Kriegerkönigin

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  • Hallihallo,


    ich bin jetzt endlich wieder mit dabei! Hatte einiges aufzuholen, aber hab’s geschafft!


    Mir gefällt das Rätsel um die tote Fürstin, die Totengeister und den Dämonen sehr gut! Als Murissa über die Totengeister nachdenkt, habe ich mich kurz gefragt, woher sie das eigentlich weiß. Und ob sie das nicht schon vorher mit bedacht haben könnte. Sie vermeidet ja etwa die Ansammlung von Geistern und nennt das ganze Selbstmord. Vielleicht könnte man das ändern. Vielleicht könnte sie diese Ansammlung auch einfach ein bisschen eklig finden. Immerhin könnte sie ja von diesen Geistern Krankheiten bekommen.


    Ansonsten habe ich mich noch gefragt, ob das Wort kicken für den Tritt des Gärtners passend ist? Liegt das daran, dass wir diese Szene im Kopf von Murissa erleben? Und damit sozusagen mit ihren Worten?


    Ich mag Murissas Art sehr. Hey, Shalimar ist ein Wassergeist! Nein? Na gut, das war nur ein Witz.

    Im aktuellsten Teil wird ihr Hang zu Lügen für mich aber schon langsam dramatisch 😄


    Statt: lass dich nicht einschmeicheln. würde vielleicht besser passen: Lass dich nicht einwickeln! Oder: lass ihn sich nicht einschmeicheln!


    Turris zieht den Mantel aus, und sagt: komm näher, ich zeige dir, was du sehen wolltest. So ohne Vorankündigung, was das sein soll, wäre ich vielleicht nicht näher gegangen. Aber ich bin ja auch nicht in Turris verliebt.


    In dem Gespräch zwischen Turris und Murissa (im Turm) werden sehr viele Informationen übermittelt. Das ist auf jeden Fall interessant für mich als Leser, weil es einiges aufklärt. Man könnte aber auch überlegen, ob man noch mehr davon außerhalb des Dialogs erzählt, wie bei der Rückblende, in der die riesigen Wasserwesen aufsteigen.


    Im letzten Kapitel bin ich kurz ins Stocken geraten. Der Fürst einer anderen Stadt lädt die Dienerin des heimischen Fürsten bei dessen Party vor, um etwas wichtiges zu besprechen, und schließt diesen heimischen Fürsten dabei einfach aus. Da steht also eine aus seinem Gefolge, herbeigebracht von Wachen (seinen?) und der fremde Fürst sagt: Okay. Erst mal tschau, ich muss Wichtiges mit dieser Person besprechen.

    Aber vielleicht weiß der heimische Fürst ja auch schon Bescheid und es interessiert ihn nicht?


    Und zum Abschluss noch: mir gefällt die Szene, in der es zur Hinrichtung der Schwangeren (fast) kommt. Das ist dramatisch und verleiht der Königin und ihren Leuten mehr Gefährlichkeit und Ernsthaftigkeit. Am Anfang dachte ich: Das kann doch jetzt nicht wirklich passieren!? 😄

    Vielleicht hatte ich auch eine zu lange Lesepause und das gibt es schon. Ansonsten könnte man vielleicht auch schon davor den durch die Amazonen gebrachten Tod deutlicher machen? Dann würde ich das Amazonenheer und die Konsequenzen ihrer Handlungen noch deutlicher erleben.

    Etwa bei der Opferung der Meermenschen. Die Begriffe Opferung und Krieg wirken auf mich manchmal emotional so fern, wenn die Taten nicht deutlicher beschrieben werden. Aber vielleicht macht der Vorschlag auch keinen Sinn.


    Liebe Grüße

    M.

  • Vielen Dank für eure hilfreichen Anmerkungen liebe Rainbow und Moog !


    Rainbow

    Moog

    Und hier das Ende des Kapitels:


    15.3 Im Fürstenpalast

    Dann endlich ging mir ein Licht auf. Es hieß doch, der Fürst hätte vor seiner Heirat eine Geliebte gehabt, die zu den Skeff gehört hatte. Eine extrem mächtige Zauberin, die aber vor vielen Jahren umgekommen war. Ihr Name war Areshva von Ygramor. Ich wusste sogar, wie sie ausgesehen hatte. Das wusste jeder in Aravenna, denn es gab ein großes Denkmal von ihr mitten auf dem Marktplatz. Bei jeder seiner Paraden blieb der Fürst lange davor stehen und schmückte es mit Blumen. Ich fing an, mich etwas zu wundern. Er glaubte doch wohl nicht, die fremde Königin sei seine schon ewig verschollene frühere Geliebte, die aus dem Jenseits heimkehrte? Sicher, eine gewisse oberflächliche Ähnlichkeit war vorhanden. Und hatte ich im Tempel womöglich erwähnt, ich sei im Totenreich gewesen? Da konnte er schon auf absonderliche Ideen kommen. Ich sah ihm an, dass er in der Tat auf genau diese Idee gekommen war. Er starrte mich mit durchdringenden Blicken an wie ein Ertrinkender, der seine Hände nach einem Rettungsring ausstreckt.

    Sollte ich ihm wirklich die Wahrheit sagen?

    Dass er sich irrte?

    Dass er sich damit abfinden musste, seine Geliebte nie wieder zu sehen?

    Auf keinen Fall. Er würde mich in den Kerker werfen oder auspeitschen lassen. Die hohen Herren konnten Nachrichten, die ihren Wünschen nicht entsprachen, überhaupt nicht leiden, das wusste ich aus leidvoller Erfahrung.

    Also schön. Ich fing an, die Königin genauer zu beschreiben und aus ihr eine recht exakte Kopie des Mädchens auf dem Denkmal von Aravenna zu machen. Diese hatte lange flammende Flügel und verwilderte pechschwarze Haare. Ihre zarte Gestalt und das ausgesprochen schöne, ebenmäßige Gesicht waren leicht zu beschreiben, ebenso wie ein gewisser arroganter Zug um ihre Lippen, denn sie war sich anscheinend ihrer magischen Überlegenheit nur allzu bewusst gewesen. Abgesehen davon, dass Penthesilea die Flügel fehlten und ihre Haare auch viel kürzer waren, sah die Königin dem Mädchen auf dem Denkmal sogar etwas ähnlich, sodass ich nicht so arg zu flunkern brauchte.

    Fürst Silvrin hing an meinen Lippen wie eine Priesterschülerin an denen ihrer Meisterin. Er brannte geradezu darauf, mehr und immer mehr über die Königin zu hören. Und diese gräßliche Zauberin an seiner Seite schmolz ebenso unter meinen Beschreibungen dahin. So langsam kam ich zu dem Schluss, dass ich heute doch nicht ausgepeitscht werden würde und unter Umständen sogar noch siebzehn weitere goldene Hellonen verdienen könnte. So wertvoll waren meine Lügen noch nie gewesen.

    Einen Moment lang fragte ich mich, was wohl die Gemahlin des Fürsten dazu sagen würde, wenn sie wüsste, wie sehr er noch immer an seiner früheren Geliebten hing. Aber vermutlich wusste sie davon. Es ging in Aravenna das Gerücht, außer Guten Morgen würden die Eheleute nie ein Wort miteinander wechseln.

    „Worüber habt ihr denn gesprochen?“, fragte Fürst Silvrin nun. Seine Stimme zitterte ein klein wenig, aber genug, um mir zu verraten, das jedes einzelne meiner Worte für ihn ungeheuer wichtig war.

    „Also“, fantasierte ich drauflos, während ich messerscharf überlegte, was er hören wollte. „Sie fragte mich massenhaft Dinge, ich kann mich gar nicht genau an alles erinnern … wir redeten über Aravenna und sie fragte mich nach Euch aus … also ob ich Euch kenne und wie es Euch geht und was Ihr macht.“

    „Hat sie gesagt, wo sie so lange gewesen ist? Warum sie nicht zurückkam, all die Jahre?“

    Ich hätte es ahnen sollen, dass er mich in die Enge treiben würde. Erwartete er, dass ich alle diese Fragen beantworten könnte?

    In seine Augen trat ein hohler, verzweifelter Ausdruck.

    Oh ja. Und wie er das erwartete. Dies war die Frage, die ihn abstürzen lassen könnte. Er hatte sie vermisst … das konnte sich jeder denken, der dieses Denkmal in Aravenna mal gesehen hatte, das immer mit frischen Blumen geschmückt war und sogar noch bewacht wurde, Tag und Nacht. Obwohl kein Mensch ahnte, vor welchem Frevel denn ein Denkmal für ein totes Mädchen überhaupt beschützt werden müsste. War sie gar nicht tot? Ich hatte gedacht … aber das war egal. Zählte nur, was er dachte.

    „Sie sagte, dass sie ein Geheimnis entdeckt hat“, fabulierte ich drauflos. „Und sie musste das erst lösen, bevor sie zurückkommen konnte.“

    „Ein Geheimnis?“, fragte Fürst Silvrin atemlos. „Hat es mit der Sonnengöttin zu tun?“

    Danke für den Tipp.

    „Genau! Sie sagte …“ Jetzt aufpassen. Vorsichtig formulieren. „Also … sie hat die Lösung noch nicht gefunden. Deshalb kann es noch etwas dauern, bis sie kommt.“

    Der Fürst riss sich den Helm vom Kopf und schleuderte ihn in eine Ecke.

    „Kann dauern, was soll das heißen?“, rief er aufgebracht. „Wie lange denn noch?“

    „Das ist bestimmt glatt gelogen“, warf die Skeff frech dazwischen. „Die ganze Geschichte stinkt von oben bis unten. Wenn Areshva zurückkommen könnte, würde sie es einfach tun und sie würde sich nicht damit begnügen, am Nebelmeer herumzuschleichen.“

    „Pirina, beherrsch dich!“, fuhr der Fürst sie an. Er sah auf einmal sehr müde aus. Langsam strich er sich mit der Hand über die Augen. Dann hatte er sich wieder in der Gewalt.

    „Erzähl mir, wo genau du diese Königin getroffen hast“, sagte er mit rauer Stimme.

    Endlich eine Frage, bei der ich nicht zu lügen brauchte. Mir war gleich viel wohler zumute. Es hatte sich irgendwie gemein angefühlt, dem Fürsten solch eine Menge haarsträubender Fantasien aufzutischen. Ich hoffte wirklich, er würde mich nicht zu mehr davon nötigen. Jedenfalls erzählte ich nun, dass wir zuerst Richtung Darghessa geritten waren und von da aus ostwärts, einen schmalen Pfad am Rande des Berges Ygramor entlang.

    „Na logisch“, sagte daraufhin Pirina. Fürst Silvrin nickte. Was daran logisch sein sollte, wusste ich nicht. Jedenfalls berichtete ich, dass wir danach geradeaus geritten waren, bis der Weg endete, und anschließend quer durch den Wald, bis zur Nebelgrenze. Und dass die außer von dem Grenzzauber auch noch von Wassergeistern bewacht wurde.

    Fürst Silvrin drehte an einem magischen Ring, den er an seiner rechten Hand trug. Dieser fing an zu leuchten und eine winzige geisterhafte Gestalt waberte daraus hervor. Als handelte es sich um ein echtes Lebewesen, sagte er im Befehlston: „Hast du unser Gespräch gehört, Vadinia? – Such nach ihr in der Region Ygramor, soweit du sie durchleuchten kannst. Und die gesamte Region rings um das Nebelmeer in der Gegend.“

    Während beide, sowohl der Fürst als auch Pirina, nun auf den leuchtenden Ring an seiner Hand starrten, begann ich zu hoffen, ich könnte dem Unheil noch einmal entgehen. Diese Unterhaltung fand ich entsetzlich anstrengend und wünschte mir nur, bald davon erlöst zu werden.

    Das Knarren des Eingangsportals sowie eine plötzliche Unruhe im Saal ließen mich aufmerksam werden. Gerade war eine Truppe von Palastwächtern hereingekommen, die auf den Fürsten Kimander von Tandra zusteuerte. Ich erkannte sofort ihren Anführer, der statt einer Uniform in jenem Ledermantel ging, den er vorhin schon angehabt hatte … Shalimar!

    Er salutierte vor dem Fürsten von Tandra und ich hörte, wie er mit klarer Stimme meldete:

    „Verzeiht, edler Fürst, dass ich störe. Es geht um das Begräbnis morgen. Ich war gerade oben an der Fürstengruft und dort ist etwas nicht in Ordnung. Fünf alte Bäume sind umgerissen worden, mit Wurzeln, und wir fanden Zerstörungen vor wie von einer Gruppe von wild gewordenen Randalierern. Die Urheber konnten wir nicht aufspüren, jedoch war es da oben sehr stürmisch und einer meiner Männer fiel in Ohnmacht. Irgendetwas ist da seltsam, mein Fürst.“ Shalimar verneigte sich. „Jemand sagte mir, dort könnten Geister sein. Ich möchte Euch darum bitten, die Priesterin davon zu informieren.“

    Fürst Kimander ballte die Fäuste. „Von Geistern habe ich in den letzten Tagen mehr als genug gehört. – Gut dich zu sehen, Shalimar! Man berichtete mir schon von deiner Rückkehr. Bist du also wieder im Dienst?“

    Der Hauptmann senkte betreten den Kopf.

    „Wenn ich bitten darf, mein Fürst, dann erhoffe ich Eure allerhöchste Erlaubnis, mich noch für eine Weile zurückziehen zu dürfen, weil ich ernsthafte private Dinge klären muss, von denen ich Euch schon erzählte. Ich werde mich eilen und kehre zu Euch zurück, sobald ich kann.“

    Fürst Kimander knirschte mit den Zähnen.

    „Ich brauche dich hier. Jetzt. Lange genug hast du mich im Stich gelassen. Zieh deine Dienstuniform an und komm an meine Seite. Wenn es so wichtig ist, kannst du im nächsten Sommer nochmal um einen Urlaub bitten.“

    Shalimar wurde weiß um die Nase und ich sah, wie ihm fast der Unterkiefer aus dem Gesicht fiel.

    „Bist du mir zu Diensten?“, fragte der Fürst im Befehlston. Shalimar nickte ergeben.

    „Jawohl, mein Fürst.“

    Unter meinen Füßen begann der Boden zu schwanken. Um Himmels Willen. Jetzt konnte er seine Suche nach dem Königsring nicht fortsetzen, weil er gezwungen sein würde, dem Fürsten zu dienen. Und das war meine Schuld. Er war doch nur deshalb hergekommen, weil ich ihn gebeten hatte, dem Fürsten das mit den Geistern zu erzählen. Und zur Strafe nagelte der ihn gleich in seinen Diensten fest! Ich hatte in meiner Naivität geglaubt, es sei eine Ehre, den hohen Herren zu begegnen. Oh nein, diese Ehre glich eher jener eines Stallhasen, wenn er draußen dem Fuchs über den Weg läuft.

    „Morgen begleitest du mich zu dem Begräbnis“, befahl Fürst Kimander.

    Shalimar salutierte.

    „Jawohl, mein Fürst. Darf ich dennoch darum bitten, die Priesterin über die Geister zu informieren? Es könnte wichtig sein.“

    „Ich kümmere mich darum“, erklärte Kimander und nickte jovial. „Sei beruhigt.“

    Shalimar bedankte sich höflich und drehte sich um, um zu gehen. Dabei streiften mich seine Blicke, verhakten sich an mir und gleich danach an dem aravennischen Fürsten, der so nah neben mir stand, dass ich ihn hätte mit der Hand berühren können.

    Die Frage: Was machst du denn hier? stand ihm wie mit riesigen Lettern auf der Stirn geschrieben, gefolgt von: Verdammt, wenn du schon zu den Fürsten rennst, könntest du ihnen die Geistergeschichte selber auftischen, anstatt mich damit in ihre Dienste zu ketten!

    Doch er stellte keine dieser Fragen, sondern riss seine Blicke hastig wieder von mir los, um mit schnellen Schritten zum Eingangsportal zu marschieren. Gleich darauf schlossen sich die Tore hinter ihm. Ein gewaltiger Eisklumpen presste sich auf mein Herz. Was dachte er jetzt von mir? Nichts Gutes, das hatte ich seinen Blicken angesehen. Ich musste ihm nach! Ihm sagen, dass dies eine verzwickte Sache war, die ich nicht vorhersehen konnte!

    Ich nahm all meinen Mut zusammen.

    „Fürst Silvrin“, murmelte ich. „Dürfte ich nun gehen? Ich hätte noch etwas Dringendes zu erledigen.“

    Doch er hörte mich nicht.

    „Silvrin!“, erklang die laute und überraschte Stimme des Fürsten Kimander zu uns herüber, der nun auch nach dem Aravennaer winkte. Gleichzeitig strömte eine nebelhafte Gestalt aus dem magischen Kontaktring an seinem Zeigefinger. Sie ergoss sich in voller Größe, nur halt äußerst nebelhaft, direkt neben Kimander. Es war eine Zauberin in einem schimmernden dunklen Umhang und mit dem Stirnreif einer Priesterin. Ich erkannte sie: die schlechtgelaunte Priesterin Beringlida von Tandra, die mich zuletzt in den Kerker geworfen hatte.

    „Du musst sofort an meinen Tempel kommen. Ich war dabei, unsere Feinde in Darghessa zu beobachten und dabei habe ich Areshva entdeckt. Ich bin ziemlich sicher, dass sie es ist. Ich fürchte – das wird eine brisante Angelegenheit. Sie ist mit ihren Leuten im Palast, auf dem Weg zu Fürst Wukur.“

    Areshva? Wie? Meinte sie die tote Zauberin, die ich gerade herbeigelogen hatte? Unmöglich …

    Der Fürst von Aravenna blickte überrascht auf und zum ersten Mal sah ich den Anflug eines Lächelns auf seinen Lippen.

    „Ich komme mit. Das möchte ich sehen. Auf, an den Tempel!“

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Huhu,


    Juhuu ein neuer Teil! Ahnte man eigentlich, wer die Amazonenkönigin in echt ist, wenn man den ersten Teil kennt? Ich bin jedenfalls sehr überrascht und richtig gespannt!


    Das waren ja mal ein paar Ereignisse!

    😄 eigentlich ist nur Shalimar in diesem Teil nicht gut weggekommen. Kein Urlaub mehr für ihn -.- Der Arme.

    Und wird der Fürst mit der Priesterin sprechen oder es vergessen? Werden wir im nächsten Teil Zeuge eines Gemetzels? 😄


    Kirisha, vielen Dank für deine Antworten. Das mit dem Abwarten, um die Bedeutung später darstellen zu können, finde ich auch gut. Ich bleibe gespannt 😃


    Nachtrag: eigentlich wollte ich noch eine Sache anmerken. Am Ende war mir erst unklar, aus welchem Ring die Priesterin kommt und mit wem sie spricht. Weil kurz vorher der andere Fürst gewunken hat.


    Liebe Grüße

    M.

  • Hey Kirisha,


    ja, das ist eine interessante Entwicklung. Da lügt Murissa sich einen zurecht und am Ende könnte sie tatsächlich versehntlich die Wahrheit gesagt haben :rofl:


    Allerdings hat Penthesilea ja keine Skeff-Flügel, oder? Und kann es sein, dass sie tatsächlich mal was mit Silvrin gehabt hat? Wie und wann soll das gewesen sein? Während ihrer Gefangenschaft aus der sie ja irgendwie hatte fliehen können? War es nicht so, dass sie vergewaltigt worden war und aus dieser Aktion ihre Tochter entstanden war? Ich wüsste jetzt nicht genau, wo ich Silvrin da einsortieren sollte... es sei denn, es wäre alles ganz anders gewesen und sie selbst weiß vielleicht gar nicht mehr, was damals geschenen ist... oder vielleicht hat sie es auch verdrängt :hmm: Also, ich bleibe gespannt, wie du das auflösen wirst :gamer:



    LG,

    Rainbow

  • Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank für eure hilfreichen Kommentare!


    Moog

    Rainbow


    Und nun schwenken wir mal wieder zu Penthesilea. Hier geht es jetzt langsam zur Sache. Mal sehen, wie ihr das findet.


    P16. Magische Einladung

    Penthesilea


    Endlich ist die Nacht hereingebrochen. Im Schutz der Dunkelheit breche ich mit meiner kleinen Kundschaftertruppe auf, um den Fürsten von Darghessa mit seinem Heer zu unserer diesjährigen Schlacht zu locken. Dass es darauf hinausläuft, werde ich dem Kerl aus Sicherheitsgründen natürlich nicht sofort auf die Nase binden.

    Zu meinem Gefolge gehören diesmal meine Schwester Protoe, Sturmführerin Melinea aus der gemischten Truppe sowie die Nachtalbinnen Brynea und Jonathea. Diese Auswahl habe ich getroffen, weil Protoe und Melinea so wie ich dem Usitanien-Jahrgang angehören. Wir sind alle drei klein, zierlich und dunkelhaarig und fallen deshalb im Zielland überhaupt nicht auf, weil es auch dort ein Volk mit ähnlichem Aussehen gibt – die Skeff. Zwar sind diese geflügelt, aber zusammengeklappte Flügel auf dem Rücken kann ich vortäuschen. Zwar sind Brynea und Jonathea mit ihren graubleichen Gesichtern und den stets zusammengekniffenen gelben Augen schon etwas auffällig, aber diese beiden sollen sich im Hintergrund halten. Ich habe sie gern bei kniffligen Aufgaben mit Kontakt zu fremdem Volk dabei; Brynea als Übersetzerin und Menschenkennerin und Jonathea als Expertin für fremdländische Magie. Vorsichtshalber haben wir auch dunkle Umhänge angelegt, so wie meine Kundschafterinnen es bei einheimischen Hexen gesehen haben.

    Auf dem Weg nach Darghessa fliegen wir an einem bewaldeten hoch aufragendem Berg vorbei. Ein Schwarm Fledermäuse wirbelt ganz in unserer Nähe aus einer Grotte. Staunend beobachten wir, wie tausende dieser kleinen Tierchen mal wie eine Wolke zusammentreiben und dann wieder, wie von unsichtbarer Kraft getrieben, in unterschiedlichen Formationen auseinanderfleuchen. Könnten wir den Schwarm nicht als Tarnung benutzen, anstelle einer Nebelwolke? Die Schallwellen, die sie aussenden, um sich zu orientieren, ähneln der einfachen Luftstrahlung. Vielleicht könnte ich sie damit zu uns locken.

    Ich lasse die Luft um uns herum flimmern, und tatsächlich setzen sich zahlreiche der Nachtschwärmer auf unsere Spur, umkreisen uns und untersuchen mein Energiefeld. Bald sind wir komplett von ihnen umgeben. Protoe schimpft, dass sie bei dem wilden Geflatter die Hand nicht vor Augen sieht, aber Brynea lacht darüber, ihre Nachtsicht gleicht der einer Eule. Und ich sehe trotz des Gewimmels viel mehr, als es unter einer Nebelwolke der Fall gewesen wäre.

    Interessanterweise muss ich zwar ständige hohe Schallströme erzeugen, um die Fledermäuse an uns zu binden, doch ich spüre auch deren winzigen Echowellen auf mich zurückschlagen, was sich erfrischend und stärkend anfühlt.

    Nach einer Weile erreichen wir die weiten Ebenen vor Darghessa, überfliegen den Turnierplatz und je näher wir nun der Stadt kommen, desto mehr hoffe ich, in der Dunkelheit und inmitten des großen Schwarms auch von den Hexen des nahegelegenen Tempels nicht bemerkt zu werden. Dieser steht am anderen Ende der Ebene vor einem felsigen Berg. Dicke Schwaden schwarzer Magie wabern daraus in den Himmel empor und ich spüre die Ausläufer ihrer pulsierenden Energiewellen bis hierher. Da wir bisher nur karge Informationen über ihr Magiesystem herausfinden konnten, bleiben wir dieser Gegend heute fern – müssen diesem Gebäude aber unbedingt sehr bald noch einen heimlichen Besuch abstatten.

    Näher und näher kommt die Stadt heran. Vage sehe ich in ihrer Mitte ein mächtiges Gebäude, umgeben von vier Wachttürmen. Das wird wohl der Palast des Fürsten sein.

    „Direkt über der Stadtmauer hängt ein Luftbann“, bemerkt Jonathea, als wir diese fast erreicht haben. „Er sieht ziemlich explosiv aus. Fliegt langsam.“

    „Genau wie in Tandra“, knurre ich. „Aber bei so vielen fliegenden Bewohnern ist der Bann wohl notwendig. Kannst du ihn entschärfen?“

    „Gib mir einen Moment“, erklärt Jonathea nasal, während es um sie herum zu funkeln und zu blitzen beginnt. Windböen wirbeln meinen Flieger zur Seite, Protoe neben mir keucht laut – dann ist es vorbei. Wir sind durch. Die Stadtmauer liegt hinter uns und kein Geräusch ist entstanden.

    „Sehr gut“, nicke ich Jonathea zu.

    Konzentriert halten wir auf einen der Palasttürme zu. Als wir näher kommen, sehe ich dort oben zwei Wachtposten stehen. Sie heben kurz den Kopf, nehmen aber nicht weiter Notiz von der Wolke unserer flatternden Begleiter, sie scheinen an den Anblick von Fledermausschwärmen gewöhnt.

    Ich gebe den Kameradinnen das Zeichen zur Landung. Gleichzeitig lade ich meine rechte Hand magisch auf, bis ich die Wärmestrahlung darin spüre. Ich ziele auf einen der Wächter und schleudere diese auf ihn. Als wäre sie ein Teil von mir, spüre ich die magische Ladung seinen Körper umschließen und binde sie an die Steine unter seinen Füßen, deren Energie ich wieder zu dem Körper hoch leite. Dicke steinerne Strahlen fließen durch seine Füße, seine Beine und den Oberleib bis hin zum Kopf, wo sie erkalten und ihn in eine starre Skulptur verwandeln, zu keiner Bewegung mehr fähig. Das hat gut geklappt, allerdings bemerkt sein Kamerad gerade, dass etwas nicht in Ordnung ist, läuft hinzu – und ich schicke sofort einen zweiten Zauber hinterher, der auch diesen zu einem Haufen gemauerter Steine erstarren lässt.

    Wir landen neben den beiden Steinsoldaten auf dem Turm. Routiniert bringen wir unsere Flugadler dazu, sich hinzulegen, damit sie von unten nicht gesehen werden. Der Platz ist ein wenig knapp, doch er reicht gerade aus. Die Fledermäuse lassen wir frei. Sie wirbeln in einer unsteten, sich stets verändernden Formation davon.

    „Du bewachst die Flieger“, sage ich zu Jonathea. „Gib ein akustisches Signal, falls du entdeckt wirst. Wir alarmieren dich ebenfalls, wenn etwas außer Kontrolle gerät. Sollte alles gut gehen, dann entzünden wir Lichter in dem Raum, wo wir uns aufhalten. Dreimal der Schrei einer Möwe bedeutet, du sollst uns abholen. Alles klar?“

    Sie nickt.

    Kurz darauf hangeln wir uns bereits mit einem langen Seil den Turm hinunter und gehen dann Richtung Eingangstor des Palastes.

    Erst als wir die breite Treppe zum Tor hinaufgehen, nehmen die Wachtposten dort überhaupt von uns Notiz. Allerdings reagieren sie nun recht bestürzt und aufgeregt. Mit gezückten Schwertern stellen sie sich – es sind acht Mann – uns entgegen.

    Ich trete vor.

    „Euch allen einen guten Abend. Ich bin eine Freundin Eures Herrn und hergekommen, um ihm Geschenke zu überbringen“, erkläre ich in geschäftsmäßigem Tonfall. „Dürfen wir eintreten?“

    „Der Name?“, fordert einer der Wachtposten, ein stämmiger Skeff, der gemeinsam mit einem langmähnigen Elgo meinen Weg mit gekreuztem Schwert versperrt. Während der Skeff seine Flügel ein wenig aufplustert, sieht der schwingenlose Mähnenmann neben ihm schmächtig aus. Wohnen hier mehrere Völker nebeneinander? Da werden wir aussortieren müssen, damit uns auch wirklich nur die Flieger ins Netz gehen.

    „Penthesilea“, erwidere ich. Die Königin verschweige ich – mein Titel könnte sonst misstrauisch machen.

    Immer mehr Schwerter strecken sich mir entgegen. Es klirrt und rasselt.

    „Ich befürchte, diesen Namen hat hier noch nie jemand gehört“, sagt der Wächter und starrt mich ungehalten an. Der harsche Blick soll mich vermutlich einschüchtern. Seinen Dialekt verstehe ich nur schwer, seine Worte klingen undeutlich, weil er viele Laute einfach verschluckt.

    Ich werfe den Kopf nach hinten und lächele überlegen.

    „Wollt Ihr gar nicht fragen, was für ein Geschenk ich ihm biete?“ Behände greife ich mit einer Hand hinter mich, als wollte ich etwas aus einem unsichtbaren Rucksack holen. Langsam lasse ich über meiner Schulter wie aus dem Nichts einen glänzenden Gegenstand erscheinen, den ich mit der Hand ergreife und langsam nach vorne strecke. Zuerst sieht es nach einem goldenen Band aus, doch je weiter ich es den Wachtposten entgegen halte, desto größer und spitzer wird das Kleinod.

    Es ist eine mit Diamanten besetzte Krone.

    „Wie ich hörte, sehnt sich euer Volk nach einem neuen König“, erkläre ich und weide mich an den gierigen Blicken und den vor Erstaunen offenen Mündern.

    Mit einer eleganten Handbewegung ziehe ich das glänzende Geschenk wieder zurück und lasse es in meinem verborgenen Rucksack verschwinden. „Ich habe die Befugnis, Euren Fürsten zum neuen König und Herrscher über das ganze Land zu krönen. Falls er daran interessiert ist.“

    Das Geklirre und Gescheppere der Schwerter wird immer lauter. Die Wächter werfen einander Blicke zu, wohl um abzuschätzen, ob sie mein Angebot wirklich als Geschenk von gewaltiger Bedeutung, als einen Trick oder als Bedrohung auffassen sollen.

    „Eine Krone macht noch keinen König“, schnauzt mich ein gedrungener Flügelmann mit wilden schwarzen Haaren an. „Ihr wisst so gut wie ich, dass ein König ganz andere Insignien benötigt, die leider unerreichbar sind.“

    Dieser Akzent ist wirklich schwer zu verstehen. Ich muss mich sehr konzentrieren, um seine Worte zu begreifen. Bei unserem Besuch in Tandra schienen sie einen anderen Dialekt zu sprechen, der mir nicht solche Mühe machte.

    „Ihr meint vermutlich den Königsring“, erwähne ich beiläufig. „Der befindet sich seit einigen Stunden in meinem Besitz. Gereinigt und ungefährlich. Meint Ihr nicht, Euer Fürst hätte vielleicht Lust, mit mir über diesen Ring zu plaudern?“

    Das bringt die Soldaten auf Trab. Sie wispern miteinander, stoßen sich gegenseitig an, ich spüre ihre Unruhe und Erregung sprunghaft in die Höhe schnellen.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Das ist ja mal ein rabiater Schritt! Gleich direkt mit der Tür ins Schloss!

    Das lebende Fledermausversteck war ein schönes Detail.


    Sie landet dort heimlich und gibt sich dann erst zu erkennen, damit ihre Flugtiere schon einmal in der Nähe sind, wenn sie flieht, und einer der Türme bereits unbesetzt ist, oder? Und natürlich für den Auftritt… seht her, ich komme aus dem Nichts! 😃

    Wenn sie da so schnell wieder weg will, ist das wohl nichts Gutes, was sie da konkret vorhat 😄


    Ich bin gespannt, was da jetzt passiert!

  • Hey Kirisha,


    oh ja, jetzt wird`s spannend! Mal sehen, wie der Fürst reagieren wird, wenn Penthesilea plötzlich vor ihm steht. Bis jetzt zumindest lief ja alles wie am Schnürchen. Das war fast schon ZU einfach, da reinzukommen.


    Meine Anmerkungen packe ich mal in den Spoiler:


    LG,

    Rainbow

  • Hallo ihr Lieben!

    Vielen Dank für eure sehr hilfreichen Kommentare!


    Moog


    Rainbow

    Tja, mal sehen, was ihr nun zu der Fortsetzung sagen werdet (es folgen noch mehrere Teile). Da bin ich inzwischen auch nicht mehr sicher, ob es so bleiben kann.


    16.1 Magische Einladung

    Noch immer macht sich keiner die Mühe, einen Alarm zu geben und weitere Wachtposten herzuholen. Halten sie uns für ungefährlich? Oder habe ich etwas übersehen? Angespannt versuche ich, Spuren von Magiefunken zu erspüren. Doch da scheint nichts zu sein.

    „Werdet Ihr mich hineinbitten? Wenn Ihr kein Interesse habt, biete ich den Ring und die Krone jemand anderem an“, erkläre ich laut und wende mich zum Gehen.

    „Wir bitten Euch noch einen Augenblick zu warten!“, ruft eine herbe Stimme.

    Ich nehme den Posten ins Visier.

    Zögernd gehen die Männer zur Seite. Das dicke Holzportal fährt knarrend auseinander.

    Dahinter sehe ich von allen Seiten eiligst Wachsoldaten herbeirennen. Sie müssen sich bereits vorher formiert haben, denn es sind Dutzende.

    Das ahnte ich doch. Jemand hat diese Truppe hergerufen, ohne dass ich es bemerkt habe. Wie übermitteln sie Informationen? Das muss ich unbedingt herausfinden.

    Wir durchschreiten das Tor. Nun gibt es kein Zurück mehr, wir sind im Palast. Protoe eilt nah zu mir und knufft mich an die Seite. Sie sagt nichts, aber ich spüre ihre Hand zittern. Ich streiche unauffällig über ihre, um ihr anzuzeigen, dass sie sich nicht fürchten soll. Dabei ist mir selbst etwas mulmig. Mein Plan ist etwas gewagt … was, wenn er nicht aufgeht? Vielleicht hätte ich nur Boten schicken sollen und selbst im Lager bleiben? Aber ich erhoffe, es wird größeren Eindruck machen, wenn ich als Königin persönlich erscheine. Und unser Geschenk ist kaum zu überbieten. Eine Königskrone halte ich für eine außergewöhnlich starke Verlockung.

    Meine Sinne weit aufgespannt, versuche ich die gesamte Umgebung auf mögliche Gefahren abzutasten. Noch immer strömen aus den seitlichen Gängen mehr und mehr Soldaten heran, die sich unserem Trupp anschließen. Innerhalb von ein paar Augenblicken sind wir umringt von dreißig, vierzig Kerlen. Protoe und auch die zarte Melinea drängen sich eng an mich. Brynea geht hinter uns, ich höre sie auf Amazonisch mir ins Ohr raunen:

    „Guck dir die Vipern an!“

    Tatsächlich ringeln sich rings um die Treppengeländer hier und dort schwarze Schlangen, auf deren Haut gelbe Flecken leuchten. Mich durchzuckt ein leichter Schreck. Schlangen können Magie laden und werden deshalb gern von Zauberinnen gehalten – wahrscheinlich arbeitet also der Regent dieser Stadt mit einigen zusammen. Wir müssen uns darauf einstellen, mit ihnen konfrontiert zu werden. Manche Todesgötter benutzen Schlangengift zur Verstärkung ihrer Kräfte. Diese Art von Schwarzmagie ist bei uns in Amazonia verpönt. Mich beschleicht eine zunehmende Nervosität.

    Allerdings versuche ich mich damit zu beruhigen, dass wir das Überraschungsmoment auf unserer Seite haben und sie nicht ahnen, dass auch wir fliegen können.

    Die Wächter führen uns eine Treppe aus schwarzem Marmor hinauf, welche in regelmäßigen Abständen von Wappen mit Totenköpfen geschmückt ist.

    Ich wusste es. Eine Todesgöttin.

    Nachdem wir zwei ausladende Treppen hinaufgestiegen sind, befinden wir uns wiederum vor einem bewachten Tor, nur diesmal im oberen Stockwerk.

    Hier stehen neben gewöhnlichen Soldaten auch vier Kreaturen, die aussehen wie Skelette in Rüstungen. Es ist kein Fleisch und Blut an ihnen, ihre Gesichter sind reine Schädel … Diese Geschöpfe sondern stinkende Dämpfe aus, welche in dunkelgrünen Schwaden nach oben wabern.

    Noch mehr Gift, registriere ich. Erst die Schlangen, jetzt die untoten Dampfer. Die hiesige Machthaberin scheint für verderbliche Stoffe eine Vorliebe zu haben. Und: Wenn sie so viele Zeichen ihrer Macht in diesem Palast aufgestellt hat, dürfte sie hier großen Einfluss haben. Alle meine Sinne sind weit aufgespannt. Mir ist klar, nicht nur ich bin dabei, eine Falle auszulegen – es scheint auch eine noch unbekannte Gegnerin zu geben, die dasselbe mit mir tun kann.

    Wieder stellen sich Wachtposten mit gekreuzten Schwertern vor mich. Wie vorhin ist es eine gemischte Truppe, die Hälfte besteht aus Elgo, die andere Hälfte aus Skeff.

    „Wie seid Ihr in die Stadt hineingekommen? Habt ihr die Wächter am Tor bestochen? Wer ist Kamamé?“

    Beinahe wäre ich vor Schreck zusammengezuckt. Woher kennen sie den Namen unserer Göttin? Wir waren vorsichtig genug, ihn auf dem Weg hierher nicht in den Mund zu nehmen. Sie müssen uns zu einem anderen Zeitpunkt belauscht haben, ohne dass wir es bemerkten. Dabei könnte ich schwören, dass meine Wächterinnen routiniert genug sind, um nicht überlistet zu werden.

    Natürlich versuche ich, diesen Schreckmoment routiniert zu überspielen.

    „Ich habe am unteren Tor schon genau erklärt, weshalb ich hier bin, und habe keine Lust mich zu wiederholen“, erkläre ich von oben herab.

    „Wo ist der Ring?“, fragt einer der Wächter scharf.

    „Das sage ich euch nicht, aber dem Fürsten würde ich es zeigen“, erkläre ich.

    Da sich noch immer kein Mensch rührt, um mich hineinzulassen, beschließe ich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Aus Erfahrung weiß ich, dass selbstsicheres Auftreten immer Eindruck macht und mich schneller zum Ziel bringt.

    Ich lasse einen feinen, für das magieblinde Auge unsichtbaren Strahl von meiner Hand zum Tor hin fliegen, der mich mit dessen Klinke verbindet, und mit einem leichten Druck meines Zeigefingers bringe ich das Schloss zum Aufschnappen. Danach erzeuge ich kleine Druckwellen auf dem Boden, die die Brettertüren langsam, aber unerbittlich nach innen drücken.

    Die Wächter geraten in Hektik, einige versuchen, den Riegel festzuhalten, aber meine Wellen sind kräftig und lassen sich nicht beugen, sie schieben die Torflügel zusammen mit den daran klammernden Herrschaften rückwärts. Schon ist unser Weg frei. Als die Soldaten begreifen, dass wir nicht aufzuhalten sind, gehen sie uns voraus in die große Halle hinein.

    Ich bedanke mich artig für die Aufmerksamkeit, so als glaubte ich, man hätte mich freiwillig eingelassen.

    Wir betreten einen Kuppelsaal, der durch eine absonderliche Dekoration auffällt. Anstelle von Kronleuchtern hängen menschliche Schädel von der Decke herunter, in denen Kerzen brennen. An den Säulen ringeln sich Kreuzottern ähnlich den Reptilien an der Marmortreppe. An den Wänden hängen prunkvolle Portraits.

    Wir werden bereits erwartet. Vor einem erhöhten Thronsessel steht, eng von scharenweise Leibwächtern und Soldaten umgeben, ein Mann mit einer langen roten Schleppe und einem rotgefiederten Helm auf dem Kopf. Mit Genugtuung stelle ich fest, dass auch dieser Erzeuger ein Skeff zu sein scheint. Er ist sehr schlank, kaum mittelgroß und dunkelhaarig, wie alle von diesem Volk. Stechend lodern seine schwarzen Augen aus einem finsteren Gesicht. Seine Uniformjacke hat er leicht geöffnet, sodass darunter seine kräftige Brustbehaarung gut zu sehen ist. Ob er nun eigentlich geflügelt ist oder nicht, erkenne ich leider nicht. Seine rote Schleppe hebt sich jedoch über seinem Rücken deutlich in die Höhe. Ich hoffe sehr, das wird keine Enttäuschung. Jedenfalls scheint er kampfgewohnt zu sein, denn er trägt ein Schwert an seinem Gürtel sowie einige dekorative Messer an seiner Uniformhose.

    Dies ist also mein künftiger Gegner. Den mächtigsten Mann dieses Landes habe ich mir interessanter vorgestellt, aber ich kann wohl nicht zu viel verlangen. Er weiß noch nicht, dass er mir demnächst im Kampf gegenüberstehen wird. Eine Tradition, die ich persönlich eingeführt habe: In jedem Kriegszug zerschmettere ich den König unseres jeweiligen Ziellandes in einem Zweikampf. Diese Aufgabe erfülle ich immer mit besonderem Eifer, denn ich sehe sie nicht nur als meinen Dienst an der Göttin an, sondern auch als Rache für meine Demütigung von Djakaaza …

    Aber immer langsam. Die Schlacht selbst ist natürlich für unsere Göttin und unser Volk wichtiger als ihr krönender Endpunkt.

    „Ich grüße euch als meine Gäste“, sagt er nun. Auch sein Akzent ist kaum verständlich. Nuschelt hier denn das ganze Volk? Freundlich erhebt er eine Hand, so als wäre er froh über unsere Ankunft. Gleichzeitig umringen ihn jedoch seine Palastwächter wie Schutzschilde und er erweckt insgesamt den Eindruck, sich in unserer Gegenwart nicht besonders sicher zu fühlen.

    Sehr gut.

    Wir marschierten zielstrebig auf den Palastherrn und seine Wachsoldaten zu. Ob viele von ihnen Magievererber sind? Ich hoffe es. Die vielen Hinweise auf Magie, die ich in diesem Palast sah, lassen darauf schließen.

    Die goldene Krone lasse ich hinter mir herschweben und merke genau, wie sich seine Blicke daran festnageln.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Hallihallo Kirisha,


    es bleibt spannend! Wer hat da die Fäden in der Hand? Wieso wissen die von ihrer Göttin? Mir schwant übles!


    Mein Eindruck vom König ist, dass er kein starker Kämpfer ist… umringt von Wachen und nicht nur mit einem (güldenen) Schwert, sondern auch noch mit mehreren dekorativen Messern! Ich weiß, da steht nichts von goldenen Schwert, aber das hat mein Gehirn ganz automatisch hinzugefügt, als ich mir die Hose mit einem ganzen Haufen hübscher Messer dran vorgestellt habe 😃

    Ich finde, hier könnte man die Anzahl der Messer konkret benennen. Vielleicht maximal 2, wenn er wirklich kämpfen kann (ich stelle mir das sonst sehr hinderlich vor, aber habe auch keine Ahnung), oder gleich 7 oder 9, wenn es eher lustig sein soll. 😃


    Dass die Schlangen ein Zeichen von Magie sind und als Speicher dienen können… wurde das vorher schon einmal erwähnt (ich kann mich gerade nicht daran erinnern)? Wenn nicht, dann würde ich diese Information schon vorher in der Geschichte einbauen. Das finde ich persönlich immer runder.


    Bei den Skelett-Kriegern könnte ich mir auch eine intensivere Reaktion vorstellen. Die sind ja schon krass und das erste dieser Art, was hier in diesem Buch auftaucht. Da fände ich (persönlich) mehr Platz für diese Kreaturen ganz schön. Also vielleicht könnte man noch etwas beschreiben, was diese Kreaturen tun. Beobachten Sie die ankommenden? Sehen Sie sich um? Stehen Sie für wie versteinert herum? Auch die Begleiterinnen der Königin könnten ja auf diese Wesen reagieren.


    Liebe Grüße

    M.

  • Hey Kirisha,


    okay, nun sind sie zumindest schon mal zum Herrscher vorgedrungen. :)

    Wenn das alles auch irgendwie recht undurchsichtig auf mich wirkt. Wie es scheint, hat man Penthesilea ja erwartet...und trotzdem reagieren die Soldaten hektisch und versuchen, die Eindringlinge aufzuhalten, sie stellen Fragen und vermitteln so das Bild, dass sie zumindest nicht alles wissen...und doch scheinbar genug, um Penthesilea ins Wanken zu bringen. Als Leser bleibe ich hier erstmal verwirrt zurück.

    Ich bin gespannt, was sich dahinter verbergen wird.


    Sonstige Anmerkungen kommen hier:



    LG,

    Rainbow