Freakshow: Episode 3

  • Danke Skadi :)

    Das hatte ich so gar nicht mehr auf dem Schirm. Gut, ist auch schon eine Weile her :blush:


    Umso witziger ist es aber irgendwie :rofl:

    Hayes ist auch ein Typ. Aber dem traut man sowas sofort zu xD

  • Man musste kein Paartherapeut sein um zu erkennen, dass sich die Beziehung zwischen Colin und Gwen verändert hatte. Seit einiger Zeit verzichteten die zwei darauf in Gegenwart ihrer Freunde miteinander zu flirten und es wäre geschwindelt zu behaupten, Moira würde die ständige Turtelei vermissen. Mitzuerleben wie Gwen und Colin einander zu jeder sich bietenden Gelegenheit schöne Augen machten, war wirklich nervig gewesen und des Öfteren hatte Moira insgeheim gewünscht, die beiden würden das Interesse am jeweils anderen verlieren.

    So ein für alle Mal.

    Nach Moiras Beobachtungen deutete das Verhalten der beiden auf zwei mögliche Entwicklungen hin: Entweder waren Gwen und Colin endlich zu der Einsicht gelangt, ja so gar nicht zusammenzupassen – oder ihre Balz war erfolgreich verlaufen und somit nunmehr überflüssig. Dass zwischen ihnen nach wie vor ein vertrautes Verhältnis herrschte, erkannte selbst ein Zyklop mit Bindehautentzündung, aber bisher hatte Moira nie einen Kuss zwischen dem Sukkubus und Scotts Bruder beobachtet oder andere Gesten aufgeschnappt, die ein Liebespaar in der Regel austauschte. Händchenhalten zum Beispiel. Das Fehlen von öffentlich ausgelebten Zärtlichkeiten ließ im Fall von Colin und Gwen jedoch keinen echten Rückschluss zu, da Gwen aus beruflicher Gewohnheit Diskretion wahrte und Colin … nun ja. Er behielt sein Gefühlsleben hartnäckiger unter Verschluss denn ein Krampus unartige Kinder in seiner Bütte und selbst Scott gewährte er nur in einen Bruchteil von dem Einblick, was ihn bewegte.

    Auf Scotts durchaus ernst gemeinte Frage antwortete Gwen: „Von wegen Pfütze. Ich komme gerade von einem Kunden, einem Wildkaterpoly der unbedingt einen Eindruck davon bekommen wollte, wie sich ein Blowjob von einer Meerjungfrau anfühlt. Wir sind also in seine Wanne gestiegen und kaum nimmt die ganze Sache Fahrt auf, hält dieser Mistkerl meinen Kopf unter Wasser gedrückt! Ich wäre fast ertrunken, nur weil er Angst um seine Erektion hatte! Dabei bin ich Profi, ich weiß was ich tun muss um nicht von vorn anfangen zu müssen, nur weil ich für drei Sekunden nach Luft schnappe.“ Empört stemmte Gwen die Hände in die Seiten. „Und dann hat dieses ergraute Fellknäuel auch noch die Dreistigkeit besessen sich darüber zu beschweren, wieso ich so herumzapple. Er kann froh sein, dass er seine Eichel noch hat, nachdem ich an seinem Penis hängen musste wie … .“

    „Wie ein Wurm am Haken?“ Colin beendete Gwens angefangenen Satz, woraufhin der Sukkubus ihn entrüstet korrigierte:

    „Eher wie der Fisch an dem mageren Würmchen, das am Haken hängt.“

    „Und du bist mit Klamotten ins Wasser?“, hakte Scott nach, denn Gwens Geschichte lieferte bisher keine Erklärung für das durchnässte Kleid.

    Sie sagte: „Natürlich nicht. Aber nachdem ich es endlich geschafft hatte mich freizukämpfen, bin ich sofort aus der Wanne geflohen und habe meine Sachen gegriffen, da packt mich dieses Ekelpaket am Arm und zerrt mich zurück. Ist das zu fassen!? Erst bringt er mich um ein Haar um und dann beharrt er auf Vertragserfüllung? So schnell wie er ist noch nie ein Kunde auf meiner schwarzen Liste gelandet, das kann ich euch sagen!“ Im nächsten Moment zuckte Gwens Nasenspitze. Ein Niesen folgte der subtilen Regung.

    „Gesundheit.“ Mit gerunzelter Stirn beäugte Moira Gwens eleganten, auf die Farbe ihres Kleides abgestimmten Bolero, dessen dünner Stoff die Schultern des Sukkubus' vor einer frischen Sommerbrise schützte aber die kühlen Temperaturen und die Windböen des Herbstes hielt er kein bisschen ab. Zudem die Feuchtigkeit in Gwens Kleidung praktisch den Nährboden bot, durch den sich die Kälte bis zu ihrer Haut durchfraß. Unter diesen Umständen musste sie sich ja zwangsläufig eine Erkältung einfangen! „Möchtest du meinen Pullover haben?“, bot Moira der bibbernden Gwen an. Zwischen ihr und der Banshee bestand kein gravierender Größenunterschied und darüber hinaus kaufte Moira ihre Kapuzenpullover wegen des Kuschelfaktors sowieso gern eine Nummer zu groß. Dankbar blickte Gwen sie auf dieses Angebot hin an.

    „Oh Mäuschen, du bist ein wahrer Schatz!“

    Sodann kroch Moira aus ihrem bordeauxroten Hoodie, offenbarte ihre darunterliegende Bluse im Schottenmuster und reichte das warme Kleidungsstück an Gwen weiter. Umgehend schlüpfte der Sukkubus hinein. Fein! Jetzt musste sie nicht länger frieren.

    Plötzlich spürte Moira Colins Augenmerk auf sich ruhen. Wes-... weshalb musterte er sie denn so gründlich? Seine Augen glitt eingehend an ihrem Oberkörper entlang und unerklärlicher weise regten seine Blicke Moiras Herzschlag an wie eine Truppe Taiko-Trommler ihre Instrumente. Ihre Wangen wurden warm.

    „Was machst'n du im Winter?“

    Moira brauchte einen Moment um zu begreifen, dass Colin mit seiner Frage auf ihre diversen Kleidungsschichten anspielte. Was meinte er? Ihre Garderobe bestand heute doch nur aus einem Hemd, einem T-Shirt, einer Bluse sowie dem Pullover, den Gwen am Leibe trug. Nun ja, und aus ihrer gelben Regenjacke aber die hing gegenwärtig zwischen den anderen Jacken am Kleiderständer neben der Eingangstür.

    Schon stahl Gwen Colins Beachtung. „Hast du mir meinen Mantel mitgebracht?“

    Der Wolf schob eine Braue hinauf. „Warum sollte ich deinen Mantel mit mir rumschleppen?“

    „Weil ich ihn heute Morgen in deiner Wohnung vergessen habe, als ich wegen des Termins so in Eile war.“

    „An der Garderobe hat vorhin nichts gehangen“, erklärte Colin und brachte Gwen dazu ihre ebenmäßige Stirn in Falten zu legen.

    „Colin, du weißt wie letzte Nacht gelaufen ist. Denkst du ernsthaft ich hätte mir Gedanken darüber gemacht, in welcher Ecke meine Klamotten landen?“

    „Hättest du es getan und deinen Mantel an die Garderobe gehangen, müsstest du jetzt nicht frieren.“

    … Gwen … Gwen übernachtete bei Colin? Aber ihre Wohnung lag doch nur fünfzehn Minuten Fußweg von seiner entfernt; warum schlief sie nicht einfach in ihrem eigenen Bett? Wie verunreinigtes Spülwasser durch den Abfluss gluckerte die Wärme aus Moiras Gesicht in ihren Bauch, verursachte darin Krämpfe und unweigerlich füllte Moiras Phantasie ungefragt die Lücken in dem angedeuteten Szenario aus. Von jetzt auf gleich wollte die Banshee nur noch eins: nachhause und weg von Colin und Gwen.

    Ihr Wunsch fand seine Erfüllung durch Niall. „Ich muss jetzt los und die Kinder von Mama abholen“, sagte er mit Fingerzeig auf die Uhr. „Soll ich dich vielleicht zuhause absetzen, Moira?“

    Darüber musste die Banshee keine Sekunde lang nachdenken. „Das wäre lieb von dir.“ Sogleich rutschte sie von ihrem Hocker herab und piepste ihren Freunden eine einsilbige Verabschiedung zu.

    Gwen rief ihr zwar noch nach: „Du bekommst deinen Pullover gewaschen von mir wieder“ aber Moira reagierte nicht auf den Sukkubus. Stattdessen floh sie an Nialls Seite aus dem Pub.

  • „Danke, dass du für mich einen Umweg fährst.“ Ein rhythmisches Klacken setzte ein, als Niall den Blinker aktivierte. Die Straße in die er gerade einbog führte ihn von seiner eigentlichen Strecke herunter und Scotts großer Bruder würde einmal im Kreis fahren müssen um zurück auf den direkten Weg zu seinem Elternhaus zu gelangen. Moira nahm den extra Aufwand, den Niall ihretwegen betrieb keineswegs als selbstverständlich hin, wohingegen der Wolf gelassen abwinkte.

    „Kein Problem. Die zehn Minuten bringen meinen Zeitplan nicht durcheinander. Außerdem warst du auf einmal so blass um die Nase als ob es dir nicht gut geht. Da lasse ich dich bestimmt nicht erst durch die Stadt laufen.“

    Ertappt rieb Moira die Knie gegeneinander. Ihr abruptes Stimmungstief war Niall also aufgefallen? Na ja, ein guter Beobachter hatte schon immer in ihm gesteckt und ihre Emotionen zu kontrollieren fiel Moira seit je her schwer, zudem man der Empathie eines Vaters von insgesamt vier Kindern wahrscheinlich eh nur schwer etwas vormachte. Ebendieses Einfühlungsvermögen hielt Niall in diesem Moment vermutlich auch davon ab nach der Ursache für Moiras Unwohlsein zu bohren und der Banshee kam es sehr entgegen. Sie wusste ihre Reaktion ja selbst kein bisschen einzusortieren. Moira verbrachte gern Zeit mit Gwen, sie verbrachte gern Zeit mit Colin. Wieso setzte es ihr da trotzdem immer so zu, wenn sich beide gleichzeitig in ihrer Nähe aufhielten?

    Nachdenklich betrachtete Moira ihre Schuhe. Im Fußraum des Beifahrersitzes rollte ein glitzernder Gummiball umher und Butterkekskrümel hingen in der Matte – eine kleine Hinterlassenschaft von Nialls Welpen für ihren Papa. So etwas würde Colin niemals zulassen. Er ranzte Abby bereits an, sobald sie mit etwas Erde unter den Sohlen in seinen Wagen stieg. Im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder trieben Niall allerdings wichtigere Verpflichtungen herum, denn seinen Familienvan in einem Zustand zu halten, in dem man vom Fahrzeugboden essen könnte und so gesehen sorgte ja sein Nachwuchs schon dafür, dass man bei Bedarf eine Kleinigkeit fand.

    „Es freut mich übrigens, dass du wieder mehr Zeit mit uns verbringst“, wechselte Moira das Thema und wurde dafür von Niall angelächelt.

    „Ich bin auch froh darüber. Mama und Papa sei ihr Urlaub gegönnt aber die Kinder bei ihren Großeltern abliefern zu können ist für Kate und mich eine große Entlastung. Wir konnten uns seit Ostern kein einziges Mal mit Freunden verabreden und versuch mal einen Termin mit deinem Steuerberater wahrzunehmen, während vier Welpen an dir kleben. Kate und ich haben uns teilweise sogar darum gestritten wer in den Supermarkt rennen und Milch nachkaufen darf, weil das die einzige Möglichkeit für uns war, dem ganzen Familientrubel zu entkommen.“

    Oh ja, das glaubte Moira ihm sofort. Ähnlich erging es ihr schließlich mit ihrer Wohnung und den Treffen, die sie mit ihren Freunden darin abhielt – nur mit dem Unterschied, dass Moira keine Berge an Wäsche bewältigen, Essen für mehrere hungrige Mäuler kochen oder die Unordnung ihrer Mitbewohner aufräumen musste.

    Vor ihrem geistigen Auge flackerten spontan Scott uns Koljas Gesichter auf.

    ...

    Okay, in einer Hinsicht teilte Moira doch dasselbe Los wie Niall.

    Der Wolf erzählte weiter: „Und den Kindern macht es Spaß im Garten meiner Eltern herumzutoben und sich von Mama verhätscheln zu lassen. Sie sind außerdem ziemlich von Kolja begeistert. Zuerst hatten sie Angst vor ihm, aber sie haben sich auch schnell an ihn gewöhnt und finden ihren neuen Onkel jetzt total super. Er kann echt gut mit Kindern umgehen.“

    „Das ist schön“, meinte Moira in aller Ehrlichkeit. Kolja mochte Kinder nämlich wirklich sehr und das letzte was erreichen wollte war, jemanden in irgendeiner Weise Furcht einzujagen – sowohl Kindern als auch Erwachsenen.

    Niall schmunzelte. „Manchmal muss ich ihnen sogar sagen, dass sie Kolja bitte in Ruhe lassen sollen. Sie würden ihm sonst nur an den Beinen hängen und Abby hätte überhaupt nichts mehr von ihrem Freund.“

    Ja … damit sprach Niall einen wunden Punkt in dem Liebesverhältnis zwischen seiner kleinen Schwester und dem Bärenpoly an. „Kolja hat erwähnt, dass er sich mehr Privatsphäre mit Abby wünscht“, vertraute Moira Niall an. „Die beiden müssen wohl selten die Gelegenheit bekommen miteinander allein zu sein, weil immer jemand um sie herumschwirrt. Bei Abby sind es ihre Eltern und Kieran und wenn sich die beiden bei uns verabreden, sind entweder Scott oder ich gleich nebenan.“

    Kurz konzentrierte sich Niall darauf an der vor ihnen liegenden Kreuzung die Vorfahrtsregeln einzuhalten; danach sagte er verständnisvoll: „Ich kann mir vorstellen, dass das ihre Beziehung belastet. Einem erwachsenen Mann wie Kolja dürfte es zudem ziemlich unangenehm sein, unter den Augen seines Schwiegervaters in Abbys Zimmer zu verschwinden wie ein Teenager. Ich befürchte, dieses Problem lässt sich aber nur dadurch lösen, indem sich Abby und Kolja entweder eine gemeinsame Wohnung suchen oder einer der beiden allein lebt. Das oder unsere Eltern müssen nochmal für ein paar Monate verreisen.“ Er lachte, allerdings meinte Moira trotzdem ein bisschen Verzweiflung aus seinen anschließenden Worten herauszuhören. „Nur ein Scherz. Bitte bring meine Eltern nicht auf diese Idee.“

    „Das mache ich nicht, keine Sorge“, versprach die Banshee ihm. Wo sie einmal über Beziehungen plauderten … . „Weißt du zufällig ob Colin und Gwen ein Paar sind?“

    Leider erwies sich Niall im Hinblick auf die Romanze seines Bruders genau wie Moira als völlig ahnungslos. „Das kann ich dir auch nicht sagen. Du weißt ja wie Colin ist. Der einzige mit der er über seine Gefühle redet ist Scott. Du wirst also ihn fragen müssen, solange du Colin oder Gwen nicht direkt darauf ansprechen möchtest.“

    Moira sollte mit Scott über Colins Liebesleben reden? Das … nein, das konnte sie unmöglich tun; am Ende erzählte er Colin von ihrer Neugierde und das durfte auf keinen Fall passieren! Wenn Colin davon erfuhr, dass Moira Interesse an seinem Beziehungsstatus zeigte, dann … dann … na ja, dann wusste er, dass Moira Interesse an seinem Beziehungsstatus zeigte.

    Das anhaltende Schweigen der Banshee veranlasste Niall das Gespräch fortzusetzen. „Wieso willst du das denn überhaupt wissen?“

    Wieso Moira das … ? Nun, weil sie … . Also … . Weshalb fiel ihr denn nur partout keine legitime Begründung ein? „Ich möchte vermeiden, mich irgendwie unangemessen zu verhalten“, sog Moira sich spontan eine Antwort aus den Fingern und puzzelte dafür die ersten wahllosen Gedankengänge zusammen, die ihr durch den Geist schossen. „Wir verbringen schließlich viel Zeit miteinander und das Letzte was ich will ist unwissentlich etwas zu tun oder zu sagen womit ich einen der beiden auf die Füße trete.“

    „So-so.“

    Das klang nicht danach als ob Niall ihr diese Erklärung abkaufte. Zwar verzichtete er auf zusätzliche Kommentare und fokussierte sich auf den Straßenverkehr, aber aus irgendeinem Grund beschäftigte Moira seine Reaktion. „Glaubst du mir nicht?“

    „Oh, doch. Ich glaube dir“, räumte Niall ihre Befürchtung aus dem Weg ohne sein Augenmerk von der Fahrbahn abzuwenden. Nach einer kurzen Sprechpause ergänzte er: „Mir kam es bloß vor als steckt noch mehr hinter deiner Frage“

    „Ach ja?“

    Mit nach vorn gerichtetem Blick nickte Niall. „Ein bisschen hat es danach geklungen, als wolltest du deine eigenen Chancen ausloten.“

    Wie bitte? Auf was für absurde Ideen Niall da kam! „Ich wollte meine Chancen bei Colin nicht ausloten“, wies Moira die Behauptung des Wolfes strickt zurück, woraufhin dieser amüsiert die Lippen kräuselte. Damit verwirrte er Moira vollends. „Was ist so lustig?“

    „Entschuldige, ich lache nicht über dich“, stellte Niall klar. „Ich finde es nur süß, dass du Colin direkt ins Spiel gebracht hast obwohl ich seinen Namen gar nicht erwähnt habe.“

    Plötzlich stieg der Banshee eine siedende Hitze zu Kopf und ihr Gesicht fühlte sich deswegen an als würde es jeden Augenblick schmelzen wie ein Zinnsoldat in der Esse. Oh Gott, hatte sie das getan? Hatte ihr Gehirn bei der Andeutung, Moira könnte eine Vorliebe für eine Person entwickeln tatsächlich automatisch die Assoziation zu Colin hergestellt? Warum?? Das ergab keinerlei Sinn! Über ihre eigene, verquere Denkweise erschrocken starrte Moira Niall an; dieser versuchte sie zu beruhigen:

    „Das muss dir nicht peinlich sein. Niemand kann etwas für seine Gefühle und wenn es dir hilft: Ich denke nicht, dass Colin, Gwen oder einer der anderen eine Ahnung hat, dass du ihn magst.“

    „Das interpretierst du falsch“, wehrte die Banshee seine Unterstellung ab. Das hieß, natürlich besaß Colin in Moiras Augen besondere Qualitäten, mit denen er einer Frau wie ihr mühelos den Kopf verdrehte. Sein Humor war großartig, er nahm die Dinge in die Hand und außerdem strahlte Colin diese entspannte Aura aus, dank der in seiner Gegenwart jegliche Unruhe von Moira abfiel. Davon abgesehen fand Moira seine Züge wirklich attraktiv und sein Kleidungsstil schmeichelte seiner schlanken, hochgewachsenen Statur, die Moi-… Halt, welche Richtung schlugen ihre Überlegungen da gerade ein?! Rasch scheuchte Moira sie auf die richtige Spur, bevor die Banshee noch selbst der Schnapsidee erlag in Colin verknallt zu sein. „Ich mag Colin, aber nicht so wie du denkst. Wenn ich Gefühle für ihn hätte, dann wäre mir das doch schon vor einer Weile bewusst geworden oder nicht?“

    Niall zuckte mit den Schultern. „Vor einer Weile musstest du noch keine Angst haben, dass er mit Gwen durchbrennt.“

    Vertraute Wohnhäuser schoben sich hinter den Seitenscheiben in Moiras Sichtfeld. Ein letztes Mal lenkte Niall seinen Wagen um eine Kurve und dann hielt er an – direkt vor Moiras Haustür. „Da wären wir. Tut mir leid, wenn ich dir zu nahegetreten bin, Moira. Du weißt am besten darüber Bescheid was in dir vorgeht“, sagte er und Moira zwang ihm zuliebe ihre Mundwinkel nach oben.

    „Ist schon in Ordnung. Komm gut nachhause, Niall, und nochmal Danke fürs Heimfahren.“

    „Jeder Zeit wieder.“ Sodann stieg Moira aus dem Auto und nachdem sie die Beifahrertür zugeworfen hatte, fuhr Niall davon.

    Für einen Augenblick schaute sie dem roten Leuchten seiner Rücklichter nach.

    Der Wolf hatte es erfolgreich zustande gebracht, dass sich Moira von ihren eigenen Gedanken überfordert fühlte. Wie um alles in der Welt gelangte Niall bloß zu der Annahme, sie himmelte seinen kleinen Bruder an? Dass die Banshee mehr für Colin empfand denn platonische Zuneigung, das funktionierte doch gar nicht! Colin und Moira kannten einander seit der Grundschule und in diesen fünfundzwanzig Jahren hätten sie ihr gegenseitiges, romantisches Interesse doch schon lange erkannt. Korrekt? Doch, so musste es sein. Mit Sicherheit ging Niall bloß einem Irrtum auf dem Leim und darüber hinaus: selbst wenn man annahm er liege richtig und Moira stand wirklich auf Colin … solange Colin dieses Gefühl nicht erwiderte, spielten ihre Empfindungen für ihn sowieso keine Rolle.

    Und Colins Hinwendung galt nun einmal Gwen.

    Trotzdem ließ eine Tatsache Moira ratlos zurück. Als sie Niall danach gefragt hatte, ob sein Bruder eine feste Beziehung mit dem Sukkubus führte, da hatte Moira insgeheim gehofft.

    Sie hatte gehofft, seine Antwort würde 'Nein' lauten. 'Nein, Colin führt keine Beziehung.

    Colin ist zu haben.'



    nächster Teil

    Einmal editiert, zuletzt von Skadi ()

  • Huhu!



    Mir hat das Gespräch zwischen Moira und Niall sehr gut gefallen. Da war viel Gefühl drin und man spürte richtig, wie zerrissen Moira innerlich eigentlich ist. Einerseits ist sie mit Gwen und Colin gut befreundet und anderseits will sie aber nicht wahr haben, dass die beiden eine Beziehung führen (könnten). Ich finde, man merkt, dass Moira die Freundschaft zu Colin wichtig ist, aber ihr Wunsch nach was anderem größer ist. Da kann man sich gut reinfühlen und ich finde es sehr bemerkenswert wie viel Fingerspitzengefühl Niall da beweist - aber gut, als Papa und Ehemann lernt man das wohl auch xD (btw. mag ich den Charakter sehr gerne - der wirkt neben deinen anderen Freaks so herrlich normal :) )



    LG :)

  • Huhu!

    Selber huhu!


    der wirkt neben deinen anderen Freaks so herrlich normal

    Niall ist der Freak unter den Freaks, weil er vom Charakter her kein Freak ist *g*

    Und man glaubt gar nicht wie entspannend es ist, wenn man zwischen all den extremen jemanden wie Niall schreibt. Man fühlt sich voll als würde man Pause machen.


    ich finde es sehr bemerkenswert wie viel Fingerspitzengefühl Niall da beweist - aber gut, als Papa und Ehemann lernt man das wohl auch xD

    Vor allem als Ehemann einer Kreatur, die einem die Kehle ausbeißt wenn sie wütend wird *hust* #EsgibtNixAngsteinflößerendesAlsEineWütendeWölfin


    Danke für's Feedback ^^

  • Ich hab vergessen auf die Spekulation einzugehen:


    Colin


    Manchmal fragte sich Colin, ob andere Leute die gleiche Scheiße durchlebten. Ob sie genau wie er nachts wachlagen, schlaflos die Zimmerdecke anstarrten und sich den Kopf darüber zermarterten, auf was für grandios jämmerliche Weise sie ihre komplette Existenz in eine verdammte Sackgasse manövriert hatten. Gnadenlos hämmerten die Fragen auf Colins übermüdeten Verstand ein: Warum er niemals für irgendetwas oder irgendjemanden gut genug sein würde, weshalb er sowieso grundsätzlich alles falsch machte, wieso Moira ihn nicht liebte und wie er trotzdem so dumm sein konnte, zuzulassen dass sie nach all der Zeit wieder in sein Leben spazierte. Diese bescheuerte Monogamie. Jeder stinknormale Mensch hätte längst einen Schlussstrich gezogen aber dieses behinderte Ein-für-alle-Mal, wie Abby es schimpfte, ließ das ja unmöglich zu. Nein, Colin durfte den Rest seines ach so vielversprechenden Daseins damit verbringen, aus der Ferne eine Frau anzulechzen, welche in ihrer Jugend ohne mit der Wimper zu zucken entschieden hatte keinen Bedarf mehr für Colin zu haben und nun meinte einfach so zurückkehren zu dürfen. Und Colin bewies dank der Fixierung, die man als Wolfpoly entwickelte, genug gottverdammte Idiotie Moira ihre Dreistigkeit auch noch zu erlauben. Er sollte es besser wissen. Fuck, er wusste es besser und dennoch … !

    Eine Grube hatte er für seine Gefühle gegraben. Eine Grube mit einem unerschütterlichen Betonsockel und einer massiven Stahlplatte oben drauf. Abgedeckt, zugeschweißt, fertig. Zehn Jahre hatte diese sinnbildliche Falle ihren Zweck erfüllt und Colins Zuneigung zu Moira unter Verschluss gehalten; zehn Jahre war er Moira erfolgreich aus dem Weg gegangen, um keinesfalls daran erinnert zu werden warum er sie liebte. Daran und dass keine Frau so viel Nachsicht und Sanftmut demonstrierte wie sie, dass keine Frau jemals an ihre Leichtherzigkeit herankommen würde, an ihren Mut und an ihr Engagement und dass sie das zärtlichste Lächeln auf der ganzen weiten Welt besaß – und dass Colin ihr im Gegenzug einen gottverdammten Scheiß bot. Fast hätte er über seine eigene Anmaßung gelacht. Wofür sollte Moira schon ein Wrack wie ihn lieben können?

    Blaues und magentafarbenes Licht fiel durch die Jalousie vor Colins Schlafzimmerfenster. Damals, während der ersten Monate in dieser Wohnung hatte Colin noch geflucht, ob die farbenfrohe Beleuchtung des Vierundzwanzig-Stunden-Kiosks auf der gegenüberliegenden Seite der Straße ernsthaft Tag und Nacht ununterbrochen brennen musste, denn die Leuchtstoffröhren strahlten bis zu Colin in der dritten Etage hinauf und tünchten die weißen Wände mit ihrem Farbenspiel – der Grund, aus dem für Colin in erster Linie überhaupt die Notwendigkeit eines Sichtschutzes bestand. Knapp eine Dekade später störte es ihn allerdings kein Bisschen mehr, im Gegenteil. In Colin weckte die surreale Kombination aus Blau und Magenta immer das Gefühl, die Realität würde sich verzerren und der Welt ihre Anspannung und Geschwindigkeit rauben, weshalb er dem bunten Leuchten gelegentlich mit Absicht Einlass gewährte. Alles in allem war das ein ziemlicher Blödsinn aber na ja. Es half Colin seinen aufgewühlten Geist zu beschwichtigen. Meistens jedenfalls. Heute folterte seine Phantasie ihn lieber damit, lebhafte Bilder davon zu malen wie das blau-magentafarbene Licht wie ein Seidentuch über Moiras blasse Haut sowie über ihr langes, aschblondes Haar hinwegglitt.

    Scheiße Mann, so brachte das nichts. Wenn Colins Verstand ihm nicht bald eine Pause gönnte, würde er kein Auge mehr zu tun und morgen vor lauter Übermüdung schlechte Laune haben. Dann ließ er seinen Frust an seinen Freunden aus, sagte Dinge, die er niemals so meinte und fand die darauffolgende Nacht erneut keinen Schlaf, weil er sich wegen seines eigenen Fehlverhaltens hundsmiserabel fühlte. Er brauchte eine Ablenkung. Also schob Colin die Bettdecke zur Seite, erhob sich von der Matratze und ging zur Schlafzimmertür. Seine sensiblen Ohren vernahmen ein Geräusch als er sie öffnete; gleichzeitig registrierte Colin eine Bewegung in der Dunkelheit und in der nachfolgenden Sekunde huschte Ohli geschwind zwischen den Beinen seines Herrchens hindurch. Verrücktes Vieh. Da stand dem Fellmonster eine eigens von Colin zurechtgezimmerte, mit warmem Stroh gefüllte Kiste zur Verfügung, in der Ohli trotz sperriger Hörner und kräftigen Läufen bequem Platz fand und in der er von niemanden belästigt wurde, und trotzdem ergriff dieses gerissene Höllenbiest jede denkbare Möglichkeit, seinen pelzigen Hintern auf Colins Kissen zu hieven. Na auch egal. Musste Colin morgen eben Tierhaare vom Bezug saugen.

    Barfuß tapste Colin durch das unbeleuchtete Wohnzimmer. So lange wie er mittlerweile in dieser Wohnung lebte, kannte er jede Ecke in- und auswendig wie die Wechselbälger ihre Gänge und das Licht anzuschalten erwies sich deswegen als ziemlich überflüssig. Colin wusste, dass es zu seiner Rechten ins Badezimmer ging und ihn auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes die Türen zur Küche und zum Flur angähnten. Außerdem hätte Colin dank des Sehvermögens eines Wolfes auch ohne Ahnung vom Grundriss zu haben das Sofa im Wohnzimmer gesehen und lief daher keinerlei Gefahr, sich den Zeh am Sofatisch oder dem Fernsehschrank zu stoßen. Stattdessen berührte Keramik Colins Fuß.

    Mitten im Weg lag Ohlis auf den Kopf gedrehter, leerer Futternapf herum. Eigentlich gehörte er neben eine Wasserschale auf die rutschfeste Matte in der Küche, denn dort bekam das kleine Monster immer sein Fressen von Colin kredenzt. Seine Portion um über die Nacht zu kommen hatte Ohli jedoch offensichtlich bereits restlos hinuntergeschlungen und zum Ausdruck seines Protestes gegen diesen Zustand den ratzekahl geputzten Napf einmal durch die halbe Wohnung geschleudert. Colin hob das Gefäß vom Boden auf und stellte ihn vorübergehend auf Ohlis Kiste neben dem Sofa ab; danach fläzte er seine vier Buchstaben auf die Sitzfläche.

    Diese dreckigen Medikamente mussten Colin echt das Hirn zermatscht haben. Um ihn herum scharrte sich eine verdammte Großfamilie, von seiner Fußballmannschaft und seinen Arbeitskollegen gar nicht erst zu sprechen und Gwen, Scott oder Kevin … einer von ihnen erübrigte immer Zeit, um mit Colin abzuhängen. Und trotzdem hockte er jetzt hier wie ein erbärmliches Häufchen Elend, allein in seiner düsteren Wohnung und fühlte sich unsagbar, unsagbar einsam.

    Automatisch wanderte Colins Blick zu seinem Smartphone auf dem Sofatisch. 'Du wirst sofort anrufen und wenn es mitten in der Nacht ist' lautete die Bedingung, unter der ihn sein Vater seinerzeit aus Colins Elternhaus aus- und in eine eigene Unterkunft hatte ziehen lassen: Ihn zu alarmieren, sobald die negativen Episoden überhandnahmen …, sobald das trübsinnige Loch immer tiefer und tiefer wurde und Colin jeglichen Lichtblick aus den Augen zu verlieren drohte. Und welche Alternative blieb ihm schon, denn dieser Anordnung Folge zu leisten? Irgendwie schien Papa den metaphorischen, schwarzen Nebel zu wittern, der phasenweise um Colins Kopf herum waberte und ihm das Gemüt umnachtete. Und sollte er spitzkriegen, dass Colin trotz allem keine Hilfe suchte – Fergus Fitzpatrick würde seinen drittältesten Sohn an den schwarzen Haaren packen und ihn eigenhändig nachhause schleifen. Keine Kompromisse.

    Colin griff nach dem Smartphone. Der Akku zeigte ihm einen Energiestand von einundzwanzig Prozent an oder in anderen Worten: bedenklich gering. Bestimmt motzte das System bald herum und verlangte ans Stromnetz angeschlossen zu werden. Für gewöhnlich nutzte Colin eine der Steckdosen in der Küche dafür, da die Buchsen auf der Arbeitsfläche zu hoch lagen, als dass Ohli ohne Weiteres zu ihnen hinaufspringen und mithilfe seiner großen Zähne das Ladekabel zu Konfetti zerschreddern konnte. Das Leben mit Haustier fand am besten kabellos statt, so viel hatte Colin definitiv gelernt. Der Wolf prustete abfällig. Solange er noch über solchen Mist herumphilosophierte, ging es ihm bei Weitem noch nicht beschissen genug; da konnte er seinen Vater genauso gut in Frieden lassen. Anstatt die Nummer seiner Eltern zu wählen, navigierte sich Colin daher zu seinem Messanger-Dienst hindurch. Drei ungelesene Nachrichtenverläufe zeigte das Programm ihm an. Im Mannschaftschat des Fußballteams gab es etwas Neues, außerdem blinkte es neben Kevins Namen auf und die dritte Meldung stammte aus dem Gruppengespräch der Clique. 'Fröhliche Freak-Freunde' lautete der Name, den Abby der gemeinschaftlichen Konversation mit ihren Brüdern und Freunden verpasst hatte und Colin fand diesen Titel sogar noch dämlicher als das 'Fitz-PUPP-ricks' ihres Geschwisterchats. Als ob es keine gescheitere Bezeichnung für eine Zusammenkunft an Freaks gäbe.

    Weil Colin in diesem Moment kein bisschen der Sinn nach irgendwelchen Organisationsgeplänkel stand und Kevin buchstäblich alle Zeit der Welt besaß, überflog Colin lediglich das geschriebene hin und her seiner Freunde.