Entfernungen

  • Hallo liebe Weltentüftler!


    An dieser Stelle möchte ich etwas tun, was eigentlich sehr untypisch für mich ist: Ich möchte ein Hoch auf die Deutsche Bahn aussprechen und jeden anderen Teil des Öffentlichen Personen Nahverkehrs! :sekt:

    Warum? Weil sie uns (relativ) schnell und (meist) unkompiziert (mit etwas Glück) dahin bringen, wo wir hinwollen. Strecken von einigen Kilometern können dadurch ruck zuck überwunden werden.


    Eine super Sache, eigentlich. Das blöde daran ist, dass dieses System des ÖPNV häufig nicht in unsere Fantasywelten passen. Züge, Busse, Autos, Flugzeuge? Pustekuchen! Stattdessen schwingen sich unsere Protas in den Sattel und machen sich auf beschwerliche Fußmärsche durch vielleicht sogar widerspenstiges Terrain.


    Mich würde mal interessieren, wie ihr in euren Storys mit Distanzen und deren Überwindung umgeht? Ich habe mal ein bisschen recherchiert und für Wanderritte (in unserer Welt) werden wohl 25 km/Tag empfohlen. Aber das gilt wohl eher für kleine Gruppen, nicht etwa ein Heer, und vermutlich auch nicht in der Wüste oder im ewigen Eis. Für Wanderer sind es 10-15 Kilometer an den ersten zwei bis drei Tagen und dann eine Steigerung auf etwa 20-25 km/Tag.


    Wie weit setzt ihr eure Städte auseinander? orientiert ihr euch an bekannten Strecken, die ihr vielleicht selbst einmal gewandert/geritten/abgefahren seid? Orientiert ihr euch an bekannten klimatischen Veränderungen, wie etwa auf einer Strecke von z.B München nach Rom?

    Und auch mal ganz praktisch gedacht: wie geht ihr damit um, wenn eure Protas vielleicht wochenlang durch die Gegend zuckeln, bis sie endlich mal am Ziel ankommen?


    Ich freue mich auf eure Ideen und Erfahrungen!

    Spring - und lass dir auf dem Weg nach unten Flügel wachsen ~R.B


    Sometimes you have to be your own hero.

  • Hi Ondine,

    Ich finde deine Frage echt berechtigt. Bisher habe ich meine Geschichten meist in einer Stadt/ Ort abspielen lassen, deshalb weiß ich nicht, wie man das mit dem Abstand zwischen zwei Stadten regelt.


    Was mir bezüglich des Umgehens von Distanzen einfallen würde, wäre ein magisches Talent/ Fähigkeit (Teleporation oder ein Portal) - dadurch könnte man sofort die Distanz überwinden und am beliebigen Ort ankommen. Oder man hat ein magisches Wesen/ Fahrzeug, dass dermaßen schnell ist, dass die normale Distanz in unserer Welt in wenigen Minuten/ Stunden erreicht wird.


    Alternativ kann man natürlich auch ne Reise, die mehrere Tage dauert, beschreiben und dabei abkürzen. Also dass man schon ein paar Tage erzählt bzw. Was an den Tagen geschieht und entweder zwischendurch oder am Ende dann ein Timeskip kommt: 2 Tage später. Das würde dabei helfen, dass die Reise nicht zu langweilig wird, wenn sie tatsächlich über mehrere Tage geht.


    Hoffe, ich konnte irgendwie weiterhelfen.

    Liebe Grüße,

    Traumschwingen

  • Mich würde mal interessieren, wie ihr in euren Storys mit Distanzen und deren Überwindung umgeht?

    Bei mir besteht ein wesentlicher Teil der Story haeufig aus der Reise. Das gibt viel Raum um eine Welt zu beschreiben, und ein reisender Protagonist entdeckt oft die Welt zusammen mit dem Leser - macht vieles einfacher.


    Aber man muss ja nichts ueber die Reise schreiben wenn sie ereignislos war - man hoert einen Textblock beim Aufbruch auf und faengt einen neuen damit an dass das Ziel in Sicht kommt. Reisen ist ja nicht anders als andere Taetigkeiten auch - man schreibt eine Geschichte ueber das was interessant ist, und den Rest laesst man weg. Ich gehe z.B. in aller Regel davon aus dass Fantasy-Protagonisten auch ab und an aufs Klo gehen selbst wenn das nicht im Text steht - meistens ist es halt nicht so wichtig.:D

    Wie weit setzt ihr eure Städte auseinander?

    So weit es mit dem Rest der Welt Sinn ergibt - eine Stadt braucht genug Einzugsgebiet um sie mit Nahrung und Feuerholz zu versorgen, man kann nicht einfach Staedte dichter setzen als das Land das hergibt. In fruchtbaren Gebieten sind Staedte naeher beisammen, in unfruchtbaren koennen sie sehr weit entfernt sein.


    Und je nachdem wie weit die auseinander sind und ob es Wasserwege gibt machen andere Formen von Handel Sinn (nur wertvolle Gueter lohnen sich ueber laengere Strecken ueber Land zu transportieren, Dinge wie Getreide oder so kann man eigentlich nur ueber Fluss oder Seeweg mehr als 2-3 Tagesreisen sinnvoll transportieren).


    Orientiert ihr euch an bekannten klimatischen Veränderungen, wie etwa auf einer Strecke von z.B München nach Rom?

    Ja, klar - das ist Teil des Weltenbaus. Mit dem Klima setze ich mich auseinander wenn die Geographie steht, dann kann ich sehen wo die Winde viel Niederschlag abladen etc.


    orientiert ihr euch an bekannten Strecken, die ihr vielleicht selbst einmal gewandert/geritten/abgefahren seid?

    :D


    Daher weiss ich was fuer ein Abenteuer das ist - in juengeren Jahren bin ich viel auf Tour gegangen - Mehrtagestouren durch Schottland, Neuseeland, Irland,... Als geuebter Wanderer (und das sind in einer mittelalterlichen Gesellschaft alle die auf Reisen sind...) schafft man schon 35+ km selbst durch bergiges Gelaende wenn ein Weg da ist - auch 50 km Etappen waren drin, die sind allerdings schon hart.


    Ein modernes Sportpferd ist nicht unbedingt die Distanz gewohnt, aber mit Pferden die das sind kann man schon gut Strecke machen - die Mongolen sind im Krieg oft gut 150 km pro Tag ueber die Steppe gekommen (ein Ritterheer ist allerdings langsamer).

  • Super interessantes Thema - mit diesen Fragestellungen werde ich mich auch sehr zeitnah auseinandersetzen müssen. Ich habe Null Erfahrung damit, wie viele Probleme die Reiserouten bei einer Story machen können, die in einer relativ großen Welt stattfinden. Meine Idee wäre daher mir zu einem relativ frühen Zeitpunkt makroskopisch die Routen anzuschauen, die die Hauptcharaktere während der Story zurück legen. Dafür wären dann nur Größenordnungen der Geschwindigkeiten wichtig, um zu ermitteln, ob das ganze Tage, Wochen oder Monate dauert. Ich habe etwas Angst davor, dass ich am Ende merke, dass ein wichtiger Charakter zu einer Zeit X am Ort Y sein sollte und ich ihn dafür zur vollkommen unpassenden Zeit erstmal noch monatelang durch die komplette Welt schicken muss. Etwas abgeschreckt haben mich da die späten z.B. Game of Thrones Staffeln, bei denen Reisezeit im großen Stil übersprungen wurde. Das hat irgendwie seltsam gewirkt. Würde mich mal interessieren, welche Erfahrungen ihr mir euren Storys mit dem Thema Routenplanung gemacht habt. Zu welchem Zeitpunkt habt ihr euch um die Reiserouten Gedanken gemacht und seid ihr schon mal in so ein oben beschriebenes Problem gelaufen? Vielleicht ist sowas ja auch verhältnismäßig leicht zu lösen...

  • Wie weit setzt ihr eure Städte auseinander? orientiert ihr euch an bekannten Strecken, die ihr vielleicht selbst einmal gewandert/geritten/abgefahren seid?

    Bei der Frage denke ich nicht an Reisenetfernungen. Für mich entstehen Städte an für sie sinnvollen Orten, d.h. eine günstige Lage am Meer mit einem natürlichen geschützten Hafen, an einer Furt, am Beginn eines Tals, in dem es viel wertvolle Metalle gibt, etc. Eine (mittelalterliche) Stadt benötigt im Umland Bauernhöfe, Wäldchen und Weiden, die sie ernähren und mit Rohstoffen versorgen. Ob die nächste Stadt zwei, fünf oder zehn Tage Fußmarsch entfernt ist, ist solange unerheblich, bis sie sich die Ressourcen streitig machen.


    Etwas allgemeiner würde ich sagen, dass ich mich einerseits an meinen eigenen Erfahrungen orientiere. DIe belaufen sich allerdings nur auf Weitwanderungen zu zweit durch relativ bewohntes Gebiet, d.h. man kann fass davon ausgehen, jeden Tag mal an einem Bäcker oder Supermarkt vorbeizukommen. Da schafft man schon so 20 - 25 km am Tag (wenn ich mich richtig erinnere ungefähr 7-8 Stunden Gehzeit incl. Pausen) und hat noch das Gefühl, dass man Urlaub macht. Soll heißen: man hat noch Zeit, entspannt in einem Restaurant ein oder zwei Bier zu trinken und sich was zu essen zu bestellen.

    D.h. zu Marschzeiten von Heeren hab ich überhaupt keine Erfahrung. Dafür würde ich recherchieren. Es gibt da eigentlich genug Literatur zu. Mein Favorit (wenn man relativ gut Englisch kann) ist der Blog eines Historikers, der auch Fantasy-Fan ist, und so Dinge wie The Lord of the Rings und Game of Thrones (jeweils eher die filmischen Darstellungen) kritisch analysiert (Link).


    Wesentlich häufiger versuche ich aber mich beim Erzählen auf das Interessante und Relevante zu fokussieren. Ich versuche so zu schreiben, dass es nicht entscheidend ist, ob jemand zwanzig oder fünfundzwanzig Tage unterwegs ist. Im besten Fall gefällt die Geschichte auch dann, wenn man das überhaupt nicht weiß. Ich will damit sagen: Es ist schon gut, sich Gedanken darüber zu machen, aber man muss es nicht in Form von Tabellen oder markierten Karten (sowas gibt's zu Lord of the Rings) festschreiben. Allerdings hängt das natürlich stark von der Geschichte ab. In der Herr der Ringe ist das Timing der Charaktere sehr oft sehr entscheidend. Die Hobbits und Streicher verpassen Gandalf auf der Wetterspitze relativ knapp. Da spielt das Reisen auch dramaturgisch für die Spannung eine wichtige Rolle. Wenn man so eine Geschichte hat, dann ist es wesentlich wichtiger, dass man da keine logischen Böcke schießt und einen Charakter an einem Tag mal eben 200 km laufen lässt.

    Und auch mal ganz praktisch gedacht: wie geht ihr damit um, wenn eure Protas vielleicht wochenlang durch die Gegend zuckeln, bis sie endlich mal am Ziel ankommen?

    Wie schon gesagt: Wenn die Reise(dauer) nicht wichtig ist, kann man Anfang- und Endpunkt erzählen. Ein einfacher Satz wie "Schon wieder Vollmond" macht grob klar, dass jemand ungefähr einen Monat unterwegs war. "Es musste der vierte oder fünfte Vollmond sein, seit sie aufgebrochen waren" präzisiert nochmal und bringt gleichzeitig rüber, dass sich der Prota / Erzähler gar nicht so sicher ist, wie lange sie jetzt wirklich unterwegs waren. Solange es nicht zu völlig unlogischen Situationen kommt, werden das wohl die meisten Leser akzeptieren. ^^

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • orientiert ihr euch an bekannten Strecken, die ihr vielleicht selbst einmal gewandert/geritten/abgefahren seid?

    Meine Geschichte spielt in einer Kleinstadt und ihrer Umgebung, gerade deswegen sind Fußmärsche die Hauptform von Fortbewegung, die die Figuren benutzen. Um festzulegen wie weit bestimmte Ort voneinander entfernt sind, nehme ich meine eigenen Fußwege als Maßstab. Ich weiß zum Beispiel, dass mein Nachhauseweg vom Büro 3 Kilometer lang ist und ich diese Strecke zu Fuß in so ziemlich genau 30 Minuten zurücklege. Da ich fast ausschließlich zu Fuß unterwegs bin, habe ich entlicher dieser Erfahrungswerte und kann daran abschätzen, wie weit ich einen bestimmten Punkt in der Handlung wegsein lassen kann oder welchen Zeitraum ich überbrücken muss, bis die Figuren ihn erreicht haben.

    Nur für eine Strecke habe ich mal ein Feldexperiment gestartet, weil ich wissen musste wie lang ein unterdurchschnittlich trainierter Mensch wie ich braucht, um eine bestimmte Strecke zu flitzen, beziehungsweise wie weit er in Zeitmarke X kommt. Im Endeffekt hat mein Bruder mich also einmal über eine Wiese gescheucht :pardon: Danach war ich schlauer und dem Lungenkollaps nahe.