Der Ring

  • Hallo :)

    Ich vermute einfach, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre, denn für mich liest sich das alles sehr jugendlich, fast weiblich. Mehr als die Hälfte des Textes werden für die Beschreibung der Umgebung, so wie Gefühle und Träume genutzt und am Ende steht der Wunsch nach einem Naturerlebnis.

    Das nimmt mich überhaupt nicht mit, denn vorher wurden mir im Prolog so viele Dinge versprochen, die hier überhaupt keine Rolle mehr spielen, sondern noch zu den ganzen anderen Themen aufgepfropft werden.

    Sehnsüchte, Vorstellungen sowie der Vorgang der Körperreinigung in der Zukunft mögen wichtig sein, allerdings sollte irgendwann mal eine Handlung einsetzen. Sorry, aber hier hast Du mich bereits verloren.

    MfG

  • Hallo Eegon2

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Zweite Haelfte von Kapitel 1 (Vorschlag - kannst Du das wie die Stadtnymphe machen und die einfach als Kapitel 1 Teil 1, Kapitel 1 Teil 2 etc. durchnumerieren? Fand ich sehr praktisch.)


    Die Szene hat so eine feine Traurigkeit... wie er so allein heimkommt und sich in ein anderes Leben traeumt, aber die Traeume eben nicht um einen echten Wald gehen, sondern nur um eine bessere Technologie die ihm das Erlebnis verschaffen soll. Das ist subtil, und subtil gefaellt mir.:thumbup:


    Ich nehme an, die Idee 'wann mal 'ne Handlung kommen sollte' geht von Leser zu Leser sehr auseinander - fuer mich ist das noch am Anfang von 'wir bauen Stimmung und die Welt auf' - ich waer' ehrlich gesagt ueberrascht wenn jetzt gleich Action losgeht.

  • Die Szene hat so eine feine Traurigkeit... wie er so allein heimkommt und sich in ein anderes Leben traeumt, aber die Traeume eben nicht um einen echten Wald gehen, sondern nur um eine bessere Technologie die ihm das Erlebnis verschaffen soll. Das ist subtil, und subtil gefaellt mir. :thumbup:

    Ich kann da nur zustimmen. Sehr berührend, poetisch, die kleinen Alltagsdinge melancholisch eingewebt. Und auch irgendwie sympathisch, dass er den Wald dem Strand vorzieht!


    Was nun der "Ring" ist, darüber ist meine Vorstellung allerdings grad zusammengefallen :D Habe auch noch keine neue. Mal schauen, ob du sie wieder füllen wirst!

  • Hi Tariq,


    ich wollte an erster Stelle meine Hochachtung zum Ausdruck bringen. :hi1:Da ich momentan selbst versuche aus der Fantasy-Ecke in die Sci-fi-Ecke zu kommen, kann ich mir vorstellen, wie „ungewohnt“ sich das beim Schreiben manchmal anfühlen kann. Aber ich finde du hast soweit etwas sehr ordentlich geschaffen.

    Den Prolog fand ich übrigens schon in Ordnung, auch wenn ich die Kritikpunkte nachvollziehen kann. Dennoch: der Worldbuildung Aspekt hat mich angefixt und mich immerhin zum weiterlesen gebracht,... also Mission erfüllt!


    Zu Kapitel 1 kann ich dem vorherigen nur zustimmen. Wie du die Szene hier beschreibst, mit all den berührenden „Kleinigkeiten“ ist großartig. Dass das erste Kapitel vom Inhalt her so gänzlich anders ist als der Prolog finde ich nicht schlimm. Zunächst hat es mich zwar etwas irritiert, bin aber jetzt umso gespannter, wie du die im Prolog angesprochenen Themen in die Handlung einflechten wirst.

    Auch das Worldbuilding in Kapitel 1 fasziniert mich total, weil es so „nebenbei“ passiert und du eher bestimmte Sachverhalte und Dinge nur andeutest. Ich liebe es, wenn ich aus dem Text die Welt nur erahnen kann und sie mir selber zusammenpuzzeln kann. Das will allerdings auch erst einmal vom Autor gekonnt werden. Du schaffst es bisher auf jeden Fall.

    Ich bleibe unbedingt dabei.:nummer1:


    LG

  • Hallo Tariq,

    mich hast du mit deinem ersten Kapitel und der Art von Dystopie, die du hier zeichnest wirklich gut abgeholt. Ich finde vor allem, dass man sehr gut mit dem Protagonisten mitfühlen kann, der nach den kleinen Freuden in seiner gefühlten Normalität strebt. Der gewinnt schnell die Sympathie des Lesers, weil er scheinbar eher anspruchslos am unteren Ende der Nahrungskette sitzt. Gleichzeitig übertreibst du mit diesem Bild nicht, was Klischees vermeidet und mehr Parallelen zur eigenen Situation vieler Menschen im täglichen Hamsterrad zulässt. Dass dir die Beschreibung der Welt und Atmosphäre beeindruckend gut gelingt haben ja schon viele hier ausreichend ausgeführt. Ein paar Fragen sind bei mir zurück geblieben. Das kann durchaus gewollt sein und sich im späteren Verlauf noch erledigen, aber ich habe sie mal festgehalten - vielleicht hilft es dir ja zu wissen, wie weit ich bisher gedanklich mitgekommen bin:

  • Kapitel 2


    Die Tür wurde geöffnet und Licht fiel in das Dunkel der Überwachungszentrale, die sonst nur vom Schein der Monitore erhellt wurde. Etienne wandte den Kopf nicht. Er wusste, wer gekommen war.

    „Und?“, drang die Stimme seines Freundes an sein Ohr. „Alles ruhig?“

    Er lachte leise. „Das fragst du jedes Mal, wenn du hier in meiner Höhle auftauchst. Ja, alles ruhig, keine Sorge.“ Ächzend dehnte er die verspannten Schultern und neigte den Kopf ein paar Male hin und her. „Du bist früh dran.“

    „Meine Ablösung war eher da. Ich konnte verschwinden.“

    Etienne hörte, wie Ares eine Taste am Versorgungsschacht tippte. Dann war ein leises Schaben zu hören. Der Freund hatte sein Helmvisier geöffnet.

    Jetzt drehte Etienne sich doch um. Sein Blick glitt über Ares‘ Silhouette, die sich vor dem hellen Rechteck der Tür abzeichnete und verriet, dass der Freund die superleichte Carbonrüstung über dem Overall trug. Ein seltener Anblick.

    „Licht!“, befahl Etienne und musterte Ares im Schein der aufgeflammten Deckenbeleuchtung besorgt. „Was war los?“, fragte er. „Hattet ihr heute schon wieder Probleme?“

    Ares winkte ab. „Das Übliche“, gab er zurück. „Zwei Ontas, die meinten, das Kontaktverbot gilt nicht für sie. Die Ypirs forderten Verstärkung und Gewalt-Erlaubnis an.“

    Ein melodisches Signal ertönte und die Abdeckung des Versorgungsschachtes glitt geräuschlos zurück. Ares setzte den Helm mit dem eingezogenen Voll-Visier ab und legte ihn mit den Handschuhen neben dem Etiennes Bedienpads auf den Tisch. Mit beiden Händen fuhr er sich über das Gesicht und durch die kurzen, schwarzen Haare. Erst dann nahm er die bestellte Wasserpackung heraus, öffnete sie und trank.

    Etienne musterte ihn noch immer. Ares‘ smaragdgrüner Overall, dem die Emerald-Garde ihren Namen verdankte, unterschied sich von denen der Ypir-Gardisten nur durch die silberfarbenen Schulterpartien. Sie wiesen seinen Freund als Axiom aus. Jetzt war das dunkle Grün überdeckt von Brust- und Rückenpanzer, Beinschienen und Waffenholster, aus dem der Griff von Ares‘ Impulsor herauslugte.

    Der Freund sah erschöpft aus. Die Probleme mit der Verletzung der Abstandsregel und dem Ignorieren des Kontaktverbotes machten einen Großteil seiner Arbeit aus.

    „Hast du den Eindruck, dass die Vorfälle häufiger auftreten?“, forschte Etienne.

    Ares kratzte sich am Dreitagebart. „Nein“, gab er zurück. „Aber das herauszufinden fällt ja wohl eher in deinen Aufgabenbereich.“

    Wieder lachte Etienne. „Wir forschen nur bei Auffälligkeiten und mir wurde nichts dergleichen angezeigt.“

    „Erzähl mir nicht, dass ihr Tracker den ganzen Tag nichts anderes tut, als auf einen Auftrag zur Observierung eines Ontas zu warten!“ Ares klang müde.

    Etienne grinste und schwieg. Die Bezeichnung Tracker verletzte ihn nicht, obwohl er seit einem halben Jahr keiner mehr war. Man hatte ihn zum Nachfolger des erkrankten Chefs der Sicherheitszentrale ernannt. „Du hast ja recht. Wir sehen alles. Auch eure Einsätze“, fügte er mit hochgezogener Augenbraue hinzu. „Das gestern in der Onta-Cantina – war das nicht ein bisschen zu ... hart?“

    Ares Lippen wurden zu einem dünnen Strich und er starrte auf den Boden. „Der Ypir wurde von mir bereits verwarnt. Außerdem dürfte dir bekannt sein, dass das nicht der erste Regelverstoß dieser Onta war und dass sie diesmal sogar Gegenstände als Waffe benutzt hat.“

    „Was geschieht jetzt mir ihr?“

    „Arrest. Verschärfter. Sie hat einen Gardisten angegriffen.“

    „Verschärfter?“ Unbehaglich zog Etienne die Schultern hoch. „Ist das gerechtfertigt? Ich ...“

    „Es ist besser, du mischst dich da nicht ein.“ Ares warf die Wasserpackung in den Recyclingschacht und griff nach Helm und Handschuhen. „Feierabend für den aufmerksamsten Tracker des Ringes“, verkündete er übergangslos. „Deine Ablösung wartet schon auf dem Korridor. Ich verstehe sowieso nicht, wieso du immer noch diese Arbeit hier machst. Aber das Thema hatten wir ja schon. Wohin gehen wir heute Abend?“

    Etienne erhob sich und überlegte. „Zu BuyVis? Ein Konzert?“ Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Freund nach diesem Tag noch etwas unternehmen wollte. Doch wahrscheinlich benötigte er ein bisschen Ablenkung. Er war weicher, als er wirkte. Ein Mann, der keine Freude daran hatte, Menschen zu bestrafen, auch wenn es Ontas waren. Ares hatte eindeutig den falschen Job. Doch etwas anderes als Axiom und später vielleicht sogar Chef der Emerald-Garde zu sein, kam wohl für den Sohn von Metros Daktyl nicht in Frage.


    Eine halbe Stunde später stand Etienne mit Ares bei BuyVis im Vorraum und wartete. Der diensthabende Onta schien sich Zeit zu lassen. Ares hielt sich die winzigen Lautsprecher der Musikdatenbank ans Ohr und wählte das Programm für heute Abend aus. Seinem versunkenen Nicken nach würden sie etwas Ruhigeres hören.

    Jetzt erschien eine Blondine und murmelte eine Entschuldigung, als sie sah, wer da wartete. Sie war klein und kräftig, der graue Overall mit den blauen Streifen am Ärmel zeigte deutlich ihre üppigen Kurven und schien am Busen das dünne Material sprengen zu wollen.

    Ärgerlich über sich selbst schüttelte Etienne den Kopf, als er merkte, wohin sich seine Augen und gleich darauf seine Gedanken verirrten, und zwang den Blick wieder hoch zu ihrem Gesicht. „Er wählt noch“, meinte er mit belegter Stimme, wobei er mit dem Kinn in Ares’ Richtung deutete. „Wir nehmen eine Doppelkabine.“ Dann streckte er sein Handgelenk vor.

    Die Blondine nickte und wies auf den Scanner für den Chip. „Sie können schon in die Zwei gehen“, erklärte sie nach dem Piepton.

    „Ich warte.“ Etienne stellte sich vor das überdimensionale Touchpad neben der Eingangstür, auf dem man auswählte, was man für seine Credits erleben wollte. Beim letzten Konzert, das er mit Ares gebucht hatte, hatten sie Musik gehört, die man vor rund achtzig Jahren als Metal bezeichnete. Nicht sein Geschmack, aber sein Freund hatte sich abreagieren müssen. Es war der Tag gewesen, an dem sich ein Onta vom Balkon der obersten Etage seines Blocks auf die schroffen Uferfelsen gestürzt hatte.

    Etienne dachte mit Unbehagen daran zurück. Das war bis dahin nie vorgekommen, zumindest nicht, seit er selbst den Ring sein Zuhause nannte. Marseille fiel ihm ein. Er hatte in der schmutzigen, lauten Hafenstadt gelebt. Dort war es öfter zu Selbsttötungen gekommen. Hunger und Gewalt hatten das Leben der verzweifelten Menschen bestimmt. Für Geld oder Lebensmittel-Chips musste man kämpfen. Wer schwach war, verhungerte. Viele Männer, denen dieses Schicksal drohte, brachten zuerst ihre Familie um, um ihr diesen Tod zu ersparen, und töteten sich dann selbst. Mit Vorliebe direkt vor dem Stadtregierungsgebäude.

    Er atmete tief durch und versuchte, die Gedanken zu vertreiben. Sein Vater hatte sich bei einem dieser Überfälle gewehrt und eine schwere Verletzung davongetragen. Sie hatte aus ihm einen Krüppel und aus der Mutter eine Prostituierte gemacht, für Frauen damals oft der einzige Ausweg, wenn der Mann die Familie nicht versorgen konnte. Trotzdem hatte Etienne Hunger kennengelernt. Erst als er zu Hause ausgezogen und in einer WG untergekommen war, zeichnete sich ein Lichtstreif am Horizont ab. Schon während seiner Ausbildung konnte er den Lebensstandard der Familie etwas heben. Und in den Jahren danach als Polizist in New York City war es noch besser geworden. Die Mutter konnte wieder ...

    „Träumst du?“

    Ares‘ Stimme riss Etienne aus der Vergangenheit. Ruckartig drehte er sich um und winkte mit einem schiefen Lächeln ab. „Ich dachte gerade an dieses Metalkonzert“, gab er zurück und ärgerte sich sofort. Das hatte er nichts sagen wollen. Es war nicht klug, den Freund an das Ereignis zu erinnern, das dem gemeinsamen Abend damals vorausgegangen war.

    Ares‘ Gesicht verfinsterte sich erwartungsgemäß. „Keine Sorge, heute gibt’s Klassik. Auf geht’s! “

    Etienne lächelte der Blonden kläglich zu, doch sie senkte den Blick. „Kabine zwei“, murmelte sie.

    Ares packte ihn an der Schulter und schob ihn vorwärts, ohne seinen Chip scannen zu lassen. Die Onta sah ihnen nach. Etienne wusste: Sie kannte seinen Freund. Es gab nur sechs Axiome und man war sowohl als Onta als auch als Servicer gut beraten, sich ihre Gesichter zu merken. Ein Axiom war faktisch immer im Dienst. Und er erhielt keine Credits. Alle Freizeiteinrichtungen des Rings standen ihm kostenlos zur Verfügung, so oft und so lange er wollte.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    Einmal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Hey Tariq,


    wieder ein sehr interessanter und schön geschriebender Abschnitt. Ich finde es wirklich gut, wie du die Situation schilderst und dabei viele Details was das Worldbuilding betrifft einstreust. Von daher hat mir der Abschnitt an sich wieder gut gefallen.

    Allerdings finde ich es etwas schwierig, dass wir hier im dritten Teil (Prolog, Kapitel 1, Kapitel 2) den dritten Einstieg in die Geschichte bekommen. Nicht, dass ich mehrere Handlungsstränge nicht begrüßen würde, doch diese drei verschiedenen Anfänge zu Beginn der Geschichte auf den Leser loszulassen finde ich etwas zu viel.

    Ich glaube so etwas kann auch abschrecken: Zum einen scheint es so, als wenn die Handlung nicht vorankommt, wenn es immer neue Einstiege gibt, zum anderen fällt es dann eher schwer sich jetzt schon mit einer Figur zu identifizieren, was auch evtl. Leser entmutigen kann.


    Meine persönliche Neugier weckst du trotzdem, weil ich mich jetzt frage, wie das alles zusammenhängen kann. So herum kann es also auch gehen.


    Habe ich das richtig verstanden, dass die Onta so eine Art Sklavenkaste sind? Wenn ja, wer denkt sich sowas aus und wer kontrolliert sie? Wo kommen sie her? Wird man als Onta geboren oder rekrutiert? :hmm:


    Ich bin mir sicher, dass die Geschichte einige dieser Fragen aufgreifen wird und ich brenne darauf, dies zu erfahren.


    LG

  • Liebe Tariq ,


    dass du auch hier wieder sehr schön und malerisch erzählst, sei es die Beschreibung der Arbeitskleidung oder generell die Worldbuildingdetails, muss ich vielleicht nicht nochmal wiederholen. :)

    Ich habe kein Problem mit neuen Einstiegen und neuen Leuten, vorallem, wenn man direkt die Verweise präsentiert bekommt. Ares ist offenbar einer der wenigen (Axiome sind wohl selten), die die Ontas überwachen, und möglicherweise spielt er auf den Zwischenfall an, den auch Tevor erlebte. Auch einen Verweis zum Prolog haben wir: Ares ist offenbar der Sohn von Metros Daktyl, dem Typen, der eine "Lösung" für die Überbevölkerung entwickelt hat.

    Etwas schwer tue ich mich mit der Erzählweise. Ich musste den Text zweimal lesen, um wirklich zu verstehen, aus wessen Perspektive (Etienne) er nun erzählt ist, da es a) sehr oft um Ares geht und b) dessen Handlungen manchmal fast personal erzählt werden ("Ares überlegte kurz" - Ich würde es ändern in "Ares schien kurz zu überlegen"). Solche Ungenauigkeiten, mögen sie auch noch so klein sein, verwässern die Grenze zwischen personalem und auktorialem Erzähler. Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr um Etienne als den Erzähler gegangen wäre, auch wenn du es mit Etiennes Vergangenheit natürlich andeutest. Allerdings musste ich auch hier nachlesen, ob es wirklich um Etienne oder doch um Ares geht: Abhilfe könnte schaffen, das Personalpronomen "Er" in der Rückblende einfach mal durch Etiennes Namen zu ersetzen. Denn wir haben es hier mit zwei brandneuen Figuren zu erzählen, beide arbeiten als relativ angesehene Tiere (?) im Ring, sind Freunde, werden gleichzeitig vorgestellt - da muss die Abgrenzung möglichst deutlich sein.

    Ich frage mich zum Schluss, ob der ehemalige Chef der Sicherheitsabteilung einfach nur so krank geworden ist, oder ob das plotrelevant ist. Und warum die Freunde sich "heimlich" in Etiennes Zimmer (?) treffen. Aber ich hoffe, dass mir das durch den Text beantwortet wird. ^^


    Liebe Grüße

    Stadtnymphe ^^

  • Wir lernen also jetzt mal die Bedingungen in der Oberschicht kennen. Vetternwirtschaft existiert hier auch wie's aussieht:D


    Was mich ueberrascht ist, dass das im Wesentlichen das Gleiche wie fuer die Ontas ist - auch die beiden wollen kein echtes Konzert, sondern bekommen nur mehr von der Simulation serviert. Auch sie bekommen ihr Essen und Trinken aus dem Versorgungsschacht. Irgendwie geht's also ueberraschend egalitaer zu.


    Die Rueckblenden zwischendurch... koennte man weniger deutlich erzaehlen und mehr als Flashback-Bilder gestalten - so dass der Leser gar nicht so eingeordnet bekommt was die eigentlich sind und da mehr die Eindruecke mitnimmt. So wirkt das weniger wie einer Erinnerung die Etienne hier ueberfaellt und mehr wie was, was speziell fuer den Leser aufbereitet und eingeordnet ist. Ich wuerde da vielleicht mehr auf Einzelheiten, Geraeusche und Geruche abheben als das so reflektiert in den Erzaehlstrang zu bringen - das einfach mal als Anregung.


    Es tun sich an der Stelle auch schon die ersten Fragen auf - man kann also neugierig auf die Welt bleiben:)

  • Hi Tariq

    am zweiten Kapitel finde ich besonders interessant, dass du in einer Rückblende auf die Vergangenheit und die Welt außerhalb des Rings eingehst - mit einem inhaltlichen Bezug zum Prolog. Das macht neugierig darauf, was genau auf der Welt passiert ist und wie dieser ominöse Ring mit seiner Organisation / Gesellschaftsordnung damit zusammenhängt. Es gefällt mir, dass du sehr dosiert Informationen preisgibst, sodass man viel neues über die Welt erfährt aber andererseits auch neugierig wird, was es mit den Fragestellungen auf sich hat, die du nach und nach aufwirfst. Die neuen Handlungsstränge finde ich jetzt weniger problematisch. Bin ja von Game of Thrones einiges gewöhnt :D. Hier meine Anmerkungen im Detail:

  • Kapitel 3

    (1/1)


    Trevor blieb stehen, als er die hochgewachsene und breitschultrige Gestalt bemerkte, die vor ihm herlief und dabei mit einem anderen Mann sprach.

    Axiom Daktyl!

    Alle kannten den Sohn vom allmächtigen Metros Daktyl. Sein Begleiter war ein Servicer, das verrieten dessen ungezwungene Art, sich zu bewegen, und der dunkelblaue Overall.

    Servicer trugen - genau wie Axiome und Ypir-Gardisten - andere Chips. Ihr Aufgaben erforderten es, nahe an Ontas heranzukommen und mit ihnen zu reden. Abstand zu halten war da nicht möglich.

    Die beiden Männer bogen um die Ecke. Tevor sah sie in dem durchsichtigen Tunnel weiterlaufen, der nach rechts abzweigte und zum Kuppelgebäude von BuyVis führte. Seine Richtung.

    Unschlüssig blieb er stehen. Sollte er sein Vorhaben aufgeben? Er konnte einen anderen Tag wählen, es war völlig gleich, wann er ...

    Nein. Entschlossen ballte er die Fäuste. Heute war der Tag. Eine ganze Woche hatte er Credits gesammelt. Fünfzehn waren in den letzten Tagen auf seinem Chip gutgeschrieben worden, weil der Onta aus der Schicht vor ihm erkrankt war und er dessen Arbeitsplatz mit zu betreuen hatte.

    Heute. Einem Axiom über den Weg zu laufen würde das nicht ändern. Er hatte sich nichts zuschulden kommen lassen und brauchte ihn nicht zu fürchten.


    Der Gong verkündete Thilia FourFour-D, dass ein Onta den Tunnel, der zu BuyVis führte, betreten hatte. Ohne Eile begab sie sich in ihre Kabine. Sie wusste, die Tür würde sich erst auf ihren Knopfdruck hin öffnen.

    Es kam nicht oft vor, dass Ontas hier auftauchten. Ihnen fehlten die Credits. Sich Visionen zu kaufen, war nicht billig und sie besuchten eher das Visodrom. Trotzdem kam ab und an einer. Und wer einmal da war, tauchte immer wieder auf. Das, was sie sahen, wenn der Helm auf ihrem Kopf saß und die Saugnäpfe der Elektroden den Kontakt hergestellt hatten, schien sie zu verändern. Es entwickelte sich zu etwas, was der Besucher nicht steuern konnte, zu einer Gier, die ihn zwang, mehr und mehr Credits zu verdienen.

    Der Summer der Tür ertönte in ihrer Kabine. Eine letzte Warnung für sie, den isolierten Raum nicht mehr zu verlassen. Er ermöglichte ihr, mit dem Onta-Kunde zu sprechen, ohne dass der Schmerz sie zu Boden warf.

    Ihr Finger fand den Knopf für die Öffnung der Tür blind. Als das Metall zur Seite glitt, fiel ihr Blick zuerst auf das Gesicht des Mannes. Ein Neuling. Durchschnittliche Statur und die Haare so kurz, wie es alle Ontas trugen. Er war klein, aber immer noch größer als sie, und seine Ohren standen etwas ab.

    „Was möchtest du?“, fragte sie und versuchte, den gelangweilten Ton aus ihrer Stimme herauszuhalten. Neukunden bedeuteten Credits, wenn sie wiederkamen. Und sie brauchte welche für eine Massage. Schon allein deshalb würde sie sich bemühen.

    Er wirkte verunsichert, was nicht ungewöhnlich war. Jeder, der zum ersten Mal ihr Reich betrat, hatte keine Vorstellung, was ihn erwartete. Sein Blick glitt über die Bilder, die an den Wänden entstanden und wieder verblassten, um zu wechseln und eine neue Ansicht zu bieten. Eben flutete grünes Licht den Vorraum und an der großen Fläche neben der Tür zu den Kabinen wurde dichter Laubwald sichtbar.

    „Das!“, entfuhr es ihm und sein Finger wies auf das sonnenlichtdurchflutete Grün. Gleich darauf wandte er sich ihr zu. „Tut mir leid“, meinte er und lächelte zaghaft. „Das kam gerade im passenden Moment.“

    „Kein Problem.“ Unbewusst straffte sie ihre Haltung und strich sich über das raspelkurze Blondhaar. „Also Wald. Wie viele Credits möchtest du ausgeben?“

    „Ich ... was bekomme ich für fünf?“

    „Eine Viertelstunde in einhundert Quadratmetern bei Tageslicht und Sonne.“

    „Und wenn ich Regen möchte?“

    „Das wäre ein Extra und kostet zwei weitere Credits. Wegen des Wassers und der Ganzkörpertrocknung danach. Hast du einen Wechseloverall dabei?“

    „Nein.“ Ein trauriger Zug entstand um seinen Mund.

    „Im Versorgungsmodul kannst du dir einen bestellen. Gib die richtige Größe ein, das ist hier nicht wie in deiner Wohneinheit, wo du immer den passenden bekommst.“

    Seltsamerweise freute sie sich, als sie sah, dass er ihr geschäftsmäßiges Lächeln erwiderte.

    „Danke. Ich nehme heute erstmal nur den Wald. Ohne Regen.“

    Sie nickte. „Halte deinen Chip an den Scanner.“ Ihre Hand wies auf die Scan-Einheit außen an der isolierten Scheibe, deren Lesefläche blau aufleuchtete.

    Der Onta folgte gehorsam. Es piepte. „Fünf Credits abgebucht“, verkündete die Computerstimme.

    „Das wäre dann in Kabine vier.“ Thilia zeigte dem Neuling den Durchgang zu den Kabinen. „Geh hinein, schließe die Tür, stell dich in die Mitte des Raumes und setze den Helm auf, der vor der Tür auf der Ablage ist. Erschrick nicht, die Saugnäpfe heften sich automatisch an deine Stirn und Schläfen. Das ist etwas unangenehm, aber du wirst es ein paar Sekunden später nicht mehr spüren. Du kannst umherlaufen. Wenn du auf eine Wand zusteuerst, wirst du ein leises Piepen hören, das immer schneller wird, je näher du ihr kommst. Ignoriere es besser nicht. Du wärst nicht der Erste, der hier mit blutender Nase wieder rausgeht.“

    Der Onta lachte und obwohl sie diese Warnung schon unzählige Male ausgesprochen und keine Miene dabei verzogen hatte, lächelte auch sie.

    „Wenn die Viertelstunde um ist, lösen sich die Saugnäpfe. Ein leichtes Schwindelgefühl ist normal. Öffne die Augen und bleib ruhig stehen. Wenn alles in Ordnung ist, setz den Helm ab, verlass die Kabine und leg ihn wieder auf die Ablage. Alles ganz einfach. Sollten irgendwelche Probleme auftauchen, dann sage deutlich Ende und deine Vision wird abgebrochen. Du kannst den Raum nicht vorher verlassen, denn du wirst die Tür nicht finden. Bei Abbruch werden keine Credits erstattet. Hast du Fragen?“

    Er schüttelte den Kopf. „Kabine vier, eine Viertelstunde“, wiederholte er. „Vielen Dank.“

    Sie nickte und sah ihm nach, bis er im Durchgang zu den Kabinen verschwunden war.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Gibt's einen Grund fuer den ersten Abschnitt aus Tevor's Perspektive? Ist die Begegnung signifikant fuer was was spaeter kommt? So wirkt er ein bisschen verloren, ein kurzes Momentbild, und dann kommt schon wieder eine neue Perspektive, und es ist auch nicht klar was die Begegnung jetzt beitraegt...


    Der Abschnitt aus Thilia's Perspektive gefaellt mir recht gut, hier bekommt man noch mal ein paar Details ueber diese seltsame Welt serviert, anscheinend ist das Abstandsgebot umfassender und nicht nur zwischen Ontas (sie ist offenbar keiner und grenzt sich ja in Gedanken von ihnen ab).



    . Als das Metall zur Seite glitt, fiel ihr Blick zuerst auf das Gesicht des Mannes. Ein Neuling. Durchschnittliche Statur und die Haare so kurz, wie es alle Ontas trugen.


    Mein erster Gedanke war - woher will sie wissen ob er neu im Zellenblock (oder wie auch immer die Onta-Quartiere heissen) ist (das Thema war ja schon mal mit den Wachen vorher angerissen). Dann ist mir aber aufgefallen - vielleicht meint sie nur dass er zum ersten Mal im BuyVis ist - kurz drunter nennt sie ihn ja Neukunden.


    Dann war ich verwirrt welche Interpretation der Szene ich nun waehlen soll - ist er als Neuling unter den Ontas zu erkennen? Das waere deutlich interessanter als wenn er nur Neukunde waere.


    Bitte klar machen was sie da denkt und wie sie draufkommt!


    „Das!“, entfuhr es ihm und sein Finger wies auf das sonnenlichtdurchflutete Grün. Gleich darauf wandte er sich ihr zu. „Tut mir leid“, meinte er und lächelte zaghaft. „Das kam gerade im passenden Moment.“

    Das ist schoen geworden wie da ganz kurz die Begeisterung fuer den Wald eingefangen ist.

    „Was möchtest du?“, fragte sie und versuchte, den gelangweilten Ton aus ihrer Stimme herauszuhalten. Neukunden bedeuteten Credits, wenn sie wiederkamen. Und sie brauchte welche für eine Massage. Schon allein deshalb würde sie sich bemühen.

    Jaja, neue Gesellschaftsordnung, BuyRem, radikale Umerziehung der Menschen - aber den Kapitalismus wird man immer noch nicht los...:D

  • Hi Tariq :)


    hier kurz meine Anmerkungen:

    Bis bald!!

  • Hallöchen @Tariq

    Habe mir erlaubt deine Geschichte in einem Rutsch, samt Kommentaren rein zu ziehen und nebenbei eine kühlen Blonden zu zusprechen.

    Den Prolog finde ich gut gelungen. Im Gegensatz zu anderen, bedarf er keine Änderung. Er zieht mich gleich in die Geschichte. Gerade das sanfte und leichte, davon mag ich. Hier schließe ich mich allen Positiven Kommentaren an.

    Die Anregung von Thorsten finde ich interessant, aber wenn ich mir das erlauben darf, wäre nicht so ganz deines.:)

    Als erstes dachte ich natürlich an Arni und Total Recall, dann der überraschende Haken. Super.


    @Stadtnymphe glaube ich, meinte der Selbstmord wäre nicht so ganz plausibel. Dazu kann ich nur anmerken: Der Bruder eines Freundes, feierte noch mit uns eine Party, lachte, riss Witze, zog andere auf. Er ging kurz um sich zu erleichtern. Was er auch tat, danach ging er in die Scheune und erhängte sich. Keiner wusste von seiner inneren Zerrissenheit, seiner Zukunftsängste. Bis heute gibt uns sein dahinscheiden Rätsel auf.


    Prologe interessieren mich eigentlich weniger, wenn ich mir ein Buch ansehe, um es eventuell zu kaufen..., ich schlage immer ziellos drei Seiten auf. Zieht es mich rein, sehe ich mir Prolog und Cover an, schafft er es nicht..., Pech gehabt.


    Technisch gesehen, mit den Kameras und den Chips..., hmmm..., als Idee gut, aber etwas zierlich umgesetzt. Weiß nicht so ganz, wie ich es sagen soll. Implantierter Chip und ein Ortungssystem, da müsste ich nichts mehr über Scanner laufen lassen oder Ontas die mich empfangen... Das wirkt auf mich etwas, wie gewollt aber mir ist da die Phantasie ausgegangen. Oder ich bin da zeitlich zu weit vorgeprescht, sorry.?(

    In deinen Kapiteln kommt die Atmosphäre gut rüber und die Welt öffnet sich für mich etwas. Aber....

    Nun mit der Ordnung..., des reißt mich nicht mit, wirft Fragen auf, auf die keine logischer Erklärung folgt, sondern noch mehr Fragen. Was für eine komische Gesellschaft ist das? Ich komme da nicht mit..., nun mag des an der kühlen Blonden liegen oder das mein Kopf immer noch in der Arbeit ist..., aber da komme ich nicht rein.

    Ontas, Gefangene mit striktem Redeverbot, das in der Freizeit erlaubt ist? Luxus in der Unterbringung? Ähmmm...?(

    Obwohl..., hm das ganze erinnert mich irgendwie an den Film, wo sie als Ersatzteile herhalten mussten..., Thilia FourFour-D.

    Hier ist für mich, so eine Grenze erreicht, wo ich sage: "Wenn da nicht bald ein logischer Zusammenhang kommt, bin ich raus."

    Obwohl..., wie ich mich kenne, werde ich erst einmal weiter lesen.:thumbsup:


    Nun die blonde hat sich verabschiedet und für mich wird es Zeit meinen Sinnen Ruhe zu gönnen.

    In diesem Sinne

    a guts nächtle und süßen schlummer