichte.“

    Er blätterte darin, als er die ersten Seiten berührte, schlug es von selber auf. Der ursprüngliche Einband hatte dreizehn Vertiefungen bekommen, ein rauchiger Duft strömte ihm entgegen, mit einem Hauch von…? Schwefel?

    „Wozu das Ganze?“, die Zahl Dreizehn warnte ihn. Sollte er dem Leibhaftigen aufgesessen sein?

    „Ihr und die die euch folgen, werdet finden und zusammenfügen, was zerschlagen wurde.“

    „Und wenn nicht?“, Widerstand regte sich bei ihm. Schwefel ist der Geruch des Teufels, eindeutig.

    Der Junge erhob sich, er sah ihn direkt an, „dann wird diese Welt brennen“, die Worte kamen so, sachlich, nüchtern herüber, dass Angst in ihm aufstieg, wie Lava in einem brodelnden Vulkan.

    „Da gibt es nur ein kleines Problem“, mit äußerster Mühe, hielt er dem Blick des Jungen stand, „uns Brüdern ist es nicht erlaubt, Nachkommen zu …..“

    Das Lachen des Jungen erschütterte die Andacht, „ihr werdet diese Freude kennen, lieben und schätzen lernen, genauso sicher, wie ihr diesen Ort für immer verlassen werdet.“

    „Niemals werde ich sündigen oder freiwillig, diesen heiligen…“, begehrte er auf.

    „Dann ist diese Welt verloren, ihr und alle Anderen, werdet einen sehr hohen Preis entrichten.“

    „Welchen Preis meint ihr?“, hakte er verunsichert nach.

    „Das spielt dann keine Rolle mehr“, der Junge blickte zur Decke, „das was ihr die Hölle nennt, wird euch, wie ein gemütlicher Plausch am Lagerfeuer vorkommen. Ihr werdet eure Seelen verlieren.“

    Einen Moment lang, sahen sie sich direkt an. Die Augen des Jungen, sie ließen keinen Zweifel an seinen Worten. Er öffnete den Mund, wollte etwas fragen. Nur wo, sollte er anfangen?

    „Ihr habt gesehen wozu ich fähig bin, gesehen was Besitz von eurer Welt ergreifen will, gesehen was ich zerfetzt habe, abgeschlachtet. Ich konnte das Tor verschließen, aber es wird nicht ewig halten.“

    „Sagtet ihr nicht, es gäbe viele wie ihr…?“,

    „Das was ich tat, geschah noch nie“, flüsterte der Junge, „ihr wisst nicht wie tief der Verrat reicht.“

    „Ehrlich gesagt bin ich mir nicht mehr sicher, was ich gesehen habe“, äußerte er zögerlich.

    „Mein Bruder, der Erfahrenste von uns allen, war es, der mich ausgebildet hat. Er zeigte mir die Kristalle, in der wir unsere Seele verbergen, damit wir eure Welt betreten können.“

    „Dann war er es, gegen den ihr gekämpft habt? Zerrissen?“, so langsam dämmerte es ihm.

    „Ich habe ihm blind vertraut. Sein Schlag war so heftig, des der Kristall in mir, zersplitterte, wie eine eurer Glasperlen, die zwischen Hammer und Amboss gerät. Nur einen trägt der Junge noch und ich kann ihn nicht halten. Nicht einmal an diesem heiligen Ort. Das Band zwischen uns ist zerrissen und ich weiß nicht was geschehen wird, wenn der Splitter entweicht.“

    „Was ich nicht verstehe….“, er zögerte, „wenn euer Bruder, der Stärkste von allen, euch ausgebildet hat, wie konntet ihr ihn dann so einfach besiegen, wie ich es gesehen habe?“

    „Einfach?“, ein Lächeln huschte übers Gesicht des Jungen, was selbst mein Bruder nicht wusste… Ich bin ein Ashant. Ich weiß um die Dinge, bevor ihr auch nur einen Gedanken daran verschwendet.“

    „Aber dann...? Ihr hättet es verhindern können“, warf er hastig ein, seine Angst verflüchtigte sich.

    „Ja, das hätte ich. Nur habe ich meinen eigenen Sinnen nicht getraut. Wie konnte es sein, was es seit Anbeginn der Zeit, noch nie gab? Und ausgerechnet der eigene Bruder?“, eine Träne lief dem Jungen über die Wange.

    „Aber können dann nicht, eure anderen Br.., ich meine..“, er suchte nach den richtigen Worten, „verhindern was…, ich dachte…, sie könnten doch?“

    Der Junge schüttelte den Kopf, „noch nie wurden die Tore von dieser Seite verschlossen. Statt nur dem einen, habe ich sie in meiner Hast, alle verriegelt. Niemand ist hier, der mir oder euch helfen könnte. Und niemand wird kommen, um dies zu tun. Und wenn die Tore brechen, wird nicht einmal euer Gott, euch helfen können. Alles liegt nun an euch, allein, glaubt mir oder eure Seele verbrennt.“

    „Was ist mit euch und dem Jungen?“

    „Das weiß ich nicht und das macht mir Angst“, die Augenbrauen des Jungen verzogen sich zu Sorgenfalten, „mein Körper wurde zerstört, ich kann nie mehr zurück. Die Splitter meiner Seele haben den Jungen tief verletzt und ein Teil von mir, verlangt nach Macht über ihn. Ich denke er wird sterben“, sagte die raue Stimme, „endlich, dreihundert Jahre sind genug“, fügte der Junge hinzu.

    „Wieso?“, wollte er nachhaken aber der Junge blickte zur Tür.

    „Geht Bruder Hillarius, geht, denn sie kommen.“, sagte er leise. Er aber blieb stehen, er hatte noch so viele Fragen, „geht sage ich“, brüllte er ihn an. Erschrocken wandte er sich zur Tür, öffnete sie.

    „Nusto en datra“, sagte der Junge laut, „blickt nicht zurück.“

    Draußen atmete er tief durch, sein Verstand kämpfte mit den Worten des Jungen. Schwere Schritte mahnten zur Eile. Schnell aber ohne Hast verließ er den Heiligen Bezirk, als sich hinter ihm ein mächtiges Getöse erhob. Er blieb stehen, wollte sich umsehen, „Nusto en datra, blicke nicht zurück“, erklang es in seinem Kopf und blieb wie ein Mantra in seinen Gedanken hängen. „Nusto en datra.“


    „Und hier befinden wir uns nun am Ursprung des heiligen Bezirkes von Ganguella, der kleinen Andacht, mit dem Altar des Monbutu und dahinter das sogenannte Seelenloch. Damit endet unsere Führung durch die Ruinen. Ich hoffe ich konnte ihnen die Geschichte dieses Ortes etwas näher bringen und danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit“, wie geölt liefen ihr die Worte über die Lippen.

    „Äh, ich hätte da noch eine Frage“, meldete sich der junge Mann, der ihr schon die ganze Zeit, mit dummen Fragen, auf den Keks ging. Mit einer Handbewegung fordert sie ihn höflich auf.

    „Die Kratzer, die man hier überall sieht, an Wänden und am Boden, das sind doch Drachenspuren oder?“, siegessicher, provokant und herausfordernd sah er sie an.

    Aber sie machte den Job nicht erst seid gestern, sonder schon sechs lange Jahre.

    „Drachen? Nicht ihr Ernst, oder?“, antwortete sie betont lässig, „haben sie schon einmal, irgendwo etwas, was nach Drachen aussieht, oder dem auch nur ähnlich wäre, gesehen? Nein. Knochen von Trollen, Orks oder Ogas können sie in jedem guten Museum bewundern. Sogar ganze Skelette von Pixies und Centauren finden sie in Einigen. Von den ganzen versteinerten Dinos wollen wir gar nicht erst anfangen. Aber Drachen? Ich bitte sie. Nicht mal eine Schuppe oder eine Kralle…“

    „Und das Drachentor hinter ihnen?“, versuchte er es erneut, „die tiefen Kratzer an der Wand, sehen mir verdammt nach Drachenkrallen aus. Und der Stein ist aus härtestem Granit.“

    Ein kleines Kind, das etwas Glänzendes vom Boden aufhob, erlangte ihre Aufmerksamkeit.

    „Bitte gib mir das, Kleines, nicht das du dich schneidest“, sie machte einen Schritt vor und die kleine reichte ihr die Glasscherbe, „weißt du? Manchmal feiern solche Trolle wie der junge Mann hier, Drachenpartys und hinterlassen einen Mordssaustall, schlimmer wie eine Herde Ogas“, zwinkerte sie ihr zu. Die Leute lachten. Der Mann sah sie genervt an und …, trollte sich schließlich.

    „Würden sie mir bitte ihren Namen verraten?“, eine alte Frau sah sie erwartungsvoll an, sie hielt den Führer in der Hand und tippte mit dem Finger auf eine Zeile „hier steht nur Anette, H. D. drin.“

    Sie lächelte, das wollte noch niemand wissen, „Anette, Hillarius, Dragant.“

    „Ah, ein sehr ungewöhnlicher, alter Name“, die alte Frau zog die Augenbrauen hoch und lächelte verschmitzt, „wissen sie das Dragant, ein anderes Wort für Drache ist?“

    Verschwörerisch lächelt sie, „aber sagen sie es bitte nicht dem jungen Mann.“

    Die Frau blickte an ihr vorbei, zum Sonnenuntergang, „es wird Zeit für sie, er erwartet sie bereits.“

    Sie blickte zur untergehenden Sonne und fragte sich was die Frau meinte, als ihre Stimme hinter ihr ertönte; „Nusto en datra, blicke nicht zurück, mein Kind.“ Erschrocken sah sie sich um, sie war alleine. Ihre Hand pochte, sie öffnete sie. Ja, das ist einer, so rein wir er glänzte, musste es der letzte sein. Sie kramte ihr Buch aus der Tasche, das aussah als wäre es in den über Tausend Jahren, die es in ihrer Familie, weitergegeben wurde, nie benutzt worden, sondern gerade frisch von einem Buchmacher kam. Ihre Hand passte genau in den Abdruck, der Drachenschuppe.

    „Anas dago“, flüsterte sie. Das Buch öffnete sich und vorsichtig legte sie den letzten Splitter hinein. Sie blickte zum Horizont. Also lag es nun an ihr. Wäre sie bereit dafür? Bereit für was? Was wird geschehen, wenn sie das Tat, was auf der letzten Seite stand? „Dragon, Dragonis, Dragant. Wenn der letzte Splitter sich offenbart, die Sonne das Wasser berührt, dem Seelenloch heißer Atem entsteigt, somit der Kreis des Lebens, sich schließt, ist der einzige Tag, der zusammen fügt, was bewacht.“

    Sie kramte ihr Handy aus der Gesäßtasche. Ihre Hand zittert, als sie auf die Direktwahl drückte.

    „Hallo Schatz“, hörte sie seine melodische Stimme. Sie wollte etwas sagen aber ihre Stimmbänder versagten ihren Dienst.

    „Alles in Ordnung bei dir?“, hakte er nach, schweigen folgte, „du hast ihn gefunden?“

    Sie versuchte es, scheiterte aber als sie die Stimmen ihrer Kinder im Hintergrund hörte, „Mammy hab dich lieb.“ „Ich auch“, schrie ihr jüngster, „aber viel lieber als der olle Torfkopp.“

    Tränen suchten sich den Weg über ihre Wange, ein Schluchzen entkam ihren Lippen. Ist sie bereit alles hinter sich zu lassen? Ihre Familie? Ihren Mann, den sie liebte? Ihre Kinder? Auch wenn es nicht ihre eigenen waren, denn sie konnte keine bekommen. Was würde geschehen? Würde sie, ihre Lieben jemals wiedersehen? Was, wenn alles nur eine Lüge war? Eine Verführung, ein Verrat?

    „Schatz?“, seine Stimme klang belegt, „egal für was du dich entscheidest. Eines solltest du wissen. Wir alle lieben dich von ganzen Herzen“, der schrille Ton, der folgte, zerriss ihr fast das Herz.

    Ein aufdringliches Pfeifen riss sie aus den Gedanken. Der Atem des Seelenlochs erklang. Unsicher zerrte sie den Schlüssel aus der Hose und ging hinter den Altar. Als sie sich über das Gitter beugte, raubt ihr die heiße, aufsteigende Luft fast den Atem. Sie öffnete das Gitter und ließ einen Stein hinein fallen, zählte mit. 76 Meter tief sollten es sein aber selbst bei vierzig, hörte sie ihn nirgends anschlagen. Der Wind nahm zu, der Atem heißer. Sie blickte zur Sonne, der Glutball berührte, das Wasser. Jetzt oder nie. War sie bereit? Nein. Aber wie in Trance, stellte sie sich vor das Loch. Sie hob das Buch mit der Rechten, in die Sonne, ihre Linke schwebte über dem Handabdruck. Mechanisch hob sie den rechten Fuß, bereit den fehlenden Schritt zu machen? Wird die Welt brennen, wenn sie es nicht tat? Oder wird sie nur am Boden des Loches zu einem unansehnlichen Brei werden? War es dass Wert? Der Preis, den sie zahlte, nicht zu hoch? „Nusto en datra“, sprach sie, ihre Linke legte sich auf den Abdruck und ihr Fuß machte den fehlenden Schritt, „blicke nicht zurück.“

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Erneuerung


    Obwohl es ein sonniger Tag war, drang nur wenig Licht durch die Fenster und tauchte den Salon, den sein Freund Matthew als Arbeitszimmer benutzte in diffuses Dämmerlicht. In den Ecken ballten sich dunkle Schatten zusammen. Ein kleiner rotglühender Punkt zog ihn zum Schreibtisch. Das Kontrolllämpchen am Laptop blinkte im Stand-by-Modus unermüdlich in regelmäßigen Abständen und wartete geduldig darauf, bis ihn endlich jemand wieder zum Leben erweckte. Er musste nicht lange nach dem Startknopf suchen. Surrend wurde das Gerät lebendig und kurz darauf erschien eine Textdatei am Bildschirm. Er scrollte hoch zum Anfang und sah, dass es sich um einen Brief handelte, der an ihn adressiert war.

    „Lieber Connor,

    bitte verzeih, dass ich dir so lange nicht geschrieben und ich mich in den letzten Wochen etwas rar gemacht habe. Inzwischen ist viel passiert. In meinem letzten Brief habe ich dir berichtet, dass es mir endlich gelungen ist, die wunderschöne viktorianische Villa im Norden der Stadt zu erwerben. Wenn ich an den Preis denke, verschlägt es mir jetzt noch den Atem. Aber damals dachte ich, dass es das Wert sei. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob es tatsächlich eine weise Entscheidung war. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal warum ich es tat. Als ich vor Wochen das Haus zum ersten Mal sah, zog es mich sofort in seinen Bann. Ich konnte über nichts mehr anderes nachdenken, als dass ich es haben muss. Du hättest es vermutlich eine Bruchbude genannt und gemeint, ich solle die Finger davon lassen. Ich war fasziniert von der großen umlaufenden Veranda, den Ecktürmchen und den verspielten Ornamenten an der Fassade. Obwohl der Garten total verwildert war, verlieh er dem Haus eine romantische Wildheit. Etwas Farbe hie und da, ein paar Renovierungsarbeiten und es würde wieder zu dem Schmuckstück werden, dass es einst war. Es war mir unbegreiflich, wie man ein solches Juwel so vernachlässigen konnte.

    Ich konnte es kaum erwarten, dort einzuziehen. In den ersten Wochen lief alles wunderbar, mit Eifer machte ich mich an die Renovierung und arbeitete jede freie Minute daran. Das Haus wurde mir mitsamt dem Inventar veräußert. Es waren ein paar wirklich außergewöhnliche Stücke dabei. Du wirst es kaum glauben, aber das meiste Mobiliar stammte noch von den ersten Besitzern des Hauses und ist zum Teil über einhundert Jahre alt. Durch den Makler weiß ich, dass das Anwesen bereits durch mehrere Hände gegangen ist, aber anscheinend wollte keiner was an der Einrichtung verändern. Irgendwie merkwürdig und auch etwas schräg. Ich beschloss auch erst mal, alles so zu lassen, wie es war, bis ich mich eingelebt habe und mit der Instandsetzung fertig bin. Was wirklich erwähnenswert ist, ist der riesige Spiegel, der in der Eingangshalle hängt. Er wirkt antik. Mitsamt dem goldenen barocken Rahmen erreicht er eine erstaunliche Höhe von über zwei Metern. Diese Art von Spiegel hätte ich eher in einem Schloss vermutet als in so einem Haus. Ich finde er passt nicht so recht zum Rest der Einrichtung. Vielleicht ein eigenwilliger Versuch von einem Vorgänger eine persönliche Note zu setzen.

    Wie ich schon sagte, war ich ziemlich beschäftigt und die Tage flogen nur so vorbei.

    Ich weiß nicht mehr, wann es mir zum ersten Mal auffiel. Dinge veränderten sich. Am Anfang waren es nur Kleinigkeiten. Gegenstände, die anders standen, als zuvor. Sachen, die ich kürzlich repariert hatte, gingen wieder kaputt. Ja, vermutlich runzelst du gerade die Stirn und sagst, sowas kann passieren und dass ich es vermutlich beim ersten Mal nicht ordentlich gemacht hätte. Ich schwöre dir, dass es nicht so war. Ich wiederholte die Reparaturen und ein paar Tage später, war alles wieder wie zuvor. Zuerst tat ich es als Zufälle ab und versuchte es zu ignorierten, aber irgendwann beschlich mich der Gedankte, ob sich das Haus gegen eine Veränderung wehrte, was natürlich absurd ist.

    Dann begannen die Träume. Zuerst nur gelegentlich, kurze Episoden, doch dann traten sie häufiger auf. Zuletzt passierte es jede Nacht. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr es mich fertig macht. Ich habe das Gefühl, als würde mir sämtliche Energie abgesaugt. Anfänglich konnte ich mich morgens an die Träume nicht mehr erinnern, doch dann wurden sie klarer. Ich stehe in der Halle vor dem Spiegel und höre ein Flüstern. Es scheint aus dem Spiegel zu kommen. Auf einmal greifen Hände heraus und packen mich, wollen mich hineinziehen. Ich wehre mich, kämpfe wie wild. Plötzlich dringen drei dunkle Gestalten in schwarze Gewänder gehüllt aus dem Spiegel und kriechen auf mich zu. Es ist grauenvoll. An diesem Punkt wachte ich meistens schweißgebadet auf. Der Traum wiederholte sich nächtlich in Abwandlungen. Jedes Mal, hatte ich den Eindruck nur mit knapper Not entkommen zu sein. Ich fühle mich immer kraftloser.

    Ich höre mich vermutlich ziemlich irre an. Mein Verstand und meine Ratio scheinen sich stückchenweise zu verabschieden. Ich bin so müde, dass ich nicht mehr klar denken kann. Ich sollte für heute schlafen gehen. Welche Ironie…

    Es wird schlimmer. In den letzten Tagen hörte ich immer wieder Schritte im Haus, ich konnte aber weder eine Person noch eine andere Quelle für die Geräusche ausmachen. Und immer wieder ein Flüstern. Es ist als würde ein Wispern und Raunen das ganze Haus durchdringen. Es kommt aus den Wänden, aus dem Boden, von überall her. Ich kann nicht verstehen was sie sagen. Es fällt mir schwer mich zu konzentrieren, kann kaum einen vernünftigen Satz schreiben. Gestern Abend, als ich durch die Halle ging hätte ich schwören können eine Person im Spiegel zu sehen, doch als ich genauer hinsah, war sie verschwunden. Sicher habe ich mich getäuscht, meine überreizten Nerven spielten mir einen Streich.

    Ich kann nicht mehr schlafen. Mein Kopf schmerzt. Die Farbe, die ich vor zwei Wochen auf der Veranda aufgetragen habe, beginnt wieder abzublättern. Wie ich schon sagte, das Haus mag keine Veränderung. Ich muss was tun, es geht nicht mehr und mir geht langsam der Whiskey aus. Den Single Malt, den du mir letztes Weihnachten geschenkt hast, war ein Lichtbringer. Er ließ mich die letzten Tage durchstehen. Ich werde morgen den Makler anrufen.

    Ich konnte diesen Kerl nicht erreichen, darum bin ich heute ins Stadtarchiv gegangen. Die Archivarin dort wusste erst nicht, was sie mit mir anfangen sollte, sie war wohl kurz versucht mich vor die Tür zu setzen. Ich hätte mich rasieren sollen. Vielleicht waren es auch die Flecken auf meinem Hemd. Als ich ihr von dem Haus erzählte, wurde sie aber schnell hellhörig. Ich bin anscheinend nicht der erste, der danach fragt. Sie erzählte mir, dass das Haus 1907 von einem Alastair Cromwell erbaut wurde. Er genoss einen gewissen Ruf in der Stadt. Die Leute hielten ihn für einen Okkultisten, er würde Séancen in seinem Haus abhalten und mit merkwürdigen Leuten verkehren. Es wurden auch öfters drei Frauen beim Haus beobachtet, aber niemand hatte sie je außerhalb des Grundstückes gesehen. Dann zeigte sie mir mehrere Vermisstenanzeigen von früheren Besitzern des Hauses. Über die Jahrzehnte waren es mehr als 10 Personen. Tot durch Unfall kam dort auch öfters vor, als laut Statistik üblich. Den Rest gab mir jedoch eine alte Fotografie. Das Bild zeigte Cromwell mit drei Frauen bei einer spiritistischen Sitzung im Salon, hier in meinem Haus. Connor, du wirst nicht glauben, wer mich da aus dem Bild anstarrte! Der Typ sah haargenau aus wie mein Makler! Ein Verwandter oder nur ein Zufall? Für meinen Geschmack inzwischen ein paar Zufälle zu viel. Ich will hier nur noch raus, muss das Haus los werden. Ich habe eine Scheißangst. Ich wünschte, du wärst hier und würdest mir sagen, dass ich mir alles nur einbilde und aufhören sollte zu saufen. Oh Gott, das Flüstern fängt wieder an!

    Mitternacht ist lange vorbei, ich sitze hier im Dunkeln. Kann mich nicht bewegen, will den Lichtkreis des Bildschirms nicht verlassen. Meine letzte Insel der Realität. Meine Finger zittern so stark, dass ich kaum schreiben kann. Das Flüstern wird lauter, ich kann jetzt verstehen was sie sagen. Ich will nicht hinhören, sie sagen schrecklichen Dinge. Ich höre wieder Schritte, sie kommen aus der Halle. Ich hätte gehen sollen, als ich es noch konnte. Sie kommen näher! Ich will davonrennen, bekomme keine Luft! Sie sind nun vor der Tür! Oh Gott! Connor, hilf mir! Ich muss… „

    Hier brach der Text ab. Connor starrte den blinkenden Cursor an, als könnte er ihm sagen, was mit seinem Freund geschehen war. Er schaltete den Computer aus und verstaute ihn in einer Notebooktasche. Er nahm ihn am besten mit zur Polizei, vielleicht half der Brief bei der Suche nach Matthew. Eine weitere Vermisstenanzeige. Als er gehen wollte stieß er mit dem Fuß gegen den Tisch und löste ein mittleres Chaos aus, als eine ganze Batterie von Flaschen ins Wanken geriet. Oh Matty, in welchem finsteren Tal bist du nur gewandelt? Als er in der Halle an dem großen Spiegel vorbei ging stockte er kurz. Was war das? Für einen kurzen Moment dachte er, er hätte Matthew im Spiegel gesehen. Connor sah zur Seite, aber da war niemand. Als er sich zum Spiegel zurück drehte war da nur er selbst. Er schnaubte und schüttelte den Kopf. Beinah hätte er sich von Matts Alkoholhalluzinationen beeinflussen lassen.

    Unbewusst atmete Connor befreit auf, als er die Villa verließ und ins helle Sonnenlicht trat. Halluzinationen hin oder her, das Haus hatte eine merkwürdige Ausstrahlung, die einem schon aufs Gemüt schlagen konnte. Verdammt Matty, warum musstest du nur um jeden Preis dieses verfluchte Haus besitzen?

    Der Makler, der ihn über das Verschwinden von Matt informiert hatte, wartete ungeduldig vor dem Haus auf sein Erscheinen und eilte sofort als er ihn sah, mit ausgreifenden Schritten zu ihm herüber.

    „Mr. Pearse, gut das sie gekommen sind. Ich bedaure es sehr, dass ihr Freund anscheinend keine sehr gute Zeit in dieser herrlichen Villa hatte und ich hoffe, dass sie ihn wiederfinden.“, biederte er sich mit einem falschen Lächeln an. „Sollte er oder auch sie, Mr. Pearse, das Objekt wieder veräußern wollen, würde ich mich sehr freuen zu Diensten sein zu können. Hier meine Karte.“ Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu: „Wussten sie eigentlich, dass das Gebäude auf einer geschichtsträchtigen Kultstätte erbaut wurde?“ Dann dreht er sich abrupt um und ging mit einem sonderbaren Lächeln beschwingt zu seinem Fahrzeug.

    ‚Was für ein merkwürdiger Kerl.‘, dachte Connor und warf beiläufig einen Blick auf die Karte in seiner Hand.

    „Alan Stair, Makler – Salem VA 24153-4967“

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Das Mondkäsefondue


    „Was für ein rosiger Morgen!“, streckte sich das klitzekleine Kätzchen und gähnte. Der Sonnenaufgang tauchte den Himmel in Rosa und Orange und das weite Farbenmeer dazwischen. Über der ganzen Weite der Huggeligen Hügel verfing sich das Licht in Grashalmspitzen und Blätterdächern. Verzückt vom Anblick tapste das klitzekleine Kätzchen den Trampelpfad entlang durch den so rosigen Morgen.

    Es dauerte nur marginal müde Minuten, bis es die Katzenklappe erreichte und ins Haus eintrat.

    „Miau!“

    „Oh, guten Morgen kleine Mulle!“, gähnte Dr. Dalia Dunkeldussel am Küchentisch. „Ich hoffe, du hast besser geschlafen als ich.“

    „Guten Morden, Frau Doktor!“ grüßte das klitzekleine Kätzchen und leckte sich das Fell. „Ich habe den ganzen Tag Vögel gejagt. Ich hab gesungen, bin gesprungen, hab mit anderen Kätzchen gerungen, da war ich so müde! Geschlafen hab ich wie ein Stein. Aber Frau Doktor, was hat dich denn wachgehalten?“

    „Oh“, jammerte Dr. Dalia Dunkeldussel, „Ich möchte doch wieder zum Mond fliegen, um Käse für mein weltberühmtes Mondkäsefondue zu ernten. Aber ich habe keinen Treibstoff mehr und es kann keiner geliefert werden, weil die Wirtschaftsriesen gigantische Löcher in die Handelswege getrampelt haben. Schon wieder!“

    „Oh weh!“, klagte das klitzekleine Kätzchen, kuschelte sich an Dr. Dalias Knöchel und ließ sich kraulen. „Können wir nicht selber Treibstoff mixen? Du kannst doch Chemie machen und so!“

    „Das habe ich schon probiert, kleine Miez, aber Raketentreibstoff ist nicht so einfach zu machen. Die Komponenten dafür habe ich nicht zuhause, wir müssten schon …“

    Da wurde die Wissenschaftlerin ganz still und strahlte bald übers ganze mächtig müde Gesicht.

    „Warte kurz“, sagt sie, verschwand geschwind und wie ein flinker Wind kam sie mit dem Legendenlehrenden Lexikon zurück. „… ich habe eine Idee!“

    Eilig schlug sie die Seiten auf und blätterte und schmetterte und blätterte weiter. Währenddessen kletterte das klitzekleine Kätzchen auf den Küchentisch, wohlbedacht, nicht die Kaffeetasse umzuwerfen.

    „Wo ist er denn … Diedrichdrossel … Diels-Alder-Reh-Aktion … Dienstleistungszentaur … HIER!“

    Dr. Dalia Dunkeldussels Finger bohrte sich neben dem Bild einer schuppigen Echse ins Papier.

    „Der Dieseldraco“, las die Miez. „Habitat: Die Brüchigen Berge …“ Nun blieb einzig die Frage, wie man der exotischen Echse den Saft abluchsen konnte, ohne zu knusprigem Hähnchen gegart zu werden.

    Dr. Dunkeldussel machte dem klitzekleinen Kätzchen eine winzige Portion Taubenbrust und stellte ein Eierbecherchen mit Sahne daneben. Während des Frühstücks schmiedeten sie ihren Plan.

    „Ist das wirklich eine gute Idee, den Speichel einfach zu klauen, Frau Doktor? Das ist doch nicht nett“, gab das Kätzchen zu bedenken.

    „Aber aber!“, winkte sie ab, „Der Dieseldraco kann mit seinem Speichel sowieso nichts anfangen, also stehlen wir ihn eigentlich gar nicht. Und was sollen wir sonst tun? Einfach fragen und hoffen, dass der Draco nicht ‚nein‘ sagt? Ich will schließlich Mondkäsefondue essen!“

    Das leuchtete ein! Gestärkt gingen sie in die Werkstatt und Dalia Dunkeldussel warf sich, bewaffnet mit ihrem Werkzeugkasten, auf einen Haufen Ersatzteile. „Ich weiß schon genau, was ich dir für einen Apparat baue, ich habe es direkt vor Augen, das wird toll, du wirst staunen, die Teile müsste ich sogar alle dahaben, holst du mir meinen Kaffee?“ Das klitzekleine Kätzchen betrachtete seine pimpfigen Pfötchen, aber Dr. Dalia Dunkeldussel werkelte schon mit eisernem Eifer und hatte den Kaffee längst vergessen.

    Begeistert bastelten sie bis in die blaue Stunde und noch länger. Entwarfen, verwarfen, bauten auf und ab und hin und her. Noch müde von der letzten Nacht sank Dalia schließlich als erste zwischen den Bauteilen zusammen, schnarchte sanft, den schweren Schraubenschlüssel fest in der Hand. Hundemüde – eben noch mausewach – krabbelte das klitzekleine Kätzchen auf Dr. Dalia Dunkeldussels Rücken und rollte sich zum Reckenschlaf zusammen, dem rasselnden Rhythmus ihres Schnarchens lauschend.

    Am nächsten Morgen – der nicht rosig, sondern mächtig war, und eigentlich auch kein Morgen, sondern ein Mittag, denn Frau Doktor war wirklich müde gewesen – frühstücken sie Käse mit Kräckern. Beides kam nicht vom Mond, schmeckte nach einer Nacht wie dieser aber galaktisch. Sie packten Dalias Rucksack mit Wasser, Broten, Campingausrüstung und Keksen und dem klitzekleines-kätzchen-bedienerfreundlichen Spuckeklau-Apparat. Auf den Gepäckträger kam in einer Plane eingewickeltes Feuerholz. Das Kätzchen machte es sich in Dalias Brusttasche bequem und noch bevor der der mächtige Morgen, der ein Mittag war, endete, radelten sie mit dem rostroten Rennrad fort von den Huggeligen Hügeln, hin zu den Brüchigen Bergen.

    Die Brüchigen Berge waren schief und spitz und karg und krumm. Raue Felsen ragten riesenhaft in den Himmel. Dalia und das Kätzchen fuhren für einige Stunden einen schmalen Weg entlang. Am Himmel zogen Wolken wie nasse Wolle auf, bald fielen dicke Tropfen. Als die beiden die Höhle erreichten, waren sie nass bis auf die Knochen.

    „Also gut, Mieze, wir werden uns noch erkälten. Am besten beeilen wir uns, verschwinden dann ganz schnell nach Hause und legen uns vor den Kamin.“

    „Aber Frau Doktor, vielleicht ist das alles doch keine so gute Idee …“

    „Wenn man Fondue mit Käse vom Mond essen möchte, dann ist das eine wunderbare Idee!“, protestierte Dr. Dalia Dunkeldussel. „Es kommt nur ganz auf die Hingabe und den Willen an und dann kann man alles schaffen!“ Dalia setzte das Kätzchen auf dem Boden, wo es sich das Fell schüttelte, und wühlte in ihrem Rucksack. „Eine Pause müssen wir aber wohl doch machen … Es war schlau, das Holz einzuwickeln. Ich dachte nicht, dass es so bald regnen würde. So klein wie du bist, kannst du dich schonmal in der Höhle umsehen. Der Dieseldraco wird dich nicht mal bemerken. Ich mache uns ein Feuer, dann trocknen und wärmen wir uns.“

    Dem klitzekleinen Kätzchen war nicht wohl bei dem Gedanken, dass der Dieseldraco hier irgendwo war und vielleicht gerade sein Abendessen zubereitete. „Bist du sicher, dass wir auch in der richtigen Höhle sind?“, fragte das Kätzchen kläglich.

    „Ganz sicher“, antwortete Dalia, die gerade das Holz vom Gepäckträger nahm. „Ich habe Schatzsucherforen durchforstet und der Weg ist sehr genau beschrieben, viele haben bereits nach dem Goldschatz in der Höhle gesucht. Nur an der Bestie kam bisher noch keiner vorbei. Außer den Forentrollen natürlich.“

    „Wir wollen aber gar nicht den Schatz! Bestimmt können wir einfach mit dem Draco reden!“

    „Ach“, winkte Dalia ab, „die olle Echse ist Eindringlinge gewöhnt und würde uns wahrscheinlich nicht mal zuhören. Könnte ja alles ein fauler Trick sein. Nein, nein. Wenn wir halten uns an den Plan und gut ist.“ Der Holzhaufen war vorbildlich aufgeschichtet, jetzt ging Dalia an die Glut.

    Missmutig und ohne weitere Widerworte tapste das klitzekleine Kätzchen in die Höhle hinein.

    „Der Dieseldraco hält mich wahrscheinlich bloß für eine Ratte“, dachte es und war trotzdem nicht beruhigt. In der Höhle war es dunkel und obwohl sich klitzekleine Kätzchenaugen schnell daran gewöhnten, hüpfte das Kätzchen von Stein zu Stein, von Versteck zu Versteck, und lugte mit dem klitzekleinen Köpfchen in die Dunkelheit. Bereit, sich wieder Richtung Eingang zu stürzen.

    Die Höhle knackte in der Ferne. Das Kätzchen zuckte zusammen, Pfötchen überm Kopf, und blieb liegen. Als sich nichts tat, raffte es sich wieder auf und tapste leisen Schrittchens weiter. Langsam schwoll da ein Grummeln an, Pfötchen um Pfötchen wurde das rotzige Rasseln wurde lauter, bis der Gang sich in einen breiteren Raum aufweitete. Die Flammenechse lag dort mitten drin, der massige Körper mit dem mächtigen Schwanz reichte einmal durch den ganzen Raum. Ein Durchkommen war unmöglich. Trotz seiner Mühen wusste das klitzekleine Kätzchen nicht, ob es leise war oder nicht, denn das sägende Schnarchen ließ alle anderen Geräusche ertrinken.

    Hunderte Hummeln flogen durch des Kätzchens Bläuchlein, die Unruhe war nicht mehr auszuhalten, da nahm es Reißaus und tipptelte wie von tausenden Taranteln terrorisiert davon.

    „Frau Doktor!“, piepste es, als das Feuer ihres Lagers in Sicht kam. Dr. Dalia Dunkeldussel saß vor dem prasselnden Feuerchen und steckte gerade den Spuckeklau-Apparat zusammen.

    „Du kommst wie gerufen, kleine Miez! Ich habe dir gerade etwas Taubenkeule ins Schälchen gelegt.“ Quietschend wurde eine Mutter festgezogen.

    „Ich habe den Dieseldraco gefunden! Es liegt einfach da und schläft!“

    „Der hat auch den langweiligsten Job der Welt. Ist Türsteher in einer Gegend, in der es selten Besuch gibt … Ich habe übrigens ein kleines Handtuch dabei.“

    Ohne Umschweife rubbelte Dalia das Fell des Kätzchens so trocken wie möglich. Dann setzte es sich ans Feuer und putzte zur Beruhigung gründlich das noch feuchte Fell. Ohne nachzudenken schlang es seine Täubchenkeule herunter und soff Wasser aus einem Eierbecher. Gleich würde es wieder zu dem Ungeheuer in die Tiefe gehen, weder Essen noch Trinken konnten den Gedanken verdrängen.

    Schließlich ließ sich das klitzekleine Kätzchen den hauchdünnen Schlauch mit der Saugspitze umschnallen. Mit einem Klettverschluss konnte er einfach abgelöst werden und ein kleines Gestell erlaubte, ihn zum Absaugen günstig abstellen zu können. Dr. Dunkeldussel hatte sich, beflügelt von der Herausforderung, mit ihrer Ingeneurskunst selbst übertroffen. Der Schlauch war mit einer leisen Pumpe und einem kleinen Tank verbunden, gerade groß genug, um eine Ladung Supertreibstoff für ihre Ein-Frau-Rakete gewinnen zu können.

    Mit mulmigem Magen schlichen sie die Höhle hinab. Das klitzekleine Kätzchen zitterte am ganzen Leib, aber Dalia war entschlossen und ihre Entschlossenheit zerrte das Kätzchen hinter sich her.

    An der Kaverne angekommen positionierte sich Dr. Dunkeldussel am Eingang. Sie hatten Glück, der Draco schlief noch immer und ihm stand halb das mächtige Maul offen. Sie machte das Handzeichen für das Kätzchen, den Schlauch anzubringen. Im Dunkel konnte sie selbst kaum etwas erkennen, das Kätzchen hingegen sah ihre Signale klar und deutlich.

    Das kleine Herzchen pochte und hämmerte mittlerweile lauter in den kleinen Ohren als das Schnarchen der exotischen Flugechse. Das klitzekleine Kätzchen stolperte fast über deine Pfötchen, als es sich ans Maul anschlich und unter dem Gewicht der Vorrichtung auf seinem Rücken auf die Steine kraxelte, die der Draco als Kissen benutzte. Vorsichtig löste es den Klettverschluss … baute mit seinen Pfötchen das kleine, aber schwere Gestell auf … der Dieseldraco hob und senkte die Brust unverändert … so weit, so gut … das Kätzchen schob vorsichtig den Schlauch voran, Millimeter für Millimeter … die Spitze fuhr sachte in den offenen Mund … die Lippen bewegten sich mit der Atmung … der Schlauch legte sich neben die Zunge. Der Draco schlief. Alles unverändert.

    Das klitzekleine Kätzchen atmete auf. Jetzt noch zurück und Dalia das Signal geben. Erleichtert hopste es die Steine hinunter.

    „Was wird das, wenn’s fertig ist?“ Eine tiefe, tonnenschwere Stimme trampelte durch die ganze Höhle – überall gleichzeitig. Das klitzekleine Kätzchen erstarrte und begriff natürlich, dass es der ganz-und-gar-nicht-schlafende Dieseldraco war, der gerade mit ihm sprach.

    „Du … bist wach geworden?“, piepste es.

    „Wach geworden? Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass ich während meiner Schicht einfach einschlafe. Das wäre völlig unprofessionell!“ Die Pranke der Türsteherechse senkte sich über dem Kätzchen. Zwischen zwei kruden Krallen hob der Draco es vor sein Gesicht. „Für einen Schatzräuber bist du aber mal ein Winzling. Wo sind deine Komplizen?“

    „K-komplizen? Ich bin kein Räuber!“, jammerte das klitzekleine Kätzchen.

    „Ist das so? Und was sollte dann der Schlauch? Wolltest du mich betäuben? Oder gar vergiften? Jemand mit guten Absichten steckt keinem, ohne zu fragen, einen Schlauch in den Mund. Wenn ich dich hier und jetzt bestrafe …“, der Draco hob das Kätzchen über sein ledriges Echsenmaul, „… dann trifft es sicher keinen Falschen!“

    „Neineinein!“, quiekte es, „Bitte nicht!“

    „Das hättest du dir vorher überlegen sollen, kleiner Dieb! Ich kann dich jetzt nicht einfach laufen lassen, ich habe einen Ruf zu verlieren! Wenn du irgendwem erzählst, dass ich ein netter, angenehmer Geselle wäre, dann rennen mir die Schatzsucher hier die Bude ein.“ Die Echse öffnete das Maul weiter, als es möglich sein sollte, Dalia kam mit einem schweren Schraubenschlüssel in die Kaverne gestürmt und das klitzekleine Kätzchen schrie: „Wir wollten doch nur Mondkäsefondue kochen!“

    Da hielt der Dieseldraco plötzlich inne und schloss langsam sein Schlund.

    „Mond…käsefondue? Du meinst doch wohl nicht etwa … Dr. Dalia Dunkeldussels weltberühmtes Mondkäsefondue?! Achwas, du nimmst mich doch auf den Arm!“

    „Nein, gar nicht! Wir haben keinen Treibstoff und deine Spucke ist –“

    „Tatsächlich?“

    Dalia erstarrte irritiert und ließ ihren stumpfen Gegenstand sinken. Der lange Schwanz der Echse war längst zum Zuschlagen bereit. Da ließ der Dieseldraco das klitzekleine Kätzchen auf den Boden sinken.

    „Ich sag euch was“, sprach der Dieseldraco gelassen, „Ich helfe euch, aber dafür bekocht ihr mich.“

    „D-das wäre eine gigantische Portion und das nur für dich!“, protestierte Dalia.

    „Na aber!“, hielt die Echse dagegen, „Das ist doch das mindeste dafür, dass ihr mir so dummdreist die Spucke absaugen wolltet!“

    „A-aber …“, meldete sich das klitzekleine Kätzchen, „… was ist mit deinem Ruf? Musst du nicht den bösen Wächter spielen?“

    Der Dieseldraco lachte nur: „Aber doch nicht um jeden Preis!“

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten