Gedichte vom Sein, mit Vers und mit Reim.

  • Da ich aktuell eine Schaffenspause von meinem Buchprojekt brauche und beim Schreiben nicht einrosten will, habe ich mich heute nach langer Zeit mal wieder an zwei Gedichten versucht(die ersten Beiden). Die Motivation dazu hat mir das Forum gegeben, da sie sonst wohl nie von irgendjemanden gelesen worden wären.

    Ich freue mich über Gedanken, Interpretationen und konstruktive Kritik und hoffe es gefällt jemanden^^





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    Insomnia


    Die Uhr starrt mich an,

    Doch ich ersehne den Schlaf.

    Erneut in ihr'm Bann,

    Nach dem tausendstem Schaf.


    Gedanken ziehn vorbei,

    Wie Wolken gemächlich.

    Lassen sich Zeit, so frei.

    Doch ich werd' nicht schläfrig.


    Lider leicht wie Federn,

    Woll'n sich nicht schließen.

    Fühle mich gerädert,

    Will Schafe erschießen.


    Draußen der Regen naht,

    Das Fenster weit offen.

    Wie Tropfen am Glase scharrt,

    Des Windes Genossen.


    Denk' an Vergangenes,

    An heute und morgen.

    Dem Dummen gelänge es,

    Frei von Kummer und Sorgen.


    Freude, Lust und Reue

    Toben und tosen in mir.

    Will ins Land der Träume,

    Spätnachts, kurz vor halb-vier.


    Resigniert und genervt,

    Schlendernd in die Küche,

    Kopf voll mit lautem Lärm,

    Seele voller Flüche.


    Das Wasser schon kochend,

    Wird bald heißer Tee.

    Waches Herz noch pochend,

    Gleich ruhig wie Schnee.


    Endlich liegend nun wieder,

    Unter der warmen Decke,

    Werden müde die Glieder...

    Bis ich die Uhr entdecke.


  • Der Hase und die Uhr



    Wenn Wolken sich klären,

    Strahlt des Stern'bilds Charme;

    Die Statur eines Bären,

    Sein Herz dennoch warm.


    Erinnerungen wie eingemeißelt,

    Dein Gitarrenblues noch heut' im Ohr.

    Kann Wesen heut gut beschreiben,

    Dank der alten Taschenuhr.


    Warst ein Freund, beinahe Vater,

    Ich wie Sohn, den du nie bekamst.

    Schale hart, dein Kern war zarter,

    Als jeder And're hätt's geahnt.



    Als 'Wolf' geboren, doch 'Hase' genannt,

    Ein ruhiges Wesen mit scharfem Sinn.

    Von Vielen verurteilt, von Vielen verbannt,

    Doch nie verloren, das innere Kind.


    Kein Ersatz, immerhin ein Trost.

    Viel erlebt, vom Leben gezeichnet.

    Keine Rast, vom Konsum verroht,

    Musstest du des Körpers weichen.


    Heute groß, doch damals klein,

    Verstand ich früher nichts vom Tumor.

    Vergessen wirst du niemals sein.

    Dein Frohsinn, Mut und dein Humor.


  • Vom Werden und Vergehen.



    Heute, das Gestern von morgen.

    Die neue Zeit im alten Raum.

    Selber Kummer, neue Sorgen.

    Simples Wesen spürt es kaum.


    Lauf des Kreises, unendlich lang,

    Illusion des Menschen, Wahn der Natur,

    Zieh'n Raum und Zeit an einem Strang.

    Wie tauendes Eis, so zart, so pur.


    Überall. Mal dort, mal hier.

    Ein Gefühl, ein Ding, ein Wort.

    Überall. In mir, in dir.

    Überall und niemals fort.


    Immer beschütztend, All bewachend,

    Umgibt es uns, und doch unnahbar.

    Begann's doch laut, so rau und krachend,

    Nun unbestimmt und unsichtbar.


    Wenn Sonne dann den Monde küsst,

    Der Zeiten Zahn, ob Tag ob Nacht.

    Der erste Strahl den Schatten trifft,

    Erst Hahn und dann der Uhu wacht.


    Allgegenwärtig, doch vergänglich.

    Nicht bestimmt für unsren Sinn.

    Verdrossen Mut, der Raum verdrängt sich,

    Masse schwindet, Zeit gerinnt.


    Ohne Zeit kein Wandel.

    Kein Wandel ohne Zeit.

    Raum und Zeit verhandeln.

    Der Raum hat sich befreit.


    Leicht gestrickt und so zerbrechlich,

    beinah gemächlich, doch geschwind.

    Still und leise, tief bedächtig,

    Gebärt der Tot ein neues Kind.


    Expansion im Universum.

    Vom Sterben und Entstehen.

    Ein Lied aus der Entfernung,

    Vom Werden und Vergehen.


    Zeit verschwendet, Raum verloren.

    Raum und Zeit wurden Feind.

    Der süße Apfel zwar vergoren,

    Doch sein Same bald schon keimt.