Wächterchroniken: Zweiklang 2.0

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 220 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von LadyK.

  • Hey!

    Ich starte hier mal einen neuen Versuch meine Geschichte hochzuladen. Im alten Thread hab ich ja viel zu schnell hochgeladen und dann noch eure Tipps nicht beachtet :patsch: Sorry nochmal an dieser Stelle! Also fang ich noch mal an und gelobe mich zu bessern.

    Also dann, viel Spaß bei meiner Story!


    Inhaltsverzeichnis:

    Kapitel 1.1

    Kapitel 1.2

    Kapitel 1.3


    Prolog (Verbessert und Überarbeitet)


    Blut. Tod. Bersten von Knochen. Das Ächzen der Sterbenden und das Geschrei der Verwundeten. Ryah blendete all dies aus und ließ mit einer Handbewegung zwei Stecher des Feindes zu Asche zerfallen, dann rannte sie weiter zu Amon, der ganz in der Nähe einen Brecher ausweidete. Er tauchte unter einem Schlag der Bestie hinweg, rollte sich ab und rammte seinen Anderdhalbhänder durch den Hals in das Gehirn des Gegners.

    Ryah hastete zu ihm und streckte ihm ihre Hand hin: „Irre ich mich oder bist du langsam geworden? Früher hättest du schon zwei von denen erledigt“, sagte sie mit einem müden Grinsen.

    Amon zog sich an der dargebotenen Hand hoch und gab ihr eine Kopfnuss. „Erst besiegen wir diesen Bastard Blar und dann kannst du gerne weitersticheln.“

    Dann rannten sie weiter gen Küste wo der Feind seine Kommandoposten aufgestellt hatte.


    Blar, der Herrscher über die Grauen Inseln, grinste in sich hinein. Sein Plan war aufgegangen, die mickrigen Wächter dieses Kontinents kamen angerannt und dachten sie könnten ihn, den großen Blar, bezwingen. Sicher, es wäre ihnen möglich, aber der dunkle Herrscher hatte vorgesorgt und ließ die beiden in seine perfekte Falle laufen. Es hatte ihn Tage gekostet aber nun war alles bereit. Blar lachte düster vor sich hin und richtete seine aus schwarzen Eisen geschmiedete Rüstung. Dann hörte er Kampfeslärm vor seinem Zelt. Ja das würde lustig werden!


    Ryah und Amon standen auf einer Düne und sahen hinab zum Strand auf das „Zelt“ des Feindes. „Was hat der den da drinn, ne zweite verdammte Armee?“, fragte Amon und starrte auf das mindestens einhundert schritt lange Gebilde aus Tuch.

    Ryah schenkte ihm nur ein Zwinkern und rutschte die Düne herunter auf die Leibgarde Blars zu. „Ach, man muss sie einfach lieben.“ Hörte sie ihn noch murmeln, dann lief Amon hinter ihr her.

    Ryah nahm ihre beiden Kurzschwerter vom Rücken und drückte die Füße vor ihr in den Sand, durch den Schwung wurde sie in die Luft geschleudert, vollführte eine Drehung die Schwerter senkrecht von sich gestreckt und köpfte somit zwei der überrumpelten Bestien, die nicht mal grunzen konnten, bevor sie tot umfielen. Ryah rollte sich geschickt ab und rannte nach links, da sie durch das Band zu Amon spürte, dass er die rechte Seite übernehmen würde. Sie sprintete weiter und ließ die Magie in ihren Adern aufwallen, während sie ein Monster nach dem anderen zerstückelte.

    Amon wartete bereits am Ende des Zeltes und grinste sie an. „Wer ist hier jetzt langsam?“

    Aber Ryah merkte dass er nur etwas zu überspielen versuchte, „Was ist“ zischte sie. „Was hast du gesehen?“

    Amon runzelte die Stirn und sah ihr tief in die Augen. Besorgnis stand in ihnen. „Ich bin mir nicht sicher, aber es ist nichts Gutes. Kannst du es nicht spüren?“

    Ryah zuckte nur mit den Schultern. „Ich spüre Magie, aber dass Blar ein Magier ist wussten wir ja schon.“ Mit diesen Worten schritt sie durch den Zelteingang. Im Inneren erwartete sie ein langer Teppich, der an beiden Seiten von Feuerschalen beleuchtet wurde. Am Ende stand ein massiver Thron aus schwarzem Granit. Und dort saß der dunkle Blar.

    Amon nickte ihr zu und rief die Magie in seinen Adern und verwob sie mit Ryahs. Ihre Augen begannen golden zu leuchten. Ihre Rüstungen und Waffen wurden von einem hellen Schein überzogen. Dann sprachen sie, in einer Stimme die uralt und mächtig klang. „Blar, dachtest du wirklich, du würdest damit durchkommen? Ereon einfach so einnehmen zu können? Deine Armee verliert Schritt für Schritt an Boden und du verkriechst dich hier wie ein feiger Hund!“

    Blar lachte und sagte in einer ebenso mächtig klingenden Stimme: „Ich frage euch, Wächter von Ereon: Warum Kämpft ihr in diesem Krieg? Die Aufgabe der Wächter ist es, den Kontinent vor der Vernichtung zu retten und nicht vor einem Herrscherwechsel.“

    Bei diesen Worten stand er auf und breitete seine Arme aus. „Schließt euch mir an und wir könnten gemeinsam die Welt regieren.“

    Ryah und Amon zogen synchron ihre Waffen und gingen in Kampfstellung. Funken reiner Macht umspielten sie wie einen Schwarm Glühwürmchen.

    „Nein? Na gut, ihr habt es so gewollt“, schrie der dunkle Herrscher und ließ seine Falle zuschnappen.

    Auf dem Teppich glühte plötzlich ein Zeichen auf, dann ein weiteres direkt daneben, bis der ganze Boden in einem zornigen Blutrot leuchtete.

    Blar lachte und schleuderte zwei Dolche, die er in seiner Rüstung versteckt hatte auf die beiden taumelnden Wächter.


    Amon reagierte noch bevor es geschah: Er ließ seine Waffen fallen und warf sich vor Ryah. Sie hörte wie sich etwas durch das Eisen einer Rüstung bohrte, dann spürte sie, wie warmes Blut über Ihre Hände lief. Amon sackte schwer in ihre Arme.

    Panik machte sich in ihr breit. Ihre Macht, sie war… weg einfach verschwunden. Sie konnte nicht einmal das magische Band zu Amon spüren. Amon! Nein! Sie richtete Ihren Blick auf das Gesicht ihres Geliebten. Nein! Nein! Nein! Das durfte nicht wahr sein! Seine Augen waren von Schmerz überschattet, das Gesicht aschfahl und doch hauchte er unter schmerzen „Ich liebe dich, Ry.“

    Dann malte er mit seinem Blut ein Zeichen auf Ihre Stirn und brüllte die verbotenen, alten Worte in den Himmel. Worte, die die Zeichen auf dem Boden zerstörten und die Macht der Wächter zurückbrachte.

    Ryah schluchzte als der Leib in ihren Armen ein letztes mal zuckte. Sie bemerkte nicht, wie Blar vor ihr vor Wut brüllte, sie hatte nur Augen für das Gesicht ihres Geliebten. Ihres toten Geliebten.

    Plötzlich durchströmte Ryah eine Woge der Macht, spülte die Emotionen aus ihrem Kopf, der wie Nebel ihre Gedanken umhüllt hatte. Ihre Augen klärten sich. Macht. Zu viel Macht für einen Körper. Die Macht, die geteilt werden sollte, in einem Körper vereint. Schmerzen durchzuckten Ryah und es fühlte sich an, als ob sie von innen verbrennen würde. Es durchdrang sie mit der Gewalt der Berge und der Schärfe eines Schwertes. Zu viel. Zu viel Macht Für einen Körper.


    Blar starrte entsetzt auf die beiden Wächter. Der Mann lag tot auf dem Boden, durchbohrt von seinem Dolch. Die Frau allerdings, wurde von einem Feld reiner Macht umgeben, dass sie nach und nach wie ein unnachgiebiges Feuer verschlang. Blar setzte sich auf seinen Thorn und schloss die Augen, wenn die Wächterin es schaffen sollte diese Macht in sich aufzunehmen, würde er all seine Kraft brauchen um sie zu besiegen.


    Ryah schrie Ihren Schmerz heraus. Das Feuer verschlang sie immer weiter, raubte sich ihre Essenz, ihre Persönlichkeit.Wut durchzuckte sie und schirmte sie vor dem Feuer in ihrem Inneren ab. Zitternd und noch immer schreiend richtet sie den Blick nach vorne auf den schwarzen Thron. Dort saß der Mörder Amons. Ihr Schrei wechselte von Schmerz, über Wut, zu einem Kampfgebrüll, das selbst den Lärm auf dem nahen Schlachtfeld übertönte.

    Ryah kämpfte sich auf die Knie, stellte ein Bein auf und drückte sich stück für stück hoch. Nein, sie würde niemand mehr verletzen. Niemand. Sie schob ihre Wut wie einen Schild vor sich her und richtete sich schließlich auf. Sie sog die Macht um sich herum in sich hinein, vermischte sie mit ihrer eigenen, festigte sie in ihrem Innersten.

    Ihre Augen leuchteten nicht mehr golden sondern strahlend blau. Die Hülle aus Macht, die sie eben noch verbrannt hatte, sickerte in ihre Rüstung, beulte jeden Kratzer vergangener Schlachten aus. Fuhr in ihre Haare, flocht sie zu einem Kriegszopf ihres Volkes.

    So schwebte sie einen Schritt über der Erde, die unkontrollierbare Macht in ihrem Inneren bäumte sich auf, wollte sich losreißen und sich auf den dunklen Herrscher stürzen, doch sie zwang sie wieder zurück. Kontrollierte sie. Ryah schritt auf den dunklen Thron zu, sie fühlte nur noch Kraft und Zorn.

    Als sie zehn Schritte von Blar entfernt war öffnete dieser seine Augen. Sie waren ebenso dunkel und hart wie sein Granitthron auf dem er saß. Er lächelte sie an. „Sieh an du hast überlebt. Nur wird dir dass nichts bringen, ihr müsst zu zweit sein um mich zu besiegen!“

    Ryah lächelte zurück. „Aber ich kann dich bannen“, dann ließ sie die Macht in ihrem Inneren frei und stürzte sich auf Blar

    4 Mal editiert, zuletzt von vinni () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von vinni mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hey vinni


    Na dann auf ein Neues :) In jedem Fall ist es schon mal aufgrund der besseren Lesbarkeit wegen der ausgemerzten Rechtschreibfehler ein sehr viel größeres Lesevergnügen. Dann hat du, wie ich sehe, eine Perspektive rausgenommen (die von Amon) was ich gut finde, da es sonst zu viel hin und her war. Das liest sich jetzt in der Tat besser.

    Ansonsten habe ich nichts weiter zu beanstanden. Du hast einen, wie ich finde, schon ziemlich ausgereiften und flüssigen Schreibstil. Es liest sich durchgängig gut :thumbup:

    Inhaltlich sag ich jetzt mal nix. Wir waren ja schon ein ganzes Stück weiter.


    LG,

    Rainbow

  • Kapitel 1.1


    Lea saß schweißüberströmt unter der großen Buche, im königlichen Schlossgarten.

    Ihr gegenüber lag schwer atmend ihr Bruder Gorm, er hatte seine langen braunen Haare zu einem Zopf zusammengebunden und zwinkerte ihr nun mit seinen Grünen Augen zu.

    „Na bereit für eine weitere Runde?“, fragte er.

    Lea stand auf und lockerte ihre Schultern. „Aber sicher doch Gormilein“, antwortete sie mit honigsüßer Stimme.

    Ihr Bruder stand zornig auf. „Gormilein ernsthaft? Jetzt bist du fällig, Lealilein.“

    Lea kicherte. „Du hörst dich an als ob du betrunken wärst.“, stichelte sie weiter.

    Die vorbeilaufenden Bediensteten und andere Parkbesucher schenkten ihnen einen argwöhnischen Seitenblick als sie die beiden Streithähne bemerkten.

    Nicht nur weil es sonst im Schlosspark des Königspalastes Weron still war, sondern auch weil sie dort In voller Rüstung und schwer bewaffnet den schönen königlichen Rasen zerstörten. Besonders der alte Gärtner Dewi, der hier schon seit dem letzten Krieg, vor dreißig Jahren, die Gärten hütete blickte sie finster an.

    „Nanana werden wir etwa schon wieder Wütend?“, fragte Lea.

    Die Antwort Gorms kam hart und plötzlich: Blitzschnell zog er sein Schwert fiel auf ein Knie herab und schlug nach den Beinen seiner Schwester.

    Doch diese lachte nur, sprang nach hinten und landete geschmeidig in der Hocke. Mit einer fließenden Handbewegung ließ sie zwei lange Dolche, die an ihren Ärmeln befestigt waren, aus ihren Halterungen schnappen.

    Gorm grinste frech. „Wann siehst du es endlich ein? Ich lasse mich nicht Reizen.“

    Mit diesen Worten sprang er vor und deckte Lea mit einer schnellen Schlagabfolge ein, die diese ebenso schnell parierte.

    Nach einem missglückten Kopfschlag zog sich Lea schwer atmend einige Schritte zurück.

    Gorm witterte einen schnellen Sieg und stürmte voran, um seine Schwester zu rammen.Doch nach der halben Strecke sah er das böse Grinsen seiner Gegnerin und erkannte seinen Fehler.

    Lea pakte seinen Schwertarm, stellte sich frontal vor ihn, streckte ihr Bein zur seite und warf ihn zu Boden. Dann ließ sie sich vom Schwung des Wurfes mitziehen und landete auf dem breiten Brustkorb ihres Bruders.

    Gorm stöhnte unter dem Gewicht der gepanzerten Kriegerin und versuchte sich unter ihr herauszuwinden. Diese Bemühungen wurden jedoch von einem Dolch an seiner Kehle gestoppt.

    „Na schön du hast gewonnen!“, grummelte Gorm beleidigt. „Kannst du jetzt bitte von mir runter gehen? Du bist verdammt schwer.“

    „Oooh, ist der kleine Gormilein jetzt beleidigt?“, meinte Lea mit weinerlicher Stimme.

    Die bissige Antwort ihres Bruders blieb ihr erspart, denn in diesem Moment räusperte sich eine Person hinter ihnen laut.

    „Wie ich sehe General Bryn sind ihre Kinder wie sie sagten stets Diszipliniert und Gehorsam.“

    Lea und Gorm fuhren herum und standen dem Herrscher Ereons, König Banur dem Tapferen, und dem königlichen Rat gegenüber.

    An der Seite des Königs stand, in eine blutrote Plattenrüstung gehüllt und mit einem Riesigem Zweihänder auf dem Rücken, General Bryn Graubart, Ihr Vater.

    Die Augen der beiden mächtigsten Männer des Reiches blickten streng und ein wenig enttäuscht auf die beiden jungen Erwachsenen hinab.

    „Ich würde sagen, ihr helft dem Gärtner die nächsten zwei Wochen den Park wieder herzurichten.“, sprach ihr Vater mit Befehlsgewohnter Stimme.

    Lea reckte den Hals und setzte zu einer Erwiderung an aber sowohl der Blick ihres Vaters, als auch die Anwesenheit des Königs ließen sie stocken.

    „Ja, Vater.“, quetschte sie durch zusammengebissene Zähne heraus.

    Dann verbeugten sich die Geschwister vor dem Rat und dem König und machten, dass sie davon kamen, bevor ihrem Vater noch etwas schlimmeres einfiel.


    Als die Beiden verschwunden waren grinste der König seinen General und alten Freund an und sagte „Sie haben sich wirklich gut gehalten. Wir beide hätten damals den halben Park niedergemacht und nicht nur eine Wiese.“

    Bryn wurde bleich und raunte „Lass sie das niemals wissen, die beiden würden dass als Herausforderung sehen.“ Laut lachend setzten die beiden ihren Weg zum Besprechungsraum fort.

  • Kapitel 1.2


    Lea stieß die Harke so fest in den Boden, dass die Erde aufspritzte und ihrem Bruder ins Gesicht traf.

    „Na wer wird jetzt wütend“, fragte Gorm in unschuldigem Ton aber sie konnte das Lachen in seiner Stimme hören.

    „Hm ich hasse diese verdammte Gartenarbeit!“

    Jetzt lachte Gorm „Du bist eine fiese, eiskalte Nervensäge von einer Schwester und dann jammerst du wegen ein bisschen Gartenarbeit rum?“

    Lea seufzte und rieb sich Dreck aus dem Gesicht „Du hast ja recht aber du weißt ja, in drei Wochen fangen die Sucherprüfungen an. Bis dahin muss ich noch trainieren und nicht in diesem verdammten Garten Hocken.“

    Wieder rammte sie die Harke in den Boden. Es knirschte und als Lea das Gartengerät aus der Erde zog, waren die Zacken abgebrochen.

    Wütend schleuderte sie die Harke ins nächste Gebüsch und zischte ihrem Bruder zu „Ich geh mir eine neue holen aber wenn du jemandem sagst, dass ich das war dann kannst du dich von deinen Eiern verabschieden.“

    Gorm riss die Augen auf und hielt die Hände in die Luft. „Von mir erfährt keiner was!“

    „Das will ich hoffen“, rief sie noch über die Schulter, dann lief sie los Richtung Geräteschuppen am anderen Ende des Parks.

    Sie hatte die Vermutung dies sei die Rache des Gärtners, sie an den entlegensten Winkel des Parks zu schicken. Aber wer konnte ihm das schon verübeln?

    Die Sonne blitzte zwischen den Bäumen hindurch und schien ihr mitten ins Gesicht.Lea steigerte ihr Tempo nochmals und dachte an die bevorstehenden Sucherprüfungen. Sucherin. Das war schon immer ihr Traum gewesen, seit ihre Mutter Lydia ihr die Geschichten der tapferen Wächter erzählt hatte.

    Laut ihrer Mutter starb der Wächter Amon in der finalen Schlacht gegen den dunklen Herrscher Blar von den Grauen Inseln. Seine Geliebte Ryah Wolfsheart konnte die Macht Amons in sich aufnehmen und Blar bannen.

    Doch der Tod ihres Freundes hatte sie verändert, hatte sie härter und gefühlsloser gemacht. Die Heldin der Raza Festungen, wie sie heute genannt wurde, zog sich in den Osten des Kontinents zurück. Doch bevor sie ging wies sie den damaligen König Fion an, sie zu holen, wenn der dunkle Herrscher Blar aus seinem Bann erwachen würde.

    Das Problem war, keiner wusste wohin sie verschwunden war.

    Seitdem war es Tradition in Ereon jedes Jahr Wettkämpfe abzuhalten und die Gewinner dieser Wettkämpfe wurden dann die neuen Sucher.

    Die Sucher streiften durch den Kontinent immer auf der Suche nach der verschollenen Wächterin, um sie im Ernstfall jederzeit warnen zu können.

    Leas Mutter Lydia war eine dieser Sucher gewesen, doch eines Tages kam sie und ihr Begleiter schwer verletzt durch die Tore der Stadt geritten.

    Es waren sofort die besten Ärzte und Heiler anwesend, doch selbst sie scheiterten an den Verletzungen.

    Die letzten Worte ihrer sterbenden Mutter an sie waren genauso verstörend wie rätselhaft gewesen „ Fürchte dich nicht, wenn der Wolf seine Zähne zeigt, du kannst ihn kontrollieren. Du kannst die Bestie besänftigen, die geschaffen wurde um alle zu vernichten, du bist der letzte Hoffnungsschimmer für Ereon, Lea. Setze deine Macht weise ein.“

    Bis jetzt hatte sie keine Ahnung welche Macht ihre Mutter meinte aber sie würde es herausfinden.


    König Banur betrat mit seinen Getreuen den Besprechungsraum.

    In der Mitte des großen runden Zimmers stand ein alter hölzerner Tisch in dem die Karte von Ereon in die Oberfläche eingearbeitet war. Der Tisch war außerdem magisch, man konnte ihm einen Ort nennen und dann veränderte sich die Karte, sodass der gewünschte Bereich in allen Einzelheiten dargestellt wurde. Durch diese kleine magische Spielerei hatte Ereon schon zahlreiche Kriege gewonnen.

    Die steinernen Wände des Saals zierten alte Gemälde von Generälen und noch ältere Abzeichen und Flaggen längst gewonnener oder verlorener Kämpfe.

    Die Anwesenden stellten sich um den Tisch, der schon mehr Kriege miterlebt hatte als alle Versammelten gemeinsam.

    Der König sah ernst in die Runde, dann sprach er „Meine Freunde, es brechen schwere Zeiten heran. Meine Späher berichten mir, dass um die Grauen Inseln herum Monster gesichtet wurden.“

    Im Raum wurde es still, es war als würden selbst die Blätter im Garten draußen Luftholen. Dann fingen alle an durcheinander zu reden.

    „Unmöglich, die Inseln liegen schon seit Jahren still“, rief schließlich der Ratsvorsitzende energisch. „Das müssen bestimmt nur große Fische gewesen sein, denn der Dunkle hatte immer nur Landtruppen.“

    Zustimmendes Gemurmel hallte durch den Raum.

    „Genau“, rief ein anderer „Der Bann muss doch noch halten, sonst hätte der Feind uns schon längst angegriffen.“

    Bryn Graubart schlug sich mit seiner gepanzerten Faust auf die Brustplatte. Sofort wurde es still und der General hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit

    „Liebe Kameraden“, sprach er ernst „seit euch gewiss, dass wir dies auch zunächst annahmen. Also schickten wir unsere Elite Flotte, um der Sache auf den Grund zu gehen und wir fanden dass hier…“

    Graubart schlug nochmals auf seine Brustplatte und sofort kam ein Trupp Soldaten in den Raum marschiert. An ihren Uniformen prangten die Eliteabzeichen Ereons und wiesen sie somit als die besten Krieger des Reiches aus.

    Sie trugen einen großen Leinensack mit sich, der nach vergorenen Fisch stank. Ein Ratsmitglied eilte sofort zum Fenster um es aufzureißen.

    Banur meinte ein leises aufkeuchen unter dem Fenster zu hören, dachte sich aber nichts dabei. „Öffnen, Soldat“, befahl er.

    Die Soldaten salutierten, dann nahm einer sein Messer, schnitt den Sack der Länge nach auf und schlug den Leinenstoff zurück.

    Die Ratsmitglieder traten hektisch ein paar Schritte zurück und keuchten entsetzt auf.


    Lea war so in Gedanken, dass sie gar nicht bemerkt hatte, wie sie schon beim alten klapprigen Gärtnersschuppen angekommen war.

    Sie hoffte nur, dass der alte Gärtner Dewi nicht grad da drinnen war. Denn auf noch eine Standpauke diesen Tag hatte sie echt keine Lust.

    Lea schlich leise bis an die moosbewachsene Wand des Schuppens und spähte durch ein kleines, in die Wand eingelassenes Fenster. Sie seufzte erleichtert auf als sie niemanden entdecken konnte. Also stieß sie die Tür mit dem Fuß auf und betrat den muffigen Raum.

    Allerlei Werkzeug in jedem erdenklichem Alter und Zustand stapelten sich hier über Pflanzensamen, Dünger und einem Haufen ungewaschener Gärtnersklamotten.

    Sie schnappte sich die erstbeste Harke, die sie finden konnte und wollte gerade wieder ins freie schlüpfen als ihr Blick in einem alten, bodentiefen Spiegel hängen blieb.

    Sie grinste, trat näher und besah sich von allen Seiten. Ihre kurzen, blonden Haare waren nach rechts gekämmt und gaben einen guten Blick auf ihre links kurz rasierte Kopfseite. Ihr Gesicht war hübsch, mit vollen Lippen und einer kleinen Stupsnase. Die Augen strahlten klar und hell wie ein Türkis blauer See ohne Grund.

    Lea hatte die Haarfarbe und die Augen von Ihrer Mutter geerbt. Gorm dagegen kam ganz nach ihrem Vater: Groß, braune Haare, grüne Augen und eindeutig die Muskelpakete. Dafür hatte er Mutters Weisheit bekommen, zumindest meistens, wenn er wollte.

    Und sie teilte den Appetit ihres Vaters. Wenn das Schloss jemals belagert werden würde, hatte er ihr oft zum Scherz gesagt, wären sie die ersten Verbannten gewesen weil die Stadt schlicht nicht so viel zu Essen habe.

    Doch die Esserei sah man ihr nicht an. Sie war schlank, mit runden Hüften und mittelgroßen Brüsten. Lea fand die genau richtig. Groß genug, um eine Geheimwaffe gegen Männer zu sein aber klein genug, damit sie Im Kampf nicht störten.

    Sie zwinkerte sich selbst im Spiegel nochmal zu, dann machte sie sich auf den Rückweg zu ihrem Bruder. Als sie am alten Besprechungsraum vorbei kam, vernahm sie Stimmen.

    Lea biss sich auf die Lippe und überlegte. Dann zuckte sie mit den Schultern, warf die Harke hinter sich und begann an der rauen Festungsmauer, bis unterhalb eines kleinen Fensters durch das die gedämpften Stimmen der Ratsmitglieder zu ihr herausdrangen, emporzuklettern.

    Lea hielt den Atem an, um etwas zu Verstehen und ihr stockte der Atem als sie erkannte, dass dort der König und der Krisenstab des Reiches über die grauen Inseln, dem Herrschaftsgebiet von Blar redeten.

    Plötzlich wurde das Fenster über ihr schwungvoll geöffnet. Ihr entfuhr ein keuchen und schnell hielt sie die Luft an, um zu hören ob sie jemand bemerkt hatte, doch zum Glück verschwand das Ratsmitglied das das Fenster geöffnet hatte wieder.

    Lea seufzte erleichtert auf und verzog sogleich das Gesicht, als ihr der Fischgestank in die Nase stieg. Sie zwang sich durch den Mund zu atmen und konzentrierte sich wieder auf die Versammlung.

  • Ich poste mal still und leise vor mich hin. Da bis jetzt keine Kritik kam, gehe ich mal davon aus, dass alles passt. ;)





    Kapitel 1.3


    General Bryn seufzte „Wir haben unseren Feind unterschätzt. Wir dachten Ryah Wolfshearts Bann würde Blar ebenso daran hindern Truppen auszuheben, wie er verhindert, dass er von den Grauen Inseln entkommen kann. Aber dieses Wesen“ er deutete mit Abneigung auf den Sack „übertrifft selbst unsere schlimmsten Befürchtungen.“

    Zustimmendes Gemurmel erfüllte den Raum. Auf einen Wink des Generals packten zwei Soldaten den Inhalt des Sackes und hielten ihn in die Luft.

    Ein dritter Soldat, in einer blauen Offiziersuniform, trat vor und verbeugte sich vor den Versammelten dann begann er mit tiefer Stimme zu sprechen „Eure Majestät, verehrter Rat! Mein Name ist Finn Balsur, der Captain der Königlichen Flotte. Was sie hier sehen ist die neuste Wassereinheit unseres Feindes.“

    Dabei deutete er auf den abgetrennten Kopf einer gigantischen Seeschlange, den die zwei Soldaten immer noch mit unbewegtem Gesichtsausdruck in die Höhe hielten.

    „Diese Biester sind bis zu dreißig Schritt lang und zwei Schritt breit, ihre Zähne enthalten ein lähmendes Gift. Ihre Schuppen sind extrem widerstandsfähig gegen Harpunen und sonstige Geschosse. Doch das gefährlichste an den Schlangen sind ihre Schwänze, diese sind mit einer knochenartigen Schicht umhüllt, womit sie sehr effektiv zustechen und schlagen können. Auf diese Weise haben wir viele gute Männer verloren.“

    „Danke für die ausführliche Erklärung Captain.“, meinte König Banur.

    Ein Ratsmitglied räusperte sich und trat vor. „Mit wie vielen von den Biestern können wir denn rechnen, Captain?“

    „Die genaue Zahl ist noch ungewiss. Wir gehen von drei duzend aus aber wir haben noch keine Informationen wie schnell sie sich vermehren, wertes Ratsmitglied.“, antwortete Finn.

    Ein unterdrückter Fluch ein lautes plumpsen und sich hastig entfernende Schritte unterbrachen die Besprechung.

    Sofort stürzten zwei der Elitesoldaten aus dem Raum um den etwaigen Spion ausfindig zu machen.

    Der General und der König sahen sich an und seufzten gleichzeitig. Sie wussten natürlich wer sich da unter dem Fenster versteckt hatte.

    „Na dann werd ich mich mal um meine rebellische Tochter kümmern.“, meinte Bryn und schritt aus dem Saal.

    Der König nickte ihm zu und wandte sich dann wieder an die Ratsmitglieder:

    „Also dann meine Freunde für Heute ist die Versammlung beendet. Morgen werden wir uns dann um die Taktiken gegen die Seeschlangen beraten.“

    Mit einem Wink entließ er die Anwesenden und beobachtete wie sie einer nach dem anderen durch die Tür verschwanden.

    Als der letzte gegangen war entrann ein schwerer Seufzer der Kehle des Königs, er schritt zum Fenster und blickte in den strahlend blauen Himmel.

    Ja, es würde Krieg geben und dafür war Ereon noch nicht bereit.

  • Hey, vinni ,

    ich bin nach wie vor dran und war - wie du richtig festgestellt hast - auch zufrieden mit den bisherigen Teilen.

    An Lea scheint ein Junge verlorengegangen zu sein, so, wie sie sich aufführt. Ziemlich impulsiv und rebellisch. Und Gorm scheint der ruhige Gegenpol zu sein. Zumindest schätze ich das bislang so ein. Mal sehen, ob das richtig ist. :rofl:

    Diesmal sind mir ein, zwei Sachen aufgefallen:

    und hielten ihn in die Luft.

    den die zwei Soldaten immer noch mit unbewegtem Gesichtsausdruck in die Höhe hielten.

    Bei den beiden Zitaten erschließt sich mir nicht ganz, warum die beiden das machen. Der Kopf einer dreißig Schritt langen Seeschlange muss unglaublich schwer sein. Warum müssen die zwei armen Soldaten das Ding in die Höhe halten. Können sie es nicht einfach aus dem Sack schälen und auf dem Boden liegen lassen? Sauber dürfte der ja eh nicht mehr sein, denn ein Sack ist ja nicht blut-dicht. Selbst wenn da mehrere Leute rumstehen (wie viele hast du uns ja nicht verraten), kann jeder mal nach vorn treten und einen Blick drauf werfen. Denk ich zumindest. :hmm: :)

    Der General und der König sahen sich an und seufzten gleichzeitig. Sie wussten natürlich wer sich da unter dem Fenster versteckt hatte.

    Woher wissen sie das? Macht Lea das andauernd? Wenn ja - hat der Vater als General seine eigene Tochter nicht im (Entschuldigung) Griff?

    „Also dann meine Freunde für Heute ist die Versammlung beendet. Morgen werden wir uns dann um die Taktiken gegen die Seeschlangen beraten.“

    Okay, da war ich verblüfft. Der König ruft seine Getreuen zusammen, verkündet, dass es nun wohl ernst wird und zeigt ihnen den Inhalt des Sacks. Dann schickt er sie wieder weg? Sollte nicht danach die Beratung eigentlich erst beginnen?

    *ist kein Stratege, würde das aber wohl so machen*


    Ansonsten - kann weitergehen :thumbup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Huhu!

    Ich hab deine Geschichte auch grade gefunden und war vom Prolog ziemlich angetan. Das liest sich alles erstmal sehr gut und flüßig, man hat Spaß daran, dem geschehen zu folgen.


    Aber ein paar kleine Punkte gibt es doch:

    Sie war schlank, mit runden Hüften und mittelgroßen Brüsten. Lea fand die genau richtig. Groß genug, um eine Geheimwaffe gegen Männer zu sein aber klein genug, damit sie Im Kampf nicht störten.

    Wo genau bringt diese Information die Geschichte voran? ich für meinen Teil brauche die Größe der Brüste des Charakters nicht zu wissen, um ihn mir vorstellen zu können. da wäre für mich eher interessant, ob sie eher athletisch gebaut ist oder eher knabenhaft, was zu ihrem Auftreten passen würde.



    „Na dann werd ich mich mal um meine rebellische Tochter kümmern.“, meinte Bryn und schritt aus dem Saal.

    Ich bezweifle, dass das in dieser Situation die oberste Priorität wäre. Davon abgesehen stimme ich Tariq zu: Als Tochter eines Generals sollte das eigentlich nicht standardmäßig der Fall sein, dass sie wichtige Beratungen belauscht. Vor allem, weil du bisher nicht erwähnt hast, dass sie anscheinend extrem neugierig und lebensmüde ist.



    Mit einem Wink entließ er die Anwesenden und beobachtete wie sie einer nach dem anderen durch die Tür verschwanden.

    Auch das stimme ich Tariq zu. Es erscheint irgendwie unplausibel, dass nach so einer Nachricht der ganze Rat einfach aufgelöst wird. Also ja eigentlich nicht, nachdem ja Alle anscheinend wissen, dass sie "nur" von einem Mädchen belauscht wurden. Ich hätte auch schön gefunden, wenn du beschrieben hättest, wie die Ratsmitglieder auf diese Nachricht reagieren. Ich meine, es muss ja allen klar sein, was das bedeutet. Sind die alle eher sauer oder verängstigt oder einfach schockiert? Das könntest du ein bisschen weiter ausbauen.


    Bin gespannt auf mehr :)

  • Moin vinni

    Ich hatte ja schon bei deinem ersten Start versucht, deiner Geschichte zu folgen und bin kläglich gescheitert (was aber nicht an dir liegt, sondern allein an mir xD).


    Den Prolog finde ich nach wie vor sehr gut, auch wenn ich es immer noch schade finde, dass wir hier auch Blars Perspektive folgen - aber vermutlich ist das Geschmackssache und hey - es ist immerhin dein Text :)


    Mangels Zeit heute früh, bin ich erstmal nur bis 1.1 gekommen und hab mir ein Lesezeichen gesetzt :)


    Ein paar kleine Sachen, die mir gerade noch ins Auge gestochen sind:



    So. Bis hierin erstmal.

    Zum Inhalt sage ich etwas, wenn ich 1.2 und 1.3 auch noch gelesen habe. Nicht, dass du denkst, ich will hier nur rummeckern ... aber ich muss mangels Zeit erstmal Schluss machen :)


    LG :)