Eldarya (Fan Fiction)

  • Hi zusammen :)


    ich spiele schon seit einiger Zeit das Handspiel Eldarya, welches eine Visual Novel ist.

    Den Monat gab es einen Wettbewerb in diesem Forum und ich hab eine Kurzgeschichte dazu geschrieben und wollte sie euch hier mal zeigen :) Werde die Kurzgeschichte in 2-3 Abschnitte unterteilen.


    Dies war die Ausgangsituation, die von den Moderatoren verfasst wurde: (ich hoffe ich darf das hier so zeigen, wenn nicht werde ich die Info rausnehmen.)


    Liebe Garde von Eel,

    Seit einer Weile steigt die Temperatur um den Fenghuang-Tempel drastisch. Wenn es so weitergeht, könnte es sein, dass wir ernsthafte Probleme bekommen. Wassermangel aus Dürren und Ernteausfälle würden uns - besonders in der jetzigen Situation - hart treffen, sogar der Schlangenfluss könnte im Ernstfall austrocknen. Wir selbst haben bereits versucht, der Ursache auf den Grund zu gehen, doch bisher sind wir leider nicht fündig geworden.

    Wir bemerkten allerdings, dass es immer mehr Alcopafel in unserer Region gibt, obwohl diese bis dato sehr selten außerhalb des Pinguin-Walds zu finden waren. Darüber hinaus strahlen ihre sonst nur zur Abschreckung dienenden Flammen nun eine kaum spürbare, aber dennoch messbare Hitze aus. Von etwas Vergleichbarem haben wir noch nie gehört. Eventuell haben sie sich weiterentwickelt und zogen deshalb vom Wald auf die Ebenen, da das Klima hier nun für sie geeigneter ist, oder vielleicht sind sie umgekehrt auch der Grund für den Temperaturanstieg. Zeitgleich wäre aber auch denkbar, dass jemand oder etwas sie von ihrem Zuhause vertrieben hat und darüber hinaus auch für die hohen Temperaturen verantwortlich ist.

    Wir können uns auf all das keinen Reim machen und ersuchen dringend eure Hilfe, liebe Garde

    - Feng Zifu, im Namen des Phönix



    Die Mission:


    „Ich wünsche euch viel Erfolg bei dieser Mission und hoffentlich könnt ihr herausfinden was hinter dieser Katastrophe steckt“, sagte Huang Hua mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

    Mit diesen Worten beendete sie die Besprechung und alle verließen den Raum. Während sich Huang Hua, Feng Zifu und einige Bürger des Fenghuang Tempels sich von der Garde von Eel verabschiedete und in den verwinkelten Fluren des Hauses verschwanden, hielt Nevra seine Gruppe zusammen.

    „Wir treffen uns in einer viertel Stunde an der Treppe des Tempels. Also richtet euch und seit für alle Situationen gerüstet, wir wissen nicht was uns erwarten wird“, sagte Nevra.

    Chrome und Karenn sprinteten sofort los.

    „Karenn warte auf mich“, rief Alajea ihrer Freundin, die mit einem Affenzahn die Treppe hinauf geprescht war, hinterher.

    „Und seid mir ja pünktlich“, rief er ihnen hinterher.

    „Die sind ja hochmotiviert“, sagte Keilin und konnte sich ein Kichern nicht verkneifen.

    Nevra seufzte hörbar. „Wie die kleinen Kinder“, erwähnte er. „Ich weiß nicht, warum Miiko darauf bestand, dass sie uns auf diese Mission begleiten.“

    Sie strich ihm zärtlich über dem Unterarm. „Ich weiß, sie sind jung und wild, aber hey gebe ihnen eine Chance sich zu beweisen“, sagte sie zu ihm und zwinkerte ihm zu.

    „Du hast ja recht“, antwortete er.

    „Also dann auf, sonst sind wir nachher noch die die zu spät sind.“


    Nachdem sie ihr Zimmer erreicht hatten, entschied sich Keilin für die grüne Short mit Riemen, an welche sie einige Behälter befestige. Das schwarze Top behielt sie gleich an. Sauberer würde es eh nicht mehr werden. Anschließend prüfte sie den Inhalt ihres Rucksacks. Alles klar, das Wichtigste habe ich dabei. Zuletzt füllte sie noch die Ledertrinkbeutel von Nerva und sich auf. Sie reichte ihm seinen, dann blickte sie ihn verständnislos an. „Du willst doch nicht etwa deinen Schal, bei dieser Sauhitze da draußen, anbehalten, oder?“

    Er wich ihrem Blick aus. „Du weißt doch...“ Jedoch ließ sie ihm keine Chance diesen Satz zu beenden, sondern überwand rasch die Entfernung zwischen ihnen. Ihre Hand glitt von seiner Brust zu seinen definierten Bauchmuskeln. „Du bist perfekt, so wie du bist. Bitte zweifel nicht an deinem Körper“, flüsterte sie ihm zu. Er sah sie liebevoll an und küsste sie zärtlich auf die Lippen. „Ich liebe dich“, flüstere er zwischen seinen Küssen.

    Egal wie oft er sie küsste, Keilin konnte sich an dieses Gefühl einfach nicht gewöhnen. Jedes Mal begann ihr Herz zu rasen und ihre Knie wurden weich.

    Ich muss mich losreißen, sonst sind wir wirklich noch zu spät am Treffpunkt.

    Sie löste sich langsam von ihm und zog ihm dabei den Schal über den Kopf.

    Er wurde rot. „Du hast recht, wir haben hierfür jetzt keine Zeit“, gestand er und wich von ihr zurück. Keilin grinste. „Schön, dass es dir genauso geht.“

    Nachdem sie sich den Rucksack angezogen hatte, griff sie nach ihrem Bogen und Köcher. Gemeinsam mit Nevra verließ sie das Zimmer. Pünktlich erreichten sie den menschenleeren Treffpunkt.

    Plötzlich ertönte eine bekannte Stimme vom Eingang des Tempels. Als sie sich umdrehten, erkannten sie Huang Hua, wie sie mit einigen Päckchen zu ihnen eilte.

    „Ich will euch doch nicht mit leeren Mägen auf diese Mission schicken“, erklärte sie.

    Nevra und Keilin bedankten sich und packten die Gemüserollen, welche in Tücher gebunden waren in ihre Rücksäcke ein.

    „Und passt bitte auf euch auf“, sagte sie und verließ uns dann wieder.


    Einige Augenblicke später kamen die anderen drei angerannt. Chrome und Karenn an der Spitze und hinter ihnen Alajea in einem flatternden Blumenkleid.

    Nevra stand von der Treppe auf und blickte auf seine Taschenuhr. „Zu spät“, schrie er.

    Abrupt hörten sie auf zu rennen und zogen die Köpfe ein.

    „Alajea ist schuld. Sie hat so lange gebraucht“, rechtfertigte sich Chrome.

    Nevra blickte streng zum Wolfsjunge. „Ihr seid ein Team, also wird die Schuld nicht auf einen Einzelnen geschoben.“ Dann blickte er zu Alajea und betrachtete sie von oben bis unten und seufzte. „Und wir sind hier nicht auf einem Frühlingsfest, sondern auf einer Mission.“

    „Brüderchen sei nicht so streng zu uns“, sagte seine kleine Schwester und blinzelte ihn süß an.

    Er ließ die Schultern fallen, als er Keilins weichen Blick sah.

    „Gut vergessen wir das“, antwortete er. „Also wir werden zwei Teams bilden, um so viel wie möglich an Fläche und Orte abzusuchen. Karenn und Alejea ihr werdet im Tal, im Bereich um den Schlangenfluss und den Reisfeldern, nach Informationen oder Gründen für das Eindringen der Alcopafel suchen. Währenddessen werden wir andern drei in den Pinguinwald gehen und dort nach Informationen suchen. Hat irgendjemand noch Fragen?“

    Alle schüttelten den Kopf.

    Nevra gab Karenn zwei Mahlzeiten mit.

    „Dann treffen wir uns wieder hier bevor die Sonne untergeht“, sagte er.

    Karenn packte ihre Freundin am Arm und rannte mit ihr in Richtung Tal.

    „Und bleibt vom Wald fern“, rief er ihnen noch hinterher.

    „Karenn kann schon auf sich aufpassen“, beruhigte Keilin ihren Liebsten.

    Dann machten sich die drei auch auf den Weg. Chrome blickte dabei den beiden Mädchen hinterher.

    „Warum bin ich bei euch im Team?“, fragte der kleine Wolf.

    Keilin durchwuschelte sein Haar. „Wir brauchen deine Fähigkeiten hier“, sagte sie ihm.

    Darauf reichte sein Grinsen von einem zum anderen Ohr.


    Nach einiger Zeit erreichten sie den Rand des Pinguin-Waldes.

    „Seid wachsam, wir wissen nicht was uns im Inneren erwartet“, warnte Nevra seine Kameraden.

    Während sie zwischen den großen Bäumen hindurchliefen, huschten einige kleine Gefährten, wie eine Musarose durch das Geflecht.

    Keilin ließ sich sehr von der schönen Natur blenden und wurde unaufmerksam. Wow hier ist es noch so viel Prachtvoller, als in den Wäldern von Eel. Ich kann gar nicht versteht, warum die Gefährten hier rauswollen und in der Ebene herumstreunern.

    Plötzlich streckte Nevra seinen Arm aus und bremse sie in ihrer Träumerei. „Pst … Schaut dort drüber ist ein ausgewachsenes Alcopafel“, flüsterte er.

    Schnell gingen sie in die Knie und versteckten sich hinter einem Busch.

    „Die sind ja viel größer, als ich dachte“, erwähnte Chrome. Nevra legte einen Finger auf seine Lippen. Sofort schwieg der Junge.

    Sie beobachteten den Gefährten, wie er etwas am Boden ausgrub. Feng Zifu hat doch erwähnt, dass die Alcopafel auf der Ebene dauerhaft aus ihren Rückendrüsen Flammen werfen und nicht wie normalerweise nur zur Abschreckung. Aber dieses hier strömt keine Hitze aus und es sind auch keine Flammen zu sehen … hat es sich nicht verändert?

    Plötzlich zog das Alcopafel einen lila Wurm aus der Erde und verspeiste ihn genüsslich zwischen seinem blauen Schnabel.

    Aus der Ferne war das Rufen eines anderen Alcopafel zu hören. Sofort richtetet das Wesen vor ihnen seinen Blick in die Richtung, woher das Geräusch kam und folgte diesem mit schnellen Sprüngen.

    „Los wir müssen hinterher“, rief Keilin.

    Nevra hielt sie zurück. „Nicht so schnell, wir müssen immer noch achtsam sein.“

    Dann wendete er sich zu Chrome, aber der war nicht mehr in ihrer Nähe. Mit suchendem Blick sahen sie sich um.

    „Kommt. Folgt mir“, rief der kleine Wolf aus einiger Entfernung.

    Er hatte mit seiner guten Nase die Witterung des Alcopafel sofort aufgenommen.

    Sogleich schlossen Keilin und Nevra zu ihm auf und folgte der Spur des Gefährten.

    Nach einigen Minuten hatten sie einen großen Baum inmitten des Waldes erreicht. Darunter hatten sich einige Alcopafel versammelt und spielten mit den herunterfallenden Blätter.

    „Die haben alle keine Flammen auf den Rücken“, erwähnte Keilin.

    „Ja das stimmt. Scheinbar habe sie sich nicht verändern“, antwortete Nevra. „Lasst uns weiter schauen. Hier finden wir nichts heraus, sagt mir mein Gefühl.“

    Plötzlich war ein Knurren zu hören. Nevra dreht sich zu Chrome. „Jetzt schon“, schnaubte er.

    Der Junge wurde rot. „Das Fährte lesen ist echt anstrengend.“ Erneut knurrte ein Magen.

    Die Jungs sahen zu Keilin. „Tut mir leid. Ich habe auch einen Bären Hunger“, bekannte sie sich schuldig.

    Nevra seufzte. „Gut dann essen wir erst etwas, bevor ihr mir aus den Latschen kippt.“


    Nach dem Essen suchten sie langsam wieder den Weg aus dem Wald. Keilin und Chrome liefen hinter dem Gardenchef her und ließen die Schultern hängen, denn bis jetzt hatten sie keinerlei Hinweise gefunden, was hier los war.

    „Ob Karenn und Alajea etwas herausfinden konnten?“, fragte Chrome Keilin.

    „Ich hoffe es. Es ist wirklich entmutigend den ganzen Tag durch den Wald zu streifen und nichts zu finden.“ Der kleine Wolf nickte.

    Unerwartet bog Nevran nach links in den Wald.

    „Was ist?“, fragte Keilin ihn.

    „Kommt mal mit“. Sofort folgten sie ihm.

    Er blieb dann vor einem Baum stehen, dessen Rinde sehr dunkel wirkte. Nevra strich mit der Hand über die Fläche und roch dann an ihr. „Verkohlt.“

    Als Keilin sich die Umgebung um den Baum ansah, konnte sie erkennen, wie die Pflanzen um ihn herum verwelkt waren.

    „Was ist hier passiert?“, fragte Vivien.

    „Keine Ahnung, aber ich glaube, das war einer dieser Alcopafel, die auf der Ebene umherwandern“, vermutete Nevra.

    Plötzlich hob Chrome seine Nase in die Luft. „Ich rieche da etwas Seltsames.“

    „Dann lauf voraus!“, sagte Nevra.

    Er führte sie quer durch den Wald. Immer wieder liefern sie an solchen verbrannten Stellen vorbei.

    Dann wurde der Wolf langsamer und begann auf allen Vieren über den Boden zu krabbeln.

    „Da.“ Er nahm etwas Rotes vom Boden und zeigte es ihnen.

    „Was ist denn das?“, fragte Keilin.

    „Keine Ahnung, so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Nevra und nahm die kristallartige Kugel aus Chroms Hand.

    „Meinst du, das könnte mit den Alcopafel zusammenhängen?“, fragte der Junge.

    „Gut möglich.“ Er gab die Kugel Keilin. „Die nehmen wir mit. Alajea soll sich die mal ansehen, vielleicht findet sie etwas heraus.“

    Sie nickte und verstaute es in einem der Fläschchen, die sie an ihrem Gurt trug.

    „Wir müssen uns dann langsam auf den Weg machen, es wird schon bald dunkel“, erwähnte er.



    LG Remoni


    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Remoni

    Hat den Titel des Themas von „Eldarya“ zu „Eldarya (Fan Fiction)“ geändert.
  • So nun noch der zweite und letzte Teil :)


    Auf der Treppe saß Karenn.

    „Wo ist Alajea?“, fragte Nevra.

    Sie biss sich auf die Unterlippe. „Sie ist im Arztzimmer des Tempels und wird behandelt.“

    „Was um Himmelswillen ist passiert?“, grätschte Keilin dazwischen.

    „Du weißt doch, wie sie ist. Alajea ist einem kleinen Alcopafel zu nah gekommen und dann ist die Mutter dazwischen, dabei hat sie sich am Arm verbrannt.“

    Nevra seufzte. „Ich hoffe, es ist nicht zu schlimm?“

    „Nö, sie meinten, es sei nur oberflächlich.“

    Keilin und er atmeten erleichtert aus.

    „Habt ihr etwas herausfinden können?“, fragte er seine kleine Schwester,

    „Naja nicht wirklich viel. Wir haben gesehen, dass einige Ähren der Reispflanzen schon sehr dürr aussehen und auch dass die Alcopafel sich sehr seltsam verhalten, würde ich mal sagen.“

    „Was meinst du mit seltsam?“, fragte Keilin nach.

    „Hm wie soll ich das sagen. Sie sehen so ziellos und verwirrt aus, als ständen sie neben sich.“

    „Das klingt wirklich merkwürdig“, antwortete ihr Bruder. „Die Gefährten die wir im Wald getroffen haben, sind ganz normal, bei ihnen sehen wir überhaupt keine Veränderung, aber wir haben das hier gefunden.“, erklärte er und drehte sich dann zu Keilin.

    Sie löste das Fläschchen vom Riemen und zeigte es Karenn.

    „Was ist denn das?“

    „Wir wissen es auch nicht“, antwortete sie. „Aber wir hoffen, dass uns hier Alajea weiterhelfen kann.“


    Während dem Abendessen berichtete die Garde von Eel Huang Hua und Feng Zifu was sie heute herausfinden konnten.

    „Lasst mich bitte sofort wissen, wenn ihr etwas über diese rote Kristallkugel herausfinden konntet, das könnte vielleicht die Ursache des ganzen Übels sein“, vermutete Huang Hua.

    Nach dem Essen gingen die Vier zu Alajea aufs Zimmer und erklärten ihr alles.

    „Es tut mir furchtbar Leid, dass ich mich verletzt habe, aber ich werde es wieder gutmachen. Glaubt mir. Ich werde herausfinden, was dieses rote Zeug ist, auch wenn ich dafür die ganze Nacht wach bleiben muss.“

    „Das ist ambitioniert, aber du musst dich auch ausruhen, also mach bitte langsam“, riet ihr Keilin.


    Keilin und Nevra gingen auf ihr Zimmer.

    „Ich brauche zuerst eine Dusche“, sagte er und dann huschte ein schelmisches Grinsen über seine Lippen, „möchtest du mitkommen?“

    „Heute nicht. Ich will schon mal unsere gesammelten Informationen zusammenschreiben“, antwortete sie und gab ihm einen flüchtigen Kuss und schob ihn dann Richtung Badezimmer. „Husch husch.“

    Sichtlich enttäuscht verschwand er ihm Bad.

    Keilin nahm ihr Notizbuch aus dem Rucksack und ging hinaus auf den Balkon. Dort setzte sie sich an den kleinen Holztisch und begann den heutigen Tag niederzuschreiben. Nachdem sie fertig war, klappte sie das Buch zu und stand auf. Sie lehnte sich an das hölzerne Geländer und blickte in das Tal hinab, wo sie warme Lichter, welche sich bewegten, erkannte. „Das werden wohl die Alcopafel sein. Wahnsinn, dass ich ihre Flammen von dieser Entfernung sehen kann.“

    Plötzlich blitze ein kühles Licht am Ende des Tales auf. Keilin konzentrierte sich. „Kommt das aus dem Pinguin-Wald?“ Das Licht bewegte sich, so als würde es von jemanden oder etwas ausstrahlen.

    Plötzlich schlangen sich zwei Arme um ihren Hals und kühle Wassertropfen fielen auf ihre freien Schultern.

    „Was beobachtest du da?“, hauchte er an ihr Ohr.

    Sie legte eine Hand auf seinen Arm, mit der Anderen zeigte sie auf das bläuliche Licht, welches aus dem Wald drang. „Kannst du das sehen?“

    Er wendete den Blick von ihr und sah hinüber. Er runzelte die Stirn. „So spät wird doch keiner mehr im Wald sein“, sagte er.

    „Aber irgendjemand muss dort sein. Wir sollten morgen früh Huang Hua fragen, ob sie davon etwas weiß. Vielleicht ist es auch nur ein Gefährte.“

    „Gut aufgepasst, meine kleine Sowige“, flüsterte er und küsste ihren Nacken.

    „Was ist denn eine Sowige?“, fragte sie skeptisch.

    Er drehte sie zu sich. „Das ist ein weißer Vogel mit blauen Augen und sie sind für ihre scharfes Sehvermögen bekannt. So wie du“, erklärte er ihr.

    Sie wurde rot. „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“, scherzte sie und kann ein beginnendes Gähnen nicht unterdrücken.

    „Heute war ein langer Tag, lass uns schlafen geh. Heute finden wir zudem auch nichts mehr heraus.“

    Keilin nickte und ließ sich von ihm zum Bett führen. Nach einigen Minuten driftete sie, von seinen Armen umschlungen, in den Schlaf.


    Während alle am Morgen noch etwas schlaftrunken, am Morgentisch saßen und frisches Obst aßen, kam Alajea in den Gemeinschaftsraum gestürmt.

    „Ich habe herausgefunden, was diese rote Kristallkugel ist“, verkündete sie.

    Alle Blicke sind auf sie gerichtet und warteten gespannt auf ihre Erklärung.

    „Es ist wie eine Art Droge, welche Fieber verursacht und sehr schnell abgängig macht.“

    „Das Zeug ist essbar?“, fragte Chrome verwundert.

    „Ja es wurde ein besonderes Kraut, welches Aminat heißt, untergemischt und für Gefährten wie einem Alcopafel besonders lecker riechen müsste.“

    Die Blicke aller Anwesenden weiteten sich.

    „Soll das bedeuten, dass irgendjemand diese Droge hergestellt hat und den Alcopafel zum Fressen gegeben hat?“, fragte Huang Hua.

    „Ja das glaube ich.“

    Keilins Blick kreuzte dem von Nevra. „Glaubst du das gleiche wie ich?“, flüsterte sie ihm unauffällig zu.

    Er nickte, dann erhob er das Wort. „Huang Hua Keilin und ich wollten dich übrigens noch etwas Fragen, denn gestern Nacht haben wir im Pinguin-Waldes ein bläuliches Licht ausmachen können. Weißt du etwas davon?“

    Sie zog ihre Augenbrauen zusammen. „Seltsam. Nein das ist mir noch nie aufgefallen. Denkt ihr etwa …“

    Er nickte. „Ja es könnte die Person sein, die hinter all dem steckt“, vermutete er.


    Die Sonne stand schon tief am Horizont, als Keilin, Nevra und Chrome den Pinguin Wald erreichten.

    „Wo habt ihr dieses Licht etwa gesehen?“, fragte Chrome.

    „Eher westlicher des Wald in der Nähe des Pilgerpfades“, antwortete ihm Nevra.

    Sie liefen eine Zeitlang suchend durch den magischen Wald.

    „Hab ihn!“ Zielstrebig lief Chrome einer Duftspur hinterher und die anderen folgten ihm.

    Einige Augenblicke später erreichten sie einen ähnlichen Platz, wie am Vortag. Die rote Droge war über den Boden verteilt und an den Baumstämmen waren verkohlte Spuren von Flammen zu sehen.

    „Das scheint wirklich die Ursachen für die Veränderung der Alcopafel zu sein“, sagte Keilin.

    „Ja scheint so. Jetzt müssen wir noch den Fadenzieher überführen“, antwortete Nevra und seine Miene verfinstert sich.

    „Wir werden uns hier auf die Lauer legen und auf eine Information von Karenn warten“, verkündetet Nevra.


    Stunden vergingen und die Nacht brach an. Plötzlich ertönte eine Stimme. „Hört ihr mich?“

    „Ja wir hören dich Karenn“, flüsterte Keilin in eine gläserne Kugel, die sie aus ihrer Ledertasche zog.

    „Das Licht ist aufgetaucht. Könntet ihr mir euren Standort zeigen, dann lotse ich euch in die Richtung.“

    „Geht klar.“ Nach seiner Antwort holte Nevra einen leuchtenden Stein aus seinem Beutel und warf diesen in die Luft, so das er die Baumkronen überreichte, dann fing er ihn mit Leichtigkeit wieder auf.

    „Meinst du, sie konnte das sehen?“, fragte Chrome skeptisch.

    „Natürlich konnte ich das sehen. Ich bin ja kein blinder Wurm“, beschwerte sich Karenn.

    „Also das Licht ist südöstlich von euch, in der Nähe der Sizhe Berge. Brüderchen werfe etwa jede 100 Meter den Stein in die Luft, damit ich sehe, ob ihr noch richtig seid.“

    So lotste sie die drei quer durch den Pinguin-Wald.

    „Halt! Bleibt mal kurz stehen“, rief sie überrascht. Sekunden vergingen. „Schnell, versteckt euch irgendwo. Das Licht kommt auf euch zu.“

    Schnell suchten sie Schutz hinter Baumstämmen und dichten Büschen.

    Einige Augenblicke später waren schwere Fußstapfen zu hören. Nevra gab seinen Kameraden ein Zeichen, dass sie warten sollen und sogleich lief eine Person, unter einem grünen Umhang vermummt, an ihnen vorbei.

    Dann sprang Nevra aus dem Hinterhalt und überrumpelte die Person.

    „Ah was soll das. Lass mich sofort los“, schrie eine Männerstimme.

    „Nicht bevor wir dir einige Fragen gestellt haben“, sagte Keilin und kam gemeinsam mit Chrome aus ihrem Versteck.

    „Wenn ihr Geld wollt, muss ich euch enttäuschen. Ich habe überhaupt nichts, ihr Halunken.“

    „Wir sind keine Halunken. Wir sind die Garde von Eel und gehen den Phänomenen hier am Tempel auf den Grund“, erklärte Nevra.

    Sofort wurde der Mann respektvoller. „Und was will die Garde von einem armen Mann, wie mir?“

    „Sie will wissen, was sie mitten in der Nacht im Wald tun“, sagte Chrome und hob die Nase in die Luft. „Und scheinbar hat sie ihr Ziel gefunden. Nevra er riecht nach diesem roten Zeug.“

    Sein Griff um den Mann schnürte sich zu. „Raus damit. Warum geben sie den Alcopafel diese Droge?“, bohrte er nach.

    „Was für Drogen und was soll ich mit den Alcopafel machen?“

    Chrome trat näher an den Mann und riss ihm einen Beutel vom Gürtel. Den Inhalt schüttete er sich auf die Hand. „Dieses rote Zeug“, sagte der kleine Wolf.

    „Schluss mit den Lügen. Raus mit der Wahrheit“, forderte Nevra ihn auf.

    Aber der Mann verschloss sich und sagte kein Wort mehr.

    „Wissen sie überhaupt, was sie damit angerichtet haben? Wegen ihnen wird es nicht genügend Ernte geben und die Leute hier werden über den Winter hungern“, klagte Keilin.

    Der Mann erhob seinen Blick und ein tiefer Hass huschte über sein Gesicht.

    „Gut. Du willst nicht reden, dann werden wir dich wohl mitnehmen und im Tempel verhören müssen“, sagte Nevra.


    Am Eingang des Fenghuang Tempels eilte ihnen schon Huang Hua entgegen. Als sie den Mann in den Fesseln erkannte, blieb sie stehen und ihr Blick weitete sich. „Son Juan, du … du steckst hinter all dem?“

    Als der Mann seinen Blick hob, quoll Hass aus seinen Augen. „Ihr habt das alle verdient“, brüllte er über den großen Tempelplatz. „Ihr seid schuld, dass meine kleine Tochter nun tot ist.“

    Alle Gardenmitglieder sahen überrascht von Son Juan zu Huang Hua, deren Blick sich erneut weitete.

    „Huang Hua, erkläre uns das bitte“, forderte Nevra sie auf.

    „Oh Son Juan, das mit deiner Tochter tut mir furchtbar leid“, entschuldigte sie sich bei dem Mann.

    „Tu nicht so, als würde es dir leidtun, denn du hast uns von hier verbannt und du wusstest was das bedeutete.“

    Keilin packte Huang Hua am Arm. „Stimmt das?“ Die Fenghuang wich ihrem Blick aus und nickte.

    „Aber warum?“

    „Er hat mehrfach große Mengen an Essensvorräte aus den Vorratskammern gestohlen, um große Feste mit Familien aus anderen Regionen feiern zu können. Und das alles nur, weil er sein Ansehen gegenüber den adeligen Familien nicht verlieren wollte.“

    „Ich habe nur das genommen, was mir zustand. Das war meine Ernte. Von meinen Feldern.“

    Huang Hua erhob ihre Stimme. „Wir sind eine Gemeinschaft und wir teilen unsere Güter gleichmäßig auf, das hast du noch immer nicht verstanden. Ich musste das tun, um den Frieden in der Gemeinschaft zu erhalten, aber du musstest deine Taten noch verschlimmern“, schrie sie ihn an.

    Keilin versuchte die Situation zu deeskalieren und stoppte Huang Hua.

    „Durch deine von Hass geblendeten Taten hast du die eh schon schlechte Ernte durch die Instabilität des Kristalls noch viel schlimmer für die Leute hier gemacht. Jeder wird noch weniger Essen haben und vielleicht wird es so wenig geben, dass die Alten und Schwachen verhungern. Kinder mit hungrigen Mägen schlafen gehen müssen. Hättest du dir auch so eine Zukunft für dein verstorbenes Kind gewünscht?“, erklärte Nevra nüchtern.

    Der Mann werte sich nicht mehr in seinen Fesseln, sondern sackte auf den Boden.

    „Marisa …“, schluchzte er. „Ich wollte doch nur, dass sie die Möglichkeit bekommt, höher hinauszukommen. Anders als ihre Eltern, die nur einen kleinen Hof besaßen.“

    Einige blickten nach unten. Konnten seine Beweggründe zum Teil verstehen.

    „Aber dein Weg war egoistisch“, sagte Keilin ihm. „Sag uns, was du mit den Alcopfael gemacht hast und ob wir ihre Veränderung rückgängig machen können.“

    Langsam wurde Son Juan bewusst, was für Auswirkungen sein Handeln haben wird.

    Er erzählte ihnen, dass er den Gefährten die rote Droge gab, mit dem Wissen, dass ihre innere Hitze dauerhaft aktiviert werden würde und die Alcopafel den Wald dann verlassen würden. Denn die Hitze staute sich unter den Baumkronen, deswegen gingen sie auf die freie Ebene und zum Schlangenfluss, um ihren ergiebigen Durst zu löschen. Nachts brachte er ihnen noch mehr von der Droge, um ihre Veränderung beizubehalten. Da die Gefährten so gierig nach den Drogen wurden, konnte auf der Ebene nichts von den roten Kristallkugeln gefunden werden.

    „Wie grausam, so etwas den Alcopafel anzutun“; kritisierte Huang Hua, „aber das bedeutet, dass sie wieder normal werden können.“

    „Ja. Ihr Körper muss die Droge nur abbauen.“

    „Und wie lange dauert das?“, fragte sie.

    Er zuckte mit den Schultern. „Vermutlich einige Wochen.“

    „Na super“; meckerte Nevra. „Das bedeutet wir müssen alle Acopafel, die auf der Ebene sind vorübergehen umsiedeln, wo sie keinen Schaden anrichten können“, sagte er und zog den Mann wieder auf seine Beine. „Und du wirst uns dabei helfen.“

    Er nickte und ließ sich von zwei Männern, die Huang Hua heranwinkte, in den Tempel bringen.

    „Das hier bleibt bitte unter uns, bis wir entschieden haben, was wir mit Son Juan tun werden“, bittet sie die Gardenmitglieder.


    Am nächsten Morgen begannen sie die Alcopafel zusammenzutreiben und in die Berghöhen nördlich der Ebene zu treiben, wo es einen großen See gab und das Klima sehr kühl war. Dort werden sich die Gefährten vorerst wohl fühlen.

    Nach Beendigung der Mission verabschiedete sich die Garde von Eel und reiste zurück zum Hauptquartier.


    Drei Wochen später erhielt Miiko einen Brief von Feng Zifu.


    Liebe Garde von Eel,


    Wir möchten uns herzlich bei euch, für eure Hilfe bei dem akuten Problem, beim Fenghuang- Tempel, bedanken.

    Wir möchten euch informieren, dass die Alcopafel, welche wir in die Berge getrieben haben, wieder ihr normales Verhalten aufzeigen und sie von alleine wieder zurück in den Pinguin Wald gezogen sind.

    Außerdem haben wir eine Entscheidung bezüglich Son Juan getroffen. Er hat seine Fehler eingesehen und möchte seine Taten wieder gutmachen. Er wird seine versteckten Fähigkeiten in der Alchemie dafür nutzen, die Ernte zu retten und er wird bei Missionen teilnehmen, um Nahrung aus den naheliegenden Wäldern zu beschaffen.


    Feng Zifu, im Namen des Phönix



    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Hallo, Remoni ,

    ich war auf der Suche nach etwas Lesestoff und bin hier gelandet. :)

    Das Spiel kenne ich nicht, gehe also völlig "unbeleckt" in deinen Text rein. Was mir so aufgefallen ist, setz ich mal in einen Spoiler.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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