Kalkis Kurzgeschichtenkiste

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  • Ohh Mist :patsch:


    Lieber kalkwiese

    Ich habe tatsächlich nicht gesehen, dass es eine Fortsetzung war. :chaos:


    Ich entschuldige mich vielmals, das hab ich echt verbockt. Beim Lesen dachte ich wirklich, Kalkwiese hätte seltsame Sachen geraucht, aber im Zusammenhang mit dem vorherigen Post macht es natürlich Sinn!

    :hail:

  • Voriger Abschnitt.


    Das Palladium (Abschnitt 3 von 4)


    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, dem war nicht wohl, weil ein wütender Riese in ihrem Lager seinen Freunden auflauerte. Es zitterte vor Angst und bekam zu allem Überfluss auch langsam Hunger. Zu warten hatte auch seine Wirkung auf den Riesen. Mittlerweile waren seine Züge längst nicht mehr so hart und er wirkte deutlich träger in seinen Bewegungen.
    Das Kätzchen dachte kurz nach, traute sich dann und fragte.
    Der Riese war nicht erfreut, aber natürlich würde es zu essen bekommen, später, wenn es mit seinen Freunden hinter Gittern war.
    Aber die anderen kamen nicht. Bald wurde es dunkel und der Riese machte sich doch noch auf den Heimweg, das klitzekleine Kätzchen weiter auf seiner Schulter. Des Riesen Höhle lag in einem alten Steinbruch, der mit einem hohen Zaun gesichert war, über den der Riese einfach hinweg stieg. Nachdem das gigantische Hausportal ins Schloss fiel, konnte das klitzekleine Kätzchen auf der Riesenschulter nur staunen. Der Riese wirkte grob, aber seine Höhle war schlichter, lakonischer eingerichtet als erwartet. Mit weißgefliesten Wänden, Möbeln wie geometrische Formen und bewegungsmeldenden Lichtschaltern. So schmucklos, schnörkellos war kein Zuhause, so konnte nur die Höhle einer gemeinen Kreatur aussehen.
    „Modern, nicht wahr?“, fragte der Riese nicht ohne Stolz. Er gab dem klitzekleinen Kätzchen ein winziges Stück einer Formschinkenscheibe (für Riesen) aus dem Kühlschrank – es war noch immer doppelt so groß wie das Kätzchen selbst. Nachdem es sich sattgegessen hatte, wollte der Riese noch einmal alles über des Kätzchens Freunde wissen.
    „Aber ich habe schon alles erzählt – ehrlich!
    „Ich glaube nicht an ehrliche Diebe.“
    Langsam war das Kätzchen es satt, ein Dieb sein zu müssen. Es erzählte noch einmal alles von vorne.
    „Was möchte deine Freundin überhaupt mit dem Palladium?“
    „Sie möchte mit Wasser Energie speichern, in Tanks, so mit Brennstoff oder in Zellen oder so, ich weiß es nicht, aber es klang toll!“
    „Power to gas?“ Wow, der Riese verstand das ja! „So weit kommt’s noch. Ich habe gerade erst in ein paar Ölfelder investiert! Für sowas würde ich nichtmal einem Kollegen mein Palladium geben.“
    „Heißt das, wir können das gar nicht bauen?“, fragte das Kätzchen, die Ohren angelegt.
    Der Riese lachte. „Na, wenn sie mir ihr Patent verkauft, dann denke ich vielleicht mal drüber nach, ob ich sowas gut finden könnte – oder ob das Patent in den Giftschrank gehört.“
    Da wurde das Kätzchen nur noch trauriger – trauriger und sehr, sehr müde. Aus dieser Müdigkeit heraus und aus der Hoffnung, sich selbst damit etwas aufzuheitern, kamen ihm folgende Worte über die Lippen gepiepst: „Kannst du mir vielleicht eine Geschichte erzählen?“
    „Glaubst du ernsthaft, ich spiele dir den Unterhalter?“
    Das war wie ein Tritt, nur aus Worten.
    „In dem Fall ...“, das Kätzchen traute ich kaum weiterzusprechen, „würde ich gerne eine Geschichte erzählen ...“
    Der Riese war darüber so erstaunt wie das Kätzchen selbst – und nickte schließlich. Da erzählte das klitzekleine Kätzchen die Geschichte einer greisen Katzendame, die eines Nachts im Frühling auf einen Friedhof ging, um dort auf den Tod zu warten. Es war eine Geschichte, die Frau Doktor dem Kätzchen erzählt hatte und die es noch immer tief berührte, auch wenn es nicht wusste warum. Der Riese lauschte gebannt. Über das Erzählen jedoch schlief das Kätzchen vor Erschöpfung ein – fiel einfach mitten im Satz auf die Seite und war tief und fest ins Reich der Träume entschwunden.
    Es war einmal ein Wirtschaftsriese, der hatte einer Geschichte gelauscht, deren Ende er nicht erfuhr, weil das erzählende klitzekleine Kätzchen einfach eingeschlafen war. Er ließ die hundemüde Katze schlafen, ging noch einmal vor die Tür und inspizierte das kleine, metallene Lagerhäuschen nebenan, in dem er einige Palladiumbarren lagerte. Da er vor allem an Menschen verkaufte, hatte er 1-kg-Barren gießen lassen, für ihn waren sie eher wie bleierner Sand zwischen den Fingern. Das Schloss saß fest, aber er befestigte die Tür zusätzlich mit einer Kette. Die ganze Zeit kreiste ihm die unfertige Geschichte im Geist, wie eine nervige kleine Fliege, die er einfach nicht zu fassen bekam. Was hatte der Geist der greisen Katzendame bloß vorgeschlagen? Schließlich ging er zu Bett, verschloss aber alle Türen, damit das diebische Kätzchen nicht entkam ... und er die Geschichte zu Ende hören konnte.
    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, das erwachte eines Morgens in der Höhle eines Riesen, als es von ihm gepackt und auf seine Schulter gehoben wurde. Wie am Vortag wurde dem Kätzchen ganz schwummrig, je tiefer der Boden unter ihm wegsackte.
    „Wir statten deinen Freunden noch einen Besuch ab.“
    Auf dem Weg zum Lager forderte der Riese das Ende der Geschichte ein und war nicht ganz zufrieden, weil sie so zügig und abrupt zum Ende kam.
    „Das ist, als würde eine Hälfte fehlen!“
    Das Kätzchen legte die Ohren an. „Das ist aber das Ende der Geschichte. So hat es mir Frau Doktor erzählt ...“
    Eine Weile wanderten sie stumm weiter und nun, im Licht eines anderen Tages, fielen dem Kätzchen die riesigen, sandigen Krater auf, die die Hacken des Riesen in den Boden gerissen hatten. Fast so wie der Krater, in dem es gestern festgesessen hatte.
    Es war einmal eine Wissenschaftlerin, die erwartete in ihrem Lager in der Sonnigen Savanne einen Riesen, dem sie hatte Palladium stehlen wollen. Die Trümmer ihrer Schüttelbox lagen noch immer im Krater, den der Riese mit seinem beherzten Stampfen hinterlassen hatte – aber die wenigen Palladiumkörnchen, die Dalia gesammelt hatte, die hatte sie noch zusammenklauben können. Nun stand sie dort, die Füße schulterbreit, und schaute fest zum Riesen auf. Die Erde zitterte unter jedem seiner Schritte. Schließlich blieb er vor ihr stehen und hockte sich hin.
    „Du musst Doktor Dalia Dunkeldussel sein. Ich habe gehört, du machst ein fantastisches Fondue aus Käse vom Mond.“
    Auf seiner Schulter regte sich etwas, das ganz kläglich miauen konnte: „Frau Doktor! Ich bin hier oben!“
    Dalia, rief: „Ganz ruhig, kleine Miez! Wir holen dich da runter!“ Dann, seufzend, an den Riesen gewandt: „In der Fachwelt kennt man mich auch für meine Forschung.“
    Der Riese: „Was wären Schaffende ohne das Werk, für das sie am bekanntesten sind? Mein Name ist Ekoul. Und ich bin es, dem dieses Land gehört.“
    Dalia, schulterzuckend: „Man wäre freier. Du hast meine Schüttelbox zerstört. Hätten wir nicht vorher darüber sprechen können?“
    So begann das Wortgefecht:
    Natürlich, wenn sie etwas von ihm wollten, hätten sie sich bei ihm melden können. Der Riese hätte ihnen den Preis pro Gramm Palladium genannt, sie hätten eingewilligt, ihr Palladium gesammelt, bei ihm eingewogen – fertig. So und nicht anders laufe das auf SEINEM Boden!
    Und wenn sie den Preis nicht akzeptabel gefunden hätten?, fragte Dalia.
    Dann hätten sie nach Hause gehen können! Sollten sie sich doch ein anderes Palladiumvorkommen suchen!
    Er wisse genau, dass es kein anderes gäbe! So könne Dalia ihre Projekte nicht bauen ...
    Der Riese, mit unbewegtem Gesicht: Das Leben sei eben nicht fair. Was wolle Dalia denn entwickeln? Wenn ihm die Idee gefalle, würde er sie vielleicht sponsoren.
    Sie wolle mit überschüssiger Elektrizität Wasser in seine Einzelteile aufspalten und die Energie so chemisch speichern. Dann, wenn man die Elektrizität benötigte, wolle sie den entstandenen Sauerstoff und Wasserstoff unter Stromerzeugung wieder zu Wasser reagieren zu lassen. Damit wolle sie Häuser ausstatten und energietechnisch unabhängiger machen.
    Energieunabhängige Häuser! Der Riese lachte. Das Kätzchen habe bereits davon erzählt. Ob sie verrückt sei?
    Dalia hielt dagegen: Einer seiner Kollegen hätte sicher Interesse und könnte mit ihrer Idee eine Menge Geld machen.
    Doch der Riese durchschaute den Bluff: Konnte einer seiner Kollegen eine Versorgung mit Palladium sicherstellen? Natürlich nicht! Aber die Idee gefalle ihm. Wenn sie bereit sei, die Rechte an ihrer Anlage an ihn zu verkaufen, stelle er sie vielleicht ein.
    Dalia kullerten erste salzig nasse Perlen von der Stirn, hervorgelockt von der steigenden Sonne und der Anstrengung. Noch musste sie durchhalten. Der Dieseldraco würde sicher kommen. Bald. Hoffentlich ... Auf der Schulter des Riesen schlängelte sich ein klitzekleiner Kätzchenschwanz. Sie hob wieder das Wort: Auf gar keinen Fall!


    Nächster Abschnitt.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()


  • Der Riese mag also Geschichten und will Dalias Idee zu Geld machen? Arme Dalia, am Ende ist es immer der Sponsor, der den wirklichen Gewinn aus einer Idee zieht, obwohl er nichts anderes getan hat, außer Geld zu besitzen - ja, kreative Menschen sind echt genatzt in dieser Welt :crazy:
    Ich war ein wenig verwundert, dass du in Dalias Part nach den ersten Sätzen wörtlicher Rede dann in die indirekte Rede gesprungen und dort auch geblieben bist. Ich fand es auch gut zu lesen, trotzdem bleibt bei mir jetzt die Frage hängen: Wieso mitten drin in Dalias Abschnitt und nicht direkt durch einen Es-war-einmal-Abschnitt getrennt?
    Da fällt mir auf - vielleicht nur so als Idee: Wenn du die Geschichte bewusst in kleinere Parts teilst, zwischen denen du hin und her springst, könntest du sie sprachlich recht unique einfärben. Die indirekte also als etwas charaktertypisches verwenden - verstehst du, was ich meine?
    Kein Plan, ob das funktioniert, oder die Geschichte am Ende zu chaotisch und literaisch zu überladen macht, aber vielleicht ist es einen Versuch für so ein Experiment wert.

  • Voriger Abschnitt.


    Das Palladium (Abschnitt 4 von 4)


    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, das lauschte gerade einem erbitterten Wortgefecht voller Spott und Hohn zwischen seiner Freundin Doktor Dalia Dunkeldussel und dem Wirtschaftsriesen Ekoul, als es plötzlich von zwei kruden Krallen gepackt – ein Gefühl, das ihm merkwürdig bekannt vorkam –, in den Himmel und dann wieder Richtung Boden gerissen wurde, wobei es langgezogen quiekte. Es sah auf (zumindest dorthin, wo immer oben war, wenn es mit allen Pfoten auf dem Boden stand) und erblickte, mit heftigem Fahrtwind in den Augen – Flugwind? Flugwind. –, die Bauchschuppen des Dieseldracos.
    „Da ist ja Nummer drei!“, brüllte der Riese, und seine Riesenhand schoss in die Lüfte, dem Dieseldraco hinterher.
    Der tauchte ab, was der Riese nicht erwartet hatte, und pflückte Dalia vom Boden. („Huuuh!“, rief sie.) Dem Kätzchen fiel sofort auf, dass der Dieseldraco nicht so schnell flog wie sonst. Als es zu Boden sah, entdeckte es auch kein aufgebautes Zelt mehr und ahnte, was sich hier vielleicht abspielte.
    Eine Riesenhand raste direkt an den Schnurrhaaren des Kätzchens vorbei, erzeugte eine Fallbö und der Dieseldraco sackte ab. Das klitzekleine Kätzchen hatte ihn noch nie so stöhnen und schnaufen hören.
    Es war einmal ein Dieseldraco, der hatte mit einer Freundin, die Wissenschaftlerin war und ihn unwissentlich zum Komplizen eines Diebstahls gemacht hatte, einen Plan geschmiedet. Nein, wenn er ehrlich war, dann hatte er ihn völlig allein gesponnen, Dalia hatte nur noch eingewilligt. Der Draco und Doktor Dunkeldussel versteckten sich, bis der Wirtschaftsriese seine Wache im Lager beendete. Dann folgten sie ihm Heim – der Draco improvisierte seinen Plan, strenggenommen war es also gar keiner –, und dort entdeckten sie auf seinem gigantischen Hof, als der Riese später noch einmal nach draußen kam, seinen Lagerschuppen aus Metall. Für den Riesen musste er eher ein begehbarer Safe sein – für Dalia und den Draco hatte er mehr etwas von einer Halle. Der Draco und Dalia entschieden sich dafür, sich aufzuteilen. Dalia sollte auf das Lager aufpassen, denn es war wahrscheinlich, dass der Riese am nächsten Tag zurückkehren würde. Der Draco würde hier Wache halten und versuchen, das Kätzchen zu retten und Palladium aus der Schuppenhalle zu stehlen – ob sie ihm vertraue?
    Sie tat.
    Gut, dann würde er sie nun zurückbringen und sich danach auf die Lauer legen. Ja, doch, er komme da schon rein. Stahl würde schließlich weich, machte man ihn nur heiß genug.
    Und nun floh der Dieseldraco vor dem Riesen, beladen mit einem klitzekleinen Kätzchen in den einen Klauen und Doktor Dunkeldussel in den anderen, und, nicht zu vergessen, lauter Palladiumbarren in den Taschen seines Sattels. Diese zu befüllen, nur mit klauenbesetzten Händen, war zum Mäusemelken schwierig gewesen, da hatte er noch einige Verbesserungsvorschläge an Frau Doktor zu richten. Gerade aber beschäftigte ihn etwas anderes: Die Gewichtskraft – hätte Dalia vielleicht gesagt – zerrte an ihm, und dann war da noch der Riese, der seine Hände immer wieder nach ihm warf. Dalia griff nach den Schlaufen und Ösen des Sattels und zog sich hinauf.
    Wieder ein Luftloch. Dalia und das Kätzchen schrien auf. Der Draco ächzte, als er sie wieder auf Kurs hob, und noch ein Stückchen höher; nach jedem Luftloch, das die Hand des Riesen riss, etwas höher ... noch ein kleines bisschen und sie könnten –
    Aber der Riese Ekoul setzte zum Sprung an, griff nach dem Draco, packte ihn am Schwanz, und so sehr dieser mit den Flügeln schlug, so wenig konnte er doch ausrichten. Dennoch leistete der Draco ganze Arbeit. Langsam und zäh nur konnte Ekoul sie näher und näher zu sich ziehen. Dalia krallte sich fest an den Sattel und ihr Gesicht hellte sich auf: „Du hast es geschafft, du hast die Barren besorgt!“ Sie griff in eine Tasche, holte einen 1-kg-Barren heraus und vergaß darüber, sich festzuhalten.
    Ein Ruck vom Riesen, als er ihnen kurz ein paar Zentimeter ließ, um dann noch fester anziehen zu können. Dalia fiel nach vorn über, der Barren entglitt ihr – im Schreck fasste sie gerade noch den Sattel.
    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, das wollte seiner Freundin helfen, ein Projekt für ihr Haus zu bauen, zog dafür mit ihr in den Süden zum Palladiumsammeln, kam sich dabei reichlich nutzlos vor, wurde unwissentlich Komplize in einem Diebstahl und von einem Riesen entführt. Als es gerade in den Klauen des Dieseldracos hing, der vom Riesen gepackt und langsam immer tiefer Richtung Erde gezogen wurde und nicht entkommen konnte – als die drei gerade in einer ausweglosen Situation gefangen schienen –, sah das Kätzchen an seinem klitzekleinen Köpfchen vorbei einen Palladiumbarren zu Boden stürzen. Da hatte es eine Idee.
    Es rief: „Die Barren, Frau Doktor! Wirf die Barren!“
    Dalia, die Augen weit aufgerissen, wurde bleich. „Ich kann doch nicht einfach das Palladium wegwerfen!“
    Der Dieseldraco, dem der Schwanz im Griff des Riesen bereits mächtig schmerzte, rief mit qualmenden Nüstern: „Verdammter Mist, Dalia! Das bist du uns schuldig!“
    Das Kätzchen sah ihr leidendes Gesicht, als sie in die Tiefe blickte, dann verschwand sie aus seinem Blickfeld. Wenige Augenblicke später war dem Kätzchen, als beginne ein leichter Nieselregen aus 1-kg-schweren Palladiumbarren.
    Es war einmal ein Wirtschaftsriese, der wollte nicht, dass sein Monopol auf Rohpalladium von drei Dieben untergraben wurde, und lernte eines Tages, dass ein Hagelschauer, auch wenn die Körner klein sind, nicht angenehm ist, wenn er aus 1-kg-schweren Palladiumbarren besteht. Besonders, wenn man einen davon ins Auge bekommt. Es war ein Reflex: er ließ die Diebe los. Als er noch dastand, sich das getroffene Auge rieb, waren sie schon außer Reichweite. Er konnte nur noch hinterherschauen.
    Es waren einmal eine geniale Wissenschaftlerin, eine feuerspeiende Flugechse und ein klitzekleines Kätzchen, die waren mit einem Diebstahl von Palladium davongekommen, weil die Wissenschaftlerin durch einen glücklichen Wurf (oder weil sie gut zielen konnte oder beides) nicht alle gestohlenen Palladiumbarren auf die Augen eines Wirtschaftsriesen werfen musste. Ein paar – drei – waren übrig geblieben. Es würde noch ein paar Stunden dauern, für manche von ihnen vielleicht einen ganzen Tag, bis sie sich darüber freuen konnten. Und wenn sie nicht gestorben sind, so erleben sie noch heute wunderbare Abenteuer – für den Moment aber schwiegen sie. Und ordneten sich, nachdem die Ereignisse ihr Inneres durcheinandergewürfelt hatten.
    Dann seufzte das klitzekleine Kätzchen: „Wenn doch nur ein netterer Riese das Land gekauft hätte ...“
    Dalia schwieg.
    Zuletzt sprach der Dieseldraco: „Am eigentlichen Problem ändert das auch nichts, fürchte ich.“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()


  • Und die Moral von der Geschicht: "Es ist okay, böse Monopolisten zu beklauen" :whistling:


    Diese Geschichte hebt sich für mich sehr vom Mondkäsefondue ab. Das Mondkäsefondue war etwas verspielter und ich sag mal Kindgerechter. Hier hast du merklich mit Stil experimentiert. Ich fand es wesentlich schwerer zu lesen, dadurch wirkt sie hier wie eine Kindergeschichte für Erwachsene. Auch was Satzbau angeht, gehst du hier teilweise sehr in die Vollen. Vielleicht bin ich sowas aber auch einfach nicht mehr gewohnt mehr, seit ich aus dem Studium raus bin und meine tägliche Lektüre nun aus Spagetthicode besteht :rolleyes:

    Am Ende stellst du eine interessante Frage in den Raum, Ob es nun etwas am Problem ändert, wenn ein netterer Riese das Land besäße. Das gefällt mir. Hinterlässt für mich einen nachdenklichen Nachklang, den ich als angenehmen Ausklang empfinde. Da kann man sicher lange drüber debattieren und ich wäre auch sofort mit dabei :fox:

  • Alopex Lagopus

    Ja, deinen Beobachtungen stimme so völlig zu.

    Es ging mir natürlich auch darum, diese Geschichte sehr anders zu machen als Das Mondkäsefondue. Ich hatte das damals auch schon als Kindergeschichte für Erwachsene verstanden, diese hier ist natürlich nochmal viel ernster. Mit den langen Sätzen hatte ich auch einfach Spaß, muss ich sagen. Diese Seite von mir wollte sich mal so richtig ausleben.

    Falls ich jemals eine Sammlung von den Geschichte um das klitzekleine Kätzchen machen sollte, sollten aber wahrscheinlich ein paar Sätze nochmal unters Messer. Zwar ist es mein Konzept, dass die Geschichten sich unterscheiden sollen, aber ich habe es hier vielleicht auch ein bisschen weit getrieben. Rücksicht auf den Leser und der Spaß am Schreiben stehen sich bei mir manchmal leider im Wege. ^^ Ich weiß noch nicht so richtig, wie ich damit umgehen soll, genauso wenig wie ich weiß, was für eine Art Autor ich sein will.

    Vielleicht bin ich sowas aber auch einfach nicht mehr gewohnt mehr, seit ich aus dem Studium raus bin und meine tägliche Lektüre nun aus Spagetthicode besteht :rolleyes:

    Das kann natürlich sein, aber generell hat man heute wahrscheinlich weniger die Zeit, mit Büchern so richtig in Resonanz zu treten. Satzkonstrukte wie die längeren hier sind auch Trotzreaktionen von mir darauf, dass generell diese nüchterne Kahlschlag-Prosa als Idealbild gilt. Hin und wieder denke ich mir dann: "Ihr könnt mich mal alle ..." Mit nüchternem Verstand weiß ich natürlich auch, dass man sich um seine Leser sorgen sollte. Da stellt sich mir die Frage, wie weit man es in diesem Spannungsfeld zwischen Verspieltheit und Leichtigkeit eigentlich treiben kann, und sich gedanklich in so einem Spannungsfeld zu bewegen, ist ... anstrengend. ^^ Manchmal wünschte ich, ich wäre da einfacher gestrickt, aber irgendwie muss ich doch zu meinem Vorteil nutzen können :hmm:


    So experimentell im Stil finde ich die Geschichte eigentlich gar nicht, wenn ich ehrlich bin. ^^

    Und die Moral von der Geschicht: "Es ist okay, böse Monopolisten zu beklauen" :whistling:

    Ist das nicht etwas doppelt gemoppelt? :D

    Am Ende stellst du eine interessante Frage in den Raum, Ob es nun etwas am Problem ändert, wenn ein netterer Riese das Land besäße. Das gefällt mir. Hinterlässt für mich einen nachdenklichen Nachklang, den ich als angenehmen Ausklang empfinde. Da kann man sicher lange drüber debattieren und ich wäre auch sofort mit dabei :fox:

    Das freut mich, dass es dir gefällt. Ich kam mir mitunter durchaus so vor, als käme ich mit der Brechstange an. Vielleicht tue ich das ja auch. Aber ich gebe keine simple Antwort auf diese Frage, weil ich auch keine simple Antwort habe. Aber Strukturen und Prinzipien wie diesen Riesen gibt es und ich bin überzeugt, dass Leute mit gutem Willen, die aber die gleiche Funktion ausüben, das eigentliche Problem nicht lösen. Hollywood strickt ja gerne solche Märchen und das geht mir gegen den Strich.


    Ich hoffe, es hat am Ende auch einfach etwas Spaß gemacht. Mir hat es das auf jeden Fall. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]