Kriegerkönigin

  • Hey Kirisha ,


    mir hat der Teil recht gut gefallen. Es war direkt wieder Action angesagt. Bei dir wird es echt nie langweilig :thumbsup:


    Einige Dinge, die mir aufgefallen waren, haben die anderen auch schon angemerkt. Zum Beispiel die Frage danach, was mit ihrem Flugpferd passiert. Kaum schlagen sie auf dem See auf, erwähnst du es nicht mehr.

    Dazu kam die Tatsache, dass Murissa überlegt, ob es in dem See eine verzauberte Unterwasserwelt geben könnte. Vom Grundgedanken total cool-auch, dass sie sich prompt davon überzeugen möchte...aber einen Moment habe ich gestutzt und gedacht: Hä? Es handelt sich doch bloß um einen "kleinen See". Wie tief mag der sein? Laut deiner Beschreibung klang das plötzlich nach etwas viel Größerem.


    Mir ist auch aufgefallen, dass du ihr Flugpferd mal Pferchen und mal Vögelchen genannt hast...fand ich etwas verwirrend, auch, wenn das Tier wahrscheinlich von beidem etwas hat :rofl:

  • Hallo ihr Lieben, vielen herzlichen Dank für eure Anmerkungen!



    Rewa

    Thorsten


    Litu

    Rainbow

    Und hier geht es jetzt weiter!


    1.2 Flucht

    Wassergeister! Bloß weg hier!

    Ich schlug eine Rückwärtsrolle und zischte in Höchstgeschwindigkeit davon. Wohin? Auf den Grund des Sees? – Nein, zu gefährlich, das war ihr Revier. Ich musste hier heraus. Wieder drehte ich eine scharfe Kurve und schoss diesmal Richtung Ufer. Wo mir dieses am nächsten war, ahnte ich zwar nicht und es war auch zu dunkel, um es von hier zu sehen – aber bei einem See kann man nicht so viel falsch machen, da gibt es schließlich Ufer überall.

    Den nächsten Angreifer sah ich erst, als er mir schon fast seine Haifischzähne in das Fleisch bohrte, denn er kam mir frontal entgegen. Ich schaffte es gerade so eben auszuweichen, spürte aber noch seine Klauen auf meinem Arm entlangritzen. Beinahe hätte ich vor Angst geschrien – wenn das unter Wasser möglich gewesen wäre; mir entfuhr nur ein gespenstisches Blubbern, während ich in panischer Angst schlagartig alle Orientierung verlor und jetzt nur noch wild nach links und nach rechts Haken schlug, um keinem weiteren dieser Ungeheuer zu begegnen – ohne zu ahnen, in welchem Teil des Sees ich mich jetzt eigentlich befand und wo um Himmels Willen Rettung sein könnte.

    Endlich sah ich das Wasser heller werden und bemerkte auch, wie ich höher und höher kam. Ein dichter Schilfhain erstreckte sich weit über die Uferböschung hinaus. Perfekt als Tarnung, dachte ich, und tauchte darauf zu. Schon hatte ich die Wasseroberfläche erreicht und schwamm durch den dicht bewachsenen Schilfwald Richtung Land.

    Da klatschte etwas hinter mir aus dem Wasser heraus. Es war etwas Fluffiges, Weißes, Freundliches – keiner dieser Geister auf jeden Fall – meine Kamamé! Warum plantschte und kreischte sie denn so? Erst da sah ich den garstigen Wassergeist, der sich in einem Bein meines Fliegers verbissen hatte und noch danach trachtete, mit seinen widrigen Klauen nach seinem Bauch und seinen Flügeln zu krallen. Ich peitschte meine Flossen voller Wut gegen den mächtigen Haifischkörper des Biestes. Da schlug es seine Klauen in meine Richtung, war aber gezwungen, dafür seinen Griff zu lockern – und ich peitschte ein zweites Mal, diesmal mit aller Wucht, zu der ich fähig war, gegen dieses Maul mit den unzähligen Zähnen darin. Es knackte und knirschte – und er fiel zurück in den See.

    Fast gleichzeitig spreizte sich mein Fischschwanz wieder zu zwei Beinen auseinander, mein Glieder rissen und zerrten an mir und ich atmete wieder mit den Lungen.

    Hastig zog ich Kamamé an das rettende Ufer, wobei ich darauf achtete, dass uns die hohen Schilfhalme weiterhin gut verbargen. Sie streckte mir ihren Schnabel entgegen und ließ daraus einen dicken Hecht mir vor die Füße fallen – mit einer Miene, als servierte sie mir ein königliches Mahl. He, du Liebe! Hast du den extra für mich gejagt? Du glaubst wohl nicht, dass wir sowas essen? Oder steht das etwa bei deinen Feen auf dem Speiseplan? Ich sollte ihr beibringen, dass sie zuerst an ihre Sicherheit denken muss und nicht an Geschenke für mich. Gerührt schmiegte ich mich an ihren Hals und bot ihr den Fisch selber an. Sie packte ihn begeistert und schluckte ihn herunter.

    Ein Rauschen in der Luft und das Sausen von Schwingen gar nicht so weit entfernt ließ mich zusammen fahren. Ich hielt den Atem an. Waren das meine Verfolger? Hatten sie mich oder mein Pferd gesehen? Aber wir steckten im hohen Schilf. Hoffentlich gut verdeckt.

    „Dort!“, hörte ich jemanden rufen. Schritte stapften durch den Sand und ich kroch vor Schreck näher an mein Pferdchen heran. Angstvoll versteckte ich mich unter seinen Flügeln.

    „Was war das für ein fliegendes Monster?“, rief eine helle Stimme. Ich spitzte die Ohren. Eine dieser fremden Feen schien es nicht zu sein, ihren harten Akzent hätte ich sofort herausgehört. Nein, die Stimme gehörte vermutlich der Skeff, die ich schon in der Luft gesehen hatte.

    „Monster, du spinnst doch“, hörte ich jemanden lachen. Diesmal erkannte ich den Klang. Klymera. Die Feuerhexe. Was machte die denn hier? Was wollte sie von mir? „Das war ´ne optische Täuschung. So große weiße Vögel gibt es überhaupt nicht. Es muss ein magischer Nebel gewesen sein oder etwas Ähnliches. Murissa muss hier irgendwo stecken, wo sie hier doch herunterging. Sucht!“

    „Die ist ins Wasser gefallen, Herrin“, erwiderte eine diensteifrige Stimme. „Also ist sie ertrunken.“

    Ich lugte vorsichtig unter dem Flügel hervor, konnte aber durch die Federn und das Schilf hindurch kaum etwas sehen.

    „Das glaube ich nicht“, zischte Klymera.

    „Aber wir haben es doch gesehen“, beeilte sich eine zweite Gefährtin zu erklären, die eine heisere Stimme hatte. „Sie ist abgestürzt, als hätte sie ein Giftpfeil getroffen und dann untergegangen wie ein Stein.“

    „Das darf einfach nicht wahr sein“, fauchte Klymera. „Wie holen wir sie da heraus?“

    Ich versuchte zu begreifen, was die drei Skeff von mir wollten. Vielleicht war Klymera doch meine Freundin, so wie sie am Anfang mal behauptet hatte? Vielleicht würde sie mir helfen? Sollte ich mich zu erkennen geben? Aber ich traute dem Frieden nicht und rührte mich nicht von der Stelle.

    „Vielleicht werden die Wassergeister ihre Leiche ans Ufer spülen“, mutmaßte die Heisere.

    „Mitsamt der Beute, die sie im Totenreich gemacht hat?“ Klymera spuckte aus. „Bist du beschränkt. Das werden sie natürlich nicht tun. Verdammter Hexenfurz, jetzt geht mir alles durch die Lappen!“

    „Vielleicht kommt sie gleich wieder hoch? Wer weiß – vielleicht konnte sie schwimmen, so wie sie behauptete“, wisperte unterwürfig eine der Dienerinnen.

    „Schweigt doch einfach, Dummköpfe!“, polterte Klymera, während ich hörte, wie ihre Schritte näher und näher an mich herankamen. Mir wurde vor Angst eiskalt. „Die Simulantin war doch bis über beide Ohren in den Wassersatan verschossen. Wenn sie ihn hätte beeindrucken können, dann hätte sie es getan.“

    „Wir verschwenden unsere Zeit“, meldete sich die Heisere. „Das Mädel ist tot – die müssen wir abhaken.“ Sie räusperte sich. „Wir brauchen sie auch gar nicht! Wieso hast du solche Angst, Turris den Zaster abzujagen, den er dir schuldet? So gefährlich kann er doch gar nicht ...“

    „Du hast keine Ahnung!“, geiferte Klymera erregt. „Er hat das halbe Meer mitsamt allen Wassergeistern hinter sich hergezogen, als er uns verfolgte! Die Wogen haben den Wald rasiert, als wären es Grashalme gewesen! Dem liefere ich mich nicht freiwillig ans Messer, glaub mir. Es ist ein Wunder, dass ich mit heiler Haut davongekommen bin.“

    „Hier!“, hörte ich plötzlich die Dienerin kreischen. „Schaut, was für enorme Federn! Und dort – ist das etwa ein Sattel? Schau wie lang – Sagte ich nicht, ein Monster?“

    Schritte schlürften durch den Sand.

    „Das gibt es doch nicht.“ Klymera holte hörbar Atem.

    Und genau in diesem Moment gurrte mein Adlerpferd laut und melodisch. Mir blieb fast das Herz stehen.

    „Was war das für ein Geräusch?“, fragte Klymera.

    „Es klang nah“, ergänzte die Heisere.

    Nein. Bitte nicht.

    „Sucht!“, rief die Feuerhexe euphorisch. „Vielleicht hat sie sich doch irgendwie gerettet. Sie muss in der Nähe sein. Jetzt sucht doch! Pirscht am Ufer lang, spürt überall! Aber passt auf die Wassergeister auf.“

    Verflixt. Mir brach der kalte Schweiß aus. Wenn sie weiter am Ufer entlang gingen, mussten sie uns finden. Ich versuchte, meine „Göttin“ zum Aufstehen zu bringen, damit wir vielleicht heimlich in den Wald abhauen könnten, aber Kamamé gurrte in lautem Protest, den die anderen gar nicht überhören konnten. Ich wollte von denen nicht gefunden werden. Wir mussten weg!

    Drängend tätschelte ich den gefiederten Adlerhals meiner neuen Freundin und flüsterte ihren Namen in ihr Ohr. Doch anstatt mich aufsteigen zu lassen, gurrte das Tier noch einmal. Erst jetzt sah ich die blutende Wunde an seinem rechten Oberschenkel. Vermutlich hatte der Wassergeist ihm die gerissen. Sie schien oberflächlich zu sein, aber schmerzte bestimmt. Wahrscheinlich konnte oder wollte Kamamé deshalb nicht fliegen.

    Zagend warf ich beide Arme um ihren Hals. Am liebsten hätte ich mich in ihrem Gefieder verkrochen und so getan, als wäre ich nicht hier. Aber wenn Klymera wirklich so akribisch suchte wie angekündigt, würde die Feuerhexe mich mitsamt meinem Flieger sicherlich finden und was sie dann mit uns machte, stellte ich mir lieber nicht vor. Da blieb mir wohl keine andere Möglichkeit als eine Flucht nach vorn.

    „Du bleibst schön hier hocken, bist mäuschenstill und wartest auf mich, okay?“, wisperte ich dem Adlerpferd ins Ohr, strich ihm aufmunternd über den Hals und schlich dann zuerst leise und als ich ein Stück gegangen war auch etwas lauter aus dem Schilf heraus.

    Klymera stand, beide Hände in die Hüften gestemmt, am Strand und starrte finster auf ein Rudel Wassergeister, das immer wieder aus den Wellen hochsprang und nach ihren Füßen biss, sodass ich das beständige Zähneschnappen wie eine Hintergrundmusik im Ohr hatte. Alles an ihr war finster, ihre schwarzen Haare,ihre Augen, ihr Umhang, sogar ihre Schuhe. Mit ihren ebenfalls pechschwarzen Fledermausflügeln dirigierte sie ihre Dienerinnen herum und zeigte ihnen die Richtung an, in der sie suchen sollten. In diesem Moment bemerkte sie mich. Sie wirbelte herum und starrte mich ungläubig an.

    Ich nahm all meinen Mut zusammen.

    „Klymera! Wie kommst du denn hierher?“



    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

    2 Mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Heh - Muru kommt also wieder zu den frueheren 'Freundinnen' zurueck - aber so das herzliche Wiedersehen ist es auch nicht. So liest sich das abschnitt ganz gut als Ueberleitung - aber das eigentlich interessante kommt dann eigentlich jetzt erst denke ich.

    Da klatschte etwas hinter mir aus dem Wasser heraus. Es war etwas Fluffiges, Weißes, Freundliches – keiner dieser Geister auf jeden Fall – meine Kamamé!

    Die war unter Wasser? Irgendwie kommt mir das schon komisch vor...

    Hoffentlich gut verdeckt.

    ich weiss nicht, ein Wesen von der Groesse eines Pferdes - weiss - im Schilf tarnen gegenueber Skeff die ja nun fliegen koennen und sich die Lage von oben ansehen koennen - das scheint mir von Anfang an aussichtslos....Anders als Baeume kann Schilf ja keine Sichtdeckung nach oben geben...

  • Wieso Wilhelm Busch, meinst du etwa ritze ratze voller Tücke in die Brücke eine Lücke ... hihi :D

    Also ehrlich gesagt ... doch, genau daran hatte ich gedacht :whistling:


    Ich muss mich leider auf unbestimmte Zeit hier abmelden, mein Auge macht doch mehr Probleme, als zu erwarten war. Ich hoffe aber, später alles nachholen zu können.

  • Ich muss mich leider auf unbestimmte Zeit hier abmelden, mein Auge macht doch mehr Probleme, als zu erwarten war. Ich hoffe aber, später alles nachholen zu können.

    Oh je, ich hatte sowas schon befürchtet, nachdem du auf Facebook auch etwas rückwärts gerudert bist. Ich wünsche dir eine extra gute Besserung und mach dir keinen Stress. Die Buchstaben laufen schon nicht davon.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Hey Kirisha,


    sorry, ich bin spät dran. Gelesen hatte ich den Teil schon viel früher, aber erst jetzt finde ich die Zeit auch einen Kommentar zu verfassen.

    Also: Der Part hat sich für mich sehr gut lesen lassen. Vor allem Klymera ist dir hier sehr gut gelungen, wie ich finde. :thumbsup:

    Die Spannung, wie Murissa da mit ihrem verletzten Adlerpferdchen im Schilf hockt, um sich vor den Verfolgerinnen zu verstecken, hast du schön eingefangen. Ich hab richtig mitgezittert. :)

    Dass sie sich letztlich dazu entscheidet, den Angriff als beste Verteidigung zu wählen ist wieder typisch für Murissa!


    Bin gespannt, wie weitergeht :gamer:


    Hier noch Kleinkram und sonstige Anmerkungen:



    LG,

    Rainbow

  • Vielen Dank euch alleln für eure Kommentare!


    Thorsten

    Rainbow

    Und hier geht es nun weiter:


    1.3 Flucht

    „Klymera! Wie kommst du denn hierher?“

    Ihr fielen sichtlich fast die Augen aus dem Kopf. Sie lachte laut, rannte auf mich zu und umarmte mich so ungestüm, als wäre ich ihre allerbeste Freundin, die sie lange vermisste.

    „Murissa! Wie bin ich froh, dass du noch am Leben bist!“

    Die alte Heuchlerin. Dachte sie, ich hätte vergessen, wie sie mich unter den Dämonenfelsen schleuderte?

    „Ich bin auch froh, dass du am Leben bist“, erklärte ich. In Anbetracht der Tatsache, dass der Wasserdämon über sie hergefallen war, schien sie glimpflich davongekommen zu sein: Ein paar Kratzer auf der Wange und zwei tiefe Risse in ihrem Umhang waren scheinbar alles, was Turris ihr an Schaden zugefügt hatte.

    Ich schluckte. Bedeutete das ...?

    „Und er?“, stotterte ich. „Habt ihr ihn ... erwischt?“

    „Du machst wohl Witze“, grummelte sie. „Dieser Satan. Er hat Wisha ausgeschaltet. Eszella und ich kamen alleine nicht gegen ihn an.“ Sie ließ mich los und betrachtete mich eingehend. „Nun erzähl schon. Hast du das Gebirge überwunden? Wie ist es drüben?“

    „Gruselig“, erwiderte ich geistesgegenwärtig und überlegte mir blitzschnell, mit welcher Art von Märchen ich mich am geschicktesten aus der Affäre ziehen könnte. „Die Händler vom Basar hatten uns ja gewarnt. Klymera, ich war im Reich der Toten. Die Seelen der Verstorbenen werden nachts mit den Knochen zusammen aus den Leichen herausgezogen und von Wassergeistern in das Totenreich gebracht. Das ist ein riesiges Meer. Dort tanzen die Skelette auf den Wellen, denn sie haben riesige Angst davor, von den Unterseedämonen in die Tiefe gezogen zu werden. Wenn du da hinkommst, siehst du tausende dieser Knochengestalten, an manchen Schädeln hängt noch Erde oder sogar Würmer, die wie wahnsinnig über die Fluten jagen und versuchen sich vor dem Untergang zu retten. Der Himmel über ihren Köpfen ist pechschwarz und es blitzt und donnert die ganze Zeit. Das ist so laut, dass es sogar noch das Heulen der Skelette und das Klappern der Zähne übertönt.“

    Ich merkte schon beim Erzählen, wie Klymeras Augen immer größer wurden, bis sie Gefahr liefen ihr aus den Höhlen zu quellen.

    „Und du...?“ Sie bekam kaum einen Ton heraus.

    „Ich hab gegen die Wassergeister gekämpft. Blieb mir ja nichts anderes übrig. Das ganze Meer war voll von ihnen. Zum Glück konnte ich mich auf eine Insel retten, wohin sie mir nicht folgen konnten.“

    Sie kniff die Augen zusammen.

    „Moment mal, wie konntest du denn gegen Wassergeister kämpfen?“

    „Ich sagte doch, ich kann mich in ein Meermädchen verwandeln“, erklärte ich treuherzig.

    Sie streckte ihr Kinn hoch.

    „So viel ich mich entsinne, kannst du das gerade nicht!“

    Ja, schade, dass sie meine Verwandlung nicht gesehen hatte. Die würde ich ihr doch gerne mal zeigen.

    Oder – nein, lieber nicht.

    Ich zuckte betont gleichmütig die Achseln.

    „Der Zauber kostet eine Menge Energie, darum benutze ich ihn nur, wenn es unbedingt nötig ist“, erklärte ich ihr. „Falls es dich aber interessiert: Ich habe einen ellenlangen Schwanz wie ein Aal, sechs Krallenarme und ein Schwert anstelle der Nase – du hättest mal sehen sollen, wie die Geister vor mir gekniffen haben, die sind geflüchtet, schneller als Kaninchen vor dem Wolf.“

    Klymera kratzte sich skeptisch am Kopf und überlegte, wie ich sehr gut sehen konnte, was von all dem abstrusen Zeug sie glauben sollte. Aber ihre Neugier war schließlich doch größer als ihr Misstrauen. „Also ist dort nur Wasser? Bist du nicht hinter das Meer gekommen?“

    „Genau. Da ist überall, bis in alle Unendlichkeit, nichts als W...“

    Ein Rascheln aus dem Schilf weckte unsere Aufmerksamkeit. Mir gefror das Blut in den Adern. Nein! Bleib, Kamamé, bleib, wo du bist!

    Aber zu spät. Mit eleganten Schritten stolzierte mein Adlerpferd aus der Uferböschung heraus und gurrte Klymera freundschaftlich an. Genau das wollte ich vermeiden, dachte ich verzweifelt. Wie sollte ich das feine Tier vor dem Zugriff dieser Hexe entziehen? Mit meinem losen Mundwerk allein könnte ich ihre Zauberkräfte wohl kaum übertrumpfen... oder, könnte ich?

    „Was ist DAAS?“, keuchte Klymera. Inzwischen waren auch ihre beiden Dienerinnen herbei gelaufen, ebenfalls geflügelte Skeff in schwarzen Umhängen.

    „Ein Seelenvogel“, erklärte ich geistesgegenwärtig. „Er war so nett mich aus dem Totenreich wieder zurück zu fliegen, sonst hätte ich dort bleiben müssen. Diese Vögel leben dort in Schwärmen. Sie bringen die guten Seelen zu den Wolken hoch und die Bösen lassen sie untergehen.“ Ich tat, als müsste ich überlegen. „Vermutlich sind sie sehr streng, denn bei der Masse an Toten können sie ja nicht viele herausholen.“

    Klymera grinste mich an.

    „So, so, ein Seelenvogel“, brummte sie und starrte mein Pferdchen gierig an. „Leih ihn mir.“

    Wusste ich es doch. Was sie mit leihen meinte, war klar. Mich packte das dumpfe Gefühl, schon verloren zu haben. Aber so einfach würde ich mich nicht geschlagen geben.

    „Mach ich gerne – aber nicht gerade jetzt“, redete ich mich heraus. „Verstehst du, ich will nach Hause und das würde zu Fuß furchtbar lange dauern.“

    Sie sah mich lauernd an.

    „Nach Hause? Du meinst, zu diesen Baracken in Tandra, wo wir dich aufgegabelt haben? – Ach, komm, nun sei ehrlich zu mir, mein Täubchen. Wozu hat Turris uns denn zum Nebelmeer geschickt, hm? Das frage ich mich schon die ganze Zeit, und jetzt weiß ich es. Er wollte, dass du ihm das Flugtier raubst, damit er sich mit dessen Hilfe den Königsring holen kann! Nicht wahr?“

    Mist. Was sollte ich jetzt sagen? Die Wahrheit, dass Turris diesen mysteriösen Schlüssel gesucht hatte, den ich sogar gefunden hatte? Auf gar keinen Fall. Den Schlüssel durfte sie nicht bekommen. Ich musste sie auf eine falsche Fährte führen. Vielleicht würde sie mir mein Flugtier dann lassen? Ich meine, sie konnte selber fliegen, sie brauchte meine luftige Freundin gar nicht.

    „Nein“, widersprach ich ihr vehement, woraufhin ich den ersten besten Gedanken weiterspann, der mir in den Kopf stieg: „Ich sollte wirklich nur einen Durchgang nach drüben finden. Diesen Pferdeadler habe ich nur deshalb mitgenommen, weil ich drüben auch die Seele meines toten Vaters gesehen habe. Da dachte ich, vielleicht kann ich sie fangen und wieder zurück holen, und zack...“

    Ich vollführte mit der Hand eine ruckartige Bewegung, so als wollte ich unsichtbare Seelen aus der Luft fangen. Klymera hob ihre Augenbrauen bedenklich in die Höhe. Schlechte Geschichte. Murissa, streng dich an, das kannst du besser!

    „Klingt nach einer aufregenden Jagd“, kommentierte sie ironisch und musterte mich auf eine sehr seltsame Art und Weise. „Und wo ist sie jetzt, diese Seele?“

    Fieberhaft suchte ich nach einem plausiblen Objekt. Aber meine tapfere Kamamé trug ja nicht mal mehr ihren Sattel, den sie bei ihrem Tauchgang verloren hatte.

    „In dem Pferdchen drin“, behauptete ich kurz entschlossen. „Merkst du es? Darum ist es so nett zu mir.“

    Inzwischen gab sich Klymera nicht mal mehr Mühe zu verbergen, wie total unplausibel sie diese Geschichte fand. Auf ihre Lippen trat ein hämisches Grinsen.

    „Na, umso besser“, erwiderte sie in demselben leichten Ton, den ich angeschlagen hatte. „Dann haben wir ja jetzt endlich ein Pfand in der Hand. Turris hat uns nämlich bis jetzt nicht einen Scheller an Lohn gezahlt, der Hundesohn. Ich beschlagnahme diesen Vogel, so lange, bis du mir den Zaster besorgst, den er mir schuldet. Das kannst du ihm bestellen, wenn du ihn siehst.“

    Damit packte sie meiner Kamamé in die Zügel und zog sie zu sich heran.

    „Aber ich werde ihn nicht sehen“, gab ich erschrocken zurück. „Er ist wohl noch am Nebelmeer, oder? Dorthin gehe ich niemals zurück, das ist mir viel zu gefährlich!“

    Vorsichtig versuchte ich, ihr den Zügel wieder aus der Hand zu nehmen, aber sie stieß meinen Arm grob zur Seite.

    „Das ist kein Spaß“, fauchte sie mich an. „Ich weiß, dass ihr zwei unter einer Decke steckt. Und, nein, er ist nicht mehr am Nebelmeer. Er hat uns ja von dort bis in die Wälder hineingejagt. Wo er jetzt steckt, weiß niemand – aber er wird ganz gewiss heimkehren zu seiner Familie nach Tandra. Das liegt also ohnehin auf deinem Weg.“

    „Du denkst wirklich, er fällt in Tandra ein, mit all seinen Geisterhaien?“, rief ich erschrocken. „Würde er nicht die ganze Stadt verderben?“

    „Ich habe keine Ahnung, was er tun könnte oder würde! Das weißt du wohl besser als ich, Fräulein Meermädchen und Totenreich-Bezwingerin!“, fiel Klymera mir höhnisch ins Wort, wobei sie ihre schwarzen Augen zusammenkniff. „Spiel mir nicht vor, du hättest Angst vor ihm. Glaubst du, ich hätte nicht gesehen, wie verrückt ihr miteinander herumgeflirtet habt?“

    Musste sie mich daran erinnern? Meine Augen wurden plötzlich feucht und ich musste heftig blinzeln, um vor ihr nicht in Tränen auszubrechen.

    „Schön, ja – aber ich hab Augen im Kopf, ich habe gesehen, wer er ist, genau wie du! Klymera, ich hab mit ihm nichts mehr zu tun, und ich brauche dieses Pferd, bitte...“

    „Du kriegst es zurück, sobald ich meinen Lohn habe.“ Sie starrte mich wütend an. „Murissa, ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich bescheißen lassen.“

    Aber ich gehörte wohl dazu?

    „Pass auf.“ Sie erhob einen Finger und hielt ihn mir drohend vor die Nase. „Turris schuldet mir 50 goldene Hellonen. Die bringst du mir und schon bekommst du diesen Vogel – pardon, diese nette Seele – wieder zurück. Ist doch ganz einfach!“

    Das wurde ja immer schlimmer!

    Ich verlegte mich aufs Betteln.

    „Und wie soll ich das ohne mein Pferd schaffen? Alleine, zu Fuß durch die Wälder ... da komme ich doch nie lebendig irgendwo an! Bitte, Klymera...“

    „Du siegst gegen unzählige Horden aus Wassergeistern und behauptest gleichzeitig, du hättest Angst allein im Wald? Gleich lache ich mich tot.“

    „Wozu brauchst du ein fliegendes Pferd?“, rief ich anklagend. „Du kannst doch selber fliegen! Ich, dagegen...“

    „Nicht überall hin. Der Königsring lag bisher außerhalb meiner Reichweite“, konterte sie kühl.

    Sie glaubte, mein hübsches Tier könnte den verfluchten Ring berühren ohne daran zu sterben? Das durfte ich sie nicht testen lassen, wenn ich nicht mein Reittier verderben lassen und selbst in der Wildnis untergehen wollte!

    „Es fliegt übrigens gar nicht“, spielte ich meinen letzten Trumpf aus. Eigentlich hatte ich damit nur auf die kleine Wunde an Kamamés Flügel anspielen wollen, aber mir ging schlagartig auf, dass Klymera ja das Zauberwort nicht kannte, ohne das sie nicht gehorchte. Selbst wenn die Wunde ausheilte, würde es der Feuerhexe nicht mal mit der weltbesten Hexerei gelingen, mein Vögelchen in die Luft zu bekommen.

    Natürlich glaubte sie mir nicht. Höhnisch grinsend schwang sie sich auf den Pferderücken und gab Zunder. Ach du Schreck – sie versuchte tatsächlich, den Pferdeadler durch stechende Flammen, mit denen sie seinen Hals und Rücken ankokelte, zum Fliegen zu motivieren! Und als ich versuchte, sie an den Beinen herunterzuzerren, jagte sie einen Feuerstrahl nach mir. Vor Schreck sprang ich gleich mehrere Meter zurück. Der Strahl setzte einen Busch in Flammen, der gleich wie eine Fackel meterhoch zu brennen begann.

    Dann versuchte sie das Vogeltier zum Fliegen zu bewegen. Kamamé buckelte so kräftig, dass sie ihre böswillige Reiterin in die Luft schleuderte, die sich dort jedoch mit wilden Flügelschlägen auffing und es gleich noch einmal probierte. Wütend musste ich dabei zusehen, wie die Diebin mein Pferd malträtierte und es mir vor den Augen wegklauen wollte. Konnte ich denn überhaupt nichts machen? Hatten Feuerhexen nicht auch vor etwas Angst?

    Zum Beispiel vor ... Wasser?

    „Wirf sie in den See!“, schrie ich meinem Pferd zu, schäumend vor ohnmächtigem Zorn. Was es leider nicht umsetzte und Klymera nur zu einem dreckigen Lachen veranlasste.

    Na warte.

    Meine magischen Murmeln, fiel es mir nun ein. Zwei davon, die ich mir auf dem Basar geschnickt hatte, steckten ja noch in meiner Hosentasche. Schnell drehte ich meiner Widersacherin den Rücken zu, damit sie nicht sehen sollte, was ich tat, und fummelte eines heraus. Unauffällig rieb ich daran und drückte sie etwas zusammen.

    Meine Finger wurden warm und empfänglich für den Geruch des Seewassers, sogar für die Tropfen selbst, die sich an der Oberfläche tummelten. Ich brauchte nur ein wenig zu ziehen, da sprangen sie mir schon entgegen und platschten auf meine Hände hinauf. Ich ergriff den Schwall, der schnell wuchs, und schleuderte die Fontäne auf Klymera. Mit einem gellenden Schrei wollte sie absteigen, aber da hatte ich sie schon erwischt und aus dem Sattel gerissen, lenkte den Strahl weiter gegen ihre beiden Dienerinnen, die ich in die Büsche schleuderte – und meine Kraft erlosch wieder. Eilig rannte ich zu meinem Pferd, schwang mich auf ihren Rücken und raunte: „Flieg, Kamamé, bitte!“

    Aus den Augenwinkeln sah ich die Feuerhexe zitternd am Boden liegen. Viel Wasser hatte sie eigentlich nicht abbekommen, nur ihr Hemd war etwas nass und ihre Arme, aus denen es merkwürdig zischte und sogar ein wenig dampfte – wie wenn man ein Lagerfeuer gelöscht hat.

    Ihre Aura war weg! Hatte ich es geschafft, ihre Zauberkraft zu verdampfen? Sie würde vor ihrer Göttin betteln und um neue flehen müssen... Mit zornglühenden Blicken robbte sie einen Schritt vor mir zurück. Ich glaubte kaum, was ich sah. Noch nie hatte sich eine Zauberin vor mir gefürchtet. Eine seltsame Ahnung stieg in mir auf. Vielleicht ... würde mein Leben nicht so elendig weiter gehen, wie es bis jetzt gewesen war? Vielleicht könnte ich eines Tages auch Dinge von Bedeutung bewegen?

    Da erhob sich Kamamé auch schon mit mir in die Höhe und sauste pfeilschnell davon.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Sehr geil, Kirisha :thumbsup:

    Wie Murissa sich hier wieder mal in ein nicht enden wollendes Lügenkonstrukt verstrickt, erzählt und erzählt, ohne rot zu werden oder ins Holpern zu geraten...mit dieser Story über das Totenreich hat sie sich förmlich selbst übertroffen. :rofl:

    „Und wo ist sie jetzt, diese Seele?“

    Fieberhaft suchte ich nach einem plausiblen Objekt. Aber meine tapfere Kamamé trug ja nicht mal mehr ihren Sattel, den sie bei ihrem Tauchgang verloren hatte.

    „In dem Pferdchen drin“, behauptete ich kurz entschlossen. „Merkst du es? Darum ist es so nett zu mir.“

    Erst ab hier wurde es mir dann doch zu wüst mit den Geschichten...was hält sie davon ab, einfach zu sagen, das sie die Seele unterwegs wieder verloren hat? Das würde ich plausibler finden, als zu behaupten, dass sie in dem Tier drin steckt :hmm: (Ist aber vielleicht auch Geschmacksache)


    Klymera ist herrlich bösartig und hinterhältig, wie man sie kennt. Die Idee, Murissa mit dem Tier erpressen zu wollen gefällt mir. (Ich finde, das klappt auch ohne die Seelengeschichte...einfach nur, weil es ein herrliches Flugpferd ist) Auch der zunächst stattfindende verbale Kampf zwischen den beiden, bei dem Murissa verzweifelt alles versucht, um Klymera umzustimmen, ist dir gut gelungen. Dass sie es letztlich geschafft hat, sich gegen die Hexe zu behaupten, kam für mich ein wenig unerwartet. Aber es hat dennoch irgendwie gepasst. ^^


    Vielleicht wächst Murissa ja tatsächlich noch über sich hinaus.


    Wann geht`s weiter? :gamer:

  • Danke liebe Rainbow für deinen Kommentar.

    Erst ab hier wurde es mir dann doch zu wüst mit den Geschichten...was hält sie davon ab, einfach zu sagen, das sie die Seele unterwegs wieder verloren hat? Das würde ich plausibler finden, als zu behaupten, dass sie in dem Tier drin steckt :hmm: (Ist aber vielleicht auch Geschmacksache)

    Stimmt. Das leuchtet mir ein, ich ändere das.

    DANKE!!!


    Und hier geht es nun weiter mit Penthesilea:


    P2. Das Gedankentor

    Penthesilea


    „Das Tor ist offen – der Weg ins Hexenland ist frei!“

    Diesem Ruf meiner Botinnen bin ich eilig gefolgt und stehe nun vor dem himmelhohen eisblauen Gebirge, an dessen Fuß wir unser Lager aufgeschlagen haben.

    Ein offenes Tor? Wo denn?

    Trotzig ragt die endlose Grenzwand vor mir auf. Wie riesenhafte bläulich schimmernde Eisbrocken, die bis in den Himmel hinaufgewachsen sind. Wo sie enden, ob sie überhaupt ein Ende haben, kann ich nicht erkennen. Wie an allen Tagen zuvor sehe ich weder zu den Seiten noch nach oben irgendein Ende der seltsamen Formation, die hart ist wie Fels, bläulich und durchsichtig schimmert wie Eis, und die doch weder Fels noch Eis ist. Denn sie strahlt keine Kälte aus und sie lässt sich nicht berühren – bissige Wassergeister toben in dem Gewässer davor und hindern uns daran, nah heran zu kommen. Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich direkte Berührungen meide und sie auch dem Heer verboten habe: Dieses Gebirge sieht zwar aus, als bestünde es aus Materie, doch in Wahrheit wird es aus tausenden von Totenseelen gebildet, die sich aneinandergekettet haben und gemeinsam ein unpassierbares und auch gefährliches Hindernis bilden. Untote Gebilde zu berühren kann immer üble Folgen haben.

    Obwohl die Botin es so euphorisch gemeldet hat, sehe ich nirgends einen Durchgang.

    „Wo ist das Tor?“, fragt Chep, die muskelbepackte Generälin der Orkas, zu deren Truppe die Botin gehört.

    „Es war gerade noch da“, verteidigt sich Zok, welche die Nachricht brachte. Verwirrt kratzt sie sich mit ihren mächtigen Pranken die strubbeligen Haare. „Ich sagte doch, da kam ein grüner Strahl aus Eurem Zelt, Königin, damit öffnete Murissa das Gebirge genau an dieser Stelle und durch die Öffnung ist die Gefangene abgehauen.“

    Ich winke Parchemea zu mir, die Generälin der gemischten Truppe. Diese ist eine untersetzte Kriegerin mit einem Panzer auf dem Rücken, unter dem sie sich wie eine Schildkröte verstecken kann.

    „Ist ihr jemand gefolgt?“

    Die Panzerträgerin nickt.

    „Jawohl, Königin, wie befohlen. Malok und Cornea sind auf Flugpferden hinterhergeflogen.“

    Grimmig starre ich auf die massive Bergwand vor mir. Ob Murissa wirklich fortgeflogen ist? Oder wurde sie im Berg eingemauert, als er sich wieder verschloss? – Und meine Botinnen? Sind sie hindurchgekommen?

    „Unglücklich. Das Tor ist jetzt wieder geschlossen, als wäre es nie dagewesen“, murmelte Parchemea. „Und wir können es nicht öffnen.“

    „Wenn diese kleine Hexe das konnte“, erwidere ich säuerlich, „dann gelingt es uns auch.“

    Es muss gelingen. Ich habe meine 7000 Kriegerinnen nicht hierhergeführt, nur um mich von einer Wand aus Totenseelen zum Narren halten zu lassen.

    Ein beunruhigender Gedanke blitzt in mir auf. Vielleicht war es ein Fehler, die Botinnen der Gefangenen nachzusenden, die jetzt bereits drüben sind. Hoffentlich haben sie Hirn genug, unauffällig zu bleiben, auf mögliche Gefahren zu achten und sich nicht von den Einwohnern des uns unbekannten Landes einfangen zu lassen! Aber das bläuen wir allen Kriegerinnen in den Schulungen ein. Ich hoffe deshalb, darum muss ich mir keine Sorgen machen.

    Also gut. Diese Grenze müssen wir öffnen, das hat jetzt Priorität. Meine Unterhändlerin Malaxes hat Murissa dabei beobachtet, wie sie floh, sie wird mir berichten können, wie wir ihr nachfolgen.

    Ich klatsche in die Hände.

    „Alle Generälinnen in mein Zelt zur Lagebesprechung! – Die Novizin Malaxes soll ebenfalls kommen und einen Rapport abliefern!“


    Eilig laufe ich in unser Lager zurück, sehe aber kaum die hunderte von Zelten, an denen ich vorbeihaste. Wir stehen so kurz vor unserem Ziel, nun will ich dieses auch erreichen!

    Kaum habe ich die Leinentür meines Zeltes geöffnet, als mir auch schon die grüne Strahlung meines Magiebaumes entgegenflimmert. Der Baum steht noch immer in seiner schief gewachsenen Form in meinem Zelt und ragt bis zur Zeltdecke hoch. Er sieht durchsichtig aus und in seinem Inneren wirbelt türkisfarbene Strahlung wie Wellen in der Brandung. Ich bleibe so nah daneben stehen, dass ich die magische Kraft des Baumes fühlen kann, was mich erfrischt und belebt. Erst jetzt erfasse ich mit allen Sinnen, dass der Stamm des Baumes nur eine Hülle ist, innerhalb derer eine Kette von Totenseelen eng aneinandergeklemmt sind. Genau wie in dem Grenzgebirge. Puh – schaurige Vorstellung. Ich habe ihre Schreie schon gehört. Glücklicherweise nehme ich sie nicht wahr, solange ich den Stamm nicht berühre. Dieser Baum, dessen Energie ich aus der Grenzmauer entnommen habe, ist die Quelle, an die mein Seelensprung-Zauber gebunden ist. Der hat mir bereits einigen Nutzen gebracht, vielleicht wird er auch ein wichtiger Garant für den Feldzug, den wir gerade planen.

    Meine vier Generälinnen und ihre Stellvertreter haben bereits auf den Feldhockern Platz genommen.

    „Malaxes zu mir!“, befehle ich den Dienerinnen. Von hinten schieben sie die kleine unscheinbare Schwimmerin nach vorn, die sehr verlegen ist, dass meine Blicke nun auf ihr ruhen und die vor Ehrfurcht gleich vor mir auf die Knie fällt.

    Ich tippe leicht gegen ihre Schultern.

    „Steh auf.“

    Eifrig gehorcht Malaxes und blickt mich aus ihren großen dunklen Augen an.

    „Es tut mir leid, dass wir in Euer Zelt eindrangen! Euer Befehl lautete, ich soll der Gefangenen ihren Willen lassen, darum hielt ich sie nicht auf, aber Ihr fandet es gewiss ungehörig ...“

    „Du hast nur den Befehl befolgt“, wische ich ihren Einwand zur Seite. „Berichte, wie hat Murissa den grünen Strahl erzeugt?“

    „Sie hat mit dem Finger in diesen magischen Baum hier hineingefasst ... er wurde durchlässig unter ihrer Berührung und fing dann an zu strahlen“, berichtet Malaxes. „Allerdings hat sie dabei einen Schlag abgekriegt und wurde bewusstlos ...“

    Das ist alles? Allein die Berührung erzeugt den Strahl? Dann muss ich ihn selber bereits vorher einige Male erschaffen haben ohne es zu merken! Dass die Berührung des Magiebaums so ihre Tücken hat, weiß ich bereits. Doch ich habe inzwischen Erfahrung genug, dass ich es mir zutraue.

    „Malaxes hat ihre Rolle als Befreierin der Gefangenen ziemlich überzeugend gespielt, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Königin“, unterbricht eine der Wächterinnen meine Gedanken. „Hat man Euch erzählt, dass sie einen der Fischherren geküsst hat“, dabei verzieht sie angewidert die Lippen, „den wir in dem Tümpel gefangen halten?“

    Meine Blicke werden zu Eis. „Wie bitte?“

    Wir Amazonen küssen nicht. Das ist ein nutzloses Ritual, auch wenn wir es schon bei vielen Völkern beobachtet haben. Doch zum Zeugen von Nachwuchs ist es unnötig, bringt nur Komplikationen und hat daher zu unterbleiben.

    „Habe ich nicht!“, beteuert die Novizin sofort. „Das war nur so als ob. Ein Trick, um Murissas Vertrauen zu gewinnen!“

    Ihre Wangen färben sich feuerrot. Hat sie Angst, ich würde ihr nicht glauben? Dazu gibt es keinen Grund.

    „Gut. Danke für deine Arbeit. Du kannst gehen!“

    Malaxes verneigt sich tief, bedankt sich mehrfach für meine Güte und mein Vertrauen und hastet dann eilig aus meinem Zelt.

    „Und jetzt?“, fragt Parchemea und legt die Stirn in Falten. „Dieser magische Baum ist tückisch, ich würde davon abraten ihn zu berühren!“

    Die Generälinnen wissen nicht, was ich mit der Seelenenergie schon für Experimente gemacht habe, weil ich das im Geheimen tat. Gedankenmagie gehört zur Spiritistik und ist eigentlich für uns Kriegerinnen verboten. Darum reagieren die Generälinnen auch so skeptisch. Ich will ihnen nicht gern erklären, dass ich mich über das Verbot hinweggesetzt habe und gedenke, das auch in Zukunft zu tun – wenn es notwendig ist, um den Kriegszug zu gewinnen.

    „Lasst mich allein“, befehle ich daher freundlich aber bestimmt und weise sämtliche Anwesenden aus meinem Zelt heraus.

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    3 Mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hey Kirisha,


    ich habe mich bei diesem Teil gefragt, wie er wohl auf die neu dazu gestoßenen Leser wirkt, die den ersten Teil nicht kennen. :hmm:

    Ich könnte mir vorstellen, dass Penthesilea mit ihrem Kriegszug und den verschiedenartigen Generälinnen einige Fragen aufwerfen. Würde mich mal interessieren, wie man das so als unbescholtener Leser ohne Vorinformationen aufnimmt.

    Ich habe den Eindruck, Penthesilea muss sich hier noch einiges einfallen lassen, wenn sie das Risiko, welches mit dem Kriegszug gegen Damarynth einhergeht, realistisch einschätzen möchte.

    Die Lagebesprechung hat mich zumindest noch nicht voll und ganz überzeugt...unter anderem deshalb:

    Wie ist deine Meinung, Naftare? Ich kann wohl davon ausgehen, dass du schon Nachforschungen über dieses Hexenreich angestellt hast.“

    „Gewiss“, bestätigt sie. „Allerdings stammen die jüngsten Daten, die unsere Schriften notieren, aus dem Jahr 4510. Das bedeutet, sie sind über 1500 Jahre alt.“

    „Jede Information ist hilfreich.“

    Na ja,... 1500 Jahre sind ne Menge..ob das wirklich so hilfreich ist :hmm:


    „He, Naftare! Bist du sicher, dass deine Informationen stimmen? Das Hexenland interessiert mich schon lange und ich habe in einem unserer antiken Logbücher eine Bemerkung gelesen. Dort hieß es, das Volk der Elgo seien Herrscher des Landes. Das ist angeblich ein Volk von Reitern, auf Pferden geboren und mit ihnen verwachsen. Sie haben Pferdemähnen – so wie diese Murissa, die in unserem Lager war.“

    Vermutlich stimmt vieles nicht mehr, was die alten Schriften sagen“,

    Ja, genau! Das meinte ich oben...


    Aber warum glaubt Penthesilea, dass sie einen Kriegszug planen kann, wenn sie so überhaupt keine Informationen hat? Im Grunde ist sie nach diesem Gespräch genauso schlau, wie vorher :hmm:

    Aber die Besprechung ist ja auch noch nicht zu Ende ... vielleicht kommt ja noch was ^^


    Ich bleibe gespannt :gamer:


    LG,

    Rainbow

  • Da geht's mir ein bisschen wie Rainbow - das wirkt leider alles nicht so wahnsinnig professionell - eher wie ein paar Schulmaedchen die da Kriegerprinzessinnen spielen und einen Feldzug planen als erfahrene Soldatinnen.


    Ich sollte einen Plan haben, bevor wir in dieses Land einfallen.

    Ja, in der Tat.


    Aufklaerung - keine Karte, keine Vorstellung wo der Gegner steht, wo man eigentlch hinsoll - waer schon wichtig.

    Logistik - die Truppe will bestimmt auch was zwischen die Kiemen schieben wenn man drueben rastet - wie kommt das Futter mit?

    Taktik - der bisherige Plan betonte ja die Schwimmerinnen - nur sind die jetzt nur bedingt hilfreich, ein bisschen umorganisieren sollte man wahrscheinlich bevor man feststellt dass der Feind auf dem trockenen Land ist.


    'Ich sollte einen Plan haben' ist ein bisschen eine duerftige Erkenntnis fuer jemanden wie sie.

    Bist du sicher, dass deine Informationen stimmen?

    Dumme Frage - Naftare hat klar und ehrlich gesagt dass ihre Info dramatisch veraltet ist und sie alles andere als sicher ist dass sie stimmt.

    Hauen wir dieses Volk in den Boden!

    Komische Metapher...

  • Hallo ihr Lieben und vielen Dank für eure Anmerkungen!

    Es waren bei euch wohl vor allem zwei Punkte, die euch nicht überzeugt haben.


    Ich könnte mir vorstellen, dass Penthesilea mit ihrem Kriegszug und den verschiedenartigen Generälinnen einige Fragen aufwerfen. Würde mich mal interessieren, wie man das so als unbescholtener Leser ohne Vorinformationen aufnimmt.

    Das stimmt. Deshalb habe ich nun in den Text eine kurze Beschreibung eingefügt, die Penthesilea und ihr Heer mit ein paar knappen Worten vorstellt, damit ein neuer Leser sich überhaupt ein Bild machen kann, wer hier auftritt.


    Dann hat euch die Kriegsstrategie auch nicht überzeugt.

    Ich habe den Eindruck, Penthesilea muss sich hier noch einiges einfallen lassen, wenn sie das Risiko, welches mit dem Kriegszug gegen Damarynth einhergeht, realistisch einschätzen möchte.

    Die Lagebesprechung hat mich zumindest noch nicht voll und ganz überzeugt.


    Aufklaerung - keine Karte, keine Vorstellung wo der Gegner steht, wo man eigentlch hinsoll - waer schon wichtig.

    Logistik - die Truppe will bestimmt auch was zwischen die Kiemen schieben wenn man drueben rastet - wie kommt das Futter mit?

    Dieses Thema, die Vorbereitung der Kriegsführung, ist natürlich bei dieser Besprechung zentral.

    Ich habe den Text jetzt mal korrigiert und ihn auch upgedated.

    Da sie den Kriegszug auf Befehl der Göttin führen, können sie nicht beschließen, ihn abzubrechen, weil Infos fehlen. Das habe ich nochmal betont.

    Diese uralte Info von vor 1500 Jahren ist natürlich in Bezug auf den Kriegszug "fast ganz" wertlos und das wird sich auch rausstellen (aber sie hat trotzdem eine Bedeutung und darum hab ich es erwähnt). Und die Beratung war ja bei dem Cut noch nicht zu Ende. Ich habe es jetzt mal etwas korrigiert, damit deutlich wird, dass sie sich nicht kopflos ins Abenteuer stürzen wollen und die Fakten durchaus noch checken.

    Dein Hinweis mit der Verpflegung, dazu lasse ich mir auch noch etwas einfallen, dazu werde ich noch etwas einfügen.


    Ich habe also den Text jetzt mal etwas verändert und hoffe, er kommt jetzt nachvollziehbarer rüber.

    Vielen Dank für die Hinweise! :)

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Hey Kirisha,


    da ich gerade unerwartet noch ein bisschen Zeit gefunden habe, mich deiner Überarbeitung zuzuwenden, kommt hier auch gleich eine Rückmeldung dazu:

    Erst jetzt erfasse ich mit allen Sinnen, dass der Stamm des Baumes nur eine Hülle ist, innerhalb derer eine Kette von Totenseelen eng aneinandergeklemmt oder geklebt sind.

    das "geklebt" würde ich wahrscheinlich streichen. Klingt irgendwie...keine Ahnung ... nach basteln :rofl:

    Vielleicht eher: innerhalb derer eine Kette von Totenseelen eng ineinander verwoben sind. Oder sowas :hmm: (nur so ne Idee)


    Dieser Feldzug soll perfekt beginnen, um den größtmöglichen Erfolg zu bringen.

    "beginnen" und bringen" reimt sich fast ein bisschen :hmm: Insgesamt finde ich die Formulierung sehr stark vereinfacht und fast ein bisschen naiv formuliert.

    Kann sie nicht was anderes denken? irgendwas, das einer Königin mit den vielen Kriegserfahrungen gerecht wird? Ich überlege gerade, ob man den Satz nicht einfach komplett raus streichen kann, weil es im Grunde derart selbstverständlich ist, dass sie logischerweise gewinnen will.


    Oder sie könnte sowas denken wie.. Unsere Taktik muss wohl überlegt sein. Sie wird über Sieg oder Niederlage entscheiden...


    „Ein Land voller Hexen haben wir noch nie überfallen“, erklärt die Schwimmerin abweisend und knetet ihre mit Häuten verbundenen Finger. „Was machen wir, wenn sie stärker sind als wir?“

    „Stärker als wir, machst du Witze?“ Ich sehe sie scharf an. „Bis jetzt haben wir nie ein Volk getroffen, das unserer Magie etwas entgegen setzen konnte.

    Das deckt sich aber nicht so ganz mit ihrer vorher beschriebenen Ehrfurcht. Wenn Penthesilea wirklich so überzeugt davon wäre, den Hexen haushoch überlegen zu sein, müsste sie sich wenig Gedanken über eine gute Taktik machen, oder? :hmm:

    Okay, es könnte sein, dass sie hier ein wenig Show macht, weil sie sich als Heerführerin keine Schwäche eingestehen möchte, aber ganz ehrlich...wenn ich so eine Lagebesprechung mit meinen Generälinnen abhalten würde, fände ich es wahrscheinlich hilfreich, mit offenen Karten zu spielen. Sonst wird die ganze Sitzung irgendwie ad absurdum geführt, oder?


    „Wenn es keine neueren Berichte gibt, bitte ich darum die Alten zu erfahren.“ Ich nicke ihr zu.

    „Also.“ Sie räuspert sich. „Die Bevölkerung von Damarynth besteht aus vier verschiedenen Rassen. Es regieren die Chyrren, ein Seevolk, das unter Wasser lebt. Über zwei Drittel der Landesfläche ist mit Wasser bedeckt, von Landesmitte bis in den Süden mit Ausläufern nach Nordwesten. Im Wasser wächst freie Magie heran, aus der die Chyrren ihre Kraft beziehen.“

    Hier fände ich es ganz gut, wenn sie das nicht so erzählen würde, als sei es so...sondern als sei es mal so gewesen...das ist ein Unterschied, finde ich. Also: Die Bevölkerung bestand damals oder zum damaligen Zeitpunkt aus....es regierten die sowieso...weißt du, was ich meine. :hmm:


    Ansonsten haben mir deine Änderungen gefallen. Vor allem den abschließenden Hinweis, dass sie den Gegner erst kennenlernen wollen, ohne erkannt zu werden...Das klingt zumindest nach einem Plan. Obwohl der ja nun nicht mit den Botinnen besprochen wurde, die Murissa schon gefolgt sind. Hoffentlich halten sie sich dran und mischen da drüben nicht alles auf :rofl:


    LG,

    Rainbow

  • Hey Kirisha,


    endlich schaffe ich es mal wieder mich zu melden. Dafür hole ich noch mal auf:


    Zu 1.2

    Da klatschte etwas hinter mir aus dem Wasser heraus. Es war etwas Fluffiges, Weißes, Freundliches – keiner dieser Geister auf jeden Fall – meine Kamamé!

    Wie kann etwas aus dem wasser heraus klatschen? Ich kenne nur etwas klatscht in Wasser hinein. Das Wort klatschen finde ich auch sehr umgangsprachlich. Vielleicht eher sowas wie: "Das Wasser neben mir wurde unruig und etwas Großes erhob sich aus dem Wasser. Vor Schreck konnte ich kaum durch meine Kiemen atmen. Es war etwas fluffiges weißes ..."


    Sie streckte mir ihren Schnabel entgegen und ließ daraus einen dicken Hecht mir vor die Füße fallen

    Die Satzstellung ist etwas holperig. Einfacher wäre: ... und ließ daus einen dicken Hecht fallen, der direkt vor meinen Füßen landete.


    Du glaubst wohl nicht, dass wir sowas essen?

    Öhm, wieso isst Murissa keinen Hecht? Isst man bei ihr keine Fische? Dann wäre hier eine Erlärung angebraucht: "Wer hat je davon gehört, dass man Fische essen kann?"


    Das war ´ne optische Täuschung

    Man spricht so, aber zum lesen finde ich "eine" immer angenhmer als mit Apostrophe.



    Verdammter Hexenfurz, jetzt geht mir alles durch die Lappen!

    Mega gut! Sowas gefällt mir super, da merkt man, dass es eine andere Welt ist.



    Da blieb mir wohl keine andere Möglichkeit als eine Flucht nach vorn.

    Typisch Murissa, mal wieder voll gut getroffen! :thumbup:


    Ich mache die Kommentare mal Blockweise, dann ist es glaube übersichtlicher.

  • Kirisha

    zu 1.3



    Die Seelen der Verstorbenen werden nachts mit den Knochen zusammen aus den Leichen herausgezogen und von Wassergeistern in das Totenreich gebracht.

    Den Satz musste ich zweimal lesen. Da steckt so viel Information drin. Ist das wichtig? Könntest du das ein bisschen mehr beschreiben? Ansonsten kannst du das mit den Knochen vielleicht weglassen.



    du hättest mal sehen sollen, wie die Geister vor mir gekniffen haben, die sind geflüchtet, schneller als Kaninchen vor dem Wolf.“

    Das Wort gekniffen finde ich zu modern für dein mittelalterliches Setting. Vielleicht: "wie sich die Geister vor mir gefürchtet haben?"


    Klymera kratzte sich skeptisch am Kopf und überlegte, wie ich sehr gut sehen konnte, was von all dem abstrusen Zeug sie glauben sollte

    Es macht immer wieder Spaß Murissas Lügengeschichten zu hören und die Fassungslosigkeit der anderen Protagonisten zu sehen. Eignetlich kann sich sowas so schnell niemand ausdenken, außer Murissa :D


    Ach, komm, nun sei ehrlich zu mir, mein Täubchen

    "mein Täubchen" - hört sich für mich nach einer alten Tante um 1900 herum an (die sowas sagen würde), nicht nach einer mächtigen Tempelpristerin.


    Inzwischen gab sich Klymera nicht mal mehr Mühe zu verbergen, wie total unplausibel sie diese Geschichte fand.

     

    Anstatt unplausibel vielleicht unglaubwürdig?


    Spiel mir nicht vor, du hättest Angst vor ihm. Glaubst du, ich hätte nicht gesehen, wie verrückt ihr miteinander herumgeflirtet habt

    Hat die Feuerhexe Murissa nicht immer vor Turris gewarnt? Ich wundere mich, dass sie jetzt so sehr der Meinung ist, dass die beiden zusammen gearbeitet haben? ?(



    Murissa, ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich bescheißen lassen

    Anstatt bescheißen vielleicht betrügen? Erstes finde ich zu modern...



    Ihre Aura war weg! Hatte ich es geschafft, ihre Zauberkraft zu verdampfen? Sie würde vor ihrer Göttin betteln und um neue flehen müssen...

    Das ist ja mal richtig spannend, das Murissa mit ein bisschen Magie der Feuerhexe derat das Feuer nimmt.



    Mit zornglühenden Blicken robbte sie einen Schritt vor mir zurück.

    Ich finde das könntest du noch etwas ausschmücken. Eigentlich kann ich mir die Feuerhexe gar nicht richtig zorning vorstellen. Wenn sie zum ersten Mal (davon gehe ich mal aus) ihre Aura verlogen hat, sollte sie dann nicht ängstlich sein? Ehrfürchtig? Ich finde auf ihrem Gesicht könnte sich eine Folge von Gefühlen spiegeln (auch zorn) und wie sie vor Murissa zurück schreckt könnte auch noch deutlicher werden.

  • Kirisha

    P2

    Hast du Fakten für uns, Naftare?


    Das wurde von den Anderen auch schon angemerkt. Die Königin weiß doch, dass das Reich verschollen ist. Wie soll es da noch aktuelle Fakten geben. Vielleicht Informationen anstatt Fakten?


    Es regieren die Chyrren, ein Seevolk, das unter Wasser lebt. Über zwei Drittel der Landesfläche ist mit Wasser bedeckt, von Landesmitte bis in den Süden mit Ausläufern nach Nordwesten. Im Wasser wächst freie Magie heran, aus der die Chyrren ihre Kraft beziehen.“

    Das finde ich sehr spannend. Jetzt erfährt man mal was über Murissas Land. Hat das Land eigentlich von Murissa aus einen Namen? Es scheint sich einiges in den letzten 1500 Jahren geändert zu haben...


    Die unterseeischen Völker kennen sich untereinander. Noch niemand hat mir etwas von Wasserwesen im Hexenland erzählt.

    Das musste ich zweimal lesen. Wenn das Land seit 1500 Jahren verschollen ist, kann doch niemand das Volk kennen. Vielleicht irgendwelche Legenden oder Sagen. Vielleicht: "Ich hätte gedacht ich würde irgendwelche Legenden oder Sagen kennen, denn eigentlich wissen wir untersseischen Völker voneinander und vergessen uns nicht!"


    erklärt Goplea und stützt ihre ledrigen Klauenfinger gegen den flimmernden Magiebaum in meinem Zelt – die ich ihr sofort und mit einem warnenden Blick zur Seite reiße. Die Begegnung mit den Totenseelen darin ist nichts für schwache Nerven.

    Fasst Goplea den Baum an? Weil wenn sie ihn berührt sollte sie doch direkt mit den Totenseelen in Kontakt kommen, das scheint aber nicht der Fall zu sein. Hier könntest du noch deutlicher herausarbeiten, ob sie den Baum berührt oder nicht (Sorry, ich war mit der Murmel in Band 1 auch schon etwas pingelig, was das anging :rolleyes: ). Vielleicht hat sie Entsetzen auf dem Gesicht o.Ä.? Auch war Goplea ganz schön verrückt im letzten Band, ist sie so schnell geistig wieder beisammen?


    Dort hieß es, das Volk der Elgo seien Herrscher des Landes.

    Wiederspricht das nicht dem Text weiter oben, dass die Chyrren regieren? ?(


    Insgesamt hat mir der Auftakt in Band zwei richtig gut gefallen. Besonders schön finde ich, dass wir mehr über die Hintergründe erfahren. Das dürfte von mir aus gerne noch ausführlicher sein, aber vielleicht kommt ja auch noch mehr.


    Ich versuche ab jetzt wieder schneller zu antworten, dann ist die Starthürde nicht so hoch :saint:

  • Hallo ihr Lieben und ganz lieben Dank für eure Anmerkungen!

    Ich habe den Penthesilea-Teil jetzt nochmal ziemlich stark überarbeitet (also Update Nr. 2) und es noch etwas detaillierter gemacht. Ich hoffe, jetzt ist es besser geworden!


    Rainbow


    Litu

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  • Ich mach jetzt mal weiter:


    2.1 Das Gedankentor

    Nun bin ich allein mit dem Magiebaum, dessen Stamm sich wie eine durchsichtige, von Wellen durchflutete Schlange durch mein Zelt windet. Also gut. Wenn es stimmt, was Malaxes sagte, kann ich aus diesem Baum Strahlen herausholen, stark genug, um den gewaltigen Eisberg zu durchbohren und einen Durchgang zu schaffen. Das jedenfalls muss bei meinen vorherigen Experimenten mit spiritistischer Strahlung passiert sein, ohne dass ich diesen Nebeneffekt bemerkte.

    Auf diese Weise kam Murissa hinein – durch meine eigene Strahlung hatte ich ihr den Weg geöffnet! Doch danach konnte sie nicht wieder zurück, weil der Durchgang sich gleich wieder verschloss. Genau das wird auch uns passieren. Ich muss also nicht nur versuchen, ein Tor zu öffnen, sondern es auch offen halten, damit wir später wieder zurück kommen können.

    Wie soll ich das machen? Wenn ich den magischen Baum berühre, kann ich dadurch die Totenseelen erwecken und wie ich nun annehme, werden sie sich danach bewegen und so einen Durchgang für uns öffnen.

    Allerdings reicht es diesmal nicht, nur eine Tür in das fremde Land zu öffnen. Wir wollen später ja auch wieder zurückkommen. Deshalb darf ich nicht zulassen, dass sich die Tür nach der Öffnung wieder verschließt – sie muss offen stehen bleiben.

    Ich gerate ins Grübeln.

    Wie soll das gehen?

    Habe ich nicht meinen verhexten Baum in demselben vereisten Zustand gefunden, in dem sich auch der Berg befindet? Ich muss zuerst einen Durchgang in den vereisten Berg hinein auftauen und ihn danach wieder einfrieren. Vermutlich gelingt das nur, wenn ich mich diesmal nicht von meinen Gefühlen übermannen lasse. Ruhig bleiben.

    Ich beschließe es zu versuchen.

    Bei der Gelegenheit, wenn ich ohnehin in spiritistische Strahlung eintauche, kann ich auch gleich Murissa aufspüren, deren Seele ich durch den Seelensprung an mich gebunden habe. Meinen Flieger hole ich mir wieder zurück, du kleine Diebin, verlass dich darauf. Und deine Geheimnisse bezüglich meiner Tochter entreiße ich dir, noch bevor du dich heute schlafen legst.

    Am besten fange ich zuerst Murissas Seele ein, um zu erfahren, in welcher Richtung ich sie suchen soll. Entschlossen umfasse ich das Smaragdzepter an meinem Gürtel. Ich spüre, wie es anfängt zu sprühen und wie es versucht, die Verbindung zu der Pferdediebin herzustellen. Warum dauert das so lange? Warum spüre ich das Band zwischen uns nicht?

    Vor meinem geistigen Auge erscheint ein Schriftzug. Meine Kopfbibliothek scheint sich aktiviert zu haben.

    #Fehler 25

    Das markierte Zielobjekt befindet sich mehr als 1000 Schritt entfernt und damit außerhalb der Nahzone. Daher kann der einfache Seelensprung nicht durchgeführt werden. Vergleiche Handbuch XI

    Langsam beginne ich zu verstehen, warum unsere Ahnen die Spiritistik aus der Kriegsführung verbannten. Zu viele Fehlermeldungen! Warum hat der Seelensprung so gravierende Beschränkungen? Das macht ihn ja fast untauglich. Wie leicht kann sich jede markierte Person aus diesem Nahbereich entfernen! Was für eine Enttäuschung.

    Mühsam versuche ich meinen Ärger zu dämpfen. Na warte, elendige Diebin. Glaub nicht, dass ich so leicht aufgebe. Auch wenn ich für den Augenblick dazu gezwungen bin.

    Ich schüttele die Wut auf diese widrige kleine Saboteurin ab. Das darf mich jetzt nicht ablenken.

    Konzentriere dich auf das Tor, damit wir in unser gelobtes Land überhaupt erst einmal hineinkommen. Den Seelensprung und die Angelegenheit Murissa knacke ich später, gelobe ich mir selbst.


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