Der Ring

Es gibt 234 Antworten in diesem Thema, welches 17.070 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Kirisha.

  • Vielen Dank, Rebirz und Thorsten . da bin ich doch ziemlich erleichtert, dass ich das wie erhofft rüberbringen konnte. Rebirz, Frida war schon vorher da, hat aber keine aktive Rolle gesielt. In der neuen Version habe ich mich - wie schon gesagt - entschieden, auch den Bösewicht zu Wort kommen zu lassen. Und das ist sie. Zumindest am Anfang ...

    Frida ist eine schwierige Persönlichkeit. Ich habe mir viel Mühe mit ihr gegeben. Sie soll widersprüchlich wirken und deshalb nicht berechenbar sein. Mal sehen, ob mir das gelingt.

    Heute der zweite Teil von Kapitel 6. Danke euch allen für's Dranbleiben!

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    Zum vorigen Teil: Kapitel 6 (1/2)


    Kapitel 6 (2/2)


    Das Wohlgefühl verschwand. „Hör auf damit, Dwayne!“, gab sie unwirsch zurück und wand sich aus seinem Griff, indem sie sich umdrehte und ihn verdrossen ansah. „Du redest Blödsinn.“
    Sein Lächeln, mit dem er sie gemustert hatte, erlosch. „Du weißt, dass es mein Ernst ist. Eines Tages wird der hohe Herr tief fallen und wann, ist nur eine Frage der Zeit. Ich warte nur auf einen Fehler von ...“
    „Das wird nicht passieren“, stieß sie bitter hervor. „Also ist es besser, du konzentrierst deine Aufmerksamkeit auf ein anderes Ziel.“ Sie löste die Spange, die ihre hochgesteckten Haare gefangen hielt. Während sie zu der großzügigen Sitzgruppe hinüberging, schüttelte sie die roten Locken aus und fuhr einmal rasch mit den Fingern hindurch. Dann ließ sich in einen der Sessel fallen und schaltete am ComPad das Sicherheitssystem für die Kommandozentrale in den Privatmodus. Die roten Kontrolllämpchen an den drei Kameras erloschen. Es ging keinen etwas an, was sie und Dwayne hier drinnen redeten … und taten. Noch immer spürte sie den sanften Druck seiner warmen, kräftigen Hände an ihrer Taille und sie sehnte sich nach einer weiteren Berührung.
    Doch Dwayne lehnte mit verschränkten Armen am Schreibtisch und musterte sie forschend. „Was meinst du damit?“, fragte er lauernd.
    Sie ließ ihn noch einen Moment zappeln, dann hob sie den Kopf und starrte ihn an. „Irgendwas hat der Kyrios vor.“ Von innerer Unruhe getrieben sprang sie wieder auf und trat an das Bedienpad der Serviceeinheit. „Ich kann es spüren, dass er etwas plant, etwas, bei dem Ares eine Rolle spielt.“ Ihr Finger tippte auf die Taste für Wasser und Sekunden später erklang der melodische Ton, der ihr die Lieferung des Getränkes verkündete.
    „Woran machst du das fest?“, wollte Dwayne wissen und kam zu ihr herübergeschlendert. „Hat der Alte irgendwas in der Art gesagt?“
    Sie schüttelte den Kopf, während sie die Verpackung öffnete. „Nichts Direktes. Aber ich kann keinen Grund erkennen, warum er neuerdings ständig seinen Sohn bei den Besprechungen dabeihaben will. Die Commandantin bin schließlich ich und Ares ist mein Untergebener!“ Sie merkte, wie sich ihr Herzschlag bei dem Gedanken an den Axiom erneut beschleunigte.
    „Scheint fast, als würde der Boss dir misstrauen und bei seinen Gesprächen mit dir lieber einen Zeugen dabeihaben wollen“, bemerkte Dwayne düster und goss damit Öl ins Feuer.
    Sie wischte die Bemerkung mit einer ungeduldigen Handbewegung zur Seite. „Dann könnte er jeden X-beliebigen Axiom dazuholen. Aber nein, er will Ares!“
    „Hm.“ Er kam näher, nahm ihr die Wasserpackung ab und ergriff dann sanft ihre Handgelenke. „Hast du schon mal daran gedacht, dass der alte Daktyl plant, dich durch seinen Sohn zu ersetzen? Dass dein Stuhl wackelt, Commandantin?“ Er hob eine Braue.
    Sie entriss ihm ihre Hände. Die Worte schmerzten. Dwayne hatte nicht nur den Finger auf die Wunde gelegt, welche der Kyrios ihrer Eitelkeit mit seinem Verhalten zugefügt hatte. Er hatte schonungslos ausgesprochen, was sie seit Wochen aus ihren Gedanken zu verdrängen versuchte. Natürlich sollte Ares ihr Nachfolger werden! Es konnte gar nicht anders sein. Und er wurde bereits darauf vorbereitet, indem er bei Gesprächen zwischen ihr und dem Kyrios anwesend war.
    Dwayne hob die Hand, ergriff eine ihren Haarsträhnen und wickelte sie langsam um seinen Finger. „Wie steht denn der Axiom Daktyl der Sache gegenüber? Zeigt er Interesse?“
    „Überhaupt nicht. Im Gegenteil ...“
    Sie stockte. Auf ihre Brust legte sich ein Druck, der ihr das Atmen schwer machte. Doch, dachte sie, natürlich zeigte er Interesse! Er verbarg es lediglich ihr gegenüber gut! Dieses angebliche Aufbegehren gegen die väterliche Anordnung war nichts als Show und sie war ihm auf den Leim gegangen.
    Wut wallte in ihr hoch wie Lava in einem ausbrechenden Vulkan. Dieser widerliche Schleimer Ares Daktyl nutzte also seinen Vater, um die Karriereleiter bei der Marine zu erklimmen, und ihr Posten als Commandantin der Garde war nichts als eine von vielen Stufen darauf. Die Chancen, sein Ziel zu erreichen, standen bestens, denn Mestor würde seinem Sohn nicht nur den Weg ebnen, sondern ihm auch jede Unterstützung zukommen lassen, die er brauchte. Dessen war sie sicher.
    „Ich hasse ihn“, murmelte sie.
    „Ich ebenfalls“, gab Dwayne trocken zurück, „aber aus anderen Gründen. Mister Perfect scheint nur auf eine Gelegenheit zu warten, mich bei dir anzuschwärzen. Er beobachtet mich mit Argusaugen. Und nicht nur er, auch Krell und Benedikt.“
    „Dann liefere ihnen keinen Grund.“ Ihr Ärger verrauchte und wurde von Sorge um Dwayne verdrängt. Sie wusste, dass er es mit den Vorschriften nicht so genau nahm, sie kannte seinen Jähzorn und seine unbegreifliche Neigung zu Gewalt. Und er trank zu viel. Missbilligend starrte sie auf das Glas mit der goldgelben Flüssigkeit, das er eben aus dem geöffneten Fach der Serviceeinheit entnahm, um es mit einem einzigen Schluck zu leeren. Er bewegte sich auf dünnem Eis und die Angst, ihn eines Tages zu verlieren, weil sie ihn wegen Überschreitung seiner Kompetenzen abstrafen musste, legte ihre eiskalten Finger um ihr Herz. „Bitte.“ Sie sah ihn flehend an. „Du musst dich in Acht nehmen. Krell und Benedikt fressen Ares aus der Hand. Sei vorsichtig. Ich brauche dich.“
    Er lachte und sie wusste: Es sollte sie beruhigen, doch der überlegene Klang verriet ihr, dass Dwayne nichts an seinem Verhalten ändern würde. Er verließ sich darauf, dass sie ihn schützte. Und er zahlte gut dafür. Jede Nacht. In ihrem Quartier. Sie verfluchte sich dafür, dass sie ihm so viel Macht über sie erlaubte, und ihr war klar, dass er sie ausnutzte. Aber sie brauchte ihn. Ohne ihn würde die Einsamkeit sie zerfressen ...
    Langsam stellte er das leere Glas ab und schlang seine Arme um ihre Mitte. „Vorsichtig? Das bin ich. Daktyl wird nichts finden, genauso wenig wie meine beiden werten Kollegen. Dafür sorge ich schon.“ Sein Kopf neigte sich herab und seine Lippen wanderten an ihrer Schläfe abwärts, bis sie erneut die sensible Stelle unter ihrem Ohr erreichten. Sie fühlte seinen warmen Atem über ihre Haut streichen. „Der kriegt mich nicht.“ Ein gehauchter Kuss. „Niemals.“ Ein neuer Kuss, diesmal auf die Wange. „Eher bring ich ihn um.“ Sein Mund fand ihren und presste sich fordernd darauf. Mit der Linken strich er über ihren Rücken, während er die Rechte in ihre Haare schob und dann ihren Hinterkopf umfasste.
    Beinahe hätte sie gestöhnt. Sie war geborgen in seinem Griff, in seinen Armen. Geborgen und gleichzeitig auch gefangen, denn das war Dwayne für sie:
    Zuflucht und Gefahr zugleich. Und damit genau das, was sie brauchte. Mit einem leisen Seufzen ergab sie sich seinem Kuss, dann schob sie ihn sanft zurück.
    „Ich gehe in mein Quartier“, meinte sie leicht außer Atem. „Du kommst nach. Lass dir Zeit.“
    Er nickte.
    Rasch steckte sie mit geübten Griffen die Haare hoch und beendete den Privatmodus. Dwayne hatte Abstand zwischen sie gebracht und sie wusste: Er sah ihr nach, als sie nun mit schnellen Schritten die Kommandozentrale verließ. Ihre Zweisamkeit war ein Geheimnis und sollte es auch bleiben. Dass die Commandantin mit einem ihrer Untergebenen ein Verhältnis hatte, verstieß gegen die Dienstregeln.


    Hier geht's weiter: Kapitel 7 (1/3)

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    2 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • * vorsichtig aus der dunklen Ecke kriechen und sich nach Monaten wieder trauen etwas zu schreiben *


    Tariq

    Ich habe nichts spezielles zu dem letzten Kapitel zu sagen, sondern wollte nur generell einmal ein großes Lob und ein Dankeschön an dich aussprechen. In einer chaotischen Phase meines Lebens habe ich mich schon fast vom kreativen Schreiben verabschiedet, doch deine Neuauflage von "Der Ring" hat mich wieder zurück ins Forum geholt. (Zunächst als passiver Leser, vielleicht bald auch wieder als Schreibender)

    Ich wollte Danke sagen, weil deine Geschichte mich inspiriert und ich für jedes deiner Kapitel immer gerne zurückkehre.


    LG Iskaral :)

  • Herzlichen Dank, Iskaral , auch für deine Likes! Das zu hören freut mich natürlich sehr :panik:

    Aber noch mehr würde mich freuen, wenn ich bald mal wieder was über die Alptraumwüste lesen könnte. :thumbsup: Es wäre echt jammerschade, wenn du da nicht weitermachen würdest. Also - falls du jemanden brauchst, der dir ab und zu kräftig in den verlängerten Rücken tritt, um dich anzuspornen: Ich nehm Job! :thumbup:

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  • Tariq

    Also zur Alptraumwüste könnte tatsächlich was kommen, aber psst! :whistling:

    Und nen Rückentreter könnt´ ich vielleicht auch wirklich gebrauchen :D


    Damit aber noch ein Fünkchen Mehrwert bei diesem Beitrag rumkommt:

    „Bitte.“ Sie sah ihn flehend an.

    Ich verstehe durchaus, wie das Wort "flehend" da hin kommt, aber wie Thorsten schon gesagt hat, passt es in dem Kontext nicht wirklich. "Sie sah ihn (zutiefst) besorgt an" trifft es glaub ich besser.

  • Hi Tariq,

    gefällt mir soweit gut deine Neuauflage des Rings. Da ich sehr spät wieder eingestiegen bin, sind eigentlich die wesentlichen Anmerkungen schon gemacht worden. Darüber hinaus habe ich bisher eigentlich nichts wichtiges zu sagen, was über meine Kommentare zur vorherigen Version hinaus gehen würde. Eine Anmerkung noch zum letzten Teil:

    sie kannte seinen Jähzorn und seine unbegreifliche Neigung zu Gewalt

    Ich weiß nicht, ob ich Frieda im Kopf schon richtig charakterisiert habe aber diese Neigung zur Gewalt sollte ihr doch nicht ganz fremd sein, oder?

  • So, nun mach ich doch noch einen Antwort-Post vor dem nächsten Part morgen. :)

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  • So, nun gehen wir mal etwas tiefer in die Materie. An diesem Kapitel habe ich viel verändert und wer das Gespräch zwischen Vater und Sohn von der letzten Version noch kennt, der sperrt diese Erinnerung bitte weg. Davon stimmt kaum noch was mit dem neuen Text überein. Ich bin gespannt, was ihr sagt. Teil 1 ist noch die Einleitung.

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    Voriger Part: Kapitel 6 (2/2)


    ~~~ Kapitel 7~~~

    (Teil 1/3)


    „Ares, auf ein Wort noch!“
    Die Stimme des Vaters in seinem Rücken ließ ihn stehen bleiben. Frida ging weiter und verließ den Konferenzraum, ohne sich noch einmal umzusehen. Hinter ihr schloss sich die Doppeltür mit leisem Zischen.
    Ares drehte sich um. Der Kyrios hatte seine Wünsche verkündet und ihm und der Commandantin ihre Anweisungen gegeben. Die Besprechung war beendet und er damit entlassen. Jetzt wollte er zurück zu Etienne, denn schließlich war er nicht im Dienst und das hatte er vorhin auch gesagt. Warum also hielt dieser ihn zurück?
    Sie sahen einander nicht oft. Stets ging der Impuls für ein Treffen von seinem Vater aus und meistens war es eine Einladung zu einem privaten Abendessen. Dass er jetzt mit dem Vornamen angesprochen wurde, ließ Ares befürchten, dass ihm erneut ein solches bevorstand.
    Insgeheim seufzte er. Er fühlte sich in der Gesellschaft seiner Kollegen hundertmal wohler als bei einem Abend in der luxuriösen Wohneinheit des Kyrios. Nach dem Besuch bei BuyVis hatten Etienne und er noch in die Bar gehen wollen. Daraus würde nun wohl nichts werden.
    Ungeduldig beobachtete er, wie Mestor den Konferenztisch umrundete und langsam auf ihn zukam. „Was ist?“, brachte er knapp hervor. Sein Vater sollte merken, dass er keine Lust auf ein Plauderstündchen hatte.
    „Ich muss etwas mit dir besprechen“, verkündete dieser und Ares ertappte sich dabei, dass er überrascht die Augenbrauen hob.
    „Dienstlich?“, forschte er und seine Verwunderung stieg, als er das Kopfschütteln seines Vaters sah.
    „Nein, es ist ganz und gar privat. Und es wird ... eine Weile dauern. Also wäre es schön, wenn wir uns wieder zu einem Abendessen in meiner Wohneinheit treffen könnten.“
    „Jetzt?“
    Mestor hob die Rechte. „Nein, nein“, wehrte er ab. „Du hast einen freien Abend und sicher andere Pläne. Wie passt es morgen? Oder übermorgen?“
    „Morgen wäre in Ordnung.“ Ares hatte Mühe, einen neuen Seufzer zu unterdrücken. „Wann soll ich da sein?“
    „Gegen sieben wäre mir recht.“ Sein Vater lächelte und Ares erkannte, dass Mestor sich wirklich auf das Essen zu freuen schien. Oder auf das Gespräch? Was um alles in der Welt wollte er mit ihm bereden? Etwas Privates ...
    „Dann morgen um sieben.“ Er neigte kurz den Kopf, wandte sich um und verließ diesmal den Konferenzraum. Den Impuls, zurückzuschauen, unterdrückte er. Hinter ihm blieb es still. Keine Schritte. Mestor war stehen geblieben.


    Am Abend des folgenden Tages machte er sich auf den Weg zum Quartier seines Vaters. Wie sein eigenes befand es sich im dritten Obergeschoss, lag aber den Konferenzräumen gegenüber. In dieser Hälfte der Etage gab es strengere Sicherungseinrichtungen, genau wie im vierten und fünften Untergeschoss. Beim Verlassen der Liftplattform wurde seine Körperform abgescannt, er hatte vor einer Kamera seinen Namen zu nennen, um sich durch Lippenbewegungen und Spracherkennung zu authentisieren und Zugang zu dieser Hälfte des Geschosses zu bekommen. An Mestors Wohneinheit angelangt, legte er seinen Handrücken an ein Scanfeld, das doppelt so groß wie ein normales war, weil es zusätzlich zum Chip auch das Venenmuster erfasste, das diesen umgab, und mit dem eingespeicherten verglich. Erst danach glitt die Tür auf. Neben Mestor selbst war er der Einzige im Ring, der diese Räume so betreten durfte. Für jeden anderen würde der Kyrios selbst den Zutritt autorisieren müssen.
    „Danke, dass du gekommen bist.“ Mestor stand in dem Durchgang zu dem geräumigen Wohnraum, in jeder Hand ein Glas haltend. Leise Musik spielte im Hintergrund.
    Klassik, registrierte Ares, wie er sie selbst gern mochte. Er nahm seinem Vater den Drink ab und schnupperte. Ein Gambrazzo. Überrascht nippte er, nachdem die Gläser aneinander geklungen waren. Mestor hatte sich gemerkt, was er gern trank.
    „Du wolltest mit mir reden.“ Er ging zu der Sitzgruppe, die fast den halben Raum einnahm, ließ sich in die Polster sinken. Das behagliche Wohnzimmer hatte sich in den vier Jahren, in denen er im Ring lebte, nicht verändert. Sanftes, indirektes Licht erhellte jeden Winkel, ohne grell zu wirken, und ließ die unzähligen Pflanzen gedeihen. Mestor liebte Grünpflanzen, klassische Musik, alte Weine und Bilder an den Wänden. Mediterrane, vorzugsweise griechische Landschaften, alle in Öl, keine billigen Drucke oder Poster. Sein Vater besaß Geschmack.
    Ares betrachtete ihn. Dem schlanken, sich sehr gerade haltenden Körper sah man die siebenundfünfzig Lebensjahre nicht an.
    „Ja.“ Mestor lachte. „Und bei der Gelegenheit: Ich finde es schade, dass du nie von selbst den Kontakt zu mir suchst. Wir haben nicht gerade das, was man eine gute Vater-Sohn-Beziehung nennt. Trägst du mir die Standpauke von gestern Abend noch nach?“
    Ares schwieg. Er erinnerte sich mit Bitterkeit an seine Teenager-Zeit, in der sie sich zunehmend entfremdet hatten. Sein Vater war als Wissenschaftler oft vierzehn Stunden des Tages im Institut gewesen. Manchmal kam er über Nacht auch gar nicht nach Hause. Ares hatte ihn in seiner Kindheit und Jugend kaum zu Gesicht bekommen. Und seine Mutter ... Eines Tages, er war gerade sechzehn geworden, hatte sie ihm gesagt, dass sie weggehen würde. Ein anderer Mann würde um sie werben und ihr zeigen, dass sie noch lebte. Etwas, was ihr an der Seite ihres Ehemannes verlorengegangen war. Er erinnerte sich, dass er genickt und ihr alles Gute gewünscht hatte. Sie zu begleiten war nicht in Frage gekommen. Als er endlich den Armeedienst angetreten hatte, war die Kommunikation zwischen ihm und Mestor fast komplett unmöglich geworden und sie hatten auch während seiner Dienstzeit kaum Kontakt gehabt.

    Und gestern Abend? Er winkte ab. „Ich werde mich irgendwann daran gewöhnen, dass du mich anders behandelst als die anderen Axiome.“
    „Ich habe meine Gründe.“
    „Das hast du gestern schon angedeutet. Ich wüsste diese Gründe gern.“
    „Sind die so schwer zu erraten?“ Mestor lächelte sinnend auf sein Glas hinab. „Habe ich dir eigentlich schon einmal gesagt, wie unglaublich stolz ich auf dich bin? Und wie froh, dass du nach Beendigung deiner militärischen Ausbildung und den Jahren bei der Spezialeinheit damals meinen Vorschlag, in den Ring zu kommen, angenommen hast? So kann ich dich in meiner Nähe haben. Und das halte ich für sehr wichtig.“
    Ares beschlich ein ungutes Gefühl. Er leerte den Drink und setzte das Glas hart auf die polierte Wurzelholztischplatte. „Ich bin kein kleiner Junge, den man mit Lob ködert. Was willst du von mir?“


    Hier geht's weiter: Kapitel 7 (2/3)

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    3 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Die Vater-Sohn Beziehung kommt im Text gut rüber. Zumindest von Ares Seite. Ohne weiteres Vorwissen würde ich nun von Mestor vermuten, dass er denkt, wegen der Vernachlässigung in der Kindheit etwas bei seinem Sohn gut machen zu müssen. Hier eine kleine Anmerkungen

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  • Voriger Teil: Kapitel 7 (1/3)


    Kapitel 7 (2/3)

    Ein Schimmer von Enttäuschung huschte über das Gesicht seines Vaters und Ares bereute seine harten Worte. Manchmal vergaß er, dass er der Einzige war, den Mestor als Familienangehörigen bezeichnen konnte. Damals, als er selbst sofort nach dem Schulabschluss das luxuriöse Elternhaus verlassen hatte, um zur Armee zu gehen, war ihm das gleich gewesen. Doch jetzt erkannte er, dass der Mann vor ihm jahrelang einsam gewesen sein musste. Er selbst benötigte keine familiären Bande, seine Freunde Etienne, Linus und Malcolm gaben ihm Halt. Aber sein Vater hatte keine Freunde. Niemanden, mit dem er private Dinge besprach oder den Tag bei einem Glas Bier auswertete. Und sein einziger Sohn gebärdete sich wie ein störrisches Kleinkind.
    Mestor nahm einen Schluck Wasser. Als er das Glas absetzte, glitt sein Blick flüchtig zu einem der Bilder an der Wand hinüber, das wie ein Fenster gestaltet war.
    Ares wusste, die Aussicht aus diesem angedeuteten Fenster zeigte Athen, die Heimatstadt seines Vaters. Plötzlich fühlte er Mitleid mit ihm.
    „Es tut mir leid, ich habe es nicht so gemeint“, stieß er zerknirscht hervor.
    „Aber du hattest ja Recht. Ich weiß, dass ich dich nicht ködern muss. Du schätzt den Ring und das, was ich aufgebaut habe, genauso wie ich.“ Mestor griff nach dem leeren Glas auf dem Tisch und stand auf. „Und deshalb weiß ich auch, dass meine Entscheidung richtig ist“, fuhr er auf dem Weg zu der eingebauten Bar fort. „Ich habe dich beobachtet“, verkündete er, nachdem er zurückgekommen war und einen neuen Drink vor Ares abstellte. „Ich beobachte dich sehr oft und mir gefällt, was ich sehe. Du bist bedingungslos loyal, hast hervorragende Führungsqualitäten und bist beliebt bei den Gardisten. Die besten Voraussetzungen für die neue Aufgabe, die ich für dich vorgesehen habe.“
    „Neue Aufgabe?“ Ares starrte ihn an. „Ich bin ganz zufrie-“
    Mestor schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. „Du wirst mein Nachfolger werden.“
    „Was?!“ Ares Hand mit dem Glas erstarrte auf halbem Weg zum Mund.
    Mestor schüttelte verständnisvoll lächelnd den Kopf. „Mir ist klar, dass dich mein Plan überrascht. Aber ich bin jetzt siebenundfünfzig und habe nicht mehr viel Zeit.“ Er klopfte mit dem Zeigefinger demonstrativ auf seinen rechten Handrücken. „In zwei Jahren werde ich das Geschick des Ringes offiziell in deine Hände legen. Und deshalb bin ich der Meinung, dass du schon heute ...“
    „Aber wieso ich?“
    „Das habe ich dir doch eben erklärt.“ Irritiert sah Mestor ihn an. „Was hast du denn geglaubt? Warum wohl habe ich dafür gesorgt, dass man deine Bewerbung annimmt und du bereits nach einem Jahr Axiom wirst?“
    „Ich hatte es meiner tadellosen Führung und den beachtlichen Ergebnissen meiner Leute zugeordnet“, knurrte Ares. Das Wissen, von Mestor auf seinen Posten gehoben worden zu sein, verursachte einen schalen Geschmack im Mund. „Immerhin führt die vierte Einheit die Statistik mit den wenigsten Auffälligkeiten in den Schichten unserer Ypir-Gardisten.“
    Sein Vater winkte ab. „Wen interessieren eure kleinen internen Wettbewerbe?“
    „Gut, ich verstehe, dass du als mein Vater meine Karriere fördern möchtest, obwohl ich mir meine Lorbeeren lieber selbst verdient hätte. Aber ich und dein Nachfolger?“ Ihm fielen eine Menge Entgegnungen ein, von denen die meisten respektlos, deutlich überzogen oder einfach nur ein Schimpfwort oder Fluch waren. Doch er beschränkte sich auf ein simples „Das kann nichts werden.“ Kopfschüttelnd starrte er seinen Vater an. „Der Ring ist deine Schöpfung. Ich weiß nichts über Chips, ich bin Soldat. Und ich will es auch bleiben und nicht in deine Fußstapfen treten.“
    „Ich rede auch nicht von heute oder morgen. Bis dahin werden noch zwei Jahre vergehen und ich bin zuversichtlich, dass du deine Meinung änderst. Darum ist es mir wichtig, dass du bereits jetzt schon über alles, was im Ring geschieht, im Bilde bist und deshalb an sämtlichen Besprechungen teilnimmst. Du musst dafür nichts über Chips wissen. Dafür arbeiten genug schlaue Köpfe in den unteren Ebenen. Ich sagte es schon, Ares: Du hast Führungsqualitäten. Deine Männer verehren dich und du leitest sie scheinbar mühelos.“
    Er hat mich tatsächlich beobachtet, realisierte Ares konsterniert. Und er tut es sicher immer noch! Alles in ihm verlangte danach, weiter zu diskutieren, um seinem Vater diese Schnapsidee auszureden. Doch er ahnte: Mestor würde kein Argument gelten lassen.
    „Das wird der Commandantin nicht gefallen“, gab er schließlich zu bedenken. Es war sein letzter Einwand. Eine offene Feindschaft mit Frida konnte er sich nicht leisten, auch wenn er ihr als Leiter des Ringes dann nicht mehr unterstellt war. „Sie wird denken, dass ich konsequent darauf hingearbeitet habe, dich abzulösen.“
    „Sie kann glauben, was sie will.“ Die Hand seines Vaters schnitt durch die Luft, als wollte er so die Diskussion beenden.
    „Aber vielleicht könntest du mir diese Maßregelungen vor ihr demnächst ersparen.“ Beim Gedanken daran wallte erneut Ärger in Ares hoch.
    Mestor nickte einlenkend. „Lass uns essen“, meinte er. „Dabei kann ich dir schon ein paar Dinge erklären.“ Ares antwortete nicht, nickte nur zögernd. Dann erhob er sich. „Bleib sitzen. Ich bestelle uns was.“
    Während sie warteten, wechselten sie nur wenige Worte. Mestor fragte ein paar belanglose Dinge und Ares antwortete einsilbig. Eine richtige Unterhaltung kam nicht in Gang und als zehn Minuten später der melodische Gong am Versorgungsschacht die Ankunft ihres Abendessens verkündete, atmete Ares auf. Stumm nahm er die angeforderten Gerichte heraus und brachte sie an den großen Tisch. Sein Vater stand auf, kam herüber und setzte sich ihm gegenüber.
    Eine Weile war nur das Klappern der Bestecke zu hören. Ares wartete. Er würde keine Fragen stellen, obwohl in seinem Kopf unzählige durcheinanderwirbelten. Und er war keineswegs sicher, dass er hören wollte, wie sein Vater sich seine Zukunft vorstellte. Die Eröffnung von dessen Plan hatte ihm jetzt schon ordentlich auf den Magen geschlagen und er stocherte ohne Appetit in seinem Essen herum.


    Hier geht's weiter: Kapitel 7 (3/3)

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    (Ricarda Huch)



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    Einmal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Liebe Tariq

    :thumbsup: Den letzten Abschnitte war gut zu folgen. Jetzt bin ich aber gespannt, was in dem Gespräch noch enthüllt wird.


  • Heyho, Sensenbach , vielen Dank! :D Das freut mich und ich bin schon sehr gespannt, was ihr zu Teil 3 von Kapitel 7 sagt. :thumbsup:

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  • So, da ich morgen nicht zu Hause bin und nicht posten kann, kriegt ihr heute Abend schon den letzten Teil vom Kapitel 7. Herzlichen Dank auch dir, Thorsten , für deinen Kommi und dir, Iskaral , für deinen Like.

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    Voriger Part: Kapitel 7 (2/3)


    „In Ordnung“, beendete Mestor das lastende Schweigen und schob den halbleeren Teller von sich. „Als Erstes möchte ich wissen: Was weißt du über den Ring?“
    Ares lehnte sich zurück. Okay, man fing beim Urschleim an. „Er ist eine Haftanstalt für normale Häftlinge und für Schwerverbrecher, die du hier als Timoris und Ontas bezeichnen lässt. Der Anteil der Letzteren liegt bei rund dreiunddreißig Prozent. Sie haben weniger Befugnisse als die Timoris und handeln sich bei Vergehen strengere Strafen ein. Sie dürfen keinen Kontakt untereinander haben und arbeiten in den Unterebenen vier und fünf. Alle Häftlinge stellen die Regierungs-Chips her, die Timori außerdem die Ring- und die Onta-Chips.“
    „Wie kommen die Häftlinge in den Ring?“
    „Aus Haftanstalten in aller Welt. Je nach Anzahl mit Frachtgleitern der Marine oder mit Lufttaxis vom Stützpunkt auf Pitcairn. Als erstes werden alle Häftlinge in die Klinik gebracht.“
    „In der Klinik, was passiert da mit ihnen?“ Mestor wirkte angespannt, als würde er jeden Moment damit rechnen, Ares dabei zu ertappen, dass er eine Frage nicht zufriedenstellend beantworten konnte.
    „Timoris erhalten den Ring-Chip auf dem linken Handrücken. Mittels Video- und Audiounterweisung bekommen sie eine Einführung in den Ring und in ihre künftige Arbeitsaufgabe. Ontas erhalten den Onta-Chip mit der integrierten Schmerzkonditionierung und als Teil ihrer Strafe wird in der Klinik ihr personelles Gedächtnis gelöscht. Sie verlieren sämtliche Erinnerungen an ihre Vergangenheit und wissen nicht, weshalb sie einsitzen, nur dass sie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.“
    „Wie lange bleiben sie hier?“
    Ares merkte, wie Ärger in ihm aufstieg. Was sollte dieses alberne Verhör? Diese Dinge musste jeder Axiom wissen!
    Er atmete einmal tief durch. „Nach Absitzen ihrer Haftstrafe verlassen die Timoris den Ring wieder“, leierte er herunter. „Ontas verbleiben bis zum Ablauf ihrer Lebensdauer im Ring.“
    „Haftbedingungen?“
    „Vater, ich kenne ...“
    „Bitte beantworte die Frage, sei so gut.“ Mestor lächelte aufmunternd.
    Ares stöhnte innerlich. „Timoris haben normale Haftbedingungen und mehr Freizeitmöglichkeiten. Sie können Besuch empfangen und bei guter Führung eine andere Arbeit zugewiesen bekommen.“
    „Sehr gut. Ein paar dieser Fakten wirst du gedanklich für dich korrigieren müssen, denn als Leiter des Ringes musst du tiefer blicken. Der erste wäre: Ontas sind zum Tode verurteilte Schwerverbrecher, die bereits hingerichtet wurden.“
    Ares kniff die Augen zusammen. „Ich verstehe nicht ...“
    Wieder hob sein Vater die Hand. „Lass mich ausreden. Es war selbstverständlich eine Schein-Hinrichtung. Mit Wissen der Regierung. Zumindest einiger Mitglieder der Regierung. Für ihr Hiersein als Arbeitskraft zahle ich einen ... nun, nennen wir es einmal Ablösepreis. Offiziell gelten sie als tot.“
    „Aber der Regierungs-Chip ...“
    Mestor lächelte. „Du denkst an das GPS-Signal? Der Chip der künftigen Ontas wird unmittelbar nach ihrem ‚Tod‘ deaktiviert. Wir stellen die Dinger her, wir können sie auch abschalten, ohne dass es jemand bemerkt oder der Chipträger dabei stirbt.“
    „Und dann?“
    „Nichts dann. Niemand weiß, dass sie noch leben. Nach ihrem sechzigsten Lebensjahr exekutiert man sie hier, da der Chip ja nicht mehr dafür sorgen wird. Es sei denn, es sind so exzellente Arbeitskräfte, dass sie noch paar Jahre weiterarbeiten können.“
    Ares nickte mechanisch. „Gibt es noch mehr, was ich wissen muss, wenn ich Chef bin?“
    „Ja.“ Mestor holte tief Luft. „Wie findest du es eigentlich, dass für jeden, egal was er ist, hat oder tut, das Leben nach sechzig Jahren endet?“
    Ares‘ Augenbrauen zogen sich misstrauisch zusammen. „Was ist das für eine Frage? Jedes Kind weiß, dass nur durch diese drastischen Maßnahmen die Menschheit vor dem Untergang bewahrt wurde und wird. Wie ich das finde, ist doch völlig irrelevant. Keiner will die Zustände zurück, bei denen in den sechziger Jahren ganze Städte entvölkert wurden, weil sich die hungernden Menschen gegenseitig umgebracht und dann aufgefressen haben! Hast du die Bilder von den Leichenbergen schon vergessen?“ Ares merkte, dass er kurz davor war, die Geduld zu verlieren. Welches Spiel spielte sein Vater hier? Und welche Rolle nahm er darin ein?
    „Beruhige dich, es gibt keinen Grund, so aufbrausend zu reagieren.“ Mestor stand auf und ging zur Bar. Mit bedächtigen Bewegungen mixte er sich einen Drink und Ares erkannte, dass sein Vater ihm damit Gelegenheit geben wollte, durchzuatmen.
    Jetzt kam er zurück und setzte sich wieder. „Meinst du nicht auch, dass es für manche Leute ... nun, sagen wir mal – Ausnahmen geben sollte?“ Hier zwinkerte er vertraulich.
    „Und an welche Leute hast du dabei gedacht?“ Ares musterte seinen Vater prüfend. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass sie noch nicht zum eigentlichen Thema des Gespräches gekommen waren.
    „Es gibt viele Menschen auf der ganzen Welt, die nicht sterben wollen, wenn sie sechzig Jahre alt sind. Oder Frauen, die gern ein zweites Kind möchten. Manche schätzen es nicht, dass man ständig in Erfahrung bringen kann, wo sie sich befinden. Manche dieser Leute sind bereit, viel Geld dafür zu bezahlen, wenn diese Funktionen des Chips wegfallen.“
    „Wie sollten sie wegfallen können? Jeder erhält den gleichen Chip.“ Ares stockte. Irgendetwas klickte in seinem Kopf und rastete ein. „Willst du mir gerade erklären, dass du die Regierungs-Chips manipulierst?“
    „Das Wort hat einen negativen Touch, finde ich.“ Mestor schüttelte fast vorwurfsvoll den Kopf. „Ich würde es als modifizieren bezeichnen. Es sind Auftragsfertigungen für bestimmte, gut zahlende Leute. Die winzigen Dinger spülen genug Geld in die Kasse, um das reibungslose Fortbestehen des Ringes zu sichern und um mir ein finanzielles Polster für meine alten Tage anzulegen, die ich übrigens nach sechzig Jahren nicht zu beenden beabsichtige.“ Wieder klopfte er mit dem Zeigefinger auf seinen rechten Handrücken.
    „Du trägst einen manipulierten Chip?!“ Ares riss die Augen auf und setzte sich kerzengerade hin. Mit Absicht hatte er das Wort wiederholt.
    „Selbstverständlich.“ Mestor lächelte und legte die Fingerspitzen aneinander. „Möchtest du auch einen? Es wäre kein Problem.“
    „Ich ... Was? Nein!“ Er fuhr sich mit der Rechten über die kurzgeschorenen Haare. „Wer weiß noch davon?“
    „Nicht viele, aber doch einige. Ich würde dir diese Leute gern vorstellen, weil du ja später mit ihnen Umgang haben wirst. Und dann kannst du auch alle deine Fragen loswerden.“
    „Ich ... muss darüber nachdenken, Vater. Das alles kommt mir zu unerwartet. Ich weiß nicht, ob ich ...“ Ares musste sich zwingen, sitzenzubleiben. Sein Verstand kämpfte gegen einen fast übermächtigen Fluchtreflex.
    Mestor hob die Hände. „Das verstehe ich“, versicherte er, „das verstehe ich wirklich. Denk darüber in Ruhe nach. Vergiss aber bitte nicht, dass der Ring mein Lebenswerk ist und ich ihn gern in deine Hände geben würde, wenn ich zum Schein aus der Öffentlichkeit verschwinden muss. Selbstverständlich werde ich aus dem Hintergrund die Fäden weiterhin selbst ziehen und du wärest quasi nur der Mensch vor der Leinwand. Für dich würde dabei natürlich ebenfalls ein ordentliches Sümmchen herausspringen. Du musst dich nicht einmal zwangsläufig immer im Ring aufhalten. Komm ab und zu vorbei und schaue nach dem Rechten. Du kannst dir eine Frau nehmen, ein schönes Leben führen und dir jeden Wunsch erfüllen. Vielleicht hilft dir das bei der Entscheidungsfindung.“
    Der Mensch vor der Leinwand ... Die Marionette. Die Marionette seines Vaters.
    Ares wurde übel. Er stand auf.
    „In Ordnung“, brachte er heraus. „Ich denk drüber nach und sage dir Bescheid.“
    „Danke“, gab Mestor zurück und Ares sah die Erleichterung in seinem Blick, obwohl er noch gar nicht zugesagt hatte. Doch bei seinem Vater schien es diesbezüglich keine Zweifel zu geben.

    Fast fluchtartig verließ er die Wohnräume des Kyrios.


    Hier geht's weiter: Kapitel 8 (1/3)

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    Einmal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Hey Tariq


  • Hallo Iskaral

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Verzeihung Tariq,

    ich fürchte, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe.

  • Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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