Aus den Wäldern - Die Geschichte von Fjann



  • Einleitung


    Das leise Rascheln der sich leicht im Wind bewegenden Blätter der Bäume, die die kleine Lichtung umstanden, veränderte seinen Klang nur für wenige Augenblicke. Aber es genügte. Der Zauberer wußte, daß er nicht mehr alleine war.

    Während er weiter einzelne Blätter von den Kräutern zupfte und in seiner Gürteltasche verstaute,

    ertastete sein Geist die Anwesenheit des Jungen, der sich hinter dem Buschwerk am Rande der Lichtung versteckte.

    Es war bei weitem nicht das erste Mal.


    Ein leises Lächeln umspielte unwillkürlich Elgars Lippen, denn dies war ein Spiel, das beide seit Jahren spielten.

    Elgar hatte den Sohn des Jägers heranwachsen sehen, seit Adhren damals in den Wäldern sein erstes Lager aufgeschlagen hatte.

    Erst war es nur ein schlichter Unterschlupf gewesen, ein primitiver Schutz vor dem Wetter.

    Äste, schräg aufwärts gegen einen Baum gelehnt als Gerüst für die darübergelegten morschen Felle, so daß das ganze einem Zelt glich.

    Aber schon sehr bald hatte Adhren mit seinem Schwert dafür gesorgt, daß die das Zelt umgebenden Bäume fielen.

    Daß eine Lichtung entstand, wo vorher nur Wald gewesen war. Und daß aus den gefällten Bäumen ein festes Haus erwuchs, klein zwar, aber ausreichend, einem Mann, seiner Frau und einem kleinen Säugling zu einer Heimat zu werden.

    War das wirklich schon fast fünfzehn Jahre her?

    Elgar verhielt einen kleinen Augenblick und betrachtete abwesend die Biene, die sich vor ihm auf der dunkelgrünen Blüte eines Tharabusches niederließ.


    Tatsächlich. Fast fünfzehn Jahre. In denen aus dem schreienden, plärrenden Bündel, daß der Jäger mit in die Wälder gebracht hatte ein Junge wurde. Und aus diesem fast schon ein Mann.

    Und der wie schon früher so oft auch jetzt wieder in der Deckung der Büsche in seinem Rücken lag und ihn beobachtete.

    Worauf hoffte der Junge nur immer?


    Zeuge eines Zaubers zu werden? War es das?

    Elgar schmunzelte. Er war nur hierher gekommen, weil auf dieser Lichtung verschiedene Kräuter wuchsen, mit denen man einen sowohl sehr schmackhaften als auch heilsamen Tee zubereiten konnte. Er lachte still in sich hinein bei der Vorstellung, mit welchem Mißtrauen und Unbehagen der Junge am Rande der Lichtung sein Treiben verfolgen mußte.

    Wie hieß er doch noch gleich?

    Elgar runzelte die Stirn. Es wollte ihm nicht sofort einfallen, obwohl er Adhren häufiger begegnet war in diesen Wäldern.

    'Ärgerlich!' , dachte er. 'Ich werde alt, wie es scheint.'


    Er schüttelte mißmutig den Kopf. Oh ja, es würde nicht mehr allzulange dauern und er würde einen Stock wie Meister Arned benutzen müssen.

    Man konnte die Natur hinhalten mit verschiedenen Mitteln und Zaubern, aber betrügen ließ sie sich niemals. Er hatte mehr Sommer kommen und gehen sehen als Menschen ohne seine Fähigkeiten und Künste, viele mehr. Aber der Preis dafür war Einsamkeit.

    Elgar fragte sich lediglich von Zeit zu Zeit, wann es wohl an ihm wäre sich aus dieser unseligen Welt zurückzuziehen und Frieden finden zu dürfen.

    Denn wieder einmal hatten ihn Berichte erreicht. Aus Ghaidon und aus Ethlor, in denen von Verheerungen berichtet wurde, brennenden Dörfern und Städten und einsamen Weilern. Und in den Berichten immer wieder die Beschreibungen derer, die dafür verantwortlich zu sein schienen: Die Bath.

    Ein Volk, welches es immer vorgezogen hatte, im Dunkel der Erde zu wandeln und zu siedeln.

    Eine Frage war: Warum kamen sie wieder an's Licht? Und weiter: Woher?

    Mairn-â-Godrh, die alten Berge, waren nicht der Quell, aus dem sie erneut strömten.

    Es war lange darüber gestritten worden. Mancher beschwor eine Vision des wiedererstandenen Garthons herauf, der vor langer Zeit durch die vereinten Kräfte von Menschen, Elven und Zwerge ins Dunkel zurückgestürzt wurde.


    'Unsinn!'

    Steile Falten bildeten sich auf Elgars Stirn, während er darüber nachdachte.

    Dann schüttelte er die düsteren Gedanken ab und wandte sich dem Randilstrauch zu, der am Rande der Lichtung wuchs, geschmückt von gelben und kobaltblauen Blüten.

    Halbmeterhoch hatte sich die Pflanze zu seiner Freude mittlerweile entwickelt. Eine stolze Leistung für den kleinen Sämling, den er vor langer Zeit hierhergebracht hatte.


    Es gab kein anderes Gewächs mit einer derart hohen Heilkraft wie den Randil. Ob es sich um die Heilung innerer Verletzungen handelte oder die Behandlung äußerer, in fast jedem Fall konnte man von seiner heilkräftigen Wirkung Gebrauch machen.

    Manche sagten, daß der Randil der Vater aller Pflanzen sei, aber wenn dies zutraf, hatten seine Kinder in ihrer Vielfalt dafür gesorgt, daß man ihn nur noch selten finden konnte. Darüber hinaus veredelte er jeden Tee.

    Elgar pflückte einige Blätter ab und steckte sie zu den anderen in seinem Beutel, ließ den Blick über die Lichtung schweifen und nickte zufrieden.


    Er wandte sich zum Gehen, als ihm etwas einfiel.


    „Fjann!!!“

    Des Zauberers rechter Zeigefinger deutete auf die Stelle, hinter der Adhrens Sohn sich sicher verborgen glaubte.

    „Ich sehe Dich!“

  • Hallo Der Wanderer ,


    ein wirklich sehr schöner Schreibstil, macht mir richtig Lust, einen Tee aufzusetzen, mich in meinen Sessel zu setzen und das Buch (wenn es denn schon gäbe) aufzuschlagen. Anfangst hat es mich auch sehr an Miraculix von Asterix erinnert, der wieder im Wald hockt und seine Misteln schneidet. :)

    Wie kommst du eigentlich auf die Namen?

    Äste, schräg aufwärts gegen einen Baum gelehnt als Gerüst für die darübergelegten morschen Felle

    Können Felle morsch sein? Kenne das nur als einen Begriff bei Holz?

    Dann schüttelte er die düsteren Geadnken Gedanken ab

    [...]

    oder die Behandlung äusserer äußerer

    Er wandte sich zum Gehen, als ihm etwas einfiel.

    Da dachte ich auch kurz: Ehm Elgar? Hast du da nicht etwas vergessen?

    Sehr schön formuliert. :thumbup:

  • Heyho Charon

    Danke für die Fehlerkorrektur. wurde verbessert.

    Und JA:

    Können Felle morsch sein? Kenne das nur als einen Begriff bei Holz?

    Felle sind wie Holz mit einer eigenen, natürlichen Feuchtigkeit versehen. Die verliert sich jedoch im Laufe der Zeit. Ein Fell bracht von Zeit zu Zeit die Zufuhr von Fett, um geschmeidig zu bleiben (auf der Hautseite aufgetragen). Holz braucht ein (farbloses) Öl für den gleichen Effekt.

  • Dein Einstieg hat mir gut gefallen und er lässt auf eine tolle Geschichte hoffen. Die vielen ungewohnten Namen habe ich zwar nicht alle behalten können, aber ich schätze mal, wir werden ihnen später nochmal wiederbegegnen und ein paar mehr Informationen zu Geografie und Biologie deiner Welt bekommen. Von daher stört mich das nicht.

    Du hast uns einen kurzen Blick gewährt auf etwas, was vergangen war und nun wohl erneut den Frieden bedroht und Elgar somit Sorge bereitet. Das hört sich spannend an und ich freu mich auf mehr.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Heyho Tariq,


    Nein. Nein und abermals NEIN!

    Ich werde mich niemals einer s.g. "Neuen deutschen Rechtschreibung" beugen in der ich kein "ß" (Eszet) mehr nutzen darf. Ist mir völlig wurscht, was irgendwelche Programme dazu zu sagen haben...

    Bem. am Rande: Was ist schlecht an "einsamen" Weilern?

    Lies bitte nochmal drüber. Ich habe mit keinem Wort gesagt, das "einsame Weiler" schlecht sind. Glaube ih zumindest.

    Müsste es nicht "von seiner heilkräftigen Wirkung" heißen, weil du ihn "den Randil" nennst?

    Stimmt. Wurde geändert. Danke.

  • Das leise Rascheln der sich leicht im Wind bewegenden Blätter der Bäume, die die kleine Lichtung umstanden, veränderte seinen Klang nur für wenige Augenblicke.

    Ein ruhiger und gemütlicher Einstieg. Auch wenn der Exkurs über die Eroberer aus dem Erdreich für mein Empfinden nicht hätte größer sein dürfen.
    So passt alles noch im Rahmen.
    Mir gefällt die Art und Weise wie du die DInge erzählst.

    Auch haben wir direkt zu Beginn den TItelreveal^^ Fjann, der Namensgebende Held ist also der Jägerssohn. Ich bin gespannt wo seine Reise noch hingeht ^^

  • Heyho Charon

    Wie kommst du eigentlich auf die Namen?

    Da hab' ich ehrlich gesagt selbst keine Ahnung.

    Allerdings gibt's einen Haufen Namenslisten aus aller Welt, da hole ich mir manchmal etwas Inspiration. Wichtig finde ich nur, daß ein Name "Klang" haben sollte. Wenn er noch dafür sorgt, daß man durch ihn einen Charakter schon mal irgendwo vorsortieren kann beim Lesen, macht's das für jeden einfacher.

    Bei Fjann war's so: Die Basic war "Finn" - ich mag den Namen sehr.:)

    War mir aber zu sehr von dieser Welt. Also ein bißchen rumgesponnen: "Finn, Fenn, Funn, Fonn, Fann...fast gut":threeeyes:. Und dann kam eben Fjann raus.

    :D:D:D

  • Kapitel I.

    Schatten der Vergangenheit



    „Fjann!!!“

    Des Zauberers rechter Zeigefinger deutete auf die Stelle, hinter der Adhrens Sohn sich sicher verborgen glaubte.

    „Ich sehe Dich!“

    "Was tust du dort und warum bist du da?"


    Elgars Stimme hatte einen herrischen Ton angenommen, der die Stille des ihn umgebenden Waldes harsch durchbrach.

    Ein leises Rascheln, eine leichte Bewegung der Pflanzen am Rande der Lichtung und ein hastiges Geräusch sich rasch entfernender Füße ließen Elgar sicher sein, daß die Botschaft angekommen war.Der Zauberer gestattete sich ein knappes Lächeln und kehrte zu seiner Heimstatt zurück.


    Fjann's Atem ging rasch, während er so schnell er nur konnte in's sanfte Grüne des Waldes eintauchte. Sein Herz klopfte rasend schnell und schließlich blieb er erschöpft stehen, um Luft zu holen. An einen Baum gelehnt holte er mehrmals tief Luft, bis er fühlte, wie sich sein Puls verlangsamte.

    Bis das Flimmern der vielen kleinen Lichtpunktevor seinen Augen nachließ. Langsam rutschte er am Stamm herab, bis er auf einer den Boden fliehenden Wurzel zu sitzen kam.


    Dieser Zauberer war unheimlich!


    Stets hatte er größte Sorge getragen, sich so leise und unbemerkt wie nur möglich an ihn heranzuschleichen, um vielleicht Zeuge einer Zauberei des Alten zu werden.Niemals war ihm das gelungen. Und was noch schlimmer war: Jedesmal hatte Elgar gewusst, daß er anwesend war. Und, noch viel schlimmer: Wo er war. An seinen Vater hatte er sich heranschleichen können, viele Male, ohne das der Jäger seine Anwesenheit wahrgenommen hatte. Wieso also gelang ihm das bei Elgar nicht?

    Fjann schüttelte über sich selbst verärgert den Kopf. Sein Vater würde es wissen. Adhren kannte den Magier, so wie er jeden kannte, der in den Wäldern umging. Ein Jäger geht auf ihm zum Teil unbekannten Wegen und dort trifft er manchmal die, die sich verbergen vor dem Rest der Welt.

    'Ja', dachte Fjann. Wenn überhaupt, würde es sein Vater wissen. Ächzend erhob er sich wieder. Seine Beine fühlten sich an wie aus Gummi, als er sich auf den Weg nach Hause begab.


    "Elgar überraschen?" wiederholte Adhren die Frage seines Sohnes mit hochgezogenen Augenbrauen und ließ ein leises Lachen hören. Er schnitt sich noch ein Stück Käse ab und schob es erheitert in den Mund. Kauend betrachtete er seinen Sohn, der ernsthaft und bestimmt nickte, während er sich eine dicke Brotscheibe absäbelte und wilden Honig darauf strich. Die beiden sassen im langsam einsetzenden Dämmer am Tisch ihrer Hütte.

    „Ich will dir ja nicht den Mut nehmen, aber einen Mann wie Elgar unaufmerksam anzutreffen...“ Adhren nahm einen Schluck Wein aus seinem Becher und fuhr sich im Anschluß mit dem Hemdsärmel über den Bart, ehe er den Satz beendete, "...nun, das wäre wohl eine Aufgabe für jemanden, der noch geboren werden muß. Du hast also Pech."

    Adhren schüttelte erheitert den breiten Schädel, der wie alles an seiner Gestalt auf unbestimmte Art irgendwie zu groß geraten schien. Er war ein großer, stark gebauter Mann inmitten seiner Fünfziger und sein Haar, seit frühester Jugend dichtgelockt, wies wie sein Bart mittlerweile zahlreiche graue Strähnen auf. Es wirkte wie die Mähne eines alternden Löwen.


    Fjann hatte ihm gar nicht richtig zugehört.

    „Er kann doch nicht allwissend sein,“ sagte er mit gerunzelter Stirn und tauchte einen Finger in den Honigtopf.

    „Ich meine, mittlerweile könnte ich sogar einen Hasen zwischen den Ohren kraulen, ohne daß er es merkt. Woher weiß Elgar dann immer noch, wo ich mich verstecke?“

    Er leckte den Honig vom Finger.

    „Woher weiß das Reh von meiner Nähe, wenn ich es jage?“ fragte sein Vater lächelnd zurück.

    „Manchmal steht der Wind ungünstig, dann kann es mich wittern. Und manchmal bin ich nicht leise genug und es hört mich.“

    Adhren goß sich noch etwas von dem gewürzten Wein in den Becher und setzte ihn an die Lippen.

    „Aber manchmal habe ich alles richtig gemacht und trotzdem...trotzdem spürt mich das Reh irgendwie und flieht“, sagte er und blickte seinen Sohn an.

    „Ein Zauberer ist kein Hase und er ist auch kein Reh. Viel verstehe ich nicht von den Künsten dieser Zunft. Aber Elgar lebte schon hier, als ich noch ein Junge in Deinem Alter war.Und ich denke, er hat vieles gesehen und erlebt, das weit über unsere Erfahrungen hinausgeht. Weshalb sollte es ihm also schwerfallen, deine Anwesenheit zu spüren, wenn es ein junges Reh kann?“


    Er sah zu Fjann hinüber. Hinter der Stirn seines Sohnes rasten die Gedanken; Adhren konnte es deutlich sehen. Dieses stete Runzeln und Glätten der Stirne, während der Finger des Jungen abwesend in den Hongtopf tauchte, beiläufig abgeschleckt wurde und wieder hineinfuhr.

    Adhren schmunzelte darüber, dann fiel sein Blick wehmütig auf die Strahlen der Abendsonne, die durch die Baumwipfel auf die Lichtung vor dem Haus fielen.

    Sonji hätte jetzt irgendwie eine Erklärung für Fjanns Frage gehabt, die nichts mit dem zu tun gehabt hätte, was er zu erklären versuchte.

    Aber Sonji war seit fünf Jahren nicht mehr bei ihnen. Sie schlief in dem kleinen, eingesunkenen Hügel am Waldrand hinter der Hütte.

    Adhren vermisste seine Frau.

    Er wischte sich mit der Hand kurz über die Augen und verscheuchte die Erinnerung.


    „Lass mich dir eine Geschichte erzählen,“ sagte er.


    Fjann hob überrascht den Blick. Eine Geschichte?

    Er konnte an beiden Händen abzählen, wann sein Vater Geschichten erzählt hatte. Adhren war immer ein Mann der Tat gewesen. Eine Geschichte berichtete vom Vergangenen und irgendwie hatte Fjann immer das Gefühl gehabt, das sein Vater nur ungern über seine Vergangenheit sprach.

    Aber wenn er es tat hatte Fjann immer lange über das Erzählte nachgedacht.

    Er sah seinen Vater gespannt an.


    „Nun,Äähchächämm,“ räusperte sich der Jäger ausgiebig und nahm noch einen Schluck Wein, ehe er begann.

    „Als ich so alt war wie du, waren diese Wälder noch grösser als heute.“

    Adhren machte ein weit ausholende Geste.

    „Ich meine, sie sind immer noch groß, aber manches ist mittlerweile geschwunden. Manche Stellen des uralten Waldes sind gewichen, haben Neuem Platz gemacht...“ Adhren suchte nach den richtigen Worten.

    „Was ich sagen will: Zum Beispiel hat man viel öfter Elven getroffen. An bestimmten Orten tauchten sie regelmäßig auf. Und wen sie würdig genug fanden, dem zeigten sie sich. Was mich damals auszeichnete weiß ich nicht zu sagen – vielleicht der Umstand, daß ich hier geboren wurde. Genau kann ich es nicht sagen, aber ich durfte oft an ihren Festen teilnehmen, die stets erfüllt waren mit Freude und Licht, auch wenn der Mond das einzige Licht in der Nacht war.“

    Adhren's Blick wanderte in der Erinnerung zur offenen Tür der Hütte hinaus. Einige rotgoldene Strahlen der untergehenden Sonne strichen noch über die Baumwipfel. Langsam sank die Nacht auf die Welt.

    „Und damit nicht genug,“ fuhr der Jäger in seiner Erzählung fort. „Einer von ihnen wurde sogar mein Freund.“

    „Earen!“ unterbrach Fjann die Erzählung und nickte eifrig. Earen hatte sein Vater eigentlich immer wieder erwähnt, aber irgendwann ... irgendwann nicht mehr. Fjann wußte nicht warum.

    Adhren erhob sich, entzündete ein Talglicht und stellte es auf den Tisch. Die Flamme blakte kurz auf, etwas Ruß erhob sich vom Docht, dann reichte es, um das Gesicht seines Sohnes in der sonst dunklen Hütte vor sich sehen zu können.

    „Wie auch immer,“ fuhr er fort und nippte an seinem Becher. „Earen brachte mir vieles bei über das, was ich heute über die Wälder weiß.“

    'Und noch manches mehr...' fügte er in Gedanken hinzu, während sein Blick auf Fjann fiel, der gebannt an seinen Lippen hing.

    „Und eines Abends trafen wir auch auf einen Zauberer,“ sagte Adhren. „Es war nicht Elgar. Aber sicherlich ein ebenfalls sehr erfahrener Mann seiner Zunft. Und Earen und ich versuchten ihn damals genau so zu überlisten wie du es heute mit Elgar versuchst.“

    Fjann's Finger fuhr beiläufig in den Honigtopf. Ein leises Schlecken.

    Adhren grinste unwillkürlich.

    „Nun. Wir gedachten, ihn zu überlisten. Im Dunkel der Nacht schlichen wir an sein Lager heran und versuchten, seinen Wanderstab zu stehlen.“

    Adhrens Mundwinkel zuckten unwillkürlich bei der Erinnerung an die Geschehnisse dieser Nacht.


    „Was ist passiert?“ Fjann beugte sich über den Tisch vor.

    „Es war ein kindischer Streich,“ entgegnete er. „Und ich bin froh und dankbar, daß dieser Zauberer nicht zu denen gehörte, die dem Dunklen dienstbar sind. Jedenfalls ergriff ich den Stab und war noch im gleichen Augenblick ausserstande, auch nur noch einen Finger zu rühren. Ich wurde genau wie Earen von einem Bann getroffen.“

    „Was geschah mit Earen?“ fragte Fjann gespannt.

    „Auch er wurde getroffen, jedoch anders als ich. Sein elvisches Blut half ihm zunächst scheinbar zu fliehen, aber später wußte ich, daß er dadurch nicht besser dran war als ich in dieser Nacht.“

    Fjann wollte etwas sagen, doch Adhren hob abwehrend die Hand.

    „Laß es mich zu Ende erzählen, mein Sohn,“ sagte er lächelnd.

    „Ich stand also dort, die Hand um den Stab und keiner Regung fähig, als der Zauberer erwachte. Er musterte mich nur kurz und sagte:


    „Seh' seltsame Früchte ich am Baum ist's eher nur ein schlechter Traum!“


    Und das war alles. Er schloß die Augen und schlief weiter. Ich jedoch stand die ganze Nacht, ohne auch nur einen Muskel bewegen zu können. Seitdem hatte ich nie wieder das Verlangen, mit Mächten zu spielen, die ausserhalb meines Verstehens sind.“

    Adhren schenkte sich noch einen Becher ein. 'Der letzte für heute' sagte er sich. Meistens trank er gar keinen Wein, aber irgendwie hatte er heute abend gut zu seiner Stimmung gepasst.


    „Und Earen?“ wiederholte Fjann seine Frage.

    „Earen hatte den Stab nicht einmal berührt. Aber Elven haben, genau wie Zauberer, Macht über die den Menschen verborgenen Kräfte. Doch anders als bei einem Zauberer nährt sich elvische Magie nur aus dem sie umgebenden Lebensraum.

    Zauberer jedoch können aus allem Kraft schöpfen, auch aus den Dingen, die einem Elven zuwider sind. Und dieser Zauberer hatte seinen Schutzkreis an diesem Abend aus allem gezogen, was ihm verfügbar war. Schlechte Dinge, böse Dinge. Aber auch mächtig. Und Earen berührte diesen Kreis.

    Er verbrachte die Nacht in einem entsetzlichen Zustand der Übelkeit, wie man ihn sich als normaler Mensch nicht vorzustellen vermag.“


    Adhren lachte leise auf in der Erinnerung an das soeben erzählte.

    „Du siehst, Fjann, Zauberer sind stets wachsame Leute, auch wenn es manchmal nicht unbedingt den Anschein hat. Daher wäre es vielleicht gescheit, wenn du bei eurem nächsten 'Treffen' Elgar selbst fragst wie er es anstellt deiner gewahr zu werden.“

    Auf der anderen Seite des Tisches wurden zwei Augen aufgerissen.

    „Ich soll was machen?“ fragte Fjan erschrocken.

    Adhren grinste.

    „Du hast schon ganz richtig gehört“, sagte er. Geh einfach zu ihm und frag ihn. Elgar ist vielleicht ein mächtiger Zauberer. Aber deswegen beißt er dich noch lange nicht. Wer anständig fragt, wird auch eine anständige Antwort erhalten, soviel ist mal sicher.“

    „Und was, wenn er mich stattdessen mit einem Bann belegt?“ fragte Fjann, der von dem Vorschlag seines Vaters noch lange nicht überzeugt war.


    „Dummes Gewäsch!“ schnaubte Adhren und macht eine abfällige Handbwegung.

    „Geschwätz von denen, die in den Städten leben! Gerüchte an den Höfen!“

    Adhrens Stimme war laut geworden für einen Augenblick. Zu laut. Er wusste das und mochte es nicht. Der Wein. Er war ihn nicht mehr gewöhnt.

    „Kein Zauberer würde seine Gaben mit unnützem Zeug vergeuden,“ sagte er dann mit deutlich gesenkter Stimme. Er hatte das Erschrecken seines Sohnes wahrgenommen.

    „Dafür sind sie zu kostbar und zu schwer zu erlangen. Als vor drei Zeitalten Garthon bezwungen wurde trug die Zunft der Zauberer maßgeblich dazu bei. Viele von ihnen starben bei ihrem Kampf gegen die Dunkelheit.“

    Der Jäger fuhr sich über die Stirn.

    „Elgar dürfte selbst in friedlichen Zeiten besseres zu tun haben, als dir einen Bann aufzuerlegen, denke ich. Wenn du also lernen willst, stelle Fagen. Sei respektvoll dabei, aber habe keine Angst davor. Nur wer Fragen stellt, kann Antworten erwarten.“


    Adhren stemmte seinen Körper in die Höhe.

    „Und nun lass uns schlafen gehen.“ Er gähnte und streckte sich und verfluchte das leise Schwindelgefühl, das der Wein bei ihm hervorgerufen hatte.

    'Verdammte alte Zeiten', dachte er noch, als er sich auf seiner Bettstatt niederließ und sich das alte Fell unter's Kinn zog.

  • Das ist eine sehr schöne und interessante Geschichte. Etwas geheimnisvoll und mit einer Art von Magie, die ich gerne näher kennenlernen möchte. Mal sehen, was du daraus noch so machst!

    Die Charaktere gefallen mir auch sehr gut.


    unter's Kinn

    Die Apostrophen vor dem s kannst du dir im Deutschen aber in der Regel sparen.

  • Dieser Zauberer war unheimlich!

    Zumindest merkwürdig isser, ja :D
    Gerade nach der erzählten Geschichte seines Vaters, finde ich ihn recht merkwürdig.


    Im Text hattest du zwei dreimal einen Zeilenumbruch gehabt, obwohl noch die gleiche Figur am sprechen war. Das hatte mich etwas rausgerissen, weil mir erst nach ein paar Worten klar wurde, dass die gleiche Person noch weiterspricht. Und einmal hattest du bei Adhren, dass er redete, an seinem Becher nippte und dann seinen Satz beendete, hast aber selber nicht geschrieben, WAS er denn nun am Ende seines Satzes sagte. Vielleicht war letzteres so geplant, aber ich hätte gerne noch gewusst, welche Worte der Mann gewählt hätte.


    Zwei Sachen, über die ich mir gerade Gedanken mache. Erstens, was ist nun mit diesem Elven Freund. Wir wissen ja, dass ihre Aktivitäten geringer wurden. UND Fjann erzählt dem Leser. dass sein Vater irgendwann aufgehört hat, über diesen zu erzählen. Ich vermute mal, da ist irgendwas vorgefallen. :hmm:


    Beim zweiten bin ich mir nicht so sicher. Wenn die Geschichte seines Vaters wahr ist und an dem Abend der Bann von Elgars wirklich so stark war, dann frage ich mich, ob diesre Bann wirklich für streiche spielende Kinder gedacht war, oder der eigentliche Sinn dahinter ein anderer war.

    Immerhin meint der Adhren selbst, dass Elgars besseres zu tun habe und

    Und dieser Zauberer hatte seinen Schutzkreis an diesem abend aus allem gezogen, was ihm verfügbar war. Schlechte Dinge, böse Dinge. Aber auch mächtig.

    diese Zeilen bringen mich auch noch zum grübeln :hmm: Es klingt so drastisch. Vor wem wollte er sich schützen? :hmm:


    Naja, ich warte einfach mal ab ^^

  • Heyho Etiam

    Und einmal hattest du bei Adhren, dass er redete, an seinem Becher nippte und dann seinen Satz beendete, hast aber selber nicht geschrieben, WAS er denn nun am Ende seines Satzes sagte.

    Für den Tipp vielen Dank. Da sollte tatsächlich noch was kommen...habe ich völlig übersehen!:blush:

    Word gleich verbessert...


    Heyho Etiam

    Beim zweiten bin ich mir nicht so sicher. Wenn die Geschichte seines Vaters wahr ist und an dem Abend der Bann von Elgars wirklich so stark war, dann frage ich mich, ob diesre Bann wirklich für streiche spielende Kinder gedacht war, oder der eigentliche Sinn dahinter ein anderer war.

    Da mußt Du was überlesen haben Der genannte Zauberer war nicht Elgar.

    Der Schutzkreis wurde nur aus Gewohnheit gezogen. Einen tieferen Sinn sollte das nicht haben.

    Es klingt so drastisch. Vor wem wollte er sich schützen?

    Was klingt drastisch? Diese Formulierung?

    Und dieser Zauberer hatte seinen Schutzkreis an diesem abend aus allem gezogen, was ihm verfügbar war.

    Dann ist das falsch angekommen. Gemeint war die Nutzung aller Magie zur Erschaffung des Kreises, weil der Zauberer im Gegenteil zur Elvenmagie (die sich nur auf die sie umgebenden Kräfte bezieht) dazu in der Lage war. Er hat sich einfach nur jeder Quelle bedient, mehr wollte ich damit eigentlich gar nicht ausdrücken.

  • ***

    Adhren erwachte mit schmerzendem Kopf. Helles Sonnenlicht fiel durch die Fensteröffnung in den Raum und warf einen breiten Strahl quer über sein Lager. Feine Staubteilchen tanzten darin. Für eine kleine Weile blieb er einfach reglos liegen und sah dabei zu, dann warf er die Decke zurück und erhob sich.

    Fjanns Schlafplatz war wie üblich bereits verlassen.

    Adhren lächelte abwesend und kratzte sich am Kopf. Wann war er eigentlich das letzte Mal früher aufgestanden als sein Sohn?

    Dann verwarf er den Gedanken.

    „Spielt das eine Rolle?“ sagte er laut in die Stille des Raumes hinein und schlurfte zum Tisch hinüber, auf dem ein mit frischem Wasser gefüllter Krug stand, daneben ein Teller mit Brot und etwas Käse.

    Er setzte sich auf einen Schemel und genoß das einfache Frühstück, das sein Sohn wie an jedem Morgen für ihn bereitgestellt hatte. Dann trat er vor die Türe und blickte in den Himmel, an dem nur wenige Wolken schwebten.

    'Wird ein schöner Tag werden', dachte er.


    Ein rasch lauter werdendes Knacken und Prasseln in den Büschen zu seiner Rechten ließ ihn herumfahren.

    Adhrens Augen weiteten sich kurz bei dem Anblick, der sich ihm nur Sekunden später darbot. Fjann kam aus dem Buschwerk, das Gesicht schweißüberstömt und verzerrt von der Anstrengung, die es ihn kostete, die schwere Gestalt eines bärtigen Mannes mit sich zu zerren, der kaum noch fähig war, selbständig einen Schritt zu tun. Den um seinen Hals gelegten Arm des Fremden mit der Rechten fest umklammernd, stolperte Fjann auf die Hütte zu.

    Das Gesicht des Mannes war blutverschmiert, der graue Lederharnisch, der den Oberkörper bedeckte, an mehreren Stellen zerhauen und aufgeschlitzt. Und auch dort quoll Blut hervor.

    „Vater, bitte hilf mir!“ rief Fjann.


    Mit wenigen weitausholenden Schritten eilte Adhren auf die beiden zu, legte sich den freien Arm des Verwundeten um den Hals und schleppte ihn gemeinsam mit seinem Sohn in die Hütte.

    „Laß Du jetzt los,“ befahl er, den schlaffen Körper mit beiden Armen haltend. Behutsam ließ er ihn auf sein Lager niedersinken.

    Fjann sackte auf die Knie und wischte sich schweratmend mit dem Hemdsärmel über das schweißbedeckte Gesicht. Er war völlig außer Atem.

    Für einen sehr kurzen Moment blickte Adhren wie erstarrt auf den Verwundeten herab. Erinnerungen an lange vergangene Tage wurden geweckt. Anblicke wie diesen hatte er endgültig hinter sich lassen wollen...

    Dann schwand die blutige Erinnerung.

    „Rasch!“ wandte er sich an seinen Sohn. „Mach mir Wasser heiß und besorge einige reine Tücher!“

    Fjann nickte, stemmte sich auf die Füße und beeilte sich das Gewünschte herbeizuschaffen, während Adhren die Schnallen der Rüstung mit fliegenden Fingern löste und überall dort, wo sie nicht sofort nachgaben das Messer zu Hilfe nahm.

    Als er dem Fremden den Harnisch abnahm, schien dessen Brust darunter in Blut zu schwimmen.

    Fjann sog bei diesem Anblick scharf den Atem ein. Adhren ergriff eines der Tücher, die sein Sohn gebracht hatte, tauchte es ins Wasser und begann, die Wunden auszuwaschen.


    „Wo hast du ihn gefunden?“ fragte er, ohne dabei von seiner Tätigkeit aufzusehen.

    „Nicht weit von der kleinen Schlucht am Kaltwasser“, entgegnete der Junge, während er seinem Vater gebannt zusah.

    „Er war alleine, als ich ihn fand, aber neben ihm lagen mehrere abgebrochene Speere. Und ein seltsames Schwert.“

    Auf einen Wink Adhrens reichte er ihm ein neues Tuch.

    „Was meinst du damit: Ein seltsames Schwert?“ Mit emporgezogenen Brauen sah Adhren seinen Sohn an, ehe er sich wieder dem Verwundeten zuwandte.

    Fjann zuckte die Schultern.

    „Naja, eben seltsam.“ Er suchte nach den richtigen Worten. „Es war leicht gekrümmt und … irgendwie dunkel. Mit einigen Zacken auf beiden Seiten.“

    Adhren's Kopf fuhr herum.

    „Du bist dir sicher? Du verwechselst es nicht mit den Schwertern, wie sie die Bewohner aus den Ostlanden vorziehen?“

    Fjann schüttelte den Kopf.

    „Nein, Vater. Ganz sicher nicht. Ich habe ein solches Schwert noch nie zuvor gesehen,“ sagte er.

    In diesem Augenblick erstarrte Adhrens Hand.

    Er hatte unter all dem Schmutz und dem Blut einen schmal klaffenden Schnitt freigelegt, der sich entlang der rechten Körperseite bis auf den Rücken zog.

    „Hilf mir, schnell!“ wies er seinen Sohn an. „Er muß auf der Seite liegen!“.

    Gemeinsam drehten sie den reglosen Körper. Hektisch wischte Adhren das restliche Blut fort und sah seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

    Jede Berührung der Wunde rief eine Reaktion hervor. Die Wundränder schienen kurz aufzuglühen, dann quoll gelblicher Schaum aus dem Schnitt.

    „Was ist das?“ fragte Fjann atemlos. „Was geschieht da?“

    „Es ist ein Gift,“ antwortete Adhren tonlos und ließ die Hand mit dem blutverschmierten Tuch sinken.

    „Ich kenne seine Wirkung aus früheren Zeiten...“ Sein Blick trübte sich für einen winzigen Moment.

    „Und ich weiß, daß ich nichts dagegen zu tun vermag.“


    „Aber irgend etwas müssen wir doch machen!“ rief Fjann, gleichzeitig angeekelt und fasziniert von der Wunde, die ein eigenes Leben zu haben schien.

    Adhren hob den Blick.

    Unwillkürlich mußte er lächeln, trotz der ernsten Situation.

    „Wie es scheint, ist jetzt für dich die Gelegenheit gekommen, Elgar nach seinem Geheimnis zu fragen,“ sagte er.

    Fjann prallte zurück.

    „Ich soll zu Elgar gehen?“ fragte er ungläubig.

    Adhren nickte schlicht.

    „Es gibt keine andere Möglichkeit,“ entgegnete er. „Diese Wunde wurde von einer Klinge geschlagen, die nur von einem einzigen Volk benutzt wird, das ich kenne: Die Bath.“

    Er fühlte sich plötzlich sehr müde.

    „Und ich hatte gehofft, nie wieder mit ihnen zu schaffen zu haben.“

    Adhren legte dem Verwundeten ein feuchtes Tuch auf die Stirn und atmete tief ein.

    „Wie es scheint, habe ich mich geirrt.“

    Er sah seinen Sohn an.

    „Worauf wartest du noch?“ fragte er mit scharfer Stimme, obwohl er deutlich sehen konnte, wie verwirrt sein Sohn war.

    „Dieser Mann wird noch vor dem Mittag tot sein, wenn keine Hilfe kommt.“


    Fjann zögerte nur einen kurzen Augenblick, dann setzte er sich in Bewegung. Binnen Sekunden verschluckte der Wald das Geräusch seiner hastenden Füße.


    ***

  • Ja was soll ich groß sagen?

    Mal wieder super :thumbsup:

    Ich finde deine sehr "spontane " Schreibweise echt erstaunlich.

    Dir fällt etwas ein und schwupp.

    Eine flüssige, schön beschriebene Geschichte.:love:


    Mach weiter so:!::thumbup:


    (Am Anfang von Kapitel 3 hat es zuerst auf mich so gewirkt, als ob Fjann den Verwundeten im Wald gefangengenommen hat und auch schuld an den Verletzungen des Mannes hat.

    Ich dachte schon WTF das ist ja mal ne Wendung. Hat sich dann aber sehr gut aufgeklärt.:D)

  • Heyho AFG

    Danke für die Blumen...aber ich muß jetzt doch mal fragen, welches "Kapitel 3" Du da ansprichst?


    Ich bin doch erst beim zweiten...

    :D:D:D

    Dir fällt etwas ein und schwupp.

    Und so einfach ist das leider auch nicht. Wäre ja schön.


    Aber ich bedanke mich von ganzem Herzen für Dein Lob.:thumbup::thumbup::thumbup:

  • Hi Der Wanderer ,


    da geht es ja äußerst interessant weiter. Schade, dass es momentan "nur" zwei Kapitel gibt, wäre gerade in der Stimmung, einfach weiterzulesen. :thumbsup:


    In Kapitel 1 gefällt mir besonders die Interaktion zwischen Vater und Sohn und dabei die Erzählweise, die eine sehr schöne Vorstellung von der aktuellen Handlung erzeugt. Dazu passt, wie Sachen zwar angesprochen werden, aber noch nicht näher erläutert werden. Zum Beispiel: Was ist mit Earen passiert oder überhaupt mit den Elfen?
    (Meinst du mit "Elven" eigentlich "Elfen"? Wenn ich mich nicht irre, ist elven englisch und steht veraltet für eine weibliche Elfe. Im Deutschen findet man erst mal nur einen Film mit dem Namen Elven, der damit überhaupt nichts zu tun hat.)


    Kapitel 2 hat einen guten Übergang zum vorherigen und treibt dann die Spannung höher. Was sind die "Bath", was treiben die hier und woher kennt der Vater die? Alles Fragen, die hoffentlich in nachfolgenden Kapiteln beantwortet werden, ich zumindest, würde gern mehr darüber erfahren.

    Oh und Respekt an den Jungen, dass er den anderen Mann hat soweit tragen können. :D

  • Heyho Charon

    Zuerst meinen Dank für Dein Statement zu der Erzählung ... ich freue mich, daß es Dir gefallen hat.


    Und es geht sehr bald weiter. Ich muß nur versuchen, den ganzen Wust sauber zu ordnen, den ich in den letzten Wochen hier in die Tastatur gehackt habe. (Aus irgend einem Grund lief die Schreiberei ziemlich gut, nur hat sich ein Charakter aus"Casann" da wieder reingezeckt und mir ist noch nicht so recht klar, ob ich den drinlassen soll/kann oder nicht...?()

    Dann könnte es mir nämliich passieren, das ich für beide Geschichten irgend eine Verbindung finden müsste.


    Aber erst mal egal. Das wird schon.

    Viel interessanter finde ich im Augenblick diese Deine Frage:

    (Meinst du mit "Elven" eigentlich "Elfen"? Wenn ich mich nicht irre, ist elven englisch und steht veraltet für eine weibliche Elfe. Im Deutschen findet man erst mal nur einen Film mit dem Namen Elven, der damit überhaupt nichts zu tun hat.)

    Das Wort "Elven" habe ich geklaut. Diplomatischer: "Übernommen" :D

    Ich darf zitieren:


    "Ah, alas", cried Glóin. "When will the day come of our revenge? But still there are the Three! What of the Three Rings of the

    Elves? Very mighty Rings, it is said. Do not the Elf-Lords keep them?"

    (J.R.R.Tolkien, The Lord of the Rings, UNWIN Paperbacks,1966)


    Was Margaret Carroux in ihrer Übersetzung von 1981 geritten hat daraus...


    "Oh wehe, wehe!" rief Glóin. Wann wird der Tag unserer Rache kommen? Doch gibt es noch die Drei! Wie steht es mit den Drei Ringen der Elben? Sehr mächtige Ringe, heißt es. Haben die Elbenfürsten sie nicht?"

    (J.R.R.Tolkien, Der Herr der Ringe, Klett-Cotta, 1981)


    ...zu machen, weiß nicht mal Wikipedia.

    (Für mich sehr witzig: Diverse Artikel auf Wikipedia verwenden das Wort "Elben". Aber keiner macht sich die Mühe, die Herkunft des Wortes zu hinterfragen...^^^^^^)


    Margaret Carroux


    Tolkien hat sowohl die Schreibweise "Elf" als auch "Elv" verwendet. Mir hat "Elv" besser gefallen, weil man das weicher aussprechen kann, deshalb habe ich's für die zweibeinigen "Langohren" in meinen Erzählungen übernommen.


    Jetzt muß ich aber echt in's Bett...


    Wir lesen uns. Und Danke.


  • ***


    Wie auch immer Fjann sich sein erstes Zusammentreffen mit Elgar vorgestellt hatte – und er hatte auf dem Weg zu dessen Haus genug Zeit gehabt, sich verschiedene Szenarien vorzustellen, von denen manche, von seiner Phantasie genährt recht beunruhigend waren – er sah sich getäuscht.


    Als er auf die Lichtung hinaustrat, in deren Mitte das kleine Haus stand, fand er Elgar zu seinem Erstaunen auf der verwitterten Bank davor sitzend, der ihn bereits zu erwarten schien.

    Fjann blieb am Waldrand stehen, was Elgar belustigt zur Kenntnis nahm.

    'Da scheint sich jemand wohl nicht sicher zu sein...' dachte er und schmunzelte. Er erhob sich.

    „Nur heran Junge!“ sagte er dann und wedelte einladend mit der Hand.

    Fjann trat zögernd näher, das Gesicht gerötet vom Laufen.

    „Nun komm schon, Fjann,“ setzte der Zauberer hinzu.

    Auch wenn er es nicht zeigte, war er sehr neugierig zu erfahren, was den Jungen hierher geführt hatte nach ihrer gestrigen Begegnung..

    Es mußte wichtig sein, denn sonst dauerte es immer geraume Zeit, ehe Fjann einen neuen Versuch unternommen hatte, sich unbemerkt an ihn anzuschleichen.

    War das, was den Sohn Adhrens hergebracht hatte vielleicht der Grund, einer der Gründe, weshalb er in der letzten Nacht so schlecht geschlafen hatte?


    Über Elgars Gesicht glitt, für Fjann nicht merklich ein Schatten, während der der einladenden Geste des Zauberers folgte, sich neben ihm auf der Bank niederzulassen.

    „Jetzt bin ich gespannt darauf zu erfahren, was dich hierher gebracht hat,“ sagte Elgar lächelnd und blickte ihn an.

    Fjann erwiderte den Blick und was er sah, nahm ihm den Rest jeder Furcht. Die stahlblauen Augen des Zauberers, eingerahmt von unzähligen kleinen Falten ruhten in einer Mischung aus Neugier und Verwunderung auf ihm.

    Also berichtete er über das Vorgefallene.


    Als Fjann geendet hatte, stützte Elgar das Gesicht in die Hände und blickte für einen langen Moment zu Boden.

    „Eine ... Bath – Klinge,“ sagte er dann bedächtig und hob den Blick in den strahlend blauen Himmel.

    „Und dein Vater ist sich da sicher ...?“ brach er ab, über sich selbst verärgert. „Was frage ich denn überhaupt? Wenn nicht Adhren, wer dann?“

    Der Zauberer stützte die Hände schwer auf seine Oberschenkel und erhob sich.

    Fjann sah verwirrt zu ihm herauf.

    Was hatte Elgar damit gemeint? Wie es schien, kannten sich sein Vater und der Zauberer, zumindest ließ das Elgars Bemerkung vermuten.

    Aber woher denn? Fjann konnte sich an kein Gespräch mit seinem Vater erinnern, in dem es auch nur den Schein einer Andeutung gab. Oder hatte er nur nicht richtig zugehört?


    „Ich nehme an, du weißt nichts über das Volk der Bath?“ riss ihn Elgar aus seinen Gedanken.

    „Ich...was?“, stammelte Fjann verwirrt.

    Elgar winkte ab.

    „Laß es gut sein für den Augenblick,“ entgegnete er abwesend. „Geh mir lieber zur Hand.“


    Der Zauberer zog den Jungen auf die Füße und bedeutete, ihm in seine Behausung zu folgen.

    „Wenn dein Vater recht hat...“ sagte er laut und ließ den Blick einen Moment auf dem Jungen neben sich ruhen, der ihm folgte.

    'Dann wäre es trotzdem besser, er würde sich irren,' schloß er in Gedanken. 'Ja, das wäre besser!'


    *

    Adhren tupfte dem Verwundeten auf seinem Lager den Schweiß von der Stirn. Der Mann hatte hohes Fieber durch den Hieb der dunklen Waffe. Der Jäger sah, wie unter den geschlossenen Lidern die Augäpfel hin und her tanzten.

    Der Verletzte träumte schwer. Albträume, gesandt von dem Gift der Klinge, die sich vermischten mit den persönlichen Erinnerungen.

    Der Jäger warf einen Blick durch die Türe, prüfte den Stand der Sonne. '

    Vielleicht zwischen der neunten und zehnten Stunde des Tages', schätzte er die hellen Sonnenstrahlen, die auf das Gras vor der Hütte fielen.

    Es blieb nur zu hoffen, daß Fjann und Elgar rechtzeitig eintreffen würden.

    Adhren seufzte und erhob sich.

    Im Augenblick konnte er nicht viel mehr für den Mann tun.

    Sein Blick fiel auf den blutverkrusteten Lederharnisch, der neben der Bettstatt lag. Er bückte sich und hob den Panzer auf, drehte ihn und betrachtete versonnen die Kerben und Schnitte darin.

    Eine Rüstung wie diese hatte er schon viele gesehen, getragen von denen, die niederer Geburt waren, nicht von Adel.


    Aber selbst die Rüstungen derer von Adel hatte er gesehen, genauso zerhackt und zerschnitten wie dieser einfache Lederpanzer, wenn sie von einer dunklen Klinge getroffen wurden. Dagegen gab es keinen Schutz.

    Adhren drehte den Harnisch erneut. Er blickte auf die Vorderseite. Wo sich die Brust des Trägers befand, war die Lederplatte wie üblich breiter gehalten.

    Und dort war ein Wappen eingebrannt.


    Zwei hochaufragende Berge, in deren Mitte ein Pfad verlief.

    Adhren kannte das Zeichen nicht, es mußte nach seiner Zeit geschaffen worden sein.

    „Verflucht!“ entfuhr es ihm.


    Nahm das denn nie ein Ende?

    Adhren legte den Harnisch zurück auf den Boden.

    'Du weißt es doch selbst am besten.' sagte eine Stimme in ihm. 'Es nimmt niemals ein Ende.'


    Der Jäger seufzte und ließ sich wieder neben dem Verwundeten nieder.


    Er tauchte den Lappen ins Wasser, wrang ihn aus und legte ihn dem Verwundeten auf die Stirn.

    Abwesend blickte er nach draussen, auf die Strahlen der Sonne, die steiler wurden mit jeder Minute.

    Wo blieben bloß Fjan und Elgar?

    Die Zeit wurde langsam knapp.

  • Da mußt Du was überlesen haben Der genannte Zauberer war nicht Elgar.


    Ah ups, dann geht das auf meine Kappe.



    Dann ist das falsch angekommen. Gemeint war die Nutzung aller Magie zur Erschaffung des Kreises, weil der Zauberer im Gegenteil zur Elvenmagie (die sich nur auf die sie umgebenden Kräfte bezieht) dazu in der Lage war. Er hat sich einfach nur jeder Quelle bedient, mehr wollte ich damit eigentlich gar nicht ausdrücken.

    Ahchso. Es klang für mich so nach "Er hat nach allen Mitteln gesucht, um sich irgendwie zu schützen"


    Adhren erwachte mit schmerzendem Kopf.

    Starker Part. Ich fand du hast die Hektik sehr gut rübergebracht. Aber auch gleichzeitig die Ruhe, mit der Adhren die Wunden säuberte.


    Am Anfang hab ich gedacht, der verletzte könnte der Magier sein. Aber als du den Lederharnisch erwähntest, dachte ich an eine noch unbekannte Person. ICh bin mir nicht sicher, ob sie wirklich überleben wird.

    Adhren scheint wohl umsonst in den Wald "geflüchtet" zu sein, wenn die Bath nun so nah sind. Ich bin gespannt, was Elgar dazu sagen wird.


    Adhren könnte meine Lieblingsfigur werden. Ich mag es, wie du sein Handeln beschreibst.