Dark Prince - Verhängnisvolle Liebe

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  • Hey Kirisha,

    Nachdem ich zufällig bei einer Bekannten einen Artikel darüber gelesen habe, dass "Wut" als Grundstimmung am Anfang einer Geschichte anscheinend fast immer negativ ankommt und den Leser nervt, habe ich deshalb jetzt beschlossen, das zu ändern.

    Mist! In HEAVEN tritt Elias zu Anfang mit einer ähnlichen Grundstimmung auf. Vom Grundgerüst her lassen sich hier auf jeden fall Parallelen erkennen. Er ist auch zutiefst von sich überzeugt, rebelliert wo er kann gegen die veralteten Strukturen seines Reiches und legt sich bei jeder Gelegenheit mit Vorgesetzten an...mit dem Ergebnis, dass er vors Tribunal kommt ... ich hab allerdings auch schon öfter gehört, dass er hiermit bei den Lesen nicht nur Sympathiepunkte sammelt. Einige haben mir schon zurückgemeldet, dass sie zu Anfang Probleme haben, mit ihm warmzuwerden. :hmm: Allerdings wäre das für mich jetzt kein Grund, seine Grundstimmung zu Anfang der Geschichte ändern zu wollen.


    Was du allerdings überdenken solltest ist die Art und Weise, WIE dein Charakter mit diesen Machtsrukturen seines Reiches verwoben ist. Am schwierigsten zu knacken ist wohl die Nuss mit dem Herrscher. Da würde ich mir ausführlich Gedanken zu machen und mir überlegen, WIE genau sich die Beziehung zwischen den beiden gestaltet...WIE ist Raven aufgewachsen? Welche Werte hat er vermittelt bekommen? Was hat ihn bisher angetrieben und was ist seine Motivation? Wie ist er so weit gekommen und warum ist er gegenüber dem Herrscher loyal? Respekt, Angst, das Streben nach Anerkennung, die Hoffnung auf einen Aufstieg? Höheres Prestige? Macht? ...vielleicht sogar ein Zusammenspiel von alledem?


    Ich finde deine Änderungen insofern gut, als dass Raven hier klar ist, dass es für den Herrscher kein Versagen gibt. Unabhängig davon, dass Raven weiß, dass ihn keine Schuld trifft, da er mit einer Situation konfrontiert wurde, die nicht dem entsprach, was man ihn vorher hatte glauben lassen, weiß er, dass er mit einer Strafe zu rechnen haben wird. Das ist sehr gut! Auch, dass er seine Männer schützen will und bereit ist, die Strafe, wie auch immer sie aussehen wird, alleine auf sich zu nehmen. Das macht ihn gleich sympathisch und macht umso nachvollziehbarer, wie die spätere Androhung des Herrschers bzgl. der Kalmukerisierung seiner Leute bei ihm ankommt.


    Er wird die Soldaten nicht eliminieren, sondern kalmukerisieren :), denn das ist für ihn nützlich

    Und ich habe nun beschlossen, da du so gerne mal eine Kalmukerisierung sehen willst, dass ich sie zeigen werde, so wie ich das mal ursprünglich geplant hatte. (kommt dann in einem späteren Kapitel)

    Oh ja, da freue ich mich schon drauf. :D

  • Danke euch für eure Rückmeldungen!


    Sensenbach

    Rainbow

    Mein Plan ist also jetzt, Kapitel 4 ganz neu zu schreiben mit einem anderen Fokus und anderen spannungstreibenden Elementen. Da ich den Text nicht nur umschreibe, sondern er wirklich abgesehen von kleinen Elementen ganz anders wird, werde ich das alte Kapitel 4 nicht updaten, sondern das alte streichen und es als neues Kapitel posten. Mal sehen, was ihr dann dazu sagt.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Also. Nachdem ich dieses Kapitel nun ziemlich umgebaut habe und teilweise für jeden einzelnen Satz ein paar Stunden gebraucht habe, zeige ich euch jetzt mal die Neufassung.

    (Nicht wundern. Einige Passagen habe ich aus Kapitel 2 rausgestrichen und hier untergebracht, z.B. der Anfang, die Beschreibung des Kraters und das Treffen mit den Kalmukern). Es sind also keine Wiederholungen).

    Puh, da bin ich ziemlich gespannt, wie ihr das findet.


    R4. Der Auftrag

    Raven und Kimures erreichten die Hexenhalle. Dort wohnten hunderte Hexen in vielgeschossigen Pagoden, die optimal an die Aktivität des Vulkans angepasst waren. Bei einem Ausbruch federten sich Erschütterungen an ihrem zentralen Mittelpfeiler ab, da sich jedes Stockwerk in eine entgegengesetzte Richtung bewegte.

    Raven hatte solche Schwingungen schon einige Male gesehen, welche die Hexen Schlangentanz nannten. Wenn alle Gebäude tanzten, wirkten sie lebendiger und souveräner als die erschrocken um Gleichgewicht ringenden Menschen.

    Gerade erschütterte wieder ein leises Beben den Erdboden, was die Brüder dazu veranlasste, unter den über dem Weg aufgespannten Dachnetzen Schutz zu suchen, die herunterbröckelndes Gestein auffingen. Den Häusern kamen sie vorsichtshalber nicht zu nahe, die sich leise hin- und herbewegten.

    Feine Silberadern glitzerten an den Wänden an so vielen Stellen, dass sie die Grotte fast taghell erleuchteten. Der Boden war mit feuerroten geschliffenen Platten belegt.

    In der Halle herrschte geschäftiges Treiben. Soldaten patrouillierten, Boten und Diener hasteten hin und her.

    Auf einer Kreuzung in der Mitte der Halle kamen den Brüdern zwei Gardistinnen entgegen, die in Feuerumhänge gekleidet waren und deshalb aussahen, als stünden sie in Flammen. Ohne einen Gruß steuerten die beiden auf Raven zu.

    „Die Hohepriesterin erwartet dich in der Kristallhalle“, erklärte die Größere kurz angebunden - Zura, die Führerin der Garde, erkannte Raven mit Schrecken. Um ihre Schultern schlängelte sich eine Grüne Mamba. Ihre Nachbarin schmückte ihren Hals mit einer dicken Pythonschlange.

    Die Hohepriesterin will mich sehen? Und in ihrer Halle, nicht in den Räumen des Königs?

    Eisiger Schrecken jagte ihm in alle Knochen. Die Regentin des Vulkans konnte ihn nicht ausstehen, weil er sich mit ihren Hexen nicht vertrug. Auf die eine oder andere war er schon mit dem Messer losgegangen, als sie ihn zu arg provozierte. Wenn die Hohepriesterin das Urteil über ihn sprechen sollte, sah es finster aus.

    Den folgenden Weg legte Raven wie in Trance zurück und hörte nichts anderes als Kimures´ Schritte neben seinen durch die diversen Grotten und Gänge hallen. Erst der beißende Schwefelgeruch des Vulkankraters, dem sie immer näher kamen, riss ihn in die Wirklichkeit zurück.

    Vor ihm erhob sich die Empfangshalle, welche der Kristallhalle der Oberhexe vorgelagert war.

    Hier marschierte gerade eine größere Gruppe von neu geschaffenen Kalmukern auf. Wie frisch die Kerle waren, erkannte Raven an dem Schaum um ihre Münder und an ihren noch nicht richtig koordinierten Bewegungen. In einigen Augen glühten noch die letzten Funken von Todesangst, die sich jedoch bald in ein stumpfes, leeres Schwarz wandeln würden. Auf ein lautes Kommando der drei Anführerinnen fielen alle Seelenlosen gleichzeitig auf die Knie.

    Während sie an ihnen vorbeihasteten, konnte er es nicht lassen, ihnen nachzustarren.

    „Kompanie – aufgestanden! Kompanie – im Gleichschritt marsch!“, kommandierte eine der Führerhexen. Die Truppe gehorchte in voller Perfektion. Wie ein einziger Mann erhoben sich alle gleichzeitig, stampften und atmeten im exakt selben Takt, und schon marschierten sie davon. Das Trampeln ihrer Schritte hallte durch das Gewölbe und entfernte sich.

    Ein einsamer Mann verharrte jedoch und blieb stehen wie festgewachsen. Es war ein hünenhafter Krieger mit wirren rotbraunen Haaren. Er röchelte unnatürlich und immer mehr Schaum wuchs aus seinem Mund.

    „Sieh nur, den haben sie vergessen.“ Raven tippte Kimures gegen die Schulter, um ihn aufmerksam zu machen. Er hatte schon einige Male versucht, solche Verlorenen unter seine Kontrolle zu bekommen, wie es die Hexen taten.

    Der Prinz zog die Schultern zusammen, den Blick angestrengt in die andere Richtung gewandt. „Glaubst du, ich will mir den Mann ansehen? Vielleicht kannte ich ihn.“

    Die Gardeführerin, die ihnen vorausgegangen war, wirbelte herum, während die Schlange um ihren Hals zischte.

    „Hier wird nicht stehengeblieben! Ihr folgt mir ohne Verzug!“, befahl Zura, während ihre Begleiterin sich damit begnügte, Raven mit unverhohlener Schadenfreude zu taxieren.

    Schon erreichten sie die Magische Tür, für das ungeübte Auge nicht zu erkennen, denn sie wirkte wie eine gewöhnliche Felsmauer.

    Zura berührte die Steine mit der Hand und war eine Weile damit beschäftigt, bis ein kurzes Aufblinken anzeigte, dass sie den Zauber ausgelöst hatte. Rumpelnd fuhren die Steine auseinander und eine Böe rußiger Luft wehte durch die Öffnung.

    „Folgt mir.“

    Bereits in dem kleinen Tunnel, der den Eingang bildete, flimmerten magische Strahlen. Als Raven hinaustrat in die Kristallhalle, flutete ihm ein ganzer Ozean an Helligkeit die Augen und er senkte schnell den Blick, um sich daran zu gewöhnen. Gleichzeitig trommelte die überwältigende Strahlung unaufhörlich auf seine Haut, wie ein Regen aus Sand und kleinen scharfen Steinen.

    Langsam blickte er sich um. Rechterhand ragte die gleißende Kristallkugel wie ein ausgebeulter, rundlicher Turm von überdimensionalen Ausmaßen in die Höhe. Ihre glasige Oberfläche schimmerte dunkelblau und ließ ganz schwach die im Inneren befindlichen Energiefluten erkennen, die wie Wellen eines Meeres darin auf- und abschlugen.

    Rechts und links führten Treppen näher an die Kristallkugel heran, welche sich weit über seinem Kopf zu einer Plattform vereinigten. Dort gewahrte er die grelle Strahlung der Hohepriesterin, die ihn inmitten ihrer Tempeldienerinnen erwartete.

    Am äußersten Rand seiner linken Seite breitete sich der dampfende Krater aus.

    Es war nicht zu erkennen, wie weit unten die Lava blubberte. Zum einen behinderten Dampfschwaden und Schwefelfontänen die Sicht, außerdem umhüllte eine durchsichtige Schutzwand das dampfende Loch zu allen Seiten, durch mehrere Pfeiler zusammengehalten, auf denen Totenköpfe prangten. Diese Wand schirmte auch die enorme Hitze ab. Trotzdem herrschte noch eine drückende Wärme.

    Am Rand des Kraters standen einige Hexen und machten sich an den Eisenringen zu schaffen, die dort festgenagelt waren. Natürlich wusste Raven genau, welchem Zweck diese Ringe dienten. Der optimale Ort, an dem ausgebildete Hexen mit Hilfe von Lavastaub und Kristallstrahlung einem Verurteilten die Seele aus dem Leib herausfressen konnten, um deren Essenz mit Hilfe der Kristallkugel direkt der Göttin zu übergeben. Der Ring verhinderte, dass der zurückbleibende Körper während dieser Prozedur, die vor offenem Krater stattfand, in die Lava herabstürzte. Denn auch von dem Stück seelenlosen Fleisch erwarteten sie ja noch Nutzen.

    Warum bereiten sie die Ringe vor?

    Sie wollen mich kalmukerisieren!

    Diesmal packte ihn ein Schrecken, als wollte ihn ein Lavasturm direkt in den Krater fegen. Reflexartig spannte er die Muskeln an und packte nach dem Knauf seines Schwertes. Als könnte das unter Hexen etwas nützen! Die Anspannung erfasste seinen ganzen Körper, innerhalb von Augenblicken suchte er nach einer Möglichkeit sich zu verteidigen, eine der Widersacherinnen zu attackieren oder eine gute Deckung zu finden – begriff aber, dass die Übermacht der Hexen um ihn herum zu groß war und sie ihm eine Chance zu entkommen nicht geben würden. Kimures neben ihm würgte einen erstickten Aufschrei aus seiner Kehle herauf. Seine Augen weiteten sich panisch. „Die Eisen! Wir müssen weg!“, keuchte er.

    Aber zu spät.

    Hinter sich hörte Raven die steinerne Tür krachend wieder zu einer Mauer zusammenschlagen.

    Hier kommst du nicht lebend raus.

    Es fühlte sich an, als schlügen die Mauersteine auch auf ihn herunter und quetschten ihm den Brustkorb zusammen.

    Doch er zwang sich, aufrecht weiterzugehen und und die mächtig aufwallende Panik niederzudrängen. Es fehlte noch, dass sich die gesamte Riege dieser Hexen, die sich auf und um die Kristallkugel herum versammelt hatte, merkte, was ihm durch den Kopf ging.

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    Einmal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hey Kirisha,


    ja, das gefällt mir sehr gut! Die Spannung ist förmlich greifbar. Schön ist auch die Beschreibung zu Anfang, die du jetzt mehr in die Handlung eingewebt hast. Und die Tatsache, dass du die Kalmukerisierung zeigst um dann das Grauen hervorzurufen, plötzlich selbst davon betroffen sein zu können...Find ich gut! :thumbup:


    Hier kommen nur ein paar Anmerkungen von mir:


  • Hey Kirisha

    Das ist ganz anders, als vorher. Daran muss ich mich erst mal gewöhnen ^^

    Aber ja, das könnte passen. Hexen mit Schlangendeko, sehen die gut aus? (Die Mädels nicht die Schlangen).

    Ich finde es in der Geschichte vor allem wichtig, dass Ravens Verhalten konsistent ist.


    Bild mit Schlange

  • Rainbow

    Sensenbach

    Dann geht es hier mal weiter!


    4.1 Der Auftrag

    Jetzt reiß dich zusammen. Meine Seele zu zerfetzen, können sie sich gar nicht leisten. So viele gute Kämpfer hat der König nicht in seinen Reihen, dass er leicht auf mich verzichten könnte! Natürlich müssen sie mich bestrafen … hastig suchte er nach einem Pfahl, der für eine Auspeitschung oder für Stockhiebe nutzbar wäre, konnte aber nirgends Vorbereitungen dafür entdecken. Das eifrige Scheuern der Tempeldienerinnen an den Kalmukerringen sprach seine eigene deutliche Sprache, diese würden heute noch gebraucht. Ihm lief ein eisiger Schauer über den Rücken. Die Hohepriesterin wird auf ihrem Opfer für die Göttin bestehen, weil nichts anderes für sie wichtig ist. Was interessiert es sie, wenn der König dadurch einen seiner Krieger verliert?

    Gab es keine Fluchtmöglichkeit? Durch die magische Tür käme er nicht. Der einzige andere Weg fort wäre durch den Krater … tatsächlich hatte er schon einmal Skeff ganz am äußeren Kraterrand herunterfliegen sehen. Allerdings bräuchte er einen Kältemantel, um nicht in der Hitze zu verbrennen.

    Als seine beiden Führerinnen ihn ein Stück näher an die hohe Treppe vor der Kristallkugel herangeführt und sich seine Augen an das diffuse Licht gewöhnt hatten, erkannte er hoch über seinem Kopf die grelle Blendstrahlung der Hohepriesterin. Sie stand auf einer Plattform nahe der gläsernen Kugelwand. Zu ihren Seiten erkannte er die geflammten Unhänge von einem guten Dutzend Gardistinnen sowie einige Schwarzmagierinnen in dunklen Gewändern mit langen spitzen Hüten. Ihnen zu Füßen ringelten sich diverse Schlangen, von denen einige ihre Köpfe von der Plattform herunterstreckten. Ihr Zischeln übertönte gelegentlich das sonore Surren des Kristalls und sogar das Grollen und Rumoren aus dem Vulkan.

    Die Hexen betrachteten gerade ein riesiges Bild, das direkt vor seinen Augen aufleuchtete und sich über die gesamte Glasfront der Kristallkugel ausbreitete.

    Es zeigte ihn selbst. In erstaunlicher Vergrößerung, als wäre er ein Riese.

    Raven erkannte die Szene augenblicklich, sie zeigte seine Flucht aus dem Tempel vor drei Tagen. Die Bilder rollten seltsam geräuschlos vorbei, es fehlte komplett das mörderische Geschrei, das ihn umgeben hatte.

    Gerade stürmte er, die Prinzessin von Karghena an sich gepresst, zwischen Tempelstatuen und Festgästen hindurch Richtung Ausgang und schlug dabei mit gezielten Schwerthieben Widersacher aus dem Weg, die ihn aufhalten wollten. Er sah die wilde Entschlossenheit in seinen Bewegungen, die seine Schläge anfachte. Auf den Bildern wirkte es, als knickte er die Leibwächter mühelos nieder wie Grashalme, wenngleich er noch genau wusste, welcher Sturm in ihm getost hatte angesichts der Übermacht, die auf ihn eindrosch. Erst auf dem Bild erkannte er nun auch die Magie in seinen Stirnhörnern, über die er zeitgleich gleißende Energieströme in die Luft gejagt hatte. Durch seine heftigen Bewegungen verteilten sich diese Ströme von Antimagie in alle Richtungen und löschten Dutzende von auf ihn loszischende Strahlen, die ihn sonst sicherlich getroffen hätten. Gedankenschnell rannten vor allem vom rechten Flügel her seine Kameraden an seine Seite und halfen ihm dabei, die sich vor ihm zusammenballende Front von Soldaten freizukämpfen. Im Kampfgetümmel hatte er die kaum wahrgenommen, hatte zwischendurch sogar auf sie geflucht, weil die Vielzahl der Gegner ihn glauben ließ, ganz allein gegen ein Batallion von Widersachern schlagen zu müssen. Dort focht Isert, hielt ihm zwei Hünen vom Leib, auf seiner anderen Seite arbeiteten Konu und Peker wie Berserker. Er hatte eine perfekte Truppe unter sich, die bereit war, ihr Leben für seine Sache zu riskieren!

    Nun entdeckte er Dutzende von Hexen, versteckt hinter Säulen oder über ihm fliegend, die mit gegen ihn gestreckten Händen Lichtblitze auf ihn schossen – welche jedoch wirkungslos an der um ihn herumdampfenden Antimagie verpufften. Das reine Inferno.

    Ein ganzer Trupp neuer Soldaten stürmte hinzu. Der Weg nach draußen schien unerreichbar. Wie ihm das Herz zu jagen begann angesichts der riesenhaften Bilder, welche die Szene wieder in ihm lebendig machten. Er war jetzt selbst überrascht, wie er sich mit seiner schreienden und um sich schlagenden Beute dennoch zäh Schritt für Schritt vorwärts arbeitete, wie er die neuen Kerle reihenweise niedersäbelte!

    Ganz plötzlich versiegte jedoch die Energie aus seinen Stirnhörnern. Und da schlugen die Hexen zu. Ein magischer Strahl traf seine Beine und brachte ihn ins Schlingern, er hatte Mühe, sich zu fangen.

    Deshalb bin ich also gestolpert! In dem Getümmel habe ich mich wohl nicht richtig auf die Magie konzentriert!

    Der kurze Augenblick seiner Unaufmerksamkeit genügte, da hatten fremde Soldaten ihm das Mädchen schon entrissen. Als er ihr nach wollte, stand plötzlich der Bräutigam im Weg und griff ihn an. Er hatte den mit einem einzigen gezielten Schlag außer Gefecht gesetzt und war der Flüchtigen nachgehetzt. Aber die Stadtwache versperrte seinen Weg mit immer mehr Soldaten. Trotzdem hatte er sich mit seiner Truppe den Weg aus dem Tempel hinaus freigeschlagen und als die Kutsche mit der Prinzessin davonjagte, waren sie dieser durch die Luft nachgejagt. Noch jetzt fing sein Herz an zu rasen, als er sich an den stürmischen Flug erinnerte, bei dem sie durch einen Regen aus Pfeilen hindurchkurvten, von Pferden aus attackiert wurden und zuletzt die Kutsche kaperten und in Brand setzten. Leider erfolglos. Zuletzt waren ihnen ein mehrere hundert Soldaten auf den Fersen gewesen. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt lebendig aus der Stadt herauskamen.

    Siebzehn gute Männer hatte er bei dem Manöver verloren. Besonders um Konu und Peker reute es ihn sehr. Und wozu das alles? Die Prinzessin war schwanger gewesen! Ihr Leib hatte sich deutlich unter seinem Griff gewölbt, kein Zweifel möglich. Dabei wusste er doch ganz genau, dass die Hohepriesterin für ihre Zeremonie immer und unbedingt Jungfrauen brauchte. Sie hätte mit der Frau nicht viel anfangen können. Selbst wenn der Raub ihm geglückt wäre, hätte er heute mit einem minderwertigen Opfer vor ihr gestanden.

    Der ganze Auftrag war also ein Fehler.

    Es war deren Fiasko und nicht seins! Ein Fehler einer Horde unfähiger Spione, die ein so wesentliches Detail übersehen konnten – die hätten jetzt hier stehen und um ihr Leben zittern sollen! Nicht er!

    Allerdings rettete ihn das nicht. Ein Auftrag war wie eine heilige Mission. Es gab kein schlimmeres Vergehen, als diesen nicht zu erfüllen.

    Ein lautes Klirren innerhalb der Kristallkugel riss ihn in die Gegenwart zurück. Die Bilder vor seinen Augen stoppten.

    „Elendiger Versager“, hörte er über sich die Hohepriesterin laut und voller Wut fluchen. „Wo ist die Prinzessin?“

    Ihre Stimme dröhnte von oben auf ihn nieder, sie schien direkt in seine Lunge hineinzuschneiden und noch den letzten Rest Atemluft zu ersticken. „Du wagst es, hier zu erscheinen ohne das Opfer für die Göttin! Das ist ein Sakrileg! Eine Verhöhnung der Allerheiligsten!“

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    Einmal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Hey Kirisha


    Oh ja, an die Kampfszenen während der Trauungszeremonie und die anschließende Verfolgungsjagd erinnere ich mich noch.


    Jetzt hast du dich also entschieden, es als Rückblick in der Kugel zu zeigen und Ravens Versagen öffentlich darzustellen. Das ist fies, vor allem das mit dem eingefrorenen Bild.


    Interessant, dass er sich hier selbst klein macht und sich dann doch in die Versagerrolle begibt, weil er früher offenbar minder begabt war, was das Wirken von Magie betrifft. Und irgendwie scheinen die Hörner hierbei ja auch eine besondere Rolle zu spielen   :hmm: War es nicht auch so, dass Raven zerstümmelte Flügel hat und deshalb nicht wirklich fliegen kann? Man fragt sich bei dieser Summe an Einschränkungen wo denn jetzt seine Stärken liegen.


    Das ist für mich noch nicht ganz klar geworden.


    Ansonsten: kann weitergehen :gamer:

  • Liebe Kirisha

    Raven scheint einen Komplex aus der Kindheit mitzuschleppen, interessant. Ist das eigentlich die übliche Taktik mit einem Trupp Männer loszuziehen, wenn Prinzessinnen entführt werden? So eine Entführung geht bestimmt auch diskreter, oder ist da etwas schiefgelaufen?


  • Hallo ihr Lieben,


    eure Kommentare haben mich mal wieder sehr zum Nachdenken gebracht, ob ich nicht noch was Grundsätzliches ändern muss.

    Rainbow

    Sensenbach


    Ich weiß, ich sollte das Kapitel jetzt etwas überarbeiten, aber ich habe noch keine richtige Idee und lasse es daher erstmal sacken.


    Hier geht es weiter:

    4.2 Der Auftrag

    Wenn ich ihr jetzt nichts entgegensetze, spricht sie gleich mein Todesurteil.

    „Jemand hat das Tempeldach in Brand gesetzt, durch das wir kamen. Das versperrte unseren Rückweg, durch die Luft hätte mir niemand das Weib entrissen“, rechtfertigte sich Raven und blickte zu den Hexen nach oben. Ziemlich sinnlos, das nochmal zu erklären, er wusste es. Alle hier im Saal hatten seine Aktion doch genüsslich auf den magischen Bildern in der Halle beobachtet.

    „Durch deine Schuld können wir der Göttin das Opfer nicht bringen, das sie braucht!“ Scharf wie ein Schwert gellte ihm die Stimme der Herrin in den Ohren, wobei die um sie herumstehenden Dienerinnen düster vor sich hin murmelten und bedeutungsvoll gegen die gläserne Wand der Kugel klopften. Vermutlich wollten sie ihn darauf hinweisen, wie niedrig das Energieniveau innerhalb des Kristalls abgefallen war, aus dem sich nicht nur die Macht der Göttin, sondern auch ihre eigene speiste.

    Da die magischen Wellen im Inneren meterhoch aufbrausten, hatte er persönlich nicht das Gefühl, es sei ein drohender energetischer Notstand zu erwarten. Jedoch wusste er aus Erzählungen des Königs, dass die Hexen sich eigentlich nur dann wohlfühlten, wenn die riesenhafte Kugel ganz bis zum äußersten Rand in Regionen, die er von seinem Platz so weit unten gar nicht mehr erblickte, mit magischer Strahlung gefüllt war. Davon schien sie momentan weit entfernt.

    „Wir brauchen ein Opfer! Ein großes, der Herrin Würdiges!“, hörte er eine jugendliche Stimme jammern. „Auf keinen Fall darf unsere Herrin heute unter dem Versagen dieses unwürdigen Kriegers leiden! Er muss bestraft werden!“

    Aufgebracht und mit einem hitzigen Unterton hörte er die Magierinnen unter sich wispern.

    Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn und er krallte seine Finger um den Griff seines Schwertes, als könnte das etwas nützen.

    Die lechzen danach, mich fertigzumachen. Ob Gaya herumerzählt hat, was bei dem verwünschten Fest passiert ist? Dabei habe ich sie doch gezwungen zu schweigen!

    Seine innere Anspannung ließ seine Glieder zittern. Er wusste, der fatale Befehl konnte jeden Moment bis zum Krater hin dröhnen. In rasender Fahrt huschten seine Blicke durch die Halle auf der Suche nach etwas, das ihm half.

    „Erteilt keinen Befehl, der Euch nicht ansteht!“, rief neben ihm Kimures mit vor Aufregung schwankender Stimme auf die Balustrade zu den Hexen hinauf. „Raven untersteht dem König; Ihr müsstet seine Erlaubnis einholen, wenn Ihr ihn verurteilen wollt!“

    Danke, Bruder. Es war immerhin einen Versuch wert. Klar müsste die Herrin des Vulkans den König fragen, aber über solche Formalitäten hat sie sich schon oft hinweggesetzt.

    Weiter, immer weiter glitten seine Blicke. Dabei achtete er darauf, die gleißende Strahlung der Hohepriesterin zu vermeiden. Diese nur einige Augenblicke anzusehen, verursachte grausame Schmerzen in den Augen und konnte sogar dazu führen, dass er danach ein paar Stunden lang nur Sterne blitzen sähe.

    Wie aus dem Nichts heraus trabten plötzlich sechs Wachtmänner auf die Kristallkugel zu, welche die geflammten Uniformen des Königs trugen. Zielstrebig schritten sie bis zu der Treppe vor der Kristallkugel hin, vor der sie stehenblieben und sich zackig verneigten.

    „König Wukur bittet darum, den Kommandanten Raven zu sprechen. Es wird nicht lange dauern.“

    Der Göttin sei Dank! Wilde Hoffnung flackerte in ihm auf. Dass der König ihn hier herausholen ließ, konnte er wohl positiv bewerten? Auch wenn diese Wächter nur ein kurzes Gespräch andeuteten?

    Widerwillig nickten die Hexen den Wächtern zu, die Raven und Kimures in ihre Mitte nahmen und sie mit sich führten.

    Schon sehr oft hatte König Wukur ihn begünstigt. Vielleicht, weil Ravens enge Freundschaft mit seinem Sohn ihm gefiel. Auch dass Raven so schnell im Rang aufgestiegen war, sprach sicher zu seinem Vorteil.

    Die Königshalle lag direkt neben der Kristallhalle und war über eine Treppe zu erreichen, die über 85 klapprige Stufen, welche beim Aufstieg bedenktlich schwankten, bis zu einem hohen Eingangsportal führte. Da die meisten hochrangigen Offiziere geflügelte Skeff waren, gab es hier oben auch eine elegante Einflugrampe aus Marmorsteinen für den König selbst und all jene Krieger, die keine Treppe nötig hatten.

    Die Königshalle lag in tiefem Dunkel. Raven erkannte nur schemenhaft die Berater seines Herrn, die sich wie schwarze Schatten rechts und links des Thrones drängten.

    König Wukur war knapp vierzig Jahre alt, ein kaum mittelgroßer, fast etwas schmächtiger Skeff, der seine mangelnde Größe jedoch mittels seiner weit aufgespannten Flügel verdeckte. Diese warfen hoch auflodernde Flammen, als brannte ein Feuer in ihnen, was einen imponierenden Anblick bot. Der Regent war gut genug in Form, um selbst das Schwert zu schlagen, jedoch tat er das nur noch am Vulkan zu seinem Vergnügen. Es war nicht ratsam, ihm bei solchen Späßen nicht den Sieg zu lassen. Raven kannte daher seine Art zu fechten und hatte schon oft gedacht, dass er ihn locker mit dem Schwert niederbrettern könnte, würde der magische Königsschutz das nicht verhindern. Seine glatten schwarzen Haare trug der König zu einem Zopf gebunden und seine Schultern zierten menschliche Schädel, die er, wenn er schlecht gelaunt war, auch mal gegen seine Untergebenen schleudern konnte.

    Nur zu deutlich machte Raven an der Seite des Königs auch eine Schar von Hexen aus, die diesen umschmeichelten wie Katzen. Raven wusste, dass diese auch um seine Gemächer herumschnurrten, da der König es gerne warm im Bett hatte.

    Hoffentlich bedeutete das nicht, dass er sich den Wünschen der Hohepriesterin unterwerfen würde, um diesen Damen gefällig zu sein!

    Aber dann hätte er mich nicht rufen lassen.

    König Wukur erhob sich aus seinem hohen, aus Fels geschlagenen Thronsessel, dessen Sitzfläche und Rückenlehne ein Bärenfell zierte.

    „Du hast dich in Karghena schön blamiert“, begann er mit dumpfer Stimme und in einem gereizten Ton. „Die Hohepriesterin macht mir wegen des entgangenen Opfers die Hölle heiß. Du siehst ein, dass ich gezwungen bin dich zu strafen und der Göttin ein würdiges Opfer zu bringen.“

    Obwohl sein Ton anklagend war und er mit ungnädigen Blicken auf Raven niederblickte, wusste dieser, dass dieses Gespräch ihm das Leben retten konnte. Er musste den Herrscher nur auf seine Seite bekommen.

    „Es war nicht die beste Idee, mich zu zwingen, diese karghenische Prinzessin aus einem Tempel heraus zu entführen, der voller Hexen war“, sagte Raven vorsichtig. „Hätte ich das auf meine Weise machen können, wär es nicht schiefgeganagen.“

    Die Lippen des Herrschers zogen sich zu einem Strich zusammen. „Soll das eine Kritik an meiner Bündnispartnerin sein?“, knurrte er unwillig und mit deutlicher Schärfe in der Stimme.

    „Verzeiht.“ Raven senkte den Blick. „Nein, natürlich nicht.“

    Als er die Augen wieder hob, bemerkte er einen seltsam flackernden Ausdruck im Mienenspiel des Herrschers. Irgendwas brütete der doch aus!

    „Dein jämmerlicher Auftritt in Karghena war leider nicht die einzige Katastrophe der jüngsten Zeit“, erklärte der König mit deutlichem Ärger in der Stimme. „Du kommst ohne Opfer, und heute früh in Darghessa wurden unserer Göttin gleich fünf Opfer geraubt! Kein Wunder, dass unsere Magierinnen sich die Haare raufen. Du kannst dir vorstellen, dass die Göttin zürnt. Es ist daher nicht nur im Interesse der Hohepriesterin, sondern auch in unserem eigenen, sie so schnell wie möglich zu besänftigen.“

    Raven war schlagartig hellwach. Silvrins Überfall auf Darghessa. Torgar hatte ihm doch vorhin schon davon erzählt. Dieses Attentat lag allen in dieser Halle garantiert ebenso schwer im Magen wie sein eigener Fehltritt. Oder womöglich sogar schwerer.

    Im selben Augenblick wusste er, was er sagen musste.

    „Euer Majestät! Wie kann ich dabei helfen? Ich hörte, dass der verruchte Rebellenführer Silvrin die Opfer gestohlen hat. Soll ich Silvrin jagen? Ihn töten? Sagt mir, was zu tun ist, und ich bin dabei! Ich schwöre, mir passiert kein zweiter Fehler!“

    „Deine Absicht ist lobenswert, aber Silvrin ist eine Nummer zu groß für dich“, erklärte der König nasal, während seine luchsartigen Augen forschend und mit einem sichtbaren Ausdruck der Enttäuschung zu ihm herunterblickten. „Bei eurem letzten Duell hat er dich fast skalpiert, hast du das vergessen?“

    „Das ist drei Sommer her, da war ich noch ein Kind“, widersprach Raven mit wilder Energie. „Es wiederholt sich nicht. Diesmal schlage ich ihn!“

    „Bist du verrückt, Raven! Er ist unbesiegbar, er würde dich umbringen!“, hörte er den Prinzen Kimures neben sich wimmern, doch Raven wandte seine Blicke nicht vom König ab, entschlossen, dessen Zustimmung unbedingt zu gewinnen.

    Er sah jedoch an dessen abweisenden Blicken, dass dieser etwas ganz anderes im Sinn hatte.

    Die Opfer für die Göttin. Anscheinend war dies heute das einzige Thema von Bedeutung. Er würde wohl noch darum betteln müssen, dass nur sein Körper, aber nicht seine Seele zerrissen würde!

    Der König schwieg eine Weile und Raven spürte den Schweiß in seinem gesamten Oberkörper ausbrechen, der ihm an den Unterarmen und an der Brust herunterlief.

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    Einmal editiert, zuletzt von Kirisha ()

  • Liebe Kirisha

    Es geht aktionsgeladen weiter. Du brennst ein wahres Feuerwerk an Ideen ab, mich überlastest du damit ein wenig. Einige Dinge erscheinen mir zudem noch nicht ganz glatt. Im Spoiler mehr dazu.


  • Hey Kirisha


    mir sind hier beim Lesen einige Gedanken gekommen. Ich schreib einfach mal so runter, was mir in den Sinn gekommen ist. :)



    LG,

    Rainbow

  • Danke ihr Lieben für eure Mühe und für eure Kommentare.

    Ich bin gerade ehrlich gesagt noch etwas niedergeschlagen, weil ich gedacht hatte, dieser Teil sei ziemlich gut gelungen.

    Ich habe jetzt schon eine Weile hin und her überlegt, was ich anders machen könnte, damit es besser rüberkommt und logischer wirkt. Zwischendurch denke ich, wahrscheinlich müsste ich einen komplett anderen Einstieg wählen und versuchen, es einfacher zu machen, aber vermutlich würden dann wieder neue Probleme auftreten.

    Okay, ich versuche mal einfach, es der Reihe nach durchzugehen.


    Sensenbach

    Rainbow


    Da hier doch einige grundsätzliche Änderungen nötig sind, werde ich demnächst ein Update posten und bitte euch bis dahin noch um etwas Geduld!

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  • Hey Kirisha :)

    Bestimmt hast du schon mitbekommen, dass ich hier eine Aufholjagd gemacht habe.


    Zuerst muss ich gestehen, dass Romantasy nicht so mein Gebiet ist, aber hey - man sollte ja auch mal über den Tellerrand hinausschauen, nicht wahr? Also - hier bin ich :)


    Du hast einen sehr angenehmen Schreibstil und du weißt definitiv, wie man Dinge beschreibt, sodass das Kopfkino mühelos laufen kann. Das ist schon mal sehr gut und gefällt mir!


    Rest packe ich mal in den Spoiler. Nur für den Fall :)



    So. Ich denke, das war es erst einmal von meiner Seite ... Ich hoffe, du kannst meinen Gedanken halbwegs folgen xD


    Fazit: Ich denke, das hier hat echt Potenzial. Da sind fantastische Ideen drin und besonders das Setting hat es mir angetan. Das liest sich wirklich gut. Ich werde mal dran bleiben :)


    LG :)

  • LadyK

    Herzlich willkommen!!! <3

    Also, nachdem ich mir nun ein paar Tage das Hirn ausgewrungen habe, bin ich zu einer Neufassung gekommen. Der Grundgedanke davon ist, dass ich es nicht zu kompliziert machen will und darum mehrere Details rausgestrichen habe, die momentan eigentlich nur verwirren und nicht unbedingt nötig sind. Ich hoffe, ich komme jetzt schneller und verständlicher zum Punkt.

    Falls nicht ... bitte melden!


    Kapitel 4 - hier habe ich nur den Schluss geändert, ab dem Moment, als sie in die Kristallhalle eintreten.


    Kapitel 4.1


    Kapitel 4.2


    Es fehlt nun nur noch der Schlusspart dieses Kapitels.

    Ich weiß, dass es immer etwas öde ist, sich dasselbe Kapitel nochmal durchzulesen, aber ich wäre froh, wenn ihr Lust hättet, da nochmal draufzuschauen, ob es sich jetzt flüssiger und nachvollziehbarer liest! <3

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Danke euch liebe Rainbow , Sensenbach und LadyK !


    Dann mache ich jetzt mal weiter mit dem Schluss dieses Kapitels.


    4.4 Der Auftrag

    „Du hast uns in Karghena zum Narren gemacht und noch die Göttin beleidigt. Das muss bestraft werden!“, erklärte der König in harschem Ton. Dabei ließ er seine Blicke mit einem seltsam agitierten Ausdruck über die Zauberinnen an seiner Seite schweifen und verharrte einen Augenblick an dem Kontaktring an seiner Hand, den Raven knacken hörte. Ganz leise tönte das Wispern einer fernen Stimme daraus hervor, woraufhin der König zunehmend verärgert lauschte. Sobald die Stimme verstummte, blickte er wieder zu Raven hin. „Meine Bündnispartnerin lässt schon die Ketten richten für die Kalmukerisierung, wie ich eben höre. Ich verlange, dass du dich am Krater ruhig verhältst und die Zeremonie nicht durch unpassende Ausrufe störst, um die Göttin nicht noch mehr zu verärgern! Die Magierinnen wollen in ein paar Augenblicken beginnen.“

    Raven straffte sich und versuchte, die von neuem hochschießende Angst hinter einer starren Fassade zu verbergen. Verdammt, was sollte das heißen? Kam es wirklich noch darauf an, ob er diese Welt mit oder ohne Geschrei verließe?

    Kimures neben Raven stieß einen hohen, schluchzenden Laut aus. Er selbst war zu keiner Bewegung mehr fähig, erstarrte wie versteinert. Dunkle, knöcherne Arme schienen nach ihm zu greifen, um ihn in eine bodenlose Tiefe zu ziehen, aus der ihn ein Zischeln und Schaben wie von Millionen Schlangen erwartete.

    Zu spät? Bin ich schon tot?

    „Euer Majestät. Ich war nicht komplett erfolglos“, rief er dem König mit fester Stimme entgegen, mit dem letzten Rest Selbstbeherrschung, den er noch aufbringen konnte. „Als ich gesehen habe, dass ich die Prinzessin nicht rausbringe, habe ich den Bräutigam umgelegt, als Zeichen unserer Macht! Und habt Ihr die Rassepferde gesehen, die wir geraubt haben? Jedes einzelne könntet Ihr in Gold aufwiegen!“

    War das ein Anflug von einem Lächeln? Doch das amüsierte Grinsen um die Mundwinkel des Königs verschwand so schnell, wie es erschienen war.

    „Spar dir die Ausflüchte.“ Er winkte einigen geflügelten Wächtern an seiner Seite und gab ihnen leise Befehle. Daraufhin breiteten diese ihre Flügel aus, schwebten über Ravens Kopf hinweg bis zum Ausgangsportal.

    Raven stand schon unter solcher Spannung, dass alle seine Muskeln verkrampften. Atemlos blickte er den Fliegern nach. Was hatte der König ihnen befohlen – gab es noch eine Chance? Oder war das eins dieser perfiden Spiele des Königs, der gern einem Deliquenten noch kurze Hoffnung gab, bevor er zum Todesstoß ausholte?

    König Wukur hatte ihn nicht aus den Augen gelassen und schien die wilden Gefühle genau zu spüren, die Raven vor ihm so krampfhaft zu unterdrücken versuchte.

    „Hör zu, Raven.“ Er lächelte aufmunternd. Seine Lippen verzogen sich zu einem unergründlichen Grinsen, in dem Raven jenen Hang zum Sadismus aufleuchten sah, den er so gut kannte. „Ich habe natürlich nicht vergessen, dass du mit dem Schwert umgehen kannst und ich halte – trotz diesem Desaster, was du dir geleistet hast – große Stücke auf dich. Daher bin ich geneigt anzunehmen, dass du in Karghena durcheinander gekommen bist und dir solch ein katastrophaler Fehler nie wieder unterlaufen wird.“

    Verblüfft vor dem unerwarteten Sinneswandel starrte Raven ihn an. Hoffnung stieg in ihm auf, in wallenden, belebenden Wellen. Wollte der Herrscher ihm wirklich vergeben? Aber das konnte er sich nicht leisten vor so viel Zeugen. Diese geheuchelte Freundlichkeit war nichts als eine Finte! König Wukur wollte ihn noch tiefer vernichten und ihn zu einem Knieefall verleiten oder dazu, um sein Leben zu betteln. Den Gefallen würde er ihm nicht tun.

    „Erinnerst du dich daran, dass ich dich zum General einer neuen Armee machen wollte?“, fuhr der König fort, während das Lächeln um seine Lippen einen scheinbar gütigen Ausdruck annahm. „3000 Mann. Ich bin schon dabei, sie zu rekrutieren. Jetzt kann ich sie dir natürlich nicht geben – nicht, nachdem du dir solch einen Fehltritt geleistet hast. Aber ich dachte …“

    König Wukur brach ab, lächelte ihn an und machte eine vielsagende Pause.

    Raven fuhr hoch. Die Armee! Wieso redet er jetzt davon, wo er mich doch tot sehen will. Oder ist noch Hoffnung? Ist das ein Witz? Nun gewahrte er dieses gewisse gierige Flackern in den Augen des Königs und begriff: Da ist etwas im Busch. Mit meinem Gerede über Silvrin habe ich ihn vielleicht geködert. Der Hundesohn bringt ihn garantiert um den Schlaf. Ich wette, er sinnt schon seit Monden darüber, wie wir Silvrin ins Verderben schicken. Und das Verderben dieser verfluchten Rebellen wäre ihm hundertmal wichtiger als die Göttin, die doch sowieso nur die Hexen begünstigt. Vielleicht hat er eine Idee? Plant etwas, wozu er mich braucht! Vielleicht etwas Verwegenes, wovor andere zurückschrecken.

    Das kleine Fünkchen der Hoffnung, das schon in Raven glomm, loderte nun grell auf. Er würde vielleicht nicht in den Kalmukerketten landen. Klar, irgendeine Strafe lauerte, und angesichts des Desasters hatte er ein böses Gericht zu erwarten, das ihn treffen würde. Doch so lange sie seine Seele nicht zermalmten, würde er alles aushalten.

    Raven entspannte sich etwas und fühlte, wie die Enge in seiner Brust verschwand und das lähmende Gefühl der Todesangst stückweise beiseite glitt.

    „Aber?“, fragte er atemlos, „was ist mit der Armee? Nun sagt es mir schon!“

    „Du hast von Silvrins Attacke gehört, aber die Details kennst du noch nicht“, begann der König und seine Augen wurden schwarz vor Zorn. „Heute früh bekam ich Bericht, er hätte in Darghessa seine Wasserteufel mobilisiert. Dieser Verbrecher hat es gewagt, eine Gottesfeier für die heilige Gorrogon zu sabotieren und fünf Opfer geraubt. Man hat ihn entdeckt, wollte sie ihm wieder abjagen, denn er war ganz allein – aber da schossen plötzlich Gefolgsleute aus allen Löchern. Es schien, als wäre eine Armee von hunderten Soldaten – vielleicht gar tausend - ihm zur Hilfte gekommen. Scheinbar aus dem Nichts! Und weg ist er, verwünscht!“

    „Silvrins geheime Armee“, spottete die Zauberin Zura, die Raven hergeführt hatte, und verdrehte die Augen. „Ich dachte, das wäre ein Märchen.“

    „Ist es auch!“, polterte der König. „Der Typ narrt uns, wo er kann! Aber jetzt schlagen wir zurück. Ich habe einen Plan, wie wir ihn aus seinem Versteck locken. Und zufälligerweise lässt der sich perfekt mit einem neuen und absolut perfekten Opfer für die Göttin kombinieren, auf das unsere Hexen schon so händeringend warten.“

    Wieder glommen die schwarzen Augen des Königs auf eine unheilvolle Weise und Raven war sich nicht sicher, ob dieser nicht nur Katze und Maus mit ihm spielte und gleich seine Krallen in ihn schlagen wollte. Doch er kämpfte die wieder aufflackernde Anspannung herunter. Dies war eine Chance – er musste sie nutzen! Wie er gegen Silvrin bestehen sollte, wusste er zwar noch nicht. Aber dies würde eine Herausforderung werden, der sich zu stellen seiner würdig war.

    „Erzählt mir schon, wie ist der Plan?“

    „Entführe eine Jungfrau von einem anderen Fürstenhof. Kriegst du das hin?“

    Die Worte trafen ihn wie ein Tritt in die Magengrube. Ihr Götter. Sollte das hier nicht ein Kampf werden? Endlich ein richtiger Auftrag? Nicht schon wieder ausgerechnet ein Mädchen! Aber er musste aufpassen, was er sagte. Schadensbegrenzung. Außerdem, die Armee!

    Dies ist die Chance meines Lebens! Da kommt es auf ein Mädchen mehr oder weniger auch nicht an.

    „Eine meiner leichtesten Aufgaben“, erklärte er leichthin. „Welche soll ich rauben?“

    „Die Prinzessin Cheneela von Aravenna.“

    „Wie bitte?“, warf Prinz Kimures erschrocken ein und rang die Hände. „Vater … Cheneela ist doch meine Kusine! Meine und ihre Mutter waren Schwes …“

    Raven boxte ihn so kräftig in die Seite, dass er abrupt verstummte. „Schweig! Du hältst dich raus!“

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Hey Kirisha


    So gefällt es mir deutlich besser, als der vorherige Dialog mit König Wukur.


    Die Kalmukerisierung schwebt über Raven und die Ungewissheit, was ihn erwartet, treibt die Spannung weiter an. Das hast du richtig gut hinbekommen, finde ich.


    Auch der neue Auftrag macht so Sinn. Der König will Raven so richtig schön zermürben, um ihn gefügig zu machen. Ich finde, das ist hier alles wichtig für die Charakterisierung und um Ravens weiteres Verhalten plausibel zu machen. Im Vergleich zu deiner allerersten Fassung finde ich das hier jetzt viel nachvollziehbarer.


    Ich will gar nicht wissen, was da gleich abgeht, wenn der König Ravens Leute reinführen lässt und Raven bei deren Kalmukerisierung zusehen soll. ;(


    Ich gehe mal davon aus, dass du uns das noch zeigen wirst, oder?

  • Liebe Kirisha

    der letzte Abschnitt hat mir ganz gut gefallen. Es ist weitgehend nachvollziehbar und jetzt kommt auch "Butter bei die Fische", das heißt jetzt kommt der Auftrag! Jetzt wäre ein Schwenk zur Prinzessin ganz interessant mal schauen, was da so passiert.




  • Hallo ihr Lieben,

    da bin ich ja froh, dass meine Überarbeitungen anscheinend jetzt ganz gut funktionieren!


    Rainbow und Sensenbach

    Rainbow

    Hm ... ich bin ehrlich gesagt mit diesem Kapitel nicht ganz zufrieden.

    Der Anfang ist wohl etwas langweilig, oder? Vielleicht sollte ich schneller zur Sache gehen?



    C5. Die Augen des Spiegels


    Mit einem lauten Knarren fiel die Tür zum Rittersaal hinter ihr ins Schloss. Prinzessin Cheneela trat schwer atmend auf den Flur. Eine Last mit dem Gewicht eines Felsbrockens wollte sie niederdrücken - sie fühlte sich wie eine Verbrecherin, die gerade ihr Urteil erfahren hat.

    Ihr Verstand weigerte sich zu glauben, ihr könnte tatsächlich ernsthafte Gefahr drohen. Ihr? Einer Prinzessin? Zeit ihres Lebens hatte sie von Silbertellern gegessen und war von hingebungsvollen Wächtern behütet worden, und sie hatte gewusst:

    Mich kann nichts Böses treffen.

    Sollte das nicht mehr gelten?

    Sollte sie selbst eine Zielscheibe sein?

    Und ihre einzige Rettung eine Heirat, die sie unweigerlich in Fesseln schlagen musste, aus denen sie nie wieder herauskäme?

    Der Anblick ihrer Leibwächter, die sie direkt vor dem Saal erwarteten, schweigend, in einer Reihe einer neben dem anderen stehend, machte es noch schlimmer. Sie standen dort, als würde sie gleich ergriffen und von ihnen persönlich in eine Zelle geschleift.

    Ohne einen von ihnen anzuschauen, hastete sie an den uniformierten Männern vorbei, die doch eigentlich ihre Vertrauten waren, eilte wie gejagt die Flure entlang. Diesem Schicksal musste sie entkommen können!

    Es muss eine andere Lösung geben, etwas, das nichts mit Heiraten zu tun hat, dachte sie erregt, während sie die Pergamentrolle zwischen ihren Fingern fast zerknüllte. Ich verstecke mich auf dem Dachboden in der großen Rumpelkammer!

    Sofort verwarf sie diese kindische Idee wieder. Ihre Leibwächter würden sie nicht unbeaufsichtigt dorthin gehen lassen. Sie brauchte eine echte, eine vernünftige Lösung.

    Nachdenklich verlangsamte sie ihre Schritte und lehnte sich gegen eines der Fenster im Gang. Ihre Leibwächter waren still und ergeben hinter ihr stehengeblieben. Noch immer pochte ihr Herz laut und schmerzhaft, doch sie schämte sich schon, dass sie ihre treuen Wächter eben gerade so verächtlich übergangen hatte. Dabei waren diese doch ihre ersten Ansprechpartner in jeder Situation, weil sie immer gegenwärtig waren und ihre Zuverlässigkeit mehr als einmal bewiesen hatten.

    „Habt Ihr etwas über die Vorgänge letzter Nacht gehört?“, fragte sie Thorvald, welcher der Dienstälteste dieser ergebenen Bediensteten war, ein kräftiger Soldat in mittleren Jahren, den ein kräftiger blonder Schnurrbart auszeichnete. „Wen hat Fürst Koryelan verhaften lassen?“

    „Den Kneipenwirt Ollen, das hat einiges Aufsehen verursacht. Und …“ Thorvald warf ihr einen vielsagenden Blick zu, „der Maler Zertá gehörte auch zu den Beschuldigten, aber er ist verschwunden. Sein Atelier fand man zugenagelt.“

    „Zertá?“ Cheneela sperrte die Augen auf. Sie glaubte, nicht richtig gehört zu haben. „Der Hofmaler? Seid Ihr sicher? Ich habe vor kurzem erst neue Gemälde bei ihm bestellt!“

    Die er bis heute nicht geliefert hat, fiel ihr ein. Darüber hatte ich mich schon gewundert.

    „Das solltet Ihr in Zukunft unterlassen“, erklärte Thorvald und fuhr bedächtig mit einem Finger über seinen Schnurrbart. „Die Palastwachen haben heute früh bereits eine Anzahl seiner Gemälde hier im Palast konfisziert.“

    Cheneela lag eine heftige Antwort auf der Zunge, doch sie schluckte sie herunter, um nichts Verbotenes zu sagen. Der junge Maler war ein Geheimtipp. Nicht nur, dass er erhaben mit dem Pinsel umgehen konnte: Unter seinen Bildern von steinernen Brücken oder sturmumwehten Landschaften versteckten sich rebellische Symbole. Er war ein Hoffnungsträger … gewesen. Wer hatte ihn dem König ans Messer geliefert? Und warum erfuhr sie von solchen Dingen immer als Letzte?

    „Ihr habt Euch erhitzt, vielleicht sollten wir Euch in Eure Gemächer zurückbegleiten?“, schlug Thorvald vor.

    Unbewusst verkrampfte die Prinzessin ihre Hände und schüttelte den Kopf. Sie würde dort keine Ruhe finden, denn diesem Heiratszwang wollte sie unbedingt entkommen. Wer könnte ihr dabei helfen?

    „Ich glaube … ich werde meine Mutter besuchen.“

    Entschlossen hob sie ihr Kleid leicht an, damit sie nicht über dessen untere Borte stolperte, und ging mit schnellen Schritten über die dicken Brokatteppiche in den Gängen. Sie wird genauso erschrocken sein wie ich, wenn sie die Neuigkeit hört. Vielleicht hat sie eine Idee! Und Vater hört auf das, was Mutter will.

    Daher steuerte die Prinzessin nun auf die Gemächer ihrer Mutter zu, die eine Etage höher lagen. Eilig durchschritt sie mehrere Flure und Gänge. An den hohen, sich wölbenden Wänden hingen Gemälde in schweren goldenen Rahmen, welche die früheren Palastherrinnen in wallenden Ballkleidern zeigten. Zwischen diesen standen dekorative Marmorsockel, auf denen sich Rehe und kleine Kätzchen dem Betrachter zustreckten.

    Leise Harfenklänge gepaart mit Flötentrillern perlten über den Flur und verrieten der Prinzessin nicht nur, dass die Mutter bereits aufgestanden war, sondern auch, wo sie sich aufhielt. Die Leibwächter der Fürstin machten der Prinzessin ehrerbietig Platz, als sie näherkam, und ließen sie passieren.

    Hoffnungsvoll trat sie bis vor die Tür des Musizierzimmers und klopfte.

    „Mutter! Darf ich eintreten?“

    Von drinnen öffnete sich die Tür.

    Fürstin Isimela von Aravenna saß auf einem Schemel in der Mitte ihres Gemaches und wie immer überstrahlte ihre Präsenz jene der sie umgebenden Zofen und Hofdamen komplett. Obwohl sie sich nur lässig in einen Morgenmantel eingehüllt hatte, verlieh dessen Silberglanz diesem den Stil eines Festkleides. Der Eindruck wurde noch erhöht durch die feinen gestickten Handschuhe, die fast bis zu den Ellenbogen reichten, und passenden silbergerandeten Stiefeletten.

    Das reiche hellblonde Haar der Fürstin türmte sich in filigranen Schlingen um die zarte Krone herum, welche sich darüber schmiegte, einer Königin würdig. An ihrer Schulter lehnte eine Harfe.

    Von dem Geräusch an der Tür aufgeschreckt, ließ sie ihre Hände sinken, die gerade noch über die Saiten gehuscht waren. Um sie herum saßen in einem Kreis zwei Flötistinnen, eine Geigerin und eine ältere Zofe mit einem Cello. Alle hielten in ihrem Spiel inne und die Töne verstummten.

    „Cheneela, schön dich zu sehen! Willst du mit uns musizieren?“

    Gewöhnlich konnte sich die Prinzessin dieser Aufforderung niemals entziehen. Sie liebte es, in die Welt der Töne einzutauchen und sich von ihnen in höhere Sphären entführen zu lassen. Da sie seit ihrem vierten Lebensjahr zuerst im Flötenspiel unterrichtet wurde, später auch mit dem Cembalo und der Harfe umgehen lernte, hatte sie eine große Fingerfertigkeit entwickelt und spielte mit solcher Leidenschaft, dass ihr alle gern zuhörten.

    „Nein, heute nicht“, erklärte sie mit bebender Stimme. „Mutter, ich muss dringend mit dir reden!“

    Fürstin Isimela erhob sich verblüfft und da sie nun aufrecht inmitten des Zimmers stand, ließ das Licht der zahlreichen Kerzen ihren silbrigen Mantel wie einen Diamanten funkeln. Ihre Harfe sank auf den Schemel.

    „Das klingt dramatisch. Was ist passiert?“

    „Können wir das vielleicht im Ankleideraum besprechen?“, fragte Cheneela hastig und spürte, wie ihr vor Aufregung die Stimme fast versagte.

    Isimela führte ihre Tochter durch eine schmale Verbindungstür in das Nebenzimmer. Dieses imponierte durch einen kunstvollen von goldenen Schnörkeln gerahmten Spiegel in Mannshöhe sowie drei sechstürige Kleiderschränke an den Wänden. Auf diversen Ständern hingen Rüschenkleider und Korsette, auch auf den zahlreichen Stühlen lagen Dutzende von bunten Ballkleidern, Umhänge, Hüte und Schals. Die Mutter brauchte manchmal Stunden um sich zu entscheiden, was sie für den Tag anziehen sollte.

    „Vater will mich zwingen zu heiraten!“, platzte Cheneela heraus. Ihre Wangen begannen zu pochen, heiße Verzweiflung schoss ihr durch die Adern. „Ich soll auf dem Fest einen Bräutigam wählen – in drei Tagen, hat er gesagt! Er glaubt, mir könnte etwas zustoßen, wenn ich mich weigere!“

    Die Fürstin nickte kummervoll. Erst jetzt bemerkte die Prinzessin den angespannten Zug um die Mundwinkel ihrer Mutter. „Ich hörte davon.“

    Cheneela holte tief Luft.

    „Du – wusstest das? Und hast mir nichts gesagt?“

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Liebe Kirisha

    Dieser Szenenwechsel und die Inhalte des neuen Abschnitts passen sehr gut. Es ist auch ganz gut geschrieben, mit einigen Stellen bin ich noch nicht so ganz einverstanden.