Kriegerkönigin

Es gibt 92 Antworten in diesem Thema, welches 3.892 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Rainbow.

  • Dass diese Emotionen hier alle aufeinanderprallen möchte ich auch gar nicht in Frage stellen. Trotzdem finde ich, ist es eine hohe Kunst des Schreibens, wenn man es schafft einer derartig emotionsbelastete Szene plausibel nachvollziehbar zu schreiben. Und das fehlte mir hier ein bisschen. Es kam mir so vor, als ob die Emotionen einfach ...wie soll ich sagen... aneinandergeklebt worden sind. Die Übergänge sind mir nicht fein genug...i

    Ja, Queen of Subtle Interpersonal Interactions - Du hast schon recht, man kann da noch feiner feilen :)

  • Ja, Queen of Subtle Interpersonal Interactions - Du hast schon recht, man kann da noch feiner feilen

    Da stimme ich zu. Beschreibung von Gefühlen kann niemand besser als du :) Darum gebe ich ja auch viel auf deine Kommentare :)


    Also, hier nochmal ein neuer Versuch, Überarbeitung des Anfangs von Kapitel 3:

    Anfang Kapitel 3

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Kirisha


    Ich finde deine Überarbeitung hat es deutlich besser gemacht. Besonders die Beschreibung von der Nacht nach dem Tanzball.


    Leider wurden meine markierten Zitate irgendwie nicht gespeichert, ich versuche das wichtigste jetzt als Text zu schreiben, da ich gerade am Handy bin.


    Du könntest am Anfang, wo sie sich fragt wo ihr Sohn sein könnte noch etwas einbauen wie: " eine dunkle Ahnung überfiel sie die sie sofort von sich wies."

    Einfach damit deutlicher wird, dass sie sehr genau weiß wer der Vater ihres Sohnes ist und vielleicht sogar schon eine Idee hat wer ihren Sohn zu sich geholt hat.


    Hat der Name Kimuris irgendeine Bedeutung? Ich fand den Namen schwer zu lesen und irgendwie unhandlich, ich weiß auch nicht genau wieso. Alle deine anderen Namen finde ich sehr passend.


    Mich hat etwas gewundert, dass der Ehemann nicht aufbraust wenn ein anderer Mann behauptet er wäre der Vater seines Kindes.


    Hat die Fürsten eigentlich noch andere Kinder? Das wäre auf jeden Fall spannend zu wissen, ob es andere Thronanwärter gelbe.


    Irgendwo hast du geschrieben, dass ihr Sohn das ein und alles ist für das sie lebt. Das finde ich widerspricht ein bisschen dem, dass sie das Fürstentum leitet. Man kann seine Kinder über alles lieben und trotzdem noch einen anderen Lebenszweck haben. Sie schien mir auch recht ambitioniert eine Führungsrolle übernehmen zu wollen.


    Ich hadere immer noch ein bisschen damit, dass dieses Kapitel so gar nicht zu den anderen passt. Ich habe mich gefragt ob du das nicht als Prolog am Anfang des Buches einbauen könntest. Oder hattest du schon einen Prolog? Ich gucke es gleich mal nach.


    Den letzten Abschnitt wo die Fürsten ihren fluch androht fand ich auch richtig gut gelungen und der lässt spannendes erwarten :nummer1:

  • Hey Kirisha,


    ich finde auch, dass sich die Überarbeitung gelohnt hat. Hier nur noch ein bisschen Kleinkram:



    LG,

    Rainbow

  • Hi Kirisha


    so ich habe nun endlich mal Kapitel 1 komplett fertig gelesen :)


    Murissa kommt für mein Empfinden etwas naiv und verträumt rüber, find ich ganz gut, das gibt ihr einen Charakter der heraussticht :) und so locker und unbeschwert wirkt.


    Deinen Schreibstil find ich sehr angenehm zu lesen.


    Mir sind so ziemlich die ähnlichen Themen aufgefallen, wie die anderen schon erwähnt hatten. Das Thema, wie sie in den See eintauchen, die Sache mit, dass der See gerade wie ein tiefes Meer laut deiner Beschreibung rüberkommt, als Murissa auf Tauchgang geht.


    Sehr schön finde ich hast du die Verwandlung zum Meermädchen beschrieben, wie ihre Flosse entsteht und sie plötzlich durch ihre neu gewachsenen Kiemen atmen konnte.


    Ich kann mir noch so gar nicht richtig vorstellen, wie Turris so ist, wenn er aktiv in Szenen vorkommt. bin ich echt mal gespannt, weil er wirkt nicht so wie ein Typ in den man sich so verguggt, vor allem nicht so eine Süßi wie Murissa. :love: :D


    Ich fande auch richtig gut, dass Murissa sich mit ihren Kräften gegen Klymera zur wehr gesetzt hat, das kam für mich relativ überraschend, da ich Murissa nicht so als Kämpferin gesehen hab, aber das gab Pluspunkte :)


    In dem Kapitel hast du einige Fragen in mir geweckt, die ich gerne beantworten würde... also weiterlesen :D Was hat Murissa im Totenreich gemacht, in was für einen Krieg/Kampf ist Turris mit seinen Geisterhaien gezogen?

    Irgendwie denke ich, dass ich Details nicht erfahren, die aus dem ersten Teil kommen. Mal schauen ggf. werden ich mir den ersten Teil noch durchlesen, da ich, wenn mir eine Geschichte gefällt eig. jedes Details darüber wissen will, jedes Geheimnis. XD


    Ich versuche langsam dran zu bleiben.


    Grüße

    Remoni


    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.
    Mahatma Gandhi

  • Euch allen vielen lieben Dank für eure Anmerkungen!


    Litu

    Rainbow

    Remoni


    Nun werde ich euch mal nicht weiter mit der Fürstin nerven. Es geht weiter in der Handlung.

    M4. Tempeltumult

    Murissa


    Ich flüchtete auf meinem treuen Flugpferd durch die Luft. Fort von unserer Peinigerin.

    Vielleicht hätte ich froh sein sollen darüber, dass ich zuerst den wilden Feen und jetzt auch noch der Feuerhexe entkommen war. Aber tief im Inneren breitete sich in mir eine Traurigkeit aus, die bis in meine allerkleinsten Adern hineinsickerte.

    Was für eine niederschmetternde Bilanz, dachte ich. Turris, von dem ich so lange geträumt und geschwärmt hatte, und der bei Licht besehen noch immer meine Gedanken beherrschte – er war also nicht nur ein Wassersatan, wie Klymera das genannt hatte, sondern auch noch ein Betrüger, der den versprochenen Lohn nicht zahlte. Und so einem verdorbenen Elgo ... Verbrecher ... Monster ... hatte ich mein Herz geöffnet. Je weiter ich flog, und je hässlicher sein Bild unter meiner Enttäuschung zersplitterte, desto schwerer wurde mir das Herz und desto nasser auch das Gefieder meines Fliegers, das ich unter meinen Tränen ertränkte.

    Und jetzt? Wohin sollte ich fliegen? Sollte ich wirklich Turris aufsuchen und ihm den Schlüssel bringen, den ich auf meiner Reise über die Landesgrenze so schwer erobert hatte? Einerseits fand ich, er hätte diese Chance verdient und der Schlüssel würde das Dämonische an ihm vielleicht einfach wegzaubern ... und wenn es stimmte, was Klymera behauptete, dass seine Familie in Tandra wohnte, dann wüsste ich ja auch, wo ich ihn finden würde. Andererseits wurde mir immer deutlicher, dass diese Fantasien darüber, Turris könnte wieder der nette junge Prinz werden, als der er mir anfangs erschienen war, jeglicher Grundlage entbehrte. Und ich mir nur Stress einhandeln würde. Nein, ich sollte nicht versuchen, ihn zu treffen. Selbst Klymera fürchtete ihn und die war nun wirklich eine abgebrühte Mörderin! Außerdem würde dieser Meereszauber ihm wahrscheinlich gar nicht erlauben, sich zu weit von der Magie des Nebelmeeres zu entfernen. Sodass er gar nicht nach Tandra zurückkehren könnte, selbst wenn er wollte.

    Wie trist mir das Leben auf einmal vorkam, eine prinzenlose und liebesleere Einöde, in der es kaum Sinn machte, sich überhaupt irgendwohin zu bewegen.

    Reiß dich zusammen, Murissa.

    Also wohin? Heim, nach Aravenna? Ich sehnte mich danach, meine Mutter wiederzusehen. Aber erstens war mir der Zutritt zu der Stadt verwehrt und zweitens wäre ich allen nur eine Last. Nein, dorthin zurückkehren könnte ich wohl nur mit einem Koffer voller Hellonen, den ich dann mitten in der Tischlerwerkstatt auskippen würde. Ich schätze, nach solch einem Auftritt würde sogar mein Stiefvater mich mit Handschlag begrüßen und mir persönlich einen Platz an seinem Mittagstisch anbieten...

    Dummerweise besaß ich nicht einen einzigen Taler, von einem ganzen Koffer derselben mal ganz zu schweigen und die Vorstellung, es könnte sich mal einer in meine Hände verirren, würde wohl ewig ein Traum bleiben.

    Nein. Nicht nach Aravenna. Ich käme sowieso nicht in die Stadt hinein, wo sie mich damals hinausgeworfen hatten. Tja, auch in keine andere Stadt würde ich eingelassen. Wahrscheinlich würde ich als Bettlerin vor irgendwelchen Toren dahinvegetieren müssen. Falls es Klymera nicht einfiel mir nachzufliegen, um sich für diese kleine Wasserdusche noch an mir zu rächen. Das hätte ich besser lassen sollen.

    Bis mir einfiel, dass es Sinn machen könnte, dem Tempel von Tandra einen Besuch abzustatten. Turris´ ominöse Auftraggeberin, die Priesterin, hatte doch für das Überqueren des Nebelmeeres eine anständige Belohnung versprochen, für die ich mich ohne Zweifel qualifiziert hatte. Dorthin würde ich fliegen und diesen Lohn abholen. Was für ein Gefühl! Ich würde vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben richtige Hellonen in die Hand bekommen ohne dafür zu betteln oder zu klauen. Sofort hellte sich meine Stimmung ein wenig auf. Allerdings ... Turris stammte aus Tandra. Wenn ich Pech hätte, könnte ich ihn am Tempel treffen. Er würde seine Priesterin doch sicherlich ebenfalls besuchen.

    Aber den Gedanken schob ich beiseite. Da müsste ich schon sehr viel Pech haben, wenn er mir in ausgerechnet der Sekunde üer den Weg liefe, in der ich mich ausbezahlen ließ.

    Warum tat das so weh, sich das vorzustellen? Warum hatte ich in meinem Kopf seinen kecken Blick mit der wuschigen Pferdemähne abgespeichert und nicht das andere Bild, in der er seine wahre Fratze gezeigt und mich fast zu Tode erschreckt hatte?

    Ich versuchte, diese quälenden Erinnerungen so weit nach hinten in meinen Schädel zu verbannen wie es nur ging. Das Thema Turris war durch. Ich würde nach Tandra fliegen, mir meinen Lohn abholen und versuchen, mich damit in irgendeine Stadt einzukaufen. Nein, nicht nach Tandra. Irgendwoanders hin. Weit weg. Jetzt hatte ich ja ein Pferdchen, das mich in ein schöneres Leben tragen konnte,

    Aber um diese Belohnung abzukassieren, musste ich den Weg zurück nach Tandra und zu dessen Tempel erstmal finden. Langsam wurde mir klar, dass es für mich bereits ein Problem war, überhaupt nur diese Provinz anzusteuern. Welchen Weg ich fliegen sollte, wusste ich nicht – nur dass ich mich ungefähr in nördlicher Richtung halten musste. Aber wohin genau? Angesichts der weiten, sich praktisch bis ins Unendliche erstreckenden Wälder unter mir, den Bergketten zu meiner Linken und zu meiner Rechten und der zu meinen Füßen immer wieder hier und dort auftauchenden und wieder verschwindenden zahlreichen Wege war das eine erdrückend ungenaue Angabe. Wo im Norden? Mehr nordwestlich, mehr östlich? Sollte ich den einen oder anderen Berg überfliegen?

    Gegen Abend landete Kamamé auf einem breiten Waldweg und ich erkannte zu meiner großen Freude jenes Wirtshaus, in dessen Scheune ich damals genächtigt hatte, als ich mit den beiden Müllersleuten von Aravenna nach Tandra geritten war. Perfekt. Da war ich ja bereits auf dem richtigen Weg und musste jetzt nur noch der Straße folgen. Allerdings war vor dem Wirtshaus gerade eine Gruppe Reiter angekommen, die sich nach meinem Flugpferd fast die Augen ausstarrten. Ehe ich es mich versah, war ich umringt von groben Kerlen, die den Adlerschnabel meines Pferdes betatschten und seine Flügel in Augenschein nahmen.

    „Was ist das denn für ein Adler?“, fragte einer von ihnen und machte Anstalten, mich an meinem Bein herunterzuziehen. Kamamé bäumte sich auf und schlug mit ihren Vorderkrallen nach dem aufdringlichen Kerl, dann sprengte sie durch die Menge und wir flogen davon. Ein Stückchen weiter landeten wir in einem Waldstück, wo ich mich unter ihren Flügeln zur Nachtruhe bettete. Ich war unruhig. Wie sollte ich mein schönes Pferdchen verteidigen, wenn jeder, der es sah, es sofort besitzen wollte?

    Am folgenden Tag weigerte sie sich zu fliegen. Die Wunde am Bein hatte sich entzündet und sogar das Reiten schmerzte sie, weshalb wir genötigt waren zu Fuß zu gehen.

    Wer schon einmal mit nagendem Kummer im Herzen durch einen dunklen Wald gegangen ist, kann sich vielleicht vorstellen, wie ich mich fühlte. Wieso war es denn so schwer, Turris einfach zu vergessen? Hinter jedem Baum meinte ich ihn stehen zu sehen und je dunkler der Baum, desto düsterer die Fantasien – mal sah er aus wie einer dieser Dämonen auf dem Felsen mit aufgequollenen Bläschen am ganzen Körper, mal wie ein tödlicher schwarzer Schatten, dann wieder bildete ich mir ein, ihn im Morgennebel auf einer Wiese in den Himmel schweben zu sehen. In meinen Träumen versuchte ich mir auszumalen, diese Strahlung an ihm sei doch eigentlich nicht so schlimm oder vielleicht sogar gar nicht vorhanden gewesen. Während ich gleichzeitig genau wusste, dass es vorbei war. Und auch vorbei sein musste.

    Neben diesen dummen Fantasien hatte ich auch mit ganz realen Problemen zu kämpfen. Zu essen konnte ich praktisch nichts mehr auftreiben, sodass ich mich sehr schnell wieder in meinem üblichen chronischen Hungerzustand befand. Ich versuchte, den knurrenden Magen mit Gräsern und Kräutern zu besänftigen, die ich am Wegesrand fand. Kamamé mochte offenbar nur Fisch und verschmähte die bunten Waldblüten. Leider wusste ich noch genau, dass Seen in dieser Gegend nicht existierten. Mein Pferdchen ärgerte sich über diesen Mangel an Versorgungsmöglichkeiten derartig, dass es Wutanfälle bekam und mit seinem festen Schnabel plötzlich einfach in einen Baum hackte, der zu weit auf den Weg ragte. Ich bekam Angst, Kamamé könnte mir verhungern. Wir kamen nur langsam voran, weil wir uns vorsichtshalber versteckten, wenn ich nur von Weitem jemanden kommen sah.

    ***

    Ich war jedenfalls heilfroh, als endlich in der Ferne die Stadtmauern von Tandra auftauchten und die Baracken, welche die Bettler vor der Stadt gebaut hatten.

    Der Tempel der Priesterin lag etwas abseits der Stadt in einem weitläufigen Heidegebiet. Der Weg dahin war gesäumt von hohen Wacholderbüschen. Schon von weitem hörte ich lautes Stimmengewirr. Nach einer Weile verbreiterte sich der Weg, es ging durch ein hölzernes Tor und ich sah den hohen Tempel vor meinen Augen. Das Gebäude war aus schwarzem Holz erbaut und besaß nur wenige schmale Fenster. Das Eingangsportal lag erhöht auf einer Treppe und war von zwei dicken Säulen umrahmt – ebenfalls alles in Schwarz. Insgesamt kam es mir hier plötzlich sehr dunkel vor, da ein düsterer Nebel um das Gebäude herum alles Licht verschluckte und ich den Eindruck bekam, die Nacht wäre unerwartet hereingebrochen. Das wunderte aber offensichtlich niemanden außer mir. Auf dem Hof war reges Treiben. Dort standen drei Kutschen mit goldbeschlagenen Rädern und Türen, um die herum Scharen von Höflingen in bunten Kleidern liefen. Außerdem hielt sich eine Truppe von bestimmt hundert Soldaten in den gelben Uniformen der Provinz Tandra bereit, in Reih und Glied, als wollten sie gleich zu einem Auftrag losreiten. Damen mit glitzernden Perlen im Haar und kostbaren samtenen Kleidern kreuzten meinen Weg. Vor dem Tempeleingang standen Gardesoldaten in glänzenden Uniformen voller Ehrenzeichen und mit silbernen Kordeln. Ich dagegen in meinem mittlerweile sehr verstaubten ehemals gelben Umhang und der schmuddeligen Leinenhose kam mir vor wie eine Landstreicherin. Ich bekam Angst, sie könnten auf mein schönes Pferd aufmerksam werden. Deshalb drückte ich mich unauffällig zur Seite, hinter eine Reihe von Wacholderbüschen, um keine Begehrlichkeiten zu wecken und die Herrschaften nicht zu irritieren. Vielleicht wäre das nicht nötig gewesen. Sie sahen mich ohnehin nicht, weil Leute wie ich in ihrer Welt nicht existierten. Sicherheitshalber band ich Kamamé an einen dieser Büsche und schlich mich dann etwas eingeschüchtert zum Eingangsportal des Tempels.

    Das wurde bewacht. Fünf schwarz gewandete Tempeldienerinnen standen davor mit ernsten Mienen, die mir den Eintritt verwehrten. Die Fürstin sei gerade drinnen, sagten sie, ich müsse warten.

    Gut. Ich hatte Zeit. Geduldig hockte ich mich auf einen Stein auf dem Hof.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Hey Kirisha,


    das liest sich sehr gut, finde ich. Die Murissa-Teile scheinen dir immer etwas leichter von der Hand zu gehen, als die Penthesilea-Teile. (das ist zumindest mein Eindruck)


    Ich habe insofern gar nichts zu meckern. Hier nur ein bisschen Kleinkram, wo ich beim Lesen hängen geblieben bin und sonstige Gedanken ^^ :



    LG,

    Rainbow

  • Hallo liebe Rainbow und bei der Gelegenheit auch vielen Dank an Thorsten und an Litu

    für euer wertvolles Feedback per mail!

    Ich zerhacke mich im Moment selbst, da ich gerade ein erstes Feedback vom Verlagslektor für Band 1 bekam und das entsprechend bearbeiten muss (er will, dass ich ALLE Inquit-Passagen umformuliere in bildhafte Beschreibungen! und dass ich mich kürzer und prägnanter fasse - ahem), außerdem überarbeite ich ja mit eurer Hilfe Band 2 (hier) und eigentlich schreibe ich außerdem auch noch gerade Band 3 komplett neu und das ist absolut total faszinierend (habe seit September 70.000 Wörter geschrieben), würde am liebsten die ganze Zeit nur schreiben und will vor allem damit nicht aufhören, bevor ich dieses komplizierte Finale nicht voreinander bekommen habe, was mir aber nicht so leicht von dern Fingern laufen will! Ja, ich weiß, immer diese selbst geschaffenen Probleme.

    Schaffe ich schon. Irgendwie.


    Echt jetzt? Der Tempel liegt außerhalb der sicheren Stadtmauern? :hmm:

    Vielleicht wäre eine kurze Erklärung sinnvoll...was weiß ich, dass der Tempel ein Ort der Stille und des Gebets ist und deshalb fernab des Trubels der Stadt erbaut worden war, dass er aber dennoch für jedermann zugänglich sein soll...irgendwie so.

    Ja! Ich weiß. Ich musste ihn nach draußen verfrachten, weil sonst Murissa ja nicht hineingekommen wäre. Ich versuche das noch besser zu erklären.



    und hier geht es nun weiter:


    4.1 Tempeltumult

    Der Tempel summte und surrte, als wäre er voller Bienen. Das war auch in Aravenna so, meiner Heimatstadt. Die meisten starken Zauber verursachten solche Geräusche und davon benutzten sie an den Tempeln ständig welche. Bald hörte ich jedoch auch noch anderes, nämlich ein dumpfes Stimmengewirr von drinnen, laut und aggressiv. Am lautesten war eine schrille Frauenstimme. Stritt sich die Fürstin mit der Priesterin? Aber solche Angelegenheiten gingen mich nichts an. Ich hoffte nur, sie würden ihre Diskussion bald beenden, damit ich mein Anliegen vortragen konnte.

    Knarrend öffnete sich eine Nebentür des Tempels und zwei Gestalten in schwarzen Umhängen huschten hinaus. Während sie an mir vorbei hasteten, hörte ich sie miteinander reden.

    „Hat die Fürstin wirklich verlangt, einen Totengeist zu erschaffen?“, murmelte eine ältere Hexe.

    „Sie war vermutlich nie an Orten, wo einer spukt“, erwiderte die andere, „Zum Glück ist die Priesterin klug genug, sie in ihre Schranken zu verweisen.“

    Schon wirbelte der schwere Stoff ihrer Umhänge an mir vorbei und die beiden Hexen verschwanden hinter dem Tempelgebäude.

    Mir wurde unheimlich zumute. Totengeister ... In meiner Heimatstadt gab es einige spukige Plätze, die nicht mal die waghalsige Zorla zu betreten wagte. Zum Beispiel die frühere Kneipe Ochsenglück. Eine Kellnerin namens Hilla war dort von einem Gast vergewaltigt und getötet worden. Die Untat hatte das resolute Mädchen rasend gemacht. Ihre Seele verwandelte sich in einen Totengeist, der seitdem nachts den Schankraum heimsuchte. Die Kneipe war längst geschlossen, denn Hilla ließ drinnen kein Brett auf dem anderen. Manchmal erschien ihr Geist auch am hellen Tag auf der Straße, wo sie Passanten zu Ohnmachtsanfällen oder Hunde zur Raserei brachte.

    Wer würde wohl auf die irrsinnige Idee kommen, absichtlich solches Unglück zu erschaffen?

    Nun bewegten sich die Wächterinnen vor dem Tempeleingang. Sie traten zur Seite und bildeten ein Spalier. Aus dem Inneren trat eine Gestalt ins Freie, die aussah wie einem Märchen entsprungen. Es war eine resolute Dame mit goldblondem Lockenhaar. Sie war eingehüllt in ein fluffiges gelbes Spitzenkleid mit Spitzen an den Ärmeln und eingestickten Edelsteinen auf den Schultern und in Brustmitte. Der Stoff ihres Kleides fiel in seidigen Wellen bis auf den Boden und raschelte leise bei jeder ihrer Bewegungen. Während ihre königliche Garderobe mir komplett den Atem verschlug, erschrak ich mich vor dem verzerrten Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ihre Augen glühten wie Kohlen in einem Kamin, darüber wölbte sich ihre Stirn in grotesken Zornesfalten. Grimmig öffnete sie ihren Mund wie das Maul eines Drachen, der gleich Feuer speien wird.

    Die Fürstin von Tandra.

    Eilig hastete sie in Richtung der größten Kutsche. Die Hofdamen erwarteten ihre drachenhafte Herrin sichtlich eingeschüchtert, knicksten tief vor ihr und ihre schmeichelnden Stimmen säuselten wie Balsam durch die Luft. Das kümmerte die Fürstin wenig, deren Stimme messerscharf über ihre Köpfe gellte.

    Wenig später kam der Fürst ihr hinterher, ein gedrungener Mann in einer glänzenden gelben Uniform. Auch er schien sehr erregt. Mit schnellen Schritten lief er ihr hinterher und holte sie ein.

    „Jetzt komm zu Verstand. Wenn wir in Ruhe darüber diskutie ...“

    „Schwächling!“ Sie drängte sich an ihm vorbei. „Wäre ich Heerführerin an deiner Stelle, dann wären wir jetzt schon im Krieg! Wenn du dafür zu feige bist, werde ich eigene Lösungen finden!“

    Schon hatte sie die Kutsche erreicht, hob den langen Saum ihres Kleides und stieg hinauf.

    Der Fürst stand einen Augenblick ratlos, doch dann folgte er ihr schweigend. Kurz darauf setzte sich die Kutsche in Trab.

    Totengeister erschaffen? Krieg führen? Lösungen finden? Plötzlich war ich froh darüber, dass ich keine Probleme von derartigen Dimensionen wälzen musste.

    Außerdem war der Tempel nun wieder frei. Ich meinte das Aufatmen des dunklen Gebäudes zu hören, das sich nach der Abfahrt der anstrengenden höfischen Gäste erleichtert zurücklehnte.

    Die Wächterinnen vor der Eingangstür winkten mir, dass der Weg nun frei war und ich eintreten durfte. Ich beeilte mich, ihnen zu folgen. Es ging eine Treppe hinunter.

    Im Tempel war es wie üblich so dunkel, dass ich kaum die Hand vor Augen sah. Unten angekommen, öffnete sich vor uns ein Torbogen zu einer hohen unterirdischen Halle, in deren Zentrum eine riesenhafte durchsichtige Kristallkugel stand, die so groß war wie eine solide Hütte und in bläulicher Strahlung glänzte. Eine Schar schwarzgewandeter Tempeldienerinnen wurde von den Strahlen beleuchtet, die durch das fahle blaue Licht unwirklich wie Geister aussahen. Vor der Kugel stand, wie ich annahm, die Priesterin des Tempels, erkennbar an der gelben Schärpe und dem glänzenden Priesterinnenstirnband in ihren Haaren, an dem ein silberner Skorpion prangte. Offensichtlich handelte es sich dabei um das Wappentier ihrer Göttin.

    Sie war eine Elgo, wie ich zu meiner Überraschung feststellte, deren Mähne lang zur rechten Seite abfiel. Zwei tiefe Falten über der Stirn und einige um die Mundwinkel verrieten, dass sie nicht mehr jung war, und gerade jetzt befand sich ihre Stimmung ziemlich im Keller, denn ein müder, bitterer Ausdruck lag um ihre Augen.

    Schweigend wandte sie sich wieder ihrer Kristallkugel zu und kniete davor nieder. Sofort wurde das Leuchten der Kugel kräftiger, ich sah schwarze und tiefblaue Strahlen in alle Richtungen fallen. Mehrere Säulen im hinteren Teil der Tempelhalle wurden dadurch erhellt und ich erkannte die riesenhaften Skorpione, die darauf in Stein gemeißelt waren und aus deren geöffneten Mäulern ebenfalls blaue Strahlen schossen. Das schüchterte mich etwas ein und mich überfiel das drängende Gefühl, dieses magiedurchglühte Haus lieber schnell wieder zu verlassen.

    Jetzt aber, Murissa, versuchte ich mir selbst Mut zu machen. Ich musste die Gelegenheit beim Schopfe packen und mit ihr reden. Es ging um meine Belohnung und also quasi um meine Existenz. Um die Möglichkeit, dass ich ab sofort vielleicht keine Bettlerin mehr sein würde! Ein wenig Hoffnung hatte ich: Immerhin war sie eine Elgo. Wie ich. Vielleicht könnte ich dadurch bei ihr punkten. Ich nahm allen Mut zusammen, ging zu der Treppe hin und stapfte bis zu der Kristallkugel hinauf, vor der die Priesterin immer noch hockte. Die blauen Strahlen blendeten mich und ich fühlte mich merkwürdig schwach in den Beinen. Verlegen räusperte ich mich.

    „Ähm… ehrenwerte Priesterin Beringlida, verzeiht, dass ich störe“, stammelte ich leise und nervös. Sie drehte sich zu mir und zog die Augenbrauen hoch.

    „Ich … äh … hab Euren Auftrag erfüllt“, brachte ich hervor, wobei mir grässlich heiß um die Wangen wurde, weil sie mich so verärgert anblickte. „Ich habe die Grenze zum Nebelmeer überquert, wie von Euch gewünscht. Das ist übrigens gar kein Meer, sondern bloß ein Fluss. Auf der anderen Seite habe ich eine fremde Königin getroffen, die mächtiger war als alle Zauberinnen unseres Landes. Sie hat mir ein fliegendes Pferd geschenkt! Und mir den Weg zum Königsring gezeigt.“

    „Fliegendes Pferd. Fremde Königin. Mächtiger als alle Zauberinnen unseres Landes!“ Die Priesterin schnaubte verächtlich. Obwohl ich diesmal ganz entgegen meiner Gewohnheit nichts als die reine Wahrheit erzählte, hielt sie offenbar jedes einzelne Wort für erlogen.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

    3 Mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hey Kirisha,


    oh je... das Ende dieses Parts lässt ja schon Böses erahnen. Bin gespannt, inwiefern sich Murissa in diese ganze Angelegenheit hineinziehen lässt und wie die Priesterin letztlich auf ihr Gerede hinsichtlich des "Auftrags" reagieren wird :gamer:


    Meine Gedanken und sonstige Anregungen packe ich mal in den Spoiler:



    LG,

    Rainbow

  • ch frage deshalb, weil das für mich ein paar Fragen aufwirft. Ich frage mich, warum der Fürst und die Fürstin Dienstboten mit zum Tempel nehmen sollten. Weil sie glauben, dass sie deren Unterstützung gebrauchen können? Für den Fall, dass sie Aufgaben deligieren müssen? Nimmt man nicht vielleicht eher so was wie eine Leibgarde mit, anstelle von Kammermädchen? Und für den Fall, dass sie die Leute nicht mitgebracht haben, fragt man sich, was die da alle an dem Tempel zu suchen haben... ist das so was wie eine öffentliche Gebetsstätte, weshalb sich dort viele Menschen herumtreiben? Aber dann wären es ja sicher nicht nur Höflinge :hmm:


    In meinen Augen kommt es ein bisschen seltsam rüber, dass die da alle reinströmen, wenn die Fürstin und der Fürst offenbar mit der Priesterin eine brisante Angelegenheit zu klären haben.

    Du hast recht. Da muss ich mir noch was einfallen lassen.

    besser gefallen, wenn die Priesterin etwas mehr Autorität ausstrahlen würde.

    Einverstanden. Vielleicht lässt sich da was machen.


    Danke!

    Auch nochmal ein herzliches Dankeschön an Litu und an Thorsten für eure Anmerkungen, die ihr mir geschickt habt!


    Und hier geht es jetzt weiter:


    4.2 Tempeltumult

    „Das ist wirklich so gewesen!“, bekräftigte ich. „Ihre Aura war so heftig, dass ich darunter in die Knie gehen musste! Sowas ist mir noch nie passiert. Und sie hat gewaltige Strahlung geworfen.“

    „Sie hat dir den Weg zum Königsring gezeigt? Warum sollte irgendwer fragen, wo sich der Königsring befindet?“, polterte die Priesterin unwirsch. „Alle wissen, wo er ist. Alle wissen, dass er für uns verloren ist. Kein Mensch wird ihn jemals wieder berühren können!“

    „Ich hab mich unklar ausgedrückt. Ich meinte den Schlüssel, mit dem man den Ring holen kann. – Warum seht Ihr mich so feindselig an? Ich habe Euren Auftrag ausgeführt! Sogar mein Leben dafür riskiert!“

    Die Priesterin stand langsam auf und stemmte die Hände in die Seiten. Ihre dichte dunkelbraune Pferdemähne stellte sich steil auf. „Was lässt dich glauben, ich hätte solch einen absolut sinnlosen Auftrag vergeben?“

    „Turris hat mir gesagt, dass Ihr seine Auftraggeberin seid. Ihr seid doch hier die Priesterin“, erklärte ich etwas verwirrt. „Vielleicht ist er schon zurückgekommen? Aber ich glaube, er wird länger brauchen als ich, weil er ja nicht fliegen kann.“

    Sie funkelte mich wütend an. „Und wer soll Turris sein? Es gibt niemanden in Tandra, der so heißt und ich vergebe keine sinnlosen Aufträge. Jetzt hör mir mal gut zu“, fauchte sie. „Mir türmen sich die Probleme bis über meinen Stirnreif und ich habe keine Zeit, mir Absurditäten anzuhören! Verstanden?“

    Sie tippte mit der Hand auf ihr silbernes Priesterinnenstirnband und kehrte mir dann abrupt den Rücken. Ich stolperte rückwärts. Das war ganz entschieden unfair. Was war mit meiner Belohnung, die ich mir doch nun wirklich hart und unter lebensgefährlichen Umständen verdient hatte? Und wieso behauptete Turris, die Priesterin hätte ihn beauftragt und es gäbe fantastische Belohnungen, wenn das gar nicht stimmte? Ich hätte ihm kein einziges Wort glauben dürfen. Anscheinend war alles gelogen, was er mir jemals sagte!

    Immerhin bedeutete das, er wohnte nicht in Tandra. Das war das einzig Positive dieser Nachrichten. Ich würde ihm hier garantiert nicht begegnen.

    Langsam schlurfte ich zum Ausgang zurück.

    So ein Mistkerl. Er hatte gar nicht vorgehabt, mich zu bezahlen. Die Geschichte von der Priesterin war erlogen und wahrscheinlich auch der ganze Rest. Er war kein besonderer Jüngling, der all mein Herzklopfen verdiente – nur ein gemeiner Hund! Der Schmerz bohrte sich immer tiefer und tiefer in meinen Magen und begann dort zu rumoren und zu stechen.

    Irgendwie kam ich die Treppe wieder hoch und stand kurz darauf schon wieder draußen vor dem Tempel. Ich fühlte mich niedergeschmettert. Konnte genauso gut wieder von hier verschwinden.

    Mit einem dumpfen, bleiernen Gefühl im Magen ging ich zu dem Wacholderbusch zurück, an dem ich mein Pferdchen festgebunden hatte. Doch es stand nicht dort. He… wohin war meine Kamamé verschwunden? Ich hatte sie doch extra angebunden? Keine Spur von ihr.

    Sie stand nirgends. Nur das Band war noch da, mit dem ich sie angebunden hatte. Zerschnitten.

    Jemand hatte meinen Göttervogel geklaut!

    Ich ballte die Fäuste. Hätte es ahnen sollen. So ein feines, ungewöhnliches Tier hätte ich keine Sekunde alleine lassen dürften! Fassungslos schaute ich mich um, rannte einmal ganz um den Tempel herum, blickte hinter jeden Busch, jeden kleinen Strauch.

    Nichts!

    Wer hatte das getan? Bestimmt eine der Tempeldienerinnen, die überall in und um den Tempel herum wuselten! Wenn ich schnell war, fand ich sie hoffentlich wieder. Wutschnaubend rannte ich zum Tempel zurück, wurde aber von den Wächterinnen vor dem Eingang zurückgedrängt.

    „Jemand hat mein Pferd geklaut“, keuchte ich atemlos. „Lasst mich durch, ich muss das der Priesterin melden!“

    Drohend bauten sich zwei der schwarzgekleideten Hexen vor mir auf, mit einem Ausdruck in den Gesichtern, als hätte ich ihnen Gift ins Abendessen gemischt.

    „Du hast unserer Herrin schon genug Zeit geraubt“, herrschte die Größere von beiden mich an. „Wir haben Befehl, niemanden mehr hineinzulassen. Glaubst du, die Priesterin hätte nichts Besseres zu tun als sich die Spinnereien von Vagabunden anzuhören? Verschwinde, Landstreicherin!“

    Ich spürte die Wucht ihrer Worte wie eine Ohrfeige und wich unwillkürlich zurück.

    Aber einfach klein beigeben und mich damit abfinden, dass irgendeine gewissenlose Tempeldienerin das netteste und einzige fliegende Ross stahl, das ich je besessen hatte und je besitzen würde – das konnte ich nicht ertragen.

    „Das Vogelpferd gehört mir und ich verlange es zurück!“, forderte ich und ballte die Fäuste, „ihr müsst mich einlassen!“

    Die Wangen der vordersten Wächterin nahmen eine so tiefrote Farbe an, als wollten sie demnächst in Flammen aufgehen.

    „Was denn nun – Vogel oder Pferd?“, witzelte eine der Dienerinnen aus der hinteren Reihe und lachte.

    „Die Kleine will uns zum Narren halten“, erwiderte eine andere kalt. „Entfernen wir sie!“

    „Tu das. Sonst bekomme ich noch Ohnmachtsanfälle wie unsere Fürstin“, erwiderte die Anführerin und gab den anderen einen Wink.

    Im nächsten Moment waren zwei der Schwarzgewandeten bei mir und packten mich mit Griffen, die sich wie Eisenklammern anfühlten. Es ging in den Tempel hinein, doch nicht in die Haupthalle, sondern tiefer, in unterirdische Gewölbe hinab! Ich begriff auf der Stelle, dass dies der ganz falsche Weg war und ich Gefahr lief, hier nicht wieder heraus zu kommen. Wütend versuchte ich, mich ihrem harten Griff zu entwinden, aber die Tempelhexen schienen Kräfte zu haben wie Bären, sie zerrten mich unbarmherzig vorwärts, öffneten eine Bodenplatte, die fast wie ein Grabdeckel aussah und dann stiegen wir eine muffig riechende Treppe hinunter direkt in die Katakomben des Tempels. Ich fing vor Angst an zu schreien, flehte sie an, mir zu verzeihen, entschuldigte mich für jedes einzelne Wort, das ich gesagt hatte – aber ich hätte genauso gut gegen eine Wand reden können. Tiefer und tiefer ging es in einen unterirdischen Gang, an dessen rechter Seite eine Reihe von vergitterten Zellen lag. Eine davon öffneten sie und stießen mich grob hinein.





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  • Hey Kirisha,


    oh je. Murissas Pechsträhne scheint noch nicht vorbei zu sein. Das sind ja derzeit wirklich keine guten Aussichten für sie. Mal sehen, wie sie sich da wieder herausmanövrieren wird.


    Meine Anmerkungen und Gedanken, die mir beim Lesen kamen, packe ich mal in den Spoiler:



    LG,

    Rainbow

  • Danke liebe Rainbow für deine Anmerkungen!


    Rainbow

    DANKE!!!


    Und hier geht es nun weiter:

    P5 Das gelobte Land

    Penthesilea


    Unser erster Eindruck: Überraschend!

    Das Land hinter meinem Magischen Tor sieht mehr oder weniger genauso aus wie jenes, wo wir unser Lager errichtet haben.

    „Und wo ist das Wasser?“, murrt die Schwimmergenerälin Arixes und starrt auf das kilometerweite Waldgebiet, das sich zu den Füßen unserer Flugtiere erstreckt. „Ein Drittel des Landes von Binnenseen bedeckt, hm? Wo denn? Ich sehe nicht mal einen Bach!“

    Sie wirft Naftare anklagende Blicke zu. Auch ich bin erstaunt. Hunderte, vielleicht tausende Totenseelen in dem erfrorenen Berg und alle waren Wasserwesen ... es müssten doch Spuren ihrer Familien, ihrer Herkunft zu finden sein?

    „Vielleicht gab es eine Trockenperiode“, meint die Nachtalbin achselzuckend. „In tausend Jahren kann viel passieren.“

    Wie um ihre Worte Lügen zu strafen, fängt es an zu regnen. Dicke Tropfen durchnässen unsere Umhänge und da ich mich von meinen arktischen Träumen noch nicht ganz erholt habe, bekomme ich das Gefühl gleich zu erfrieren.

    „Haltet Ausschau nach einer Siedlung oder einem Gasthaus“, rufe ich laut. „Dort wird man uns sicherlich erklären können, wo wir ihren König finden.“

    Weiter und weiter fliegen wir über dunkle Buchen- und Fichtenwälder. Unter uns wächst ein undurchdringlicher Dschungel aus Bäumen und Büschen. Die Gegend scheint allein der Natur zu gehören und zeigt nicht das geringste Zeichen davon, dass jemals ein menschlicher Fuß sie betreten hat. Das ist gut...

    Wenn wir eine Schneise durch diese Wildnis schlagen und hier einmarschieren, werden unsere zukünftigen Gegner uns nicht kommen sehen. Und sie können uns später auch nicht den Rückweg abschneiden. Wir werden für sie wie aus dem Nichts kommen und ins Nichts verschwinden. Und wir werden den Überraschungseffekt auf unserer Seite haben.

    „Wohnt hier überhaupt jemand?“, überlegt Goplea mit der Eidechsenhaut neben mir.

    Wie um uns zu beweisen, dass wir bald fündig werden, taucht unter uns ein abgebranntes Waldstück auf. Berge aus verkohlten Baumstämmen und noch dampfenden Glutresten starren uns entgegen. Als ich genauer hinsehe, erkenne ich mitten im Brandgebiet einige längliche Aschehaufen, die Überreste von Lebewesen sein könnten. Da Helme und Beile neben ihnen liegen, handelt es sich vermutlich nicht um Bauern.

    Also stimmt nicht einmal das Detail mit dem Land des Friedens. Alle Informationen, die unsere Schriften so akribisch bewahren, sind nicht mehr wert als der Rauch und die Aschefunken unter uns.

    „Hätte mich auch gewundert“, kommentiert Naftare, „tausend Jahre Frieden wird nie irgendein Land erleben.“

    Neben einem der Helme zischelt und flackert eine unbeugsame Flamme, die über die Metallklappe des Helmes zu tanzen scheint. Mir sträuben sich die Haare. Denn das ist kein gewöhnliches Feuer. Deutlich sehe ich die dichte, todbringende Strahlung von Schwarzmagie. Sie ist bereits am Erlöschen und bedeutet keine akute Gefahr für uns – noch nicht, aber in mir baut sich gerade eine Ahnung davon auf, was uns bevorsteht. Schwarzmagie, die mächtigste, effektivste Waffe der Hexenwelt. Natürlich sind auch wir darin unterrichtet, aber wir vermeiden solche, weil wir ja nicht töten wollen.

    Falls ich noch einen Beweis dafür gesucht habe, ob dieses Land uns gefährlich werden könnte, dann bin ich gerade darüber hinweg geflogen.

    „Haltet eure Sinne offen“, sage ich halblaut zu den Gefährtinnen. „Ich möchte den einheimischen Hexen ungern in die Hände fallen. Vielleicht haben sie irgendein Alarmsystem. Vielleicht sind wir schon hindurchgeflogen oder werden es gleich tun. Achtet auf jedes kleine magische Zeichen, das euch auffällt.“

    Unter uns weicht ein Teil des Dschungels einem glitzernden, halb von kleinen Blättchen und eingesunkenen Ästen bedeckten Moor. Ein Ozean ist weiterhin nicht in Sicht. Ich bin erleichtert. Auf einen Wasserkampf verzichte ich nur zu gern.

    Schweigend fliegen wir weiter. Es ist kalt und anhaltender Regen klatscht mir und meinen Botinnen um die Ohren. Und das im Spätfrühling, wo wir daheim schon glühende Hitze haben. Wir sind die Kälte nicht gewöhnt.

    Ein wenig hatte ich gehofft, wir würden recht bald einen Kriegsschauplatz überfliegen. In den letzten Jahren hat die Göttin uns häufig direkt in ein Schlachtfeld gelenkt. In eine bereits laufende Schlacht einzugreifen, in der niemand mit uns rechnet, bietet eine Menge Vorteile.

    Inzwischen sind wir schon so weit geflogen, dass wir, wenn wir erst einen Weg durch den Wald schlagen und mit Pferden und Echsen und dem ganzen Heer hindurchreiten wollen, bestimmt zwei ganze Tage oder mehr unterwegs wären. Zu weit weg für einen spontanen Angriff. Wir werden also gezwungen sein, unser Basislager zu verlassen, das durch die magische Grenze so wunderbar geschützt ist, werden mit dem Heer durch diesen Wald marschieren und könnten irgendwo, am besten am Rande dieses Gebietes, ein neues provisorisches Kriegslager aufschlagen. Von dem aus führen wir dann unseren Angriff. Hier wären wir relativ sicher, da die Landesbewohner sich ja anscheinend nie in diese so zu gewachsene Gegend verirren, und natürlich können wir uns noch hinter magischen Blenden verstecken. Ich werde die Göttin fragen, ob sie uns nicht einen Kampfplatz hier in der Nähe zuweisen kann.

    Endlich erreichen wir das Ende des Niemandslandes. Eine breite ausgetretene Straße quer zu unserer Flugrichtung ist das erste Zeichen einer Zivilisation, das wir antreffen.

    „Teilen wir uns“, schlage ich vor. „Fünf Kameradinnen fliegen mit mir nordwärts den Weg entlang, ihr anderen in die Gegenrichtung. Wir versuchen so viele Informationen zu sammeln wie möglich. Wie ihr alle wisst, interessiert uns vor allem der König, aber vielleicht könnt ihr auch etwas über ihre Hexen in Erfahrung bringen. Geht kein Risiko ein. Heute Abend treffen wir uns wieder im Lager.“

    Der gewundene Weg führt längere Zeit durch ein langgestrecktes Waldgebiet und trifft an einem Bach auf ein Wirtshaus.

    Scheinbar haben dort bereits viele Menschen Schutz vor dem anhaltenden Regen gesucht. Von unseren Flugpferden aus sehen wir ihre Reittiere vor dem Haus grasen.

    Wir sehen uns an und nicken einander zu.

    „Landen!“, rufe ich laut. Das lassen sich die Kameradinnen nicht zweimal sagen. Vorsichtshalber verstecken wir unsere Flieger jedoch an dem Bach im Wald nahe des Hauses, um mit den ungewöhnlichen Tieren kein Aufsehen zu erregen.

    Chelimea betritt das Gebäude als erste und öffnet die schwere Holztür. Drinnen schlägt uns verbrauchte und etwas verräucherte, aber warme Luft entgegen. In der Mitte des weiträumigen Gastraumes brennt ein Kamin. Alle vorderen Tische sind bereits besetzt. Ich überblicke kurz die Gäste – ausschließlich Erzeuger im gesamten Gasthaus. In allen Zielländern der letzten Jahre war es so. Sie halten ihre Frauen daheim, die dürfen das Haus nicht verlassen. Sklavinnen im eigenen Land, in der eigenen Hütte. Wenn ich so etwas nur sehe, überkommt mich Verachtung für alle diese Völker.

    Ich mustere die Herren. Große, muskulöse Gestalten mit langen Pferdemähnen, die bis auf ihren Rücken herunterhängen, sitzen hier und keine meiner Kriegerinnen schafft es, an ihnen vorbeizugehen ohne zu glotzen. Ganz ohne Zweifel gehören sie zum Volk der Elgo wie Murissa. Sie sind sehr groß, jeder von ihnen überragt mich sicher um mindestens einen Kopf. Selbst meine Orkas, welche die kräftigsten Kriegerinnen in meinem Heer sind, sehen neben diesen Erzeugern plötzlich klein und schlank aus.

    Ich befehle meinen Botinnen, sich unauffällig einen freien Tisch zu suchen, die Erzeuger nicht so aufdringlich anzustarren und die Ohren aufzusperren. Gleichzeitig spitze ich meine inneren Sinne, um nach Strahlung zu spüren. Leider findet man so etwas bei Männern so gut wie nie. Sogar brauchbare Magievererber sind meistens selbst unmagisch. Daher ist es praktisch, dass wir Methoden kennen, um diese Exemplare trotzdem zu erkennen. Denn die sind es, die wir in erster Linie erobern wollen.

    Goplea klemmt sich inzwischen an einen der hinteren Tische, an dem noch drei Plätze frei sind. Chelimea drängelt sich mit ihrer mächtigen Gestalt bis an die Theke. Naftare nimmt mit zwei Gefährtinnen nahe am Kamin Platz. Dahin verkrieche ich mich auch, denn die Kälte ist schon durch meinen ganzen Körper gekrochen. Ich bin so durchgefroren, dass meine Finger und Zehen schmerzen, weshalb ich sie ununterbrochen knete. Während Chelimea sich an der Theke aufbaut, heiße Krabbensuppe für uns alle bestellt und dem Herrn Koch umständlich erklären muss, was wir damit meinen, spitze ich die Ohren und lausche einem Gespräch von Rittern am Nachbartisch.

    Diese unterhalten sich lautstark über irgendwelche Turniere bei einem gewissen Dämonenberg, bei welchem sich eine Reihe von anscheinend sehr berühmten Leuten angemeldet hätte.

    „Der Fürst veranstaltet das Turnier zu Ehren seines Sohnes“, raunt jemand. „Wie ich hörte, hat er ein diamantenbesetztes Schwert als Siegpreis ausgelobt!“

    Ein anderer fügt hinzu: „Ich hörte etwas von einem Goldkelch. Ich glaube, es wird sich lohnen hinzureiten. Auch wenn man zunächst draufzahlt, weil sie da oben immer ein horrendes Eintrittsgeld verlangen.“

    „Hat der Fürst neuerdings einen Sohn? Ich dachte er wär unverheiratet.“

    „Dafür muss man nicht verheiratet sein.“

    Lautes Gelächter erklingt. Sie stoßen an und die Gläser klirren.

    „Ich hörte, der neue Prinz entstammt dem alten Königsgeschlecht – und sei geraubt worden“, brummt jemand ganz in meiner Nähe. „Das riecht nach einem Plan. Vielleicht gibt es bald einen neuen König.“

    Das scheint eine besonders witzige Replik zu sein. Alle lachen und prosten einander zu. Jemand knurrt: „Schon eher einen neuen Krieg.“

    Ein älterer Herr, schon etwas angetrunken, knallt seinen Becher auf den Tresen. „Auf den neuen König!“

    „Auf die Zukunft!“

    Wieder klirren die Gläser und das Gelächter erfüllt die gesamte Kneipe.

    Mein Plan, den ich mir im Kopf schon so klar ausgemalt hatte – denn es ist derselbe, nach welchem wir bisher in allen Feldzügen vorgegangen sind – zersplittert in tausend Schwerben. Wie, es gibt nicht mal einen König? Wen soll ich denn dann angreifen?

    Ich notiere mir in Gedanken:

    - unruhiges, kriegsgewohntes Land

    - Den mächtigsten Fürsten ausfindig machen, den ich anstelle eines Königs massakriere.

    - herausfinden, wo diese Schlacht stattfinden könnte, von der sie sprachen.

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  • Hey Kirisha,


    der Teil hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mir das alles richtig gut vorstellen und vor allem die Situation, wie die Amazonen da in dieses Wirtshaus marschieren, um Informationen zu sammeln, kam gut. :thumbsup:


    Hier nur ein bisschen Kleinkram und sonstige Anmerkungen:



    LG,

    Rainbow

  • Liebe Rainbow , danke für deine wieder mal sehr hilfreichen Anmerkungen!

    und hier geht es jetzt weiter:

    P5b Das gelobte Land

    Chelimea kehrt mit leeren Händen vom Tresen zurück und setzt sich uns gegenüber, wobei sie die langmähnigen Herren auf ihrer Sitzbank energisch zur Seite drängt. „Hier gibt es keinen Fisch“, knurrt sie, wobei sie die sakrale Sprache benutzt, die hierzulande geläufig ist. Das haben wir so besprochen, damit wir nicht als Fremde auffallen. Sie muss laut sprechen, damit wir sie in dem pladdernden Stimmengewirr überhaupt hören.

    Leiser fährt sie fort: „Das scheint hier kompliziert zu werden. Ich fragte nach ihrem König und bekam nur dumme Blicke. Wer der mächtigste Fürst ist, konnte ich auch nicht herausfinden!“

    Ich beschließe selbst Leute auszuhorchen. Irgendwelche Informationen müssen wir hier doch bekommen,die uns weiterbringen. Außerdem ist mein Körper dabei aufzutauen und ... nun, ich gebe es zu, die ungewohnte Nähe zu solch einer Menge Erzeuger macht mich unruhig. Es ist mir unnmöglich weiter still zu sitzen.

    Ich sehe, dass sich auch meine Gefährtinnen erhitzen und die Kerle etwas zu offensichtlich mustern. Sehr lange sollten wir hier nicht verweilen.

    Ich dränge mich an den Tischen vorbei und schwinge mich auf einen langbeinigen Hocker, der vor der Theke steht. Der Wirt ist damit beschäftigt, Bier einzuschenken.

    „Wen haltet Ihr für den mächtigsten Landesfürsten?“, frage ich meinen Nachbarn. Es ist ein junger Kerl in verstaubter Uniform, zwei Langschwerter hängen um seinen Rücken.

    „Was ist das denn für eine Frage für eine Dame?“, gibt er zurück. Seine Augen beginnen zu funkeln und tasten mich ab. Ich gebe ihm einen eisigen Blick zurück, zusammen mit einem magischen Funken, den ich aus meinen Fingerkuppen gegen seine Brust fliegen lasse und der dasselbe eisige Gefühl auch auf seiner Haut ausbreiten wird. Ich hoffe, das genügt, um seine Gedanken nicht in die falsche Richtung abdriften zu lassen.

    „Geht zum Dämonenberg, wenn Ihr Ritter kämpfen sehen wollt“, ergänzt er schließlich, „ist ja nicht weit von hier.“

    Dämonenberg, notiere ich in Gedanken.

    Während ich noch überlege, ob ich ihn nach dem Weg frage oder das lieber lasse, um mich durch meine Unwissenheit nicht auffällig zu machen, spüre ich ein warmes, drängendes Gewicht auf meinem Oberschenkel. Er wagt doch tatsächlich mich zu betatschen.

    „Finger weg“, raunze ich ihn an. Er hebt amüsiert die Brauen. Offensichtlich hat er beschlossen, mich in dem Krach misszuverstehen – überall um uns herum lachen, plaudern und grölen Leute. Seine Hände graben sich noch etwas kräftiger in meine Schenkel.

    „Du kleine Zuckermaus“, raunt er in mein Ohr, „na, was meinst du? Gehen wir nach oben?“

    Willst du wirklich wissen, was ich meine? Schade, dass ich meinen Leuten gerade eingeschärft habe nicht herumzuhexen, damit wir nicht auffallen. Aber dieses Problem kann ich auch anders lösen. Ich trete einmal schwungvoll gegen seinen Hocker, bringe ihn zu Fall und der ganze kräftige Kerl poltert zu Boden. Die zahlreichen Schnallen und Waffen an seinem Gurt scheppern. Zwei unserer Nachbarn lachen. Der Elgo kommt wieder hoch, zieht seine Uniform zurecht, prüft, ob sein Helm noch auf dem Tresen liegt. Mit geröteter Stirn starrt er mich an, doch nicht so zornig, wie ich erwartete.

    „Was ist los mit dir“, poltert er, „kannst du nicht aufpassen, wohin du deine Beine streckst?“

    Heilige Kamamé, er kommt nicht einmal auf die Idee, ich könnte ihn mit Absicht umgerempelt haben.

    „Wenn du deine Hände nicht im Zaum halten kannst, garantiere ich auch nicht für meine Beine“, gebe ich kühl zurück.

    Er schiebt seinen Hocker wieder unter sein Gesäß und kippt einen Schluck Bier in sich hinein.

    „Bist du ´ne verdammte Hexe, oder warum kommst du mir so frech?“, knurrt er mich von der Seite an. So langsam scheinen wir eine Basis für ein Gespräch zu bekommen. Ich habe ihn bereits klassifiziert. Die Uniform, das unter der geöffneten Jacke hervorscheinende Kettenhemd, die aufgenähten goldenen Sterne auf seinen Schultern – er ist kein kleiner Gefreiter, sondern wenigstens ein Hauptmann und er weiß vielleicht einiges, das für mich interessant sein könnte. Zum Beispiel ob ich mich vor ihren Zauberinnen fürchten muss oder nicht.

    „Rate doch mal“, erwidere ich herausfordernd, „nach was für einer Hexe sehe ich denn aus?“

    Er packt sein Bierglas und nimmt den nächsten tiefen Schluck. Dann mustert er mich lächelnd von oben herab und, wie ich sehe, in dem sicheren Gefühl, er werde mich schon noch gefügig bekommen.

    „Keine vom Tempel jedenfalls“, raunt er, schnurrend wie ein Kater, der sich am liebsten an meinen Beinen oder noch woanders reiben würde.

    Tempel... Das unselige Wort knallt mir um die Ohren wie der Hall unserer Glocken in Amazonia. Wie? Es gibt hier einen Tempel? Ein Hinweis darauf, dass wir nicht mit einzelnen kleinen Magierinnen konfrontiert sein werden, sondern es ein System gibt und eine Kumulation der Macht. Wir sollten diesen Tempel finden und untersuchen.

    Das Glas noch immer in der Hand, fügt er hinzu: „Nach einer Kräuterhexe siehst du allerdings auch nicht aus. Oder du hast deine Kräuter schon alle verscherbelt?“

    Neugierig schnappe ich alle seine Schlagworte auf. Kräuterhexen? Die kann ich vermutlich als ungefährlich abhaken.

    „Noch immer falsch“, erwidere ich kühl. „Rate weiter. In welche Armee würdest du mich am ehesten einordnen?“

    Ich will wissen, ob sie zauberkräftige Kriegerinnen in ihren Heeren haben. DAS wäre ein echtes Problem.

    Er fängt herzhaft an zu lachen.

    „In einer Armee? Bist du betrunken?“, grinst er und nimmt einen Schluck. „Vielleicht bist du aus der Hexenstadt?“ Er lächelt mir zu. „Vielleicht willst du ein Bier?“

    Von draußen wird die Tür aufgerissen und eine Gruppe zerzauster Soldaten kommt herein, zusammen mit einer Böe eisigen Windes.

    „Soll mich doch die Pest holen“, ruft lachend der riesenhafte Elgo, der ganz vorne geht und gerade auf mich zusteuert, „habt ihr frische Huren hergekarrt? Lasst dich doch mal anschauen, Schätzchen!“

    Jetzt wird es mir aber zu bunt. Ich springe von meinem Hocker, ziehe mein Schwert noch bevor ich am Boden gelandet bin und knurre: „Wag es, auch nur meinen Fingernagel zu berühren, und ich schneide dir die Kehle durch!“

    Um mich herum erstirbt das Stimmengewirr und plötzlich liegen alle Blicke auf mir. Der Hüne lacht. Mein schmales Schwert aus schwarzem Eisen, ein Beutestück aus meinem zweiten Feldzug, kommt ihm wohl minderwertig vor. Vielleicht rechnet er auch mit einem leichten Sieg, weil er mindestens doppelt so schwer ist wie ich. Schon hat er selbst seine Waffe gezogen und wuchtet auf mich zu. Obwohl ich genau im richtigen Winkel pariere, hätte er mir das Schwert fast aus der Hand geschlagen.

    Mit einem kleinen unauffälligen Druck meines Zeigefingers entzünde ich die magnetische Funktion, die meine Klinge so gefährlich macht. Es reißt meinen Gegner rasant zu mir hin und noch heftiger dessen Schwert, das ihm aus der Hand gerissen wird, zu meinem hinfliegt und praktisch an seiner Klinge festklebt, als hätte jemand beide zusammengeschweißt. Dadurch gerät der Fremde ins Stolpern. Ich ramme ihn seitlich, ergänze den Stoß noch durch einen kleinen aber heftigen Windzauber und schleudere ihn quer durch den Raum, Richtung Tür, wo er krachend zu Boden fällt. Hupps. So heftig hatte ich es nicht beabsichtigt.

    Um mich herum höre ich warnende Rufe: „Achtung, Hexen! Drüben sitzen noch mehr.“

    Sofort ändert sich die Haltung der anderen Gäste. Sie machen einen Bogen um mich. Auch die Erzeuger, die gerade noch neben meinen Gefährtinnen saßen, weichen vor ihnen zurück.

    Wir erregen zu viel Aufsehen. Ich will nicht, dass sie anfangen über uns nachzudenken. Deshalb gebe ich meinen Leuten einen gebieterischen Wink und bugsiere sie aus dem Wirtshaus wieder hinaus.

    Das Wetter ist unterdessen nicht besser geworden. Der Regen peitscht uns so richtig ins Gesicht und mir fröstelt. Doch darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.

    „Was für Ratten“, schimpft Thimonae auf amazonisch. „Wir sollten diese lausigen Mistkäfer der Göttin opfern.“

    Ich nehme den Zauber von meinem Schwert, worauf sich das meines Gegners aus seiner magnetischen Umarmung löst und klatschend in einer Pfütze zu meinen Füßen landet.

    Da sehe ich seinen Besitzer auch schon in der Tür des Wirtshauses stehen. Wütend blickt er in unsere Richtung und überlegt wohl, ob er es sich leisten kann, seine Waffe zurückzuholen.

    Um seine Taille trägt er einen Waffengurt und an seiner Brust prangen drei Medaillen, die gekreuzte Klingen zieren. Ziemlich sicher eine Auszeichnung für eine gewonnene Schlacht, wir haben gelernt, auf solche Details zu achten. Den könnten wir als Testexemplar mitnehmen! Zwar wollte ich nach solchen erst bei der nächsten Kundschaft suchen – aber die Gelegenheit ist günstig. Blitzschnell erzeuge ich ein schmales magisches Band und werfe es ihm um beide Hände. Die Bänder werden ihn zwingen, uns zu folgen und der Zauber darin lähmt seine Gedanken, darum wehrt er sich nicht. Goplea verzieht ihr ledriges Eidechsengesicht und grinst mich an, wobei sie mich auf einen weiteren Typen aufmerksam macht, den sie auf dieselbe Weise wie ich mit Bändern gefesselt hat. Auch dieser trägt Abzeichen.

    „Wenigstens eine von euch war effektiv“, sage ich anerkennend und überlege, wie wir weiter vorgehen. „Fliegen wir ins Basislager zurück. Ich habe einige Erkenntnisse gewonnen und eine Idee für einen Schlachtplan, den ich gern in Ruhe mit euch besprechen will. Dabei können wir auch eure Erkenntnisse und Ideen einfließen lassen ... und diese beiden Erzeuger testen.“

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  • Kirisha


    Ich liebe diesen Part :thumbsup:

    Das Aufeinandertreffen der Amazonen mit den „Erzeugern“ hast du wirklich sehr schön beschrieben. Vor allem der Dialog zwischen Penthesilea und diesem Hauptmann, der sie in seiner Unwissenheit abzugraben versucht, war äußerst amüsant zu lesen :rofl:


    Ich hab nix zu meckern. Kann weitergehen :gamer:

  • Ich hab nix zu meckern

    Wie? Bist du noch im Halbschlaf?

    Danke Rainbow


    Ich fange jetzt damit an, dieses gesamte Manuskript rundzuerneuern. Ich habe mir schon die ersten Kapitel zur Brust genommen und will versuchen, auch die folgenden auf Vordermann zu bringen, bevor ich sie hier präsentiere. Da sind nämlich noch so einige grobe Schnitzer drin, von denen ich hoffe, ich schaffe es, sie zu eliminieren, bevor ihr darüber stolpert.


    Aber hier geht es jetzt erstmal mit Murissa weiter:


    M6. Eingekerkert

    Murissa


    Eine solche Gefängniszelle wünschte ich niemandem. Nicht allein weil es stockdunkel war. Vermutlich hockte ich außerdem direkt unter der Kristallkugel, von der aus durch die Wand hindurch dicke bohrende Strahlen surrten, die unangenehm auf der Haut kratzten, wenn sie mich berührten. Manche dieser Strahlen verursachten Geräusche. Überall quietschte und schepperte es, als wollte jemand ein missglücktes Lied spielen auf rostigen Geigen. Es war unmöglich bei dem Krach zu schlafen. Selbst das trockene Brot, das die Tempelhexen mir zu essen brachten, war noch von verbrauchter Magie durchtränkt, die sich anfühlte, als krabbelten Käfer darauf herum.

    Das alles war aber noch nicht das Schlimmste. Denn ich saß in der Todeszelle. Einmal im Mond ließ die Priesterin fünf Gefangene aus diesem Gewölbe holen und opferte sie ihrer Göttin. Das hatte ich gleich am ersten Tag erfahren und seitdem saß ich wie auf glühenden Kohlen. Ich musste hier heraus! Inzwischen hatte ich schon alles Mögliche versucht um wieder freigelassen zu werden. Ich hatte um Gnade gebettelt, hatte meine Dienste für alle denkbaren Aufgaben angeboten, hatte mich tausendmal entschuldigt. Ja, ich hatte sogar fabuliert, ich könnte meine Wächterinnen zu verborgenen Schätzen oder zu einem Nest weiterer Flugpferde führen – doch niemand interessierte sich für meine Geschichten. Es war zum Verzweifeln!

    Gestern hatte es im Tempel irgendeinen Aufruhr gegeben. Ich hatte jemanden schreien gehört, einen lauten Streit, und über meinem Kopf waren ununterbrochen Schritte hin- und hergetrappelt. Auch heute war es nicht wesentlich leiser.

    Inzwischen saß ich schon mehrere Tage hier – ganz genau wusste ich das selber nicht, wegen der ständigen Dunkelheit - und war halb wahnsinnig vor Angst.

    Was könnte ich noch machen? Neue Geschichten, welche die Herzen meiner Wächterinnen vielleicht erweichen könnten, quollen bereits in rauen Mengen durch mein Hirn. Sie nützten mir aber nichts, weil ich die Tempelhexen täglich nur für winzige Augenblicke zu Gesicht bekam. Nämlich genau so lange, wie es dauerte, eine kleine Schüssel mit Wasser und einen Kanten Brot zwischen meinen Gitterstäben hindurchzuschieben.

    So langsam kroch eine ziemliche Panik in mir hoch. Ich müsste irgendwas Handfestes unternehmen. Etwas Effektives! Irgendeine Waffe ... Aber das einzige, was ich noch mit mir herumtrug, war Penthesileas kleines Fläschchen mit dem sogenannten Zauberwasser. Die Wundervase, auf der eine Schlüsselblume aufgemalt war. Für den Notfall, hatte sie gesagt. Dies war ohne Zweifel ein solcher! Mit zitternden Händen klaubte ich es aus meinem Gürtel. Es war ein fürchterlich kleines Fläschchen und nicht viel Flüssigkeit darin. Ob ich damit Gitter durchbrechen oder Schlösser öffnen könnte, bezweifelte ich stark. Außerdem – war dieses Fläschchen ja vielleicht der Schlüssel, den Turris so dringend brauchte. Sollte ich dessen Kraft wirklich für eigene Zwecke verbrauchen? Grübelnd wog ich es in der Hand und erinnerte mich dann, dass ich noch eine zweite Waffe besaß – eine wässrige Murmel.

    Meine letzte.

    Ziemlich dämlich eine Wasserhexe zu sein. Auch meine Murmel kann nichts anderes als Wasser produzieren. Wie in aller Götter Namen soll ich damit Kerkerschlösser öffnen?

    Aber die Zeit drängte und so wählerisch konnte ich nicht sein, deshalb klemmte ich die Murmel aus meiner Hosentasche hervor und rieb mit dem Finger kräftig daran. Sofort spürte ich, wie mein Finger warm wurde und wie sich darin Strahlung anhäufte, die anschwoll, kribbelte und stach, als wollte sie heraus und könnte nicht. Ich wurde nervös. Was sollte ich jetzt machen? Der Finger wurde feucht. Schnell breitete sich die Nässe über meinen gesamten Arm aus. He, so war das aber nicht gedacht, ich wollte doch damit Schlösser öffnen. Ich hob den Arm ein wenig – da sauste die Flüssigkeit nach vorn und bildete einen dicken Wasserstrahl, der aus meinem Arm heraus kroch und aussah, als wäre er eine wässrige Verlängerung davon. Entschlossen schleuderte ich den Strahl in Richtung meiner Gittertür. Er verdoppelte, vervierfachte auf dem kurzen Weg seinen Durchmesser, klatschte gegen ein unsichtbares Hindernis und wirbelte dann wie eine gewaltige Flutwelle wieder auf mich zurück. Der Wasserschwall riss mich rückwärts und ich prallte gegen etwas Hartes.

    Benommen hielt ich mir den schmerzenden Kopf. Ich lag am Boden. Genauer gesagt mitten in einer Pfütze, die meine gesamte Zelle überschwemmte. Überflüssig zu erwähnen dass ich keinen trockenen Faden mehr am Körper hatte und meine Mähne patschnass auf meinem Kopf und Rücken klebte. Die Gitter meiner Zelle saßen hingegen noch bombenfest am gleichen Platz wie vorher. Verwünscht!

    Wenige Augenblicke nach dieser Aktion hörte ich Schritte in die Gefängnishalle kommen. Mir stockte das Herz. War es Zeit für das Essen? Oder ... würde ich Ärger bekommen?

    Vor meiner Gittertür erschien eine dieser schwarz gewandeten Tempeldienerinnen. Sie musste ihr Gewand heben, damit die Pfütze rings um meine Zelle ihn nicht nass machte, und warf mir einen schrägen Blick zu.

    „Wie siehst du denn aus“, fragte sie, „hast du geduscht?“

    Eine seltsame Frage.

    „Ich habe mich dreckig gefühlt“, erklärte ich trotzig. „Ein Bad bekommt man ja bei euch nicht.“




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  • Wie? Bist du noch im Halbschlaf?

    Was soll ich machen, wenn`s halt nix zu meckern gibt ? :pardon:


    So, der neue Murissa-Teil gefällt mir auch extrem gut. Wie sie da in der Zelle hockt, ihre Möglichkeiten durchgeht, sich mit der Wassermurmel zu helfen versucht, was natürlich komlett nach hinten los geht :rofl:Herrlich! Auch wie sie die Wärterin anfährt, als die sie fragt, ob sie geduscht habe. :thumbsup:


    Also, was soll ich sagen? Ich habe nichts zu beanstanden. Kann weitergehen :gamer:

  • Rainbow

    Ich habe nichts zu beanstanden.

    Oh oh, jetzt werde ich ja bald übermütig!

    Aber ich habe mich nun mal hingesetzt und den vorherigen Tempelteil überarbeitet, den du so wenig überzeugend fandest, insbesondere den Auftritt der Fürstin Kia Sephila. Den fand auch Thorsten schon ziemlich kindisch und auch Litu war nicht davon überzeugt. Darum habe ich mich entschlossen, das gesamte Gespräch zwischen der Fürstin und der Priesterin rauszuwerfen und die Infos, die wir brauchen, anders zu verpacken.


    Vielleicht hast du ja Lust, es nochmal zu lesen? Thorsten, vielleicht findest du auch ein wenig Zeit mal draufzugucken?

    Kapitel 4.1 Auftritt der Fürstin komplett geändert

    Kapitel 4.2 Murissa kommt nicht mehr in den Tempel zurück


    Und wo ich schon mal dabei bin zu ändern, habe ich auch Kapitel 6 stark umgeschrieben.


    Hier geht es weiter:


    6.1 Eingekerkert

    Sie musterte mich mit immer größerem Erstaunen. „Ach ... eine Hexe! Du hast gar nicht danach ausgesehen.“ Ein leises Lächeln stieg ihre Mundwinkel hoch. „Jetzt sehe ich auch deine Aura – ist fast nicht zu erkennen.“

    „Das meiste davon verstecke ich, um Leute nicht zu erschrecken“, flunkerte ich. Ihr plötzliches Interesse ließ eine wilde Hoffnung in mir aufflackern – wollte sie etwas von mir? Was könnte es sein?

    Sie zog die Stirn in Falten und schien nachzudenken. Akribisch huschten ihre Augen über meinen Körper, als versuchte sie zu analysieren, ob ich als Futter für ihre Skorpione taugte oder wenigstens mein Umhang noch einen verwertbaren Nutzen hätte.

    „Bist du eine Tandranerin?“ Ihre Blicke hingen an dem Stoff über meinen Schultern, dessen tandranisches Gelb sie sicherlich auf diese Idee gebracht hatte.

    Daher nickte ich eifrig. „Ja, seht doch meinen Umhang an, den hat mein ... Onkel mir geschenkt.“

    „Keine unserer Tempeldienerinnen hat dich jemals bei der Hochmesse gesehen.“

    Ihre Blicke bohrten sich in meine, als wollten sie mir das Augenlicht ausbrennen.

    „Ich war ja eine Weile nicht hier, bin gerade erst zurückgekehrt“, erklärte ich und versuchte dem mörderischen Blick standzuhalten.

    Da bahnte sich wiederum dieses mysteriöse Lächeln um ihre Mundwinkel.

    „Richtig, du hast ja fremde Königinnen getroffen und fliegende Pferde gesehen.“

    Was sollte ich darauf antworten?

    „Genau!“

    Sie schlang ihre Finger zärtlich um die Gitterstäbe meiner Zelle, ohne mich aus den Augen zu lassen.

    „Und, wie weit steht es mit deinen magischen Fähigkeiten? Kennst du dich mit Bannstäben aus?“

    „Klar“, stieß ich reflexartig hervor, obwohl ich solch ein Teil nie gesehen und nicht einmal eine Ahnung hatte, wie es aussah. In der Brustgegend fühlte ich mich merkwürdig flau, so als drückte die Alte nicht die Gitterstäbe, sondern mein Herz mit ihren Fingern zusammen. Hexereien waren ja nicht gerade mein Spezialgebiet.

    „In zehn Tagen halten wir die Opferungsfeier ab. Du wurdest als Opfer für die Göttin erwählt“, erklärte meine Besucherin. „Falls du uns aber einen Gefallen tust, könnten wir davon absehen.“

    Sie schlurfte aus dem Kellerverlies heraus und ihre Schritte verhallten.

    Meinte sie das im Ernst? Warum verschwand sie dann? Vielleicht hatte sie sich nur einen Spaß mit mir erlaubt. Ich hockte in meiner Zelle mit weit aufgesperrten Ohren und lauschte auf jedes winzige Geräusch. Die Augenblicke dehnten sich, gähnten durch meine Zelle. Es war vorbei. Warum hatte ich keine gescheiteren Antworten gegeben?

    Da.

    Schwere Schritte klatschten auf den Steinboden. Mir gefror das Herz zu Eis. Vielleicht würde ich noch eine Chance bekommen! Vor meiner Zelle erschienen schwarze Umhänge und jemand öffnete das Schloss meiner Tür. Es war die Silberblonde. Sie trug ein seltsames Gestell in der Hand, einen hölzernen Stab, der bis auf den Boden reichte und auf dessen Spitze eine graue Kugel thronte.

    „Weißt du, was das ist?“

    Das war nicht schwer zu erraten.

    „Ein Bannstab?“, stieß ich eilig hervor.

    Sie hob die Augenbrauen und streckte einen Finger in die Höhe.

    „Wenn man dich fragt, wirst du sagen, es ist eine Leuchte!“

    „Selbstverständlich!“ Hoffnung sprudelte in mir empor wie eine Fontäne.

    „Und jetzt zeig mir, ob du sie entzünden kannst.“

    Die Fontäne in meinem Inneren versiegte augenblicklich. Entzünden ... wie stellte sie sich das vor? Vielleicht hatte ich Glück und es würde funktionieren, wenn ich diese graue Kugel mit der Hand berührte. Eilig schossen meine Finger vor, so weit es die eiserne Kette erlaubte, und strichen über die glatte Oberfläche.

    Nichts geschah. Außer dass sich die Stirn der Tempelhexe ungemütlich kräuselte.

    Mein Herz fing an wilde Bocksprünge zu schlagen.

    Es muss gehen. Sie hat gesehen, dass meine Zauberkraft schwach ist und hat es mir trotzdem zugetraut.

    Vielleicht mit meinem Hexenwasser?

    Ich zögerte. Wenn sie dessen Kraft erkannte, könnte es sehr schnell von meinem an ihren Gürtel wandern. Daher entschied ich mich für ein kleines Theaterspiel. Ich zuckte von dem Bannstab zurück, als ob ich mich ekelte.

    „Ist ein bisschen dreckig“, nuschelte ich undeutlich, öffnete dann eilig den Verschluss meines Fläschchens und träufelte einige Tropfen auf meinen Zeigefinger, als wollte ich mich damit waschen. Dann berührte ich die graue Kugel noch einmal. Sofort merkte ich einen Unterschied. Eine leise Kraft vibrierte darin. Ich drückte den Finger stärker auf das Metall, da breitete sich die Kraft aus und mit einem leisen Ploppen leuchtete die Kugel in einem kräftigen Grünton auf, der meine gesamte Zelle überflutete.

    „Upps!“, keuchte ich und sprang vor Schreck rückwärts. Schnell verschloss ich mein Fläschchen wieder, nicht dass ich von dem kostbaren Nass noch etwas verschüttete.

    Die Hexe beobachtete mich und nickte zufrieden.

    „Pass auf. Draußen verladen wir gerade Bannstäbe auf die Wagen des Fürsten, die in die Stadt transportiert werden müssen. Die Soldaten wissen, wo und wie sie aufzustellen sind, aber sie können sie nicht entzünden. Der Fürst hat verboten, dass eine unserer Tempelzauberinnen mit hoch kommt, weil er meint, seine höfischen Diener und Wächter würden Angst bekommen und es für ein böses Omen halten ... du weißt, wie sehr die Stadtbewohner sich vor uns fürchten. Darum fährst du mit ihnen hoch und du wirst heimlich einen der Stäbe entzünden, der dann selbständig die anderen zum Leuchten bringt. Und es wird deine Aufgabe zu überwachen, dass sie nicht verlöschen. Wenn du das erledigst, sind wir zufrieden.“

    Mir blieb glatt der Mund offen stehen.

    Ich? Hochfahren? In die Stadt?

    „Oh ja!“, rief ich und musste mich gewaltig bremsen, um nicht vor Freude zu jubeln. „Das mache ich. Verlasst Euch ganz auf mich!“

    „Gut.“ Sie schloss die Kette auf, die mich an der Zellenwand festgebunden hatte. Dann nickte sie mir zu und winkte mir, ihr zu folgen. Mein Herz fing an zu rasen. Was für eine Chance! Oder war es eine Falle? Bannstäbe ... Wen oder was sollten die denn bannen? Die Frage begann in meinem Kopf aufzuquellen wie Sauerteig an der Sonne, doch ich wagte nicht sie zu stellen. Egal. Hauptsache, ich kam hier heraus. Und in die Stadt hinein, in Sicherheit! Eifrig lief ich der Tempelhexe hinterher, den dunklen Gang entlang, an den anderen Zellen vorbei. Ich tastete mich bis zu der Treppe, die nach oben führte, und erreichte kurz darauf die große Halle. Hier war es heller als bei meinem letzten Besuch. Die Strahlung der Kristallkugel blitzte und blinkte.

    „Schau, dass du unauffällig auf eine der Kutschen heraufkommst“, sagte meine Lehrerin. „Ich kann dich nicht begleiten, sonst schöpfen sie Verdacht.“

    In der Kristallhalle herrschte lebhaftes Treiben, nicht nur die Tempeldienerinnen, sondern auch zahlreiche Soldaten eilten durch den großen Raum. Ich folgte ihnen.

    Kurz darauf marschierten wir auf den Tempelvorhof. Ich war draußen! Und frei! Den Himmel hätte ich küssen mögen. Was ich natürlich nicht tat, ich folgte einfach weiter meiner Gruppe. Erst in der Helligkeit erkannte ich, dass die Soldaten große hölzerne Gestelle mit grauen Kugelköpfen trugen – dieselben, die ich im Tempel gesehen hatte. Offenbar waren wir unterwegs zu einem der vierspännigen Wagen, auf welchem sich bereits weitere Holzstangen stapelten, und der in einer Reihe stand vor zwei weiteren Kutschen, die umringt waren von Dienerinnen mit gelben Umhängen, die furchtsam zum Tempel hin blickten und miteinander tuschelten. Einige Männer aus meiner Gruppe trugen die neuen Gestelle in die Wagen. Dann begannen alle einzusteigen. Ich huschte zum hintersten Wagen hin um sicherzugehen, dass dessen Fahrgäste nicht gesehen hatten, wo ich herkam. Dieser war bereits beladen mit unförmigen Holzstangen und einige Mägde gerade dabei einzusteigen. Eine von ihnen setzte sich auf den Kutschbock und die übrigen Höflinge kletterten zu den Stangen auf dem Wagen. Entschlossen trat ich auf den Kutschbock hinauf, von dem aus ich die Ladefläche erreichen konnte.

    „He!“, rief mich der Kutscher an und versperrte mir mit der Hand den Weg. „Du bist hier falsch.“

    „Ich hab meine Gruppe verpasst“, erwiderte ich schnell. „Diese Skorpionstatue da drüben hat mich abgelenkt. Als ich mich davon losreißen konnte, waren die anderen schon weg. Darf ich mit euch fahren?“

    Er verdrehte die Augen. „Na dann setz dich. Aber pass auf, wo du hintrittst.“

    Uh. Ich fühlte mich, als ginge ich auf Wolken. Diese Kutsche fuhr in die Stadt – würde ich wirklich so einfach hineinkommen?

    Schon pflanzte ich mich auf eins der langen Holzgeräte, gerade in die Mitte zwischen zwei Mägden. Diese schienen sehr eingeschüchtert zu sein, beide starrten mit versteinerten Gesichtern den Tempel an und klammerten sich an dem Gestell fest wie Ertrinkende. Während ich noch überlegte, ob ich sie begrüßen sollte oder ob sie sich dann wundern würden, wer ich war, hörte ich von weitem ein wütendes Wiehern. Ich fuhr zusammen. Die Stimme kannte ich, es war meine Kamamé! Der Laut kam vom Tempel her. Hatte ich es doch gewusst. Sie hatten einfach meine Schwäche ausgenutzt und mein feines Tier geklaut. Kein Wunder, dass die Bewohner der Stadt Angst hatten vor den Hexen, wenn sie so hinterhältig handelten! Doch was konnte ich tun? Sie des Diebstahls anklagen? Um wieder in der Todeszelle zu landen? Ich knirschte mit den Zähnen. Momentan konnte ich meine Freundin nicht zurückholen. Ich musste erstmal darum kämpfen, überhaupt meine Haut zu retten.

    „Arbeitest du schon lange im Fürstenpark?“, fragte mich ein Mädchen mit wuschigen blonden Haaren und einer netten Stupsnase, eine Parva. „Dein Umhang sieht aus, als hättest du in einem Beet übernachtet. Dabei habe ich dich noch nie gesehen.“

    Fürstenpark? Eine Welle der Erregung fuhr mir durch Mark und Bein. Sollte das etwa heißen, wir waren gerade auf dem Weg zum fürstlichen Anwesen? Meine Lage schien sich mit jedem kleinen Schritt zu verbessern!

    Ich, Murissa, ehemals Vagabundin und Versagerin, auf dem Weg zu meiner ersten richtigen Arbeit ... und nicht in irgendeiner Kneipe, auch nicht beim Tischler, nein, halt dich fest - im Palastpark!

    Oder auch nicht, wenn ich mich jetzt verplapperte.

    „Öh, nein, noch nicht so lange“, stammelte ich aufgeregt und versuchte, die wild in meinem Kopf hin- und herflatternden Gedanken in irgendeine Ordnung zu bringen. „Ich war vorher in der Waschküche, aber sie haben mich heute plötzlich in den Park befohlen. Anscheinend brauchten sie da mehr Leute.“

    „Ja, wir haben einen argen Verschleiß an Arbeitern“, sagte sie zustimmend, während sie die Stangen mit einem gewissen ängstlichen Ausdruck in den Augen betrachtete. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wozu wir diese neuen Lichter brauchen. Hoffentlich werden sie nicht verlangen, dass wir nun auch bei Nacht arbeiten.“

    „Ist die Arbeit so anstrengend?“, fragte ich vorsichtig.

    „Es sind schon einige Gartenmägde einfach umgekippt und konnten sich später nicht erinnern, warum das passiert ist.“ Sie lächelte mir aufmunternd zu und reichte mir die Hand. „Aber ich glaube, das sind die üblichen Theaterspiele von solchen, die sich nur vor der Arbeit drücken wollen. Mein Name ist übrigens Nanja. Wer bist du?“

    „Murissa.“

    Mir wurde warm ums Herz. Hieß das, ich würde in der Stadt bleiben und im Garten des Fürsten arbeiten? Womöglich sogar noch am Palast wohnen? Jeden Tag zu essen bekommen? Und sogar noch eine Freundin dazu?

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Hey Kirisha,


    ich habe die Überarbeitungen jetzt noch nicht gelesen. Ich schaue es mir aber auf jeden Fall noch an. Jetzt erst mal zu dem aktuellen Part:


    Schwere Schritte klatschten auf den Steinboden.

    Das "klatschten" hat mich etwas irritiert. Klang ein bisschen so, als würde jemand mit nassen Füßen oder Klamotten dort lang kommen :hmm:


    Es war die Silberblonde. Sie trug ein seltsames Gestell in der Hand, einen hölzernen Stab, der bis auf den Boden reichte und auf dessen Spitze eine graue Kugel thronte.

    „Weißt du, was das ist?“

    Das war nicht schwer zu erraten.

    „Ein Bannstab?“, stieß ich eilig hervor.

    :rofl: Sehr geil! Niemand kombiniert in solchen Situationen so schnell wie Murissa, vor allem, wenn es darum geht, ein neues Lügenkonstrukt aufzubauen.


    Offenbar waren wir unterwegs zu einem der vierspännigen Wagen, auf welchem sich bereits weitere Holzstangen stapelten, und der in einer Reihe stand vor zwei weiteren Kutschen, die umringt waren von Dienerinnen mit gelben Umhängen, die furchtsam zum Tempel hin blickten und miteinander tuschelten.

    Der Satz kommt mir etwas lang vor. Vielleicht zwei draus machen?


    Offenbar waren wir unterwegs zu einem der vierspännigen Wagen, auf welchem sich bereits weitere Holzstangen stapelten, und der in einer Reihe stand vor zwei weiteren Kutschen, die umringt waren von Dienerinnen mit gelben Umhängen, die furchtsam zum Tempel hin blickten und miteinander tuschelten. Einige Männer aus meiner Gruppe trugen die neuen Gestelle in die Wagen. Dann begannen alle einzusteigen. Ich huschte zum hintersten Wagen hin um sicherzugehen,


    Kleine Wiederholung


    Dieser war bereits beladen mit unförmigen Holzstangen und einige Mägde ... gerade dabei einzusteigen.

    waren (?)


    Ich, Murissa, ehemals Vagabundin und Versagerin, auf dem Weg zu meiner ersten richtigen Arbeit ... und nicht in irgendeiner Kneipe, auch nicht beim Tischler, nein, halt dich fest - im Palastpark!

    :thumbsup:


    „Pass auf. Draußen verladen wir gerade Bannstäbe auf die Wagen des Fürsten, die in die Stadt transportiert werden müssen. Die Soldaten wissen, wo und wie sie aufzustellen sind, aber sie können sie nicht entzünden. Der Fürst hat verboten, dass eine unserer Tempelzauberinnen mit hoch kommt, weil er meint, seine höfischen Diener und Wächter würden Angst bekommen und es für ein böses Omen halten ... du weißt, wie sehr die Stadtbewohner sich vor uns fürchten. Darum fährst du mit ihnen hoch und du wirst heimlich einen der Stäbe entzünden, der dann selbständig die anderen zum Leuchten bringt. Und es wird deine Aufgabe zu überwachen, dass sie nicht verlöschen. Wenn du das erledigst, sind wir zufrieden.“

    Hm, klingt irgendwie nach Revolte :hmm: Vielleicht irre ich mich, aber es liest sich ein bisschen so. Wobei ich da jetzt noch keinen Kopf dran kriege. Die Stäbe sollen von den Soldaten hoch zum Palast gebracht werden... man hält sie für gewöhnliche Lampen...und die Priesterin führt aber offenbar, ohne das Wissen des Fürsten, etwas im Schilde, indem sie die Bannstäbe heimlich entzünden lassen möchte. WARUM??? Das ist wohl die entscheidende Frage... und die arme Murissa ist schon wieder mittendrin. Oh je.


    Insgesamt gefällt mir das sehr! Bin gespannt, wo das jetzt hinführen wird :gamer:

  • Hey Kirisha ,

    schön dass es neue Teile gibt! Insgesamt finde ich sie sehr gut. Hier meine Anmerkungen:


    6

    Ich wundere mich immer noch, dass sie den Schlüssel für Turris aufheben will. Der ist doch ein Dämon...


    6.2

    Mir gefällt sehr gut wie Murissa sich mit den Bannstäben das nächste Lügenkonzept aufhältst.

    Was mich etwas verwirrt ist wieso sie einfach gehen gelassen wird. Sie könnte doch fliehen ohne die Bannstäbe zu entzünden? Wieso denkt Murissa nicht daran abzuhauen? Wieso ist die Hexe die sie gehen lässt plötzlich ihre Lehrerin?

    Wie kommt Murissa darauf dass sie im Garten der Fürstin bleiben und arbeiten kann?

    Abgesehen von den Fragen ist es aber sehr spannend was da vor sich geht. Es sieht nach einem Hinterhalt aus oder ist es eine Falle? Ich bin sehr gespannt!