Ymir, Ark 1 "Die Lichter von Dunhaven"

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    • Offizieller Beitrag

    Ich habe versucht Eure Anmerkungen in den letzten Teil einfließen zu lassen, wodurch ein neues Ende zustande kam. ich werde hier in den Spoiler mal nur den überarbeiteten Teil posten.




    Kapitel 10:
    Neuer Ärger


    Teil 2:

    „Wo?“, fuhr Tjelvar ihn an und als Krächz nur verlegen zu Boden schaute, stapfte er auf diesen zu.

    Illes Mittäter zuckte zusammen, als Tjelvar nach ihm griff und ihn zu sich zog. „Wo habt ihr die Tasche hingebracht?“

    Krächz presste die Lippen aufeinander und Tjelvar holte schon zum Schlag aus, als Ille sich zu Wort meldete.

    „Wir sollten sie in ein Fass auf Durins Hof verstecken ... direkt hinter dem Haus.“

    Tjelvar gab Krächz wieder frei und drehte sich dann zu Ille. „Wo wohnt der Mistkerl?“

    „Im Segelviertel“, gab er freiwillig bekannt.

    Ein Seufzen entrann Frods Kehle. Seinen Sachen ging es gut, aber nun befanden sie sich im Besitz eines Mannes, der viel Macht in Dunhaven besaß. Es war schon ironisch. Wollten sie doch die Armee der Dun als Unterstützung haben, so ist der Schlüssel nach Helhaven nun in deren Händen. Ein lustiges Spiel, dass die Götter da mit ihm trieben. Grübelnd schaute er hinüber zu Tjelvar, welcher ebenfalls in Gedanken versunken war.

    Zu Boden schauend zupfte er an seiner Bartspitze, was er immer tat, wenn er über etwas nachdachte.

    Elina hingegen war mit der Situation überfordert. Sie hatte sich inzwischen auf den Stuhl gesetzt, auf dem er vorher festgebunden war und raufte sich die Haare.

    Illes Verrat wog schwer. Sie konnte es wohl nicht leiden, dass sich ihr Freund so von Durin einschüchtern ließ.

    Ja, der junge Mann wirkte auf Frod ebenfalls recht unterwürfig, aber was sollte er machen? Durin war der Kommandant und Ille ihm somit unterstellt. Das müsste eigentlich auch Elina klar sein. Rechtfertigen tat das Illes Handeln zwar nicht, doch Frod sah die Schuld eher bei Durin.

    Als Elina aufschaute und sich ihre Blicke trafen, schüttelte sie den Kopf. „Es tut mir so leid, ich habe euch in diese Sache reingezogen. Hätte ich euch nicht zu Ille ...“

    Bevor sie sich weiter die Schuld gab, hob Frod die Hand. „Nein, mach dir keinen Kopf. Du kannst nichts für das hier. Außerdem ist es ja nochmal gut gegangen.“ Den letzten Teil flüsterte er nur. Denn ob das alles hier einen positiven Ausgang hatte, entschied sich erst. „Wir werden uns schon was einfallen lassen und ...“

    „Elina“, sagte Tjelvar und unterbrach ihn somit. „Weißt du, wo Durins Hof im Segelviertel ist?“

    Es dauerte eine Weile, bis Elina das leise bejahte.

    Mit finsterem Blick wandte sich Tjelvar zu ihr. „Dann wirst du uns jetzt zu ihm führen!“

    „Warte, einen Moment“, sagte Frod. „Was hast du vor?“

    „Was wohl? Ich hole unsere Sachen zurück.“

    Frod bemerkte, wie sich Illes Augen weiteten, als er davon hörte.

    Doch sagen tat dieser nichts.

    „Wenn wir Glück haben, ist Durin noch auf dem Lichterfest und die Tasche wurde nicht aus dem Fass geholt“, fügte Tjelvar hinzu.

    Das konnte eine Möglichkeit sein, doch irgendetwas hielt Frod davon ab direkt loszurennen. Immerhin hatte er gerade erst seine Freiheit zurückerlangt und dann soll er jetzt wieder ein solches Risiko eingehen? Ein bisschen war er selbst überrascht, dass der Drang die Tasche zurückzuerlangen bei ihm nicht groß genug war, seine Zweifel zu überdecken. Und damit setzte sich ein Gedankengang fort, der ihn schon ereilt hatte, bevor Ille und Krächz in der Scheune aufgetaucht waren. „Ich weiß nicht, ob wir dieses Risiko eingehen sollen.“

    Mit offenem Mund schaute Tjelvar ihn an. „Was ist los mit dir? Willst du deine Sachen nicht wieder haben?“

    „Natürlich will ich sie wiederhaben!“

    Ein bisschen entschlossener hätte diese Aussage schon klingen können, dachte sich Frod. „Aber ... Machst du dir keine Sorgen, dass das alles in einem großen Haufen Scheiße endet?“

    „Wir sitzen doch mittendrin“, antwortete Tjelvar trocken.

    „Und was willst du machen, sobald wir die Sachen wieder haben? Durin wird doch direkt wissen, wer dafür verantwortlich ist ... und, dass wir unerlaubt auf seinem Hof waren.“

    „Wir müssen uns sowieso einen neuen Schlafplatz suchen“, sagte Tjelvar und deutete dabei auf Ille. „In die Scheune können wir nicht zurück.“

    Frod gefiel das gar nicht. Sonstige Unternehmungen, waren bei ihnen für gewöhnlich von langer Hand geplant. „Durin ist ein Mann mit viel Einfluss. Seine Leute werden überall sein und letzten Endes müssen wir ins Freie treten, wenn wir Kingraven weiter untersuchen wollen.“

    Mit einem genervten Stöhnen fuhr sich Tjelvar durch die Haare. „Ich weiß doch auch nicht. Wenn es hart auf hart kommt, flüchten wir halt aus Dunhaven. Aber ich werde nicht das zurücklassen, wofür wir Jahre lang gekämpft haben.“

    „Moment“, intervenierte Elina. „Wo wollt ihr denn hin?“

    „Frisörg“, flüsterte Tjelvar, so dass es nur im Kreis der drei blieb. „Du meintest doch, dort wäre man sicher.“

    Sie schaute ihn mit großen Augen an.

    Ja, das hatte sie gesagt.

    „Wir finden sicherlich was, wo wir unterkommen.“

    „Aber die Straßen dahin sind bestimmt gefährlicher geworden“, stotterte sie. „Und wer weiß, in welchem Zustand die Stadt momentan ist. Das ist viel zu unsicher.“

    Tjelvar hob fragend eine Augenbraue.

    Und auch Frod war verwirrt. Gestern empfahl sie ihnen ja sogar, dort nach einer Unterkunft zu suchen.

    „Das ist jetzt erst Mal egal“, meinte Tjelvar. „Wenn wir uns nicht beeilen, ist die Tasche in Durins Händen und das macht es bestimmt nicht einfacher.“ Er sah, dass Frod ihn immer noch unsicher beäugte. „Komm schon! Du hast uns für lausige Fetzen Papier in fiel gefährlichere Abgründe geschickt. Uralte Hügelgräber in denen es von Draugar nur so gewimmelt hat. Und nu hast du schiss? Es geht jetzt um all diese Fetzen. Und das Einzige, was uns dazwischensteht, ist ein Mann ..., wenn überhaupt. Also sag mir endlich, was mit dir los ist! Du warst heute Abend schon so komisch. Vergiss nicht, warum wir hier sind und reiß dich zusammen!“

    „Es ist nur ...“ Betrübt schaute Frod zu Boden. Er überlegte, wie er Tjelvar erklären konnte, was ihn bedrückte. Doch während er sich darüber den Kopf zerbrach, stapfte sein Freund nach draußen. „Komm Elina!“, rief er.

    Tjelvar konnte das schon immer gut – Einfach weiterlaufen, sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Klar, von Zeit zu Zeit war es klüger die Dinge zu hinterfragen, allerdings ist das, auch das tägliche Tun der Zweifler. Und wenn Frod ehrlich zu sich selbst war, dann tat er gerade genau dies. Er haderte mit ihrem Tun und das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten geriet ins Wanken. Es wurde ihm heute Abend klar, als er im Stall seine Schriften durchgegangen war und die gesammelten Erfahrungen des Tages zusammengefasst hatte. Sie hatten einiges Neues über Kingraven herausgefunden. Und so interessant das alles war, zeigte es auch, dass er falschgelegen hatte. Mit allem. Es handelte sich nicht um das Grab eines Königs, wie zuvor angenommen, sondern um die letzte Stätte eines Volkes, dass versuchte vor etwas zu fliehen. Davor ... war es eine ganze Stadt gewesen. Kingraven trug hier nicht mal diesen Namen. Die Menschen hier nannten es anders, als in seinen Aufzeichnungen – Helhaven. All das, und die Tatsache, dass der König das unterirdische Reich verlassen hatte und mit dem Objekt ihrer Begierde wer weiß, wohin gezogen sein könnte, ließen in ihm Bedenken aufkommen.

    Es gab nie eine Garantie dafür, dass sich das Artefakt hier verbarg, doch das Gefühl nah dran gewesen zu sein, hatte sich in den letzten Monaten in ihren Köpfen festgesetzt. In den vergangenen Wochen war es gewesen, als hätte man endlich verstanden ... und musste lediglich zuschlagen.

    Das war verpufft. Er hatte sich womöglich geirrt. Wie er sich auch mit den Texten geirrt hatte. Kin hieß nicht König, sondern Volk. Und statt einer Waffe wurde hier nur von einer Bedrohung berichtet, die dort unten hauste.

    Aber können jahrelange Forschungen wirklich so falschliegen? Wer weiß das schon? Frod wusste gefühlt gar nichts mehr. Und das war keine solide Basis, um eine Expedition zu leiten. Sollte man für das Hirngespinst eines Mannes so viele Menschenleben aufs Spiel setzen?

    Diese und eine Menge anderer Fragen, waren es, die er sich stellte, als Elina vor ihn trat und ihm die Hand auf die Schulter legte.

    Ihr sorgenvoller Blick verriet, dass man es seinem Gesicht ablesen konnte, wie er sich gerade selbst fertig machte. „Ist alles in Ordnung?“

    „Ja“, log Frod und nickte leicht.

    „Wir sollten uns beeilen“, sagte sie. „Wer weiß sonst, was dieser Mistkerl mit den Karten anstellt, sobald er sie in die Finger bekommt.“

    Sie hatte recht ... Was wollte Durin überhaupt mit seinen Sachen?

    Seine und Tjelvars Aufgabe war es seit jeher gewesen das Leiden Ymirs zu beenden. Schon seit vielen Jahren, war sie das. Tausende Möglichkeiten gab es, um falsch abzubiegen. Und vielleicht war das längst passiert. Wer weiß wie lange sie sich auf dem Holzweg befanden. Doch Frod vertraute auf seinen Schriften. Sie waren das Fundament für einen Neuanfang und so musste er zumindest dafür sorgen, dass ihnen nichts zustieß. „Gut, gehen wir.“

    „Und was ist mit uns?“, fragte Ille vorsichtig.

    „Geht nach Hause“, sagte Elina, ohne ihn anzuschauen.

    Unter Schmerzen richtete sich der Soldat auf. „Ich will nur sagen, dass ...“

    „Nein, Ille. Ich will jetzt nichts mehr von dir hören!“

    Elinas Worte schnitten wohl tief. Es sah fast so aus, als würde Ille die Luft wegbleiben, während er stumm mit Krächz das Lagerhaus verließ.

    Als Elina und Frod es ihnen gleichtaten, wartete Tjelvar bereits auf sie.

    Die frische Nachtluft war wie ein Segen. Vor wenigen Minuten noch, hatte es in weiter Ferne geschienen wieder auf den Straßen dieser Stadt wandeln zu können.

    Auch wenn seine Rettung schnell und problemlos abgelaufen war, so sah Frod sie nicht als selbstverständlich an. Der Schock saß immer noch in den Gliedern und er merkte bereits jetzt, wie ihm jede dunkle Ecke bedrohlicher vorkam und ihn jegliche Geräusche erschrocken herumfahren ließen. Doch nun musste er nach vorne schauen, um Elina zu folgen, die ein ordentliches Tempo vorlegte.


    Im Segelviertel waren die Klänge des Lichterfestes immer noch zu vernehmen. Auf den Straßen waren jedoch nicht mehr viele Menschen zu sehen.

    Frod wusste nicht, wie spät es war, doch es musste bereits mitten in der Nacht sein, während sie eilig durch die Stadt liefen. Wer jetzt noch auf dem Marktplatz war und ausgelassen feierte, gehörte eindeutig zu den trinkfesteren Dun.

    Als ihnen ein Mann entgegenkam, musste Frod genauer hinschauen. Er hatte das Gefühl, ihn schon mal gesehen zu haben.

    „N‘abend Elina“, grüßte er mit einem Grinsen und schenkte den anderen beiden ein freundliches Zunicken.

    Als er an ihnen vorbeigelaufen war, drehte sich Elina um. „Ulf?“

    Der Mann blieb stehen.

    Und auch sie machten Halt. Jetzt fiel Frod wieder ein, wo er ihn gesehen hatte. Es war der Dachdecker, dieser Jondr, den Durin auf der Brücke so herzlich in Empfang genommen hatte.

    „Nicht auf dem Lichterfest?“, fragte Elina, etwas aus der Puste vom Laufen.

    „War ich schon“, sagte Ulf und lachte. „Habe gerade nur einen Freund besucht. Aber jetzt muss ich heim. Euch noch einen schönen Abend.“

    Mit einem Winken verabschiedete sich Ulf und ging seines Weges.

    „Können wir dann weiter?“, fragte Tjelvar ungeduldig.

    „Er war ohne Hund unterwegs“, murmelte Elina. „Ulf hat Arvo immer dabei außer ... er geht Durin besuchen.“

    „Also ist er schon zuhause?“, kombinierte Frod. „Scheiße.“



    nächster Teil ...

  • Jo, Eti, einiges haben wir ja schon besprochen. Grundsätzlich finde ich die neue Version auch weiterhin besser (obwohl ich dem Marsch durch die Tunnel ein bisschen hinterhertrauere ^^ ). Dass die Tasche jetzt (vermutlich) in einem Fass liegt, macht die Rückholungspläne einfacher. Wenn nicht Durin ihnen blöderweise zuvorgekommen ist.

    Jetzt kommt noch ein bisschen ...

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    • Offizieller Beitrag

    (obwohl ich dem Marsch durch die Tunnel ein bisschen hinterhertrauere ^^ ).

    ich auch xD
    Aber ich glaube am Ende passt die jetzige Version dann besser. Aber ich würde sagen, wenn es soweit ist, schaut man sich das nochmal an ^^



    Ist Dunhaven aber nicht von Drugar belagert? Wie sollten sie nach Frisörg kommen?

    theoretisch könnte er vielleicht über die Mauer abhauen oder mit nem Boot. Soll ich ihn das erwähnen lassen?

    Und bei Elinas Sätzen bin ich nicht ganz sicher, welche Straßen sie meint. Die in Dunhaven oder die nach Frisörg?

    Wenn sie Dunhavens Straßen meint - wieso schätzt sie die als gefährlich ein? Wegen des Lichterfestes? Weil da Diebe und Räuber unterwegs sind?

    Also werden es wohl die nach Frisörg sein :P
    Nein, ehrlich. Ich meinte die Verbindungsstraßen zwischen Dunhaven und Frisörg.



    Das "Ihre" verwirrt mich. Ford meint ja mit "sie" und "ihre" Elina. Aber wieso ist es Elinas Aufgabe gewesen, das Leiden Ymirs zu beenden?

    *ist sich sicher, dass sie wiedermal was vergessen hat, was früher erklärt/erwähnt wurde*

    Nein, du hast nichts vergessen. Ich meinte mit "Ihre" Frod und Tjelvar.


    huijuijui, viele Zeitfehler wieder drin. Aber ich glaube ich habe eine große Quelle ausgemacht. Und zwar die Zeilen, in denen ich versuhe Frods Gedanken darzustellen, es aber nicht kursiv mache. Das ist dann natürlich alles in der falschen Zeit. Ich weiß noch nicht, in welche Richtung ich das ändern will. Also kursiv oder Zeit anpassen. Ich werde mir aber mal Gedanken drüber machen, was besser wirkt.

    • Offizieller Beitrag

    Kapitel 10:
    Neuer Ärger


    Teil 3:

    Über Elinas Nase bildete sich eine kleine Falte. „Vielleicht sollten wir uns das nochmal überlegen, wenn Durin wirklich zuhause sein sollte.“

    „Dann reden wir halt mit ihm“, brummte Tjelvar.

    „Du willst echt mit Durin reden?“ Ihr Blick wurde ernster. „Gut ... und wenn das nicht reicht? Sag mir, was du dann machst.“

    „Willst du ihn etwa gewinnen lassen?“, fragte Tjelvar mit hochgezogenen Augenbrauen, worauf Elina nur vehement den Kopf schüttelte.

    „Aber das sage ich doch gar nicht. Ich möchte nur wissen, ob du einen zweiten Plan hast.“

    Tjelvar schwieg.

    „Mja, das dachte ich mir“, sagte sie und verzog den Mund.

    „Wir haben keine Wahl“, raunte er. „Irgendwas müssen wir tun.“

    „Ja, aber nicht zu jedem Preis“, meldete sich Frod zu Wort. „Die Situation darf nicht eskalieren ... ansonsten werden wir auch in Frisörg nicht mehr sicher sein.“

    Elina schüttelte abermals den Kopf. „Ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache. Möglicherweise gibt es einen anderen ... einen besseren Zeitpunkt? Dann haben wir nochmal Zeit zu überlegen, was wir machen wollen.“

    „Wir haben keine Zeit“, unterbrach Tjelvar sie.

    Sie schaute ihn mit großen Augen an. „Inwiefern?“

    „Er meint, dass der Jarl uns nicht länger in seiner Stadt duldet“, begann Frod zu erklären. „Sobald die Draugarhorde weitergezogen ist, müssen wir Dunhaven verlassen.“ Eine Sache, die Frod fast selbst vergessen hätte. Die Untoten waren unberechenbar und so war es nicht vorherzusehen, wann sie was taten.

    „Aber das kann praktisch jeden Tag sein“, bestätigte Elina seine Gedanken. In ihrer Stimme war eine gewisse Wehmut zu erkennen.

    Frod hatte es schon im Lagerhaus gemerkt: Sie schien offenbar etwas dagegen zu haben, dass sie Dunhaven wieder verließen. Er erinnerte sich an Elinas Geschichte, die Tjelvar ihm erzählt hatte. Sie waren nicht die einzigen, die nach Helhaven wollten. Auch Elina hatte ihre Gründe. Ein gequältes Lächeln zierte Frods Gesicht.

    Sie baute ebenfalls auf seine Nachforschungen.

    Das wurde ihm gerade jetzt bewusst, wo er doch ohnehin an sich zweifelte. Welch Spielchen trieben die Götter nur mit ihm?

    Mit ernstem Blick legte Tjelvar seine Hand auf Elinas Schulter. „Deshalb haben wir keine andere Wahl.“

    Sie schaute zu ihm auf. „Warum habt ihr nichts davon gesagt? Ich meine ... ich habe nur mitbekommen, dass das Gespräch mit dem Jarl nicht so gut lief, aber dass es so schlecht war ...“

    „Warum ist doch jetzt egal“, sagte Tjelvar und drehte sich wieder um. „Wir müssen die Tasche holen, egal ob Durin da ist, oder nicht.“

    Nachdem Elina eine Weile zu Boden geschaut hatte, straffte sie die Schultern. „Ihr habt euch da echt in einen reißenden Fluss manövriert ... Hoffen wir, dass die Strömung euch auch dahin bringt, wo ihr es wünscht.“

    In ruhigere Gewässer wäre zur Abwechslung ganz nett, dachte Frod, während sie erneut Elina folgten.

    Es war nicht mehr weit und so kamen sie schon nach kurzer Zeit ans Ziel.

    Nahe der mächtigen Felswand, die den Osten der Stadt abgrenzte, lag Durins Anwesen. Ein hüfthoher Zaun begrüßte sie einige Meter, vor der Haustür.

    „Da wären wir“, sagte Elina. Mit dem Finger deutete sie auf einen Schuppen, welcher sich hinter dem eigentlichen Haus hervortat. „Da drin ... oder daneben müssten die Fässer sein, die Ille erwähnte. Vielleicht haben wir Glück und die Tasche ist noch drin.“

    „Ja, vielleicht“, sagte Frod. „Aber du musst nicht mitkommen, wenn du nicht willst.“

    Sie schaute ihn mit leicht zur Seite geneigten Kopf an.

    „Das hier ist deine letzte Chance umzudrehen. Du hast uns hierhergeführt. Mehr dürfen wir nicht von dir verlangen.“

    „Ich habe auch meine Gründe nach Helhaven zu wollen“, sagte sie.

    Frod nickte. Es war, wie er es sich gedacht hatte. Elina hätte gar nicht weiterzureden brauchen, denn ihren Entschluss konnte man in den blauen Augen deutlich ablesen.

    „Ich weiß nicht, wie viel dir Tjelvar erzählt hat ... aber wenn der Inhalt dieser Tasche der Schlüssel ist, um hinter das Geheimnis der Zwergenstadt zu kommen, dann werde ich nicht tatenlos dabei zusehen, wie ihr um diesen kämpft.“

    Sie war also fest entschlossen. Doch erinnerte sich Frod daran, dass sein Freund nicht vorhatte Elina mit nach Helhaven zu nehmen. Sie würde nur im Weg stehen, hatte er damals gesagt. Ob die beiden nochmal darüber geredet hatten?

    Tjelvar, der bis hierhin dem Gespräch nur stumm gelauscht hatte, schaute sich kurz um. „Dann ist das ja geklärt.“ Er öffnete das Gatter und zusammen betraten sie das Grundstück.

    Vorsichtig schlichen sie sich an das Haus heran und machten einen Bogen, um nicht ins Sichtfeld der Fenster zu geraten.

    Aber es brannte ohnehin kein Licht, wie Frod feststellte. Möglicherweise war Durin bereits zu Bett gegangen.

    Als sie an der Häuserwand ankamen, signalisierte Tjelvar ihnen, zu warten, während er zum Schuppen ging.

    Es dauerte nicht lange, bis er wieder zurückkehrte und den Kopf schüttelte. „Die Fässer, die dort stehen sind alle leer“, flüsterte er.

    „Dann hat er sie“, sprach Frod das aus, was alle befürchtet hatten.

    „Wir müssen rein“, entschied Tjelvar und deutete mit dem Daumen auf das Haupthaus.

    „Und wie willst du das anstellen? Wir können schlecht die Tür eintreten.“

    „Vielleicht kann ich helfen“, sagte Elina leise. „Aber ... ich habe das schon lange nicht mehr gemacht.“

    Frod schob die Augenbrauen zusammen. Was meinte sie?

    „Ich könnte versuchen, das Schloss zu knacken.“

    „Das kannst du?“, fragte er.

    „Also ... ich weiß nicht.“ Sie lächelte verlegen. „Früher konnte ich es zumindest. Aber ich habe es auch schon damals nicht oft gemacht ... nur wenn ich musste ...“

    „Jetzt musst du“, brummte Tjelvar. „Ansonsten kommen wir nicht weiter.“

    Kein Feingefühl der Mann, dachte Frod. Denn was er glaubte, aus Elinas Worten herausgehört zu haben, war, dass sie es nie gerne getan hatte.

    „Na gut“, sagte sie nach kurzer Überlegung. „Aber ich kann es nicht einfach so.“ Mit ihren Fingern zog sie eine Haarklammer aus ihrer Frisur, wodurch ein paar Strähnen auf der rechten Seite ihren angedachten Platz verließen. „Ich brauche noch etwas, womit ich den Mechanismus im inneren auf Spannung halten kann.“

    Augenblicklich ging Tjelvar in die Knie und holte aus seinem Stiefel ein dünnes Messer hervor. Das war nicht überraschend, denn er führte es immer mit sich. „Reicht das?“

    Sie nickte. Wortlos nahm sie die Klinge entgegen und schlich vorsichtig unter dem Fenster hindurch zur Tür.

    Die beiden folgten ihr, wobei Frod einen kurzen Blick durch die Scheibe warf. Im Inneren herrschte Dunkelheit und nichts wies darauf hin, dass noch jemand wach war.

    Als sie bei Elina ankamen, war diese bereits am Schloss zugange. Dabei stand Tjelvar so dicht hinter ihr, dass er ihr nicht viel Platz zwischen ihm und der Tür bot. Gespannt schaute er über ihre Schulter, sagte jedoch nichts.

    Frod dagegen sah immer wieder zurück zur Straße. Seit sie das Lagerhaus verlassen hatten, blieb in ihm das ungute Gefühl beobachtet zu werden. Doch er konnte beim besten Willen niemanden sehen. Vielleicht waren das auch nur die Spuren der Entführung, die an seinem Geist nagten.

    Dennoch, je länger Elina brauchte, umso nervöser wurde er. Gerade als er sich umdrehte, um zu fragen, wann sie fertig wäre, hörte er ein Klicken.

    Mit einem Strahlen im Gesicht, wandte sich Elina zu ihnen. „Es ist auf!“, verkündete sie mit einem überschwänglichen Flüstern.

    Ein zufriedenes Lächeln huschte über Tjelvars Lippen und er nickte ihr zu.

    Zu dritt betraten sie den in Dunkelheit gehüllten Raum. Bis auf das Licht von außen gab es hier keine Quellen der Helligkeit. Kerzen standen zwar auf einem nahegelegenen Tisch, doch war ihr Docht nicht entzündet. An dem flüssigen Wachs erkannte Frod, dass dies vor Kurzem anders gewesen sein musste.

    Sofort erinnerte er sich an Ulf, der ihnen auf der Straße entgegengekommen war. Vermutlich hatten dieser und Durin sich hier aufgehalten.

    Ein nicht mehr vollbesetztes Omgibrett lag auf dem Tisch und verriet, wie die beiden ihre Zeit miteinander verbracht hatten.

    Frod kannte dieses uralte Spiel. Es war ihm noch aus seinem Leben als Streuner bekannt. Damals nahm er Geld dafür, den Reichen seine Zaubertricks zu präsentieren. Omgibretter hatte er dort einige Male gesehen und nicht selten wurde er zu einer Partie herausgefordert.

    Das Ziel war es, die gegnerischen Steine mit den Eigenen zu umzingeln.

    Und auch wenn er nie sonderlich gut in solch taktischen Scharmützeln war, so reichte es für eine Vielzahl seiner Herausforderer aus. Trat jedoch mal ein richtiger Meister gegen ihn an, so merkte Frod schnell, wo seine Grenzen waren.

    Anhand der noch vorhandenen Spielsteine auf dem Brett erkannte er, dass die vorherige Partie ein rasches Ende genommen hatte.

    Vielleicht war hier ein solcher Meister am Werk gewesen, dachte sich Frod.

    Weitere interessante Sachen gab es in den Raum nicht zu sehen. Seine Tasche war jedenfalls nicht hier.

    Vorsichtig schlich Frod zu einer offenstehenden Tür und fuhr jedes Mal zusammen, wenn die Holzdielen unter ihnen knarzten. Dabei war es nicht sein eigenes Gewicht, welches für das Ächzen der Bretter verantwortlich war.

    Tjelvar war einfach nicht gemacht, für solche Missionen. Zwar darauf bedacht keinen Ton von sich zu geben, umgab seinen Freund eine stete Geräuschkulisse, während dieser durch das Zimmer streifte. Er war nicht laut, doch in der Stille der Nacht, wirkte es ohrenbetäubend.

    Frod überlegte schon, Tjelvar darum zu bitten, vor dem Haus zu warten, änderte seine Meinung jedoch, als er das Licht am Ende des Flurs sah.

    Da ist jemand! Schoss es ihm durch den Kopf und augenblicklich schlug sein Herz mit doppelter Geschwindigkeit. Vielleicht war es, weil das Blut durch seinen gesamten Körper gejagt wurde, doch sogleich fing die Wunde an seinem Hinterkopf wieder an zu pulsieren.

    Es war eine merkwürdige Mischung aus Angst und Wut, die sich in ihm auftat, sobald er an den Mann dachte, der für seine Entführung verantwortlich war, der seine Jahre lang gesammelten Informationen klaute. Außerdem beschlich ihn noch ein weiteres Gefühl, welches er nicht benennen konnte. Aber was es auch war, dieses Chaos in ihm sorgte dafür, dass er nicht genau wusste, was es im kommenden Aufeinandertreffen zu erwarten galt. Wie er selbst reagieren würde und ob er es schaffen würde, die Ruhe zu bewahren.




    nächster Teil...

  • Hi Eti :)

    Ich fang mal mit dem Schluss an.

    nur hatte ich einzelne Dinge schöner im Kopf, die ich dann nicht so umsetzen konnte. Dazu gehören zum einen das Knacken des Schlosses mit der Thematik, dass Elina früher nicht stolz war, sowas getan zu haben, dann aber über ihren Erfolg sehr stolz ist, und die Szene, in der Elina erzählt, dass auch sie nach Helhaven will

    Ich weiß nicht, ob es dir hilft, aber hatte mit beiden Szenen keine Schwierigkeiten. Dass Elina nicht stolz auf diesen Teil ihrer Vergangenheit ist, hab ich problemlos herausgelesen und dass sie auch nach Helhaven will - damit hab ich eh gerechnet. Deshalb von meiner Sicht aus - alles gut. :thumbup:

    Joa. Kann weitergehen. Jetzt bin ich gespannt, wer da mit dem Licht durch den nächtlichen Flur geistert und es wagt, die Einbrecher zu stören. :D

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Ich fang mal ganz vorne an. Hoffe das ist in Ordnung.

    Die Saga an sich finde ich interessant, aber in dieser Form hätte ich sie mir ausführlicher gewünscht. Würde das jetzt ein Geschichtenerzähler seinen Zuhörern erzählen, wäre es für mich in Ordnung. Als eigenständiges "Kapitel" ist es mir zu knapp, ich kann mich nicht rein fühlen. Und gehst du darauf nochmal ein, dass die Welt stumm war? Das finde ich am Anfang gut, aber am Ende ist sie ja immer noch stumm. :huh:

    • Offizieller Beitrag

    Hallo ihr zwei.
    Sorry, dass ich erst jetzt antworte, aber ich war bis gestern im Urlaub^^

    Ich hatte mich vergessen, hier im Forum abzumelden, aber jetzt wird weiter an der Geschichte gearbeitet und ich kann mich um eure Kommis kümmern.


    Der Spoiler ist für Tariq


    Hallo Schreibwelt

    Schön, dass dich dein Weg nach Ymir geführt hat^^


    Ich fang mal ganz vorne an. Hoffe das ist in Ordnung.

    Na Absolut :D Ich hoffe das werden zukünftige Leser auch tun ^^



    Würde das jetzt ein Geschichtenerzähler seinen Zuhörern erzählen, wäre es für mich in Ordnung.

    Meinst du, dass ich das so einleiten soll?
    Also im Kontext ist es ja genau das. Eine Geschichte/Saga, die in dieser Welt jeder kennt bzw weitererzählt wird. Also es ist quasi kein Text des Erzählers, der den Rest der Geschichte presäntiert, sondern ein Text, wie er in der Welt selbst vorkommt.



    Als eigenständiges "Kapitel" ist es mir zu knapp,

    Was es genau ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Aber ich denke es geht eher in Richtung eines Prologs, wobei selbst das wohl nicht ganz zutreffend ist. Für mich ist es eine Art Opener. Ein Kapitel soll es definitiv nicht sein. Da stimme ich dir auch mit der Länge zu.

    Und gehst du darauf nochmal ein, dass die Welt stumm war? Das finde ich am Anfang gut, aber am Ende ist sie ja immer noch stumm.

    Angeführt von ihrem obersten Vater, Godan, brachten sie den Klang.

    Hiermit wollte ich eigentlich verdeutlichen, dass die Welt nun nicht mehr Stumm ist. Darauf eingehen werde ich im größeren Rahmen aber in der Geschichte dennoch ^^

    • Offizieller Beitrag

    Kapitel 10:

    Neuer Ärger


    Teil 4:

    Hastig winkte er Tjelvar zu sich. Auch wenn dieser nicht für sein gelassenes Gemüt bekannt war, so gab es Frod dennoch Sicherheit, ihn in seinem Rücken zu wissen.

    Als auch dieser das Licht am Ende des Ganges erblickte, schenkte er Frod einen vielsagenden Blick.

    Wir ziehen das jetzt durch, war es, was er in den Augen seines Freundes las. Dabei fiel ihm auf, dass Tjelvar sein Messer nicht wieder weggepackt hatte. Fest umschlossen hielt er die Klinge und wies Frod an weiterzugehen.

    Doch blieb dieser stehen. Auch wenn er wusste, dass Tjelvar Durin nicht direkt abstechen würde, so fand er es sei keine gute Idee, mit vorgehaltener Waffe vor ihm aufzutauchen. Deshalb schüttelte er den Kopf und versuchte, mit Gesten zu verdeutlichen, was er meinte.

    Augenrollend verstaute Tjelvar das Messer an seinem Gürtel. Dort war es zwar immer noch gut zu sehen, wirkte aber nicht mehr so aggressiv wie zuvor.

    Ein Kompromiss, mit dem Frod leben konnte. Immerhin verstand er, warum sein Freund die Waffe gerne griffbereit hatte.

    Durin machte bisher zwar keinen gewaltbereiten Eindruck, aber brachen sie gerade in sein Haus ein. Sie mussten also mit einem Angriff rechnen und dafür war es nur gut, Mittel zur Verteidigung bei sich zu tragen.

    Langsam und vorsichtig, drückten die drei sich an der Wand entlang und näherten sich so immer mehr dem Raum, aus dem das Licht schien. Er lag rechts von ihnen, so das ein hineinschauen vom Flur aus erst möglich wäre, wenn man auf gleicher Höhe mit der Tür stand.

    Sie kamen dem Schein immer näher und näher. Frod glaubte sogar, schon das Atmen einer Person im Zimmer zu hören.

    Sie selbst waren dabei absolut leise. Auch Tjelvar umgab eine Aura der Stille und gerade, als Frod überlegte, ob die Bretter in diesem Teil des Hauses von stärkerer Natur waren, knarzte es laut unter den Stiefeln seines Freundes.

    Wie zu Eis erstarrt, blieben sie alle stehen.

    Während Frods Herz zuvor in unnachahmlicher Geschwindigkeit gehämmert hatte, fühlte es sich jetzt so an, als würde es augenblicklich zum Stillstand kommen. Er hielt die Luft an und die Gedanken in seinem Kopf rasten wild durcheinander.

    Erst als er hörte, wie aus dem Raum ein Stuhl über den Boden geschoben wurde, fanden sie sich zu einem Wort zusammen: Scheiße!
    „Birk? Bist du das?“, vernahm er die Stimme Durins.
    Frod schloss die Augen. Was nun?
    Doch bevor er sich darüber den Kopf zerbrechen konnte, spürte er, wie ihm Tjelvar von hinten zweimal auf die Schulter klopfte. Er drehte sich gerade zu ihm um, da marschierte Tjelvar wortlos an ihm vorbei.

    Ein hilfloser Versuch, seinen Freund festzuhalten und am Weitergehen zu hindern, endete mit einem Griff ins Leere und so dauerte es nicht lang, bis Tjelvar im Rahmen der Tür stand, durch den Licht und Stimme kamen.

    Ohne auch nur einen weiteren Gedanken zu verschwenden, schloss Frod zu ihm auf.


    Geweitete ozeanblaue Augen starrten ihnen entgegen und zeugten von der Überraschung, welche Durin gerade erfuhr.

    Sofort fiel Frods Blick auf das Schwert, das hinter dem Kommandanten an den Tisch lehnte.

    Wer nimmt seine Waffe mit in die Küche?, fragte er sich. Denn das war der Raum, in dem sie sich befanden.

    Eine Feuerstelle diente als einzige Lichtquelle. Über ihr war die Vorrichtung zum aufhängen eines Kessels angebracht, dieser fehlte jedoch.

    Dennoch machte Frod den Geruch von etwas Essbarem aus. Wie er schnell bemerkte, lag dies an dem halbverzehrten Fisch an Durins Sitzplatz. Dabei fiel ihm auch die Karte auf, welche auf dem Tisch ausgebreitet war.

    Seine Karte.

    Mit Büchern waren die Ecken des Pergaments auf dem Tisch fixiert worden, so dass es sich nicht wieder selbstständig zusammenrollte. Frod erkannte sofort, um welches Stück es sich hier handelte. Es war der Teil seiner Sammlung, der einen Grundriss der oberen Ebenen von Kingraven zeigte.

    Den Rucksack sah er auf die Schnelle nicht. Vielleicht war der Rest irgendwo anders im Haus versteckt.

    „Bei Nords Bart ... Was habt ihr hier zu suchen?“, fragte Durin und unterbrach somit jegliche weitere Inspektion Frods, welcher seinen Blick nun wieder auf den Kommandanten richtete.

    „Unser Zeug“, sagte Tjelvar trocken und ließ einen verärgerten Unterton mitschwingen.

    Fassungslos wanderte Durins Blick von Tjelvar zu Frod und dann zu Elina, die nun ebenfalls den Raum betrat. Er schüttelte den Kopf. „Mitten in der Nacht kommt ihr dann zu mir? Seid wahrscheinlich noch offen über die Straßen gelaufen ...“ Mit der Hand hielt er sich die Stirn, während er zu Boden starrte und seufzte. „Ihr hättet auf dem Lichterfest bleiben sollen, Südländer!“

    Ohne den prächtigen Pelz um seine Schultern wirkte Durin nicht mehr so imposant, wie heute Mittag. Der Kommandant hatte sich bereits in sein Schlafgewand gekleidet und schien nicht auf eine Konfrontation vorbereitet.

    Das hieß nicht, dass von ihm keine Gefahr ausging. Auf Frod wirkte er wie ein trainierter Mann, von guter Statur. Und auch wenn Tjelvar ihm in Kraft und Größe überlegen war, so blieb da immer noch das Schwert, das sich nur wenige Zentimeter hinter Durin befand. Automatisch schielte Frod zur zweiten Waffe im Raum. Weiterhin hing sie im Gurt seines Freundes, der bisher keine Anstalten machte, diese zu ziehen.

    Anscheinend hielt sich Tjelvar an die Absprache, die sie zuvor getroffen hatten, und versuchte es auf diplomatische Weise. „Wenn ihr uns gebt, was uns gehört, machen wir uns umgehend auf den Weg dorthin.“

    Durin nahm einen tiefen Atemzug und straffte die Schultern. Sein Blick klärte sich, die Haltung wurde lockerer. Er lehnte sich gegen den Tisch und umfasste mit seinen Händen die Kante der Holzplatte.

    Dies führte unweigerlich dazu, dass seine Rechte in Griffweite des Schwerts wanderte, was Frod verkrampfen ließ.

    Mit ausdrucksloser Miene schaute Durin Tjelvar in die Augen. „Ihr hättet erst gar nicht herkommen sollen.“

    „Dann hättet Ihr vielleicht Eure dreckigen Finger bei Euch behalten sollen und erst recht keine Entführungen in Auftrag geben dürfen!“, keifte Elina ihn haltlos an.

    Fantastisch, dachte Frod. Eigentlich war er davon ausgegangen, dass Tjelvar es sein würde, der die Situation zum Eskalieren bringen würde. Nun, sorgte Elina dafür.

    Doch zu ihrem Glück lösten ihre Worte keine unangenehme Regung seitens Durin aus.

    Dieser lehnte weiter gegen den Tisch und rührte sich nicht. Einzig seine Brauen zuckten kurz, als das Wort ‚Entführung‘ fiel. „Ich weiß nicht, wovon Ihr redet, Schankmaid.“

    Frod erinnerte sich an Illes Aussage, dass seine Verschleppung nur ein Versehen war. Anscheinend geschah dies wirklich im Unwissen Durins.

    „Das kommt davon, wenn man seine Drecksarbeit nicht selbst erledigt!“, zischte Elina. Ihre Stimme war wieder ruhiger und mit den Fingern krallte sie sich in den Stoff ihrer Ärmel. Augenscheinlich bemühte sie sich, die Fassung wiederzugewinnen.

    Was hatte überhaupt zu diesem emotionalen Ausbruch geführt? Hatte Durin etwas Falsches gesagt?

    Es musste ja schon fast so sein, immerhin war sie es gewesen, die sich am meisten vor diesem Treffen gefürchtet hatte. Und nun trat sie ihm so entgegen.

    Frod glaubte die Antwort auf seine Frage in Elinas letzten Worten gefunden zu haben.

    Der Kommandant solle seine Arbeit selbst erledigen? ... Nicht nur Ille wurde von ihm benutzt, dachte Frod. Elina war es, die dafür Sorge tragen sollte, dass er und Tjelvar aufs Fest gingen und auch dortbleiben würden. Das wurde Frod erst jetzt klar. Sie wurde ebenfalls von ihm gelenkt. Wie lange sich dieser Gedanke schon in Elinas Kopf umhertrieb, war schwer zu sagen.

    Trotzig blickte sie Durin entgegen.

    Dieser schien sein Interesse an Ihr allerdings verloren zu haben und schaute zu Tjelvar auf. „Ich fürchte, Euch enttäuschen zu müssen. Aber ich kann Euch eure Sachen nicht zurückgeben.“

    Tjelvar begann gequält zu grinsen. „Oh, darüber habt Ihr nicht zu entscheiden.“

    „Das ist wahr“, räumte Durin ein. „Ich habe diese Entscheidung auch nie getroffen. Die Anweisung kam von ganz oben.“

    „Jarl Baleson?“ Frods Verwirrung durfte nicht zu überhören gewesen sein.

    „Gleich nachdem ihr sein Haus verlassen hattet, gab er mir den Befehl unbemerkt Eure Nachforschungen zu stehlen und zu ihm zu bringen.“

    „Das macht keinen Sinn“, sagte Tjelvar. „Sie haben ihn einen Scheiß interessiert.“

    Da hatte Tjelvar recht. Frod war der Auffassung, dass Baleson von alle dem nichts wissen wollte.

    „Ich kann euch auch nicht sagen, warum er die Karten haben will, oder was er damit anzustellen gedenkt. Vielleicht sperrt er sie in seine Bibliothek zu all dem anderen uralten Wissen, vor dem sich der alte Mann so fürchtet.“

    Frod wurde hellhörig. Ein Raum mit gesammelten Informationen? Uralten noch dazu? Ein altbekannter Hunger tat sich in Frod auf. Wer weiß, was für Geschichten dort lagerten? Bei dem Gedanken an all dem neuen Verständnis, welches er erlangen könnte, fingen seine Hände an zu kribbeln.

    Unverständlicherweise schien Tjelvar sich gar nicht dafür zu interessieren. Als würde er ignorieren, was Durin gerade über die Bibliothek gesagt hatte, fuhr er mit seiner Skepsis fort. „Wenn sich Baleson so vor uns fürchtet, wieso lässt er dann Euch überwachen?“



    nächster Teil ...

  • Keine Einwände oder Anmerkungen, Etiam , dieser Part gefällt mir. Hier dürfen die drei wieder das sein, als was ich sie schon einmal bezeichnet habe: Herz, Hand und Kopf. Ich halte den Teil für gelungen. :thumbup: Jetzt bin ich gespannt, was Durin auf Tjelvars letzte Frage antwortet und ob Frod der Bibliothek einen (heimlichen, weil unerlaubten) Besuch abstatten möchte.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Hey Etiam


    Sorry, hab mich lange nicht blicken lassen aber heute hole ich mal wieder auf.


    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!

    • Offizieller Beitrag

    Keine Einwände oder Anmerkungen, Etiam , dieser Part gefällt mir. Hier dürfen die drei wieder das sein, als was ich sie schon einmal bezeichnet habe: Herz, Hand und Kopf. Ich halte den Teil für gelungen.

    Das freut mich sehr zu hören c:



    Jetzt bin ich gespannt, was Durin auf Tjelvars letzte Frage antwortet und ob Frod der Bibliothek einen (heimlichen, weil unerlaubten) Besuch abstatten möchte.

    Damit hast du mich auf eine kleine Idee gebracht, die sich perfekt ins bereits geplottete Geschehen einfügt. Danke dafür schon mal :D



    Äh das ist etwas doof, dass vor Leuten auszuplaudern, die sie im Fall der Fälle verraten könnten. Elina mag ja zu ihnen halten, aber da stehen noch andere rum, die du ja bereits als 'unterwürfig' beschrieben hast. Die hören auch mit.

    Uh guter Punkt, das hatte ich nicht bedacht.

    Was mich nach dem Teil und am Anfang des nächsten gewundert hat, wo Krächz und Ille hingekommen sind.

    Das allerdings schon. Aber ich hatte keine richtige Lösung dafür gefunden. Es ist auch noch eine Baustelle, aber ich wollte jetzt einfach mal weiterschreiben. Es blieb die Überlegung die beiden Fesseln zu lassen, aber irgendwie hat mir das ach nicht gefallen. :hmm:
    Also ... dem Problem bin ich mir bewusst, aber noch ist mir nichts eingefallen, wie ich es angehen kann. Und da ich WEIß dass nicht großartig Plotrelevantes dabeirausspringen KANN, wenn man sie da jetzt zurücklässt, habe ich gedacht mach erstmal weiter, dass du dieses Kapitel auch mal stehen hast.



    Das war geschickt gemacht. Jetzt hast du trotz Änderungen Ulf und den Hund noch drinnen :)

    Smart, oder? ;)



    Wie kommt er jetzt darauf? Der Part mit der Überwachung war doch nur in der alten Version drinnen, oder? Oder bringe ich jetzt was durcheinander? :hmm: Oder ist es das Gefühl beobachtet zu werden von Frod, das ihn den Schluss ziehen lässt?

    Die Frage kommt ja von Tjelvar. Er wird gleich zu beginn des nächsten Parts etwas dazu sagen. Ich habe da nur einfach den Cut gemacht ^^'
    Kannst wenn ich den Poste ja dann mal sagen, ob dir das reicht, wie er darauf kommt.



    Klar gehen dir ein paar der Infos ab, die du bringen hast wollen, aber evtl. hast du ja dafür auch noch eine Lösung ausgeklügelt?

    Jo, wird alles zu gegebener Zeit vorkommen :D



    Wie gesagt, mir gefällts und ohne das Hintergrund Wissen der alten Version würde mir nichts abgehen.

    Ok, Sehr schön^^ Dann scheint der Plan ja aufgegangen zu sein ^^

    • Offizieller Beitrag

    Kapitel 10:
    Neuer Ärger


    Teil 5:

    Fragend schaute Frod seinen Freund an, der seinen Blick stur auf Durin gerichtet hielt.

    „Wir haben alle gesehen, wie erschrocken ihr wart, als die Magd heute Mittag zu uns herübersah. Ihr warntet uns davor, dass wir beobachtet werden, doch in Wahrheit, werdet Ihr es!“

    „Falls es Euch noch nicht aufgefallen ist“, begann Durin und auch wenn seine Mimik weiterhin regungslos blieb, in seiner Stimme zeichnete sich eindeutig der Ärger ab. „Baleson ist paranoid. Er vertraut niemanden! Höchstens seinem Huscarl Joran. Und selbst da bin ich mir nicht sicher, ob er ihn nicht auch beschattet lässt.“

    Und schon wieder, dachte Frod. Wenn Durin über den Jarl redete, hatte er kein gutes Wort für ihn übrig. „Ich möchte Euch eine Frage stellen, Kommandant.“

    Mit hochgezogenen Augenbrauen und vor der Brust verschränkten Armen, schaute Durin in seine Richtung.

    „Als Ihr mit uns auf der Brücke geredet habt, da hattet Ihr Interesse an dem Plan zur Befreiung Dunhavens geäußert. War dies Heuchelei oder habt ihr wahrlich verstanden, um was es ging?“

    „Mir ist bewusst, dass sich meine Stadt nicht durch Warten retten lässt“, sagte Durin und kam ihnen so zumindest in Teilen entgegen.

    Bevor Frod jedoch weiter daran anknüpfte, vernahmen sie auf einmal das Näherkommen hastiger Schritte im Flur.

    Es dauerte nicht lange und ein großer Mann tauchte hinter ihnen im Türrahmen auf.

    Aufgrund der hohen Statur und dem fehlenden Auge, wusste Frod sofort, dass es sich um Durins Vetter handelte.

    „Birk, Du hast lange gebraucht“, begrüßte ihn Durin.

    Verdammter Zufall?, schoss es Frod durch den Kopf. Wie konnte es sein, dass Birk ausgerechnet jetzt hier auftauchte?

    Außer Atem und von den Besuchern sichtlich überrascht, zog er sogleich seine Klinge. „Sie haben Ille und Krächz überwältigt“, japste er und richtete sein Schwert auf Tjelvar. „Die beiden Dungas sagten, sie hätten den Magier gefangen genommen. Der Große kam dann zusammen mit Utjans Mädchen, um ihn zu retten.“

    Während sich Elina instinktiv in eine Ecke des Zimmers presste, machte auch Frod wegen der gezogenen Waffen einen Schritt zurück.

    Tjelvar stand in der Mitte des Raumes fest, wie der Baum im Walde. Er rührte sich keinen Millimeter von der Stelle und hatte sein Messer in der Hand. Abwechselnd starrte er zwischen Birk und Durin hin und her. Die Kampfhaltung, in die er sich begab, sah zum einen stabil aus, zum anderen, als würde er jeden Moment auf einen der beiden losspringen.

    Frod kannte den angestrengten Blick seines Freundes.

    Die Kiefermuskulatur angespannt, die Brauen zusammengezogen, mit funkelnden Augen darunter. Tjelvar war nicht weit davon entfernt, die Dinge auf seine Art und Weise zu regeln. Doch hier und jetzt, waren sie klar im Nachteil.

    Beschwichtigend hob Durin die Hände. „Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir haben uns bereits ausgesprochen. Unsere Gäste wollten uns gerade verlassen.“

    „N Scheiß wollten wir“, presste Tjelvar zwischen den Zähnen hervor und schenkte Durin einen giftigen Blick.

    Trotz des Schlichtungsversuchs ließen weder Birk noch Tjelvar die Waffen sinken. „Kommandant“, versuchte es Frod erneut. Dabei klang seine Stimme erbärmlich hoch und brach in der Mitte des Wortes ab. Ein Räuspern sollte eine Wiederholung dessen verhindern. „Bitte, denkt nach. Ihr sagtet selbst, dass man handeln müsse, wenn man Dunhaven befreien will. Ihr seht selbst, wie real die Mittel sind, die wir zur Verfügung haben.“ Er zeigte auf den Tisch, wo noch immer die Pläne Kingravens lagen. „Wenn Ihr zulasst, dass diese hinter verschlossenen Türen wieder für Jahre aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwinden, dann werden wir vielleicht keine zweite Möglichkeit zur Rettung bekommen.“

    Kurz schaute Durin hinter sich auf das ausgebreitete Pergament und suchte danach Frods Augen.

    Seine Gesichtszüge verrieten Frod, dass er nachdachte. Hatte Frod ihn am Haken? „Ist es nicht Eure Pflicht diese Stadt mit allen Mitteln zu beschützen?“, setzte er nach, um ihn an Land zu ziehen.

    Ein Fehler.

    Mit einem Mal verfinsterte sich Durins Gesicht. „Erzählt mir nicht, was meine Pflichten sind, Magier.“ Das letzte Wort spie er mit Abscheu aus. „Belehre ich Euch über Eure Aufgaben? Als jemand, der den Klang der Götter beherrscht, sollte es doch Eure Pflicht sein, die heiligen Städten dieses Landes zu verteidigen. Ich sah Euch nicht, als unsere Tempel von den Untoten niedergebrannt wurden.“

    „Aber das versuche ich doch“, murmelte Frod, ohne sich anmerken zu lassen, dass ihn verletzte, was Durin sagte. Immer wieder, wenn er und Tjelvar an zerstörten Gotteshäusern oder dergleichen vorbeikamen, zog sich Frod der Magen zusammen. Bevor er sich ‚Magier‘ nannte, hatte er eine besondere Verbindung zu diesen Orten verspürt. Und schließlich war es das Haus Vyngirs, der Göttin des Wissens, gewesen, in welchem ihm bewusst geworden war, was für Gaben er besaß. Wie passend es war, dass er ausgerechnet hier sein magisches Talent entdeckt hatte, merkte er erst, viele Jahre später als sein Interesse für die Zwerge geweckt wurde. „Man muss nicht immer vor Ort sein, um helfen zu können“, argumentierte Frod. „Durch mein Wissen über die Alte Welt hoffe ich, morgen hunderte Tempel mehr retten zu können, als wenn ich mich heute einer Schar von Draugar entgegenstellen würde.“

    Durin sah Frod prüfend an.

    Es war schwer zu erkennen, was im Kommandanten vor sich ging. Mittlerweile glaubte Frod, erkannt zu haben, dass die Gleichgültigkeit, die sein Gesicht suggerierte, nur Teil eines Schauspiels war. Eine Maske, die verbarg, was in ihm vorging und über worüber er nachdachte. Für Frod war es so schon schwer, Menschen zu lesen. Bei Durin ... unmöglich.

    „So hat wohl jeder seinen eigenen Weg, um das Richtige zu tun“, erkannte Durin ruhig. „Balesons Weg ist wohl einer, den weder Ihr, noch ich wählen würde. Doch ist er der Jarl. Und solange das so ist, ist seinem Weg zu folgen. Und meine Aufgabe ist es, diesen so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Ohne diese Jahrhunderte währende Ordnung, wären wir schon längst vor den Draugar zu Grunde gegangen.“

    Absolut loyal, dachte Frod. „Ich frage mich nur, welche Ordnung das ist, wenn man beginnt seine Gäste zu bestehlen.“ Seine Worte klangen bitter, als er das sagte und zu Boden blickte. Den einzig aufmunternden Gedanken, den er im Moment fand, war, dass seine Karten in Sicherheit waren. Und wenn sie in eine Bibliothek gesperrt werden, würde das auch so bleiben.

    „Ich kann Euch versichern“, sagte Durin. „Ich werde alles, was in meiner Macht steht tun, um den Kurs des Jarls zu ändern. Denn auch ich bin der Meinung, dass Eure gesammelten Informationen uns einen Vorteil verschaffen könnten.“

    Frod verzog den Mund. Welch schwacher Trost. Zumal er wenig Licht bei dem Unterfangen sah, den Jarl zu überzeugen.

    Was für eine beschissene Situation.
    Er sah kein Vorankommen mehr. Aber er konnte sein Lebenswerk doch nicht einfach hierlassen. Egal, ob er sich geirrt hatte oder nicht.

    „Ich verstehe, wie schwer das für Euch sein muss. Und ich bewundere Euch für die Hingabe, die Ihr aufgebracht habt, um solch eine beachtliche Sammlung zusammenzustellen.“ Wieder warf Durin einen kurzen Blick über die Schulter, zu der Karte auf dem Tisch. „Aber glaubt mir, wenn Ihr jetzt gegen den Jarl arbeitet, wird seine Sturheit und sein verletzter Stolz dafür sorgen, dass nicht mal ich ihn überzeugen kann. So besteht zumindest die Chance, dass Eure Arbeit nicht umsonst war.“

    In Frods Kopf arbeitete es. Er sortierte, was ihm seit heute Mittag keine Ruhe ließ. Sein Verständnis über die Geschichte und den Aufenthaltsort der Waffe, die sie alle rettete, wies große Lücken auf. Und selbst wenn er recht hatte, so würden sie ohne die Unterstützung des Jarls keine Armee zur Verfügung haben, obwohl ein dunkles Übel dort unten auf sie warten könnte. Vielleicht würde Durin es tatsächlich schaffen, die Hilfe anzufordern, die sie brauchten. Doch in nur wenigen Tagen würden sie Dunhaven verlassen müssen. Die Horde würde nicht ewig vor den Toren bleiben. Konnte es sein, dass sie sich längst in einer Sackgasse befanden und es einfach nicht wahrhaben wollten?

    Missmutig schaute Frod hoch. Sah zu seinem Freund, auf den immer noch Birks Klinge gerichtet war. Sein Leben würde er unnötig in Gefahr bringen. Nach allem, was Tjelvar für ihn getan hatte, war es das jetzt nicht wert. Auch Elina schenkte er einen flüchtigen Blick. Sie tat Frod am meisten leid. Konnte sie in ihrer Position auch nur so wenig bewegen, hatte sie vermutlich endlich Hoffnung Licht in ihre Vergangenheit zu bringen. Aber manchmal war es besser, diese hinter sich zu lassen. Die Dinge zu ersticken, die einen umhertrieben und nicht mehr auf das Flüstern zu hören, welches einen immer weiter anpeitschte und nie zur Ruhe kommen ließ. Frod schluckte. „Und Ihr könnt mir versprechen, dass zumindest das Wissen nicht verloren geht?“, fragte Frod heiser.

    Durin nickte.

    „Dann ist es vielleicht das Beste, wenn ...“

    „Ist das dein scheiß Ernst?“

    Erschrocken drehte sich Frod zu Tjelvar, der ihn mit großen Augen ansah.

    „Glaubst du echt den Mist, den er dir auftischt?“

    „Obacht!“ Mahnend fuchtelte Birk mit seinem Schwert.

    Doch Tjelvar schenkte diesem keine Beachtung mehr. Sein Blick ruhte nur auf Frod. „Die beiden arbeiten nicht für den Jarl! Elina hatte es mir erzählt.“

    Ein flüchtiger Blick zu ihr verriet, dass sie ebenfalls keine Ahnung hatte, von was Tjelvar sprach. Sie zuckte mit den Schultern und starrte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

    „Birks Eltern starben, als Baleson Jarl wurde.“

    Sofort richteten sich die Blicke auf Durins Vetter, welcher mit offenem Mund da stand.

    „Deswegen das böse Blut zwischen den Mirsons und Baleson. Sag mir nicht, dass du das nicht gespürt hast.“

    Doch ... da war etwas, das hatte Frod auch gemerkt. Die Blicke im Jarlshaus, die sie sich zuwarfen und natürlich, wie sie über ihn redeten.

    „Sie verarschen uns genauso, wie sie es auch mit ihrem Jarl tun.“

    „Genug!“, schrie Birk. „Ihr Bastarde habt doch keine Ahnung, was ...“

    Hastige Schritte ließen sie alle zu der Stelle herumfahren, an der zuvor Durin stand.

    Und mit klopfendem Herzen stellte Frod fest, dass nun zwei Klingen auf Tjelvar gerichtet wurden.

    Langsam rieselten ein paar Barthaare zu Boden, als sich Tjelvar umgedreht hatte und Durins Schwert an seiner Kehle wieder fand.



    nächster Teil ...

  • Der Cut an der Stelle passt schon so für mich. :)

    Jo, schön erstmal, dass es weitergeht. Wieder viel Verhalten und Worte analysieren, Reden, Blicken und Nachdenken. Nicht schlimm für mich, wenn ich den Überblick behalten habe. Aber den hab ich im letzten Teil irgendwie eingebüßt.
    Erklärung folgt im

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Tariq

    Ab „Die beiden arbeiten nicht für den Jarl!“ kann ich nicht mehr ganz nachvollziehen, was da abgeht. Wieso löst der von Tjelvar gesagt Satz den Gedanken "Meinte er das Artefakt?" bei Frod aus? Ich sehe da keinen Zusammenhang.

    Da kannst du auch gar keinen Zusammenhang sehen, weil es keinen gibt ^^'
    Der Gedankengang von Frod stammte noch aus einer älteren Version, in der Tjelvar an der Stelle etwas anderes gesagt hatte. Ich hatte vergessen das mit rauszunehmen :sack:
    Aber gut, dafür gibt es ja auch das Forum ^^'


    Und dann "Birks Eltern starben ..." Ich habe mal den ganzen Thread durchsucht, ob das schon mal erwähnt wurde, und hab es bei einem Post vom Februar gefunden. Kapitel 7. Das ist ... lange her.

    Das sind 3 Kapitel, ich denke das geht in Ordnung.

    Dass das zeitlich lange zurück liegt (Februar) liegt ja an der postweise im Forum und an meinem enormen Schreibtempo. Das sollte aber meine Auswahl an Zeitpunkten, wann ich welche Information droppe nicht beeinträchtigen. Letzten Endes schreibe ich ja nicht FÜRS Forum.

    Aber was mich eigentlich verwirrt hat, war die Aussage „Deswegen das böse Blut zwischen ihnen. Sag mir nicht, dass du das nicht gespürt hast.“ Dieses böse Blut zwischen Birk und Jarl - wurde das schon mal angesprochen? Und was genau soll Frod denn gespürt haben? Dass zwischen den beiden böses Blut herrscht?

    Und Frod erinnert sich an Blicke im Jarlshaus. Zwischen wem? Steht das "ihnen" jetzt immer noch für Birk und Jarl? Oder geht es jetzt um Durin und Birk?

    Ja, das muss ich dann etwas deutlicher machen, das ist mir nicht so gut gelungen.
    Gemeint war, dass Durin IMMER schlecht über den Jarl redet und in der Szene in Kapitel 6 wo die beiden aufeinander treffen auch nicht wirklcih nett zueinander sind. Tjelvar weiß von Elina sogar, dass Birk schlecht über Baleson redet. Aber das kann Frod nicht wissen, war jetzt auch nur ein FunFact. Aber ja, das muss ich irgendwie anders darstellen. Es soll halt klar werden, dass in Tjelvars Augen die beiden Gruppen eher gegeneinander, als miteinander agieren.

    Und zum Schluss noch die "hastigen Schritte". Vielleicht habe ich ja eine falsche Vorstellung, aber wenn ein Schwert "hinter dem Kommandanten am Tisch lehnt", dachte ich, er muss sich nur umdrehen, um es zu ergreifen. Wenn er Schritte dafür benötigt, hat sich Durin also vom Tisch (und vom Schwert) entfernt. Warum? Hielt er die Eindringlinge für harmlos?

    Oder ist jetzt noch ein Dritter dazugekommen, der Durins Schwert ergriffen hat und Tjelvar vor die Kehle hält? Denn hätte Durin die Schritte gemacht, wäre Tjelvar doch sicher genügend Zeit geblieben, den Blick von Frod auf Durin umzuschwenken und zu sehen, dass der Kommandant zu seinem Schwert läuft. Hm. Vielleicht seh ich das aber auch ganz falsch und die Lösung ist viel einfacher ...

    Ja, ich glaube hier hast du eine falsche Vorstellung^^'
    Die Lösung ist eigentlich ganz einfach ... Also zumindest so wie es gedacht war.
    Er greift nach hinten, nimmt sein Schwert und macht DANN haste Schritte. Das Schwert zu greifen ist quasi eine freie Aktion :P Das kann er vermutlich schon während des ersten Schrittes machen.

    Dass Frod das in diesem Moment denkt, halte ich für zeitlich nicht gut passend. Warum nicht schon, als Birk auftaucht? Dann müsstest du Durins Worte nicht unterbrechen und könntest das "kommentierte Durin die Szene" weglassen.

    Frods Gedanken hielt ich für passender unmittelbar nach Birks Eintreffen, also nach "Aufgrund der hohen Statur und dem fehlenden Auge, wusste Frod sofort, dass es sich um Durins Vetter handelte."

    Ja, da hast du recht. Bin sogar am überlegen, ob mir da was durcheinander gerutscht ist, beim überarbeiten :hmm:



    Wie liest Frod Menschen? :hmm: Meinst du, er liest in den Gesichtern der Menschen?

    Ja zum Beispiel. Ist das kein gängiger Ausdruck? Ich kenne das so "Du bist gut im Menschen lesen." Da gehört halt alles zu. Gesicht, Verhalten, Gestik ... Im Grunde halt vorhersagen können was das Kernmotiv ist. Oder in einer schwächeren Version auch einfach sagen können was für ein Typ Char XY ist. Man sagt doch auch "Ich kann dich lesen wie ein offenes Buch"



    Das Doppel-"ist" erscheint mir ein bisschen unglücklich, zumal der Satz so auf den ersten Blick unvollständig erscheint, obwohl er keinen Fehler enthält. Mein Kopf vervollständigte ihn selber: Und solange das so ist, ist seinem Weg zu folgen das, was ich tue.


    Vielleicht wäre ein "Und solange das so ist, werde ich seinem Weg folgen" passender oder - wenn du diese Aussage von Durin nicht möchtest - "Und solange das so ist, hat der Kommandant seinem Weg zu folgen."

    Ja, ich finde die doppelung auch unelegant. Aber bei deinen Vorschlägen sagst du was anderes aus, als ich. Du sagst das ER, also DURIN im folgen soll. Durin meint das aber im allgemeinen. ES IST IHM ZU FOLGEN, egal wer DU bist, ER ist der Jarl. Es umfasst also mehr, weil es allgemeiner gehalten ist.
    Vielleicht finde ich noch einen Weg, das schöner zu beschreiben.


    Den Rest werde ich dann noch korrigieren ^^
    Wahrscheinlich wenn das Kapitel als solches durch ist. Dann setze ich mich mal an alles ran und tipp das dann durch.

    Vielen Dank fürs lesen ^^

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    (Ricarda Huch)



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  • Hey Etiam,


    so, ich bin jetzt wieder auf dem Neusten stand :)


    Meine Gedanken/Ideen/Anmerkungen packe ich mal in den Spoiler



    LG,

    Rainbow

    • Offizieller Beitrag

    Hi Rainbow

    Was mir nur manchmal auffällt ist, dass mir maches kompliziert erscheint, obwohl es das wahrscheinlich gar nicht ist. Vielleicht irre ich mich auch, ist jetzt nur so meinem Gefühl beim Lesen geschuldet.

    Vielleicht kommt das durch das dutzende überarbeiten dieses Kapitels. ich kann es selbst grad gar nicht mehr sagen.

    Aber ich glaube, du musst aufpassen, dass du dich mit derartigen Einschüben nicht verzettelst, weil sie manchmal Tempo aus der Szene nehmen und beizeiten mehr verwirren oder nur wieder neue Fragen aufwerfen, was dem Leser erschwert, sich auf das Wesentliche zu kokussieren.

    Ja, ich glaube ich weiß was du meinst. Es war halt auch teils der versuch, mehr von der Perspektive in der wir uns befinden reinzubringen, dass das nicht so endet wie das Elina Kapitel, was wir einmal hatten. Da hat genau das ja gefehlt. Aber gleichzeitig habe ich das auch benutzt, um Dinge zu erklären, wo ich mir gedacht habe, dass der Leser damit vielleicht noch Probleme hat.

    Das Ende vom letzten Part fand ich dann ähnlich verwirrend wie Tariq . Ich konnte den Zusammenhang nicht wirklich herstellen. Und ich glaube, das ist das Grundproblem im Moment. Dass man als Leser beizeiten das Gefühl hat, hinter den Informationen herzuhecheln. Mag sein, dass das jetzt blöd klingt, wenn ich das so sage, weil die zeitlichen Abstände beim häppchenweisen Lesen hier im Forum natürlich auch dazu beitragen, dass man vieles nicht mehr auf dem Schrim hat. Aber ab und an frage ich mich, ob man dieses Kondtrukt, das du dir da ausgedacht hast, nicht vereinfachen und auf ein paar Basics runterbrechen könnte.

    In Kapitel 10 kann das sogar gut möglich sein. ich will mir das ganze später auch nochmal angucken. Aber momentan ist Hauptaufgabe Nummer eins erstmal aus diesem Sumpf rauszukommen. Ich weiß aber voll und ganz was du meinst und wäre später, wenn alles so weit steht und man auch sieht, wie wichtig dieses Kapitel für die Geschichte ist, auch sehr dankbar, wenn ihr da nochmal drüberschaut.

    Ich habe mich hier kurz gefragt, wieso Ille später ein Tuch vor dem Gesicht trägt, sich aber anfangs offenbar nicht darum geschert hat, gesehen zu werden. Okay, er ist von Frod überrascht worden, aber dann braucht er sich auch später nicht mehr zu vermummen, oder? ?(

    Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich momentan noch keine Antwort habe ...



    Ehrlich gesagt verstehe ich hier seine Erleichterung nicht ganz. Er erfährt hier schließlich, dass seine Karten erstmal weg sind. Das darf ihn schon beunruhigen, finde ich

    Das ist so eine Stelle die ich meinte. Hier hatte ich zum einen das gefühl Frods Innenleben zeigen zu müssen, wegen Perspektivchar und bla und zum anderen wusste ich nciht, ob ich vorarbeit leisten muss für sein "komisches" Verhalten später, dass er auf einmal wenig von dem Plan/seinen Fähigkeiten hält.



    Ich finde, er refelkiert hier sehr viel über sein eigenes Handeln. Ich frage mich, ob man das in der kürze der Zeit tut. :hmm: Prägnanter wäre es, ihn einfach reagieren zu lassen...vielleicht kann er ja auch danach noch kurz bemerken, dass er sich über sich selbst wundert, oder so.

    Hier exakt das Gleiche. Ob es das dann am Ende braucht scheint ja dann eher fraglich zu sein.


    Den rest werde ich korrigieren, wenn ich das Kapitel abgeschlossen habe ^^

    • Offizieller Beitrag

    Kapitel 10:

    Neuer Ärger


    Teil 6:

    Das Gesicht des Kommandanten verfinsterte sich. Seine Brauen schoben sich auf unheilvolle Weise zusammen, während sich seine blauen Augen gefährlich verdunkelten. Dennoch schien er die Fassung zu behalten. Nur seine Stimme ... Er schrie nicht oder presste die Worte zwischen seinen Zähnen hervor, wie Tjelvar es oft tat, wenn er wütend war. Sie kamen ihm ruhig, fast geflüstert über die Lippen.

    Es war das beinahe unmerkliche Beben, in ihnen, welches Frod die Nackenhaare aufstellen ließ. „Ihr Südländer seid alle gleich! Hört ein paar Worte, spinnt euch eure eigene Geschichte daraus und haltet sie für die Realität. Doch ihr habt keine Ahnung von der Wahrheit; von dem Leid, das mein Volk durchmachen musste.“ Er schaute zu Frod. „Wisst Ihr, was ein Enviki ist?“

    Er hatte von diesen Machtkämpfen schon gehört, aber nie einem beigewohnt.

    Doch Durin erwartete ohnehin keine Antwort. „Vor etwa fünfzig Jahren kam ein Fremder in unsere Stadt und forderte unseren Jarl zu einem Enviki heraus. Trotz all der Umstände, die gegen ihn sprachen gewann er den Kampf ... und somit Dunhaven.“

    Frod bemerkte wie Birk betrübt zu Boden schaute.

    „Dieser Fremde war ein Tyrann! Und seine Herrschaft war geprägt von Hunger und Angst. Angst davor, seinen üblen Launen zum Opfer zu fallen. Jedes Jahr versuchte es ein anderer ihn im Enviki zu besiegen, doch sie alle unterlagen seiner unmenschlichen Kraft. Irgendwann hörten die Dun auf zu glauben. Nicht wenige waren der Meinung, dass er Unterstützung von den Göttern erhielt, und schlossen sich ihm an.“

    Langsam ließ Durin das Schwert sinken. Der Schmerz, der in seiner Stimme mitgeschwungen hatte, ließ Frod wachsam werden.

    Durin war zu jung, um selbst Zeuge dieser Zeit gewesen zu sein. Doch ein solches Ereignis konnte sich in die Köpfe der Dun gebrannt haben und auch Generationen später nicht erloschen sein. Frod studierte die Geschichte der Zwerge. Da war es nicht unüblich in Jahrtausenden zu denken. Vor wie viel Jahren kam dieser Tyrann nach Dunhaven? Fünfzig? Das war nichts.

    „Eines Tages kam ein weiterer Fremder übers Wasser zu uns. Sein Name war Bale und während die Dun abgemagert und schwach wurden, unter der Schreckensherrschaft, war er stark. Als er Odwig, den Tyrannen zum Enviki herausforderte, war mein Vater der Einzige, der ihn unterstützte.“ Durins Maske bröckelte weiter. Leicht hob er die Brauen und presste die Lippen aufeinander. „Die anderen Gründungsfamilien hatten zu viel Furcht, um das Richtige zu tun und gaben ihre Geschenke für den Kampf Odwig. Nur mein Vater traute sich, Bale zu unterstützen. Und deswegen schenkte er ihm dieses Schwert.“

    Stolz hob Durin die Waffe wieder an. Doch diesmal zeigte die Spitze nicht auf Tjelvar, sondern geradewegs nach oben. So konnte man die ganze Klinge begutachten, sowie das Symbol, das knapp über der Parierstange im Licht des Kaminfeuers funkelte. Bei genauerem Betrachten erkannte Frod einen Vogel, welcher in seinen Klauen eine Kette hielt.

    „Auch wenn Odwig einem von Ödgards Berserkern ebenbürtig gewesen sein muss, schaffte es Bale hiermit ...“ Er starrte auf sein Schwert. „Ihm die verfluchte Kehle durchzuschneiden.“ Er ließ es wieder sinken und sein Gesicht nahm den gewohnt neutralen Ausdruck an. „Bale wurde Jarl und aus Schmach bauten ihm die anderen Gründungsmitglieder eine Statue.“

    „Die auf dem Marktplatz?“, fragte Frod.

    Durin nickte. „Die Heldenstatue. Geht dort hin und schaut sie euch an. Ihr werdet sehen, dass sie dieses Schwert in den Händen hält ... mit dem Wappen meiner Familie darauf.“

    Mit einem Mal kam Frod ein Gedanke. „Aber natürlich ... Bale ... heißt das, Baleson ist sein Sohn?“

    „Ja. Und er sah in dem späteren Ableben seines Vaters Mord. Ausgeübt von den Anhängern Odwigs, die dieser selbst nach seinem Tod noch hatte. Somit war Balesons erster Befehl, eine Hetzjagd gegen sie zu starten. Wieder kämpfte meine Familie an vorderster Front für Bales Blut.“

    Birk ballte die Fäuste und schaute mit zuckender Oberlippe in Tjelvars Richtung.

    „Deswegen starben meine Eltern, klar?“

    „Meine Familie war ihnen immer treu“, sagte Durin. „Das ist der Grund, warum mein Vater Bales Huscarl wurde und ich als Balesons Kommandant diene. Ihn zu hintergehen, wäre das Gleiche, wie meine eigene Familie zu verraten. Und wenn ihr das noch einmal behauptet ...“ Wieder richtete er das Schwert gegen Tjelvar. „Dann schlage ich euch persönlich den verdammten Kopf von den Schultern!“

    Frod traute sich fast gar nicht, zu Tjelvar zu gucken, tat es aber schließlich doch.

    Mit hochrotem Kopf stand sein Freund zwischen diesen bewaffneten Männern. Seine Atmung war für jeden zu hören und er ballte seine Fäuste so fest, dass seine Fingerknöchel eine weiße Färbung angenommen hatten. Nur Bewegen tat er sich nicht. Wahrscheinlich wusste er nicht, ob vor oder zurück. Sein starrer Blick, aus den weit aufgerissenen Augen galt allein Durin.

    „Wird Zeit, dass Ihr Euch entschuldigt, Südländer!“ Nicht einmal Birks Gerede lenkte ihn ab.

    „Nicht nötig“, sagte Durin in ruhigem Ton. „Es reicht, wenn sie jetzt gehen und wissen, dass wenn sie weiterhin, gegen uns ...“ Sein Blick gegenüber Tjelvar wurde schärfer. „Und somit auch Jarl Baleson vorgehen, das einzige uralte Gewölbe, welches sie betreten werden, das Gefängnis sein wird!“ Dann wandte sich Durin Frod zu. „Ihr habt Großartiges geleistet, Magier. Doch müsst Ihr verstehen, dass Eure Arbeit hiermit getan ist. Ab jetzt übernehmen wir. Vergesst dieses Aufeinandertreffen und ich verspreche euch dasselbe zu tun. Vergesst Eure Karten und ich werde dafür sorgen, dass sie bis in alle Ewigkeit existieren werden. Vergesst Helhaven und lebt ein befreites Leben. Wer weiß ... vielleicht rette ich eures sogar damit, dass ihr diese verfluchten Hallen niemals betreten werdet.“

    Elina machte einen Schritt nach vorne. „Ihr seid so ein Mistkerl, Durin!“, kam es ihr heiser über die Lippen.

    Zornig richtete Birk sein Schwert auf sie. „Pass auf was du sagst, Schankmädchen! Sonst ...“

    „Komm ihr nur einen Schritt näher und ich ramm dir mein Messer in den Hals“, knurrte Tjelvar, der offensichtlich seine Stimme wiedergefunden hatte.

    Die Situation durfte nicht eskalieren und bevor Durin, dem Tjelvar achtlos in seinem Rücken allein gelassen hatte, etwas tat, rief Ford laut dazwischen. „Genug!“

    Alle starrten ihn an.

    „Ich habe genug, von der Gastfreundschaft der Dun. Wir werden jetzt gehen“, vermittelte Frod ruhig.

    „Das kann nicht dein Ernst sein ...“, sagte Tjelvar.

    Doch bevor dieser weiterkam, nickte ihm Frod auf eine Art zu, dass er wusste, dieser würde verstehen. Ein Nicken, welches sie in den Jahren zuvor immer ausgetauscht hatten, wenn sie dem anderen suggerieren wollten, dass man einen Plan hatte.

    In der Tat, wurde Tjelvar ruhiger. Etwas unentschlossen schaute er sich um. Blickte zwischen Durin und Birk hin und her.

    „Wir können sie nicht einfach gehen lassen, wir ...“

    „Birk!“ Harsch unterbrach Durin seinen Vetter.

    Frod war dann der Erste, der sich in Bewegung setzte. „Kommt.“ Als er sich an Birk vorbei in den Flur quetschte, schlug sein Herz kurz schneller, doch der Hüne ließ ihn gewähren. Erleichtert stellte er fest, dass auch Elina ihm zu folgen begann.

    Jetzt fehlte nur noch Tjelvar.

    Und wie Frod den Flur entlanglief, horchte er angestrengt hinter sich, ob sein Freund ihnen auch folgen würde. Erst als er seine schweren Schritte und das darunter ächzende Holz vernahm, wagte er es, wieder zu atmen.

    Sie würden unverletzt hier herauskommen. Ein verstohlener Blick über seine Schulter bestätigte seine Vermutung. Sie wurden nicht verfolgt.

    Birk und Durin verweilten in der Küche.

    Frod hatte nicht vor, dieses ‚Vertrauen‘ zu missbrauchen, und verließ auf direktem Wege das Anwesen. Und hätte Tjelvar ihn nicht nach Verlassen des Hofes angehalten, wäre er noch im Eilschritt die Straße hinunter marschiert.

    „Was hast du vor?“, fragte sein Freund.

    „So viel Abstand wie möglich zu ihnen bekommen.“

    „Nein, ich meinte im Gesamten.“

    Frod atmete einmal durch. Wie fing er am besten an? „In Ordnung, du hattest Recht.“

    Tjelvar schob die Augenbrauen zusammen und legte den Kopf schief.

    „Die Sache mit Durin und dem Jarl. Zumindest glaube ich, dass du recht hast ...“

    „Aber die Geschichte, die er erzählte, ...“

    „Ja, ich denke, dass er die Wahrheit gesagt hat. Das Enviki, die Geschichte mit Bale und diesem Odwig ... und auch wie seine Familie darin verstrickt ist. Als er darüber sprach, war es das einzige Mal, dass Durins Fassade bröckelte.“

    „Und was meinst du dann?“, wollte Elina wissen.

    „Seine Treue zum Jarl. Zwischendurch dachte ich auch, dass Durin Loyal wäre, aber was Tjelvar gesagt hatte, gab mir schon zu denken. Die beiden scheinen sich nicht zu verstehen und darüber hinaus, hat Durin auch kein einziges gutes Wort über Baleson verloren. Nur das dem ‚Jarl‘ zu folgen ist.“

    Elina legte die Stirn in Falten. „Und das reicht aus, um jemanden zu hintergehen?“

    „Für manche sicherlich, aber es war etwas anderes, das mich im Nachhinein stutzig gemacht hat.“

    „Die Karte“, sagte Tjelvar.

    „Genau“, Frod nickte. „Er hatte die Karte ausgebreitet auf seinem Tisch liegen. Sein Interesse von heute Mittag ist also nicht nur Schauspiel gewesen. Obwohl Baleson wohl nichts mit den Karten anstellen will, studiert Durin deren Inhalt mitten in der Nacht, gleich nachdem er sie bekommen hat ... Und da wären wir beim nächsten Punkt ... Warum hat er sie bekommen? Ille und Krächz hätten genug Zeit gehabt, sie direkt zu Baleson zu bringen.“

    „Vielleicht will er sie persönlich vorbeibringen“, sagte Elina. „Durin ist sehr stolz. Er war ja auch sehr aufgebracht, als du ihn auf seine Pflichten hingewiesen hast.“

    Frod griff sich nachdenklich ans Kinn. „Ja, aber ich denke nicht, weil sein Stolz verletzt war. Ich denke, weil er diesen bisher nicht nachkam oder nachkommen konnte, war er verärgert. Immerhin hat er mir im gleichen Atemzug sowas vorgeworfen. Meine Menschenkenntnis ist nicht gerade die beste und wahrscheinlich kenne ich die Zwerge sogar besser als meine eigenen Artgenossen ... möglicherweise ist auch eine Portion Wunschdenken dabei, aber ich glaube Durin will sich das Artefakt holen und die Draugar vertreiben ... mit oder ohne den Jarl.“

    „Ich weiß nicht“, sagte Elina und kaute nachdenklich auf ihrer Lippe. „Das alles, klingt sehr vage und ich habe ehrlich gesagt noch nicht verstanden, inwiefern das besser wäre, als wenn Baleson hinter allem stecken würde?“

    „Dann hätten wir was gegen Durin in der Hand“, sagte Tjelvar und nickte. Aber eher für sich, als müsste er das selbst Gesagte erst bestätigen. „Also, was hast du vor?“, fragte er nun an Frod gerichtet.

    Mit aufeinandergepressten Lippen starrte er seinen Freund an, ehe er das Wort, vor dessen Wirkung er sich fürchtete, herausdrückte. „Nichts.“



    nächster Teil ...

  • Hey Etiam


    also zuerst mal finde ich die letzten beiden Teile angenehm zu lesen. Ein paar Kleinigkeiten von der Ausdrucksform, die ich so vielleicht nicht verwendet hätte aber alles in allem ein flüssiger Text.


    Ich muss aber sagen das ich mir stetig schwerer tue, die ganze Lore im Auge zu behalten. Das mag natürlich auch an dem sporadischen Lesefluss liegen aber trotzdem pendeln wir viel zwischen dem Vorwärtskommen in der Gegenwart und Erzählungen der Vergangenheit hin und her. Es geht aktuell noch aber mein Lesegeschmack meldet schon sehr stark, dass er gerne weiter in der aktuellen Story vorrücken möchte. So lange haben wir jetzt schon keinen Draug mehr gesehen und die Sache mit der Höhle in der die Zeit anders verläuft ist auch schon so weit zurück. Ich fürchte irgendwie, dass sich das alles etwas zu stark auseinanderzieht um dann noch wieder zusammenfinden zu können. :/

    Da sitzen sie wieder alle und fressen Eis ... Als wüssten sie nicht, wie ein Bier aufgeht!

  • Hey Etiam,


    von der Entwicklung her gefällt mir das ganz gut. Immerhin bekommt Durin durch diese Hintergrundstory als Charakter etwas mehr Tiefe verpasst und sein Verhalten wird nachvollziehbar. Das finde ich sehr gut. Der Aufbau dieser Szene ist dir insofern gut gelungen und man kann die Spannung zwischen den Parteien quasi spüren, bis es um ein Haar eskaliert, was aber ja durch Frods Eingreifen verhindert wird. Auch die Erkenntnis am Ende kommt gut rüber. Dass Durin sehr wahrscheinlich ein eigenes Ziel verfolgt...alles, was ich zu beanstanden hätte, wären einige formelle Dinge, über die ich beim Lesen ab und an stolpere. Das beruht aber vielleicht auch nur auf meinem persönlichen Empfinden, deshalb... schau mal, ob du es für dich nachvollziehen kannst. :)



    LG,

    Rainbow