Dark Prince - Verhängnisvolle Liebe

Es gibt 67 Antworten in diesem Thema, welches 2.707 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Sensenbach.

  • Hallo Kirisha,

    also aus meiner Sicht liest sich dieses dritte Update sehr gut. Die einzige Stelle an der ich kurz stockte, war die Textzeile

    ...zerhackte auch die letzten vernünftigen Gedanken, die ihr Hirn noch geschafft hatte zu bilden.

    So toll die ersten Worte sind, so hat mich der Rest ... ihr Hirn noch geschafft hatte zu bilden... doch etwas stolpern lassen. Geschafft hatte liest sich irgendwie unrund, weil es nicht zum Rest deiner Wortwahl passt.

    Das ist aber nur meine persönliche Meinung.

    Ansonsten kann ich nur sagen, weiter so :)

  • Hey Kirisha,


    aller guten Dinge sind drei :D ...


    Wie gesagt, gefällt es mir schon deutlich besser. Hier kommen nur noch Kleinigkeiten.



    LG,

    Rainbow

  • Hallo ihr Lieben,

    ich bin aus dem Urlaub zurück und nun geht es hier weiter.

    Ich bin froh, dass der Prolog jetzt schon einigermaßen ankommt!



    ...zerhackte auch die letzten vernünftigen Gedanken, die ihr Hirn noch geschafft hatte zu bilden.

    So toll die ersten Worte sind, so hat mich der Rest ... ihr Hirn noch geschafft hatte zu bilden... doch etwas stolpern lassen. Geschafft hatte liest sich irgendwie unrund,

    Okay. Da gehe ich nochmal drüber. Danke dir!


    Danke Rainbow für deinen Kommentar. Die Wortwiederholungen werde ich noch ausmerzen. Das mit dem Licht *seufz (wie konnte das passieren?) ändere ich natürlich auch.

    Und die Geräusche des Donners werde ich auch noch anpassen. Danke!!!


    Jetzt zum neuen Teil.

    Okay, ehrlich gesagt grübele ich schon die ganze Zeit, ob ich dieses erste Kapitel wirklich so posten sollte, wie es nun ist, oder ob Prinzessin Cheneela nicht fürchterlich langweilig und gewöhnlich rüberkommt.

    Es wäre bestimmt spannender, wenn ich mit dem Dark Prince beginnen würde. Aber ich stelle mir vor, dass es vielleicht sogar noch spannender wird, wenn man das, worauf man wartet, noch nicht sofort bekommt.

    (oder irre ich mich?)

    Wie ist dieser Einstieg? Zu langweilig oder doch interessant genug? Oder sollte die Prinzessin besser irgendeine außergewöhnliche Eigenschaft haben? Fehlt da noch ein Haken, damit ihr anbeißen würdet? Bitte seid nicht nett zu mir, sondern sagt mir, ob ihr als Leser, wenn ihr diesen Text in einer Buchhandlung lesen würdet, dieses Buch weiterlesen oder es zurück ins Regal stellen würdet.

    Danke für eure Kommentare!

    C1. Morgen im Palast

    Mit einem Schrei fuhr Prinzessin Cheneela aus dem Schlaf. Verwirrt blickte sie sich um. In ihrem Gemach herrschte trübes Dämmerlicht. Schattenhaft erkannte sie die Umrisse ihrer Kommode mit dem großen Spiegel, die vergoldeten Rahmen der Gemälde an den Wänden und in der Ecke ihre Harfe. Aus weiter Ferne hörte sie eine Glocke sieben Mal schlagen.

    Es war nur ein Traum!

    Aufatmend ließ sie sich in ihre Kissen zurückfallen. Da klopfte es an ihrer Tür.

    „Prinzessin? Alles in Ordnung?“, erklang eine harsche männliche Stimme. Sie gehörte Korman, einem ihrer Leibwächter. „Soll ich hereinkommen?“

    „Nicht nötig, danke. Es geht mir gut.“

    Ihr Herz klopfte immer noch unnatürlich schnell und wollte sich nicht beruhigen. Das Bild des grellen Feuers, in das sie herabstürzte, blitzte ihr vor den Augen. Obwohl sie sich noch müde fühlte, würde sie keinen Schlaf mehr finden, das wusste sie. Und natürlich hatte ihr Geschrei auch die Bediensteten geweckt. Die Verbindungstür zum Nebenraum knarrte und sie hörte das erleichterte Schnaufen ihrer Zofe Sondra.

    „Du hast mich erschreckt, Chenna! Darf ich hereinkommen?“

    Prinzessin Cheneela seufzte. Der Blick zum Fenster suggerierte eigentlich, dass dieser Tag sie noch nicht willkommen hieß. Draußen schien alles nachtschwarz. Nur aus einem kleinen oberen Fensterspalt drang ein depressives Dämmerlicht. Allerdings war sie nichts anderes gewöhnt.

    „Natürlich, komm rein. Guten Morgen, Sondra“, grüßte sie die Hofdame, die auch ihre beste Freundin war.

    Im nächsten Augenblick huschte Sondra mit leichten, energischen Schritten zu ihrem Himmelbett und setzte sich behutsam auf die Bettkante. Ihre hellbraunen Haare waren bereits sorgsam geflochten und zu einem Dutt hochgebunden.

    „Ich hörte dich schreien.“ Sondra blickte sie aufmerksam an.

    Cheneela setzte sich auf, um mit ihrer Lieblingszofe auf gleiche Höhe zu gelangen.

    „Ein Kerl mit Hörnern auf der Stirn hat mich in einen Abgrund gestoßen.“ Ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen. Jetzt kam es ihr seltsam vor, dass sie die absurden Bilder auch nur einen Moment lang für Wirklichkeit gehalten hatte.

    „Ein Mann mit Hörnern? Du meinst … Raven von Kalamachai?“ Sondra zog bedenklich die Augenbrauen hoch.

    „Nun nimm das doch nicht ernst!“, rief Cheneela und knuffte ihre langjährige Vertraute in die Seite. „Das war nur ein Traum voller chaotischer Bilder.“

    Sondra entspannte sich und erhob lächelnd einen Finger. „Du hast zu viele Schauermärchen gehört.“

    Bevor Cheneela darauf etwas erwidern konnte, öffnete sich die Tür zum Nebenzimmer weit und nun traten auch die beiden anderen Zofen ein.

    „Guten Morgen, Prinzessin!“ Marla, die Jüngste, ging voraus und knickste vor ihrer Herrin. Sie balancierte einen Ständer mit einer brennenden Kerze in der Hand, wodurch ihre Gestalt wie ein sonniger kleiner Engel wirkte und sich der weitläufige Raum ein wenig erhellte. Hinter ihr folgte die ältere Fefa, eine rundliche Elgo mit langer dunkler Pferdemähne, wie immer in ein steifes blassviolettes Seidenkleid gekleidet, das mit der darunter hervorleuchtenden weißen Bluse hübsch kontrastierte.

    „Ihr seid wach, Prinzessin?“, rief sie gut gelaunt. „Das ist gut. Der Hofschneider hat sich in einer Stunde angemeldet und die ersten Festgäste kommen zum Mittagsmahl – wir werden einiges zu tun haben, um rechtzeitig fertig zu werden. Das Wasser im Baderaum dampft schon und ich habe alle Öle und Tücher bereitgestellt. - Marla, du bleibst hier und putzt die Fenster, damit wir Licht bekommen. Die sind ja schon wieder voller Staub.“

    „Danke, Fefa. Dir natürlich auch, Marla. Auf euch ist Verlass!“ Cheneela lächelte ihren Vertrauten zu und schwang sich aus dem Bett.

    Da reichte ihr Fefa schon ihren flauschigen Morgenmantel, in den sie sich einhüllte. Begleitet von ihren Zofen ging sie durch die Verbindungstür in den kleinen Flur, der ihre Gemächer von den Räumen der Dienstboten trennte. An der Wand standen, fast so unbewegt wie Statuen, zwei ihrer Leibwächter, die ihr zunickten. Cheneela fand es ziemlich peinlich, dass sie jeden Morgen so salopp in ihren Morgenmantel gekleidet an ihnen vorbeidefilieren musste. Es half jedoch nichts, dies war eine Frage der Sicherheit. Sechs bewaffnete Soldaten vor ihrer großen Tür sowie zwei vor der Nebentür stehen zu wissen, Tag und Nacht, war in der heutigen Zeit einfach beruhigend.

    Zusammen mit ihrem Gefolge stieg sie die rustikale Holztreppe herunter, die in das untere Badehaus führte.

    Kurz darauf tauchte sie in das dampfende Wasser in dem großen Zuber ein, der Platz bot für gut 15 Personen. Dieser wurde mit Wasser aus dem naheliegenden Parkteich gespeist und mit einem Holzofen beheizt. Sie genoss den Geruch der herben Kräuter und Öle, der in der Luft hing, während Fefa ihre Arme einrieb und ihren Rücken wusch.

    Jetzt musste sie nicht mehr lange warten – nur noch fünf Tage. Seit Wochen fieberte sie dem Frühlingsball entgegen. Nein, nicht in erster Linie wegen des Tanzes. Obwohl sie, zugegeben, sehr gerne über das Parkett wirbelte. Aber viel größer wog ihre Freude darüber, alte Freundinnen und Bekannte wiederzusehen und sich mit ihnen über die jüngsten Ereignisse im Land auszutauschen.

    Fefa ließ eine glitschige Flüssigkeit auf ihre Haare träufeln und fing an, diese mit sanfter Energie zu kneten. Wohlig ließ sich Cheneela zurückgleiten und lehnte sich gegen die hölzerne Wand des Zubers.

    „Ich habe die Gästeliste gesehen“, raunte ihr Fefa ins Ohr, während sich ein süßlich-herbes Aroma in der Luft ausbreitete. Die Prinzessin lächelte in sich hinein. Als ob diese Liste irgendwelche Überraschungen beinhalten könnte, es kamen doch jedes Jahr dieselben Gäste.

    „Ganze 465 Namen sind notiert“, ergänzte Fefa, wobei die Tonhöhe ihrer Stimme dramatisch anstieg.

    Cheneela fuhr aus dem Wasser hoch, dass es beinahe übergeschwappt wäre. „Wie viele? Über vierhundert? Bist du verrückt? Wo sollen die denn alle herkommen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Fürstensöhne der entfernteren Provinzen sich den Risiken einer weiten Reise aussetzen werden.“

    „Euer Vater hat eine Menge Adlige aus der Stadt eingeladen. Auch aus Pallanthia erwarten wir eine außergewöhnlich große Delegation. Viele von ihnen werden in den vornehmeren Bürgerhäusern einquartiert. Ihr werdet eine Unmenge Hände schütteln müssen … Darum kommt der Hofschneider nachher auch nochmal. Euer Vater hat befohlen, dass Euer Kleid selbst die Götter des Himmels noch ausstechen sollte.“

    Cheneela drehte sich zu der Zofe herum.

    „Was redest du denn da, Fefa? Bist du sicher, dass du dich nicht verhört hast? Mein Vater hat mir kein Wort gesagt.“

    „Ich glaube, er hatte noch keine Zeit dafür. Das muss ja auch alles organisiert werden. Da gehen Boten hin und her, die Knechte in den Pferdeställen kommen gar nicht zur Ruhe. Gestern brannte das Licht im Rittersaal bis weit nach Mitternacht. Aber nun bewegt Euch nicht so ruckartig, sonst reiße ich noch versehentlich Haare aus.“

    Cheneela zog die Stirn in Falten. Ob es stimmte? Aber ihre dralle Zofe war die Neugier in Person und ihren scharfen Augen entging nichts. Als Tochter des Hofmarschalls hatte sie Zugang zu exklusiven Informationen und liebte es, immer die erste Quelle für sämtlichen höfischen Tratsch zu sein. Daher neigte Cheneela dazu, ihr zu glauben.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Hey Kirisha,


    ja, der Teil hat mir auch sehr gut gefallen. Eine deutliche Verbesserung zu deinem ersten Versuch!

    Hier kommen nur ein paar Kleinigkeiten und sonstige Gedanken, die mir beim Lesen kamen :)




    LG,

    Rainbow

  • Hallo ihr Lieben, vielen Dank für eure Rückmeldungen, Sensenbach und Rainbow !


    Rainbow



    Und hier geht es weiter:


    1.1 Morgen im Palast

    Was dachte sich ihr Vater, wollte er die Bürger seiner Provinz für die Sondersteuer entschädigen, die er vor zwei Sommern eingeführt hatte? Die teuren Geschenke, mit denen er sich beim König einschmeichelte, verschlangen Unsummen.

    „Waren auch Boten aus Karghena dabei?“, fragte Cheneela. „Meine Freundin Kira hat mir seit drei Monden nicht geschrieben. Ich habe mich schon gefragt, ob sie etwas geärgert hat. Weißt du, ob sie auf der Liste steht?“

    „Selbstverständlich“, erklärte Fefa mit der Miene einer Prophetin, die den Weg zur Rettung der Welt geebnet hat. „Und ratet mal, wer noch alles gelistet ist. Da hätten wir einmal Graf Pluvar mit seinen drei Söhnen …“

    Die Zofe kam in Fahrt. Ihr Mund bewegte sich wie eine Wassermühle, spuckte Namen aus in einem Fort. Zu jedem Gast wusste Fefa einen Skandal oder mindestens ein trauriges Detail.

    Das ging ohne Pause so weiter, selbst als Cheneela wieder vor der Spiegelkommode in ihrem Gemach angekommen war. Fürstensöhne, Baronessen, ganze Bataillone von Adligen, deren Namen Fefa auswendig rezitieren konnte, schienen auf dem Weg nach Aravenna zu sein.

    Abgetrocknet und in den ätherischen Duft südländischer Öle gehüllt, schlüpfte Cheneela in ihr Untermieder und hob die Arme, damit Sondra ihr das Korsett überstreifen und es festbinden konnte.

    Dabei beobachteten sie die zahlreichen ernsten Gesichter ihrer Vorfahren, die von den Gemälden an ihren Wänden auf sie herabblickten.

    Wesentlich heller war es im Gemach nicht geworden, obwohl Marla sowohl die Balkontür als auch die beiden Fenster akribisch von Staub befreit hatte. Ein staubiggrauer Himmel warf finstere Schatten über den Park, der sich unterhalb von Cheneelas Balkon erstreckte. Und wie um zu unterstreichen, was die Ursache für die anhaltende Dämmerung war, erschütterte ein leises Beben den Untergrund. Ein dumpfes Wummern tönte in der Ferne. Sämtliche kleinen Kosmetikdosen auf der Kommode zitterten, die Fenster klirrten scharf und Marla stieß einen kleinen Schrei aus.

    „Du gewöhnst dich wohl nie dran“, amüsierte sich Fefa mit einem Seitenblick auf die erst zwölfjährige jüngste Bedienstete, die noch nicht lange im Palast arbeitete.

    „Es tut mir leid“, stotterte Marla und blickte unsicher zum Fenster hin, als befürchtete sie, dort demnächst einen Drachen als Verursacher der Störung zu erblicken. „Bei uns daheim war der Boden immer fest.“

    „Wir sind näher dran am Vulkan als die Leute deiner alten Heimat“, erklärte Cheneela. „Aber hier ist es noch harmlos. Was glaubst du, wie das in Estedt rumpelt, wenn der Krater wütet. Ich war mal dort zu Besuch. Es schlägt dir fast den Teppich unter den Füßen weg und die Stühle tanzen! Aber selbst daran kann man sich gewöhnen.“

    Mit geübten Griffen half ihr Fefa nun in die aufwändig gearbeitete Bluse. Diese imponierte durch eine Reihe von Falten direkt über der Brust, jede einzelne schnürte die Zofe horizontal mit einem aravennablauem Samtband.

    Das Kleid war in demselben hellen Blauton gehalten. Sein Hauptteil fiel von den anliegenden Schultern seitlich nach unten, ließ aber einen breiten Ausschnitt frei, in welchem die geschnürte Bluse zur Geltung kam. In der Hüfte tailliert geschnitten, fiel es nach unten faltenreich herab. Verzierungen aus geflochtenen Bändern schmückten es am unteren Ende, an den Ärmeln, am Oberarm und an der Hüfte.

    „Steht Euch gut, schaut Euch mal an“, kommentierte Fefa ehrerbietig. Sondra fasste die Prinzessin bei der Schulter und drehte sie ein wenig vor dem Spiegel, damit sie sich von allen Seiten begutachten konnte.

    Kritisch betrachtete Cheneela ihre schmalen, die ein wenig blassen Wangen und ihre grünen Augen in dem unbarmherzigen Glas. Richtig hübsch war sie sicher nicht, sondern nur sehr gewöhnlich. Selbst ein aufwändiges Kleid korrigierte das nicht. Damit hatte sie schon so manches Mal gehadert.

    „Oder sollen wir noch das Grüne probieren?“, fragte Sondra. Fefa hob die Augenbrauen.

    „Blau ist besser. Das harmoniert so schön mit Euren hellen Haaren“, versicherte sie eifrig, während sie anfing, die langen blonden Locken um Cheneelas ovales Gesicht herum zu frisieren.

    Ein lautes Klopfen an ihrer Tür ließ Cheneela herumfahren.

    „Bitte?“

    Jemand drückte die Klinke herunter.

    Auf der Schwelle erschien ein Höfling.

    An dem gerollten Schnurrbart und der tiefblauen Galauniform erkannte sie den Oberkammerdiener ihres Vaters. Er näherte sich mit eiligen Schritten und salutierte vor ihr.

    „Euer Vater bittet Euch in den Rittersaal. Es ist dringend.“

    „Jetzt?“ Cheneela musterte ihn verwundert. „Ich bin bei der Anprobe. Der Hofschneider wird später noch kommen.“

    Der Höfling zuckte mit den Achseln. „Der kann warten.“

    Seit wann besprach der Vater denn private Angelegenheiten mit ihr in seinen öffentlichen Räumen? Hastig fügte sie hinzu: „Ist etwas passiert?“

    Der Kammerdiener nickte zögernd.

    „Das erzählt er Euch besser selbst.“

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Hey Kirisha,

    „Selbstverständlich“, erklärte Fefa mit der Miene einer Prophetin, die den Weg zur Rettung der Welt geebnet hat. „Und ratet mal, wer noch alles gelistet ist. Da hätten wir einmal Graf Pluvar mit seinen drei Söhnen …“

    Die Zofe kam in Fahrt. Ihr Mund bewegte sich wie eine Wassermühle, spuckte Namen aus in einem Fort. Zu jedem Gast wusste Fefa einen Skandal oder mindestens ein trauriges Detail.

    Das ging ohne Pause so weiter, selbst als Cheneela wieder vor der Spiegelkommode in ihrem Gemach angekommen war. Fürstensöhne, Baronessen, ganze Bataillone von Adligen, deren Namen Fefa auswendig rezitieren konnte, schienen auf dem Weg nach Aravenna zu sein.

    Ich finde die Zofe und ihren Hang, wie ein Wasserfall zu erzählen, hast du ganz wunderbar eingefangen. ich kann mir diese ganze Szene richtig gut vorstellen und auch deine Vergleiche haben mir gut gefallen. :thumbup:


    „Wir sind näher dran am Vulkan als die Leute deiner alten Heimat“, erklärte Cheneela. „Aber hier ist es noch harmlos. Was glaubst du, wie das in Estedt rumpelt, wenn der Krater wütet. Ich war mal dort zu Besuch. Es schlägt dir fast den Teppich unter den Füßen weg und die Stühle tanzen! Aber selbst daran kann man sich gewöhnen.“

    Es drängt sich die Frage auf, warum die überhaupt dort bauen, wo ein Vulkan oder Ähnliches in der Nähe ist. Oder haben sie keine andere Wahl? :hmm:


    Sein Hauptteil fiel von den anliegenden Schultern seitlich nach unten, ließ aber einen breiten Ausschnitt frei, in welchem die geschnürte Bluse zur Geltung kam. In der Hüfte tailliert geschnitten, fiel es nach unten faltenreich herab. Verzierungen aus geflochtenen Bändern schmückten es am unteren Ende, an den Ärmeln, am Oberarm und an der Hüfte.

    das klingt recht ähnlich


    Ich bin gespannt :gamer: Und das Ende ist gut gesetzt. Ein schöner Cliffhanger :D

  • Hi Kirisha,

    mir gefallen die Details, die du beschreibst, ziemlich gut. Dadurch hat das ganze noch mal einen ganz eigenen Reiz für mich, weshalb ich das sehr gerne lese.

    Zum letzten Post drei kleine Formulierungsanmerkungen:

  • VIelen Dank für eure lieben Kommentare!


    Rainbow

    epochAal


    Okay, dann geht es jetzt zum nächsten Kapitel.


    R2. In der Vulkanstadt

    Dichter Ascheregen rieselte vom Himmel und hüllte die Umgebung in nachtschwarzes Dunkel. Obwohl Raven mit seinem Bernsteinstab einen breiten gelblichen Lichtkegel erzeugte, konnte er unter den zahllosen herumwirbelnden schwarzen Flocken kaum den Weg erkennen.

    Eine abrupt zunehmende Hitze alarmierte ihn. Er zügelte sein Pferd, drehte sich um und rief laut zu seiner Truppe:

    „Stopp!“

    Es war immer gefährlich, am äußeren Vulkanberg zu reiten, weil der Krater nie still war und jederzeit neu entstandene Lavaflüsse austreten konnten. Anfangs, solange die Lava noch rot glühte, übersah er sie nicht, aber sobald die oberste Magmaschicht zu schwärzlichem Gestein erstarrte, war sie kaum noch von der Umgebung zu unterscheiden. Wie eine Eisscholle auf einem Feuermeer konnte sie plötzlich abreißen und jeden ins Verderben ziehen, der gerade seinen Fuß darauf setzte.

    Die glühende Hitze, die Raven an dieser Stelle überfiel, sprach dafür, dass er sich in der Nähe eines solchen schwarz verfärbten Magmaflusses befand. Sein Pferd tänzelte unruhig und schnaubte.

    „Das ist ja ekelhaft heute, ich sehe nicht die Hand vor Augen.“ Asmantjar schloss zu ihm auf, ein breitschultriger schwarzhaariger Skeff mit langen Fledermausflügeln. „Das Eingangsportal kann nicht mehr weit entfernt sein. Ich hoffe wirklich, dass die Sicht bald besser wird.“

    Skeptisch spähte er durch den andauernden wirbelnden Ascheregen. „Warum halten wir?“

    „Was glaubst du?“, knurrte Raven. „Bodenfeuer voraus.“

    Raven rieb an dem rundgeschliffenen Bernstein am hinteren Ende seines Stabes, bis es unter seinen Fingern lebendig wurde und ein Strom von Helligkeit nach vorn hinaussprühte. Den Lichtkegel hielt er in die Finsternis und spähte nach Zeichen, die ihm verraten könnten, wie breit der Lavafluss vor ihm war. Doch das einzige, was er erkannte, war das verräterische rötliche Glühen von Magmagestein weiter unten auf seiner rechten Seite. Der Weg voraus erschien pechschwarz und von hier aus nicht sicher zu beurteilen.

    Der Weg aus der Vulkanstadt heraus oder in die Stadt hinein war immer beschwerlich. Dem König gefiel es, dass er es nicht nötig hatte eine Stadtmauer zu bauen und auch kaum Wachtposten aufstellen musste. Niemand kam lebendig nach Kalamachai herein oder hinaus, der sich nicht mit den Tücken der Lava auskannte.

    „Ich teste den Weg zu Fuß“, bestimmte Raven.

    Entschlossen stieg er vom Pferd und führte es an den Zügeln. Auf diese Weise hatte er weniger Gewicht, was sein Risiko verringerte, in das trügerische schwarze Magmagestein vor ihm einzubrechen. Er war oft genug schon über solche Felsbrocken gegangen und wusste, wie es sich anfühlen musste.

    Langsam und bedächtig ging er voran. Die Hitze umwehte ihn, als näherte er sich einem Großfeuer. Unter seinen Füßen brodelte es leise. Entweder befand er sich schon auf der erhärteten Magmadecke, unter der die Lava glühte, oder nur wenige Meter entfernt. Wieder tastete er sich einen Schritt vorwärts, bereit, schnell rückwärts zu springen. Kein Knacken war zu hören. Der Boden schien stabil. Noch weiter ging er voran. Die Hitze nahm schon wieder ab.

    Keine Gefahr, atmete er auf. Unter ihm schien nur ein kleines Rinnsal.

    „Der Weg ist rein, aber es ist besser nicht zu reiten“, rief er laut. „Führt die Pferde an den Zügeln! In einer Reihe mir nach!“

    Er wartete ab, bis ihn die ersten Kameraden erreicht hatten und schritt dann durch die schwarzen Flocken voran.

    Endlich wurde der Grund fester. Raven wollte schon wieder aufsteigen, als ihn ein länger anhaltendes leises Zittern des Bodens unter seinen Füßen erstarren ließ.

    Das Geröll auf dem Boden tanzte. Die kleinen Steinchen unter den Hufen der Pferde sprangen hin und her. Alle Reittiere schnaubten und tänzelten nervös. Raven packte seines fester und blickte nach oben. Bitte nicht. Kündigte sich ein Vulkanausbruch an? Jetzt?

    Durch den wirbelnden Ascheregen sah er kaum etwas. Doch es genügte, ihn die sprühenden grünlichen Dampffontänen erkennen zu lassen, die in unregelmäßigen Abständen über den Himmel zischten. Dieser wurde schnell von orangen und grünen Partikeln übersät, die wie Sternschnuppen aufglühten und wieder verschwanden.

    Eine Eruption konnte jeden Moment das ganze Gebiet überfluten. Verdammt!

    „Alle aufsteigen und weg hier!“, brüllte Raven nach hinten und schwang sich auf seinen Sattel. Sein Rappe zitterte und schnaubte angstvoll. Hart klemmte er seine Schenkel um dessen Flanke, damit dem Tier nicht die Instinkte durchbrannten.

    War dieses Spektakel Absicht? Wollte die Hohepriesterin ihn gefährden? Der Vulkan von Kalamachai brach niemals zufällig aus. Grimmig biss er die Zähne zusammen. Leider ahnte er nur zu gut, was das Missfallen der Oberhexe erregt haben könnte.

    Obwohl gerade erst 19 Jahre alt, hatte er sich in den letzten Jahren stetig emporgearbeitet. Zuletzt hatte der Regent ihm sogar das Kommando über eine eigene Armee versprochen. 3000 Mann. Davon träumte er schon seit langem – endlich auf die ganz großen Schlachten ausreiten!

    Diese Hoffnung sah er nun vor seinen Augen zerplatzen. Das Desaster, das ihm vor ein paar Tagen in Karghena unterlaufen war, würde der König wohl kaum verzeihen …

    Unter tosendem Donner schoss eine Feuerfontäne in die Luft. Sie zischte in grellgelben Flammen weit in den Himmel hinauf. Raven zügelte sein Pferd fester, das tänzelte und bockte. Am liebsten wäre er wie sein Reittier davongaloppiert – doch wohin? Eine Flucht vor diesen Lavamassen, sollten sie gleich über ihm hinabregnen, wäre unmöglich. Vor seinen Augen verfärbte sich der Himmel bis zum Horizont hin orange, als ob er brannte. Er starrte hinauf und wagte kaum zu atmen.

    Als der Donner abebbte, verschwand der Lavaregen nach Osten und zog erkaltenden schwarzen Rauch hinter sich her. Der Himmel verdunkelte sich und beißender Ruß stach ihm in die Nase. Instinktiv hielt er sich die gewölbten Hände vor Mund und Nase.

    Ravens Pulsschlag verlangsamte sich. Zum Aufatmen war es jedoch noch zu früh. Abwartend blickte er dem lodernden hellgelben Schweif hinterher, bis dieser gänzlich in der Ferne verschwand.

    Da drehte der Wind. Dichte Qualmwolken fegten ihm entgegen entgegen und dampfende Asche regnete vom Himmel, genau auf ihn und seine Truppe herab. Schlagartig umgab ihn aufgeheizte Luft. Großporige Staubteile rieselten ihm in die Haare und auf die Schultern. Einige besonders heiße Partikel fraßen sich zischend durch den Stoff der Uniform und brannten sich in seine Haut. Hinter sich hörte er seine Männer fluchen und wettern.

    Unruhe stieg in ihm auf, die sich schnell steigerte.

    Ist das eine Warnung? Werden sie mir eine Strafe aufdrücken? – Klar. Die habe ich so sicher zu erwarten wie nasse Füße im Regen.

    Eine Fontäne grünlicher Schwefelsäure sprühte rechts neben ihm hoch. Reflexartig presste er die Hände enger zusammen, um die giftige Luft nicht einzuatmen. Endlich wehte die Aschewolke zur Seite und der steinige Pfad sowie das endlose schwarze Stein- und Aschefeld zu Füßen des Vulkanes sowie dessen kahlen Felswände wurden sichtbar. Ebenso wie das Bergtor, das nun vor ihnen auftauchte.

    Wieso war dieser Angriff so misslungen? Während des gesamten Rittes hatte er sich schon den Kopf darüber zermartert. Das Feuer im Dach, wer hatte ihm das eingebrockt? Eine Sabotage? Oder hatten seine Feinde einfach schnell und klug reagiert?

    Wenigstens war er nun nah genug am Eingang, dass der Zorn des Vulkans seine Truppe nicht mehr erwischen konnte, selbst wenn es nochmal knallte.

    Eilig setzte er seinen Ritt über die Geröllhalde fort, bis er mit seiner Truppe das Bergtor erreichte. Dieses war direkt in die Felswand des Vulkans hineingehauen und so hoch, dass auch ein Drache noch hineinkäme.

    Vor dem Eingang gewahrte er zwanzig bewaffnete Kalmuker. Auf den ersten Blick steinernen Denkmälern ähnlich, standen sie bewegungslos nebeneinander. Ihre grauen Gesichter wirkten eingefroren, ihre Augen tot wie die von Puppen. Als seine Truppe näherkam, traten die Seelenlosen ihr entgegen, wobei sie alle gleichzeitig einen Schritt nach vorne marschierten und auch gleichzeitig wieder in der Bewegung erstarrten.

    Niemand kam an einem Kalmuker vorbei, der den Auftrag hatte ein Tor zu bewachen, sie waren ideale und unbestechliche Wächter. Schon aus der Ferne fühlte Raven den eisigen Hauch des Todes, der sie umgab. Obwohl dessen Kälte den Schmerz der Brandwunden linderte, konnte er das Grabesgefühl nicht leiden, das die Wesen ausstrahlten und das sämtliche Lebensfreude erstickte, blieb man zu lange in ihrer Nähe.

    Raven ritt auf den vordersten Wachtposten zu, seinen frostigen Atem ignorierend. Fordernd streckte er dem Kalmuker seinen Totenkopfring entgegen und wartete ab, bis jener seinen Prüfring dagegen gepresst hatte. Beide Totenschädel schienen ineinander zu verschmelzen, während die darum fließenden Ringe wie ein brennendes Feuer glommen. Zuletzt ertönte ein leiser, plingender Ton. Das Signal an die Hohepriesterin.

    Hinter ihm wurden seine Männer auf dieselbe Weise geprüft. Das Knirschen beim Aufeinanderstoßen der Ringe und das folgende Plingen tönte bald von allen Seiten und setzte sich eine geraume Weile fort. Dann traten die Kalmuker schweigend an die Seite, bauten sich rechts und links nebeneinander auf in exakt gleichen Abständen, und die Torflügel fuhren auseinander.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

    3 Mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Liebe Kirisha

    Die Gegend und das Setup in diesem Abschnitt gefällt mir gut. Mit der Charakterisierung von Raven habe ich meine Probleme. Mal sehen, was du noch mit ihm vor hast. :)


  • Hallo Sensenbach

    danke schön für deinen ausführlichen Kommentar!

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  • Hey Kirisha :)


    An den Teil erinnere ich mich noch. Ich finde dieses Setting auch total cool. Ich kann mir das richtig vorstellen, wie die da durch diese trostlose Vulkanlandschaft reiten, kaum was sehen können, dann die Hitze und ständig die Gefahr im Nacken einen falschen Schritt zu tun. Das macht schon was her.


    Alles andere packe ich mal in den Spoiler:



    LG,

    Rainbow

  • Bedenke, dass dieser Abschnitt personal geschrieben ist.

    Das schon. Es ist aus der Perspektive von Raven geschrieben. Aber wir sind noch nicht nahe an der Figur und erfahren nicht, was er denkt. Eine Idee wäre einen Dialog einzubauen, wo Raven diese Informationen selbst gibt.

    Aber möglicherweise kommt das alles in den nächsten Abschnitten und meine Anmerkungen erledigen sich von selbst. :)


    Über die Kalmuker würde ich auch gerne mehr erfahren, wie Rainbow.

  • Danke schön Rainbow und Sensenbach für eure hilfreichen Kommentare!


    Da ich im Moment noch ziemlich viel Kopfzerbrechen wegen des Plots habe, werde ich die Wortwiederholungen und die unschönen Formulierungen momentan erstmal stehenlassen und sie erst später bearbeiten.


    Den "Magiestrahler" am Anfang habe ich auf eure Anregung hin geändert. Das ist jetzt ein magischer Stab aus Bernstein.


    Ich habe jetzt erstmal nur den Part über die Kalmuker etwas überarbeitet.

    Und hier geht es nun weiter:


    2.1 In der Vulkanstadt

    Vor ihnen eröffnete sich ein breiter Höhlengang, von Fackeln erhellt. Diesen ritt Raven entlang, bis er ein weiteres Tor erreichte. Er presste seinen Ring in eine dafür vorgesehene Mulde auf einem Holzpflock.

    Knarrend fuhren die hohen Ebenholzflügel auseinander und gaben den Blick auf die Eingangshalle frei. Er erreichte einen hohen runden Raum, zu dessen Seiten sich Box an Box reihte, sowohl ebenerdig als auch in vier Etagen übereinander, welche über verschiebbare Treppen zu erreichen waren. Denn hier befand sich der Pferdestall der Vulkanstadt.

    In der Halle herrschte reges Treiben. Hufschmiede beschlugen Pferde, Stallknechte luden Mist auf Karren, der in den Kolchhallen als Dünger verwertet wurde, und ganz offensichtlich würde der Sturmführer Torgar mit einer außergewöhnlich starken Truppe gleich ausreiten. Diese waren gerade dabei, ihre Pferde zu satteln und Gepäck aufzuladen.

    Raven kniff die Lippen zusammen. Dieser jämmerliche Hund hatte ihn vor zwei Sommern im Stich gelassen, als sie in einen Hinterhalt gerieten. Mit seinen kräftigen lederartigen Fledermausflügeln war er einfach davongeflogen und seine Leute mit ihm, und ihm war nicht einmal eingefallen, Verstärkung zu holen. Hätte sich wahrscheinlich gefreut, wenn der Feind ihn zerhackt hätte!

    Der Geflügelte erblickte die Ankömmlinge sofort. War es Einbildung, oder ergötzte sich der Dreckskerl wieder einmal an der Tatsache, dass Raven flügellos geboren war und deshalb nicht wie dieser Angeber immer wieder seine Flügel wie Drachenschwingen über seinen Kopf heben konnte? Die langen Hörner auf Ravens Stirn kompensierten diesen Mangel nur ansatzweise.

    Torgars Blicke blieben erstaunt an dem rassigem Hengst hängen.

    „Mann, was ist das für ein Gaul? Wo hast du den her?“, fragte er überrascht.

    „Es sind mehr als nur einer“, erwiderte Raven und grinste überlegen. „Schau dir unsere Herde an. Wir mussten uns etwas hastig aus Karghena verabschieden und sind dabei auf ihre Rassepferde gestoßen.“

    Er zeigte mit der Hand hinter sich, wo seine Kameraden in Viererreihen ihm hinterherritten.

    „Pech und Schwefel“, rief Torgar mit funkelnden Augen, verbiss sich aber einen weiteren Kommentar.

    „Und du, wohin geht´s?“ Raven registrierte, dass Torgars Leute vor allem mit Pfeilen, Speeren und Lanzen ausgerüstet waren.

    „Darghessa“, brummte Torgar. Nun war die Reihe an ihm, Raven einen herablassenden Blick zuzuwerfen. „Ein Angriff der Wassermächte auf unsere heilige Hochmesse.“

    Raven horchte auf. „Wirklich? Was haben sie angerichtet?“

    Torgar winkte ab. „Fünf Opfer gestohlen. Ich leite die Strafaktion. Die werden bluten! Ich zerquetsche sie!“

    In Ravens Hinterkopf begann es zu arbeiten. Von Zerquetschen konnte sicher keine Rede sein. Die Wasserteufel waren zäher als Drachenhaut.

    Wen straft denn der König? Hat er wirklich die Haie am Wickel? Aber die sind sicherlich wieder entkommen. Sonst wäre hier ein gewaltiger Aufruhr und er würde die größte Armee schicken, die er aufbringen kann. Also geht es vermutlich gegen die Darghessaner, weil sie die Wasserteufel nicht an der Entweihung der Messe hindern konnten.

    Der Gedanke an die Feinde aus dem Wasser und insbesondere deren Anführer, dessen übermächtiges Schwert ihn noch immer bis in seine Träume verfolgte, wühlte ihn auf. Auch wenn ihre letzte Begegnung ganze drei Sommer her war, würde er sie nie vergessen und nie vergeben.

    Während auch seine Soldaten ihre Tiere den Stallburschen übergaben, eilte Raven im Sturmschritt durch die Halle und marschierte auf deren hinteren Teil zu, in welchem es ein erhöhtes rechteckiges Plateau gab, das mit blutroten Platten bedeckt war. Es bot Platz für etwa 20 Personen. Dies war die Große Winde, mithilfe derer die Einwohner der Vulkanstadt innerhalb der 18 Kraterebenen auf und ab fahren konnten. Bewegt wurde sie durch den Druck von Luftströmen aus dem Vulkaninneren, welcher von Hexen geleitet wurde, die sich im Dienst abwechselten.

    Raven sprang die kleine Treppe hinauf und stellte sich auf die roten Platten. Die Kameraden folgten ihm. Es gab nicht Platz genug für alle, sie würden in Etappen fahren.

    „Kolchstube“, sagte Asmantjar laut, der sich auf die Kommandoplatte gestellt hatte, von der aus die Windenhexe ihn hören würde. Mit einem Ruck erhob sich die Plattform wie ein Teppich aus Stein und schwebte durch die Halle nach oben.

    Als die Pferdehalle unter ihnen verschwand, verdunkelte sich kurz die Sicht, um bei Ankunft in der nächsten Ebene den Blick freizugeben auf die Kantine, Kolchstube genannt, in der sich die Männer nach ihrer Rückkehr üblicherweise stärkten.

    Auch dieser Raum war hoch wie eine Halle, zahllose Bänke und Tische standen kreuz und quer, es gab eine Schänke und mehrere Feuerstellen, auf denen Kessel blubberten, und von irgendwo dröhnte eine dumpfe Melodie. Da die Kolche immer gut besetzt war, flogen Wortfetzen und lautes Gelächter durch die Luft, und das Klingen von Gläsern und Bechern erfüllte den Raum. Die Kameraden stürmten von der Winde, als gälte es eine Stadt zu erobern. Eilig besetzten sie den nächsten freien Tisch und riefen gleich nach der Bedienung.

    Raven war jedoch nicht in der Stimmung für eine gesellige Runde, er würde direkt in die Königshalle marschieren. Auch wenn er wusste, ihn erwartete ein Strafgericht, wollte er die Sache hinter sich bringen.

    Vielleicht wird er mich auspeitschen lassen. Er biss auf die Zähne. Einen kurzen Moment lang meinte er den ersten zischenden Schlag schon in seine Haut hineinschneiden zu fühlen. Unwillkürlich musste er auch an das letzte Wundfieber denken, das ihn nach einer ausgedehnten Strafe mit aufgeplatztem, wunden Rücken elendig lange ans Bett gefesselt hatte. Aber er drängte die alten Bilder zurück. Und wenn schon! Habe ich das früher ausgehalten, wird es mich wohl auch jetzt nicht umhauen!

    Einer seiner Hauptmänner trat an seine Seite. Isert war ein breitschultriger Haudegen mit kurzen blonden Stoppelhaaren. Eine Schnittwunde nahe seiner Lippen sah wie eine Verlängerung seines Mundes aus, weshalb er den Eindruck erweckte, ständig vergnügt zu sein.

    „Soll ich dich begleiten, wenn du Bericht erstattest?“, fragte Isert. Sein Gesichtsausdruck schien gleichmütig, aber Raven kannte ihn gut genug um zu wissen, dass Isert mit ähnlich unguten Vorahnungen zu kämpfen hatte wie er selbst. Bevor er antworten konnte, wurden weitere Kameraden aufmerksam. Fender, Sami und Bernador schlossen sich an.

    „Wir kommen auch mit“, bekräftigte der gedrungene Fender, auf dessen Stirn sich eine sorgenvolle Falte gebildet hatte. „Eine Eskorte kann nicht schaden.“

    Raven schätzte die Loyalität seiner Männer sehr, auf die er sich im Kampf blind verlassen konnte. Sie zum König mitzunehmen, hieße jedoch, sie ebenfalls zu Zielscheiben zu machen. Das wollte er nicht riskieren.

    „Ich danke euch, aber es ist nicht nötig“, gab er daher entschieden zurück. „Der Auftrag lief unter meiner Verantwortung, darum gehe ich allein.“

    Die Königshalle gehörte zu den Bereichen im Vulkan, die nicht über die Winde zu erreichen und deshalb auch nicht für die Allgemeinheit zugänglich waren, aber Raven war einer der Privilegierten, die Zutritt zu den Räumlichkeiten des Königs hatten und nicht auf das Geleit von dessen Garde angewiesen waren. Er durchquerte die zahlreichen Tische der Kolchstube, wobei ihm von allen Seiten Grüße und Zurufe entgegenflogen. Vor allem die jüngeren Soldaten rissen sich darum, mit ihm reiten zu dürfen. Vielleicht schätzten sie seine Art, vor nichts zurückzuschrecken und es mit jedem beliebigen Feind aufzunehmen. Oder auch nur den guten Sold, den er zahlte.

    „Hey Raven!“

    „Komm, setz dich zu uns, erzähl wo du warst!“

    „Was gibt´s Neues, sag schon?“

    Er hob nur kurz eine Hand zum Gruß und eilte an allen Tischen vorbei. Bald hatte er das größte Gedränge hinter sich gebracht und erreichte die Spiegelwand, die den allgemeinen Bereich von dem der Königsvertrauten trennte.

    Diese Wand zeigte anstelle einer Tür eine große ovale Fläche, die einem senkrecht stehenden See glich. Dessen blau schimmernde Fläche wogte wellenartig und spiegelte Ravens Gestalt. Seine Stirnhörner krümmten sich durch seine langen pechschwarzen Haare vorwärts und die Stacheln auf seinen Armen und auf dem Rücken wirkten wie monströse gepanzerte Zacken.

    Nun rieb er mit der Hand an dem Bernsteinstab, den er an seinem Gürtel trug. Dies war ein hölzernes Zepter, dessen Ende in einem faustgroßen Bernstein mündete. Von diesem gingen goldgelbe Adern aus, die sich wie Ranken um das Holz wanden. Den Stein durchglühte gewaltige Magie, die durch die Berührung in seine Hand floss und sich darin ansammelte, bis er ihre Kraft fühlte. Konzentriert ließ er den Energiestrom mitten in das blaue Bild schwappen. Ein Klirren ertönte, als ob Glas zersplitterte. Das Bild des Sees zerbrach in zahlreiche Einzelteile, die in sich zusammenfielen und abwärts stürzten.

    Dahinter wurde ein hoher Grottengang sichtbar. Raven beeilte sich, die Schwelle zu überschreiten, das eben zerbrochene Bild sich hinter ihm wieder knirschend und steinhart zusammenfügte.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

    4 Mal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hey Kirisha,


    man merkt, du hast dir ziemlich viele Gedanken zu den Örtlichkeiten gemacht.In diesem kurzen Abschnitt haben wir ja nun schon einiges kennengelernt: Die große Einganghalle, die nur mithilfe des Rings betreten werden kann, dieser Pferdestall mit den Boxen auf vier Etagen, die Kolchstube, welche über die große Winde ereichbar ist, bis wir zuletzt das magische Tor zum Königsviertel passieren...


    Das alles stelle ich mir sehr beeindruckend vor und ich kann es mir auch recht gut vorstellen. Also für das Setting bekommst du schon mal 10 von 10 Punkten :thumbsup: Hier in diesem Abschnitt ist es vielmehr Raven, der mir etwas zu schaffen macht. Ich habe versucht, meine Gedanken an konkreten Beispielen festzumachen. Ich packe dir meine Anmerkungen mal in den Spoiler:



    LG,

    Rainbow

  • Liebe Kirisha

    der letzte Abschnitt gefällt mir sehr gut. Das Setting ist interessant, da hast du dir einiges ausgedacht. Ich finde hier besonders gut, wie du Raven als Heißsporn mit Geltungsbedürfnis schilderst. Ich habe jetzt ein klareres Bild von ihm.


  • Vielen lieben Dank für eure tollen Kommentare, Rainbow und Sensenbach !

    Ich wusste schon, dass der Abschnitt noch nicht richtig gelungen war, aber nicht, wie ich ihn reparieren soll. Mit euren Tipps konnte ich sehr viel anfangen und habe es jetzt gleich mal überarbeitet.


    Rainbow

    Sensenbach



    In diesem Sinne habe ich den Abschnitt jetzt mal überarbeitet und hoffe, er gefällt euch nun besser.

    Kapitel 2.1

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Nochmal ein ganz herzliches Dankeschön euch beiden, Rainbow und Sensenbach !

    Dann poste ich hier mal den nächsten Abschnitt.

    Da ich gerade die nächsten Kapitel überarbeite, ging mir auf, dass der folgende Abschnitt eigentlich viel zu handlungsarm ist und ich ihn (eventuell?) streichen sollte, damit es schneller zur (Haupt-)Sache geht?

    Da wäre ich über eure Kommentare dankbar. Streichen oder stehenlassen?


    2.2 In der Vulkanstadt

    Er fand sich in völliger Dunkelheit wieder und spannte alle Sinne an, denn er befand sich nun im Hexengang, den drei unsichtbare Feuergeister bewachten. Nur die Zauberinnen von Kalamachai konnten diesen gefahrlos passieren, denn sie erkannten die hier lebenden Geister ohne große Mühe und wussten ihnen auszuweichen. Aus diesem Grund ließen sich die Soldaten stets von Hexen begleiten, wenn sie zum König gerufen wurden. Raven hegte jedoch solches Misstrauen gegen Magierinnen, dass er auf solche Begleitung lieber verzichtete. Auch wenn ihn das unter Stress setzte, weil ihm das Erkennen der Feuergeister nicht leicht fiel. Diese Gestalten waren für das unmagische Auge unsichtbar. Sie besaßen die Angewohnheit, sich erst zu materialisieren, wenn der Neuankömmling bereits in sie hineingelaufen war und sich in eine loderne Stichflamme verwandelte. Zum Glück hatte er inzwischen einige Übung.

    Raven blieb stocksteif auf der Stelle stehen und beobachtete die Dunkelheit des Ganges vor ihm. Manchmal wirbelten Geister winzige Staubkörner auf – doch seine Augen hatten sich an die Dunkelheit noch nicht gewöhnt und in der Finsternis nahm er kaum mehr wahr als die Felsen zu beiden Seiten und das schwarze Loch, das ihm den Gang anzeigte. Langsam ging er in die Knie, in der Hoffnung, aus dieser Position mehr zu sehen. Manchmal fühlte er die Hitze, welche die Feuergeister erzeugten. Da die

    Temperatur am Vulkan von Kalamachai jedoch an vielen Stellen abnorme Höhen erklomm, war das allein kein sicheres Zeichen.

    Angestrengt lauschte er auf verdächtige Zeichen. Links, ein leises Zischen! Sofort sprang er auf, drückte sich geschmeidig rechts gegen die Wand und lief drei Schritte vorwärts.

    Nummer eins.

    Wieder hielt er inne. War das ein Windhauch? Er duckte sich, huschte darunter weg.

    Noch einer übrig, ich hab es gleich. Meist versteckte sich der dritte Geist weiter hinten, daher schlich er im Schneckentempo vorwärts. Die Ohren wie Trompetentrichter aufgesperrt, versuchte er selbst das Niesen einer Schnecke nicht zu überhören.

    Ein Schaben … aber zu tief unten. Klang eher wie eine Ratte.

    Plötzlich knisterte es direkt neben seinem Ohr. Er rannte vorwärts. Mit einem Fauchen schoss ein Feuermeer neben ihm hoch und flammte glühend seinen linken Oberarm entlang. Er rannte drei Schritte weiter, um aus der Gefahrenzone hinauszukommen, drehte sich um und presste den Arm heftig gegen das Höhlengestein, das Feuerreste erstickte.

    Schlecht gelaufen. Verärgert betrachtete er die neuen Brandlöcher in der Uniformjacke. Das nächste Mal musste er aufmerksamer sein. Wenigstens ließ er nun den Geisterweg hinter sich und konnte entspannen. Er trat wie durch einen Vorhang – und erreichte endlich wieder einen beleuchteten Bereich. Geschafft.

    Er befand sich nun in einem durch hölzerne Pfeiler zu den Seiten und an der Decke abgesicherten Gang, welcher seitlich von magisch leuchtenden Silberadern durchzogen war. Fackeln nutzte hier niemand, um den Wärmepegel nicht noch zu erhöhen. Zügig ging er vorwärts.

    Der Eingangsbereich und die Pferdehalle sowie die Wohnungen der meisten Soldaten lagen in einem relativ sicheren, weit vom Vulkan entfernten Bereich, denn Kalamachai war ein langgestrecktes Gebirge, von dessen zahlreichen Gipfeln nur ein einziger Lava spuckte. Doch Ravens Weg führte nun in den Hexenbereich und damit näher an den Krater heran, weshalb sich hier auch mal heftige Erdbeben ereignen konnten. Deshalb musste jeder Gang und jedes Bauwerk hier drinnen Erschütterungen vertragen können.

    Es handelte sich nicht um einen natürlichen Vulkan. Ursprünglich beherbergte Kalamachai nur eine einzige Merkwürdigkeit, nämlich die mächtigste Kristallkugel des Landes, von der aus die Hohepriesterin alle anderen Kugeln in den Tempeln beherrschte. Bei einem magischen Manöver, das eine enorme Spalte in einen der Berge riss, entdeckte die Herrin jedoch vor vielen Jahren, dass sie sich zusätzlich die Lava tief im Erdinnern nutzbar machen konnte. Gemeinsam mit einem Heer potenter Hexen gelang es ihr, vulkanische Ausbrüche zu provozieren und zu lenken.

    Raven marschierte mit schnellen Schritten den Gang entlang, denn er hatte es eilig, den König zu treffen und die Angelegenheit zu klären, die ihm auf der Seele lag. Schon verbreiterte sich der Weg. Rechts und links erhoben sich die Behausungen der Hexen, meist aus Holz und in Fachwerkbauweise konstruiert, was den häufigen Beben gut standhielt. Dennoch sah Raven einige zersplitterte Balken, und in den Netzen, die alle Höhlendecken umhüllten, lagen zahlreiche heruntergefalle Steine.

    Alle Gefolgsleute des Königs wohnten innerhalb des Gebirges, verteilt auf die diversen Ebenen in den äußeren Bergen und jene im Vulkaninneren. Es war zu gefährlich, außerhalb des Vulkanes Häuser zu bauen, zu häufig schwemmten Lavabäche von oben herunter oder bildeten sich Gase, die bereits sämtliche Rinderherden getötet hatten, die sie auf den Bergabhängen mal versucht hatten zu halten. Auch die Pferde mussten aus diesem Grund im Inneren gehalten werden.

    Das Gebirge des Vulkans von Kalamachai war groß genug, um innerhalb seines Gesteins eine ganze Stadt zu beherbergen, die sich über ein Labyrinth von gigantischen Ausmaßen hin erstreckte. An die Wärme hatte sich Raven mit der Zeit gewöhnt, die meisten Bewohner gingen Tag und Nacht in ärmellosen Hemden und dünnen Hosen.

    Oberhalb der Grottengänge brauste stets ein leiser Luftzug und sie waren auch hoch genug, dass die Angehörigen des geflügelten Volkes mit ihren langen Fledermausflügeln über den Köpfen der Fußgänger entlang rauschen konnten.

    Ein schwacher Geruch von Feuer und Schwefel hing in diesem Gang, der Raven jedoch kaum irritierte, der weit schlimmere Ausdünstungen vom Krater her gewohnt war.

    Er hatte den Hauptgang kaum betreten, als bereits sein Bruder auf ihn zu hastete. Die blonden Locken des Prinzen Kimures flogen um sein erhitztes Gesicht, trotz des kurzen Weges war er bereits außer Atem und wäre in seinem Ungeschick beinahe über einen am Boden liegenden Helm gestolpert. Kaum zu glauben, dass dieser ungelenke, scheue Jüngling der Sohn des Königs war, sein einziger, was ihn zum Erben des gesamten mächtigen Reiches machte. Obwohl Raven und er sich Brüder nannten und Raven anfangs viele Gemeinsamkeiten zwischen ihnen gesehen hatte, bildeten sie äußerlich einen denkwürdigen Gegensatz. Die Uniform des schmächtigen Prinzen Kimures war nicht von Aschestaub bedeckt, sondern in tadellosem Zustand, und sein Waffengürtel glänzte, denn er war so gut wie noch nie benutzt worden. Wäre er ein Mädchen gewesen, hätte er für hübsch gelten können. Das hatte Raven schon manchmal gedacht, denn sein Bruder hatte feine, adlig wirkende Züge mit melancholischen smaragdgrünen Augen und langen, zarten Wimpern. Raven hatte ihn zu dem Auftrag in Karghena vorsichtshalber nicht mitgenommen. Eine große Hilfe wäre er dabei nicht gewesen.

    „Raven!“, rief Kimures, seine Augen flackerten aufgeregt. „Endlich kommst du. Was ist passiert? Ich hörte, du hättst in Karghena ein Blutbad angerichtet!“

    Raven zog die Augenbrauen hoch. Beschimpfungen zur Begrüßung. Das fing ja gut an.

    „Sogar du machst mir Vorwürfe?“, gab er scharf zurück. „Mann, das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen.“

    „Der König kocht vor Wut, er hat furchtbar auf dich geflucht“, berichtete Kimures sorgenvoll. „Es wäre besser, du vermeidest die Königshalle für eine Weile und verschwindest von hier, bis er sich beruhigt hat.“

    Es war also noch schlimmer, als er befürchtet hatte. Kurz legte sich ihm ein gewisser Druck auf den Magen. Er ballte die Fäuste.

    „Und was würde das nützen?“, stieß er zwischen den Zähnen hervor. „Da muss ich durch.“

    Am liebsten hätte er laut geflucht! Nach einer langen Serie von Erfolgen hatte er geglaubt, es könnte nur noch bergauf gehen. Und jetzt das! An die verdammten Peitschenhiebe wollte er gar nicht denken!

    Kimures wurde blass. „Ich meine es ernst, Mann! Noch nie habe ich Vater so wütend gesehen. Er redete davon, dir einen Dolch in die Brust zu stoßen!“

    Was?!

    Raven hielt die Luft an.

    Ein Todesurteil hatte er wohl nicht zu befürchten?

    „Mach dir nicht ins Hemd“, entgegnete der junge Krieger, wobei er versuchte, den Gedanken beiseitezuschieben. Mit schnellen Schritten marschierte er weiter, wobei Kimures ihm folgte.

    Eigentlich sollte der König mir daraus keinen Strick drehen. Der ganze Auftrag war doch sinnlos, weil die Spione uns mit falschen Informationen versorgt haben! Also welche Rolle spielt es, dass wir versagt haben?

    Er wusste jedoch, dass der König so nicht argumentieren würde.

    Ein Versagen ist immer ein Versagen.

    Sie erreichten eine Kreuzung und bogen ab. In dieser Grotte reihten sich Hexenwohnungen aneinander, in denen alle Fenster magisch leuchteten und auf deren Fensterbänken sich Schlangen räkelten, die Wappentiere der Göttin.

    Es war einiger Verkehr auf der Straße, eine Schar von Hexen kam ihm entgegen. Er versuchte sie zu ignorieren. Die Zauberinnen von Kalamachai waren wie Giftpilze, er reagierte allergisch auf sie. Das beruhte auf Gegenseitigkeit, mehrere von ihnen wichen zur Seite und bemühten sich, einen möglichst großen Abstand zwischen sich und ihm zu schaffen.

    Leider schälte sich in diesem Moment Gaya aus der Menge, eine Führerin der Garde. Seit einem Vorfall, den Raven am liebsten vergessen würde, war sie seine erklärte Feindin. Sie steuerte direkt auf ihn zu und nötigte ihn anzuhalten. Mit ihren langen schwarzen Haaren, die sich über ihrem schwarzen Gewand ringelten, war es unmöglich an ihr vorbeizublicken – denn darunter sah er mehr als deutlich ihre tanzenden Brüste.

    „Der König wartet schon auf dich“, erklärte sie kühl und musterte ihn herablassend. „Wenn ich du wäre, würde ich mich jetzt in einer Felsspalte verkriechen. Es könnte passieren, dass er gleich deine Haut in kleine Fetzen peitschen lässt.“ Sie grinste schadenfroh. „Nicht dass mir das leidtun würde, Großmaul.“

    Raven hätte ihr nur allzugern die spitze Zunge zerschlagen, aber unter ihren Fingerspitzen lauerten gewaltige magische Kräfte. Das wusste er sehr genau aus früheren Begegnungen, deshalb beschränkte er sich auf eine bissige Replik.

    „Wenn alle tot umfallen würden, denen du jemals die Pest an den Hals gewünscht hast, wäre ganz Kalamachai schon ein Friedhof“, erwiderte er ebenso eiskalt wie sie vorher. „Jetzt lass mich durch.“

    „Und du fackelst ein ganzes Stadtviertel ab und lässt doch die Beute entkommen.“ Sie funkelte ihn höhnisch an. „Voll am Ziel vorbei, würde ich sagen.“

    Damit ließ sie ihn stehen.

    Jetzt hält mich schon ganz Kalamachai für einen Versager.

    Raven war froh, als er an der nächsten Wegbiegung in einen weniger belebten Gang kam.

    „Hast du gehört, was genau in Darghessa passiert ist?“, fragte Raven seinen Bruder, während sie vorwärts eilten. Noch immer beschäftigte ihn, was Torgar am Eingangstor berichtet hatte. „Wer hat die Hochmesse sabotiert? Etwa … Silvrin?“

    „Wer sonst“, erwiderte Kimures knapp.

    „Und?“ Bei der Göttin! Wenn der Erzfeind attackierte, gab es doch in ganz Kalamachai kein wichtigeres Thema!

    „Was, und?“ Kimures zuckte die Achseln und blickte nach vorn, wo ihnen einige Soldaten entgegenkamen. „Du kannst es dir sicher vorstellen. Angeblich hat er mit nur drei Schwertschlägen 30 von unseren Leuten zerschmettert.“

    Raven biss sich auf die Lippen. Es klang so übertrieben und war dennoch vermutlich wahr. Nein, er würde seinen größten Feind nicht für seine Hexereien bewundern! Kein Wunder, dass keine Armee des Königs ihn bisher bezwingen konnte.

    Vielleicht hatte er Glück und der König war noch so wütend über Silvrins neueste Attacke, dass er sich gar nicht mit Ravens fehlgeschlagenem Auftrag befassen würde?

    Allerdings war das nicht sehr wahrscheinlich.

    Eine immer stärkere Anspannung erfasste seine Glieder, musste er doch befürchten, das zu erwartende Strafgericht würde alle bisherigen Stockhiebe- oder Peitschenorgien übertreffen.

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