Weiße Scherben

  • Liebe Forler – Hier werden gelegentlich Kurzgeschichten landen, von denen ich – im Gegensatz zu meinen Schwarzen Scherben – genau weiß, wo sie herkommen und wo sie hinführen. Also gut, und lieb, und rein…


    Wenn es denn möglich ist, wünsche ich daher soweit viel Spaß! ;)


    Liebe Proszeniums-Grüße

    Theo


    –––


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    – Die Stadtnymphe –

  • Die Stadtnymphe


    Ein Freund und ein längst überkommenes Mädchen

    [Lesedauer: ca. 5 Minuten]


    ***

    ***

  • Hallo zum Zweiten Theo-Drecht .


    Okay das nenne ich einen Zufall dass ich denselben Nickname habe:D Und ich dachte, ich wäre damit recht originell... naja...


    Nun zur Sache - ich schreite zur Tat...

    Schreiben kannst du, keine Frage. Ein sehr eloquenter, zuweilen philosophischer Stil. Anschaulich, ohne zu viele übertriebene Details zu geben. Die Erzählung fand ich generell sehr schön. Den Perspektivwechsel hab ich beim ersten Mal nicht gleich verstanden. Ich musste es mehrmals lesen (ich brauchte keine fünf Minuten), bis ich verstanden habe, was die Kursivmarkierung soll:dash:Dadurch war es für mich zuerst sehr verwirrend.

    Ich füge beispielhaft mal eine Stelle ein, die als Exempel für diese Verwirrung stehen soll:

    »Na mit denen müsstest du dich mittlerweile abgefunden haben. Aber?«

    Er seufzte. Ich fand sie nicht mehr.

    Das liest sich zuerst so, als hättest du die Anführungszeichen vergessen. Was natürlich nicht so ist. Aber es stört den Lesefluss.

    Auch dass Freund Nr. II seine Geschichte dann ja erzählt und dabei die Anführungszeichen weggelassen werden, hab ich nicht gleich kapiert und auch das hat mir später beim Lesen immer wieder aufgestoßen. Aaaber. Das ist gut. Man sollte über das Gelesene nachdenken und reflektieren.


    Stimmungen und Beschreibungen einzufangen gelingen dir sehr gut. Hin und wieder müsstest du aufpassen, dass du Sätze nicht zu sehr verschachtelst - besonders am Anfang nicht, das erschwert das Reinlesen (jedenfalls für mich). Generell ist es ja eine interessante Story, die man nicht zu sehr überfrachten muss, vorallem wenn es am Anfang um nebensächliche Beschreibungen geht. Dies ist nur ein subjektiver Eindruck von mir und geht anderen Lesern vielleicht anders.


    Fazit: Hat mir Freude gemacht zu lesen. Ästhetisch anspruchsvoll. :)

    LG

    noch eine Stadtnymphe

  • Hallo Theo-Drecht,

    habe deine Geschichte mit Vergnügen gelesen, besonders gefallen haben mir die Stellen


    Ich fuhr einmal durch den Park zu dieser Brücke. Die Lindenblätter drückten schwer auf die Lehmpfade, und die Bäume standen eng. Der gestreute Kies knirschte laut unter meinen Reifen, es war nämlich schon still im Park, so spät am Abend. Nur einzwei verträumte Pärchen oder ein Typ mit seinem weißen Handy gingen noch umher, aber die ließ ich bald hinter mir.


    e schon diese Stunde angebrochen, in der alles entweder einsumpft ins Blaue, ins Schwarze, oder glüht. Gesichter werden dann wichtig.

    Da steckt echte Poesie drin.


    er nur einen Abend

    sie seine Stadtnymphe

    er als wär sie noch da

    über der Fahrbahn

    Ich würde gerne jetzt schon erfahren, was "er nur einen Abend" bedeutet, es ist mir zu vage, ich finde keinen Anlegepunkt, an dem ich das Gedicht andocken kann. Einn Gedicht sollte unabhängig von späteren Erklärungen verständlich sein. Dann empfehle ich, wenn man alle Zeilen klein beginnt, auch die Nomen klein zu schreiben.


    Da stieß ich auf ein Gedicht, das aus den Anderen herausstach, welche ich eigentlich nur ihmzuliebe las, um ab und zu einen Laut der Anerkennung ins stille Abteil zu stoßen, da sie allesamt aus gewichtigen, langen Versen bestanden, welche teilweise etwas ins Verfängliche tendierten und deren Schwung auch unmodern und pathetisch war


    eine spezielle Bewandtnis hätte,

    ...Bew. habe, denn das Konditional ist an eine nachfolgende Bedingung geknüpft.


    LG, McFee

  • Hallo Theo-Drecht,

    dass dir meine Anm. gefallen ist ja sehr schön, aber ich hätte doch gerne konkrete Antworten, zB. zum Gedicht. Auch wüsste ich gerne, ob du an weiteren Verbesserungsvorschlägen interessiert bist - nicht weil ich der geborene Erbsenzähler bin, sondern um dir weiterzuhelfen.

    LG

  • Atmosphaerisch sehr schoen, ich denke grade die Einbettung in die Zugfahrt finde ich gelungen, die gibt der Sache noch so einen traumhaften Hauch.


    Stilistisch mag ich anmerken - es sind ja zwei Ebenen, der kursive Text wird vom Zug-Erzaehler offenbar nach der Begebenheit erzaehlt oder aus dem Gedaechtnis aufgeschrieben - der ist also 'editiert' und kann sehr gedrechselt und poetisch sein. Der normal gesetzte Text aber soll ja direkt gesprochener Text des Freundes sein der erzaehlt. Und ganz oft denke ich mir da - so redet doch keiner?!


    Wir haben zum Beispiel


    Die Lindenblätter drückten schwer auf die Lehmpfade und die Bäume standen eng.


    Ich bin mir nicht sicher ob 'Pfad' in der gesprochenen Sprache noch zu viel verwendet wird, aber ich bin mir ziemlich sicher dass mir mein Leben lang noch nie jemand was von drueckenden Blaettern erzaehlt hat...


    Als sich bald die durch die Stämme vorbeiglimmenden Leuchten der Autos und der heimeilenden letzten LKWs vom Militärring abzeichneten

    Das 'vorbeiglimmende Leuchten' ist auch so ein poetisches Bild das eher in die editierte Erinnerung als in den direkten Text passt

    Natürlich wähnte ich, sie auf dem Gepäckträger mitnehmen zu dürfen,

    Und 'waehnen' ist auch mehr letztes Jahrhundert - heute hat man eher den Plan sie mitzunehmen...


    Okay - ich dachte fuer einen Moment vielleicht ist der Freund so ein Typ der so redet, immerhin schreibt er ja Gedichte. Oder der Zug-Erzaehler strickt ihn sich so hin dass der Text eben auch in der Erinnerung editiert ist - er ist ja eigentlich auch vom Zug-Erzaehler erzaehlt.


    Aber - dann kommen wieder die Dinger wo Du eindeutig versuchst, den Text als direkt gesprochen zu kennzeichnen


    wenn noch ein LKW unter uns durchbretterte


    Gefällts dir?


    aber ich wollte mir natürlich das Mädchen sichern



    Das 'durchbrettern' oder das zusammengezogene Gefällts oder 'Maedchen sichern' sind jetzt recht eindeutig keine Elemente der Schriftsprache, sondern so spricht man halt.


    Insofern bleibe ich mit dem Gefuehl zurueck, dass Dir der Text manchmal von einer Stilebene in die andere gerutscht ist - wo er vielleicht getrennt besser gewesen waere. Selbst wenn der Freund des Zug-Erzaehlers ein poetischer Romantiker ist, kann er ja Bilder verwenden, aber trotzdem reden wie man... halt redet.


    Ja, das waeren meine 2 Cents zu dieser Geschichte. Wie gesagt, von der Stimmung her fand ich sie richtig schoen aufgebaut und entwickelt, und auch das offene Ende passt gut:)

  • Sou. Liebe Freunde Stadtnymphe , McFee und Thorsten – Tut mir Leid, dass ich Euch hingehalten habe mit meiner Antwort! Aber wie ihr oben nachlesen könnt, habe ich die Geschichte, auch auf Basis Eurer Anmerkungen, noch einmal grunderneuert, Satz für Satz, und das brauchte seine liebe Woche. Ich habs jetzt auch nicht noch einmal korrekturgelesen eben (Ich nehme an, ich begehe damit den selben Fehler wie beim ersten Mal)… Ich habe jetzt genug Zeit im Angesichts der Stadtnymphe – der fiktionalen ;) – verbracht.


    Dafür danke ich euch erst einmal für Eure Hinweise! Und jetzt ins Einzelne:


    Für dich Stadtnymphe:


    Für dich, McFee:


    Und für dich, Thorsten:


    Für euch alle Drei hoffe ich, dass die überarbeitete Version euer tieferes Gefallen findet, als die erste Version, die ich jetzt rückblickend noch allzu skizzenhaft finde. Besonders, die ihr die poetischere Sprache erwähnt habt: Es kam jetzt raus – und ich bin mir bewusst – dass ich mit diesen lyrischen Sätzen immer auf dem schmalen Grat wandere, alles zu krass zu machen und die grundstehende Empfindung totzuschreien. Das habe ich versucht, ein wenig zu verbügeln… aber naja. Das ist meine eigentliche Sorge.


    Jetzt bin ich erstmal geschafft. Und Euch dankend! wünscht

    Theo

    Euch ein schönstes Wochenende :)


    PS: Heute Morgen wurde ich von Donner geweckt. Ich dachte real, eine Bombe schlüge ein. Und ihr?